Fußreliquiar, Schuhreliquiar
Esther Wipfler[1] (2026)
I. Definition
Fuß- bzw. Schuhreliquiare dienen in der Regel der Aufbewahrung der Reliquien der Füße von Heiligen oder deren Berührungsreliquien, hauptsächlich der Fußbekleidung. Im Folgenden werden nur fuß- und schuhförmige Reliquiare und deren Kombination behandelt.
II. Quellen
In archivalischen Quellen wie Schatz- und Heiltumsverzeichnissen sind Fußreliquiare nur selten aufgeführt. Sie werden dort als „pes“, „pied“, „fuß“, „fueß“, „foot“ bzw. „sandalia“, „schuoh“ und „Schuh“ bezeichnet.[2]
Die geringe Zahl der bekannten Belege spricht für die Seltenheit des einstigen Vorkommens, die auch durch den geringen Bestand erhaltener Exemplare (s. IV.) wahrscheinlich ist.
Schuhreliquien wie die Sandalen Christi sind seit dem 8. Jh. bezeugt.[3] Fußförmige Reliquiare sind durch erhaltene Exemplare seit dem 10. Jh. nachweisbar (Abb., Abb.). Bildliche Wiedergaben haben sich nur aus der Neuzeit erhalten (z. B. Abb.).
III. Geschichte
Fuß- und Schuhreliquien verwahrte man offenbar nur in Ausnahmefällen in Behältern auf, deren Form die Art der eingeschlossenen Reliquie anzeigen (sog. redende Reliquiare).[4] Häufiger sind andere Formen belegt.[5]
Vermutlich haben Votivgaben und Amulette in Fuß-Gestalt, die es seit der Antike gibt,[6] als Vorbild gedient. Die jüngsten bekannten fußförmigen Reliquiare stammen aus dem 17. Jh.
IV. Erhaltene Reliquiare
Fußförmige Reliquiare sind entweder aus Metallblech gefertigt oder häufiger vergoldete bzw. versilberte Behälter aus Holz. Letzteres ist z. B. 1535 für die Kathedrale St-Pierre in Genf bezeugt: „Item, vng escrin de boys argenté ou sont des reliques des Innocentz, c’est vng pied“.[7] Die bekannten Exemplare zeigen den nackten oder beschuhten Fuß (häufig sind Sandale oder Pontifikalschuh), etwa bis zum Knöchel. Unter den wenigen erhaltenen Beispielen sind zwei mittelalterliche Paare Pendants. Die anderen erhaltenen Objekte sind sehr unterschiedlich und bis auf die Fußreliquiare in Kroatien nicht von einander abhängig.
Nur selten sind Futterale von Fuß- oder Schuhreliquiaren erhalten. Als Futteral eines verlorenen Schuh- oder Fußreliquiars der hl. Margarete von Antiochia, das aber auch als Reliquiar selbst angesprochen wird (Abb.; Abb.),[8] diente ein rechter, mit reliefiertem und punziertem Leder („cuir bouilli“) überzogener, ausgehöhlter hölzerner Schuh, der vertikal aufklappbar und verschließbar ist. Die Reliefs zeigen u. a. die Vita der Heiligen, die der Legende nach den Teufel überwältigte und ihren rechten Fuß auf seinen Nacken setzte. Eine rückwärtige Öse gibt Anlass zur Vermutung, dass das Futteral aufgehängt werden konnte.[9] Das vergoldete, eiserne Schloss auf der linken Seite trägt Reste von Bemalung; in Knöchelhöhe befinden sich vier bisher unbestimmte Wappen, deren Form in die Westschweiz zu weisen scheint.[10] Der Dekor auf der Sohle zeigt Fabelwesen und Frauenköpfe ohne Nimben in drei Vierpässen.
A. Mittelalter
Das älteste erhaltene fußförmige Reliquiar ist Teil des Trierer Andreas-Tragaltars, der im Auftrag des Erzbischofs Egbert von Meranien (reg. 977–993) geschaffen wurde und deshalb auch Egbert-Schrein genannt wird (Abb., Abb.).[11] Laut einer umlaufend eingravierten, niellierten Inschrift auf der Oberseite des mit Goldblech überzogenen Deckels enthielt der Schrein von Anfang an neben anderen bedeutenden Reliquien wie dem eigens gefassten Nagel vom Kreuz Christi die Sandale des Apostels Andreas („SANDALIVM S[AN]C[T]I ANDREAE APOSTOLI“).[12] Der Andreas-Tragaltar ist mit weiteren Reliquiaren auf einem Stich 1655 dargestellt, der auf dem Fußstumpf noch eine kleine Gruppe mit drei sitzenden Figuren zeigt (Abb.). Oben auf dem Apostelfuß ist eine sechseckige, leere Arkadenfassung für diese zwischen 1655 und 1848 verlorengegangene Kleinplastik aus drei kleinen, nackten Kinderfiguren erhalten.[13] Darunter befindet sich eine Vertiefung, die vermuten lässt, dass es sich um ein Reliquiendepositum handelt, das wohl ursprünglich mit einem durchsichtigen Kristall abgedeckt war.[14] Der 9,8 cm hohe Fuß wurde aus einem einzigen Stück Eichenholz geschnitzt und stark ausgehöhlt. Er sitzt auf einem waagrecht in einem T-förmigem Falz geführten Schiebedeckel, in den später ein Schloss samt Schlüsselloch sowie eine Federarretierung eingefügt wurde. Die Entriegelung erfolgt durch einen Druck auf den Amethyst darüber hinter der Ferse, der Mechanismus wurde bislang nicht datiert.[15] Der naturalistisch geschnitzte rechte Fuß ist überzogen mit einem einzigen, dünn getriebenen Goldblech. Die Sandalenriemen um den Knöchel, davon ausgehend zu beiden Seiten des Fußes und über den Fußspann zwischen Großem Zeh und Nebenzeh endend wurden nachgebildet und reich mit Steinen dekoriert, nicht aber eine Sohle.[16] Die als Reliquie der Sandale des Apostels Andreas betrachtete Sohle liegt ungefasst im Kasten. Die Schreinaußenwände wurden reich verziert, u. a. mit sehr viel älteren Spolien (sechs antike Gemmen, Goldsolidus mit dem Bildnis des Kaisers Justinian [527–565]), wobei die Binnenflächen der Schmalseiten von einem verlorenen spätkarolingischen Werk stammen.[17] Eine Vielfalt von Techniken ist feststellbar, u. a. Filigran, Granulation, Niello, Senkschmelz[18] sowie spätkarolingisches Zellenmosaik über Goldfolie[19] und kleine grüne und rote Glasplättchen, dazu herzförmig geschliffene Almandine. Auf den Längswänden des Kastens, dessen Unterseite mit unvergoldetem Silberblech beschlagen ist, sind beidseitig je drei gleich große, geglättete Elfenbeintafeln mit applizierten quadratischen Goldplatten, die die Evangelistensymbole in Email zeigen. Dazwischen wurde je ein Relief eines stehenden, nach links bzw. nach rechts gewandten Tetramorphs aus vergoldetem Bronzeguß platziert.[20]. Auf der Kastenrückseite unterhalb der Ferse, befindet sich im Zentrum über Silberfolie eine von Perlschnüren umrandete, Almandinscheibe um den erhaben aufgesetzten, vor 538 in Konstantinopel geschlagenen Goldsolidus mit dem Bildnis des Kaisers Justinian, über einem Almandinkreuz.[21] Umgeben wird dies von gravierten Darstellungen von Tieren, teilweise gegenständig an Lebensbäumen, sowie Evangelistensymbolen (drei verloren) in mit rotem Glas hinterlegter Opus-interrasile-Technik aus dünnem Goldblech, die jeweils Arkaden aus Perlschnüren umgeben. Auf der vorderen Schmalseite des Kastens wurde zwischen zwei großen, von Perlschnüren gebildeten Andreaskreuzen eine vergoldete Scheibe mit zentralem Glasstein befestigt, die von gravierten Strahlen umgeben ist; dabei handelt es sich um eine spätere Ergänzung.[22] Oben auf dem Deckel, vor den Zehen des Andreasfußes, wurde ein äußerst kleiner Altarstein (2,5 x 2,5 cm) angebracht, es ist ein Glasplättchen aus Millefiori-Mosaikglas in Rot, Gelb, Seegrün, Schwarz und Weiß,[23] mit der Umschrift: HOC ALTARE CON/SECRATU[M] EST IN / HONORE S[AN]C[T]I / ANDREAE AP[OSTO]LI. Demnach wurde der Trierer Schrein zugleich als Portatile, als Trag-, Reise- oder auch Prozessionsaltar, genutzt. In den Ecken des Schiebedeckels sind vier Ringösen angebracht, vielleicht zum Aufhängen des Reliquiars an einem Altarziborium, möglicherweise dem der Andreaskapelle.[24] Vier silberne Ringe hängen zudem in den Mäulern der als Kastenfüße dienenden, liegenden Löwen aus vergoldetem Gelbguß, die Baluster tragen. Dass diese Ringe dem Durchschieben von Tragestangen dienten, wird zwar bezweifelt, doch kann man dieses Merkmal als Verweis auf die Bundeslade interpretieren.[25]
Das Fußreliquiar des hl. Jakobus d. Ä. in Namur (Musée des Arts anciens du Namurois-Trésor d’Oignies; bis 1818 in der Prioratskirche St. Nicholas), Maasgebiet, um 1250 (Abb.), zeigt naturnah ausgearbeitet einen rechten Fuß. Er ist aus Eichenholz geschnitzt, alle sichtbaren Wandungen sind mit getriebenem Silberblech bekleidet. Das Reliquiar wird um Mitte des 13. Jh. datiert und einer Werkstatt in Nachfolge des Hugo d'Oignies zugeschrieben.[26] Im Inventar des Reliquienschatzes vom Jahre 1628 nahm man „Partem pedis S. Jacobi maioris“ auf. Nach Beschriftungen des 17. Jh. beinhaltet das Reliquiar einen weißen Stein „De loco nativitatis S. Joannis Baptiste“ (siehe Geburt Johannes des Täufers), drei kleine Steine „De Monte Calvarie“, ein Knochen „S[an]c[t]i Jacobi ap[osto]li de Galisee“. Die kupferne, vergoldete Bodenplatte des Fußes ist wie eine Sandale ringsum nach oben aufgebörtelt und wie von zwei einfachen, in der Mitte längs miteinander verbundenen, vergoldeten Riemenbändern gehalten, die die Blechnähte verdecken. Am oberen Fußrand, vergoldet wie alle Ornamente des Reliquiars, überragen Schmucksteine ein umlaufendes Band aus freiplastisch aufgelöteten Blättern zwischen Perlbändern, unterbrochen von vier kleinen, flach ornamentierten, längsrechteckigen Plättchen. Ornamente dieser Art umgeben einen größeren, leicht trapezförmigen Klappdeckel an zwei Scharnieren über dem aus dem Holz in der Mitte des Spanns geschnitzten Reliquiendepositorium. Darauf sind Blattornamente zwischen Bändchen aus türkisblauem Grubenemail in einer äußeren, aufwendigen Schmuckbordüre mit gleichartigem Blattwerk wie oben am Fußrand aus spitzen (Efeu-) und gerundeten, fünflappigen Blättern, Granulation, gefassten Steinen, Perlen sowie Bergkristallen auf den Ecken. der Fußstumpf wird abgeschlossen von einer hochovalen, gegossenen und vergoldeten Platte, in deren Mitte eine barfüßig stehende Figur des Jakobus mit Buch in seiner Linken ohne Nimbus dargestellt ist. Ringsum verläuft eine breite Randbordüre aus schräg versenkten, dicht gereihten, dreifach gelappten Blättern zwischen flachen Zahnschnittbändern. Nach dem Vorbild des Jakobus-Fußreliquiars und offensichtlich als Pendant wurde um 1260 das Fußreliquiar des hl. Blasius in Gestalt eines rechten Fußes gearbeitet, allerdings ohne Riemenbänder (Abb.).[27] Auf einen Eichenholzkern ist ein getriebenes Silberblech aufgenagelt, die Sohle besteht wie beim Pendant aus vergoldetem Kupferblech. Am oberen Rand ist ein umlaufendes Schmuckband aus vergoldetem Kupfer mit einer auf gekörntem Grund zwischen zwei Zahnschnittbändern eingravierten Wellenranke mit fünfzackig angespitzten Efeublättern angebracht. Eine vergoldete Metallplatte schließt den Fuß oben ab; sie folgt dessen Kontur und ist außen gerahmt von einem breiten Zahnschnittband; in der Mitte der Platte ist ein stehender Bischof mit erhobener rechter Hand und Pedum auf quer schraffiertem Fond in einer stilisierten Kirchenarchitektur dargestellt. Im Hintergrund weist diese romanische, in der vorderen Bogenarchitektur jedoch frühgotische Formen auf. In den beiden Außenfeldern neben den Rundsäulen mit Blattkapitellen sowie zur Rechten der Bischofsfigur sind drei Äste mit fünffach gelapptem Blattwerk, von anderer Hand als das Jakobus-Fußreliquiar ausgeführt; auf dem Spann befindet sich ein ähnliches Reliquiendepositorium; der mit einem Bergkristall abgedeckte Klappdeckel wurde im 15. Jh. (?) erneuert.[28] Die reiche Randbordüre mit erhabener Blattranke ist gerahmt von einem kleinteiligen Zahnschnittband.
Im Schatz der Kathedrale von Nin befinden sich zwei fast gleiche, aus Silber getriebene Fußreliquiare der Heiligen Aselus [Anselmus] und Grisogonus (Chrysogonus), dalmatinische Arbeiten, wohl aus dem nahen Zadar (Abb.).[29] Laut der eingravierten Inschrift auf beiden Reliquiaren unter der Schauöffnung „RADOSLAVUS VTVSANVS . DE . SCRADONA CANCEL/LARIVS. D[OMI]NI . PAVLIBANI. ET. IVPANVS ECCLESIE / NONENSIS . FECIT. FIERI HOS PEDES AD HONOREM . DEI ET. S[AN]C[T] ASEL/. LI PRO SALUTE SVA ET . SVORUM . ANNO D[OMINI] . MCCCVIIII“ wurden sie vom Kanzler des Bans Paul I. Šubić und dem Kirchenvogt von Nin, Radoslav Utšenić aus Skradin, 1309 in Auftrag gegeben. Jedes Reliquiar zeigt einen Fuß in niedrigem, vorn stark angespitztem Schuh mit einem Querriemen über dem Spann, der durch ein längsdreieckiges Stück mit dem Schaft verbunden ist; die beiden Teile schmückt ein getriebenes umlaufendes Ornamentband aus Efeublättern in Wellenranken, alternierend mit großen Fiederblättern im Zwickel. Den Abschluss bildet ein aufgesetzter Deckel mit großer Rosette in Treibarbeit und kleiner Schauöffnung.
Ein weiteres Fußreliquiar des hl. Grisogonus (Chrysogonus), das aber wohl für die Kathedrale von Zadar angefertigt wurde, ist eine unter venezianischem Einfluss entstandene Arbeit aus der zweiten Hälfte des 14. Jh. (Abb.).[30] In Treibarbeit ist seine gesamte Oberfläche verziert mit großem gerollten Blattrankenwerk auf kreuzschraffiertem Grund. Längs über dem Spann und quer vor der Ferse ein breiter, symmetrisch in Filigran gearbeiteter Schmuckstreifen mit (nur noch fünf) gemugelten, bunten Steinen. Ein entsprechendes Band rings oben am Außenrand des Fußstumpfes. In seiner flachen, längsovalen Oberseite ist ein gleicharmiges Kreuz als Sichtfenster ausgeschnitten. Darüber wurde ein halbkreisförmiges Band mit der Inschrift „S[ANCT]I GRISOGONI“ eingraviert. Die Ornamentik ist mit der auf dem erstmals 1392 genannten Armreliquiar des Heiligen aus der zweiten Hälfte des 14. Jh. in derselben Schatzkammer verwandt.
Ein Fußreliquiar des hl. Alardus (wohl 752–826), wohl eine italienische Arbeit des 14. Jh. (Abb.),[31] zeigt einen rechten, unbekleideten, etwas unterlebensgroßen Fuß. Die weichen, naturalistischen Formen sind aus Kupferblech getrieben und vergoldet; die Zehennägel sind eingraviert. Das Reliquir ist ohne Sockel und oben völlig offen. Wie der Verschluss ursprünglich aussah, ist ungewiss. Den oberen Rand bildet ein plastisch modellierter, gelochter, stehender Blattkranz, außen mit muschelförmiger Binnenzeichnung. Die darunter umlaufende, gravierte Inschrift ist durch zwei aufgelegte profilierte Bänder gerahmt: „QUI . ENTRO . E . IL . PIEDE . DI . SANTO . ALARDO . ABATE+“
Die Kathedrale S. Guglielmo in Casale Monferrato besitzt ein Fußreliquiar der hl. Margarete von Antiochia aus Nordwestitalien, wohl um 1500 (Abb.). 1804 wurde es aus der Wallfahrtskirche von Crea, wo es sich unter einem wundertätigen Bild der hl. Margarete befand, in das nahe Casale gebracht.[32] Das aus Silberblech getriebene Reliquiar zeigt einen nackten Fuß: Die Zehen sind sorgfältig aus einem Bergkristall geschliffen, der die Reliquie sehen lässt; er ist am Ansatz des Silberblechs lediglich mit Schnüren befestigt und allseitig ein wenig zu groß, könnte also eine nachträgliche Ergänzung sein, um die Reliquie sichtbar zu machen. Der Fuß ruht auf einer silbernen Sandalensohle mit umlaufendem Eierstab zwischen schmalen Ringwülsten am Rand. Unterhalb des Umrisses der Zehen befindet sich eine schmale Schmuckleiste. Oben auf dem glatten Fußabschnitt ist fragmentiert erhalten eine silberne, frontal stehende, nimbierte und gekrönte Figur der hl. Margarete mit einem Kreuz in ihrer Rechten. Seitlich daneben sitzen zwei vom Gewand der Heiligen überschnittene (!), silberne rot emaillierte Wappen der Stifter, auf dem einen das quadrierte Wappen der Markgrafen von Monferrat; auf dem anderen, ebenfalls quadrierten ist der doppelköpfige Kaiseradler im ersten Quadranten dargestellt, im zweiten Jerusalem und Aragon, im dritten Sachsen und Bar und im vierten das Kreuzwappen der Paleologen (ähnlich auf Münzen von Guglielmo VIII. Montferrat, 1494–1518). Es handelt sich wohl deshalb um eine Stiftung von Guglielmo VIII. Montferrat oder von dessen Bruder, Kardinal Teodoro.[33] Das Reliquiar ist mit versiegelten Textilbändern gesichert.
Das Fußreliquiar der hl. Helena, wohl aus dem 15. Jh., ist möglicherweise eine venezianische Arbeit, die von der Familie Bussanich gestiftet wurde (Abb.).[34] Das Reliquiar zeigt einen stark stilisierten, aus Silber getriebenen und vergoldeten Fuß. Die Verschlusskappe kam später hinzu. Der schräg aufragende Fuß sitzt auf einem späteren Sockel. Die Oberseite des Schuhs ist gegliedert in netzartigem Relief durch kreuzförmige Bänder, vorn Laubwerk an Ranken, im oberen Teil wabenartig, mit bunten Steinen in Kastenfassungen dazwischen; am Schnittpunkt des Kreuzbands sitzt eine größere, achtblättrige Rosette mit einem kleinen Kreuz in der Mitte. Hinten eingravierte Heiligenfiguren. Unklar ist, ob die Ornamente einst emailliert waren.
Aus dem Baseler Münster stammt ein Reliquiar für den rechten Fuß eines der Unschuldigen Kinder. Diese Reliquie soll laut Inschrift auf der Sohle des Fußreliquiars einst der hl. Columban (um 543–615) dem Münster geschenkt haben. Das Reliquiar ist mit 1450 datiert und wahrscheinlich eine Basler Arbeit (Abb.).[35] Das aus einem Eichenholzkern geschnitzte und mit dünn getriebenem Silberblech überzogene Reliquiar zeigt einen flachen, absatzlosen antikisierenden Schuh, aus dem die hohl aus Silberblech getriebenen Zehen herausragen. Die Sohle ist aus vergoldetem Kupfer gefertigt, das Innere teilweise mit Leder ausgekleidet. Die ursprünglichen Schmucksteine und alle antiken Gemmen wurden zwischen 1836 und 1851 ausgetauscht. Das „Schuhleder“ ist übersät mit einer Fülle eingenagelter, vergoldeter, sechsblättriger Rosetten sowie mit einzelnen großen Steinen. Vergoldete Bänder mit Steinzierrat liegen rings über den Knöcheln, längs der Ferse und des Spanns, ein schmales Band beidseitig zwischen Rist und Ferse sowie am Schuhsaum über dem Zehenansatz. Auf den Knöcheln sitzt ein Medaillon mit Zellenschmelz in vergoldetem Silber („émail de plique“), Paris, um 1300, wie am Büstenreliquiar der hl. Ursula aus dem Münsterschatz, in einer Randfassung aus Filigranschnecken und Perlenkranz.[36] Auf dem Spann ist ein großes rundes Fenster aus Bergkristall angebracht. Darüber ist eine hohe Applik mit einem Kranz aus ehemals zwölf Perlen um eine Rosette eingearbeitet.[37] Oben auf dem Fuß wurde ein rundes Perlmuttrelief in einem kronenartigen, schräg geweiteten Blatt- und Liliensteg befestigt, das die Darbringung Jesu im Tempel zeigt. Die Unterseite schließt eine Sohle mit genageltem Rand, die als großer Klappdeckel unter der Ferse zu öffnen ist; darauf ist in großer Fraktur je eine ornamental verzierte Inschrift graviert: außen „Integer pes de innocentibvs / Sanctvs colvmbanvs dedit“, innen „osvaldus fecit hoc opvs de volvntate dey 1450 jar“[38] Dieser Name wurde zunächst als Signatur des Basler Goldschmieds Oswald Ueberlinger gedeutet, der allerdings bereits 1445/46 verstorben war, deshalb handelt es sich um den Basler Domkaplan und Münsterbaumeister Oswald Walcher.[39] Die 10,5 x 5,5 cm große Reliquie ist übertragen worden.[40] angeblich aus dem Scheibenostensorium der um 1360 gefertigten Apostelmonstranz aus dem Münsterschatz in das Für diese wäre sie jedoch zu groß.[41] Das Fußreliquiar ist aufgeführt in den Schatzverzeichnissen des Basler Münsters seit 1477.[42] Die These, das Reliquiar sei ein umgearbeitetes romanisches Reliquiar[43], bedarf der weiteren, auch technischen Überprüfung.
B. Neuzeit
Das Schuhreliquiar der hl. Brigida von Kildare aus Messingblech ist mit gravierten lateinischen Inschriften ("S * BRIGIDA * VIRGO * KILDARIENSIS / HIBERNIA * PATRONIA" "HOC * EST * IURAR[…] ANNO * DOMINI * 1410 / MENTUM NATURALE* Lochreich", "S * Jhon * BAPTIST) und Metallgüssen versehen, die das Haupt Johannes des Täufers und den gekreuzigten Christus zeigen. Das von einem gravierten Strahlenkranz umgebene leere Hochoval über dem Spann trug vermutlich den Reliquienbehälter (Abb.), unterhalb des Kruzifixes wurde offenbar ebenfalls eine Applikation entfernt. Die schlichte Arbeit, die durch das goldfarbene Material kostbar wirken soll, wird frühestens in das 16. Jh. datiert, möglicherweise wiederholte sie ein älteres Reliquiar, darauf verweist auch die in der zitierten Inschrift enthaltene Jahreszahl 1410.[44] Laut Inschrift wurde das Schuhreliquiar beim Ablegen von Eiden verwendet, was eine nicht selten für das Mittelalter belegte Praxis bei der Verwendung von Reliquiaren ist.
Das Fußreliquiar der hl. Anna in Marin, Departement Haute-Savoie, zeigt einen nackten, linken Fuß. Er wurde naturgetreu aus Silberblech getrieben (Abb.). Das Fußreliquiar stammt wohl aus dem ersten Drittel des 17. Jh., wie der Stil der oben auf dem glatten Fußabschnitt gravierten Darstellung der auf einem Thron sitzenden Madonna mit Jesuskind, Mutter Anna und der Taube des hl. Geistes in einer Glorie darüber nahelegt (Abb. 11).[45] Auf die Ferse ist ein gespaltenes Wappen mit Grafenkrone graviert: Es zeigt einen Adler und eine Kapelle, in der anderen Hälfte einen Baum. Quer über den Spann eingeschnitten ist eine übergroße, mit Bergkristall abgedeckte Schauöffnung mit seitlichen Scharnieren. Die Reliquie selbst beschrieb man 1686 als fünf Zehen des linken Fußes der Hl. Anna; die kleine Zehe ist mit Seide umwickelt. Angeblich wurde sie von einem Kreuzzug aus dem Heiligen Land mitgebracht. Das Fußreliquiar ist stehend in ein barockes Ostensorium aus vergoldetem Holz montiert (Abb.), das offenbar gleichzeitig dafür angefertigt wurde.
Das Fußreliquiar des hl. Bartholomäus in S. Giacomo in Caltagirone stammt aus Palermo oder Caltagirone und wurde von Giuseppe Benincasa Anfang des 17. Jh. angefertigt (Abb.).[46] Es ist ein in Silber getriebenes Reliquiar in Form eines unbekleideten, lebensgroßen rechten Fußes, der eine reich ausgezierte Sandale trägt. In realistischer Weise wurden dicke, unter der Haut liegende Adern herausgetrieben. Auf den Zehen sind kräftige Querfalten zu erkennen. Zwei feine, parallele Schmuckfurchen zieren den Rand der Sandalensohle. In die Oberseite des reichen Riemenwerks ist ein Schmuckband aus schuppenartig überlappten „Lochmünzen“ mit kleinem Kreis im Zentrum graviert: Drei Querriemen verlaufen über den Spann, einer waagrecht über den Knöcheln, ein Längsriemen zwischen großem Zeh und dem Zeh daneben durchgezogen; vier kurze Riemen senkrecht um die Ferse; ein schmaleres Ringband dient als oberer Abschluss des Fußstumpfes. Auf allen Schnittpunkten des Riemenwerks sind je eine größere, aufliegende Rosette angebracht. Vorn am Fußansatz befindet sich eine hochovale Schauöffnung mit durchsichtiger Abdeckung in einem glatten Ringrahmen, der auf einer gravierten Schildkartusche mit Rollwerk liegt. Das Silber wurde durch Oxidation schwarz, die hellen Teile sind vergoldet. Den Fußstumpf schließt ein runder, flacher, abnehmbarer oder aufklappbarer Deckel ab, der in der Mitte eine weitere Schauöffnung besitzt.
Das Fußreliquiar der hl. Maria Magdalena, dat. 1645, ist wahrscheinlich eine römische Arbeit (Abb., Abb.).[47] Für 1450 ist das Vorgängerreliquiar bezeugt: „Piede della Beata Maddalena ornato di argento“[48] Der in Silber getriebene, nackte, naturnah gestaltete linke Fuß wird von einem aufwendigen Sockel getragen. Auf der oberen, annähernd hochovalen Abdeckung des jetzigen Fußstumpfes ist graviert: „IN HAC TECA / ARGENTEA RECONDITVS / EST PES S. MARIE MAG/DALENE EXTRACTVS EX / ALIA VETVSTIORE PERFO/RATA DIE XX JUL II/ANNO 1645“, darüber und darunter befindet sich je ein symmetrisches, gebundenes Blattornament in Gravur. Auf dem Spann unter einer brillenglasförmigen Abdeckung erlaubt eine mit gesiegelter Schnur gesicherte ovale Schauöffnung den Blick auf das Reliquiendepositorium. Der Fuß ruht auf einer länglichen Blattschale über einer knaufartigen Amphore; der Sockel öffnet sich darunter schräg zu einem großen Rechteck mit je einem plastischen Delphin auf den Ecken; vorn in seiner Mitte trägt es in einem runden Schmuckrahmen die Inschrift „PES / BEATAE / MARIE / MAGDA/LENE“; darunter befindet sich ein längsrechteckiges Podest auf Klauenfüßen, der mit antikisierendem Ornament geschmückt ist.
Anmerkungen
- ↑ Bei der Erstellung des Artikels wurden Vorarbeiten von Rainer Rückert (1931–2022) verwendet.
- ↑ Genf, Kathedrale Saint-Pierre: 1535 „Item, une main et ung pied d’argent à folliage“ (Jean Daniel Blavignac, Histoire de l'architecture sacrée du quatrième au dixiéme siècle dans les anciens évêchés de Genève, Lausanne et Sion, Paris etc. 1853, S. 176). – Lens (Pas-de-Calais), Notre-Dame, zwei silberne Fußreliquiare im Inventar des 15. Jh.: a. linker Fuß eines der Zehntausend Märtyrer vom Ararat „Le pied de saint Archard l’un des dix mille martyrs; qui est enchassé en un pied d’argent senestre“; b. „le pied saincte Agnaisse, tout d’argent“ (Bulletin de la commission antiquités départementale du Pas-de-Calais 4, 1878, S. 183, 187; Joseph Braun, Die Reliquiare des christlichen Kultes und ihre Entwicklung, 1. Aufl. Freiburg i. Br. 1940, Ndr. 1971, S. 381). – Lüneburg, St. Johannis: Bei der Veräußerung kirchlichen Silbers um 1570 aus der Garbekammer aufs Rathaus gebracht: „1 silbern überguldeter Fuß darinne 1 eisen Leth [Glied] aus Petrus Ketten“ (Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover, Bd. II, Hannover 1902, S. 82). – Winchester, Kathedrale St. Swithin, vor 1539 „St. Philip’s foot covered with plate of gold, and with stones“ (William Dugdale, Monasticum anglicanum, Bd. 1, London 1817, S. 202. – Vgl. Joseph Braun, Die Reliquiare des christlichen Kultes und ihre Entwicklung, 1. Aufl. Freiburg i. Br. 1940, Ndr. 1971, S. 64 und 381 (mit fehlerhaften Zitaten).
- ↑ Zu den ältesten erhaltene Reliquien dieser Art gehören die als „Sandalia Domini“ verehrten Reste eines ledernen, aufwendig gearbeiteten Schuhs in der ehem. Benediktinerklosterkirche St. Salvator in Prüm (seit 1802 Pfarrkirche). Das aus dem Jahr 1863 stammende Reliquiar zeigt drei Schuhfragmente in einem verglasten Vierpassrahmen, der in eine neuromanische, silbervergoldete Reliquientafel in der Art eines Flügelretabels mit üppigem Emailbesatz eingesetzt ist (Christoph Willems, Prüm und seine Heiligthümer, Trier 1896, Taf. nach S. 56; 145 x 73/145 cm; Vorbild sei die Staurothek in St. Matthias in Trier gewesen: Johann Nepomuk von Wilmowsky, Die Uebertragung der Reliquie der Sandalen des heiligsten Erlösers […], in: Jakob Marx, Die Salvatorkirche zu Prüm in ihrer Vergangenheit und in ihrer Gegenwart. Eine Festschrift zur Feier des elfhundertjährigen Jubiläums […], Prüm 1863, S. 55). Zu diesen und anderen Sandalenreliquien ausführlich Esther Wipfler, „Integer pes de innocentibvs / Sanctvs colvmbanvs dedit“. Über die mittelalterlichen Fuß- und Schuhreliquiare und deren kunsthistorische Erforschung, in: Helga Kaiser-Minn und Esther Wipfler, Von gestochenen Bildern zum Kulturgüterschutz. Festschrift für Johann Michael Fritz, Heidelberg 2026, S. 137–169.
- ↑ Zur Typologie: Klaus Gereon Beuckers, Hoc sacrum Reliquiarum conditorium. Typen mittelalterlicher Reliquiare. Ein Problemfeld, in: Klaus Gereon Beuckers und Dorothee Kemper (Hg.), Typen mittelalterlicher Reliquiare zwischen Innovation und Tradition, Regensburg 2017 ((Objekte und Eliten in Hildesheim 1130 bis 1250, 2), S. 11–22.
- ↑ Siehe Anm. 3 sowie die folgenden Beispiele: Padua, Santo: Im Inventar von 1396 „dito [reliquiario] di un piede di San Lorenzo“, geborgen in einem erhaltenen Ziborium mit der Statuette des Heiligen als Aufsatz. – Padua, S. Francesco: Fußreliquiar des hl. Paternianus, um 1500, mit Inschrift „SACRATISSIMUS PES SANCTI PATERNIANI“, 62 cm hoch; die Reliquie ist in einem auf einem Fuß angebrachten stehenden Glaszylinder aufbewahrt, in dem der Fuß samt der Haut aufrecht sichtbar steht (Wart Arslan, Inventario degli oggetti d’arte d’Italia, Bd. VII, Rom 1936, S. 107 mit Abb.). – In einer Kirche in Venedig befand sich einst eine Reliquie vom Fuß des S. Pantaleone medico in einem reich verzierten Kastenreliquiar, die nur durch die Zeichnung des Jan van Grevenbroek von 1760 überliefert zu sein scheint: In einem länglichen, spätgotischen Schrein lag sichtbar quer der Fuß (noch mit der Haut) samt Authentik hinter drei durchsichtigen, quadratischen Abdeckungen (Giovanni Grevembroch, Varie venete curiosità sacre e profane, 1760, Tafel 39 unten, Venedig, Museo Correr, Biblioteca, Ms Gradenigo Dolfin 65). – In der Camera Santa der Kathedrale von Oviedo, ursprünglich die königlich-asturische Palastkapelle, ist an herausragender Stelle ein Reliquiar mit der „Sandale des hl. Petrus“ ausgestellt. Die flache, lederne Sandale liegt in einem silbernen, flachen Kästchen in Form der Sandale, das umrandet ist von einem Dreiblattornament mittelalterlichen Anmutung. Die Silbermontierung stammt aber wohl aus dem 17. Jh., sie trägt die eingravierte Inschrift „SANDALIA DEL PIEDE RECHO DE S. PEDRO APOSTOL[O] sowie CAMARA SANTA DE OVIEDO“ (Guillermo Estrada Acebal, Guia de la Catedral de Oviedo, Oviedo 1957, S. 119, 2 Taf.; 2. Aufl. 1995, S. 214f.).
- ↑ Siehe dazu Esther Wipfler, „Integer pes de innocentibvs / Sanctvs colvmbanvs dedit“. Über die mittelalterlichen Fuß- und Schuhreliquiare und deren kunsthistorische Erforschung, in: Helga Kaiser-Minn und Esther Wipfler, Von gestochenen Bildern zum Kulturgüterschutz. Festschrift für Johann Michael Fritz, Heidelberg 2026, S. 137–169.
- ↑ Jean-Daniel Blavignac, Notes historiques sur l'église de Saint-Pierre, ancienne cathédrale de Genève, in: Mémoires et documents publiés par la Société d'histoire et d'archéologie de Genève 6, 1849, S. 58.
- ↑ Otto von Falke, Ledertreibarbeit des 14. Jahrhunderts, in: Pantheon 8, 1931, S. 368–370; The Metropolitan Museum of Art Bulletin, Mai 1948, S. 248 mit Abb.; James J. Rorimer, The Cloisters, 11. Aufl. New York 1953, S. 109, Abb. 63; Whitney S. Stoddard, Monastery and Cathedral in France: Medieval Architecture, Sculpture, Stained Glass, Manuscripts, the Art of the Church Treasuries, Middletown, CT, 1966, S. 366, Abb. 411; Günther Gall, Leder im europäisches Kunsthandwerk, Braunschweig 1965, S. 91f. mit Abb. 65f.; Margaret E. Frazer, Medieval Church Treasures, The Metropolitan Museum of Art Bulletin 43, Nr. 3, Winter 1985/1986, S. 49, Abb. 56; Virginia Reinburg, Remembering the Saints, in: Memory and the Middle Ages, Ausstellungskatalog Boston, Chestnut Hill, Mass. 1995, S. 25, fig. 10; Silke Tammen, Ein Bilderschuh für die Heilige Margarete von Antiochia. Über ein ledernes Reliquiarfutteral des 14. Jahrhunderts, in: Daniel Wagner und Hanna Wimmer (Hg.), Heilige. Bücher – Leiber – Orte, Berlin 2018, S. 199–213.
- ↑ Günther Gall, Leder im europäisches Kunsthandwerk, Braunschweig 1965, S. 91. Die daran anknüpfende Hypothese, dass das Fußreliquiar über dem Bett von Gebärenden aufgehängt wurde, da diese die hl. Margarete anriefen, wird bislang ohne weitere Belege tradiert (z. B. Lucy Razzall, Boxes and Books in Early Modern England, Cambridge 2021, S. 156). Möglich ist auch, dass die Öse einer Sicherung des Reliquiars mit einer Kette diente.
- ↑ Günther Gall, Leder im europäisches Kunsthandwerk, Braunschweig 1965, S. 92.
- ↑ Die umfangreiche Literatur zum Andreas-Tragaltar ist größtenteils erfasst in: Der Andreas-Tragaltar. Restaurierungsgeschichte, offene Forschungsfragen und Neupräsentation eines Hauptwerks der ottonischen Goldschmiedekunst: Ergebnisse der Tagung vom 17.–19. September 2021 im Museum am Dom Trier, Regensburg 2024 (Treveris sacra, 6), S. 217–239 (Literaturverzeichnis); das Reliquiar war 2024 zuletzt ausgestellt: Welterbe des Mittelalters. 1300 Jahre Klosterinsel Reichenau, Ausstellungskatalog Konstanz, Regensburg 2024, S. 402f. (Olaf Siart) und Kat.nr. 191.
- ↑ Zu den weiteren Quellen auch den Schatzverzeichnissen seit 1238: Kirstin Jakob, Auf Spurensuche. Der Trierer Egbertschrein in den historischen Quellen, in: Der Andreas-Tragaltar [...], Regensburg 2024, S. 175–191.
- ↑ Diese Figuren sind vielleicht mit drei im Kunsthistorischen Museum in Wien erhaltenen, aus Chalzedon geschliffenen Einzelfiguren zu identifizieren, über die 1781 in Wien erstmals publiziert wurde: Antje Krug, Die Bekrönung des Egbertschreins, in: Trierer Zeitschrift für Geschichte und Kunst des Trierer Landes und seiner Nachbargebiete 63, 2000, S. 353–363, Abb. 4–7.
- ↑ Antje Krug, Die Bekrönung des Egbertschreins, in: Trierer Zeitschrift für Geschichte und Kunst des Trierer Landes und seiner Nachbargebiete 63, 2000, S. 356.
- ↑ Hiltrud Westermann-Angerhausen, Die Goldschmiedearbeiten der Trierer Egbertwerkstatt, in: Trierer Zeitschrift 36, 1973, Beiheft [4], Abb. 12.
- ↑ Der Andreas-Tragaltar [...], Regensburg 2024, Taf. 17f.
- ↑ Hiltrud Westermann-Angerhausen, Erzbischof Egberts Kirchenschatz und das Erbe der Karolinger in Trier, in: Der Andreas-Tragaltar [...], Regensburg 2024, S. 111–127.
- ↑ Antje Bosselmann-Ruickbie, „Senkschmelz (émail enfoncé)“ in Byzanz und im lateinischen Westen im 10. Jahrhundert: Innovation, „internationaler“ Wettbewerb und Techniksemantik, in: Der Andreas-Tragaltar [...], Regensburg 2024, S. 95–109.
- ↑ Hiltrud Westermann-Angerhausen, Spolie und Umfeld in Egberts Trier, in: Zeitschrift für Kunstgeschichte 50, 1987, S. 305–336; dies., Überlegungen zum Trierer Egbertschrein, in: Trierer Zeitschrift 40/41, 1978, S. 214.
- ↑ Zum möglichen Zusammenhang dieser Reliefs mit der angelsächsischen Kunst: Hiltrud Westermann-Angerhausen, Erzbischof Egberts Kirchenschatz und das Erbe der Karolinger in Trier, in: Der Andreas-Tragaltar [...], Regensburg 2014, S. 122.
- ↑ vgl. József Deér, Das Kaiserbild im Kreuz, in: Schweizer Beiträge zur allgemeinen Geschichte 13, 1955, S. 48–110; Hiltrud Westermann-Angerhausen, Erzbischof Egberts Kirchenschatz und das Erbe der Karolinger in Trier, in: Der Andreas-Tragaltar [...], Regensburg 2024, S. 119 mit Abb. S. 110.
- ↑ Die Vorderseite enthält die größte Zahl ergänzter oder ersetzter Teile; sowohl das ursprüngliche Aussehen insbesondere des Mittelstücks als auch der Zeitpunkt dieser Ergänzung sind fraglich: Markus Gross-Morgen, Die Restaurierung des Andreas-Tragaltars in den Jahren 1992/1993, in: Der Andreas-Tragaltar [...], Regensburg 2024, S. 67 mit Abb. 52.
- ↑ Ingeborg Krueger, Zum römischen „Altarstein“ des Andreas-Tragaltars (Egbertschrein) Trierer im Trierer Domschatz, in: Zeitschrift 75/76, 2012/13, S. 21–31.
- ↑ Allerdings ist der Schrein zuerst 1238 in der Schatzkammer nachgewiesen: Kirstin Jakob, Auf Spurensuche. Der Trierer Egbertschrein in den historischen Quellen, in: Der Andreas-Tragaltar [...], Regensburg 2024, S. 180.
- ↑ Hiltrud Westermann-Angerhausen, Erzbischof Egberts Kirchenschatz und das Erbe der Karolinger in Trier, in: Der Andreas-Tragaltar [...], Regensburg 2024, S. 124f.; vgl. Michael Brandt, Egberts Schrein. Zum Sitz im Leben eines mittelalterlichen Heiltums, in: ebd., S. 198 und 201). Obgleich der Einsatz des Schreins bei Prozessionen im Mittelalter nicht ausdrücklich belegt ist, kann er nicht ausgeschlossen werden, da der Schrein damals als Kreuznagelreliquiar verstanden wurde – dementsprechend wurde 1429 auch der dargestellte Fuß als Fuß Christi interpretiert; die Mitführung der Kreuznagel-Reliquie wird dagegen durchaus erwähnt: Kirstin Jakob, Auf Spurensuche. Der Trierer Egbertschrein in den historischen Quellen, in: Der Andreas-Tragaltar [...], Regensburg 2024, S. 175–191; ferner zum liturgischen Kontext: Michael Brandt, Egberts Schrein. Zum Sitz im Leben eines mittelalterlichen Heiltums, in: ebd., S. 193–201.
- ↑ Julien De Vos und Christine Descatoire (Hg.), Merveilleux trésor d’Oignies-Éclats du XIIIe siècle, Dijon 2024, Nr. 7 (Christine Descatoire); Ferdinand Courtoy, Le Trésor du Prieuré d’Oignies aux Soeurs de Notre-Dame à Namur et l’Œuvre du Frère Hugo, Brüssel 1953, Kat.nr. XVII, S. 72–74, 138. Abb. 55f.; Philippe Cruysmans, Le trésor du prieuré d’Oignies, in: Connaissance des Arts 311, 1978, S. 30 mit Farbabb. S. 33.
- ↑ Julien De Vos und Christine Descatoire (Hg.), Merveilleux trésor d’Oignies-Éclats du XIIIe siècle, Dijon 2024, Nr. 7 (Christine Descatoire); Treasures of Heaven […], Ausstellungskatalog Baltimore etc. 2011, New Haven 2011, Nr. 112 mit Abb.; Philippe Cruysmans, Le trésor du prieuré d’Oignies, in: Connaissance des Arts, Nr. 311, Paris 1978, S. 24–33, hier 30, Farbabb. S. 33; Ferdinand Courtoy, Le Trésor du Prieuré d’Oignies aux Soeurs de Notre-Dame à Namur et l’Œuvre du Frère Hugo, Brüssel 1953, Nr. XVIII, S. 74f., Abb. 57–58 [„M. 13. Jh.“].
- ↑ Ferdinand Courtoy, Le Trésor du Prieuré d’Oignies aux Soeurs de Notre-Dame à Namur et l’Œuvre du Frère Hugo, Brüssel 1953, Nr. XVIII, S. 74f.
- ↑ Der Gold- und Silberschatz von Zadar und Nin, bearb. von Marijan Grgić, Zagreb 1972, Kat.nr. 40, S. 179, Taf. 128f.; vgl. das Schatzinventar von Zadar 1426: „Pedes duos argenteos partim aureatos, qui dicuntur esse pedes s. Grisogoni“; Carlo Cecchelli, Catalogo delle cose d’arte e di antichità d’Italia, Zara/Rom 1932, S. 40.
- ↑ Carlo Cecchelli, Catalogo delle cose d’arte e di antichità d’Italia, Zara/Rom 1932; Der Gold- und Silberschatz von Zadar und Nin, bearb. von Marijan Grgić, Zagreb 1972, Kat.nr. 43, S. 181, Taf. S. 133.
- ↑ La revue du Louvre et des Musées de France 40, 1990, H. 1, S. 71; Joseph Braun, Die Reliquiare des christlichen Kultes und ihre Entwicklung, 1. Aufl. Freiburg i. Br. 1940, Ndr. 1971, S. 381f.; Adolphe Napoléon Didron ainé, Bronzes et orfèvrerie du Moyen Age, in: Annales archéologiques 19, 1859, S. 29, Abb. 21.
- ↑ 2° Mostra d’arte a Palazzo Carignano. Gotico e Rinascimento in Piemonte, Ausstellungskatalog bearb. von Vittorio Viale, Turin 1939, Kat.nr. 55, S. 246, Taf. 256; Mercedes Viale Ferrero, Ritratto di Casale, Turin 1966, S. 126, Farbtaf. IV; Hans R. Hahnloser, Susanne Brugger-Koch, Corpus der Hartsteinschliffe des 12.–15. Jahrhunderts, Berlin 1985, Kat.nr. 570, Taf. 464.
- ↑ Noemi Gabrielli, L’arte a Casale Monferrato dal XI al XVIII secolo, Turin 1935, S. 152, Abb. 225.
- ↑ Inventario degli oggetti d’arte d’ltalia, 5, Prov. di Pola, Rom 1935, S. 108, Abb. S. 107.
- ↑ Rudolf F. Burckhardt, Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Bd. 2, Basel 1933, Nr. 28, S. 211–220, Abb. 156–166; Joseph Braun, Die Reliquiare des christlichen Kultes und ihre Entwicklung, 1. Aufl. Freiburg i. Br. 1940, Ndr. 1971, Abb. 436; Der Basler Münsterschatz, Ausstellungskatalog, Basel 1956, Kat.nr. 28, S. 33f. [Hans Reinhardt]; Der Basler Münsterschatz, Ausstellungskatalog New York, Basel und München, Basel 2001, Nr. 19 [Brigitte Meles].
- ↑ Rudolf F. Burckhardt, Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Bd. 2, Basel 1933, Nr. 28, Abb. 161; Der Basler Münsterschatz, Ausstellungskatalog New York, Basel und München, Basel 2001, S. 82.
- ↑ Rudolf F. Burckhardt, Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Bd. 2, Basel 1933, Nr. 28, S. 211–220, Abb. 159f.; Der Basler Münsterschatz, Ausstellungskatalog New York, Basel und München, Basel 2001, Abb. 65.
- ↑ Rudolf F. Burckhardt, Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Bd. 2, Basel 1933, Nr. 28, S. 211–220, Abb. 164–166.
- ↑ Der Basler Münsterschatz, Ausstellungskatalog New York, Basel und München, Basel 2001, S. 86; Ulrich Barth, Erlesenes aus dem Basler Münsterschatz, Basel 1990 [Schriften des Historischen Museums Basel, 11], S. 13.
- ↑ Rudolf F. Burckhardt, Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Bd. 2, Basel 1933, Nr. 28, S. 218.
- ↑ Joseph Braun, Die Reliquiare des christlichen Kultes und ihre Entwicklung, 1. Aufl. Freiburg i. Br. 1940, Ndr. 1971, S. 64 und 381; Der Basler Münsterschatz, Ausstellungskatalog New York, Basel und München, Basel 2001, S. 86.
- ↑ „Item ein nüwe hubsch silberin fueß sanctorum innocentium“ (Carl Burckhardt und Christoph Johannes Riggenbach, Der Kirchenschatz des Münsters in Basel, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Vaterländische Alterthümer in Basel 9/10, 1862/1867, S. 360); 1478–1479: „núwe húbsch silberin fuss sanctorum innocentum“ (Der Basler Münsterschatz, Ausstellungskatalog New York, Basel und München, Basel 2001, S. 86); 1511: „Pes unius innocentium argenteus, ornatus pluribus preciosi floribus“ (Rudolf F. Burckhardt, Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Bd. 2, Basel 1933, Nr. 28, S. 211); 1525: „inn eyner holtzenen ubergulten cystel mit vil heiltum“; 1588: „mit vielen costlichen bluomen geziert“; 1827 „reich mit Vergoldungen, Perlen und Steinen besetzt, unter den Letzteren befinden sich 5 tiefgeschnittene“; 1834 „pes infantis“. Bei der Ausstellung der Reliquien auf dem Hochaltar stand – wie bei allen Kirchenfesten – im Jahre 1511 „der unschuldigen kindleinfuß“ auf einer „cistula lignea deargentata, cum reliquiis pluribus“; er wurde am Fest in einer Prozession durch das Münster getragen (Rudolf F. Burckhardt, Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Bd. 2, Basel 1933, Nr. 28, S. 220).
- ↑ Johann Michael Fritz, Spätgotik am Oberrhein […] , in: Jahrbuch der Staatlichen Kunstsammlungen in Baden-Württemberg 9, 1972, S. 187; Der Basler Münsterschatz, Ausstellungskatalog New York, Basel und München, Basel 2001, S. 87: „Möglich wäre demnach, daß ein im Kern romanisches Reliquiar 1450 sehr umfassend restauriert wurde, so daß es wie neu erschien“
- ↑ The Antiquaries Journal 2, 1922, Heft 3, S. 264f.: DOI: https://doi.org/10.1017/S0003581500089174; Cormac Bourke stellte 2024 im National Museum in Dublin die These vor, dass die Jahreszahl als 1710 zu lesen sei, das Reliquiar also in das 18. Jh. zu datieren wäre.
- ↑ Trésors des églises de France, Ausstellungskatalog Paris 1965, Kat.nr. 720, o. Abb.: „18. Jh.“; Jean Taralon und Roseline Maitre Devallon, Les Trésors des Églises de France, Paris 1966, Abb. S. 50 (mit falscher Ortsangabe „Thonon [Haute Savoie]“, ebenso in der englischen Ausgabe N. Y. 1966).
- ↑ Maria Accascina, Oreficeria di Sicilia dal XII al XIX sec., Palermo 1974, S. 197, Abb. 118, S. 195.
- ↑ Gabriele Segui, Christof Thoenes und Luisa Mortari, Ss. Celso e Giuliano, Collegiata e Capella Papale, Rom 1966, S. 83-84, Abb. 26-27 (Luisa Mortari); Tesori d’arte sacra di Roma del Lazio dal medioevo all’ottocento, Ausstellungskatalog Rom 1975, Nr. 270, Taf. CXIII.
- ↑ Gabriele Segui, Christof Thoenes und Luisa Mortari, Ss. Celso e Giuliano, Collegiata e Capella Papale, Rom 1966, S. 83. Seit 2012 befindet sich das Reliquiar in S. Giovanni Battista dei Fiorentini in Rom.
Verweise
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