Debora

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englisch: Deborah; französisch: Débora; italienisch: Debora.


Herbert Paulus (1954)

RDK III, 1119–1121


RDK III, 1119, Jörg Syrlin, 1469-74, Ulm.

1. Biblische Tradition

D. (dt. etwa: „Sprecherin Gottes“, Seherin, Orakelverkünderin) war das Weib des Lapidoth und galt als eine „Mutter in Israel“, die ihrem Volke unter der sogenannten „Deborapalme“ Orakel verkündete (Richt. 4, 4f.). Sie ist nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Amme der Rebekka, der Frau des Isaak, und deren „Klageeiche“ (1. Mos. 35, 8). Die große geschichtliche Tat der Prophetin D. war die Befreiung ihres Volkes vom Joch der kanaanitischen Könige. Nachdem sie ihr Volk (wohl nur die Nordstämme Israels) zum Befreiungskampf aufgerufen hatte, war es ihr Helfer, der Volksheld und Heerführer Barak, der den Feldherrn der feindl. Heeresmacht, Sisera, am Kisonbach bei der Festung Taanach entscheidend schlug. Sisera mußte fliehen und wurde an seinem Zufluchtsort – so, wie es D. vorausgesagt hatte – von einem israelitischen Weibe namens Jael getötet. – Biblische Belegstellen sind: Richt. 4, 4–22 u. Richt. 5 (Deboralied), beides voneinander unabhängige Überlieferungen, die sich im ganzen nicht widersprechen [1; 2].

2. Darstellung

Da weder in der jüdischen noch in der christlichen Theologie das Weib als „Prophetin Gottes“ eine Rolle spielt, – man verehrt nur die Gottesmänner – fand auch D. keinen Eingang in die christliche Symbolik. Erst im ausgehenden MA, im Zusammenhang mit der wachsenden Verehrung der Gottesmutter Maria, scheint D., wie es ihre Einreihung unter die Vorläufer Mariä an der südlichen Dorsalwand des Ulmer Chorgestühls (Abb.) beweist, Eingang in die m.a. Symbolik als Marientypus (hier als Mutter des geistlichen Israel, wie aus dem ganzen Zyklus und den lateinischen Versen zu schließen ist) gefunden zu haben, obwohl sie nicht wie Judith und Esther als Vorbild Mariä galt. Vielleicht darf man deshalb auch diese kunstgeschichtlich ganz vereinzelte Darstellung mehr als die Folge humanistischer Überlegungen, wie sie nach Vöge in Ulm zuweilen verwirklicht wurden, denn als einen Ausfluß der allgemeinen Theologie werten (Wilh. Vöge, Jörg Syrlin d. Ä., Berlin 1950, S. 43). Dafür spricht auch die Tatsache, daß Syrlin zwar die Prophetin „Delbora“ (unterhalb des Reliefs der hl. Ursula, im Halbfigurenrelief in einem Gehäuse) darstellt, sie aber nach dem Text des Spruchbandes („Aperuit utrem lactis et dedit ei bibere“, Richt. 4, 19) mit Jael identifiziert; denn sicher hat diese – möglicherweise unbeabsichtigte – Verwechslung die Einreihung der D. unter die Vorläufer Mariä nur gefördert (Milch ist im A.T. meist Erlösungsspeise).

Als Attribut trägt D. hier ein Schwert, als Tracht einen Mantel mit Tassel über dem Gewand, über dem Gebende einen Kopfschmuck mit Schriftzeichen. Nach R. Pfleiderer (Attribute der Heiligen, Ulm 1920, S. 157) trägt D. auch einen Spieß als Attribut, wohingegen Jael meist mit dem Nagel dargestellt wird.

Ein anderes Mal finden wir D. als alte Frau dargestellt: auf einem Gemälde von Salomon de Bray im Haager Privatbesitz, 1635 (Replik 1934 in Brüsseler Kunsthandel; Marburger Jb. 11/12, 1938/39, Abb. 9 u. 10, S. 321), erscheint sie, zusammen mit dem gewappneten Barak, als Begleiterin der Jael, mit betend erhobenen Händen. Das Bild ist in seiner Bedeutung nicht ganz klar. Theologische oder liturgisch-symbolische Beziehungen scheinen zu fehlen, man wird es als eine Art biblischen Historienbildes auffassen, dem porträt- und genrehafte Züge beigemischt sind.

Zur Abbildung

Jörg Syrlin d. Ä., Relief von der südlichen Dorsalwand des Chorgestühls im Ulmer Münster. 1469 bis 1474. Phot. Münsterbauamt Ulm.

Literatur

1. Buchberger III 171 (A. Schulz). – 2. R.G.G. I 1800.