Asphaltsteinzeichnung

Aus RDK Labor
Version vom 11. Februar 2015, 17:01 Uhr von Zi (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

englisch: Lithograph on asphalt; französisch: Dessin au bitume; italienisch: Litografia all'asfalto.


Franz Schubert (1936)

RDK I, 1146–1147


Asphaltsteinzeichnung (Asphaltschabmanier), ein Flachdruck, der das lithographische Druckverfahren mit einer Zeichnung in Schabmanier, also vom Dunklen ins Helle, vornimmt. Der plangeschliffene und gekörnte Lithographiertem wird mit einer Schicht von feinstem in Terpentin aufgelöstem syrischen Asphalt überzogen, der nach dem Trocknen eine gleichförmige Narbung aufweist. In diese Asphaltschicht wird die Zeichnung mit verschiedenen Schabeisen, Draht- oder Glaspinseln, Ossa sepia, Sandpapier usw. so hineingearbeitet, daß man durch Wegwischen und Freischaben des Grunds und der Körnung die formbezeichnenden Lichter herausholt. Nach dem Gummieren und Ätzen nimmt daher der Stein an den Stellen, an denen der Asphaltgrund weggewischt bzw. die Oberfläche durch Wegschaben der Körnung geglättet ist, nur wenig oder keine Farbe an, so daß diese Stellen hell drucken.

Das Verfahren wurde im Prinzip schon von Senefelder ausgeführt, der nur an Stelle des Asphaltes einen dünnen farbigen Fettüberzug verwendete. Auch A. v. Menzel benutzt an Stelle des Asphalts einen Grund von in Terpentin aufgelöster Tusche. Die reine A. kam erst im letzten Drittel des 19. Jh. auf und wird verhältnismäßig selten angewendet, auch dann meist unter Überarbeitung des geschabten Steins mit dem Kreidestift, dem Pinsel oder der Radiernadel. Sie dient zur Erzielung sehr malerisch weicher Effekte und ermöglicht hohe Auflageziffern, wie sie der Flachdruck auch sonst gestattet. Bei Tonplatten für den Farbensteindruck wird die Asphaltschabmanier gern angewendet, um, über die Farben der einzelnen Farbplatten hinweggedruckt, weiche Übergänge zu schaffen. Kann man A. v. Menzel mit seinen hervorragenden geschabten Lithographien nur im erweiterten Sinn als Vertreter der Schabmanier anführen, so verwendeten auch Künstler wie Kappstein, Skarbina, Alex. Lunois, Carlos Grethe und Arthur Kampf die A. meist in Verbindung mit anderen Techniken oder als Tonplatten. Die schönsten A. schuf Eugène Carrière. Ein instruktives Schulbeispiel einer A. von Erich Gruner befindet sich als Tafel XI in H. W. Singer, Handbuch für Kupferstich-Sammler, Hiersemanns Handbücher, Bd. IX, Leipzig 19233.

Literatur

1. Carl Kappstein, Der künstl. Steindruck, Berlin 1910, S. 18ff. 2. Otto Krüger, Die Illustr.-Verfahren, Leipzig 1914, S. 220 u. 221. 3. Ders., Die lithogr. Verfahren u. d. Offset-Druck, Leipzig 1926, S. 18 u. 19. 4. Karl Albert, Lexikon d. graph. Techniken, Halle a. d. S. 1927, S. 213, Nr. 1568-1570. 5. Aloys Senefelder, L’art de la lithographie, Munich 1819, S. 170ff. 6. Ders., Vollständ. Lehrb. d. Steindruckerey, München 1821, S. 306ff. 7. G. Engelmann, Das Gesammtgebiet d. Lithogr., oder: Theoret. u. prakt. Anleit. z. Ausübung d. Lithogr. ... Übersetzung d. Traité théorique et practique de lithographie. Chemnitz 1840, S. 200ff. 8. F. Duchatel, Traité de lithographie artistique, Paris o. J. (1893), S. 41. 9. Georg Fritz, Handbuch der Lithographie und des Steindruckes I, Halle a. S. 1902, S. 237ff. 10. Walter Ziegler, Die manuellen graphischen Techniken I, Halle a. S. 1912, S. 65.