Hl. Blut

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englisch: Blood, sacred, sacred blood; französisch: Sang (Saint), saint sang; italienisch: Santo sangue.


P. Thomas Stump und Otto Gillen (1942)

RDK II, 947–958


RDK II, 949, Abb. 1. Weißenau, 1709.
RDK II, 949, Abb. 2. Weingarten (Nachbildung).
RDK II, 949, Abb. 3. Reichenau, 1739.
RDK II, 951, Abb. 4. 1489. Stuttgart.
RDK II, 953, Abb. 5. Cosmas Damian Asam, 1718/20, Weingarten.
RDK II, 955, Abb. 6. Albrecht Dürer, 1509.
RDK II, 955, Abb. 7. Stuttgarter Passionale, um 1160/65.
RDK II, 957, Abb. 8. Retzstadt, um 1700.

I. Begriff

Unter Heilig B. oder Kostbares B. versteht man das B., das Christus bei seinem Leiden und Sterben vergossen hat, zumal jenes B., das aus der geöffneten Seitenwunde strömte. Nach der Überlieferung sollen die bei der Kreuzigung anwesenden Personen einen Teil dieses B. in Tüchern und Schwämmen aufgefangen und der Nachwelt übergeben haben (leibliches B. Christi).

Heilig B. wird häufig auch jenes B. oder jene b.-ähnliche Flüssigkeit genannt, die nach der Legende aus geschändeten Hostien geflossen ist oder sich zeigte, wenn an der realen Gegenwart Christi im Sakrament gezweifelt wurde oder wenn ein Priester aus Unvorsichtigkeit den Kelch des konsekrierten Weines umgestoßen hatte (eucharistisches B.).

Endlich versteht man unter Heilig B. jenes B. oder jene b.-ähnliche Flüssigkeit, die sich bei Schändung und Verunehrung von Kreuzen und Bildern zeigte.

II. Geschichtliche, volkstümliche und kunstgeschichtliche Bedeutung der hl. B.-Verehrung

A. Leibliches B. Christi

Die Verehrung des leiblichen B. Christi geht bis ins frühe MA zurück. Aufgefunden wurde es unter Karl d. Gr. zu Mantua (Migne, P.L. 104, Sp. 464), das später eine überragende Stellung als Zentrum des B.-Kultes einnahm und 1608 Sitz des Ritterordens vom hl. B. wurde. In der Zeit der Kreuzzüge, als christliche Ritter den Gral suchten, den Kelch, in dem Joseph von Arimathia das hl. B. aufgefangen haben soll, hat sich der Schatz an hl. B.-Reliquien gemehrt. Solche Reliquien, die meist nur im Besitze hochfürstlicher Kreise waren, wurden gerne dem Haus- und Lieblingskloster übergeben; so erhielt Reichenau von Swanahild eine Reliquie (bereits 923), Weingarten von Gräfin Judith von Flandern, der Gemahlin Welfs IV. (1090 bzw. 1094), Marienfließ (Ost-Priegnitz) von Otto IV., Weißenau von Rudolf von Habsburg (1283). Diese Reliquien wirkten zu allen Zeiten stark wallfahrtsbildend; ihre Verehrung erfuhr im Zeitalter des Barock eine besonders intensive Steigerung. Stätten, an denen hl. B. gezeigt und verehrt wurde und z. T. heute noch verehrt wird, sind u. a.: Brügge, Voormezele und Gistel in Flandern [12, S. 23ff. u. 43ff.], Düsseldorf-Gerresheim, Einbeck, Schwerin (Dom), Marienfließ, Rothenburg o. T., Reichenau ([17], ein Teil dieser Reliquie seit 1630 in Günterstal bei Freiburg), Wurzach bei Leutkirch [19], Weingarten [22], Weißenau [23], Jettingen (B.A. Günzburg), Niederachdorf bei Regensburg [3], Stams in Tirol [25]. Zahlreiche Bruderschaften entstanden zu Ehren des hl. B. An manchen Orten erhielt der hl. B.-Kult eine eigene festliche Umrahmung durch die sog. Blutritte. So feiert die Insel Reichenau am Montag nach Dreifaltigkeit ihr B.-Fest mit feierlichem Umgang, Weingarten am Freitag nach Christi Himmelfahrt, dem „B.-Freitag“, während Brügge alljährlich große Prozessionen veranstaltet, zu denen Teilnehmer aus allen Teilen des Landes und aus dem Auslande erscheinen. Wie in der religiösen Literatur und im Volksbrauchtum hat die Verehrung des hl. B. auch in der bildenden Kunst Ausdruck gefunden. Die Reliquie, zu der (wie in Gistel, Reichenau, Weißenau) nicht selten noch andere Heilandreliquien kamen, erhielt meistens eine kostbare Fassung. Das älteste hl. B.-Reliquiar ist wohl das byzantinische Kreuz der Reichenau [13; 17; 18]. Brügge verwahrt noch den Zylinder, in dem die Reliquie von Jerusalem nach Flandern gebracht wurde. Die Reliquiare von Weingarten und Weißenau sind so gearbeitet, daß sie beim Umritt leicht mit einer Hand getragen werden können; eine Kette und Fingerringe dienen zur Beteiligung an der Hand. Die Weißenauer Fassung von 1709 (Abb. 1) ist ein herzförmiger Kristall mit eingeschliffenen Ornamenten und Goldbandbelag, die moderne Weingartner (Abb. 2) bewahrt noch die Form jenes Reliquiars, das Abt Berthold bald nach 1200 hatte herstellen lassen. Die meisten hl. B.-Reliquiare haben die Gestalt einer Monstranz, so in Gerresheim, Gistel, Niederachdorf, Günterstal b. Freiburg, Stams. Bisweilen schuf der Barock eine reichere Umrahmung (Reichenau, 1739; Abb. 3). Ursprünglich wohl allgemein, später seltener, wurde das Kleinod in einem Kästchenreliquiar geborgen, wie heute noch in Brügge.

Nicht selten wurde für die Reliquie ein eigener Altar erbaut. Der berühmteste ist der B.-Altar von Riemenschneider in der Jakobskirche zu Rothenburg o. T. (RDK I, Sp. 553, Abb. 21). Häufig sind Szenen aus der Leidensgeschichte und vor allem die Leidenswerkzeuge dargestellt; die Altarbilder zeigen oft die Durchbohrung der Seite Christi (Stams und Weingarten, ehem. B.-Altar, jetzt Kreuzaltar).

Hl. Blutkapellen finden sich in Brügge, Gerresheim, Einbeck, Schwerin, Sternberg in Mecklenburg, Straßburg (bis 1476), auf dem Gottesberg bei Wurzach (hier eine Nachahmung der hl. Grabkirche [3, S. 448]), Weingarten (1276 gew.), Stams, Heiligenblut (Bez. Pöggstall).

Die Legende von der Auffindung und Übertragung des hl. B. hat gelegentlich an den Stätten seiner Verehrung bildliche Darstellung gefunden. Ein Gemäldezyklus aus Weingarten von 1489 (Stuttgart, Schloßmus.) behandelt das Thema in einer Folge von 24 Einzelbildern mit erläuterndem Text unter jeder Szene (vgl. Abb. 4). In der Abtei Weingarten finden sich drei Wandgemälde aus der 1. H. 18. Jh. (Longinus vergräbt das hl. B.; Auffindung und Erhebung des hl. B.; Teilung des hl. B.). Ein von Cosmas Damian Asam in der Weingartener Klosterkirche geschaffenes Deckengemälde (zw. 1718 und 1720) veranschaulicht den „Segen des hl. Bl.“ (Abb. 5). Auch die Klosterkirche in Weißenau enthält eine Reihe von Darstellungen aus der Legende; auf dem Deckengemälde nächst dem Chor (1719 von Karl Stauder d. J.) knieen Ecclesia mit der Kreuzreliquie und die hl. Magdalena vor der Dreifaltigkeit. Weitere Bilder im Schiff der Kirche schildern die Übergabe der B.-Reliquie an Rudolf von Habsburg, die Schenkung an das Kloster und Krankenheilungen durch die Wunderkraft des hl. B. (Inv. Württemberg, Donaukr. 3, O.A. Ravensburg, S. 96 u. 106f.). Den Kuppeltambour der Wallfahrtskirche Niederachdorf bei Regensburg (Neubau 1700) schmücken sieben Medaillons mit der Darstellung der sieben B.-Vergießungen Christi (Inv. Bayern II, 21, S. 120), ein Thema, das schon in der Graphik des späten MA behandelt worden ist (Heitz, Einblattdrucke, Taf. 32, Nr. 167).

Heilige, die mit der hl. B.-Reliquie in Verbindung gebracht wurden, sind: Brictius, der bei der Übertragung des Kleinods am Groß-Glockner von einer Lawine verschüttet und durch drei Ähren, die aus seiner Brust heraus durch den Schnee wuchsen, mitsamt der Reliquie aufgefunden wurde (Südd. Kirchenführer, Nr. 328/29, S. 2 u. 13; Braun, Tracht und Attribute, Sp. 149ff.); Kunigunde, die Gemahlin Heinrichs II., die dem Münster zu Basel ein kostbares Kreuz mit hl. B.-Reliquien geschenkt hatte (Künstle II, S. 393); Joseph von Arimathia, der mit dem Behälter dargestellt wird, in den er nach der Legende das B.Christi bei der Kreuzabnahme gesammelt hat (Predellenflügel des rechten Seitenaltars in der Kreuzkirche zu Landau a. d. Isar, E. 15. Jh., Inv. Bayern IV, 13, S. 108, Abb. 74; Altarfigur des späten 17. Jh. in der Stiftskirche zu Göttweig, Inv. Österreich 1, S. 462, Abb. 346).

B. Eucharistisches B.

In der Kunst ist auf mannigfache Weise versucht worden, die erlösende Kraft des hl. B. in mehr oder minder deutlicher Beziehung auf die Eucharistie anschaulich zu machen. Am verbreitetsten waren Darstellungen, in deren Mittelpunkt der Gekreuzigte oder der Schmerzensmann stehen. Häufig fängt Adam als Stellvertreter der sündigen Menschheit in einem Kelch das der Seitenwunde entströmende B. auf (RDK I, Sp. 161, Abb. 4), ausnahmsweise hält Ecclesia den Kelch unter die Seiten- oder Fußwunden (Deckel des Gebetbuches der hl. Elisabeth in Cividale; Tympanon des mittleren Westportals vom Straßburger Münster, RDK I, Sp. 158, Abb. 2), meistens aber empfangen Engel, die den Gekreuzigten umschweben, das aus den Wunden strömende B. (Rheinisches Triptychon der 1. H. 14. Jh. in der Kunsthalle, Hamburg; Kreuzigungsbilder des Meisters der hl. Veronika und des Meisters des Marienlebens, beide im W.R.M. Köln, Herib. Reiners, Die Kölner Malerschule, 1925, S. 5, Taf. 10 und Taf. zw. S. 144 und 145; Holzschnitt von Dürer, B. 58, um 1516; Epitaph des Andreas von Stain, † 1589, von Hans Morinck in der Nikolauskapelle des Münsters zu Konstanz, Zs. d. Dt. Ver. f. Kw. 6, 1939, Abb. S. 183; Hochaltar vom E. 17. Jh. in der Pfarrkirche zu Heiligenblut, Bez. Pöggstall, Inv. Österreich 4, S. 78, Abb. 88. Vgl. auch Münzenberger-Beissel 1, S. 151; 2, S. 51, 60, 91). In einigen Fällen steht der Kelch auch zu Füßen Christi: ehem. Hauptbild des Altars in Hohenwalde, A. 17. Jh. (Inv. Brandenburg VI, 1, S. 140, Abb. 134); Kupferstich von Hieronymus Wierix (Louis Alvin, Catalogue raisonné de l’oeuvre des trois frères Wierix, Bruxelles 1866, Nr. 1178); Epitaph des Abraham Werner von 1635 in der Katharinenkapelle des Münsters zu Konstanz; gestickter Baldachinbehang von 1629 im Münster zu Breisach (Inv. Baden VI, 1, S. 72), wo das B. des am Boden liegenden Christus in mehrere Kelche strömt. Auf dem Mittelbild des Genter Altars (1432) und auch sonst häufiger fließt das B. des Lammes in einen Kelch, während bei dem „Lobgesang der Auserwählten“ in Dürers Apokalypse einer der 24 Ältesten das der Seite des Lammes entquillende B. in einem Kelch auffängt.

Seit dem späteren MA ist die Erlösung der Menschheit durch das B. Christi häufig durch B.-Strahlen, die von dem Gekreuzigten oder dem Schmerzensmann unmittelbar auf die Gläubigen ausgehen, dargestellt worden. Auf einem um 1400 entstandenen Glasgemälde der Kreuzigung in der Jakobskirche zu Rothenburg o. T. (Burger, Hdb. d. Kw. 2, S. 285, Abb. 351) fließt ein Strahl in einen von einem Priester erhobenen Kelch, ein anderer auf einen in einem Taufbecken stehenden Täufling. Auf einem Holzschnitt um 1493 [10, Taf. 16, Abb. 32] geht das B. erst durch ein Faß, auf dem das Kreuz steht, um dann durch die Spundlöcher links Mönche und rechts Laien zu benetzen. Aus der Seitenwunde des Schmerzensmannes aus Dürers Kupferstichpassion (B. 3; 1509) springt das B. in zwei Strahlen auf ein betendes Menschenpaar (Abb. 6), während auf dem 1516 datierten Epitaph eines Tübinger Chorherrn im nördl. Seitenschiff der Amanduskirche zu Urach das dem Körper Christi entströmende B. dem seitwärts knieenden Stifter zugute kommen soll. Auf einem Altargemälde aus der M. 18. Jh. der Schloßkirche zu Haigerloch (Hohenz.) fließt das B. aus der Seite eines in den Lüften schwebenden Kruzifixes auf ein offenes Buch in der Hand eines knieenden Papstes; die unter dem Gekreuzigten erscheinenden armen Seelen im Fegefeuer weisen auf die Kirche als die Mittlerin im Erlösungswerke hin. Auch die protestantische Ikonographie übernimmt dieses Motiv. Auf der Kreuzigung des jungen Cranach von 1555 in der Stadtkirche zu Weimar trifft ein B.-Strahl Christi das Haupt des Malers (Curt Glaser, L. C., 1923, Abb. 215). Im späteren MA führte der Gedanke, den Wert des hl. B. dem Volke möglichst eindringlich nahezubringen, zu Geschmacksverirrungen wie der um 1520 entstandenen Bronzestatue eines Schmerzensmannes in der Kirche zu Schulpforte (Inv. Prov. Sachsen 26, S. 126), die als Gießgefäß gedient zu haben scheint: aus den Wundmalen, die als Röhrenendigungen gebildet sind, floß Rotwein, der das hl. B. symbolisieren sollte. – Auch auf Darstellungen des Jüngsten Gerichtes wird die Erlösungskraft des hl. B. veranschaulicht (C. Glaser, Gotische Holzschnitte, 1923, Taf. 48). – Im Zusammenhang mit dem Gnaden- oder Lebensbrunnen weist die Verbindung der meist durch einzelne Vertreter (Maria Magdalena, Maria Aegyptiaca, Adam und Eva) repräsentierten Menschheit mit dem vergossenen B. eine besonders deutliche Beziehung zur Eucharistie auf (Sauer, S. 397f.; Molsdorf, S. 196ff.); das gleiche gilt von Darstellungen der mystischen *Kelter und des *Pelikans. Schließlich sei noch der Typus der „Maria vom hl. B.“ erwähnt, der uns die Muttergottes in einer ihrer vielen Mittlerrollen zeigt, indem sie, wie bei der Schröter-Muttergottes in der Pfarrkirche zu Hallgarten [10, S. 153] ein Gefäß mit dem hl. B. in der Hand hält (Aug. Feigel, Unsere Liebe Frau vom hl. B., Festschr. Heinr. Schrohe, Mainz 1934, S. 79ff.).

Eine besondere Gruppe bilden die Darstellungen von Blutwundern, die sich beim Frevel oder bei der Verunehrung des eucharistischen B. bezw. der Hostie ereignet haben sollen. Am verbreitetsten sind Darstellungen der B.-Wunder von Wilsnack [15] und Walldürn [16]; von letzterem wird berichtet, daß das von einem Priester aus Unachtsamkeit während der Wandlung auf ein Korporale verschüttete hl. B. ebenso viele Christusköpfe von blutroter Farbe gebildet habe, wie Tropfen verschüttet waren, während in der Mitte der Gekreuzigte in ganzer Gestalt erschienen sei. Dieses Wunder ist auf einer um 1700 entstandenen Prozessionstafel (hl. B.-Schild) in der Pfarrkirche zu Retzstadt (B.A. Karlstadt; Abb. 8) veranschaulicht, ebenso auf einer Silbertreibarbeit auf Samt aus dem 18. Jh. in der kathol. Pfarrkirche zu Oppenheim, einem B.-Schild der M. 18. Jh. in der Pfarrkirche zu Miltenberg (Inv. Bayern III, 18, S. 217) sowie vor allem in der Wallfahrtskirche zu Walldürn: Hl. B.-Altar mit vier gemalten Darstellungen und vier Hochreliefs, voll. 1626 (Inv. Baden 4, 3, S. 126f., Taf. 10; [16, Abb. 14 und 15]), die Deckel zweier Missalien von 1653 und 1698 (Inv. Baden 4, 3, S. 140f., Taf. 13), Deckengemälde im Vierungsgewölbe, zwischen 1722 und 1724 [16, S. 27], sowie mehrere Einzelgemälde im Chor und in den Langhauskapellen [16, S. 38]. Das kostbare Korporale-Gehäuse in Walldürn stammt aus dem E. 17. Jh. (Inv. Baden 4, 3, S. 137, Taf. 11 u. 12; [16, Abb. 21]). Darstellungen von B.-Wundern finden sich auch auf Bildstöcken (z. B. Elsenfeld, B.A. Obernburg, 18. Jh.; Inv. Bayern III, 23, S. 20). In Wilsnack (Inv. Brandenburg I, 1, S. 305f.) fand 1383 der Pfarrer in seiner niedergebrannten Kirche drei Hostienpartikel unversehrt und mit B.-Tropfen benetzt (vgl. Paul Heitz [15]); die Reliquie wurde in einem „Wunderblutschrein“ (Inv. Brandenburg I, 1, Taf. 44) aufbewahrt, dessen Flügel außen dieGregorsmesse, innen Gnadenstuhl und Verspottung Christi zeigen. In Sternberg (Mecklenburg) führte E. 15. Jh. eine den Juden zur Last gelegte Hostienschändung zu einem hl. B.-Kult, zur Gründung einer Kapelle und einer Bruderschaft des hl. B. (Inv. Mecklenburg-Schwerin 4, S. 136f.). Aus dem gleichen Anlaß wurde auch die gotische Hl. B.-Kirche in Pulkau (Nieder-Österreich) erbaut.

Heilige, deren Legende von eucharistischen B.-Wundern berichtet, sind Konrad und Norbert (Braun, Tracht und Attribute, Sp. 432ff. u. 555ff.).

C. B. von Kruzifixen und Bildern

Vielleicht ein Vorläufer der blutenden Hostie (Hostienfrevel) ist das blutende Bild, vor allem das blutende Christusbild. Bereits im Jahre 265 soll in Beirut ein Kruzifix von Juden geschändet worden sein. Aus der Seitenwunde floß B., das, in Ampullen gesammelt, sich großer Verehrung erfreute. Eine Miniatur im Stuttgarter Passionale (ed. v. Boeckler 1923, S. 52) zeigt die Heilkraft des einem Kruzifix entströmenden B. (Abb. 7): „Juden finden ein Bildnis Christi und kreuzigen es, wie ihre Väter Christus gekreuzigt haben. Oben in dem S ist ein Kruzifix, die ‚imago Christi’ aufgehängt. Ein Jude führt einen Schwamm zum Munde des Gekreuzigten, ein anderer macht den Lanzenstich. Ein dritter schließlich fängt in einer Schale das B. aus der Seitenwunde auf und heilt damit einen Paralytiker, der in der unteren Schlinge des S im Bett liegend dargestellt ist. Aus den Fußwunden des Cruzifixus fließt B. auf die Augen eines Blinden, welcher dadurch das Gesicht wieder bekommt.“ Solche legendären Begebenheiten scheinen auf die Legende von Longinus, dem Soldaten, der die Seite Christi mit einer Lanze öffnete, zurückzugehen. „Etliche schreiben, daß er sonderlich sei gläubig worden, da das B. Christi, das an der Lanze herablief, von ungefähr seine Augen berührte, die von Krankheit oder Alter schwach waren, und ihm alsbald sein klares Gesicht wiedergab“ (Legenda aurea, ed. von Rich. Benz, 1925, 1, Sp. 306). Das Wunder ist auf dem Stuttgarter Tafelgemälde von 1489 (Abb. 4) dargestellt. Am Rimini-Altar in der Städt. Galerie zu Frankfurt a. M. wird der blinde Longinus von einem Paralytiker geführt, der ihm die Hand mit dem (jetzt fehlenden) Speer hebt.

Über das blutende Kreuzbild zu Braunsberg vgl. Franz Hipler in Zs. f. d. Gesch. u. Altertumskunde Ermlands 8, 1884/86, S. 109ff., und Ägid. Müller, Das hl. Deutschland, Köln 18882, Bd. 2, S. 226ff.; über das blutende Bild in Hechingen, ebd., 1, S. 376ff., über das von Mainz, ebd., 1, S. 423ff. Ein blutendes Marienbild wird in Neukirchen (Niederbayern) verehrt (Inv. Bayern IV, 9, S. 89f.; [3, S. 387ff.]), das B. von einem geschändeten Kruzifix in Heiligenblut in Kärnten. – Eine umfassende Abhandlung über B. von Bildern bereitet Jos. Clauß vor.

Zu den Abbildungen

1. Weißenau, Klosterkirche, hl. Blut-Reliquiar, 1709. Phot. Amann, Weingarten.

2. Weingarten, Klosterkirche, hl. Blut-Reliquiar, moderne Wiederholung der Fassung von etwa 1200. Phot. Martinus-Verlag, Weingarten.

3. Reichenau-Mittelzell, Münster, hl. Blut-Reliquiar, 1739. Phot. Th. Keller, Reichenau.

4. Stuttgart, Schloß-Mus., Tafelgemälde mit der Geschichte des hl. Blutes (Ausschnitt). Aus Weingarten, 1489. Phot. Mus.

5. Cosmas Damian Asam, Der Segen des hl. Blutes, Deckengemälde in der Klosterkirche Weingarten, zw. 1718 und 20. Nach Ansichtskarte.

6. Albrecht Dürer, Schmerzensmann, Kupferstich B. 3, 1509. Nach: „Dürers sämtliche Kupferstiche“, hrsg. von Wilh. Lübke, Nürnberg o. J.

7. Stuttgart, Landesbibl., Bibl. fol. 56: Stuttgarter Passionale, fol. 151 b, Initial S mit der Schändung eines Kruzifixes. Zwiefalten, um 1160–65. Phot. Landesbildstelle Württemberg, Stuttgart.

8. Retzstadt (B. A. Karlstadt), Pfarrkirche, hl. Blut-Tafel mit der Darstellung des hl. Blut-Wunders von Walldürn, um 1700. Phot. Bayr. Landesamt f. Denkmalpflege, München.

Literatur

1. A. Jox, Die Reliquie des Kostbaren Blutes, Luxemburg 1880. 2. Anton Meyer-Pfannholz, Hl. Blut und seine Legende, Der Isargau 2, 1928. 3. Christian Schreiber, Wallfahrten durchs deutsche Land, Berlin 1928. 4. Buchberger 2, Sp. 401ff. 5. Romuald Bauerreiß, Pie Jesu; Das Schmerzensmannbild und sein Einfluß auf die m.a. Frömmigkeit, München 1931. 6. Ders., Sepulcrum Domini; Studien zur Entstehung der christl. Wallfahrt auf deutschem Boden, Abh. der Bayer. Bened.-Ak. 1, München 1936, S. 34ff. 7. Die Verehrung des hl. Blutes im Schwabenland, Kath. Sonntagsbl. für die Diöz. Augsburg, 1932, S. 511. 8. Luzian Pfleger, Hostienwunder und Heiligblutkapellen im Elsaß, Arch. f. elsäss. Kirchengesch. 8, 1933, S. 461ff. 9. Georg Schreiber, Wallfahrt und Volkstum in Geschichte und Leben, Forschungen zur Volkskunde 16/17, Düsseldorf 1934. 10. Alois Thomas, Die Darstellung Christi in der Kelter, Forschungen zur Volkskunde 20/21, Düsseldorf 1936. 11. Peter Browe, Die eucharistischen Wunder des MA, Breslauer Stud. zur hist. Theologie, N. F. 4, Breslau 1938. 12. M. English, Passiedevotie in West-Vlaandern, 1: Geloofsonderricht, Brügge 1938, Nr. 4 u. 5. 13. Jos. Braun, Die Reliquiare, Freiburg i. B. 1940. – 14. G. C. Friedr. Lisch, Die Hl. Blutkapelle zu Schwerin, Jbb. d. Ver. f. mecklenb. Gesch. u. Altertumskunde 13, Schwerin 1848. 15. Paul Heitz, Das Wunderblut zu Wilsnack, Straßburg 1904. 16. Karl Lohmeyer, Die Wallfahrtskirche zum hl. Blut in Walldürn, Dt. Kunstführer 43, Augsburg 1929. 17. Die Kultur der Abtei Reichenau, hrsg. von Konrad Beyerle, München 1925. 18. Aug. Heisenberg, Das Kreuzreliquiar der Reichenau, Sitz.-Ber. d. Bayr. Ak. d. Wiss., phil.-hist. Kl. 1926, Abh. 1. München 1926. 19. E. Jungbauer, Gottesberg-Büchlein, Wurzach 1931. 20. Carl Ant. Busl, Die ehem. Benediktinerabtei Weingarten, Ravensburg 18902. 21. Rud. Weser, Die hl. Blut-Reliquiare in Weingarten und Weißenau, Arch. f. christl. Kunst 38/39, 1920/21, S. 17ff. 22. Winfried Ellerhorst, Die Geschichte des hl. Blutes zu Weingarten, Weingarten 19372. 23. Carl Ant. Busl, Zur Geschichte des Prämonstratenserklosters und der Kirche Weißenau, Ravensburg 1883, S. 10ff. 24. Rich. Schmidt, Kloster Weißenau, Dt. Kunstführer 34, Augsburg 1929. 25. Alfr. Hoppe, Des Österreichers Wallfahrtsorte, Wien 1914.