Futteral

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englisch: scabbard; case; französisch: gaine; fourreau; italienisch: guaina; fodera.


Friedrich Kobler (2016)

RDK X, 1338–1366


RDK X, 1339, Abb. 1a F.herstellung nach Diderot-d’Alembert, 1765.
RDK X, 1341, Abb. 1b F.herstellung nach Diderot-d’Alembert, 1765.
RDK X, 1343, Abb. 2 F. in „cuir bouilli“-Technik. Halberstadt, um 1280/1300.
RDK X, 1344, Abb. 3 F. aus braunem Leder mit Lederschnitt und gepunztem Grund, Eisenbeschläge und -schloß. Prag, nach 1350.
RDK X, 1346, Abb. 4 Buch-F. mit Wappen des Galeazzo Maria Sforza, Mailand, um 1470.
RDK X, 1347, Abb. 5 Zweiteiliges F. mit Hakenverschluß; Stützkonstruktion Holz, außen mehrere Lagen schwärzlichen Leders mit geschnittenen und getriebenen Ranken auf gepunztem Grund, innen rotes Leder und roter Stoff. Nürnberg, 1503.
RDK X, 1350, Abb. 6 F. mit Tragriemen, getriebene Ranken auf gepunztem Grund. Hannover, 1540.
RDK X, 1351, Abb. 7 F. für Salzgefäß von Christoph I. Ritter, 1550.
RDK X, 1353, Abb. 8 F. für Eßbesteck, Rotterdam, 1636.
RDK X, 1354, Abb. 9 Aufklappbares F. mit geprägtem Goldornament. Schmalkalden, E. 17. Jh.
RDK X, 1355, Abb. 10 F. mit Scharnier und Hakenverschluß, Stützkonstruktion Holz, Lederüberzug. Breslau, 1705.
RDK X, 1357, Abb. 11 Zweiteiliges F. mit Hakenverschluß, Stützkonstruktion Holz, geprägtes und gestempeltes Goldornament. Olmütz, um 1752.
RDK X, 1359, Abb. 12 F. mit Himmelsglobus für Erdglobus von J. und W. Cary, 1791.
RDK X, 1361, Abb. 13 Gedrechseltes F. mit hohem geschnitztem Fuß, außen Leder und Silberreifen mit Ösen für Behang, innen rosafarbenes Papier. Mainz, 1838.
RDK X, 1364, Abb. 14 F. für ein Ölgefäß, M. 19. Jh. ?.

I. Allgemeines

A. Definition

Unter F. wird im folgenden eine verschließbare, feste Hülle zum Schutz für einen jeglichen Gegenstand verstanden, die weitgehend dessen Form folgt.

Vielfach wurde in der Literatur F. mit Etui gleichgesetzt, einem meist kleinen, flachen Behältnis, das zum Einschieben oder Einstecken eines oder mehrerer Gegenstände dient, ohne daß dessen/deren Form wiederholt ist.

Von F. zu unterscheiden sind ferner Besteckkasten (Besteckköcher, Löffelkasten; Besteck: Abb.; Abb. und Abb.), Necessaire, Reiseservice, Schatulle, Kasten für Reißzeug und Federkasten.

B. Etymologie und Wortgebrauch

Das Wort F. wurde wohl im 15. Jh. dem mittellat. „fotrale“, „futrale“ entlehnt. Dieses gehört zu „fotrum“, „fodrum“ (Überzug, Tasche) und stammt von ahd. „fuotor“, mhd. „vuotor“ (Futter) ab (Grimm Bd. 3, Sp. 1074f.; Kluge–Seebold, S. 324; Mittellat. Wb. Bd. 4, Sp. 347).

In Quellentexten kommen Bezeichnungen wie „bursa“, „capsa“, „repositorium de corio“, „theca de corio“ vor, die möglicherweise F. meinen. Umgekehrt wurde „fotrale“ und „futteral“ auch für Behältnisse gebraucht, die keine F. sind.

Zu „bursa“ usw. vgl. Hermann Hoberger (Hg.), Die Inv. des päpstlichen Schatzes in Avignon 1314–1376, Vat. 1944, S. 13, 61, 64, 76 u.ö. Zu „capsa“: Rep. für Kw. 1, 1876, S. 96; „capsulae“ für die F. von Fistula: Abb., Abb. und Abb.) im Inv. der Salzburger Domkustodie 1772: Kurt Rossacher, Der Schatz des Erzstiftes S., Salzburg 1966, S. 177, Nr. 6. Zu „theca“ vgl. auch Braun, Reliquiare, S. 22.

Korporaletaschen, „corporalia cum fotris“, sind verzeichnet z. B. M. 12. Jh. im Bericht über Geschenke an das Kloster Rastede (Bischoff, Schatzverz., S. 145, Nr. 144.12), „corporale mit iren futeral“ im 1507 niedergeschriebenen Inv. des ehem. Dominikanerinnenkloster in Obersteigen i. E. ([14] S. 283; vgl. auch ebd., S. 285). – Caesarius von Heisterbach sprach von „fotrum, in quali scyphi a conviantibus portari solent argentei“ (Dialogus Miraculorum, lib. 9,29, ed. Joseph Strange, Bd. 1, Köln usw. 1851, S. 186, 33). – Der Schatz des Bisch. Wilhelm von Straßburg, 1541 registriert, enthielt „ein futer darin alle rustung zum messlesen, nemlich messgewandt, altarduch, kelch, liechtstöck, zymbeln, bettstein und messkentlin, alles sylbern“ ([14] S. 14). – „Futeral“ für eine Mehrzahl an Schüsseln, Bechern und Flaschen sind unter den Silbergeschirren genannt, die 1513 als Geschenk an Bisch. Matthäus Lang von Wellenburg gingen (Jb. Kaiserh. 1, 1883, S. LIV, Nr. 313). Die F. für einen Kredenzbecher aus Bernstein, Schalen aus Glas sowie Edelmetall sind im Inventar der Münchner herzoglichen Kunstkammer von 1598 beschrieben: „Ein hülze fueterälel mit rott angestrichen, darinn ein khorneter Credenzbecher, von geelem Agstein mit ainem luckh.“; „Ein rund hülzin fueterall, außwendig mit schwarzem leder und vergultem eingetruckhtem geleist unnd bluemwerckh, inwendig mit rotem tuech uberzogen, darinn ein schal von plawen glaß durchauß gewegglet, mit einem Meßingen bschlächt und dreyen hagckhen.“; „Ein Nußbaume rund fueterall, mit einem luckh, darinnen ein schalen auf 5 knöpffen, alles von silberen dräten geflochten, oben herumb mit 9 knöpfflein von guldin dräten“; „Ein rund Ahorne fueteral einer schüßel gleich mit einem luckh, darinen ein silberine Schal, von silberin Dräten geflochten, unden mit 5 füeßlein, oben herumb 6 geflochtner knöpflin …“; „Ein rund fueteral, mit kelberem uberzogen und goldt gestempfft, darinnen ein Metalline vergulte schalen, innen und außen von geschnittner Arbeit …“ (Johann Baptist Fickler: Inv. der Münchner herzoglichen K.kammer von 1598. Editionsbd. Transkription der Inv.hs. cgm 2133, hg. von Peter Diemer u. a. [Abhn. der Bayer. Akad. der Wissenschaften, Philos.-Hist. Klasse N. F., 125], S. 66 und 83–85). F. für Kunstwerke sind dort ebenfalls belegt: „In einem schwarz hülzin Fueterälel ein schiff auß einer nußschalen geschnitten, auf einem helffenbainen gedräxelten füeßl, darinn in dem Schiff der Mastbaum, Segel, strickh und leittern, von helffenbain gedräxelt.“; „In ainem geel liderinen fueterälel, inwendig mit veyhelfarben Sammat uberzogen, ein alt Römisch stückhel viereckhet von Paumwerckh in einem weißen glaten stain, dem weißen oder grawleten Calcedonier gleich, darunder 3 wild außgeschnitten durchsichtig, auf welchem geschniz eines alten Römischen Kaysers, sambt eines gemahls kopf, in weiß rötteltem stain geschnitten, und sihet der Manskopf dem Tito Vespasiano gleich.“; „In einem Achteckheten schwarz liderinen fueteral ein Rundel, umb und umb von Rollwerckh in schwarz holz, inwendig der Alt Kayser Maximilian sambt Kayser Carl und Ferdinando in weiß holz außgeschnitten.“ (ebd., S. 83–85); vgl. auch die Bezeichnung „capsulae gemmariae“ für solche F. und die anderen Begriffe für entsprechende Behältnisse „arcae“, „cophini“, „thecae“ etc.) bei Samuel Quiccheberg, Inscriptiones vel Tituli Theatri Amplissimi …, Mchn. 1565, Quinta Classis, Inscriptio decima, fol. C IIIv und Digressiones und Declarationes: Repositoria undi’que in promptu. Inscriptio X, fol. F IIv (frdl. Hinweis von P. Diemer, Gilching).

Zu F. als Bezeichnung für einen Schuber für Bücher s. Johann Jacob Heinrich Bücking ([2] S. XV, 267f. und 271); Paul Adam, Systematisches Lehr- und Hdb. der Buchbinderei …, Dresden 1885, S. 365–370.

Im Französischen werden die Begriffe für Futteral „fourreau“ oder „gaine“ als synonym mit „étui“ definiert: „Gaine, étui de couteau & de quelques menus ferremens de chirurgie: on le disoit aussi des fourreaux d’épées, d’où sont venus les termes de dégaîner & de rengaîner.“ ([11] S. 317).

II. Herstellung

Für die Anfertigung von F. wurden Leder und/oder Holz sowie synthetische Materialien verwendet. Ist eine Stützkonstruktion notwendig, besteht diese meistens aus Holz oder Pappe. Im Inneren ist das F. in der Regel mit Leder, Papier und/oder Textilien, v. a. Samt oder Seide, ausgeschlagen.

In Inv. ist gelegentlich unterschieden zwischen mit Leder oder Stoff überzogenen F. und solchen, die nur einen farbigen Anstrich besaßen (vgl. Sp. 1341 und das Kunstkammer-Inv. Kaiser Rudolfs II. 1607–1611: [1] passim).

Bestimmungen zur Anfertigung von F. sind seit dem 13. Jh. überliefert.

Im Pariser „Livre des Métiers“ von 1268 wurde festgelegt, daß ein F. oben und unten einen doppelten Boden haben müsse („Nus mestres du mestier desus dit ne puet faire fourrel ne cofiniau ne autre estui, s’il n’a double fonz desus et desouz.“ [6] S. 135).

Dt. Abhandlungen zur F.herstellung sind meist Teil der Beschreibung von Buchbindearbeiten, so auch im Handbuch des Ansbacher Buchbinders Christoph Ernst Prediger 1741–1753: [10] T. 1–3; umfassend: Ernst Wilhelm Greve, Hand- und Lehrbuch der Buchbinder- und Futteralmacher-K., Bd. 2, Bln. 1823; [5].

Knappe Darst.: [2]; Johann Samuel Halle, Werkstäte der heutigen Künste oder die neue K.historie, Bd. 2, Brandenburg und Lpz. 1762, S. 118; Krünitz, 15. T., Bln. 21786, S. 592f.; Christoph Wilhelm Gatterer, Technologisches Magazin, Bd. 1, Memmingen 1790, S. 269.

A. Material

1. Holz

Verwendete man edle Hölzer oder gestaltete die Oberfläche des Holzes aufwendiger (Abb. 14), konnte auf einen farbigen Anstrich oder Überzug verzichtet werden.

Dies gilt für Ahorn- oder Nußbaumholz (für eine Silberschale, s. oben) oder das F. eines Glases „façon de Bohême“, Frankreich, 3. Dr. 18. Jh.: Jacqueline Bellanger, Verre d’usage et de prestige. France 1500–1800, Paris 1988, Abb. S. 293, unten); zu Kirschholz s. unten; zu Pinie: Abb. 4.

Solche Überzüge bestanden in der Regel aus gefärbtem Leder, Buntpapier, Pergament, Fischhaut, Samt oder anderem Gewebe.

2. Pappe

War die Stützkonstruktion eines F. aus Pappe, die gekrümmte Oberflächen erhalten sollte, wurde sie frei geformt oder über einem der Form entsprechenden Holzblock gearbeitet ([5] S. 331).

3. Leder

Die Anfertigung F. in der sog. „cuir bouilli“-Technik, also aus gehärtetem, mehrschichtig aufgebautem Leder war eine der Hauptaufgaben der Pariser F.hersteller im Mittelalter. Dabei durften sie nur Leder vom Rind (Ochse, Kuh und Kalb), Pferd oder Esel verwenden ([6] S. 135). Diese F. bedurften keiner Stützkonstruktion aus anderem Material (Abb. 2; Abb. 8).

Das genaue Verfahren bei der Herstellung von „cuir bouilli“, dessen Anwendung möglicherweise schon für die vorgeschichtliche Zeit belegt ist, konnte noch nicht geklärt werden; man nimmt an, daß das Leder nach einem Bad in (heißem?) Wasser unter bestimmten Temperaturen getrocknet wurde (Laura Davies, Cuir bouilli, in: Marion Kite und Roy Thomson, Conservation of Leather and related materials, Amst. usw. 2006, S. 94–102; Gerald W. R. Ward, The Grove Enc. of Materials and Techniques in Art, Oxf. 2008, S. 339). Ornamente wurden wohl noch im feuchten Zustand aufgebracht. Bei der Untersuchung eines französischen Besteckköchers aus dem 15. Jh. (Offenbach, Ledermus., Inv.nr. 2550) wurde festgestellt, daß dort insgesamt sechs unterschiedlich (manchmal weniger als 1 mm) dicke Lederschichten übereinander geklebt und an den Enden zusammengenäht waren (Sigrid Müller, Lederfutterale vom 15. bis 18. Jh., Dipl.arbeit Stuttgart 1998 [Ms.], S. 8f., 14; zur möglichen Herstellungstechnik: ebd., S. 21–33]).

Vielteilig untergliederte Gegenstände bedingten u. U. einen hohen Aufwand für die Anfertigung der F.; vgl. etwa die Kostenaufstellung des F.machers für das rote, goldgepreßte Leder-F. zum Merkelschen Tafelaufsatz von 1549 im Rijksmus. Amsterdam ([8]; s. auch Abb. 5).

Das meist rot, seltener grün oder anders gefärbte Leder wurde in den für das Material üblichen Techniken verziert, z. B. vergoldet mit Hilfe von (Roll-)Stempel oder mit Filete, durch Blindpressung oder im Lederschnitt ornamentiert: Abb. 4 (Eva Mühlbächer, Europäische Lederarbeiten vom 14. bis zum 19. Jh. aus den Slgn. des Berliner Kgwb.mus. Berlin, Bln. 1988, S. 18, Nr. 15); weitere Beisp. bei Günter Gall: [3] passim; Abb. 3, 5, 6.

4. Synthetische Materialien

Im modernen Industriedesign werden die F. zumeist zusammen mit dem Gegenstand entworfen. Sie bestehen häufig aus Materialien derselben Gattung wie das zu verwahrende Objekt.

So wurde bei der Reiseschreibmaschine „Valentine“, 1969 entworfen von Ettore Sottsas Jr. und P. A. King, das F. aus orangefarbenem Kunststoff ähnlich dem Gehäuse der Maschine hergestellt (Design Process Olivetti 1908-1983, Ivrea 1983, S. 122f.; frdl. Hinweis von Josef Straßer, München; das Gehäuse besteht aus ABS-Kunststoff: Nina Börnsen-Holtmann, Italian Design, Köln 1994, S. 76). Der „Banana-Bunker“ der Marke „Brix Design“, entworfen von Paul Stremple, aus durchsichtigem farbigen Polystyren läßt sich mit Hilfe des biegsamen Mittelteils jeder Bananenform anpassen (Dm. 6 cm, L. 23 cm).

C. Verschluß und Schmuck

F. wurden in der Regel mit kleinen Metallhaken verschlossen (Abb. 5; Abb. 7). Bei besonders kostbaren Stücke sicherte man das F. mit einem eigenen Schloß (z. B. F. der Reichskrone, Prag nach 1350, Wien, K.hist. Mus., Weltliche und Geistliche Schatzkammer, Inv.nr. XIII 30: Weltliche und Geistliche Schatzkammer, Wien 2000 [Führer durch das kh. Mus. Wien, 35], S. 182, mit Abb.).

Die Ornamente entsprechen denen des Buchschmucks, üblich sind Bordüren mit stilisierten Blättern oder Blüten, Mäander, Zahnschnitt, Streublumenmuster etc. Sie wurden selten beschrieben, z. B. „vergultem eingetruckhtem geleist unnd bluemwerckh“, „mit verguldten strichen geziert“ ([12] S. LXXIX, No. 27) oder bei einem F. mit Samtüberzug: „mit guldenen pändern gebrämt“ (ebd., S. LXXVII, No. 47). Ebenso sind die selten erhaltenen Kollanen nur ausnahmsweise in den Quellen erwähnt, vor allem wenn sie aus Edelmetall bestanden.

„Exemplare sanctissimae syndaris Bissuntinae, anno domini 1654 expressum, in einem fuetterall, mit grünen samet überzogen, und mit guldenen gollanen schön gezierth“, sowie ein Marienreliquiar „in einem blausameten fuetteral, mit guldeen gallanen geprämbt“ sind im Schatzkammer-Inv. von Erzhzg. Leopold Wilhelm 1660 verzeichnet (ebd., S. LXX, No. 95 und S. LXXIV, No. 121).

D. Schutzhülle

Gelegentlich erhielt das F. selbst eine Schutzhülle. Für das F. zum Merkelschen Tafelaufsatz wurde ein Sack aus Korduanleder angefertigt [8].

E. Hersteller

In Paris waren seit dem Mittelalter die Hersteller von F. und die ihrer Beschläge in zwei Gewerken organisiert, wie aus „Les Établissements des Métiers de Paris“ (bekannter unter dem Titel „Livre des Métiers“) von Etienne Boileau hervorgeht, das 1268 abgeschlossen wurde: Die „Gainiers furreliers“ stellten F. aus „cuir bouilli“ her und fertigten Köcher, Schmuckkästchen, und Behälter für kostbare Gefäße an. Die „Garniseurs de gaines“ waren mit den Herstellern von Ringen und Knäufen aus Messing und Kupfer und anderem unedlen Material zusammengeschlossen, da es vor allem ihre Aufgabe war, die notwendigen Verschlüsse, Griffe und Ketten aus Metall anzufertigen ([6] S. LII und S. 134–138).

Ausbildung und Tätigkeit der „Gainiers“ wurde zuletzt 1560 geregelt.

„Le mot gaîne a donné son nom à la communauté des maîtres gaîniers de la ville & fauxbourgs de Paris, qualifiés, dans leurs statuts de maîtres gaîniers, fourreliers & ouvriers en cuir bouilli. Ils ont été érigés en corps de jurande dès l’an 1323; mais cette communauté n’a reçu sa derniere perfection que par les réglemens du 21 Septembre 1560, donnés sous le régne de François II. Aucun n’est reçu maître, qu’après six ans d’apprentissage sous un maître de Paris, & fait chef-d’oeuvre. Les fils de maître en sont exempts & sont admis à la maîtrise, après une lègere expérience. Les ouvrages qu’ils font, sont des boëtes, des écritoires, des tubes de lunettes d’approche, des coffres & cassettes, des fourreaux d’épées & de pistolets & autres semblables ouvrages couverts de chagrin, de marroquin, de veau & de mouton. IIs font aussi des flacons & des bouteilles de cuir bouilli, & la préparation de ces cuirs bouillis fait une des principales parties du métier du gaînier.“ ([11] S. 317f.). Noch in der Enzyklopädie von Diderot und d’Alembert wird unter der Berufsbezeichnung „Gainier“ die Arbeit der Futteral- und Koffermacher als eigenes Metier geschildert (Diderot-d’Alembert, Bd. 4: Abb. 1a, b).

Im deutschsprachigen Raum gab es in der Neuzeit F.macher als eigenen Gewerbezweig z. B. in Augsburg, Berlin, Dresden, Hamburg, Leipzig und Nürnberg. Sonst gehörte das Anfertigen von F. zu den Aufgaben der Buchbinder.

Bildeten die Hersteller von F. ein eigenständiges Gewerbe, so hatten sie dennoch das Buchbinder-Handwerk „ordentlich“ erlernen müssen, etwa in Nürnberg (Handwerksordnung 1573: [4] S. 148). Streitigkeiten mit F.machern, die ihr Handwerk als freie Kunst betrieben, wurden z. B. in Nürnberg 1631 durch Aufnahme in das Handwerk beigelegt (ebd., S. 148–150). Den F.machern blieben alle Arbeiten außer dem Herstellen von F. untersagt, während den Buchbindern das F.machen freistand (ebd., zur Festlegung 1691 s. August Jegel, Alt-Nürnberger Handwerksrecht und seine Beziehung zu anderen, Nbg. 1965, S. 377). In Augsburg war 1636 F.machen, obwohl als freie Kunst geübt, der Kramer- und Huckerzunft zugeordnet; erst 1720 wurde festgelegt, daß F.macher bei den Buchbindern ihr Meisterstück fertigen mußten ([4] S. 154).

Für die Anfertigung der Stützkonstruktion der F. aus Holz (vgl. Abb. 3, 4, 5, 10, 11, 13) ist vor allem die Tätigkeit von Drechslern nachweisbar. Hans Sachs dichtete in „Eigentliche Beschreibung aller Stände auf Erden“ (FfM. 1568) über den Holzdrechsler: „Ich dreh von Buchßbaum büchßlein klein / Zu kleinot und Edlem gestein / Auch Futteral / zu Gülden Scheuwrn“.

Für Nürnberg ist die Ausführung des F. für den Merkelschen Tafelaufsatz durch einen Drechsler 1549 archivalisch belegt [8] und als dort allgemein üblich nahegelegt durch ein Gedicht von Hans Weber, 1589: „Viel schöner Futter trehen wir, Drein Thut man vergulde Trinck-Geschirr, Groß und kleine mancher Hand, darinn man bringet über Land. Desgleichen auch zu manchem Glas, Machen wir Futter über das“ (Einblattdruck von 1730; frdl. Hinweis Dorothea Diemer, Gilching).

Ch. E. Prediger zählte neben den Drechslern auch die Schreiner als Verfertiger von F. auf, selbst Bildhauer und Angelernte, reihte zugleich Reiseservice, Kästen für Musikinstrumente und dgl. unter F. ein ([10] T. 1, S. 213 und 232; [10] T. 2, S. 232–243; [10] T. 4, S. 157; vgl. auch [3] S. 333).

Ein Nürnberger Bescheid von 1715 bezeugt die Beschäftigung von Heimarbeiterinnen durch F.macher ([4] S. 151).

In Heidelberg wurden dem Buchbinder Jörg Bernhardt von Görlitz laut Anstellungsvertrag 1550 F. zum Überziehen zugestellt (Adolf Koch, Die Hofbuchbinderei in H., Archiv für Gesch. des Dt. Buchhandels XII, 1889, S. 152–159, bes. S. 156); die Hersteller des F.kerns sind hier nicht benannt.

In sog. Ständebüchern des ausgehenden 17. und des 18. Jh. sind dem Abschnitt über den Buchbinder Bemerkungen über die Anfertigung von F. bzw. den „Futeral=Macher“ angefügt, z. B. von Christoph Weigel „welcher so wohl von Holtz als Pappen=Deckeln zu Spiegeln und allerley Sachen / so ihme vorkommen / Rahmen / Futter und Gehäuse verfertiget / mit Papier oder Leder überkleidet / mit Rollen und Stämpeln zieret / und auf das schönste verguldet / auch einwendig mit Papier / Sammet / oder andern herrlichen Stoffen auszieret / als welche Arbeit die Buchbinder / von undencklichen Jahren her / frey und ungehindert getrieben haben.“ (C. Weigel, Abbildung der Gemein-Nützlichen Hauptstände von Regenten und ihren Künstlern und Handwerkern, Rgbg. 1698, S. 260); ferner bei Paul von Stetten, Der Mensch in seinen verschiedenen Lagen und Ständen für die Jugend geschildert, Augsb. 1779, S. 109.

III. Überlieferung

A. Mittelalter

Soweit die derzeitige Forschungslage erkennen läßt, waren die ma. F. in „cuir bouilli“-Technik gefertigt (Abb. 2) oder aus Holz mit Leder überzogen.

Bei nur in Inv. aufgeführten Behältnissen mit Überzug aus Stoff läßt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob es sich um F. handelte.

Vgl. als Beisp. den Eintrag von 1540 für eine 1354 an Kaiser Karl IV. geschenkte Kreuzreliquie im Prager Domschatz „in capsella sericea viridi“ ([9] S. 54).

Bei F. zu Gegenständen des 12./13. Jh. ist häufig nicht gesichert, daß Objekt und F. aus derselben Zeit stammen (vgl. Abb.; Abb.). Aus stilistischen Gründen in das ausgehende 13. Jh. datiert wird ein F. im Dt. Ledermus. Offenbach ([3] S. 20 mit Abb. 13). Stilkritische Argumente liegen auch den meisten anderen Datierungen vom 13. Jh. (Abb. 2) bis 16. Jh. zugrunde.

Durch die Amtszeit des Inhabers datierbar ist das F. für eine Mitra des Freisinger Bisch. Konrad von Klingenberg, 1324–1340 (München, Bayer. Nat.mus.; ebd., S. 64, Abb. 46). Auf einem böhmischen F. verweisen die Buchstaben K und W unter je einer Krone auf Kaiser Karl IV. und Kg. Wenzel, d. h. in die Jahre 1362–1376 (ebd., S. 58–61, Taf. 3).

In manchen Fällen wird das Entstehungsjahr einer Goldschmiedearbeit auf das zugehörige, aus stilistischen Gründen um dieselbe Zeit datierbare F. übertragen, z. B. bei dem Kreuz aus Kloster Liebenau von 1342 und dem zugehörigen zweiteiligen F. (Freiburg i. Br., Augustinermus., ebd., S. 38, Abb. 28f.), auch bei dem Trinkhorn von 1376 im Ratssilber von Naumburg (Kdm. Prov. Sachsen, H. 24, Stadt Naumburg, S. 287f., Taf. 40, Abb. 4).

Nachweisbar seit E. 15. Jh. wurden manche F. inschriftlich datiert.

Das F. für den oberen Teil des Reichskreuzes in der Schatzkammer des Kh. Mus. Wien trägt die Jahreszahl 1495 ([3] S. 136). Das F. für das Reliquiar mit dem Kreuzpartikel ist 1517 dat. (ebd.), das für das Tischtuch-Reliquiar zeigt die Jahreszahl 1518, auch das F. für das Schürztuch-Reliquiar (Weltliche und geistliche Schatzkammer. Bildführer, Salzburg–Wien 1987, S. 184, Nr. 177a und b).

In Kirchenschätzen sind F. für Kreuze erhalten (so für das Reliquienkreuz, Italien, vor 1368, aus Burg Karlstein im Prager Domschatz: Schramm, Dkm., Bd. 2, S. 66f.; [9] S. 210, Nr. 301, mit Abb. 177) und für Kelche überliefert (St. Thomas in Straßburg, Inv. von 1546: „zwen kelch mit patenen, in futeren“, wohl ma. Arbeiten: [14] S. 190).

Für profane Gegenstände ist seit dem 14. Jh. durch Rechnungsbeleg und Inv. die Anfertigung von F. bekannt.

Für Hzg. Albrecht I. von Bayern, Gf. von Holland, wurde 1358/1359 neben zwei Lederkästen „een lederen foeder“ zum Verpacken von Silberarbeiten erworben (Oud Holland 78, 1963, S. 104, Nr. 109). Im Nachlaßinv. des Bamberger Bisch. Heinrich Groß von Trockau († 1501) ist ein F. für silberne Löffel genannt, im Inv. des Bischofs Georg Schenk von Limburg († 1522) ein gläserner und ein silberner Becher, jeder in einem F. (Ber. des Hist. Ver. Bamberg 116, 1980, S. 301 sowie S. 315, Nr. 121 und 125).

B. Neuzeit

1. Liturgische Geräte und Kirchenausstattung

Im kirchlichen Bereich wurden vielfach aufwendig geschmückte F. für Kelche, Monstranzen (Abb. 11) und Abendmahlskannen (Abb. 9) angefertigt.

Bei F. von Kelchen enthält der Fuß oft ein eigenes Fach zum Einlegen der Patene (vgl. Ausst.kat. „Schätze aus Erfurter Kirchen“, Erfurt 1992, S. 101, Nr. 2.58, mit Abb.). – In bildlichen Beilagen zu Sakristeiinv. wurden die Kelch-F. manchmal leicht geöffnet wiedergegeben und so deren Inhalt angedeutet (Zs. des Hist. Ver. Für Schwaben 88, 1995, S. 179, Taf. I).

In größerer Zahl wurden F. für Kelche anscheinend erst seit der Barockzeit angefertigt; jedenfalls schrieb z. B. der päpstliche Vikar für Regensburg, Jakob Müller, noch 1591 lediglich Leinensäckchen vor („vnden auff beyden Seiten vernehet/oben aber offen/doch mit eingezognen Schnüren/mit welchen er zugezogen/vnnd dann bey dem Knopff des Kelch verbunden können werden“: KirchenGeschmuck, Mchn. 1591, S. 139; „... drei khelchseckh“ sind z. B. im Inv. der Erzhzg. Matthias und Maximilian von Österreich 1571 aufgeführt: Inv. der Erzhzg. Matthias und Maximilian von Österr. 1571–1574: Jb. Kaiserh. 7, 1888, S. CXLVIII, Regest 5272, Capellensachen).

2. Profaner Bereich

In den fürstlichen Sammlungen haben sich die meisten F. erhalten. Im Grünen Gewölbe in Dresden werden noch mehr als 300 Exemplare bewahrt. Sie sind zum Teil mit der Angabe ihres ursprünglichen Standortes (z. B. „Cabinet“ für das Eckkabinett des Grünen Gewölbes) und der Inventarnummer versehen. Manche F. wurden speziell für die Reise angefertigt, so gab August der Starke anläßlich seiner Krönungsreise nach Polen 1697 zahlreiche F. in Auftrag (Jutta Kappel und Ulrike Weinhold, Das neue Grüne Gewölbe, Mchn.–Bln. 2007, S. 270f.).

Vier im Grünen Gewölbe noch erh. F. für die vier Münzenbecher, die Herzog Johann Georg I. für seine vier Söhne von Abraham Schwedler 1635 anfertigen ließ, stellte der Drechsler Wolf Heller 1636 für je 1 Gulden her, den Überzug aus schwarzem „Cordiwan“-Leder (Pferdeleder) mit Goldpressung, „Messinghäklein“ und rotem Samtfutter der Buchbinder Gottfriedt Leschke für 1 Gulden 10 Groschen 6 Pfennig (Erna von Watzdorf, Der Dresdener Goldschmied Abraham Schwedler und sein Kreis, Zs. f. Kw. 16, 1962, S. 85f. mit Abb.). Weitere herausragende Beispiele in dieser Slg.: F. der Henkeldose mit Schmetterlingen und Krebsen auf dem Deckel von Johann Melchior Dinglinger (Inv.nr. VI 11), wohl Dresden, um 1695, Inv.nr. E 90, Leder, Holz, 10,5 x 10 x 12 cm; F. für die muschelförmige Schale aus Bergkristall mit Delphin von Giovanni Battista Metellino, wohl Mailand, kurz vor 1724 (Inv.nr. V 312), Inv.nr. E 144, Holz, Lederüberzug mit Streublumenmuster-Bordüren in Goldprägung, 35,2 x 28,4 x 25,6 cm; F. für Rhinozeroshorngefäß in Schiffsform (Inv.nr. VI 132), Dresden, um 1715, Inv.nr. E 185, Leder, Holz, 60 x 32,4 x 15,2 cm; F. für die Elfenbeingruppe „Raub der Sabinerin“ (Inv. Nr. II 341) von Melchior Barthel, Dresden, letztes Viertel 17. Jh., Inv.nr. E 205, Leder, Holz, 45,7 x 18,5 x 14,3 cm; F. für den Hellebardier mit einem Leib aus Saphir, wohl Frankfurt a. M., um 1700–1705 (Inv.nr. VI 81 c); F. für die Arbeiten von Johann Heinrich Köhler (z. B. Fischer auf Korallenzinken [Inv.nr. VI 229], Altärchen mit hl. Joseph aus Koralle [Inv.nr. VI 28], 1. V. 18. Jh.) und Christoph Ertel (z. B. Venusbett, kurz vor 1705 [Inv.nr. VI 51] und Gefesselter Putto, 1. Jz. 18. Jh. [Inv.nr. VI 173 m]); F. für die Zierschale mit apfelpflückenden Faunen, Email von Isaac Benjamin Vallier, Goldschmiedefassung Dinglinger-Werkstatt 1724 (Inv.nr. VI 87); vgl. online-Kat. der Staatl. K.slgn. Dresden: http://skd-online-collection.skd.museum/de.

Für den Schatz von Louis, Dauphin von Frankreich, genannt Le Grand Dauphin († 1711), der im Prado in Madrid, Museo de Artes Decorativas, bewahrt wird, hat sich der größte Teil der F. erhalten. Fast alle sind mit rotem Leder überzogen und mit vergoldeten Ornamenten versehen, darunter Lilien und Delphinen aus dem Wappen des Dauphin (Diego Angulo Iniguez, Cat. de las Alhajas del Delfín, Madrid 1989, S. 16–18; frdl. Hinweis Lorenz Seelig, Gräfelfing). Auf die einstige große Zahl solcher F. ist auch in (Nachlaß-)Inventaren zu schließen. Allerdings gehen die Eintragungen zumeist nicht über bloße Nennung des Materials des F. und seiner Farbe hinaus, gegebenenfalls ist Vergoldung erwähnt.

F. wurden in erster Linie für Trinkgefäße aus Glas, Kristall oder aus sog. schönfarbigem Stein mit metallener Montierung angefertigt.

Für kostbare Glasgefäße wurden seit dem MA F. angefertigt. Erhalten ist z. B. der Eisglaspokal von Georg Schwanhardt d. Ä., 1647, mit seinem mit Samt ausgeschlagenen und mit Leder überzogenen F. in Schloß Skokloster. Der Pokal wurde im Jahr seiner Fertigstellung vom Rat der Stadt Nürnberg für 28 Reichstaler als Wilkomm erworben (Ausst.kat. „Quasi Centrum Europae. Europa kauft in Nürnberg 1400–1800“, Nürnberg 2002, Kat.nr. 70, mit Abb. S. 226); ferner das F. sowie der Becher aus Kristallglas, Böhmen, um 1820, im Bayer. Nat.mus. (Ausst.kat. „Von Glück, Gunst und Gönnern“, München 1997, S. 176, Abb. S. 177).

F. für Gläser werden auch in Inv. genannt: „Ein vaso von grienem glaß oder ‚pasta di Napoli‘ … in schwartzem futral“ und ein „grien vaso die Napoli in schwartzem futral“ sind im K.kammer-Inv. Rudolfs II. verzeichnet, ebenso unter „vasi di pasta von mancherley farben“ sowie „zwei vasi groß …, in rot leder überzognen futralen“ und „ein vaso antickischer formb. … in blosametinem futral“; dazu kamen „zwo schaln von glaß mit künstlich geamalirten historien …, sind beid in einem futral“ ([1] S. 63–66, Nrn. 1165f., 1186, 1191, 1210).

Zu F. von Kristallgefäßen unterschiedlichster Form s. das Nachlaßinv. von Erzhzg. Ferdinand von Österreich 1596, in dem fünfzehn Trinkgeschirre aus Bergkristall „mit iren fuetralen“ verzeichnet sind ([7] S. CCXXIX], ferner das Schatzkammer-Inv. von Erzhzg. Leopold Wilhelm 1660 mit insgesamt zwölf Kristallgefäßen unterschiedlicher Form mit jeweiligem F. ([12] S. LXXXIIf. Nr. 29, 38, 41, 43, 47, 66f., 69–71, 73 und 76). – Erhalten ist das F. samt Hochzeitsbecher, Dessau 1671, mit in die Wandung eingefügten geschliffenen Bergkristallen (Offenbach, Dt. Ledermus.; [3] S. 258f., Abb. 189). Auch für Kristallkugeln, die zum Kühlen verwendet wurden, fertigte man eigene F. an (z. B. Kugel aus Bergkristall, in Silber gefaßt, mit zugehörigem F., Deutschland, um 1500, Leder, Samt, H. 7,2 cm Dm. 4,4 cm, Berlin, Kgwb. mus. Ident.nr. F 502).

In den genannten Inv. sind ferner F. von Steingefäßen aufgeführt; ein kleiner Krug und ein Trinkgeschirr „von diaspis oriental“, 1596 ([7] S. CCXXX), Gefäße aus Jaspis auch im Kunstkammer-Inv. Kaiser Rudolfs II., 1607/1611 ([1] S. 76f., Nr. 1417 und 1427); dort auch eine Schale „von rottem oder leberfarbem stain“ (ebd., Nr. 1426); ferner im Schatzkammer-Inv. Leopold Wilhelms von 1660 ein „trinkhgeschier von agata“ (Achat) und eins „von grüenlechtem agat“ (die Belege [12] S. LXXVIIIf. Nr. 88 und 74) – allesamt mit F. – In den Staatl. K.slgn. Dresden ist eine Kanne aus Lapislazuli samt ihrem F. erhalten ([3] S. 272, Abb. 213).

Zu einem Humpen aus Bernstein mit vergoldeter Silbermontierung, wohl Königsberg, um 1650/1660, gibt es auch das zugehörige Leder-F. (Marjorie Trusted, Smart Lethieullier‘s Amber Tankard, Apollo 21, 1985, S. 310– 313).

In Inventaren des späten 16. und frühen 17. Jh. sind mehrfach Gefäße aus „Porzellan“ verzeichnet, die in einem „F.“ aufbewahrt wurden. Im 19. Jh. wurden auch Reisetassen aus diesem Material im eigenen F. transportiert.

Beisp.: „ein schiszl von parzulan in ainem schwarzsameten fuetral“ (Inv. Erzhzg. Karl von Steiermark, 1590: Nachlaß-Inv. Erzhzg. Karl von Steiermark, 1590: Jb. Kaiserh. 7, 1888, S. XIX, Regest 4597); „vier schöne schaln mit silber vergulten fueßlen und handhebin …, gehören in schwartze mit leder uberzogne futräln …“; in schwartz hiltzenem futral ein grosse grawe schaln, gleich einem handtbecken von porzelana“ (K.kammer-Inv. Kaiser Rudolfs II.: [1] S. 59, Nr. 1103, S. 62, Nr. 1148); ebendort drei „porcelanen … schälin … alle drey in schwartzen mit leder uberzogenen futral“: ebd., S. 58f., Nr. 1096–1098). Ein F. für eine Reisetasse, 1810 (Leipzig, Stadtgesch. Mus. Inv. nr. V/623/2006) aus Holz, Leder, Seide, Messing (Dm.: 14,8 cm, H.: 10,5 cm) bietet Platz für eine Mokkatasse mit Untertasse; das Korpus ist aus Holz, innen gepolstert und mit gelber Seide überzogen, außen mit goldgeprägtem roten Leder verkleidet. Das F. ist in der Mitte mit Hilfe eines Scharniers seitlich aufklappbar; zwei Haken und Ösen, ebenfalls aus Messing, auf der anderen Seite dienen als Verschluß. Das auf dem Boden in Gold geprägte „P“ verweist auf den ursprünglichen Besitzer.

Aufwendige Goldschmiedearbeiten wurden in der Regel in einem eigenen Kasten oder F. geliefert, wie aus den Rechnungen hervorgeht; die meisten sind ab 17. Jh. überliefert (Johann Michael Fritz, Goldschmiedek. der Gotik in Mitteleuropa, Mchn. 1982, S. 77f.).

Beispiele sind F. für Silberbecher der Breslauer Zwingerschützen von 1509 mit Gravur von 1579 (Abb.), ein silberner Deckelpokal der Gewürzschauer in Nürnberg, 1656 (Dagmar Thormann, Zunftzinn und Zunftsilber im Germ. Nat.mus., Nbg. 1991, S. 146, Abb. S. 147) und der Willkomm der Gesellen der Breslauer Zimmerer- und Müllerzunft, 1705 (Abb. 10); zu einem Pokal um 1740 mit Besteckeinsatz im K.handel; [3] S. 272, Abb. 212. Bislang einzigartig in Form und Dekoration ist das F. zu dem Salzfaß mit Kalvarienberg von Christoph I. Ritter, 1550. Das Leder des Überzuges ist mit Goldprägungen geschmückt, darunter auch eine Reihe von Figuren unter Rundbögen (Abb. 7; Ausst.kat. „Wenzel Jamnitzer und die Nürnberger Goldschmiedek. 1500–1700“, Nürnberg 1985, Mchn. 1985, Farbabb. 17). Auch für die sog. Steinkabinettabatieren des Dresdener Goldschmieds Johann Christian Neuber, zwischen 1780 und 1785, wurden eigene F. angefertigt. Erhalten hat sich z. B. ein F. in New Yorker Privatbesitz (Alexis Kugel, Gold, Jasper and Carnelian. Johann Christian Neuber at the Saxon Court, Ld. 2012, S. 189, mit Kat.nr. 154; frdl. Hinweis Lorenz Seelig, Gräfelfing).

Bei in Schriftquellen genannten F. von Bildwerken ist, ähnlich wie bei F. zu „Porzellan“, unklar, ob es sich nicht allgemein um Kästen handelte.

In Stift Klosterneuburg wurden 1578 „auff St. Leopoltts alltar in einem fuetrall ain Maria Pilldt, von allawaster zierlich geschnitzt“ erworben (Jb. des Stiftes Klosterneuburg N.F. 7, 1967, S. 200).

Bei Musikinstrumenten ist die zeitliche Einstufung der zugehörigen F. schwierig. Überliefert sind solche seit dem 16. Jh.

Unter den Saiteninstrumenten erhielten insbesondere Lauten und andere Zupfinstrumente oftmals F. mit Dekor.

Die F. wurden häufig nur mit vergoldeten Bordüren entlang der Konturen dekoriert (z. B. Lautenkasten zu einer verlorenen Laute von Dierich Bochem, Köln 1651; Innsbruck, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Inv.nr. 54; frdl. Hinweis Krista Profanter, München). – Weitere Beisp.: Kasten für eine Laute von A. Preda, Vicenza, 1792, innen ausgekleidet mit Buntpapier der Firma LeBlon, Orleans 1792: Musikabt. Münchner Stadtmus., Inv.nr. MUS–40–308; frdl. Hinweis von Sabine Scheibner, München). – F. für die Gitarre von Johann Georg Stauffer, Wien, vielleicht vor 1822, Kirschholz außen furniert, innen mit Filz ausgeschlagen (München, Dt. Mus.: Brigitte Wackernagel, Europäische Zupf- und Streichinstrumente, Hackbretter und Äolsharfen, FfM. 1987 [Das Musikinstrument, 62], S. 99f.). – Das F. einer Mandora von Gregor Ferdinand Wenger, Augsburg 1748, aus Fichtenholz trägt schwarzen Überzug; der rote Filz innen ist wohl aus späterer Zeit (ebd., S. 27). – Beim F. für eine Tastencister (mit Hämmern geschlagene Gitarre) ist das Leder des Überzugs mit Blindstempeln geziert, das Innere mit Buntpapier und Textil ausgekleidet (Musikabt. Münchner Stadtmus., Inv.nr. MUS–43–307; frdl. Hinweis von Sabine Scheibner). – In dem Nürnberger Inv. der vom Stadtpfeifer zu verwahrenden Instrumente von 1609 sind „4 große Paduanische Lauten in Futeraln“ vermerkt ([7a] S. 342).

Seit wann es F. für Geigen und andere Streichinstrumente gibt, ist unsicher. Zu vermuten sind Kästen mit abgerundeten Ecken.

In einem Nürnberger Inv. von 1712 ist eine „Discant-Geige“ mit Bogen … in einem Futter“ verzeichnet ([7a] S. 344). Das F. von Wenzel Kowansky 1749 für Kaiserin Maria Theresia angefertigte Violine aus Schildpatt mit Einlegearbeit ist mit gekörntem schwarzem Leder überzogen und mit rotem Samt ausgeschlagen; dazu kommen vergoldete Messingbeschläge ([13] S. 67, Nr. S. 100). – Das vermutlich aus dem 18. Jh. stammende F. für eine Violine oder Viola aus gefaßtem Holz zeigt geschnitzte Ornamente (v. a. Rocaillen) sowie Trophäen mit verschiedenen Musikinstrumenten (New York, Metropolitan Mus. of Art, Nr. 52.96.2.; Emanuel Winternitz, Musical Instruments of the Western World, Ld. 1967, S. 204f., mit. Abb. 79). – Nur in Ausnahmefällen wurden im 20. Jh. die Oberflächen figürlich gestaltet. So bemalte Elsa Hegnauer-Denner (1917–2008) 1956 einen Cellokasten mit einer ganzfigurigen Darstellung einer Musikantin, die der Form des F. angepaßt ist (Aukt.kat. „Schuler Auktionen, 121. K.- und Antiquitätenaukt., Zürich, 14.–17. 6. 2011“, Taf. 22, Losnr. 4159).

Blechblasinstrumenten erhielten wohl erst im 19. Jh. hölzerne, mit schwarzem Leder überzogene F.

Beisp.: F. für ein Waldhorn von Johann Gottfried Moritz, Berlin, zwischen 1835 und 1840 (Dieter Krickeberg und Wolfgang Rauch, Kat. der Blechblasinstrumente. Polsterzungeninstrumente, Bln. 1978, S. 114f.).

Flöten, Zinken und formverwandte Holzblasinstrumente wurden, sofern nicht in rechteckigen Kästen aufbewahrt, in modern als „Köcher“ bezeichneten Behältnissen in Gestalt miteinander verleimter, konisch zulaufender oder rund gedrechselter Röhren mit abnehmbaren Deckel untergebracht. In Inventaren des 16.-18. Jh. wurden diese Behältnisse F. benannt.

In dem Nürnberger „Verzeichnis der beim Stadtpfeifer zu verwahrenden Instrumente“, 1575, ist „ein Futter mit neun Flöten … mit schwarzem Leder überzogen und zum theil vergulten“ aufgeführt ([7a] S. 338); Beisp.: Flöten, Sordone, Krummhörner, Zinken, Posaunen sind in fürstlichen Inv. des späten 16. Jh. aufgeführt: Inv. der Grazer Instrumentenkammer 1577: [13] S. 15f.; Nachlaßinv. des Erzhzg. Ferdinand II. von Tirol, sog. Ambraser Inv. 1596, Instrumentenkammer in Ruhelust: ebd., S. 12f. Im Ambraser Bestand erh. sind mit schwarzem Leder überzogene, innen rot gefärbte Sammel-F. für 6-8 unterschiedliche Flöten (ebd., Taf. XXXVI); Beatrix Darmstädter, Die Zinken und der Serpent der Sammlung alter Musikinstrumente, Wien 2011 (Slg.kat. des Kh. Mus., 7), S. 233f.; Alfons Huber, Wiebke Lüders und Albrecht Czernin, Ein Flötenköcher aus dem 16. Jh. im Kh. Mus., Restauratorenbll. 29, 2010, S. 187–194.

Die F. von technischen Geräten waren in der Regel nicht dekoriert, konnten aber noch zusätzliche Funktionen erfüllen: Der Erdglobus im Taschenformat (Dm. 8 cm) von John und William Cary, London 1791 („Cary’s pocket globe: agreeable to the latest discoveries“), auf dem u. a. die Routen des Seefahrers James Cook eingezeichnet sind, wird in einem mit Rochenhaut überzogenen Futteral aufbewahrt, der innen einen Himmelsglobus zeigt (Berlin, St.bibl., Kart. Globus 38: Abb. 12); ebenso ist es beim F. für den Globus von Johann Baptist Homann (1663–1724), Nürnberg, um 1716, in Dresden, Mathematisch-Physikalischer Salon, Inv.nr. E II 27, Pappe, Papier, Holz, Leder, Dm. 6,7 cm).

Serielle fabrikmäßige Herstellung von Brillen-F. aus Metall und Kunststoff mit Überzug (Leder, Textilien, Papier) begann E. 19. Jh.; dem Futter ist häufig die Adresse des verkaufenden Optikers eingedruckt.

Zu den Abbildungen

1a und b. Diderot-d’Alembert, Planches, 3. Lfg., Paris 1765. Nach dem Ndr. Barcelona 1988, Bd. 8.

2. Halberstadt, Dommus., Inv.-Nr. 14, F. zum Wärmeapfel. Nordfrankr. (?), um 1280/1300. Leder, Dm. 13,2 cm. Foto Marburg 87728.

3. Wien, K.hist. Mus., Weltliche Schatzkammer, Inv.-Nr. XIII 33, F. für das Zeremonienschwert (Detail). Prag, nach 1350. Leder, Eisenbeschläge, Futter roter Samt, Gesamtlänge 115 cm. Foto: Mus.

4. Berlin, Staatl. Mus. zu Berlin, Kgwb.mus. Inv.nr. F 1585, Leder, gefärbt, geschnitten und punziert über Kasten aus Pinienholz, 23 x 18 x 5,5 cm. Foto: Mus.

5. Nürnberg, Germ. Nat.mus., Inv.-Nr. HG 2147, F. geöffnet, mit dem Schlüsselfelderschen Schiff. Nürnberg, 1503. Leder, Holz, H. 81,5 cm. Nach: Ausst.kat. „Dt. Goldschmiedek. vom 15. bis zum 20. Jh. aus dem Germ. Nat.mus.“, Hanau–Ingolstadt–Nürnberg 1987–1988, Bln. 1987, Abb. 5.

6. Hannover, Mus. August Kestner, Inv.-Nr. 3593, F. zum Astrolabium. Nürnberg, 1540. Leder. Foto: Mus. (Christel Moser).

7. London, Schroder Coll. Nach: Ausst.kat. „Wenzel Jamnitzer und die Nürnberger Goldschmiedek. 1500–1700“, Nürnberg 1985, Mchn. 1985, Farbabb. 17.

8. Leder vergoldet, B. ca. 5 cm. Nach: Kat. „Ten For TEFAF “, Den Haag 2014, S. 8.

9. Schmalkalden, St. Georg, Lutherstube, Inv.-Nr. 835-27, F. zur Abendmahlkanne. Schmalkalden, E. 17. Jh. Leder, H. 38 cm, unterer Dm. 20,8 cm. Foto: Ev. Kirchengemeinde Schmalkalden (Dagmar Günther).

10. Wrocław/Breslau, Nat.mus. Inv.-Nr. XV-3802, F. für den Willkomm der Gesellen der Zimmerer- und Müllerzunft (Inv.-Nr. XV-3809). Breslau, 1705. Holz, Lederüberzug, H. 46,6 cm, Dm. oben 22,3 cm. Foto nach: Kat. „Zabytki cechów śląskich“, Wrocław 2002, S. 406.

11. Kopřivna/Geppersdorf, Tschechische Republik, Pfarrk. F. für eine Monstranz. Olmütz, um 1752. Weichholz, Leder, 78,5 x 39 x 26 cm. Foto: M. Köhler, München.

12. Berlin, Staatsbibliothek, Kartenabt. Signatur Kart. Globus 038, F. mit Rochenhaut überzogen; Globus Dm. 8 cm. Foto: Bibl.

13. Mainz, Bisch. Dom- und Diöz.mus., Inv.-Nr. V193, F. und Weinbecher von Peter Itzstein, Mainz (?), 1838. Holz, Leder, Silberringe, Anhänger von 1761, H. 32,2 cm Dm. oben 12,1 cm. Foto: Mus.

14. München, Residenzmus., Inv.nr. XXXIII,12 (Inv. der Reichen Kap. von 1851), Holz, gedrechselt. Foto: Bayer. Verwaltung der Schlösser, Gärten und Seen.

Literatur

1. Rotraud Bauer und Herbert Haupt (Hgg.), Das K.kammerinv. Kaiser Rudolfs II. 1607–1611, Jb. Kh. Slgn. 72, 1976. – 2. Johann Jacob Heinrich Bücking, Die K. des Buchbindens, Stadtamhof 1807 (Ndr. Lpz. 1983). – 3. Günter Gall, Leder im europ. Khdw., Braunschweig 1965 (Bibl. Für K.- und Antiquitätenfreunde, Bd. 44). – 4. Hellmuth Helwig, Das dt. Buchbinder-Handwerk, Bd. 1, Stg. 1961. – 5. Karl Karmarsch, F.macherk., in: Josef Johann Prechtl (Hg.), Technologische Enc. …, 6. Bd., Stg. 1835, S. 327–337. – 6. René de Lespinasse und François Bonnardot, Les métiers et corporations de la Ville de Paris: XIIIe siècle, Le Livre des Métiers d’Etienne Boileau, Paris 1879. – 7. Nachlaß-Inv. Erzhzg. Ferdinand von Österr., 1596: Jb. Kaiserh. 7, 1888, S. CCXXVI–CCCXIII Regest 5556. 5. – 7a. Ekkehart Nickel, Der Holzblasinstrumentenbau in der freien Reichsstadt Nürnberg, Mchn. 1971 (Schrn. zur Musik, 8). – 8. Klaus Pechstein in: Mitt. des Ver. für Gesch. der Stadt Nürnberg 61, 1974, S. 94 Anm. 20. – 9 . Anton Podlaha und Ed. Šittler, Der Domschatz in Prag, Prag 1903 (Kdm. Böhmen, Prag, Bd. II,1). – 10. Christoph Ernst Prediger, Der in aller heut zu Tag üblicher Arbeit wohl anweisende accurate Buchbinder und Futteralmacher …, T. 1–4, FfM. und Lpz. 1741–1753, Ndr. Zh. 1976. – 11. Augustin Roux u. a., Dict. domestique portatif …, Bd. 2, Paris 1764. – 12. Schatzkammer-Inv. Erzhzg. Leopold Wilhelm, 1660: Jb. Kaiserh. 7, 1888, S. LXVII–LXXXIV, Regest 4717. – 13. Julius Schlosser, Die Slg. Alter Musikinstrumente, Wien 1920 (Kh. Mus. Wien, Publikationen aus der Slg. für Plastik und Kgwb, III). – 14. Edmund Ungerer (Hg.), Elsässische Alt. in Burg und Haus, in Kloster und Kirche, Strbg. 1913 (Quellen und Forschgn. zur Kirchen- und Kulturgesch. von Elsass und Lothringen, II).