Furnier

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englisch: Veneer; französisch: Plaque; feuille de placage; italienisch: Impiallacciatura.


Georg Himmelheber (2014)

RDK X, 1220–1225

RDK X, 1221, Abb. 1. F. aus Nußbaumholz, zweigeschossiger Schrank (Detail). Franken, gegen M. 17. Jh.
RDK X, 1223, Abb. 2. „Gestürzte“ F., Schreibschrank. W-Dtld., um 1830/1835.
RDK X, 1224, Abb. 3. Sternförmig angeordnetes F., Schreibschrank. N-Dtld. (Detail), um 1740/1750.


I. Allgemeines

A. Definition

Als F. (abgeleitet vom franz. fournir: „mit etwas versehen“) bezeichnet man dünne Holzblätter, meist aus edlem, besonders auffällig gemasertem Holz, die man auf schlichtere Holzteile von Möbeln oder anderem Gerät aufbringt, um diesen das Aussehen der wertvolleren Holzart zu geben. Neben Holz können auch andere Materialien wie Horn, Schildpatt oder Elfenbein auffurniert Werden (s. Boulletechnik; Ebenist).

B. Arten

Man unterscheidet F. nach seinem Erscheinungsbild, das von der ursprünglichen Lage im Stamm bestimmt wird: Streifenf. (aus der mittleren Partie des Stammes), Fladerf. (aus dem äußeren Teil des Stammes), Maserf. (aus den Stammteilen, die starke Verwachsungen zeigen), Wurzelf. (aus dem Wurzelstock eines Baumes, lebhafte Maserung) und Hirnholzf. (dünne Scheiben, quer zum Stamm gesägt).

II. Herstellung

F. wurde anfangs mit der Säge hergestellt, die von einem oder – je nach Sägetyp – von zwei Arbeitern bedient wurde. Um es aufzuleimen mußte es mit dem Hobel geglättet werden. Das handwerklich anspruchsvolle Verfahren wurde erleichtert durch die Erfindung mechanischer Sägen, mit denen sich wesentlich dünnere F. herstellen ließen (Robert Wessling, „Die Fornir alle geschnidten“. Zur Herstellung von Sägef., in: Hans Michaelsen, Königliches Parkett in preußischen Schlössern …, Petersberg 2010, S. 405–419).

In Augsburg unterhielt 1650 Hans Dürsch eine „Furniermühle“, wohl eine sehr feine, wassergetriebene Gattersäge, mit der er einen halben Zoll starke F. schnitt. Auch die Ulmer und Münchner Schreiner ließen dort F. schneiden, besonders aus Ebenholz, Birnbaum und Elfenbein. Ein Schreiner namens Prestlig soll jedoch schon „Jahre vorher“ in Augsburg eine F.mühle betrieben haben ([1] S. 107, 130). Gesicherte Nachrichten gibt es erst wieder aus dem Jahr 1763, als dem Müller Conrad Waser gestattet wurde, eine „Furniersäge“ zu errichten (ebd., S. 304). 1811 erhielt Franz von Hauslab in Wien ein Privileg auf die Verfertigung furnierter Schreinerarbeiten „mittels Maschinen“, wobei unklar bleibt, was hierunter zu verstehen ist (Stephan Edler von Keeß, Darst. des Fabriks= und Gewerbswesens im österr. Kaiserstaate ..., Bd. 3, Wien 21823, S. 79). 1812 beantragte der Berliner Tischlermeister Ernst Francke ein Patent auf eine F.sägemaschine, die sein Bruder David 1816 in Frankfurt a. d. Oder in Betrieb setzte (Achim Stiegel, Berliner Möbelk. vom E. des 18. bis zur M. des 19. Jh., Mchn.-Bln. 2003, S. 437–499). 1817 erhielten Martin und Aloys Munding aus Wien ein Patent auf ihre „neu erfundene Fournir-Zirkular-Schneidemaschine“ ([1] S. 403), eine Kreissäge nach dem Vorbild der wenige Jahre zuvor in England erfundenen Sägen. Von dort besorgte sich 1818 der Münchner Kaufmann Stöger ein Exemplar, mit dem man „Fournier-Blätter für Kistlerarbeiten geschnitten“ hat, „die einen sehr reinen Schnitt haben“ ([3] Sp. 639). Karl Friedrich Schinkel besichtigte 1826 in Glasgow eine Fabrik, „wo Kreissägen von 15 Fuß Durchmesser Furnierbretter schneiden“ (K. F. Schinkel, Reise nach England, Schottland und Paris im Jahre 1826, hg. von Gottfried Riemann, Bln. 1986, S. 224). Im selben Jahr erhielt der Münchner Tischlermeister Joseph Kübler ein Privileg „auf eine von ihm erfundene Rundsäge oder Fourniermaschine“ ([3a] Sp. 472). Johann Wolfgang von Goethe ließ sich 1829 von Johann Andreas Stumpff über „eine Maschine Fournure zu schneiden“ berichten, die dieser bei Eisenach installiert hatte (Werke, III, 12, S. 138f.). Zur „Allg. dt. Industrie-Ausst.“ 1842 in Mainz hatte G. Weigand in Idstein „zwei recht schön ausgeführte arbeitende Modelle einer Fournierschneidmaschine mit Kreissäge; Ein zweites mit einer Horizontalsäge eingeschickt.“ ([3b] Sp. 247).

Noch lange wurde aber in kleineren Werkstätten F. mit der Hand geschnitten, obwohl Johann Joseph Prechtl schon 1835 geschrieben hatte, F. mit der Hand zu sägen, sei ein „Notbehelf“ ([4] S. 317).

Eine bedeutende Weiterentwicklung in der F.-Produktion bedeutete die Herstellung von Messer-F.. Mit großen Messern wird F., ähnlich wie der Span beim Hobeln, vom Brett abgehoben. Das entstehende F. ist wesentlich dünner als das Säge-F. und muß nicht mehr nachbearbeitet werden.

1821 erhielt A. Munding in Wien ein Patent „auf seine Erfindung, daß mittelst einer mechanischen Schere Fournir-Hölzer ... ohne Verlust von Sägespänen ... zu Fourniren geschnitten“ werden konnten, und der Wiener Tischlermeister Gottlieb Sockel auf eine verbesserte „Fournier-Messer-Schneidemaschine“ ([1b] S. 498 und 511). Wenig später gab es Betriebe, die sich auf die Anfertigung von F. spezialisiert hatten und ihre Produkte an Schreiner verkauften, etwa in den zwanziger Jahren in Mainz oder 1832 in Bremen ([5] S. 36). Dennoch schrieb 1835 J. J. Prechtl, daß „die hierher bezüglichen Versuche keinen rechten Fortgang gehabt haben“ ([4] S. 326). Offensichtlich notwendige technische Verbesserungen an den Schneidemaschinen entwickelten der Londoner Ingenieur Joseph Spinner 1836 (The Rep. of Patent Inventions Advertiser, Oct. 1836, S. 197), Geyer d’Orth in Thionville 1839 ([5b] S. 101) und der Münchner Feinmechaniker Balthasar Küchler 1845 ([3c] Sp. 301). Noch in den sechziger Jahren wies man auf Bezugsmöglichkeiten aus Paris hin (Monatsbl. des Großherzoglich Hess. Gew.ver. 2, 1861, S. 112), obwohl in Wien und Freiburg größere Firmen bestanden, die F. lieferten.

Die dritte und jüngste Stufe in der F.-Produktion ist die Herstellung von Schäl-F., wobei der Stamm des zu bearbeitenden Holzes gegen ein feststehendes, sehr breites Messer gedreht wird.

Schon 1817 berichtete man über die Herstellung von derartigem Schälfurnier: Ein Klavierbauer Everyear (oder Ewapear oder Faveryer) in St. Petersburg bot an, „hölzerne Fournier-Platten von einigen hundert Schuhen Längen, und 4 bis 5 auch mehrschuhiger Breite“ zu liefern. „Diese Maschine hat das Eigentümliche, daß sie anstatt das Stück Holz in der Breite zu schneiden, an dessen Umfang einen fortlaufenden Span abnimmt“. Noch im selben Jahr wurde auf diese Nachricht entgegnet, daß die Schreiner in Fürth „schon längst“ derartiges Schäl-F. herstellten, jedoch in wesentlich kleineren Ausmaßen (Wöchentlicher Anz. für K.- und Gewerbe-Fleiss im Königreich Baiern 3, 1817, Sp. 537 und 597). Zwei Jahre später berichtete man von einer Maschine in Reval, „durch welche das Holz in feine Blätter von beliebiger Länge geschnitten wird“ ([1] S. 427–429). Wegen der beim Schälen entstehenden eigentümlichen „fladerigen“ Maserung des F. wird man auch das Patent, das der Wiener Tischlermeister Peter Pfaff 1819 „auf die von ihm erfundenen Holzflader“ erhält, auf die Herstellung von Schäl-F. beziehen dürfen ([1a] S. 361). Das Wiener Polytechnische Inst. veröffentlichte 1822 das Modell einer „Fournierschälmaschine“ ([1b] S. 309]. Dennoch schrieb J. J. Prechtl 1835, die Herstellung von Schäl-F. sei ein „in der Praxis nicht bewährter Versuch“ ([4] S. 326). In der zeitgenössischen Lit. finden sich keinerlei Hinweise mehr auf Herstellung oder Verarbeitung von Schäl-F., das dann erst im 20. Jh. vor allem für die Herstellung von Sperrholz produziert wurde.

Um das Krummwerden des Holzes zu verhindern, mußte das F. auf beiden Seiten aufgeleimt werden, so daß der Holzkern nicht mehr zu sehen war („Blindholz“). Stärkere F. aus möglichst schlichtem Holz, meist Pappel, verleimte man auf beiden Seiten quer zur Faserrichtung des Blindholzes, um dieses am Quellen und Schwinden zu hindern. Das F. zur Veredelung wurde dann parallel zur Faserrichtung des Blindholzes aufgebracht.

III. Verwendung

Holz mit F. zu versehen war in der Antike bereits geläufig, obwohl nur wenige Beispiele erhalten sind (Ausgrabungen der dt. Orientges. in Abuzir 1902–1904, Bd. III, Lpz. 1905, S. 56).

Plinius schilderte eingehend die Technik und erwähnte die am besten geeigneten Holzarten sowie Elfenbein, Horn und Schildpatt (Naturalis historia, lib. XVI, cap. 67f., 229, 231–233: ed. König, Bd. 16, S. 52, 144–146). Auch andere antike Autoren berichteten über derartige Veredelungen von Möbeln (Hugo Blümer, Technologie und Terminologie der Gew. und Künste, Lpz. 1879, S. 253 und 259f.).

F. im MA ist in Dtld. erst an spätgotischen Kastenmöbeln zu finden.

Ein frühes Beisp. ist der kleine zweigeschossige Schrank im Bayer. Nat.mus. in München aus dem 2. V. 15. Jh., bei dem die Türen auf den Außenseiten mit einem starken Birken-F. belegt sind ([2] Abb. 119). Dat. Beisp. sind der Schrank von 1449 aus Wertheim und der sog. Syrlin-Schrank von 1465 (ebd., Abb. 89 und 92). Das hier wie auch bei vielen anderen Beisp. (ebd., Abb. 94f., 101f., 106f., 114, 118, 143ff.) einseitig aufgebrachte F. ist fast immer Riegelahorn.

Im 16. und 17. Jh. waren Eschen-F. beliebt (ebd., Abb. 149, 151f., 154, 166f., 173, 176, 361f. und 392f.), später bevorzugte man Nußbaumholz. Bei den architektonisch gegliederten Kastenmöbeln wurden die Füllungen häufig mit lebhaft gemustertem F. versehen (Abb. 1). F. wurde auch für Einlegearbeit verwendet. Seit dem Barock wurden lebhaft gemaserte F. „gestürzt“: Parallel aus demselben Stamm geschnittene Blätter werden gleichsam aufgefaltet, wodurch ein symmetrisches Muster entsteht (Abb. 2). Auch doppeltes Stürzen – über eine senkrechte und eine waagrechte Achse –, sogar sternförmige Anordnungen sind möglich Abb. 3). Während die F. im Rokoko außerordentlich vielgestaltig zusammengesetzt wurden, bevorzugte man im Klassizismus wieder durchgehend furnierte große Flächen.

Zum Färben von F.: ebd., Sp. 1001.

Zu den Abbildungen

1. Coburg, K.slgn. der Veste. Foto Mus.

2. Trier, Städt. Mus., Foto Mus.

3. K.handel. Foto: K.handel.

Literatur

1. Jbb. des k.k. polytechn. Inst. in Wien 1, 1819; a. dgl. Bd. 2, 1820; b. dgl. Bd. 3, 1822. – 2. Himmelheber-Kreisel, Möbel, Bd. I. – 3. K. und Gew.-Bl. für das Kgr. Bayern. Hg. von dem Polytechnischen Ver. 4, 1818; a. dgl., Bd. 12, 1826; b. dgl., Bd. 29, 1843; c. dgl., Bd. 31, 1845. – 4. Johann Joseph Prechtl, Technologische Enz. oder alphabetisches Hb. der Technologie, der techn. Chemie und des Maschninenwesens, Bd. 6, Stg. 1830. – 5. Verhn. des Gew.-Ver. zu Coblenz 3, 1837; a. dgl., Bd. 4, 1839.

Verweise