Frack

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englisch: Swallow tails, Swallow tailed coat; französisch: Frac; italienisch: Marsina.


Andrea Mayerhofer-Llanes (2006)

RDK X, 443–453


RDK X, 443, Abb. 1. F. à la française. Frankr., 4. V. 18. Jh.
RDK X, 445, Abb. 2. F. à la française. Frankr., um 1790
RDK X, 447, Abb. 3. F. à l'anglaise. Frankr., 1800.
RDK X, 449, Abb. 4. Schnittmuster. England, um 1825.
RDK X, 449, Abb. 5. F. à l'anglaise, München, um 1830.
RDK X, 451, Abb. 6. Fiktiver Erfinder des F.

I. Definition

Der F. ist ein Bestandteil der neuzeitlichen Männerkleidung, ein jackenartiges, mehr oder weniger eng am Oberkörper anliegendes Gewand mit langen Ärmeln und zurückgeschnittenen Rockschößen am Rücken, dessen Schnitt und Funktion seit seiner Entstehung im 18. Jh. mehrfach verändert wurde.

Im Gegensatz zu ähnlichen Kleidungsstücken - Justaucorps, Gehrock und Cutaway (hierzu [7] S. 159, 211, 275) - sind die Schöße des F. in der Regel faltenlos und geschlitzt.

II. Begriff

Die Bezeichnung F. wurde im 18. Jh. von engl. „frock“ (Rock, Kittel) abgeleitet, das seinerseits von altfranz. „froc“ (lat. „floccus“ für Mönchskutte; auch „froccus“) stammt (Kluge-Seebold, S.-228f.). 1767 wurde das Kleidungsstück in Frankreich als „frac“ bezeichnet (Alain Rey [Hg.], Dict. hist. de la langue franç., Paris 1992, Bd. 1, S. 825).

Die engl. Bez. „frockcoat“ entspricht dem dt. „Gehrock“, der „swallow tail(ed coat)“ dem heutigen dt. F. (Karl Wildhagen und Will Héraucourt, Engl.-dt. Wb., Wiesb. 1963, Ndr. 1972, Bd. 1, S. 341, 861); „Schwalbenschwanz“ als spöttische Bez. ist durch Grimm (Bd. 4,1, Sp. 47) belegt.

III. Form und Verwendung

A. 18. Jh.

Die Entwicklung des F.-Schnittes mit seinen markanten, zurückgeschnittenen Rockschößen basiert auf zwei unterschiedlichen Gewandformen der Zeit um 1740: dem Militärrock und dem englischen Tuchrock ([9] S. 261f.). Bei dem mit Revers versehenen Militärrock wurden die Schöße nach hinten umgeschlagen und dort mit Haken oder Knöpfen befestigt, so daß das andersfarbige Futter sichtbar war. Die auf diese Weise optisch abgeschrägten Schoßkanten wurden vorbildlich für die Gestaltung des F. Der englische Tuchrock, der ursprünglich volle Schöße besaß, wurde zur Verbesserung der Bewegungsmöglichkeiten stark zurückgeschnitten; dies führte zunächst zur Entstehung des Reitrocks, einer Frühform des F.

Stoffe und Dekor des F. waren von der Etikette abhängig: Während die durchweg kostbare Hofkleidung („grande parure“) und das Festkleid des Adels („demi parure“) konservative Formen und aufwendige Stoffe verlangten, war die Tageskleidung („negligé“) ein Experimentierfeld der F.Moden ([3] S. 28-33).

Die Spielarten des F. wurden parallel, aber unter wechselseitiger Beeinflussung in Frankreich und England entwickelt und in den deutschsprachigen Ländern rezipiert.

1. F. à la française

Um 1770 veränderte sich der bis dahin in Frankreich übliche „Justaucorps“, in der 2. H. 18. Jh. meist „habit à la française“ genannt, zum „frac à la française“. Dieser wurde anfangs als „negligé“, dann auch als Festkleidung an den Höfen und vom Adel getragen ([7] S. 190; Annemarie Bönsch, Formengesch. europ. Kleidung, Wien usw. 2001 [Konservierungswiss., Restaurierung, Technologie, 1], S. 190-195; [9] S. 267).

Der Justaucorps war in der 1. H. 18. Jh. etwa knielang und vorne waagerecht geschnitten; seitlich und hinten in der Mitte waren die weit ausgestellten Schöße in tiefe, gerade Falten gelegt. Er besaß keinen Kragen, aber breite Aufschläge an den Ärmeln. Mit einigen Knöpfen war er vorne zu schließen ([7] S. 275; Dominique Fernandez u.a., Moments de Mode. A travers les coll. du Mus. des arts de la mode, Paris 1986, S. 71).

Im Verlauf des Jh. wurde der Justaucorps zunehmend schmäler geschnitten und die vordere Kante nach hinten abgeschrägt; die Falten an den Schößen, die zunächst weniger tief gelegt wurden, fielen allmählich ganz weg. Die Knöpfe waren immer seltener zum Verschließen des F. gedacht; sie bekamen statt dessen dekorative Funktion. Die Ärmelaufschläge des Justaucorps wurden schmäler und verschwanden schließlich ganz.

Im 4. V. 18. Jh. wurden die Paßform und der Kragen des F. mehrfach verändert: Der F. wurde enger, ebenso seine Ärmel. In den 70er Jahren wurde zunächst ein schmaler, steifer Stehkragen („collet“) angesetzt, der fortlaufend höher geschnitten war (Abb. 1; [1] S. 18, 27-30). Nach 1780 wurde dieser vielfach zu einem hohen Umlegekragen erweitert (Abb. 2) und schließlich zu einem breiteren, über der Brust liegenden Überfallkragen („collet à châle, à coqueluchon“) weiterentwickelt. Die Taschen samt Oberklappen wurden schmäler oder, vornehmlich bei dem leichteren, für den Sommer bestimmten „fraque d´été“, ganz aufgegeben (Hermann Weiss, Kostümkde. Gesch. der Tracht und der Geräthe vom 14. Jh. bis auf die Gegenwart, Stg. 1872, S. 1220).

Die für den F. verwendeten Stoffe und Knöpfe in der Pariser Mode änderten sich - nur kurz unterbrochen durch die Franz. Revolution - mit jeder Jahreszeit und wurden dem modeinteressierten Publikum Europas umgehend über illustrierte Journale mitgeteilt.

Der Pariser Korrespondent für das ab 1786 in Weimar erscheinende „Journ. der Moden“ (ab 1787 „Journ. des Luxus und der Moden“) meldete z.B. im April 1786, daß die Modefarben für Tuch-F. mit schwarzen Samtkrägen „Verd Dragon“ und „Gris de Maure“ seien, während die jungen Herren scharlachfarbene F. bevorzugten. Am Abend würden die uniformähnlichen „fracs à la militaire“ mit „Couleur-Kragen“ und Aufschlägen getragen (Martha Bringemeier, Ein Modejournalist erlebt die Franz. Revolution, Münster 1981, S. 75). Im Mai 1787 waren die F. bunt gestreift und ebenso gefüttert (ebd., S. 79). Im Dezember 1788 trug man gestreifte, lockerer geschnittene Tuch-F. mit grauem Tuchfutter (ebd., S. 86), während im Mai 1789 F. in Marder-Braun oder Ochsenblut-Rot mit brillantierten Stahlknöpfen vorgezogen wurden (ebd., S. 99; Richard Martin, Our new clothes: Acquisition of the 1990s, The Metropolitan Mus. of Art, N. Y. 1999, Abb. S. 44).

Die meist reiche Verzierung des F. à la française (Abb. 1; [8] S. 70-73) wurde allmählich auf einen dezenten Randbesatz von nur einer, häufig schmalen, Borte von Gold-, Silber- oder Buntstickerei reduziert; in der weiteren Entwicklung fiel sie meist ganz weg. Die F. der Galauniformen von Hofbeamten und Diplomaten, die in Österreich bis zum Zusammenbruch des Kaiserreichs, in anderen Ländern (z.B. Frankreich, Großbritannien) bis in die Gegenwart existieren, wurden und werden jedoch weiterhin reich bestickt (Ausst.kat. „Des Kaisers Rock. Uniform und Mode am österr. Kaiserhof“, Schloß Halbturn 1989, S. 23 passim; Alan Mansfield, Ceremonial costume. Court, civil and civic costume from 1600 to the present day, Ld. 1980, S. 145-183).

Im 18. Jh. wurde zum F. die Culotte (RDK III, Sp. 877-879) getragen, ab ca. 1770 auch die dreiviertellange englische Reithose; erst nach der Französischen Revolution kam die lange Röhrenhose (Pantalon) auf.

2. F. à la anglaise

Der seit dem 2. V. 18. Jh. in England entwickelte F. „à l’anglaise“ wurde im Gegensatz zum F. „à la française“ immer aus einfarbigen Wollstoffen gearbeitet. Er wurde sowohl einreihig als auch zweireihig getragen, war mit zwei bis drei Knöpfen zu schließen und hatte einen Steh- oder, häufiger, einen Umlegekragen und die vom Militärrock übernommenen Revers. Die Schöße wurden zunächst von der vorderen Mitte bogig zurückgeschnitten und später mit rechteckigen, schmalen Schößen versehen. Die Ärmel waren sehr schmal und am Handgelenk bisweilen so eng, daß ein knöpfbarer Schlitz erforderlich war. Seine Funktion wandelte sich im Laufe des 18. Jh. von der Reit- und Negligé-Bekleidung zum Gesellschaftsrock ([9] S. 261).

F. mit Umlegekragen zeigt das Gem. von Sir Joshua Reynolds „Henry Fane with his Guardians“, 1760-1762 (New York, Metropolitan Mus.: David Mannings, Sir J. Reynolds. A complete cat. of his paintings, New Haven-Ld. 2000, S. 184, Nr. 593, Bd. 2, S. 281, Abb. 541; zum Kostüm: [2] S. 291). Eine etwas spätere Variante mit Revers, kurzer Weste und Kniehose trägt z.B. Sir Brooke Boothsby auf seinem Porträt des Wright of Derby, 1781 (London, Tate Gal.: ebd., Abb. 462).

Der F. „à l’anglaise“ wurde auf dem Kontinent bereits um 1770 getragen; er wurde 1786 für seine „vernünftige und zweckmäßige Simplicität“ gerühmt ([3] S. 30-32).

Die von Johann Wolfgang von Goethe 1772 beschriebene Kleidung des „Jungen Werther“ bestand aus einem blauen F. mit Kragen und Revers (à l’anglaise), einer gelben Weste (Gilet) und gelben (Leder-) Hosen (J. W. von Goethe, Die Leiden des jungen Werther, Buch II: Goethes Werke I, 19, S. 190; zur hierfür als Modell dienenden Kleidung des Carl Wilhelm Jerusalem: ders., Dichtung und Wahrheit, T. 3, Buch 12: Goethes Werke I, 28, S. 155). Diese Ausstattung wurde vorbildlich für die zeitgenössische Generation junger Herren in Dtld. ([9] S. 260; zur weiteren Verbreitung der „unter den Niederdeutschen, in Nachahmung der Engländer, hergebrachten“ Tracht durch Buchill.: Ausst. kat. „Die Leiden des jungen Werthers“, Düsseldorf usw. 1972).

Für die Rezeption des engl. F. in Frankr. spricht z.B. das Porträt des „Monsieur Sériziat“ von Jacques-Louis David, 1795: Der Schwager des Malers trug - zumindest beim Ausritt - einen dunkelbraunen F. à l’anglaise mit Umlegekragen und Revers über einer kurzen weißen Weste und weißem Halstuch, dazu Kniehosen aus gelblichem Leder, braune Stiefel und Handschuhe (Paris, Mus. du Louvre: Luc de Nanteuil, J.-L. David, N.Y. 1985, S. 122f., Taf. 26; [4] S. 8; [2] S. 283f.).

Der modisch einflußreiche „Beau Brummell“ (George Bryan Brummell, 1778-1840) etablierte den doppelreihigen Reitrock in England als elegantes Herrengewand, indem er ihm eine geschwungene Front verlieh und ihn eng und perfekt sitzend auf den Körper schneidern ließ (Jane Ashelford, The art of dress. Clothes and soc. 1500-1914, Ld. 1996, S. 185; [6] S. 374).

Während des Directoire (RDK IV, Sp. 74-77) und bis um 1810 war die Taille des F. weit nach oben geschoben; die Schöße endeten am Oberschenkel (Abb. 3). Wegen der starken Figurbetonung des engen F. trugen zu dieser Zeit viele Herren ein Korsett ([9] S. 291, 304; [6] S. 391).

B. 19. Jh.

Sowohl der F. à la française als auch der F. à l’anglaise wurden bis M. 19. Jh. getragen, dann setzte sich letzterer durch.

Bis um 1850 war der F. der übliche Tagesanzug, der bevorzugt in Farben wie Tabakbraun, Flaschengrün, Pflaumen- und Veilchenblau zu hellen Hosen getragen wurde ([7] S. 191). Der Abend-F. war hingegen aus schwarzem Tuch und hatte etwas längere Schöße als der Tages-F. In der Zeit des Biedermeier (RDK II, Sp. 542-545) wurden Ärmel und Schöße, der sonstigen Mode entsprechend, leicht gebauscht eingesetzt (Beisp.: [8] S.

168). Die Hose durfte tagsüber gemustert sein, abends war eine helle Hose obligatorisch. Zu jeder Tageszeit wurden bunt gemusterte Westen getragen. F. der frühen Biedermeierzeit bilden Modekupfer ab (Journ. des Dames et des Modes, Costume Parisien 1812, Taf. 1237; 1817, Taf. 1675: [1] Abb. S. 44, 56).

Der österr. Legationsrat Theodor Joseph Ritter von Neuhaus trägt auf dem Familienbild von Ferdinand Georg Waldmüller, 1827, einen dunkelblauen F. mit schwarz abgesetztem Umlegekragen und Revers über einem weißen Gilet und einem weißen Halstuch über dem hohen Hemdkragen, dazu sandfarbene Pantalons (München, Bayer. St.gem.slg.: Rupert Feuchtmüller, F. G. Waldmüller, 1793-1865, Wien-Mchn. 1996, S. 48, 438, Nr. 208). Kg. Ludwig I. von Bayern trug um 1830 einen F. aus schwarzem Kaschmirtuch mit Umlegekragen, Revers und langem, geraden Schoßteil, das durch einen Gehschlitz geteilt war (Abb. 5; dazu [5] S. 269, Kat.nr. 369; S. 169, Abb. 139). Varianten dieses F. sind bereits auf dem Gem. „Kronprinz Ludwig in der span. Weinschenke zu Rom“, 1824, von Franz Ludwig Catel zu sehen (München, Bayer. St.gem.slg.: Michael Teichmann, „Künstler sind meine Tischgäste“ ..., Mchn. 1991 [Schrn. aus dem Inst. für Kg., 58]).

Der körpernahe Schnitt, der bei aller Schlichtheit für gesellschaftliche Distinktion sorgte, erforderte für den F. hervorragende Schneider, deren Arbeit seit dieser Zeit Hilfsmittel unter stützten (Abb. 4).

Neben der Einführung des Maßbandes um 1825-1830 ([4] S. 42; vgl. [5] S. 241, Kat.nr. 198) gab es Geräte zum exakten Vermessen der Körperkonturen, z.B. das „dossimètre“, das es ermöglichte, die Rückenlinie eines F.

genau anzupassen (F.-A. Barde: Traité encyclopé dique de l’art du tailleur, Paris 1834: [4] S. 40). Modelle von F. publizierte z.B. G. H. Dartmann, Manuel du tailleur, Paris 1837, engl. Schnittmuster dazu George Walker, The Tailor’s Masterpieces ..., Ld. 1838. Von der Maßanfertigung hin zur industriellen Großproduktion von F. führten Versuche zur normierten Variierung von Schnittmustern, d.h. zur Produktion in Konfektionsgrößen (Guillaume Compaing d.Ä., L’Art du tailleur, Paris 1828: [4] S. 44).

Zwischen 1840 und 1865 erhielt das Bruststück des F. eine Versteifung; die Taille wurde tief nach unten gezogen.

Um 1850 wurde mit dem Aufkommen von Jackett ([7] S. 269f.) und Cutaway (ebd., S. 159; [6] S. 419) der F. als Tageskleidung ungebräuchlich. Seit der 2. H. 19. Jh. wurde er vor allem Teil des Fest- und Abendanzugs; vorherrschendes Material war seitdem schwarzes Tuch.

C. 20.-21. Jh.

In der Gegenwart gehört der F. zum formellsten Typ des schwarzen Gesellschafts anzugs und zur Dienstkleidung bestimmter Berufe (u.a. Musiker, Kellner, Saaldiener). Sein Schnitt ist seit der Zeit um 1900 bis auf kleine modische Veränderungen der Taillenhöhe, Schoßlänge, Reversbreite und der um 1930 üblichen Schulterbetonung weitgehend unverän dert geblieben: Der F. ist von der Taille steil nach hinten geschnitten, wo ein geschlitzter, bis in die Knie reichender Schoß den Eindruck eines Schwalbenschwanzes vermittelt. Das Revers ist aus glänzender schwarzer Seide gearbeitet. Zum stets offen getragenen F. gehören schwarze Röhrenhosen ohne Aufschlag, eine weiße Pikeeweste und ein weißes Hemd mit Fliege.

IV. Karikaturen

Die betont schmale oder hochgerückte Taille sowie die langen Schöße des F. waren seit dessen Entstehung Anlaß für karikierende Darstellungen.

Eine lächerlich hohe Taille haben die F. von Pariser Stutzern auf der um 1800 entstandenen Karikatur „Le Suprême Bon Ton“ (Ausst.kat. „Mittel und Motive der Karikatur in fünf Jhh. Bild als Waffe“, Hannover usw. 1984, S. 299, Nr. 220). George Cruikshank verspottete u.a. 1816 und 1824 Herren im F. als „Monstrosities“ (Ausst.kat. „G. Cruikshank 1792-1878“, Stuttgart 1983, S. 157, Abb. 148, S. 160, Abb. 152; Maßnehmen beim Schneider, um 1825: [4] S. 43). Die Herstellung einer idealen F.-Figur durch Schnürleibchen und Polsterung von Schultern und Hüften nahm 1822 eine franz. Karikatur aufs Korn ([1] S. 38). - In den „Fliegenden Blättern“ wurde der F. 1844 ironisch als „ächt deutsche Erfindung“ gefeiert; seine Schöße seien umgekehrte Feigenblätter. Beigegeben ist ein Denkmal entw. für den fiktiven Erfinder, den Elsässer Schneider Jean Jacques Fracas, der beim Zurückschneiden seiner Rockschöße gezeigt ist. Auf dem Sockel des Denkmals sieht man die Vertreibung aus dem Paradies, Adam mit verkehrt herum getragenem F. (Abb. 6). Vor allem Wilhelm Busch benutzte in seinen Bildergeschichten die komische Wirkung des F.schoßes, wenn er bürgerliche Honoratioren damit ausstattete, u.a. Lehrer Lämpel (Max und Moritz, 1865, in: W. Busch, Werke, hg. von Friedrich Bohne, Bd. I, Wiesb. o.J., S. 364) oder Tobias Knopp (Abenteuer eines Junggesellen, 1875; Herr und Frau Knopp, 1876: ebd., Bd. III, S. 31 passim, S. 110 passim) oder Malermeister Bötel (Maler Klecksel, 1884: ebd., Bd. IV, S. 90f.). Von besonderer Ironie ist daher die Ausstattung des Affen Fips mit einem „erbsengrünen“ F. (Fips der Affe [1879]: ebd., Bd. III, S. 311).

Zu den Abbildungen

1. F. à la française, Frankr. (?), 4. V. 18. Jh. Schwarzblau gestreifter Seidenpékin mit mehrfarbiger Seidenstickerei und Applikationen in Seidentüll; bezogene und bestickte Knöpfe an Brust, Ärmelaufschlägen und Taschen. Florenz, Gal. del Costume, Inv. Nr. G.M.A. 538. Nach: La Gal. del Costume, Flor. 1993, S. 91.

2. F. à la française, Frankr., um 1790. Seidenatlas mit Streifen in Blau, Grün, Rot und Weiß, Futter Seidentaft; bezogene Knöpfe an Brust und Ärmelaufschlägen. Kyoto, Kyoto Costume Inst., Inv.-Nr. AC5146 85-28-2AC. Nach: [8] S. 116.

3. Louis-Philibert Debucourt, Herr in blauem F. à l’anglaise, Frankr., 1800. Kolorierter Kupferstich. St. Gallen, Textilbibl. Nach: [6] S. 360.

4. Schnittmuster eines F., Engl., um 1825. Nach: Norah

Waugh, The Cut of Men’s Clothes 1600-1900, Ld. 1994, S. 124.

5. F. Kg. Ludwigs I. von Bayern, München, um 1830. Schwarzes Kaschmirtuch mit schwarzer Seide gefüttert; Messingknöpfe an Brust, Ärmelmanschetten und Gehschlitz. Wattierung an Schultern und Hüften. München, Bayer. Nat.mus., Inv.nr. T 5843. Foto Mus.

6. Fiktives Denkmal für Jean Jacques Fracas, 1844. Nach: Fliegende Bll. 1, 1844, H. 12, S. 96.

Literatur

1. Ausst.kat. „Von Pfau zu Pfau. Mode für Männer“, München 2003. - 2. François Boucher, Hist. du costume en occident, Paris 31996. - 3. Martha Bringemeier, Wandel der Mode im Zeitalter der Aufklärung ..., Rhein.-westf. Zs. für Volkskunde 13, 1966, S. 5-58. - 4. Farid Chenoune, Des modes et des hommes. Deux siècles d’élégance masculine, Paris 1993. - 5. Georg Himmelheber, K. des Biedermeier 1815-1835, Mchn. 1988. - 6. Wiebke Koch-Mertens, Der Mensch und seine Kleider, Ddf.-Zh. 2000, Bd. 1. - 7. Ingrid Loschek, Reclams Mode- und Kostümlex., Stgt. 21999. - 8. Die Slg. des Kyoto Costume Inst. ..., Köln usw. 2005, Bd. 1. - 9. Erika Thiel, Gesch. des Kostüms, Bln. 61997.

Verweise