Fons pietatis

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englisch: Fons pietatis; französisch: Fons pietatis; italienisch: Fons pietatis.


Esther P. Wipfler (2004)

RDK X, 140–158


RDK VI, 205, Abb. 32 a. Lucas Cranach (Schule), um 1540-50, Nürnberg.
RDK X, 139, Abb. 1. Tafelgem. Nordfrankreich (?), um 1460.
RDK X, 141, Abb. 2. Holzschnitt. Süddeutschland, 3. V. 15. Jh.
RDK X, 143, Abb. 3. Steinrelief. Bremen, um 1547.
RDK X, 145, Abb. 4. Tafelgem. Regensburg, 1564.
RDK X, 149, Abb. 5. Tafelgem. Lukas Horenbout, 1596.
RDK X, 151, Abb. 6. Kupferstich. Juan Schorquens, 1622.
RDK X, 155, Abb. 7. Holzskulptur. Herrenchiemsee, Seekapelle, um 1680.
RDK X, 155, Abb. 8. Kupferstich. Johann Christoph Hafner, l. H. 18. Jh.
RDK X, 157, Abb. 9. Figurentafel. Johann Nepomuk Pfaundler, 1765.

F.p. = Fons pietatis; F.m. = Fons misericordiae I. Definition.

Mit F. p. ( F. m.) werden allegorische Darstellungen bezeichnet, welche die Erlösung der Menschheit durch das Blut Christi mit Hilfe des Brunnen-Motivs veranschaulichen. Zum vielfältigen Gebrauch der Brunnenmetapher s. Sp. 176.

II. Begriff

A. Benennungen

Statt F.p. oder F. m. wurde vielfach die Bezeichnung Fons vitae für das beschriebene Motiv verwendet, auch Fons gratiae ist mehrfach dafür nachweisbar. Seltener sind dt. Übersetzungen wie „Brunnen der Barmherzigkeit“ (vgl. Kupferstich von Peter Troschel nach Georg Strauch mit dem Titel „Der unerschöpfliche Heilbronnen Göttlicher Barmhertzigkeit“, Nürnberg, zw. 1626 und 1666; Nürnberg, Germ. Nat.mus., Inv.nr. HB 23 985); analog zum Lateinischen ist ferner „Brunnen der Gnade“ oder „Brunnen des Lebens“ belegt (vgl. [8] S. 232f.).

B. Quellen

Der Gebrauch der Begriffe F.p. und F. m. ist literarisch seit dem 6. Jh. bezeugt.

Gregor der Große erklärte zu Zach 13,1: „Fons vero patens est idem Deus incarnatus ... fons misericordiae Redemptor noster ... lavemur in hoc fonte pietatis“ (P . L . 76, Sp. 1040f.). In liturgischen Texten wie dem seit dem 8. Jh. überlieferten sog. „Sacramentarium Gelasianum Vetus“ wird Christus selbst als F.p. bezeichnet: „te fontem pietatis agnoscimus, a quo ... a peccatis nostris nos ablue“ ([2] S. 196). Auch Honorius Augustodunensis sprach von der Quelle des göttlichen Erbarmens, der man Leib und Seele anvertrauen solle (Speculum ecclesiae: P. L. 172, Sp. 936). Ferner wird in der liturgischen Dichtung wie der seit dem 13. Jh. verbreiteten Sequenz „Dies irae dies illa“ Christus als Heiland mit den Worten „Salva me fons pietatis“ angesprochen (Anal. hymn. 54, S. 269; Kees Vellekoop, Dies ire dies illa ..., Bilthoven 1978 [Utrechtse Bijdragen tot de muziekwetenschap, 10], S. 43). In marianischen Litaneien wurde auch Maria nicht selten als F.p. bezeichnet (Paris, BNF, cod. lat. 5267, fol. 122v, E. 12. Jh.; zit.: [4] Bd. 1, S. 185; ebenso Litanei aus Venedig, Paris, BNF, cod. lat. 2882, fol. 81r: ebd. Bd. 2, S. 215) oder als F.m. benannt, z. B. in einem Tropus zum Sanctus, vor 1372: ebd. Bd. 1, S. 198.

Die Auffassung von der heilbringenden und reinigenden Wirkung des Blutes Christi war grundlegend für die Vorstellung von F.

Auf die Seitenwunde Christi bezogen ist F.p. bereits in dem ins 9. Jh. datierbaren Kanongebet des Sakramentars aus S. Salvatore oder S. Giulia in Brescia ([10] S. 9f.; [8] S. 233; [2] S. 196). In den „Gesta sanctae Mariae“ des Hinkmar von Reims (gest. 882) wird das Blut Christi mit Verweis auf die Taufe erwähnt: „baptizans sanguine sancto / Quisquis baptizat fonte sacro genitos“ (MGH, Poetae Aevi Carolini 3, 2, S. 410). Im „Liber Floridus“ des Lambert von St-Omer wird die christologische Deutung ausführlich dargelegt: „Quot sunt fontes qui ignem temporalem pariterque eternum extingunt? / Ihesus. Tres utique, fons baptismatis, fons lacrimarum penitentie, fons sudoris obedientie, qui extingunt ignem fornicationis et inferni. Addendus est quartus: fons sanguinis Christi qui etiam predictos facit utiles.“ (Gent, Univ.bibl., ms. 92, fol. 11r: Albert Derolez [Hg.], Lamberti S. Audomari ... Liber Floridus, Gent 1968).

Weitere Beispiele: „Fons et auctor pietatis / Mundum salvat a peccatis / Peccatorum nescius“, 13./14. Jh. (Anal. hymn. 45b, S. 82, Nr. 100); „Iesu vere fons amoris ... Et ex fonte pietatis / Unda verae sanitatis effluit cum sanguine“, 15. Jh. (ebd. Bd. 31, S. 72, Nr. 57); „O fons et origo pietatis finisque totius comitatis ...“ (St. Gallen, Stiftsbibl., cod. 321, fol. 104r; Gustav Scherrer, Verzeichniß der Hss. der Stiftsbibl. von St. Gallen, Halle a.d.S. 1875, S. 538).

Für die Entstehung des seit dem Spät-MA nachweisbaren Bildmotivs war die Brunnen- oder Quellmetapher in Texten der Passionsbetrachtung maßgeblich.

Anselm von Canterbury, gest. 1109, rief in seiner „Oratio ad sanctam Mariam Magdalenam“ die Heilige an, die mit dem Quell der Tränen zum Brunnen der Barmherzigkeit gekommen sei („quae cum fonte lacrimarum ad fontem misericordiae Christum venisti ...“: S. Anselmi Cantuariensis Archiepiscopi Opera Omnia, Bd. 3, hg. von Franciscus Salesius Schmitt, Edinburg 1946, S. 64). Mystiker wie Heinrich Seuse, gest. 1366, beschrieben das blutende Haupt und die Wunden Christi als lebendigen Brunnen und Quell der Gnade (Minnebüchlein, 1. Kap.: Heinrich Seuse, Dt. Schriften, hg. von Karl Bihlmeyer, Stg. 1907, S. 542 und 543), Ludolf von Sachsen, gest. 1378, verwendete den Begriff „fontes Salvatoris“ für die Wunden Christi; Konrad von Gaming bezeichnete um M. 14. Jh. die Herzwunde als Paradiesesquelle ([9] S. 296 und 305); vgl. Gebetbuch der Kgn. Maria, 1. H. 16. Jh. (London, BL, Sloane Ms. 2565, fol. 79v: Karl Josef Höltgen, Arbor, Scala und Fons vitae, in: Emblem und Emblematikrezeption, hg. von Sibylle Penkert, Darmstadt 1978, S. 72-109, hier S. 100f.

und Abb. 7). In der Schrift „Lüstliche Würtzgarte“ wurde der blutende Christus als „köstlicher süszer bronne“ angesprochen (Berlin, St.bibl.PK, ms. germ. oct. 515, fol. 67rv). Diese Tradition ist noch in der Gebetsliteratur des sp. 16. Jh. nachweisbar. Im sog. „Karlsruher Rosengarten“, dat. 1582, werden Ereignisse der Vita Christi als Ursprünge des Lebensbrunnens beschrieben (Dietrich Schmidtke, Stud. zur dingallegorischen Erbauungslit. des Spät-MA am Beisp. der Gartenallegorie, Tüb. 1982 [Hermaea, N. F., Bd. 43], S. 471).

Nicht gesichert ist, wie es zur Ausprägung des Motivs in der 2. H. 15. Jh. kam.

Nach Maj-Brit Wadell ist eine Voraussetzung des Motivs das Verständnis des Grabes Christi als „Quelle der Auferstehung“, das bereits bei frühma. Bezeichnungen des Grabes in Jerusalem als „Quelle der Auferstehung“ oder „Quelle des Lebens“ zu erkennen sei ([10] S. 26f.); Beda Venerabilis deutete nach Rom 6,3f. die Taufe Christi als Akt der Erinnerung an dessen Opfertod (P. L. 91, Sp. 1145); die Variante des mit dem Blut Christi gefüllten Brunnens, in dem Gläubige baden, erinnert an die im MA verbreitete Legende vom Jungbrunnen (so Lola Sleptzoff, Fontaines mystiques et fontaines profanes dans l’art du 15ème s., in: Stud. in Art, Jerusalem 1972 [Scripta Hierosolymitana, 24], S. 55-57).

III. Darstellungen

F. zeigt häufig den Schmerzensmann oder den Gekreuzigten mit dem Brunnen, seit dem 16. Jh. manchmal das Christkind; seltener sind Darstellungen mit dem Lamm Gottes, den Fünf Wunden Christi (s. *Fünf Wunden-Bild), dem Herzen Jesu oder der Trinität. Aus den Wunden oder der Seitenwunde Christi fließt Blut (selten fallen statt dessen Hostien nieder; zu verwandten Bildthemen s. Eucharistie [RDK VI, Sp. 213f. und 243]; Hostienmühle; Keltertreter; Lebendes Kreuz; Schmerzensmann). Die ältesten bekannten Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum stammen aus dem 15. Jh. (Abb. 2; [10] Nr. 25f.).

A. Schmerzensmann und Gekreuzigter

1. Mittelalter

Die frühesten Belege für F. finden sich in der Bebilderung der Gebetsliteratur und in selbständigen graphischen Darstellungen.

Als „reicher prunn der parmherzigkeit“ wird in einem Gebetbuch für Frauen, Nürnberg, E. 15. Jh., die Darstellung eines Brunnens mit betenden Seelen benannt, denen durch Ausflüsse in Form der Evangelistensymbole das Blut des Gekreuzigten zuteil wird (Augsburg, Univ.bibl., cod. I.3.82: Ausst.kat. „Von der Augsburger Bibelhs. zu Bertolt Brecht“, Augsburg 1991, Abb. S. 108). Dieser Darstellung entspricht auch der in der franz. Druckgraphik verbreitete Typus von F. (Holzschnitt von 1510: [9] Abb. S. 320).

Verschiedene Holzschnitte des 3. V. 15. Jh. mit der Darstellung des Gekreuzigten, aus dessen Seitenwunde Hostien in ein kreuzförmiges Becken fallen, belegen die weite Verbreitung dieses Motivs (Abb. 2; [10] Nr. 25f.). Eine solche Vorlage liegt der Miniatur in einer 1501 von Hartmann Schedel kompilierten Hs. zugrunde (München, Bayer. St.bibl., cod. lat. mon. 463, fol. 2v: Ausst.-kat. „Die Graphikslg. des Humanisten H. S.“, München 1990, S. 181, Taf. 14).

Bei einem oberdt. Holzschnitt aus dem 3. V. 15. Jh., auf dem verschiedene Motive um F. versammelt sind, wurde auf die Darstellung der Gläubigen verzichtet. Der Schmerzensmann ist dort vor einem kastenförmigen Brunnenbecken dargestellt, das an die Mensa eines Altares erinnert ([10] Nr. 18f.).

Selten ist F. Ill. zu Is 12,3: So zeigt ein Holzschnitt den liegenden Schmerzensmann, dessen Blutströme in einen Brunnen treffen; aus diesem schöpfen Zisterziensermönche (Novum beatae Mariae virginis Psalterium, Zinna [Hermann Nitzschewitz] zw. 1493 und 1496: [9] S. 328, Abb. XV).

Die frühesten bekannten Beispiele der Tafelmalerei stammen aus dem ausgehenden 15. Jh. Es sind nur vereinzelte Denkmäler dieser Gattung aus dem deutschsprachigen Raum erhalten, die meisten spätma. Werke sind im franko-flämischen Bereich entstanden.

Ein niederrhein. Tafelbild zeigt den Schmerzensmann, wie er den Gläubigen aus seiner Seitenwunde Blut und Hostien spendet (Köln, Erzbisch. Diöz.mus. [1] Abb. 24).

Als frühestes bekanntes, inschriftlich als F.p. bezeichnetes Gem. gilt die Tafel in Avignon, 3. V. 15. Jh. (Abb. 1). Sie zeigt den Gekreuzigten, dessen Blut in ein kastenförmiges Becken mit den Evangelistensymbolen fließt. Maria Magdalena und Maria Aegyptiaca stehen an den Seiten als Exempla bußfertiger Sünder. Ausführliche Inschriften erläutern das Motiv als Brunnen der Gnade, dessen Wasser die Sünden abwäscht. Ein wohl E. 15. Jh. geschaffenes Tafelbild, ebenfalls unbekannter Herkunft, im Mus. des B.-A. in Lille zeigt den Schmerzensmann, den Maria Magdalena und Maria Aegyptiaca begleiten, sowie Szenen der Passion Christi ([10] Nr. 69). Bei einem Jean Bellegambe (1470-1535) zugeschriebenen Retabel sind statt dessen die Tugenden „Caritas“ und „Spes“ zugeordnet. Die Inschriften, u.a. nach Is 63,3, verweisen auf das verwandte eucharistische Thema des Christus in der Kelter (Lille, Mus. des B.-A., [10] Nr. 76). Ein Tafelbild, fläm., 1. Dr. 16. Jh., das mit „fons misericordie domini“ bezeichnet ist, zeigt den Gekreuzigten dagegen mit Maria und Johannes sowie weiteren Heiligen, die hinter den knienden Stiftern stehen. In den Inschriften sind Ps 21,17 und Is 53,4 zitiert. Die drei Blutstrahlen Christi treffen in das obere Brunnenbecken, das die Evangelistensymbole zeigt (Palermo, Coll. Tasca di Almerita: Giovanni Carandente, Coll. d’Italie, I: Sicile, Brüssel 1968 [Les Primitifs Flamands, II, 3], S. 43f., Taf. 24a). Ähnlich ist F. auch auf einem fläm. Tafelbild, Retabel für die Kapelle der Bruderschaft des Hospitals Santa Casa da Misericórdia in Porto, A. 16. Jh., gestaltet, das die Mitglieder der portugiesischen Königsfamilie wohl als Stifter zeigt. Der Beckenrand trägt die Inschriften „Fons Misericordie“, „Fons Vite“ und „Fons Pietatis“ (Porto, Mus. Santa Casa da Misericórdia: [10] Nr. 87, mit Abb.). Auf dem Epitaph des Francisco Hernández, dat. 1578, in S. Tomás in Sevilla wird das Blut Christi vom hl. Gregor im Kelch aufgefangen ([9] Abb. 170).

Die frühesten bekannten Beispiele von F. in der Wand- und Deckenmalerei sowie in der Glasmalerei sind in Frankreich, besonders im Loire-Gebiet, erhalten.

Beisp.: Gem. an der W-Wand der Turmkap. von St-Mexme, Chinon (Indre-et-Loire), 3. V. 15. Jh.; W-Wand der Turmkap. des Schlosses Dissay (Vienne), um 1500 ([10] Nr. 52 und Nr. 57); Glasgem. in der Kirche St-Antoine in St-Antoine-du-Rocher (Indre-et-Loire), 16. Jh.; Glasgem. in der Kirche Ste-Trinité in Vendôme (Loire-et-Cher), A. 16. Jh. ([10] Nr. 66 und 74); Glasgem. aus Schloß Boumois (Maine-et-Loire), 1. Dr. 16. Jh., Greenville, South Carolina ([8] Abb. 2).

2. Neuzeit

In der Neuzeit ist die Darstellung von F. am häufigsten in der Druckgraphik.

Unter den Werken des niederl. oder Kölner Monogrammisten „S“, 1. V. 16. Jh., ist F. bei den Passionsdarstellungen zu finden (Hollstein, Dutch Fl. engr. 13, S. 153, Nr. 204; das ebd. S. 178, Nr. 280 irrig zugeschriebene Beisp. ist E. 15. Jh. zu datieren). Auf einem Erhard Schoen zugeschriebenen Holzschnitt, dat. 1532, zu einem Gedicht von Hans Sachs, bewässert F. mit dem Gekreuzigten am traubentragenden Lebensbaum den Weinberg des Herrn (Hollstein, Germ. engr. 47, S. 112f.: H. 77). Dem F. mit dem gekreuzigten Christus am Lebensbaum, der aus der Brunnenschale erwachsen ist, auf dem Kupferstich des Bartolommeo da Brescia, 1569, sind Darstellungen der sieben Sakramente zugeordnet ([8] Abb. 3). Er diente als Vorlage für ein im Umkreis Christoph Murers geschaffenes Glasgemälde, dessen Verbleib unbekannt ist ([10] Nr. 124).

In der 2. H. 16. Jh. wurde F. mit dem blutenden Schmerzensmann in der prot. Druckgraphik aufgegriffen, um die Spendung des Altarsakraments in beiderlei Gestalt zu veranschaulichen.

Der Holzschnitt des sächsischen Meisters „4+“, zw. 1551 und 1575, zeigt F. mit der Austeilung des Abendmahles durch Luther und Hus an Mitglieder des ernestinischen Fürstenhauses (RDK VI, Sp. 206, Abb. 32a; Ausst.kat. „K. der Reformationszeit“, Berlin 1983, S. 421, F 42).

Nachdem der Blutstrahl Christi zu einem Leitmotiv in der prot. Kunst als Versinnbildlichung der Gnade Gottes geworden war (vgl. dazu Friedrich Ohly, Gesetz und Evangelium. Zur Typologie bei Luther und Lucas Cranach, Münster 1985 [Schrr. der Westf. Wilhelms-Univ. Münster, N. F. 1]), wurde F. vor allem im Sinne der Rechtfertigungslehre verstanden.

Beisp.: Kupferstich von Johann Christoph Hafner, Augsburg (Abb. 8): Luther weist auf den blutenden Christus, dem die Worte „In Christo haben wir die Erlösung durch sein Blut nemlich die Vergebung der Sunden“ beigefügt sind (Ausst.kat. „Gesetz und Gnade“, Eisenach und Torgau 1994, Nr. 55).

Ferner erscheint F. im Kontext prot. Darstellungen der Taufe, denn auch Luther betonte nach Rom 6,3f. (vgl. Sp. 143), daß die Taufe an das Blutopfer Christi erinnere.

„Das es nicht heisse ein gemein Wasserbad, ... sondern eine heilsame Bluttauffe oder Blutbad, welches allein Christus Gottes Son selbs durch seinen eigen tod zugericht hat. ... Das also nach dem tod Christi gehet durch die gantze Christenheit ein ewiger Strom aus seinem Leib gequollen, der da mit Wasser fleusst, dadurch wir alle müssen von sünden gereinigt werden. Das machet die liebe Tauffe so tewr ...“ (Luther, WA 21, S. 286). - Auf einem Gedenkblatt anläßlich des 200jährigen Jubiläums der Confessio Augustana 1730 steht F. als zentrales Bildmotiv für den Erlösungsgedanken; mit Inschrift unter der Darstellung des auf die Hl. Schrift weisenden Luther: „Daß Blut Christi des Sohns Gottes macht uns rein von allen Sünden“ (Nürnberg, Germ. Nat.mus., Graph. Slg., Inv.nr. HB 5530). - Ein 1793 ausgestellter Taufbrief mit Kupferstichen von Johann Gottfried Böck, Augsburg, zeigt F. mit den Worten „Ich bin getaufft auf Christi Blut ...“ ([7] Taf. 63).

Ebenso bediente man sich dieses Motivs in der Druckgraphik der Gegenreformation. Dabei wurde F.p. auf alle Sakramente sowie auf die wichtigsten Glaubenssätze bezogen.

F. als Sinnbild für die sieben Sakramente: Kupferstich in: Jan David S.J., Veridicus Christianus, Antw. 1606, Taf. 21. Die Glaubenssätze mit F. zeigt der Kupferstich von Claude Mellan (1598-1688): [10] Nr. 86; auf dem Kupferstich mit dem Titel „Septem Novae Legis Sacramenta à Christo Domino Instituta“ von Johann Andreas Pfeffel ist F. umgeben von Motiven, die vor allem auf die Apokalypse verweisen (Anastasius à Sancta Cruce OCarm., Sacrosancta Theologia universa sacris bibliorum figuris illustrata ..., Augsb. 1738, Taf. 42, dazu S. 85f.). Auf einem Kupferst. von Abraham Aubry nach dem Entw. von Johann Toussyn aus dem 3. V. 17. Jh. ist F. in eine Szenenfolge mit Darstellungen der Passion eingereiht (Inschrift: „Sunt Salvatoris fontes qui Sanguine manant ... Von fünff brunnen rendt daß bludt: Lescht auß die Sund, bringt alles gutt.“): Kat. „Religiöse Drucke aus Kölner Produktion. Flugblätter und Wandbilder des 16. bis 19. Jh. ...“, bearb. von Bernadette Schöller, Köln 1995, Nr. 30.

Im 16. Jh. wurde das Motiv besonders in der Druckgraphik der südlichen Niederlanden variiert und weiterverbreitet.

So diente ein Kupferstich nach Entw. von Maarten van Heemskerck, auf dem der personifizierte Glaube die menschlichen Herzen mit dem Blut Christi läutert (B. ill. 55, Suppl., S. 198), als Vorlage für die Darstellung auf dem Epitaph für Erasmus Litzlkircher, gest. 1564: Regensburg, Städt. Mus. (Abb. 4; [10] Nr. 102). Johann Sadelers Kupferstich von 1575 nach Entw. des Crispin van den Broeck, gen. Paludanus, der F. umgeben von den Evangelisten zeigt, diente als Vorlage für das Tafelbild des Lucas van Valckenborch 1592. Der ursprünglich dort dargestellte Blutstrahl wurde 1978 entfernt: [10] Nr. 107f.; Alexander Wied, Lucas und Marten Valckenborch ..., Freren 1990, S. 164f., Nr. 61. Der Kupferstich „Ablatio Malorum“ von Hendrik Goltzius aus einer Serie von zwölf Glaubensallegorien, frühestens 1578, zeigt das Motiv im Kontext der Sündenvergebung mit den Zitaten Ier 4,14, Io 15,2, Prov 15,27, Jac 4,8, Act 15,9 und Tim 2,21 ([10] Nr. 106; Aukt.kat. Bassenge, Köln, 78, 7.-8. 12. 2001, Nr. 7284, Abb. S. 161). Auf dem Kupferstich von Pierre Woeiriot in den „Emblemes ou Devises Chrestiennes“ der Georgette de Montenay von 1571 steht der blutende Schmerzensmann in einem Schalenbrunnen, aus dem Durstige und Kranke schöpfen; die Inschrift darüber lautet „De Plenitudine Eius“ ([10] Nr. 82). Die Brüder Wierix bedienten sich vielfach der traditionellen Ikonographie von F.: So zeigt der Kupferstich mit dem Titel „Iugis Animae Purgatio“ von Antonie Wierix den aus seinen Wunden blutenden Gekreuzigten im sarkophagähnlichen Brunnenbecken, in dem die „gläubige Seele“ badet ([3] Bd. 1, Nr. 580). Auf dem von Hieronymus Wierix nach Marten de Vos ausgeführten Stich ist im Hintergrund der Schmerzensmann mit dem Kreuz stehend in der Brunnenschale dargestellt (ebd. Bd. 2, Nr. 1514; Ausst.kat. „Die Brüder Wierix“, Coburg 1995, Abb. 15).

Das F.-Motiv fand häufig mit der Bezeichnung „Fons Vitae“ Verbreitung.

Maria umfaßt F. mit dem Schmerzensmann auf einem Kupferstich in: Jan David S.J., Pancarpium Marianum ..., Antw. 1607, Taf. 9, dazu S. 40-43; Kupferstich von Hieronymus Wierix ([3] Bd. 1, Nr. 581; Bd. 2, Nr. 1514); Kupferstich nach Entw. des Abraham von Diepenbeeck, M. 17. Jh., und Kopie ([10] Nr. 37f.).

Die Darstellung von F. wurde vielfach erbaulichen Texten vorangestellt, z. B.: Fons vitae, ex quo scaturiunt suavissimae consolationes ..., Antw. 1533 (niederl. Ausg.: „De fonteyne des levens“, Delft 1533; dgl., Leiden, etwa 1540; [10] Nr. 96-98); es erschien wohl nur kurze Zeit später unter dem Titel „Der Brunne des Lebens, Auß welchem ain yeder von den Sünden oder anderem unfahl vertrucket schöpffen mag ...“ in Augsburg und wurde bis 1589 mehrfach durch unterschiedliche Verleger vertrieben (z. B. von Valentin Neuber in Nürnberg etwa 1560 unter dem Titel „Brunne des Lebens. Und Quelle eines rechten warhafftigen trostes für die angefochten betrübten hertzen“; vgl. Titelholzschnitt: Nürnberg, Germ. Nat.mus., Graph. Slg., Inv.nr. HB 4700). Auch die von dem Antwerpener Juan Schorquens gestochene Darstellung von F. im Paradiesesgarten in der „Psalmodia Eucaristica“ des Melchor Prieto von 1622 trägt diese Bezeichnung (Abb. 6). In der 1660 von den Jesuiten des Brüsseler Kollegs zusammengestellten Sammlung „Jesu Eucharistico qui mortem nostram moriendo destruxit haec de morte emblemata ...“ ist das Motiv begleitet von zwei Putti mit Seifenblasen und Rauch als Repräsentanten der Vergänglichkeit (Brüssel, BR, ms. 20 318, fol. 66r: [5] S. 139 und Abb. 76).

Auf dem Altarretabel des Lukas Horenbout d.J. von 1596 in der Kirche des Klein Begijnhof in Gent bestimmte F. das gesamte Bildprogramm (Abb. 5): Die Mitteltafel zeigt einen mehrstöckigen Brunnen, der sowohl mit „Fonteyne des levens“ als auch „Fonteyne der bermerticheyt“ bezeichnet ist. Vertreter des Alten und Neuen Bundes sowie der weltlichen und geistlichen Macht umgeben ihn; die Heiden und Ketzer wenden sich ab. Die Seitenflügel zeigen in typologischer Gegenüberstellung die Verehrung der Eucharistie in der Monstranz und die Bundeslade ([10] S. 85-88, Nr. 152-154; Knipping, Bd. 2, S. 468-470).

Als selbständige Darstellung wurde das Motiv vor allem auf Epitaphien ([10], Nr. 112-114, 118) und sog. kleinen Andachtsbildern bis ins 19. Jh. tradiert ([10] Nr. 173-175).

Das steinerne Epitaph für den Dompfarrer Segebald Slüver, gest. 1547, im Bremer Dom besitzt mit der Darstellung von Adam und Eva zu beiden Seiten des Kreuzes sowie der Schlange viele Merkmale des Lebensbaums, ist jedoch mit „Fons Gratiae“ bezeichnet (Abb. 3). Das Epitaph aus vergoldeter Bronze, um 1630, in der Regensburger Dreieinigkeitskirche zeigt F. als einen dreistöckigen Brunnen auf zwölf Säulen, der Vertreter des Alten und Neuen Testamentes seit Adam und Eva in seinen Schalen aufnimmt; in der Inschrift ist Io 4,13 zitiert (ebd. Nr. 123). Zwei Tafelbilder der 2. H. 17. Jh. in Krakau, die auf dieselbe graphische Vorlage zurückgeführt werden können, zeigen das Motiv mit den Seelen im Purgatorium als Empfänger des Blutes Christi: Ausst.kat. „Wawel 1000-2000“, Krakau 2000, Bd. 2, S. 266f., Nr. II/258; Bd. 3, Abb. 691; zu diesen sowie verwandten Darstellungen: Krystina Moisan-Jablonska, Obraz czyśća w sztuce polskiego baroku, Warschau 1995, S. 80-110). Auch in der ungarischen Malerei gibt es Beispiele für F. nach druckgraphischen Vorbildern: Altargem. in der Kirche Maria Schnee in Szeged-Unterstadt von János Hogger 1747 nach dem Stich von A. Birckhart (Zoltán Szilárdfy, Ikonográfia, Kultusztörténet ..., Budapest 2003, Abb. 29).

F. als Brunnenfigur ist seit der 2. H. 17. Jh. in Bayern und Österreich nachweisbar, etliche Male als Wasserspender.

Ob bereits einzelne den Schmerzensmann darstellende Skulpturen aus Holz und Bronze der Zeit um 1500 mit ausgeprägten, zum Teil als Löcher ausgebildeten Wundmalen als Brunnenfigur verwendet wurden ([10] Nr. 32-35), ist fraglich. - Möglicherweise war der Schmerzensmann, M. 17. Jh., wohl süddt., in der Klosterkirche St. Urban, Kt. Luzern, eine Brunnenfigur am Sakristeibrunnen ([10] Nr. 36). In der sog. Seekapelle auf Herrenchiemsee befindet sich in der als Tuffgrotte mit Wasserbecken gestalteten nördl. Seitenkapelle ein stehender Schmerzensmann mit Kreuz aus der 2. H. 17. Jh., von dem Wasserströme „vor 1955 in Form rotgestrichener Eisenstangen“ ausgegangen sein sollen (Peter von Bomhard, Die Kdm. der Stadt und des Lkr. Rosenheim, T. 3: Die Kdm. des Gerichtsbez. Prien ..., Rosenheim 1964, S. 134; Abb. 7). Eine Brunnenanlage mit einer Kreuzigungsgruppe, bei der das Wasser aus den Wunden Christi floß, ist für das zerst. Schloß Neudeck (Neidegg) in der Au bei München auf einem Kupferstich von 1701 belegt: Michael Wening, Historico-topographica descriptio ..., T. 1: Das Renntambt München, Mchn. 1701, Taf. 24 (frdl. Hinweis von Dorothea Diemer, Mchn.).

Bei der Figur des wundenzeigenden Christus in St. Anton im Jaufental aus dem 18. Jh. strömt das Brunnenwasser durch eine Röhre aus der Seitenwunde; vgl. ferner Christusfigur in Kaltenbrunn, BH Landeck, Nordtirol, Brunnenkapelle ([10] Nr. 178f., 181-183). Die Christusfigur, wohl um 1760 (1969 noch mit Kreuz: frdl. Hinweis von M.-B. Wadell, Göteborg), in der Brunnenkapelle in Schwaz bei Burg Freundsberg spendet die Seitenwunde Wasser; aus den Fünf Wunden Christi fließt es in einer der Brunnenanlagen, um 1767, in Bom Jésus do Monte bei Braga in N-Portugal: Yves Bottineau und Henri Stierlin (Hg.), Iberischer Barock ..., Lausanne o. J., Abb. 19.

Für die Weiterführung der ikonographischen Tradition von F. in der Wand- und Deckenmalerei sind für das 16. und 17. Jh. nur wenige Belege bekannt.

Das wohl E. 16. Jh. entstandene Wandgem. in Schloß Bruck bei Lienz, O-Tirol, trägt die Inschrift „Fons Vitae“, ebenso wie das von Jonas Olai und Olaus Erici geschaffene, 1601 datierte Wandgem. in der Pfarrk. in Håckas, Jämtland, Schweden ([10] Nr. 99, 121); weitere Beisp.: Deckengem. von Caspar Amort d. Ä. im Festsaal des ehem. Benediktinerklosters Benediktbeuren, Obb., zw. 1671 und 1674, nach einem Kupferstich von Matthäus Küssel von 1664, entw. von Christoph Storer (s. Sp. 154; Corp. Deckenmal. 2, S. 77f., mit Abb. A4, vgl. ebd. Abb. S. 86). Die Bemalung der Empore von 1682 in der ev. Schloßkap. zu Stetten i. R., Kr. Waiblingen, zeigt ein Medaillon mit dem auf einem dreischaligen Brunnen stehenden blutenden Schmerzensmann; Inschrift: „In keine Sündenangst versinckt / Wer diesem (sic!) gnadenbrunnen trinckt“ ([7] Taf. 71, Abb. 122).

Im süddt. Raum ist das Motiv im 18. Jh. auch in erweiterter Form in der Wandmalerei häufig; spätere Beispiele sind in den meisten Fällen schwierig zu datieren, da vielfach ältere Vorlagen wiederholt wurden.

In der Pfarrk. St. Kilian in Bad Heilbrunn, Kr. Bad Tölz-Wolfratshausen, steht es im Zentrum der Chorausmalung von 1726 und ist von den Arma Christi umgeben (Corp. Deckenmal. 2, S. 22, Abb. D). In der Wallf.k. Maria Brünnlein in Wemding, Kr. Donau-Ries, wurde der mit „Fons sanguinis“ bezeichnete Gekreuzigte als eines der Maria umgebenden Motive 1754 von Joh. Bapt. Zimmermann dargestellt (Anna und Hermann Bauer, Johann Baptist und Dominikus Zimmermann. ..., Rgbg. 1975, Abb. S. 269). Um die Compassio Mariens erweitert findet sich das Motiv an der Außenwand der Pfarrk. zu Albaching, Kr. Rosenheim, nach 1790: Aus den Wunden Christi und dem Herzen Mariens fließen Blut und Wasser in ein kelchförmiges Becken, dessen Inhalt den Seelen im Fegefeuer zuteil wird. Die Parallelisierung der Milch oder Blut spendenden Maria mit Christus als F. findet sich bereits bei Abraham van Diepenbeeck (1596-1675) in einer Stichvorlage, die er für das Karmeliterkloster in Antwerpen anfertigte. Die Strahlen treffen dort in den Brunnen mit dem Propheten *Elias, der als Gründer des Karmeliterordens galt: Kat. „Netherlandish Drawings of the Fifteenth and Sixteenth Centuries and Flemish Drawings of the Seventeenth and Eighteenth Centuries in the Pierpont Morgan Libr.“, bearb. von Felice Stampfle, Princeton N. J. 1991, Nr. 266, mit Abb.).

Aus dem 17. und 18. Jh. sind, besonders in der Steiermark, Darstellungen von F. mit Schmerzensmann überliefert, die statt der Gläubigen die Schafe des *Guten Hirten (Io 10,11) wiedergeben.

Ein Tafelbild in der Pfarrk. in Gröbming, BH Liezen, um 1700 (?), zeigt, wie das Blut, das aus den drei Wunden Christi in eine Brunnenschale fließt, von Schafen getrunken wird. Die Szene ist von einer aus Weinranken und Ähren gebildeten Ehrenpforte mit vier Emblemen umgeben, die zumeist den Kelch zeigen, der auch am Scheitelpunkt des Bogens mit der Hostie erscheint. Sie sind mit den Motti „Memoriate Divini Amoris“, „Mors Est Malis Vita Bonis“, „Tantae Mollis Erat“ und „Umbram Fugat Veritatis“ versehen. Im Hintergrund ist der Baum der Erkenntnis dargestellt. Christus, dessen Blut die Schafe tränkt, ist auch auf zwei Ölgemälden des 18. Jh. in Maria Buch in der Steiermark abgebildet ([1] Abb. 8f.). Ein Kupferstich von Johann Andreas Thelott zeigt das Motiv mit einem Zitat nach Mt 25, 32-35 „Et Colligit et Reficit“ (in: Cor laetificans ... oder: hertz=erquickende Trauer-Bühne, Augsb. 1718).

Selten erhalten ist die Darstellung von F. im Zusammenhang mit dem *Hl. Grab.

Das von Johann Nepomuk Pfaundler wohl 1765 für die Pfarrk. Hl. Kreuz in Schönberg, Tirol, gemalte hexagonale Hl. Grab zeigt in seinem Innern den blutenden Schmerzensmann als heilbringenden Quell mit der Inschrift „De Fontibus Salvatoris“ nach Is 12,3. Möglicherweise steht die Darst. in Zusammenhang mit dem 1747 in Innsbruck aufgeführten Oratorium „Lebenswasser, fließend aus dem Brunnen des Heilands zur Abwaschung des Sünders“ (Abb. 9; Herta Arnold-Öttl, Der Kurat Pfaundler von Schönberg und seine Heiligen Gräber, in: Heilige Gräber in Tirol ..., Innsbr. 1987, S. 161-176, hier S. 161f.; zur Dat.: Gesch. der Bildenden K. in Österr., Bd. 4, hg. von Hellmut Lorenz, Mchn. usw. 1999, Abb. 25); vgl. auch Figurentafel: RDK VIII, Sp. 983f. - F. als Blutbrunnen, der die Schafe tränkt, ist im Zentrum des wohl um 1760 von Johann Anwander gemalten Heiligen Grabes im ehem. Dominikanerinnenkloster Maria Medingen erhalten; die Darst. befindet sich unterhalb des Ausstellungsortes für eine vollplastische Darst. des Auferstandenen oder die Monstranz (Peter Rummel, Das Heilige Grab in Maria Medingen, Lindenberg 2000, Abb. auf S. 14).

In Werken der Kleinkunst wie Gedenkmünzen und Kameen ist das Motiv nur vereinzelt überliefert (Beisp.: [10] Nr. 125 und 81).

Selten belegt ist die Verknüpfung von F. mit Dan 3, 76.

Der Kupferstich nach dem Entw. von Johann Christoph Storer zeigt einen geometrisch angelegten Garten, der mit dem Blut Christi gegossen wird. Der Text verweist u.a. auf die bekannten Stellen im Hohen Lied und auf Ps 148,9 (Ferdinand Visler, Philosophia Sacro-Profana Logicam, Physicam, et Metaphysicam ..., Dillingen 1664, Bl. 96v-97r; vgl. auch Sp. 152). - Zu analogen Darstellungen mit dem hl. Franziskus, s. Franziskaner.

Als selbständiges Emblem wurde das Motiv offenbar kaum verwendet (August Casimir Redel, Annus Symbolicus ..., Augsb. o. J. [E. 17. Jh.], Taf. 30; Inschrift: „Fontes dulcorem, Dant effundendo cruores“: [5] Abb. S. 76).

B. Salvator

F. mit Christus als Salvator auf der Weltkugel ist selten belegt.

So zeigt diesen ein dem Hans Klintzsch zugeschr. Epitaph aus Sandstein für Johannes von Bothmar, gest. 1592, im nördl. Seitenschiff des Magdeburger Domes (mit Zitat von Apoc 22,1). Die Darstellung variierte wohl einen Kupferstich von Hans Collaert nach Crispin van den Broeck mit dem in der Brunnenschale thronenden Christus ([6] T. 1, S. 208-212; T. 2, S. 7-9; [10] Abb. 122 und 110).

C. Christkind

F. mit dem blutenden Christusknaben ist zuerst in der Druckgraphik nachweisbar. Spätestens seit dem ausgehenden 16. Jh. wurde das Motiv vor allem in der Erbauungsliteratur und auf Andachtsbildern verbreitet.

Die Kupferstiche von Hendrick Goltzius ([10] Nr. 131) und von Pierre Woeiriot (G. de Montenay, Emblemes ou Devises Chrestiennes, Lyon 1571, S. 76) gehören zu den ältesten bekannten Zeugnissen. Auch Antonie Wierix verwendete das Motiv des stehenden Christusknaben, dessen Wunden Blut spenden ([3] Bd. 1, Nr. 445). Es wurde mehrfach von anderen Künstlern abgewandelt ([10] Nr. 135-137).

Wohl Gillis van Schoor führte den Kupferstich der F. in Amoris divini et humani antipathia, Antw. 1626, aus, der im 17. Jh. insbesondere durch den Kupferstecher Boetius Bolswert in der „Schola Cordis“ des Benedictus van Haeften, Antw. 1629, Taf. 14, verbreitet wurde. Auch Philipp Sadeler stellte um 1630 F. als Christkind dar, dessen Blut mit einem herzförmigen Gefäß aufgefangen wird. Die Inschrift lautet nach Ier 4,14: „Der Brunn Christi Wascht das Herz mein durch Ware Bueß von Sünden rein“ (Nürnberg, Germ. Nat.mus., Graph. Slg., Inv.nr. HB 2410). Zur oft belegten Variante, die F. als Ziel der dürstenden Seele nach Ps 41 zeigt: Herman Hugo, Pia Desideria, Antw. 1624, Taf. 41; danach u.a. Holzschnitt von Cristoffel Sichem in der Ausgabe der „Pia desideria“ von 1628; Kupferst. von Hendrick van Hove in: Emblemes divines et morales, Ld. 1723 ([10] Nr. 138-141; vgl. ebd. Nr. 184).

D. Lamm Gottes

Wiedergaben, bei denen Christus wie an frühchr. Fons vitae-Darstellungen durch das Lamm Gottes ersetzt wurde, sind selten.

Auf dem Epitaph für den Magdeburger Domherrn Wichard von Bredow von Sebastian Ertle, dat. 1601, vergießt das Lamm Gottes sein Blut in die Brunnenschale ([6] S. 208-212; Bau- und Kdm. der Renss. und des Barock. 40 Tafeln nach photographischen Aufnahmen von E. von Flottwell, Bln. 1896 Magdeburgs Bau-und Kdm., Ser. 2], Taf. 31 und 35). Auf dem gemalten Antependium, ehem. am Hl.-Blut-Altar der Prämonstratenserklosterkirche Weissenau, Kr. Ravensburg, von Johann Gabriel Roth, wohl nach 1727, steht das Lamm Gottes über einem dreischaligen Brunnen. In der zweiten Schale wird das Blut aufgefangen und ergießt sich dann in ein großes Wasserbecken (Ausst.kat. „Alte Klöster Neue Herren ...“, Schussenried 2003, Sigmaringen 2003, S. 72f., Nr. I.11, mit Abb.).

E. Sonderformen

Abwandlungen von F. mit den Fünf Wunden, dem Herzen Jesu oder mit drei Hostien als Spendern des Blutes Christi oder der Trinität sind vor allem in der Druckgraphik nachweisbar.

Beisp.: Kupferst. in: Johann Ulrich Krauss, Hl. Augen- und Gemüths-Lust, Augsb. 1706, Taf. 111. - Unter dem Titel „Nachlassung der Sünden“ wird ein über den Verdammten im Fegefeuer schwebender Putto gezeigt, der das in eine Brunnenschale fließende Blut des Herzens Christi in einem Kelch auffängt (Eusebius Amort, Brevier eines guten Christen, Augsb. 1786, S. 676). - Auf der Ill. zu einem Gedicht von Carolus de Fierlant aus dem Jahre 1671 spenden drei Hostien auf einem Obelisken einem Leprakranken Blut: Brüssel, BR, ms. 20 324 I, fol. 61v: [5] S. 158 und Abb. 79. - F. mit der Tinität ist auf einem Einblattholzschnitt, E. 15. Jh., mit dem Spiegel der Vernunft dargestellt. Vater und Sohn halten die den Brunnenstock bekrönende Weltkugel. Aus dem Becken fließt das Blut Christi in den eucharistischen Kelch (Sabine Griese, „viel Andacht ...“, in: Im Zeichen des Christkinds ..., hg. von Frank Matthias Kammel, Nbg. 2003, S. 25, Abb. 11).

Abbildungen

1. Avignon, Mus. Calvet, Tafelgem. Um 1460. Nach [10] Nr. 39.

2. Holzschnitt. Süddeutsch, 3. V. 15. Jh. Nach [10] Nr. 26.

3. Bremen, Dom. Epitaph für Segebald Slüver, gest. 1547, aus Sandstein. Nach [10] Nr. 118.

4. Regensburg, Städt. Mus., Epitaph für Erasmus Litzlkircher, gest. 1564, Öl auf Holz, 88 × 57,6 cm. Foto RDK.

5. Lukas Horenbout, Flügelretabel, 1596, Gent, Kleiner Beginenhof. Nach [10] Nr. 152.

6. Juan Schorquens, Kupferstich, 25 × 17,2 cm. In: Melchor Prieto, Psalmodia Eucaristica, Madrid 1622, S. 202. Nach [9] Taf. VII.

7. Herrenchiemsee, Seekapelle, Brunnenfigur, Holz, um 1680. Foto Diemer, Gilching.

8. Johann Christoph Hafner, Kupferstich, Augsburg, 1. H. 18. Jh., 28,5 × 18,3 cm. Foto Wartburg-Stiftung Eisenach.

9. Johann Nepomuk Pfaundler, Heiliges Grab, Schönberg in Tirol, Pfarrk. Hl. Kreuz, 1765. Öl auf Holz. Nach: Thomas Kamm, Sein Grab wird herrlich sein ..., Vachendorf 2003, S. 74, Abb. 21.

Literatur

1. Leopold Kretzenbacher, Bild-Gedanken der spätma. Hl. Blut-Mystik und ihr Fortleben in mittel- und südosteurop. Volksüberlieferungen, Mchn. 1997 (Bayer. Akad. der Wiss., Philos.-Hist. Kl., Abhn., N.F. 114). - 2. Georg Manz, Ausdrucksformen der lat. Liturgiesprache bis ins elfte Jh., Beuron 1941 [Texte und Arbeiten, 1. Abt., 1. Beih.]. - 3. Mauquoy-Hendrickx. - 4. Meersseman. - 5. Karel Porteman, Emblematic Exhibition (affixiones) at the Brussels Jesuit College (1630-1685), Turnhout 1996. - 6. Thomas Ratzka, Magdeburger Bildhauerei um 1600, Bln. 1998. - 7. Martin Scharfe, Ev. Andachtsbilder ..., Stg. 1968 (Veröffn. des Staatl. Amtes für Dpfl. Stuttgart, Reihe C, Bd. 5). - 8. Ewald M. Vetter, Rez. zu [10], Zs. f. Kg. 33, 1970, S. 232-249. -

9. Ders., Die Kupferstiche zur Psalmodia Eucaristica des Melchor Prieto von 1622, Münster 1972 (Span. Forschgn. der Görresges., 2. R. 15). - 10. Maj-Brit Wadell, Fons Pietatis ..., Göteborg 1969.