Fliese

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englisch: Tile; französisch: Carreau; italienisch: Piastrella, mattonella.


Eleonore Landgraf (I; II; III B 2-5) (1997)

RDK IX, 1221–1269


RDK IV, 327, Abb. 1. Lübeck, 1502-10.
RDK VII, 401, Abb. 54. François de Cuvilliés d. Ä. (Entw.), zw. 1729 und 1737, Schloß Falkenlust bei Brühl.
RDK IX, 543, Abb. 2 a. Trier, römisch.
RDK IX, 543, Abb. 2 b. Trier, römisch.
RDK IX, 1221, Abb. 1. Berlin. 9. Jh.
RDK IX, 1223, Abb. 2. Sèvres, 10. Jh.
RDK IX, 1223, Abb. 3. Köln, 2. H. 13. Jh.
RDK IX, 1225, Abb. 4. London, um 1180 (?).
RDK IX, 1225, Abb. 5. München, E. 12/A. 13. Jh.
RDK IX, 1227, Abb. 6. Schleswig, um 1200.
RDK IX, 1227, Abb. 7. Homburg-Wörschweiler, 2. V. 13. Jh.
RDK IX, 1229, Abb. 8. Kleinmariazell, N.Ö., 13. Jh.
RDK IX, 1231, Abb. 9. Karlsruhe, M. 13. Jh.
RDK IX, 1231, Abb. 10. Konstanz, zw. 1248 und kurz vor 1275.
RDK IX, 1233, Abb. 11. Speyer, 2. H. 13. Jh.
RDK IX, 1233, Abb. 12. Zwettl, N.Ö., 2. H. 13. Jh.
RDK IX, 1235, Abb. 13. Zürich, um 1270.
RDK IX, 1235, Abb. 14. Oldenburg i. O., E. 13. Jh.
RDK IX, 1237, Abb. 15. Minden i. W, 13./14. Jh.
RDK IX, 1237, Abb. 16. Hamburg, um 1320/1330.
RDK IX, 1239, Abb. 17. Regensburg, um 1320/1350.
RDK IX, 1241, Abb. 18. Berlin, 3. V. 15. Jh.
RDK IX, 1241, Abb. 19. Hirsau, um 1472.
RDK IX, 1243, Abb. 20. Stams/Tirol, 2. H. 15. Jh. – nach 1538 (?).
RDK IX, 1243, Abb. 21. Karlsruhe, um 1500.
RDK IX, 1247, Abb. 22. Köln, E. 15./A. 16. Jh.
RDK IX, 1247, Abb. 23. Köln, 16. Jh.
RDK IX, 1249, Abb. 24. Köln, um 1525.
RDK IX, 1251, Abb. 25. Venedig, 1510.
RDK IX, 1251, Abb. 26. Spello (Umbrien), 1566.
RDK IX, 1253, Abb. 27. Bartholomäus Dill Riemenschneider (zugeschr.), 1535, Trient.
RDK IX, 1255, Abb. 28. Hans Khop, um 1603, Salzburg.
RDK IX, 1257, Abb. 29. Sibrand Feytema, 1687, Oldenburg i. O.
RDK IX, 1257, Abb. 30. Frankfurt a. M., um 1680.
RDK IX, 1259, Abb. 31. Rastatt, um 1710/1730.
RDK IX, 1261, Abb. 32. München-Nymphenburg, um 1734/1739.
RDK IX, 1263, Abb. 33. Ansbach, 1763.
RDK IX, 1265, Abb. 34. Hannover, um 1770.
RDK IX, 1265, Abb. 35. Hannover, 4. V. 18. Jh. (?).
RDK IX, 1267, Abb. 36. Stralsund, nach 1781.
RDK IX, 1269, Abb. 37. Karlsruhe, 1795.

I. Definition

F. sind kleine Platten aus Stein (Marmor, Backstein usw.), Glas, Porzellan, besonders aber aus Ton und dienen dem Bekleiden des *Fußbodens oder der Wand, selten der Decke, ausnahmsweise des Altarstipes oder eines Grabmals. Sie haben quadratische, rechteckige oder mehreckige, selten runde oder andere Form und werden in einem Mörtelbett verlegt. Im Folgenden sind nur die aus Ton hergestellten keramischen F. Gegenstand der Darstellung. Zu F. aus Glas s. Sp. 536 und 573f. sowie Sp. 548 Abb. 2.

Gelegentlich wird, auch in der kh. Fachlit., das Wort Kachel irrigerweise für F. verwendet; jene besteht aus dem Blatt und rückseitigen Stegen. Zu einzelnen oder in Gruppen dekorativ versetzten Platten aus Ton s. Baukeramik (RDK II 53-63).

Das Wort F. kommt aus dem Niederdt. (mittelniederdt. „flise“, auch „vlise“ für Steinplatte), das möglicherweise zusammenhängt mit ahd. „vlins“, mhd. „flins“ für Steinsplitter, Kieselstein (Kluge-Mitzka, neu bearb. von Elmar Seebold u. a., Bln. und New York 221989, S. 221). Regional gibt es das Wort Flinsen für F., in Niedersachsen Floren (Johann Christoph Adelung, Grammatisch-kritisches Wb. der Hochdt. Mundart ..., 2. T., Lpz. 1796 [Ndr. Hdhm. usw. 1990], Sp. 209; Krünitz Bd. 14 [1786] S. 262).

II. Herstellung

1. Als Rohstoff dienen Tone, „ein Mineralgemenge, in dem die sogenannten ‚Tonmaterialien‘ (Aluminiumsilikate verschiedner Zusammensetzung) die größte Rolle spielen“ (Irmfried Liebscher und Franz Willert, Technologie der Keramik, Dresden 1955, S. 22). Sie sind durch Verwitterung feldspathaltiger Gesteine (Granit, Porphyr, Trachyt u.a.) entstanden. Die vorwiegend rot brennenden Töpfertone weisen einen hohen Gehalt an Eisenverbindungen auf.

Schmelzbare fette Tone wurden meist in der Nähe des Herstellungsortes gegraben, durch längeres Lagern (Frosteinwirkung) aufbereitet und durch Sieben, Schlämmen und Kneten gereinigt. Durch einen Zusatz an „Magerungsmitteln“ (Sande verschiedener Körnung, gemahlener Trachyt) und Flußmitteln (Feldspat) wurde die Schwindung des Tons verringert und die Haltbarkeit des Scherbens erhöht.

Nach dem Walken wurde der Ton entweder in vorbereitete Holzformen oder -rahmen eingeknetet oder zu größeren Platten geformt, aus denen F. der gewünschten Größe und Form geschnitten wurden. Hatten die F. in einem kürzeren Trockenprozeß die sogenannte Lederhärte erreicht, wurden sie auf der Oberfläche verziert, an den Seitenkanten gegebenenfalls schräg unterschnitten, um eine leichtere Verlegung zu ermöglichen, vereinzelt auf der Rückseite ausgehöhlt (sog. „keys“, vor allem in England gebraucht) und nochmals getrocknet. Anschließend erfolgte bei einer Temperatur von etwa 750°-950° C. der Schrühbrand. Je nach Anordnung der F. im Ofen und nach Art des Brandes (oxydierend oder reduzierend) änderte sich die Farbe des Scherbens. Es entstanden Farbnuancen vom hellsten Gelbrot über Braunrot bis zu violettroten Klinkerfarben eines fast gesinterten Scherbens, bei reduzierendem Brand von Weißgrau bis Dunkelgrau. Schwarzgraue F. verdanken ihre Farbe vermutlich einem zusätzlichen Schmauchprozeß.

In ma. Zeit wurde der Brand vermutlich anfänglich in Feldbrandöfen vorgenommen, später und teilweise zusammen mit Gebrauchskeramik in sogenannten liegenden Öfen. In England sind für den Brand von F. auch stehende Öfen nachgewiesen (Elizabeth S. Eames, A 13th C. Tile Kiln at North Grange, Meaux, Beverley, Medieval Arch. 5, 1961, S. 137-168, Taf. 20-27).

F. für Mosaik-Fußböden (vgl. Abb. 8; *Fußboden) wurden nicht nur in Formen geprägt oder geschnitten (s. oben), sondern auch aus größeren Platten hergestellt, in die Teilungsrillen eingeprägt worden waren; nach dem Schrühbrand wurden die Platten den Rillen entsprechend gebrochen (s. auch Sp. 1245; zahlreiche Beispiele für Mosaikfußböden bei Hiltrud Kier, Der ma. Schmuckfußboden unter besonderer Berücksichtigung des Rheinl., Ddf. 1970 [Die Kdm. des Rheinl., Beih. 14], bes. Abb. 192-265).

2. Vereinzelt wurde vor dem Brand eine Engobe, ein dickflüssiger, gegebenenfalls mit Erdfarben oder Metalloxyden gefärbter Tonerdebrei (RDK V 707-712) auf den rohen Scherben aufgebracht.

Wurde eine Glasur auf den ungeschrühten Scherben aufgetragen, so wurde durch den anschließenden Schrühbrand eine engere Verbindung zwischen Scherben und Glasur erreicht. Das Verfahren wurde vor allem im MA in England für F. angewandt [9, S. 21].

In der Regel wurde die Glasur auf den geschrühten Scherben aufgebracht und einem zweiten Brand, dem „Glasurbrand“ ausgesetzt. Als Glasur diente im MA nahezu ausschließlich Bleiglasur, entweder als eine im Wasser aufgeschlämmte Mischung von Ton und Bleiglanz (PbS) oder als gemahlenes Bleierz (Galenit).

Diese an sich farblose Glasur ergab je nach Reinheitsgrad und Farbe des Scherbens alle Tönungen von Bräunlichgelb bis Schwarzbraun, durch Zusatz von Kupferoxyd auf weiß engobiertem Scherben hellgrüne, auf rotem dunkelgrüne Farbtöne. Eine reichere Farbpalette findet sich auf bleiglasierten F. erst zu Beginn des 15. Jh.: Durch Zusatz von Antimonoxyd entstehen gelbe, durch den von Kobaltblau blaue und durch Man-

ganoxyd braune Glasuren. F. mit Zinnglasur gibt es vor 1500 nur vereinzelt (s. Sp. 1232 und 1237; vgl. Fayence: RDK VII 877), F. mit Salzglasur seit A. 16. Jh. in den Zentren der rheinischen Keramik (Raeren, Langerwehe). Zu englischen F. mit Salzglasur s. Sp. 1254.

Beim Auftrag verschiedenfarbiger Glasur, der um etwa 1500 in Spanien allgemein wurde, war sorgfältiges Trennen der einzelnen Farbpartien unabdingbar, um das Ineinanderlaufen der Farben zu verhindern.

Es gab dafür mehrere Verfahren:

Man sparte die vertieften Umrißlinien des Dekors entweder als Trennlinien aus oder füllte sie mit Wachs, das beim Brand wegschmolz: Glasur mit toten Rändern. - Man trug auf der Grenzlinie der Farben entsprechend der Vorzeichnung eine Mischung von Fett und Eisenoxyd auf, die nach dem Brand als schwarze Linie stehenblieb: „Cuerda seca“-Technik (span. für „trockener Faden“; die Bezeichnung ist später anzutreffen als die Technik und nicht für diese gesichert); die Glasuren sind leicht konvex (Abb. 23). - Der Dekor wurde mittels Stempel eingedrückt, die Trennlinien blieben als schmale Stege stehen: „Cuenca“- oder „Arista“-Technik (span. für „Höhlung, Kante“); die Glasuren erscheinen nach dem Brand leicht konkav (Abb. 24).

3. Die Art der Verzierung wurde im MA in den einzelnen Ländern unterschiedlich gehandhabt. Fast alle F. zeigen Abnützungsspuren, wie sie nur durch Begehen entstanden sein können; alle in der Folge beschriebenen Verzierungstechniken beziehen sich daher auf Boden-F. (zu den nur für wenige Orte sicher nachzuweisenden Wand-F. s. Montague Rhodes James, Rare medieval tiles and their hist., Burl. Mag. 42, 1923, S. 32-37).

Stempel-F. (Abb. 9) tragen die Eindrücke von größeren oder kleineren hölzernen Stempeln, die entweder über die ganze Fläche verteilt sind oder nur die Mitte besetzen, auch als Mittelmuster von kleineren Randstempeln gerahmt werden. Durch nur wenige Stempel können zahlreiche verschiedene Muster geschaffen sein (vgl. Rudolf Schnyder, Die Baukeramik und der ma. Backsteinbau des Zisterzienserklosters St. Urban, Bern 1958 Berner Schrn. zur K., Bd. 8]).

Bei F. mit vertiefter Prägung (Abb. 10f., 17) wurde das Muster in eine glatte Holzplatte mit verschieden breiten Sticheln eingeritzt oder eingeschnitten. Von diesem Holzmodel wurden Negativmodel in beliebiger Anzahl aus Ton gefertigt und mit diesen, ähnlich dem Zeugdruckmodel, das Bild in die F. geprägt. F. dieser Art wurden nur selten glasiert, aber vermutlich häufig mit farbigen, kittartigen Substanzen gefüllt, die heute meist ausgebrochen sind (erhalten z. B. in F. aus Dirstein, Heilsbronn, Klosterneuburg, Regensburg sowie vielleicht F. aus Eßlingen; [18 a] S. 27f.).

Bei F. in Flach-, seltener in Hochrelief (Abb. 10, 12f., 18-21) erfolgte die Prägung durch einen Holzmodel, der das Muster, gleich einem Backmodel, im Negativ zeigt. In diesen Model wurde der Ton eingeknetet. Außer Holzmodel wurden vermutlich auch Model aus noch form- oder schneidbarem Ton und erhabenem Muster benützt, vor allem für F. mit komplizierten Schriftbändern (z. B. bei den F. aus Burg Klingenberg/Zvikov: Umění doby posleních Přemyslovů, Prag 1982, S. 141-144).

Inkrustierte F. (Abb. 6 und 15) erhielten die Zeichnung durch einen Holzmodel eingeprägt, der die Umrisse des Bildes zeigte. Die Vertiefung von 3-6 mm wurde mit weißem Pfeifenton oder, vereinzelt, mit farbiger Mörtelmasse gefüllt und mit Glasur überzogen.

Engobegeprägte F. (Abb. 14) wurden hergestellt, indem der Holzstempel in eine weiße Engobe getaucht und diese in einem Arbeitsgang leicht (1-1,5 mm) in die F. geprägt wurde. Auch diese Art der F. wurde stets glasiert; heute ist die Glasur häufig verloren, teilweise auch die Engobe abgetreten.

Gemalte F. erhielten das Muster aus weißem Schlicker mit Hilfe einer Schablone aufgetragen; der Schutz erfolgte durch die anschließende Glasierung.

4. Bemalung der F. in Fayence-Technik ist im Mittelmeergebiet (Spanien, Italien) E. 13./ A. 14. Jh. belegt (s. Sp. 1232 und 1247, auch Sp. 1234) und war vom 16. Jh. an allgemein verbreitet, vor allem für Wand-F. Die Bemalung erfolgte durch Scharffeuerfarben, die auf die ungebrannte Zinnglasur aufgetragen und zusammen mit dieser dem Glasurbrand ausgesetzt wurden. Farben, die dessen Temperatur nicht standhielten (sog. Email-, „petit feu“-, Muffelfarben), wurden erst nach dem Glasurbrand angewandt und die F. beim erneuten Brand durch Kapseln aus Ton, sog. Muffeln, vor der direkten Einwirkung des Feuers geschützt.

Muffelbrand war auch erforderlich beim Aufbrennen von Blattgold, das mit Hilfe von Gummi auf die Glasur geklebt worden war, ferner bei Verwendung von Drucken.

Dieses im 18. Jh. entwickelte Verfahren wurde bei F. aus Steingut angewendet. Das mit keramischer Farbe gedruckte Papier legte man mit der bedruckten Seite auf die durchsichtige Glasur und zog das befeuchtete Papier ab; die haftengebliebene Farbe wurde dann eingebrannt.

*Lüsterfarben konnten nur reduzierend eingebrannt werden; auch hierfür mußten Muffeln verwendet werden.

Im 17.-18. Jh. gab es in den Nördlichen Niederlanden das Verfahren, bei marmorierten, geflammten, gesprenkelten oder in anderer Weise ungegenständlich bemalten F. die Farben vor dem Schrühbrand aufzutragen und nach diesem die F. mit der farblosen, durchsichtig bleibenden Bleiglasur, dem „Kwaart“, für den Glasurbrand zu überziehen [25, Bd. 2 S. 51f., Taf. 59].

Entwurfszeichnungen wurden im 17./18. Jh. vielfach mit sog. Durchstaubschablonen (niederl. Sponsen), bei denen die Linien durchstochen waren, mittels gemahlener Holzkohle auf die F. übertragen (Abb. 29).

III. Geschichte

A. Spätantike

Im Mittelmeergebiet kommen an der Wand versetzte F. seit dem 5./6. Jh. vor, wie sie aus Ägypten vom 4.Jt. an bis in die Spätzeit des Reiches, aus dem Zweistromland vom 13.-6. Jh. v. Chr. bekannt sind [19, S. 3], ohne daß Kontinuität erkennbar wäre.

Relief-F. mit maximaler Seitenlänge von 31 cm und maximaler Stärke von 4,5 cm gibt es aus Makedonien (Ausst.kat. „Die Tonikonen von Vinica“, München usw. 1994-1995, S. 29-42, Kat.nr. 44-93, Farbtaf. 1-12). - In frühchr. Gebieten N-Afrikas mit Model geprägte F., wahrscheinlich zw. M. 5. und M. 6. Jh., zeigen meist Tiere, doch auch biblische Themen (Ausst.kat. „De Carthage à Kairouan ...“, Paris 1983, S. 187-189 Kat.nr. 245-251; [18 a] S. 43 und 45, Abb. 16f.). - Aus S-Spanien sind zahlreiche Relief-F. bekannt („gepreßte Ziegel“, bis zu 60-40 cm, meist 4-5 cm dick), die auch an Decken angebracht wurden und Ornament, Figürliches, Inschriften und chr. Symbole tragen; auch sie gelten als Arbeiten des 5.-6. Jh. ([11] Bd. 2 S. 61-64, Abb. 56-66; Helmut Schlunk und Theodor Hauschild, Die Dkm. der frühchr. und westgot. Zeit, Mainz 1978 [Hispania antiqua], S. 57-61 und 177f., Abb. 36 und 38f., Taf. 72). - Aus dem Gebiet der unteren Loire, vor allem aus Nantes, sind reliefierte „carreaux“ unterschiedlichen Formats bekannt, deren Stärke die anderer F. übertrifft und oft jene von Backsteinen erreicht (3,8-10 cm; Dominique Costa, Nantes Mus. Thomas Dobrée. Art mérovingien, Paris 1964 [Inv. des coll. publiques franç., 10], Nr. 1-179).

B. Mittelalter

1. Byzanz

Mehrfarbig ornamentierte F. aus Byzanz werden in das 9.-11. Jh. datiert (David Talbot-Rice, Byz. glazed pottery, Oxf. 1930, passim, Taf. 8f.); auch F. mit gemalten Figuren sollen aus Byzanz stammen (Abb. 2; Etienne Coche de la Ferté, L’art de Byzance, Paris 1981, S. 457, Abb. 555; Ausst.kat. „Splendeur de Byzance“, Brüssel 1982, Kat.nr. C.2-4). F. aus Werkstätten in und bei Preslav, Bulgarien, 9.-10. Jh., sind schmucklos, zwei- oder mehrfarbig ornamental oder mit Heiligenfiguren bemalt („Keramik-Ikonen“) sowie Relief-F. mit Heiligenfiguren (Totja Tonev, Manastirǔt v „Tuzlalǔka“. Centǔr na risuvana keramika v Preslav prez IX-X v., Sofia 1982, S. 51ff., Taf. 1-10, Abb. 48f., 56-59, 61-69; ders., Cah. arch. 35, 1987, S: 65-80).

2. Islamische Länder

a. Im Nahen Osten und in N-Afrika wurden Wand-F. Tradition.

Aus dem 9. Jh. stammen die in Reihe verlegten F. mit Lüsterdekor von Samarra, Irak (Abb. 1; Friedrich Sarre, Die Keramik von S., Bln. 1925 [Die Ausgrabungen von S., Bd. 2], Taf. 21f.; [19] S. 3) und in der Großen Moschee in Kairouan, Tunesien, wohl 862 aus Bagdad eingeführt (George Marçais, Les faiënces à reflets metalliques de la Grande Mosquée de K., Paris 1928; [19] S. 3). In Algerien gefundene gelüsterte F. des 11. Jh. sollen im fatimidischen Ägypten hergestellt worden sein (G. Marçais, Poteries et faiënces de la Quale des Beni Hamid, Constantine 1913, S. 28; z.T. in „Cuerda seca“-Technik: [19] S. 11). - Nach dem Ende der Dynastie der Fatimiden 1179 wurde die F.herstellung nach Norden verlagert: Noch im 12. Jh. wurden F. mit Lüsterdekor in Rakka, N-Syrien, produziert (F. Sarre und Ernst Herzfeld, Arch. Reise im Euphrat- und Tigris-Gebiet, Bd. 5, Bln.

1911 [Forschgn. zur islam. K., Bd. 1], Taf. 116 und 120). Seit dem 13. Jh. lagen die Hauptorte der F.produktion in Persien (Rayyi bei Teheran, Kaschen): F. mit Muffelfarben, unter und über der Glasur vielfarbig bemalt, oft zusätzlich gelüsten (Abb. 3) sowie F. auf dunkelblauem bis türkisfarbenem (Relief-)Grund mit nur wenigen Farben bemalt und vergoldet (Mehdi Bahrami, Recherches sur les carreaux et revêtement lustrés dans la céramique persane du 13e aux 15e s. [étoiles et croix], Paris 1937; [19] S. 4-8, Taf. 1f.). Namen von Herstellern sind zahlreich überliefert, Daten reichen von 1208 bis um M. 14. Jh. (ebd.).

In Kleinasien gewannen um M. 15. Jh. F. mit Unterglasurmalerei an Bedeutung.

Wichtigster Herstellungsort war Iznik (Nicäa), wo die sog. Rhodos- und Damaskusware hergestellt wurde (vgl. Gönül Öney, Turkish Ceramic Tiles Art, Tokio 1975, S. 71, mit Lit.), und seit dem 16. Jh. Istanbul [19, S. 13].

Hergestellt wurden die F. vornehmlich aus Ton mit hohem Quarzanteil oder aus pulverisiertem Quarz, auch aus feinem Quarzsand, der mit Hilfe eines Bindemittels zu Quarzfritte gebrannt wurde. Auf die gebrannten F. wurden siliko-alkalische Glasuren aufgetragen, die gefärbt sein konnten und Unterglasurmalerei ermöglichten.

Bei farblich ungenügendem Träger wurde dieser vor dem Bemalen und Glasieren mit einer dünnen Schicht aus besonders feiner, rein weißer Quarzfritte überzogen (Alfred Lucas, Glazed Ware in Egypt, India, and Mesopotamia, The Journ. of Egyptian arch. 22, 1936, S. 141-162; Charles Kiefer, Les Céramiques silicieuses d’Anatolie et du Moyen Orient, Bull. de la Soc. Franç. de Céramique 29-30, 1956, S. 3-38); in der Lit. wird diese Ware der Farbe wegen als Fayence bezeichnet, obwohl die Glasur kein Zinn enthält.

b. Iberische Halbinsel.

Spanien nimmt, vor allem hinsichtlich der farbig glasierten F., durch die Fülle des Erhaltenen, die Vielfalt der Ornamente und der Techniken eine Sonderstellung ein.

In technischer Hinsicht ist an erster Stelle das F.mosaik zu nennen („Alicatado“), bei dem es möglich war, die zusammengesetzten Platten der Krümmung von Wölbungen und Wänden anzupassen.

Es besteht aus polygonalen Einzel-F., die aus gebrannten und glasierten Platten ausgesägt oder abgeklopft worden waren oder aus vor dem Brand geschnittenen und anschließend glasierten F.; zu größeren Partien verbunden, durch Stäbe verfestigt, mit weißem Stuckmörtel vergossen, wurden sie an der Wand versetzt (Abb. des Arbeitsvorgangs bei Arthur Upham Pope, A Survey of Persian Art, Bd. 5, Ld. und New York 1938, Taf. 546 b). Die Verwendung der „Alicatados“ – meist Sternmuster und geometrische Motive in Grün, Hellbraun, Purpur und Hellblau auf Weiß -durch maurische Kunsthandwerker begann zögernd im 10. Jh. [19, S. 47]; seit dem 12. Jh. kommt F.mosaik in größerer Zahl an Wänden, Böden, auch Decken vor.

Die Massenfertigung begann im 13. Jh. sowohl bei den Mauren (überwiegend Wand-F.) als auch bei den christlichen Spaniern (überwiegend Boden-F.); auf beiden Seiten blieb die orientalische Tradition der nicht-figürlichen Ornamentik gewahrt. Im 13. Jh. waren vor allem Cordoba und Toledo Zentren der F.herstellung; Belege bieten im Süden der Torre del Oro der Almohadenbefestigung, um 1220/1221, und der Alcazar von Sevilla, um 1335-1391, sowie die Alhambra in Granada, 1333-1353 und 1364-1391, im Norden der Fußboden im Kreuzgang der ehem. Zisterzienserabtei Poblet, 2. V. 13. Jh. ([11] Bd. 2 S. 118-129, Abb. 119-132; [14] S. 19f.; [13] Abb. S. 57). Im 14. Jh. waren Werkstätten in Triana, einem Vorort von Sevilla, führend (z. B. Michaelskap. des Doms in Saragossa, 1378; Convento de las Dueñas in Salamanca, um 1400: [19] S. 69), im 15. Jh. Werkstätten in Valencia [14, S. 19f.].

Sternmuster gibt es im 14. Jh. auf quadratischen („losetas“) und hexagonalen („alfardones“) F., meist in Kobaltblau auf weißer Zinnglasur. Ergänzt wurden die Muster durch figürliche, heraldische und florale Motive; Inschriften zeigen noch lange arabische Schrift. Bei den F. in „Cuerda seca“- und „Arista“-Technik wurden die Sternmuster beibehalten, die Farbskala um Dunkelgelb, Oliv, Ultramarinblau und Schwarzbraun erweitert (vgl. Abb. 23f.).

Die wichtigsten Werkstätten lagen im 14. Jh. in Andalusien (Malaga, Triana). Seit E. 14. Jh. wurden F. in Form von Quadraten, Drei- und Sechsecken an zahlreichen weiteren Orten Spaniens hergestellt (z. B. im Gebiet von Valencia), auch mit Lüsterfarben (z. B. in Manises und Teruel: [19] S. 72).

Neben diesen F. wurden in geringer Zahl auch Stempel-F., inkrustierte F. und Relief-F. gefertigt, die stets unglasiert blieben [11, Bd. 2, S. 59-78].

Beispiele für erstere sind F. aus der Umgebung der Kirche S. Felix in Játiva, wohl 11. Jh. (ebd. S. 67, Abb. 67), und aus der Gegend von Valencia (ebd. S. 70, Abb. 71). F. mit kleinen Sternstempeln, in Valencia gefunden, gelten als früh entstanden (ebd. S. 59, Abb. 55). - Relief-F. mit figürlichen Motiven und meist aus der 2. H. 15. Jh., die im Gebiet von Valencia hergestellt wurden, dienten überwiegend als Decken-F. („Soccarat“-F.); sie sind gelegentlich zweifarbig, schwarz-rot [19, S. 74, Taf. 46].

Spanische F. wurden in andere Länder ausgeführt.

Aus Manises wurden 1362 zwei F.macher nach Avignon verpflichtet ([19] S. 69; vgl. auch ebd. S. 47f.). Im 15. Jh. ist F.export nach Italien nachweisbar: Fußboden der Giustinian-Kap. an S. Elena in Venedig, 1460-1479 (Ennio Concina, Faenza 61, 1975, S. 80-83, Taf. 26); Gemächer Papst Nikolaus V. (1447-1455) im Castel Sant’Angelo in Rom (Arthur Lane, Faenza 27, 1939, S. 27-34, Taf. 7-9; [13] Abb. S. 85); Fußboden im Appartamento Borgia des vatikanischen Palasts, um 1492 ([11] Bd. 2 S. 621-636, Abb. 888-895; allgemein: Manuel Gonzáles Martí, Faenza 36, 1948, S. 91f.). In Portugal bezog man für das Schloß in Sintra, 3. V. 15. Jh., F. aus Valencia [19, S. 69-73].

3. Westeuropa

a. Britische Inseln.

Die frühesten bislang gefundenen F. gibt es aus dem sog. Alten Münster in Winchester, 2. H. 10. Jh. (Wand-F.?; Martin Biddle, The Antiquaries Journ. 44, 1964, S. 209f., Taf. 54 a-c). Das Muster, das bei Zusammensetzen von vier F. einen Kreis mit breitem Andreaskreuz zeigt, kommt zustande durch breite Stege, welche die verschiedenfarbenen Glasuren trennen - eine Gestaltungsweise, die bislang nur in England bekannt ist (weitere Beisp., vor 1066: [18 a] S. 186; [9] Bd. 1 S. 33).

Mosaik-F. scheint es seit E. 12. Jh. gegeben zu haben (Byland Abbey, um 1197 [?]; ebd. S. 34, Farbtaf. I,a); sie waren in Zisterzienserklöstern im 2. Dr. 13. Jh. in reichster Ausformung verbreitet [18, S. 186f.], kommen aber auch andernorts häufig vor (z. B. Canterbury, Kath., um 1220: [9] Bd. 1 S. 34).

Fußböden nach Art eines „opus sectile“ mit entsprechend geformten F. gibt es z. B. in Prior Crauden’s Chapel in Ely, E. 13. Jh. bis 1324/1325 (ebd. S. 36-39, mit weiteren Beisp.; [5] Abb. 7; [18 a] S. 183f.).

Inkrustierte F., seit spätestens um 1240/1250 hergestellt (E. S. Eames, Medieval Tiles. A Handbook. The Brit. Mus., London, Ld. 1968, S. 10: F. aus der Kapelle von Clarendon Palace, vermutlich 1244 bestellt), zeigen große Vielfalt der Motive und Feinheit der Zeichnung, vielfach figürlich, manche F. mit Inschrift, oftmals Mosaik-F. [18 a, S. 187-189].

Zu den bekanntesten F. dieser Art gehören die Mosaik-F. aus dem ehem. Benediktinerkloster Chertsey (Surrey), um 1270, u.a. mit der Darstellung des Kampfes zwischen Richard Löwenherz und Saladin (ebd. S. 187f., Abb. 109), aber auch aus mehreren quadratischen F. zusammengesetzte Darstellungen von Figuren unter Baldachinen, um 1290/1300 (ebd. S. 189, Abb. 110), sowie die F. im Kapitelhaus von Westminster Abbey, um 1253/1259, die einzigen bis heute in situ erhaltenen F. (ebd. S. 187f.).

Engobegeprägte F. sind seit dem ausgehenden 13. Jh. auf den Britischen Inseln nachweisbar (Kapellen am Chorumgang der Kath. von Canterbury, um 1285/1290: ebd. S. 189).

Stempel-F. mit vertiefter Prägung und Relief-F. reichen zeitlich vom 13. Jh. bis in nachma. Zeit (ebd. S. 191; [9] Bd. 1, bes. S. 99-123; verhältnismäßig häufig in Irland: E. S. Eames und Thomas Fanning, Irish Medieval Tiles, Dublin 1988, S. 43-50). Ihre Herstellung wird auf rheinländischen Einfluß zurückgeführt; vergleichbare Muster gibt es, wenn auch keine exakten Wiederholungen bekannt wurden [18 a, S. 189-191].

F. in Sgraffito-Technik aus der Kirche von Tring (Hertfordshire), wohl 1. H. 14. Jh., zeigen Szenen aus der Kindheit Jesu. Die F., vermutlich Wandverkleidung, sind nicht nur in England, sondern in Europa bislang singulär ([9] Bd. 1 S. 56-61, Farbtaf. II; [19 a] S. 183).

Ob die wenigen bislang gefundenen Fayence-F. in England hergestellt oder importiert wurden, ist nicht geklärt (E. Christopher Norton, Medieval Arch. 28, 1984, S. 133-172, bes. S. 149f., Abb. 3; [18 a] S. 183).

In England ist eine größere Anzahl von kurzzeitig betriebenen Feldbrandöfen für F. ergraben, oftmals mit verworfenen F., die mit erhaltenen F.

in nahegelegenen Kirchen und Klöster sowie Schlössern übereinstimmen; ob die Öfen von wandernden F.herstellern oder von Klosterinsassen betrieben wurden, ist umstritten (ebd. S. 185).

b. Frankreich.

Archivalien in größerer Zahl geben Aufschluß über Hersteller, Auftraggeber, Preise und Transport; Namen und Signaturen sind auf F. ebenso erhalten wie Jahreszahlen. Dennoch steht derzeit ein umfassender Überblick über die Geschichte noch aus.

Die Anfänge der Herstellung und der Verwendung von F. sind ungeklärt. Vorschläge einer Datierung in merowingisch-karolingische Zeit ließen sich nicht bestätigen, manchmal widerlegen (zu F. aus dem Gebiet der unteren Loire s. Sp. 1228). Glatte glasierte Mosaik-F. aus dem 11. Jh. sind in St-Benoît-sur-Loire erhalten (1026-1030; Jean-Marie Berland, Cah. civil. méd. 11, 1968, S. 211-219), solche aus dem 12. Jh. an mehreren Orten.

Beisp.: St-Bertin in St-Omer (Pas de Calais; Alfred Ramé, Étude sur les carrelages historiés du XIIe au XVIIe s. en France et en Angleterre, Strbg. 1858, S. 42, Abb. 7); Abteikirche Saint-Denis, Umgangskapellen am 1144 geweihten Chor (Christopher Norton, Les carreaux de pavage du Moyen Age de l’abbaye de St-D., Bull. mon. 139, 1981, S. 60-100, bes. Abb. 7-9, 11f. und S. 89 Fig. 1-8; [18 a] S. 169); Chalons-sur-Marne, Kath. (möglicherweise aus dem 1147 geweihten Bau; Les mon. hist. de la France n.s. 2, 1956, S. 50); Reims, erzb. Kapelle [1, S. 105]; mehrmals in Zisterzienserkirchen und -klöstern: Les Chatelliers (Deux-Sèvres; Jean Coquet, Revue Mabillon 50-51, 1960-1961, S. 135-139, Abb. 11 und 13); Lisle-en-Barrois (Meuse; vor 1162?; L. Maxe-Werly, Mém. Soc. Ant. France 6ème sér. 3, 1893, S. 257-265); Pontigny (Yonne), 12. oder 13. Jh. [1] S. 100; [2] S. 111-118).

Relief-F. und Stempel-F. gibt es vielleicht seit der 2. H. 12. Jh., sicher seit dem 13. Jh.

Beisp. für geprägte F. sind aus den Zisterzienserkirchen Cîteaux (Cote-d’Or), E. 12. Jh. [18 a, S. 80, Abb. 48-50] und Aulps (Haute-Savoie) bekannt (ebd. S. 74 mit Anm. 15). - Eingeritzte Muster: Zisterzienserkirche La Bénissons-Dieu (Loire), um 1200 (?; ebd. S. 74 mit Anm. 18). - Relief-F.: Charlieu, ehem. Benediktinerkirche St-Fortunat (Loire), E. 12. - A. 13. Jh. (ebd. S. 53, Abb. 23; ebd. S. 75f. mit Anm. 39 und 56, dort weitere Beisp.). - Stempel-F.: Ste-Colombe-les-Sens (Yonne), vielleicht von 1164 (ebd. S. 54 mit Abb. 24); Charlieu, St-Fortunat (ebd. S. 54); Beisp. aus Klöstern des Zisterzienserordens ebd. S. 74-76 mit Anm. 20, 25f., 32, 35, 37, 48, 50, 53.

Inkrustierte F. sind meist in Weiß (oder weißlich) auf rotem Grund angelegt, selten in Rot aus einer weiß(lich)en Engobe ausgespart.

Möglicherweise früh, im 11. Jh. (?) hergestellt wurden glasierte F. mit Inkrustation aus Glasfluß, die in der ehem. Benediktinerkirche St-Désir in Lisieux (Calvados) gefunden wurden (Ausst.kat. „Trésors des abbayes normandes“, Rouen und Caen 1979, S. 317 Nr. 330, Abb. S. 318).

Als Beispiele für Kirchen der Zisterzienser mit glasierten F. seien Pontigny, E. 13./ A. 14. Jh. [18 a, S. 76 mit Anm. 50] und Maubuisson (Seine-et-Oise), um 1240, genannt (E. C. Norton, Rev. de l’art Nr. 63, 1984, S. 59-72, bes. S. 63 und 65f., Abb. 15f.). Weitere Beisp.: St-Pierre-sur-Dives (Calvados), 2. V. 13. Jh. ([18 a] S. 170, Abb. 25; vgl. auch ebd. S. 73-76 und 170-172); St-Omer (Pas-de-Calais), N.-D., Archivsaal [1, S. 142]; Cunault (Maine-et-Loire), ehem. Benediktinerkirche, E. 13. Jh. (ebd. S. 136-138); Coutances (Manche), Kath., Kapitelsaal, E. 13. Jh. (ebd. S. 144-148); Breteuil (Oise), Abtskapelle (ebd. S. 151-154); Troyes (Aube), Kath., Kapitelhaus, E. 13. Jh. (ebd. Taf. nach S. 112). Inkrustierte F. in Schloßbauten: Coucy (Aisne), 13. Jh. (ebd. S. 138-141), Germolles (Saone-et-Loire), 1388 (Jacques Devignes, Archeologia 49, 1972, S. 26-32), Montargis (Loire), nach 1383 (Félix und Henri Courtois, Mém. de la Soc. Eduenne, n.s. 10, 1881, S. 118-133). Figürlich gestaltete Grabmäler aus dem 13.-14. Jh., die aus inkrustierten F. zusammengesetzt sind, gibt es in NW-Frankreich, vor allem in der Normandie [18 a, S. 170f., Abb. 100f.].

Fayence-F. mit figürlicher oder ornamentaler Bemalung in Grün, Braun und Blaßgelb sind in Südfrankreich seit dem ausgehenden 13. Jh. erhalten, wohl durch Kontakte mit Spanien angeregt: Toulouse, Jakobinerkirche, um 1290/1295; Lagrasse (Aude), Abteikirche, um 1296 (E. Ch. Norton, Medieval Arch. 28, 1984, S. 133-172, Taf. 7-11).

Wenig später, um 1300/1320, kamen entsprechende F. in West- und Nordfrankreich vor: Schloß in Brain-sur-Allonnes bei Semur (Maine-et-Loire), Schloß Suscinio (Morbihan), St-Bertin in St-Omer (Pas-de-Calais), Schloß Hesdin (Pas-de-Calais). Die weiß-blauen F. für die Kartause Champmol, jene für das Schloß in Poitiers sowie für das in Bourges wurden von Spaniern ausgeführt (ebd.; [18 a] S. 173). Starkfarbige Fayence-F. für den Papstpalast in Avignon und für das päpstliche Schloß in Châteauneuf-du-Pape, erbaut 1317-1333, wurden in den Werkstätten von St-Quentin-la-Poterie hergestellt (E. Ch. Norton a. a. O. [s. oben], bes. S. 164; [18 a] S. 173). Zu F.machern aus Spanien in Avignon s. Sp. 1232.

c. Belgien und Niederlande.

Glatte glasierte F., die als Plattenmosaik verlegt wurden, sind seit dem späten 12. Jh. (?) und beginnenden 13. Jh. nachgewiesen.

Diese F. sind manchmal auffallend klein, mit Seitenlängen von 1 cm. Bei F. größeren Formats täuschte man Kleinheit vielfach vor: bei F. um die 6 × 6 cm durch eingeprägte 49feldrige Schachbrettmuster, bei noch größeren F. durch eingeritzte Linien, die Stoßfugen vortäuschen. Aus gelb, grün und schwarz glasierten F. zusammengesetztes Mosaik gibt es seit dem 14. Jh. (Utrecht, um 1378).

Inkrustierte F. gibt es wohl seit der 2. H. 13. Jh. (Wohnhaus in Löwen).

In Belgien war Tournai ein Zentrum der Herstellung (hier u.a. F. um 58 × 58 × 3 cm aus dem besonders feinen, weißbrennenden Ton), im 14. Jh. auch Andenne bei Namur. Inkrustierte und engobegeprägte F. wurden seit A. 14. Jh. vor allem in Utrecht produziert (Beisp.: Domchor, Domherrenhaus der Johanniskirche, Refektorium des ehem. Paulsklosters).

F. mit vertiefter Prägung, die im Gebiet um die Rheinarme gefunden wurden, könnten rheinischer Herkunft sein (1. H. 13. Jh.). Relief-F. wurden vornehmlich in der Provinz Groningen gefunden; hergestellt wurden sie in der 2. H. 13. Jh. wohl im Zisterzienserkloster Aduard westlich von Groningen, in der 2. H. 14. Jh. auch in Friesland (Benediktinerkloster Foswerd, Zisterzienserklöster Aula Dei [Nijenkloster] und Klaarkamp).

Unbekannt ist der Herstellungsort von F. mit grün-manganroter zinngetrübter Glasur, die in der Prälatur der ehem. Zisterzienserabtei Ter Duinen bei Koksijde (Westflandern) gefunden wurden. Dabei befanden sich mehrere zusammengehörige F., die zu F.bildern aus dreimal drei F. zusammengesetzt waren (Claire van Nerom, Le pavement du Lavatorium de l’Abbaye des Dunes de Coxyde e les similitudes avec les pavements de Saint-Omer, Cîteaux 35, 1984, S. 285-318). Gemalte F.bilder mit zinngetrübter Glasur aus derselben Zeit (oder 14. Jh.?) gibt es in Utrecht.

In Belgien hergestellte F. wurden auch exportiert.

Zu Funden in England s. [18 a] S. 176f.; zu F. wohl aus Andenne, die in St. Gangolf in Heinsberg und im Hof Kolverath in Daun gefunden wurden, ebd. S. 176. Zu einem Fund inkrustierter F. in Minden i. W., 13./14. Jh., s. Gabriele Isenberg, Westfalen 55, 1977, S. 442, Abb. 266; Abb. 15.

Insgesamt zu F. in Belgien und den Niederlanden: [18 a] S. 175-178, mit Lit.

4. Mitteleuropa

Kleine Boden-F. mit glatter Oberfläche, etwa 6 × 6 cm groß, aus dem 12. Jh. sind im Rheinland erhalten. Sie bilden zusammen mit Natursteinplatten und Stiftmosaik den Chorfußboden in der ehem. Stiftskirche St. Viktor in Xanten (1109-1128) und sind Teil des Bodens in der Confessio von St. Gereon in Köln (um 1190; [18 a] S. 52).

Unglasierte, mit Hilfe von Modeln reliefierte Tonplatten sind aus dem 11.-13. Jh. erhalten und meist Fragmente, die jedoch beachtliche Größe der Platten annehmen lassen (bis über 50 cm Seitenlänge); Löcher, vermutlich für Nägel, sprechen für Anbringen an der Wand (ebd. S. 57-64, Abb. 27-38).

Anders als in den Nachbargebieten waren F. mit vertiefter Prägung und Relief-F. sowie, in geringerer Zahl, Stempel-F. am häufigsten. Es herrschte quadratisches Format vor.

Gemusterte Boden-F. gab es vermutlich erst seit der 2. H. 12. Jh. Am Beginn steht eine Gruppe von schwach gebrannten Stempel-F. großen Formats (etwa 30 × 30 cm) mit großem Mittelstempel und münzgroßen Randstempeln aus Kirchen und Klöstern des Mittelrheingebietes und Oberhessens.

Beisp.: Einhardsbasilika in Steinbach; St. Ursula in Oberursel; ehem. Klosterkirchen Eberbach/Rheingau, Bleidenstadt, Niddatal-Ilbenstadt; aus der Palastkap. der Burg Hain in Dreieichenhain; auch vom Deutschhausplatz in Mainz; Varianten in den ehem. Klosterkirchen Johannisberg und Wörschweiler; sämtliche F. E. 12.-A. 13. Jh. [18 c].

Annähernd gleichzeitig wurden im Elsaß große glasierte F. in Achteck- und Rautenform geprägt (Schlettstadt, St. Fides, um 1180 [?]: Abb. 4; Robert Forrer, Gesch. der europ. F.keramik vom MA bis zum J. 1900, Strbg. 1901, S. 62-64, Taf. 2f., Abb. 132-136; [18 c] S. 239f.; vgl. auch [18 a] S. 35 zur Vorbilderfrage).

Die Datierung des Fragments einer geprägten sechseckigen F. aus der Benediktinerinnenkirche Frauenchiemsee mit Darstellung eines springenden Löwen ist unsicher: E. 11./ A. 12. Jh. wie die Kirche oder 12. oder 13. Jh. wie der Westbau (ebd. S. 64f., Abb. 38; zur Baugeschichte s. Walter Haas, Jb. der Bayer. Dpfl. 34, 1980, S. 21-46).

Unklar ist auch die Datierung vergleichbarer sechseckiger F. in Böhmen und Mähren, deren Entstehung entweder im 3. Dr. 11. Jh. oder - mit größerer Wahrscheinlichkeit - im 12.-13. Jh. angenommen wird.

Zur frühen Dat. vgl. Dagmar Hejdová und Bořivoj Nachvátal, Ranéstředověcé dlaždice v Čechách, Památky archeologické 61, 1970, S. 100-183 und 335-458, dt. Resumé S. 459-471; zur späten Dat.: Anežka Merhautová-Livorová, Figürliche und ornamentierte Tonfliesenfußböden in Böhmen, in: Bauk. des MA in Europa. Hans Erich Kubach zum 75. Geburtstag, Stg. 1988, S. 507-522; vgl. allgemein [18 a] S. 65, 197 und 199, Abb. 113.

Seit A. 13. Jh. wurden vorwiegend kleinere F. mit vertiefter Prägung von meist zw. 11,5 und 13,5 cm Seitenlänge und in hervorragender Qualität hergestellt. Sie sind selten glasiert, aber durch verschiedenfarbig brennende Tone differenziert (z. B. in Eberbach mit sieben verschiedenen Farbwerten: [18 c] S. 67f.). Die Exaktheit der Prägung ist in einzelnen Regionen unterschiedlich, doch gilt verallgemeinernd, daß die am sorgfältigsten ausgeführten Prägungen aus der 2. H. 13.-A. 14. Jh. (sowie aus der 2. H. 15. Jh.) stammen. Namen von Töpfern auf den F. fehlen.

Geprägte F. aus der 2. H. 12. Jh. zeigen überwiegend Figürliches, manchmal begleitet oder gerahmt von Rankenbändern. Im 1. Dr. 13. Jh. wurden geometrische Muster, Band- und Flechtornamente bevorzugt, die beim Verlegen der F. endlose Teppichmuster ergeben. Daneben gab es Einzel-F. mit Darstellungen von kämpfenden Rittern, Jagdszenen, Tieren (vgl. Abb. 11), Fabel- und Mischwesen, Blättern, Blüten und Palmetten. Seit M. 13. Jh. nahm die Zahl jener Beispiele zu, die erst durch das Aneinanderfügen von vier, neun oder sechzehn F. das vollständige Muster bilden, meist sich berührende oder durchdringende Kreise und Quadrate, in die figürliche Motive eingebettet sind. Durch diese Muster, zusammen mit Teppichmustern aus kleinsten Motiven, wurden im 14. und 15. Jh. alle übrigen Motive verdrängt. Im 15. Jh. prägte man erneut F. mit Einzelmotiven, die durch kleine Viertelkreise, Sterne, Blatt- und Blütenmuster in den F.ecken in das Gesamtmuster des jeweiligen Fußbodens integriert wurden. Gehäuft kommen Eichblattmuster vor, daneben F. mit Wappen und seit E. 15. Jh. an einigen Orten Renss.ornamente (Köln, Mainz, Nürnberg, Ulm, vielleicht Halle: [18 a] S. 157f.); umgekehrt wurden spätgotische Ornamente noch im 17. Jh. verwendet.

Sakrale Themen auf F. sind in Deutschland kaum anzutreffen. Zu Inschriften s. [18 b] S. 597-605.

Seit 2. H. 12. Jh. wurden Relief-F. hergestellt. Solche aus rot brennendem Ton überwiegen, seit M. 14. Jh. waren sie die Regel (Abb. 13, 17-21). Seitenlänge (14,5-19 cm) und Stärke der F. nahm bis E. 15. Jh. zu, die Qualität der Ausformung von Motiven und die des Brandes ging dagegen fast überall zurück. In S-Deutschland wurden manchmal besonders große F. hergestellt (etwa 22-25 cm, 5-7 cm Stärke, fast backsteinartig, vgl. ebd. Nr. und Abb. G 10 - G 12, G 14, G 17f., M 36, N 105 u. ö.), am Niederrhein blieb man bis um M. 16. Jh. bei den herkömmlichen kleineren Formaten.

Glasierte F. waren lange Zeit eher selten. Vereinzelte Beispiele stammen aus der 2. H. 12. Jh. (Schlettstadt, Bonmont/Waadtland, Freising-Neustift, Obb.: Abb. 4f.; [18 a] S. 20, 77, 69). Im 1. Dr. 13. Jh. diente die Glasur der Hervorhebung einzelner Muster (Wörschweiler, ehem. Zisterzienserkirche: Abb. 7; Peter Volkelt, 18. Ber. der staatl. Dpfl. im Saarland, 1971. Beitr. zur Arch. und Kg., Abt. K.dpfl., S. 19-38, Taf. 12-14; [18 a] S. 68; [18 b 2] Nr. W 64), in der 1. H. 13. Jh. zur Gliederung großer Kreisrosetten (Arnstein, Neuwied-Rommersdorf, Mainz: ebd. Nr. B 6 und W 70-72). In Böhmen sind glasierte Relief-F. seit M. 13. Jh. in größerer Zahl nachzuweisen (D. Hejdová und B. Nachvátal a. a. O. [Sp. 1240]; Umění doby posledních Přemyslovců, Prag 1982, S. 141-144; [18 a] S. 199f.). Sonst kommen solche F. in nennenswerter Zahl erst seit M. 14. Jh. vor; sehr häufig gibt es sie in der 2. H. 15. Jh. und 1. H. 16. Jh. im Rheinland (vor allem am Niederrhein), vereinzelt in Hessen und in N-Deutschland.

Inkrustierte und engobegeprägte F. wurden in einigen Städten des ost- und norddt. Küstengebietes gefunden (Lübeck, Bremen [?], auch Lüneburg und Cismar), ferner in einigen Zisterzienserkirchen (Ihlow/Ostfriesland, Hude: Abb. 14, Loccum [?], Neuenkamp, Scharnebeck, Doberan), auch in Marburg a. d. L. (Schloßkapelle) sowie -nach derzeitiger Kenntnis isoliert - in St. Jakob in Rothenburg o. d. T. ([18 a] S. 35-37; [18 b] S. 677-693). - In Polen gibt es bei den Relief-F. solche, deren vertiefte Flächen mit weißer Kittmasse gefüllt waren, vor allem im Süden, in Krakau und seiner Umgebung anzutreffen; diese F. stammen wohl aus der Zeit nach den Mongoleneinfällen von 1241 und 1259/1260 (Teresa Lenkiewicz, Biuletyn Krakowsky 1, 1959, S. 78-98; [18 a] S. 201).

Eine mit Hilfe einer Schablone bemalte F. unbekannter Herkunft aus der 1. H. 15. Jh. im Museum der Stadt Ulm ist verschollen ([18 a] S. 38; [18 b] Nr. Zl 1).

Zinnoxyd als weiße Farbe nach Art von Fayence-F. wurden bei den figürlich bemalten Platten für das Grabmal des Papstes Benedikt V. im Hamburger Dom verwendet (um 1320/1330; Abb. 16; Ralf Busch in: Ders. [Hg.], Domplatzgrabung in Hamburg, T. 1, Neumünster i. H. 1995, S. 127-136). Fayence-F. aus der ehem. Prämonstratenserkirche Steingaden, Obb., gelten in der Lit. als span. Import des 15. Jh. (Konrad Strauß, Keramikfreunde der Schweiz 84, 1971, S. 24-41, Taf. 3 Abb. 9f.); eine Lokalisierung nach Dießen am Ammersee würde eine Datierung wohl erst in das 17. Jh. bedeuten (Rainer Rückert, Beitr. zur Dießener Keramik, K. & Antiquitäten 1984, H. 6 S. 20-28, bes. S. 22, Abb. 5; [18 a] S. 21; [18 c] S. 50). - In Ungarn wurden in der Zeit von Kg. Matthias Corvinus (1458-1490) Fayence-F. von italienischen Künstlern gefertigt (Brennöfen im Bereich des kgl. Palastes in Buda nachgewiesen; [18 a] S. 206).

Nur in einigen Landschaften wurden in Deutschland in größerem Umfang F. hergestellt, vor allem im Südwesten (Oberrhein mit Elsaß und N-Schweiz, Württemberg, Pfalz, Mittelrheingebiet), in Oberhessen und am Niederrhein. In den anderen Regionen wurden dem Anschein nach nur an wenigen Orten F. produziert (wobei zu beachten ist, daß für manche Gebiete, vor allem für Schwaben, Bayern und Österreich, der Kenntnisstand infolge der wenigen Funde bei Ausgrabungen bislang keine deutlichen Vorstellungen zuläßt).

Archivalien über F.käufe und -lieferungen sind aus Deutschland, im Gegensatz zu Frankreich und England, bislang nicht bekannt. Durch den Fund von Brennöfen mit F. und durch Aufdecken von Fehlbränden und Abfallgruben ist F.herstellung für eine Anzahl von Orten nachgewiesen.

Öfen befanden sich z. B. in Aachen [18 c, S. 10f.], Frankfurt a. M. (Hans Brückner, Schrn. des Hist. Mus. 2, 1926, S. 15-51, bes. S. 35, Taf. II, 8; [18 c] S. 84), Neuenheerse (Stadt Bad Driburg; ebd. S. 197f.), Paffrath (Stadt Bergisch Gladbach; Walter Lung, Bonner Jbb. 155-156, 1955-1956, S. 355-371; [18 c] S. 38), Rüdesheim-Aulhausen (ebd. S. 232f.), Straßburg (Ausst.kat. „Vivre au Moyen Age“, Straßburg 1990, S. 123-125) und Urbar Kr. Koblenz (Conrad Koenen, Bonner Jbb. 114-115, 1906, S. 339-343. [18 a] Abb. 69; [18 c] S. 278). – Fehlbrände und Abfallgruben: Bad Wimpfen (ebd. S. 32f.), Dieburg (ebd. S. 58), Frankfurt a. M. (ebd. S. 83), Hauset Kr. Eupen (ebd. S. 106), Colmar (Gilbert Meyer, Annuaire de la Soc. d’hist. et d’arch. de Colmar 1974-1975, S. 105-126; [18 c] S. 146f.), Langerwehe Kr. Düren (ebd. S. 157f.), Leustadt, Wetterau-Kr. (ebd. S. 160), Niedenstein, Schwalm-Eder-Kreis (ebd. S. 202), Raeren Kr. Eupen (ebd. S. 219), Saarburg (Marcel Lutz und Victor Beyer, Cah. als. 8, 1964, S. 131-155; [18 c] S. 264), Straßburg (R. Forrer, Cah. d’arch. et d’hist. d’Alsace 38, 1937, S. 168-175) und Urspring, Alb-Donau-Kr. [18 c, S. 278f.].

Die Existenz von sog. Ziegelhütten und die Ausbreitung bestimmter Ornamente spricht für die Annahme, der Zisterzienserorden habe bei Herstellung und Verbreitung von F. eine wichtige Rolle gespielt. Dies gilt besonders für die Klöster Eberbach im Rheingau und Bebenhausen bei Tübingen ([18 a] S. 85 und 96f., [18 c] S. 67f. und 34-36), in der N-Schweiz für St. Urban (ebd. S. 235f.).

Städtische Töpfereien, die F. herstellten, gab es, nach Funden zu schließen, in der 1. H. 13. Jh. in Straßburg, Speyer und Worms, wenig später in Basel, Konstanz und Mainz. In Ulm und Frankfurt a. M. wurden A. 14. Jh. F. geprägt, seit M. 15. Jh. in Köln, Marburg, Nürnberg, Straubing, vielleicht auch in Aachen, ferner in einer Reihe kleinerer Orte in Hessen und in Süddeutschland ([18 a] S. 128-136; zu Straßburg s. ferner Ausst.kat. a. a. O. [Sp. 1243]).

5. Skandinavien

In Dänemark gab es A. 12. Jh. Plattenmosaik aus glatten unglasierten, schwarzen und weißen F. in der Laurentiuskirche in Roskilde (wahrscheinlich rhein. Import; [5] S. 75), in der 2. H. 12. Jh. aus glasierten F. in der einstigen Sakristei der ehem. Zisterzienserkirche Sorø (Danmarks Kirker V,1 S. 53, Abb. 28; [18 a] S. 192). - Stempel-F. wohl ebenfalls aus der 2. H. 12. Jh. aus Sorø sind manchmal auffallend groß (bis zu 35 cm breite Rechteck-F.); ihr Muster besteht aus den Abdrücken kleiner, dicht nebeneinander gesetzter, unterschiedlich gestalteter Holzstempel. - Im Lauf des 13. Jh. kamen Relief-F. auf, im 13.-14. Jh. mit besonders qualitätvoller Glasur und mit phantasiereichen Ornamenten; bekannt sind solche F. aus Sorø (eine Negativform und verworfene F. bezeugen Herstellung am Ort) und dem zisterziensischen Ømkloster bei Aarhus, aus den Benediktinerklöstern Ringsted und Skovkloster sowie aus zahlreichen kleineren Kirchen; ein spätma. Brennofen zur Herstellung von F. mit vertiefter Prägung fand sich in der Wüstung Bistrup im südlichen Seeland. Unglasierte Relief-F. mit wenig sorgfältig durchgeführter Prägung wurden vom E. 14. Jh. an hergestellt (ebd. S. 192f.). - Eine einzelne inkrustierte F. der Zeit um 1200 wurde in Mark Kr. Nordfriesland gefunden (Mörtelinkrustation; Schleswig-Holst. L.mus. Schleswig: ebd. S. 193; Abb. 6); F. wohl des 14. Jh. sind bislang aus Seeland bekannt (Ringsted, Gystringe; ebd.).

In Schweden gleichen die F.funde aus den im MA zu Dänemark gehörenden südlichen Landschaften meist den inseldänischen Funden. Glatte F. mit Trennlinien für Plattenmosaik sind aus dem ehem. Zisterzienserkloster Herrevad (Halland) bekannt (wohl vom Neubau der Kirche, 1. H. 13. Jh.). - Relief-F. aus Herrevad stimmen im Technischen mit F. aus Sorø überein, zeigen aber nur Ornament; Relief-F. aus der Peterskirche in Lund gibt es mit Tieren und Fabelwesen (13. Jh.). Von dort stammen außerdem F., deren geometrische Muster wohl mit Hilfe von Schablonen eingeritzt wurden. - Stempel-F. wurden in der Kirche von Lillöhus (Schonen) gefunden. - Um 1400 zu datierende F. mit vertiefter Prägung kommen aus der ehem. Klosterkirche in Ystad (Schonen). - Eine inkrustierte F. stammt aus Herrevad (insgesamt [18 a] S. 195f. mit Lit.).

Aus den Kerngebieten Schwedens sind nur wenige F. bekannt. In Engobe-Technik geprägte F. wurden im 1249 gegründeten Dominikanerkloster Gamia Lödöse (Västergötland) gefunden, eine inkrustierte F. des 13. Jh. in Visby, Kloster Solberga (Gotland; ebd. S. 196).

In Norwegen muß mit F.import in größerem Umfang gerechnet werden. Glatte glasierte F., als Plattenmosaik verlegt, gibt es an mehreren Orten [18 a, S. 195 Anm. 339]. - Inkrustierte F. mit 17 verschiedenen Mustern fanden sich im 1161 gegr. ehem. Zisterzienserkloster Hovedø (Importware aus dem Artois oder aus Flandern?). - Eine Relief-F. stammt aus der Ruine des Doms St. Halvard in Oslo (12./13. Jh.; ebd. S. 195).

C. Neuzeit

1. Iberische Halbinsel

In Spanien gebrauchte man im 16. Jh. unter italienischem Einfluß andere Farben als bisher und ersetzte den herkömmlichen maurischen Formenschatz durch Renss.ornamente (vgl. Abb. 22). Neben Ornamenten mit eng begrenztem Rapport (Antonio Sancho Corbacho, Los azulejos de Madre de Dios de Sevilla, Faenza 36, 1950, S. 25-27, Taf. 9f.) gab es F.gemälde und Ornamente, die sich über größere Wandflächen erstreckten (Alice Wilson Frothingham, Panels by three Tile Decorators of Sevilla, Faenza 55, 1969, S. 49-55, Taf. 69-72).

Als bedeutsam für diese Veränderungen erwies sich die Niederlassung des aus Pisa stammenden Francesco Niculoso in Sevilla um 1500 (Antony Ray in: [26] S. 261-266). Seine Werke umfassen sowohl Wandverkleidungen und Grabmäler (Triana bei Sevilla, Santa Aña, Grabmal für Inigo Lopez, † 1530; [10] Abb. 9) als auch Verkleidungen ganzer Altäre samt Altarbildern (Sevilla, Alcazar, Kap., 1507: ebd. Abb. 1-8).

Auf die Mitarbeit des von einer italienischen Familie abstammenden Antwerpeners Frans Andries (vgl. Sp. 1255) im Sevillaner Atelier des Roque Hernández in der 2. H. 16. Jh. ist der italienisch-flämische Einfluß in den Arbeiten dieser Werkstatt und der seines Schwiegersohnes, Cristóbal da Augusta, zurückzuführen (A. Wilson Frothingham, Tile Pictures by C. da A., Faenza 47, 1961, S. 51-57, Taf. 15-17). Auch Genueser ließen sich um diese Zeit in Sevilla nieder. Gleichzeitig entstand unter dem Einfluß des Sevillaners Jerónimo de Monteró und des Antwerpeners Jan Floris in Talavera de la Reina bei Madrid ein neues Zentrum der F.herstellung. Bemerkenswert sind Altarbilder, hohe Wandsockel und Stipes-Verkleidungen, die seit etwa 1580 textile Antependien nachahmen [10, Taf. 78f., 92f. und 137-141].

Der span. F.export in die überseeischen Besitzungen führte im Verlauf des 16. Jh. zur Bildung von Handwerkszentren in Mexiko (Pueblo de los Angeles: [19] S. 76, Taf. 48f.), Chile und Peru (Cuzco und Lima: vgl. [10] S. 79), ohne daß deswegen der Import aus Spanien zum Erliegen gekommen wäre (ebd. S. 77-85, Taf. 173-177).

Der Export von F., besonders aus Sevilla, nach Portugal seit E. 15. Jh. (z. B. Wandverkleidungen im Kgl. Palast von Sintra, um 1503: João Miguel dos Santos Simoẽs und Emílio Guerra de Oliviera, Azulejería em Portugal nos séculos XV e XVI, Lissabon 1969 [Corp. azulejería portuguesa, Bd. 3], Taf. 27) war gegen M. 16. Jh. Anlaß für die Entstehung der wichtigsten portugiesischen Werkstätten zur Herstellung von F. in Lissabon (vgl. die Wandverkleidung in Lissabon, São Roque, 1584, mit eingelassenene F.gemälden: ebd. Taf. 39f.; ebendort auch spanische F.: [10] Taf. 80).

Bemerkenswert ist in Portugal die Verkleidung von Wänden in ganzer Höhe. Häufig sind „azulejos de tapete“, an Textilmuster anklingende, mit Randleisten versehene Dekorationen mit einem Rapport von 4, 16 oder 36 F. (Pfarrk. in São Quintino bei Alenquer, 17./18. Jh.: Robert Chester Smith, The Art of Portugal 1500-1800, Ld. 1968, Abb. 175; weitere Beisp. bei J. M dos Santos Simoẽs, Azulejaría em Portugal no século XVII, Lissabon 1971 [Corp. azulejaría portuguesa, 4], Bd. 1 S. 15-187). Stipes-Verkleidungen ahmen Textilien oft indischer Herkunft nach (z. B. Facha, Kap. Nossa Senhora do Rosario, um 1663: ebd. Bd. 2 Taf. 2; weitere Beisp. ebd. Taf. 4f., 9, 13f., 25 und 27; vgl. auch [13] Abb. S. 155).

Der Import holländischer F. (vgl. Sp. 1260) war M. 17. Jh. Ursache, das blau-weiße Farbschema auch in Portugal einzuführen (Wandverkleidung mit F.gemälden im Pal. des Marquis de Fronteira in Benfica bei Lissabon, um 1670: ebd. Taf. 28f., und [13] Abb. S. 164f.; ehem. Johanniter-Kirche in Arraiolos bei Evora, 1700: R. Ch. Smith a. a. O. Abb. 185; weitere Beisp. bei [13] Abb. S. 100f.). Holländischem Einfluß ist auch die Herstellung von Einzel-F. für einfachere Dekorationen zu verdanken („de figura avulsa“; z. B. Orgens bei Viseu, São Francisco, Sakristei, um 1745: ebd. Abb. 184).

Portugiesische F. wurden gleich den spanischen in großer Menge nach Übersee ausgeführt.

Für Madeira und die Azoren s. J. M. dos Santos Simoẽs, Azulejaría nos Açores e na Madeira, Lissabon 1963 (Corp. azulejaría em Portugal, 1); für Brasilien: ders., Azulejaría Portuguesa no Brasil, Lissabon 1965 (Corp. azulejaría em Portugal, 2), und Silvanisio Pinheiro, Azulejos do convento de S. Francisco de Bahia, Bahia 1951; für Angola: No tricentario da restauração (1648-1948), ed. Angola Mus., Luanda 1950, Taf. 13f., 27-29, 77-82.

2. Italien

Verschiedenfarbige unglasierte Ton-F. wurden noch im 16. Jh. für Fußböden verwendet, z. B. in Florenz (Pal. Vecchio, Saal Leos X., 1555-1559: [21] Abb. S. 39; inkrustierte F. in der Bibl. Medicea-Laurenziana, 1549-1554: [15] Abb. 55).

Neben dem Import spanischer F. im 15. Jh. (s. Sp. 1232) wurden solche auch nachgeahmt; aus Spanien übernommene Techniken waren im 15.-16. Jh. in Gebrauch.

In der Art von F. aus Valencia bemalte wurden in Palermo gefunden [11, Bd. 3 S. 333-336]. - F. in „Cuerda seca“-Technik sind in der Toskana erhalten (z. B. in S. Casciano in Val di Pesa, Kap. der Villa Caserotta, 16. Jh.: Giuseppe Liverani, Di un pavimento maiolicato in Toscana, Faenza 21, 1933, S. 41-48, Taf. 12f.). - F. in „Cuenca“-Technik wurden im 16. Jh. für einige Genueser Paläste hergestellt, z. B. für den Pal. Bianco, um 1520 [17, Abb. S. 425], den Pal. S. Giorgio und den Pal. di Via S. Lorenzo [3, Taf. 64f.], ferner für die Wandverkleidung des Baptisteriums von S. M. della Cella in Genua-Sampierdarena, 16. Jh. (ebd. Taf. 66).

Polychrom bemalte Fayence-F., die in Neapel seit A. 14. Jh. bekannt sind [8, S. 18f. und 21f.], wurden dort weiterhin hergestellt.

Beisp.: Fußboden in der Pontano-Kap., 1492, und der Polverino-Kap., um 1520-1530, von S. M. delle Grazie in Caponapoli (ebd. S. 44-46 und Giuseppe Tesorone, Napoli nobilissima 10, 1901, S. 117-119, bes. 119; weitere Beisp. bei [8] Taf. 1-7, 9-12, 83-100 und 169-182; [13] Abb. S. 78).

Von A. 17. Jh. an wurden in Neapel vielfach quadratische F. mit über vier F. gehendem Rapport verwendet (Beisp. für Fußböden: S. Catarina a Formiello: Maria Eleonora Cataldi, Napoli nobilissima 13, 1974, S. 222 Abb. 1, S. 229 Abb. 11; Kirche der Kamaldulenser: ebd. S. 224 Abb. 3; Altarwand der „Capp. del tesoro“ in der Annunziata: [13] Abb. S. 79). Zur Verkleidung eines Brunnens dienten F. im Kloster S. M. della Lobra in Massalubrense (M. E. Cataldi a. a. O. S. 226 Abb. 5) sowie, in verschiedener Form und alternierend mit monochrom glasierten F., als Außenverkleidung von Fassaden (S. M. delle Grazie in Collarmele, Prov. L’Aquila, um 1580: [8] S. 75f., Taf. 177 oben) sowie von Kuppellaternen (Neapel, S. Marcellino, 1. H. 17. Jh.: Guido Donatone, La maiolica napoletana dell’età barocca, Neapel 1974, Taf. 8). In der 2. H. 17. Jh. waren monochrom glasierte Fußboden-F. von quadratischem, rhomboidem und trapezoidem Umriß verbreitet (Beisp. bei M. E. Cataldi a. a. O. S. 226-228 Abb. 6-9).

In der Toskana sind im 15.-16. Jh. Fayence-F. aus der Florentiner Werkstatt der Familie della Robbia bekannt.

Beisp.: Grabmal des Benozzo Federighi in Florenz, SS. Trinità, 1455-1457 von Luca della Robbia [6, Taf. 299 c - 300 b]; von diesem auch die F. in der Wölbung der Kap. des Kardinals von Portugal in S. Miniato al Monte, Florenz, 1461-1462 (John Pope-Hennessy, L. d. R., Oxf. 1980, Taf. XV-XVII und 78-80); von Andrea della Robbia die Fußboden-F. in der Collegiata und im Mus. von Empoli sowie in S. Agostino in S. Gimignano (ebd. Taf. 304 b und 305 a), um 1475, ferner in der Bentivoglio-Kap. in S. Giacomo Magg. in Bologna, 1486-1494 (Gualberto Gennari, Il pavimento robbiano della cap. B. a S. G. di B., Faenza 43, 1957, S. 127-130, Taf. 58f.) und die Wandverkleidung in der Stigmatisationskap. im Kloster La Verna, um 1488 [6, Taf. 300 c]; Robbia-Werkstatt, 16. Jh.: Wandverkleidung mit Stoffmustern in Montevarchi, Kap. der Fraternità di S. M. del Latte (Gaetano Bellardini, La maiolica ital. dalle origine alle fine del Cinquecento, Faenza 61, 1975, S. 107 Abb. 10).

Auch an anderen Orten der Toskana wurden Fayence-F. für Fußböden hergestellt, so in Siena für die Capp. Bichi an S. Agostino, E. 15. Jh., von den Brüdern Mazzaburoni (Mario Luccarelli, Contribuito alla conoscenza della maiolica senese ..., Faenza 69, 1983, S. 197f., Taf. 57f.), und für den Pal. Petrucci, dat. 1509 (London, Vict. Alb. Mus.: [22] Nr. 386, a-e, Taf. 62; ebendort auch F. um 1600: ebd. Nr. 955, Taf. 154).

In der Produktion von Fayence-F. führend waren von der 2. H. 15. Jh. an die Manufakturen in Faenza; ihr Einfluß ist auch in Erzeugnissen anderer Orte sichtbar.

Neben längsrechteckigen F. für Decken, die paarweise verlegt ein etwa quadratisches Schmuckfeld ergeben (Beisp. aus dem 3. V. 15. Jh. im Vict. Alb. Mus., London: [22] Nr. 185 und 187, Taf. 30) wurden hauptsächlich Fußboden-F. hergestellt. Bei ihnen war das Ornament auf die einzelne F., meist ein Quadrat oder Hexagon, beschränkt, jedoch gibt es vom 16. Jh. an auch über die einzelne F. ausgreifende Ornamente, meist Grotesken.

Bemerkenswert sind Fußboden-F. aus Viterbo, S. M. della Verità, Mazzatosta-Kap., um 1470 (ebd. Nr. 188, Taf. 31); Bologna, S. Petronio, Sebastianskap., 1487 [20, Taf. 12]; wahrscheinlich aus S. Francesco in Forlì, Lombardini-Kap., dat. 1513 und 1523 [22] Nr. 279, Taf. 47f.; [19] Taf. 28 a); Saluzzo, Mus. di Casa Cavassa, 16. Jh. (G. Liverani, Mattonelle da pavimentazione a S., Faenza 48, 1962, S. 102-105, Taf. 54-56).

Faentiner Stil zeigen die F. aus den Gemächern der Isabella d’Este im Castello Vecchio in Mantua, die mit einer archivalisch belegten F.lieferung von 1499 aus Pesaro in Verbindung gebracht werden (Mailand, Mus. del Castello: [21] Abb. S. 17 und 25; [13] Abb. S. 75, oben; London, Vict. Alb. Mus.: [19] Taf. 27 a).

Wohl in Venedig hergestellt wurden die F. in der dortigen Lando-Kap. an S. Sebastiano, dat. 1510 (Abb. 25; Angela Alverà Bartolotto, Keramos 130, 1990, S. 17-24; dies., Faenza 77, 1991, S. 231-236, Taf. 94); vgl. auch F. im Vict. Alb. Mus., London: [22] Nr. 220, Taf. 172).

Fußboden-F. wurden während des 15.-17. Jh. ferner in Umbrien und in Ligurien sowie in der Prov. Abruzzi hergestellt.

Aus Deruta stammen F. des 15. Jh. in Perugia [7, Taf. 50], in S. M. del Popolo in Rom, 4. V. 15. Jh. [15, Abb. 46], in S. Francesco in Deruta, 1523-1524 ([21] Abb. S. 29; ähnliche F. in Paris, Mus. nat. du moyen âge: [7] Taf. 21), im Mus. delle Maioliche in Deruta von 1524 (aus S. Angelo: [20] Taf. 42), in der Sakristei von S. Pietro in Perugia, M. 16. Jh. (mit übergreifenden Groteskenornamenten: [7] Taf. 18) und in der von Pinturicchio ausgemalten Kap. in Spello, S. M. Magg., 1566 (Abb. 26; ebd. Taf. 25; vgl. Carola Fiocco und Gabriella Gherardi in [26] S. 96-100).

In Urbino wurden die F. für die Kap. der Familie Castracani in Scagli, 16. Jh., hergestellt (mit übergreifender Groteskenornamentik; Brüssel, Mus. Royal du Cinquantenaire: [4] Abb. S. 95 unten rechts). Zu Bodenf. in und aus Perugia allgemein: Giuliana Gardelli, Maiolica per l’architettura, Urbino 1993.

Ligurien: Fayence-F. stellte man in Savona und Albissola her. Aus einem der Orte sollen die F. in Saluzzo, S. Giovanni il Vecchio, 16. Jh. [3, Taf. 68] sowie aus Savona stammen (aus Pal. dei Pozzo Bonelli und Pal. dei Vacciuoli: ebd. Taf. 67 und 69).

Die Manufakturen in Castelli, Abruzzen, lieferten die Fußboden- und Decken-F. in S. Donato presso Castelli, um 1521 und 1615-1617 ([20] Abb. S. 51; Timothy Wilson u.a., La Sistina della maiolicha, Colledara 1993). - F. des Pal. Borghese in Rom, um 1600, stammen möglicherweise aus Rom selbst (London, Vict. Alb. Mus.: [22] Nr. 1068, Taf. 172).

F.gemälde wurden seit der 1. H. 16. Jh. zunächst in Ligurien, dann, etwa seit M. 16. Jh., auch andernorts geschaffen.

Diese wurden meist auf Wände aufgebracht, z. B. 1530 in der Botta-Kap. in S. M. di Castello in Genua [20, S. 58 Abb. 47]. Arbeiten aus Savona sind erhalten im Pal. Bianco in Genua (Maria mit Kind, 1529: [17] Abb. S. 426), in der Chiesa della Concordia in Albissola, 1576 (Anbetung der Hirten: ebd. Abb. S. 425), im Mus. civ. in Turin (hll. Marzellus und Barbara: [21] Abb. S. 38) und in Genueser Priv.bes., 17. Jh. (Anbetung der Hirten: [3] Taf. 109).

In Sizilien war Sciacca ein möglicherweise unter Genueser Patronage stehender Herstellungsort für F.gemälde.

Beisp.: F.gemälde mit dem hl. Calogero auf dem Monte Cronio, dat. 1545 (Antonello Governale, Sciacca e la sua produzione in maiolica fra i secoli XV e XVII, Palermo 1995, S. 179, Abb. 169); Wandverkleidung aus S. Giorgio dei Genovesi in Sciacca, Scuola d’Arte, 17. Jh. (ebd. S. 168f., Abb. 155-157; [13] Abb. S. 86). Weitere Beisp. bei A. Governale a. a. O. S. 78-87 und 180-183.

Auch in Urbino wurden F.gemälde hergestellt, wie um 1570 nach Azeitão, Quinta das Torres, exportierte Beispiele bezeugen (J. M. dos Santos

Simoẽs, Panneaux de Majolique au Portugal, Faenza 32, 1946, S. 76-87, Taf. 16f.).

In Neapel stellte man seit dem 17. Jh. sowohl große ornamentale F.gemälde als Fußbodenbelag als auch - meist auf die Wand aufgebrachte -figürliche F.gemälde her.

Genannt seien für ersteres der Fußboden einer Seitenkap. der Chiesa di Donnaromita (Maria Raffaela Pessolano, La Chiesa di D. e le superstiti strutture conventuali, Napoli nobilissima 3, 1963, S. 144 Abb. 21) und ein Fußboden aus Forìo d’Ischia im Mus. Artistico Industriale in Neapel, 1777 (das zentrale Ornament umgeben von Marmorimitation: Angelo Lipinsky, Faenza 29, 1941, S. 83-94, Taf. 29). - Ausnahmsweise figürlich gestaltet ist das F.gemälde des Fußbodens in S. Michele auf Anacapri mit der Wiedergabe des Irdischen Paradieses (1761; ebd. Taf. 26-28).

Mit F.gemälden verkleidet wurde ab 1742 der Kreuzgang des Klosters S. Chiara in Neapel ([21] Abb. S. 48-52 und 57f.; [13] Abb. S. 83). Der Uhrturm in Montesarchio trägt ein F.gemälde des 18. Jh. mit Wiedergabe des Herkules (G. Donatone, Maiolica napoletana di sec. XVII-XVIII, Napoli nobilissima 6, 1967, S. 58-70, bes. S. 64 Abb. 48). Ein F.gemälde des 18. Jh. in Sorrent, Albergo Centrale, stellt den Ausblick in einen Garten dar (A. Lipinsky a. a. O. Taf. 30).

Einzel-F. größeren Formats als F.bilder, die mit größeren Heiligenfiguren oder Szenen bemalt sind, fanden vom 15. bis ins 19. Jh. Verwendung als Andachtsbild, Votivtafel, Kreuzwegstationen und sog. „Mattoni di censo“ (in die Hausmauer eingelassen als Beleg für entrichtete Abgaben an die Kirche: [21] S. 7).

Beisp. aus Faenza werden im Vict. Alb. Mus., London, aufbewahrt ([22] Taf. 26, 28, 42-46; Bernard Rackham, Italian Maiolica, Ld. 1952, Taf. 54f. und 59), ebenso Votivtafeln aus Deruta [22, Nr. 104f., Taf. 169]. -Zu F.bildern aus der Werkstatt des Nicola da Urbino: Johanna Lessmann in [26] S. 25-31.

Beisp. aus S. Maria dei Bagni bei Deruta, 17. Jh.: [7, Taf. 50]. - Ein Kreuzweg für S. M. degli Angeli in Bosenti wurde im 18. Jh. in Castelli hergestellt (Serafino Mattucci, La Via Crucis in maiolica di Carmine Gentile e sua scuola nella chiesa Madre di Bisenti in Abruzzo, Faenza 33, 1947, S. 73f., Taf. 17f.).

3. Frankreich

Bis weit in die Neuzeit hinein verwendete man für Fußböden unglasierte F. (z. B. in der Pfarrkirche in St-Julien-du Sault Yonne], 17. Jh.: [2] Taf. vor S. 133) oder in verschiedenen Farben monochrom glasierte F. (z. B. Pontigny Yonne], Pfarrkirche, Apsidialkap., 17. Jh.: ebd. Taf. vor S. 115; weitere Beisp. ebd. Taf. nach S. 94, 104 und 126). Häufig sind rot oder grün glasierte F. mit gelber Inkrustation (Beisp. Ferme de Franqueville bei Lisieux Calvados], E. 16./ A. 17. Jh.: [1] Taf. nach S. 168; vgl. ebd. Taf. nach S. 164).

Fayence-F. wurden seit dem 16. Jh. hergestellt.

Überragende Bedeutung erlangte die an ital. Fayencen orientierte Werkstatt des 'Masséot Abaquesne in Rouen mit ihren F. für Fußböden und Wandverkleidungen (Hauptwerk die F. für das Schloß der Anne de Montmorency in Ecouen, seit 1542; Verz. der Werke von 1527/1528-1557 in: Allg. Künstler-Lex., Bd. 1, Mchn. und Lpz. 1992, S. 33f., mit Lit.; [19] S. 54 weist ferner auf F. in Le Havre, 1535, und Bevilliers bei Harfleur, 1536, hin).

Fayence-F. für die Kap. von Oiron (Deux-Sèvres) zeigen in ihrer Ornamentik (*Mauresken) Abhängigkeit von einheimischer Fayence aus St-Porchaire (London, Vict. Alb. Mus.: ebd. Taf. 30 A; Den Haag, Gemeentemus.: [4] S. 98 Abb. unten rechts).

Mit dem Eintritt des Antoine Conrade aus Albissola 1585 in die 1579 gegr. Glasmachergesellschaft in Nevers begann dort Fayenceherstellung vor allem durch die Familie Conrade, darunter auch Produktion von F. (Marjatta Taburet, La Faïence de Nevers ..., Paris 1981, S. 42; F. aus dem Oratorium der Herzöge von Nevers, um 1590: Marie-Juliette Ballot, La Céramique franç. Bernard Palissy et les Fabriques du XVIe s., Paris 1924, Taf. 20). Zu Ateliers aus dem 17. und 18. Jh. in Nevers s. dies., Nevers, Rouen et les Fabriques du 17e et 18e s., Paris 1925, S. 37f. F. einer Wandverkleidung aus Schloß La Gloriette, 17. Jh., zeigen hauptsächlich blau und weiß gehaltene Figuren auf gelbem Grund (Nevers, Mus. Mun.: Solange de Plas, Les faïences de Nevers ..., Paris 1981, Abb. S. 15; Henri Pierre Fourest, La faïence nivernaise au Mus. de N., in: Trésors des mus. de province, Bd. 4, Paris 1961, Nevers, Taf. nach S. 2).

Ein weiteres Zentrum der Fayenceherstellung war im 17. und 18. Jh. Montpellier, wo Einzel-F. holl. Art produziert wurden (Jean Thuille, La céramique ancienne à Montpellier du 16e au 18e s., Paris 1943, Taf. 28).

F.gemälde des 18. Jh. sind aus Lille erhalten (Pierre Maurois, La céramique lilloise ..., in: Trésors des mus. de province a. a. O., Lille, Taf. nach S. 6).

Das ma. Verfahren, F. „mit toten Rändern“ herzustellen, wurde M. 17. Jh. in Lisieux neu belebt (F. für Fußböden und Kaminwände, im Brit. Mus., London; Hinweis bei [19] S. 55).

4. England

Relief-F., wie sie im MA hergestellt worden waren, begegnen auf dem Lande bis weit in die Neuzeit (Beisp. im Vict. Alb. Mus., London: [19] Taf. 19 H, J, K; vgl. Lawrence Keene, A Series of 17th and 18th c. lead glazed relief tiles in North Devon, Journ. of Brit. Arch. Ass. 32, 1969, S. 144-170).

Fayence-F. wurden im 16. und 17. Jh. importiert, zunächst aus Antwerpen, später aus Holland; aus beiden Gegenden ließen sich auch Töpfer in England nieder. In London, Bristol und Liverpool stellte man seit dem 17. Jh. F. in niederländischer Art her [23], manchmal unter Verwendung von druckgraphischen Vorlagen aus den Niederlanden (vgl. A. Ray, De Animalia van Berchem in de Engelse schouw, Antiek 10, 1976, H. 8, S. 802-810).

F.gemälde aus dem 18. Jh. sind vereinzelt bekannt geworden: monochrom blaue aus Bristol (London, Vict. Alb. Mus.: [19] Taf. 36 D; Saffron Walden Mus., aus dem Old Swan Inn ebendort, 1739 und um 1745: [23] Abb. 11; Louis L. Lipski, Dated Engl. Delftware, Ld. 1984, Nrn. 1695f.); zweifarbig blau und rot ein Fragment im Guildhall Mus., London („Coffee Boy“: [23] Abb. 13); ein polychrom gemaltes F.gemälde einer Blumenvase mit „bianco sopra bianco“ gemaltem Rand in Bristol (City Art Gall.: ebd. Abb. 12).

Drucke auf F. abzuklatschen gelang John Sadler in Liverpool: 1756 mit Holzschnitten, seit 1767 mit Kupferstichen (zur Technik s. Sp. 1227). Die F. sind monochrom blau, purpurn, braun oder schwarz; letztere wurden mehrfarbig bemalt (John Eliot Hodgkin, Burl. Mag. 6, 1904-1905, S. 232-234 und 315-326; John A. G. Watson, The Conoisseur 70, 1924, S. 153-158; ders., ebendort 71, 1925, S. 36f.; ders., ebendort 73, 1927, S. 28-33).

Von etwa 1760 an wurden in Staffordshire Steingut-F. mit Relief und Salzglasur hergestellt, ohne Bemalung (London, Vict. Alb. Mus.: [14] Abb. 313f.). Steingut-F. der 1. H. 19. Jh. aus Bristol sind über der Glasur bemalt (ebd. Abb. 312).

Häufig dienten die F. zur Verkleidung von Kaminen oder vor dem Speiseraum angebrachten Wandnischen (Beisp. bei [23] Abb. 8-10 und 14).

5. Niederlande

In Antwerpen ließen sich in der 1. H. 16. Jh. italienische Töpfer nieder, die Fayence-F. für Fußböden herstellten.

Guido Andries (G. da Savino) aus Castel Durante wurde gg. 1510 in Antwerpen ansässig. Ihm und seiner Werkstatt werden zugeschrieben: Fußboden der Kap. des Herrenhauses The Vyne (Hampshire), um 1520 (im 19. Jh. verlegt; Achtecke, Quadrate und oblonge Hexagone: B. Rackham, Early Netherlands Maiolica ..., Ld. 1926, Taf. 3-15; [13] Abb. S. 103; ähnliche F. in Titchfield Abbey bei Portsmouth, in Tunstall bei Sittingbourne Kent] und in London: B. Rackham a. a. O. S. 75; [19] S. 53): zwei Fußböden aus Plattenmosaik im Schloß zu Breda, um 1536/1538: der eine zeigt Flechtornament und Rosetten, der andere eine Abwandlung des orientalischen Stern- und Kreuzmusters mit im Zentrum jeder Platte aufgemalten Augen ([16] S. 65, Abb. 117 und 115; [14] Abb. 25); F.gemälde mit Bekehrung des hl. Paulus, in Antwerpen, Mus. Het Vleeschhuis, 1547 (nach einem Stich von Enea Vico, der einem Entwurf von Frans Floris folgt: ebd. Abb. 30; zur Nachwirkung dieses F.gemäldes s. Christoph van Herck, Jb. van de Antwerpse Oudheidkundige Kring 12, 1936, S. 62-66, Taf. 6f.); zwei F. mit Wappen, gefertigt zum Gedenken an die Restaurierung des Refugiums der Abtei Adouard in Groningen, 1547 (Groningen, Mus. voor Stad en Lande: [16] S. 69, Abb. 39f.; [13] Abb. S. 101).

Bei Pieter Frans van Venedig(en) wurden 1522 F. für einen Fußboden in der Abtei Herckenrode bei Hasselt (Limburg) bestellt (Quadrate und oblonge Hexagone; [16] Abb. 119f.; [14] Abb. 24). Ähnliche F. wurden z. B. bei Anjum (Friesland) gefunden [16, S. 68, Abb. 124].

Weitere Antwerpener Arbeiten sind die Fayence-F. des Fußbodens in der Kap. der Margarethe von Österreich in Brou bei Bourg-en-Bresse, 1526 (Joseph Chompret, Essai sur le pavage de B. ..., Jb. van de Antwerpse Oudheidkundige Kring, 13, 1937, S. 43-71, Taf. 5f.; [14] Abb. 29 a und b) sowie Boden-F. in Schloß Rameijen bei Liers, 1527-1540 (Henri Nicaise, Un pavement en faiënce anversoise du 16e s., Oud Holland 56, 1939, S. 247-260, mit Abb.). - Vereinzelt wurden Antwerpener F. in England gefunden (vgl. B. Rackham a. a. O. [Sp. 1255] S. 89f., Taf. 22); auch Export nach Portugal ist nachgewiesen (Ch. van Herck und J. M. dos Santos Simoẽs, Antwerpse Oudheidkundige Kring 20-21, 1944/1945, S. 128-130, Abb. 24, gegenüber S. 97).

Beliebt waren einzelne große Fayence-F. als Hauszeichen (Beisp. in Antwerpen, Mus. Het Vleeschhuis, vor M. 16. Jh.: [14] Abb. 26-28; [4] Abb. S. 105; [13] Abb. S. 100).

Zur F.herstellung in Gent und Brügge s. H. Nicaise, Zuidnederlandse majolicafabrieken uit de 16e eeuw, Oud Holland 53, 1936, S. 201-206.

Infolge der religiösen Wirren in der 2. H. 16. Jh. ging die F.herstellung in Antwerpen zurück ([25] Bd. 2 S. 56f.; Jean Helbig, Bull. Mus. Roy. 4e s. 19, 1947, S. 2-19). Viele Handwerker wanderten in dieser Zeit in die Nördl. Niederlande aus, wo im 17. Jh. und 18. Jh. der Schwerpunkt der F.produktion lag.

Hier waren im 17. und 18. Jh. die wichtigsten Orte der F.herstellung Rotterdam (A. Hoynck van Papendrecht, De Rotterdamsche plateelen tegelbakkers em hun product 1590-1891 ..., Rott. 1920; [25] Bd. 2 S. 82-90; [12] S. 59-61 und 132-134; [14] S. 25f.), Delft (Carla Henrietta de Jonge, Oud-Nederlandse Majolica en Delftsch Aardewerk, Amst. 1947; [12] S. 61-65 und 136-140; [14] S. 27; Julius Matusz, Delfter Fayence, Bern und Stg. 1977, S. 91-106), Gouda (G. C. Hilbers, De geschiedenis van het oude Goudse plateel, Vrienden van de Nederlandse Ceramiek, Med.blad 4, 1956, S. 6-25; [12] S. 35-37; [13] Abb. S. 120), Haarlem ([12] S. 31-33; D. Korf, Merkwaardige majolicavondsten bij Haarlem, Antiek 10, 1976, S. 769-789), Amsterdam ([25] Bd. 2 S. 62-66; [12] S. 65-67), Harlingen ([25] Bd. 2 S. 77-82; [12] S. 68-70; [14] S. 29), Makkum ([25] Bd. 2 S. 95f.; [12] S. 70; [14] S. 71; [13] Abb. S. 123-125) und Utrecht [12, S. 67f. und 135f.].

F. des 16. Jh. verraten vor allem in der Farbgebung noch Antwerpener Einfluß, z. B. das F.gemälde „In drijsent vreesen“, 1594 (Rotterdam, Hist. Mus.; G. de Goederen, Vrienden van de Nederlandse Ceramiek, Med.blad. 27, 1962, S. 14-24; [14] S. 157 Farbtaf. XVII; zu den Einflüssen Antwerpener Fayence auf die in den Nördlichen Niederlanden s. allgemein J. M. Marien-Dugardin, Vrienden van de Nederlandse Ceramiek, Med.blad. 89, 1978, H. 1 S. 3-16). Polychrome Ornament-F. zeigen bis in die 1. H. 17. Jh. vielfach hispano-maureske Motive in Reservetechnik (z. B. [12] Abb. 22 c und d). Den Rapport bilden entweder vier F. (ebd. Abb. 4, 5 a, 6 a und b) oder er ist auf eine F. beschränkt (ebd. Abb. 22 b und d). In letzterem Fall werden die F.

so verlegt, daß die mittleren Motive (Büsten, Personen, Tiere, Pflanzen, Rosetten und dgl.) mit den Eckmotiven alternieren - ein Schema, das für Einzel-F. bestimmend blieb und im Gefolge des niederländischen F.exports in ganz Europa verbreitet wurde (z. B. [14] S. 119 Farbtaf. IV).

Durch das blau bemalte chinesische Wan Li-Porzellan, das von der Ostindienkompagnie seit 1602 eingeführt wurde, wurde ein radikaler Geschmackswandel ausgelöst, der die einheimische Fayenceherstellung einem erheblichen Konkurrenzdruck aussetzte (s. D. F. Lunsingh Scheurler, Vrienden van de Nederlandse Ceramiek, Med.blad 60, 1970, S. 7-21). Die Nachahmung dieser ostasiatischen Keramik durch Beschränkung auf vorwiegend blaue, später auch vermehrt manganfarbene Bemalung, die zugleich eine Vereinfachung des Herstellungsprozesses bedeutete, setzte schon A. 17. Jh. bei der F.herstellung ein und verdrängte die polychromen F. immer mehr.

Frühe Beisp. für monochrome blaue F.gemälde: Julius Caesar, Musterstück aus der Werkstatt des Jan Pietersz. Valckhof, dat. 1640 (Rotterdam, Hist. Mus.: [14] S. 158 Abb. 220; weitere Beisp. ebd. Abb. 222-224 und 227; [13] Abb. S. 109). - Manganfarbene F.gemälde um 1640 aus der Werkstatt „De Swaan“ in Gouda: [14] Abb. 225; [4] Abb. S. 199; F.bilder von Johannes Aelmis, 1740: [13] Abb. S. 111. Monochrome ornamentale F.: [12] Abb. 31f., 54 a und b, 55 a-d, 56.

Chinesisches Porzellan der „famille rose“ wurde in der 2. H. 18. Jh. nachgeahmt, wenn auch in weit geringerem Umfang als blaues Porzellan. Verwendet wurden Muffelfarben (Einzel-F.: [14] S. 166 Taf. XVI; F.gemälde: [4] Ab. S. 170).

An Effekte chinesischer Lackmalerei erinnern F.gemälde mit polychromer und an „Delfter Schwarz“ angelehnter Malerei ([12] Abb. 128-133 a; Ursula Kiby, Die Küche der Amalienburg im Schloßgarten zu Nymphenburg zu München, Keramos 108, 1985, S. 19-98, bes. Abb. 27 a - 32 b und 43f.).

Die gewöhnlich quadratischen F. wurden verwendet zur Verkleidung von Wänden oder Wandabschnitten (z. B. Brüstungsfeldern hinter Bettstellen), für Sockel, Scheuerleisten, Nischen, Kaminrückwände. An die Stelle der früher gebräuchlichen Kaminsäulen traten sog. Pilaertjes (vertikale F.streifen mit F.gemälden von Säulen), deren einzelne F. mitunter segmentförmigen Querschnitt hatten (D. Korf, Tegels in het interieur, Vrienden van de Nederlandse Ceramiek, Med.blad. 17, 1959, S. 19-22; [12] Abb. 76 b; [4] Abb. S. 194). Im 18. Jh. wurden auch ganze *Kamine damit verkleidet (s. [14] Abb. 276-280), in der 2. H. 18. Jh. Räume in voller Höhe (ebd. Abb. 283; [4] Abb. S. 212). Gerahmt wurden die einzelnen Flächen gelegentlich mit „Randtegels“ oder „Strokjes“, rechteckigen F. von der halben Größe der quadratischen F. und mit eigener Ornamentierung (s. D. Korf, Tegels, Bussum 41968, S. 90-92 und 150).

Seit der 2. H. 18. Jh. gibt es Musterbücher einzelner F.manufakturen.

Vgl. die Zusammenstellung im Ausst.kat. „Dieren op Tegels“, Otterlo 1974 (Vrienden van de Nederlandse Ceramiek 75-76, 1974); ein Musterbuch aus Harlingen, um 1800: [14] S. 58f. Abb. 51-53.

F.export wurde im aufblühenden Seehandel durch regelmäßigen Warenimport begünstigt, weil bei Fahrten in der Gegenrichtung F. willkommener Ballast waren. Dies führte seit der 1. H. 17. Jh. zu weiterer Verbreitung niederländischer F., z. B. in Nord- und Nordwestdeutschland sowie in Dänemark (Gerhard Kaufmann, Weltk. 44, 1974, S. 1525-1527; [4] S. 195-228; Catharina und

Walter Lüden, Holl. F. in N-Dtld., Heide i. H. 1978; Ausst.kat. „Niederl. Wandf. in NW-Dtld.“, Osnabrück 1984).

F.dekorationen wurden für zahlreiche europäische Schlösser, auch für Kirchen in Auftrag gegeben.

Beisp. in Frankreich ist Schloß Beauregard, 1627-1646, mit seinem Fußboden aus monochrom blauen F. mit Darstellungen von Soldaten, die zu einer Armee auf dem Marsch geordnet wurden (C. H. de Jonge, Vrienden van de Nederlandse Ceramiek, Med.blad. 43, 1966, S. 3-51); Einzel-F. aus dem 1670 erbauten, 1687 wieder abgerissenen „Trianon de Porcelain“ in Versailles wurden, vermehrt um F.gemälde, in Schloß Rambouillet wiederverwendet (1715-1730; [12] S. 99-101, Abb. 118; [14] Abb. 286).

In Deutschland gibt es niederl. F.dekoration in den Parkburgen von Schloß Nymphenburg: in der Pagodenburg, 1716-1719, der Badenburg, 1718-1721, der Amalienburg, 1734-1739 (Abb. 32; U. Kiby a. a. O. [Sp. 1258]), ferner in Schloß Falkenlust bei Brühl, 1729-1737, und im Sommerspeisesaal von Schloß Brühl, 1740-1748 ([12] S. 101-106 und 109-113, Abb. 119a-125a, 126 und 128-131b; Wilfried Hansmann und Wilhelm Joliet, Jb. der Rhein. Dpfl. 37, 1996, S. 77-116; RDK VII Sp. 401f. Abb. 54) sowie in Schloß Eutin Kr. Ostholstein, um 1717/1727 [14, Abb. 293].

F. wurden ferner geliefert nach Dänemark (Schloß Frederiksborg, Seeland, um 1640: ebd. Abb. 290, nach Schweden (Schloß Bergshammar, Södermannland, um 1720: [24] S. 6, Abb. 27), England (A. Lane, Delftse Tegels uit Hampton Court en Daniel Marot’s werkzaamheid aldaar, Bull. van het Riksmus. Amsterdam] 7, 1959, S. 12-21) und Polen (Schloß Wilanów, M.

18. Jh.: [14] Abb. 294; [12] S. 128f., Abb. 147 a und b; Schloß Nieborów, um 1765/1770: ebd. S. 127, Abb. 145f.; [14] Abb. 295; Palais Lazienski in Warschau, 2. H. 18. Jh.: [12] S. 129f., Abb. 148 a und b).

In Italien wurden niederl. F. nur ausnahmsweise verwendet, so bei der Kuppeldekoration im Oratorium Mariä Himmelfahrt der Casa Bartoli in Faenza, 1746 (G. Liverani, Un insigne complesso di mattonelle olandesi in Faenza, Faenza 25, 1937, S. 27-33 und Taf. 6-10).

Seit etwa 1660 wurden F. nach Portugal exportiert. Hohe Sockel mit F.gemälden gibt es in den Lissabonner Kirchen Igreja dos Cardais (Szenen aus dem Leben der hl. Theresa, E. 17. Jh. von van Oort, Amsterdam: J. M. dos Santos Simoẽs, Carreaux céramiques hollandais en Portugal et en Espagne, Den Haag 1959, Taf. 8f.) und Madre de Deus (um 1700, mit Landschaften: ebd. Taf. 10-12), ferner im Pal. Sandanha (Stadtansichten von Cornelis Boumeester: ebd. Taf. 21, 25) sowie im Pal. des Marquis de Fronteira in Benfica bei Lissabon (1672 [?], Landschaften mit Szenen: ebd. Taf. 16). Mit Einzel-F. verkleidet ist das Querhaus der Kirche Nossa Senhora da Nazaré in Lissabon in ganzer Höhe (Amsterdam, De Kloet, A. 18. Jh., mit atl. Szenen: ebd. Taf. 13-15; Rainer Marggraf, Keramos 129, 1990, S. 41-58); Beisp. für Sockel aus Einzel-F.: [24] Taf. 17-20 und 26.

In Spanien gibt es niederl. F. im westlichen Andalusien. Ein Sockel mit Darstellungen von Ordenstrachten schmückt die Sakristei des Hospitals S. Juan de Dios in Cadiz (Rotterdam, Familie Aelmis, 1775: ebd. Taf. 32f.). Von Angehörigen der Armenierkolonie wurden für S. M. in Cadiz F. mit armenischen Inschriften bestellt (ebd. Taf. 27-29). Im Haus Lomas in S. Fernando wurden 1745-1757 monochrom blaue F. als Scheuerleisten angebracht sowie in einen aus zwei Farben unglasierten Tons hergestellten Fußboden als „ollambrillas“ eingelassen (ebd. Taf. 35; weitere F. aus Holland ebd. Taf. 30f. und 37-39).

Im 17. Jh. gelangten holl. Einzel-F. nach Brasilien (J. M. dos Santos Simoẽs, Azulejos holandeses no convento de Santo Antonio do Recife, Recife 1959), im 18. Jh. nach Indien (Udaipur/Rajputana, Pal. der Rajas von Mewar, 1711 und 1716: Hermann Goetz, Holl. Wand-F. in einem altindischen Königspalast, Oud Holland 66, 1951, S. 239f.

6. Dt. Sprachgebiet

Deutsches Sprachgebiet.

Im 16. Jh. wurden noch öfters unglasierte F. über einem Estrich als Fußbodenbelag verwendet.

Beisp. sind erhalten z. B. in der Gerichtslaube und im Alten Archiv in Lüneburg, 2. V. 16. Jh. und 1521 ([15] Abb. 56f. und 59; weitere Beisp. ebd. S. 66-68). Relief-F. sind in der Muttergotteskapelle in Neufra, Kr. Sigmaringen, verlegt (1591: ebd. Abb. 50). Verschiedenfarbig monochrom glasierte F. gibt es in der Archivkammer des Heiliggeistspitals in Lübeck, 1502-1510 (RDK IV Sp. 327 Abb. 1) und in der Sakristei des Burgklosters ebendort, 1. V. 16. Jh. [15, Abb. 58]. F. im St. Annen-Mus. in Lübeck sind bemalt (Kdm. Lübeck Bd. 4, Zeichnung S. 323), ebenso F. des Fußbodens aus der Rosenburg bei Stans (Zürich, Schweiz. L.mus., 1566: [15] Abb. 60).

Mit Grotesken bemalte Fayence-F. verwendete man für den Fußboden im Schlafzimmer des Kardinals Bernhard Cles im Pal. Magno des Castello

del Buonconsilio in Trient; die Malereien werden Bartholomäus Dill Riemenschneider zugeschrieben, um 1535 (Abb. 27; Carmen Ravanelli Guidotti in: Ausst.kat. „Un mus. nel Castello del Buonconsiglio“, Trient 1995, S. 369f. Abb. 4-6).

Die E in der Gabrielskapelle, dem Mausoleum für Erzb. Wolf Dietrich von Raitenau auf dem Sebastiansfriedhof in Salzburg, die um 1603 vom Hafnermeister Hans Khop fertiggestellt wurden, sind bestimmend für das ganze Interieur. Im Zentralraum sind die Wände ganz besetzt mit braun, weiß, gelb, blau oder grün glasierten, jeweils 8 × 8 cm großen F., in der Kuppel sind die F. blau, rot und weiß. An den Chorseitenwänden gibt es in „Cuerda seca“-Technik gefertigte grüne, gelbe, braune und blaue F., die zu Ranken gefügt sind, an der Stirnwand des Chores rhombenförmige F., die in Sternform verlegt sind und ein Würfelmuster vortäuschen (Abb. 28; Alfred Walcher von Molthein, K. und K.handwerk 13, 1910, S. 547-561; Theodor Sehmer, Das Geheimnis der Gabriels-Kap. in S., Innsbr. und Mchn. 1970, Abb. 3-8, 19f., 22-25 und 29).

Seit der 2. H. 17. Jh. wurde im Gefolge niederländischer Importe eine Vielzahl von Fayencemanufakturen gegründet - vielfach unter Mitwirkung von Niederländern (RDK VII 884 und 892) -, wo auch F. hergestellt wurden. In Farbe und Dekor lehnte man sich oftmals an die niederländischen, blau bemalten F. an, arbeitete aber häufiger als in den Niederlanden freihändig, ohne Verwendung von Sponsen. Es sind mit Einzel-F. vollständig verkleidete Wände erhalten, ebenso Verkleidungen von Fußboden- und Wandflächen um *Öfen und *Kamine, ferner F.gemälde. Neben F. üblicher Größe gibt es großformatige quadratische F. mit Seitenlängen bis zu 30 cm. Rechteckige F. sind Ausnahme.

Gegen E. 18. Jh. wurde die Fayenceproduktion wegen des aus England eingeführten, bald auch im Inland produzierten *Steingutes vielfach aufgegeben, nur wenige Manufakturen, die auch F. herstellten, blieben bis ins 19. Jh. bestehen.

Die im Folgenden gebotene Zusammenstellung der wichtigen Manufakturen (in der Reihenfolge ihrer Gründung), zu deren Produktion F. gehörten, folgt im Wesentlichen Siegfried Stahl [24].

Frankfurt a. M.: F. aus der Zeit um 1700 sind erhalten in Schloß Weikersheim ([24] S. 20, Abb. 52; weitere Beisp. ebd. Abb. 46f., 49f., 54f.). Ob blau bemalte F. mit manganfarbener Vorzeichnung in Frankfurt a. M. oder in Hanau hergestellt wurden, ist unklar; die Malweise ist bei Hanauer Gefäßen häufig, doch ist bislang für Hanau F.herstellung archivalisch nicht bezeugt (ebd. S. 18 und 21). Fliesenbilder: Abb. 30.

Kassel: In Schloß Wilhelmsthal ist ein Fußbodenbelag von 5 × 9 F. unter einem Ofen erhalten (um 1740; ebd. Abb. 69-71; weitere Beisp. Abb. 61-63 sowie Abb. 72 und 74, vor 1770, mit Gitterornament).

Dorotheenthal bei Arnstadt, Thür. (ebd. S. 26-28): In Schloß Arnstadt sind F. in Raumecken und als Kamineinfassungen streifenförmig angebracht (um 1735; ebd. Abb. 42 a). Die F. sind meist monochrom blau, manganfarben oder braun bemalt, der Rand oftmals in abweichender Farbe, das Eckmotiv aussparend, gespritzt (ebd. Taf. 6f. und Abb. 75-83) oder das zentrale Motiv von einem doppelten Kreis eingerahmt (ebd. Abb. 84f.; ähnliche F. in Schloß Heidecksburg bei Rudolstadt: Abb. 87; weitere Beisp.: ebd. Taf. 8 sowie Abb. 86 und 88). Allgemein zu Dorotheenthaler F.: Adelheid Mahnen, Thüringer F. des 18. Jh., Lpz. 1993, S. 155-157.

Dresden [24, S. 28-30]: Die Fayencemanufaktur wurde 1708 als „Stein- und F.bäckerei“ gegründet (Fritz Fichtner, Dresdner Fayencen, Ber. der dt. Keramischen Ges. 1937, S. 333-342 und 393-418; [24] S. 29). Der Manufaktur werden um 1720-1723 zu datierende F. aus Schloß Großsedlitz bei Dresden auf Grund technischer Feststellungen zugeschr. (Dresden, Staatl. K.slgn., Mus. für K.handwerk: F. Fichtner a. a. O. S. 417; [24] S. 89-93).

Ansbach (ebd. S. 30-34): Aus den ersten Jahren nach Gründung der Manufaktur i. J. 1710 stammt eine Nachricht über F.herstellung (1713 „porzellinern Plättlein“: Adolf Bayer, Die Ansbacher Fayence-Fabriken, Braunschweig 21959 [Bibl. für K. und Antiquitätenfreunde, 42], S. 212; [24] S. 30). Monochrom blaue F. dieser Zeit sind erhalten an Wänden eines Schlafzimmers in Schloß Weikersheim (ebd. Abb. 95). Im Speisezimmer der Ansbacher Residenz wurde die durch Stuckrahmen in Felder gegliederte Wand in voller Höhe mit F. verkleidet, die über manganfarbener Vorzeichnung in Blau, Gelb und Grün bemalt sind (Abb. 33; ebd. Taf. 4 und 10, Abb. 119; [13] Abb. S. 176; ähnliche F. [24] Abb. 122-127, weitere F. aus der Ansbacher Residenz ebd.

Abb. 106). Im Rittersaal von Schloß Hirschberg, Stadt Beilngries, 1764, sind die Stuckpilaster mit F. belegt (ebd. Taf. 3, Abb. 44; [13] Abb. S. 180). Weitere Beisp. von Ansbacher F.: [24] Abb. 99-102.

Crailsheim: Im ehem. Jagdschloß in Gunzenhausen sind in die Vertäfelung eingelassene manganfarbene F. erhalten (Falkenjagdmotive und Gittermuster, 1764 von „Johann Georg Weiß Porcellainer“: [13] Abb. S. 189; mit überholter Lokalisierung: [24] Abb. 111-115 und Taf. 9).

Nürnberg (ebd. S. 34-36): Die hier hergestellten F. haben manchmal besondere Größe (18 cm Kantenlänge: ebd. Abb. 129-131; 15 cm: ebd. Abb. 136) und sind monochrom blau bemalt (manchmal auch blaßviolett ausgefallen: Hans-Jürgen Heger, Keramos 90, 1980, S. 59-62). In Schloß Favorite bei Rastatt sind in der „Sala terrena“ die Wände und Pfeiler mit F. verkleidet (um 1720: Abb. 31; [24] Taf. 1 Abb. 31f.), in anderen Räumen dienen F. der Kammverkleidung, der von Setzstufen im Treppenhaus sowie als Scheuerleiste (ebd. Abb. 33 und 30; [13] Abb. S. 207; vgl. auch [24] Abb. 140-145). F. in den Füllungen der Vertäfelung in der Garderobe des Markgrafen tragen Kaltbemalung in Blau und Gold (ebd. Abb. 34). – Zu auf dem Gelände der Manufaktur gefundenen F.fragmenten s. Michaela Reichel, Anz. des Germ. Nat.mus. 1997, S. 103f. und 115, Abb. 10.

Bayreuth (ebd. S. 37f.): F. wurden vor allem im 2. V. 18. Jh. hergestellt, eine F.bestellung ist noch 1757 bezeugt (ebd. S. 37). Erhaltene F.: ebd. Abb. 147-159.

Erfurt (ebd. S. 38f.): „Alle bisher für Erfurt nachgewiesenen F. sind in Schloßanlagen Hzg. Ernst August von Sachsen Weimar, der von 1707 bis 1748 regierte, fest eingebaut oder mit diesen Bauten in Zusammenhang zu sehen“ (ebd. S. 38). In Schloß Belvedere bei Weimar wurden im sog. Tischlein-deck-dich-Raum, um 1726, die Wände mit F. verkleidet; im selben Schloß und in Schloß Tietfurt bei Weimar ist der Boden vor den Kaminen mit F. belegt. Im Mittleren Schloß von Dornburg bei Jena ist in der Eingangshalle eine Wandverkleidung aus F. erhalten (ebd. S. 39, Abb. 36 und 165; [13] Abb. S. 186; weitere Beisp. von Erfurter F.: [24] Abb. 163f.).

Zerbst (ebd. S. 40-43): Häufig sind F. mit Chinoiserien in Blaumalerei oder in zwei Blautönen zu schwarzer Vorzeichnung, ebenso mit F. mit manganfarbener, blauer, gelber und grüner Bemalung über manganfarbener Vorzeichnung auf seladongrüner Glasur bezeugt (Horst Mauter, „Unaecht Porcellain“ aus Z., Keramos 145, 1994, S. 89-102, bes. S. 92).

Hannoversch-Münden [24, S. 43-53]: F. wurden von vor M. 18. bis um M. 19. Jh. hergestellt. In der Frühzeit handelte es sich um Blaumalerei (ebd. Abb. 191f., 194, 198-216, 218-220), späterhin gibt es F. auch mit grüner, gelber und brauner Bemalung mit schwarzen Konturen sowie manganfarbener Malerei (Abb. 34f; ebd. Taf. 13-15). Aus der 1. H. 19. Jh. stammen F. mit holländischem Durchlaufmuster in Blau und Grün (ebd. Abb. 242).

Manufakturen in den Öttingischen Grafschaften (ebd. S. 53f.): In Tiergarten hergestellte, blau bemalte F. gibt es in vier Räumen in Schloß Hohenaltheim bei Nördlingen, 1740/1742 (ebd. Abb. 41f. und 245f.; [13] Abb. S. 1969), einzelne F. aus Schrattenhofen F. in Schloß Öttingen, 2. H. 18. Jh. [24, Abb. 249f.].

Wrisbergholzen (ebd. S. 56-60): In der 1735-1834 bestehenden Manufaktur wurden normalformatige F. in holländischer Art hergestellt (ebd. Abb. 258-260, 262-265 und 269f.). Eine Besonderheit sind rechteckige großformatige F. (27 × 23,5 cm), die infolge plastischer Friese und dergl. auf der Vorderseite sowie Rahmen auf der Rückseite Ofenkacheln ähneln (ebd. Abb. 276 und 288f.). Solche F. wurden in besonderem Auftrag hergestellt, z. B. für das Speisezimmer in Schloß Wrisbergholzen, 1749, das in voller Höhe mit auch emblematische Darstellungen tragenden F. verkleidet ist (ebd. Abb. 271-282; Martin Boyken, Die Spruch-F. von W, Zs. des Mus. zu Hildesheim N.F. 19, 1966). Der ehem. Gartensaal des Bischöfl. Hofes zu Münster i. W. wurde nach 1748 in voller Höhe mit F. verkleidet, die als F.gemälde ein großformatiges Rocailleornament zeigen (Horst Appuhn, ZDVK 26, 1972, S. 43-62, Abb. 18f.; [24] Abb. 43). Für Schloß Ruthe Kr. Hildesheim wurden um 1755 F.gemälde mit Jagdszenen hergestellt (Dortmund, Mus. für K. und Kulturgesch. der Stadt D.: H. Appuhn a. a. O. Abb. 1-7; [24] Abb. 43; Flensburg, Städt. Mus.: H. Appuhn a. a. O. Abb. 13; Hildesheim, Roemer-Pelizäus-Mus.: ebd. Abb. 14; s. auch Berthold C. Haferland, Jb. des Lkr. Hildesheim 1994, S. 111-126).

Schrezheim [24, S. 63f.]: Die F. mit Bemalung in Blau zeigen z.T. schwarze Vorzeichnung und sind dann auffallend klein (10,2 cm Kantenlänge; Ellwangen, Schloßmus., um 1760: ebd. S. 63, Abb. 303-311).

Magdeburg (ebd. S. 64f.): Neben blau bemalten F. in niederländischer Art kommen manganfarben/grüne F. vor (ebd. Taf. 17f., Abb. 312 und 315; Manfred Meinz, Keramos 145, 1995, S. 103-108).

Stralsund [24, S. 66]: Nach 1781 wurden F. mit s-förmig geschwungenen Kanten hergestellt, die je einen Vogel in der Mitte zeigen (aus dem Herrenhaus Giese in Hiddensee im Kulturhist. Mus. Stralsund: Abb. 36).

Lesum (ebd. S. 66-68): Zu Lesumer Fayenceöfen gehörige, unter den Öfen verlegte F. zeigen gleichartige Bemalung wie die Kacheln von jenen (manganfarben oder blau, um 1770; Fockemus. Bremen und Heimatmus. Verden.: ebd. S. 67, Abb. 320). In Schloß Gartow Kr. Lüchow-Danneberg entsprechen die F. von Fußbodenbelägen und Wandverkleidungen den Farben türkis und manganfarben sowie blau den dortigen Fayenceöfen (um 1760/17770; ebd. Taf. 5, Abb. 324-328 und 333).

Flörsheim [14, S. 79]: F.gemälde mit Architekturperspektiven in Blaumalerei schmückten das Badezimmer des ehem. Palais Ostein in Geisenheim (dat. 1771; Frankfurt a. M., Mus. für K.handwerk: ebd. Fig. 59; [13] Abb. S. 188).

Kellinghusen: Die um 1800 angebrachte Verkleidung eines Zimmers besteht aus Einzel-F. mit Landschaftsbildern und Porträtsilhouetten (Schleswig-Holst. L.mus. Schleswig: [4] Abb. S. 260; [13] Abb. S. 211).

Seit A. 18. Jh. wurden F. auch in handwerklichen Töpferein hergestellt. Sie wurden mit Ritzzeichnungen, Schlickermalerei oder mit Hilfe von Modeln aufgebrachten Reliefs verziert und an Wänden hinter Herden und Öfen, an Kaminwänden und als Umrahmung von Feuerstellen verlegt. Hauptverbreitungsgebiete sind Thüringen (Oskar Schmolitzky, Volksk. in Th. vom 16. bis zum 19. Jh., Weimar 1964, S. 78f.), Württemberg (Abb. 37; Karl Hillenbrand, Schwäb. Ofenwandplättchen, Der Mus.freund 12/13, 1971; [13] S. 213) und das Niederrheingebiet (Mechthild Scholten-Ness und Werner Jüttner, Niederrh. Bauerntöpferei 17.-19. Jh., Ddf. 1971 [Werken und Wohnen. Volkskdl. Unters. im Rheinl., 7], Abb. 270-351; [13] Abb. S. 203).

Zu den Abbildungen

1. Berlin, Mus. für Islamische K. StMPK, Inv.nr. Sam. 785a, Fragment einer Wand-F. aus dem Palast Gausaq in Samarra. H. 28 cm. 9. Jh. Foto Mus.

2. Sèvres, Mus. Nat. du Céramique, Inv.nr. MNC. 24.593, Fragmente einer sog. Keramikikone, aus Uskubé bei Istanbul. 30 × 29,8 × 1 cm. Byzanz, 10. Jh. Foto Hirmer, Mchn.

3. Köln, Mus. für Angewandte K., Inv.nr. E 761, Stern-F. Dm. 20,5 cm. Persien, 2. H. 13. Jh. Foto Rhein. Bildarchiv, Köln.

4. London, Vict. Alb. Mus., Inv.nr. 150, 1902, achteckige F. aus St. Fides in Schlettstadt, Unterelsaß. Dm 22,5 cm, Dicke 4 cm. Um 1180 (?). Nach R. Forrer a. a. O. (Sp. 1239) Taf. 2, a.

5. München, Bayer. Nat.mus., Inv.nr. Ker. 3978, Relief-F. aus dem ehem. Prämonstratenserkloster Neustift in Freising. 16 × 16 × 3 cm. E. 12./ A. 13. Jh. Foto Mus.

6. Schleswig, Schleswig-Holst. L.mus., Schloß Gottorf, Inv.nr. 1935/556, inkrustierte F. aus Mark bei Emmelsbüll Kr. Nordfriesland. 31 × 31 × 5,5 cm. Um 1200. Foto Mus.

7. Homburg, Saarpfalzkr., ehem. Zisterzienserabtei Wörschweiler, Depot der Klosterfunde, F. mit vertiefter Prägung. 11,4 × 12 × 2 cm. 2. V. 13. Jh. Foto Univ. des Saarlandes, Fachrichtung 7.7 - Kg., Saarbrücken.

8. Kleinmariazell, B.H. Baden, N.Ö., ehem. Benediktinerabteikirche Mariazell, Sakristei, Reste des Fußbodenbelags. 13. Jh. Foto Bundesdenkmalamt Wien.

9. Karlsruhe, Bad L.mus., Stempel-F. aus dem Haus zum Wolf in Freiburg i. Br. 22 × 24 × 5 cm. M. 13. Jh. Foto Mus.

10. Konstanz, Rosgartenmus., F. aus dem Stadionschen Hof in Konstanz. 13,5 × 13 × 3 cm. Zw. 1248 und kurz vor 1275. Foto L.dkm.amt Stg.

11. Speyer, Hist. Mus. der Pfalz, F. mit vertiefter Prägung. 12,5 × 12,5 × 2 cm. 2. H. 13. Jh. Foto Verf.

12. Zwettl, N.Ö., Stiftsmus., F. aus dem Zisterzienserkloster Zwettl. 14,5 × 16,0 cm. 2. H. 13. Jh. Foto Franz Berger, Zwettl.

13. Zürich, Schweizerisches L.mus., Inv.nr. 10 512, F. aus dem Predigerkloster Zürich. 19,5 × 19,5 cm. St. Urban (?), um 1270. Foto Mus.

14. Oldenburg i. O., L.mus. für K.- und Kulturgesch., Inv.nr. 1378, F. aus dem ehem. Zisterzienserkloster Hude. 12,5 × 17 × 2 cm. E. 13. Jh. Foto Mus.

15. Minden, Mus. für Gesch., L.- und Volkskde., Inkrustierte F. 11,7 × 12 × 2,5 cm. Südl. Niederl. (?), 1. H. 14. Jh. Foto Westf. Amt für Dpfl., Münster i. W.

16. Hamburg, Mus. für Hamburgische Gesch., Fragment einer F. von der Seitenwandung der Tumba für Papst Benedikt V. im Hamburger Dom. Um 1320/1330. Foto Mus.

17. Regensburg, Mus. der Stadt, Hist. Mus., Inv.nr. K 1976/32, F. mit vertiefter Prägung, aus St. Emmeram in Regensburg. 17 × 17 × 3,3 cm. Um 1320/1350. Foto Mus.

18. Berlin, Kgwb.mus. StMPK, Inv.nr. 1875,162, F. mit Flachrelief. 21,5 × 21,5 × 3 cm. Kempten, 3. V. 15. Jh. Foto Mus.

19. Hirsau, Klostermus., rechteckige F. 24 × 12 × 4 cm. Um 1472. Foto Rose Hadju.

20. Stams/Tirol, Zisterzienserkloster, Klosterslg., Relief-F. 13,5 × 13,5 cm. 2. H. 15. Jh. oder bis um 1536. Foto Slg.

21. Karlsruhe, L.dkm.amt, F. aus Kürnbach Kr. Karlsruhe. 15,6 × 15,6 × 3,5 cm. Um 1500. Foto L.dkm.amt Karlsruhe.

22. Köln, Mus. für Angewandte K., Inv.nr. E 2279, rechteckige Decken-F. (Socarrat). 14,5 × 30,5 cm. Barcelona, E. 15./ A. 16. Jh. Foto Rhein. Bildarchiv, Köln.

23. Köln, Mus. für Angewandte K., Inv.nr. E 2265, Fayence-F. Ca. 13 × 13 cm. Sevilla, 16. Jh. Foto Rhein. Bildarchiv, Köln.

24. Köln, Mus. für Angewandte K., Inv.nr. E 2276, Fayence-F. 16 × 18,8 cm. Sevilla, um 1525. Foto Rhein. Bildarchiv, Köln.

25. Venedig, S. Sebastiano, Capp. Lando, Fußboden, Fayence-F. Ca. 16 × 16 cm. Venedig, 1510. Foto Osvaldo Böhm, Ven.

26. Giacomo Mancini (Werkstatt), Fußboden in der Capp. Baglioni in S. M. Magg. in Spello/Umbrien (Ausschnitt). Deruta, dat. 1566. Foto Alinari, Flor.

27. Bartholomäus Dill Riemenschneider (zugeschr.), Fayence-F. aus dem Schlafzimmer des Kardinals Bernhard Cles im Castello del Buonconsiglio, Pal. Magno, Trient, 1535. Nach Cultura atesina 16, 1962, Abb. 18.

28. Hans Khop, F. an der Chorwand der Gabrielskap. auf dem Sebastians.-Friedhof in Salzburg. Um 1603. Nach Th. Sehmer a. a. O. (Sp. 1261) Bild 20.

29. Sibrand Feytema, Sponse für F. Federzchg. Sepia auf Papier, teilweise perforiert, 12,6 × 13 cm. Oldenburg, L.mus. für K.- und Kulturgesch., Inv.nr. 4805. Harlingen, 1687. Foto Mus. (H.R. Wacker).

30. Frankfurt a. M., Hist. Mus., Inv.nr. Ke 676, Fliesenbild. Fayence, 30 × 39,5 × 1,5 cm. Frankfurt, um 1680. Foto Mus.

31. Rastatt, Schloß Favorite, Sala Terrena (Ausschnitt), Wandverkleidung durch blaue Nürnberger F. Um 1710/1730. Foto L.dkm.amt Karlsruhe.

32. München-Nymphenburg, Amalienburg, Wandverkleidung der Küche mit Delfter Fayence-F. Um 1734/1739. Foto Marburg (Aufnahme um 1920).

33. Ansbach, Schloß, Speisezimmer, Ausschnitt der Wandverkleidung durch Fayence-F. 18,5 × 18,5 cm. Ansbach, Johann Georg Popp, 1763. Foto Limmer, Bamberg.

34. Hannover, Kestner-Mus., Inv.nr. 1911, 78d, Fayence-F. 12,7 × 12,7 × 0,7 cm. Hannoversch-Münden, um 1770. Foto Mus. (Christel Moser).

35. Hannover, Kestner-Mus., Inv.nr. 1917, 41g, Fayence-F. 12,7 × 12,7 cm. Hannoversch-Münden, 4. V. 18. Jh. Foto Mus. (Christel Moser).

36. Stralsund, Kulturhist. Mus., F. aus dem Herrenhaus Giese auf der Insel Hiddensee. Stralsund, nach 1781. Foto Mus.

37. Karlsruhe, Bad. L.mus., Inv.nr. BLM K 4. Ofenwand-F. Um 20 × 20 cm. Holzgerlingen (Georg Jakob Kipfer?), dat. 1795. Foto Mus.

Literatur

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Verweise