Fleuronné

Aus RDK Labor
Wechseln zu: Navigation, Suche

englisch: Pen-work; französisch: Fleuronné; italienisch: Fleuronné, fiorone.


Wolfgang Augustyn (I-III; VIII-IX), Christine Jakobi-Mirwald (V), Christine Sauer (VI), Martin Roland (VII) (1996)

RDK IX, 1113–1196


RDK VII, 139, Abb. 1. Mainz 1457.
RDK IX, 1117, Tafel. Grundformen des F.
RDK IX, 1119, Abb. 1. Troyes, vor 1161.
RDK IX, 1119, Abb. 2. Malibu/Ca., um 1180/1200.
RDK IX, 1121, Abb. 3. Dijon, A. 13. Jh.
RDK IX, 1121, Abb. 4. Stuttgart, zw. 1211 und 1213.
RDK IX, 1123, Abb. 5. London, 1214.
RDK IX, 1125, Abb. 6. Paris, voll. 1213.
RDK IX, 1125, Abb. 7. New York, um 1220.
RDK IX, 1125, Abb. 8. New York, 2. V. 13. Jh.
RDK IX, 1127, Abb. 9. Berlin, 1. Dr. 13. Jh.
RDK IX, 1129, Abb. 10. Berlin, 2. V. 13. Jh.
RDK IX, 1131, Abb. 11. Darmstadt, um 1220.
RDK IX, 1133, Abb. 12. Stuttgart, 2. V. 13. Jh.
RDK IX, 1135, Abb. 13. Heidelberg, 2. V. 13. Jh.
RDK IX, 1135, Abb. 14. Stuttgart, nach 1235.
RDK IX, 1135, Abb. 15. Halberstadt, vor 1245
RDK IX, 1137, Abb. 16. Berlin, um 1250.
RDK IX, 1139, Abb. 17. Würzburg, zw. 1252 und 1263.
RDK IX, 1141, Abb. 18. Stuttgart, M. 13. Jh.
RDK IX, 1143, Abb. 19. Wien, um M. 13. Jh.
RDK IX, 1145, Abb. 20. Rom, zw. 1258 und 1266.
RDK IX, 1147, Abb. 21. Stuttgart, 3. V. 13. Jh.
RDK IX, 1149, Abb. 22. Berlin, 3. Dr. 13. Jh.
RDK IX, 1149, Abb. 23. Zürich, um 1270.
RDK IX, 1151, Abb. 24. San Marino/Ca., 2. H. 13. Jh.
RDK IX, 1153, Abb. 25. Lilienfeld, N.Ö., 2. H. 13. Jh.
RDK IX, 1157, Abb. 26. Paris, um 1280.
RDK IX, 1157, Abb. 27. Wien, um 1270/1280.
RDK IX, 1157, Abb. 28. Paris, um 1295.
RDK IX, 1159, Abb. 29. New York, E. 13. Jh.
RDK IX, 1161, Abb. 30. Klosterneuburg, N.Ö., 4. V. 13. Jh.
RDK IX, 1161, Abb. 31. Engelberg, um 1330
RDK IX, 1163, Abb. 32. St. Florian, O.Ö., um 1305/1310
RDK IX, 1163, Abb. 33. Aarau, 1. V. 14. Jh.
RDK IX, 1165, Abb. 34. Brünn, 1313.
RDK IX, 1167, Abb. 35. Breslau, wohl um 1320.
RDK IX, 1169, Abb. 36. Paris, 1327.
RDK IX, 1169, Abb. 37. München, um 1313.
RDK IX, 1171, Abb. 38. Oxford, vor 1333.
RDK IX, 1173, Abb. 39. Köln, 1340.
RDK IX, 1175, Abb. 40. Basel, um 1340.
RDK IX, 1177, Abb. 41. Utrecht, 2. H. 14. Jh.
RDK IX, 1177, Abb. 42. Berlin, um 1370.
RDK IX, 1179, Abb. 43. Wien, 1409.
RDK IX, 1181, Abb. 44. Brüssel, 1417.
RDK IX, 1183, Abb. 45. München, 2. V. 15. Jh.
RDK IX, 1185, Abb. 46. Heiligenkreuz, N.Ö., 3. V. 15. Jh.
RDK IX, 1185, Abb. 47. Utrecht, um 1460.
RDK IX, 1187, Abb. 48. Nimwegen, um 1470/1475.
RDK IX, 1189, Abb. 49. München, zw. 1472 und 1482.
RDK IX, 1189, Abb. 50. Augsb., 1473.
RDK IX, 1189, Abb. 51. Augsb., 1476.
RDK IX, 1191, Abb. 52. Den Haag, 1476.
RDK IX, 1193, Abb. 53. Köln 1848.
RDK IX, 1193, Abb. 54. Tournai, 1884.

Inhaltsverzeichnis

I. Definition, Wortgebrauch

F. (Fleuronnée) ist ein vornehmlich beim Buchschmuck verwendetes lineares Ornament aus stilisierten Blatt- und Blütenformen, die um naturalistisch vegetabile, figürliche oder geometrische Motive erweitert sein können.

Das Wort F. ist abgeleitet aus dem franz. „fleuron“ (kleine Blume), seit dem 14. Jh. als bedeutungsgleiche Wortform von „fleur“ nachweisbar (Walther von Wartburg, Franz. Etymologisches Wb., Bd. 3, Lpz. und Bln. 1934, S. 628f.; Gamillscheg S. 415) und bedeutet „mit Blumenzierat versehen“ (Jean-Jacques Bourassé, Dict. de archéol. sacrée ..., Bd. 2, Paris 1852 [Nouv. enc. théol. ..., Bd. 12,2], Sp. 116).

Zur Bedeutung von „fleuron(s)“ für (Blüten-)Muster auf Bucheinbänden: Nouveau Dict. des passagers franç.-allemand ..., hg. Johann Leonhard Frisch, Lpz. 1766, Sp. 955f.; Lex. Buchwesen Bd. 1 S. 249.

Seit wann man den Begriff für die Auszierung von Hss. und Druckwerken verwendete, ist ungewiß.

Er wurde (zuerst?) in franz. Nachschlagewerken gebraucht (Dict. des dictionnaires, hg. Paul Guérin, Bd. 4, Paris 1887, S. 148; adjektivisch: Nouveau Larousse illustré. Dict. universel enciclopédique, hg. Claude Augé, Bd. 4, Paris 1902, S. 561) und, neben anderen Bezeichnungen (Richard Albert Lecoy de la Marche, Les mss. et la min., Paris 41909, S. 173: „initiales a fleurs“), in der kh. Lit.: [23]; Georg Gf. Vitzthum, Die Pariser Miniaturmal., Lpz. 1907, S. 25ff.; Betty Kurth, Kg. Jb. 9, 1915, S. 173-182; Beschr. Verz. Österr. N.F. Bd. 1-7; Stange, Mal., Bd. 1, S. 167-170; Heinrich Jerchel, Beitr. zur österr. Hss.illustration, ZDVK 2, 1935, S. 314; [57], bes. S. 173-189.

Vom 13. bis 16. Jh. benannte man das F. häufig mit „floritura“ oder „floratura“ [73, S. 347 und 366], das Anbringen von F. mit einer der vielen mittellat. oder volkssprachlichen Ableitungen von lat. „florere“.

Belegt sind im 13. Jh. u.a. „florare“, „florere“, „florigerare“ (Lehmann-Brockhaus, Schriftquellen England, Bd. 2 S. 142 und 206; Medieval Latin Word-List from Brit. and Irish Sources, hg. J. H. Baxter u. a., Ld. 1934, S. 176; Albert Blaise, Dict. lat.-franç. des auteurs du MA, Turnhout 1975, S. 390), im 14.-15. Jh. auch „flores protrahere“, „florisieren“, „florieren“ [73, S. 347f., 366f., 371, 383], als volkssprachliche Bezeichnungen z. B. im 15. Jh. engl. „florisher“ (ebd. S. 367), franz. „flourir“ („lettres flourés“: J. Joudoy, Hist. artistique de la cath. de Cambrai, Lille 1880, S. 191), im 16. Jh. niederl. „floreern“ („gefloreert“: Elisabeth Dhanens, Scriptorium 23, 1969, S. 372).

Die zahlreichen Varianten und Mischformen des F. wurden häufig mit assoziativen Benennungen beschrieben, die im Folgenden nicht berücksichtigt werden (z. B. Kräuselblatt-F., Maiblumen-F.; vgl. Herbert Köllner, Zur kg. Terminologie in Hss.kat., in: Zur Katalogisierung ma. und neuerer Hss., Ffm. 1963 [Zs. für Bibliothekswesen und Bibliogr., Sonderh.]; Hermann Knaus in [60] S. 90, 114, 117 u. ö.).

F.initialen werden, ausgehend von der französischsprachigen Lit. und dort angeregt durch eine bestimmte, seit dem 13. Jh. vorkommende und der graphischen Wiedergabe von Filigran gleichende Form des F. (s. Sp. 1163-1166), häufig Filigran-Initialen genannt (R. A. Lecoy de la Marche a. a. O. S. 172: „majuscule filigranée“; ferner [42]; [36]; [66]; [14]; [30]). Diese Bezeichnung trifft nur eingeschränkt zu und wird, auch wegen des Gebrauchs von „filigrane“ und „filigranée“ für Motive auf Bucheinbänden und für Wasserzeichen, hier nicht gebraucht.

II. Ausführung

Ausgeführt wurde das F. in Hss. vorrangig mit der Feder. Häufig kombinierte man dabei zwei der für F. verwendeten Farben (rot, blau, violett, grün, golden). Statt gezeichneten F. kann es auch aus einer farbig ausgefüllten Fläche ausgespart sein.

Da man vom späten 12. bis zum frühen 16. Jh. vielfach zwischen den Tätigkeiten des Schreibers und des Buchmalers nicht strikt trennte, gehörte die Ausstattung mit F. oft zu den Aufgaben des (auch schreibenden) Buchmalers (Belege aus dem 14.- 16. Jh. bei Gay Bd. 1 S. 723; [73] S. 347f., 366f., 371, 383; s. auch Sp. 1155).

Nicht so häufig bezeugt ist, daß ein Schreiber ausdrücklich für F. verpflichtet wurde (vgl. einen Vertrag von 1484: Wolfgang Irtenkauf, Württ. Franken 1984, S. 246).

Vermittelt wurden die verschiedenen Arten und Varianten des F. durch Musterblätter und Musterbücher.

Vgl. die Anfangsseite einer Boetius-Hs. aus N-Italien, dat. 1385 (Glasgow, Univ. Libr., Hunterian Ms. 374, fol. 1: Edith W. Kirsch, Five illuminated Mss. of Giangaleazzo Visconti, New York usw. 1991 [Monographs on the fine arts, 46], S. 44f., Abb. 62), und das Musterbuch des Gregorius Bock, Schwaben, um 1510/1517 (New York, Yale Univ., Beinecke Libr., Ms. 439: Ausst.kat. „The Secular Spirit: Life and Art at the End of the Middle Ages“, New York 1975, S. 111 Kat.nr. 120); s. auch Sp. 1180.

III. Verwendung

Das F. kommt in unterschiedlichen Ausformungen vor, deren Anwendung gewöhnlich auf einen begrenzten Zeitraum beschränkt blieb und so vielfach Rückschlüsse auf Datierung und Lokalisierung von Hss. zuläßt.

Zu unterscheiden ist das Palmetten-F., gekennzeichnet durch das vielfältig abgewandelte Motiv der Palmette oder Halbpalmette, sowie das Knospen-F., gekennzeichnet durch kugelige oder spitzovale Knospenformen an Stielen unterschiedlicher Länge.

Zu dem in der dt.sprachigen Lit. gebräuchlichen Begriff des Palmetten-F. nach [42]: [36] S. 196-199; [31] S. 76-126; vgl. dagegen die andersartige Terminologie bei Scott-Fleming [60]).

Viele Varianten einer Ausformung von F. wurden nebeneinander verwendet, zahlreiche Mischformen sind belegt.

Man gebrauchte F. ebenso für die Ausgestaltung von Initialen oder für deren Besatz wie für eigenständige, gleichermaßen mit Ornament besetzte „Stäbe“.

Versah man Initialen mit F., wurde das F. dem Buchstabenkörper zugeordnet und ist von diesem deutlich zu unterscheiden (anders bei der sog. Silhouetten-Initiale, s. Initiale). Das F. kann den Binnengrund (Binnenfeld) ausfüllen, kann in nicht gerahmten Formationen als Besatz um den Buchstabenkörper gruppiert sein und Ausläufer bilden oder durch lineare Einfassung den Außengrund der Initiale definieren.

Die sog. F.stäbe sind längliche, stabartige Gebilde und können aus silhouettierten Elementen bestehen, mit F. besetzt oder aus Emotiven zusammengesetzt sein. Sie sind entweder nicht eigens abgesetzte Verlängerungen des Buchstabens oder Buchstabenablaufs oder daran angesetzt. Häufig erstrecken sie sich neben dem Schriftspiegel und darüber hinaus, sind dann oft nicht einzelnen Initialen zugeordnet, sondern wie Bordüren verwendet.

IV. Grundformen

A. Einzelformen

Das F. besteht aus einem Gefüge von einzelnen Formen, die meist in größerer Anzahl und dicht gedrängt vorkommen.

1. Der Faden ist angefügt an einzelne Elemente des Besatzes: gerade, schlaufenförmig (Taf.abb. 1 a); haarnadelförmig (Taf.abb. 1 b); geknickt (Tafabb. 1 c); mit (oftmals spiralig) eingerolltem Ende (Taf.abb. 1 d); Spiralfädchen, kurz gewellt (Taf.abb. 2 a) oder spiralig gedreht (Taf.abb. 2 b) oder stilisiert als Folge von unverbundenen, sich verjüngenden Strichen (Taf.abb. 2 c); gestrichelter Faden mit einer Reihe von geraden parallelen Strichen von gleicher Länge (Taf.abb. 2 d).

2. Die Palmette ist sehr häufig nur als Halbpalmette ausgeführt. Ihre Blattränder können gebogt (Taf.abb. 3 a), glatt (Taf.abb. 3 b) oder glatt und innen oder außen gestrichelt (Taf.abb. 3 c) sein. Die Form der Palmette ist oft durch ihre Plazierung bestimmt. Beim F. als Besatzornament von Buchstaben können Palmetten an dessen Ausläufer abzweigen (Taf.abb. 3 d), in Zwickel eingefügt (Taf.abb. 3 e) oder mit fingerartigen Erweiterungen versehen sein (Taf.abb. 3 f).

3. Die Knospe ist eine runde oder spitzovale Form mit glattem Umriß, immer schräg am Ende eines meist kurzen Stiels (Taf.abb. 4).

4. Die Perle ist eine runde Form, immer ohne Stiel, als Besatzornament häufig in Reihen (Tafabb. 5 a-c) oder Pyramiden angeordnet (Taf.abb. 5 d); häufig umgeben den Buchstabenkörper zentrierte Gruppen von Perlen.

5. Viereckige Formen sind häufig in Reihen angeordnet (Taf.abb. 6).

6. Kerne sind in Knospen oder Perlen eingesetzte Punkte oder kleine Kreise (Taf.abb. 7 a-c).

B. Schmuckformen an F.stäben

F.stäbe sind häufig ein- oder beidseitig mit Schmuckformen besetzt, die gewöhnlich aus (oftmals verschiedenartigen) Kompartimenten bestehen. Man kann nach den von ihnen beschriebenen Umrissen unterscheiden zwischen Keilformen (Taf.abb. 8 a), Sägeblättern (Taf.abb. 8 b; auch gestrichelt: Taf.abb. 8 c), Kreissegmenten (Taf.abb. 8 d) und Fischgräten-Form (Taf.abb. 8 e).

Diese kommt zustande aus einem geraden Faden, an den eine Reihe von schräg angeordneten parallelen und gleich langen Strichen, meist mit verdickten Enden, angesetzt ist.

Ferner gibt es vegetabile Formen, entweder kompakt oder ausschließlich mit der Feder hergestellt (Taf.abb. 8 f-g).

C. Figurationen

Die Grundformen des F. können zu unterschiedlichen Figurationen gruppiert sein. Die so zustandegekommenen Ornamentgefüge können in allen Ausformungen von F. axial- oder punktsymmetrisch vorkommen.

1. Fadenwerk: Neben Fäden in vielfältigen Variationen gibt es häufig Fadenwerk aus senkrechten, oftmals den Buchstabenschaft begleitenden, parallelen Fäden (Taf.abb. 9 a-b).

2. Bei Knospen sind mehrere Gruppierungen möglich: Rosette (Taf.abb. 10 a); Keulenrosette (Tafabb. 10 b); Blattspirale (Taf.abb. 10 c); Büschel: die Einzelformen gehen von einem Punkt aus (Taf.abb. 11 a); stilisierte Ähre: die Einzelformen gehen von einer Linie aus und sind spiegelsymmetrisch angeordnet (Taf.abb. 11 b); Garbe: die Einzelformen sind gestreckt additiv und parallel angeordnet (Taf.abb. 11 c).

V. Vorformen und frühe Formen

Vorformen des F. sind erstmals in Hss. des 12. Jh. bei Silhouetteninitialen nachweisbar.

Solcher Initialenschmuck geht auf die Art der Gestaltung kleinerer Initialen in Hss. karol. Zeit aus Tours zurück., z. B. der sog. Rorigo-Bibel (Paris, Bibl. nat., ms. lat. 3, zw. 834 und 843, fol. 176: Köhler Bd. 1,1 Taf. 32 e). Diese ahmte man im angelsächsischen Raum in Hss. seit dem 10. Jh. nach und, wohl von diesen abhängig, seit der 1. H. 11. Jh. in Hss. aus der Normandie bei untergeordneten Initialen [2, S. 99]. Dabei wurde das Fadenrankenornament mit verdicktem eingerollten Blättchen am Ende verdichtet und mit dem Dekor des Buchstabenschaftes, gezeichneten Palmetten u. a. verbunden (Avranches, Bibl. mun., ms. 72, fol. 112: ebd. mit Abb. 16).

Besonders häufig sind Vorformen des F. in Hss. aus Zisterzienserskriptorien nachzuweisen, vielleicht wegen des 1134 erlassenen, immer wieder erneuerten Verbots von aufwendigem (mehrfarbigem) Buchschmuck („litterae unius coloris fiant, et non depictae“: Statuta capitulorum generalium ordinis Cisterciensis ab anno 1116 ad annum 1786, ed. Jean-Marie Canivez, Bd. 1, Löwen 1933, S. 31 Nr. 80), vgl. Beisp. aus den Abteien Cîteaux,

Orval, Les Dunes, Villers, Nizelles, Aulne, Cambron, Beaupré, Vaucelles und Morimondo [5].

A. Frankreich

Zunächst nur in Zentralfrankreich und angrenzenden Gebieten wurden, offenbar schon in der 1. H. 12. Jh., einzelne Formen des Palmetten-F. üblich. Diese übernahm man andernorts mit unterschiedlichen Verzögerungen bis ins 13. Jh. Charakteristisch ist die gekräuselte Blattkontur.

Eine Gruppe von Hss. aus Paris, um 1140/60, zeigt einfache Formen: Linien, die die Initialkontur begleiten und nach innen oder außen sowie gelegentlich rhythmisch gebogt sind [63, S. 60 und 72 Kat.nr. 16]. Zu den Enden der oben und unten den Schaft abschließenden, meist lang ausgezogenen Serifen hin gibt es oft schräge Reihen von Häkchen (Paris, Bibl. nat., ms. lat. 14 245, fol. 59v: ebd. S. 60 Kat.nr. 6). Man führte deren Spitzen häufig nach innen weiter, so daß, meist am oberen Abschluß des Buchstabens, lang ausgezogene „Flügel“ entstanden, die für das F. in Pariser Hss. auch im 13. Jh. typisch sind (Beisp.: ebd.). Zusätzlich gibt es einfache Palmettenblätter, mehrfach konturierte Perlenschnüre und einfache Strichelungen (ebd.). Der Buchstabenkörper kann zweifarbig geteilt und mit gebogten oder getreppten Schaftaussparungen verziert sein (ebendort, ms. lat. 14 245, fol. 49v, und ms. lat. 11 615, zw. 1134 und 1150: ebd.).

In ungefähr zw. 1160 und 1180 entstandenen Hss. sind die gebogten Linien zu eigenständigen Gebilden verdichtet, die oft in einer kleinen Spirale enden oder zu Palmetten geformt sind (Abb. 1; vgl. ebd. S. 61 Kat.nr. 7-11). Das Binnenornament ist oftmals symmetrisch angeordnet. Eine häufige, bis ins 13. Jh. gebräuchliche Sonderform der Palmette ist mit fingerartigen Erweiterungen (engl. „pointing finger“) versehen (ebd.). Weitere Elemente des Palmetten-F. sind kleine Kreise und Perlenschnüre. Häufig sind Ausläufer des Buchstabens nach oben oder nach unten verlängert und mit Palmettenformen, Spiralen oder kleinen Strichelungen abgeschlossen. Die Form der gespaltenen Palmette, ein symmetrisches Ornament aus zwei Palmettensegmenten, in deren Spalt oft eine kleinere Palmettenform eingefügt ist, wurde als Füll- oder Besatzmotiv bei runden Buchstaben eingesetzt.

Hss. aus dem 4. V. 12. Jh. zeigen die voll ausgeprägten Formen des Palmetten-F. mit deutlich gesteigerten Einzelmotiven: fingerartige Erweiterungen mit längerem.

zugespitzten Mittelbogen, zusätzlichen Spiralen oder Kreisen (ebd. S. 62f. Kat.nr. 14-17), Verlängerung und Ausgestaltung der Abläufe (ebd. Kat.nr. 15). Diese und die Buchstabenschäfte können mit regelmäßig wiederholten Motiven besetzt sein, das Ornament in den Binnenfeldern ist oftmals symmetrisch angeordnet (ebd.).

Gegen Ende des Jh. gab es offenbar nur kurzzeitig auch anthropomorphe und zoomorphe Motive (ebd. Kat.nr. 16).

In burgundischen Hss. aus Cîteaux und Clairvaux wurde dieses Formenrepertoire später aufgegriffen. Lange Zeit gab es Übergangsformen des Initialenschmucks mit stark konturierten Palmettenformen, die nicht mehr als Silhouetteninitialen ausgeführt sind, sondern zusammen mit Binnenzeichnung wie F. aussehen, vgl. Dijon, Bibl. mun., ms. 648, fol. 34v, und ms. 87, fol. 153v [87, S. 162f. Kat.nr. 137f., Taf. 61 und 63]. Palmetten-F. gibt es in Hss. vom A. 13. Jh. (Abb. 3; ebd. Taf. 67-73). Ähnliche Formen kommen in Hss. aus anderen Zisterzienserklöstern vor, z. B. jenen aus Aulne (Diöz. Lüttich) in Brüssel, Bibl. roy. Albert Ier, ms. II.1054, II. 1116,1 und II 1115,1 (12./13.Jh.; [5] S. 99 und 108 mit Kat.nr. 25f. und 35, Abb. auf S. 15-57, 172).

Übergangsformen von Silhouetten- zu F.initialen gibt es vor allem in Hss. aus der Normandie, z. B. aus Jumièges (Rouen, Bibl. mun., ms. 240, 210, 238, 267, 211, alle vor 1123: Cat. des mss. en écriture latine portant des indications de date, de lieu ou de copiste, Bd. 7, bearb. von Monique-Cécile Garand u.a., Paris 1984 [Corp. des mss. datés en France, 7], Textbd. S. 271-277, Taf.bd. Taf. 46-II).

B. England

Nach gegenwärtigem Kenntnisstand scheint das F. in englischen Hss. weitgehend unabhängig von den großen Silhouetteninitialen mit der reicheren Ausgestaltung von Zierschriften, Satzmajuskeln und Paragraphenzeichen aufgekommen zu sein (vgl. die schlichten Blattmotive und verlängerten Serifen der einfarbigen Auszeichnungsschrift in Oxford, Jesus Coll., Ms. 67, fol. 3, aus Cirencester, M. 12. Jh.: Christopher de Hamel, A Hist. of Illuminated Mss., Oxf. 1986, S. 91 Abb. 84). Ob und in welcher Weise französische Vorbilder für die Ausprägung von F. maßgeblich waren, bedarf weiterer Klärung. F. im strengen Sinn gibt es in engl. Hss. erst gegen E. 12. Jh.

Charakteristisch ist, daß die Halbpalmetten neben der in Frankreich üblichen Kräuselblattform glatte Konturen haben können (Dijon, Bibl. mun., ms. 573 fol. 1v: [75] S. 297 Kat.nr. 321, Taf. 134; vgl. Patricia Stirnemann, Bull. mon. 143, 1985, S. 363-367, Abb. 2f.). Es scheint, als seien in engl. Hss. kleinteilige Formen aus Spiralen und Kreisen bevorzugt worden anders als in franz. Hss. (ebd.).

C. Dt. Sprachgebiet

Wenn auch das ganze 12. Jh. hindurch der Gebrauch der Silhouetteninitiale als sekundärer Initiale vorherrschend blieb, waren für die Ausprägung von F. Satzmajuskeln und sog. Auszeichnungsschriften offenbar wichtiger; ihr Schmuck wurde mit verlängerten Abläufen, Blattmotiven sowie mit die Kontur begleitenden Strichen und Schnörkeln um weiteren linearen Dekor vermehrt.

Ein früher Bestand von Hss. mit entsprechenden Zierschriften ist aus Schaffhausen erhalten. Bereits gg. E. 11. Jh. und A. 12. Jh. gebrauchte man dort teils verdickte und verzierte Capitalis-Schriften, die in anderen südwestdt. Skriptorien oft erst im späten 12. Jh. üblich wurden (Schaffhausen, Stadtbibl., Min. 15, fol. 1v, sowie Min. 41, fol. 3: Kat. der illum. Hss. des 11. und 12. Jh. aus dem Benediktinerkloster Allerheiligen..., bearb. von Annegret Butz ..., Stg. 1994 [Dkm. der Buchk., Bd. 11], S. 131 Abb. 51 und S. 148 Abb. 80). Sekundäre Initialen wurden nach dem Muster der Zierschriften ausgeführt, so daß Silhouetteninitialen und bisweilen F. zustandekam (ebendort, Min. 63: ebd. S. 172, Abb. 142; Min. 66: ebd. S. 177, Abb. 159).

Bei denjenigen Formen des Palmetten-F., die um die Jahrhundertwende entstanden, folgte man offensichtlich französischen Vorbildern (vgl. München, Bayer. St.bibl., cod. lat. 14 352, fol. 42v, entstanden in Regensburg: Elisabeth Klemm, Die roman. Hss. der Bayer. St.bibl., T. 1, Wiesb. 1980 [Kat. illum. Hss. München, Bd. 3 T. 1], Bd. 1 S. 42 Kat.nr. 47, Bd. 2 S. 41 Abb. 93).

Gegen E. 12. Jh. und im frühen 13. Jh. begann man, den Initialenschmuck immer öfter als linearen Dekor in deutlicher Absetzung vom Buchstabenkörper auszuführen, jedoch scheint dies regional unterschiedlich rasch geschehen zu sein.

Norddeutschland: Hss. aus Doberan in Mecklenburg und Corvey in Westfalen zeigen am E. 12. Jh. Silhouetteninitialen (Berlin, St.bibl. PK, ms. lat. fol. 252 und ms. theol. lat. fol. 482: [25] Bd. 1 S. 7-10 Kat.nr. 5f., Bd. 2 Abb. 13f., 16f.). -Zwar brachte auch das Skriptorium von Liesborn im 4. V. 12. Jh. Hss. mit Silhouetteninitialen hervor, aber die Entwicklung zum F. wurde dort erst im 13. Jh. vollzogen (Abb. 9).

Mitteldeutschland: Aus dem Thüringer Raum stammt der zwischen 1211 und 1213 entstandene Landgrafenpsalter (Abb. 4). Das F. ist streng auf die Buchstabenkontur beschränkt und besteht aus gekräuselten Blättern, die bei den größeren Goldinitialen von einem kräftigen Konturstrich betont sind und schraffiert sein können.

Aus dem Mittelrhein-Gebiet zeigen nur Hss. aus dem Benediktinerkloster Steinfeld bereits vom E. 12. Jh. an Initialen mit reichem F. aus schraffierten Palmetten, Nagelleisten, Strichelungen und Kreisen (Abb. 2; vgl. [24] S. 234-239).

Südwestdeutschland: Das Beispiel der Hss. aus dem Benediktinerkloster Weingarten zeigt, daß F.schmuck erst im 1. Dr. 13. Jh. allgemein gebräuchlich geworden zu sein scheint.

Seit 4. V. 12. Jh. vergrößerte man die sekundären Initialen und versah sie mit einfachen Silhouettenmotiven (Fulda, Hess. L.bibl., Hs. C 1, D 11, Aa 39: [39 a] S. 94-103 Kat.nr. 47-49; [39] S. 119-121 Abb. 444f., 450 und 452f., S. 125 Abb. 468). Im 1. Dr. 13. Jh. kann man Buchstabenkörper und linearen Palmettendekor in der Gegenfarbe deutlich unterscheiden. Das F. besteht weitgehend in Konturbegleitstrichen mit Kräuselblattmotiven sowie mit schraffierten Halbpalmetten und kleinen Kreisen (ebendort, Hs. D 5, fol. 144, 185 und 191: ebd. S. 143 Abb. 558-560; noch ausgeprägter: ebendort, Hs. Aa 40: [39 a] S. 112-114 Kat. 55; [39] S. 144 Abb. 562 und 564, S. 146 Abb. 567). Hss. der 1. H. 13. Jh. - sog. Berthold- Missale (Abb. 7), Missale des Hainricus Sacrista (Abb. 8), die Fuldaer Hs. Aa 32 - weisen sowohl zwei- oder mehrfarbige Silhouetteninitialen mit reichem schraffierten Palmettendekor, linearen Rankenfüllungen und -besatz auf als auch F.initialen der beschriebenen Art ([39 a] S. 115-119 Kat.nr. 57; [39] S. 150 Abb. 585-588, S. 152 Abb. 592).

Palmetten-F. franz. Prägung gibt es in Weingartener Hss. wohl erst nach M. 13. Jh. (ebendort, Hs. Aa 48: ebd. S. 168 Abb. 679-681).

Süddeutschland: Die Durchsicht der einschlägigen Hss. belegt, daß vielerorts, oft nur vereinzelt, Silhouetteninitialen vorkommen. Initialen mit F. sind jedoch erst seit 1. Dr. 13. Jh. in einzelnen Bänden der Kaisheimer Bibel belegt (München, Bayer. St.bibl., cod. lat. 28 167-28 168: E. Klemm, Die roman. Hss. der Bayer. St.bibl., T. 2, Wiesb. 1988 [Kat. illum. Hss. München, Bd. 3 T. 3], Bd. 1 S. 193-195 Kat.nr. 293f., Bd. 2 Abb. 629).

Zum gelegentlichen Aufgreifen französischer Vorbilder s. oben.

Oberösterreich: Frühe Beispiele sind Initialen in Hss. aus Baumgartenberg (Wien, Österr. Nat.bibl., cod. 669, fol. 36v: [30] S. 10-13 mit Abb. 1) und Garsten (Linz, Studienbibl., cod. 349, fol. 123v: ebd. Abb. 3), beide um 1200. Der Dekor ist deutlich vom Buchstabenkörper abgesetzt, in der ersten Hs. mit einer Binnenfeldfüllung aus dreiteiligen Palmetten vor schraffiertem Hintergrund, in der zweiten mit Ranken und silhouettierten Palmetten.

Möglicherweise aus Südtirol stammt die Hs. der Carmina Burana aus dem frühen 13. Jh. Die Ausstattung mit F. ist uneinheitlich.

Auf den ersten Seiten sind die roten Buchstaben mit einfachen schwarzen Konturlinien und Kräuselblättern verziert. Im hinteren Teil der Hs. gibt es aufwendigere, rote Initialen mit verzierten Schaftaussparungen, Ranken- und Kräuselblattformen, gestielten Perlen und zum Teil verlängerten Ablaufmotiven. Häufig sind Gesichter im Binnenfeld (München, Bayer. St.bibl., cod. lat. 4660 und 4660 a: Faks.-Ausg. der Hs. der Carmina Burana und der Fragmenta Burana ..., hg. Bernhard Bischoff, Mchn. 1967).

D. Italien

Erst in Hss. aus der Zeit um die Jh.wende kommen erste Silhouetteninitialen vor, die bisweilen französischen Vorbildern folgen; einfache Konturbegleitstriche, gelegentlich mit Kräuselblatt-, Kringel- oder Strichelornament findet man bei vergrößerten Anschlußbuchstaben, Paragraphenzeichen und Satzmajuskeln. Zwei Einzelmotive sind charakteristisch für Hss. aus der 1. H. 13. Jh. aus N-Italien und Bologna: vertikale Spiralleisten, die die mit Konturbegleitstrichen verzierten rot-blauen Anschlußtexte rechts abschließen, wobei jede Spirale mit einem kurzen gewellten Fädchen besetzt ist (Paris, Bibl. nat., ms. lat. 10 430, N-Ital., M. 13. Jh.: [11] S. 56 Kat.nr. 60 mit Abb.), sowie in den unteren Randbereich reichende, horizontal oder vertikal angeordnete vegetabile Gehänge, die mit anthropomorphen oder zoomorphen Formen kombiniert sein können (ebendort, ms. lat. 4523, wohl Bologna, A. 13. Jh.: ebd. S. Abb. 77; horizontale Formen: Bibl. Vat., cod. Ross. 595, E. 12.-E. 13. Jh.: La bibl. del Sacro Convento di Assisi I: I libri miniati di età roman. e got., bearb. von Marco Assirelli u. a., Assisi 1988, Taf. 22-24, Abb. 49-55).

VI. Palmettenfleuronné

Charakteristisch für das F. in Hss. aus dem 13. Jh. ist die stets vorkommende Grundform der Palmette. Die Binnenfelder von F.initialen überzieht gleichmäßig ein aus Blättchen sowie Ranken gebildeter „Teppich“, an den Buchstabenkörper können den Textspalten entlanggeführte F.ausläufer oder Stäbe anschließen. Wichtigster Träger des F. sind Rankenstränge, die aus einer oder zwei Linien gebildet sind, sich in medaillonartigen Einrollungen verzweigen oder zu brezel-, herz- oder S-förmigen Mustern arrangiert sind. Zwischenräume können fächerförmige Blätter oder Büschel von Halbblättern mit zumeist gebogten Konturen füllen.

In Frankreich und England wurde das Palmetten-F. seit etwa 1230 vereinheitlicht und stilisiert. Die Übergänge zu Knospenformen sind wegen der gleichzeitig eingeführten glatten Blattkonturen fließend. Vereinzelt im 1. V. 13. Jh., im allgemeinen erst im 2. V. 13. Jh. griff man in Italien und Deutschland Palmetten-F. auf und gebrauchte regional unterschiedliche Formen; aus dem 3.-4. V. 13. Jh. sind Mischformen aus Palmetten- und Knospen-F. belegt, ungefähr gleichzeitig vielerorts jedoch auch stattdessen Knospen-F.

A. Franz. Sprachgebiet

Französisches Sprachgebiet.

Der Buchschmuck in Hss. aus Paris aus der 1. H. 13. Jh. war lange Zeit Vorbild nicht nur für Werkstätten im übrigen Frankreich, sondern auch für solche in angrenzenden Ländern [63].

Das F. anderer franz. Skriptorien ist mit wenigen Ausnahmen (s. Sp. 1130) schlecht untersucht. Vgl. zu Hss. aus Troyes im späten 12. Jh. [64], zu Hss. aus Clairvaux [75] S. 161-169 Kat.nr. 135-147, zu den Anfängen der südfranz. Hss.produktion: [18] S. 80-82; [11] S. 64 Anm. 15.

1. Paris

Vorstufe des Pariser Palmetten-F. im 1. Jz. 13. Jh. ist der Initialenschmuck an geteilten, mehrfarbigen Buchstabenkörpern, deren Binnenfelder ein einfarbiges Linienmuster mit in einer Gegenfarbe ergänzten, gebogten Blattkonturen füllt. Von den schaftbegleitenden Palmetten zweigt jeweils eine Palmette mit angefügter Perlenpyramide ab, während den Buchstabenablauf eine komplexe Blattgruppe umschließt ([63] S. 64 Kat.nr. 18f.; [75] S. 181f. Kat.nr. 161).

Anhand des zwei Floratoren zugeschriebenen F. in einer in Paris 1213 vollendeten Abschrift des Almagest von Ptolemäus (Paris, Bibl. nat., ms. lat. 16 200) lassen sich Varianten des Palmetten-F. aufzeigen, die breit rezipiert wurden: Die Initialen der Hand B ([29] S. 125 mit Anm. 25, Abb. 3 und 7) haben symmetrische Muster aus zwei herzförmig zusammengeführten Stengeln oder Rankensträngen, die in zwei Halbpalmetten mit aneinanderliegenden Blattrücken enden. Nicht selten gehen die Blattspitzen wiederum in Stiele über, an denen erneut ein Blatt sitzt (vgl. St. Florian, O.Ö., Stiftsbibl., cod. XI/8, Frankr., M. 13. Jh.: [34] Bd. 48 S. 60, Abb. 303). Zu diesen schematisierten Füllmotiven gibt es eine Variante von Hand A (Abb. 6): Die Enden der herzförmigen Ranken sind stärker eingerollt und mit einem Palmettenpaar gefüllt (Cat. des mss. en écriture latine portant des indications de date, de lieu ou de copiste, Bd. 3, bearb. von Marie-Thérèse d’Alverny u.a., Paris 1974 [Corp. des mss. datés en France, 3], Textbd. S. 513, Taf.bd. Taf. 40). Ferner kommen Binnenfelder mit mehrfach gegabelten Spiralranken vor, deren Abzweigungen sich um einzelne oder um Büschel von gebogt konturierten Halbblättchen einrollen. Die Restflächen füllen keilförmige Zwickelpalmetten oder Einzelpalmetten mit Stengeln ([63] S. 65 Kat.nr. 20; [13] Abb. 10). An das Besatz-F. schließen die entlang den Textspalten weitergeführten Ausläufer in Rankenform an, von denen Palmetten abwechselnd nach der einen oder der anderen Seite abzweigen. Ähnliche Füllranken bietet ein Missale aus der Prämonstratenserabtei Cuissy in Laon, Bibl. mun., ms. 225: Edouard Fleury, Les mss. à min. de la Bibl. de L., Laon 1863, Abb. 20.

Im F. in Pariser Hss. wurden auch Formen aufgegriffen, die vor allem durch Bologneser Rechts-Hss. seit dem späten 12. Jh. verbreitet waren [11, S. 63f.]: Stäbe, die in die Seitenränder „hineinschießen“ (zu den „prolongements à l’italienne“, engl. „italianate shooters“ genannten Formen: [63] S. 62 mit Anm. 3; [64] S. 203 Anm. 25).

Diese sind entweder beidseitig mit Fischgrätenmotiven oder schuppenartig aneinandergereihten Halbblättern besetzt, so daß eine Ährenform entsteht, oder sie halbieren aufgesetzte Lilienmotive und Spiralenreihen (zu den sog. „motifs en épi“ und den „fleurons“ s. Sp. 1138). In den Pariser Hss. gehen diese Stäbe aus dem Buchstabenkörper hervor oder schließen daran oder an Paragraphenzeichen an (Stuttgart, Württ. L.bibl., cod. bibl. 2° 84, fol. 343rb: [53] S. 127f. Kat.nr. 59, Abb. 193). Als Zeilenfüllung und als Dekor von Seitenrändern wurden sie in der sog. Pariser Werkstatt der Luxuspsalterien seit etwa 1220 häufig verwendet (Manchester, John Rylands Libr., Ms. lat. 22, sog. Psalter der Jeanne de Navarre; Reiner Haussherr in: Fs. Matthias Zender. Stud. zu Volkskultur, Sprache und L.gesch., hg. Edith Ennen und Günter Wiegelmann, Bonn 1972, Bd. 2 S. 1076-1103, Abb. 3, 7-9).

Als in Paris etwa um 1230 die massenhafte Herstellung von Hss. im Umkreis der Universität (vor allem von Taschenbibeln) einsetzte, wurde das Palmetten-F. der zweiten Variante in ms. lat. 16 200 (s. Sp. 1127) weiterentwickelt. Man vereinfachte und vereinheitlichte das Formenrepertoire, um die Ausführung zu beschleunigen: Binnenfelder sind gefüllt mit einem beliebig erweiterbaren Netz aus Spiralranken, die in mehreren Windungen locker um einzelne Palmetten oder Büschel von Halbpalmetten gelegt sind. Die Kontur der Palmetten ist zum Teil noch gebogt (Abb. 12; [53] S. 135f. Kat.nr. 64), doch finden sich in Hss. seit den dreißiger und vierziger Jahren vermehrt fächerförmige Palmetten und Halbpalmetten, die durch einen glatten Bogen geschlossen sind ([63] S. 67 Kat.nr. 29f., dat. 1239 und 1233-1243). Man begradigte den Verlauf der F.ausläufer aus meist mehr als zwei Parallelfäden, so daß jegliche Ähnlichkeit mit einer Ranke verlorenging. In den vierziger Jahren kamen drei Neuerungen hinzu: Häufiger verwendete man verzierte Fäden im Anschluß an Besatzpalmetten (ebd.), Stäbe, die alternativ an Stelle der F.ausläufer benutzt werden konnten und deren Besatz aus kompakten Kompartimenten und Fischgrätenmotiven aus den erwähnten Bologneser Zierformen hervorgegangen zu sein scheint (ebd. S. 68), sowie Besatz aus dichten Perlenreihen am Buchstabenkörper („oeufs de grenouille“: ebd.).

Bis in die siebziger Jahre des 13. Jh. wurde das Palmetten-F. immer stärker vereinheitlicht und abstrahiert. Die Füll- und Besatzpalmetten wurden schließlich so dicht zusammengerückt, daß die von den Rankensträngen abgeteilten Flächen und Medaillons lückenlos ausgefüllt mit Perlen oder gestielten Formen waren. In vielen Fällen ist deshalb eine eindeutige Bezeichnung als Palmetten- oder Knospen-F. nicht möglich (Paris, Bibl. nat., ms. lat. 5592, dat. 1273: Cat. des mss. en écriture latine portant des indications de date, de lieu ou de copiste, Bd. 2, bearb. von Charles Samaran und Robert Maríchal, Paris 1962 [Corp. des mss. datés en France, 2], Textbd. S. 277, Taf.bd. Taf. 32; ebendort, ms. lat. 478, dat. 1286: ebd. Textbd. S. 15, Taf.bd. Taf. 35). Aus denselben Motiven kann Besatz und Füllung der rechteckig begrenzten Außengründe bestehen, so daß der Buchstabenkörper auch von außen von dichtem F. umschlossen ist [75, S. 187f. Kat.nr. 167]. Gleichzeitig begann man, das Besatz-F. anzureichern.

Die schaftbegleitenden Perlenreihen wurden mit Spiralfädchen, kreuzschraffierten Scheiben, Punktrosetten, kleinen Perlenpyramiden und -gruppen verziert (Stuttgart, Württ. L.bibl., cod. HB VII 50b, fol. 111va: [53] S. 159 Kat.nr. 76; [63] S. 69-71 Kat.nr. 35f., 38, 47; [75] S. 193f. Kat.nr. 176). Zusammen mit einer zunehmend flüchtigen Malweise führte dies gg. E. 13. Jh. zur völligen Veränderung des charakteristischen Erscheinungsbildes von Palmetten-F. [63, S. 71].

Die kleinen, sekundär verwendeten F.initialen belegen die zunehmende Schematisierung.

In den dreißiger und vierziger Jahren schließen langstielige Palmetten als Ausläufer oben und unten an den Buchstabenkörper an (ebd. S. 67 Kat.nr. 25f.; [53] S. 134f. Kat.nr. 63). Diese wurden um die Jh.mitte durch Fadenwerk ersetzt [63, S. 68 Kat.nr. 31]. Seit dem 3. V. 13. Jh. sind die unteren Fäden geknickt und nicht selten zu einer Schlaufe zusammengeführt (ebd. S. 70 und Kat.nr. 40f.). Diese Figurationen gelten als typisch für das franz. F. in der 2. H. 13. Jh. [60, S. 74].

2. Nordostfrankreich, Südliche Niederlande (Flandern, Maasgebiet)

Die nordostfranzösischen Ateliers ([15]; [16]; Kerstin Birgitta Elisabet Carlvant, Thirteenth-c. illuminated mss. in Bruges and Ghent, Diss. phil. Columbia Univ. 1978 [masch.]; [18] S. 42-45, 73-76) übertrafen bald nach der Jh.mitte die Pariser Werkstätten an Bedeutung und waren, ebenso wie Ateliers in Flandern und im Maasgebiet, oftmals, was die Gestaltung des F. betraf (s. Sp. 1144), Vorbilder für Skriptorien im dt.sprachigen Raum.

In den Diözesen Cambrai und Tournai wurden großformatige Codd. mit F.initialen hergestellt, die in solcher Größe in Hss. aus Paris nicht nachweisbar sind [63]. Die Binnenfelder gliedern Spiralranken, im Besatz gibt es abzweigende, zu Medaillons eingerollte Rankenstränge. In einem Band des Exemplars der „Moralia in Iob“ aus dem Dominikanerkloster in Gent (Abb. 21; zur Hs. [53] S. 169f. Kat.nr. 83) enden die Rankenstränge in gezähnten oder glatt konturierten Halbblättern, auf denen Blattbüschel sitzen. Die Einzelblättchen der Büschel ähneln entweder den Palmetten mit umgebogenem Blattrücken in der Deckfarbeninitiale (ebd. Abb. 347), oder haben die Form von Knospen. In einer gleichzeitigen, vielleicht in Cambrai angefertigten Bibel (Paris, Bibl. nat., ms. lat. 16260: [15] Taf. 7; [16] Abb. 5) dominieren Knospen- und Perlenformen. Die Initialen in beiden Hss. haben reiches Fadenwerk in Schlaufenform.

Eine weitere Eigenheit der Skriptorien in diesem Raum sind Initialen mit gemalten Füll- und Besatzmotiven in Form von Blüten, Rosetten, Halbblättern bzw. Sägeblattkompartimenten (ebd. S. 222 mit Abb. 29 a-c). Die Binnenfelder gliedern Ranken, die an Palmetten-F. gemahnen, oder aneinandergereihte Zellen, die Knospen-F. entsprechen. Dieser Initialentypus, eine späte Spielart der romanischen Silhouetteninitiale, findet sich bereits in Pariser Hss. aus dem 2. und 3. V. 13. Jh. [63, S. 70 Kat.nr. 33f., 37, 42]. Seine Verwendung blieb in Nordostfrankreich jedoch nicht auf kleine Initialen des Lombardentyps beschränkt, sondern wurde auch bei größeren Initialen angewendet (Heverlee-lez-Louvain, Abtei Parc, Ms. 3, dat. 1263: [45] S. 22 Kat.nr. 12, Taf. 48 a; Passionale für das Benediktinerkloster St. Martin in Tournai und eine Augustinus-Hs.: Brüssel, Bibl. roy. Albert Ier, ms. 21 885 und ms. II. 2297, beide dat. 1277: ebd. S. 23f. Kat.nr. 17f., Taf. 62, 64).

In der bisher nicht genauer lokalisierbaren sog. Biblia Porta fallen Initialen mit Palmetten-F. auf, das in Binnenfeld und im Besatz mit gemalten floralen Formen durchsetzt ist (Lausanne, Bibl. académique, ms. U 964: Ellen Judith Beer in: Fs. Hans R. Hahnloser..., hg. E. J. Beer u.a., Basel und Stg. 1961, S. 271-288, Abb. 2; [18] S. 73).

In der 1248 dat. Bibel aus dem Kloster Zoutleeuw, Diöz. Lüttich, gibt es sowohl Initialen mit vergröbertem kolorierten Palmetten-F. (vgl. Sp. 1144) als auch große Initialen mit gezeichnetem Palmetten-F. (Lüttich, Bibl. du Séminaire, cod. 1B, Bd. 1: [45] S. 21 Kat.nr. 10, Taf. 38, 39 a-d). Das Formenrepertoire der F.initialen erinnert an die Hs. des Almagest aus Paris von 1213 (s. Sp. 1127). Die Binnenfelder füllen Ranken in unterschiedlichen, teils ineinander geschachtelten Herzformen; die Enden der Rankenstränge sind zu Spiralen mit Palmettenbüscheln oder einem kugeligen Palmettenblatt eingerollt. Ebenso beliebt war das Palmettenpaar mit Stengeln in Herzform (s. Sp. 1127). Die Restflächen nehmen trichterförmige Zwickelpalmetten und Büschel von glatt konturierten Knospen ein. Auffällig sind stark differenzierte Blattformen.

In den seit M. 13. Jh. werkstattmäßig hergestellten Hss. aus der Diöz. Lüttich gab es offenbar nur kleine F.initialen, deren Entwicklung mit denen der Pariser Ateliers synchron läuft (Judith Oliver, Gothic ms. illuminated in the diocese of Liège [c. 1250 - c. 1330], Löwen 1988 [Corp. of illuminated mss. from the Low Countries, 2], Abb. 20, 78, 94, 107f., 122, 124, 133, 146).

B. Kastilien

Eine 1259 angefertigte astrologische Hs. zieren F.initialen mit farblich geteilten Buchstabenschäften, deren Binnenfelder durch präzise Muster von Spiralranken mit Palmettenbüscheln gegliedert sind (Madrid, Bibl. Nac., ms. 9294, fol. 100v: Hipólito Escolar [Hg.], Hist. illustrada del libro español: Los mss., Madrid 1993, Abb. auf S. 190). Spätere Codd. sind mit äußerst kleinteiligen Rankenfüllmotiven versehen, deren Aussehen an Wurmfraß erinnert (franz. „décor filigrané vermiculé“ genannt: François Avril u.a., Mss. enluminés de la péninsule ibérique, Paris 1982, S. 80-82 Kat.nr. 92 und 94, Taf. F). Zu weiteren span. Beispielen ebd. Taf. 105ff.

C. England

Da F.initialen als sekundärer Teil der Ausstattung in engl. Hss. bisher kaum berücksichtigt wurden (Ausnahme: [60]) und nur wenige Hss. einem der Skriptorien in den Universitätsstädten Oxford oder Cambridge zugeordnet werden können (vgl. [1] S. 32f.; [1 a] S. 22-24), sind nur vorläufige Bemerkungen zum Palmetten-F. möglich.

Auffällig ist, daß im Vergleich mit Pariser Initialen Einzelformen des Ornaments freier gestaltet wurden.

So sind in einer 1214 in St. Albans illuminierten Hs. die Binnenfelder der großen Initialen mit farblich geteilten Schäften gefüllt mit herzförmigen Ranken; diese haben gebogt konturierte Einzelpalmetten und Palmettenbüschel, die dem F. von Hand A im Pariser Almagest von 1213 ähneln (Abb. 5; zur Hs. [67] S. 95 Kat.nr. 28). Die dominanten, in die Seitenränder ausgreifenden F.ausläufer mit beidseitigem Besatz aus Palmetten und Fäden heben sich deutlich vom F. in Pariser Hss. ab, das dreiteilige Endmotiv findet sich noch in den Hss. des Matthew Paris, die um 1250 in St. Albans entstanden (Sonia Patterson, An attempt to identify Matthew Paris as a flourisher, The Library 5, 32. F., 1977, S. 367-371). Die zwischen die Besatzpalmetten eingefügten, gestrichelten Halbblätter sowie die schraffierten Blattrücken sind Motive, die durch Bologneser Rechts-Hss. vermittelt waren.

Neu war das Motiv des dreiteiligen Blatts, das die Vorliebe englischer Floratoren für vegetabile Formen und figürliche Motive zeigt ([12] S. 68 Kat.nr. 108, S. 82f. Kat.nr. 128f., S. 109-113 Kat.nr. 152; ein frühes, vereinzeltes Beisp. für die im 14. Jh. beliebte Einfügung von Figuren in das F. des Binnenraums: Oxford, New College, Ms. 308 [3] S. 14 Kat.nr. 106, Abb. auf Taf 6).

Nachgeahmt wurden auch italienische Randverzierungen (London, Brit. Libr., Ms. Royal 3. C. V, fol. 2: [70] Bd. 1 S. 75, Bd. 4 Taf. 30; [67] S. 95 Kat.nr. 27). Den frühen Bologneser Rechts-Hss. ähnliche Schmuckformen an den Seitenrändern gibt es vor allem in Psalterien und Stundenbüchern, jedoch auch in Hss. aus dem Umkreis der Universitäten (ebendort, Ms. Harley 3487: [1 a] S. 130f. Kat.nr. 145; vgl. [12] S. 65f. Kat.nr. 103; zu Randverzierungen in liturg. Hss. [1 a] S. 13f., 66f. Kat.nr. 104; Nigel Morgan, The artists of the Rutland Psalter, The Brit. Libr. Journ. 13, 1987, S. 159-185; häufig verwendet in der Oxforder Werkstatt des William de Brailes im 2. Dr. 13. Jh.: Claire Donovan, The de Brailes hours, Ld. 1991). An ital. Vorbilder erinnern auch die Blöcke aus F. um neben- oder übereinandergesetzte Ziermajuskeln in Rot und Blau zu Textanfängen [12, S. 62f. Kat.nr. 97].

Zum Initialtypus mit rot und blau geteilten Schäften konnte bei bedeutenderen Texteinschnitten vergröbertes Palmetten-F. treten, das mit Farbgründen hinterlegt und mit Rot, Orange, Blau, Grün, Gelb oder Rosa koloriert ist (vgl. Paris, Bibl. nat., ms. lat. 770, Psalterium aus Christ Church, Canterbury, um 1210/1220: ebd. S. 52f. Kat.nr. 79; zur Verbreitung in Nordfrankreich ebd. S. 49f.). Bis nach M. 13. Jh. waren solche Initialen in engl. und schottischen Hss. gebräuchlich (ebd. S. 54-56 Kat.nr. 82, 86; S. 60 Kat.nr. 92).

Wie in Hss. aus Paris wurden in englischen Hss. seit 2. V. 13. Jh. Ranken mit Palmetten-F. vereinheitlicht und verfeinert.

Eine 1221/1222 in Ely angefertigte Hs. weist noch altertümlich erscheinende Füllpalmetten auf (London, Brit. Libr., Ms. Cotton Tiberius B. II: [71] S. 106 Nr. 554, Bd. 2 Abb. 128). Zur selben Zeit waren jedoch bereits kleinere Palmetten, die büschelweise in die Spiralen eingefügt werden, und glatt konturierte, fast knospenartige Halbpalmetten in den Restflächen üblich (Abb. 10; [13] S. 5f. Abb. 8; [12] S. 68f. Kat.nr. 108f.; vgl. auch ebd. S. 66f. Kat.nr. 105).

Den in Paris beliebten Spiralranken scheinen in England die herz- oder brezelförmigen Rankenmotive mit fächerartig entfalteten Palmettenbüscheln vorgezogen worden zu sein. Das Erscheinungsbild englischer Hss. ist von bewegten F.ausläufern mit abzweigenden Palmettengruppen und kurzem, in die Seitenränder ausgreifendem Fadenwerk geprägt. Es herrschen symmetrische Besatzformen aus schuppenartig aneinandergereihten Palmetten und Fischgrätenmotiven vor, die von italienischen Vorbildern übernommen wurden ([13] Abb. 8; [12] S. 72f. Kat.nr. 115).

Der von den Floratoren offenbar angestrebten feinen und sorgfältigen Zeichnung wegen bedienten sie sich oftmals roter Tinte. Ausschließlich in englischen Hss. konnte die alternierende Farbigkeit der Buchstabenkörper aufgegeben sein. Diese sind dann stets blau, bei hervorgehobenen Initialen mit aufgesetzten weißen Linien, die einen ausgesparten Steg vortäuschen sollen, während das F. rot ist. Dieser Verzicht auf Farbwechsel beim F. ermöglichte es den Floratoren, in der Zeichnung viele Linien dicht nebeneinander zu setzen (ebd. S. 49, 77 Kat.nr. 120 und S. 80f. Kat.nr. 124; [70] Bd. 4 Taf. 50). Die Palmette wurde zu einer winzigen, glatt konturierten (meist blau gekernten) Form reduziert, die entweder als stilisierte Palmette oder als Knospe aufgefaßt werden kann. Diese Verfeinerung führte im 3. V. 13. Jh. zu einer gewissen Manieriertheit. Vor allem die F.ausläufer verloren ihr herkömmliches Erscheinungsbild, die Palmetten zweigen in regelmäßigen Abständen ab und sind mit weit in die Seitenränder ausgreifenden, spiralig eingedrehten Fäden versehen ([12] S. 80f. Kat.nr. 124, S. 83 Kat.nr. 130, S. 85 Kat.nr. 134; [53] S. 190f. Kat.nr. 98, Abb. 382f.; [72]). Ein für die englische Buchmalerei der 2. H. 13. Jh. charakteristisches Motiv sind F.ausläufer mit angefügtem Faden in Schlaufenform ([60] S. 25, 73; [12] S. 91f. Kat.nr. 142, S. 109 Kat.nr. 151).

D. Italien

Initialen mit Palmetten-F. wurden vergleichsweise spät üblich (etwa seit 2. V. 13. Jh.). Im Gegensatz zu Frankreich oder England kann den einzelnen Regionen unterschiedliches F. zugeordnet werden, das meist franz. Vorlagen folgt.

1. Padua

Bekanntestes Zeugnis für das seit 2. V. 13. Jh. in diesem Gebiet übliche Palmetten-F. ohne Binnenzeichnung ist das 1259 von Giovanni da Gaibana geschriebene Epistolar (Padua, Bibl. capitolare: L’epistolario miniato di Giovanni da Gaibana, hg. Claudio Bellinati und Sergio Bettini, Vicenza 1968 [Saggi e studi di storia dell’arte, 11]).

Bei den kleinen F.initialen fallen die an den Buchstabenkörper anschließenden Motive auf: An kurze F.ausläufer mit einseitig abzweigenden Palmettengruppen sind wiederum Stäbe angefügt, die entweder gezeichnete Lilienblüten halbieren oder einen beidseitigen Besatz aus symmetrisch abzweigenden Palmettengruppen, gebogt konturierten Halbblättern und gemalten Keil- oder Sägeblattkompartimenten aufweisen. Ähnlich wie in den Bologneser Rechts-Hss. aus der 1. H. 13. Jh. können aus Tierköpfen Stäbe hervorgehen, die im unteren Seitenrand horizontal geführt und zum Teil von Feldern mit geometrischen Mustern unterbrochen sind (z. B. fol. 23: ebd.). Auffällig ist außerdem, daß einige der Deckfarbeninitialen F.besatz, -ausläufer und -stäbe in denselben Formen besitzen (fol. 4f. u. ö.: ebd.). Noch die Troubadour-Hss., die im späten 13. Jh. in Padua hergestellt wurden, weisen einfachere, aber ähnliche F.ausläufer auf ([7] S. 291f. Kat.nr. H 4; [11] S. 2 Kat.nr. 9, 14f.).

2. Genua

Um M. 13. Jh. gab es Ateliers, die auf die Herstellung von Liturgica für den Dominikanerkonvent, Bibeln sowie Chroniken und Epen-Hss. in französischer Sprache spezialisiert waren (ebd. S. 23-27). Charakteristisches Merkmal sind F.initialen, deren Formenrepertoire um 1270 voll ausgebildet war [28]; Vorbild war frühes Pariser Palmetten-F. mit herzförmigen Rankenmotiven und kompositen Blattformen (ähnlich der Variante B in Paris, Bibl. nat., ms. lat. 16 200: s. Sp. 1127), doch ging dessen Feingliedrigkeit in der Nachahmung verloren.

Da die Genueser Floratoren die Einzelformen dichter gruppierten, die Umrißlinien verstärkten und den gebogten Blattkontur durch einen innen gestrichelten ersetzten, entsteht vielfach der irrige Eindruck, die Blättchen seien aus farbigem Grund ausgespart. Während eine Bibel in Fulda (Hess. L.bibl., Hs. Aa 80: [39] S. 199 Abb. 835, 201 Abb. 851; [39 a] S. 152-154 Kat.nr. 82) die Vorlagen noch deutlich erkennen läßt, sind die durch die Übernahme bedingten Veränderungen in einer Bibel in Paris bereits wesentlich auffälliger (Bibl. nat., ms. lat. 42: [11] S. 29f. Kat.nr. 25). Die schaftbegleitenden Leisten und die Außengründe der Initialen mit farblich geteilten Schäften füllen Ranken in denselben Formen wie die Binnenfelder. Vom Buchstabenkörper gehen zum Teil gezeichnete Stabformen aus, die symmetrisch mit Perlengruppen, tropfenförmigen Fadenschlaufen oder gebogt konturierten, keilförmigen Halbblättern besetzt sind (Abb. 28; ebd. S. 36f. Kat.nr. 37, auch S. 27-29 Kat.nr. 24, S. 37-39 Kat.nr. 38f.; [29] S. 131, Abb. 1, 6, 11, 17, 19). Einzelne, einer Zierleiste ähnelnde Stäbe sind beidseitig von einander zugewendeten, innen gestrichelten Halbblättchen begleitet [11, S. 35f. Kat.nr. 35]. An Kopf- und Fußpunkt der kleinen, abwechselnd roten und blauen F.initialen sitzt meist nur eine Spirale, an die sich das typische Endfadenwerk aus drei oder vier Parallelfäden mit treppenartig abgestuften Enden anschließt (ebd. S. 32f. Kat.nr. 30, S. 36-38 Kat.nr. 37f., S. 40f. Kat.nr. 42; [29] S. 147f.).

Dieselben Formen wurden A. 14. Jh. offenbar auch in Mailand verwendet ([11] S. 22 Kat.nr. 22f.; [29] S. 126f.).

3. Bologna

Um die Jh.mitte gebrauchte man dort immer seltener stabartige Gehänge in roter und blauer Tinte zum Schmuck der unteren Seitenränder.

Kennzeichen des F. sind schraffierte Blätter an den F.ausläufern aus gebündelten Parallelfäden (Wien, Österr. Nat.bibl., cod. 1415: Abb. 19; Beschr. Verz. Österr. Bd. 5,1 S. 99-101 Kat.nr. 66; ferner Paris, Bibl. nat., ms. lat. 14 325: [11] S. 88f. Kat.nr. 107, Taf. 52; Florenz, Bibl. Riccardiana, ms. 453: [20] Taf. 7). Ebenso wie einzelne Figurationen von Stabformen sind sie aus dem Dekor des Bas-de-page früherer Zeit übernommen; dasselbe gilt für vom Stab halbierte, lilienähnliche Blüten („fleurons“) und gebogt konturierte Blätter, Fischgrätenmotive oder kleine, schuppenartig aneinandergereihte Blättchen, die den Stab symmetrisch besetzen (zum Bologneser F. zw. 1260 und 1280: [11] S. 79; [28] S. 101-106. Das Aussehen der beiden letztgenannten Motive wurde mit dem von Getreideähren - „motifs en épi“ - verglichen: ebd. S. 101f.). Die Stäbe können von Tierköpfen ausgehen (Wien, Österr. Nat.bibl., cod. 1415: s. oben) oder von den Ausläufern in die Seitenränder „schießen“ (Florenz, Bibl. Riccardiana, ms. 453: [20] Taf. 7). In den Bibeln der sog. prima maniera begleiten sie oftmals die Textspalte über ihre gesamte Höhe (Abb. 18; [53] S. 193-196 Kat.nr. 100; ferner Oxford, Bodl. Libr., Ms. Canon. Bibl. lat. 56, dat. 1265: [28] Abb. 23). In der um 1267 entstandenen Bibel in Paris, Bibl. nat., ms. lat. 22, finden sich zwar immer noch die Voluten mit schraffierten Blättchen, jedoch sitzen diese an seitenlangen Stäben mit Besatz aus aneinandergereihten Formen - Fischgrätenmotiven oder Blättchen -, die an den Außenseiten von Strichelungen, Sägeblattkompartimenten oder kreuzschraffierten Scheiben gesäumt sind ([11] S. 85-87 Kat.nr. 103; [20] Abb. 24, 38). Diese Formen blieben für das Bologneser F. vom späten 13. Jh. an charakteristisch.

4. Rom

Wie die Deckfarbenmalerei scheint auch das F. in den Hss. des 13. Jh. aus Rom von französischen Vorlagen geprägt zu sein ([11] S. 128-131 mit Kat.nr. 157; S. J. P. van Dijk, Scriptorium 14, 1960, S. 257-314, Taf. 23, 25f.).

5. Neapel

In den seit M. 13. Jh. tätigen Ateliers [11, S. 151-153] wurden wohl die Hss. angefertigt, die entweder mit der sog. Manfred-Bibel (Rom, Bibl. Vat., cod. Vat. lat. 36) oder mit der sog. Konradin-Bibel (Baltimore, Walters Art Gal., W. 152) in Zusammenhang gebracht werden [21].

Mehrere Hss. aus dem Umkreis der Manfred-Bibel stimmen im F.dekor überein, so die zw. 1258 und 1266 für Kg. Manfred hergestellte Abschrift des Falkenbuchs (Abb. 20) und drei Bibeln in der Pariser Bibl. nat. (ms. lat. 10 428, 40 und 217: [11] S. 153-156 Kat.nr. 181-183; Henri-Jean Martin und Jean Vezin [Hgg.], Mise en page et mise en texte du livre ms., Paris 1990, S. 391 Abb. 375; vgl. mindestens eine Bibel aus dem Umkreis der sog. Konradin-Bibel in Palermo, Bibl. centrale della regione

Siciliana, ms. I.C.13: Hélène Toubert, Mél. de l’école franç. de Rome 91,2, 1979, S. 729-784; Bibl. centrale della regione Siciliana, Palermo, hg. Silvana Masone Barreca, Flor. 1992, Taf. 12-14; [21] S. 19 mit Abb. 1, 2). Charakteristisch sind die mit kreuzschraffierten Scheiben kombinierten Palmettenbüschel, die die Medaillonranken der Binnenfelder und die Zwickelflächen der Außengründe füllen. Es gibt sie auch in den unteren Seitenrändern, wo die geraden, in regelmäßigen Abständen mit einem Halbblatt und einer kreuzschraffierten Scheibe besetzten F.ausläufer zu Medaillonranken eingerollt sind.

E. Dt. Sprachgebiet

Die gebräuchlichen Formen des F. gehen in der Regel auf französische Vorbilder zurück, in der 1. H. 13. Jh. vor allem auf Hss. aus Paris, seit der Jh.mitte wohl vornehmlich auf Hss. aus Nordostfrankreich und Flandern.

1. Südwestdeutschland, Elsaß, Schweiz

F.initialen zieren viele Hss., die im 1. Dr. 13. Jh. in den Skriptorien der Zisterzienserklöster Salem und Pairis entstanden.

Man erklärte Ähnlichkeit und Abhängigkeit des F. von franz. Vorbildern mit der beiden Klöstern gemeinsamen Zugehörigkeit zur Filiation von Morimond (E. J. Beer, Zur Buchmal. der Zisterzienser im oberdt. Gebiet im 12. und 13. Jh., in: Bau- und Bildk. im Spiegel internat. Forschg. Fs. Edgar Lehmann, hg. Marina Flügge u.a., Bln. 1989, S. 72-88; zu Salem [74]; zu Pairis [19] S. 44-47). Solche F.initialen gab es jedoch schon in glossierten Bibeln aus Paris, die im letzten Dr. 12. Jh. in großer Zahl in den südwestdt. Raum importiert wurden und dortigen Werkstätten als Vorlage dienten ([74] Abb. 79-81, Taf. 9; [19] Abb. 76, 81f., 85-88 a; [53] S. 10f.). In diesen Bibelkommentaren wurden auch Silhouetteninitialen mit konturbegleitendem F. verwendet, die ähnlich in den frühen, um 1200 in Salem angefertigten Codd. vorkommen (Heidelberg, Univ.bibl., cod. Sal. X 10,1 und IX 23: [74] S. 301 Abb. 62, S. 328f., 334; zu den Pariser Vorbildern [63] S. 61f. Kat.nr. 10, 12). Bei der Füllung der Binnenfelder variierten die Salemer Floratoren die Prinzipien von Hand B im Almagest des Ptolemäus von 1213 (s. Sp. 1127); charakteristisch sind konturbegleitende Palmetten mit aneinandergelehnten Blattrücken statt herzförmiger Ranken. In den Salemer Hss. sind die Stiele meist durch Bänder verbunden, an die eine Zwickelpalmette angegliedert sein kann. Wie in der Pariser Hs. gehen aus den Blattspitzen weitere Blattformen hervor [74, Abb. 61]. Noch in den Hss. aus dem 2. V. 13. Jh. gibt es ähnliche, zum Teil geometrisch angeordnete Füllmotive (ebendort, cod. Sal. X 22, fol. 98: ebd. S. 334; cod. Sal. X 11, fol. 31v: ebd.). In dieser Zeit kommen reichere Besatzformen hinzu: Palmetten mit fingerartigen Fortsätzen, abzweigende Palmetten, deren Spitzen in ein weiteres Palmettenblatt übergehen, Reihen unterschiedlich geformter Palmettenblätter, die am Buchstabenkörper anliegen (Abb. 13; ebd. S. 336; ähnlich Füll- und Besatzmotive in Weingartener Hss. aus dem 1. Dr. 13. Jh.: Fulda, Hess. L.bibl., Hs. Aa 40: [39] S. 144, 147 mit Abb. 562, 564, 567). Die Endmotive der Buchstabenabläufe sind nicht selten als Ranken oder Blüten in der Silhouette ausgeführt; von ihnen können Stäbe in der Art der Bologneser Rechts-Hss. als Randdekor ausgehen.

Nach 1240 brach die Produktion von Hss. ab; als man um 1280 wieder damit begann, wurden Initialen mit Knospen-F. verwendet (s. Sp. 1163-1166).

Nahezu identische Motive finden sich in den Hss. aus der elsässischen Zisterze Pairis (Colmar, Bibl. mun., ms. 237 [314]). Eigenart eines Florators sind in die Seitenränder auswuchernde Stabformen aus Palmetten (ebendort, ms. 238 (315), fol. 73v).

Aus dem 2. und 3. V. 13. Jh. stammen vereinzelte, nicht genauer lokalisierbare Hss.

Dazu zählt der sog. Oberndorfer Psalter mit Stäben aus gezeichneten vegetabilen und zoomorphen Formen (Stuttgart, Württ. L.bibl., cod. bibl. 4° 40: [53] S. 82-85 Kat.nr. 19, Abb. 78). Ein 1253 dat. Psalter (Zürich, Zentralbibl., Rh 85: [54 a] Textbd. S. 229 Nr. 702, Taf.bd. Abb. 13f.) und sein Gegenstück in Fulda (Hess. L.bibl., Hs. Aa 46: [39] S. 195f. Abb. 814-823) belegen den andauernden Gebrauch der Silhouetteninitiale mit einfachen, konturbegleitenden Motiven des Palmetten-F. Auffallend sind die vielen Vögel in den Besatzpalmetten und die von Händen gehaltenen Stäbe aus vegetabilen und floralen Formen. In dem zum Gebrauch in der Diözese Basel bestimmten Bonmont-Psalter umgeben Ranken mit naturalistischen Blattformen einzelne Anfangsbuchstaben (Besançon, Bibl. mun., ms. 54: [66] S. 50f., 126f., Abb. 582).

Im 3. V. 13. Jh. übernahm ein in Zürich ansässiges Atelier eine führende Rolle bei der Herstellung von Hss. im hoch- und oberrheinischen Gebiet.

Die Hss. aus dieser Werkstatt, die besonders für die Dominikaner tätig war, charakterisieren einheitliche Motive in Deckfarben- und F.initialen, die mehreren Floratoren zugeschrieben werden (Herta-Elisabeth Renk, Der Manessekreis, seine Dichter und die Manessische Hs., Stg. usw. 1974 [Stud. zur Poetik und Gesch. der Lit., 33], S. 111, 130-135, Abb. 1-6, 8, 11f.; [52] S. 428-430; [55]; [53] S. 30-32). Neben gebogt konturierten Halbblättchen bildet ein gelapptes Halbblatt, das von einem halbkreisförmigen Stengel mit gestrichelten oder ausgemalten Zwickelfeldern umschlossen wird, ein beliebtes Füllmotiv der meist kleinen F.initialen. Im Besatz ist das gehäufte Auftreten eines Fadens mit gewelltem und umgebogenem Ende auffällig. Während das F. bei den Initialen der Zeit vor und um 1270 wegen der additiven Verwendung von Einzelmotiven stilisiert wirkt (Abb. 23; ferner Stuttgart, Württ. L.bibl., cod. HB VI 64: ebd. S. 68 Kat.nr. 9, Abb. 18), gewinnt das Besatz-F. im späteren 13. Jh. durch in großer Zahl eingefügte, freistehende Perlen zunehmend an Lebendigkeit (Zürich, Zentralbibl., Z XIV 30 Nr. 4: [52] Taf. N 4/1; [55] S. 37). Dazu tragen ferner Stäbe bei, die mit Gruppen aus gemalten Halbblättern und Rosetten besetzt sind (Stuttgart, Württ. L.bibl., cod. HB I 65: [53] S. 69 Kat.nr. 10, Abb. 22f.). Im frühen 14. Jh. kamen dazu gehäuft Sägeblattkompartimente und Spiralfädchen sowie Endfadenwerk in Schlaufenform (Abb. 27; ebd. S. 70 Kat.nr. 11). Wichtigstes Beisp. aus dieser Zeit ist das F. des am Cod. Manesse beteiligten Florators „J 1“ (Heidelberg, Univ.bibl., cod. Pal. germ. 848: [52] S. 428-430, Taf. N 1, N 2/1, N 2/2, N 2/4, N 3, N 6). Dieser benutzte für die großen Initialen Buchstabenkörper, die rot oder blau konturierte Kreise mit Kernen in der jeweiligen Gegenfarbe füllen; diese Variante der farblich geteilten Schäfte ist auch aus anderen Hss. bekannt (ebd. Taf. N 2/2, N 3).

Mit dem F. des Züricher Ateliers hängen die Initialen eines bisher ins Elsaß lokalisierten Graduale aus dem Dominikanerinnenkloster St. Katharinenthal zusammen (Nürnberg, Germ. Nat.mus., Hs. 21 897: [7] S. 335f. Kat.nr. J 10; Cordala M. Kessler, ZAK 51, 1994, S. 218f.). Den großen F.initialen fehlt zwar das charakteristische Fadenwerk, doch teilen sie mit den Züricher Hss. die Sonderform der farblich geteilten Buchstabenschäfte, gelappte, aus farbigem Grund ausgesparte Halbblätter in den Binnenfeldern und Stabformen aus silhouettierten Blättern und Blüten [17, S. 202 Abb. 58]; zur möglichen Herkunft dieser Motive aus Hss. aus den Diözesen Cambrai und Tournai ebd. S. 201f., Abb. 59).

Im späten 13. Jh. gibt es zwei Sonderformen des Palmetten-F.: Die eine ist gekennzeichnet durch Spiralranken mit fein gezähnten, zum Teil kolorierten Palmetten vor farbigen Gründen (Freiburg i. Ue., Bibl. cantonale et universitaire, ms. L 305, Missale aus dem Zisterzienserkloster Hauterive: [61] Bd. 11 Taf. 23). Charakteristisch für die zweite Sonderform sind Halb- und Vollblätter mit gezähntem und gelapptem Kontur, die für Füllung und Besatz gleichermaßen verwendet sind. Die Zergliederung der Binnenfelder in vereinzelte, von Rankensträngen umsponnene Medaillons ähnelt Prinzipien des Knospen-F. ([14] S. 19-21; ebd. „Palmettenfiligran“ genannt).

Belegt ist diese Variante in einer Gruppe von Hss. meist zisterziensischer Provenienz, wobei über die Identität von Bibliotheks- und Schriftheimat bisher keine Klarheit besteht. Es handelt sich um Codd. aus der Zisterze Wettingen (Aarau, Kantonsbibl, ms. Wett. q. 4: ebd. S. 56f. Kat.nr. 1, Abb. 1-3), dem Zisterzienserinnenkloster Günterstal (Karlsruhe, Bad. L.bibl., cod. Günterstal 1, 7 und 9) sowie aus den Benediktinerklöstern St. Georgen (ebendort, cod. St. Georgen 5 und 6: ebd. S. 90-93 Kat.nr. 21, Abb. 4-6) und Ettenheimmünster (ebendort, cod. Ettenheimmünster 1; ferner Freiburg i. Br., Univ.bibl., cod. 459: Winfried Hagenmaier, Die lat. ma. Hss. der Univ.bibl. Freiburg i. Br. [ab Hs. 231], Wiesb. 1980 [Kat. der Univ.bibl. F. i. Br.], S. 146f.; zu den Hss. und ihrer mutmaßlichen Entstehung in Günterstal oder Freiburg i. Br. Armin Schlechter und Gerhard Stamm, Die Hss. der sog. Kleinen Provenienzen, Wiesb. 1996 [Die Hss. der Bad. L.bibl., 13], im Druck).

2. Franken

In den Psalterien, die in der Diözese Würzburg hergestellt wurden, herrschte bis ins 2. V. 13. Jh.

konturbegleitendes F. vor. Für die große F.initiale zu der Widmungsinschrift in der Bibel, die 1246 in Würzburg für den dortigen Dominikanerkonvent entstand, sind keine lokalen Vorläufer bekannt (Würzburg, Univ.bibl., M.p.th.f.m. 9, Bd. IV, fol. 1v: Helmut Engelhart, Die Würzburger Buchmal. im hohen MA, Würzburg 1987 [Quellen und Forschgn. zur Gesch. des Bistums und Hochstifts Würzburg, 34], S. 36-45, Abb. 36). Ungewiß ist, inwieweit eine Pariser Bibel oder eine nordostfranzösische Hs. als Vorlage diente (ebd. S. 20-24).

Solche Vorlagen lagen wohl auch den F.initialen zugrunde, die aus dem Skriptorium des Zisterzienserklosters Ebrach (Diöz. Würzburg) hervorgingen. Die großen Initialen mit farblich geteilten Schäften in einer zwischen 1252 und 1263 entstandenen Hs. der „Summa virtutum“ des Guilelmus Peraldus (Abb. 17; [68] S. 16f.) gleichen dem gezeichneten Buchschmuck der Bibel von 1248 aus Zoutleeuw (s. Sp. 1131).

3. Bayern

Wohl schon früh waren französische Vorlagen bekannt, das Motiv eines tropfenförmigen Ornaments kommt z. B. in einer 1240 in Raitenhaslach geschaffenen Hs. vor (München, Bayer. St.bibl., cod. lat. 12 513: [58] S. 122-125, Abb. 64).

Die Skriptorien in Regensburg orientierten sich seit M. 13. Jh. ebenfalls an französischen Vorlagen ([9]; [53] S. 27-29).

Auf Pariser Hss. lassen sich die kleinen F.initialen mit Ausläufern in Form langstieliger Palmetten zurückführen (Berlin, St.bibl. PK, cod. theol. lat. oct. 81 und 82, beide 3. Dr. D. Jh.: [69]; zu Vorlagen [63] S. 67 Kat.nr. 28). Es gibt jedoch darüber hinaus zwei signifikante Motive: ein in Häkchenreihen vergröbertes Fischgrätenmotiv und ein gebogt konturiertes Halbblatt, das infolge von mehrfach aufgesetzten Kernen wie gelocht erscheint (Abb. 22). Dieselben Motive findet man in den beiden Exemplaren der „Legenda aurea“, die 1282 für das Kloster Prüfening und 1295 für St. Emmeram angefertigt wurden (München, Bayer. St.bibl., cod. lat. 13 029 und 14 034: [9] S. 86-88 Kat.nr. 66 und 69, Taf. 139). In einem Anhang zu cod. lat. 13 029, fol. 305ff. sowie im jüngeren Exemplar der „Legenda aurea“ nehmen Knospen- und Perlenformen zu; gleichzeitig werden die F.ausläufer häufiger durch Stabformen ersetzt. Bereits um 1270/1280 nahmen sich Regensburger Buchmaler für Initialen das Knospen-F. nordfranz. Hss. zum Vorbild (s. Sp. 1168).

4. Österreich, Tirol

Im 2. V. 13. Jh. beteiligten sich Buchmaler einer Paduaner Werkstätte an der Ausstattung von volkssprachlichen Epen-Hss., die in einem vermutlich in Südtirol tätigen Skriptorium hergestellt wurden (Andrea Berger-Fix, Wiener Jb. 33, 1980, S. 68-82; [58] S. 133-142).

Von Buchmalern aus dem Umkreis dieser Paduaner Werkstätte wurde u. a. ein Missale für das Benediktinerkloster Seitenstetten (New York, Morgan Libr., M. 855) und ein zw. 1255 und 1267 datierbares Psalterium ausgemalt, das von einer Ehefrau Hzg. Heinrichs III. von Breslau († 1266) benutzt wurde (Cambridge, Fitzwilliam Mus., Ms. 36-1950: Francis Wormald und Phyllis M. Giles, A descriptive cat. of the additional illuminated mss. in the Fitzwilliam Mus. acquired between 1895 and 1979..., Bd. 2, Cambr. 1982, S. 414-429, Taf. 18-20). In den Epen-Hss. begleitet die Deckfarbeninitialen F., das in den Formen mit denen im Epistolar des Giovanni da Gaibana von 1259 übereinstimmt (s. Sp. 1135). Im Psalter in Cambridge sind Besatz und Stäbe mit gemalten Kompartimenten und floralen Motiven häufig (Ingrid Hänsel, Jb. der österr. byz. Ges. 2, 1952, Abb. 13 nach S. 148). Wie im St. Galler Nibelungenlied gibt es gezeichnete Drachen als Schmuckform (Stiftsbibl., cod. 857, pag. 406: Faks.ausg. Das Nibelungenlied und Die Klage, Hs. B [Cod. Sangallensis 857], Köln und Graz 1962 [Dt. Texte in Hss., 1]).

Mit F. verzierte Deckfarbeninitialen weist ein zum Gebrauch in St. Peter zu Salzburg bestimmtes und wohl dort entstandenes Lektionar auf (Berlin, St.bibl. PK, cod. theol. lat. fol. 52: [66] S. 41, 115f. mit Abb. 420, 422, 427, 429; [9] S. 59-63 Kat.nr. 50; Gerhard Schmidt, Kchr. 40, 1987, S. 503-512). An dieser Hs. war ein Buchmaler beteiligt, der die Grundfelder der Deckfarbeninitialen mit Reihen von abzweigenden Palmetten (fol. 25v, mit Stab) oder unterschiedlich geformten Blättern besetzte und einzelne Männerköpfe oder Vögel in den Besatz einfügte (fol. 272v, 282v, 320v).

In Ober- und Niederösterreich wurde Palmetten-F. nur selten verwendet, so in zwei Hss. aus Baumgartenberg, etwa 1260/1280 [30, S. 13-15, Abb. 4f.] und bei Initialen in einer um M. 13. entstandenen Hs. in Wien, Österr. Nat.bibl., cod. 1768 (Beschr. Verz. Österr., Bd. 2, S. 347-352 Kat.nr. 230). Bemerkenswert ist ferner die vierbändige, wohl in Krems angefertigte Bibel (ebendort, cod. 1170-1173: Abb. 27; [31] S. 133f. Kat.nr. 110; [26] Nr. 25-28): Nur die ersten beiden Bände aus der Zeit um 1270/1280 enthalten Initialen mit Palmetten-F.; in den letzten beiden Bänden wurden Knospen- und Stabformen verwendet; die Füllmotive ähneln dem F. nordostfranzösischer Hss. in der Art der Bibel aus Zoutleeuw (s. Sp. 1131).

5. Rheinlande (Diöz. Trier, Köln u. Utrecht)

Die nach 1238 entstandene sog. Kölner Königschronik weist kleine, ungelenke F.initialen auf, deren Besatz aus kompositen Palmetten besteht in der Art des F. der ungefähr gleichzeitigen Hss. aus Salem und Pairis (Brüssel, Bibl. roy. Albert Ier, ms. 467: Ausst. Stg., Staufer, Bd. 1 S. 581f. Nr. 752, Abb. 544).

Differenzierter sind die großen F.initialen in der wohl um 1250 in Köln illuminierten sog. Heisterbacher Bibel [66, S. 17f. und 96f.].

Die Gliederung der Binnenfelder gleicht der Zoutleeuwer Bibel von 1248 (s. Sp. 1131), doch sind die Füllmotive zierlicher und feiner gezeichnet. Zwischen den roten Knospenbüscheln stechen die Füllungen der Spiralen mit einem rundlichen Palmettenblatt und einer blauen, kreuzschraffierten Scheibe hervor (Abb. 16).

Nicht nur von Buchstabenschäften, sondern auch von Kapitelzählung oder Seitentiteln gehen die Seitenränder zierende Stabformen aus. Zwischen Keil- und Sägeblattformen sowie an Buchstabenabläufen sitzen silhouettierte Blüten- und Blattmotive. Als Vorlagen für solchen Dekor dürften Hss. in der Art der Pariser Werkstatt der sog. Luxuspsalterien (s. Sp. 1128) gedient haben. Die kleinen, abwechselnd roten und blauen Initialen zu Beginn der Kapitel begleitet hingegen Palmetten-F., wie es auch in Paris zu dieser Zeit üblich war [63, S. 67 Kat.nr. 28].

In den im Zisterzienserkloster Himmerod (Diöz. Trier) in der 2. H. 13. Jh. entstandenen Hss. gibt es F.initialen mit schraffiertem Halbblatt als Füll- und Besatzmotiv sowie Sägeblattkompartimenten im Besatz (Berlin, St.bibl. PK, cod. lat. fol. 724, fol. 60v: Ernst Crous und Joachim Kirchner, Die got. Schriftarten, Lpz. 1928, Taf. 7 Abb. 11).

Eine Sonderform bietet der im späten 13. Jh. in Friesland geschriebene Psalter in Leeuwarden, Provinciale Bibl. van Friesland, Hs. 688 (J. P. Gumbert, The Dutch and their books in the ms. age, Ld. 1989, S. 13-15 mit Abb. 6). An die Goldinitialen schließen sich goldene Ranken an, die mit Zwickelpalmetten in Rot und Blau besetzt sind.

6. Westfalen

Um 1220 wurde in der Prämonstratenserabtei Weddinghausen (Stadt Arnsberg) ein AT geschrieben und illuminiert (Abb. 11; [62] S. 23-25 Nr. 3). Das locker gefügte Besatz-F. ähnelt dem in Salemer Hss. Auffällig ist, daß die Endfäden mehrerer übereinanderstehender Initialen in einer Blattform miteinander verwachsen und nicht selten eine der Textspalten entlanggeführte Ranke bilden. Vereinzelt finden sich an den abwechselnd roten und blauen F.initialen krautige Blattformen wie zu den Deckfarbeninitialen.

7. Thüringen und Niedersachsen

In den zahlreichen Werken der thüringisch-sächsischen Malerschule gibt es unterschiedliche Formen des Palmetten-F.; die Initialen können goldene Buchstabenkörper oder gemalte Füllmotive aufweisen [40, S. 103-108]. Die seit dem frühen 13. Jh. im Gebiet von Hildesheim und Braunschweig üblichen Formen, konturbegleitende Linien in Rot und Blau mit Schraffuren in Gelb (s. oben Sp. 1124), kommen noch in Hss. aus dem 3. V. 13. Jh. vor. An die Stelle der krautigen „Muschelblätter“ etwa im Landgrafenpsalter (s. Sp. 1124) traten jedoch zunehmend Motive des Palmetten-F.: abzweigende Palmetten, Palmetten mit fingerartigen Fortsätzen und Ausläufer in Form langstieliger Einzelpalmetten sowie Palmettengruppen (Abb. 14; Wolfenbüttel, Hzg. August Bibl., cod. Guelf. 6.1. Aug. 4°: [38] Abb. 7; Nürnberg, Landeskirchliches Archiv, cod. Fenitzer I 415 4°, um 1250/1260: Horst Appuhn, Der Psalter. Eine Bilderhs., Dortmund 1980 [Die bibliophilen Taschenbücher, Nr. 198], S. 22f. u. ö.).

Den Schriftspiegel rahmende Stäbe, die symmetrisch mit abzweigenden Palmetten und Fischgrätenmotiven besetzt sind, enthält ein um 1210 entstandenes Psalterfragment (Ausst.kat. „Andachtsbücher des MA in Priv.bes.“, Köln 1987, S. 67-71 Kat.nr. 2; Renate Kroos, Zur kh. Einordnung; die Bilder, in: Das Goslarer Evangeliar. Vollst. Faks.-Ausg. ..., Kommentarbd., Graz 1991 [Codd. sel., 102], S. 30, Abb. 16). Hier kommt Palmetten-F. mit Kernen statt Blattschraffuren vor [40, S. 105]. Kürzere Stäbe gibt es in späteren thür.-sächs. Hss. (Wien, Österr. Nat.bibl., cod. ser. n. 12 760, um 1230/1240: ebd. S. 108, Abb. 15). An die F.ausläufer schloß man im 2. V. 13. Jh. nicht selten Fäden an, die aufgesetzte, gezeichnete Formen - Perlen, Perlengruppen, Blüten, vegetabile Endmotive - zieren (ebd. S. 105, 107: „Strahlen“). Sowohl die Palmetten mit Kernen als auch verziertes Fadenwerk spiegeln wohl das verstärkte Aufgreifen franz. Vorbilder [63, S. 67 Kat.nr. 28, 30]. Beisp. für die Rezeption dieser Formen: Hannover, Kestner Mus., Hs. 3928; Oxford, Bodl. Libr., Ms. lat. liturg. e. 1., um 1230/1240 (R. Kroos, Beitr. zur nieders. Buchmal. des 13. Jh., Die Diöz. Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart 40, 1972, S. 117-134, Taf. 6 a-b), sowie Initialen im Donaueschinger Psalter, bald nach 1235 (Stuttgart, Württ. L.bibl., cod. Don. 309, fol. 45v; zur Lokalisierung nach Hildesheim: Ausst.kat. „Wolfenbütteler Cimelien ...“, Wolfenbüttel 1989 [Ausst.kat. der Hzg. August Bibl., 58], S. 167-172).

Eine wohl nach Goslar zu lokalisierende Gruppe umfaßt das sog. Rathausevangeliar, um 1240 (Das

Goslarer Evangeliar. Vollst. Faks.-Ausg. ..., Graz 1991 [Codd. sel., 92]), und das Semeca-Missale, vor 1245 (Abb. 15), sowie ein Lektionar in Halberstadt (Halberstadt, Dommus., Hs. 119) und ein Evangelistar in Köln (Stadtarchiv, W. 252). Gemeinsam ist diesen Hss. das um komposite Blattformen bereicherte, gekernte Palmetten-F.

Kennzeichnend für das Goslarer Evangeliar sind spitz ausgezogene Halbblätter, deren Kontur an ein Kopfprofil erinnert (sie finden sich, etwas gröber, im Semeca-Missale wieder: Abb. 15). Die vielen, mit Gold verzierten Stäbe erinnern an Randdekorationen in Bologneser Hss. (s. Sp. 1138f.). Auffällig sind Tier-, Vögel- oder Menschenköpfe, die den Stab ausspeien (z. B. fol. 21), Ornamentbänder (z. B. fol. 38v) oder vegetabile Formen, aus denen die Stäbe zusammengesetzt sein können (fol. 11v). Vergröberte Varianten gibt es im Semeca-Missale (fol. 245v), im Halberstädter Lektionar und im Kölner Evangelistar (ferner [41] S. 303f., Abb. 20).

Im 3. V. 13. Jh. wurde, wohl aufgrund der Veränderungen in aus Frankreich bekannten neuen Vorlagen, die Zeichnung des F. flüchtiger. Man bevorzugte Perlenreihen als Besatzform, an den Buchstabenkörper schließen Fadenwerk oder Stäbe mit Sägeblattkompartimenten und Fischgrätenmotiven an (Wolfenbüttel, Hzg. August Bibl., cod. 302.2. Extravagantes: ebd. Abb. 13).

Auch in Hss. aus dem Dominikanerkloster St. Paul zu Magdeburg kommen nach M. 13. Jh. von franz. Vorbildern geprägte F.initialen vor (Berlin, St.bibl. PK, cod. lat. fol. 43, cod. theol. lat. fol. 21 und cod. theol. lat. fol. 177, alle 3. V. 13. Jh.: [69]).

8. Schleswig-Holstein

Wohl durch Wandermaler wurden die Formen des gekernten Palmetten-F. aus dem Gebiet um Hildesheim und Braunschweig vermittelt [38, S. 359-365].

Ein vielleicht in Lübeck für das Benediktinerinnenkloster Preetz angefertigtes Evangeliar weist nur einfache F.initialen auf (ebd. Abb. 16). - Stärker an franz. Vorbildern orientiert ist das Palmetten-F. der 1255 in Hamburg geschriebenen sog. Karolus-Bibel (Kopenhagen, Kongelige Bibl., Gl. kongl. Saml. 42: Erik Petersen, Bertoldus bibel. Bøger, billeder og bogstaver i et håndskrift fra 1255, Fund og forskning 32, 1993, S. 7-38, Abb. 8).

VII. Knospenfleuronné

Diese Grundform kam durch zunehmende Abstraktion des Palmetten-F. zustande.

Seit 1. H. 13. Jh. zeichnete man immer öfter die Palmetten kleiner, ersetzte die gewellten Blattränder durch einfache Bogenlinien und verband diese Form mit dem Rankenansatz der Palmette als Stengel, z. B. London, Brit. Libr., Ms. Egerton 2849, Totenrotel aus St. Mary in Hedingham, um 1230 [1, S. 103 Kat.nr. 56]. Später wurden mehrere, oft symmetrisch angeordnete Knospen zu Medaillons zusammengefaßt (so in zwei Missalien in Laon aus der 1. H. 13. Jh.: Laon, Bibl. raun., ms. 228 und 241, vgl. [36] Taf. 4 Abb. 14).

In Hss. aus der 2. H. 13. Jh. kommen nicht selten Palmetten und Knospen nebeneinander vor. Beisp. gibt es in Hss. aus England, Nordfrankreich und den von dort beeinflußten Teilen der Niederlande. Das F. außerhalb des Buchstabenkörpers „wuchert“ nicht mehr frei in den Umraum, sondern ist an die Kontur der Initiale gebundenes Besatz-F. oder füllt ein rechteckiges Initialfeld. Wohl um M. 13. Jh. begann man, F.leisten aus abwechselnd roten und blauen Kompartimenten zusammenzusetzen.

In Dtld. sparte man seit etwa 1300 pflanzliche und zoomorphe Motive aus gespaltenen Buchstabenschäften aus. Neben Knospenmedaillons und aus kreuzschraffiertem Grund ausgesparten Elementen kamen nur wenig später - als dritte Möglichkeit des Binnen-F. - Blattspiralen auf. Seit der 2. H. 14. Jh. gab es kaum noch neue Formvarianten, ausgenommen in den nördlichen Niederlanden, wo F. erst im 15. Jh. bedeutsam wurde.

A. England

Vorformen des Knospen-F. sind schon um 1200 belegt (s. Sp. 1134). Um M. 13. Jh. gab es große Initialen mit meist zweifarbig (rot und blau) gespaltenem Buchstabenkörper und farbig koloriertem F. Die Grundform, auch manche anfänglich vorkommende Mischform aus Palmette und Knospe (vgl. Sp. 1134) zeigt zwar noch gewellte oder gestrichelte Blattränder, aber auch lange Stiele.

Beisp.: Oxford, Magdalen College, Ms. lat. 106 [3, S. 18 Kat.nr. 163], M. 13. Jh.; London, Brit. Libr., Ms. Royal 3. C. V und Ms. Royal 8. F. X [70, Bd. 1 S. 75 und 268], wohl um M. 13. Jh. Ähnliche Formen sind bis zum E. 13. Jh. zu beobachten (vgl. Beisp. in [70]; F. um figürliche Elemente bereichert: Abb. 24).

Charakteristisch sind nur lose mit den Initialen verbundene F.streifen im unteren Randbereich (London, Brit. Libr., Ms. Royal 3. C. V: s. oben; ähnliche Ornamente in juristischen Hss. aus Bologna, s. Sp. 1137-1139).

Um die Jh.mitte gab es Initialen mit stärker abstrahierten F.formen, so in der um 1240/1250 entstandenen Hs. in Cambridge, Trinity College, Ms. O. 9. 34 [1, S. 129 Nr. 81]. Medaillons mit Knospen sind im Binnenfeld streifenförmig angeordnet. Sonderfall ist der um 1290 entstandene sog. Windmill-Psalter mit einer großen F.initiale auf fol. 2. Außengrund und Binnenfeld ist mit Rankenwerk und kleinteiligem F. ausgefüllt, das die figürlichen Darstellungen in Deckfarbenmalerei so umgibt, daß sie wie vor einer Folie hervorgehoben sind (Abb. 29; vgl. [1 c] S. 15f. Nr. 4).

B. Frankreich, Flandern

Die Ausprägung des F. in Hss. aus Frankreich und den von dort bestimmten Gebieten der Niederlande verläuft parallel. Im Gebiet um Paris sind Hss. mit größeren F.initialen eher selten (vgl. [63]), größere F.initialen kommen vor allem in der Provinz vor.

1. 13. und 14. Jh.

a. Hss. aus Flandern zeigen in Medaillons zusammengefaßte Knospen mit Punkten oder kleinen Kreisen im Innern (jeweils in der Gegenfarbe; die Form erinnert an das F. in Hss. aus Laon, s. Sp. 1152). Der Besatz folgt links dem Buchstabenschaft und besteht aus Perlen, Knospenwiegen, kleinen Spiralen und Spiralfädchen („Fibrillen“), die Zwickel sind mit F. ausgefüllt. Von Besatzmedaillons gehen F.leisten mit abwechselnd roten und blauen Kompartimenten aus (London, Brit. Libr., Ms. Egerton 2569, aus Mons, dat. 1269: [71] S. 115 Nr. 611, Bd. 2 Abb. 160; Brügge, Bibl. de la Ville, ms. 469, dat. 1271: [45] S. 23 Nr. 15, Taf. 54-57).

Das F. wirkt dichter, da die Medaillons oft aus mehreren Spirallinien bestehen. Die Knospen können lange Stiele haben und innerhalb der Medaillons symmetrisch angeordnet sein (ähnlich auch spätere Hss.: Brügge, Bibl. de la Ville, ms. 269, dat. 1294; Brüssel, Bibl. roy. Albert Ier, ms. 14 868, dat. 1315; Gent, Univ.bibl., ms. 233, dat. 1322; Namur, Faculté N.-D. de la Paix, ms. art. 1, dat. 1369 ([45] S. 27 Nr. 27, S. 28 Nr. 33, S. 41 Nr. 65, Taf. 87f., 98f. und 172f.).

Vgl. ferner Hss. aus der 2. H. 13. Jh. aus der Zisterze Ter Doest: Brügge, Bibl. de la Ville, ms. 13, 112, 114 und 40: Gérard Isaac Lieftinck, De librijen en scriptoria der westvlaamse Cistercienser-abdijen Ter Duinen en Ter Doest, Brüssel 1953, S. 46-48, Abb. 16f.). In Hss. aus der Zisterze Cambron sind die Medaillons mit vollfarbigen Kreisblüten gefüllt (Brüssel, Bibl. roy. Albert Ier, ms. 11941 und ms. II 2297, dat. 1277: [45] S. 23f. Nr. 18, Taf. 63-65; London, Brit. Libr., Ms. Add. 15583; ehem. Slg. Abbey: Aukt.kat. Sotheby’s London, 25. März 1975, S. 35-37 Nr, 2948, Taf. 15).

b. Hss. aus Akkon zwischen etwa 1280 bis 1291 belegen die Tätigkeit eines bemerkenswerten Florators. Das F. stimmt mit dem in der 1271 dat. Hs. aus Brügge (s. Sp. 1153) weitgehend überein.

Beisp.: Abb. 26; Paris, Bibl. nat., ms. nouv. acq. fr. 1404, dat. 1280/1281: Peter Edbury und Jaroslav Folda,

Warburg Journ. 57, 1994, S. 243-254, Taf. 31-33; Chantilly, Mus. Condé, Ms. 590, dat. 1282; Paris, Bibl. nat., ms. fr. 9084; Florenz, Bibl. Laur., ms. Plut. 61. 10, dat. 1290 und 1291). Es bestimmte auch den Schmuck späterer Kopien der in Akkon geschriebenen Hss. mit Texten des Wilhelm von Tyrus (Baltimore, Walters Art Gall., Ms. W. 137, Paris, E. 13. Jh.: [49] S. 123-127 Nr. 50, S. 322 Abb. 102f.; Paris, Bibl. nat., ms. fr. 2631, Genua, um 1300: [11] S. 39f. Nr. 41, Taf. 22 und 24).

c. Der Dekor einer 1288 dat. Hs. zeigt als frühestes bekannt gewordenes Beispiel F., das nicht mehr aus exakt definierten Einzelformen besteht, sondern in freien Linien verläuft, so daß ein gleichsam flimmernder Gesamteindruck zustandekommt (Rom, Bibl. Vat., cod. Barb. lat. 165, fol. 402v: Bruno Katterbach u.a., Codd. lat. saeculi XIII, Rom 1929 [Exempla scripturarum 1], Taf. 26). Weitere Beisp.: Vendôme, Bibl. mun., ms. 181, nach 1309 [63, S. 71 mit Abb.]; ähnlich: Dijon, Bibl. mun., ms. 113, Paris, A. 14. Jh. [75, S. 224 Nr. 216, Taf. M und 90f.].

Gleichartiges F. zeigen Hss., die am päpstlichen Hof in Avignon zwischen 1319 und 1325/1326 geschaffen wurden und einem der wenigen namentlich bekannten, bis um M. 14. Jh. tätigen Florator, Jacquet Maci, zugeschrieben werden ([22] S. 127-152).

Das F. der Binnenfelder ist in große Medaillons mit meist symmetrisch angeordneten Knospenbüscheln gegliedert; kleinere Medaillons, halbe Knospengarben und Perlen füllen die Zwischenräume. Die Dichte des F. vermittelt den Eindruck, als wären die Knospenformen aus dem Grund ausgespart. Der Besatz ist durch kreuzschraffierte Scheiben, Knospenwiegen mit Perlen, Fäden mit Wellenlinien und Punkten, Silhouettenblüten und durch Knospenkonglomerate in Zwickeln bereichert. Die F.leisten bestehen nicht mehr nur aus einfachen J-Formen, sondern aus verschiedenen, oft wiederholten Motiven ([10]; F. Avril, Le Mus. Condé 7, 1974, S. 1-6; [22] S. 144f.). In der 1327 dat. sog. Billyng-Bibel (Abb. 36) ist J. Maci das erste Mal namentlich bezeugt. Das F. erstreckt sich bis in die Randbereiche und kann den Schriftspiegel an bis zu drei Seiten umgeben, so in einigen liturg. Hss. nach 1340 (F. Avril, Trois mss. de l’entourage de Jean Pucelle, Revue de l’art 1970, H. 9 S. 37-48). In einer Hs. von 1345, in der sich der Florator nochmals nennt („Jacobus Mathey“), ist die erste Seite besonders hervorgehoben: Den Schriftspiegel umgibt ein Rahmen aus einer schwarz gezeichneten Ranke, die von F. umgeben ist und in deren Medaillons Blätter, Drachen und Masken aus dem schraffierten Grund ausgespart sind. Über der Titelinitiale füllte Maci ein gerahmtes Feld ausschließlich mit F. (Rom, Bibl. Vat., cod. Rossi 259: [10] S. 258 Abb. 6).

Der F.dekor J. Macis wurde häufig nachgeahmt. Elemente aus späten Hss. wie den üppig wuchernden Besatz zeigt z. B. Dijon, Bibl. mun., ms. 203, um 1346, und ms. 116, um 1400: [75, S. 207 Nr. 195, Taf. 83]. Oft begnügten sich die Floratoren jedoch mit jener Manier, die in den ersten Arbeiten Macis vorkommt, wie in einer um 1380 für Kg. Karl V. geschaffenen Hs. mit dem „Speculum historiale“ des Vincenz von Beauvais (Paris, Bibl. nat., ms. nouv. acq. lat. 15939-44: [10] S. 260 Anm. 1).

2. 15. Jh.

In vielen Hss. aus der Zeit um 1400 sind die parallelen Linien der Umfassungen, der Schäfte der Knospen und jene, die die Restflächen füllen, dominant (vgl. die von denselben Künstlern mit Federzeichnungen und mit F. ausgestatteten Hss. in Paris, Bibl. nat., ms. fr. 373, vor 1402, und in London, Brit. Libr., Ms. Sloane 2433: [46] Abb. 104, 83; ähnlich u.a. Baltimore, Walters Art Gal., Ms. W. 139, A. 15. Jh.: [49] S. 215-218 Nr. 80, S. 337 Abb. 158f.). Bemerkenswert ist, daß F. oft mit kolorierten Federzeichnungen kombiniert wurde.

Nach derzeitigem Kenntnisstand verlor das F. im 15. Jh. immer mehr an Bedeutung; auch die Ausführung fiel immer schlichter aus. Wenn in größerem Umfang sorgfältiges F. verwendet wurde, folgte es meistens althergebrachten Formen (Abb. 44).

Beisp. ist eine um 1411 entstandene Vergil-Hs. in Lyon (Bibl. mun., ms. 27: [46 a] Abb. 232; fälschlich einem ital. Florator zugeordnet: [46] S. 56; vgl. ferner eine Terenz-Hs. in Paris, Bibl. nat., ms. lat. 8193: [46 a] Abb. 187 und 196).

Bemerkenswert ist der im 2. V. 15. Jh. entstandene „Roman de Tristan“ (Wien, Österr. Nat.bibl., cod. 2539-2540: [47 a] Textbd. S. 13-20, Taf.bd. Abb. 1-13). Das F. ist weniger dicht als in den genannten Beispielen und nicht in Medaillons gegliedert. Die F.leisten, die sich links neben Initialen, Text und Miniaturen erstrecken, bestehen aus roten und blauen Elementen (oft halbierte Fleur-de-lis-Motive) mit feinem Liniengespinst; ähnliche Formen auch in den südl. Niederlanden (Sp. 1157).

Vereinzelt blieb das F. eines Florators, der in der 1. H. 15. Jh. den F.stil J. Macis (s. Sp. 1155) weiterentwickelte (Cambridge/Ma., Harvard Coll. Libr., Ms. Typ 127H, fol. 1: Ausst.kat. „Harvard College Libr., Illuminated and calligraphic mss.“, Cambridge/Ma. 1955, S. 22 Kat.nr. 69, Taf. 32; Assisi, Bibl. comunale, ms. 150: Cesare Cenci O.F.M., Bibliotheca manuscripta ad Sacrum Conventum Assisiensem, Bd. 1, Assisi 1981, S. 396, Abb. 60).

Ausnahme blieb die ganzseitige F.initiale in einer südfranz. Hs. in Bourges (Bibl. mun., ms. 298, fol. 42v) aus dem 2. V. 15. Jh. Das F. füllt ein rechteckiges Feld, auf dem der Buchstabenkörper aufliegt (Colette Jeudy und Yves-François Riou, Les mss. classiques lat. des bibl. publiques de France, Bd. 1, Paris 1989, S. 310-313, Taf. 12). Stärker gegliedert ist, mit ähnlichen Knospen, das F. in der einen F.initiale einer Hs. mit der „Postilla“ des Nikolaus von Lyra in Tours (Bibl. mun., ms. 52, fol. 2, um M. 15. Jh.: Foto Marburg Nr. 165 264).

C. Südl. Niederlande

Bis in die 1. H. 14. Jh. ist das F. in Hss. jenem aus Frankreich ähnlich. Seit der 1. H. 14. Jh. werden zusätzlich Formen verwendet, die bis dahin vor allem in dt. Hss. belegt sind, wie z. B. zoomorphe oder figürliche Schaftaussparungen und Binnenfeldfüllungen sowie naturalistische Blattformen. Im 15. Jh. spielen Vorbilder aus den nördlichen Niederlanden eine wichtige Rolle.

In einer Hs. in Utrecht entsprechen Schaftspaltungen und Besatz weitgehend französischer Praxis, während aus dem kreuzschraffierten Binnenfeld Spiralranken mit Blüten und im Zentrum ein Drache ausgespart sind (Univ.bibl., ms. 128, 1. H. 14. Jh.: [35] S. 38 Nr. 137). Diese Vermischung ist in einer 1340 dat. Hs. in Brüssel noch deutlicher. Aus den Buchstabenkörpern sind Blattranken und Drachen ausgespart, die Binnenfelder sind entweder mit F. in der Art franz. Hss. oder mit aus farbigem Grund ausgesparten Ranken gefüllt, die auch figürliche Motive enthalten können (Bibl. roy. Albert Ier, ms. 270, fol. 108: [45] S. 33 Nr. 43, Taf. 126). Die Verwendung von Figuren als Binnenfeldfüllung ist auch bei einer um M. 14. Jh. entstandenen Gruppe von Codd. aus der Abtei von St. Truiden zu beobachten: Lüttich, Univ.bibl., ms. 223 (dat. 1348), ms. 60, 61 (dat. 1350, 1352), ms. 57, 58 (dat. 1366): Ausst.kat. „Hss. uit de Abdij van Sint-Truiden“, Sint-Truiden 1986, S. 220-245. Während die erste Hs. noch eher traditionelles, franz. geprägtes F. enthält, kommen in den weiteren Hss. auch Initialen mit großen Figuren vor farbigem Grund vor, die aus den Ranken ausgespart sind.

Franz. geprägtes F. gab es auch in der 2. H. 14. Jh., z. B. Amsterdam, Univ.bibl., ms. 533, dat. 1348 (G. I. Lieftinck, Mss. datés conservés dans les Pays-Bas, Bd. 1, Amst. 1964, Textbd. S. 3 Nr. 7, Taf.bd. Abb. 141), oder Utrecht, Univ. bibl., ms. 303 (Abb. 41). Aus der Zeit um 1400 stammt ein niederl. geschriebener Cod. in Brüssel (Bibl. roy. Albert Ier, ms. 15 054: [4] S. 151f. Nr. 49, Abb. 48). Lokale Varianten gab es u.a. in Gent (Gent, Univ. bibl., ms. 3381, dat. 1373: [47 c] Taf.bd. Abb. 8) und Löwen (Wien, Österr. Nat.bibl., cod. ser. n. 12 782: ebd. Textbd. S. 130f. und Abb. 6).

Im 15. Jh. setzten die von Jean Miélot gezeichneten F.initialen des um 1454 entstandenen Stundenbuchs Philipps von Burgund (Den Haag, Kgl. Bibl., ms. 76 F 2: Ausst.kat. „Schatten van de koninklijke Bibl.“, Den Haag 1981, S. 112f.) diese eher altertümliche Richtung fort (vgl. Sp. 1155), während das F. einer 1432 geschriebenen Bibel wie aus dem farbigen Grund ausgespart wirkt (Brüssel, Bibl. roy. Albert Ier, ms. 10 514: [45 a] S. 44 Nr. 176, Taf. 338).

In der 2. H. 15. Jh. wurden Vorbilder aus den nördlichen Niederlanden wichtiger. So entspricht das F. in zwei 1456 dat. Hss. dem Stil des „Ijsselstreek“ oder jenem in Hss. aus Utrecht: Brüssel, Bibl. roy. Albert Ier, ms. 9158-9162; Wien, Österr. Nat.bibl., cod. ser. n. 12 775: [47 b] Textbd. S. 150f., Taf.bd. Abb. 203-208; ähnlich auch cod. ser. n. 12 772, aus Korsendonk in Nordbrabant, 1459 dat. [47, Textbd. S. 115f., Taf.bd. Abb. 324-327]. Charakteristisch sind gestrüppartige Fäden, vor allem im unteren Randbereich, in einer 1462 dat. Historienbibel (London, Brit.

Libr., Add. Ms. 15 311: [4] S. 152 Nr. 50) und in zwei Hss. aus dem Kloster Marienwater in Rosmalen (Leiden, Univ.bibl., BPL 2856 und Den Haag, Kgl. Bibl., ms. 134 C 60, dat. 1468.: [6] S. 160f.).

D. Nördl. Niederlande

Nördliche Niederlande.

Aus dem 14. Jh. sind nur vereinzelt Hss. mit F. überliefert, z. B. ein Antiphonar aus der 1. H. 14. Jh. in Utrecht, Univ.bibl., ms. 407 [35, S. 4 Nr. 10, Abb. 59f.] aus der Diözese Utrecht. Das F. erinnert an ms. 128 der Utrechter Univ.bibl., welches in die südlichen Niederlande lokalisiert wird (s. Sp. 1157).

Erst im 15. Jh gibt es eine breite Überlieferung von Hss., bei denen lokale Gruppen unterschieden werden können [6].

1. Utrecht und Ijsselstreek

Für Hss. mit F. ist in der 1. H. 15. Jh. vor allem Utrecht und die Gegend um Deventer und Zwolle, der sog. „Ijsselstreek“, wichtig.

Vgl. eine 1402 dat. Bernhard-Hs. in Utrecht (Univ.bibl., ms. 155: [6] S. 122 Nr. 101). Eine vierbändige Bibel in Brüssel (Bibl. roy. Albert Ier, ms. 106, 107, 204, 205), die 1402/1403 für die Kartause Nieuwlicht geschrieben wurde (J. P. Gumbert, Die Utrechter Kartäuser und ihre Bücher im frühen 15. Jh., Leiden 1974, S. 134f., Abb. 138-141; [6] S. 33) enthält meist blau/gold gespaltene große Initialen, deren Binnenfelder entweder mit Medaillons gefüllt sind, die mit verschieden angeordneten halbierten Knospengarben gefüllt sind, oder aus kreuzschraffiertem Grund ausgesparte Blattranken enthalten. Diese werden in Utrecht häufig mit Drachen kombiniert, vgl. Utrecht, Univ.bibl., ms. 125, um 1400 (ebd. S. 38 Nr. 2 mit Abb.); Den Haag, Rijksmus. Meermanno-Westreenianum, ms. 10 C 7, vor 1405 (ebd. S. 39 Nr. 3 mit Abb.); Utrecht, Univ.bibl., ms. 249, dat. 1424/1425 (ebd. S. 49 Nr. 9 mit Abb.); Wien, Österr. Nat.bibl., cod. 1199-1202, um 1430 ([47] Textbd. S. 16-23, Taf.bd. Abb. 27-33 und 37; von den Enden der F.leisten gehen rechtwinkelig Fäden aus).

Aus dem Ijsselstreek ist zunächst ein 1409 dat. Antiphonar aus Windesheim zu erwähnen (Tilburg, Stichting Theol. Faculteit, Ms. Haaren 31: [6] S. 126 Nr. 111 mit Abb.). Die Binnenfelder sind oft mit farbigen Medaillons gefüllt, aus denen Blüten- und Blattformen ausgespart sind. Die F.leisten enden kreuzförmig und mit rechtwinkelig abgehendem Fadenwerk (s. oben). F. wie in dieser Hs. blieb kennzeichnend für den Schmuck von Hss. in dieser Region (z. B. Leiden, Univ.bibl., ms. Voss. lat. 4° 39, dat. 1421: ebd. S. 134 Nr. 119 mit Abb.; Leeuwarden, Provinciale Bibl. van Friesland, ms. 681, dat. 1452: ebd. S. 127 Nr. 113 mit Abb.; Malibu, The John Paul Getty Mus., Ms. Ludwig I 12, aus Zwolle: [24] S. 112-116, Abb. 24).

In der 2. H. 15. Jh. wurden F.leisten häufig zu einem Rahmen um den ganzen Schriftspiegel erweitert, so in einer 1457 im Fraterhuis von Hulsbergen geschriebenen Hs. (Enschede, Rijksmus. Twenthe, Inv.nr. 381, dat. 1457: [6] S. 120 Nr. 14 mit Abb.). Der Rahmen hat Medaillons in Ecken und Mitten sowie reichen Besatz mit Ranken. Die Buchstabenkörper sind gespalten, die Teile beschreiben u.a. den Umriß einer Zwiebel, ein auch in F.rahmen häufiges Motiv (z. B. Utrecht, Univ.bibl., ms. 43, dat. 1466, im Fraterhuis von Deventer geschrieben: ebd. S. 28 Taf. 7, S. 129 Nr. 118 mit Abb.). Daß es schon 1446 in zwei Utrechter Hss. vorkommt (ebendort, ms. 49 und 90: [35] S. 13 Nr. 44f., Abb. 189-192), zeigt die weitgehende Übereinstimmung der F.formen in Hss. des Ijsselstreek und Utrechts.

Die besonderen Merkmale des Utrechter F. sind in einer wohl um 1460 entstandenen Gregor-Hs. zu erkennen. Ihre Binnenfelder enthalten eine Blattranke mit Drachen vor kreuzschraffiertem Grund, der Schriftspiegel ist mit einem F.rahmen umgeben. Während dieser in früheren Beisp. oft nur aus einer schmalen, vollfarbigen Rahmenleiste mit zusätzlichen roten und blauen Motiven bestand und von weiteren F.formen umgeben sein konnte, ist der Rahmen hier aus zwei Zopfbändern gebildet mit einer Reihe von Blütenmedaillons dazwischen; die Ecken sind durch florale Elemente betont (Utrecht, Univ.bibl., ms. 91: Abb. 47; vgl. [6] S. 53f. Nr. 18 mit Abb.).

In den Hss. des Ijsselstreek blieben diese Formen bis A. 16. Jh. gebräuchlich, so in einem 1509 dat. Missale aus dem Fraterhuis in Hulsbergen (Den Haag, Rijksmus. Meermanno-Westreenianum, Ms. 10 A 22: ebd. S. 129 Nr. 115 mit Abb.).

2. Nordholland

Aus Nordholland (Haarlem, Amsterdam) sind zuerst nur Werke mit schlichtem F.dekor bekannt, z. B. eine in Haarlem 1408 ausgestattete niederländische Übersetzung des NT (Den Haag, Kgl. Bibl., ms. 75 G 1: ebd. S. 96 Nr. 58 mit Abb.) und, vom selben Florator, 1409 ein „Leben Jesu“ (Leiden, Univ.bibl., ms. Ltk 1984: ebd. S. 86).

Mehrere Hss. um M. 15. Jh., darunter eine niederländische Übersetzung der „Legenda aurea“ des Jacobus de Voragine (Den Haag, Kgl. Bibl., ms. 73 D 9: ebd. S. 24 Taf. 5, S. 99 Nr. 63 mit Abb.), haben F.initialen mit großflächigen, sorgfältig schattierten Blättern in den Binnenfeldern. Besondere Kennzeichen sind Medaillons mit ausgesparten Profilmasken.

Im 4. V. 15. Jh. abstrahierte man die floralen Motive. Dabei ist vor allem zu unterscheiden das sog. „bonte U-bocht“ oder „splinter-penwerk“ (Abb. 48; Amsterdam, Univ.bibl., ms. V H 6 und XXC C 5, dat. 1472: ebd. S. 102 Nr. 71 mit Abb.) und das „geometrisch penwerk“ (Den Haag, Kgl. Bibl., ms. 76 G 12 und 78 J 7: ebd. S. 105 Nr. 78f. mit Abb.).

3. Delft

Weitgehend unabhängig ist das Formenrepertoire des F. seit 2. Dr. 15. Jh. in Delft (vgl., mit teils obsoleten Datierungsvorschlägen, P. H. J. Vermeeren, Oud Delft, 2, 1962, S. 39-72). Das F. verband man hier in einem sonst in den nördlichen Niederlanden unüblichen Umfang mit Figürlichem. Die Initialen sind meist unauffällig, als Füllmotive dominieren Blütenmedaillons; halbierte Knospengarben sind oft nur Füllmotive am Rand (Ausnahme: Abb. 52). Florales Rankenwerk umgibt oft den ganzen Schriftspiegel; charakteristisch sind Halbfiguren oder Tiere mit Schriftbändern, die eine ausgesparte Fläche etwa in der Mitte des rechten Randes einnehmen.

In Hss. aus der Zeit bis um 1470 kommen frei im Randbereich plazierte oder um einen Stab gewundene Ranken vor (New York, Morgan Libr., M. 349, um 1440: [8] S. 187f. Nr. 51, Abb. auf S. 165; Utrecht, Rijksmuseum Het Catharijneconvent, BMH 64, dat. 1456: [6] S. 64 Nr. 30, mit Abb.).

Im letzten Jh.viertel gab es häufig rechteckige Rankenfelder, die symmetrisch um Stäbe angeordnet sind (Abb. 52; vgl. [6] S. 66, Nr. 32).

E. Dt. Reich und angrenzende Gebiete

Das Knospen-F. wurde im 13. Jh. entweder aus Formen des hier gebräuchlichen Palmetten-F. entwickelt oder nach französischen Vorbildern gestaltet.

Kennzeichen sind Aussparungen zwischen den Farbflächen der Buchstabenkörper, die Verbindung des F. mit zoomorphen und figürlichen Elementen sowie die Verwendung von Blattspiralen. Aufgrund des unterschiedlichen Forschungsstandes sind über regionale Varianten und Besonderheiten oft nur vorläufige Aussagen möglich.

1. Oberrhein und Schweiz

Knospen-F. gab es zuerst in Hss. der französischen Schweiz; unmittelbare Vorbilder aus Frankreich dafür sind jedoch nicht bekannt.

Das Binnenfeld einer Te-Igitur-Initiale in einem zw. 1234 und 1243 in Lausanne entstandenen Missale ist dicht mit kleinen Medaillons mit Blatt-, Knospen- und Perlenformen gefüllt; das F. außerhalb des Buchstabenkörpers ist nicht Besatz, sondern greift deutlich in den Umraum aus (Lausanne, Mus. Hist. de l’Ancien Evêché, ms. n. c., fol. 91: [54] Textbd. S. 163 Nr. 447, Taf.bd. Abb. 97). Ähnlich, jedoch ohne die strikte Gliederung in Medaillons ist das F. zweier Hss. in Sitten aufgebaut (Kapitelarchiv, ms. 29: [61] Bd. 13 Taf. 14f.; St.archiv, AV 112.6 [44] S. 164-168, Abb. 24; Josef Leisibach und François Huot, Die liturg. Hss. des Kt. Wallis [ohne Kapitelsarchiv Sitten], Freiburg i. Ue. 1984 [Spicilegii Friburgensis Subsidia, 18; Iter Helveticum, 4], S. 33-36, Abb. 4).

Verwandte F.formen kommen im 4. V. 13. Jh. in einer Gruppe von orh. Hss. vor (z. B. Karlsruhe, Bad. L.bibl., cod. St. Georgen 5), deren Blattformen noch an das Palmetten-F. erinnern, deren Struktur jedoch schon dem Knospen-F. entspricht (s. Sp. 1143). Vollzogen ist der Übergang zum Knospen-F. in der Beatus-vir-Initiale eines Psalters in Aarau, Kantonsbibl., ms. Wett. oct. 1 [61, Bd. 7 Taf. 33].

Französischen Vorbildern folgt das F. eines 1285 dat. Breviers aus St. Urban (Luzern, Zentralbibl., KB, ms. P 9: [61] Bd. 9 Taf. 29) sowie der aus dem frühen 14. Jh. stammenden St. Gallener Weltchronik (St. Gallen, Bibl. Vadiana, cod. 302: Faks.ausg., Luzern 1987; vgl. - mit F.

desselben Florators - Basel, Univ. bibl., cod. B. VIII. 27: Martin Roland, Ill. Weltchroniken..., Diss. Wien 1991 [masch.], S. 185-187); ähnliches F. auch im sog. Codex Manesse (Heidelberg, Univ.bibl., ms. pal. germ. 848, Florator „J 2“: [52] S. 430-434, Taf. N 2/7-10, N 3, N 5; vgl. Sp. 1142).

Nicht sicher zu lokalisieren ist ein Florator, der E. 13. Jh. tätig war, dessen F. Medaillons mit vollfarbigen Motiven kennzeichnen. Er stattete eine aus dem Augustinereremitenkloster in Basel stammende Bibel (Basel, Univ.bibl., cod. B II), ein Pontifikale der Trierer Diözese (Paris, Bibl. nat., ms. lat. 950: F. Avril und Claudia Rabel, Mss. enluminés d’origine germanique, Bd. 1, Paris 1995, S. 136 Nr. 144, Taf. 136) und eine 1294 dat. Urkunde aus (Metz, Archive dép. Moselle, H 903 (1): Ausst.kat. „Écriture et enluminure en Lorraine au Moyen-Age“, Nancy 1984, Nr. 91).

In der Hss.gruppe um die Engelberger „Bibly“, um 1310 (Engelberg, Stiftsbibl., cod. 6: [14] S. 6-17 und 73-75), ist das F. mit dünner Feder gezeichnet. Neu sind florale und zoomorphe Schaftaussparungen, Blattspiralen, sowie verschiedene vollfarbige Elemente (Ranken, Medaillons mit ausgesparten Mischwesen oder zoomorphen Formen). Ähnliches F. kommt auch in etwa gleichzeitig in Österreich entstandenen Hss. vor (s. Sp. 1172). Besonders hervorzuheben sind die den Schriftspiegel rahmenden F.leisten und zoomorphe Federzeichnungen (Abb. 31).

Zugehörig sind die Initialen eines wohl zw. 1307 und 1316 entstandenen, für Frienisberg bestimmten Antiphonars in Luzern (Zentralbibl., KB, ms. P 18 fol.: [54] Textbd. S. 166 Nr. 452, Taf.bd. Abb. 109; von derselben Hand ebendort, ms. P. 17 fol.: [61] Bd. 9, Taf. 28) und eines Antiphonars in Einsiedeln (Stiftsbibl., cod. 610/88, zw. 1299 und 1327: [54] Textbd. S. 69 Nr. 179, Taf.bd. Abb. 107), eines für Wonnental bestimmten Antiphonars (Karlsruhe, L.bibl., cod. U. H. 1, [14], S. 94-103, Abb. 31-39) sowie die Initialen eines Antiphonars in Freiburg i. Br. (Augustinermus., Inv.nr. 11 722 und 11 726: [14] Abb. 41-44). Diese Hs. enthält riesige Initialen, aus deren Buchstabenkörper teppichartig Ranken und Drachen ausgespart und deren Binnenfelder mit Blattspiralen und einigen farbigen Medaillons mit ausgesparten Motiven gefüllt sind.

Ähnlich ist ein Antiphonar in Sitten, Kapitelsarchiv, ms. 3 und 4, dat. 1319 ([54 a] Textbd. S. 121 Nr. 336f., Taf.bd. Abb. 25), mit farbigen Mittelmedaillons mit figürlichen Aussparungen.

Eigenständig ist eine Gruppe von wahrscheinlich in Konstanz entstandenen Hss. mit F., die für die Benediktinerabtei Weingarten bestimmt waren (Fulda, Hess. L.bibl., cod. Aa 54, dat. 1330: Christine Sauer, Konstanzer Buchmal. in Weingarten?, in: Eva Moser [Hg.], Got. Buchmal. im Bodenseeraum, Friedrichshafen 1996 [im Druck]).

Die Initialen eines im 2. V. 14. Jh. entstandenen Antiphonars in Aarau (Kantonsbibl., ms. Muri F 2: [14] Abb. 51-55) haben rot-blau gespaltene Buchstabenkörper, die von einem Gespinst kleinteiliger Aussparungen überzogen sind (ähnlich wie im Antiphonar in Freiburg i. Br., s. oben). Die großen Binnenfelder sind oft sternförmig gegliedert (wie im Frienisberger Antiphonar, s. Sp. 1164f.), dabei sind vollfarbige Medaillons mit Aussparungen jeweils Zentrum. Der Rahmen um den Schriftspiegel und die marginalen Zeichnungen erinnern an die Engelberger „Bibly“. Aus derselben Werkstatt stammen Hss. in Aarau und Freiburg i. Br. (Aarau, Kantonsbibl., ms. Wett. F 9; Freiburg i. Br., Augustinermus., Inv.nr. 11 725: ebd. Abb. 49f. und 56-58; vgl. ferner Luzern, Zentralbibl., KB, ms. P 13 fol., dat. 1338/1340: [54] Textbd. S. 165f. Nr. 451, Taf.bd. Abb. 124; Basel, Univ.bibl., cod. B.IV.3 und B.IV.5: Abb. 40; [14] Abb. 48).

Bemerkenswert ist der große Anteil an figürlichen Motiven; mitunter wurden sogar mit Deckfarben gemalte Figuren in die Binnenfelder integriert (z. B. Karlsruhe, L.bibl., cod. U. H. 1: s. oben).

Um M. H.Jh. sind weniger und einfachere F.initialen überliefert, die Vorlagen der ersten Hälfte des 14. Jh. vereinfacht und schematisiert nachahmen (z. B. Karlsruhe, Bad. L.bibl., cod. St. Peter perg. 21: ebd. S. 29f., 93f., Abb. 61; Paris, Bibl. nat., ms. lat. 7628: F. Avril und C. Rabel a. a. O. [Sp. 1164] S. l77f. Nr. 156, Taf. 141).

Aus der 2. H. 14. und aus dem 15. Jh. sind bisher kaum oberrheinische Hss. mit F. bekannt geworden.

Eine 1436 dat. Hss. in Zürich (Zentralbibl., ms. Car. C 9: [54 a] Textbd., S. 204 Nr. 588, Taf.bd. Abb. 161) besitzt kleinteiliges, rankenartiges F. im Binnenfeld. Hervorstechendes Merkmal sind die auf fol. 1 an die Fadenfortsätze anschließenden, mit der Feder gezeichne-

ten Vögel. Eine 1440 dat. Hs. in Bern hat fol. 222 zusätzlich einen reichen F.rahmen mit Vogelsilhouetten am äußeren Rand (Burgerbibl., cod. B 524: [61] Bd. 11 Taf. 36-38). Dem Schmuck beider Hss. liegen wahrscheinlich franz. Vorbilder zugrunde. Ein Stundenbuchfragment aus dem 3. V. 15. Jh. (Nürnberg, Germ. Nat. mus., Graph. Slg., Inv.nr. Min. 398, Kapsel 1607) verweist auf nordniederländische Vorbilder (s. Sp. 1159f.). Ein 1461 dat. Antiphonar übernimmt vereinfachend Gestaltungsmuster der „Bibly“-Gruppe (Freiburg i. Br., Augustinermus., Inv.nr. 11 724: W. Hagenmaier, Die dat. Hss. der Univ.bibl. Freiburg i. Br. und anderer öffentl. Slgn. ..., Stg. 1989 [Dat. Hss. in der Bundesrepublik Dtld., Bd. 2], S. 36, Abb. 88f.)

2. Mittel- und Niederrhein

Der Schmuck von Hss. ist hier stärker als am Oberrhein von westlichen Vorbildern geprägt. Das F. bleibt sekundärer Schmuck, die Ausstattung wird durch Deckfarbeninitialen dominiert. Vorformen des Knospen-F. gibt es in der in Köln um 1250 entstandenen Bibel aus Heisterbach (Abb. 16; s. Sp. 1148), ähnliches sowohl in südniederländischen als auch in englischen Hss. Eine Hs. aus Köln in Wien, Österr. Nat.bibl., cod. 893 [26, Nr. 20, Abb. 7] zeigt bereits Kospenformen in der Art des 1269 dat. Codex aus Mons (s. Sp. 1153).

Das für Hss. vom Niederrhein in der 1. H. 14. Jh. eigentümliche F. ist fein gezeichnet und hat häufig Ranken und Drachen, die aus kreuzschraffiertem Grund ausgespart sind.

Vgl. die zweizeiligen Lombarden der 1312 dat. Kamper Bibel und die F.initialen im Missale des Konrad von Rennenberg (Köln, Erzbischöfl. Dom- und Diöz.bibl., cod. 149, M. H. Jh.: Ausst.kat. „Köln vor Stephan Lochner“, Köln 1974, S. 134 Kat.nr. 77, Abb. auf S. 192). Verwandte Formen kommen in einem Missale aus dem 1. V. 14. Jh. vor (Oxford, Keble College, Ms. 54: Malcolm Beckwith Parkes, The medieval Mss. of Keble College, O., Oxf. 1979, S. 247-250). Das F. eines Graduale in Aarau (Abb. 33) und das des 1334 dat. „Kasseler Willehalm“ (Gesamthochschul- und L.bibl., ms. 2° poet. et roman. 1) stammt von demselben Florator. Das F. erinnert an das etwa gleichzeitige des Jacquet Maci (s. Sp. 1155). Die Binnenfelder werden durch aus dem kreuzschraffierten Grund ausgesparte Blätter oder Köpfe dominiert.

In vielen Hss. wurde F. in der Art französischer Vorbilder verwendet.

Neben einer wohl um 1300 entstandenen Bibel aus Köln (Düsseldorf, H. Heine Inst., ms. A 5) sind vor allem die von Erzb. Balduin von Trier in Auftrag gegebenen Hss. zu nennen (z. B. Koblenz, Staatl. Görresgymnasium, Bibl., cod. A, um 1336: Ausst.kat. „Balduin von Luxemburg“, Trier 1985, S. 82f. Kat. Nr. C.41). Die Binnenfelder sind mit symmetrisch angeordneten Knospenmedaillons gefüllt.

In der 1340 dat. Bibel aus dem Kölner Klarenkloster sind die Binnenfelder mit gleichförmig aneinandergereihten die Blattspiralen oder Knospenmedaillons gefüllt (Abb. 39). Ein 1356 dat. Passionale aus dem Frankfurter Bartholomäusstift (Frankfurt, Stadtbibl., ms. Batt. 2-5: [56] S. 81-84, Taf. 40) wurde von einem „Wigandus illuminator“ mit F. ausgestattet.

In zahlreichen rheinländischen und südniederländischen Hss. der M. des 14. Jh. kommen figürlichen Motive im Binnenfeld vor.

Beisp.: Oxford, Bodl. Libr., Ms. Laud. Misc. 103: Pächt-Alexander Bd. 1 S. 10 Nr. 138, Taf. 10; Köln, Wallraf-Richartz-Mus., Graph. Slg., M 72, Einzelbl.; zusammengehörig sind: Frankfurt a. M., Hist. Mus., C. 551: Fragment: [56] S. 85 Nr. 76, Taf. 39; London, Vict. Alb. Mus., H 4011-4020, 4022; Nürnberg, Germ. Nat.mus., Min. 357: Ernst Wilhelm Bredt, Kat. der ma. Min. des Germ. Nat.mus., Nbg. 1903, S. 61 Nr. 74).

Das F. in Hss. aus der 2. H. 14. Jh. ist nicht hinreichend untersucht; meist zeigen die Hss. F. in der Art französischer Vorbilder (z. B. eine Hs. aus Himmerod, um 1380: Aukt.kat. Venator und Hanstein, Köln, Aukt. 60, 25.-27. Sept. 1989, S. 220f. Nr. 1802).

Für die Hss. bis E. 15. Jh. ist der F.dekor in Hss. aus den nördlichen Niederlanden wichtig.

Beisp.: Brüssel, Bibl. roy. Albert Ier, ms. 384-385, aus der Kölner Kartause, dat. 1423 [45 a, S. 32 Nr. 149, Taf. 283-285]; Berlin, St.bibl. PK, ms. lat. fol. 716, aus dem zur Windesheimer Kongregation gehörenden Augustiner-Chorherrenkloster Böddeken, dat. 1461 (vgl. mit weiteren Beisp. Wolfgang Oeser, Archiv für Gesch. des Buchwesens 7, 1967, S. 317-343).

3. Altbayern, Schwaben und Franken

Im Unterschied zum Oberrheingebiet oder Österreich ist kein eigener regionaler F.stil zu erkennen.

In den zwischen 1263 und 1288 wohl in Nördlingen entstandenen Bänden der Kaisheimer Bibel (München, Bayer. St.bibl., cod. lat. 28 169-28 171) kommen rot-blau gespaltene F.initialen vor, deren Binnenfelder vor allem mit großen Medaillons (oft aus Sträußen von Knospen) gefüllt sind. Geradlinige Fadenfortsätze enden mitunter in Medaillons [33].

Parallel zur frühgot. Deckfarbenmalerei in Regensburg sind auch einzelne größere F.initialen erhalten, etwa in der um 1270/1280 entstandenen Freiburger Universitätsbibel. Die Binnenfelder der rot-blauen F.initialen sind durch dreifache Linien in Medaillons gegliedert, die mit Spiralen, Perlen und Knospen gefüllt sind (Freiburg i. Br., Univ.bibl., ms. 36 a: [9] S. 86 Nr. 65, Taf. 138; das F. dort fälschlich nach Paris lokalisiert). F. mit sehr großen Knospen auf kreuzschraffiertem Grund enthalten die Initialen einer 1282 in Prüfening geschriebenen „Legenda aurea“ (München, Bayer. St.bibl., cod. lat. 13 029: [9] S. 86f. Nr. 66, Taf. 139). Wie in vielen Regensburger Hss. ersetzen oder ergänzen Häkchenmotive die F.leisten. Ein Nachtrag, noch aus dem 13. Jh., beginnt mit einer Deckfarbeninitiale mit F.leiste; diese erinnert an F. in niederösterr. Hss. (s. Sp. 1171).

Eigenständige, wenngleich eher schlichte F.initialen gibt es in Hss. aus dem Benediktinerkloster Oberalteich (München, Bayer. St.bibl., cod. lat. 9517, dat. 1282: [33]). Das F. in einer Hs. aus dem Zisterzienserkloster Aldersbach (ebendort, cod. lat. 2654, dat. 1297: ebd.) enthält F. mit eigentümlich „aufgeblähten“ Knospen und Perlen.

Dem beginnenden 14. Jh. gehören die stark westlich beeinflußten, sehr sorgfältigen F.initialen einer Bibel an, die seit dem 15. Jh. in Augsburg nachweisbar ist (ebendort, cod. lat. 3811); allgemein vergleichbares F. in einer in die Gegend um Bamberg lokalisierten Hs. in Wien (Österr. Nat.bibl., cod. 2675: [26] Nr. 82, Abb. 245-247) sowie in einer 1333 dat. Hs. aus Fürstenzell (München, Bayer., St.bibl., cod. lat. 7203: [33]). Die aus Regensburger Hss. (s. oben) bekannte Verbindung von F. und Deckfarbenmalerei gibt es in einem Schäftlarner Psalter von 1320 (ebendort, cod. lat. 17 030; vgl. ferner das ebenfalls von dort kommende, 1330/1331 dat. Antiphonar, cod. lat. 17 004: Paul Ruf, Die Hss. des Klosters Schäftlarn, in: 1200 Jahre Kloster S. ..., Mchn. 1962 Deutingers Beitr. 22/23], S. 88).

Aus dem Benediktinerkloster Metten stammt ein 1332 dat. „Speculum historiale“ des Vinzenz von Beauvais, dessen F. verschiedene Vorbilder erkennen läßt (ebendort, cod. lat. 8201 a-c: [65] S. 135). Die Initiale auf fol. 39 im ersten Band ist mit Blattspiralen gefüllt und entspricht dem F. einer Hss.gruppe aus Stift Garsten, O.O. (s. Sp. 1173). Im zweiten und dritten Band kommen F.initialen vor mit floralen (Eichenblätter) oder zoomorphen Aussparungen (u.a. mit menschlichen Gesichtern) in den Buchstabenkörpern und in farbigen Medaillons. Diese Motive sind vom Oberrhein bekannt, hier jedoch vergröbert. Aus dem Umkreis Ludwigs des Bayern sind Hss. bekannt, in denen solches F. variiert ist (München, Bayer. St.bibl., cod. lat. 23 056, aus Fürstenfeld; Speyer, Dom, dat. 1343: [65] S. 135f. mit Abb. 120f. und S. 194; vgl. Sp. 1164-1166).

Aus der Zeit um M. 14. Jh. stammen Initialen, bei denen Figürliches wieder auf die Schäfte der Initialen beschränkt ist und die Binnenfelder teppichartig mit gleichförmigen Medaillons gefüllt sind (Abb. 37; Pommersfelden, Gräflich Schönbornsche Bibl., cod. 215, aus Kastl: ebd. S. 139; München, Bayer. St.bibl., cod. lat. 14 001-14 002, Bibel aus Regensburg, dat. 1347: [33]).

F.initialen aus der 2. H. 14. und aus dem 15. Jh sind meist einfacher, wobei das F. oft aus aneinandergereihten Knospenmedaillons besteht (Bamberg, St.bibl., msc. Bibl. 9/1-3: B. Kurth a. a. O. [Sp. 1114]; Helmut Rosen-

feld, Aus dem Antiquariat, 1989, S. A 254f.; ähnlich ein 1405 entstandenes Antiphonar aus Schäftlarn: München, Bayer. St.bibl., cod. lat. 17 002-17 003: P. Ruf a. a. O. [Sp. 1169] S. 91 Abb. 57).

In Hss. aus dem 15. Jh. kommen oft Initialen vor, deren F.dekor sehr pflanzlich wirkt (Wien, Schottenkloster, cod. 171 a, Wiblingen, dat. 1440: Franz Unterkircher, Die dat. Hss. in Wien außerhalb der Österr. Nat.bibl. bis zum Jahre 1600, Wien 1981 [Kat. der dat. Hss. in lat. Schrift in Österr., Bd. 5], T. 1 S. 125 Nr. 238, T. 2 Abb. 180); besonders auffällig: München, Bayer. St.bibl., cod. lat. 7574, aus Indersdorf.

4. Österreich

a. Von 2. H. 13. bis um M. 14. Jh. sind ungewöhnlich viele Hss. mit reichem F.dekor erhalten, bei denen man Varianten des F. unterscheiden und nicht selten Orten oder Regionen zuordnen kann.

Ausnahmen sind einige wissenschaftliche Hss. der 2. H. 13. Jh., deren Schmuck dem F.dekor nordfranz. oder Pariser Hss. so sehr gleicht, daß Rückschlüsse auf den Entstehungsort nicht möglich sind (Wien, Österr. Nat.bibl., cod. 2438, cod. 1676, cod. 1414: [26] Nr. 21-23, Abb. 72-76; zu Vorbildern s. Sp. 1128f.).

Der Übergang vom Palmetten-F. zum Knospen-F. ist in Hss. in der 2. H. 13. Jh. zu beobachten, etwa in der um 1270/1280 entstandenen vierbändigen Bibel aus Krems, die neben Deckfarbeninitialen auch große F.buchstaben enthält. In den ersten beiden Bänden (s. Sp. 1148 und Abb. 27) sind nur gelegentlich Knospenformen verwendet. In den zwei folgenden Bänden herrschen sie in den Binnenfeldern vor. Die für Palmetten-F. charakteristischen symmetrischen Gefüge sind beibehalten, nur selten Knospengruppen zu Medaillons zusammengefaßt. Der Besatz folgt, den neuen Gewohnheiten entsprechend, dem Buchstabenkörper. Die Verbindung zum Umraum wird durch die dem Schriftspiegel folgenden Fadenfortsätze und F.leisten gewahrt (Wien,. Öster. Nat.bibl., cod. 1170-1173: [26] Nr. 25-28, Abb. 100-105). Ähnliches gilt für die rot-grün gespaltenen Initialen einer nicht lokalisierbaren Hs., in der das Binnen-F. der ersten Initiale in Medaillons zusammengefaßt ist, bei den anderen Initialen die Knospen eher rankenartig angeordnet sind (ebendort, cod. 2169; vergleichbar Lilienfeld, Stiftsbibl., cod. 227: [51]).

In der 2. H. 13. Jh. können mehrere Hss.gruppen mit F. unterschieden werden, bei denen die aus vegetabilen Formen gebildeten Einzelmotive des F. stark abstrahierend wiedergegeben sind.

Die erste Gruppe umfaßt Hss. aus Niederösterreich mit einem Schwerpunkt in Lilienfeld.

Die Buchstabenkörper sind rot-blau und gebogt, gezackt oder getreppt gespalten; charakteristisch sind ausgesparte kleine Scheiben mit vier Kerbungen. Das Binnen-F. ist oft durch große, mitunter symmetrisch angeordnete langstielige Knospen gegliedert, die von kleineren Knospen und kreuzschraffierten Scheiben begleitet werden. Es kommen auch Binnenfelder mit Knospenmedaillons vor. Der Besatz ist bei einigen großen Initialen durch Kreissegmente mit Knospe und kreuzschraffierter Scheibe hervorgehoben. Auffällig sind F.leisten, die am unteren Ende mit einem Knospenmedaillon schließen, sowie kandelaberartige Stäbe (Abb. 25; ferner Lilienfeld, Stiftsbibl., cod. 55, 195 und 196; St. Pölten, Diözesanbibl., Hs. 2; Göttweig, Stiftsbibl., cod. 144; Klosterneuburg, Stiftsbibl., cod. 605: [51]). Derselben Stilstufe gehören an: Wien, Österr. Nat.bibl., cod. 2276 und 87 [26, Nr. 36f., Abb. 125-137], mit Binnenfeldfüllungen aus zwei kleinen und zwei großen Medaillons und einem trichterförmigen Zwischenbereich, sowie zwei Codd. in Klosterneuburg (Stiftsbibl., cod. 239) und Graz (Univ.bibl., cod. 141: [50] S. 1f., Abb. 1-6). In cod. 239 nennt sich ein „Jacobus de Colonia“ als Illuminator. Auf der Eingangsseite sind die F.leisten zu einem Rahmen verbunden.

Eine zweite Gruppe umfaßt Hss. des 4. V. 13. Jh. und des 1. V. 14. Jh. Auftraggeber waren vor allem die Stifte Klosterneuburg (Stiftsbibl., cod. 73 und 737: Abb. 30; ebd. S. 3-6, Abb. 16-22) und Lilienfeld (z. B. Stiftsbibl., cod. 153 und 214: ebd. Abb. 23-25; cod. 153, 155 und 206: [51]). Weitere Hss. stammen aus Salzburg (Wien, Österr. Nat.bibl., cod. 392, 393: [26] Nr. 38f., Abb. 135-138) und Passau (München, Bayer. St.bibl., cod. lat. 16 129: vgl. ebd.).

Charakteristisch sind die bei größeren Initialen floral (blüten- oder blattförmig) gespaltenen Buchstabenkörper sowie ausgesparte Linien und Punkte bzw. Trifolien mit rhombenförmigen Blättern; in den Binnenfeldern meistens symmetrisch angeordnete Medaillons, die oft mit Knospenrädern gefüllt sind. Bei den Besatzmotiven gibt es Kreissegmente ähnlich jenen in der Lilienfelder Gruppe (s. Sp. 1171). Statt der Fadenfortsätze werden fast durchweg F.leisten verwendet. Kennzeichnend sind Perlenpyramiden zwischen den einzelnen Elementen und die Form der „Fibrillen“.

Das F. des um 1320 tätigen sog. Christanus-Florators in Lilienfeld weist neue Elemente auf: die Verwendung von Gold, rechtwinkelig abstehende kurze Fadenausläufer, abgeknickte, häufig durch kleine Kreuze betonte Fäden, lange „Fibrillen“, schnabelförmige Knospen sowie Zacken zwischen den einzelnen Perlen des Besatzes. Zoomorphe Elemente gehen wohl auf oberrheinisch geprägte Hss. zurück (s. unten). Zu den Hss. in Lilienfeld (Stiftsbibl., cod. 130, 137, 143, 144, 145, 172) und Wien (Österr. Nat.bibl., cod. 362, 1211 und cod. ser. n. 4234): [51].

Wahrscheinlich oberrheinisch geprägte Vorbilder ahmte man in einigen Hss. um 1300 und aus dem 1. Dr. 14. Jh. nach, die aus den Zisterzen Heiligenkreuz und Lilienfeld stammen. Merkmale sind figürliche Schaftaussparungen (spitzohrige Drachen), Blattspiralen und Füllungen der Binnenfelder, bei denen aus dem kreuzschraffierten Grund eine Ranke ausgespart ist, mit welcher symmetrische, mit einem Trifolium gefüllte Medaillons geformt sind (Wien, Österr. Nat.bibl., cod. 1599, dat. 1299, aus Heiligenkreuz: [26] Nr. 51, Abb. 164-167; Heiligenkreuz, Stiftbibl., cod. 15, 50, 156, 171; Lilienfeld, Stiftsbibl. cod. 5, 154, 155, 173, 174, 177; Karlsruhe, Bad. L.bibl., cod. aug. perg. 154: [14] S. 90, Abb. 10 a; Graz, Univ.bibl., cod. 746, dat. 1318: vgl. [51]).

Für die F.initialen einer weiteren Gruppe von Hss. sind Schaftspaltungen charakteristisch, bei denen die Farbe zur Trennungslinie hin aufgehellt ist, vgl. die um 1315 entstandene Bibel des Meingot von Waldegg (Graz, Univ.bibl., cod. 370), die zwei Initialen mit figürlichen Elementen enthält [50, S. 6-8, Abb. 26-32].

Aus Oberösterreich sind aus dem 13. Jh. keine Hss. mit nennenswertem Knospen-F. bekannt geworden. Um 1300 entstanden dann sowohl in Kremsmünster als auch in St. Florian Hss. mit reichem F.schmuck.

Die in Kremsmünster unter Abt Friedrich von Aich (1274-1325) tätige Werkstatt schuf Hss. mit ganz ähnlichem F. ([34] Bd. 43,2, S. 137-140; als Beispiele seien genannt: Kremsmünster, Stiftsbibl., cod. 253, dat. 1292: ebd. S. 139, 174f., Abb. 278; cod. 129; 347-350: ebd. S. 138-140, Abb. 278-293.

In St. Florian läßt sich ein zw. 1305 und 1310 tätiger Florator nachweisen [57, S. 179-183]. Die Buchstabenkörper seiner F.initialen sind oft in mehrere durch ungewöhnliche florale Muster miteinander verschränkte Farbflächen geteilt. Die Binnenfelder sind mit fein gezeichnetem F. gefüllt; die Köpfchen der Knospen enthalten kleine Kreise in der Gegenfarbe. Kennzeichnend sind Knospenmedaillons, größere, dicht gefüllte Scheiben und vollfarbige Medaillons mit einem ausgesparten Blütenmotiv in der Mitte und einem umgebenden Knospenrad. Der Besatz wird durch „Ecktrauben“ bereichert, Knospenbouquets, die mit einer langen „Fibrille“ enden. Von den Initialen gehen oft Leisten aus, die den Schriftspiegel links, aber auch oben und/oder unten umgeben (Abb. 32; St. Florian, Stiftsbibl., cod. III 205A, III 221A, XI 61, XI 65, XI 392; Kremsmünster, Stiftsbibl., cod. 335); zu weiteren Gruppen von F.hss. in St. Florian vgl. [57] S. 183f.).

Seit 1. V. 14. Jh. gab es in Hss. auch floral bestimmtes, meist eher flüchtig gezeichnetes F.; große Blattformen sind büschelförmig angeordnet oder mit Ranken verbunden.

Beisp.: Missalien in Klosterneuburg (Stiftsbibl., cod. 71, fol. 114-137v; cod. 73, fol. 85-196: [32] S. 130-138, 142-148); ähnlich Wien, Österr. Nat.bibl., cod. 1212 [26] Nr. 64, Abb. 201-203.

Florale (u.a. Eichenblätter) und zoomorphe Motive (Drachen) sind aus den Buchstabenkörpern größerer F.initialen in Hss. aus dem 2. V. 14. Jh. ausgespart. Die Binnenfelder können mit Knospenmedaillons, Blattspiralen oder vollfarbigen Blattranken über F.grund gefüllt sein; mitunter gibt es mit Goldtinte gezeichnetes F. Der Besatz ist schlicht, die F.stäbe umschließen Schriftspiegel an bis zu drei Seiten.

Beisp.: Wien, Österr. Nat.bibl, cod. ser. n. 3764, kurz vor 1320: M. Roland, Wiener Jb. für Kg. 46/47, 1993/ 1994, S. 603-611 und 843 Abb. 9; ebendort, cod. 2670, dat. 1320: [26] Nr. 94, Abb. 280, 285-288; Basel, Univ.bibl., cod. E II 2, dat. 1322: [57] S. 178, Abb. 104. Ähnliche Initialen gibt es in schlesischen Hss. (s. Sp. 1178f.) und in einer Gruppe von Codd. aus dem Benediktinerstift Garsten, z. B. Linz, Studienbibl., cod. 425 (dat. 1334), 434, 455, 456, 458 und 461 (zw. 1353 und 1365), sowie Wien, Österr. Nat.bibl., cod. 695, dat. 1343 (vgl. zur ganzen Gruppe [26] Nr. 137). Bei rot-blau gespaltenen Buchstabenkörpern gibt es häufig ein zeltförmiges Ornament in der Mitte. Neu ist die zusätzliche Verwendung von Deckweiß. Elemente des Besatzes sind farbige Medaillons (mit ausgesparten Motiven), die auch in orh. Hss. vorkommen.

Florale Formen und Deckweißdekor bestimmen die sehr großen Buchstabenkörper in dem vor 1331 entstandenen Missale des Klosterneuburger Propstes Stephan von Sierndorf. Das F. ist aus vielen Knospen zusammengesetzt, entweder in Medaillons oder als Hintergrund für mit Deckfarben gezeichnete Blattmotive (Klosterneuburg, Stiftsbibl., cod. 71: [32] S. 130-138, Abb. 24). Derselben Stilstufe gehört der 1333/1334 entstandene fünfte Band der Kremser Bibel an, mit ebenso reich dekorierten F.initialen. Die Buchstabenkörper enden oft in floralen Fortsätzen; in den Binnenfeldern können gemalte Elemente vorkommen (Blattranken). Neu sind die meist orthogonalen Initialfelder (Wien, Österr. Nat.bibl. cod. 1174: [26] Nr. 120, Abb. 366-377).

Einfacher ist der Schmuck von Hss. aus dem Waldviertel (Zwettl, Stiftsbibl., cod. 2 und 3, dat. 1340; ähnlich Wien, Österr. Nat.bibl., cod. 1419, dat. 1337: [26] Nr. 126, Abb. 397-399).

Über das F. in Salzburg ist bisher nur wenig bekannt.

Aus dem E. 13. Jh. sind Hss. in München (Bayer. St.bibl., cod. lat. 15 730: [33]) und Vorau (Paul Buberl, Die illum. Hss. in Stm., T. 1, Lpz. 1911 [Beschr. Verz. Österr. N.F. Bd. 4], Nr. 247-256, mit Abb.) zu nennen. Ungewiß ist, ob eine schon dem 14. Jh. zugehörige, aus Salzburg stammende Hs. auch dort entstand (München, Bayer. St.bibl., cod. lat. 15 707: [33]). Bemerkenswertes F. enthält das um 1348/1350 entstandene ältere Radecker Missale (Salzburg, Univ.bibl., cod. M III 48), dem sich mehrere Hss. zuordnen lassen.

b. In den Hss. von etwa M. 14. Jh. bis ins 15. Jh. kommt das F. seltener vor, die Formen sind schlichter, die Ausführung ist entweder flüchtig oder geometrisch. Man zog die Deckfarbeninitiale vor und gebrauchte F. meist nur noch als einfacheren Buchschmuck. Zu den um M. 14. Jh. bekannten Motiven kamen kaum noch neue hinzu; vgl. z. B. eine Gruppe von F.hss. aus St. Florian [34, Bd. 48, Abb. 165-184]. Oft wiederholte man Perlenreihen oder halbierte Knospengarben, z. B. in einem Missale der sog. Wiener Hofminiatorenwerkstatt (St. Polten, Diözesanbibl., cod. 51 [alt 328]: Johann Kronbichler und Susanne Kronbichler-Skacha, Diöz.mus. St. Pölten, Kat. der ausgestellten Objekte, St. Pölten 1984, S. 28f.). Ein charakteristisches Motiv sind rechtwinkelig vom Besatz abstehende parallele Linien, vgl. die F.initialen eines von Heinrich Aurhaym um 1415 in Stift Rein in der Steiermark gefertigten Cod. (Wien, Österr. Nat.bibl., cod. ser. n. 89: vgl. J. Tiede in: Allg. Künstler-Lex., Bd. 5, Mchn. und Lpz. 1992, Sp. 669f.).

5. Böhmen und Mähren

Hss. mit F. gibt es seit E. 13. Jh. in ähnlichen Formen wie das F. in österreichischen Hss., dann vor allem in der 2. H. 14. Jh. und im 15. Jh. mit eigenständigen Formvarianten.

In den frühen Beisp. sind westliche Formen nachgeahmt (Wien, Österr. Nat.bibl., cod. ser. n. 20 268: [26] Nr. 34, Abb. 116), oder das F. ist sehr schlicht (Prag, Kapitelsbibl., cod. P 3, dat. 1294: [48] S. 210-212 Nr. 113; cod. A XVII. 2: ebd. S. 81f. Nr. 17).

Geometrisch angeordnete F.formen gibt es in Hss. aus Raigern, deren einziger Schmuck in F.initialen besteht (Brünn, Univ.bibl., cod. R 17 und R 19, beide von 1313: Abb. 35; Vladislav Dokoupil, Soupis Rukopisů knihovny benediktinů Rajhradě, Brünn 1966 [Soupisy rukopisnych fondů universitní knihovny v Brně, 4], S. 22-24). Einheimische Vorbilder sind nicht bekannt; identische F.formen in einer Hs. aus Schlesien (s. Sp. 1179). Diese Formen waren Voraussetzung für die beiden Floratoren (-gruppen), die an der Ausstattung jener Hss. mitarbeiteten, welche Kgn. Elisabeth Rejčka dem Zisterzienserinnenstift in Altbrünn schenkte (z. B. Wien, Österr. Nat.bibl., cod. 1772 und 1773, dat. 1315/1316, cod. 1774, 1835, 1813, 417: [26] Nr. 97-102, Abb. 310-329; Brünn, Univ.bibl., cod. R 355 und R 600, dat. 1317: V. Dokoupil a. a. O. S. 132f. und 309f.). Die oft großen F.-Initialen sind bisweilen mit Gold und Deckfarben angereichert, die Buchstabenkörper kleinteilig rot-blau gespalten, Binnenfelder mit meist symmetrisch angeordneten Knospenmedaillons oder mit vollfarbigen, durch Ranken verbundene Blätter gefüllt, bei denen F. Hintergrund ist.

Dieses Motiv gab es seit dem 2. V. 14. Jh. häufig, vgl. eine Gruppe von Raudnitzer Hss.: Prag, Nat.mus., cod. XII A 3, XII A 4, XII A 5, XII A 7: [36, Taf. 15 Abb. 21]; ähnlich in den 1330er Jahren für den Preßburger Dom angefertigte Chor-Hss.: z. B. Budapest, Univ.bibl. cod. lat. 34 und 35: Ilona Berkovits, Illum. Hss. aus Ungarn, Budapest 1968, S. 26-28 mit Abb., Taf. 5). Ähnlichkeiten bestehen zu Hss. aus Garsten (s. Sp. 1173).

Etliche F.initialen zeigen in den Binnenfeldern zahlreiche kleine Knospenmedaillons nebeneinander. Als Beispiele seien zwei große Bibelhss. genannt: Prag, Kapitelbibl., ms. A 1 [48, S. 46-51 Nr. 9, Abb. 46-62]; München, Bayer. St.bibl., cod. lat. 18 001-18 002, dat. 1338-1340 [36, Taf. 5 Abb. 19]. Besatz und Fadenfortsätze sind mit langen Reihen gleichförmiger Perlen besetzt. Daneben gibt es figürliche Motive, in der Prager Bibel vor allem in den Binnenfeldern, in der Münchener auch im Buchstabenkörper. Derselben Stilstufe, jedoch mit reicherem F., gehört der sog. Samson-Codex an, der wohl um M. 14. Jh. entstand und nicht, wie bisher angenommen, 1296 datiert ist (Prag, Nat.mus., cod. XII A 15: M. Roland, Umění 43, 1995; vgl. ferner eine 1347 dat. Hs. in Laibach, Nat.- und Univ.bibl., ms. 2: Natasa Golob, Zbornik za umetnosto zgodovino N.F. 29, 1993, S. 15-39).

Seit 2. H. 14. Jh. wurde in vielen Hss. Deckfarbenmalerei als Schmuck dem F. vorgezogen, das F. auf den sekundären Bereich der Ausstattung (kleine Textinitialen, Lombarden) beschränkt. Man gebrauchte eigenständige Formen, die es erlauben, böhmische Werke von anderen deutlich zu unterscheiden. Das F. ist oft auf quadratische Initialfelder beschränkt, vielfach sogar ohne Fadenausläufer, kleine Knospenmedaillons, innen gestrichelte Palmetten und halbierte Knospengarben dominieren die Binnenfelder.

Beisp.: Prag, Nat.mus., sog. Liber viaticus des Johann von Neumarkt in Prag, Nat.mus., cod. XIII A 12, 1355/

1360: [23] S. 81f., Taf. 12; von derselben Hand: ebendort, cod. XVI D 13, um 1360: ebd. S. 83f., Taf. 18. Missale des Johann von Neumarkt, Prag, Kapitelbibl., ms. cim. 6, um 1365: ebd. S. 93, Taf. 11 und 19 (vgl. zu den ital. Vorbildern für die Initialfelder: Rom, Bibl. Vat., cod. Cap. 63 b, entstanden zw. 1338 und 1348).

In der Frühphase der sog. Wenzelswerkstatt kam dem F. große Bedeutung zu. Die Hs. mit dem Text des „Willehalm“ wurde zuerst bloß spärlich mit Deckfarbenmalereien ausgestattet, statt dessen füllte man ganze Seiten mit F.fortsätzen, die von oft kleinen Initialen ausgehen (Wien, Österr. Nat. bibl., cod. ser. n. 2643, dat. 1387: Krása, Wenzel-Hss., S. 126). Der auch in den anderen Hss. dieser Werkstatt nachweisbare Florator führte neben bisher gebräuchlichen Formen des F. auch kleine, gestrichelte Scheiben und oft schlaufenförmig gebogene Fadenfortsätze aus, die an Gebilde aus Draht erinnern (ebd. Taf. 19). Zusätzlich verwendete er üppige Fortsätze, oft aus kleinen Silhouettenblättchen zusammengesetzt. Während dieses Motiv später nicht nachgeahmt wurde, blieben die anderen Motive dieses F. für den Schmuck späterer Hss. vorbildhaft, so für die Bände der Wenzelsbibel (ebd. S. 22 Abb. 11), für die um 1400 entstandene Bibel des Konrad von Vechta (Antwerpen, Mus. Plantin-Moretus, ms. 15: ebd. S. 223 Abb. 185), das 1409 dat. Martyrologium in Gerona (Diöz.mus.: Mojmír S. Frinta, Art Bull. 46, 1964, Abb. 16-22 nach S. 298) sowie das sog. Hasenburg-Missale (Abb. 43).

6. Thüringen und Sachsen

Seit 4. V. 13. Jh. ist Knospen-F. belegt, meist nach westlichen Vorbildern.

Ein 1279 dat. Psalter, heute in Gran (Esztergom), Kapitelsbibl., ms. II 5 ([66] S. 164, Abb. 1080-1088), enthält dreizeilige Lombarden mit F. nach möglicherweise rheinischem Vorbild. In Erfurter Hss. sind die westlichen Vorlagen deutlich erkennbar (Pommersfelden, Gräflich Schönbornsche Bibl., cod. 217, um 1300: Kat. der Gräflich von Schönborn Wiesentheidschen Schloßbibl., Pommersfelden 1946 [masch.], Nr. 217; vgl. ferner Abb. 38). Schlichte Initialen enthält ein 1386 dat. Psalter in Leipzig (Univ.bibl., cod. 129), deren F. große ausgesparte Ringe oder Ranken aufweist.

7. Schlesien

Aus dem 13. Jh. sind nur wenige Hss. mit F. erhalten, jene aus der Zeit um 1300 belegen mehrere Stilvarianten von F.

Ein 1304 dat. Antiphonar (Breslau, Univ.bibl., cod. I F 400) und verwandte Hss. zeigen in Binnenfeldern Knospenmedaillons und feingliedrige Silhouettenblätter (vgl. cod. I F 397; Breslau, Kapitelbibl., ms. 152, dat. zw. 1301 und 1319: [37] S. 42).

Ein Antiphonar aus Leubus, das wohl um 1320 entstand, zeigt deutlich zu unterscheidende F.-Initialen von zwei Floratoren. Die Buchstabenkörper sind geteilt, das Binnen-F. besteht oft aus einem „Teppich“ unterschiedlich großer Medaillons, die mit symmetrisch angeordneten, rundkopfigen Knospen gefüllt sind. Besatz ist ein ungewöhnlich dichtes Gespinst aus langen „Fibrillen“, frei plazierten kleinen Kreisen und großen kreuzschraffierten Scheiben (Breslau, Univ.bibl., cod. I F 401: Abb. 35; zur Hs. ebd. S. 198-200, mit irriger Datierung; vgl., mit figürlichen Darstellungen in den Binnenfeldern, ebendort, cod. I F 413: ebd. S. 45-47, 200, Abb. 56-58).

Einige Hss. aus dem 3. Jz. 14. Jh. (ebendort, cod. R 164, dat. 1325, und ehem. ebendort, cod. R 509: ebd. S. 221, 224f. und Abb. 47-50, 52-55; ebendort, cod. IV F 191, um 1325; ebendort, cod. I F 43/1, dat. 1326; Wien, Österr. Nat.bibl., cod. 2767: [26] Nr. 96, Abb. 290-296) sind Hss. aus Garsten und Wien auffallend ähnlich (s. Sp. 1173f. und 1175). Im Wiener Cod. 2767 ist ein zweiter Florator tätig, dessen F. mit dem F. einer Hs. aus Raigern übereinstimmt (s. Sp. 1176).

In einigen Hss. gestaltete man das F. nach böhmischen Vorbildern, so in einem Missale aus dem 2. V. 14. Jh. mit F. in der Art der Hss. aus Raigern (s. Sp. 1176): Breslau, Univ.bibl., cod. M 7570. Noch deutlicher ist dies in einem um 1360 entstandenen Missale (ebendort, cod. B 1713 [37] S. 211, Abb. 80).

Aus späterer Zeit ist kaum reicheres F. aus Schlesien bekannt geworden. Ausnahme sind die F.initialen in einem Krakauer Antiphonar, dessen dritter Band 1397 datiert ist. Neben großen Deckfarbeninitialen in der Art der unmittelbar vorangegangenen böhmischen Hss. gibt es F.initialen, deren Buchstabenkörper Aussparungen (Mischwesen mit menschlichen Köpfen) zeigen. Die Binnenfelder sind in der Regel mit sorgfältig gezeichneten Knospenmedaillons gefüllt (Krakau, Karmelitenkloster: Feliks Kopera und Leonard Lepszy, Illuminowane rękopisy księgozbiorów oo. dominikanów i oo. karmelitów w Krakowie, Krakau 1926 [Zabytki sztuki w Polsce, 2], S. 60-69, Abb. 71-78).

F. Italien

Beim Knospen-F. sind verschiedene lokale Varianten festzustellen, jedoch fehlen bisher zusammenfassende Untersuchungen zu den Hss. aus dem 14. und 15. Jh.

Hss. aus Neapel zeigen bei größeren Initialen Muster des wohl auf englischen Vorbildern beruhenden Knospen-F., Binnenfelder sind durch Medaillons gegliedert (z. B. Cava, Bibl. der Badia, ms. 31: Maria Rotili, La min. nella Badia di C., Bd. 1, Cava dei Tirreni, Neapel 1976, S. 111f., Taf. 32). Stärker ausgeprägt ist dies in Hss. aus dem 14. Jh., z. B. in einem franziskanischen Antiphonar, dessen große Initialen mit sorgfältig gezeichnetem Knospen-F. in symmetrischen Medaillons gefüllt sind (Aukt.kat. Sotheby’s, London, 7. Dez. 1992, S. 54f. Nr. 46 mit Abb.).

Hss. aus Genua enthalten vom E. 13. Jh. an F. in der Art französischer Vorbilder (s. Sp. 1136).

Im Veneto erinnert das F. seit dem 2. V. 14. Jh. vereinzelt auch an deutsche Hss.: Padua, Bibl. Antoniana, ms. 173 (Guglielmo Abate und G. Luisetto, Codici e mss. della Bibl. Antoniana, Vicenza 1975, S. 202f. mit Abb.).

In Oberitalien gab es im 14. Jh. eine Variante des F., für die quadratische, oft dicht mit Knospen-, Blatt- oder Palmettenformen gefüllte Initialfelder charakteristisch sind. Abgesehen von Initialen, bei denen man ganz auf Fadenfortsätze verzichtete (Abb. 42), kommen häufig gerade, gleichförmig mit Perlen besetzte Fadenfortsätze vor, die oft von Besatzmedaillons ausgehen. Die Fortsätze sind mitunter zu einem Rahmen verbunden, der den Schriftspiegel umschließt.

Beisp.: Rom, Bibl. Vat., cod. Cap. 63 b: s. oben; Kremsmünster, Schatzkammer, cim. 4, Bologna, dat. 1349: [34] Bd. 43,2 S. 214f.; Glasgow, University Libr., Hunterian Ms. 374, fol. 1, dat. 1385 (E. W. Kirsch a. a. O. [Sp. 1115]).

In der Toskana gab es im 14. Jh. Chorbücher mit riesigen F.init. Ihre reich gemusterten Buchstabenkörper sind von rechteckigen Initialfeldern umgeben, die mit gleichförmigen, stark ornamentalisierten F.formen gefüllt sind. Gegen E. 14. Jh. versah man die Initialen mit üppigen Fortsätzen. Charakteristisch sind Medaillons mit Feldern in der Mitte, die mit kleinen Dreiecken in allen Spektralfarben gefüllt sind.

Beisp.: Florenz, Mus. dello Spedale degli Innocenti, cod. Ser. CXXXIX n. 4-5, 1351 dat.: Ausst.kat. „Codici liturgici dei Benedettini in Toscana“, Florenz 1982, S. 244-252, mit Abb.; Florenz, Bibl. Laur., ms. Cor. 19, E. 14. Jh.: Mirella Levi d’Ancona, La min. florentina tra gotico e rinascimento, in: La min. ital. tra gotico e rinascimento. Atti del II. Congresso di stor. della min. ital., Cortona 1982, Flor. 1985, Bd. 1 S. 451-464, Abb. 5; Bloomington/Ind., Indiana Univ., Lilly Libr., Ms. Ricketts 240, dat. 1450: Ausst.kat. „The Painted Page. Italian Renaissance Book Illum. 1450-1550“, London und New York 1994-1995, S. 213, mit Abb.; trotz offenbar oberital. Herkunft ist der Stil eindeutig toskanisch geprägt; Siena, L’Osservanza, Chorbücher, zw. 1460 und 1480:

L’osservanza di Siena, La basilica e i suoi codici miniati, Mail. 1984, S. 155ff., mit Abb.

G. Spanien

Der F.dekor in Hss. vom E. 13. bis 16. Jh. ähnelt dem italienischer Hss.

Als frühe Beisp. seien zwei in Sevilla im 4. V. 13. Jh. entstandene Hss. genannt: Escorial, T. I. 6, dat. 1283: Frances Spalding, Mudejar Ornament in Mss., New York 1953, S. 13, Abb. 4; Rom, Bibl. Vat., ms. Urb. lat. 539, dat. 1280: B. Katterbach a. a. O. (Sp. 1155), Taf. 22. Bestimmend sind geometrische Formen, die Knospenform spielt kaum eine Rolle (vgl. Beisp. bis ins 16. Jh.: F. Spalding a. a. O. Abb. 5-14, 23-37; ferner eine Majoratsurkunde von 1531: Aukt.kat. Hauswedell & Nolte, Hamburg, Aukt. 310, 23. und 24. Mai 1995, Taf. 42 Nr. 1784).

Besonders zahlreich sind die Beispiele für F.dekor, in hebräischen Hss. aus Spanien. Während die Motive des F. weitgehend mit dem in anderen Hss. übereinstimmen, fügte man oft F.leisten zu aufwendigen Rahmungen zusammen oder füllte mit F. den Umriß von Gegenständen aus, die im Bild wiedergegeben werden sollten (z. B. Siebenarmiger Leuchter o. ä.). Zu Beispielen vgl. Belazel Narkiss, Hebrew illuminated mss. in the Brit. Isles, Bd. 1 Tl. 1-2, Jerusalem und Ld. 1982; Gabrielle Sed-Rajna, Les mss. hébreux enluminés des bibliothèques de France, Löwen und Paris 1994 (Corp. van verluchte hss. ..., Bd. 7; Oriental ser., 3).

VIII. Spätformen

A. Fleuronné in Hss.

In Hss. aus der Wenzelswerkstatt und aus deren Umkreis (s. Sp. 1177f.) wurden Binnenfelder von Initialen häufig mit gezeichnetem oder ausgespartem F. gefüllt, das aus Rankenstücken mit aufgereihten Kospen daran besteht (Salzburg, Univ.bibl., cod. M III 20, um 1400: Ernst Frisch, Ma. Buchmal. ..., Wien usw. 1949, S. 51 Abb. 43). Solche Formen, oft in geometrisch, manchmal symmetrisch angeordneten Konfigurationen, kommen in vielen Hss. aus Süddtld. und angrenzenden Gebieten bis ins 16. Jh. vor, meist als Schmuck des Binnenfeldes von Initialen. Perlenreihen und andere Motive des Knospen-F. können daneben als Besatzornament weiterhin verwendet sein, im Fadenwerk der Ausläufer gibt es auch zoomorphe Motive; mit dem F. sind häufig Kadellen verbunden.

Beisp.: Augsburg, St.- und Stadtbibl., 2° cod. 50, dat. 1422, mit F. in schotenähnlichen Gebilden; ebendort, 2° cod. 171, O-Schwaben, 1. Dr. 15. Jh. (F. in Zwickelformen im Außengrund der Initiale: Ausst.kat. „Von der Augsburger Bibelhs. zu Bertolt Brecht“, Augsburg 1991, S. 120f. mit Abb.); Abb. 45.

Im Verlauf des 15. Jh. zeichnete man die seit dem 14. Jh. bekannten Knospenformen an Stielen (vgl. Abb. 31) immer größer und ließ sie von einem dickeren Stengel abzweigen oder ordnete sie diesem (oft parallel) zu; die Knospenformen können mit Kernen versehen sein (Abb. 46). Figurationen dieses F. erinnern an Erbsenschoten oder an Blütenstände des Maiglöckchens, was zu entsprechenden Benennungen Anlaß gab („Maiblumen-F“, s. Sp. 1115). Das Fadenwerk kann zu „Strahlenbündeln“ geordnet sein (Abb. 49).

F. mit ähnlichen, wenn auch oft anders angeordneten Einzelmotiven gibt es in Hss. des 15. Jh. aus Flandern und aus Italien.

Beisp.: Paris, Bibl. nat., ms. fr. 2695 und 2696, Flandern, dat. 1450 (Léon M. J. Delaissé, Scriptorium 23, 1969, Taf. 56); Mailand, Bibl. Trivulziana, cod. 834, Bologna, dat. 1471 (Caterina Santoro, I codici medioevali della Bibl. Trivulziana, Bd. 1, Mail. 1965, S. 218f., Taf. 49); Syrakus, Mus. arch., Inv.nr. 19 356, Antiphonale, dat. 1578: Angela Daneu Lattanzi, Lineamenti di storia della min. in Sicilia, Flor. 1966 [Storia della min., Studi e documenti, 2], Abb. 111).

Gelegentlich fügte man dem F. von Initialen auch Monogramme oder Jahreszahlen ein: Verona, Bibl. di S. Bernardino, ms. Ant. 2, Verona, A. 16. Jh. (Ausst.kat. „Min. veronese del rin.“, Verona 1986, S. 269f. Nr. 70 mit Abb.).

Im 16. Jh. wurden mit Perlen und Knospen häufig naturalistische Blatt- und Rankenformen kombiniert.

Beisp.: Brüssel, Bibl. roy. Albert Ier, ms. 1656-58, N-Dtld., dat. 1514 (Ausst.kat. „Stadt im Wandel ...“, Braunschweig 1980, Bd. 1 S. 488f. Nr. 402); Aschaffenburg, Stiftsk., cod. 126, Missale von Nikolaus Glockendon und Georg Stirleyn, 1533 (Josef Hofmann und Hermann Hauke, Die Hss. der Stiftsbibl. und der Stiftsk. zu A., Aschaffenburg 1978 [Veröffn. des Gesch.- und K.ver. Aschaffenburg e. V., 16], S. 203f.); St. Marienstern, Bibl. des Zisterzienserinnenklosters, Antiphonale, Altzella, 1516 (Edith Rothe, Buchmal. aus zwölf Jhh. ..., Bln. 1966, S. 272, Taf. 135).

B. Gezeichnetes F. in Inkunabeln und Frühdrucken

Dieselben F.formen gibt es als Dekor von Initialen und Bordüren in den seit etwa M. 15. Jh. gedruckten Büchern, deren Drucker für die vorgesehene Ausschmückung den dafür notwendigen Platz freiließen (Abb. 50). Gezeichnetes F. gibt es in gedruckten Büchern vielerorts bis um 1500. Solche Ausstattung läßt häufig Rückschlüsse auf frühe Besitzverhältnisse zu, denn die Ausgestaltung wurde oft erst nach dem Erwerb durch den Besitzer in Auftrag gegeben, nicht selten an einem anderen Ort als dem des Drucks.

Vgl. den wohl in Leipzig geschaffenen F.dekor im Exemplar der 42-zeiligen Gutenbergbibel von 1455/1456 in der Berliner St.bibl. (Eberhard König, Die Illuminierung der Gutenbergbibel, in: Johannes Gutenbergs zweiundvierzigzeilige Bibel. Faks.ausg., Kommentarbd. hg. Wieland Schmidt und Friedrich-Adolf Schmidt-Künsemüller, Mchn. 1979, S. 92); Bibel, Mainz (Johann Fust und Peter Schoeffer) 1462, mit Initialschmuck eines fläm. Buchmalers (ehem. Camanllo/Ca., The Edward Lawrence Doheny Memorial Libr.: Aukt.kat. Christie, Manson & Woods, New York, 22. Okt. 1987, S. 37 Nr. 5, mit Abb.); Vincenz von Beauvais, Speculum historiale, Strbg. (Adolf Rusch), um 1473, mit nordholl. F. (Gisela Gerritsen-Geywitz, Vollendung mit Feder und Pinsel..., in: J. M. M. Hermans und Klaas van der Hoek [Hgg.], Boeken in de late Middeleeuwen, Groningen 1994 [Boekhist. reeks, 1], S. 37 Abb. 6; zum F. s. Sp. 1159-1162); zu einem Druck aus Bologna von 1478 mit F. aus S-Dtld.: [27] Bd. 2 S. 123 Abb. 44; Breviarium, Lpz.

(Melchior Lotter d. Ä.) 1516, mit F. wohl aus Hildesheim (Ausst.kat. „Schatzkammer auf Zeit ...“, Hildesheim 1991, S. 251 Nr. 120, mit Abb.).

C. Gedrucktes F.

Man druckte in Inkunabeln auch F.initialen; dies konnte von Metallplatten geschehen, und, wie J. Fust und P. Schoeffer erstmals im Psalterium Moguntinum, Mainz 1457, im Mehrfarbendruck, um das Aussehen der gedruckten Initialen dem von gezeichneten zweifarbigen F.initialen in Hss. anzugleichen (RDK VII Sp. 140 Abb. 1; zum technischen Verfahren ebd. Sp. 142). Meist bediente man sich jedoch des Holzschnitts und verzichtete auf Mehrfarbigkeit: Der Initialkörper wurde entweder flächig farbig gedruckt oder, wie das F., als Umriß ausgeführt (Abb. 51) und konnte nachträglich koloriert werden.

Mainzer Drucke von Fust und Schoeffer folgten in den Motiven dem Vorbild gezeichneten Knospen-F. in Hss. aus dem Mittelrheingebiet (s. Sp. 1166-1168; vgl. Abb. in: Hugo Alker, Gutenberg-Jb. 25, 1950, S. 134-142; Lamberto Donati, ebendort S. 143-152; [27] Bd. 1 S. 31-33 Abb. 6-8). Neben Blattspiralen und Knospenmedaillons gibt es auch stärker an holländisches F. angelehnte vegetabile Formen (Valerius Maximus, Factorum ... libri IX, 1471: Hermann Degering, Die Schrift, Tüb. 41964, Abb. auf S. 131).

Straßburger Drucke zeigen meist F. mit großen Knospen, die einzelne Felder füllen (Expositio officii missae sacrique canonis, Strbg. [Drucker des Henricus Arminiensis], nach 1468: Aukt.kat. Hauswedell & Nolte, Hamburg, Aukt. 286, 24.-25. Mai 1991, S. 135 Nr. 870, Abb. auf Taf. 27) oder im Binnenfeld spiralig angeordnet sind (Vincenz von Beauvais, Speculum naturale, Strbg. [Johannes Mentelin] 1481: [73] Taf. 148). Vereinfachte, mit Blatt- und Blütenmotiven erweiterte Formen zeigen die Initialen mit ausgespartem F. in Drucken Heinrich Knoblochtzers zwischen 1478 und 1483 ([57] Bd. 19 Taf. 18 Abb. 115-118, Taf. 21 Abb. 135).

Das F. in Kölner Drucken ist in den Ornamenten von Binnenfeld und Besatz der Initialen, analog dem Schmuck der Hss. (s. Sp. 1167), stärker holländischen Vorbildern verpflichtet (Bibel, Köln [Heinrich Quentell] 1478 oder 1479; Heiligenleben, Köln [Ludwig von Renchen] 1485: ebd. Bd. 8 Taf. 68 Abb. 358, Taf. 146 Abb. 620).

Drucke aus Basel spiegeln in den Initialen entweder Eigenheiten des F. in Hss. des Oberrheingebiets (s. Sp. 1163-1166) und füllen Binnenfelder oft mit großknospigen Formen in schotenähnlichen Felderungen (Missale, Basel [Michael Wenssler] 1486: ebd. Bd. 21 Taf. 3 Abb. 7) oder zeigen, ausgespart, Blattspiralen mit kleinen Knospen (Wilhelm von Paris, Postilla, Basel [Nikolaus Kessler] 1492: ebd. Taf. 133; Graduale Romanum, Basel [Jacob von Pforzheim] 1511: Aukt.kat. Hartung & Karl, München, Aukt. 58, 25.-27. April 1989, S. 36 Nr. 111, mit Abb.).

In Inkunabeln aus Augsburg herrscht F. mit großen Knospen vor, das in vielfältigen Formen dem Binnenfeld und Außengrund von Initialen einbeschrieben ist, sei es als Blattspirale (Jacobus de Cessolis, Schachkönig, Augsb. [Günther Zainer] 1477: Günther Müller, Dt. Dichtung...., Wildpark-Potsdam 1927 [Hdb. der Lit. wiss., Bd. 4], S. 26 Abb. 19), sei es als Knospenfolge an einem Stengel oder an mehreren Verzweigungen (Abb. 51; Ps.-Bonaventura, Speculum beatae Mariae virginis, Augsb. [Anton Sorg] 1477: Incunabula, Antiquariat Robert Wölfle, Kat. 75, Mchn. 1985, S. 51 Nr. 44; vgl. u.a. [59] Bd. 3 Taf. 1 Abb. 1, Taf. 38 Abb. 284). In den Drucken Erhart Radolts aus dem letzten Jz. 15. Jh. kommen kleinteiligere Knospen- und vermehrt Blattmotive vor (ebd. Bd. 23 Taf. 19).

Die ersten Nürnberger Drucke von Johann Sensenschmidt enthalten F. mit dicht gedrängten Knospen in der Art des Mainzer Psalterium (s. Sp. 1184), vgl. Jacobus de Voragine, Prosapassionale, 1475 (Ausst.kat. „Ich Thomas Müntzer, eyn knecht gottes“, Berlin 1989-1990, Abb. auf S. 103).

Während in Ulm die Drucke Konrad Dinckmuts F.initialen in der Art Augsburger Beisp., etwa von Anton Sorg, enthalten (Regimen sanitatis, 1482: Ausst.kat. „Der Frühdruck im dt. Südwesten 1473-1500“, Stuttgart 1979, S. 166 Abb. 122), gibt es in Büchern von Lienhart Holle sowohl diese als auch Initialen mit gekernten Knospen, ähnlich oberrhein. Beisp. (zu diesen Abb. 46), vgl. Claudius Ptolemaeus, Cosmographia, 1482: ebd. S. 281 und 284f. Abb. 209-211.

Lübecker Drucke zeigen dünne Ranken mit kleinen Knospen im Binnenfeld und Außengrund (Speygel der Dogede, Lübeck [Bartholomäus Ghotan] 1485: [59] Bd. 12 Taf. 1 Abb. 5).

Schlichte F.initialen mit kleinen Knospen enthalten Drucke aus Reutlingen, etwa von Michael Greyff, zw. 1482 und 1499 (ebd. Bd. 9 Taf. 99 Abb. 632f., Taf. 101 Abb. 641-643).

In den aus anderen Regionen und Ländern bekannt gewordenen Inkunabeln kommen F.initialen nur ausnahmsweise vor. Man bevorzugte dort in der Regel Silhouetteninititalen. Für Frühdrucke nach 1500 gilt dies allgemein.

IX. F. im 19. Jh.

Zu neuerlicher Verwendung von F. beim Buchschmuck kam es im 19. Jh., als Zeugnisse ma. Kunst zeitgenössischen Künstlern und Kunsthandwerkern als Vorbilder empfohlen wurden. In Handbüchern wurde die Formenvielfalt ma. Buchmalerei dokumentiert und - je nach Verwendung als Initial- oder Bordürenornament - für Kopie oder Nachahmung bereitgestellt. Das Interesse an ma. Buchmal. belegen etliche in Deutschland in der 1. H. 19. Jh. erschienene Werke, oft mit lithographischen Reproduktionen von Initialen aus Hss. z. B. des 15. Jh. (Franz Hubert Müller, Beitr. zur teutschen K. und Gesch.kunde ..., Lpz. und Darmstadt 21837), in größerer Anzahl englische Werke um M. 19. Jh.

Dort erschienen umfangreiche Sammelwerke für Vorlagen, etwa The Art of Illuminating as practised in Europe

from the Earliest Times, Ld. 21860, wofür W. R. Tymms in zahlreichen Chromolithographien u.a. F.initialen aus Hs. des 14. und 15. Jh. im Brit. Mus. wiedergab und der Architekt Matthew Digby Wyatt einen kommentierenden Essay beisteuerte („The Art of Illuminating: What it was - what it should be, - and how it may be practised“: ebd. S. 1-96). In England wurde F., vornehmlich als Variation von Formen des 14. und 15. Jh., u.a. im Buchdruck durch William Morris und seine Schüler in der 2. H. 19. Jh. und noch im 20. Jh. angewandt (vgl. William S. Peterson, The Keimscott Press. A Hist. of William Morris’s Typography, Oxf. 1991).

Um M. 19. Jh. wurden in Dtld., häufig dort, wo die Erinnerung an das MA auch im Sinne einer Erneuerung des Katholizismus verstanden werden konnte, sowohl im Bereich der Kalligraphie als auch im Buchdruck verschiedene Formen des F. aufgegriffen. Dabei bediente man sich vor allem der Formen des späten Knospen-F. und variierte geometrische oder florale Motive (selten sind Varianten des Palmetten-F., vgl. das Titelblatt zu: Darstellungen aus den Evangelien nach vierzig Originalzchgn. von Friedrich Overbeck ..., Ddf. 1855).

Die lithographierten Blätter der Papstadresse des Kölner Zentral-Dombau-Vereins, 1848, zeigen F.leisten und F.besatz um die kleineren Textinitialen mit Perlenreihen und Fadenwerk (Abb. 53; vgl. Kölner Dombl. 51, 1986, S. 54-59; ähnlich der Besatz der Initiale der Urkunde zur Vollendung der südl. Qhs.-Fassade des Kölner Doms, 3. Oktober 1855: Ausst.kat. „Der Kölner Dom im Jh. seiner Vollendung“, Köln 1980, Bd. 1 S. 117 Taf. V). Vor allem in den in Dtld., Belgien und Frankreich gedruckten Büchern aus der 2. H. 19. Jh. für den Gebrauch in der kath. Kirche, sowohl für Liturgie als auch für private Andacht, kommen häufig F.initialen vor, die jenen in Inkunabeln und Frühdrucken nachempfunden sind (Abb. 54).

Zu den Abbildungen

1. Troyes, Bibl. mun., ms. 72 (Bibel), fol. 19v. Paris (?), vor 1161. Foto Marburg (Nr. LA 2433/6a).

2. Malibu/Ca., The John Paul Getty Mus., Ms. Ludwig V 4 (Missale aus Steinfeld), fol. 26v. Steinfeld, um 1180/1200. Foto Ann Münchow, Aachen.

3. Dijon, Bibl. mun., ms. 57 (Petrus Lombardus, Psalmenkommentar), fol. 10v. Clairvaux, A. 13. Jh. Foto Marburg (Nr. LA 2421/2).

4. Stuttgart, Württ. L.bibl, cod. HB II 24 (sog. Landgrafenpsalter), fol. 140v. Thür., zw. 1211 und 1213. Foto Marburg (Nr. LA 2259/16).

5. London, Brit. Libr., Ms. Royal 4. D. VII (Petrus Comestor, Historia scholastica u.a.), fol. 214vb. St. Albans, 1214. Nach [79] Taf.bd. Abb. 243.

6. Paris, Bibl. nat., ms. lat. 16 200 (Ptolemäus, Almagest), fol. 2. Paris, voll. 1213. Nach [63] S. 65 Abb. oben links.

7. New York, Morgan Libr., M. 711 (sog. Berthold-Missale), fol. 146. Weingarten, um 1220. Foto Bibl.

8. New York, Morgan Libr., M. 710 (Missale des Heinricus sacrista), fol. 80. Weingarten, 2. V. 13. Jh. Foto Bibl.

9. Berlin, St.bibl. PK, cod. theol. lat. oct. 61 (Sermones), fol. 2. Liesborn, 1. Dr. 13. Jh. Foto Marburg (Nr. LA 2221/38).

10. Berlin, St.bibl. PK, cod. theol. lat. fol. 4 (Bibel), fol. 145v. Oxford (?), 2. V. 13. Jh. Nach [13] S. 6 Abb. 8.

11. Darmstadt, Hess. Hochschul- und L.bibl., Hs. 48 (Bibel), Bd. 2, fol. 41v. Weddinghausen (Stadt Arnsberg), um 1220. Foto Marburg (Nr. LA 2053/39).

12. Stuttgart, Württ. L.bibl., cod. bibl. 8° 16 (Bibel), fol. 188rb. Paris, 2. V. 13. Jh. Foto Bibl.

13. Heidelberg, Univ.bibl., cod. Sal. VII 112 (Lektionar), fol. 139v. Salem, 2. V. 13. Jh. Foto Bibl.

14. Stuttgart, Württ. L.bibl., cod. Don. 309 (sog. Donaueschinger Psalter), fol. 139v. Niedersachsen, nach 1235. Foto Rhein. Bildarchiv, Bonn (Nr. 13 895).

15. Halberstadt, Dommus., Hs. 114 (sog. Semeca-Missale), fol. 93v. Goslar (?), vor 1245. Foto Marburg (Nr. 87 934).

16. Berlin, St.bibl. PK, cod. theol. lat. fol. 379 (Bibel aus Heisterbach), fol. 57. Köln, um 1250. Foto Marburg (Nr. 280 007).

17. Würzburg, Univ.bibl., M. p. th. f. 82 (Guilelmus Peraldus, Summa virtutum), fol. 52. Ebrach, zw. 1252 und 1263. Foto Bibl.

18. Stuttgart, Württ. L.bibl., cod. bibl. 2° 16 (Bibel), fol. 46vb. Bologna, M. 13. Jh. Foto Bibl.

19. Wien,. Österr. Nat.bibl., cod. 1415 (Petrus Lombardus, Sentenzenkommentar), fol. 164. Bologna, um M. 13. Jh. Nach Beschr. Verz. Österr. Bd. 5,1 Taf. 37.

20. Rom, Bibl. Vat., cod. Pal. lat. 1071 (Friedrich II., De arte venandi cum avibus), fol. 19ra. Neapel, zw. 1258 und 1266. Nach Kaiser Friedrich II., De Arte Venandi ... Vollst. Faks.ausg. hg. Carl A. Willemsen, Graz 1969 (Codd. sel., Bd. 16).

21. Stuttgart, Württ. L.bibl., cod. theol. et phil. 2° 107 (Gregor d. Gr., Moralia in Iob), fol. 152va. NO-Frankr. oder Flandern, 3. V. 13. Jh. Foto Bibl.

22. Berlin, St.bibl. PK, cod. theol. lat. oct. 82 (Psalterfragment), fol. 49. Regensburg, 3. Dr. 13. Jh. Foto Bibl.

23. Zürich, Zentralbibl., ms. Car. C 33 (Otto von Freising, Chronica), fol. 105. Zürich, um 1270. Foto C. Sauer, Trier.

24. San Marino/Ca., Huntington Libr., Ms. EL 9 H 4 (Bibel), fol. 2. England, 2. H. 13. Jh. Foto Kh. Inst. der Univ. Wien.

25. Lilienfeld, N.Ö. Stiftsbibl., cod. 56 (Decretum Gratiani), fol. 25v. Niederösterr., 2. H. 13. Jh. Foto Kh. Inst. der Univ. Wien.

26. Paris, Bibl. nat., ms. fr. 19 025 (Jean d’Ibelin, Livre des assises), fol. 2. Akkon, um 1280. Nach P. Edbury und J. Folda a. a. O. (Sp. 1154f.) Taf. 32.

27. Wien, Österr. Nat.bibl., cod. 1171 (Bibel, Bd. 2) fol. 246v. Krems, um 1270/1280. Foto Kh. Inst. der Univ. Wien.

28. Paris, Bibl. nat., ms. nouv. acq. lat. 669 (Galvano di Levanto, Liber sancti passagii cristocolarum), fol. 27. Genua, um 1295. Nach [11] Taf. 22.

29. New York, Morgan Libr., M. 102 (sog. Windmill-Psalter), fol. 2. England, E. 13. Jh. Nach Ausst.kat. „The Age of Chivalry“, London 1987, Abb. auf S. 356.

30. Klosterneuburg, N.Ö., Stiftsbibl., cod. 73, fol. 50. Niederösterr., 4. V. 13. Jh. Foto M. Roland, Wien.

31. Engelberg, Stiftsbibl., cod. 6 (Bibel), fol. 264v. Orh., um 1310. Nach [14] Taf. 14 Abb. 19.

32. St. Florian, O.Ö., Stiftsbibl., cod. XI 392 (Missale), fol. 142. St. Florian, um 1305/1310. Foto Kh. Inst. der Univ. Wien.

33. Aarau, Kantonsbibl., ms. Wett. FM 1-3 (Graduale), fol. 171. Niederrhein, 1. V. 14. Jh. Nach Marie Mollwo, Das Wettinger Graduale, Bern 1944, Abb. 6.

34. Brünn, Univ.bibl., ms. R 17, fol. 114. Raigern (?), 1313. Foto M. Roland, Wien.

35. Breslau, St.- und Univ.bibl., ms. I F 401 (Antiphonar), fol. 222v. Leubus (?), wohl um 1320. Nach [35] Abb. 31.

36. Paris, Bibl. nat., ms. lat. 11 935 (Bibel des Robert Billyng), fol. 143v. Frankr., 1327. Foto Marburg (Nr. 231 345).

37. München, Bayer. St.bibl., cod. lat. 17 004 (Antiphonar), fol. 76. Schäftlarn (?), um 1330. Nach P. Ruf a. a. O. (Sp. 1169) S. 89 Abb. 55.

38. Oxford, Bodl. Libr., Ms. Lyell 85 (Theol. Sammel-Hs.), fol. 2. Erfurt, vor 1333. Nach Albinia de la Mare, Cat. of the Coll. of Medieval Mss. bequeathed to the Bodl. Libr. Oxford by James P. R. Lyell, Oxf. 1971, S. 257f., Taf. 13 a).

39. Köln, Erzbischöfliche Dom- und Diözesanbibl., cod. 1235 (Bibel), Bd. 2, fol. 137v. Köln, dat. 1340. Foto Norbert Nußbaum, Köln.

40. Basel, Univ.bibl., ms. B. IV. 3 (Nikolaus von Lyra, Postilla super psalterium), fol. 1. Orh., um 1340. Nach [14] Taf. 34 Abb. 48.

41. Utrecht, Univ.bibl., ms. 303 (Thomas Welleis, Super duos nocturnos psalmorum), fol. 1. Südl. Niederl., 2. H. 14. Jh. Nach [35] Abb. 601.

42. Berlin, St.bibl. PK, ms. Hamilton 90 (Giovanni Boccaccio, Decamerone), fol. 72v. Ital., um 1370. Foto Marburg (Nr. 250 081).

43. Wien, Österr. Nat.bibl., cod. 1844 (sog. Hasenburg-Missale), fol. 21. Prag, dat. 1409. Foto Kh. Inst. der Univ. Wien (Nr. 920).

44. Brüssel, Bibl. roy. Albert Ier, ms. 1192-207 (Albertus Magnus, Aristoteleskommentare), fol. 77. Frankr., dat. 1417. Nach [45 a] Taf.bd. Abb. 256.

45. München, Bayer. St.bibl., cod. lat. 7574 (David von Augsburg, Speculum novitiorum), fol. 1. Bayern, 2. V. 15. Jh. Foto Marburg (Nr. 104 929).

46. Heiligenkreuz, N.Ö., Stiftsbibl., Hs. Neukloster A 4 R (Missale Constantiense), fol. 88v. Konstanz (?), 3. V. 15. Jh. Foto Ingrid Flor, Graz.

47. Utrecht, Univ.bibl., ms. 91 (Gregor d. Gr., Epistulae), fol. 59v. Utrecht, um 1460. Nach [35] Abb. 356.

48. Nimwegen, Jesuitenbibl. Berchmannianum, cod.

5000 C 87 (Stundenbuch), fol. 107. N-Holland (Haarlem?), um 1470/1475. Nach [6] Abb. auf S. 102.

49. München, Bayer. St.bibl., cod. germ. 735 (Konrad Bollstetter, Chronik von Andechs), fol. 121. Ingolstadt, zw. 1472 und 1482. Foto Bibl.

50. Augustinus Triumphus, Summa de potestate, Augsb. (Johann Schüssler) 1473. Ehem. Camarillo/Ca., The Edward Laurence Doheny Memorial Libr. Nach Aukt.kat. Christie, Manson & Woods a. a. O. (Sp. 1183) Abb. auf S. 104.

51. Gut und nueczlich lere vnd vnderweysung ..., Augsb. (Johannes Bämler) 1476. Nach [59] Bd. 3, Taf. 66. Abb. 468.

52. Den Haag, Kgl. Bibl., ms. 128 D 28 (Vier Evangelien), fol. 1. Delft, 1476. Nach [6] Abb. auf S. 66.

53. Jubiläumsadresse des Kölner Zentral-Dombau-Ver. an Papst Pius IX. anläßlich der 600-Jahrfeier der Grundsteinlegung des Kölner Doms, Bl. 4 (Ausschnitt). Lithographie. Köln, 1848. Foto Dombauverwaltung Köln.

54. Breviarium monasticum, Tournai 1884. Titelseite. Nach dem Original.

Zur Tafel: Grundformen des F. Zchg. C. Jakobi-Mirwald, Weildorf.

Literatur

Mehrfach zitierte Literatur.

1. Alexander, Survey, Bd. 4,1; a. dgl. Bd. 4,2; b. dgl. Bd. 5,1; c. dgl. Bd. 5,2. - 2. Jonathan J. G. Alexander, Scribes as Artists, in: Medieval Scribes, Mss. and Libraries, hg. Malcolm B. Parkes und Andrew G. Watson, Ld. 1978, S. 87-116. - 3. J. J. G. Alexander und Ełzbieta Temple, Illuminated mss. in Oxford college libr., the Univ. archives and the Taylor-Institution, Oxf. 1985. - 4. Ausst.kat. „Middelnederlandse hss. uit europese en amerikaanse bibliotheken“, Brüssel 1970. - 5. Ausst.kat. „Mss. cisterciens de la Bibl. Roy. de Belgique“, Brüssel 1991. - 6. Ausst.kat. „Kriezels, aubergines en takkenbossen ...“, Den Haag 1992-1993. - 7. Ausst.kat. „Cod. Manesse“, Heidelberg 1988. - 8. Ausst.kat. „The Golden Age of Dutch Painting“, Utrecht und New York 1989-1990. - 9. Ausst.kat. „Regensburger Buchmal.“, Regensburg 1987.- 10. François Avril, Un enlumineur de la première moitié ornamentiste parisien ..., Bull. mon. 129, 1971, S. 249-264. - 11. Ders. u.a., Mss. enluminés d’origine ital., 2, Paris 1984. - 12. Ders. und Patricia Stirnemann, Mss. enluminés d’origine insulaire, Paris 1987. – 13. Larry Ayres, Parisian Bibles in the Berlin St.bibl., Pantheon 40, 1982, S. 5-13. - 14. Ellen Judith Beer, Beitr. zur orh. Buchmal. in der ersten H. des 14. Jh. unter besonderer Berücksichtigung der Initialornamentik, Basel und Stg. 1959. - 15. Dies., Das Scriptorium des Johannes Philomena und seine Illuminatoren, Scriptorium 23, 1969, S. 24-38. - 16. Dies., Liller Bibelcodd., Tournai und die Scriptorien der Stadt Arras, Aachener K.bll. 43, 1972, S. 190-226. - 17. Dies., Die Buchk. des Graduale von St. Katharinenthal, in: Das Graduale von St. Katharinenthal (Zürich, Schweiz. L.mus./Frauenfeld, Mus. des Kt. Thurgau, LM 26 117). Kommentarbd. zur Faks.-Ausg., hg. Alfred A. Schmid, Luzern 1983, S. 103-224. - 18. Andreas Bräm, Buchmal. des 13. und 14. Jh. in Frankr., Flandern, Hennegau, Maasland und Lothringen. Lit.ber. 1970-1992, Kchr. 47, 1994, S. 35-46, 73-96. - 19. Gérard Cames, Dix s. d’enluminure en Alsace, Strbg. 1989. - 20. Alessandro Conti, La min. bolognese. Scuole e botteghe, 1270-1340, Bol. 1981. - 21. Rebecca W. Corrie, The Conradin Bible and the problem of court ateliers in Southern Italy in the thirteenth c., in: Intellectual life at the court of Frederick II Hohenstaufen, hg. William Tronzo, Hanover und Ld. 1994, S. 17-39 (Stud. in the hist. of art, 44; Center of advanced study in the visual arts, Symposium papers, 24). - 22. Antoine Dondaine, La coll. des oeuvres de StThomas dite de Jean XXII. et Jaquet Maci, Scriptorium 29, 1975. S. 127-152. - 23. Max Dvořák, Die Illuminatoren des Johann von Neumarkt, Jb. Kaiserh. 22, 1901, S. 35-126. - 24. Anton von Euw und Joachim M. Plotzek, Die Hss. der Slg. Ludwig, Bd. 1, Köln 1979. - 25. Andreas Fingernagel, Die illum. Hss. dt. Provenienz 8.-12. Jh., Wiesb. 1990 (St.bibl. PK Berlin, Kat. der Hss.-Abt., 3. R. Bd. 1). - 26. Ders. und Martin Roland, Mitteleurop. Schulen I (ca. 1250-1350), Wien 1996 (Österr. Akad. der Wiss., phil.-hist. Kl. Denkschrn. 2, Bd. 10). - 27. Ferdinand Geldner, Die dt. Inkunabeldrucker, Bd. 1-2, Stg. 1968-1970. - 28. Marie-Thérèse Gousset, Le Liber de locis stellarum fixarum d’Al-Sûfi, ms. 1036 de la Bibl. de l’Arsenal à Paris: une réattribution, Arte medievale 2, 1985, S. 93-108. - 29. Dies., Étude de la décoration filigranée et reconstitution des ateliers: le cas de Gênes à la fin du XIIIe s., Arte medievale 2. F 2, 1988, S. 121-149. - 30. Antonia Graf-Katzele, Die F.-Initiale in den Hss. der Studienbibl. in Linz, K.jb. der Stadt Linz 1964, S. 5-31. - 31. Dies., Zur Gesch. der F.initiale unter besonderer Berücksichtigung der österr. Hss. des 13. u. 14. Jh., Diss. Wien 1968 (masch.). - 32. Alois Haidinger, Kat. der Hss. des Augustiner Chorherrenstiftes Klosterneuburg, 1. T. (Cod. 1-100), Wien 1983. - 33. Kat. illum. Hss. in München, Bd. 5 [in Vorbereitung]. - 34. Kdm. Österreich. - 35. Koert van der Horst, Illuminated and Decorated Medieval Mss. in the University Libr. Utrecht, Maarssen und Den Haag 1989. - 36. Ernst Kloss, Das Breslauer Evangelistar R. 509 und die Entwicklung der Filigraninitiale, Jb. für Kw. 1928, S. 192-205. - 37. Kloss, Buchmal. - 38. Harald Wolter-von dem Knesebeck, Ein unbekanntes Evangeliar aus dem Kloster Preetz und seine Stellung in der norddt. K. des 13. Jh., Zs. f. Kg. 56, 1993, S. 335-365. - 39. Herbert Köllner, Die illum. Hss. der Hess. L.bibl. Fulda, T. 1: Hss. des 6. bis 13. Jh., Bildbd., Stg. 1976 (Dkm. der Buchk., Bd. 1); a. dgl. Textbd., bearb. von Christine Jakobi-Mirwald, Stg. 1993 (Dkm. der Buchk., Bd. 10). - 40. Renate Kroos, Drei nieders. Bildhss. des 13. Jh. in Wien, Gött. 1964 (Abhn. der Akad. der Wiss. in Göttingen, philol.-hist. Kl., 3. F., Nr. 56). - 41. Dies., Sächs. Buchmal. 1200-1250. Ein Forschungsber., Zs. f. Kg. 40, 1978, S. 283-316. - 42. Jan Kvet, Kreslený filigrán v rukopisech XII.-XIII. století, Památky archeologické 34, 1924/25, S. 92-113. - 43. Ders., Illuminované rukopisy královny Rejčky, Prag 1931. - 44. Josef Leisibach, Die liturg. Hss. des Kapitelsarchivs in Sitten, Freiburg i. Ue. 1979 (Spicilegii Friburgensis Subsidia 17; Iter Helveticum 3). – 45. François Masai und Martin Wittek (Hgg.), Mss. datés conservés en Belgique, Bd. 1: 819-1400, Brüssel und Gent 1968; a. dgl., Bd. 2: 1401-1440, Brüssel und Gent 1972. - 46. Meiss, French painting, Bd. 3,1; a. dgl. Bd. 3,2. - 47. Otto Pächt und Ulrike Jenni, Holl. Schule, Wien 1975 (Die illum. Hss. und Inkunabeln der Österr. Nat.bibl., Bd. 3; Österr. Akad. der Wiss., phil.-hist. Kl., Denkschrn., Bd. 124); a. O. Pächt und Dagmar Thoss, Franz. Schule I, Wien 1974 (Die illum. Hss. und Inkunabeln der Österr. Nat.bibl., Bd. 1; Österr. Akad. der Wiss., phil.-hist. Kl., Denkschrn., Bd. 118); c. O. Pächt, U. Jenni und D. Thoss, Flämische Schule I, Wien 1983 (Die illum. Hss. und Inkunabeln der Österr. Nat.bibl, Bd. 6; Österr. Akad. der Wiss, phil.-hist. Kl., Denkschrn, Bd. 160). - 48. Antonín Podlaha, Knihovni kapitulní v Praze, Prag 1903. - 49. Lilian M. C. Randall, Medieval and Renss. Mss. in the Walters Art Gal., Bd. 1: France 875-1420, Baltimore und Ld. 1989. - 50. M. Roland, Illum. Hss. aus N.Ö. in der Univ.bibl. Graz, Codd. manuscripti 17, 1994, H. 13, S. 1-34. - 51. Ders., Buchschmuck in Lilienfelder Hss. des 13. und 14. Jhs. (in Vorb.). - 52. Hellmut Salowsky, Initialschmuck und Schreiberhände, in: [7] S. 423-439. - 53. Christine Sauer, Kat. der illum. Hss. der Württ. L.bibl, 3: Die got. Hss, 1: Vom späten 12. bis zum frühen 14. Jh, mit Beitr. von Ulrich Kuder, Stg. 1995 (Dkm. der Buchk, Bd. 12). - 54. Beat von Scarpatetti, Kat. der dat. Hss. in der Schweiz ..., Bd. 2, Dietikon und Zh. 1983; a. dgl. Bd. 3, Dietikon und Zh. 1991. - 55. Max Schiendorfer, Hss.produktion, in: Ausst.kat. „Die Manessische Liederhs. in Zürich“, Zürich 1991, S. 37-40.- 56. Rosy Schilling, Die illum. Hss. und Einzelmin. des MA und der Renss. in Frankfurter Bes., Ffm. 1929. - 57. Gerhard Schmidt, Die Malerschule von St. Florian, Graz und Köln 1962. - 58. Karin Schneider, Got. Schriften in dt. Sprache, Bd. 1, Wiesb. 1987. - 59. Schramm, Frühdrucke. - 60. Sonia Scott-Fleming, Pen flourishing in thirteenth-c. mss., Leiden usw. 1989. - 61. Script. Helv. - 62. Kurt Hans Staub und Hermann Knaus, Altere theol. Texte, Wiesb. 1979 (Die Hss. der Hess. L.- und Hochschulbibl., Bd. 4). - 63. P. Stirnemann, Fils de la vierge. L’initiale à filigranes parisienne: 1140-1314, Revue de l’art 1990, H. 90 S. 58-73. - 64. Dies., Some Champenois vernacular mss. and the Manerius style of illum., in: Les mss. de Chrétien de Troyes, 1, hg. Keith Busby u.a., Amst. und Atlanta 1993 (Faux titre, 71), S. 195-226. - 65. Robert Suckale,

Die Hofk. Kaiser Ludwig des Bayern, Mchn. 1993. - 66. Swarzenski, Hss. 13. Jh. - 67. Rodney M. Thomson, Mss. from St. Albans Abbey, 1066-1235, Woodbridge 1987. -68. Hans Thurn, Die Hss. der Zisterzienserabtei Ebrach, Wiesb. 1970 [Hss. der Univ.bibl. Würzburg, 1]. - 69. Paula Väth, Die illum. lat. Hss. dt. Provenienz der St.bibl. zu Berlin PK (1200-1350), in Vorbereitung. - 70. George F. Warner und Julius P. Gilson, Cat. of Western mss. in the old Royal and King’s Coll., Oxf. 1921, Bd. 1-4. - 71. A. G. Watson, Cat. of dated and datable mss. c. 700-1600 in the Dep. of Mss. of the Brit. Libr, Bd. 1, Ld. 1979. - 72. Bruce Watson, The calligrapher as artist ..., Scriptorium 28, 1974, S. 281-285. - 73. Wilhelm Wattenbach, Das Schriftwesen im MA, Lpz. 31896 (Ndr. Graz 1958). - 74. Wilfried Werner, Schreiber und Miniatoren ..., in: Salem - 850 Jahre Reichsabtei und Schloß, hg. Reinhard Schneider, Konstanz 1984, S. 295-342. -75. Yolanta Zaluska, Mss. enluminés de Dijon, Paris 1991.

Abschnitt IV fußt auf den Ergebnissen mehrerer Zusammenkünfte, an denen 1992 und 1993 Bearbeiter von Katalogen illum. Hss. aus Deutschland und Österreich sowie die Verf. teilnahmen.

Verweise