Flammenschwert

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englisch: Flaming sword; französisch: Épée de feu, épée flamboyante; italienisch: Spada fiammeggiante.


Matthias Exner (1993)

RDK IX, 693–744


RDK IV, 449, Abb. 1. Matthias Rauchmiller, 1679.
RDK V, 655, Abb. 20. Peter Paul Rubens, 1622, München.
RDK V, 659, Abb. 22. Romeyn de Hooghe (Entw.) u. Lorenz Scherm (Ausf.), 1707.
RDK V, 665, Abb. 24. Jos. Fürstenprey (?), 1765, Paring (Ndb.).
RDK V, 669, Abb. 25. K. G. Merville, 1781, Wien.
RDK VI, 149, Abb. 3. J. B. Zimmermann, 1753-54, Wies.
RDK VIII, 815, Abb. 28. Antwerpen 1643.
RDK IX, 693, Abb. 1. Montecassino, 1023.
RDK IX, 695, Abb. 2. London, 2. V. 11. Jh.
RDK IX, 697, Abb. 3. London, um 1150.
RDK IX, 699, Abb. 4. London, um 1320/1330.
RDK IX, 701, Abb. 5. Meister Francke, um 1400, Hamburg.
RDK IX, 703, Abb. 6. Lyon, 1486-1503.
RDK IX, 705, Abb. 7. Wolfenbüttel, nach 1515.
RDK IX, 707, Abb. 8. Maarten van Heemskerck (Entw.) und Cornelis Bos, 1554.
RDK IX, 709, Abb. 9. Pastorino de'Pastorini, 1564.
RDK IX, 709, Abb. 10. Marten de Vos (Entw.) und Crispijn de Passe d. Ä., E. 16. Jh.
RDK IX, 711, Abb. 11. Sustris-Umkreis, 1604-1609, München.
RDK IX, 713, Abb. 12. Hans Reichle, 1604-1607, Augsburg.
RDK IX, 715, Abb. 13. Kupferstich, 1656.
RDK IX, 717, Abb. 14. Benediktbeuern, 1680-1685.
RDK IX, 717, Abb. 15. Toblach, Südtirol, 1. H. 17. Jh.
RDK IX, 721, Abb. 16 a. Romeyn de Hooghe (Entw.), Antw. o. J. (1709).
RDK IX, 721, Abb. 16 b. Romeyn de Hooghe (Entw.), Antw. o. J. (1709).
RDK IX, 723, Abb. 17. Egid Quirin Asam, 1734-1736, Weltenburg.
RDK IX, 725, Abb. 18. Egid Quirin Asam, 1738/1739, Straubing.
RDK IX, 727, Abb. 19. Joh. Jos. Christian, um 1750, Zwiefalten.
RDK IX, 729, Abb. 20 a. Joh. Gg. Haid, 2. V. 18. Jh.
RDK IX, 729, Abb. 20 b. Joh. Gg. Haid, 2. V. 18. Jh.
RDK IX, 731, Abb. 21. Trier, um 1778.
RDK IX, 733, Abb. 22. Joh. Chrn. Thomas Winck, 1790/1791, Hörgertshausen Kr. Freising.
RDK IX, 735, Abb. 23. Chrn. Sambach (Entw.) und Jos. Stöber, Wien 21801.
RDK IX, 735, Abb. 24. Michail Iwanowitsch Koslowski, 1797, St. Petersburg.
RDK IX, 737, Abb. 25. Karl Friedr. Schinkel, 1819.
RDK IX, 739, Abb. 26. Julius Schnorr von Carolsfeld, Leipzig 1860.

Inhaltsverzeichnis

Wort Gottes (Sp. 731): 1. Schwert des Geistes (Sp. 731), 2. Stimme Christi (Sp. 736), 3. Name Jesu (Sp. 736); B. Göttliche Hilfe: 1. Personen des AT und Heilige (Sp. 736), 2. Im Kampf (Sp. 737); C. Kriegerische Tugend (Sp. 739).

I. Voraussetzungen

A. Biblischer Bericht

Dem biblischen Bericht zufolge wurden bei der Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies F. und Cherubim von Gott eingesetzt, um fortan den Zugang zum Baum des Lebens zu bewachen („Conlocavit ante paradisum voluptatis cherubin et flammeum gladium atque versatilem ad custodiendam viam ligni vitae“: Gen 3,24).

Wie und in welchem Verhältnis zueinander F. und Cherubim diese Funktion zu erfüllen hatten, interpretierte man auf unterschiedliche Weise.

Durch das Feuer des F. sollten die Menschen, durch die Cherubim die „angeli mali“ oder „diaboli“ am Betreten des Paradieses gehindert werden (so z. B. Isidor [18]; Hrabanus Maurus [25] Sp. 334; Hugo von St-Victor [31] S. 43). Einige Autoren meinten, die Cherubim seien über das F. gesetzt („Cherubin ... super rompheae flagrantiam ordinatum est“: Isidor [18]; zu den verschiedenen Traditionen der Textüberlieferung vgl. Claus Westermann, Gen, T. 1, Neukirchen-Vluyn 1974 [Bibl. Kommentar, AT Bd. 1,1], S. 374, mit Lit.; [59 a]).

Die vielfältigen Auslegungen des F. ließen zu, daß man anderen in der Bibel genannten Schwertern bestimmte Eigenschaften des F. beimaß (s.

Sp. 704 und 714f.).

B. Bezeichnungen

Neben der Vulgata-Version bieten lateinische Handschriften des Bibeltextes für F. die Namen „flammea framea“, „flammea (ignea) romphaea“, „flammeus ensis“ und „igneus gladius“ [1, S. 78]; diese Benennungen findet man auch in kommentierender Literatur („flammea r[h]omph[a]ea“: [5]; [6]; [8]; [10]; [11]; [13]; [16]; [18] XIV, 3,3; [19]; „romphaea ignea“: [3]; [4]; [14]). Dort wurde das F. ferner als „rhomphaea versatilis“ bezeichnet (Ambrosius, Expositio ps. 20,12: [3 a] S. 451). Hinzu kommen Begriffe wie „romfealis incendium“ (Prudentius, Liber Cathemerinon VII, 93: CCSL 126 [1966], S. 38), „rompheae flagrantia“ (Isidor [18]; bei Hrabanus Maurus „romphaea flagranti“: [25] Sp. 344) und „framea totius ignis ardore succensa“ [11 a], in der frühen Neuzeit auch „gladius ignitus“ [36, S. 283]. In deutschen Bibeln heißt es „fewrin waffen“ (Strbg. [Joh. Mentel] 1466, Bl. Al’r: Hain Nr. 3130; Augsb. [Ulr. Zainer] 1473, Bl. A2’v: ebd. Nr. 3131), auch „vurich swert“ (Lübeck [Steffen Arndes] 1494, Bl. 2v: ebd. Nr. 3143), sonst auch „flamisch schwert“ (spätes 16. Jh.: Theod. Hampe, Die Entwicklung des Theaterwesens ..., Mitt. des Ver. für Gesch. der Stadt Nürnberg 12, 1897/1898, S. 134). Daneben kommen gelegentlich von Deutungen abgeleitete Namen vor (s. Sp. 705 und 724).

Das F. „flamma gladii“ zu nennen – so die Übersetzung des hebräischen „lahat hachereb“ von Cornelius a Lapide (van Steen) S.J. - läßt offen, ob es sich dabei um eine Flamme handle, die Form und Erscheinung eines Schwertes habe, oder um ein feurig glänzendes und blitzendes Schwert, das gleichsam Feuer spucke (Commentaria in Gen 3, 24: [37] Bd. 1 S. 111).

II. Aussehen

Die einfachsten Möglichkeiten, das F. wiederzugeben, sind rote (feurige) Farbe (ganzes Schwert: Abb. 4; rote Klinge: s. Sp. 697 und 708; roter Saum der Klinge: Rudolf von Ems, Weltchronik, Berlin, St.bibl. PK, ms. germ. fol. 623, fol. 1r, Oberrhein, um 1310/1320 [Weltchronik..., hg. von Edm. Theil, Bozen 1986, S. 36) und Flammen andeutende Zungen entlang der Schneide. In anderen Darstellungen ist die Schneide der Klinge in eine Vielzahl von Flammen aufgelöst (Abb. 2f.) oder es schlagen aus ihr kleine Flammen (Abb. 5). Seit dem 16. Jh. begegnen in zunehmendem Maße Abbildungen des F., deren Klinge ganz (Abb. 8, 16 a und b, 18-22, 24 und 26) oder teilweise (Abb. 10 und 15) als Flammen-Bündel) erscheint oder durch ihren wellenförmigen Verlauf an Flammen erinnert (Abb. 6f., 11-14, 17, 23 und 25f.; s. auch Flamberg, Sp. 633-638).

Selten umgibt ein Flammenkranz das Schwert in der Mitte (Abb. 9) oder an der Spitze (Ferro, s. Sp. 740; Boschius cl. II S. 16 Nr. 189: „Arma igni ambusta“).

Ausnahmsweise winden sich Flammen wie Ranken um die Klinge (Abb. 1; Zchg. von William Blake: Sp. 724).

III. Darstellungen zum Genesisbericht

A. Wortillustration

Wortillustrationen von Gen 3,24 - sowohl gemäß dem Urtext als auch dessen Übersetzungen - sind sehr selten. Die meisten Darstellungen fassen mehrere Geschehnisse zusammen; so wurde das F. oftmals auch dort wiedergegeben, wo es der biblische Text nicht ausdrücklich verlangte, z. B. bei der Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies.

B. Cherubim am Baum des Lebens

Die Übergabe des „fyren swurd“ an den Cherub durch einen Engel zeigt eine Illustration zu Aelfrics Paraphrase des Hexateuch, 2. V. 11. Jh. (Abb. 2).

Das Bild folgt unmittelbar auf den Text zu Gen 3, 24, wird jedoch weder durch die altenglische, dem Vulgatatext weitgehend entsprechende Textfassung des Aelfric erklärt (vgl. S.J. Crawford [Hg.], The Old Engl. Version of the Heptateuch..., Ld. 1922 [Ndr. Oxf. usw. 1969], S. 91) noch durch spätere Einträge, die sich bereits auf den folgenden Abschnitt beziehen (vgl. ders., The Late Old Engl. Notes ..., Anglia 47, 1929, S. 124-135).

Mit F. bewehrte Cherubim am Baum des Lebens zeigt die Darstellung zu Hrabanus Maurus, „De natura rerum“, lib. XII,3 („De paradyso“: [25] Sp. 334, nach Isidor [18] XIV,3,3), 1023: Abb. 1.

Der Cherub am Lebensbaum ist in einem Kupferstich von Crispijn de Passe d. Ä. nach Entwurf von Marten de Vos mit dem Erzengel Raziel gleichgesetzt (zu diesem vgl. Joh. Michl, Art. „Engel V [Engelnamen]“, in: RAC Bd. 5 Sp. 228 Nr. 181; Abb. 10).

Einen Engel mit dem F. beim Lebensbaum sieht man am Fuß der Kanzel in der ehem. Klosterkirche Zwiefalten Kr. Reutlingen: Abb. 19; vgl. auch Abb. 20 a.

Auf die Einsetzung der Cherubim als Wächter dürfte in einer Darstellung Bezug genommen sein, die als Illustration zu einem Gebet an Maria, der „Můter der Barmhertzigkait“, die von Engeln gestützte „Mater dolorosa“ zeigt. Zu seiten sieht man zwei Engel mit rotem F., die über Paradiesesbäumen schweben; vor diesen sind die Stammeltern und als geflügeltes Untier die Schlange wiedergegeben (Gebetbuch, Süddtld., dat. 1509, fol. 56v: Antiquariat Heribert Tenschert, Kat. 16 „Catena Aurea“..., Rotthalmünster und Ramsden o. J. [1988], Nr. 25, Abb. S. 109).

Auf den Cherub am Lebensbaum spielte Ferdinand Olivier an, als er in einer Lithographie von 1822 den Baum der neuen deutschen Kunst zeigte, an dem ein Bild der Auferstehung befestigt ist (Inschrift am Fuß des Baumes: „ich bin die auferstehung und das leben. Ioh.XI.25.“) und dessen Früchte die Namen zeitgenössischer Künstler sind; den Zutritt zum Baum ordnen zwei Engel, einer mit F., der andere mit Lilie (Ludwig Grote, Die Brüder O., Bln. 1938 [Forschgn. zur dt. Kg., 31], S. 217-222, Abb. 126; [59] S. 482-484 Nr. 361).

C. Engel mit F. vor der Paradiesespforte

Darstellungen von Engeln mit dem F. vor der Paradiesespforte sind seit dem 12. Jh. geläufig.

So, mit rotem Schwert, in der sog. Pantheon-Bibel (Rom, Bibl. Vat., cod. lat. 12 958, fol. 4v, Rom, um 1125/ 1130: Ausst.kat. „Bibl. Apostolica Vaticana“, Köln 1992/ 1993, S. 194-197 Nr. 39, mit Abb.). - Im „Hortus Deliciarum“, um 1170, hielt der Cherub das F. in der Rechten, die vor allem in Werken der byzantinischen Kunst übliche Lanze in der Linken (RDK I 134 Abb. 8; vgl. Herrad, Hortus, Bd. 1 S. 99).

In dem Bilderzyklus zur Schöpfungsgeschichte in einer „Decretum Gratiani“-Handschrift in Cambridge, E. 13. Jh., hat der Engel vor der Paradiesespforte das erhobene F. in der Rechten und halt mit der Linken am Türzieher das Tor geschlossen (Fitzwilliam Mus., Ms. 262, fol. 1r, Nordostfrankreich [?]; Anthony Melnikas, The Corp. of the Min. in the Mss. of D. G., Rom 1975 [Studia Gratiana, 16], Bd. I S. 92 Abb. 51).

D. Vertreibung Adams und Evas

Ungewiß ist, seit wann in Schilderungen der Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies das Schwert in der Hand des Engels ikonographisch als F. kenntlich gemacht ist (ausnahmsweise wird der Engel mit dem Erzengel Jophiel gleichgesetzt: s. Sp. 721).

Sollte der Engel der Vertreibung in dem Langhausmosaik von S. Paolo f. l. m. in Rom, aus der Zeit Papst Leos d. Gr. (440-461), ein F. geführt haben, sah es gewiß anders aus, als es die Nachzeichnung um 1635 überliefert (Waetzoldt, Kopien, S. 26 und 57 Kat.nr. 596, Abb. 334): Die von einer großen Flamme umgebene Schneide ist erst seit dem 16. Jh. in Wiedergaben von F. geläufig (vgl. Abb. 9).

In Bibeln aus karolingischer Zeit ist das Schwert des Engels golden, vielleicht als Hinweis auf eine der Eigenschaften des F. („versatilis“): Bamberg, St.bibl., Msc. bibl. 1, fol. 7v, Tours, gegen 840: Jean Hubert, Jean Porcher und Wolfg. Fr. Volbach, L’empire carol., Paris 1968, Abb. 122; Rom, S. Paolo f. l. m., fol. 8v: La Bibbia di San Paolo fuori le mura. Faks.-Ausg., hg. von Bernh. Bischoff u. a., Rom [im Erscheinen]).

Gesicherte Wiedergaben des F. gibt es seit dem ausgehenden Hoch-MA in großer Zahl.

Es seien genannt: Winchester-Psalter, um 1150 (Abb. 3); sog. Gebetbuch der Hildegard von Bingen, Mittelrhein (Trier?), um 1180: Hildegard-Gebetbuch. Faks.ausg. des Cod. lat. monacensis 935 der Bayer. St.bibl., Wiesb. 1987, fol. 6v; New York, Morgan Libr., M. 338, fol. 54r, Tournai, E. 12. Jh.: Florens Deuchler, Der Ingeborgpsalter, Bln. 1967, Abb. 120; Manchester, John Rylands Libr., Ms. fr. 5, fol. 6r, Nordfrankreich, A. 13. Jh.: Robert Fawtier, La Bible Historiée toute figurée de la J. R. L., Paris 1924, Taf. 21; Eton College Libr., Ms. 177, fol. 2r, Worcester (?), um 1260/1270: The Eton Roundels, hg. von Avril Henry, Aldershot 1990; Cambridge, St. John’s College, Ms. K. 26, fol. 4v, England, um 1270/1280: Foto Courtauld Inst. 55/43,15, vgl. Alexander, Survey, Bd. 4,2 (1987), S. 182f. Kat.nr. 179; Wien, Österr. Nat.bibl., cod. 2759 (Wenzelsbibel), fol. 5r, Prag, um 1390: Franz Unterkircher, Kg. Wenzels Bilderbibel..., Graz 1983; Innsbruck, Tiroler L.mus. Ferdinandeum, Wandmalerei aus der Veste Lichtenberg bei Glurns/Vinschgau, um 1390/1400: Julius von Schlosser, Die Wandgem. aus Schloß L. in Tirol, Wien 1916, Taf. 1; Ulm, Münster, Bessererkap., Glasgem., um 1420: Claus Reisinger, Flandern in Ulm..., Worms 1985, Abb. 12; Rom, Bibl. Vat., cod. Pal. lat. 871, fol. 3r, mitteldeutsch, 2. V. 15. Jh.: Die Biblia pauperum im Cod. Pal. lat. 871 der Bibl. Apost. Vat. ... (Faks.-Ausg.), hg. von Karl-August Wirth, Zh. 1982, S. 49; Mâcon, Bibl. mun., ms. franç. 2 (Übers. und Kommentar zu Augustinus, De civitate Dei, lib. XIV, cap. 1, von Raoul de Praelles), fol. 45r, Frankreich, um 1480: Alex. de Laborde, Les mss. à peintures de la Cité de Dieu de Saint Augustin, Paris 1909, Bd. 2 S. 462, Bd. 3 Taf. 120; Holzschnittfolge „Der große Totentanz“ nach Entwurf Hans Holbeins d. J. (Zchgn. 1523-1526; erste Ausg. Lyon 1538, elf weitere bis 1562, vgl. Alex. Goette, Holbeins Totentanz und seine Vorbilder, Strbg. 1897, Taf. III Nr. 3; H. H. d. J., Les simulachres et historiees faces de la mort ..., Lyon 1538, Bl. Cv (Faks.-Ausg.: „The Dance of Death“, hg. von Werner L. Gundersheimer, New York 1971, S. 18); Celle, Schloßkap., Gemälde des Marten de Vos, um 1569/1576: Armin Zweite, M. d. V. als Maler, Bln. 1980, S. 276f. Kat.nr. 35 und 44.

Zu Bibelillustrationen des 16. und 17. Jh. s. Schmidt, Lutherbibel, Abb. 225, 272, 324, 326, aus dem 17. und 18. Jh. ferner Einblattdrucke aus Lübeck, um 1630-1645, und Augsburg, 1. H. 18. Jh. ([55] Bd. 1 S. 146 und Bd. 2 S. 471). Vgl. noch Joh. Heinr. Füssli (Entw.) und Charles Grignion (Stich), Ill. zu „Willoughby’s Practical Family Bible“, Ld. 1772: Gert Schiff, J. H. F. 1741-1825, Zh. und Mchn. 1973, Abb. 311 und 311 a; Julius Schnorr von Carolsfeld, Die Bibel in Bildern, Lpz. 1860, Nr. 10.

E. Ständige Wache am Paradiesestor

Schilderte man die Arbeit der Stammeltern, zeigte man häufig den Engel mit F. als ständige Wache am Paradiesestor (s. Sp. 698) und erinnerte so an die voraufgegangene Vertreibung.

Beispiele gibt es u. a. in der Holkham-Bibel, England, um 1320/1330 (Abb. 4), und im Stundenbuch des Herzogs und der Herzogin von Bedford, um 1429 (?; London, Brit. Libr., Add. Ms. 18 850, fol. 14r: Charles Sterling, La peinture médiévale à Paris 1300-1500, Bd. 1, Paris 1987, S. 429 Abb. 307; das F. von ungewöhnlicher Form).

IV. Sonstige Darstellungen des F. als Wache

Dort, wo man abgegrenzte Bezirke mit dem Paradies verglich, ließ man oftmals den Zugang zu jenen durch die gleichen Wächter sichern.

A. Pforte des Himmels und Zugang zum Allerheiligsten

Vor der Pforte des Himmels und vor dem Zugang zum Allerheiligsten.

Den Engel mit F., der den Zugang zur Stadt Gottes bewacht, zeigt die dem Text von „De civitate Dei“ des Augustinus vorangestellte Miniatur im cod. Plut. XII. 17 der Bibl. Medicea Laurenziana in Florenz, fol. 2v (England, um 1120: Alexander, Survey, Bd. 3 S. 62f. Kat.nr. 19, Abb. 50; Mario Tesi, Codici della Bibl. Medicea Laurenziana, in: Bibl. Medicea Laurenziana, Flor. 1986, S. 97f. mit Taf. 49).

Auf einem Kupferstich des Joh. Ulr. Krauss ist ein mit F. gerüsteter Engel an der Pforte des Himmels gezeigt. In der Beischrift wird Demut als Möglichkeit genannt, die Wirkung des F. aufzuheben: Der Engel läßt niemand ein, „wo nicht die Demuth Ihm das Passwort underschreibt“ (Biblisches Engel- und K.werck, Augsb. 1694 [Ndr. Portland, Or. 1972], Bl. 28).

Ein Kupferstich von Jos. Seb. und Joh. Bapt. Klauber nach Gg. Balth. Probst zeigt den Engel neben dem Zugang zum Himmel, der durch die Fürsprache Mariens - die selbst als „Ianua coeli“ angerufen wird - offensteht (Lauretanische Litaney. In 57 Kupffer-Stichen ... fürgestellt und ... erkläret von Franc. Xaver Dornn, Augsb. 1749 [benutzte Ausg.: Augsb. 1771], Nr. 40; [50] Bl. 92; auf einer weiteren Illustration zur Lauretanischen Litanei bewacht der Engel den „Hortus conclusus“: F. X. Dornn a. a. O. Nr. 16; [50] Bl. 86).

In einem Kupferstich zur „Pietas Eucharistica“ des Hauses Österreich von Karel Skréta (Entw.) und Barth. Kilian (Stich), dat. 1668, steht vor den Stufen zu einem Palast, in dessen Mittelfenster im Piano Nobile eine Monstranz ausgestellt ist, ein Engel mit F. Er bewacht den Zugang zum Allerheiligsten [61, S. 63 Abb. 33].

B. Zugang zum Garten der Philosophen

In Bildern zu alchimistischen Texten konnte das F. den Zugang zum Garten der Philosophen („Rosarium philosophorum“) bewachen.

In dem von Raphaël Baltens, gen. Custos, gestochenen Lehrbild zur Tinkturgewinnung, Taf. 4 der bei Steffan Michelpacher verlegten „Cabala“, sind zwei gekreuzte F. vor dem Einlaß aufgerichtet (Cabala, Spiegel der K. unnd Natur: in Alchymia, Augsb. 1615; lat. Ausg. Augsb. 1616 u. ö.). Im philosophischen Garten knien Sol und Luna zu seiten eines Lebensbrunnens, aus dem ihnen Christus den aus seiner Seitenwunde gespeisten Trank als Zeichen der „Multiplication“ reicht (gemeint ist die „Vermehrung der Tinktur“ als „letzte Stufe des Prozesses“: Emil Ernst Ploss u.a., Alchimia, Ideologie und Technologie, Mchn. 1970, S. 163).

V. Von Deutungen abhängige Darstellungen

A. Eigenschaften

Anlaß zu bildlicher Wiedergabe von F. boten manche der ihm zuerkannten Eigenschaften und die mit diesen zu erreichenden Wirkungen (zu solchen, die man in der exegetischen Literatur gewöhnlich dem F. beilegte, wie z. B. die Eigenschaft des Feuers, beweglich - „versatilis“ - zu sein, vgl. Ambrosius [3], Gregor [16], Paterius [19], Beda Venerabilis [20], Alkuin [23], Glossa ordinaria [26, Sp. 97], Ps.-Hugo von St-Victor [31 a], Andreas von St-Victor [32], Aelred von Rievaulx [32 a, Sp. 292], Lauretus [42] S. 496). Da dem F. die Kräfte des Schwerts und des Feuers zu eigen sind, konnten sowohl dem einen wie dem anderen zuerkannte Deutungen wirksam werden. Ging man von der Wirkung des Feuers aus, war diese gesteigert durch die Kraft des Schwertes, betonte man die letztere, war sie vermehrt um jene des Feuers. Dies ermöglichte die Darstellung eines F. auch dort, wo die von Schwert oder Feuer allein unzulänglich gewesen wäre ([59 a]; vgl. Sp. 706).

1. Schärfe

Wegen seiner Schärfe konnte das F. schneiden und brennen: Nach Picinelli befreit das F. die arme Seele mittels der Schneide von irdischen Verstrickungen, während das Feuer des F. die Seele peinigt ([43] lib. XXII cap. 9 Nr. 58, Bd. 2 S. 213).

In einer Zeichnung des Maarten van Heemskerck (Düsseldorf, K.mus.) und einem Heemskerck folgenden, 1554 datierten Stich des Cornelis Bos führt Christus selbst das F., das die Stricke durchtrennt, mit denen das Herz des Sünders an die Welt gefesselt ist (Abb. 8; vgl. Heinz Peters, Psychomachia. Zu einer unbekannten Zchg. von H. und ihren ikonol. Voraussetzungen, in: Fs. Eduard Trautscholdt ..., Hbg. 1965, S. 90-100).

Im fünften Blatt des „Triumphus Patientiae“-Zyklus von M. van Heemskerck (Entw.) und Dirk Volkertsz. Coornhert (Ausf. 1559) führt der auf einer Schildkröte reitende Iob in seinem Banner ein F.; dieses scheidet einen Globus von einer Waage, die an einem geflügelten Herzen hängt ([51] Bd. 4 S. 230 Nr. 155; Ilja M. Veldman, M. v. H. and Dutch humanism in the sixteenth c., Maarsen 1977, S. 66 Abb. 43). Das F. ist wohl Bild für die Entsagung Iobs, der sich von aller Verfangenheit in Weltliches gelöst hat.

Veritas durchtrennt mit einem F. den Strick, mit dem der „Discipulus Christi“ an „Mors“, „Diabolus“, „Caro“ und „Peccatum“ gebunden ist (Kupferstich des Dirck Volkertsz. Coornhert [† 1590] nach Adriaan de Weert: ders., De Wereld tussen Goed en Kwaad, s’Gravenhage 1990, S. 100f. mit Abb.; Henricus Oraeus, Aeroplastes Theo-Sophicus sive Eicones mysticae ..., Ffm. 1620, Emblem 74 „Veritas liberabit nos“; zum F. als Attribut von „Veritas“ s. Sp. 726).

2. Wirkung des Feuers

Wegen der dem F. eigenen vernichtenden Wirkung des Feuers erinnert dieses an Gottes Zorn, der laut Ez 22,21 dem Feuer eines Schmelzofens gleicht (Ambrosius: [3 a] S. 49).

Ausnahmsweise zeigte man deswegen den Menschensohn (Apoc 1,12ff.) mit einem F., nicht mit dem zweischneidigen Schwert: „Der Saluator wird zornig vber das gefallen bapsttumb“, Holzschnitt von David de Negker, 1558 (Ausst.kat. „Welt im Umbruch“, Augsburg 1980, Bd. 1 S. 337f. Nr. 382).

Für Harsdoerffer war das F. das erste, vom Schöpfer selbst eingesetzte „Sinnbild“ ([40] S. 177 [Ndr. S. 221]), weil sogar das Einsetzen des F. an der Paradiesespforte den Zorn Gottes bezeichnete (so schon Rupert von Deutz: [28] S. 273).

B. Schwert des Gerichts

Die Verwendung des F. zur Bezeichnung des göttlichen (Straf-)Gerichts lag nahe, da Feuer (Bachiarius: [13] Sp. 1039) und blitzendes Schwert (Is 34,5; Deut 32,41; vgl. Ps.-Hrabanus Maurus Garnier von Rochefort]: [33] Sp. 942) als biblische Bilder künftigen Gerichts („futuri judicii ignis“: [13] Sp. 1039) geläufig waren.

1. Gottes Richteramt, Herrschaft über das Gericht

Das F. wurde oftmals wiedergegeben, um auf Gottes Richteramt und seine Herrschaft über das Gericht hinzuweisen (vgl. [48]).

Zu Apoc 4-7 zeigt ein Kupferstich von Romeyn de Hooghe (Entw.) und I. Lindenberg (Ausf.) „Jehovaas Troon vol glans en Heerlykheid“, auf dessen Rückenlehne man das Tetragramm erstrahlen sieht, während auf seiner linken Armlehne das F., auf der rechten das Buch mit den sieben Siegeln liegt (Jacobus Basnage, ’T Groot Waerelds Tafereel ..., Neuausg. von Abraham Alewyn, Amst. o. J. [1709], T. 2, Taf. zu S. 84).

Gottvater mit F. auf seinem Thron schilderte Joh. Gg. Bergmüller in einem 1748 dat. Deckengemälde der Pfarrk. Haimhausen (RDK IV 427f. Abb. 10).

Eine Vignette nach R. de Hooghe zeigt die Erscheinung Gottes in einer Wolke, aus der die „Dextera manus“ mit F. und die Linke mit den Gesetzestafeln herausragt (Abb. 16 b). Die aus Wolken hervorkommende „Dextera Dei“ mit dem F. als Bild der „invicta manus“ ist die Ikon des Emblems zu Ps 109 (110) in: Wolfg. Helmhard von Hohberg, Lust- und Arzeney-Garten des Kgl. Propheten Davids, Rgbg. 1675 (Ndr. Graz 1969; Instrumenta Artium, 8), Nr. 110, nach S. 400. An der Decke der Pfarrk. St. Stephan in Rettenberg Kr. Oberallgäu, um 1728/1730, sieht man als Ikon zum Lemma „GOTT IST GE-RECHT“ die Dextera Dei mit dem F. (Kdm. Bayern, Schwaben 8 S. 720; Cornelia Kemp, Angewandte Emblematik in süddt. Barockkirchen, Mchn. und Bln. 1981, S. 285 Kat.nr. 177.5).

Gelegentlich hält einer der Putti in der Nähe Gottvaters ein F. in der Hand: Erasmus I Quellinus, Titelkupfer zu Rodericus de Arriaga S.J., Disputationes theologicae ...“, Antw. 1643 (RDK VIII 815 Abb. 28); Altarblatt von Joh. Gg. Bergmüller in der ehem. Ursulinenkirche Landsberg a. L. (Hugo Schnell, Dominikanerinnenkirche L. a. L., Mchn. und Zh. 1967 [K.führer Nr. 861], Abb. S. 9).

Das F. an der Rückwand des den leeren Thron überfangenden Baldachins bot Joh. Bapt. Zimmermann in einem Deckengemälde der Wieskirche bei Steingaden, Obb., 1753-1754 (RDK VI 150 Abb. 3).

In einer Predigt-Sammlung des Joh. Michael Dilherr von 1660 illustriert ein Kupferstich, weshalb „Auff Erden... den Leüten bang seyn“ wird: Drei Waagen, die jeweils in der einen Schale ein F., in der anderen Palm- und Olivenzweig enthalten, geben die Alternativen des göttlichen Richterspruchs wieder – links wiegt die Schale mit dem F. schwerer, rechts die mit den Zweigen; in der Mitte sind die Schalen ausgewogen. Der Erklärung zufolge wird „des Höchsten Urtheilsspruch ... der Waag Zünglein seyn“ (Predigt am ersten Adventssonntag über Luc 21, 25-31: J. M. D., Hl. Sonn- und Festtags-Arbeit..., Nbg. 21670, S. 16).

2. Mahnung zur Buße

Das F. mahnt den Menschen, die drohende Strafe Gottes zu fürchten und Buße zu üben (Hieronymus: [7]; Breysig [48]: „göttliche Strafe“).

An die Strafe erinnerte man mit dem F., dessen Wirkung einst schon die aus dem Paradies vertriebenen Stammeltern erfahren mußten, und der Beischrift „Gott sicht, hört, strafft alleß Zu seiner Zeit“ bei der Wiedergabe der Dreifaltigkeit auf einem Gemälde in Toblach (17. Jh.: Abb. 15; vgl. Siegfr. de Rachewiltz, Zur Darstellung der Dreifaltigkeit als Dreigesicht in der K. Südtirols, in: Jos. Nörsing und Helmut Stampfer [Hgg.], K. und Kirche in Tirol. Fs. zum 70. Geburtstag von Karl Wolfsgruber, Bozen 1987, S. 351-354).

Den Menschen am Scheideweg zeigt der Ornamentstich „Das menschliche Leben/Vita Humana“ von Joh. Gottfr. Haid (1710-1776): Dem janusgesichtigen Wanderer winkt auf der einen Seite die Krone des ewigen Lebens, auf der anderen Seite ein F. (Abb. 20 b).

Ein weiterer Stich Haids erinnert durch den Engel mit F. an die erste Verletzung von Gottes Gebot, den Sündenfall, der die Herrschaft des Todes in der Welt begründete: Abb. 20 a.

In der ehem. Benediktinerklosterkirche Mallersdorf, Ndb., steht über beiden Türen zum Psallierchor ein Putto: der über der nördlichen an einem Baum (Inschrift in der Kartusche unterhalb: „Vita Bonis“), der über der südlichen mit F. (Inschrift „Mors Malis“): Skulpturen um 1730/1750 (Kdm. Bayern, Ndb. 25 S. 189).

Ein der niederländischen Ausgabe der Exerzitien des Ignatius von Loyola beigegebenes Bild zeigt das F. („Gladius ultionis“), das einen den Todsünden verfallenen Menschen in den Abgrund der Hölle zu stürzen droht (Geestelycke Oeffeninghen ..., Antw. 1673, S. 52; [53] Bd. 1 Abb. 63). Die Darstellung des über dem Abgrund sitzenden Sünders, in dessen Leib sich die als Schwerter wiedergegebenen Todsünden bohren, während ihn von oben her das F. bedroht, folgt einer älteren Bilderfindung des Hieronymus Wierix (1553-1619), die durch ausführliche Beischriften erläutert wird (zu deren Voraussetzungen vgl. [53] Bd. 1 S. 69). Demnach droht der dem rächenden F. - „ultor iniquitatum“ und „divinum iudicium“ genannt - ausgelieferte Sünder, in den „puteus infernalis“ zu stürzen ([57] Bd. 2 Nr. 1474f., Taf. 198).

In einem Stich des Jean Wierix (1549-1618[?]) sieht man über dem reuigen David einen Engel, der ihm F., Geißel und Totenkopf weist ([57] Bd. 3,1, Taf. 329 Nr. 2151 und S. 433). Das zusammen mit Geißel und Totenkopf erscheinende F. über David ist bei J.S. und J. B. Klauber als Bild zu II Sam 24,1.15 gestellt („addidit furor Domini irasci contra Israhel ... inmisitque Dominus pestilentiam in Israel“: Historiae Biblicae Veteris et Novi Testamenti ..., Augsb. 1748, Bl. 38).

Welcher Art die von Gott gesandten Strafen sein können, lehren vor allem zahlreiche Flugblätter zu außergewöhnlichen Himmelserscheinungen. Zeigte sich ein F., galt es oftmals als Vorbote von Kriegen, die als Strafe über die Menschen hereinzubrechen drohten (vgl. Hdwb. dt. Aberglaubens Bd. 2 Sp. 1443, s. v. „feurig“).

Die Erscheinung zweier mit F. kämpfender Gewappneter, die über Schloß Waldeck/Opf. i. J. 1554 gesehen worden sein soll, wurde als Zeichen verstanden, daß „Gott endelich bey sich beschlossen hab/ der welt boßheit mit fewer und Schwert zu straffen“ [58, S. 26f. Nr. 11]. Von drei „merckliche(n) Himmelszeichen“, 1574 in Freiburg i. Br. gesehen, verwies „das feurige Schwert“ auf „schroͤckliche grausame kriege, die sich uber kurze zeit erheben sollen“ (Strauss, Single-leaf woodcut, Bd. 1 S. 186). Ähnlich deutete man die 1560 über Bamberg und Lichtenfels gesehenen „glänzenden“ Schwerter, in dem Holzschnitt von Gg. Kreydlein als F. dargestellt (ebd. Bd. 2 S. 562f.; vgl. [58] S. 38f. Nr. 17), und ein 1630 an verschiedenen Orten wahrgenommenes „Wunder= und Fewrzeichen“ [55, Bd. 1 S. 327 und 337].

Gelegentlich wurde das F. als Hinweis auf die von der Kirche verwalteten Strafen verstanden.

Bei Picinelli ist es vor allem Bild der Exkommunikation, weil sie - der zweifachen Wirkung des F. gleich -den Bestraften nicht nur von den Sakramenten und einem kirchlichen Begräbnis scheidet (Wirkung des Schwertes), sondern auch seiner Seele brennenden Schmerz zufügt (Wirkung des Feuers; [43] lib. XXII cap. 9 Nr. 58, Bd. 2 S. 213: „Censura Ecclesiastica“).

Eines der Deckengemälde des Bartolomeo Altomonte im Bibliothekssaal der Benediktinerabtei Admont, Stm., Allegorien des kanonischen und weltlichen Rechts gewidmet (1775/1776), zeigt auf der Seite der ersteren einen Genius mit dem F. (kein „Bannstrahl“, wie seit Jakob Wichner, Kloster A. in Stm. und seine Beziehungen zur K., Wien 1888, S. 123, mehrmals wiederholt); „sinnliche Liebe“ und „Ungerechtigkeit“ (so ebd.) weichen vor den angedrohten Strafen zurück (Martin Mannewitz, Stift A., Mchn. 1989 [Beitr. zur Kw., Bd. 31], S. 243, Abb. 193).

3. Hinweis auf Gottes erlösende Gnade

Der Verzicht auf den Gebrauch des F. konnte als Hinweis auf Gottes erlösende Gnade dienen (vgl. Beda Venerabilis, Homelia I,12: CCSL 122 [1955], S. 82f. und 85; Ekkehart IV von St. Gallen, Benedictio XXIV: Johs. Egli, Der liber benedictionum Ekkeharts IV. ..., St. Gallen 1909 [Mitt. zur Vaterländ. Gesch. ..., 31 = 4. F., 1], S. 155.14).

Ein Thesenblatt der Universität Ingolstadt von 1663 auf die Verherrlichung der Immaculata zeigt einen Engel, dem das F. („vindice[m] vastatoris Angeli machaera[m]“) entglitten ist: Kupferstich von Chr. Storer (Entw.) und B. Kilian (Ausf.): [61] S. 253 Nr. 62, Abb. 128; vgl. auch Sp. 709.

4. Erfolgte BEstrafung

Das F. konnte als Hinweis auf die bereits erfolgte Bestrafung dienen.

Der Stadtbrand in Annaberg 1676 wird auf einem Flugblatt durch eine aus Wolken hervorkommende Hand mit F. als Strafe Gottes erklärt [55, Bd. 1 S. 414].

Die von den Propheten vorhergesagte Zerstörung des Tempels und der Stadt Jerusalem durch Titus machte Wilhelm von Kaulbach in seinem Gemälde „Die Zerstörung Jerusalems“ dadurch sinnfällig, daß er unterhalb der im Himmel erscheinenden vier Propheten „sieben Engel mit flammenden Schwertern als Vollzieher des göttlichen Strafgerichtes“ wiedergab (1836-1846; Annemarie Menke in: Neue Pinakothek München. Erläuterungen zu den ausgestellten Werken..., Mchn. 1982, S. 148f., mit Abb.; das Zitat nach Nagler, Künstlerlex., Bd. 6 [1838] S. 543f.).

Das Ende der Bestrafung zeigt ein in Darstellungen des hl. Karl Borromäus den Bischof begleitender Putto an, der das F. in die Scheide steckt; denn die Fürbitte des Heiligen habe das Ende der großen Pestepidemien in den Jahren 1570 bis 1576 bewirkt (Abb. 18; Kupferstich der Brüder Klauber: [50] Bl. 155).

Zur Vergabe des F. als Attribut an Personifikationen von „Punitio“ („Bestrafung“, „Correctio“, „Punition“) und der „Vengeance divine“ („Göttliche Rache“) s. Sp. 724.

5. Christus beim Weltgericht

Wenn der zum Weltgericht wiedergekehrte Christus dargestellt ist, wies man öfter mit dem Apoc 1,16 genannten, von seinem Mund ausgehenden Schwert (und Lilie oder Palmzweig usw.) auf seinen Richterspruch hin. Das Schwert konnte ein F. sein, dann in frühen Beispielen häufig mit roter Farbe gekennzeichnet.

Dies zeigt die Darstellung im sog. Elisabeth-Psalter, Niedersachsen oder Thüringen, um 1200 (Cividale, Bibl. capitolare, ms. CXXXVII, fol. 160v: Der Landgrafenpsalter. Vollständige Faks.-Ausg. ..., Kommentarbd., Graz und Bielefeld 1992 [Codices selecti, Bd. XCIII*], S. 119 Abb. 10), ebenso eine der Tafeln eines kölnischen Flügelaltars, um 1340 (Hamburg, K.halle: Ausst.kat. „Vor Stefan Lochner ...“, Köln 1974, S. 75 Kat.nr.9, Abb. S. 153).

In der Darmstädter Handschrift des „Speculum humanae salvationis“ ist die Klinge rot (um 1360; Hess. L.- und Hochschulbibl., Hs. 2505, fol. 67v: Heilsspiegel..., hg. von Horst Appuhn, Dortmund 1981 [Die bibliophilen Taschenbücher, Nr. 267], S. 74).

Das *Gerechtigkeitbild aus dem Rathaus in Elbing, wohl A. 15. Jh. dort entstanden, zeigt als Pendant zu dem roten F. die Lilie (St. Petersburg, Ermitage: Ermitage. Dt. und österr. Mal., zusammengestellt ... von Nikolai Nikolin und Boris Aswaristsch, Graz und Leningrad 1986, S. 20, Taf. 1f.).

Als Beispiele aus der niederländischen Malerei des 15. Jh. seien genannt Rogiers van der Weyden Altarretabel im Hôtel-Dieu zu Beaune, wohl zw. 1443 und 1450 (Friedländer, Netherl. Painting, Bd. 2 S. 62f. Kat.nr. 14, Taf. 23f.; Farbabb.: [60] Abb. 57) und Hans Memlings Triptychon im Danziger Nat.mus., 1466-1473 (Maria Corti und Giorgio T. Faggin, L’opera completa di M., Mail. 1969 [Classici d’arte, 27], Taf. III). Vgl. ferner das Gemälde an der Westwand der Johanniskirche in Mellaun, Südtirol, von Leonhard von Brixen und Werkstatt, dat. 1464 (frdl. Hinweis Helmut Stampfer, Vols am Schiern), sowie ein Tafelbild aus dem Nürnberger Rathaus, E. 15. Jh. (Germ. Nat.mus.: Kat. Lutze - Wiegand 1937, Textbd. S. 133f. Nr. 520, Bilderbd. Abb. 129; Farbabb.: [60] Abb. 98).

Im „Großen Jüngsten Gericht“ von Peter Paul Rubens, 1615/1616 ist das Pendant zum F. ein Szepter: München, Bayer. Staatsgem.slgn., A. Pin., Inv.nr. 890 (David Freedberg, R. The Life of Christ after the Passion, Ld. und Oxf. 1984 [Corp. Rub., 7], S. 201-206 Kat.nr. 49, Abb. 137).

Vgl. außerdem Erzeugnisse der Augsburger Druckgraphik aus dem 17. Jh. [55, Bd. 1 S. 42, Bd. 2 S. 707]. In einem Deckengemälde des Thomas Chrn. Winck hält Christus das F. mit der Rechten empor und in der Linken einen Ölzweig (Abb. 22).

In einem niederl. Kupferstich vom J. 1588 ist Christus mit F. über dem „Rad der Lebensalter“ abgebildet (Maurits de Meyer, Populäre Druckgraphik Europas. Niederl., Mchn. 1970, Nr. 91).

In Bildfolgen zum Apostelcredo (s. RDK I 823 und Glaubensbekenntnis) ist der Satz „Inde venturus est iudicare vivos et mortuos“ häufig dem Apostel Philippus zugeordnet. Ihn zeigt ein Stich der Klauber-Werkstatt zu dem auf Wolken nahenden Christus mit F. und bekränztem Kreuz, umgeben von Engeln, die zum Gericht blasen [50, Bl. 9].

Im Zusammenhang mit den vier letzten *Dingen wird das Gericht wiedergegeben durch einen Auferstehenden, über dem Christus mit F. und Lilie auf dem Regenbogen erscheint (Stich der Klauber-Werkstatt: ebd. Bl. 116).

F. und Lilie konnten den Weltenrichter begleitenden Engeln anvertraut sein.

In einer Zeichnung des Marten de Vos, spätes 16. Jh. halten Engel über dem auf dem Regenbogen thronenden Christus F. und Lebenskrone [53, Bd. 2 Abb. S. 491]. Ein um 1600 entstandenes Altarbild in der Johanniskirche in Wolfenbüttel zeigt zu selten des Engels mit dem Buch des Lebens einen Engel mit F., der dieses den Verdammten weist, und – auf der Seite der Seligen – einen Engel mit einer Lilie (Kdm. Braunschweig 3,1 S. 93f., Taf. XIV).

Als Hinweis auf das Weltgericht sind auch die Engel mit F. (und Lilie) zu seiten des Schmerzensmannes zu verstehen (Abb. 5).

6. Engel beim Weltgericht

Oftmals sind Engel mit F. beim Weltgericht in verschiedenen Funktionen wiedergegeben.

Die im Glaubensbekenntnis formulierte Erwartung des Gerichts illustriert das Bild des Erzengels Michael mit dem F. in einem Stich der Brüder Klauber (Catechismus oder Röm.-Cath. Glaubens Lehr V. P. Canisii S.J. ..., Augsb. 1751, Bl. 5; [50] Bl. 206).

In einem Holzschnitt von Abraham Bach, 2. H. 17. Jh., sieht man einen Engel mit F. und Posaune in einem Gräberfeld, während ein zweiter Engel die Verdammten in den Höllenrachen schickt [55, Bd. 1 S. 43 Nr. 12]. Auf einem der Fragmente des Deckengemäldes von Joh. Jos. Huber aus der Friedhofskirche St. Michael in Augsburg, 1772, ist ein Engel mit F. und Posaune zu sehen (Augsburg, Städt. K.slgn., Maximilianmus.).

Häufig gab man dem Erzengel Michael das F. in die Hand, z. B. in einem Deckengemälde des Hans Gg. Asam, 1683, über der W-Empore der ehem. Benediktinerabteikirche Benediktbeuern, Obb. [56, Bd. 2 Abb. S. 42].

In zahllosen Darstellungen veranschaulichte man die Aufgabe des Erzengels Michael beim Gericht durch ein zusätzliches Attribut wie die Waage. Wann solche Charakterisierung einsetzt, läßt sich nicht eindeutig entscheiden, da bei den relativ seltenen Michaelsbildnissen aus dem späten 15. und frühen 16. Jh., die ihn mit einem F. zeigen, vielfach mit Veränderung der ursprünglichen Attribute (Speer, Schwert) zu rechnen ist. Spätestens um 1600 jedoch war der Typus des mit F. und Waage belehnten Erzengels ausgebildet, wie Fragmente einer bemalten Holzdecke aus der Münchener Frauenkirche belegen (Abb. 11). - Aus der Fülle jüngerer Beispiele seien genannt: Fischen i. Allgäu, Frauenkap., Skulptur im Auszug des Hochaltars, 1654 neu gefaßt (Kdm. Bayern, Schwaben 8 S. 269); Zürich, Schweizer. L.mus., Standesscheibe von Zug, 1668 (Jenny Schneider, Glasgem. Kat. der Slg. des Schweiz. L.mus. Zürich, Bd. 2, Zh. 1970, S. 324 Nr. 638, Abb. S. 432); Michaelbeuern, Benediktinerabteikirche St. Michael, Gemälde im Auszug des Hochaltars von Joh. Mich. Rottmayr, 1691 (Benediktinerabtei M., Michaelbeuern 1985, Taf. IX); Neukirchen Kr. Miesbach, Pfarrk. St. Dionysius, Deckengemälde im Lhs. von Joh. Gg. Gaill, wohl 1763 [56, Bd. 2 Abb. S. 531].

In anderem Zusammenhang kann mit der Wiedergabe Michaels mit F. und Waage an das Gericht erinnert sein (Thesenblatt „Der Erzengel Michael wägt die Taten der Gelehrten“, Stich von B. Kilian, 1698: [61] S. 212 Kat.nr. 48, Abb. 109). In einem Gemälde von 1798 in der ehem. Propsteikirche Rinchnach Kr. Regen steht Michael dem Gekreuzigten gegenüber, der zum Heil der Armen Seelen das Blut aus seiner Seitenwunde in eine der Waagschalen strömen läßt und so den Ausgleich ihrer Sündenschuld bewirkt (Kdm. Bayern, Ndb. 19 S. 92f. Abb. 66).

Die bei der Seelenwägung vorgenommene Scheidung der Seligen von den Verdammten kann gelegentlich nur mit dem F.attribut bezeichnet sein, etwa in einem Altarbild von Joh. Heinr. Schönfeld, ehem. Augsburg, ev. Pfarrk. Zu den Barfüßern, um 1670 (Herbert Pée, J. H. Sch., Die Gem., Bln. 1971, S. 189 Kat.nr. 124; Entw. im Hzg. Am. Ulr. Mus. Braunschweig: ebd. S. 188f. Kat.nr. 123, Abb. 150; Nachstich von Phil. Andreas Kilian, in: Hist. Abb. der Geschichten Alten und Neuen Testaments ..., Augsb. 1770, NT Bl. 9: H. Pée a. a. O. S. 233 Kat.nr. NS 46, Abb. 220).

Engel gebrauchen das F. nicht selten, um die Verdammten dem Höllenrachen zuzutreiben:

So schwingen in einem Stich des Philip Galle von 1577 vom Himmel her eingreifende Engel auf der Seite der Verdammten das F. (Frontispiz der Stichfolge „Septem opera misericordiae corporalia“: B. ill., Bd. 56 Abb. S. 257). In einer Zeichnung des Christoph Schwarz, Entwurf zu einem verlorenen Gemälde, um 1578, treibt ein Engel mit F. die Verurteilten dem Höllenfeuer zu (Stuttgart, Staatsgal., Graph. Slg. [Inv.nr. C 67/1474]: Ausst.kat. „Zchgn. des 15. bis 18. Jh.“, Stuttgart 1984, S. 20 Nr. 18, Abb. S. 69; verbreitet durch einen Stich des Johs. I Sadeler, der zahlreichen Gemälden als Grundlage diente, s. [51] Bd. 21 S. 123 Nr. 260, Bd. 22 Abb. S. 129; Craig Harbison, The Last Judgement in Sixteenth C. Northern Europe..., New York und Ld. 1976, S. 141 und Kat.nr. 202, 208 und 260; vgl. Sp. 710).

7. Gericht und Hölle

Das F. kann, vornehmlich in Darstellungen der vier letzten Dinge (RDK IV 12-22), Gericht und Hölle bezeichnen.

a. Auf das Weltgericht nehmen Darstellungen Bezug, in denen das F. dem Bild Christi in der Parusie (s. Sp. 708f.) oder einem Engel zugeordnet ist.

In einem Stich von G. B. Göz sieht man den hl. Bruno, dem ein Engel mit F., Kreuz, Totenkopf, Waage und Posaune erscheint, mit der er „Ad iudicium“ bläst [50, Bl. 204]. - Dem Bild der hl. Rosalia in einem Klauberstich ist F. und Totenkopf beigegeben (ebd. Bl. 38).

An einem Beichtstuhl der ehem. Jesuitenkirche St. Michael in Löwen, 2. H. 17. Jh., bezeichnet die Personifikation der Gerechtigkeit mit F. und Waage das dem Sünder bevorstehende Gericht (Salome Zajadacz-Hastenrath, Das Beichtgestühl der Antwerpener St. Pauluskirche und der Barockbeichtstuhl in den Südl. Niederl., Brüssel 1971 [Monographien des Nat. Centrum voor de Plastische K. van de 16de en 17de eeuw, 3], S. 140, 196f. Nr. 83,7 und Abb. 202).

In einem Zyklus marianischer Emblemata in der Wallfahrts- und Pfarrk. St. Maria in München-Thalkirchen auf Maria als „Beystand / der gerechten / und unschuldtig / Waissen“ zeigt eines der Deckenbilder die einem Herzen mit dem Marienmonogramm entwachsene Lilie, vor der F. und Palmzweig gekreuzt sind (Joh. Andreas Wolff, 1696: [56] Bd. 3,1 S. 104 Abb. d).

b. Als Bild der Hölle ausgewiesen ist eine Herme durch F. und Teufelsmaske an einem Beichtstuhl von Jean Franç. Boeckstuyns in Mecheln, um 1690 (S. Zajadacz-Hastenrath a. a. O. S. 131 und 198f. Kat.nr. 88,3 und Abb. 173). - In der die Hölle vorstellenden Stuckkartusche von Egid Quirin Asam in der Vorhalle der Benediktinerklosterkirche Weltenburg sind zwischen Blitzen und Flammen in einem Schlangenring F. und Fackel gekreuzt (Abb. 17). - In einem Stich des Hieronymus Wierix (1553-1618) erscheint in der „porta angusta“ das mit der Krone des Lebens bekrönte Kreuz, vor dem die Waage des Gerichts hängt. Vor dem Längsbalken ist der Palmzweig der Erwählten und das F. gekreuzt, das laut Beischrift auf die „poena inferni“ verweist ([57] Bd. 2 S. 267 Nr. 1478, Taf. 198).

In einer Radierung des James Gillray nach J. H. Frere von 1798 mit der karikierenden ”Apotheose“ des Generals Hoche erscheint als Ausgeburt der Hölle und Anführerin eine weibliche, skelettierte Frau mit Schlangenhaaren und Flügeln, die ein F. in der Rechten schwingt, aus einer Flasche Gift und aus den Brüsten „Milch der bösen, der revolutionären Denkungsart“ auf die Erde gießt (Ausst.kat. „Ladies, Lords und Lumpenpack. Engl. Karikaturen ...“, Göttingen 1975, S. 25, 33 Kat.nr. 4 und Abb. 3; [59] S. 431 Kat.nr. 319).

C. Waffe der Engel

1. Biblische Geschehnisse

Dort, wo in der Bibel Engel vorkommen, als deren Waffe ein Schwert genannt ist, kann dieses als F. wiedergegeben sein.

So trägt der Engel, der den Israeliten beim Auszug aus Ägypten vorangeht (Ex 14,21), bisweilen ein F. (Kupferstich von R. de Hooghe [Entw.] und I. Lindenberg [Ausf.]: J. Basnage a. a. O. [Sp. 704] T. 1, Taf. zu S. 22).

Man gab auch dem Engel vor Balaam (Num 22,22f. 31; Bileam: RDK II 740-744) ein F. in die Hand, so (als rotes Schwert) in der oberrheinischen Weltchronik des Rudolf von Ems in St. Gallen, um 1300 (Kantonsbibl. [Vadiana], ms. 302, fol. 81r: R. v. E., Weltchronik - Der Stricker, Karl der Große. Faks.-Ausg., Begleith. von Hubert Herkommer und Ellen J. Beer, Luzern 1982). Ein F. zeigt auch der Kupferstich von R. de Hooghe (Entw.) und C. Kuyberts (Ausf.) zu: J. Basnage a. a. O. T. 1, Taf. zu S. 41.

Die sich Josua offenbarende Gestalt, welche die Eroberung Jerichos verhieß und sich als Anführer des Heeres Jahwes zu erkennen gab (Jos 5,13), wurde als Engel dargestellt. Er hat gelegentlich ein F. in der Hand, z. B. in einem Kupferstich von R. de Hooghe (Entw.) und I. Lindenberg (Ausf.) zu J. Basnage a. a. O. T. 1, Taf. zu S. 48, und in einem Deckengemälde in der Pfarrk. von Gaissach Kr. Bad Tölz-Wolfratshausen, um 1760/1770 (der Engel mit Michael gleichgesetzt: [56] Bd. 2 Abb. S. 180 [Kartusche A1).

Selbst wenn keine Waffe genannt ist, ließ man Engel das F. führen (wohl wegen der diesem zuerkannten Eigenschaften, s. Sp. 702f.).

So hat der Engel, der die Erstgeborenen der Ägypter tötet (Ex 12,29), ein F. (J.S. und J.B. Klauber: Hist. Biblicae a. a. O. [Sp. 706] Bl. 15).

Der Engel, durch den Sanheribs Macht gebrochen wird (IV Reg 19, 32), führt gelegentlich ein F. In der Entwurfszeichnung für eine Fassadenmalerei von Hans Bock d. Ä., dat. 1572, erscheint er über dem niedergestreckten Sanherib (Basel, K.mus., Kk., Inv.nr. UIV.71: Friedr. Thöne, Der Basler Monogrammist HB von 1575/77. Hans Bock d. Ä. oder Hans Brand?, Schweiz. Inst. für Kw., J.ber. 1965, S. 78-104, Abb. 72), ebenso in dem von Romeyn de Hooghe entworfenen Kupferstich in: J. Basnage a. a. O. (Sp. 704) T. 1, Taf. zu S. 104; bei Julius Schnorr von Carolsfeld weist er den unter seinem F. niederstürzenden assyrischen Soldaten mit der erhobenen Linken den „Gott des Hiskias“ (a. a. O. [Sp. 700] S. 20; Abb. 26).

Mit dem F. kann der Engel gerüstet sein, der nach Act 12,23 den Tod des vermessenen Herodes herbeiführt: Kupferstich des Joh. Ulr. Krauss von 1694 (Bibl. Engel- und K.werk ... a. a. O. [Sp. 701] Bl. 29).

2. Kampf gegen Luzifer und seine Anhänger

Darstellungen, in denen Engel das F. beim Kampf gegen Luzifer und seine Anhänger als Waffe gebrauchen (Engelsturz, RDK V 621-674), sind seit M. 16. Jh. überaus zahlreich.

Vgl. Antwerpen, Koninkl. Mus. voor Schone K., Gem. von Frans Floris, sign. und dat. 1554: Carl van de Velde, F. F. (1519/1520). Leven en werken, Brüssel 1975, Bd. 2 Abb. 26; Zchg. von Christoph Schwarz, um 1578 (s. Sp. 712); München, Bayer. Staatsgem.slgn., A. Pin. (Inv.nr. 3890), Gemälde von P. P. Rubens, 1622: RDK V 655 Abb. 20; Weilheim, Obb., Pfarrk. Mariä Himmelfahrt, Deckengemälde von Joh. Greither, 1627: [56] Bd. 1 Abb. S. 555; Neapel, Ascensione a Chiaia, Hochaltarbild von Luca Giordano, sign. und dat. 1657: Oreste Ferrari und Gius. Scavizzi, L.G., Neapel 1966, Bd. 3 Abb. 56 (weitere Fassungen ebd. Abb. 110 und 349); Breslau, Dom, Kurfürstenkapelle, Kuppelfresko von Carlo Carlone, 1720-1727: Hans Tintelnot, Die barocke Freskomal. in Dtld., Mchn. 1951, Abb. 162; Dießen, ehem. Stiftskirche der Augustinerchorherren, Altarbild von Joh. Ev. Holzer, 1737: Ernst Wolfg. Mick, J. E. H. (1709-1740)..., Mchn. und Zh. 1984, Abb. S. 83; sowie zahlreiche Beispiele im Bereich der süddt. Deckenmal. des 18. Jh. ([56] Bd. 1 Abb. S. 27, 31, 103, 225, 362; Bd. 2 Abb. S. 201; Bd. 3,1 Abb. S. 95); s. ferner RDK V 659f. Abb. 22, 666 Abb. 24 und 670 Abb. 25.

Der Engel, der anstelle des Auferstandenen als Zeichen für dessen Sieg über den Tod „Mors“ und „Tartarus“ niederwirft, ist mit dem F. bewaffnet (Stich der Klauber-Werkstatt nach einem Entwurf von Michael Ignaz Mildorfer: [50] Bl. 80).

3. Kampf Michaels gegen Luzifer

In Darstellungen, die nur den siegreichen Kampf Michaels gegen Luzifer zeigen, ist das F. eine der Waffen des Erzengels.

Vgl. die Bronze-Gruppe des Hans Reichle über dem Portal des Augsburger Zeughauses (Abb. 12): Michael steht mit hoch erhobenem F. auf dem besiegten Teufel (zu einem Entwurf Reichles von 1607 s. Ausst.kat. „Welt im Umbruch“ a. a. O. [Sp. 703] Bd. 2 Nr. 651, Abb. S. 265); Altarbild von Francisco de Zurbarán, 1643/1644 (Zafra, Pfarrk. S. Maria, Capp. di Nuestra Señora de los Remedios: Maria Luisa Caturla, A Retable by Z., Burl. Mag. 94, 1952, S. 47f. Abb. 13); Gemälde von Luca Giordano, E. 17. Jh., Luzifer kämpft mit einem Schwert gegen Michael (Madrid, Palazzo Reale, Sakristei der Kapelle: O. Ferrari und G. Scavizzi a. a. O. [Sp. 716] Abb. 348); Stich von J. S. und J. B. Klauber, 1. H. 18. Jh.: der Teufel ficht mit einer Pechfackel und einer Feuer speienden Schlange gegen das F. [50, Bl. 123]; Irsee, ehem. Benediktinerklosterkirche, Skulptur am Korb der sog. Schiffskanzel, 1724 (der zugehörige Teufel wurde 1834 entfernt: Michael Kühlenthal, Irsee, Mchn. o. J. [1984; Arbeitsh. 20 des Bayer. LA. für Dpfl.], S. 72 Abb. 91); Holzschnitt des Jean Nicke, Straßburg, 1724 (Pierre Louis Duchartre und René Saulnier, L’imagerie populaire, Paris o. J. [1925], Abb. S. 157); Michaelsgruppe im Kanzelaltar von 1727 in der ev. Kirche von Buttstädt Kr. Sömmerda, Thür. (Peter Poscharsky, Die Kanzel ..., Gütersloh 1963 [Schr.reihe des Inst. für Kirchenbau und kirchl. K. der Gegenwart, 1], Abb. 49); Zchg. von G. B. Göz, Vorlage für das zweite Blatt der von Jacob Andr. Fridrich gestochenen und von Joh. Andr. Pfeffel 1736 in Augsburg verlegten Stichfolge „Mysteriosa typica descriptio“: Michael führt zwar das F., bezwingt den Teufel aber allein mit dem von seinem Schild ausgehenden Wort „QUIS UT DEUS“ (München, Staatl. Graph. Slg.; Eduard Isphording, G. B. G. 1708-1774. Ölgem. und Zchgn., Text- und Taf.bd., Weißenhorn 1982-1984, S. 235 Nr. A III a 32, Abb. 129); Gemälde von Matthäus Günther, 1743 (Priv.bes.; .Ausst.kat. „M.G. 1705-1788“, Augsburg 1988, Nr. 118, Abb. S. 334 [seitenverkehrt!]); Skulptur von Ignaz Günther, um 1750 in Berlin (Die Meisterwerke aus der Skulpturengal. der StMPK, Stg. und Zh. 1980, S. 92f. Kat.nr. 40); Skulpturengruppe von Gg. Adam Reuß, 1751, Kanzelbekrönung in Bamberg, ehem. Benediktinerklosterkirche St. Michael (Wallr.-Rich. Jb. 38, 1976, S. 124 Abb. 1).

S. im übrigen Michael.

4. Kampf gegen den Apokalytischen Drachen

Michael im Kampf gegen den Apokalyptischen Drachen, der das Weib bedroht, zeigt eine Holzskulptur von I. Günther im Auszug des Hochaltarretabels in der ehem. Benediktinerklosterkirche Mallersdorf, Ndb., 1768-1770 (Guido Schoenberger, I. G., Mchn. 1954, Abb. 126f.).

5. Kampf gegen Dämonen

Das F. gebrauchen Engel auch im Kampf gegen Dämonen.

Sie verjagen Dämonen vom Leichnam des Moses (Rom, Vatikan, Capp. Sistina, Wandgemälde von Matteo da Lecce, E. 16. Jh.: Roberto Salvini, La Capp. Sistina in Vaticano, Bd. 2, Mail. 1965, Taf. V).

Der Erzengel Raphael treibt mit einem F. den Dämon der Sarra in die ägyptische Wüste („tunc Raphael daemonium religavit in deserto“, Tob 8,2f.; Stich von J. S. und J.B. Klauber: Hist. Biblicae ... a. a. O. [Sp. 706] Bl. 55; Maria Lanckorońska und Rich. Oehler, Die Buchill. des 18. Jh. in Dtld., Österr. und der Schweiz, T. 1, o. O. 1932, Abb. 3).

Ein Deckengemälde von Anton Zächenberger(?), um 1720/1730, in Ottendichl Kr. München zeigt den hl. Martin auf seinem Sterbebett; seitab dazu steht ein Engel mit einem F. und vertreibt Dämonen, wohl bezogen auf die letzten Worte des Heiligen „Quid hic adstas, cruente bestia ...“ (Sulpicius Severus, Epist. 3,16: CSEL 1 [1866], S. 147): [56] Bd. 3,1 S. 146 Abb. S. 148.

In einem Wandgemälde des Cosmas Damian Asam in der Benediktinerabteikirche Weltenburg, 1735, schlägt Michael Dämonen, welche die Landung der ersten Benediktiner in Amerika zu verhindern suchen, in die Flucht (Lothar Altmann und Rupert Thürmer O.S.B., Benediktinerabtei W. a. d. Donau, gegr. um 600. Gesch. und K., Mchn. und Zh. 1981, Abb. S. 37).

6. Kampf gegen Sünden und Laster

Von vier Erzengeln, die in einem Deckengemälde des M. Günther von 1734 in der Wallfahrtskirche Maria Aich, Gem. Peißenberg, Obb., Personifikationen von Lastern, Todsünden und Häresie in den Abgrund stürzen, führt der Superbia, Luxuria, Accedia u. a. vertreibende das F. [56, Bd. 1 S. 367-372, Abb. S. 368].

Auf Bl. 1 des Holzschnittzyklus von Alfred Rethel zu Luthers Choral „Ein’ feste Burg ist unser Gott“, um 1850, sieht man zwei Erzengel mit F. gegen eine „Tanz, Gesang und Spiel“ verkörpernde Gestalt, gegen Brett- und Würfelspieler sowie gegen die nach Geld und Ruhm Strebenden vorgehen [59, S. 531f. Nr. 403 A-B].

In einem der Verkündigung der Toleranz in den österreichischen Niederlanden 1783 gewidmeten Kupferstich von F. F. Pfeifer (Entw.) und M. Sallieth (Ausf.) verjagt Michael mit dem F. die Vertreter der Unduldsamkeit (Ausst.kat. „Österr. zur Zeit Kaiser Josephs II.“, Melk 1980, S. 517f. Nr. 912).

Dem hl. Hieronymus erscheint ein Engel mit F. und Posaune, der ihn zur Aufgabe heidnischer Lektüre bewegt (Fürstenfeld, ehem. Zisterzienserabteikirche, s. Chorwand, Gemälde von Joh. Nep. Schöpf, um 1754/1761 [1892 rest.]: Ausst.kat. „In Tal und Einsamkeit. 725 J. Kloster Fürstenfeld. Die Zisterzienser im alten Bayern“, Fürstenfeldbruck 1988, Bd. 1 S. 234).

D. Sinnbild des Eifers

1. Elia

Eifer in der Verteidigung des rechten Glaubens zeichnet den Propheten Elia (RDK IV 1372-1406) aus, der von sich sagte: „Zelo zelatus sum pro Domino Deo exercitum“ (III Reg 19,10 und 14). Das F. gehört zu den ihm gewöhnlich verliehenen Attributen (vgl. RDK IV 1404 zur Überlegung, mit dem F. des Elia könnte zudem auf das Strafgericht über die Baalspriester verwiesen sein; vgl. Droulers S. 67).

Beispiele bei [52] Abb. 4, 16, 31, 51, 95; ferner ein Altarblatt von G. B. Göz mit der Darstellung des Ordenspatrons Elia (nicht des hl. Joseph!) über dem hl. Johannes vom Kreuz, in der ehem. von Karmelitern betreuten Spitalkirche Hl. Geist in Schongau, Obb., 1748 (E. Isphording a. a. O. [Sp. 717] Abb. 33), und eine Regensburger Medaille des 18. Jh. (Ausst.kat. „Das Bistum R. im Spiegel seiner Münzen und Medaillen“, Regensburg 1989, S. 147 Nr. 162).

Zu Personifikationen des Eifers s. Sp. 727.

2. Devise des Karmeliterordens

Der Ausruf des Elia „Zelo zelatus sum ...“ wurde Devise des Karmeliterordens (s. auch RDK IV 949), das seinen Eifer bezeichnende F. im Wappen der Karmeliter aufgegriffen (LThK Bd. 5 [1933], Sp. 842 [Beschuhte Karmeliter], und Joh. Siebmacher, Wappenbuch, Bd. 1, Abt. 5 R. 2, Klöster, bearb. von Gustav A. Seyler, Nbg. 1882 [Ndr. Neustadt a. d. Aisch 1976, Bd. 8], S. 96 und Taf. 112 [Unbeschuhte Karmeliter]).

3. Papst Paul IV.

Den besonderen Eifer, mit dem sich Papst Paul IV. (Giampietro Carafa, † 1559), einst Haupt der Inquisition, im Kampf für den rechten Glauben hervorgetan hatte, schilderte man in einem anonymen Kupferstich zugunsten der - erfolglosen - Bemühungen um die bald nach seinem Tod angestrebte Kanonisation des Papstes. Der Papst weist mit der Rechten auf das ihn charakterisierende Motto „Zelo zelatus sum ...“; neben ihm ist das Werkzeug seines Eifers dargestellt: der Palast der Inquisition, über welchem ein F. steht; dieses ist von einer riesigen Flamme umgeben, die aus dem Dach des Gebäudes schlägt (Ursula König-Nordhoff, Ignatius von Loyola..., Bln. 1982, S. 34, Abb. 45).

4. Fidelis von Sigmaringen

Die Darstellung des hl. Fidelis von Sigmaringen in einem Kupferstich der Klauber-Werkstatt zeigt als Attribut das F. anstelle des sonst gebräuchlichen Schwerts oder Streitkolbens (vgl. Braun, Tracht und Attribute, S. 258f.). Wie die aus Sap 5,18 entnommene Beischrift nahelegt, sollte das F. wohl an den bis ins Martyrium führenden Eifer des Heiligen erinnern [50, Bl. 34].

5. Profane Thematik

Michael Iwanowitsch Koslowski griff auf F. als Zeichen des Eifers zurück, als er der von ihm 1797 geschaffenen Marmorstatuette des Jakow Fjodorowitsch Dolgoruki (1639-1720) ein F. in die Hand gab (Abb. 24); dieser hatte sich mutig für die Bauern gegen einen ungerechten Erlaß des Zaren eingesetzt (Das Staatl. Russ. Mus. Kurzer Führer, Moskau 1955, S. 69).

VI. F. als Attribut

A. Engel

Seit dem 16. Jh. belegen zahllose Beispiele die Gewohnheit, den Erzengel Michael wegen seines Kampfes mit Luzifer oder seiner Aufgaben beim Weltgericht mit einem F. darzustellen (s. Sp. 716f. und 710f.); sie begründeten, warum man dem Engel das F. als Attribut zuerkannte.

Mit F. und Schild zeigen ihn z. B. E. Q. Asam (Skulptur am Hochaltar der Ursulinenkirche Straubing, 1738/ 1739: Bernh. Rupprecht, Die Brüder Asam, Rgbg. 1980, Abb. 223), Joh. Bapt. Straub (Relief am Norbertaltar der Klosterkirche Schäftlarn, um 1755-1764: Peter Volk, J.B. St. 1704-1784, Mchn. 1984, S. 202, Abb. 136) und Joh. Jos. Christian (Stuckfigur am ö. Vierungsaltar der Klosterkirche Ottobeuren, um 1765: Rud. Huber, J. J. C. ..., Tüb. 1960, Taf.V).

In einer wohl um 1769 entstandenen Zeichnung des Joh. Gottfr. Eichler setzt Michael seinen Fuß auf das Haupt des angeketteten Satans (Nürnberg, Germ. Nat.mus., Kk. ... Die dt. Handzchgn., Bd. IV, bearb. von Monika Heffels, Nbg. 1969, S. 77 Nr. 74, Abb. S. 369).

Michael mit dem F. konnte bei Darstellungen der Engelchöre für jenen der Erzengel stehen (Matthias Rauchmiller, Entw. für die erste Grabensäule in Wien, 1679: RDK IV 450, Abb. 1; Hochaltargemälde von Joh. Ev. Holzer in der ehem. Jesuitenkirche Eichstätt, 1739: E. W. Mick a. a. O. [Sp. 716] S. 86f. Kat.nr. 64; vgl. RDK V 598), auch in Bildern der Sieben *Zufluchten: Deckengemälde in St. Ulrich in Wangen Kr. Starnberg, um 1736 [56, Bd. 1 Abb. S. 360].

In einer Kupferstichfolge mit Erzengeln von Crispijn de Passe d. Ä. ist dem Jophiel das F. und die Geißel zuerkannt: [51] Bd. 15 S. 166 Nr. 303; [53] Bd. 1 Abb. S. 124.

Zur Wiedergabe das Raziel in dieser Folge s. Sp. 697.

In dem Kupferstich von R. de Hooghe (Entw.) und I. Lindenberg (Ausf.) zur Vision des Daniel (Dan 8) trägt der Erzengel Gabriel, der dem Propheten den Inhalt des Geschauten erklärt, ein F. (J. Basnage a. a. O. [Sp. 704] T. 1, Taf. zu S. 149).

Ein Engel mit F. gehört zu den Skulpturen des Jean Delcour am Grabmal des Bischofs Eugène-Albert d’Allamont in der Kathedrale St. Bavo in Gent. Wie die Inschrift „TV NOS AB HOSTE PROTEGE“ erklärt, ruft man ihn um Hilfe gegen den Widersacher an (die Klinge ist modern, das Aussehen der ursprünglichen nicht bekannt: Foto Marburg 199 849; [53] Bd. 1 Taf. 77; Marie-Madeleine Robeyns, Jean del Cour, Paris 1977, S. 19).

Schutz verheißt der mit Kreuz und F. gerüstete Putto einer Stuckgruppe Christian Wenzingers im s. Seitenschiff der ehem. Stiftskirche St. Gallen (Ad. Fäh, Führer durch die Kath. von St. G., Zh. 1913, S. 47); überwunden liegen Drache und Feind zu seinen Füßen. Die Inschrift ist Zitat von Eccli 6,14: „PROTECTIO FORTIS“.

B. Teufel

Darstellungen des Teufels mit F. sind bislang seit der M. 16. Jh. nachgewiesen. Die diesen zugrundeliegende Vorstellung gründete auf Erklärungen, wie sie schon eine lange Zeit Augustinus zugeschriebene Chrysostomus-Übersetzung bot: das F. bezeichne auch Gewalt über die Hölle („gehennae potestatem“: [11]; [11 a]).

Ausgangspunkt für eine ganze Gruppe von Denkmälern ist ein 1556 dat. Holzschnitt des Jacobus Lucius d. Ä., der die Vorführung Adams und Evas durch den Teufel vor den göttlichen Richter und den dadurch ausgelösten Streit der Töchter Gottes wiedergibt. Der Teufel trägt am Gürtel ein F. (mit dt. Text: Strauss, Single-leaf woodcut, Bd. 2 S. 639; Ausst.kat. „Lukas Cranach. Gem. Zchgn. Druckgraphik“, Basel 1974, Bd. 2 S. 513; mit lat. Text: Andr. Blühm, Der Streit der Tugenden um die Menschheit - ein Beitrag zur Ikon. der Reformationszeit, Niederdt. Beitr. zur Kg. 28, 1989, S. 68 Abb. 3; Beispiele für die zahlreichen Wiederholungen vom sp. 16. bis zum sp. 17. Jh. ebd. S. 65 Abb. 1, S. 67 Abb. 2 und S. 71 Abb. 6, ferner Ansbach, ehem. Stifts- und Hofkirche St. Gumbert, Epitaph der Katharina Vogel, Gemälde, 3. Dr. 16. Jh. (Foto Bayer. LA. für Dpfl., München); Köln, Schnütgenmus. (M. 195), Gemälde, A. 17. Jh. [60, S. 94 Abb. 154]; Helsinki, Finnisches Nat.mus., Gemälde von 1681 (A. Blühm a. a. O. Abb. 2).

Den Teufel mit Schwert und Pechfackel unter den Versuchern der christlichen Kirche zeigt ein Gemälde des M. de Vos in der Schloßkapelle zu Celle, um 1569/1576; die Inschrift zitiert Eph 6,16, wonach die feurigen Pfeile des Bösen mit dem Schild des Glaubens zu löschen sind (A. Zweite a. a. O. [Sp. 700] Kat.nr. 38, Abb. 48). In Nachstichen des Hieronymus Cock und des Adriaen Collaert ist das Schwert des Teufels ein F. (ebd. Abb. 186; [57] Bd. 2 Taf. 182 Abb. 1387 und S. 247f.). - Ein weiteres Beispiel vom A. 17. Jh.: Federzeichnung in der Staatl. Graph. Slg. München (Wolfg. Wegner, Die Faustdarstellung vom 16. Jh. bis zur Gegenwart, Amst. 1962, S. 13 Abb. 4).

Das F. als Zeichen der „lingua daemon“ steht im „Orbis Phaëton“ des Jeremias Drexel, erschienen 1631 [39].

Er besetzte alle Buchstaben des Alphabets mit Begriffen für verschiedene Arten lasterhaften Redens „Adulatio“, „Blasphemia“, „Consilium malum“, „Detractio“ usw. (Stiche ebd. vor S. 1, 46, 90, 154 ...) und exemplifizierte diese durch historische oder legendäre Begebenheiten.

Auch dem Apoc 13,1-2 beschriebenen siebenköpfigen Drachen gab man bisweilen ein F., so z. B. William Blake in einer Graphik, um 1803/ 1805 (Washington D. C., Nat. Gall. of Art, Inv.nr. B. 11 062: Martin Butlin, The Paintings and Drawings of W. B., New Haven und Ld. 1981, S. 369f. Nr. 521, Taf. 582).

C. Personifikationen

In seltenen Fällen führt Caritas das F. gegen Irrlehrer (ehem. Scheer Kr. Biberach, St. Nikolaus, Deckengemälde des Joseph Esperlin, 1747-1752, 1935 zerst.: Kdm. Württ., Saulgau Taf. 56).

Wohl wegen des mit dem F. verbundenen Hinweises auf das Gericht (s. Sp. 703f.) gab man es Personifikationen der „Correctio“ bei ([47] S. 242 § 211; „Bestrafung“: [45 a] S. 50, [48]; „Punition“: [45] S. 175), ebenso denjenigen der „Göttlichen Rache“ ([45 a] S. 305, [47] S. 367 § 631, [48]; „Vengeance divine“: [45] S. 273). Zu „Punitio“ s. unten Sp. 726.

Das F. konnte der Ecclesia (Kirche) zuerkannt werden wegen der Deutung, es bezeichne „praedicatio sancta“ (s. auch Sp. 734).

Auf dem Schalldeckel der Kanzel im Passauer Dom, um 1722/1726, steht Ecclesia, umgeben von Engeln und Putti; einer von diesen hält F. und Palmzweig (Foto Bayer. LA. für Dpfl., München; s. auch Kdm. Bayern, Ndb. 3 S. 63f., Abb. 36f. und Taf. VI).

*Fides kämpft mit dem F. (Inschrift: „verbum Dei“, vgl. Sp. 732) in einem Holzschnitt des Monogrammisten A P von 1536 siegreich gegen „Incredulitas“ und die an sie geketteten Vertreter von „Mors“, „Diabolus“ und „Peccatum“ ([51] Bd. 13 S. 14 Nr. 6; s. auch RDK VIII 781). - S. ferner Richard Daye, A Booke of Christian Prayers ..., Ld. 21578, fol. 62v („Faith“).

Das F. ist verschiedentlich Attribut sowohl von Iustitia als auch von „Iudicium“. Als „ignis flammeus“ kennzeichnet es in besonderer Weise die „Iustitia vindicativa“ (Lauretus: [42] S. 496).

Das erste Blatt einer Stichfolge von Luca Penni (Entw.) und Monogrammist L.D. (Ausf.) mit Darstellungen der sieben Todsünden, um 1547, zeigt deren Überwindung durch Iustitia, an die sie laut dem von der Dextera Dei entrollten Schriftband „Confringe eos in virga ferrea“ gekettet sind (Henri Zerner, École de Fontainebleau. Gravures, o. O. Paris] 1969, Nr. 85 und 85bis). Beide Fassungen des Stichs sowie ein diesem folgendes Gemälde des Pieter (?) Claeissiens, um 1584 (Ausst.kat. „Werke alter Meister aus Priv.bes.“, Mainz 1968, S. 46f. Nr. 19), geben die gekrönte Iustitia mit F. und Waage wieder. - Ein Deckengemälde von Joh. Anton Gumpp in der Renatuskapelle von Schloß Lustheim bei München, 1687, zeigt die Glorie des hl. Renatus, den u. a. Iustitia mit F. begleitet [56, Bd. 3,2 S. 482f.].

Zu Wiedergaben der Iustitia mit F. als Vertreterin des Gerichts bei den vier letzten Dingen s. Sp. 712.

Die mit F. dargestellte Iustitia wurde auch als Herrschertugend verstanden, so von Typotius anläßlich der Imprese für König Karl IX. von Frankreich (Bd. 1 Nr. XLII).

Sind Iustitia und „Iudicium“ einander gegenübergestellt (vgl. Ps 96,2), kann dieses durch das F., jene durch die Waage charakterisiert sein (Abb. 14).

Der „Iustitia divina“ gab man ein F. in die Hand, da mit dessen Eigenschaften sowohl der strafende („iudicium flammae ignis“) als auch der zu bewegende (s. Sp. 702 und 726), nachsichtige Richterspruch Gottes am besten veranschaulicht zu sein schien (vgl. Rupert von Deutz: [28] S. 273).

Unter den bisher bekannt gewordenen Beispielen ist die Darstellung in der 1644 erschienenen franz. Ripa-Bearbeitung des Jean Baudoin [41, T. 2 S. 58] das früheste: Der entsprechende Stich des Jacques de Bie zeigt „Iustice-Divine“ gekrönt, mit Waage, Hl. Geist-Taube

und in der Rechten mit dem F. (ebd. S. 56). Diesem Bildentwurf folgt die Ripa-Ausgabe von 1698 ([44] Bd. 2 Fig. 39 nach S. 342, Erklärung S. 343f.). F. und Waage als Attribute der „iustitia divina“ verzeichnet Chrn. Ludolph Reinhard [47, S. 309 § 405].

Gelegentlich verlieh man der Misericordia das F. Das war möglich, weil man, obwohl Gott das F. an einem bestimmten Platz als Wache aufgestellt hatte, aus der Beweglichkeit des F. (s. Sp. 702) folgerte, es würde seinen Standort verändern können, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt wären. Diese dem F. von Gott verliehene Eigenschaft verstand man als Ausdruck göttlichen Mitleids (vgl. u. a. Gregor [16]; Paterius [19]; Beda Venerabilis [20]; Ps.-Beda [22]; Alkuin [23]; Glossa ordinaria [26] Sp. 97; Rupert von Deutz [28] S. 273; Ps.-Hugo von St-Victor [31 a] Sp. 755; Andreas von St-Victor [32]; Aelred von Rievaulx [32 a] Sp. 292; Lauretus [42, S. 496]).

Das Bildnis Papst Clemens VIII. (1592-1605) in einem Stich des Jan Sadeler d. Ä. (1560-um 1600), dessen Unterschrift Prov 20,28 zitiert („misericordia et veritas custodiunt regem et roboratur clementia thronus eius“), wird von zwei geflügelten Gestalten flankiert, die wohl Misericordia und Veritas personifizieren; erstere hält ein F. und das Buch mit den sieben Siegeln ([51] Bd. 21 S. 181 Nr. 589, Bd. 22 Abb. S. 162).

„Punitio“ mit F. und „Timor“ sind dem Rahmen eines Kupferstichs eingefügt, der die Flucht deutscher Söldner zeigt und zu einer zeitgenössischen, der Wierix-Werkstatt zugeschriebenen Stichfolge über den Kampf um Antwerpens Zitadelle, um 1578/1579, gehört ([57] Bd. 2 S. 300 Nr. 1660, Taf. 228).

„Spiritus“ kämpft in einem Stich des Jan Sadeler d. Ä. mit dem F. Dargestellt ist der Mensch zwischen „Vita“ und „Mors“; im Vordergrund findet der Kampf zwischen „Spiritus“, begleitet von „Charitas“, und „Caro“, sekundiert von „Mundus“, statt, erläutert durch die Gal 5,17 entlehnte Beischrift ([51] Bd. 21 S. 163 Nr. 490, Bd. 22 Abb. S. 148).

Als Attribut der Theologie vertritt das F. auch das Wort Gottes (s. Sp. 731f.), so in einem Kupferstich des Etienne Delaune (1516/1518 bis 1583; A.-P.-F. Robert Dumesnil, Le peintre graveur franç. ..., Bd. 9, Lpz. 1865, S. 103f. Nr. 345, S. 104f. Nr. 351; C. G. Boerner, Neue Lagerliste, 59: Alte Graphik, Neuerwerbungen, Ddf. 1972, Abb. S. 29).

Veritas mit F. und Palmzweig betrachtet sich in einem Kupferstich des Daniel van den Brenden, dat. 1630, in einem von „Tempus“ gehaltenen Spiegel (Jacob Cats, Spiegel van den ouden ende nieuwen Tyt [Titelbl.], Amst. 1635; wieder in: ders., Alle de Wercken ..., Amst. und Utrecht 1700, T. 1 S. 477).

Man teilte Personifikationen der Vernunft gelegentlich ein F. zu, weil dieses der „schnell beweglichen und glühend heißen“ Ratio vergleichbar war (so schon Philon von Alexandrien: [2] S. 176f. § 27-30; [2 a] S. 179 § 27f., mit ausführlichen Begründungen), so bei J.-B. Boudard („Raison“ [46] Bd. 3 S. 89) oder bei Christian Sambach und/05. Stöber, wo sie den Lastern droht (Abb. 23). Die Vernunft hält, auf Schlangen stehend, ein F. in der Rechten, während ihr die halb entschleierte Offenbarung den Berg Golgotha weist (Radierung von Daniel Nikolaus Chodowiecki, 1777, Titelbild zu: Georg Friedrich Seiler, Der Geist und die Gesinnungen des vernünftigen Christenthums ..., Coburg 1778: Jens Heiner Bauer, D. N. Ch. Das druckgraphische Werk, Hann. 1982, Nr. 378).

„Zelus“ – Glaubenseifer – ist in einem Thesenblatt von 1655 zu Ehren des Erzbischofs von Gran (Esztergom) Georg Lippay de Zombor mit einem F. wiedergegeben. Im Dedikationstext gedachte man des Erzbischofs als einer „Säule der Wahrheit“ und rühmte seinen Eifer gegen die gottlosen Feinde. Die Personifikation hält ein F., mit dem sie Häretiker, Türken und die schlangenhaarige Personifikation des Lasters in die Flucht schlägt (Inschrift „Zelavi super iniquos Psal. 72“, V. 3; Joh. Bapt. Bottan [Entw.] und B. Kilian [Stich]: [61] S. 193-196 Kat.nr. 41, Abb. 99; vgl. auch Sp. 719).

Breysig sieht durch das F. den „Eifer des wahren Gottesdienstes“ charakterisiert [48].

S. ferner RDK IV 953 (Eifer) und Drouleurs S. 234, s. v. „Zèle“.

D. Gestalten des Mythos

Anteros nutzt das F., um ein vor seinen Wagen gespanntes Liebespaar anzutreiben, in einem Gemälde des Agostino Carracci, Wien, K.hist. Mus., Inv.nr. 2363, gegen 1590 (I. Bolten, Notes on Abraham Bloemaerts Drawings of the Golden Age, in: De Arte et Libris. Fs. Erasmus 1934-1984, Amst. 1984, S. 27, Taf. 12; Nachstich: ebd. Taf. 16).

Als Bild kriegerischen Wütens war das F. als Attribut von Bellona und Eris zu gebrauchen. So charakterisiert gehen sie im Zug des Zeus, wie ihn C. L. Reinhold beschrieb [47, S. 216].

E. Sonstiges

Zu den Rahmenmotiven einer Holzschnittfolge des Tobias Stimmer gehören zwei Putti, von denen der eine im Schilde das F. (Altes Testament), der andere eine Taube mit einem Ölzweig (Neues Testament) führt (T. St. und Joh. Fischart gen. Menzer [Verse], Neue künstliche Figuren Biblischer Historien, Basel 1576 [Ndr. Mchn. 1923]). In einer Kopfleiste zu J. Basnage a. a. O. (Sp. 704) sieht man einen Engel mit F. und Moses mit den Gesetzestafeln auf der Seite des Alten Testaments (Abb. 16 a).

Auf einem Stich des Juan Schorquens, Titelbl. zu Martin Carillos „Ann. y memorias cronologicas“ von 1620, charakterisiert eine mit F. und den Gesetzestafeln ausgestattete Personifikation die Zeit „sub lege“ (Ewald M. Wetter, Die Kupferstiche zur Psalmodia Eucaristica des Melchor Prieto von 1622, Münster i.W. 1972 [Span. Forschgn. der Görresges., 2. R., Bd. 15], Taf. XXVIII Abb. 40).

Als Repräsentant des dem AT verhafteten Judentums trug ein als vornehmer Jude Gekleideter in der (seit wann?) bis 1784 bestehenden Trierer Karfreitagsprozession Totenschädel, Geißel und F. (letzteres mit der Beischrift „Fallacia“ ?): Abb. 21 (vgl. Ausst.kat. „Für Gott und die Menschen. Die Gesellschaft Jesu und ihr Wirken im Erzbistum Trier, Trier 1991 [Quellen und Abhn. zur mrh. Kirchengesch., Bd. 66], S. 516ff. Nr. 94).

In einer Vignette zu J. Basnage a. a. O. (Sp. 704) von R. de Hooghe sieht man zwei Engel, die für das Neue Testament stehen, den einen mit F. und Schild (mit Christus-Monogramm), den anderen mit Kette und Schlüssel (T. 2, Taf. zu S. 47 und Taf. zu S. 85).

Den mit dem F. gerüsteten „miles christianus“ im Kampf gegen Superbia zeigt Henricus Oraeus a. a. O. (Sp. 702) Emblem 87.

Paulus mit F. und Petrus mit Schlüsseln begleiten die thronende Ecclesia im Titelblatt von Theodor Galle nach P. P. Rubens zu der 1628 in Antwerpen erschienenen Ausgabe des „Breviarium Romanum“ (Corp. Rub., T. 21 Bd. 2 Nr. 18). Als Vertreter der Kirche und deren „praedicatio sancta“ (s. Sp. 734) ist Paulus Pendant zu Moses am Corpus der Kanzel von J.B. Straub in der Abteikirche Schäftlarn, um 1755 bis 1764 (P. Volk a. a. O. [Sp. 720] S. 202, Abb. 140).

Das F. als Attribut des „Guide Loyal“ erläutert eine zeitgenössische Beschreibung vom Empfang des Königs Franz I. von Frankreich 1515 in Lyon.

Die Aufzüge, die dem König bei diesem Empfang vorgeführt wurden, überliefert eine mit Miniaturen des Guillaume II Leroy ausgestattete Hs. in Wolfenbüttel (Hzg. Aug. Bibl., Cod. Guelf. 86,4 Extrav., bald nach 1515: Hans Butzmann, Die ma. Hss. der Gruppen Extravagantes, Novi und Novissimi, Ffm. 1972 [Kat. der Hzg. Aug. Bibl. W., 15], S. 45-47). Der gewappnete, mit dem F. gerüstete „Guide Loyal“ erscheint zweimal, zuerst bei der Überquerung des Rheins durch Chlodwig I. (fol. 7v-8r): er lenkt das von einem geflügelten weißen Hirsch (Kühnheit) gezogene Schiff, in dem die Damen Frankreich und Bretagne stehen, begleitet von „Amour Royalle“ und „Noble Fraternité“ (Abb. 7). Das F. ist laut der fol. 5v beigegebenen Erklärung „épée royale“ und „divise du tres noble et illustre prince et seigneur Charles duc de Bourbon et conestable de France“. Die Notwendigkeit, diesem Schwert die Qualitäten des F. zu verleihen, wird damit begründet, daß Feuer und Schwert den Weg des Königs bereiten müssen: das Schwert schlage die Feinde des Königs, das Feuer verbrenne deren Häuser, Dörfer und Schlösser und reinige so den Weg des Königs - wie Johannes der Täufer den Weg Christi bereitet habe.

Fol. 11v bewacht „Guide Loyal“ zusammen mit „Feal Patron“ (mit Schwert) sowie flankiert von „La Cité de Lyon“ (mit Schloß) und „Loyauté“ (mit Schlüssel) den Stamm, aus dem Franz I. hervorging (vgl. im einzelnen ebd. S. 46f.; Abb.: A. G. Dickens [Hg.], The Courts of Europe. Politics, Patronage and Royality. 1400-1800, Ld. 1977, S. 105).

In der Tradition solcher Darstellungen ist wohl auch die in einer Skizze „Regnum Galie“ genannte gepanzerte Personifikation mit Globus und F. zu sehen, die bei der Übergabe der Regentschaft an Ludwig XIII. im Medici-Zyklus des Rubens am Mast des von den Kardinaltugenden geruderten Schiffes steht (Paris, Mus. du Louvre, Inv.nr. 1784, 1622-1625: Jacques Thuillier, Le storie di Maria de’Medici di Rubens al Lussemburgo, Mail. 1967, S. 88 Nr. 19 und Taf. XLII).

Für das Rostocker Blücher-Denkmal entwarf Joh. Gottfried Schadow i. J. 1812 ein Relief mit der Darstellung der Schlacht bei Ligny. Den zu Boden gestürzten Marschall Blücher schützt der mit F. und Schild bewaffnete „Schutzgeist des Vaterlandes“ (Weimar, Goethe-Nat.mus., lavierte Bleistift- und Federzchg. mit Sepia: Götz Eckardt, J. G. Sch. 1764-1850. Der Bildhauer, Lpz. 1990, S. 197 mit Abb.). - In einem 1817 dat. Entwurf für ein Denkmal auf die Befreiungskriege gab Karl Friedr. Schinkel dem Genius Preußens ein F. als Attribut mit der Begründung, dieser sei „dargestellt mit aufgehobenem Schwerte, als stets wachsam für die Erhaltung seines Kriegsruhms“ (Slg. architectonischer Entwürfe von Schinkel ..., 1. H., Bln. 1819, Erläuterungen: Ausst.kat. „K. F. Schinkel, Archit. Mal. Kgwb.“, Berlin 1981, S. 133f. Nr. 30; Abb. 25).

Solchem Gebrauch des F. begegnet man auch in der Karikatur, z. B. jener auf die Ereignisse von 1848 in München:

Ein geflügelter Bärtiger, der ein Schild mit dem Münchener Kindl als Wappenbild hält, stürzt mit dem F. - wie Michael den gefallenen Luzifer - u. a. Lola Montez in einen weit offenen Höllenrachen („Der Engelssturtz“: Gg. Hermann, Die dt. Karikatur im 19. Jh., Bielefeld und Lpz. 1901, S. 37).

VII. Metaphorischer Gebrauch

A. Wort Gottes

In der Bibel wird das Wort Gottes u.a. mit einem Schwert verglichen (etwa Eph 6,17: „adsumite et gladium spiritus quod est verbum Dei), Gottes Rede als feurig bezeichnet (Ps 118,140: „ignitum eloquium tuum“). Beide Eigenschaften glaubte man mit dem F. vergegenwärtigen zu können (Ps.-Hrabanus Maurus Garnier von Rochefort]: [33] Sp. 940 und 942), um die Wirkungen von Gottes Wort genauer zu beschreiben. Dabei griff man immer wieder auch auf andere bekannte Deutungen des F. zurück.

1. Schwert des Geistes

Da das Wort Gottes Mitteilung des Geistes ist, wurde es als Schwert des Geistes beschrieben. Dieses anschaulich zu machen, bediente man sich bestimmter, mit dem F. verbundener Vorstellungen, dessen läuternder Kraft und der Fähigkeit, in den Menschen einzudringen (Beda [20] S. 71; vgl. Glossa ordinaria [26]). So gebrauchte man das F. als Bild göttlicher Rede und christlicher Lehre (Masen cap. 82 Nr. 11, S. 1107,3).

a. Bekannt ist Verwendung des F. als Bild des „verbum Dei“ in Impresen; sie geht zurück auf diejenige des Kardinals Charles de Bourbon (1433-1488), seit 1475 Erzb. von Lyon (zur Person: Dict. de Biographie franç., Bd. 6, Paris 1954, Sp. 1393f.). Zu dem Motto „N’espoir ne peur“ zeigt die pictura einen aus Wolken ragenden Arm in Albe mit Manipel, wobei die Hand ein F. hält.

In seiner Grabkapelle an der Kath. St-Jean in Lyon, die 1486 begonnen, aber erst 1503 vollendet wurde (Armand Macé, La Chap. des Bourbons à la Cath. St-Jean de L., Lyon 1940-1941, S. 80), zeigt à jour gearbeitetes Rankenwerk die Hand mit dem F. zwischen Schriftbändern mit der Devise, ferner Monogramme von Charles, Pierre, Suzanne de Bourbon und Anne de France (Abb. 6; vgl. ebd. Taf. 12, 14, 16). - Ein Lyoneser Missale von 1487 enthält Holzschnitte, in denen beim Wappen des Kardinals die pictura der Imprese zitiert ist (ebd. Taf. 40). In der Kathedrale von Sens ist ein gesticktes Antependium des späten 15. Jh. erhalten, dessen Rahmenbordüre wiederholt die Imprese des Charles de Bourbon zeigt (Hulst S. 105-114 Nr. 13). Das F. führte auch sein gleichnamiger Verwandter Charles de Bourbon (1490-1527), seit 1515 „Connétable“, in seiner „divise“ (s. Sp. 729f.).

Deutungen zur Imprese des Kardinals bietet erst die Literatur des 16. und 17. Jh.

Mit dem Motto „Autor ego audendi“ vertritt die pictura nach Paradin gemäß Eph 6,17 das Schwert des Geistes, das durch die Predigt vermittelte Wort Gottes (vgl. Sp. 731 und 734), und bezeugt zugleich die Macht der Prälaten („le vray Glaive des Prelats“: [35] S. 55; deutlicher Ferro T. 2 S. 655: „significa la potestà de’Prelati ...“). Typotius, der das Motto mit „Auctor ego audendi“ wiedergibt, verweist auf das Schwert des Geistes, ferner auf die Wächterfunktion des Priesters, der den „mysticus gladius ... ab excubatore Paradisi“ erhalten habe, um es gegen Unfromme und Feinde Gottes zu führen (Bd. 2 Taf. S. 28 und S. 29 Nr. 37; vgl. [54] S. 96).

Eine Medaille mit dem Bildnis des Francesco Visdomini von Ferrara (1509-1573) zeigt auf der Rückseite das von einer Hand aus Wolken heraus gehaltene F. mit der Umschrift „VOX DOMINI IN VIRTVTE“ (Abb. 9).

b. Um die Macht des gedruckten Wortes auszudrücken, wählten verschiedentlich Buchdrucker das F. als Signet in Analogie zum F. als Zeichen der feurigen Rede Gottes, die - gemäß Hebr 4,12 -durchdringender ist als ein zweischneidiges Schwert.

Der seit 1524 in Nürnberg nachweisbare Johannes Petrejus ließ sein Druckerzeichen, das F. mit der an Hebr 4,12 erinnernden Umschrift „SERMO DEI IGNITVS • ET PENETRANTIOR QVOVIS GLADIO ANCI-PITI“ auch auf die Rückseite einer sein Brustbild tragenden Medaille setzen (Joachim Deschler, 1545: Habich, Schaumünzen, T. 1 Bd. 1,2 S. 222 Nr. 1560 und Taf. 167,3; vgl. Heinr. Grimm, Dt. Buchdruckersignete des XVI. Jh., Wiesb. 1965, S. 309). - Ein Beispiel aus der Zeit um M. 16. Jh. ist das Druckerzeichen des 1537-1554 in Genf tätigen Jehan Gérard (Louis Cathérine Silvestre,

Marques typographiques, T. 1, Paris 1853 [Ndr. Amst. 1971], S. 316f. Nr. 577; ebd. T. 2, 1867 [Ndr. 1971], S. 532f. Nr. 918).

c. Man übertrug das Bild vom F. auf die Überlieferung von Gottes Wort und dessen Verkündigung („praedicatio sancta“: Ps.-Hrabanus Maurus Garnier von Rochefort]: [33] Sp. 940; dies eine der Begründungen für die Vergabe des Attributs an Ecclesia [s. Sp. 724] und an Repräsentanten der Verkündigung [s. Sp. 728]).

In dieser Bedeutung gebrauchte man das F. besonders häufig in den polemischen Auseinandersetzungen in der Zeit nach der Reformation, in der die lutherische Kirche die rechte Verkündigung des Wortes Gottes für sich beanspruchte und das F. vor allem bei Darstellungen Martin Luthers verwendete.

So etwa in einer Miniatur im Stammbuch des Andreas Chemnitius: Ein junger calvinistischer Geistlicher, dem ein kleiner Drache teuflisches Gift in das Ohr träufelt, saugt am Busen der „Philosophia“, während der vom Hl. Geist überstrahlte Luther mit dem F. auf der „turris fortissima verbum domini“ steht (Hamburg, Mus. für K. und Gewerbe, Inv.nr. 1908, 524, S. 491, um 1600: Edmund Kelter, Das Stammbuch des A. Ch. 1597-1626, Hbg. 1910 [6. Beih. zum Jb. der Hamburgischen wiss. Anstalten 27, 1909], S. 16 Abb. 1 und 14).

In der Tradition reformatorischer Propaganda steht auch eine Radierung von 1617, die aus Anlaß des 100jährigen Reformationsjubiläums die Lutheraner der Seite des Lebens, die Katholiken aber der „Mors“ überschriebenen Seite zuordnet. Während die Katholiken ins Chaos stürzen, führt Luther mit F. („Wort Gottes“) und Friedenspalme seine Anhänger von der „porta vitae“ hinauf zum gekreuzigten Heiland (Ausst.kat. „Ill. Flugbll. aus den Jhh. der Reformation und der Glaubenskämpfe“, Coburg 1983, S. 84f. Nr. 40).

Gelegentlich interpretierte man das F. „in malam partem“ (vgl. Sp. 723f.) und ließ es Gegner im Glaubenskampf führen.

Der Einblattdruck zum Reformationsstreit, 1606 von Hans Weigel d. J. (Nürnberg) geschnitten, zeigt den auf der Seite der Hölle streitenden „Fendrich“ des päpstlichen Lagers mit F. [55, Bd. 2 S. 662f.].

Der „Sibenkoepffige Caluinisten Geist“ hält in einem um 1619 in verschiedenen Varianten aufgelegten polemischen Kupferstich Buch und F., die durch die Inschriften „Religio“ und „Regio“ erklärt sind und demnach auf den Augsburger Religionsfrieden von 1555 und die Maxime „Cujus regio, ejus religio“ anspielen (E. Doumergue a. a. O. [Sp. 739] S. 162f.; vgl. Ausst.kat. „Ill. Flugbll. ...“ a. a. O. [Sp. 735] S. 66f. Nr. 33). Die Darstellung des Calvinismus (zur Benennung und Erklärung der sieben Köpfe s. ebd. S. 66) folgt der apokalyptischen Vision des aus dem Meer aufsteigenden siebenköpfigen Drachens (Apoc 13,1-2; s. Sp. 724).

2. Stimme Christi

Die Stimme Christi charakterisierte man in Bildern der Bekehrung des Saulus gelegentlich durch ein F. in der Hand eines Engels (Principio Fabricii da Teramo [36] lib. III, 3, 11 S. 167; Kupferstich von Natal Bonifazio da Sibenico).

3. name Jesu

Der ausgesprochene Name Jesu treibt Dämonen in die Flucht. In dem Kupferstich „Typus dulcissimi nominis Iesu“ von Antoine Wierix (Entw.) und Joh. Collaert (Ausf.) ist eines der Epitheta Christi - „fuga daemon“ - durch das F. ins Bild gebracht (2. H. 16. Jh.: [57] Bd. 2 S. 255 Nr. 1423, Taf. 190).

B. Göttliche Hilfe

1. Personen des At und Heilige

Als Bild göttlicher Hilfe für Personen des Alten Testaments und Heilige zeigte man das F.: Engel führen es gegen die Philister (z. B. Neapel, ehem. Certosa di S. Martino, Capp. del Tesoro, Deckengemälde von Luca Giordano, um 1704/1705, Triumph der Judith: O. Ferrari und G. Soavizzi a. a. O. [Sp. 716] Abb. 504, 506 und 508). Ein F. haltender Engel schwebt über den zerbrochenen Rädern, mit denen Katharina gemartert werden sollte (Gemälde von Pieter van den Houte, um 1610/1620, in der Staatl. K.halle Karlsruhe: Jb. Baden-Württ. 26, 1989, S. 185-187 mit Abb. 3).

2. Beistand im Kampf

In einem Deckengemälde in der Pfarrk. St. Michael in Kochel, Obb., um 1730/1735, kommt der Erzengel Michael den Bewohnern von Siponto in der Schlacht gegen die Neapolitaner zu Hilfe [56, Bd. 2 Abb. S. 200].

Gegner im Kampf konnten Ungläubige, Häretiker u. a. sein.

An den Sieg Venedigs über die Mohammedaner in den Dardanellen wurde 1656 in einem Feuerwerksaufbau vor dem Haus des venezianischen Gesandten in Paris durch den Markuslöwen erinnert, der mit dem F. die türkischen Soldaten besiegt (Abb. 13). - Eine Prozessionsfahne im Heimatmus. Fürstenfeldbruck, E. 17. Jh., zeigt einen Heiligen (Johannes Capestranus?) mit F. als Helfer im Kampf gegen die Türken (Ausst.kat. „In Tal und Einsamkeit ...“ a. a. O. [Sp. 719] S. 228 Nr. H. II. 40). - In Mindelheim waren 1766 bei der Karfreitagsprozession u. a. zwei Engel zu sehen, die mit F. gegen Juden, Prädikanten und Türken fochten (Friedr. Zoepfl, Jb. des Hist. Vereins Dillingen a. D. 29, 1916, S. 87).

Der Kampf gegen Häretiker galt als Aufgabe des Herrschers. Darauf weist ein Thesenblatt von 1672 hin, das einen aus dem „Haus Österreich“ kommenden Engel mit F. über den Personifikationen des christlichen Glaubens und des Glaubenseifers zeigt und der deren Verfolgung der Häresie mit dem F. unterstützt (Karel Skréta [Entw.] und B. Kilian [Stich]: [61] S. 101-105 Kat.nr. 8, Abb. 55f.).

Man beschrieb mit dieser F.metapher auch Gottes Beistand im Konfessionenstreit.

Eine Medaille zur Erinnerung an die Schlacht bei Leipzig im Jahre 1631, in der Gustav Adolf von Schweden mit dem schwedisch-sächsischen Heer die kaiserlichen Truppen besiegt hatte, zeigt auf der Vorderseite über dem Schlachtengetümmel einen Engel mit F., den die Umschrift als Bild göttlicher Hilfe erklärt (Karl Domanig, Die dt. Medaille in k.- und kulturhist. Hinsicht ..., Wien 1907, S. 80 Nr. 476 und Taf. 54). Vgl. auch ein Flugblatt von 1632, in dem Gustav Adolf dem mit einem F. den Antichrist überwindenden Michael an die Seite gestellt ist (Joh. Oeder, Augsburg: [54] Abb. 27).

Der Verteidigung des protestantischen Glaubens dient das F. in einem Stich von 1730: Ein Engel bewacht mit dem F. ein aufgeschlagenes Buch, die Augsburger Konfession (Joh. Lorenz Haid [Entw.] und Balth. Sigm. Setlezky [Ausf.]: Angelika Marsch, Bilder zur Augsburger Konfession und ihren Jubiläen, Weißenhorn 1980, Abb. 95f.). Als einem Beschützer des protestantischen Bekenntnisses wird in einem anonymen Flugblatt zum Jubiläum der Augsburger Konfession von 1630 das F. einer gekrönten Gestalt zu Pferde, wohl Gustav Adolf von Schweden, beigegeben (ebd. S. 66f. und Abb. 52).

Im Kampf der katholischen Seite gegen die Protestanten wird gelegentlich Veritas (s. Sp. 726) von Engeln mit F. unterstützt. In dem Titelblatt zu der polemischen Luther-Biographie des Louis Maimbourg S.J. kämpfen drei Putten mit F. als Begleiter der Veritas gegen den bereits gestrauchelten Luther (Hist. du Lutheranisme, Paris 1680: Sp. 664 Abb. 13). Ein Stich von 1686 zeigt die von einem Engel mit F. sekundierte „Verité“ als Überwinderin Calvins (E. Doumergue a. a. O. [s. unten] S. 178, Taf. XXV). - Der Sieg des katholischen Glaubens über dessen Widersacher wird in einem spanischen Kupferstich von ca. 1760 dem Eingreifen eines mit dem F. gerüsteten Engels, wohl des hl. Michael, zugeschrieben, der dem Schiff der Kirche zu Hilfe eilt (E. M. Vetter a. a. O. [Sp. 728] Taf. L Abb. 82).

Ein der Auseinandersetzung mit den Jansenisten gewidmeter Stich von 1654 gibt den von „Religion“ und „Puissance de l’église“ flankierten Papst mit einem F. wieder (E. Doumergue, Icon. Calvinienne, Lausanne 1909, S. 174-176, Abb. S. 175).

Die Feinde der Religion, die Napoleon an der Wiederaufrichtung des Kreuzes Christi hindern wollen, verfolgt Michael mit dem F. und treibt sie auf die Hölle zu: anonyme Radierung von 1801 [59 S. 428f. Nr. 318].

C. Kriegerische Tugend

Mehr als jede andere Waffe kann das F. die „virtus bellica“ eines Feldherrn bezeichnen.

In der Imprese des Andrea del Carretto Sforza ist zum Motto „VIRTVTEM EXTENDERE FACTIS“ ein gepanzerter Arm mit F. dargestellt. Typotius verglich die Flammen des F. mit der Glut der Kampfeslust (Bd. 3 S. 112f. Taf. S. 111). Ebenso erklärte Ferro „la spada con molte fiamme nella cima“ in der entsprechenden Imprese des 1552 verstorbenen Grafen Giov. Batt. Carafa (T. 2 S. 656).

So sind es wohl auch jene kriegerischen Tugenden, die dem neugeborenen Heinrich IV. von Frankreich in einem Bozzetto für den nicht ausgeführten zweiten Zyklus des Rubens für das Palais du Luxembourg durch den Empfang eines F. aus der Hand des Mars übertragen werden (London, Wallace Coll., um 1628: J. Thuillier a. a. O. [Sp. 730] S. 69 und fig. 45).

Boschius kennt das F. mit dem Lemma „NON QUOD SED UBI“ als Emblem des „Bellator“ (cl. II Nr. 252 S. 20).

Zu den Abbildungen

1. Montecassino, Bibl., Cod. 132 (Hrabanus Maurus, De natura rerum), pag. 297 (lib. XII cap. 3). Montecassino, dat. 1023. Foto Bibl.

2. London, Brit. Libr., Ms. Cotton Claudius B IV (Aelfric, Paraphrase zum Pentateuch), fol. 8r, Ausschnitt. England (Canterbury?), 2. V. 11. Jh. Foto Courtauld Inst. of Art, London.

3. London, Brit. Libr., Ms. Cotton Nero C IV (Winchester-Psalter), fol. 2r, Ausschnitt. Winchester (?), um 1150. Foto Courtauld Inst. of Art, London.

4. London, Brit. Libr., Add. Ms. 47682 (Holkham-Bibel), fol. 4v. England, ca. 1320-1330. Nach William Owen Hassall, The Holkham Bible Picture Book, Ld. 1954.

5. Meister Francke, Christus als Schmerzensmann. Gem. auf Eichenholz (92,5 × 67 cm), Ausschnitt (Gesamtabb.: Ausst.kat. „Meister F. und die K. um 1400“, Hamburg 1969, Taf. 19). Hamburg, K.halle, Inv.nr. 499. Um 1400. Foto Mus.

6. Lyon, Cath. St-Jean, Chap. des Bourbons, Detail der Bauzier links neben dem Altar. 1486-1503. Nach A. Macé a. a. O. (Sp. 732) Taf. 12.

7. Guillaume II Leroy, Empfang des Königs Franz I. von Frankreich in Lyon. Min. auf Perg. Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibl., Cod. Guelf. 86.4 Extrav., fol. 7v-8r. Nach 1515. Foto Bibl.

8. Maarten van Heemskerck (Entw.) und Cornelis Bos (Stich), Christus trennt das Herz des Menschen von den Dingen dieser Welt. Kupferstich (29 × 20,5 cm). 1554. Nach H. Peters a. a. O. (Sp. 702) Abb. 43.

9. Pastorino de’ Pastorini, Medaille des Francesco Visdomini von Ferrara (1509-1573), Rückseite. Bronze, Dm. 6,7 cm. 1564. Nach Hill-Pollard Nr. 335.

10. Marten de Vos (Entw.) und Crispijn de Passe d. Ä. (Stich), Erzengel Raziel. Kupferstich (16,2 × 9,2 cm). E. 16. Jh. Foto Mus. Plantin-Moretus, Antw.

11. München, Bayer. Staatsgem.slgn., Deckenmal. aus der Münchener Frauenkirche. Ausschnitt. Gem. auf Holz. München (Sustris-Umkreis), 1604-1609. Nach [56] Bd. 3,1 Abb. S. 222.

12. Hans Reichle, Figurengruppe über dem Portal des Augsburger Zeughauses. Bronze. 1604-1607. Foto W. Neumeister, Mchn.

13. Feuerwerksaufbau vor dem Haus des venezianischen Gesandten Francesco Giustiniani in Paris zur Erinnerung an den Sieg Venedigs über die Türken in den Dardanellen am 14. 9. 1656. Kupferstich (47,1 × 35,5 cm). München, Theatermus., Inv.nr. IV 4352. 1656. Foto Mus.

14. Benediktbeuern, ehem. Benediktinerklosterkirche, Lhs., Personifikationen von Iustitia und Iudicium über der 1. Kap. der S-Seite. Stuck. 1680-1685. Foto Thoma, Benediktbeuern.

15. „Gott sicht, hört, strafft alleß Zu seiner Zeit“, Ölgem. auf Lwd. Tirol, 2. H. 17. Jh. Toblach, Südtirol, Gasthaus „Zum Schwarzen Adler“. Foto L.dkm.amt Bozen (Hans Walder).

16 a und b. Romeyn de Hooghe (Entw.), Kopfleiste und Vignette auf der Rückseite des Vortitels zu J. Basnage a. a. O. (Sp. 704). Kupferstiche (Plattengröße 7,9 × 20,9 und 13,0 × 16,5 cm). Amst. o. J. (1709). Nach dem Original.

17. Egid Quirin Asam, Die vier letzten Dinge, Ausschnitt: Die Hölle. Stuck. Weltenburg Kr. Kelheim, Benediktinerklosterkirche, Vorhalle. 1734-1736. Foto Hamacher, Konstanz.

18. Egid Quirin Asam, Putto mit F. und Scheide. Holz. Straubing, Ursulinenkirche, Hochaltar. 1738/39. Foto Hamacher, Konstanz.

19.Joh. Jos. Christian, Kanzelfuß. Holz. Zwiefalten Kr. Reutlingen, ehem. Benediktinerklosterkirche. Um 1750. Foto Jeannine Le Brun.

20 a. Joh. Gottfr. Haid, „Mors“. Kupferstich (ca. 30 × 20 cm), Bl. 1 der Folge Nr. 26 von Ornamentstichen des Verlags Joh. Gg. Hertel. Augsburg, gegen M. 18. Jh. Foto K.bibl. StMPK, Bln. (Karl H. Paulmann).

20 b. J. G. Haid (Entw.) und Gottlob Rugendas (Ausf.), „Daß Menschliche Leben. Vita humana“. Kupferstich (ca. 20 × 30 cm), Bl. 2 der Folge Nr. 28 von Ornamentstichen des Verlags J. G. Hertel, Augsburg, gegen M. 18. Jh. Foto K.bibl. StMPK, Bln. (Karl H. Paulmann).

21. Trier, Stadtbibl., Hs. 2382/2327 8° (die Gruppen der Trierer Karfreitagsprozession), fol. 17 Nr. 29, Soldaten der Gefangennahme Jesu, die von ihm in den Garten Gethesemane mitgenommenen Apostel sowie ein vornehmer Jude als Repräsentant des AT. Wasserfarben auf Papier, 21,3 × 28,7 cm. Trier, um 1778. Foto Bibl.

22. Joh. Chrn. Thomas Winck, Jüngstes Gericht. Deckengem. in Hörgertshausen Kr. Freising, Pfarrk. 1790/91. Foto Oscar Poss, Regensburg.

23. Chrn. Sambach (Entw.) und Jos. Stöber, Die Vernunft. Kupferstich (Ausschnitt; Gesamtmaße 12,9 × 5,9 cm) in: dies., Iconologie..., Wien 21801, Taf. 47 Nr. 139. Nach dem Original.

24. Michail Iwanowitsch Koslowski, Bildnis des Jakow Fjodorowitsch Dolgoruki. Marmorstatuette, H. ca. 60 cm. St. Petersburg, Staatl. Russ. Mus. Dat. 1797. Foto Esther Kobler, Olching.

25. Karl Friedr. Schinkel, Entw. für einen öffentlichen Brunnen als Denkmal der Ereignisse in den Jahren 1813-1815. Kupferstich in C. F. Schinkel, Slg. archit. Entw., H. 1, Bln. 1819, Taf. 6. Nach dem Original.

26. Jul. Schnorr von Carolsfeld, Illustration zu IV Reg 19,32ff., Holzschnitt (21,9 × 26 cm) aus: Die Bibel in Bildern, Lpz. 1860, Bl. 122. Nach dem Original.

Literatur

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Mehrfach zitiert wurden: 50. Klebeband Klauber - Göz: Augsburg, St.- und Stadtbibl., 2° Kst 224. -51. Hollstein, Dutch Fl. engr. - 52. Cécile Emond, L’icon. carmélitaine dans les anciens Pays-Bas méridionaux, Brüssel 1961 (Acad. Roy. de Belgique. Classe des B.-A., Mém., Ser. in 8°, 2. R. Bd. 12 H. 5). - 53. Knipping. - 54. Andreas Wang, Der ‚Miles Christianus‘ im 16. und 17. Jh. und seine ma. Tradition, Bern und Ffm. 1975 (Mikrokosmos. Beitr. zur Lit.wiss. und Bedeutungsforschg., 1). – 55. Alexander - Strauss. - 56. Corp. Deckenmal. - 57. Marie Mauquoy-Hendrickx, Les estampes des Wierix ..., Bd. 1-3,2, Brüssel 1979-1983. - 58. Ausst.kat. „Zeichen am Himmel. Flugbll. des 16. Jh.“, Nürnberg 1982. -59. Ausst.kat. „Luther und die Folgen für die K.“, Hamburg 1983-1984. - 59 a. Monique Alexandre, L’épée de flamme (Gen. 3,24). Textes chr. et traditions juives, in: Hellenica et Judaica. Hommage à Valentin Nikiprowetzky, Löwen und Paris 1986, S. 403-441. - 60. Wolfg. Pleister und Wolfg. Schild (Hgg.), Recht und Gerechtigkeit im Spiegel der europ. K., Köln 1988. - 61. Sybille Appuhn-Radtke, Das Thesenbl. im Hochbarock. Stud. zu einer graph. Gattung am Beisp. der Werke Bartholomäus Kilians, Weißenhorn 1988.