Flachschnitt

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englisch: Flat-cutting on wood; französisch: Taille du bois en méplat; italienisch: Sezione orizzontale nel'legno.


Peter Germann-Bauer und Friedrich Kobler (1992)

RDK IX, 601–628


RDK IX, 601, Abb. 1 a. Flachschnitt.
RDK IX, 601, Abb. 1 b. Linienschnitt.
RDK IX, 603, Abb. 2. Le Puy (Haute-Loire), M. 12. Jh.
RDK IX, 605, Abb. 3. Naumburg, um 1320.
RDK IX, 607, Abb. 4. Lenzburg, vor 1445.
RDK IX, 609, Abb. 5 a und b. Budapest, 1483.
RDK IX, 609, Abb. 6. St. Petersburg, 2. H. 15. Jh.
RDK IX, 611, Abb. 7. Erfurt, spätes 15. Jh.
RDK IX, 613, Abb. 8. Halberstadt, um 1500.
RDK IX, 613, Abb. 9. Nürnberg, A. 16. Jh.
RDK IX, 615, Abb. 10 a-e. Erhart Falkener, 1510, Kiedrich.
RDK IX, 617, Abb. 11. Weidenbach Kr. Mühldorf, Obb., um 1510/1520.
RDK IX, 617, Abb. 12. Kaltern-Mitterdorf, 1514.
RDK IX, 617, Abb. 13. Ulrich Schmid, 1517, Zürich.
RDK IX, 619, Abb. 14. Wien, 1518.
RDK IX, 619, Abb. 15. Ehem. Berlin, 1539.
RDK IX, 621, Abb. 16. Herford, 1552.
RDK IX, 621, Abb. 17. Chur, 1584.
RDK IX, 623, Abb. 18. Lüneburg, um 1600.
RDK IX, 623, Abb. 19. Lüneburg, 1733.
RDK IX, 625, Abb. 20. Lüneburg, 1740.

I.

A. Definition, Abgrenzung

Als F. bezeichnet man eine Technik des Holzschneidens, bei der die Kontur eines freihändig oder mittels Schablone auf ein geglättetes Brett aufgetragenen Motivs durch einen Schnitt mit schräg nach außen verlaufender Kante umrissen und der Rand des Ornament- oder Bildfeldes durch einen nach innen abgeschrägten Schnitt in mehr oder weniger großer Entfernung von der Kante des Brettes angelegt wird; sodann wird der Grund durch Aussprengen um etwa 5 mm zurückgesetzt und, je nach Holzart, rauh belassen oder geglättet (Abb. 1 a). Als Werkzeug dient ein Messer mit kurzer, spitz zulaufender Klinge und beliebig langem Heft (moderne Handelsbezeichnung „Kerbschnittmesser“; Angaben in der Literatur über die Verwendung des Geißfusses beim F. sind irrig).

Beim Konturschnitt, einer Sonderform des F., ist das meist figürliche Motiv eingetieft, der Grund bleibt als glatte Fläche stehen (fast ausschließlich auf Graubündner Arbeiten nachma. Zeit beschränkt, s. Sp. 624 und Abb. 17).

Vom F. zu unterscheiden ist der Linienschnitt, bei dem allein die Zeichnung (Kontur- und Binnenzeichnung) eingetieft ist, der Grund aber stehen bleibt (Abb. 1 b; Beisp. der Sockel einer Truhe im Bayer. Nat.mus. München, Inv.nr. MA 2647, Bayern, E. 15. Jh.: [7] Abb. 226; [9] S. 442f. Nr. 430.10).

B. Bezeichnungen

Die Bezeichnung F. ist modern. Aus der Entstehungszeit der F.arbeiten sind keine Bezeichnungen für diese Technik bekannt. Oft findet man Arbeiten in F. als Flachschnitzereien bezeichnet, was Verwechslungen mit Flachreliefs (s. Relief) Vorschub leistet, die ihrerseits bisweilen umgekehrt F.arbeiten genannt werden. Frida Schottmüller bezeichnet die F.technik als „Champlevétechnik“ (Wohnungskultur und Möbel der ital. Renss., Stg. 21928 [Bauformen-Bibl., 12], S. 242, zu Nr. 112f.).

C. Hölzer, Anbringung, Handwerker, Formen der Ornamentik

Am besten für den F. geeignet sind die langfaserigen Nadelhölzer Föhre (Kiefer), Fichte, Tanne, Zirbelkiefer (Arve) und Lärche. Unter den Laubhölzern ist Eiche bevorzugt, vor allem in Norddeutschland; in Süddeutschland verwendete man vorwiegend Linde, in Siebenbürgen, der Slowakei und der Schweiz auch Ahorn, in der Schweiz Nußbaum.

Aussagen über die Handwerker, die den F. ausübten, sind infolge der ungenügend erforschten Handwerksgeschichte nur eingeschränkt möglich. In der Schweiz, vor allem im Kanton Zürich, kommen in der Zeit um 1500 zahlreiche Namen von „Tischmachern“ in Inschriften von Holzdecken mit F. vor ([2] S. 176; vgl. auch Joh. Rud. Rahn, Verz. der Inschriften auf Schweizer Flachschnitzereien, ASAK Bd. 8 Jg. 31, 1898, S. 92-94 und 127-129). Die Objekte, die mit F. geziert sind, lassen vermuten, daß es auch in andern Regionen die Tischler (Kistler, Kistenmacher, Kontormacher, Snitker, Schottilier, Schattilger, Schreiner) waren, die F. ausführten. Ob F. an Balkendecken und an Balken von Fachwerkbauten von Zimmerleuten gefertigt wurde, muß offen bleiben.

Es gibt im Harzumland und im nördl. Hessen einige wenige Fachwerkbauten, deren Windbretter Ornamente

in F. tragen (s. oben und Sp. 616). Hier ist es vorstellbar, daß dies Arbeiten der auch in der Bautischlerei tätigen Snitker (Kontormacher) sind. Den Zimmerleuten war es jedenfalls seit dem 16. Jh. an vielen Orten untersagt, Paneel-, Schnitz- und Kontorwerk zu fertigen, was Aufgabe der Snitker war (so in Lübeck 1503, in Lüneburg 1524, in Osnabrück 1559 und 1602, in Münster i. W. 1596/1597 schriftlich zu fassen, vgl. Max Fehring, Das Amt der Tischler in Hamburg, Hbg. 1928 [Diss.-Teildruck], S. 11ff.; Walter Borchers, Volksk. in Westf., Münster i.W. 21975 [Der Raum Westf., Bd. IV,4], S. 25f.)- Ob dieses Verbot den F. einschloß, ist nicht bekannt. F.ornamente an Schwellbalken (s. oben) mögen von Zimmerleuten geschaffen worden sein.

F. wurde sowohl in der Bau- wie in der Möbeltischlerei verwendet für Füllbretter und Pfosten von Täfelungen, Türblättern, Chorgestühlen, Emporen und Kanzeln, an Deckenunterzügen und Wandfriesen, bei Möbeln vorwiegend an Schränken, Waschkästen, Truhen, Tischgestellen, Betten und Bänken (vgl. die umfangreichen einschlägigen Sammlungen des Schweiz. L.mus. in Zürich und des Tiroler Volkskundemus. in Innsbruck). An Fachwerkbauten ist der F. nur regional verbreitet (Windbretter am Haus Marktstr. 40 und 41 in Goslar, um 1520/1530: [8] Nr. 156.2; Schwellbalken an Häusern der Zeit um 1530/1540 in Hannover: ebd. Nr. 157.1-3; s. auch Sp. 625f.).

II. Geschichte des F.

Geschichte des F.

A. Früh- und Hoch-MA

Im Früh- und Hoch-MA kommt F. in verschiedenen weit voneinander entfernten Gebieten vor. Es ist ein Kennzeichen für frühe Arbeiten in F., daß der Grund durch das Aussprengen optisch unwirksam gemacht ist, nicht aber als zurückgesetzte, durch Oberfläche oder/und Fassung zum Ornament kontrastierende Schicht präsent gehalten ist. Entwicklungsgeschichtliche Zusammenhänge zwischen den Regionen, in der Literatur gelegentlich diskutiert oder behauptet, sind nirgendwo konkret zu fassen, und auch zum F. der Spätgotik und der Neuzeit sind keine Verbindungen erkennbar.

1. Früher ISlam und kopt. Ägypten

In der Holzarchitektur des frühen Islam und des koptischen Ägypten kommt F. nicht selten an Baugliedern (Architraven, Pilastern) vor und gleicht entsprechenden Arbeiten in Stein.

Vor allem in Ägypten sind Beispiele zu nennen, so aus der Zeit um 800 aus der Nordkirche des oberägyptischen Klosters Bawit (Hjalmar Torp, The carved decorations of the north and south church at B., in: Kolloquium über spätantike und frühma. Skulptur, Bd. 2: Vortragstexte Heidelberg 1970, Mainz 1971, S. 35-41, bes. S. 38, Taf. 33 Abb. 5f.).

2. Skandinavien

In Skandinavien, vor allem in Norwegen, wurde im Früh- und Hoch-MA der F. neben anderen Techniken der Holzbearbeitung, nämlich flachem Relief, Linienschnitt, durchbrochenem Gitterwerk, nicht nur an ein- und demselben Gebäudeteil oder Objekt verwendet, häufig im selben Bild- oder Ornamentfeld; von einem selbständigen F. kann keine Rede sein. Die Motive und Formen gibt es ebensogut in Holz, in Stein und in Metall.

Für das Vorkommen des F. in der Frühzeit sei auf den Osebergfund, 9. Jh., verwiesen (Friedr. Adama von Scheltema, Der O., Augsb. 1929), insbesondere auf den Wagen mit der Darstellung Gunnars im Schlangenhof (ebd. Taf. XVII), für das im späten 11. oder frühen 12. Jh. auf das Türblatt des Nordportals der Stabkirche von Urnes und das Portal der Stabkirche von Bjølstad (Roar Hauglid, Norske stavkirker. Dekor og utstyr, Oslo 1973, Abb. 20, 23, 13 und 15) und für das im 12. Jh. auf Kirchenportale von Vågå, Hopperstadt und Torpe sowie auf Pilaster und Kapitelle der Kirche von Urnes (Martin Blindheim, Norwegian Roman. decorative sculpture, 1090-1210, Ld. 1965, Abb. 163, 165, 176, 116-133).

3. Auvergne

In einem enger begrenzten Gebiet der Auvergne, im Dep. Haute-Loire, gibt es F. mit figürlichen Darstellungen und reicher Ornamentik aus der M. 12. Jh. an Kirchentüren. Von der Fassung der figürlichen Teile und des Ornaments sind nur Spuren erhalten; die einst reiche Bemalung dürfte sich in nichts von zeitüblichen, vielfarbigen Malereien unterschieden haben; der rauh belassene Grund blieb farblich unbehandelt -die ursprüngliche Wirkung dürfte eher der von Durchbrucharbeiten in Metall geglichen haben als der etwa des spätgotischen F. (Walter Cahn, The Roman. wooden doors of Auvergne, New York 1974; zur Malerei auf den Türen ebd. S. 23ff., Fig. 20 und 42). Die beiden aus Nadelholz gefertigten Türflügelpaare der Kathedrale von Le Puy zeigen Darstellungen aus der Kindheit Jesu und der Passion Christi, dazu Tituli in ornamentaler Rahmung (Abb. 2). Die Türflügel der ehem. Benediktinerinnenkirchen St-Pierre in La Voûte-Chilhac und in Blesle sowie der ehem. Abteikirche St-Egide in Chamalières-sur-Loire zeigen Ornamente in F., besonders Flechtornamente, nur gelegentlich ist Figurales eingefügt (Chamalières-s.-L., Blesle). Wegen bestimmter Ornamente („pseudokufische Buchstaben“) wurde der Einfluß islamischer Kunst angenommen (Ahmad Fikry, L’art roman du Puy et les influences islamiques, Paris 1934, S. 171-184, Taf. XLIXf.).

B. Zeit um 1300

Im deutschen Sprachgebiet gibt es aus der Zeit um 1300 vereinzelt F. an Gestühlen. Der ausgesprengte Grund ist bei diesen Arbeiten weder farbig behandelt, noch bildet er jenen für den späteren F. charakteristischen Gegensatz zur glatten Fläche des Ornaments.

Beispiele sind die Gestühlwangen auf dem Nonnenchor der ehem. Zisterzienserinnenkirche Seligenporten bei Neumarkt, Opf. (Kdm. Bayern, Opf. 17 Abb. 196, unten rechts; [8] S. 172f. Nr. 50), die für ein Gestühl um 1500 oder 1605 wiederverwendeten Wangen in der Kirche von Nürnberg-Kleinschwarzenlohe (Hans Ramisch, Ber. des Bayer. LA. f. Dpfl. 24, 1965, S. 91, S. 93 Abb. 5; [8] S. 181f. Nr. 62) sowie Teile des Gestühls im Ostchor des Naumburger Doms (Abb. 3; das Gestühl wird üblicherweise um 1500 datiert, entschieden zu spät).

C. 1. H. 15. Jh. – um 1540

1. Allgemeines

Die frühesten datierten Beispiele stammen aus dem 2. V. 15. Jh., die weiteste Verbreitung und zugleich die größte Dichte des Vorkommens liegt in der Zeit gegen 1500 und im 1. V. 16. Jh.

Frühes Beispiel ist das 1436-1443 geschaffene Chorgestühl der ehem. Stiftskirche in Berchtesgaden, Obb., bei dem Krabben und Blattwerk in den Maßwerkfeldern des Dorsale und der Kniebank in F.technik gearbeitet sind [8, S. 132f. Nr. 3]. Sekundär verbaute Deckenbalken mit F. an der Fassade des Hauses Lange Straße 12 in Schwäbisch Hall tragen das Datum 1443 (ebd. S. 228f. Nr. 112.1; dat. Beisp. aus den Jahren 1452 und 1461 oder 1462 von Kleincomburg ebd. S. 229-231 Nr. 112.2 und 3).

Der Motivschatz der F.arbeiten ist relativ begrenzt. Den Hauptanteil haben Ornamente, insbesondere Ranken- und Blattwerk, auch Schriftbänder, die manchmal beträchtlich lang und vielfach geknickt sind (Abb. 11, 15), sowie Maßwerk. Nicht gerade selten sind Inschriften (Abb. 10 a), auch heraldische Darstellungen (Abb. 4, 5 a, 6, 15, auch Abb. 17). Figürliches ist in der Regel dem Ornament integriert (Abb. 5 b, 6), nur selten als eigenständiges Bild ausgeführt (so z. B. eine Belagerungsszene und Krieger am 1516 dat. Chorgestühl der ehem. Zisterzienserkirche Heilsbronn, Mfr.: [8] S. 179 Nr. 58; s. auch Sp. 621).

Originale Fassung besitzen nur noch wenige F.arbeiten. Charakteristisch ist die Teilfassung: eine dunkelbraune bis schwarze Einfärbung des Grundes und eine farbige teilweise Bemalung des Ornaments, wobei bei Blatt- und Rankenwerk gern die Überschneidungen angegeben sind.

Eine nahezu unversehrte Fassung dieser Art zeigen die Teile einer 1518 dat. Kassettendecke wohl aus St. Margarethen in der Reichenau, Ktn., im Österr. Mus. für angewandte K. in Wien: die Innenseiten der Blätter sind rot, die Außenseiten grün lasiert, weiße Linien geben Höhungen und Umrandungen an (Abb. 14; [8] S. 564 Nr. 471.8).

Ganzflächige Bemalung ist selten.

Vgl. die Bretter einer Decke um 1505/1510 aus dem Haus Junkerngasse 1 in Bern mit ihren eleganten, von Tieren belebten Ranken (Bernisches Hist. Mus., Bern: ebd. S. 592f. Nr. 478.11; die Fassung ist original, entgegen der Angabe in Kdm. Schweiz 40, Kt. Bern 2, S. 127).

Meist ist die originäre Fassung vergröbernd mit Ölfarben überstrichen (so bei der Decke von 1515 im sog. Festsaal des Klosters St. Georgen in Stein am Rhein: ebd. 39, Kt. Schaffhausen 2, S. 115-119, Abb. 147-149, 152f. und 157; [8] S. 370f. Nr. 322.5; vgl. auch Abb. 10 a-e).

2. Die einzelnen Landschaften

Zentrum der Verbreitung sind die Alpenländer, besonders Tirol, die Schweiz und Kärnten, aber auch die nördlich und südlich angrenzenden Landschaften: Altbayern, Ober- und Niederschwaben, das Oberrheingebiet, Oberitalien, ferner Thüringen und Sachsen, Oberungarn und Siebenbürgen. In anderen Regionen verwendete man den F. selten und oft ist es nicht mehr festzustellen, ob es sich hier um Arbeiten ansässiger (und möglicherweise eingewanderter) Werkstätten oder um Importe handelt. Am Mittelrhein belieferte ein eingewanderter bayerischer Meister, der Abensberger Erhard Valckener, von seiner Werkstatt in Gauodernheim aus das Umland [5].

a. Tirol gehört zu den Gebieten mit besonders reichem Bestand an F.arbeiten. Unter diesen überwiegen profane Möbel und Teile von Stuben (Abb. 12). Bevorzugtes Material ist das Holz der Zirbelkiefer, daneben verwendete man das der Lärche und anderer Nadelhölzer, ausnahmsweise Lindenholz (Türen der Kirche St. Anna, Gde. St. Michael in Eppan, um 1490/1500: [8] S. 312 Nr. 215). Unter den Schmuckformen herrscht ornamentales Rankenwerk vor. Naturnahes Ornament ist vergleichsweise selten, gelegentlich mit abstrahiertem Blattwerk kombiniert (Abb. 9). Einige Male gibt es Maßwerk. Für F.arbeiten aus dem Vinschgau sind „Blütenbäumchen“ charakteristisch, gerade, meist aus Gefäßen aufsteigende Sprosse, die sich nach den Seiten gleichmäßig teilen und in einer Blüte enden (ebd. S. 102). Figürliches spielt eine geringe Rolle, am ehesten noch sind in Rankenwerk eingestreute Tierbilder anzutreffen (ebd. S. 93f. und 103). - Gelegentlich kommen F. und Einlegearbeit zusammen vor (ebd. S. 52f.). Was die - oft erneuerte - Fassung betrifft, scheint bunte Farbigkeit bevorzugt worden zu sein, doch gibt es auch die Verwendung nur einer Farbe (ebd. S. 91 und 287).

Im ausgehenden 15. Jh. lag der Schwerpunkt der Verwendung anscheinend im Südteil des Landes (Bruneck, Sterzing, Brixen, Bozen); für die Zeit um und nach 1500 ist, bei sehr viel größerer Zahl an Erhaltenem, auch im Nordteil reichere Anwendung der F. vorauszusetzen (Innsbruck, Schwaz; Türen mit F. in Fuggerzimmer und -kammer auf Schloß Tratzberg bei Jenbach, dessen Ausstattung dem 1512 verstorbenen Schwazer Tischler Hans Reiter zugeschrieben wird: ebd. S. 106 und 288f. Nr. 193). Im Vinschgau sind datierbare Arbeiten erst von etwa 1520 an erhalten (Decke aus der 1521 geweihten Kirche von Matsch im Tiroler Volkskde.mus. Innsbruck: ebd. S. 505f. Nr. 461.35).

Im Trentino, das mit Tirol kirchlich und politisch eng verquickt war, kommen F.arbeiten nur vereinzelt vor, sicher von den Tiroler Werken angeregt: Chorgestühl der um 1493 erbauten Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Fiera di Primiero [8, S. 292f. Nr. 107], Türen und Möbel in Schloß Pérgine östlich Trient, um 1500 (ebd. S. 341-343 Nr. 259), Decke einer Stube aus Schloß Chaldes, um 1500, im Tiroler Volkskde.mus., Innsbruck (ebd. S. 507f. Nr. 461.37), Tür aus dem Nonstal, dat. 1521, ebendort (ebd. S. 509 Nr. 461.42).

b. Auch in der Schweiz ist die Zahl erhaltener F.arbeiten außerordentlich hoch. Bevorzugtes Holz ist das der Fichte, in Graubünden das der Zirbelkiefer; in wenigen Fällen wurde Weißtanne verwendet, selten Hölzer von Laubbäumen (Nußbaum, Ahorn, Linde). Bei Fassungen scheint - ähnlich wie in Tirol - bunte Farbigkeit vorgeherrscht zu haben [8, S. 115].

Mit F. verzierte man vornehmlich Decken (Abb. 13) sowie profanes und kirchliches Mobiliar, auffallend oft Chorgestühle (ebd.), und gebrauchte ihn vorwiegend für Rahmenornamente, für Spiral- und Wellenranken und für Bänder, hin und wieder auch für flächendeckende Ornamente (Rosetten). Besonderes Kennzeichen der Schweizer Arbeiten ist die Häufigkeit von Figuralem: das Rankenwerk beleben Tiere, sehr oft Vögel, auch Szenen wie z. B. die von anderen Vögeln wieder zurückgejagte Eule (Deckenfries aus dem Haus Junkerngasse 1 in Bern, um 1505/1510, s. oben Sp. 606, und am Baldachin des Chorstuhls in der ehem. Stiftskirche Zofingen, Kt. Aargau, um 1518: ebd. S. 344f. Nr. 263, dort auch weitere Beisp.) oder eine Hirschjagd (Decke der Pfarrkirche in Mönchaltdorf, Kt. Zürich, von Ulrich Schmid, 1522: ebd. S. 379 Nr. 333). Auch „selbständige“ Bildfelder gibt es wiederholt, z. B. am eben genannten Chorstuhl in Zofingen (Mittelfeld der vorderen Brüstung: von Würmern zerfressener stehender Leichnam, dazu Memento-mori-Spruchband; Paul Leonh. Ganz und Theodor Seeger, Das Chorgestühl in der Schweiz, Frauenfeld 1946, Taf. 49f.; Kdm. Schweiz 21, Kt. Aargau 1, S. 359 Abb. 281; vgl. auch Abb. 13).

Frühes Vorkommen von F. (Truhe aus Kloster Wettingen im Hist. Mus. Schloß Lenzburg, mit Wappen Wülflinger; Rudolf W. verstarb 1445 als Abt jenes Klosters: Abb. 4; [8] S. 115 und 600 Nr. 482.1) und seine Blütezeit entspricht dem in anderen süddeutschen Landschaften üblichen. Inschriften und Signaturen sind, besonders im Gebiet Zürichs, häufiger als auf F.arbeiten anderer Regionen in und außer der Schweiz (s. Sp. 602).

c. Aus Kärnten sind erst vom ausgehenden 15. Jh. an F.arbeiten anzutreffen (Tür zur W-Empore im Dom von Gurk: [3] Abb. 5; [5] Abb. 142; [8] S. 263 Nr. 164). Diejenigen aus den Jahren um 1515 bis etwa 1540 erscheinen in Stil und Formen vielfach so einheitlich, daß man versucht ist, eine bestimmende Werkstatt anzunehmen, nach der sich andere Tischler richteten. Charakteristisches Ornament ist die „Stabranke“, ein beblätterter, abwechselnd nach der einen und nach der anderen Seite geknickter Ast (Abb. 15). Vom 2. Jz. 16. Jh. an sind neben spätgotischen auch Renss.-Ornamente anzutreffen, z. B. perspektivisch wiedergegebene diagonale Gitter bei der 1514 dat. Decke im Langhaus der Kirche von Oberwollanig, Bez. Villach (Österr. Zs. Dpfl. 22, 1968, Abb. 213; [8] S. 270f. Nr. 173), um die Mitte des Feldes angeordnete Blattwirbel, Rosetten, Delphine und Girlanden (Empore in St. Katharina im Bade in Bad Kleinkirchheim, um 1530: [3] Abb. 1; [8] S. 259ff. Nr. 161), auch Baluster und Perlschnüre (Brüstung eines Gestühls in den Slgn. von Schloß Tratzberg: ebd. S. 556f. Nr. 470.17). - Bevorzugte Holzarten sind Fichte und Kiefer, vereinzelt gibt es Zirbel- und Eichenholz.

Öfters kommt F. und Linienschnitt zusammen vor. Die Farbigkeit reicht von monochromer Fassung mit hinzugesetzten Licht- und Schattenstrichen (Abb. 14) oder lockerer, zweifarbiger Bemalung (rot und gelb bei der Kanzel aus Wöllan oder Oberwollanig im Tiroler Volkskde.mus., Innsbruck, um 1520: ebd. S. 511 Nr. 461.49) bis zu deckend-buntem Farbauftrag (Klagenfurt, Kärntner L.mus., Empore aus der St. Katharinenkirche in St. Ulrich bei Feldkirchen, dat. 1526: [3] Abb. 2; [8] S. 515 Nr. 463.3).

d. Süddeutschland.

Aus Süddeutschland stammen die ältesten datierten F.arbeiten; zu den oben Sp. 605f. genannten Beispielen kommt noch der Abtsstuhl des Wolfram Meiser (reg. 1428-1460) im Klostermus. Hirsau hinzu [8, S. 73 und 222 Nr. 103 c]. Das besagt jedoch nicht, daß der spätgotische F. hier aufgekommen sein müsse.

Die Verbreitung des F. im einzelnen ist recht ungleich.

In Altbayern entstanden F.arbeiten vor allem in der an Tirol grenzenden Randzone der Alpen, aber auch im Vorland (Abb. 11), ferner einiges Wenige in und um München, Landshut, Ingolstadt und Regensburg. In Oberschwaben ist insbesondere das Ulmer Gebiet, Biberach und Memmingen sowie Ravensburg zu nennen, in Württemberg das Land um Stuttgart (bis etwa Calw, Göppingen, Heilbronn, auch Pforzheim) sowie Schwäbisch Hall, östl. und nördl. davon Nördlingen und das Taubertal mit Creglingen, Rothenburg und Wertheim. In Mittelfranken kommen F.arbeiten vor allem im Gebiet von Pappenheim vor (aus der dortigen Augustinerkirche stammen die um 1490/1500 entstandenen Chorstühle in der ehem. Minoritenkirche Köln: Kdm. Bayern, Mfr. 5 Abb. 252; [8] S. 253 Nr. 154) sowie in Nürnberg (sog. Dürerschrank auf der Wartburg, um 1515: Kdm. Thüringen, Hzgt. Sachsen-Weimar-Eisenach Bd. 3,2 [= H. 41] Abb. S. 295), in Oberfranken aus dem Gebiet um Kulmbach (Sakristeischrank aus Willmersreuth in den Städt. Slgn. Kulmbach, 3. V. 15. Jh.: Jos. Maria Ritz, Das Luitpoldmus., Kulmbach 1951, Abb. 8; [8] S. 432 Nr. 427.1).

Mit F. verziert wurden Balkendecken und kirchliche Ausstattungsstücke wie Emporen, Gestühle, Kanzeln, Sakristeischränke. Profane Möbel mit F. gibt es, verglichen mit Tirol und der Schweiz, in Altbayern ausgesprochen selten, in Oberschwaben, Württemberg und Franken zwar häufiger, aber bei weitem nicht in solcher Fülle wie in jenen Alpenländern.

Als Holz ist vornehmlich das von Tanne und Fichte verwendet, bei mehreren Beispielen ist Lindenholz gebraucht, vereinzelt Eichen- und Kiefernholz.

Bei den frühen Beispielen ist in F. gearbeitetes Maßwerk häufig (Gestühl in Berchtesgaden, Abtsstuhl in Hirsau, s. oben; weitere Beispiele bei [8] S. 81). Nach der Jh.mitte überwiegt bei weitem das vegetabile Ornament, das ab etwa 1500 flächenfüllend verwendet wurde (Band- und Rankenwerk, Geäst, üppige Phantasieblüten, Rosetten), dazu - vor allem in Oberschwaben, Württemberg und Franken - Figürliches, bald dem Pflanzlichen integriert, bald eigene Felder einnehmend (Schildträger am Sockelfuß des Sakristeischranks in der kath.

Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Tiefenbronn, dat. 1464: ebd. S. 82 und 233f. Nr. 116).

An originaler Fassung ist kaum etwas erhalten: zurückhaltende Teilbemalung in Rot und hellem Blaugrün zeigt die 1482 dat. hölzerne Tonne der ev. Gottesackerkirche in Liezingen Kr. Vaihingen; die 1518 (?) geschaffene Flachdecke in der ehem. Bibliothek von Kloster Hirsau ist nach Art der Schweizer Decken reich bemalt (ebd. S. 80 und 224ff. Nr. 108, S. 81 und 219f. Nr. 103 a).

e. Ober- und Mittelrhein.

Im Elsaß scheint es kaum F.arbeiten gegeben zu haben. Zu ihnen zählt das Fragment eines Gestühls in der ev. Pfarrkirche in Weißenburg, dat. 1514 [5, Abb. 118]; die Truhen-Vorderseite vom E. 15. Jh. aus Kiefernholz im Frauenhausmus. Straßburg kommt aus dem Kunsthandel (Abb. bei Françoise Lévi-Coblentz, L’art du meuble en Alsace, Paris 1975, Bd. 1 Taf. VII oben).

Auf der badischen Seite des Rheins sind Arbeiten der Zeit gegen und um 1500 in Freiburg i. Br. zu nennen: Windfänge im Münster (der eine 1945 zerst.; Friedr. Kempf, Das Freiburger Münster, Karlsruhe 1926, Abb. 267f.; [8] S. 213 Nr. 96, S. 237 Nr. 121), ein Buchenholz-Tisch aus dem Alten Rathaus im Augustinermus. [5, Abb. 148], Teile des Chorgestühls aus dem Kloster Günterstal, die in die kath. Pfarrkirche von Kirchzarten Kr. Freiburg gelangten [8, S. 222 Nr. 105]. Die kath. Kirche in Niedereggenen Kr. Lörrach besaß ein Chorgestühl vom A. 16. Jh. mit Teilen in F. (Kdm. Baden 5 Fig. 71; [8] S. 239 Nr. 126), die kath. Kirche in Gernsbach Kr. Rastatt einen Sakristeischrank um 1500 (Kdm. Baden 12,1 S. 162; [8] S. 241 Nr. 133).

Am Mittelrhein beherrschte die Werkstatt des „Erhart Falckener von Abensperck. vsz bairn. wanhaft zu gaw Odernheim“ das Feld (Inschrift am 1510 dat. Laiengestühl in der kath. Pfarrkirche zu Kiedrich: Abb. 10 a). Die ersten signierten Werke Falkeners stammen aus dem Jahr 1496, das letzte ist das Kiedricher Gestühl (Abb. 10 a-e).

Maßwerk in F.technik ist bei den Arbeiten Falkeners häufig, Inschriften sind zahlreich. Das oft stilisierte vegetabile Ornament zeigt sich von sonst nirgends erreichter Vielfalt. Am Kiedricher Gestühl sind vereinzelt Renss.-Motive anzutreffen (Vasen, Kelche usw.). An Hölzern wurde in gleichem Maß Nadel- und Eichenholz verarbeitet. - Von den Arbeiten der Werkstatt Falkeners abhängig ist das Gestühl von 1518 in der Kirche Udenheim und das 1524 dat. Laiengestühl in der ev. Pfarrkirche von Manubach. - Zu Falkener vgl. Alban Grimm, Über die Kirchenbänke des Meisters E. F., Staatsexamensarbeit Mainz o. J. (1965; masch.); [5]; [8] S. 67-71 und 242ff.

f. Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Steiermark.

Im Österreich außerhalb Tirols und Kärntens ist der bekannt gemachte Bestand an F.arbeiten sehr gering. Es sind Schränke (in Salzburg im Stift Nonnberg und im Mus. Carolino-Augusteum: Kdm. Österr. 7 Fig. 245; Ausst.kat. „Spätgotik in S. ...“, Salzburg 1976, Abb. 266; [8] S. 277 Nr. 181, S. 547 Nr. 469; im Oberösterr. L.mus., Linz: ebd. S. 531ff. Nr. 466.1f.) oder Tische (ebendort; ebd. Nr. 466.7f.), ein Armlehnsessel (in Schloß Strechau, Stm., um 1480: [8] S. 280f. Nr. 186.1; [9] Abb. 139, hier irrig 1462 dat.), meist aber kirchliche Ausstattungsstücke wie Gestühle (z. B. das Chorgestühl in St. Cäcilia, Bez. Murau, Stm., gegen 1500: Kdm. Österr. 35, Abb. 274; weitere Beisp. bei [8] S. 273f., 278-281, 493, 530 und 536f.) und ein Lesepult (in Stift Kremsmünster, O.Ö., 3. V. 15. Jh.: Kdm. Österr. 43, Abb. 255; [8] S. 275 Nr. 179 b). Die Herkunft und damit auch der urspr. Anbringungsort einer Balkendecke um 1500 im Oberösterr. L.mus., Linz, ist unbekannt (ebd. S. 536 Nr. 466.10).

Zum Problem des oft irrig 1445 dat. Sakristeischranks aus Tamsweg von 1455 s. ebd. S. 54-56.

g. Mittel- und N-Deutschland.

Über die Verbreitung des F. in den Gebieten nördl. der mitteldeutschen Gebirgsschwelle vom Taunus bis zum Riesengebirge ist nur schwer ein Überblick zu gewinnen. F.arbeiten scheinen hier im allgemeinen seltener zu sein als im Süden, und manchmal besteht der Eindruck, als seien Einflüsse von dort wirksam geworden.

So erinnert eine Tür von 1512 am Rathaus in Alsfeld, Hessen, mit ihren verschlungenen Distelblattranken an Tiroler [8, S. 241f. Nr. 135], der Sakristeischrank von 1494 in der ev. Stadtkirche in Schotten, Hessen, an schwäbische und Schweizer F.arbeiten (ebd. S. 250f. Nr. 149; die ursprüngl. Bemalung in Gelb, Rot und Weiß gut erhalten), der aus der ev. Stadtkirche in Friedberg stammende Schrank aus dem 1. V. 16. Jh. im Hess. L.mus. Darmstadt speziell an die Bibliotheksschränke in Kloster Hirsau ([9] Abb. 178f.; [8] S. 474 Nr. 441), und der „Spieltisch des Jan van Leyden“ in der Domkammer des Doms in Münster i. W., um 1500, aus dem Kapitelhaus, was die Muster betrifft, sowohl an Tiroler F. als auch an das Chorgestühl von St. Martin in Memmingen (ebd. S. 484 Nr. 452; [9] Abb. 76).

Weitere Beispiele sind in Hessen das Chorgestühl in der Pfarrkirche von Münzenberg, dat. 1491 (Kdm. Hessen, Kr. Friedberg Fig. 139 und 140 a-d; [8] S. 248 Nr. 145), in Westfalen Schwellen und Balken des Hauses Marktstr. 10 in Soest, um 1500 (im Krieg zerstört; Kdm. Westf. 16 Taf. 137 Abb. 1 und 3; [8] S. 254 Nr. 155). In Niedersachsen sind Schwellbalken, Knaggen und Windbretter an Fachwerkbauten in Goslar, Hannover und Hildesheim mit Ornamenten in F. verziert (ebd. S. 255f.), aber auch Türen (Rathaus in Goslar: Kdm. Prov. Hannover 2,1,2 Fig. 287; [8] S. 254 Nr. 156); Reste einer Täferung aus Kloster Walkenried verwahrt das Braunschweig. L.mus. in Braunschweig (Kdm. Braunschweig 6 S. 346, Abb. 236), einen Schrank und einen Tisch aus dem Goslarer Rathaus das dortige Heimatmus. (Hans-Günther Griep, Ma. Goslarer K.werke, Bd. 1, Goslar 1957, Abb. S. 47; Kdm. Prov. Hannover 2,1,1 Fig. 284; [8] S. 478 Nr. 446,1 und 2.

In Thüringen und Sachsen sind F.arbeiten so zahlreich, daß auf einstmals weite Verbreitung geschlossen werden kann, die der in S-Deutschland kaum nachstand. Kirchenausstattung überwiegt.

Das Chorgestühl in der Schloßkirche von Altenburg ist vielleicht um 1460/1480 entstanden (Kdm. Thüringen, Hzgt. Sachsen-Altenburg 1 Abb. S. 100; [8] S. 384 Nr. 344: die Jahreszahlen 1503 und 1516 wohl später eingeschnitten; bei [8] auch die meisten folgenden Beispiele), das der Kirche von Heilingen, Bez. Gera, 1498 datiert (ebd. S. 388 Nr. 254); der Chorstuhl in der Stadtkirche St. Michael in Kranichfeld, Bez. Erfurt, entstand um 1520 (Kdm. Thüringen, Hzgt. Sachsen-Meiningen 4 Abb. S. 147). - Ein Kanzelbrett in der Kirche von Gleisberg bei Roßwein stammt aus der Zeit um 1500 (Kdm. Kgr. Sachsen 25 Abb. 67), die im Krieg verbrannte, reich verzierte Kanzel aus der Schloßkapelle von Hohnstein bei Stolpen trug das Datum 1513 (ehem. Mus. des Sächs. Alt. Ver. Dresden: Otto Wanckel [Hg.] und Ed. Flechsig [Text], Die Slg. des Kgl. Sächs. Alt.ver. zu D. in ihren Hauptwerken, Dresden 1900, Taf. 97). In der Sakristei von St. Afra in Meißen steht ein Schrank mit F. aus der Zeit um 1500 (Kdm. Kgr. Sachsen 39 Fig. 557); ein Wandschrank aus dieser Zeit in der Sakristei der Michaeliskirche in Erfurt (Kdm. Prov. Sachsen N.S. 2 Abb. 479 c), eine Truhe in der Kirche von Reichenberg Ldkrs. Dresden (Kdm. Kgr. Sachsen 26 Fig. 220ff.). Im späten 15. Jh. hergestellte Tische verwahr(t)en das Angermus. in Erfurt (aus Treffurt: Abb. 7) und ehem. das Mus. des Sächs. Alt.ver. Dresden (aus dem Neustädter Rathaus in Dresden [?]; Walter Hentschel, Dkm. sächs. K. -Kriegsverluste, Bln. 1973, Abb. 565). Die 1512 dat. Tür im Mus. der Stadt Pirna stammt aus dem dortigen Rathaus (Kdm. Freistaat Sachsen 1 Abb. 157).

Lindenholz wurde in Sachsen mehrfach verwendet: Lesepult aus der Kirche von Leipzig-Wahren, E. 15. Jh., im Mus. für Khdw. der Staatl. K.slg. Dresden in Schloß Pillnitz (Kdm. Kgr. Sachsen 16 Fig. 110-112; Kat. Khdw. der Gotik und Renss. 13. bis 17. Jh., Dresden 1981, S. 25 Nr. 18); Füllungsbretter vom Chorgestühl der Kirche von Ebersdorf bei Lichtenwalde, A. 16. Jh. ebendort und in Ebersdorf selbst (ebd. S. 21 Nr. 10, mit Abb.; Kdm. Kgr. Sachsen 6 S. 57f. und Fig. 27-35).

Mit den F.arbeiten in Thüringen und Sachsen hängen diejenigen in der ehem. Prov. Sachsen und Anhalt und in der Mark Brandenburg zusammen.

F. aus der Zeit um 1500 findet sich an zahlreichen Chorgestühlen, so an dem der Liebfrauenkirche Halberstadt (Abb. 8), der Jakobikirche in Sangershausen (ebd. 5 S. 63), der Marienkirche in Salzwedel (Hans Stegmann, Meisterwerke der K. und des Khdw., Lübeck 1905, Taf. 46); weitere Beisp. bei [8] S. 384-394). Das Chorgestühl der Marienkirche in Stendal schuf um 1508 der Tischler Hans Oswalt (Lisa Schürenberg, Das ma. Stendal, Burg b. M. 1929 [Dt. Bauten, 14], Abb. 84); Arbeiten des Tischlers Hans Oswalt sind die Gestühle der Andreaskirche in Eisleben, um 1510/1520, das etwa gleichzeitige der ev. Pfarrkirche in Hergisdorf Ldkrs. Eisleben und das 1521 dat. in St. Nikolai in Eisleben (Kdm. Prov. Sachsen 19 Abb. 50-52; ebd. Bd. 18 Abb. 38f.; Zs. f. Kg. 5, 1936, S. 227ff. Abb. 2f. und 5f.). Das Gestühl der Dorfkirche von Trebbus Ldkrs. Finsterwalde ist gleichfalls 1521 dat. (Kdm. Prov. Brandenburg 5,1 Abb. 469). - Aus Vasen aufsteigende Ranken und ein Schriftband zeigt die 1541 dat. Kanzel der Dorfkirche von Stolzenhain Ldkrs. Herzberg (Kdm. Prov. Sachsen 15 S. 67, Abb. 43f.). Eine Predella der Zeit um 1500 steht auf dem Altar der Dorfkirche in Großrössen Ldkrs. Herzberg (ebd. S. 24 und Abb. Nr. 14). Schränke aus derselben Zeit gibt es im Dom von Halberstadt ([9] Abb. 79; Peter Wilh. Meister und Herm. Jedding, Das schöne Möbel..., Mchn. 1966, Abb. 25f.), in der Stadtkirche St. Laurentius in Havelberg (Kdm. Prov. Brandenburg 1,1 Abb. 106), in der Johanniskirche in Werben Ldkrs. Osterburg (dat. 1493; Kdm. Prov. Sachsen N.S. 4 Taf. 200,a) und im Schloß von Wernberg (Kdm. Prov. Sachsen 22 S. 83); durch Figurales (Vögel in Ranken) bemerkenswert ist der ehem. Tuchmacherschrank um 1500 in der Nikolaikirche in Jüterbog ([9] Abb. 78; die Farbigkeit wohl im 18. Jh. erneuert). Der Wandschrank in der Dorfkirche von Berlin-Wartenberg, um 1500, wurde 1945 mit dieser zerstört; ob das etwa gleichzeitige Lesepult in der Marienkirche von Königsberg/Neumark erhalten ist, ließ sich nicht ermitteln (R. Bergau, Inv. der Bau- u. Kdm. in der Prov. Brandenburg, Bln. 1885, S. 447 mit Fig. 157, S. 770 mit Fig. 288). - Eine Tür mit F.ornamenten gibt es im Rathaus von Jüterbog (um 1500; Bildhdb. Dtld. Bd. 14 Abb. 108).

h. Im NO des deutschen Sprachgebietes gibt (gab) es, nach dem publizierten Material zu urteilen, F.arbeiten nur vereinzelt.

Genannt seien Gestühle in der Dorotheenkapelle an der Marienkirche in Danzig (um 1500; Maria Beek-Goehlich, Die ma. Kirchenstühle in Westpreußen und Danzig, Stg. 1961 [Bau- und Kdm. Osten, R.B, Bd. 4], Abb. 186; [8] S. 417 Nr. 408), in der kath. Pfarrkirche von Schroda (Środa; mit dem Wappen des Bischofs Johann Lubranski, reg. 1498-1520: Kdm. Prov. Posen 3 S. 282, Abb. 184) und in der Kirche von Cumehnen (A. 16. Jh.; Kdm. Ostpreußen 1 S. 43, Abb. 24) sowie der Abtsstuhl aus der Klosterkirche See-Buckow in Pommern (1476; Stettin, Mus. [ob noch?]: RDK II 813/814 Abb. 7).

Aus Schlesien ist an erster Stelle der aus der Domsakristei stammende, 1455 datierte Archiv-Schrank im Diöz.mus. Breslau zu nennen (Kdm. Niederschlesien 1,1 S. 154f.; [7] Abb. 252-254; [8] S. 657 Nr. 499). Beispiele des späten 15. Jh. sowie von 1517 und 1519 bietet Hans Lutsch (Bearb.), Bilderwerk Schles. Kdm., Breslau 1903, Textbd. Sp. 293, Mappe 3 Taf. 192 und 194).

i. Ehemaliges Oberungarn, Siebenbürgen.

F.arbeiten sind im wesentlichen in jenen Gebieten verbreitet, wo damals ein größerer Teil der Bevölkerung deutsch war oder dieser erheblichen Einfluß hatte: in den ehem. oberungarischen Komitaten Saros mit Bartfeld (Bartejov, Bártfa) und Zips mit Leutschau (Levoča, Löcze) und Käsmark (Kežmarok, Késmárk), in Siebenbürgen vor allem in der Gegend um Bistriz (Bistrita, Besztercze), Kronstadt (Brasov, Brasso), Hermannstadt (Sibiu, Nagyszeben), Mediasch (Medias, Medgyes) und Schäßburg (Sighisoara, Segesvár).

Die frühesten erhaltenen F.arbeiten, die mit einem festen Datum verbunden sind, stammen aus den Jahren 1480 und 1483 (Bistriz, Tür des Kapitelhofes: Victor Roth, Die dt. K. in Siebenbürgen, Bln. 1934, Abb. 190; [8] S. 400 Nr. 378.2; Budapest, Ungar. Nat.mus., sog. Mátyás-Gestühl aus Bartfeld: Abb. 5 a und b; ebd. S. 124).

Bei den qualitativ meist sehr hochstehenden, fast ausnahmslos aus Laubholz (Linde, Ahorn) hergestellten F.arbeiten gibt es eine Reihe von Besonderheiten.

Als Ornament ist in größerem Umfang als sonst Maßwerk verwendet (ebd. S. 128), bei den vegetabilen Ornamenten herrschten Wein- und Dornblattranken vor (dabei Stabranken). Das sog. Mátyás-Gestühl trägt zahlreiche Wappen, unter denen die des Kg. Mathias Corvinus und seiner Gemahlin hervorgehoben sind (Abb. 5 a; [6] Abb. 5-14; [8] S. 347f. Nr. 496.9). Renss.-Ornamente gibt es schon zu A. 16. Jh., z. B. Palmblätter am Chorgestühl von St. Ägidius in Bartfeld (Kornél Divald, Die St. Ägidiuskirche zu B., Archaeologiaí értesitő N.F. 35, 1915, Taf. 74 und 76; [8] S. 129 und 410f. Nr. 398 b). Figürliches kommt nur selten vor; das sog. Mátyás-Gestühl mit seinen Drachen und Bestien ist eine dieser Ausnahmen (Abb. 5 b). Vielfach gibt es - wie sonst nur in Tirol (s. Sp. 607) - F. und Einlegearbeit am selben Möbelstück (ebd. S. 126ff.; Chorgestühl aus Göllnitz Gelnice, Gölnicbanja], um 1490/1500, im Kgwb.mus., Budapest: [4]; [8] S. 654f. Nr. 497.9).

Die meisten Anregungen für die F.arbeiten sowohl in Oberungarn als auch in Siebenbürgen dürften von Tirol, Kärnten und Schwaben ausgegangen sein, doch manche kommen auch von den italienischen Künstlern (Kunsthandwerkern), die zur Zeit Kg. Mathias Corvinus’ und von ihm ins Land geholt in Ungarn tätig waren. Namen sind nur wenige bekannt, so der des Johannes Reychmunt in Schäßburg (ebd. S. 130).

j. Oberitalien.

In die Terra ferma („Etschgebiet“, „Venezien“) lokalisiert wird eine Gruppe von F.arbeiten des 3. Dr. 15. Jh. und des beginnenden 16. Jh., die durch die Verwendung von Punzen zur Verzierung sowohl des Grundes als auch der - häufigen -figürlichen Darstellungen (Abb. 6) oder durch Brandmalerei für Binnenzeichnung auffällt. Eine präzise Lokalisierung innerhalb des Gebietes fehlt, da keines der bekanntgemachten Möbel (Stühle, Truhen) am ursprünglichen Standort steht.

Beispiele bei Otto von Falke in: Gg. Lehnert, Ill. Gesch. des Kgwb., Bln. 1907, 1. Bd. S. 402; Schubring, Cassoni, Bd. 1 Nr. 743-750, Bd. 2 Taf. 158f.; Herm. Schmitz, Das Möbelwerk, Bln. 1936, Taf. 78 und 80; Augusto Pedrini, Il mobilio. Gli ambienti e le decorazioni del Rinascimento in Italia. Sec. XV e XVI, Flor. 1948, Fig. 105; Liubov Faenson u.a., Ital. cassoni, Leningrad 1983, Abb. 138-149; [8] S. 5.

Dieser F. kommt nach Frida Schottenloher „auch in der Lombardei und südlich bis in die Marken vor. Beispiele im Castello Sforzesco in Mailand, im Victoria und Albert Museum und anderen ital. und dt. Museen, der Slg. Dr. Figdor in Wien u.s.w.“ (a. a. O. [Sp. 602] S. 244 zu Nr. 161).

Eine Truhe mit F., ehem. Slg. Castigiani in Wien, wird in die Toskana lokalisiert; die Vertiefungen der flach geschnittenen Teile waren „anscheinend früher mit dunkler Masse ausgelegt“ (ebd., dazu Taf. 67, unten rechts).

D. Seit etwa 1540

In vielen Landschaften, in denen im 1. Dr. 16. Jh. F. eine gängige Technik war, wurde sie in den Jahren nach 1540 aufgegeben. Tischler, die sie weiterhin anwandten, legten auf jene differenzierte Handhabung in älterer Zeit kaum noch Wert. Am längsten wurde der F. in den Apenländern tradiert, insbesondere in der Schweiz, auch in N-Deutschland, wo Mobiliar mit F.verzierung sogar in Regionen vorkommt, in denen diese Technik vorher so gut wie nicht belegt ist (Schleswig-Holstein, N-Hessen, Mecklenburg).

Über Häufigkeit und Verbreitung des F. beim Fachwerkbau kann Verläßliches kaum gesagt werden, zu selten sind einschlägige Angaben in der Literatur, zu unsicher oft genug die Befunde.

So ist es z. B. ungewiß, ob das F.ornament der Pfosten und Fußbänder-Masken, Ranken, Laubwerk- am Haus Kattgraben 13 in Korbach (Haus Schwalenstöcker) dem Bau von 1593 angehört oder der Erneuerung des Oberbaus von 1659 (Kdm. Kassel N.F. 3 S. 138, Taf. 73).

In Tirol wurden auch nach der Jh.mitte Truhen mit F. verziert, des öfteren in Kombination mit Linienschnitt und Kerbschnitt. Eine Gruppe, deren datierte Stücke aus den Jahren 1559, 1562 und 1574 stammen, wird fragweise in das Ötztal lokalisiert ([8] S. 550 Nr. 470.6, S. 105, S. 498 Nr. 461.11). Für andere Möbel mit F. sei eine Bank mit der Jahreszahl 1557 in den Slgn. von Burg Kreuzenstein, N.Ö., genannt (ebd. S. 527f. Nr. 465.28).

In der Schweiz gibt es - mit Ausnahme von Graubünden (dazu s. unten) - nur noch vereinzelt F.arbeiten. Die Ornamentik der im 16. Jh. entstandenen steht in der Tradition der Spätgotik oder ist nach wie vor an Formen der ital. Renss. orientiert, die Beispiele aus dem 17. Jh. zeigen meist das zeitübliche Beschlagwerk.

Die 1555 dat. Decke aus Schloß Neunkirch zeigt neben Wellenranken Brustbilder in Medaillons sowie eine Tierhatz (Zürich, Schweiz. L.mus.: Kdm. Schweiz 43, Kt. Schaffhausen 3, Abb. 230-232). Die 1582 dat. Decke in der Sebastianskapelle von Inwil, Kt. Zug, ist laut Inschrift von dem Tischler Jorg Weber gefertigt [8, S. 382 Nr. 340]. Ihrer gotisierenden Formen wegen als extrem spät einzuschätzen ist die Decke in der Beinhauskapelle von Reichenburg von 1661 (Kdm. Schweiz 1, Kt. Schwyz 1, Abb. 450; [8] S. 373f. Nr. 374). Türen im Gässlihaus in Engelberg, Kt. Unterwalden, sind 1551 dat. (ebd. S. 375f. Nr. 325.2). Von Möbeln mit F., deren Entste-

hungszeit aus Inschriften hervorgeht, seien eine Truhe von 1550 mit figürlichem Schmuck aus dem Wallis (Zürich, Schweiz. L.mus.: ebd. S. 620 Nr. 490.24) und zwei wohl Basler Truhen, eine von 1575, eine von 1594 erwähnt (ehem. Kaiser Friedrich-Mus., Berlin, und Hist. Mus., Basel: Otto von Falke [Hg.], Dt. Möbel des MA und der Renss., Stg. 1924 [Dt. Möbel vom MA bis zum A. des 19. Jh., Bd. 1; Bauformen-Bibl., 20], Taf. 92, unten, „Südtirol“; [8] S. 117 und 584f. Nr. 477.5).

„Modernes“ Beschlagwerk oder Rollwerk in F. schmückt das Chorgestühl der ehem. Zisterzienserkirche Wettingen, Kt. Aargau, 1601-1604 (Arkadenpfeiler an der Rückwand: P. L. Ganz und Th. Seeger a. a. O. [Sp. 608] Taf. 66; Grund mit Punzenschlägen ornamentiert), und den 1608 dat. Kirchenstuhl der Familie von Tavel in St. Martin in Vevey, Kt. Waadt (Felder der Rückwand; ebd. Taf. 74, unten).

In Graubünden ist die F.technik in Form des sog. Konturschnitts (s. Sp. 601) gelegentlich noch im 18. Jh. anzutreffen.

Im 16. Jh. sind es überwiegend Truhen (die sog. Steinbocktruhen, nach dem Wappentier des Gotteshausbundes, dem Steinbock: Abb. 17; Walter Trachsler, Bündner Möbel, in: Das Rätische Mus. ..., Chur 1979, S. 292-322, bes. S. 295; [8] S. 121-123). Einen Tisch von 1570 besitzt das Hist. Mus. des Kt. Aargau auf Schloß Lenzburg; einen zwei Jahre jüngeren aus Avers das Schweiz. L.mus., Zürich (ebd. S. 602 Nr. 482.6, S. 621 Nr. 490.27). Bei der Gaststube aus Savognin, dat. 1579, im Mus. in St. Moritz sind Türrahmen, Friesbretter am Deckenansatz und Deckenbretter in F. verziert, wobei mehrmals der Steinbock in Konturschnitt eingefügt ist (Gislind Ritz, Alte geschnitzte Bauernmöbel, Mchn. 1974, Abb. 221); [8] S. 605 Nr. 483.4). Als Beisp. aus dem 17. Jh. sei das 1624 dat. Bett aus Stampa angeführt (Das Rätische Mus. a. a. O. S. 310f.). Die Inschrift datiert den Baldachinstuhl des Landammanns Jan Metjer in Langwies ins Jahr 1705 (P. L. Ganz und Th. Seeger a. a. O. Taf. 116).

In Kärnten stammen zwei Decken aus der M. 16. Jh.; beide zeigen Figürliches neben Rankenwerk: Vorhalle der Pfarrkirche von Launsdorf, Bez. St. Veit, und der Filialkirche von St. Martin bei Hochosterwitz, Bez. St. Veit; bei letzterer war der Grund ursprünglich hellgrün bemalt, alle anderen Farben saßen auf weißer Grundierung: Gelb und Grün, auch Rostrot, dieses stellenweise auch

auf dem Blankholz ([8] S. 264 Nr. 166 und S. 266f. Nr. 169).

In S-Deutschland stößt man, vorwiegend im bäuerlichen Bereich, auf F. in gotisierenden Formen (in Oberbayern in Frauenried Kr. Miesbach am Getreidespeicher von 1569 und am Kasten aus Niederneuching in Grub Kr. Ebersberg, dat. 1581: [8] S. 140 Nr. 102, S. 143f. Nr. 15). Das Chorgestühl in der ev. Pfarrkirche Kirchgattendorf Kr. Hof mit seinem Rankenwerk und Wappen in F. und gut erhaltener Bemalung ist 1593 dat. (entgegen ebd. S. 175-177 Nr. 53; von derselben Werkstatt die Truhe aus der Kirche von Untertriebel Ldkrs. Oelsnitz, ehem. im Mus. des Sachs. Alt. ver. Dresden: Kdm. Kgr. Sachsen 10 Abb. 6-10; [8] S. 396f. Nr. 275, mit irriger Dat.; Kriegsverlust). Ausnahmsweise kommt auch die „moderne“ Form des Rollwerks in F. vor (am Dorsale des 1594 voll. Gestühls in der ehem. Zisterzienserkirche Salem: Rud. Busch, Dt. Chorgestühl in 6 Jhh., Hdhm. und Lpz. 1928, S. 37, Taf. 42).

Mittel- und Norddeutschland. In N-Hessen gibt es in den Kreisen Waldeck-Frankenberg und Kassel mehrere Gestühle mit Roll- oder Beschlagwerk in F., so z. B. an der Giebelrückseite des Ratsherrenstandes von 1565 im Städt. Heimatmus. Korbach aus der dortigen ev. Pfarrkirche St. Nikolai der Neustadt (Kdm. Kassel N.F. 3 Taf. 79 Abb. 2) sowie an Gestühlswangen in der kath. Pfarrkirche St. Marien in Volkmarsen, um 1600 (ebd. N.F. 1 S. 179, Taf. 57 Abb. 3 und 5) und in den ev. Kirchen in Wettesingen (1669; ebd. S. 200, Taf. 72 Abb. 1), in Neerdar (1672 von Joh. Chr. Hölen; ebd. S. 173, Taf. 91 Abb. 2) und in Welleringhausen (1675 von Josias Wolrad Brützel; hier F. auch an der Brüstung: ebd. N.F. 3 S. 228, Taf. 110). Der reich mit F. gezierte Kanzelkorb von 1544 in der ev. Pfarrkirche Ottrau, Schwalm-Eder-Kr., ist bez. J. T. (Dehio, Hessen [1982], S. 751f.). Zum Haus Schwalenstöcker in Korbach s. Sp. 623.

In Westfalen und im nordwestl. Niedersachsen schmückte man sowohl städtische als auch dörfliche Fachwerkbauten bis weit ins 19. Jh. mit Ornamenten in F. (Abb. 16; weitere Beisp. bei Otto Gaul, Zierschnitzereien ..., Lippische Mitt. aus Gesch. und L.kde.27, 1958, S. 53-102, Abb. 1f.; ders., Herforder Fachwerkbauten, Herforder Jb. 7, 1966, S. 48-69, bes. S. 60ff., mit Abb.; W. Borchers a. a. O. [Sp. 623] S. 20ff., Taf. IIc, IId sowie 4-6). Gleiches gilt für Mobiliar. Als kirchliches Ausstattungsstück sei das Gestühl von 1572 in der Silvesterkirche in Quakenbrück genannt (Elfriede Heinemeyer und Helmut Ottenjann, Alte Bauernmöbel..., Leer 1974 [Nordwestnieders. Regionalforschgn., 1], Abb. 379 bis 381). Zu Möbeln s. ebd. S. 52, 56 u. ö. sowie eine Fülle von Abb.; W. Borchers a. a. O. Taf. 21f., 24f., 28, 30-33, 47, 51-55, 66, 69f., 85, 99f. - Beispiele aus dem östl. Niedersachsen: Abb. 18-20. An Fachwerkhäusern gibt es F. in Goslar (am Rathausanbau von 1560 ein Schwellbalken mit Drachen: [8] S. 255 Nr. 156.3) und Hannover (Schwellbalken am Ratskloster, 1637: Kdm. Hannover I, 1 Abb. 475; [8] S. 256 Nr. 157.4).

In der Mark Brandenburg gibt es, im Gegensatz zu den westlich gelegenen Regionen, nur einzelne, um die M. 16. Jh. entstandene „Nachzügler“, die F. mit gotisierenden Formen zeigen, so das 1549 dat. Gestühl von Groß Warnow Ldkrs. Perleberg (Dehio, Bez. Neubrandenburg usw. S. 134), das um dieselbe Zeit geschaffene Ratsherrengestühl in der Moritzkirche in Mittenwalde Ldkrs. Königs Wusterhausen (Ernst Badstübner, Stadtkirchen der Mark Br., Bln., 1982, Abb. S. 109, unten). Am 1562 von Klaus Bake geschaffenen Kirchengestühl von Sückow Ldkrs. Perleberg sind Inschriften und Figürliches in F. wiedergegeben (Wolfg. Gericke u.a., Brandenburgische Dorfkirchen, Bln. 21977, Abb. S. 127).

Im mecklenburgischen Basse Ldkrs. Teterow zeigen die Kirchstühle der Familie Bassewitz von 1542 und der Familie Behr von 1567 Wappen und Inschriften in F. (Kdm. Mecklenburg-Schwerin 1 Abb. S. 516f.; Bildhdb. Dtld., Mecklenburg, Bild 8).

Verwendung von F. an Gestühlen in Schleswig-Holstein belegen Fragmente des Gemeindegestühls von 1581 aus der ev. Pfarrkirche von Eckernförde mit Blattwerk und Masken (Schleswig, SchleswigHolst. L.mus. Schloß Gottorf: Kdm. Schleswig-Holstein 5 S. 110-112, Bild 74-77). Truhen mit F. aus der Zeit von der M. 16. Jh. bis zum ausgehenden 18. Jh. besitzt das Städt. Mus. Flensburg (Ellen Redlefsen, Möbel in Schleswig-Holstein. Kat. der Möbelslg. des Städt. Mus. Fl., Heide i. H. 1983, Kat.nr. 209f., 221, 284-287 und 300).

In Siebenbürgen zeigt die Sakristeitür von 1560 der ev. Kirche von Großschenk (Cincul Mare, Nagysink) spätgotische Ornamente [8, S. 402 Nr. 380, b]. Wohl aus Siebenbürgen stammt der 1598 dat. Tisch mit Renss.-Ornamenten im Ungar. Nat.mus. in Budapest (Erzébet Vadászi, Ungar. Kastentische, Ars decorativa 4, 1976, S. 20, Abb. 15f.; [8] S. 653 Nr. 497.6; Viorica Pop, Acta musei Napocensis 17, 1980, S. 545-552), und der Tisch von 1619 im Österr. Volkskde.mus., Wien, bei dem spätgotische Ornamente mit solchen der Renss. vermengt sind [8, S. 565f. Nr. 472.3].

Zu den Abbildungen

1 a und b. Rankenornamente in Flachschnitt (a) und in Linienschnitt (b), Aufsicht und Querschnitt. Details aus [1] Mappe 9 Taf. 8 (a; Windfang im Grünen Saal von Burg Reifenstein bei Sterzing, 1498 [?]) und Taf. 17 (b; Tür aus Schenna im Mus. der Stadt Bozen, 1516 [?]); die Querschnitte Zchgn. Verf.

2. Le Puy (Haute-Loire), Kathedrale, Türflügel mit Szenen aus der Kindheit Jesu, Ausschnitt (Gesamtabb.: W. Cahn a. a. O. [Sp. 605] Abb. 8). Loiregebiet, M. 12. Jh. Foto Bildarchiv Foto Marburg (Nr. 391 622).

3. Naumburg, Dom, Ostchor, Gestühlswange der N-Seite. Eichenholz. Um 1320. Foto Bildarchiv Foto Marburg (Nr. 60 934).

4. Lenzburg, Hist. Mus. des Kt. Aargau, Truhe aus Kloster Wettingen mit Wappen des Abtes Rudolf Wülflinger. Lindenholz, 90,5 × 348 × 65 cm. Schweiz, vor 1445. Foto Mus.

5 a und b. Budapest, Ungar. Nat.mus., Inv.nr. 86/ 1915.2, Chorgestühl aus der Ägidiuskirche in Bartfeld, Details: Mittelfeld des Dorsale mit Wappen König Mathias Corvinus’ und seiner Gemahlin Beatrix von Aragon (a) sowie Mittelfeld der rechten Dorsalwange. Dat. 1483. Fotos P. Germann-Bauer, Mchn.

6. St. Petersburg, Ermitage, Inv.nr. 2256, Truhe. Holz mit Resten farbiger Paste als Einlage, 59 × 36 cm. N-Italien, 2.H. 15. Jh. Nach L. Faenson a. a. O. (Sp. 621) Abb. 137.

7. Erfurt, Angermus., Tisch aus Treffurt a. d. Werra. Weichholz, 80 × 124 × 104 cm. Thüringen, spätes 15. Jh. Foto Mus.

8. Halberstadt, Liebfrauenkirche, Chorgestühl. Um 1500. Foto unbek. Herkunft.

9. Nürnberg, Germ. Nat.mus., Füllungsbrett, eingesetzt in die Platte des Tisches Inv.nr. HG 1936. Zirbelkiefer, 69 × 76 cm. Tirol, A. 16. Jh. Foto Mus.

10 a-e. Erhart Falkener und Werkstatt, Brüstungen des Gestühls in der kath. Pfarrkirche St. Valentin und Dionysius in Kiedrich (Rheingaukr.). Rahmungen Eichenholz, Füllungen Nadelholz, Fassung von 1862-1869 nach Resten alter Fassung. Dat. 1510. Fotos Hess. LA für Dpfl., Wiesbaden.

11. Weidenbach Kr. Mühldorf, Obb., Filialkirche, Empore. Nadelholz, urspr. Fassung, stellenweise übermalt. Um 1510/1520. Foto P. Germann-Bauer, Mchn.

12. Kaltern-Mitterdorf, Schloß Campan, Tür eines Wandschranks in der Täferung der Stube. 1514. Foto P. Germann-Bauer, Mchn.

13. Ulrich Schmid, Decke der 1895 abgebrochenen alten Pfarrkirche in Lindau, Kt. Zürich, Mittelteil. Querbahn 35,5 cm breit, Felder mit den Evangelistensymbolen je 20 × 24 cm. Zürich, Schweiz. L.mus., Inv.nr. 1537. Dat. 1517. Foto Mus.

14. Wien, Österr. Mus. für angewandte K., Inv.nr. F 1530/1, drei Felder einer Kassettendecke. Fichtenholz, je 76 × 76 cm, originale Fassung (einfarbig, mit Licht- und Schattenangaben). Kärnten (vermutlich aus St. Margarethen in der Reichenau), dat. 1518. Foto Mus. (Anton Fesl).

15. Ehem. Berlin, Schloßmus. Inv.nr. 1887,720, Sakristeischrank aus Feldkirchen, Ktn. (Kriegsverlust). Fichtenholz, 212 × 177 × 75 cm. Dat. 1539. Foto Staatl. Mus. zu Berlin, Bln.-Ost, Kgwb.mus.

16. Herford, Städt. Mus., Torbogen vom Haus Johannisstr. 13 in Herford. Eichenholz. Dat. 1552. Foto Mus.

17. Chur, Rätisches Mus., Inv.nr. H 76.513, Truhe aus Oberhalbstein, Kt. Graubünden. Zirbelkiefer, 91 × 182 × 63 cm. Graubünden, dat. 1584. Foto Mus. (Neg.nr. 76.2459).

18. Lüneburg, Mus. des Fürstentums Lüneburg, Haustür aus dem Haus am Sand 30. Hartholz mit Eichenholzauflagen, 227 × 155 cm. 2.H. 16. Jh. Foto Mus.

19. Lüneburg, Mus. des Fürstentums Lüneburg, Truhe aus dem Alten Lande. Kiefernholz, 164 × 92 × 82 cm. Dat. 1733. Foto Mus.

20. Lüneburg, Mus. des Fürstentums Lüneburg, Kleiderschrank aus Bardowieck. Fichtenholz mit Eichenholzauflage, 245 × 206 × 67 cm. Dat. 1740. Foto Mus.

Literatur

1. Franz Paukert, Die Zimmergotik in Deutsch-Tirol, Mappe 1-9, Lpz. 1889-1907. - 2. Joh. Rud. Rahn, Über Flachschnitzereien in der Schweiz, in: Festgabe auf die Eröffnung des Schweiz. L.mus. in Zürich ..., Zh. 1898, S. 171-206. - 3. Günter H. Neckheim, F.arbeiten in Kärnten, Carinthia I 143, 1953, S. 476-487. - 4. Erzsébet Vadászi, La stalle de Gölnicbánya, Ars decorativa 6, 1979, S. 47-70. - 5. Hildegard Sobel, Die Kirchenmöbel Erhart Falckeners und seiner Werkstatt mit bes. Berücksichtigung der Flachschnitzerei, Mainz 1980 (Quellen und Abhn. zur mrh. Kirchengesch., 36). - 6. Julia Kovalevski, Möbel der Gotik und Renss., Budapest 1980 (K.schätze des Ungar. Nat.mus.). - 7. Franz Windisch-Graetz, Möbel Europas. Von der Romanik bis zur Spätgotik..., Mchn. 1982. - 8. Peter Germann-Bauer, Der spätgot. F., Diss. München 1981 (Diss. druck). - 9. Kreisel, Bd. 1 (21981, bearb. von Gg. Himmelheber).