Fink

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englisch: Finch; französisch: Pinson; italienisch: Fringuello.


Gerlind Werner (1986)

RDK VIII, 1309–1337


RDK VIII, 1309, Abb. 1. Ehem. Rom, um 1300.
RDK VIII, 1311, Abb. 2. London, um 1310.
RDK VIII, 1313, Abb. 3. Bernardo Daddi, um 1340, Settignano.
RDK VIII, 1313, Abb. 4. Brüx (Most), vor 1350.
RDK VIII, 1315, Abb. 5. Prag, zw. 1355 und 1364.
RDK VIII, 1317, Abb. 6. New York, um 1440.
RDK VIII, 1317, Abb. 7. London, E. 15. Jh.
RDK VIII, 1321, Abb. 8. Albr. Dürer, 1506, Berlin.
RDK VIII, 1323, Abb. 9. Hans Sibmacher, Nbg. 1596.
RDK VIII, 1325, Abb. 10. P. P. Rubens, um 1625, Vaduz.
RDK VIII, 1327, Abb. 11. Philip Frutiers (Entw.) und Cornelis Galle (Stich), Antw. 1640.
RDK VIII, 1329, Abb. 12. Jan Gerrits Swelinck (Stich), Amst. um 1640.
RDK VIII, 1329, Abb. 13. Jacques de Bie, Paris 1644.
RDK VIII, 1331, Abb. 14. Abraham Mignon, um 1670, Kassel.
RDK VIII, 1333, Abb. 15. Adriaen van der Werff, 1687, München.
RDK VIII, 1335, Abb. 16. Joh. Andr. Pfeffel, Augsb. 1746.

Df. = Distelfink; St. = Stieglitz

I. Definition

Unter den zahlreichen F.vögeln der Alten und Neuen Welt erfuhren nur der Buchfink und die einander näher verwandten F.arten Distelfink (Stieglitz), Zeisig und Hänfling nennenswerte allegorische Deutungen, genommen aus Texten antiker Autoren sowie aus der Beobachtung frei lebender oder in Gefangenschaft gehaltener Tiere.

II. Wort, Namen

Das Wort „Fink“, ahd. „finco“, mhd. „vinke“, ist im Westgermanischen verbreitet [33, S. 109]. Meist ist damit der Buchfink gemeint (das zusammengesetzte „Buchfink“ ist seit dem 13. Jh. belegt: ebd. S. 110f.). Alternative Namen für ihn sind „Rotfink“ (bezeugt seit dem 16. Jh.: ebd. S. 110 sowie [15] Bl. F3v; der RDK III 841f. aufgeführte Rotfink der Conc. car., Temporale 50, ist der „pyrolus“: Lilienfeld, Stiftsbibl., Hs. 151, fol. 51r; Eichstätt, Staatsbibl., Cod. 121, fol. 49v, frdl. Auskunft H. Jurcic, Eichstätt) und „Schildfink“ [33, S. 110]; daneben gibt es, vor allem im Westen, zahlreiche lokale, hier nicht interessierende Benennungen (s. ebd. S. 110-112).

Für den Distelfink, ahd. „distilfinko“ (ebd. S. 115), ist ahd. auch „distilzwi“ gebraucht (ebd. S. 115f., von „zwîôn“, rupfen), mhd. „distelzwang“ (ebd. S. 116). Das Wort „Stieglitz“ ist Lehnwort aus dem Slawischen (Grimm Bd. 10,2,2 Sp. 2828f.; [33] S. 117) und seit dem 13. Jh. im dt. Sprachgebiet verwendet (Albertus Magnus [8] XXIII, 41; vgl. [33] S. 117); bei Schwenckfeld heißt der Vogel auch „Rottkogel“ [21, S. 233].

Der Name des Zeisigs, seit A. 13. Jh. gebräuchlich, ist aus dem Tschechischen entlehnt („čiž“: Grimm Bd. 15 Sp. 519; [33] S. 118), bei Albertus Magnus [8] XXIII, 41 als „cysych“ eingedeutscht. Andere mhd. und neuhd. Schreibweisen sind „zîse“, „zîsel“, „zîsic“, „zîsec“, „zinsle“ (Lexer Bd. 3 Sp. 1135; [7] S. 110 s. v. „ceyx“; [19] Bl. CCLXIIv). Turner nennt auch „Engelchen“ und „Kirschfink“, die sonst für andere Karten gebraucht werden, als Namen des Zeisigs [15, Bl. F4v].

Das Wort Hänfling scheint erst im Spät-MA belegt zu sein: „henfelinc“ (Lexer Bd. 1 Sp. 1247), „heinflinch“ (Lilienfeld, Stiftsbibl., Hs. 151, fol. 257r). Die mhd. alternative Namensform „Hanffink“ („hanef-vincke“, „hanef-vogel“: Lexer Bd. 1 Sp. 1168) ist heute ungebräuchlich [33, S. 119f.]. In der Neuzeit finden sich vereinzelt weitere Namen angegeben: „zoͤtscherlein“ bei Ebner und Peucer [16, Bl. G3r], „Flachsfink“ bei Aldrovandi („Flacszfinck“: [20] S. 848); Heüßlin unterschied zwischen „schösszlin“ gleich Leinfink und „schösserle“ gleich Hänfling [19, Bl. CLXIIIvf.].

Das deutsche „Goldfink“ ist Alternativname des Dompfaffs [16, Bl. F1v] und des Bergfinken [21, S. 229]; daß es auch als Synonym für den Df. oder eine der anderen hier einschlägigen F.arten gebraucht wurde, ist nicht zu erweisen.

Zum niederländ. „Petter, Putter“ s. Sp. 1322.

Die griechischen und lateinischen Namen für den Buchfink sind „σπίζα“, „σπίνος“ und „fri(n)gilla“, „fri(n)gillus“, für den Df. „άϰϰανϑύλλις“, „ἀϰανϑίς“ und „carduelis“ (zu Nebenformen s. Otto Keller, Die antike Tierwelt, 2. Bd., Lpz. 1913 [Ndr. Hdhm. und New York 21980], S. 86). Das schließt - wie auch im Deutschen - nicht aus, daß eine andere F.art einen dieser Namen tragen konnte (Belege bei Henry George Liddell und Rob. Scott, A Greek-English Lexicon, Oxf. 91940 [Ndr. 1966] s. v.; Thes. ling. lat., Bd. 6,1 Sp. 1340, Bd. 3 Sp. 447).

Einige dieser Namen wurden seit dem MA auf andere Karten bezogen.

Der „acanthis“ („achantis“) ist, durch Dazunehmen des Vogels „anthus“ bei Plinius, Hist. nat. X, 42 [2, S. 186] bei manchen Autoren des MA vom „carduelis“ unterschieden, z. B. bei Albertus Magnus [8] XXIII, 26 und Thomas von Cantimpré V, 12 [10, S. 183], und wurde in der Neuzeit mehrheitlich mit dem Zeisig identifiziert ([17] cap. 14; [18] III, S. 1-3; [19] Bl. CCLXIIr; [20] S. 813). Auch mit „spinus“ ist bei den neuzeitlichen Autoren meist der Zeisig bedacht ([15] Bl. F3r-F4r; [17] S. 354f.; [18] III, S. 1-3; [19] Bl. CCLXIIr; [20] S. 807-813; vgl. auch [7] S. 547).

Unter den sonstigen griechischen und lateinischen Namen finden sich als Synonyma für Karten (die aber gelegentlich auch für andere Vögel gebraucht wurden oder mit denen nach heutiger Ansicht andere Vogelarten gemeint sind):

„acredula“ ist im Cod. lat. 14 584, fol. 118r, der Bayer. St.bibl. München mit „distilvinch vel carduelius“ erläutert [6, S. 459.55f.].

Der „ἄνϑος“ bei Aristoteles [1] IX, 609 b. 15, [1 a, S. 57], von Gaza mit „florus“ übersetzt [1 b, Bl. n 1v], ist bei Albertus Magnus [8] XXIII, 41 beim „acanthis“ eingeordnet; Turner [15, Bl. D 6v] verwendet den aristotelischen Namen als Alternativnamen des „carduelis“.

„ἀστραγαλῖνος“ heißt der St. in der Paraphrase der Ornithiaka des Dionysios (Wien, Österr. Nat.bibl., cod. med. gr. 1, „Wiener Dioscurides“, vor 512, fol. 483v, 3. Reihe, 1. Bild: Faks.ed. Graz o. J. [Codd. selecti, 12]; Hans Gerstinger, Kommentarbd. ..., Graz 1970 [ebd., 12*], S. 48).

„aurivit(t)is“ s. „chrysometris“.

„can(n)apeus“ als Name des Hänflings ist erst im Mittel- und Neulat. belegt ([7] S. 94; [18] S. 567).

„chloris“ s. „luteola“.

„χρυσομέτρις“ (Aristoteles [1] VIII, 592 b.32; [1 a] S. 856) ist bei Gaza mit „aurivit(t)is“ latinisiert [1 b, Bl. 19r], und dieser Name ist bei Turner [15, Bl. C2r] neben „chrysomitris“ Synonym des Df. (vgl. auch [18] 226f. und [20] S. 798ff.), bei Schwenckfeld der Bergfink [21, S. 229].

„florus“ s. „ἄνϑος“.

„ligurinus“, bei Turner [15, Bl. F3r-F4r], Belon [17, cap. 14], Gesner [18, S. 1-3], Heüßlin [19, Bl. CCLXIIr] und Aldrovandi [20, S. 807-813] Name des Hänflings, bei Schwenckfeld [21, S. 294] des Zeisigs, ist bei Ebner und Peucer der des Df. [16, Bl. F7r].

„linaria“, allgemein Synonym für den Leinfink, ist in Spät-MA und Neuzeit auch für den Hänfling gebraucht ([7] S. 330; [18] S. 567).

Mit „luteola“ übersetzt Gaza [1b, Bl. 8v] das Wort „χλωρίς“ bei Aristoteles [1] VIII, 592b.l8 [1 a, S. 851]; Turner [15, Bl. F4r-v] sowie Ebner und Peucer [16, Bl. F7v] gebrauchen dieses Wort für den Zeisig.

„ποιϰίλις“, eine nicht identifizierbare Vogelart bei Aristoteles [1] IX, 609a.6 [1 a, S. 610], ist von Belon [17, cap. 13] in der Schreibweise „pikilis“ vorschlagsweise mit „carduelis“ identifiziert, bei Schwenckfeld [21, S. 233] die Bezeichnung des St. bei den Alten („vetoribus“).

„salus“ als lateinischen Namen des Hänflings nennen Belon [17, cap. 16] sowie Ebner und Peucer [16, Bl. G3r: zoͤtscherlein“].

„serinus“ als einen der Namen des Zeisigs bietet Schwenckfeld [21, S. 297].

„taurus“ ist bei Plinius, Nat. hist. X, 42, eine im Arelat beheimatete Art der „cardueles“, so benannt, weil sie das Brüllen der Rinder nachahmt [2, S. 186]. Die Pliniusstelle wird zitiert z. B. von Vinzenz von Beauvais, Speculum naturale XVI, 46 [9, Sp. 1184].

„ϑραυπίς“ (Aristoteles [1] VIII, 592b.30; [1 a] S. 333) gebrauchen Belon [17, cap. 15] und Gesner [18, S. 235] für den Zeisig, Schwenckfeld [21, S. 233] für den Df.

III. Deutungen und Darstellungen in bezug auf Gestalt, Eigenschaften und Fähigkeiten

A. Aussehen

Ausdeutungen nach dem Aussehen gelten dem Df. aufgrund seiner auffallenden Färbung. In seiner Schönheit ist er Christus vergleichbar, der in der Schönheit seiner Tugenden glänzt: Conc. car., Temp. 131 (Lilienfeld, Stiftsbibl., Hs. 151, fol. 130r). Die Kleinheit des St. bedeutet die Demut, seine Farben Rot, Weiß und Grau stehen für die Liebe, die Reinheit und die Einfältigkeit: so Johs. Veghe [13, S. 124]. Er wird den Tugenden Misericordia und Pax zugeordnet, da die Vielfalt der Farben, mit denen Gott sein Gefieder geziert hat, auf die Mannigfaltigkeit seines Erbarmens verweise [14, fol. 276v]. Auch mit den Tugenden Patientia und Abstinentia wird der F. verbunden, da seine roten Federn die „mynnende sel“ an ihren göttlichen Bräutigam ermahnen, der „mit rotem plut überrunnen“ für sie litt (ebd. fol. 277r-v). Für Picinelli verweist die Schönheit von Gestalt und Gesang des St. auf den guten Regenten, der darin aus der Menge hervorragen muß. Diese zwei Eigenschaften können aber auch für Verführung und Schmeichelei stehen, für Dichter und Musikanten (wie z. B. David und Basilius), schließlich für die betende Seele („pulchra et canora“: Picinelli-Erath lib. IV, cap. 15: [30] S. 280 Nr. 238) sowie für jene Frau, welche „voce formaque allicit“ ([31] Cl. III, S. 29 Nr. CCCLXXXII).

B. Sing-, Lock- und Speisevogel

Schönheit des Gesanges zeichnet nach Meinung der meisten Autoren alle F.arten aus. Daneben tritt die Fähigkeit des F., zahlreiche Vogelstimmen nachzuahmen, die in den Conc. car., Hs. 151 der Stiftsbibl. Lilienfeld, auf fol. 72r als die Tugenden eines vollkommenen Menschen gedeutet werden. In dem mitteldt. Gartentraktat „Der lüstliche Würtzgarte“, M. 15. Jh., wird der singende Df. mit dem sein Canticum anstimmenden Simeon verglichen (Bln., St.bibl. StPK, Ms. germ. 8° 515, fol. 6r: Dietrich Schmidtke, Stud. zur dingallegorischen Erbauungslit. des Spät-MA. Am Beispiel der Gartenallegorie, Tüb. 1982, S. 456). Den Tugenden Benignitas und Dignitas wird das „zeyßlein“ zugeordnet, das Gottes „herrigkait“ mit seinem süßen Gesang lobt [14, fol. 279r-v]. Der im Käfig singende Df. übertrifft in der Schönheit seines Gesanges alle Mitgefangenen und ist damit ein Exemplum für überragende Prediger, besonders für Augustinus und P. Famianus Strada (Picinelli lib. IV, cap. 15: [29] S. 104 Nr. 147; Picinelli-Erath lib. IV, cap. 15: [30] S. 280 Nr. 237). Da er auch andere Vögel zum Singen anregt, ist er ein Sinnbild der guten Hirten und Lehrer, insbesondere der hl. Katharina (ebd. Nr. 234).

Auf der zum Hohenfurther Altar gehörigen Tafel mit Christus am Ölberg sitzen St., Dompfaff und Wiedehopf über den drei schlafenden Jüngern in den Bäumen; ob Auswahl und Plazierung der Vögel aus Gründen des Vergleichens mit den Jüngern geschah, ist nicht untersucht (Prag, Nat.gal., um 1350: Matějček-Pešina Taf. 10).

Weil St. und Zeisig auch in Gefangenschaft gut singen, werden sie bei der F.jagd im Herbst als Lockvögel eingesetzt. Die Neigung zur Schwarmbildung verführt die wild lebenden Vögel, auf ihre singenden, gefangenen Verwandten zuzufliegen, wobei sie die gewohnte Vorsicht vergessen und so leicht zu fangen sind [8 a, Bl. K4v]. Die Randleisten im Stundenbuch der Katharina von Kleve zeigen zum Fest der hll. Kornelius und Cyprian neben einem drehbaren Käfig, einer Vogelreuse und einem „Putter“-Häuschen (s. u. III.G.) auch drei tragbare Käfige mit Lockvögeln sowie zwei verhängte Käfige (um 1440: Abb. 6; John Plummer, Die Min. aus dem Stundenbuch der K. v. K., Bln. 1966, Nr. 121), da die gefangenen F. im Herbst besser singen, wenn sie im Sommer im Dunkeln gehalten werden ([18] S. 373; [19] Bl. LIII; [21] S. 261-263; [22] S. 31; [23] S. 253-263; [26] S. 133-144 u. 326-332). Picinelli vergleicht die singenden Lockvögel mit Menschen, die, von Gott gefangen, andere bekehren, wie z. B. der Samariterin, Paulus und dem Mönch und ehemaligen Räuber Moses Aegiptius („captus captat“: lib. IV, cap. 15: [29] S. 103f. Nr. 146; Picinelli-Erath, lib. IV, cap. 15: [30] S. 280 Nr. 236); „in malam partem“ wird durch das Emblem eine zügellose Frau bezeichnet („faemina lasciva“: ebd.). Jacob Cats empfiehlt jenem Mädchen, das die Auswahl ihres Bräutigams nicht dem Vater überlassen will, den Auserwählten nur durch einen Dritten auf sich aufmerksam zu machen, sich selber aber bis zur geglückten Heirat genauso verborgen zu halten wie ein Vogler, der einen F. als Lockvogel ausgesetzt hat und auf die Beute wartet („nisi praeda, quiescit“: Monita amoris virginei ..., Amst. o. J., Nr. XIV S. 45; Abb. 12).

Daß F. nicht nur zum Singen, sondern auch zum Verspeisen gefangen wurden, zeigen im 16. Jh. nicht nur Vorschriften zur Einschränkung des F.fangs [35, S. 30f.], sondern auch die Ermahnung Gesners, die Df. nicht zu verspeisen, da sie mit ihrem Gesang mehr Freude bereiteten [18, S. 237]. Vorwiegend Speisevogel war der Buchf. Ein Stilleben des J. (?) Bock von 1651 gibt die tote Beute einer Vogeljagd wieder, zu der auch ein Buch- und zwei Grünf. gehören (Aukt.kat. Sotheby, London, 11. Juli 1979, S. 76 Nr. 70 mit Abb. 70).

C. Disteln als Nahrung

Nach Aelianus [3] X, 32 ist der Vogel „ἀϰανϑων“ nach der Akanthus-Pflanze benannt, da er sich von dieser Distelart nähre. Isidor [5] XII, 7, 74 berichtet, der griech. wie der lat. Name des Df. rühre von seiner bevorzugten Nahrung her, Dornen und Disteln (ἄϰανϑα, Carduus; vgl. Aristoteles [1] VIII, 592 b). Auch wenn Albertus Magnus darauf hinweist, daß dem nicht so ist, sondern Distelsamen des Vogels Nahrung ausmachen [8, XXIII, 41], bleibt doch die auch im dt. Namen gegebene, etymologisch bestimmte Deutung, wenn auch abgeschwächt, in der Literatur Tradition.

Diese Etymologie veranlaßte wohl Piero della Francesca, in einer Darstellung der „Geburt Christi“ bei den Distelgewächsen des linken vorderen Bildrandes mehrere Df. zu zeigen (um 1470-75; London, Nat. Gall.: Kenneth Clark, P. d. Fr., Ld. und New York 1969, S. 229f., Taf. 119).

Die Conc. car. vergleichen den in Disteln lebenden St. mit Christus (dazu Sp. 1312) zwischen den bekehrten Sündern, deren zerknirschten, demütigen Geist die Disteln verbildlichen. Für Konrad von Megenberg verweist der zwischen Disteln singende und sich von ihnen nährende St. nicht nur auf Gott, der „selber gesungen auf erden unz in den pittern tôt“, sondern auch auf die guten Lehrer, die trotz vieler Leiden in der Welt Gott fröhlich dienen [11, S. 183f.]. In den Sinngedichten der Schwestern von St. Katharina in St. Gallen und in Villingen ist an den Df. die Lehre geknüpft, Gott liebe den fröhlichen Dulder (Hs. des 15. Jhs., vgl. C. Greith, Die dt. Mystik im Prediger-Orden ... nach ihren Grundlehren aus handschriftl. Quellen, Frbg. 1861, S. 277 u. 282).

Joach. Camerarius vergleicht den Acanthis mit dem Tapferen, für den Schicksalsschläge stärkende Nahrung sind (Symbolorum ... centuria tertia, Nbg. 1596 [Ndr. Graz 1986], Nr. 75: Abb. 9). Motto - „his ego sustenor“ - und Pictura - ein auf Disteln sitzender St. - von Camerarius begegnen bei Picinelli wieder, der dies auf jene Gerechten hin auslegt, die geduldig ihr Kreuz tragen (wie z. B. der Papst und Märtyrer Sylverius). Außerdem sieht Picinelli im Bilde des sich von Disteln nährenden Vogels Hinweise auf die schmerzensreiche Liebe der hl. Jungfrau wie auch des unglücklich Verliebten, auf das entbehrungsvolle Klosterleben und die dornenreichen Anstrengungen aller sich um Tugend und Wissenschaft Bemühenden (lib. IV, cap. 15: [29] S. 103 Nr. 141-143; Picinelli-Erath lib. IV, cap. 15: [30] S. 279 Nr. 230-232); letzteres steht unter dem Motto „non terret acumen“, welches sich bei Boschius in der Rubrik „Virgines religiosae“ findet [31, Cl. I, S. 59 Nr. 856]. Pfeffel erkennt in der anspruchslosen Nahrung des St. einen Hinweis auf Genügsamkeit und Seelenzufriedenheit [32, S. 31 Nr. 135].

D. Fruchtbarkeit

Als einen Vogel mit reicher Nachkommenschaft nennt Aristoteles [1] IX 616 b den „αἰγίϑαλλος“ (= Meise?; [la] S. 13), dessen Gelege zwölf Eier aufweist. Plinius berichtet über die zwölf Jungen des „acanthis“ (Hist. nat. X, 63: [2] S. 200), was ma. und neuzeitliche Autoren wiederholen. Genannt seien Thomas von Cantimpré [10, S. 183], Konrad von Megenberg [11, S. 171], Gesner, der dies vom Df. berichtet [18, S. 2], ferner Belon ([17] S. 354f., s. v. „serin“), Schwenckfeld ([21] S. 297, s. v. „Zeisig“), Jonston ([24] S. 98, s. v. „spinus“) und Meyer ([28] S. 21, s. v. „Zeisig“).

Als Attribut der Fruchtbarkeit, Fecondità, erscheint das St.nest in den posthum erschienenen Ripa-Ausgaben seit 1618.

Vgl. Padua 1618, S. 176; Padua 1630, S. 239; Paris 1644 (Abb. 13); Amst. 1644 (Ndr. Soest 1971), S. 579; Ld. 1709 (Ndr. New York und Ld. 1976), S. 29, Fig. 116; Kunst-Göttin Minerva, S. 61f., Taf. Cl. 8 Nr. 3; Ripa-Orlandi, Bd. 3 S. 37.

E. Künder von Jahreszeiten und Wetter

Die etymologische Deutung gründet auf dem lat. Namen für den Buchf. Sextus Pomponius Festus brachte „fringilla“ mit „frigus“ zusammen (und leitete „friguttire“, zwitschern, davon ab: De verborum significatu quae supersunt cum Pauli [Diaconi] epitome, ed. Wallace Martin Lindsay, Lpz. 1931 [Ndr. Hdhm. und New York 21978], S. 80; zitiert z. B. bei [16] Bl. F3v).

Aufgegriffen wurde die Erklärung z. B. von Joannes Balbus, Catholicon („Et dicitur a frigeo, friges“: Ed. princ. Mainz 1460 [Ndr. Westmead 1971], s. v. „frigilla“); in der Neuzeit findet sie sich u. a. in Kommentaren zu Alciati (erstmals in der Ausg. Lyon 1550, zum Emblem 100: „... a frigore dicta ...“).

Nach Aristoteles [1] IX, 613 b lebt der Buchfink im Winter in kalten, im Sommer in warmen Gegenden. In der Neuzeit wurde diese Stelle oft erwähnt ([17] S. 371; [18] S. 2 und 372). Turner [15, Bl. D6r] legte sie so aus, daß man im Winter den Buchfink häufiger in Scharen fliegen sehe, und seiner Deutung folgte Gesner ([18] S. 373; [19] Bl. LIIIv). Als Künder kommender Kälte nennt Heüßlin [19, Bl. CCLXIIr] den Zeisig, Jonston [24, S. 98] den Buchfink. Für Breysig, Bd. 1 S. 250, ist der Gesang des F. Anzeichen kommenden Frühlings.

Aelianus [3] IV, 60 schrieb dem „σπίνος“ die Fähigkeit zu, Ereignisse vorherzusagen, und exemplifizierte dies an Hand von Winter und Schneefall; seine Äußerung ist zitiert bei Gesner [18, S. 2].

In Alciati-Ausgaben gibt es seit der Ed. Lyon 1550, dort als Emblem 100 („In quatuor tempora anni“), die Versinnbildlichung der vier Jahreszeiten durch vier Vogelarten; für den Winter steht der Buchfink ein („Advenisse hyemem fringilla renunciat ales“; vgl. Henkel-Schöne Sp. 743f., mit Abb.). In den Frankfurter Ausgaben von 1580 und 1583 ist das Emblem als Nr. 60 eingerückt, Geoffrey Whitney, A choise of emblemes, Leiden 1586, übernahm es auf S. 54. Zum zugehörigen Holzschnitt und seinen beiden Fassungen s. Jahreszeiten. Aldrovandi [20, S. 816] zitiert das „Advenisse ...“, ebenso Langius (Polyanthea, Sp. 2905).

Ob die bei Theophrast beschriebene Eigenart des „σπίνος“, Regen oder Sturm vorherzusagen (Περὶ σημεῖων ὑδάτων ϰαὶ πνευμάτων ϰαὶ χειμώνων ϰαὶ εὐδίων I,19 und 23, III,39, in: Theophrastus, Enquiry into plants and minor works on odours and weather signs, ed. Arthur Hort, Bd. 2, Ld. und New York 1916 [The Loeb Classical Libr., 79]), in MA und Neuzeit zu bildlichen Darstellungen von F. führte, ist unbekannt (vgl. auch Aratos, Φαινόμενα, ed. Ernst Maass, Bln. 1893, V. 1021-1027).

Mundartliche Ausdeutungen des F.schlags wie „is trieft, ’s trieft“ oder „schütt, schütt“ zeigen, daß der F. auch im dt. Volksbrauch als Regenkünder galt [35, S. 20f.].

F. Feindschaft zwischen dem Fink und anderen Tieren

Antike Schriftsteller berichten des öfteren von zwei Vögeln, welche sich so sehr hassen, daß sich nicht einmal das Blut der getöteten Tiere vermischen läßt.

Plinius, Hist. nat. X, 74 berichtet dies vom „aegithus“ und „anthus“ [2, S. 207f.], Aelianus [3] X, 32 vom „αἰγίϑος“ und „ἀϰάνϑος“, wobei er auch auf die Feindschaft zwischen Grünf. (χλωρίς) und Turteltaube (τρυγόνα; V, 48) wie zwischen St. und Haubenlerche (πολέμια; IV, 5) hinweist, Antigonus vom „aegithus“ und „acanthidos“ (O. Keller, Rerum naturalium scriptores graeci minores, Bd. 1, Lpz. 1877, S. 26, Abschnitt CVI), Plutarch vom „αἰγίθαλλος“ und „ἀκανθύλλις“ (Moralia, 537B: ed. Phillip H. De Lacy und Benedict Einarson, Bd. 7, Ld. 1968 [The Loeb Classical Libr., 405], S. 98).

Das Stundenbuch der Marguerite de Foix aus dem späten 15. Jh. zeigt zweimal einen Kampf zwischen St. und Meise (Abb. 7; London, Vict. Alb. Mus., Ms. Salting 1222, fol. 13r), während Ripa diese zwei Vögel als Zimier für „odio capitale“ wählt (Ed. 1593 S. 181, Ed. 1603 S. 366, unter Berufung auf Plutarch).

Vgl. jedoch Darstellungen von St. und Meise, die friedlich einander gegenübersitzen, z. B. auf den Bäumen des „mystischen Gartens“ in „Le Somme le Roy“ (dem Meister Honoré zugeschr. Miniatur im Add. Ms. 54 180, fol. 69r, der Brit. Libr. in London: [43] S. 72f. Fig. 56).

Weil Esel, wenn sie in den Disteln weiden oder ihre Geschwüre dort schaben, dabei das Nest des „ποιϰίλις“ zerstören, ist der Vogel jenen feind (Aristoteles [1] IX, 1); er rächt sich, indem er mit dem Schnabel in die Nüstern oder in die Geschwüre hackt (Aristoteles [1] IX, 609 A; vgl. Plinius, Hist. nat. X, 74, s. v. „aegithus“: [2] S. 207; Antigonus, LVIII: O. Keller 1877 a. a. O. S. 18).

Nachantike Autoren berichten die Sache meist beim „acanthis“ ([15] Bl. F3v; [18] S. 2; [19] Bl. CCLXIIr; [20] S. 799; [24] S. 98; Samuel Bochart, Hierozoicon ..., Bd. 2, Ld. 1664, hier zitiert nach: ders., Opera omnia, Lyon 1712, Sp. 147) und nehmen den bei Aristoteles [1] VIII, 592 b und bei Plinius, Hist. nat. X, 42 [2, S. 186] vorgebrachten Bericht hinzu, daß der Vogel „anthus“ („taurus“) sich an Pferden und Rindern räche, indem er sie durch Nachahmen ihrer Stimme verwirre (vgl. auch [8 a] Bl. Y5v, [9] Sp. 1184).

Achille Bocchi zieht daraus den Schluß, daß auch der kleine Feind sich zu rächen imstande und daher zu fürchten sei (Symbolicarum quaestionum ... libri, Bol. 1555, S. CXCf. Symb. XCI).

Auf diesen Topos spielt die zwischen 1355 und 1364 entstandene marginale Darstellung am Psalterbeginn in der Prager Handschrift vom „Liber viaticus“ des Johann von Neumarkt an: Hinter David, der mit seiner Steinschleuder Goliath besiegt, sitzt ein St. (Abb. 5).

In den Conc. car., Temp. 45, ist der Bericht des Plinius über die Feindschaft des „achantis“ zum Pferd enthalten und ausgedeutet; in der Hs. 151 der Stiftsbibl. Lilienfeld ist als Übersetzung jedoch das Wort „Grasmücke“ beigegeben.

G. Stubenvogel

St., Zeisig und Hänfling werden in Gefangenschaft leicht zahm. Da sie auch im Käfig hervorragend singen, gelehrig sind und sogar nisten, hielt man sie gern als Stubenvögel ([18] S. 237; [19] Bl. XXVIIr; [35] S. 29f.). Zahme Zeisige kann man durch Stube und Hof fliegen lassen, denn sie kehren auf einen Ruf oder ein sonstiges Zeichen sofort zurück (Caspar Schroeder, Neue und Lustige und Vollst. ... Jagd-K., Ffm. 1728, S. 292f., zit. nach [35] S. 35). In einer Handschrift von 1433 steht eine lat. Anleitung, wie man F. in Käfigen halten, pflegen und ihren Gesang verbessern könne (vgl. Fedor Bech u. a., Eine Anweisung über Finkenzucht aus dem 15. Jh., Zs. für dt. Philol. 8, 1877, S. 337-348).

1. Der im Käfig gefangene, singende F. gleicht jenen Menschen, die, klösterlicher Ordnung unterworfen, Gott lobsingen und das Ewige Leben suchen, aber in der Freiheit des Weltlebens die Kraft dazu nur z. T. aufbrächten ([13] S. 213f., hier vom Df. gesagt). Gefangenschaft im Käfig ist auch Schutz vor den Gefahren der Welt: „Securum carcer facit“ ([31] Index figurarum, Bl. B3r, s. v. „Carduelis“ mit Hinweis auf Cl. III, S. 76 Nr. CMXCV, auf den „Sapiens“ bezogen); der St. wagt dem geöffneten Käfig nicht zu entfliehen, da diesen ein Falke umkreist (ebd. Cl. III, S. 10 Nr. CVIII, „Il mal mi preme, e mi spaventa il peggio“).

2. Der geblendete F.: Buchf. muß man, weil sie sich mit der Gefangenschaft nicht abfinden, die Flügel beschneiden und blenden, damit sie sich nicht durch ständiges Flattern im Käfig selbst Schaden zufügen.

Der geblendete Vogel, der desto schöner singt, je weniger er sieht, ist ein Bild jener Christen, deren Glaube so groß ist, daß sie sich nicht bemühen, die Glaubensgeheimnisse aufzudecken; auch Saulus erfuhr diese, als er geblendet war (Act 9, 3f.; Picinelli lib. IV, cap. 32: [29] S. 118 Nr. 264, und Picinelli-Erath lib. IV, cap. 28: [30] S. 295 Nr. 351, zum von Scipione Bargagli übernommenen Lemma „Caecitate perficitur“, vgl. dessen „Dell’imprese ... Alla prima Parte, la Seconda, e la Terza nuovamente aggiunte:..., Ven. 1594, S. 244).

3. Der entfliegende F. ist ein häufig vorkommendes und unterschiedlich gedeutetes Bildmotiv.

J. Cats belehrt mit dem Bild eines Kindes, das den Verlust des entflogenen F. betrauert, es sei sinnlos, eingetretenes Unglück zu beklagen, es empfehle sich rechtzeitige Vorsicht (Spiegel van den Ouden ende Nieuwen Tijdt ..., ’s Gravenhage 1632: Brigitte Knüttel, Oud Holland 81, 1966, S. 245-258, bes. S. 247 mit Anm. 9). Zum Lemma „Reperire, perire est“ stellte Cats das Bild eines eine Schachtel öffnenden Mädchens; der entfliegt ein F. Der eingesperrte F. ist Sinnbild der wohlbewahrten Jungfräulichkeit, die Schnelligkeit, mit welcher der Vogel bei sich bietender Gelegenheit - beim Öffnen der Schachtel - für immer entschlüpft, Hinweis, wie leicht Unwiederbringliches verlorengeht (Silenus Alcibiadis ..., Middelburgh 1618; hier zit. nach Ausg. Amst. 1622, S. 102f.). Dieses Bildmotiv kommt, vielleicht mit gleicher Bedeutung, in mehreren niederländischen Gemälden aus der 2. H. 17. Jh. vor, z. B. solchen von Godfried Schalcken (1643-1706), von Frans Mieris, 1676 [39, Abb. 23f.], und von dessen Sohn Willem, 1687 (Eddy de Jongh, Erotica in vogelperspectief, Simiolus 3, 1968/1969, S. 50, Abb. 21). Im gleichen Jahr zeigte Adriaen van der Werff in einer Gruppe vor einer Herkulesstatue spielender Kinder ein junges Mädchen, das einen geöffneten Vogelkäfig vor sich hält und lächelnd einen zum Entfliegen bereiten F. betrachtet; einer der Knaben hält eine Katze (Abb. 15; Jochen Becker, „Dieses emblematische Stück stellet die Erziehung der Jugend vor“, Oud Holland 90, 1976, S. 77-107).

4. Kunststücke bei der Nahrungsaufnahme schrieben schon Autoren der Antike den F. zu. Sie darauf abzurichten und ihre Käfige so herzurichten, daß die Vögel ihre Kunstfertigkeit unter Beweis stellen konnten, hat eine lange Tradition, ebenso die Ausdeutung solch geschickten Verhaltens.

Plinius berichtet, Df. gebrauchten Schnabel und Füße so, als seien sie Hände (Hist. nat. X, 42: [2] S. 186). Der gefangene Vogel zieht mit dem Schnabel ein mit Wasser oder Futter gefülltes Gefäß hoch, hält es mit den Füßen fest und läßt es nach der Nahrungsaufnahme wieder fallen (Albertus Magnus [8] XXIII, 41). Das erweist die „astutia“ des Vogels (Vinzenz von Beauvais: [9] Sp. 1184; ebenso Thomas von Cantimpré: [10] S. 195). Konrad von Megenberg bewundert solche „kündichait“ des kleinen Vogels, der mit seinem „witz“ weit größere Tiere wie Rind und Esel hinter sich lasse; er sah darin angedeutet, daß arme Leute häufig ein kluges Kind in die Welt setzen, von Fürsten aber oft ein Narr oder Esel abstamme [11, S. 184].

Petrus Berchorius vergleicht den St. mit einem Prediger, den emporgezogenen Wassernapf zum einen mit der mit Weisheit gefüllten Hl. Schrift, welche der Prediger sich mit Leidenschaft und Verstandesschärfe aneignen müsse, und zum anderen mit Maria, deren Zuneigung er durch den Faden des Gebets, den Fuß der Hingabe und das beständige Lob mit dem Mund gewinnen müsse, um vom Wasser der Gnade trinken zu können ([12] lib. VII, cap. 26, S. 483).

Die Geschicklichkeit des Vogels, von der in der Neuzeit u.a. Turner berichtet [15, Bl. C6r], trug dem St. im Niederländischen den Namen „Petter“, „Putter“ = Schöpfer ein (so zuerst im „Nomenclator“ des Hadrianus Junius, Antw. 1567, s. v. „Carduelis“). Gesner schrieb solche auch dem Hänfling zu ([18] S. 237 und 567, [19] Bl. XXVIIv und CLXXIV), Schwenckfeld dem Df. wie dem Zeisig [21, S. 234 und 297], J. C. Aitinger dem „Zeißlein“ [23, S. 275]. Dieser Fähigkeit entspricht die von Klosterleuten, die Tag und Nacht Gott loben und das Gefäß der Hl. Schrift heranziehen, um das Wasser „scientiae et sapientiae Dei“ zu trinken [20, S. 807]; der singende und schöpfende Zeisig ist Bild von Gotteslob und Fleiß ([32] S. 32 Nr. 137; Abb. 16). Prosaischer erklärte Seb. de Covarrubias Orozco die Geschicklichkeit der F.vögel: Ihr Lehrmeister sei der Hunger gewesen (Emblemas morales, Madrid 1610 [Ndr. Menston 1973], Centuria II Nr. 59, „Docuit ista fames“: Henkel-Schöne Sp. 876f.).

Um sich der Findigkeit von Df. zu erfreuen, ersann man verschiedene Vorrichtungen, zumindest drei.

Eine Darstellung von ca. 1440 (Abb. 6) wie die Icon des Emblems von Covarrubias Orozco zeigt einen angebundenen F. in einem offenen Vogelhaus und über dem Käfiggiebel einen auf Rollen laufenden Faden, an dessen Enden ein Wasser- und ein Futtereimerchen befestigt sind. Diese hängen beidseits des Bauers außen so weit herunter, daß sie dem F. nur durch Emporziehen am Faden erreichbar werden. Hat er das mit dem Schnabel zuwege gebracht, muß er, sollen die Behältnisse nicht in die Gleichgewichtslage zurückgleiten, bei der Nahrungsaufnahme den Faden mit dem Fuß festhalten. Ein St., den Kard. Francesco Gonzaga besaß, konnte, darob vielbewundert, dieses Kunststück ausführen ([18] S. 237, unter Berufung auf Bartolomeo Platina, Liber de vita Christi et pontificum, ed. princ. Ven. 1479).

Carel Fabritius’ Porträt eines St., 1654, läßt den Vogel auf einer halbkreisförmig vor einem Vogelhaus angebrachten Stange sitzen; an einem Metallring um diese hängt die Kette, an die der Df. gelegt ist (Christopher Brown, C. F., Oxf. 1981, S. 126f., Farbtaf. III). In anderen niederländischen Gemälden sieht man unterhalb der Sitzstange noch ein Brett, an dem ein kleines Gefäß angekettet ist, welches in einen für den Vogel unerreichbaren Wassertopf eintaucht (Gerard Dou, 1657 und 1662: Wilh. Martin, G. D., Stg. und Bln. 1913 [Klass. d. K., 24], S. 113 und 110). Wie ein St. mit Schnabel und Fuß den Wasserbehälter emporzieht, schilderte Abraham Mignon (Abb. 14; [40] S. 348 Abb. 11).

In Holland sind einige St.käfige des 18. Jh. mit Vorrichtung zum Wasserziehen erhalten, die dem Vogel noch ein weiteres Kunststück abverlangen ([34] S. 11f., Abb. 2; [40] S. 349 Abb. 15f.): Auf einer Seite des Käfigs befindet sich in Kopfhöhe des Vogels ein Loch, darunter an der Außenseite ein ca. 20 cm langes, etwas schräg nach unten angeordnetes Brett, auf diesem ein Futterwägelchen an einem Faden. An diesem muß der St. den Futterbehälter zu sich heranziehen und bei der Nahrungsaufnahme durch Aufsetzen des Fußes auf den Faden verhindern, daß das Wägelchen wieder wegrutscht (Versuche ergaben, daß zwei von drei Df., doch keiner von acht anderen F.vögeln die Aufgabe zu meistern erlernten: [34] S. 13-22).

IV. Spielgefährte von Kindern

A. Allgemein

Zumal die leicht domestizierbaren und sehr gelehrigen St., aber auch Zeisige waren die bevorzugten Vögel eines anscheinend schon in der Antike verbreiteten, erst A. 20. Jh. in Vergessenheit geratenen Kinderspiels, das aus einem Dressurakt in zwei Stufen bestand [42, S. 592].

Zunächst befestigte man am Halsring oder am Fuß eines zahmen und gelehrigen Vogels einen längeren Faden und brachte an dessen Ende einen T-förmigen Stab an, dessen Längsholz dem Kind als Griff zum Tragen des Spielgefährten diente, während das Querholz, oft mit Glöckchen versehen, Sitzstange des Vogels war. Dieser flog, durch einen Schlag auf die Stange aus dem Gleichgewicht gebracht, empor, ohne entfliegen zu können, und kehrte auf ein Signal der Glöckchen wieder auf seinen Sitz zurück, wofür er einen Leckerbissen erhielt. Statt der Tförmigen Krücke (nach der das Spiel in Holland und Flandern „vogeltje op de kruk“ hieß: ebd.) konnte auch ein Stoffballen oder ein bei Dressurbeginn mit Futter bestücktes Stoffkissen als in der Regel mit Glöckchen versehener Anflugspunkt dienen (ebd. S. 589). Ziel der Dressur war das Spiel mit dem ungefesselten Vogel, der auf ein Zeichen hin auf Krücke, Sitzkissen oder gar auf die Hand des Kindes zurückkehrte.

Zwar gibt es erst vom späten 19. Jh. an genaue Beschreibungen des Dressurvorganges, doch wird das zu allen Zeiten als reines Kindervergnügen angesehene Spiel mit dem Vogel seit der Antike ziemlich kontinuierlich belegt.

Zeugnisse der Antike bieten [42] S. 579f. und Joselijn Mary Catherine Toynbee, Animals in Roman Life and Art, Ld. 1973, S. 278f.; Hinweise aus späterer Zeit findet man u. a. bei Eadmer, Vita Anselmi, lib. II cap. 3, 28 (Migne, P. L. 158 Sp. 92), und in einer Predigt Johs. Geilers von Kaysersberg (Das buch Granatapfel, Strbg. 1516, Bl. N6r), vor allem aber in bildlichen Darstellungen des 16.-19. Jh. [42, Abb. 1f., 4 und 9f.].

Schilderungen des Vogelspiels begegnet man zumal in Kinderbildnissen, solche des Christkinds eingeschlossen. Hin und wieder wurde der Bildvorwurf zur Charakterisierung der kindlichen Altersstufe benutzt (s. auch Lebensalter).

In einer deutschen Holzschnittserie der zehn Lebensalter, 16. Jh., sieht man den Zehnjährigen in der zur Seite gestreckten Rechten ein Stoffkissen halten, auf das der ungefesselt von seiner Linken emporfliegende Vogel überwechseln soll; der Knabe kontrastiert dem Zwanzigjährigen mit einem Falken auf dem Arm [42, Abb. 5]. Auf dem Stoffkissen sitzt das „zaißlein“ des zehnjährigen Mädchens in der Lebensalterfolge von Martin Schrot (Die X. Alter der welt ..., Augsb. 1574, S. B1). Auf Rubens’ Bild seiner beiden Söhne widmet sich der Jüngere dem Vogelspiel, hält in der Rechten die „Krücke“ und in der Linken den Faden, an den ein flatternder St. angebunden ist; der Ältere mit einem Buch zeigt kein Interesse an dem Spiel (um 1625; Abb. 10).

In einem Familienbild von Cornelis de Vos, 1631, hält ein Mädchen das T-Holz mit zwei Glöckchen empor, auf der Querstange sitzt ein angebundener St. [39, Abb. 32]. Jacob Jordaens’ Tochter Anna Catharina läßt einen Df. am Faden vor sich herlaufen (um 1635; Warwick Castle: Ausst.kat. J. J. 1593-1678“, bearb. von Mich. Jaffé, Ottawa 1968/1969, S. 98 Nr. 47, Abb. 47). Der Knabe Rupprecht Thenn hat in der Linken den Stoffballen, auf seiner Rechten den angebundenen Vogel (ob ein F.?; Frankfurt a. M., Städelsches K.inst., 1516: [44] Abb. 23). Auf Jos. Arnolds Bildnis des Sam. Veiel, 1671, sitzt ein vollkommen gezähmter, daher nicht angebundener Df. mit ausgebreiteten Flügeln neben der aufgeschlagenen Fibel des Knaben (Ulm, Mus. der Stadt; ebd. Abb. 25). Johann Byss zeigt einen Df. und eine Meise zu seiten einer Kinderbüste in einer Nische (1695; Augsburg, Dt. Barockgal.: Kat. 1984, S. 46, Abb. 40). Nicolas Maes gab auf einem 1674 dat. Kinderbild dem Knaben einen F. und einen Hund als Gespielen und ließ ihn einen Fuß auf Pfeile und Bogen setzen (Amors Waffen: so [39] S. 44, Abb. 29).

Daß ein so geläufiges Bildmotiv zu Deutungen herausforderte, kann nicht überraschen.

War Geiler von Kaysersberg (s. Sp. 1324) und Jan Hermanszoon Krul (Minne-spiegel ter Deughden, Amst. 1639, S. 36) der ‚Vogel am Faden’ ein Bild des durch Weltliebe gefesselten Menschen, knüpfte man andererseits Auslegungen an die T-Form der Krücke. In seiner Übersetzung der „Imago primi saeculi Societatis Jesu ...“, Antw. 1640, präzisierte Adriaen Poirters, der Vogel sei ein Df., sein Verhalten zeige Liebe zum Kreuz an, die - so das Lemma - „Beghinsel van de Christelijke leere“ ist: In der Icon (Abb. 11) hält ein Putto das T-Holz empor, auf das der angeleinte Vogel zufliegt. Im Epigramm vergleicht das Kind seine Erziehung mit der Dressur des Df.: So wie der dressierte Vogel „altijd weer tot ’t kruisken keert“, wurde es gelehrt, stets das Kreuz als Ruhepunkt des Herzens zu begreifen (Afbeeldinghe van d’eerste eeuwe der Societeyt Iesu, Antw. 1640, S. 296f.).

Sind die Requisiten des Vogelspiels Erwachsenen zugeteilt, bezeichnen sie menschliche Torheit (Holzschnitt „Buhlerin und Narr“, M. 16. Jh.: [42] Abb. 8).

B. Christuskind

Auch das Christuskind zeigte man beim Spielen mit dem Stubenvogel. Seit dem ausgehenden 13. Jh. gibt es bildliche Darstellungen, die schildern, wie ihm ein F.vogel als Spielzeug gebracht wird, wie es mit diesem spielt oder sich am Vogelspiel beteiligt oder - was fraglos dasselbe meint - wie es den Vogel hält oder ihn bei sich hat. Ob dieser variantenreich und jahrhundertelang ins Bild gebrachte Concetto auf literarische Anregungen zurückgeht, wurde bislang nicht untersucht, hierzu vgl. Jugend Christi.

Zwischen den verschiedenen bildlichen Ausprägungen bestehen nur hinsichtlich ihres Alters insofern Unterschiede, als genauere Abbildung des Vogelspiels samt dabei benötigtem Instrumentarium erst vom 15. Jh. an begegnen; bemerkenswert ist, daß Darstellungen des Vogelbringens und solche der „Madonna mit dem F.vogel“ annähernd gleichen Alters sind: Diese wie jene werden zuerst in der Tafelmalerei des ausgehenden Dugento in Italien faßbar, in der linken Tafel eines mittelitalienischen, in der Fachliteratur der Schule Cimabues zugeschriebenen Diptychons (Joseph überreicht dem Christuskind einen angeleinten Df.: Abb. 1) und einem Marienbild des sog. Magdalenen-Meisters (Christuskind mit einem St. in der Hand: [36] Abb. 33; [37] S. 110). Während aber das Herbeibringen des Vogels in der Folgezeit nur hin und wieder geschildert wurde, gibt es für die Marienbilder eine relativ kontinuierliche und dicht bestückte Folge von Beispielen, sowohl in der italienischen Malerei wie in der des Nordens, was zu lebhaften Spekulationen über die Deutung des Bildmotivs verführte (dazu Sp. 1328-1330).

Wiederholt bringt ein Engel den ungefesselten Vogel, der im Bild des in Pisa tätigen Portugiesen Alvaro de Pirez de Evora auf einem Sitzbrettchen postiert ist (A. 15. Jh.: [36] Abb. 16), im zw. 1500 und 1503 zu datierenden Gemälde Martin Schaffners im Mus. Fabregat in Béziers auf der Linken des Engels sitzt, der in seiner Rechten das Stoffbällchen hält (Ausst.kat. „M. Sch. Maler zu Ulm“, Ulm 1959 [Schr. des Ulmer Mus., N.F., Bd. 2], S. 66 Nr. 4, Abb. 27). Rubens läßt das Christuskind den Faden, an dem der auf dem T-Holz in der Hand des Johannesknaben sitzende Vogel angebunden ist, in seiner Linken halten (Hl. Familie mit Elisabeth und Johannes, um 1634; Köln, Wallr.-Rich.-Mus.: Rud. Oldenbourg, P. P. R., Stg. und Bln. 41921 [Klass. d. K., 5], Abb. S. 240). Im 1658 entstandenen Gemälde des Francisco de Zurbarán in San Diego, Ca., Fine Arts Gall., reicht der Johannesknabe dem Christuskind den Vogel am Faden (Martin S. Soria, The Painting of Z. ..., Ld. 1953, Abb. 96; [36] Abb. 21, Detail). In der Wiedergabe des Vogels in Darstellungen der Muttergottes mit dem Christuskind sah man ein Mittel, angewandt um die hieratische Strenge solcher Bilder zu mildern (vgl. ebd. S. 6 und 28; Beispiele ebd. und [37] S. 172f.). Spätestens seit der Hochrenss., in der die Integration konkreter auf das Vogelspiel verweisender Bildmotive in Marienbildern zur jederzeit und überall möglichen Bildkonzeption geworden war, ist genaues Unterscheiden der beiden Überlieferungen und das Sortieren der Beispiele nach Entstehungsgebieten sinnlos; bestehende oder gesuchte Abhängigkeiten unterliegen keinen als regional beschreibbaren Bevorzugungen oder gar „Regeln“.

In Italien führte Bernardo Daddi im 2. V. 14. Jh. die Tradition des überkommenen Bildkonzepts „Christuskind mit Vogel in der Hand“ fort (Boston, Isabella Stewart Gardner Mus.: Kat. „European and Amer. Paintings“, bearb. von Philip Hendy, Boston 1974, S. 70-72, mit Abb.), der auch das kurz nach 1480 gemalte Marienbild von Carlo Crivelli noch angehört (Howard Hibbard, The Metrop. Mus. of Art New York, Ld. und Boston 1980, Abb. 426). Von Bernardo Daddi stammt auch das anscheinend früheste erhaltene Zeugnis für die Teilnahme Mariä am Vogelspiel: Sie läßt den St. auf ihrem Zeigefinger sitzen (um 1340: [37] S. 119; Abb. 3). Dem frei auf dem Unterarm des Christuskindes sitzenden St. offeriert dieses einen getrockneten Hirsekolben (Gem. des Maestro del Bambino Vispo, A. 15. Jh.; Philadelphia, Pa., John G. Johnson Coll., Cat. of Ital. Paintings, Philadelphia, Pa. 1966, S. 50f. Nr. 12, Abb. S. 103). Mit einer Delikatesse, hier einem geöffneten Granatapfel, lockt es den auf seinem Oberschenkel sitzenden Df. in einem um 1465 geschaffenen Gemälde des Benozzo Gozzoli (Cambridge, Ma., Fogg Art Mus.: Anna Padoa Rizzo, B. G. pittore fiorentino, Flor. 1972, S. 121f., Abb. 98f.). Auch der nicht angeleinte St. auf der im Umkreis Leonardos geschaffenen „Madonna Litta“, um 1490, sitzt auf dem Oberschenkel des Christuskindes (Leningrad, Ermitage: Ludw. Goldscheider, L. da Vinci, Köln 1960, S. 179 Nr. 67, Taf. 64; Jack Wassermann, L. d. V, New York 1975, S. 164, Farbtaf. 44). Vom 4. V. 15. Jh. an nimmt die Zahl der das Vogelspiel apostrophierenden Darstellungen rasch zu: Das Christuskind läßt den von einer Katze beobachteten, angeleinten Df. auf einer Tischplatte laufen (Cosimo Tura oder Schulwerk, um 1460; Philadelphia, Pa., John G. Johnson Coll. a. a. O. S. 76f., Abb. S. 150); ein Df. am Faden flattert von der Brust Mariä (Lazzaro Bastiani, tätig zw. 1484 und 1512; Gem. in der Nat. Gall., London: [36] Abb. 108); in Raffaels „Madonna Solly“, um 1501, hält das Christuskind St. samt Faden in der Hand (Pier Luigi de Vecchi, R., La pittura, Flor. 1981, S. 238 Nr. 5, Farbtaf. 17).

Ein Df. in der Hand des Christuskindes im um 1310 entstandenen Psalter des Robert de Lisle bezeugt Bekanntschaft mit dem Motiv nördlich der Alpen (Abb. 2). In Böhmen ist es, vielleicht mit der Brüxer Madonna, vor 1350, zu einem traditionsstiftenden Bildmotiv geworden (Abb. 4; vgl. Matějček-Pešina S. 51 Nr. 26f., S. 55 Nr. 48). In Deutschland scheint Dürer der erste gewesen zu sein, der genauer über das Vogelspiel des Christuskindes berichtet: es hält in der Rechten das Stoffkissen mit (auf Abb. schwer erkennbaren) Schellen, gibt mit diesen dem auf seinem linken Unterarm sitzenden Zeisig das Signal zum Überwechseln (Abb. 8; bei anderen Wiedergaben des Vogelspieles ist der Vogel nicht eindeutig identifizierbar; vgl. Dürers Graphik seit ca. 1498: Strauss, Dürer engr., Nr. 21; Kupferstich von 1520: ebd. Nr. 93; Zeichnungen von 1509 und 1515: Ders., Dürer Drawings, Bd. 2 S. 1080f., Bd. 3 S. 1606f.). Jörg Breu d. Ä. bezog Maria in das Vogelspiel ein und läßt den St. angebunden auf ihrer Hand sitzen (1523; Wien, Kh. Mus., Gem.gal.: Beitr. zur Gesch. der dt. K., Bd. 2, Augsb. 1928, S. 352 Abb. 254).

Deutungen.

Mit der nächstliegenden Interpretation, warum man dem Christuskind in Marienbildern den (F.-) Vogel als Attribut zuerkannt habe (vgl. Sp. 1326), mochte sich der Ornithologe Herb. Friedmann nicht zufrieden geben: So langlebige Bildtradition meinte er dem Umstand zuschreiben zu müssen, daß „the fact that the small bird was already a well established icon of suitable symbolic content was what made such an attempt permissable and successfull“ [36, S. 6]. Obwohl bereits Horst W. Janson [36a] vor solcher zu „Deutungen“ nur allzu bereiten Interpretationslust warnte, sind viele Autoren H. Friedmann gefolgt und haben weitere Auslegungen vorgelegt. Das macht es unumgänglich, hier wenigstens anzudeuten, wo die Grenze zwischen durch Quellen belegbarer Interpretation und freier (willkürlicher) Deutung liegen könnte.

Nicht bewiesen sind Deutungen des Df. in Marienbildern als Hinweis auf Christi Auferstehung (so unterstellt bei [36] S. 7f.; [37] S. 172; Lucy Freeman Sandler, The Psalter of Rob. de Lisle, Ld. usw. 1983, S. 64; Gert von der Osten, Hans Baldung Grien, Gem. und Dok., Bln. 1984, S. 75). Ebenso unbegründet ist der Vorschlag, Abbildungen des St. in Zusammenhang zu bringen mit den Pestepidemien des Spät-MA und ihn als „a protection against the plague“ auszugeben [36, S. 28] - solche Deutungen beruhen auf der Behauptung, seit dem 14. Jh. habe man den St. mit dem sagenhaften Vogel Charadrius identifiziert; selbst H. Friedmann mußte einräumen, daß es für diese keine Belege gebe [36, S. 21]. Im Gegenteil: nachweisbar ist die Identifizierung des Charadrius mit der Lerche; man begegnet ihr sowohl in Texten als auch in bildlicher Darstellung (Otto Lehmann-Brockhaus, Tierdarstellungen der Fior di Virtù, Mitt. Flor. 6, 1940, S. 7 Abb. 1).

Ausgehend von der seit der Antike geläufigen Darstellung eines kleinen Vogels als Bild der vom Körper geschiedenen Seele wollte man in dem beim Christuskind dargestellten St. ein „Bild der menschlichen Seele (sehen), die zu Jesus findet“ (Klementine Lipffert, Symbolfibel, Kassel 31961, S. 43), beanspruchte ihn als „symbolic ... of the longing of the Soul for God“ (Ausst.kat. „Jacob Jordaens ...“ a. a. O. [Sp. 1325] S. 74 Nr. 9; ähnlich [37] S. 175). Es gibt weder Belege für diese Interpretation noch Anhaltspunkte, die zu einer solchen berechtigen. Dennoch knüpfte Otfried Kastner, einen dreistufigen Bedeutungswandel postulierend, an diese Auslegung an: „Die mystische Strömung der Gotik“ habe zunächst „den Vogel als Bild der menschlichen Seele“ in den Darstellungen der Gottesmutter mit dem Kinde verwendet [38, S. 5]; bei Erstarken der „bürgerlich-bäuerliche[n] Frömmigkeit der späteren Gotik“ sei dann der St. in den Vordergrund getreten, „nicht nur wegen seiner schönen Farben, sondern weil man in diesem Vogel nun nicht mehr die zu erlösende Seele versteht, sondern nun ein Bild für das Christkind selbst“ (ebd. S. 6). Dort schließlich, wo das Kind den Vogel an einem Band flattern lasse, „beginne sich das ursprüngliche geistige Bild zu verwischen“, da „man nun den Vogel bereits als Spielzeug des Kindes sieht“ (ebd. S. 13). Schon allein angesichts der Chronologie der überkommenen Werke erweist sich die Willkürlichkeit solcher „Deutungen“. Gleich Kastner schätzten auch andere Autoren Bilder des Christuskindes mit Apostrophierungen des Vogelspiels künstlerisch gering ein. Klingender behauptete, dieser Concetto fände sich vor allem in jenen Bildern, „which lesser citizens bought for their devotions in the home“ [41, S. 445]; H. Friedmann will in keinem Werk einer wirklichen Künstlerpersönlichkeit „such needless and trifling reality“ angetroffen haben: „It was, as might be expected, the lesser men who catered in this regard to an unsubtle clientèle“ [36, S. 115]. Schon die auswahlweise genannten Werke widerlegen solche Behauptungen.

Die Möglichkeit, die eine oder andere Darstellung von F. mit einer der oben belegten Deutungen zu erklären, ist mit dem Beiseiteschieben von solchen Interpretationen wie den eben aufgeführten nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Nur von Fall zu Fall ist wahrscheinlich zu machen, daß das Motiv der Deutung wegen gewählt wurde; doch selbst dann ist kaum zwingend zu bestimmen, wo die Grenze zwischen konstituierender Absicht und durch Quellen bestärkter nachträglicher Deutungsmöglichkeit liegt. Verweist z. B. das Bild des Christuskindes mit dem St. auf die Passion Christi und seinen Opfertod? Diese Deutung des Vogels war vor dem 19. Jh. nicht verbreitet, auch wenn es die Fachliteratur glauben macht ([36] S. 9; [37] S. 172; George Ferguson, Signs and symbols in Chr. art, New York 1954, S. 17; José Ant. Perez-Rioja, Diccionario de simbolos y mitos, Madrid 1962, S. 216; [41] S. 445; L. Fr. Sandler a. a. O. [Sp. 1329] S. 64; G. von der Osten a. a. O. [Sp. 1329] S. 75; [44] S. 27f.).

V. Finken im Kreise anderer Vögel

Darstellungen von F.vögeln, zumal solche des farbenprächtigen Df., der in der Natur nicht so häufig anzutreffen ist wie der Buch-F., kommen oft und in denkbar verschiedenen Bildzusammenhängen vor. Das Bemühen, die Wiedergaben durch Hinweise auf die den Vögeln beigelegten Bedeutungen zu erklären, wurde auch dort aufgewendet und hat wiederholt zu recht willkürlichen Interpretationen geführt, wo keine Veranlassung dazu bestand; denn oftmals wurden F.vögel nicht um der ihnen speziell zugeschriebenen Eigenschaften und ihrer allegorischen Auslegungen wegen dargestellt, sondern als Repräsentanten der Gattung *Vogel (samt der Vögeln allgemein zugeschriebenen Eigenschaften und, falls überhaupt ins Kalkül gezogen, deren allegorischer Interpretation). Es ist kaum angezeigt, den F., die zusammen mit einer unterschiedlich großen Zahl anderer Vögel wiedergegeben sind, in jedem Fall eigene Bedeutung beizumessen.

Wenn z. B. in Darstellungen des fünften Schöpfungstages unter dessen Geschöpfen F. zu sehen sind - etwa seit M. 13. Jh. wurden ihre verschiedenen Arten erkennbar abgebildet (vgl. etwa London, Brit. Libr., Add. Ms. 24686 [Alphonso-Psalter], fol. 11r, vor 1284: [43] Taf. 1; s. auch den Grabower Altar Meister Bertrams, um 1380, in der Hamburger K.halle: Hans Platte, M. B. ..., Hbg. o. J. [1960; Bilderhh. der Hamb. K.halle, 1], Abb. 6) -, ist dem keine besondere Beachtung zu schenken. Gleiches gilt für die allermeisten Bilder, zu deren Thema das Vorhandensein von Vögeln und anderen Tieren gehört, zu Darstellungen von „loci amoeni“, schönen Gärten, den Hortus conclusus und den der Maria im Rosenhag nicht ausgenommen (wenn auch wenigstens in einem deutschen Gartentraktat des Spät-MA, dem „Lüstliche[n] Würtzgarte“, verschiedene Vogelarten auf Propheten oder Personen aus dem Leben Christi gedeutet wurden; vgl. D. Schmidtke a. a. O. [Sp. 1314] S. 455-458), ferner von Wiedergaben eines landschaftlichen Ambiente welcher Art auch immer.

Welche Probleme das Postulat aufwirft, daß jeder Vogelart eine spezielle Bedeutung zukommt, zeigen z. B. Miniaturen eines M. 14. Jh. in England entstandenen Stundenbuchs in Baltimore, Walters Art Gall., Ms. W. 105 [41, Abb. 263 und 245]: fol. 9v sieht man einen Df. im Lasterbaum sitzen, fol. 10r einen solchen in den Zweigen des Baumes, der in einer Imago Christi wurzelt.

Von den sich gleich anderen Vögeln in den Marginalillustrationen spätma. Handschriften tummelnden F.vögeln gibt es bisher nur wenig überzeugende Interpretationen.

Zu Darstellungen von F. und anderen Vögeln, die zum Lobe Gottes singen, und zu diesem Topos s. *Vogel (vgl. Liselotte Junge, Die Tierlegenden des hl. Franz von Assisi, Lpz. 1932, S. 78f.).

In Skizzenbüchern vom E. 14. Jh. begegnen Darstellungen von Df., so in dem der Pepysian Libr. in Cambridge (Montague Rhodes James, An English medieval sketch-book, no. 1916, in the P. Libr., Magdalene College, Cambr., The Thirteenth Vol. of the Walpole Soc. 1924/1925, S. 1-17, bes. Taf. 10 b) und in jenem des Giovannino de’ Grassi in Bergamo, Bibl. civ., Ms. Delta VII, 14, fol. 13v(Mario Salmi, Ital. Buchmal., Mchn. o. J. [1956], Taf. 36).

Auch in selbständigen Vogelporträts und Stilleben trifft man den St. an.

Eine Einlegearbeit des Fra Giovanni da Verona am Chorgestühl von Oliveto Maggiore zeigt ihn zusammen mit zwei Meisen vor einem weiten Panorama (1502-1505; Enzo Carli, L’Abbazia di Monteoliveto, Mail. 1962, Taf. 89); eine Intarsie desselben Künstlers am Chorgestühl von S. M. in Organo zu Verona zeigt hinter einer geöffneten Schranktür einen St. in einem Käfig (1491-1499; Ingvar Bergström, Den fångna fågeln, Tidskrift för konstvetenskap, 30, 1957 [Symbolister, Bd. 1], S. 24 Abb. 9).

Häufig sind Darstellungen, in denen Df. vorkommen, aus dem Marienleben und aus der Kindheit Christi.

Daß dem St. auf Mich. Wolgemuts Tafel mit dem Verkündigungsengel eine noch genauer zu bestimmende Bedeutung zukommt, ist nicht ausgeschlossen; der Vogel sitzt zwischen Maiglöckchen und den Stengeln einer blühenden Schwertlilie (um 1490/1495; Nürnberg, Lorenzkirche: Ausst.kat. „Nürnberg 1300-1550. K. der Gotik und Renss.“, New York und Nürnberg 1986, Nr. 38). Auf Darstellungen der Geburt Christi und der Anbetung der Könige wird der Vogel häufig zusammen mit anderen auf dem Dach des Stalles gezeigt, so von Konrad Laib (Geburt Christi, um 1440; Freising, Diöz.mus. für chr. K.: Ausst.kat. „Spätgotik in Salzburg. Die Mal. 1400-1530“, Salzburg 1972, Nr. 47, Farbtaf. 3), Hans Pleydenwurff (Dreikönigsaltar, um 1460; Nürnberg, Lorenzkirche: Ernst Heinr. Zimmermann, Zur Nürnberger Mal. der 2. H. des 15. Jh., Anz. Germ. Nat.mus. 1932-1933, S. 43f., Abb. 23) und dem Meister des Wiener Schottenaltars (Anbetung der Könige, 1469; Wien, Mus. ma. österr. K.: [44] Abb. 71).

In Darstellungen aus Heiligenlegenden sind Df. oft dort anzutreffen, wo die Zutraulichkeit sonst wilder oder scheuer Tiere die durch Gottesgehorsam und Liebe wiedergewonnene Herrschaft des Heiligen über die Tierwelt unter Beweis stellen soll, die einst Adam durch den Sündenfall verloren hatte (vgl. L. Junge a. a. O. [Sp. 1331] S. 6f.).

So sitzt auf einem Gemälde des Jacopo del Sellaio ein St. zu Füßen des etwa zwölfjährigen Johannes Baptista, der gleichwohl in härenem Gewand mit Kreuzstab dargestellt ist (um 1480; Washington, Nat. Gall.: Cat. of the Ital. paintings, Wash. 1979, Bd. 1 S. 425 Nr. 394, Bd. 2 Taf. 304). Hans Burgkmair umgab den hl. Johannes Ev. auf Patmos mit einheimischen Vögeln, darunter einem St. (1502; Basilikabild in der Staatsgal. Augsburg: [44] Abb. 97). Auf dem Bild des hl. Hieronymus zeigte Dürer nicht nur den Löwen, sondern auch St. und Dompfaff in unmittelbarer Nähe des Einsiedlers (um 1495; z. Zt. Cambridge, Fitzwilliam Mus.: Fedja Anzelewsky, A. D. Das malerische Werk, Bln. 1971, Nr. 14, Abb. 12; Farbtaf. in: Ausst.kat. „A.D. 1471-1971“, Nürnberg 1971, Nr. 569). Der Vogelpredigt des hl. Franziskus hören unter anderen Vögeln Df. zu (Giotto-Werkstatt, um 1300, Paris, Mus. du Louvre: Giov. Previtali, Giotto e la sua bottega, Mail. 1967, Taf. 32; Taddeo di Bartolo, 1403, Hannover, Nieders. L.mus.: [44] Abb. 14).

Zu den Abbildungen

1. Ehem. Rom, Slg. Sterbini, Maria mit Christuskind und hl. Joseph, linker Flügel eines Diptychons, Ausschnitt (Gesamtabb.: L’Arte 8, 1905, S. 200). Gem. auf Holz, Maße unbek. Mittelitalien (Rom?, „Schule des Cimabue“), um 1300. Nach L’Arte a. a. O.

2. London, Brit. Libr., Ms. Arundel 83 II (Psalter des Robert de Lisle), fol. 131v, thronende Maria mit Kind, Engeln und den hll. Katharina und Margareta. Eastanglia, um 1310. Foto unbek. Herkunft (ZM).

3. Bernardo Daddi, Maria mit Kind. Gem. auf Holz, 83 × 54 cm. Settignano, Slg. Bernh. Berenson. Um 1340. Foto unbek. Herkunft (ZM, Nachlaß Rob. Oertel).

4. Brüx (Most), Dekantei, Maria mit Kind. Temperamal. auf Lindenholz, mit Lwd. überzogen, 53 × 40 cm (oben beschnitten). Böhmen, vor 1350. Foto Prag, Nat.gat.

5. Prag, Nat.mus., Cod. XIII A 12 („Liber viaticus“ des Johann von Neumarkt), fol. 9r, Ausschnitt, Kampf zwischen David und Goliath (Gesamtabb.: Ausst. Köln, Parler Bd. 2 S. 735). Böhmen, zw. 1355 und 1364. Foto unbek. Herkunft (ZM).

6. New York, Morgan Libr., M. 917, S. 247, die hll. Kornelius und Cyprian. Geldern, um 1440. Nach J. Plummer a. a. O. (Sp. 1315).

7. London, Vict. Alb. Mus., Ms. Salting 1222, Stundenbuch der Marguerite de Foix, fol. 219v (Ausschnitt), Kampf zwischen F. und Meise. Frankreich, E. 15. Jh. Foto Courtauld Inst., Ld.

8. Albr. Dürer, Maria mit Kind („Madonna mit dem Zeisig“), Ausschnitt (Gesamtabb.: F. Anzelewski a. a. O. [Sp. 1333] Abb. 109). Gem. auf Pappelholz, 91 × 76 cm. Berlin, StMPK, Gem.gal., Inv.nr. 557 F. 1506. Foto Bayer. Staatsgem.slgn., Nr. 48/86.

9. Hans Sibmacher, Emblem 75, Kupferstich (7,4 cm Dm.) in: J. Cameranus a. a. O. (Sp. 1316). 1596. Foto Univ.bibl. Mchn.

10. P. P. Rubens, Bildnis der beiden Söhne, Albert und Nikolaus Rubens. Gem. auf Holz, 158 × 92 cm. Vaduz, Fürstl. Liechtensteinsche Slgn., Gal.nr. 114. Um 1625. Nach Kupfertiefdrucktaf. unbek. Herkunft.

11. Philipp Frutiers (Entw.) und Cornelius Galle (Stecher), Amor mit Df., Kupferstich (10,5 × 14,0 cm) in: A. Poirters a. a. O. (Sp. 1326) S. 296. 1640. Nach dem Original.

12. Jan Gerrits Swelinck (Stecher), Emblem XIV, Kupferstich (12,0 cm Dm.) in: J. Cats o. J. a. a. O. (Sp. 1315) S. 45. Um 1640. Foto Univ.bibl., Mchn.

13. Jacques de Bie, „Fecondité“, Kupferstich (5,6 cm Dm.) in: Ripa, übers. von Jean Baudoin, Paris 1644, T. 1 S. 66 Stich 59. Nach dem Original.

14. Abraham Mignon, Früchtestilleben, Ausschnitt (Gesamtabb.: Magdalena Kraemer-Noble, A. M. 1640-1679, Leigh-on-Sea 1973, Taf. 22). Ölgem. auf Lwd., 80 × 99,5 cm. Kassel, Staatl. K.slgn., Inv.nr. 445. Um 1670. Foto Hanfstaengl, Mchn.

15. Adriaen van der Werff, „Spielende Kinder“, Ausschnitt (Gesamtabb.: Oud Holland 90, 1976, S. 77 Abb. 1). Gem. auf Eichenholz, 46,8 × 35,0 cm. München, Bayer. Staatsgem.slgn., Inv.nr. 250. Dat. 1687. Foto Slgn.

16. Joh. Andr. Pfeffel, Stieglitz, Emblem 137, Kupferstich (Ausschnitt, Gesamtmaße 17,1 × 13,4 cm) in [32]. 1746. Foto Städt. K.slgn., Augsb.

Literatur

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