Filigran (Filigranarbeiten, Filigrandraht)

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englisch: Filigree; französisch: Filigrane; italienisch: Filigrana.


Jochem Wolters (1985)

RDK VIII, 1062–1184


RDK I, 1109, Abb. 6. Köln, St. Kunibert, nach 1222.
RDK IV, 717, Abb. 3. Wien, Stephansbursa, 9. Jh.
RDK IV, 721, Abb. 8. Braunschweig, Buchdeckel, 11. Jh.
RDK IV, 723, Abb. 10. Limburg a. d. L., Staurothek, M. 10. Jh.
RDK IV, 1321, Abb. 9. Braunschweig, 11. und A. 13. Jh.
RDK V, 45, Abb. 31. Wolfgang Zulinger (?), 1462, Wiener Neustadt.
RDK VIII, 1069, Abb. 1. Drahtarten.
RDK VIII, 1073, Abb. 2. Drahtarten.
RDK VIII, 1081, Abb. 3. Filigranornamente: lineare und konzentrische Grundformen.
RDK VIII, 1081, Abb. 4. Filigranornamente: endlose lineare Grundformen.
RDK VIII, 1083, Abb. 5. Filigranornamente: flächenbildende Grundformen.
RDK VIII, 1085, Abb. 6. Filigranornamente: dreidimensionale Grundformen.
RDK VIII, 1087, Abb. 7. Stockholm, um 500.
RDK VIII, 1089, Abb. 8. Stockholm, 6. Jh.
RDK VIII, 1091, Abb. 9. Bonn, 6. Jh.
RDK VIII, 1093, Abb. 10. Washington, D. C, 6.-7. Jh.
RDK VIII, 1093, Abb. 11. Oslo, 1. H. 9. Jh.
RDK VIII, 1097, Abb. 12. Paris, vor 869.
RDK VIII, 1099, Abb. 13. Stockholm, 9. Jh.
RDK VIII, 1101, Abb. 14. Schleswig, 9./10. Jh.
RDK VIII, 1101, Abb. 15. Stockholm, A. 10. Jh.
RDK VIII, 1101, Abb. 16. Schleswig, 10. Jh.
RDK VIII, 1103, Abb. 17. Wien, 2. H. 10. Jh.
RDK VIII, 1105, Abb. 18. Kopenhagen, E. 10. Jh.
RDK VIII, 1105, Abb. 19. Hamburg, um 1000.
RDK VIII, 1107, Abb. 20. Stockholm, A. 11. Jh.
RDK VIII, 1109, Abb. 21 a. Fritzlar, 11. Jh.
RDK VIII, 1109, Abb. 21 b. Fritzlar, 11. Jh.
RDK VIII, 1113, Abb. 22. Aachen, um 1020.
RDK VIII, 1113, Abb. 23. Essen, um 1039/1054.
RDK VIII, 1117, Abb. 24. Baltimore, E. 11. Jh.
RDK VIII, 1117, Abb. 25. Capua, zwischen 1173 und 1182.
RDK VIII, 1119, Abb. 26. Siegburg, um 1183.
RDK VIII, 1119, Abb. 27. Hildesheim, gegen oder um 1200.
RDK VIII, 1121, Abb. 28 a. Köln, wohl A. 13. Jh.
RDK VIII, 1121, Abb. 28 b. Köln, um 1206.
RDK VIII, 1123, Abb. 29. Wien, vor 1220.
RDK VIII, 1125, Abb. 30. Köln, nach 1222.
RDK VIII, 1125, Abb. 31. Mainz, um 1220/1240.
RDK VIII, 1127, Abb. 32 a. Marburg a. d. L., 1236-1249.
RDK VIII, 1129, Abb. 32 b. Marburg a. d. L., 1236-1249.
RDK VIII, 1133, Abb. 33. Bergen, M. 13. Jh.
RDK VIII, 1133, Abb. 34. Dresden, vor 1425.
RDK VIII, 1135, Abb. 35. Meister des Bileam, nach M. 15. Jh., Amsterdam
RDK VIII, 1137, Abb. 36. Erasmus Schleußner, dat. 1518, Breslau.
RDK VIII, 1139, Abb. 37. Mailand, 16. Jh.
RDK VIII, 1141, Abb. 38. Étienne Delaune, 1576.
RDK VIII, 1141, Abb. 39. Hans Ment, um 1590.
RDK VIII, 1145, Abb. 40. Johann III Beckert, um 1689, München.
RDK VIII, 1147, Abb. 41. Michael Hafner, um 1690, Zürich.
RDK VIII, 1149, Abb. 42. Johs. Dopf, 1739-1741, Salzburg.
RDK VIII, 1151, Abb. 43. Jerusalem, M. 18. Jh.
RDK VIII, 1153, Abb. 44 a. Brandenburg und Lpz. 1761.
RDK VIII, 1153, Abb. 44 b. Brandenburg und Lpz. 1761.
RDK VIII, 1155, Abb. 45. Berlin, 18. Jh.
RDK VIII, 1157, Abb. 46. Nürnberg, 18. Jh.
RDK VIII, 1159, Abb. 47. Schwäbisch Gmünd, 18. Jh.
RDK VIII, 1161, Abb. 48. Berlin 1790.
RDK VIII, 1161, Abb. 49. Hamburg, wohl E. 18. Jh.
RDK VIII, 1165, Abb. 50. Hamburg, 1797.
RDK VIII, 1165, Abb. 51. Zacharias Helms, wohl E. 18. Jh.,Hamburg.
RDK VIII, 1167, Abb. 52. Nürnberg, um 1807.
RDK VIII, 1167, Abb. 53. Hamburg, 1827.
RDK VIII, 1169, Abb. 54. Hamburg, um 1840.
RDK VIII, 1169, Abb. 55. Schwäbisch Gmünd, 19. Jh.
RDK VIII, 1171, Abb. 56. Schwäbisch Gmünd, 19. Jh.
RDK VIII, 1171, Abb. 57. Kevelaer, 19. Jh.
RDK VIII, 1173, Abb. 58. Hamburg, wohl 19. Jh.
RDK VIII, 1175, Abb. 59. Hamburg, um 1930.
RDK VIII, 1177, Abb. 60. Hamburg-Harburg 1949.
RDK VIII, 1207, Abb. 1 a-c. Eichstätt, hochma., im 14. Jh. überarbeitet.

Inhaltsverzeichnis

I.

A. Definition

In der Goldschmiedekunst ist F. die Bezeichnung für verlötete Drähte, die - mit oder ohne Bindung an einen metallischen Rezipienten - vorwiegend ornamentbildend verwendet sind.

In der Literatur wird die Bezeichnung F. unterschiedlich definiert und das Wort F. uneinheitlich gebraucht. Ursachen dafür sind die verallgemeinernde Übertragung eines Einzelbefundes auf das F. insgesamt, die Übernahme von ihrerseits zeitgebundenen historischen Definitionen von F. und etymologische Fehldeutungen des Wortes.

1. Das Wort ist italienischen Ursprungs und kam frühestens im 3. Dr. 16 Jh. auf (s. Sp. 1064). Wendet man es auf italienische zeitgleiche Goldschmiedearbeiten an, ist die einzig mögliche Bedeutung die von „gekörntem“, d.h. körnig strukturiertem Draht (z. B. Perldraht, Kordeldraht, vgl. [187] Bd. 1 Taf. 27).

Diese Interpretation findet sich ansatzweise bei Leuchs 1821, der, von Kordeldraht redend, ausdrücklich auf das „Korn des Drahts“ verwies [31, Bd. 7 S. 257]. Albert Ilg unterschied 1886 zwischen F. und Granulation, definierte ersteres nach seiner optischen Wirkung zu Recht als „aufgesetzte Fäden“, die „dem Auge aus aneinander gereihten Körnern zusammengesetzt erscheinen“ (in: Bruno Bucher [Hg.], Gesch. der techn. Künste, Bd. 2, Bln. und Stg. 1886, S. 119), widersprach sich aber zugleich vom Technischen her, da er im Abschnitt „Filigraniren“ auch die Liniengranulation abhandelte (ebd.).

2. Im 20. Jh. setzte man mehrfach F. mit gekörntem Draht gleich (so [77] S. 179, [120] S. 9, [164] S. 58), doch ist damit die Sachbezeichnung F. unstatthaft eingeengt.

Der gleiche Einwand ist gegen die verbreitete „etymologische Übersetzung“ von F. mit „granulierter Draht“ zu machen: sie trifft nur auf eine der Arten von F. zu.

Diese „Übersetzung“ findet sich von der 2. H. 18. Jh. an. Halle erklärte 1761, F. trage diese Bezeichnung, „weil sich zwischen diesen zarten und blumigen Dratfäden Körnerchen mit einmischen“ ([16] S. 102; wiederholt 1785 von Krünitz [23] Bd. 9 S. 476). Beigemischte Körner erwähnte auch die Enc. Brit. 1771 [20]; Drähte, die „quelquefois revêtus de petits grains ronds ou applatis“ sind, beschrieben Diderot-d’Alembert [15, Bd. 6 S. 791]; Drähte und Granulat neben glatten Drähten allein erwähnten ferner [82] S. 1 und 99, [89] S. 179 und 271, [103] S. 188, [115] S. 341.

Eine weitere Einengung bedeutet die Definition von F. als „durchbrochene Arbeit“ ohne metallischen Untergrund.

Diese Definition wird seit 1835 in der Literatur vertreten (zuerst bei J. J. Prechtl [35] Bd. 6 S. 89: „durchbrochene, gleichsam gitterartige Verzierungen“). Nach K. Karmarsch 1837 [37, S. 549] übernahmen u.a. J. C. Leuchs 1843 [39, Bd. 2 S. 346], R. Frhr. von Kulmer 1872 [42, S. 261] und E. Eichler 1887 [44, S. 210] diese Ansicht. In die neuere Literatur hat die Gleichsetzung, die wohl mit der einseitigen Orientierung an süddeutschem volkstümlichen Schmuck zusammenhängt, gelegentlich Eingang gefunden (z. B. bei [96] S. 31).

Metaphorische Verwendung des Wortes F. ist vom späten 17. Jh. an bekannt: bei Abraham a Sancta Clara sind die Hosen des Erzschelms Judas „durchbrochen mit Philagran-Arbeit“, auch sein Kleid ist „wie Filagranarbeit durchbrochen“ ([185] S. 213, mit weiteren Nachweisen, auch aus späterer Zeit).

Umgekehrt ist in moderne Literatur manchmal als F. nur das F. mit einem Rezipienten aufgenommen, nicht aber durchbrochenes F., also F. ohne Rezipienten (vgl. [160] S. 528 u.ö.; „Der große Brockhaus“, Bd. 6, Lpz. 151930, S. 229f.).

Vereinzelte Versuche, zwischen F. mit einem Rezipienten als „Drahtarbeit“ und F. ohne einen solchen als „F.“ zu unterscheiden (z. B. bei [187] Bd. 3 S. 77 sowie S. 94 und 99), setzten sich nicht durch.

3. Zu weit gefaßt ist die Definition von F. als Drahtarbeit jeglicher Art.

Sie geht auf H. Arbman zurück [69, S. 180]: „Der Begriff F. ... umfaßt sämtliche mit Draht ausgeführten Arbeiten... In verschiedener Weise behandelte Drähte werden neben einander auf demselben Gegenstand verwendet und die Kontrastwirkung wird dadurch größer. In solchen Fällen zwischen F. und anderer Drahtarbeit zu unterscheiden würde nur die Begriffe verwirren“. Diese Definition schließt reine Drahtbiegearbeiten und Drahtflechtarbeiten mit ein, die sich vom F. durch das Fehlen der Lötung unterscheiden, vielmehr ihren Halt aus der inneren Spannung nicht ausgeglühter dicker Drähte oder vielfacher Drahtüberlagerungen gewinnen (was bei F. nur in untypischen Sonderfällen auftritt).

Verwechslung oder Vermengung von F. mit Drahtgeflechten (deren Charakteristikum besteht in der Überlagerung von Drähten; für F. selten und untypisch) ist in Wörterbüchern häufig.

Vgl. Jos. Kehrein, Fremdwb., Stg. 1876 (Ndr. Wiesb. 1969), S. 189, und Daniel Sanders, Wb. der dt. Sprache, Bd. 1, Lpz. 21976, die beide F. als „gitterartiges Geflecht aus Gold und Silberdraht“ definierten; s. ferner H. Schulz [185]; Ruth Klappenbach und Wolfg. Steinitz (Hgg.), Wb. der dt. Gegenwartssprache, Bd. 2, Bln. 1967, S. 1281 („feines Geflecht aus dünnem Gold- oder Silberdraht“); Duden. Das große Wb. der dt. Sprache, Bd. 2, Mannheim, Wien und Zh. 1977, S. 840.

B. Herkunft des Wortes, Sprachgebrauch

Das Wort F. ist gebildet aus dem ital. „filo“ und „grana“ [163, S. 287]; die häufig behauptete Ableitung aus dem Lateinischen ist irrig. Der Zeitpunkt des Aufkommens ist unklar; wahrscheinlich liegt er - da Cellini [9] das Wort 1568 noch nicht verwendete- im 3. Dr. 16. Jh. Im Laufe des 17. Jh. wurde das Wort in unterschiedlicher, oft entstellter Schreibweise in andere europäische Sprachen übernommen. In Spanien läßt sich um M. 17. Jh. die Bezeichnung „filigranero“ für den F.arbeiter nachweisen [82, S. 25]. In Frankreich ist zuerst die Form „filagramme“ belegt (1664: [168 a] S. 714), die, bei schwankender Schreibweise, bis ins 19. Jh. dominierte (J. S. E. Julia de Fontenelle, 1832: [35 a] S. 400); daneben verwendete man das im 19. Jh. vorherrschende „filigrane“ (1677 belegt: Walther von Wartburg, Franz. Etymolog. Wb., 3. Bd., Lpz. und Bln. 1934, S. 539; vgl. auch [46] S. 12f. Anm. 3). In England gebrauchte man 1666 „philigrania“ (John Loftis [Hg.], The Mem. of Anne, Lady Halkett and Ann, Lady Fanshawe, Oxf. 1979, S. 182), manchmal „philigrin“ (1668: [82] S. 26); die auch heute noch vorkommende Bezeichnung „filigree work“ ist seit 1771 nachzuweisen (Enc. Brit.: [20]). Im dt. Sprachgebiet finden sich Belege für die Übernahme des ital. „filigrana“ seit dem 4. V. 17. Jh.

Im Münchner Ratsprotokoll vom 21. Okt. 1678 ist ein „filigränarbeither“ erwähnt [133, Abb. 5], 1695 waren in Schwäbisch Gmünd „Viligran-Arbeiter“ tätig [60, S. 77]; weitere Schreibweisen bei [185]; [16] S. 101; [23] Bd. 9 S. 476, Bd. 10 S. 343; [55] S. 463. Die moderne Schreibweise Filigran ist seit 1753 nachgewiesen (Erlaß Kaiser Franz’ I. für F.arbeiter: [86] S. 170) und seit E. 18. Jh. gebräuchlich (1790 bei J. Beckmann: [26] S. 86; 1794 im Journ. des Luxus und der Moden: [29] S. 454); vereinzelt blieb die Schreibweise „filagraine“, belegt 1828 [33, S. 51f.].

C. Andere Bezeichnungen

Die vor dem Aufkommen des Wortes F. gebräuchlichen Bezeichnungen lassen sich zu drei Gruppen ordnen. Bei der ältesten Gruppe ist das Wort „Draht“ oder eines seiner Äquivalente gebraucht (1.), bei der zweiten Gruppe dienen charakteristische Merkmale des F. zur Kennzeichnung des Aufbaus (2.), bei der dritten Gruppe ist die Herkunft namengebend (3.).

1. Das ahd. und mhd. Wort für Draht: „wiera“, „wiere“ - angelsächsisch „vîr“, altenglisch „wîr“ - meint Draht aus Gold oder Silber, vielleicht auch aus anderem Metall, und aus solchem Draht gefertigte Goldschmiedearbeiten (Oskar Schade, Ahd. Wb., Bd. 2, Halle a.d.S. 21882, S. 1134; [170] S. 60 mit Anm. 199; z. B. trägt in dem mhd. Gedicht „Die Hochzeit“, 1. H. 12. Jh., die Braut „ain guldin gewiere“: Kleinere dt. Gedichte des 11. und 12. Jh. Nach der Auswahl von Alb. Waag neu hg. von Werner Schröder, Tüb. 1972, Bd. 2 [Altdt. Textbibl., 72], S. 136 V. 23). „Opus fili“ kennt man als mlat. Bezeichnung seit E. 13. Jh. (belegt 1295: [168 a] S. 713). Das bei Diderot-d’Alembert als bei den Lateinern gebrauchte Benennung angegebene „filatim elaboratum opus“ [15, Bd. 6 S. 791] wurde von J. Beckmann als neulateinische Bezeichnung erkannt [26, S. 86].

Vom 16. Jh. an sind in den Quellen die z.T. noch heute gebräuchlichen und nationalsprachlichen Bezeichnungen für F. benutzt.

Im dt. Sprachgebiet heißt es „Drahtwerk“ (bayerisch, 1629: [102] S. 29; Krempermarsch, 1765: [66] S. 183), und dementsprechend wird ein F.arbeiter als „Drahtwerker“ bezeichnet (Hanauer „Goldt- und Silberschmid-Ordnung“ 1610: [58] S. 143 und 146). Seine Werke sind „Dra(h)tarbeit“ (Hanau, 1616: ebd. S. 148; Nürnberg 1708: [12] S. 110) oder „Drahtfädenarbeit“ (1761: [16] S. 101), speziell „Drahtgürtel“ (bayerisch, 1603: [102] S. 22) und „Draht-Knöpfe“ (Krempermarsch, 1765: [66] S. 183). – Im Italienischen heißt es „lavoro di filo“ (Cellini [9] S. 22 und 25; vgl. ebd. S. 19: „il lavorar di filo“), im Französischen war es 1529 Arbeit „de fil d’argent“, 1558 „de fil d’or traici“, 1599 „de fil tiré“ [168 a, S. 173f.], im England des 17. Jh. „wyer work“ (vgl. [82] S. 23).

Auf den optischen Eindruck des verarbeiteten Drahtes spielt im Französischen „fil d’or de guypeure“ an (1463: [168 a] S. 713), auf die Verarbeitung selbst das deutsche „mit goldt durchzogen“ (z. B. Knöpfe; Siebenbürgen, 1607: [182] S. 69). - Der durch die zahlreichen Biegungen des Drahtes hervorgerufene krause Charakter des F. führte dazu, dieses Adjektiv zur Kennzeichnung von F.arbeit hinzuzusetzen: „gekrauster Schlangen Ring“ (Nachlaßinv. des Wilhelm von Freyberg, 1603: [102] S. 134), „krauster Maulkorbgürtel“ (1649; ebd. S. 22), „krauste Knöpfe“ (1690; ebd. S. 23, vgl. auch S. 44 und 134; noch heute heißen in der Miesbacher Gegend Silber-F.nadeln „krauste Glufen“: ebd. S. 45), „grausse Dinge“ (1708; [12] S. 72), „krause und gezwirnte Dratfäden“ (1761; [16] S. 102), „der feine, flachkrause und gezogene Drath“ (1794; [29] S. 455). Dem „kraus“ entspricht im Französischen „d’or frisé“ (Inv. der Ste-Chapelle in Bourges, 1564: [168 a] S. 713). - Auf die dekorative Struktur des F.drahtes bezieht sich im Französischen ein hinzugesetztes „dentelée“ (gezähnt oder durchbrochen; belegt 1463: ebd.), ebenso das dt. Wort „gekörnt“ (Siebenbürgen, 1607: [182] S. 72-74; das Wort kann nicht auf Granulation bezogen werden, da sie auf Siebenbürger Heftlein dieser Zeit nicht vorkommt, vgl. ebd. Taf. XVII). In der 2. H. 18. Jh. gebrauchte man mehrfach das Wort „Kornfaden“, das man als erläuternde Übersetzung dem Wort F. hinzusetzte ([16] S. 102; [23] Bd. 9 S. 476; [26] S. 86; [29] S. 455).

2. Bezeichnungen, die das Aussehen des F. beschreiben, gebrauchte man vor allem im Hoch-MA. So nannte Theophilus Ranken-F. aus Perldraht „flosculi“ (III. 52: [5] S. 102; [6] S. 102); Matthew Paris beschrieb einen im Kloster St. Albans verwahrten Kelch, der „intricatorum flosculorum opere delicato venustatum“ war [168 a, S. 713]. „Laubrig hefftlein“ nannte man 1607 in Siebenbürgen die in Schnittwerk hergestellten Spangen (s. Sp. 1091). - Mit „triphoire“ belegte der Verf. des „Chronicon S. Dionysii“ im 13. Jh. einer Arkadenfolge gleichende Edelsteinfassungen mit F. („Arkaturen-F.“; Du Cange Bd. 8 S. 182, s. v. „triforium“; „trifoirë“ in „Floire et Blancheflor“, Version I, um 1160, V. 497f.: Felicitas Krüger, Li romanz de Floire et Blancheflor, Bln. 1938 [Roman. Stud., H. 45; Diss. Gött. 1936]). - Auf die Feingliedrigkeit des F. zielt die Beschreibung eines Kleinods als „très bien ouvré de menue œuvre“ im Inv. Kg. Karls VI. von Frankreich, 1399 (ebd.). - Als „durchbrochene Arbeit“ ist durchbrochenes F. im Inv. der Münchner Silberkammer 1585 verzeichnet (Max Frankenburger, Die Silberkammer der Münchner Residenz, Mchn. 1923, S. 95); im Französischen gibt es die Bezeichnungen „ouvrée à jour“ für F. (Inv. des Hzg. von Berry, 1416: [168 a] S. 713; vgl. ebd. das Inv. des Schlosses Pau, 1561) und – von „menuiser“ (durchschneiden) abzuleiten - „menuisé“ (Inv. der Abtei von Grandmont, 1495: ebd.).

3. Auf die Herkunft (oder Herstellung?) des F. aus (in) Venedig bezieht sich die Benennung eines „de opere Venetico ad filum“ gearbeiteten Kruges 1295 ([168 a] S. 713; ebd. weitere ma. Goldschmiedearbeiten „de opere Veniscie“, ”de l’ouvrage de Venise“ und „à la façon de Venise“ auf F.arbeiten bezogen; s. auch [163] S. 287). - Angenommene Herkunft des F. aus dem Orient, speziell aus Damaskus, führte dazu, spätma. F.arbeiten „à ouvrages d’oultremer“, „faicte d’ouvrage de Damas“ oder „à façon de Damas“ zu bezeichnen (so jedenfalls [168 a] S. 713, zu den Jahren 1380, 1411 und 1420). - Im Ungarn des 15. Jh. wurde das aus der seit 1362 ungarischen Stadt Ragusa (Dubrovnik) eingeführte F. „opus raguzanum“ genannt [48, S. 22]. Vom siebenbürgischen F. heißt es in anderen Ländern, es sei „modo transsilvano“ gefertigt ([115] S. 30; bei [182] S. 45 als F.email gedeutet, erstmals 1508 belegt).

In Deutschland führte das Vorbild der aus Paris eingeführten F.arbeiten zur Bezeichnung „Parißarbeiter“ für den F.arbeiter (Hanau, 1610: [58] S. 143; Frankenthal, 1614 „Pariser Drahtarbeiter“: [128] S. 288) und zur Benennung von F. als „Pariser Arbeit“ (Wasserburg a. I., 1612: [102] S. 36).

II. Klassifikation

Es gibt bislang noch keine Klassifikation des F. Die Kriterien für sie sind die Arten des F.drahtes (A), die Materialien (B), die Arten des Aufbaus (C) und die Form des Ornaments (D).

A. Arten des Filigrandrahtes

1. Glatte Oberfläche, gleichmäßiger Querschnitt

Draht mit glatter Oberfläche und gleichmäßigem Querschnitt über die gesamte Länge ist die einfachste der für F. verwendeten Arten. Es gibt ihn als Runddraht und als Flachdraht.

a. Runddraht (Abb. 1.1; „einfacher Draht“: [69] S. 181) ist bereits im 3. Jt. v. Chr. bei F.arbeiten in Mesopotamien [98, Taf.abb. 8 a und 45] und Kleinasien nachzuweisen (Troia II g: ebd. Taf. 39; [52] Abb. 27). Im Früh-MA wurde er um 500 im Frankenreich verwendet [100, Taf. II Fig. 4], im 9. Jh. in Mähren (Medaillon einer Halskette: [88] Abb. 63), im Hoch-MA bei liturgischem Gerät (sog. Heinrichskreuz im Schatz von St. Peter in Fritzlar, Vorderseite, 11. Jh.: Abb. 21 b; Pontifikalring, ehem. im Schloßmus. Berlin, 11. Jh. oder später: [136] Nr. 51) und bei Reliquiaren (Armreliquiar, nach 1222, in St. Kunibert in Köln: Abb. 30; Dreikönigsschrein im Kölner Dom, A. 13. Jh. [?]: Abb. 28 b). Im 15./16. Jh. wurde Runddraht beim F.email in Ungarn (Siebenbürgen) verarbeitet (Beisp.: Abb. 37; [48] Abb. 14f.), E. 16. Jh. in Augsburg (Abb. 39), seit M. 18. Jh. in zunehmendem Maß (z. B. Abb. 43 und 47) vor allem zu Schmuck (Abb. 49, 51, 53, 54, 57, 58).

b. Flachdraht (Abb. 1.2) ist ein schmaler Metallstreifen von rechteckigem Querschnitt. In der Literatur trägt er vielerlei Bezeichnungen: „platter Draht“ [160, S. 523], „riemchenförmiger Draht“ (ebd. S. 527), „Platt- oder Lahndraht“ [39, Bd. 1 S. 555], „Lahn“, „Plätt“ oder „Plasch“ [35, Bd. 4 S. 243], „hochkam gestellte Lamellen“ [69, S. 180].

Im 9. Jh. kommt Flachdraht an Kreuzen vor (sog. Ardennenkreuz im Germ. Nat.mus. Nürnberg, Inv.nr. K.G. 763: Zs. f. Kg. 4, 1935, S. 210 Abb. 7), im 10./11. Jh. bei Schmuck (byzantinische Scheibenfibel des 10. Jh.: [80] S. 26, Abb. 10; rheinische Arbeiten: ebd. Abb. 12; Abb. 20; vgl. auch [94] Abb. S. 18 unten rechts). In der Neuzeit gibt es ihn an F.arbeiten des 16./17. Jh. in Schweden [80, Abb. 166] sowie aus Augsburg (Abb. 39-41), wo er auch im 18. Jh. (Abb. 42) vorkommt, ebenso in Venedig (Abb. 43) und bei volkstümlichen Arbeiten (Abb. 45, 47, 52-54, 57f.).

2. Strukturierter Draht

Strukturierter Draht wird sowohl aus Rund- wie aus Flachdraht hergestellt.

a. aus Runddraht

Aus Runddraht hergestellte Drähte:

Tordierter Runddraht (Abb. 1.3, Abb. 13 und 18) gilt gelegentlich zwar als „selbständige“ dekorative Drahtart ([67]; [69]), ist aber wahrscheinlich nur unvollkommen gerollter Runddraht (die Benennung „gezwirnter“ oder „einfach gezwirnter Draht“ bei [69] S. 180 ist irreführend).

Die Verwendung von tordiertem Runddraht ist bislang bekannt von römischen Arbeiten des 2. Jh. [141, Bd. 2 Taf. 27.4] und von nordischen des 9./10. Jh. ([69] S. 180ff.; [81] Bd. 1 S. 266, Bd. 2 S. 99-101, Abb. 54).

Flachgeschmiedeten tordierten Runddraht (Abb. 1.4) gibt es bei skandinavischen Arbeiten des 9. Jh. (Goldbrakteaten: Abb. 13; [69] S. 182, 187, 192ff.).

Perldraht (Abb. 1.7; „geperlter Draht“: [69] S. 180; „gekörnter Draht“: [160] S. 527) ist ein Runddraht, dessen durch Stauchung hervorgerufene Kerben den Eindruck einer Perlenreihe erwecken.

Im Altertum gab es Perldraht im 3. Jt. (Troia II g: [52] Abb. 26), im östl. Mittelmeergebiet seit dem 7. Jh. v. Chr. (aus Ephesos: [121] Taf. 22 C), besonders reich in Griechenland seit dem 6. Jh. [110, S. 207f.], ferner in der Spätzeit Ägyptens [186, S. 656]. In Mittel- und W-Europa kommt Perldraht seit der Latènezeit vor [155, Taf. 1 Nr. 3 und S. 123], in Schweden im 1 .-3. Jh. n. Chr. (ebd. Taf. 4 Nr. 71 und 74, Taf. 5 Nr. 110, Taf. 6 Nr. 143). Aus karol. Zeit gibt es Bucheinbände mit Perldraht (Abb. 12; Deckel des Cod. aureus der Bayer. St.bibl. Mchn., vor 893: [87] Abb. 32); in Schweden wurde Perldraht unter karol. Einfluß zu Schmuckstücken verarbeitet ([69] Taf. 62 Fig. 1, 9 und 14; [132] S. 20 Fig. 10), auch noch zur Wikingerzeit (Abb. 14: Scheibenfibel aus Haithabu). Im Hoch-MA gibt es Perldraht bei Schmuck (RDK I 174 Abb. 1; [109] Taf. 20 a-c), Bucheinbänden (Abb. 24), Reliquiaren (Abb. 30), Kreuzen (Abb. 21 b und 23), Schreinen (Abb. 28 a und b), Kronen (Abb. 17) und Kelchen (Abb. 33). Vom Spät-MA an ist Perldraht nur vereinzelt nachgewiesen an Arbeiten aus Ungarn und/ oder Siebenbürgen vom 15.-18. Jh. (vgl. Abb. 45 und 46), in Italien im 17. Jh. [187, Bd. 3 Taf. 32].

Flachgeschmiedeten Perldraht (Abb. 1.8) gibt es vereinzelt im 6. Jh. n. Chr. in N-Italien [171, Taf. 17 d]. Häufiger kommt er im 11. Jh. in den Rheinlanden vor bei Bucheinbänden [87, Abb. 64], Reliquiaren [61, Bd. 1 Taf. 18] und Kreuzen (Mittelstreifen der Arme am Kreuz der Äbtissin Theophanou in Essen: Abb. 23; sog. Heinrichskreuz im Schatz von St. Peter in Fritzlar: Abb. 21 b).

Beim Perldraht mit Äquatorschnitt (Abb. 1.9) weisen die „Perlen“ an ihrem größten Umfang eine nutenförmige Kerbung auf. Diese Erscheinung beruht darauf, daß die Herstellung nicht zu Ende geführt wurde (s. Sp. 1131; vgl. [132] S. 18 Fig. 5). Dennoch wird diese Drahtart von manchen Autoren zu Unrecht als selbständige ornamentale Ausbildung gewertet (z. B. [69] S. 188; [74] S. 19).

Beispiele finden sich bei Schmuck der Merowinger- und Karolingerzeit ([69] S. 188f., Taf. 59 Fig. 1, Taf. 60 Fig. 33; [74] Taf. 6 und 16) sowie bei Arbeiten des 10.-12. Jh. (Reichskrone: Abb. 17; Kreuz der Äbtissin Theophanou in Essen: Abb. 23; [69] S. 180 Anm. 2).

Kerbdraht ist ein Runddraht, dessen Strukturierung durch Kerbung erfolgt, jedoch ohne daß Perlen entstehen (Abb. 1.10). Meist liegen die Kerben quer zum Draht, so z. B. bei Schmuck der Bronzezeit (um 1200 v. Chr.: [184] Abb. 137 a) und des Früh-MA (Abb. 15; RDK IV 715 Abb. 1), häufig im Hoch-MA (Abb. 20, 26, 27, 28 a, 31; [145] Farbtaf. 20f.), im Spät-MA bei siebenbürgischem F.email [48, Abb. 4, 13, 16]. - Kerbung des Drahtes nur an der Oberseite ist bei nordischen Arbeiten des 9. Jh. nachweisbar [69, S. 181], gewindeartige Kerbung bei alemannischen des 7. Jh. [124, S. 176, Abb. 3], Kerbung in Längsrichtung des Drahtes an karolingischen Arbeiten [69, Taf. 58 Fig. 3 a-b]. - Flachgeschmiedeter Kerbdraht (Abb. 1.11) kommt an hochma. F.arbeiten oft vor (vgl. Abb. 18, 26, 31; [87] S. 108, Abb. 48).

Spuldraht (Abb. 1.12; [138] S. 220 Abb. E) erweckt den Eindruck, als bestünde er aus einer Reihe von Spulen mit konkav gekrümmter Oberfläche. Sauber gearbeiteter Spuldraht ist außerordentlich selten (manchmal wurde er zusammen mit Perldraht verwendet: [141] Bd. 1 Taf. 15).

Beispiele gibt es aus der Antike: griechischer Schmuck des frühen 2. Jh. v. Chr. (ebd. Bd. 1 Taf. 15), römischer des 3.-4. Jh. n. Chr. [136, Nr. 32 Taf. 32]. Das späteste bekannt gewordene Beispiel für die Verwendung von sauber gearbeitetem Spuldraht ist eine mährische Riemenzunge des 9. Jh. [88, Abb. 22].

Schon einige frühma. und alle F.arbeiten mit Spuldraht seit dem Hoch-MA sind als Ergebnis technisch mangelhafter Herstellung von Perldraht anzusehen; oft wurden für die gewählte Stärke des Drahtes zu kleine „Perlfeilen“ verwendet (zu diesen s. Sp. 1130f.).

Beispiele hierfür gibt es seit der Merowingerzeit (RDK IV 715 Abb. 1); aus dem 11. Jh. seien das Heinrichsportatile in der Münchner Residenz [61, Bd. 1 Taf. 28] und das sog. Heinrichskreuz in Fritzlar genannt (Abb. 21 b), aus dem Spät-MA eine Reliquienkapsel im Mus. du Louvre in Paris, 15. Jh. [52, Abb. 93], und der Handspiegel der Isabella von Kastilien, Florenz (?) um 1490 [115, Abb. 562 a].

Spuldraht mit Äquatorschnitt (Abb. 1.13) kennt man bisher nur aus dem Ägypten des Neuen Reiches (18.-20. Dynastie: [111] Abb. S. 26f) und vom Elisabethschrein in Marburg (Abb. 32 a und b), flachgeschmiedeten Spuldraht aus dem 11. Jh. (sog. Heinrichskreuz in Fritzlar: Abb. 21 b).

Gewindedraht (irreführend auch „kordierter Draht“ genannt: [45] S. 17) ist ein Runddraht mit eingeschnittenem Gewinde (Abb. 1.14; [132] S. 22f. Fig. 11-14), der meist flachgewalzt verarbeitet wurde (Abb. 1.15). Im 10. Jh. ist er bei wikingischem Schmuck zu belegen [81, Bd. 1 S. 267, Bd. 2 Abb. 17], seit dem 18. Jh. in Norwegen [82, S. 6f.], seit Beginn des 19. Jh. in Schwäbisch Gmünd ([60] S. 83; vgl. [44] S. 68).

Spiraldraht (Abb. 1.16) ist ein spiralig in Art eines langen, dünnen Zylinders eng gewickelter Runddraht. Von der ausgehenden Antike bis in die Neuzeit kommt er nur vereinzelt vor: Schmuck des 2. Jh. n. Chr. in Schweden [139, S. 90, Abb. 70]; Reichskrone in Wien (Abb. 17); Kreuzreliquiar der Kath. Pfarrkirche in Mettlach, um 1200 [49, Taf. 91]; russischer Kelch („Keglevich-Kelch“) des 17. Jh. im Nat.mus. Budapest [48, Abb. 20]. Erst bei sog. volkstümlichen F.arbeiten im 17./18. Jh. gibt es ihn häufiger, so bei Schwäbisch Gmünder Rosenkranzanhängern, Gebetbucheinbänden und Halsbandschließen [60, Abb. 47, 54 und 58].

b. von eckigem Querschnitt

Strukturierte Drähte von eckigem Querschnitt.

Spiralspuldraht (irreführenderweise auch „gedrehter“ oder „gewundener“ Draht genannt: [74] S. 19) zeigt durch Tordieren schraubenförmig verlaufende Kanten. Der Querschnitt ist meist quadratisch (Abb. 2.1; Varianten: [79] Fig. 238 Nr. 1-7 und 10). Draht dieser Art gab es in Mesopotamien im 3. Jt. [186, S. 655], in Mitteleuropa seit der späten Bronzezeit [149, Abb. 62]. In provinzialrömischer Zeit kam er im Rheinland vor (Schmuck des 2.-3. Jh. n. Chr.: [56] S. 5, Taf. I.20; eine Variante mit durch Kerben perldrahtähnlich strukturierten Enden: ebd. S. 5, Taf. I.21). In größerem Umfang ist Spiralspuldraht auf Arbeiten aus dem E. 15. Jh. anzutreffen (Klosterneuburg, Stift, sog. Matthias-Corvinus-Kelch: [48] Abb. 11; sog. Matthias-Corvinus-Pokal in Wiener Neustadt, um 1480 [?]: [115] Abb. 64). - Spiralspuldraht von rechteckigem Querschnitt (Abb. 2.2) ist äußerst selten, nachgewiesen auf fränkischen Goldscheibenfibeln des 6.-7. Jh. (Abb. 9; [74] Taf. 11).

Gekerbter Flachdraht, ein durch gehämmerte, ziselierte oder eingefeilte Kerben strukturierter Draht, wurde ausschließlich hochkant stehend verwendet. Am häufigsten ist die Oberkante gekerbt (Abb. 2.3), so bei Schmuck (Gewandspange des 10./11. Jh.: [90] Abb. 67) oder bei Reliquiaren des 10.-13. Jh. (Abb. 32 a und b: [160] S. 527). An den Seiten gekerbten Flachdraht (Abb. 2.4) kennt man vom Benignusschrein in St. Servatius in Siegburg, kölnisch, E. 12. Jh. [49, Taf. 58, rechts].

Gefältelter Flachdraht (auch „gewelltes [Gold-]Bändchen“: [74] S. 20f.) ist ein mit der Breitseite aufliegender Draht, der scharffaltig so gebogen ist, daß sich die Abschnitte an den Faltstellen überlappen (Abb. 2.5). Wird er - was häufig ist- für kreisbogig verlaufende Bänder verwendet, verläuft die Fältelung schiefwinklig.

Die ältesten Beispiele sind solche des 1.-2. Jh. (?) aus S-Rußland [141, Bd. 1 Farbtaf. II Nr. 4, Taf. 17 Nr. 11]. Im 4. Jh. gibt es gefältelten Flachdraht bei provinzialrömischen Ringen im Rheinland [56, Taf. 15 Nr. 283 und 284], um 600 bei alemannischen Goldscheibenfibeln [172, Abb. 55], im 6.-7. Jh. in größerem Umfang bei fränkischen (Abb. 9; [74] S. 20 u.ö., Taf. 3, 12, 15, 24-26, 29).

Gewellter Flachdraht ist querrechteckig und regelmäßig wellenförmig gebogen (Abb. 2.6).

Er ist seit karol. Zeit nachgewiesen (Arnulfziborium der Münchner Residenz, vor 893, Leisten in den Dachwinkeln: [140] Abb. 2f.; mährische Riemenzunge, 9. Jh.: [88] Abb. 18). Seine stärkste Verbreitung fand er im 10.-11. Jh., wo er bei Schmuck ebenso vorkommt (Abb. 20; RDK I 174 Abb. 1; [111] Abb. S. 127; [109] Taf. 20 a-c; [52] Abb. 88f.) wie bei Bucheinbänden (ein Beisp. Abb. 24), Reliquiaren [61, Bd. 1 Taf. 18] und weltlichen Insignien (Reichskreuz in der Weltlichen Schatzkammer des Kh. Mus. in Wien: [147] Taf. 2); vgl. auch den Rahmen ehem. im Schinkel-Beuth-Mus., jetzt im Kgw.mus. Berlin-Köpenick, eine Trierer Arbeit des 10. Jh. [49, Taf. 3 Mitte].

Zickzackförmiger Flachdraht ist ein mit Hilfe von Spezialzangen oder -walzen abwechselnd scharf vor und zurückgeknickter querrechteckiger Draht (Abb. 2.7), nachzuweisen in Norwegen [82, S. 125] und in der Schweiz (vgl. [112] Abb. S. 33), bei volkstümlichen Arbeiten wohl seit der M. 18. Jh.

3. Granulierter Draht

Häufig tragen F.arbeiten Granulation: Besatz aus weitgestreuten Einzelgranalien (seit etwa 500: Abb. 7, 11-13, 20, 24, 26, 28 a und b, 30, 32 a und b, 39, 43, 51; RDK VIII 757 Abb. 20 a), in Goldröhrchen gefaßte Einzelgranalien (um 600: RDK IV 715 Abb. 1; um 1025: [57] S. 17, Taf. 5 Nr. 8), Liniengranulation (um 500-A. 11. Jh.: Abb. 7, 19, 21 a) oder Flächen- und Traubengranulation unterschiedlichster Form ([90] Abb. 65; Kh. Mus. Wien, Kat. der Slg. für Plastik und Kgwb., T. 1, Wien 1964 [Führer durch das Kh. Mus., 9], Taf. 31; [50] Fig. 127; [60] Abb. 46f., 51, 56). Dagegen ist die Belötung von Drähten mit Granalien sehr selten.

Zu den wenigen Beispielen gehört ein spätantiker oströmischer (?) Ring mit zylindrischer Traubengranulation um den Runddraht [136, Nr. 35, Taf. II], die dreiarmige Fibel des Schatzes von Hon, Norwegen, mit Streugranulation (um oder bald nach M. 9. Jh.: Sp. 757 Abb. 20 a), der Kelch der Marienkirche in Bergen auf Rügen, M. 13. Jh., mit Liniengranulation auf dem Draht (Abb. 33) und ein Anhänger des 17. Jh. mit Liniengranulation in der spiralförmigen Kerbung des Drahtes [187, Bd. 3 Taf. 3 Mitte, linke Abb.]. - Liniengranulation auf Zweidraht (meist Runddraht, s. Sp. 1075) gibt es vom 2.-4. Jh. häufiger (Beispiele: [107] Abb. 71; [172] Taf. 12).

4. Gekordelte Drähte

a. Kordeldraht (Abb. 1.5), häufig kordierter oder tordierter, auch gezwirnter Draht [160, S. 523], Kranzdraht und Dralldraht genannt [77, S. 189], wird durch Kordeln von - in der Regel zwei - Runddrähten hergestellt ([138] S. 220 Abb. B; s. Sp. 1135ff.; die Bezeichnung „doppelt gezwirnter Draht“ bei [69] S. 180 führt in die Irre). Nachgewiesen ist Kordeldraht seit dem 3. Jt. (Mesopotamien: [186] S. 655f. Fig. 445; [98] Taf.abb. 45).

In der römischen Kaiserzeit wurde er verwendet im England des 1. Jh. n. Chr. [149, Abb. 123 und 125], im Schweden des 2.-3. Jh. [139, Abb. 72], im provinzialrömischen Rheinland des 4. Jh. [56, Taf. 15 passim]. Im Früh-MA gibt es Kordeldraht im 6./7. Jh. bei schwedischen (Abb. 7 und 8) und fränkischen Goldschmiedearbeiten (RDK IV 715 Abb. 1); aus karol. Zeit ist das Arnulfziborium in der Schatzkammer der Münchner Residenz zu nennen (RDK IV 718 Abb. 4), auch Schmuck (in Skandinavien: Sp. 757f. Abb. 20 a und b; [69] S. 182f., 200 u.ö., z.T. „Import“ aus dem Karolingerreich; in Mähren: [88] Abb. 22). Im Hoch-MA ist Kordeldraht vor allem bei Werken anzutreffen, die - wie auch immer- mit byzantinischer Goldschmiedekunst zu tun haben (Armband, 11./12. Jh., aus dem Grab einer ungarischen Fürstin: [52] Abb. 58; Fingerreliquiar im Eichstätter Diöz.mus., s. Fingerreliquiar, Abb. 1 a–c; palermitanische Arbeiten: Rückdeckel vom Evangeliar des Erzbisch. Alfanus im Dom von Capua, zw. 1173 und 1182: Abb. 25; Zeremonienschwert in der Weltlichen Schatzkammer des Kh. Mus. Wien, vor 1220: Abb. 29), wurde aber auch im Rheinland verwendet (Gewandspange im Mus. für K. und Gewerbe, Hamburg, um 1000: Abb. 19), ebenso in Niedersachsen (sog. Kreuz Heinrichs des Löwen in Hl. Kreuz in Hildesheim, um oder kurz vor 1200: Abb. 27). Aus dem 15. bis 16. Jh. stammen ungarisch-siebenbürgische F.emailarbeiten mit Kordeldraht ([48] Abb. 4 u.ö.; [160] S. 532; [190] Abb. 109); auch in Venedig verwendete man ihn um diese Zeit (Abb. 39), ebenso in Augsburg, dort noch im 17. Jh. (Abb. 40, 41). Vom 18. Jh. an war er an sog. volkstümlichen Arbeiten weithin verbreitet (Abb. 43, 47, 51-53, 57; [60] S. 81).

Flachgeschmiedeter Kordeldraht ist auf Arbeiten des 9. Jh. in Schweden nachzuweisen (vermutlich Import: [69] S. 187 und 192, Taf. 56), dann im 12. und 13. Jh. auf palermitanischen Arbeiten (Abb. 25 und 29), später nur vereinzelt (in Venedig hergestellte Kette, 16. Jh.: Abb. 37). -Flachgewalzten Kordeldraht (auch „geplätteter Kordeldraht“ genannt; Abb. 1.6) gibt es erst seit dem 17. Jh. an Augsburger (Abb. 40-42) und venezianischen Arbeiten (Abb. 43; wohl auch [187] Bd. 1 Taf. 27); seit E. 17. Jh. ist er bei sog. volkstümlichem Schmuck weit verbreitet (Abb. 47, 51-54, 57f.; [117]; [151]; [148]).

Gekordelter Flachdraht, in der Regel aus zwei Flachdrähten, läßt sich ausschließlich in der Bronzezeit nachweisen (Palästina: [98] S. 115, Fig. 79, Taf.abb. 75; Zypern: ebd. Taf. 96-98; Schweden: [76] Taf. 1 S. 112, Fig. 224f.).

b. Gekordelte dekorativ strukturierte Drähte weisen, abhängig von Form und Anzahl der verwendeten Drähte sowie von Richtung und Schärfe der Kordelung, große Formenvielfalt auf (vgl. [81] Bd. 1 S. 270-278, Textabb. 22-39, 41-43; [79] Fig. 239 Nr. 14-18, Fig. 240f. Nr. 32-39, 42-44, Fig. 243 Nr. 69).

Gekordelten Perldraht gibt es auf merowingischen Scheibenfibeln [74, Taf. 15, 17, 22, 27] und in karolingischer Zeit auf dem Arnulfziborium (vor 893: RDK IV 718 Abb. 4). Gekordelter, in Längsrichtung gekerbter Runddraht kommt bei schwedischem Schmuck des 10. Jh. vor [69, S. 201, Taf. 61 Nr. 1 und 62 Nr. 7], gekordelter, mit Flachdraht umwickelter Runddraht im 11. Jh. ebenfalls in Schweden [139, Abb. 36].

Gekordelter Kordeldraht (manchmal irreführend als „Koweldraht“ oder „Kordeldraht“ schlechthin bezeichnet: [77] S. 189) ist weit verbreitet. Man findet ihn bei provinzialrömischem Schmuck des 4. Jh. im Rheinland [56, Taf. 14 Nr. 281], bei karolingischen Arbeiten (Arnulfziborium, vor 893: RDK IV 718 Abb. 4) und in der Neuzeit bei Augsburger Silber-F. des 17. Jh. (z. B. Abb. 40) sowie bei volkstümlichem Schmuck seit dem 18. Jh. (Abb. 49, 54, 57, 58; [136] Nr. 180 Taf. 13).

Daß man auch Runddraht und Perldraht kordelte, ist zu beobachten bei griechischem Schmuck im 4.-3. Jh. v. Chr. ([52] Abb. 32; [141] Bd. 1 Taf. 13.11), in der 2. H. 15. Jh. an nord- und süddt. Arbeiten (Mantelspange in Itzehoe, um 1450: [91] Abb. 1; Ulmer [?] Buchdeckel, um 1500: [115] Abb. 826), im 18. Jh. an siebenbürgischen Brustspangen (Abb. 45f.).

5. Umwickelte Drähte

Bei umwickelten Drähten gibt es eine größere Anzahl von Varianten, da sowohl für den Kern als auch für den um ihn gewickelten oder gewundenen Draht jede Art von glattem, strukturiertem oder gekordeltem Draht verwendet werden konnte (vgl. [79] Fig. 239f. Nr. 19-25, 27-29, Fig. 241 Nr. 40f. und 47f., Fig. 242f. Nr. 50, 62-64, 66-68 und 70-72).

Grober, mit Perldraht umwickelter Kordeldraht findet sich bei gallischen Halsreifen, 4. Jh. v. Chr. [85, Taf. 16 a]. Mit Kordeldraht umwickelter Runddraht ist von provinzialrömischem Schmuck des 4. Jh. aus dem heutigen Frankreich [56, Taf. 15 Nr. 288f.] und aus dem Siebenbürgen des 16. Jh. bekannt [181, Taf. 10 Nr. 2, Taf. 11 Nr. 2], mit feinem Runddraht umwickelter grober Runddraht aus dem römischen Rheinland (4./5. Jh.: [56] Taf. 2 passim), zeitgleich aus Mähren und Ungarn [106, S. 47-49], dann wesentlich später bei italienischen Arbeiten des späten 15. Jh. (Handspiegel der Isabella von Kastilien, Florenz [?], um 1490: [115] Abb. 562 a), bei Nürnberger Arbeiten des späten 16. Jh. (Schmuckkasten in Dresden, um 1590: [187] Bd. 1 Taf. 23). Mit Flachdraht umwickelten Runddraht verwendete man im 11. Jh. in Gotland zu F.arbeiten [139, Abb. 37]. - Vom 14.-16. Jh. waren umwickelte Drähte der verschiedensten Art verbreitet, z. B. seitlich gekerbter und spiralförmig gewundener, mit Perldraht umwickelter Flachdraht (Reliquienkapsel in Paris, 15. Jh.: [52] Abb. 93), mit Kerbdraht umwickelter Spiralspuldraht von quadratischem Querschnitt (in Ungarn im 15. Jh.: [48] Abb. 19); mit Perldraht umwickelter Runddraht (Deutschland, 16. Jh.: [52] Abb. 136 links); eine weitere Variante: Abb. 43.

6. Parallel angeordnete, dekorativ strukturierte oder gekordelte Drähte

Mehrere parallel angeordnete, dekorativ strukturierte oder gekordelte Drähte gibt es bis zum Ende des Hoch-MA. Sie werden je nach Anzahl der verwendeten Drähte als Zwei-, Drei-, Vier- und Fünfdraht bezeichnet. Eine noch größere Anzahl - bis zu zwanzig Drähte - gibt es bei schwedischen goldenen Halskragen des 6. Jh. (Abb. 7 und 8) und bei dänischem Schmuck des 10. Jh. (Abb. 18).

a. Zweidraht.

In der Kordelung gegenläufige Kordeldrähte ergeben, nebeneinandergesetzt, ein wie geflochten erscheinendes Muster und werden daher als Kordelzopf bezeichnet ([82] Abb. S. 123; [138] S. 220 Abb. C).

Diese Form des Zweidrahtes ist die älteste, zu belegen in Mesopotamien im 3. Jt. [98, Taf.abb. 8 a], in Ägypten und Zypern im 2. Jt. ([111] Taf. S. 26; [135] Nr. 684). In Griechenland wurde Kordelzopf im 4. Jh. v. Chr. auf Schmuckstücken angebracht [52, Abb. 31], in N-Europa im 1.-2. Jh. n. Chr. (Goldberlocke: [76] Teil 2 Fig. 238). In der Merowinger- und Karolingerzeit kommt Kordelzopf an Schmuck (RDK IV 715 Abb. 1) und liturgischem Gerät vor (Hans Thoma, Kronen und Kleinodien, Mchn. 1955, Abb. 4), zeitgleich auch in Byzanz [74, S. 53] und in Schweden (Schmuck: Abb. 7 und 8); in Skandinavien gibt es ihn auch im 10./11. Jh. (Abb. 18; [139] Abb. 35). Kordelzöpfe begrenzen die mit Würmchen-F. gefüllten Felder beider Schließen des Krönungsmantels in der Weltlichen Schatzkammer in Wien (Palermo, 1133/34: Franz Bock, Die byz. Zellenschmelze der Slg. Swenigorodskoi, Aachen 1896, Taf. 16 a); aus dem A. 11. Jh. stammt ein damit gezierter Ring des sog. Giselaschmucks [136, Nr. 42, Taf. 4]. Am Scheibenkreuz im Villinger Münsterschatz gehören die Teile mit Kordelzopf zu den vor 1268 entstandenen [144, Bd. 1 Kat.nr. 598, Bd. 2 Abb. 414].

Als Zweidraht angeordneter gekordelter Perldraht ist von fränkischen Goldscheibenfibeln des 7. Jh. bekannt [74, Taf. 14 und 22].

Gleichlaufend gekordelte Kordeldrähte gibt es bei fränkischen Goldscheibenfibeln des 7. Jh. [74, Taf. 1 und 22], desgleichen parallel angeordnete Perldrähte (ebd. Taf. 17 und 31), die noch im 12. Jh. in Frankreich verwendet wurden (Kelch des Abtes Suger, um 1140: Hans Wentzel in: Stud. zur Buchmal. und Goldschmiedek. des MA. Fs. für Karl Herm. Usener, Marburg a. d. L. 1967, S. 65-78, Abb. 14f.). Im Gegensinn gefältelte Flachdrähte sind von fränkischen Goldscheibenfibeln bekannt [74, Taf. 3 und 24]. Hochkant stehenden Flachdraht mit aufgelötetem Perldraht gibt es an karolingischem Schmuck (Abb. 11; auch in Skandinavien: [69] S. 187, Taf. 59.3). Gekerbte Flachdrähte finden sich von M. 12. bis M. 13. Jh. u. a. auf Reliquiaren [160, S. 527] und Schreinen ([62] S. 32: „gezahnter Doppeldraht“).

b. Dreidraht kommt zwar in der Antike vor (z. B. ein Perldraht zwischen zwei Runddrähten auf einem Ring des 4. Jh. aus Zypern: [135] Nr. 703), seine weiteste und nuancenreichste Verbreitung fand er indes in Mittel- und N-Europa vom 5. bis E. 9. Jh.

Als Beispiele seien genannt der Goldkragen aus Möne, 6. Jh., mit einem groben Perldraht zwischen zwei feinen (Abb. 8), die fränkische Scheibenfibel des 7. Jh. aus Minden Krs. Trier in Bonn mit einem Spiralspuldraht von rechteckigem Querschnitt zwischen zwei Perldrähten [74, Taf. 26], ein Brakteat um 800 in Schweden mit einem Runddraht zwischen zwei Kordeldrähten [69, S. 192f.], das Giselakreuz, um 1006, in der Schatzkammer der Münchner Residenz mit einem gewellten Flachdraht zwischen zwei Runddrähten [140, Abb. 5]. An Reliquiaren des 12. Jh. gibt es F. aus drei parallel angeordneten gekerbten Flachdrähten [160, S. 527]. Drei Kerbdrähte, auf Lücke übereinander angeordnet, befinden sich an der Bügelfibel von Wittislingen, 7. Jh. [124, S. 176]; einen Runddraht, auf zwei tordierte Runddrähte gelegt, gibt es auf einem gotländischen Brakteaten der Zeit um 800 [69, Taf. 57 Nr. 1 und 58 Nr. 1]; einen Perldraht auf einem tordierten Runddraht, dieser auf einem hochkant stehenden Flachdraht, zeigt der Kelch von Ardagh im Nationalmuseum in Dublin, 8. Jh. (ebd. S. 187; Marc Rosenberg, Gesch. der Goldschmiedek. auf techn. Grundlage, Granulation, Ffm. 1918, Abb. 213).

c. Vierdraht ist selten. Zu den wenigen Beispielen gehören langobardische Fibeln des 7. Jh. mit einem Kordelzopf zwischen zwei Kerbdrähten [107, Abb. 66]. Fünfdraht gibt es auf spätrömischem Schmuck des 4. Jh., z. B. gebildet aus zwei Runddrähten und drei gegenläufig gekordelten Kordeldrähten [135, Nr. 269]. Im 7. Jh. gibt es Fünfdraht aus zwei gefältelten Flachdrähten und drei Perldrähten [74, Taf. 24], im 10. Jh. aus drei kordierten und zwei glatten Runddrähten (Schmuck aus Jütland: [107] Abb. 84).

7. Verflochtene Drähte

Flechtbänder bestehen aus drei oder vier, Taubänder aus zwei Strängen, deren jeder aus mehreren in einer Ebene gelagerten Runddrähten gebildet ist.

Beide Formen kommen seit der 2. H. 2. Jt. vor (Zypern: [135] Nr. 680; Ägypten: Howard Carter und Arthur C. Mace, Tut-ench-Amun..., Lpz. 51928, Bd. 2 Taf. 87). Im römischen Kunstgewerbe gibt es sie im 1./2. Jh. n. Chr. ([96] Taf. 8 und 10,2), im Früh-MA in Byzanz (Abb. 10) ebenso wie im Westen (Reliquienkästchen im Kh.Mus. Wien, 6. Jh.: [158] Bd. 1 Taf. 107, oben; Helmuth Buschhausen, Die spätröm. Metallscrinia und frühchr. Reliquiare, 1. T, Wien 1971 [Wiener byz. Stud., 9], S. 251f.), im 7. Jh. bei den Langobarden (Scheibenfibel: [85] Taf. 71 a), im 9.-11. Jh. in Skandinavien (Silberspange: [179] Abb. 504), im 11./12. Jh. an Arbeiten im byzantinischen Einflußbereich (Armband aus einem Fürstinnengrab in Ungarn: [52] Abb. 58).

Schnüre (Kordeln) gibt es an etruskischen Goldschmiedearbeiten des 3. Jh. v. Chr. [135, Nr. 914, Taf. 23] und in N-Europa im 1./2. Jh. n. Chr. [155, S. 124]. Die größte Vielfalt zeigen Goldschmiedearbeiten der Wikingerzeit in Skandinavien (10. Jh.: [81] Bd. 1 S. 279-288, Textabb. 40 und 44-70). Das bislang späteste bekannte Vorkommen von Goldschnüren zur Dekoration von Gerät ist der 1582 entstandene große Schmuckkasten von Wenzel Jamnitzer (Dresden, Grünes Gewölbe: [187] Bd. 1 Taf. 21).

Geflochtene Ketten findet man auf F.arbeiten des 16.-17. Jh. Zu den frühesten Beispielen gehören jüdische Hochzeitsringe des 16./17 Jh. [136, Nr. 210, Taf. 14]. Im 17. Jh. wurden Ketten für italienische F.arbeiten [187, Bd. 3 Taf. 32], Augsburger Gerät (Abb. 40), holländische F.möbel (Bengt Bengtsson, Möbler i filigran, Kulturen 1969, S. 49-74, Abb. 4f., 7, 10, 12, 14, 16) und Süderdithmarschener Becher verwendet [66, Abb. 227]. Zu den spätesten Beispielen gehört eine Kanne des in Schweden tätigen Goldschmieds Joh. Friedr. Straub von etwa 1700 [95, Abb. S. 76, Farbtaf. 8].

B. Art des Aufbaus

1. Rezipienten mit geschlossener Fläche

Drahtbelötung auf Rezipienten mit geschlossener Fläche („Muster-F.“: [117] S. 19) ist die bei weitem häufigste Form des F. (Abb. 10-14,18, 20, 21 a und b, 23-25, 27-30, 32 a und b, 41, 43, 45f.). Als Rezipient dient planes und getriebenes Blech; auch gepreßtes Blech ist verwendet, z. B. vom 6.-10. Jh. in Skandinavien (Abb. 7f.; [81] Bd. 1 S. 269). Vollständig mit F. überfangene Gefäßkörper (oder Teile eines solchen) gibt es aus der M. 13. Jh. in N-Deutschland (Abb. 33), aus dem 16.-17. Jh. in Augsburg (Abb. 39f.). Stellenweise vom Rezipienten abgehobenes F.laubwerk ist von Augsburger (Abb. 42) und venezianischen Arbeiten (Abb. 43) des 18. Jh. bekannt. Bei volkstümlichem Schmuck ist F. mit massivem Blech als Rezipienten hauptsächlich in N-Deutschland vertreten (Beispiele bei [148]), vom 18. Jh. an auch in S-Deutschland [86, S. 169, Abb. 44]; in der Biedermeierzeit war es in Deutschland und Österreich allgemein üblich (Brosche, Gold mit Koralle, um 1840: [137] Abb. 6, links).

2. verstiftetes F.

Frei gearbeitetes, auf einer Metallunterlage verstiftetes F. ist von norddeutschem Schmuck des 18. und 19. Jh. bekannt (Abb. 52f.).

3. Durchbrochene Rezipienten

Drahtbelötung auf einem Rezipienten, der nachträglich mit Meißeln durchbrochen wurde, ist nur aus zwei Zeiträumen bekannt. In der Antike findet man F. dieser Art im 7.-6. Jh. bei den Etruskern und Phöniziern ([121] S. 148; [97] Abb. S. 48, unten links) und im 4.-3. Jh. bei den Griechen [121, S. 155]. Aus dem MA ist es an Arbeiten karolingischer und ottonischer Zeit bekannt: Kelch von Ardagh in Dublin, 8. Jh. [105, S. 257-259, Fig. 39f. und 42f.]; Arnulfziborium in München, vor 893 (RDK IV 718 Abb. 4); Reichskrone in Wien, 3. Dr. 10. Jh. [168, Taf. 1-6]; Mainzer Fibel in Privatbesitz ([108] S. 72; [109] S. 67); sog. Heinrichskreuz im Schatz von St. Peter in Fritzlar (Abb. 21 a und b); Theophanou-Kreuz in Essen (Abb. 23).

4. F. ohne einen Rezipienten

F. ohne einen Rezipienten („Zellen-F.“: [117] S. 19) tritt ebenso früh auf wie F. mit einem Rezipienten, ist also keine späte Entwicklungsstufe des F., wie gelegentlich angenommen wurde.

Beispiele gibt es im 3. Jt. v. Chr. in Mesopotamien [98, Fig. 34, Taf. 38 und 14] und Kleinasien (Anatolien: ebd. Taf. 37 b; Troia II g: ebd. Fig. 32 und 33, Taf. 39, oben), im 2. Jt. in Ägypten [101, Fig. 39]. Aus dem 8.-5. Jh. v. Chr. kennt man es in großem Umfang von etruskischem Schmuck ([85] Taf. 6 b, 7 und 14; [121] S. 19f., Taf. 3 B; [141] Bd. 1 Taf. 68.1), im 4. Jh. v. Chr. von griechischem [141, Bd. 1 Taf. 12, a], im 2.-5. Jh. n. Chr. von römischen Arbeiten ([96] Taf. 12f.; [135] Nr. 558 und 818; [97] Abb. S. 131). Aus dem 6.-7. Jh. ist F. ohne einen Rezipienten im Osten von syrischem [52, Abb. 55] und byzantinischem Schmuck bekannt ([85] Taf. 68 a; [97] Abb. S. 32; [149] Abb. 188 und 191), im Westen von fränkischem der Merowingerzeit ([171] Taf. 31, Kette und Ohrringe; Gerh. Fingerlin, Imitationsformen byz. Körbchen-Ohrringe..., Fundber. aus Baden-Württ. 1, 1974, S. 597-626, Abb. 1 Fig. 6f., Abb. 2 Fig. 6f. und 10), in der 2. H. 9. Jh. aus Mähren [88, Abb. 46].

Im 10./11. Jh. verwendete man F. ohne einen Rezipienten vielfach, so an Regalien (Reichskrone: Abb. 17), auf Kreuzen (Abb. 21 b), zu Schmuck ([57] Abb. 18f.; [111] Abb. S. 121 unten; [149] Abb. 258; [188] Taf. 19 Abb. 5). Im 12. und 13. Jh. kommt es an Schmuck nur vereinzelt vor (Abb. 31), gelegentlich auf Reliquiaren (Abb. 32 a und b), sehr häufig an Knäufen von Reliquiaren (Elisabethschrein in Marburg: [62] Abb. 172 und 182) und an Kelchnodi ([159] S. 149; [144] Bd. 1 Nr. 561, 581 und 595, Bd. 2 Abb. 363, 389 und 410). Im 15. Jh. verwendete man es an kirchlichem Gerät [182, Abb. 200] und für Rosenkranzkugeln [50, Fig. 127], im 16. Jh. für Schmuck wie für Gerät, und zwar in vielen Ländern: in Spanien oder Frankreich [80, Abb. 149], Schweden (ebd. Abb. 166), ferner in Italien [187, Bd. 3 Taf. 27, unten Mitte] und Deutschland [80, Abb. 217], wo auch später noch manche Goldschmiede F.arbeiten ohne Rezipienten herstellten: Italienische Beispiele des 17. Jh. bei [187] Bd. 1 Taf. 27, Bd. 3 Taf. 32; Kdm. Österr. 9 S. 42, Taf. 8; Arbeiten aus Augsburg sind die Tischuhr von Christoph Ullmeyer [187, Bd. 2 Taf. 23] sowie Abb. 40 und 42. An volkstümlichem Schmuck ist im 17. Jh., mehr noch seit dem 18. Jh., F. ohne Rezipienten verbreitet (Abb. 47, 49, 54, 57f.). - Der für das 16. und vor allem 17. Jh. vielberufene orientalische, indische und südamerikanische Einfluß kann bestenfalls auf die Ornamentik bezogen werden, nicht auf eine Einführung des F. ohne einen Rezipienten, das in Europa lange vor dieser Zeit vorkommt.

C. Ornamentformen

1. Grundformen

Die Grundformen sind durch Biegen des F.drahtes hergestellt, in geringem Umfang zusätzlich aus gerade geführtem Draht, und einzeln, kombiniert, in Reihung oder flächenfüllend angebracht.

a. Bevorzugte lineare Grundformen.

Kreisbogen-, Schlingen- und Schlaufenornamente kommen in Skandinavien im 2. und 5. Jh. n. Chr., in Mitteleuropa in der Merowingerzeit, in Mähren im 9. Jh. vor.

Die häufigsten Formen sind: Halbkreisbogen (Abb. 3.1 und Abb. 7; auch gestelzt: [74] Taf. 31), S-Bogen (Abb. 3.2; ebd. Taf. 2 und 23; [139] Abb. 70, unten), 8-förmige Schlinge (Abb. 3.3; RDK IV 715 Abb. 1; [74] Taf. 1, 6 und 18, oben), S-Bogen mit spiraligen Enden (Abb. 3.4; ebd. Taf. 7 und 12), Schlinge in Gestalt eines Paragraph-Zeichens (Abb. 3.5; ebd. Taf. 7), einfache Schlaufe (Abb. 3.6; ebd. Taf. 31), offene Schlinge (Abb. 3.7; ebd. Taf. 13 und 25, oben), offene Schlinge mit spiraligen Enden (Abb. 3.8; [88] Abb. 39).

Die verschiedenen Spiralornamente sind zeitlich und geographisch weit verbreitet und können daher nur in Ausnahmefällen für eine nähere Bestimmung herangezogen werden.

Einfache Spiralen (Abb. 3.9) gibt es z. B. im 7.-6. Jh. v. Chr. in Syrien [98, Taf.abb. 213f.], im 4. Jh. n. Chr. an provinzialrömischen Arbeiten [56, Taf. 15 Nr. 284 und 286]. Gleichlaufende Doppelspiralen mit S-förmigem Bindeglied (Abb. 3.10) kommen um 2000 v. Chr. an Arbeiten aus Georgien vor [98, Taf.abb. 52], A. 12. Jh. v. Chr. an solchen aus Syrien (ebd. Taf.abb. 215), im 5. Jh. v. Chr. bei den Griechen [169, Taf. 8 Nr. 294], im 6. Jh. n. Chr. an fränkischen Fibeln (Abb. 9). Gegenläufige Doppelspiralen mit Bügel („Brillenornament“, „Brezel“; Abb. 3.11) sind schon aus Troia II g, um 2350, bekannt ([98] Taf.abb. 39; [52] Abb. 27 links). Im 7.-8. Jh. kennt man sie von byzantinischem Schmuck [172, Taf. 30], ebenso von fränkischem [74, Taf. 1 und 6f.], aus dem 9. Jh. von Arbeiten in Skandinavien [69, S. 197, Taf. 61 Nr. 2] und in Mähren [88, Abb. 22]. Eine Sonderform sind die an volkstümlichem Schmuck der Neuzeit weit verbreiteten gegenläufigen Doppelspiralen von dreieckigem Gesamtumriß (Abb. 3.12), die „Brinkel“ (norddt.), Spindeln oder „Schnäggli“ (schweizerisch; vgl. [112] S. 31). Auch die auf fränkischen Fibeln des 7. Jh. n. Chr. vorkommende gleicharmige oder ungleicharmige Swastika mit Spiralenden (Abb. 3.13) mag unter die Spiralornamente gezählt werden [74, Taf. 1 und 29].

b. Von den konzentrischen Ornamenten ist der Drahtring (Öse; norddt. irrig auch „Krulle“: [77] S. 189) - mit oder ohne Granalie in der Mitte, der Kreis manchmal geöffnet - weit verbreitet.

Er ist im 3. Jt. in Kleinasien (Troia II g, um 2350: [98] Taf.abb. 39) und Mesopotamien (ebd. Taf.abb. 45) bekannt. Im 6. Jh. n. Chr. kommt er an Arbeiten aus Schweden vor (Abb. 8), im 6.-7. Jh. bei fränkischen Fibeln (Abb. 9; RDK IV 715 Abb. 1; [74] Taf. 1f., 4f., 9, 16f. und 19), um 800 auf gotländischen Brakteaten [69, S. 190, Abb. 33 Nr. 4, Taf. 57 Nr. 2], im 9. Jh. an karolingischem Schmuck (RDK VIII 757 Abb. 20 a), im 15./16. Jh. an italienischem, ungarischem und siebenbürgischem Kirchengerät ([115] Abb. 838; [159] S. 150; [160] S. 532 und 546; [190] Abb. 109), im späten 16. und im 17. Jh. in Süddeutschland an Riechkugeln (Günther Schiedlausky, K. und Antiquitäten 1985, H. 4 S. 28-38, Abb. 22, 24f., 27) sowie noch im 19. Jh. an italienischen Arbeiten [136, Taf. 13 Nr. 208].

Die meisten anderen konzentrischen Ornamente gab es nur kurzzeitig und in geographisch begrenzten Gebieten. Aus drei Schlingen gebildete Knoten (Abb. 3.14 und Abb. 15) und aus Schlingen gebildete sog. Vierpaßkreuze (Abb. 3.15) wurden im 9. Jh. n. Chr. verwendet (Abb. 15; [69] S. 190 Abb. 33 Nr. 5), vier Schlingen, die so angeordnet sind, daß eine Kreuzform mit quadratischem Zentrum entsteht (Abb. 3.18), kennt man von fränkischen Fibeln des 7. Jh. [74, Taf. 1]. Aus Schlingen gebildete Rosetten (Abb. 3.16; heutzutage auch irreführend „Zarge“ genannt: [112] S. 29) kommen schon im 3. Jt. vor (Troia Hg: [52] Abb. 27, rechts). Aus drei bis sechs Kreisformen um ein Zentrum gebildete Rosetten (Abb. 3.17) sind von ungarischen und siebenbürgischen Arbeiten des 15.-16. Jh. bekannt ([160] S. 532 und 546; [159] S. 150). Zu als Blüten verwendeten Rosetten s. Sp. 1092.

c. Endlose lineare Grundformen sind die Galeriedrähte sowie die Schlingen- und Schlaufenbänder. Mit Ausnahme der einfachen Wellenschlingen treten diese Ornamente räumlich und zeitlich nur begrenzt auf.

Als Galeriedrähte bezeichnet man gebogene Bandornamente ohne Drahtüberlagerung, die sich bisweilen paarweise durchdringen. Am häufigsten kommt die einfache Wellenschlinge vor (Abb. 4.1; norddt. „Gedärm“, irreführend auch „Zickzackdraht“ genannt, vgl. [77] S. 189; süddt. „Schneckendraht“: [60] S. 84; zur Herstellung s. Sp. 1139).

Es gibt sie in der Antike im 6. Jh. an etruskischem Schmuck (René Joffroy, Le trésor de Vix, Paris 1967, Abb. S. 107; [52] Abb. 36), im 5.-4. Jh. an griechisch-skytischen Arbeiten [97, Abb. S. 72], im 2. Jh. n. Chr. in Schweden [139, Abb. 70], E. 4. Jh. in Ostpreußen [171, Taf. 13 rechts]. Vom 9.-11. Jh. kommt das Ornament bei schwedischen ([69] Taf. 65 Nr. 2; [139] Abb. 36) und westdeutschen Arbeiten vor (Abb. 21 b), dann erst wieder ab etwa 1800 an nord- und süddeutschem volkstümlichen Schmuck (Abb. 54; [85] Abb. 44).

Schlingenbänder: Arkadenartige Wellenschlingen (Abb. 4.2) sind aus Syrien in der Zeit um 2000 v. Chr. bekannt [103, Abb. S. 242], Wellenschlingen in Form eines heraldischen Wolkenbandes (Abb. 4.3) aus dem Etrurien des 877. Jh. ([85] Taf. 7; [141] Bd. 1 Taf. 68.1), Spiralmäander („laufender Hund“; Abb. 4.4) von etruskischem Schmuck des 7. Jh. v. Chr. [110, Abb. S. 199]. Wellenschlingen mit großen und kleinen Schlingen im Wechsel (Abb. 4.5) sowie solche, bei denen jede zweite Schlinge nach außen versetzt ist (Abb. 4.6), kommen an Arbeiten aus dem 18. Jh. in Rußland vor [177, Abb. 102]. Einfache Wellenbänder (Abb. 4.7) gibt es im 7. Jh. (?) n. Chr. [135, Taf. 16 Nr. 558], Wellenbänder mit Ranken bei griechischem Schmuck aus dem 5.-4. Jh. v. Chr. (ebd. Nr. 219), zum Tau verschlungene Wellenbänder (Abb. 4.8) mit offenen Enden im 3. Jt. in Mesopotamien [111, Abb. S. 38 rechts], im 7. Jh. v. Chr. bei phönizischem Schmuck [135, Nr. 284 und 290]; kurze Wellenbänder mit kreisbogig geschlossenen Enden kennt man von fränkischen Fibeln des 7. Jh. n. Chr. [74, Taf. 2, 24 und 27].

Schlaufenbänder, d.h. Bandornamente mit Drahtüberlagerung, gibt es in zwei Varianten: einfache Schlaufenbänder (Abb. 4.9) mit mandelförmigen Schlaufen, die im 2.-3. Jh. n. Chr. an römischem Schmuck anzutreffen sind [107, Abb. 50], kommen im 10./11. Jh. in großem Umfang bei Edelsteinfassungen (vgl. RDK IV 733-738) sowie im 18. Jh. an süddt. Schmuck vor [60, Abb. 56]; Schlaufenbänder mit Kleeblattschlaufen (Abb. 4.10) sind nur von Edelsteinfassungen bekannt (z. B. Rückdeckel des Alfanus-Evangeliars, zw. 1173 und 1182, in Capua: Abb. 25; vgl. [191] Bd. 1 S. 78).

d. Flächenbildende Grundformen.Vollständig mit F. bedeckte oder aus F.draht gebildete Flächen sind selten und kommen nur regional und zu bestimmten Zeiten vor. Aus zwei Drähten gebildete Spiralscheiben (Abb. 5.1), einzeln oder paarweise als Ringplatten verwendet, gibt es an provinzialrömischen Ringen im Rheinland (einzeln: [56] Taf. 2 Nr. 27, Taf. 16-17 Nr. 324-327, Taf. 29 Nr. 712-719; Paare: ebd. Taf. 2 Nr. 28, Taf. 17 Nr. 328, Taf. 29 Nr. 721-735, Taf. 54 Nr. 1397; zur Herstellung ebd. S. 228f.). Breite Bänder aus parallel gelagerten Kordelzöpfen (Abb. 5.2) findet man auf nordeuropäischen Goldberlocken des 1.-3. Jh. n. Chr. vor [172, Taf. 10, Mitte], zusammen mit Bändern aus parallel angeordneten, unterschiedlich strukturierten Drähten (Abb. 5.3) bei den schwedischen goldenen Halskragen des 6. Jh. n. Chr. (Abb. 7 und 8; s. Sp. 1075). Flächiges F. ohne Rezipienten, aus dreieckigen bis mandelförmigen Abschnitten zusammengesetzt und gebildet durch die Wickelung von flachgewalztem Kordeldraht, gibt es an Arbeiten des 19. Jh. in der Schweiz und im Gebiet des damaligen Österreich ([164] S. 59; [120] Abb. 38-44, 46, 51-54). Schnecken aus flachgewalztem Kordeldraht (Abb. 5.4) sind u. a. von holländisch-niederrheinischem volkstümlichen Schmuck des 19. Jh. bekannt (Abb. 57).

e. Dreidimensionale Grundformen sind entweder durch Wickeln von Draht hergestellt oder - wenn Halbkugeln- aus Drahtringen zusammengelötet. Die Verbreitung solcher F.formen ist -Spiraldrahtringe ausgenommen (s. unten) - gering.

Spitze Drahtkegel (Abb. 6.1) gibt es bei Blümchen- und Schnecken-F. des 12.-13. Jh. (dazu Sp. 1089 und 1090) und an mit F. geschmückten ungarischen Kelchen des 15./16. Jh. [48, Abb. 5 a-f und h, Abb. 9 b-c]. - Stumpfe Drahtkegel („Bienenkörbe“, Abb. 6.2), meist von einer Granalie bekrönt, kommen an Arbeiten des 4. Jh. in Pannonien vor [106, S. 47], an Schmuck des 5. Jh. in Ungarn (ebd. S. 47 und 50), in Mähren (ebd. Abb. 1) und in Mitteldeutschland (Haßleben Lkrs. Weimar: ebd. S. 50). Im 8. Jh. ist das Ornament in Irland nachweisbar [105, Abb. 6, 39 und 41]. Seine größte Verbreitung hatte es E. 10./A. 11. Jh.: Lotharkreuz im Aachener Münsterschatz [78, Abb. 31], Gewandspange in Stockholm (Abb. 20), mehrere Stücke aus dem sog. Giselaschmuck ([136] Nr. 44; [57] S. 17 Nr. 8, Abb. 9 und 22), Kreuzreliquiar Kaiser Heinrichs II. in München [140, Abb. 7], Aachener „Goldener Buchdeckel“ (Abb. 22), Reichskreuz [147, Taf. 2] und Kreuz der Reichskrone in Wien (Herm. Fillitz, Die Krone des Röm. Reiches ..., in: Stud. zur Buchmal. ... a. a. O. [Sp. 1076] S. 21-26, Abb. 4), Heinrichsportatile aus dem Bamberger Domschatz [61, Bd. 1 Taf. 28], Deckel des Metzer karol. Evangeliars, ms. lat. 9388 der Bibl. nat. in Paris [87, Abb. 64]; vgl. auch Abb. 46 sowie [69] S. 206 Anm. 4, S. 207f., Taf. 63 Nr. 8. - Doppeldrahtkegel (Abb. 6.3; „Wickel“: [160] S. 528) gibt es aus dem 3. Jt. v. Chr.: in Ägypten [101, Fig. 10] und Mesopotamien ([125] Abb. 7; [98] Farbabb. B nach S. 78) kommen sie als Glieder von Ketten und Armbändern vor. Im Zusammenhang mit Blümchen- und Schnecken-F. (s. Sp. 1089 und 1090) spielten Doppeldrahtkegel E. 12. und im 13. Jh. eine große Rolle (Abb. 28 b und 30; [75] Abb. 36f.; [49] Taf. 64 und 98). - Knebeiförmige Wickelperlen (Abb. 6.4) sind nur im 3. Jt. in Mesopotamien nachgewiesen [98, S. 6]. Spiraldrahtzylinder (Abb. 6.5) wurden im 6. Jh. von den Etruskern verwendet ([97] Abb. S. 29, oben rechts: walzenförmig), im 12. Jh. n. Chr. an byzantinischem Schmuck (hier leicht konisch: [103] Abb. S. 37, rechts). - Spiraldrahtringe (Abb. 6.6; norddt. „Krulle“, „Distel“, „Distelkopf“: [151] S. 25; süddt. „Kröllchen“; allgemein „Klette“; Mitt. Wolfg. Oppelt) gehören zu den am weitesten verbreiteten F.ornamenten; am frühesten sind sie an etruskischen Arbeiten des 7.-3. Jh. v. Chr. anzutreffen ([82] S. 10, 112 Anm. 29; [85] Taf. 14; [141] Bd. 1 Farbtaf. 8.3, Taf. 68.7; [97] Abb. S. 60), am häufigsten, meist mit einer Granalie oder Hohlkugel im Zentrum, an volkstümlichem Schmuck des 18. und 19. Jh. (Abb. 47, 49, 54, 58; [66] Abb. 144 und 146f.; [94] Abb. S. 144, Mitte rechts; [136] Nr. 209). Kegel aus drei übereinander gelagerten Spiraldrahtringen unterschiedlichen Durchmessers und einer Kugel als Bekrönung gibt es u. a. an holländisch-niederrheinischem volkstümlichen Schmuck aus dem 19. Jh. (Abb. 57).

Halbkugeln aus F. sind selten. Die E. 9. Jh. in Mähren hergestellten [88, Abb. 39] entstanden durch Zusammenlöten von fünf großen Drahtringen um einen kleineren als Zentrum (Abb. 6.7). Weitere Varianten s. Abb. 13, 29, 40, 42, 46.

f. Vegetabilische Ornamente kommen vom 15./16. Jh. an vor. Drei- bis sechsblättrige Rosetten (Abb. 34 und 36), tulpenartige Blüten, herzförmige Blätter [160, S. 546], Weintrauben, Eichenblätter und Rankenwerk ([190] Abb. 109 und 154; vgl. [48] passim) gibt es auf ungarisch-siebenbürgischem und italienischem F.email mit einem Rezipienten, fünfblättrige Ranken und Blätter auf venezianischem F.email des 16. Jh. ohne Rezipienten (Abb. 37). Ähnliche Ornamente, besonders drei- und fünfteilige Blüten und Blätter, sind von Schwäbisch Gmünder Arbeiten des 18. Jh. bekannt [60, S. 81f., Abb. 53].

2. Flächenfüllende Anordnung

Im Gegensatz zu den meisten ornamentalen Grundformen sind die flächenfüllenden Ornamente oft zeittypisch.

a. Zusammenfügung einzelner Grundformen zu flächenfüllenden Ornamenten ist für das frühma. F. kennzeichnend. Bei rheinischem Schmuck aus dem 4. V. 6. Jh. und dem 1. V 7. Jh. ist der Grund mit Drahtringen („Ösen“) bedeckt [174, Bd. 1 Taf. 127 Nr. 2-5]. Sog. Stufen-F., aufgebaut aus symmetrisch in Kreiselementen angeordneten, „stufenförmig“ gebogenen Drähten, kommt bei westeuropäisch beeinflußten gotländischen Goldbrakteaten und -perlen um 800 vor (Abb. 13; [69] S. 190 Abb. 33 Nr. 3 und 6, Taf. 56-58). Bei der Frühform des Spiral-F., um 800, wechseln gleichlaufende Doppelspiralen und gerade F.drähte (gotländische Goldperlen; ebd. Abb. 33 Nr. 1 und 2), bei den späteren, aus M. 9. Jh. stammenden Arbeiten in Schweden besteht das Ornament nur aus Doppelspiralen, dazu eingestreuten Rosetten aus Granalien (ebd. S. 203 Abb. 35 Nr. 1, 2 und 4). Streng gegliedertes rankenförmiges Spiral-F. (schon mit der für das spätere Ranken-F. kennzeichnenden Verbindung einzelner „Ranken“ durch aufgelötete Klammern, s. Sp. 1087) zeigt der Anhänger aus Hon in Norwegen (Abb. 11) und eine Scheibenfibel der Karolingerzeit aus Haithabu (Abb. 14).

b. Würmchen-F. besteht aus sich berührenden kleinen Kreissegmenten oder kurzen Spiralen, die unregelmäßig verästelt und regelmäßig gereiht sein können.

Als Beispiele von Würmchen-F. seien genannt: für das 11. Jh. das tafelförmige Portatile im Schatz von Ste-Foy in Conques [158, Bd. 1 Taf. 78, links]; für das 12. Jh. süditalienische oder sizilianische Arbeiten, so die Krone der Kaiserin Konstanze II. in Wien, vor 1120 (F. Bock, Die Kleinodien des Hl. Rom. Reiches Dt. Nation, Wien 1864, Taf. 46 Nr. 67), Schließen und Agraffen des in Palermo 1133/1134 gefertigten Krönungsmantels in Wien [191, Bd. 1 Taf. 16], der Rückdeckel vom Evangeliar des Erzb. Alfanus in Capua (Abb. 25), das Kreuzreliquiar im Dom von Neapel, in der 2. H. 12. Jh. in Palermo gefertigt („Croce di S. Leonzio“; [110] Abb. S. 259), und die Scheide des Zeremonienschwertes in Wien (Abb. 29).

Durch Anordnung und Ausbildung der Einzelform wirkt das Würmchen-F. auf dem Lotharkreuz im Aachener Münsterschatz, um 1000, wie eine Übergangsform zum Ranken-F. [78, Abb. 30-32]. Gleiches gilt für das Würmchen-F. auf dem Deckel des sog. Riddagshauser Evangeliars im Hzg. Ant. Ulr.-Mus. Braunschweig, E. 12. Jh. (Inv.nr. M.A. 55: RDK IV 1321f. Abb. 9); vgl. auch das „Kreuz Heinrichs des Löwen“ in Hildesheim (Abb. 27).

c. Ranken-F. ist ein aus Haupt- und Nebenranken gebildetes Ornament, dessen Windungen mit dem freien Ende um einzelne Granalien gelegt und dessen einzelne Teile durch Klammern miteinander verbunden sind.

F. mit all diesen Merkmalen und in symmetrischer Anordnung auf einem Rezipienten gibt es vom 9.–13. Jh.: Rückdeckel vom Psalter Karls des Kahlen (Abb. 12), Deckel eines Evangeliars aus dem Bamberger Dom, 2. Dr. 10. Jh. (München, Bayer. St.bibl, cod. lat. 4451; [87] Abb. 48), Kreuze (Abb. 21 a und 23) und Buchdeckel (Abb. 24) aus dem 11. Jh. Die Blütezeit des Ranken-F. ist das 3. Dr. 12. Jh.; man findet es häufig auf Kölner Schreinen: Heribertschrein, um 1160/70 [142, Bd. 1 Abb. S. 277], Maurinusschrein, um 1170 (ebd. Abb. S. 279), Dreikönigsschrein (Abb. 28 a; [183] Abb. 2, oben, Abb. 4-9, 11-19; vgl. [75] Abb. 35), Benignusschrein in Siegburg, E. 12. Jh. [142, Bd. 2 S. 227], Albinusschrein, um 1186 (ebd. Bd. 1 Abb. S. 320; [145] Abb. S. 208, unten). Die spätesten Stücke mit symmetrischem Ranken-F. stammen aus der Zeit um 1220/1240: Schrein des hl. Simon in der kath. Pfarrkirche von Bendorf-Sayn [142, Bd. 1 Abb. S. 348], Katharinenreliquiar der Stiftskirche Quedlinburg [144, Bd. 1 Nr. 580, Bd. 2 Abb. 388].

Bei einer seit E. 10. Jh. vorkommenden Variante fällt die Verklammerung der Einzelelemente weg (byzantinische Staurothek im Domschatz von Limburg a. L.: RDK IV 723 Abb. 9, oben), bei einer anderen, um 1200, sitzen die Einzelgranalien auf den Verknüpfungspunkten statt in den freien Endungen (Kreuz im Mus. Capitolare von Velletri: Das Münster 10, 1957, S. 171 Abb. 40).

Asymmetrisches Ranken-F. ohne Verklammerung der Einzelteile kommt seit dem 4. V. 12. Jh. vor: Buchdeckel im Trierer Domschatz, Cod. 141 [87, Abb. 139]; Kreuz aus Vaiasse im Mus. des Beaux-Arts in Rouen [92, Abb. 2 und 8]; Marienschrein in Aachen, um 1220-1238 [169, Taf. S. XVI]. - In Venedig ist asymmetrisches Ranken-F. seit A. 16. Jh. verbreitet; sein Kennzeichen ist das außerordentlich dichte Netz von Haupt- und Nebenranken, deren freie, vielfach und eng gewundene spiralige Enden keine Granalien umschließen [115, Abb. 37]. Inwieweit diese Form direkt aus dem Osten (vgl. [130] Abb. 287f.) oder über Siebenbürgen (wo sie angeblich schon E. 15. Jh. vorkommt: [115] S. 342) nach Italien gelangte, ist unklar; ihre formale Nähe zum Ranken-F. des 12./ 13. Jh. scheint jedenfalls größer zu sein als die zum siebenbürgischen und ungarischen F. des ausgehenden 15. Jh. mit seinen vorwiegend aus Drahtringen gebildeten Ornamenten (vgl. ebd. Abb. 838).

Ranken-F. ohne einen Rezipienten gibt es A. 13. Jh. im Rheingebiet als Nodus von Kelchen (Eptingenkelch des Basler Münsterschatzes: [144] Bd. 1 Nr. 595, Bd. 2 Abb. 410).

d. Palmetten-F. ist eine Weiterentwicklung des Spiral-F. mit palmettenartigen Hauptornamenten in streng symmetrischer Ordnung.

Es kommt vor allem an Arbeiten der Zeit um 1000 vor (Fassung der Augustusgemme auf dem Lotharkreuz des Aachener Münsterschatzes: [169] Abb. S. 25; jütländische Schmuckscheibe in Kopenhagen: Abb. 18). Vereinzelt gibt es Palmetten-F. auch später, so E. 11. Jh. auf einem Buchdeckel in Baltimore (Abb. 24), um 1100 auf dem Tragaltar des Roger von Helmarshausen [158, Bd. 1 Taf. 89], um 1230/1240 am Katharinenreliquiar der Stiftskirche Quedlinburg [144, Bd. 1 Nr. 580, Bd. 2 Abb. 388], schließlich bei einem 1689 in Augsburg hergestellten Paar von Altarvasen (Abb. 40).

e. Blümchen-F. ist ein E. 12. Jh. (im Rheinland?) aus dem Ranken-F. durch Hinzufügen (doppel-)kegelförmiger Drahtspiralen („Kolben“) und blütenartiger Rosetten aus Granalien entwickeltes, symmetrisch oder asymmetrisch angeordnetes Ornament, das bis gegen M. 13. Jh. vorkommt.

Zu den Beispielen aus dem 4. V. 12. - 1. V. 13. Jh. gehören der Annoschrein in Siegburg (Abb. 26), eine rheinische Gewandspange in Florenz [80, Abb. 20], das Reliquienkreuz von ca. 1200 in Stift Zwettl, N.Ö. [144, Bd. 1 Nr. 600, Bd. 2 Abb. 416], sowie in Köln der Dreikönigsschrein (Abb. 28 b) und ein Armreliquiar in St. Kunibert (Abb. 30). - Die Drahtspiralen können fehlen, so z. B. bereits im 4. V. 12. Jh. auf dem Kreuz aus Vaiasse in Rouen [92, Abb. 1, 3 und 7]. Blümchen-F. ohne granulierte Rosetten – eine Spätform - zeigt der sog. Bernhardskelch in St. Godehard in Hildesheim, rheinisch (?), 2. V. 13. Jh. [144, Bd. 1 Nr. 582, Bd. 2 Abb. 390].

Blümchen-F. mit gepreßten Rosetten, Weintrauben und Blättern gibt es an Arbeiten des Hugo d’Oignies, um 1238 (Evangeliar und Petrusreliquiar in Namur: [161] Abb. 1, 3, 4 a-c, 14), Blättchen und Trauben am Kelch der Kirche von Borgå, Schweden (westfälisch [?], um 1220: [144] Bd. 1 Nr. 587, Bd. 2 Abb. 395), Rosetten und Blätter am Elisabethschrein in Marburg (Abb. 32 a und b; [62] Abb. 7, 35, 53-55, 78, 80, 85 und 91).

Blümchen-F. ohne einen Rezipienten kommt an Arbeiten aus der 1. H. 13. Jh. vor, so am Knauf des Kelchs von St. Mauritius in Hildesheim-Moritzberg [144, Bd. 1 Nr. 581, Bd. 2 Abb. 389] und am 1238 voll. Marienschrein in Aachen [61, Bd. 2 Taf. 71-78].

Nach M. 13. Jh. ist Blümchen-F. dem Schnecken-F. so ähnlich, daß beide Karten nicht mehr präzise zu unterscheiden sind (vgl. [144] Bd. 2 Abb. 396f.).

f. Schnecken-F. unterscheidet sich von dem Blümchen-F., aus dem es entwickelt wurde, durch die schneckenartig gebildeten, vom Grund gelösten und nur mit dem äußersten Rand aufliegenden Hauptranken, von denen kurze Nebenranken abzweigen.

Schnecken-F., das alle Elemente des Blümchen-F. aufweist - Ranken, Drahtkolben, Granalien an den freien Rankenenden, granulierte Rosetten -, gibt es an Arbeiten der 1. H. 13. Jh., z. B. am Dreikönigsschrein in Köln (Bogen der Rückwand, Platten über den Randleisten der Bogen an der rechten Langseite: [75] Abb. 37; [61] Bd. 2 Taf. 39; [183] Abb. 9, 20-22), auf der rheinischen Gewandspange in Mainz (Abb. 31), am Aachener Marienschrein (im Wechsel mit Blümchen-F.: [169] Taf. 60-62), auf dem Armreliquiar in St. Kunibert in Köln (Abb. 30); zu den spätesten Arbeiten gehört das vor 1268 entstandene Scheibenkreuz im Freiburger Münsterschatz [144, Bd. 1 Nr. 598, Bd. 2 Abb. 414].

Gelegentlich zeigen die Nebenranken granulierte Weintrauben (Dreikönigsschrein: [75] Abb. 37; Aachener Marienschrein, s. oben). Drahtkolben kommen nach etwa 1235 nicht mehr vor (Beispiel: Elisabethschrein in Marburg: [62] Abb. 19 u.ö.). Nur aus Ranken und gepreßten Blättern gebildet ist das Schnecken-F. am Kelch der Marienkirche in Berlin, zw. 1266 und 1281 entstanden [144, Bd. 1 Nr. 591, Bd. 2 Abb. 399]. Schnecken-F. ohne Rezipienten zeigt der um 1230 gefertigte Kelch von St. Aposteln in Köln am Nodus (ebd. Bd. 1 Nr. 561, Bd. 2 Abb. 363; vgl. auch Abb. 31).

g. Maßwerk-F. ist gebildet aus einander berührenden Kreisen, gefüllt mit rosetten- oder fischblasenartigen Formen; analoge Formen füllen auch die Zwickel zwischen ihnen; im Zentrum der Kreise und Zwickel sitzen große Granalien.

In Frankreich ist Maßwerk-F. aus dem 15. Jh. bekannt (vielleicht 1462 angefertigtes Salzfaß im Mus. du Louvre, Paris: [188] Taf. 24 Abb. 10); bei Augsburger Arbeiten findet man es im 3. V. 16. Jh., so auf einer Taufschale und einem Humpenpaar von Abraham I Lotter [122, Bd. 2 Abb. 62 und 133] und auf einem Humpen von Hans Ment (Abb. 39).

h. Beim sog. Rollwerk (Schnittwerk) sind asymmetrisch angeordnete Blätter und - seltener -Blüten aus Flachdraht durch Beschneiden mit der Blechschere, Ziselieren, Punzieren und Aufrollen der Enden (daher die Bezeichnung) hergestellt.

Rollwerk-F. ist nur aus Siebenbürgen bekannt. Im 16. und 17. Jh. ähnelt es formal dem spätgotischen Laubwerk und kommt an Kelchen [181, Taf. 11,2 und 12,1] und Gewandspangen vor („Hefteln“; ebd. Taf. 17,2; [43] Abb. 236). Das Aussehen von Gewandspangen des 18. Jh. ist wesentlich durch den reichen Besatz aus (Glas-)Steinen, Perlen und „Bienenkörben“ bestimmt (Abb. 45f.). – Aus dem 16. Jh. gibt es auch Kelche, deren Ornament nicht durch Schneiden, sondern durch Schmieden hergestellt ist und die mit kleinen Vollfiguren oder/und figürlichen Reliefs besetzt sind [181, Taf. 10,2 und 11,3 sowie 12,2].

i. Das Netz-F. besteht aus im Zickzack gebogenen, sich nicht überlagernden Drähten, die rautenförmige Felder bilden und mit Granalien oder Fassungen an den Berührungspunkten der Drähte besetzt sind. Netz-F. kommt ausschließlich als Überfang von Gefäßkörpern vor.

Beispiele: ein Paar siebenbürgischer Schenkkannen, um 1510 [115, Abb. 254]; Chalzedonschale von Le Roy, Amsterdam, A. 18. Jh. (mit Diamantrosen besetzt: [187] Bd. 3 Taf. 33, oben Mitte). Vgl. auch den Sp. 1167 erwähnten Goldflakon in Dresden.

k. Kommen Pflanzen und Tiere als Ornament vor, sind die Umrißlinien, bei großflächigen Motiven auch die Hauptlinien der Binnenzeichnung aus starken Drähten gebildet, die Flächen mit unterschiedlichen Ornamentformen gefüllt. Die häufigsten Motive sind Ranken, Blätter, Blüten, Vögel [161, Abb. 101], auch Schmetterlinge [143, Abb. 9]. Die menschliche Figur kommt so gut wie nie vor (Ausnahme: „Jonas wird vom Walfisch verschlungen“: Abb. 43).

Pflanzen- und Tiermotive sind bekannt von F.email des 15./16. Jh. (s. Sp. 1163f.; Abb. 34 und 36) und von solchem des 17. Jh. belgischer und italienischer Herkunft [161, Abb. 101f.] sowie von italienischen F.arbeiten aus dem E. des 18. Jh. [143, Abb. 274] und aus dem 19. Jh. (ebd. Abb. 9). Beispiele des 19. Jh. stammen ferner aus Malta (ebd. Abb. 221) und Rußland (F.email: ebd. Abb. 21).

3. Böckchen-F.

Böckchen-F. ist ein halbkugelförmig aufgewölbtes, mehrstrahliges Ornament, im Zentrum mit einer Granalie oder einem „Bienenkorb“ besetzt. Anfänglich ist es drei- oder vierstrahlig, seit dem 13. Jh. auch sieben- oder achtstrahlig angelegt; die Strahlen treffen sich im Zentrum oder überschneiden sich bügelartig als Spangen. Verwendet wurde Böckchen-F. als symmetrisch verteiltes, gliederndes Ornament zwischen Perlen, Edelsteinen und Zellenschmelzplättchen; nur bei jüdischen Verlobungsringen des 15.-17. Jh. kommt es im Wechsel mit anderen F.arten ohne Stein- und Emailbesatz vor ([47] Abb. S. 60, unten; Mich. Haberlandt, Völkerschmuck, Wien 1906 [Die Quelle, 7], Taf. 109, obere Reihe, 4. Abb. von rechts).

Aus Rund-, Flach- oder Perldraht sowie deren Kombinationen gebildetes Böckchen-F. gibt es im 2. V. 9. Jh. am Ardennenkreuz in Nürnberg [142, Bd. 1 Abb. S. 162], in der 2. H. 9. Jh. an einer mährischen Riemenzunge in Brünn [88, Abb. 18], am „Brustkreuz des hl. Servatius“, in Maastricht um 993 oder im 2. V. 11. Jh. entstanden [142, Bd. 1 Abb. S. 179], am „Kreuz Heinrichs des Löwen“ in Hildesheim, um oder kurz vor 1200 (Abb. 27), und an jüdischen Verlobungsringen (s. oben). Aus Blechstreifen gebildet ist es am Aachener „Goldenen Buchdeckel“, um 1020 (Abb. 22), mit Spuldraht belötet beim Fritzlarer „Heinrichskreuz“ (Abb. 21 b).

Dem Böckchen-F. gleichendes, indessen gepreßtes Ornament gibt es z. B. auf der Stephansbursa in Wien, 9. Jh. (RDK IV 717 Abb. 3), auf dem Arnulfziborium in München, vor 893 (edelsteinbesetzter Streifen des unteren Baldachins: [140] Abb. 3), auf der Staurothek Heinrichs II. in München, um 1010 (ebd. Abb. 7), auf dem Mauritius- und Innocentiusschrein in Siegburg, St. Servatius [145, Abb. S. 209, oben links]. Flächenfüllende Muster, die aus einem Netz einander berührender drei- oder sechsstrahliger Ornamente bestehen, kommen auf stark gewölbten mährischen Anhängern des 9./10. Jh. vor [88, Abb. 61 und 74f.].

4. Arkaturen-F.

Arkaturen-F. besteht aus einer arkadenähnlichen Folge stehender Rundbogen (nach [160] S. 530 auch Kleeblattbogen) aus Perl-, Kerb- oder Flachdraht. Die Rundbogen sind häufig durch aufgelötete kapitellartige Gebilde miteinander verklammert (Eptingen-Kelch aus dem Basler Münsterschatz, nach 1213: [144] Bd. 1 Nr. 595, Bd. 2 Abb. 410); der Rezipient ist in den meisten Fällen zwischen den Arkaturen durchbrochen (ein Beispiel: [109] Taf. 20 c), nur gelegentlich eine geschlossene Fläche (Lotharkreuz im Aachener Münsterschatz: [169] Abb. S. 25).

Die größte Verbreitung fand Arkaturen-F. bei Steinfassungen im 10.-13. Jh. (Abb. 21 a und b, 23) sowie vom 11.-13. Jh. als Unterbau der kreuz- oder medaillonförmigen Besatzstücke, z. B. auf der „Paxtafel“, einem ehem. Bucheinband in Chiavenna, Oberitalien, 11. Jh. [87, Abb. 81], und auf dem Deckel des sog. Ridaggshauser Evangeliars, E. 12. Jh. (RDK IV 722 Abb. 8), als Zarge der Balkeneckstücke des Welfenkreuzes im Kunstgewerbemus. Berlin, 11. Jh. (Welfenschatz, S. 97), als Stufung des Körpers der Gewandspange um 1000 in Hamburg (Abb. 19), als Schaftstück des Eptingenkelches (s. oben). In Verbindung mit F.email ist Arkaturen-F. nur von einem süddt. Goldmedaillon der Zeit um 1520/1525 in London bekannt (Stud. zur Gesch. der europ. Plastik, Fs. Theod. Müller, Mchn. 1965, S. 225 Abb. 3).

III. Werkstoffe

Draht und Rezipient können, müssen aber nicht aus dem gleichen Werkstoff bestehen. Dieser ist entweder einheitlich oder das Grundmetall erhält einen Edelmetallüberzug, der auf ganz unterschiedliche Weise aufgebracht wurde (Plattierung, Zementierung, Vergoldung).

Eine Kombination verschiedener Werkstoffe ist selten. Silberdraht auf eisernem Rezipienten gibt es im 9. Jh. bei fränkischen Arbeiten (so auf einem in einem Grab in Birka, Schweden, gefundenen Schwert: [69] S. 209f., Abb. 36, Taf. 65 Nr. 6); Gold- und Silberdraht im Wechsel kommt im 19. Jh. bei volkstümlichem Schmuck in Niedersachsen und Westfalen vor ([164] S. 59; Beispiele auch bei [83]).

A. Metalle und Legierungen

Bei weitem bevorzugt wurden die Edelmetalle Gold und Silber. Verwendete man unedle Metalle, dann fast ausschließlich als Legierung (Bronze, Messing) oder vergoldet.

Für die Verwendung von reinem Kupfer könnte eine Textstelle in der lat. Fassung des sog. Steinbuchs Kg. Philipps, 2. V. 14. Jh., sprechen, wo vorgeschlagen ist, einen geschnittenen Bergkristall „in annulo cupreo Rubeo mixto cum auricalco vel cupreo tantum“ zu fassen (Joan Evans, Magical Jewels of the Middle Ages and the Renss. ..., Oxf. 1922, S. 239). Zinn und Eisen wurden für F.imitationen verwendet, s. Sp. 1169f.

1. Gold

Gold ist außerordentlich dehnbar [131, S. 37] und kann daher zu feinsten Drähten gezogen werden (was z. B. arabische Schriftsteller des 10. Jh. rühmten, s. Friedr. Dieterici [Hg. und Übers.], Aus den Schr. der lautern Brüder, Bd. 5, Bln. 1861, S. 125). - Goldlegierungen sind dafür nur bei hohem Feingehalt geeignet, da die Dehnbarkeit mit fallendem Goldgehalt abnimmt [131, Tab. 12].

Die wenigen vorliegenden Analysen bestätigen den hohen Goldgehalt feiner Drähte. In St-Denis gefundene F.drähte der Zeit um 500 bestehen aus Feingold mit höchstens 1% Kupfer [100, S. 778]; mit F. geschmückte fränkische Goldfibeln des 7. Jh. haben in der Regel einen Goldgehalt von über 90% [74, S. 11]. Die Hanauer „Goldt- und Silberschmid-Ordnung“ von 1610 legte einen Feingehalt von 19 Karat (= 792/000) für Gold-F. fest [58, S. 145], der in der Ordnung von 1616 auf 18 Karat (= 750/000) herabgesetzt wurde (ebd. S. 148). Der Verkauf nicht probehaltiger Goldwaren von auf F. spezialisierten Schwäbisch Gmünder Goldschmieden wurde durch die Münchner Goldschmiedeordnung 1738 in Bayern untersagt [55, S. 199]. Im 18. Jh. unterschied man im Handel „massiven Golddraht“ mit hohem Feingehalt vom als „Golddraht“ bezeichneten vergoldeten Silber- und Kupferdraht ([39] Bd. 1 S. 555f.; s. auch Sp. 1101).

Gold-F. ist seit M. 3. Jt. v. Chr. nachgewiesen (Mesopotamien: [111] Abb. S. 38, rechts). In der Spätantike verwendeten es sowohl west- und oströmische Goldschmiede ([56] Taf. If., VI, XIf.; [52] Abb. S. 56; [97] Abb. S. 32) als auch schwedische [179, Abb. 290 und 293]. In der Merowingerzeit war Gold-F. insbesondere bei fränkischem und schwedischem Schmuck verbreitet ([52] Abb. 77f.; [99] Taf. 10; [139] Abb. 31ff.), aus karolingischer und ottonischer Zeit sind Bucheinbände (Abb. 22; [87] Abb. 32), Reliquiare [140, Abb. 5 und 7], Kreuze (Abb. 21 b und 23; Herm. Schnitzler, Rhein. Schatzkammer, Ddf. 1957, Taf. 143f., 147-149 und 151), Kronen (Abb. 17; Herb. Brunner, Kronen und Herrschaftszeichen in der Schatzkammer der Residenz München, Mchn. 1971, S. 8-14, Abb. 2-7) mit F. erhalten. Im Hoch-MA wurde Gold-F. in Deutschland vornehmlich für Schmuck verwendet (ein Beispiel: Abb. 31); zu F.arbeiten anderer Bestimmung diente es im Hoch- und Spät-MA in Frankreich ([92] Abb. 1-3, 7f.; [188] Taf. 24 Abb. 10), Spanien ([115] Abb. 821: Schwert des 15. Jh. im Hess. L.mus. Kassel), Palermo (Abb. 25 und 29) und Siebenbürgen [48, Abb. 9 d-e].

Im 16. und 17. Jh. verwendete man Gold-F. in größerem Umfang in Italien ([111] Abb. S. 177; [115] Abb. 983; [187] Bd. 3 Taf. 32), Frankreich, wo Ludwig XIV. eine Sammlung von 167 Werken mit Gold-F. besaß (vgl. [115] S. 344), und Portugal, dessen Goldschmiede insbesondere die importierten „indo-portugiesischen“ Kästchen aus Gold-F. nachahmten (ebd. S. 343); bei russischen Arbeiten ist Gold-F. seltener [48, Abb. 20].

Im 18. Jh., als F. hauptsächlich bei volkstümlichem Schmuck sehr verbreitet war, kam es regional begrenzt zu einer Wiederbelebung des Gold-F., vor allem in Norwegen [82, Fig. 2 und 14], Friesland [66, Abb. 70f., 128-130, 132], Dithmarschen, Schleswig [77, S. 179] und Teilen Schlesiens [164, S. 58], weniger häufig in Italien [97, Abb. S. 239, unten]. Für Kirchengeräte wurde Gold-F. selten verwendet (ein Prager [?] Ziborium in Stift Klosterneuburg, N.Ö.: [115] Abb. 876). Im 19. Jh. schuf man F.schmuck aus Gold vor allem in N-Deutschland (Schleswig-Holstein: Abb. in [146]; Friesland: [66] Abb. 132; Niedersachsen: Abb. in [146]), auch in Norwegen [82, Fig. 9 und 13] und Hanau [137, Abb. 5 rechts, Abb. 6 links]; vereinzelte Beispiele gibt es aus Frankreich [111, Abb. S. 236] und England [94, Abb. S. 144].

2. Silber

Die Dehnbarkeit des Silbers ist geringer als die des Goldes [131, S. 58]. Zum Ziehen feiner Drähte ist es daher weniger geeignet als dieses [60, S. 81]. Bei Legierungen nimmt die Dehnbarkeit mit fallendem Silbergehalt stark ab [131, Tab. 16]. Historisches Silber-F. wirkt daher oft gröber als Gold-F.

Der ständige Kampf der Obrigkeit gegen unterwertige Silberwaren, besonders F.arbeiten, ist durch die Quellenlage eindrucksvoll dokumentiert. Im „Livre des métiers“ registrierte 1268 Étienne Boileau die Pariser Vorschrift, daß zum Drahtziehen verwendetes Silber qualitativ besser sein müsse als Sterlingsilber ([176] S. 63f., vgl. ebd. S. 33; ähnliche Angaben: [25] S. 96). Die Augsburger Polizeiordnung Karls V. von 1548 schrieb 14lötiges Silber vor (875/000; 1 Lot = 14,615974 g, als Feingehalt = 62,5/ 000); doch ließ sich diese 1577 in Frankfurt durch Rudolf II. für alle Städte als bindend erklärte Bestimmung nicht durchsetzen (vgl. [60] S. 16). Ein Feingehalt von 13½ Lot wurde 1567 von Straßburg festgelegt, 1596 von Frankenthal, 1603 von Augsburg [58, S. 59 und 61]. In Hanau verlangte man in der „Goldt- und Silberschmid-Ordnung“ 1610 nur 13 Lot und bestimmte, daß auch „jeder Pariser- oder Drahtarbeiter ... sein Zeichen zu schlagen schuldig“ sei; in der Verordnung von 1616 wurde 12lötiges Silber zugelassen (ebd. S. 55, 145f. und 148). 1643 wurde in Schwäbisch Gmünd, auf F.arbeiten spezialisiert, 13lötiges Silber vorgeschrieben, doch galt dies nicht für Waren von geringem Gewicht (1594 auf unter VA Lot = 21,924 g begrenzt, 1643 für Waren bis zu 2 Lot = 29,239 g ein Feingehalt von 12 Lot genehmigt: [60] S. 16); 1659 wurde 12lötiges Silber zugelassen, 1680 die Stempelpflicht für Silberwaren unter VA Lot Gewicht erlassen (ebd. S. 17). 12lötiges Silber wurde auch in Schleswig-Holstein verarbeitet [91, S. 19], in anderen Gegenden oder Städten noch geringerwertiges (in Mainz wurde 1696 Schwäbisch Gmünder Silber von 6 Lot 4 Gran = 388,89/ 000 konstatiert: [54] S. 31 Anm. 7). Dieses Herabsetzen des Feingehalts führte an zahlreichen Orten zu Protesten oder Handelsbeschränkungen, gar zu Handelsverbot (dazu z. B. [60] S. 19, [86] S. 170, [55] S. 466). Der allgemeine Verfall der Silberqualität hielt jedoch bis E. 18. Jh. an; z. B. haben F.arbeiten aus Schleswig-Holstein um 1800 oft nur 9-10 Lot Silber (562,5-625/000; [91] S. 19). Im 19. Jh. stieg die Silberqualität Schwäbisch Gmünder Arbeiten merklich an infolge der Unterstellung unter die kgl.-württ. Kontrollanstalt, deren Instruktion vom 29. Okt. 1812 bestimmte: „Auch auf alle F.waren hat der Meister ... seinen Namen aufzuschlagen, und dieselben der Probe zu unterwerfen“ [60, S. 100]; die Polizeiverordnung 1836 führte zu schärferer Kontrolle der Silberarbeiten, für die ein Mindestfeingehalt von 12 Lot festgelegt war, und ermöglichte infolge des wiedergewonnenen Vertrauens in Schwäbisch Gmünder F. um M. 19. Jh. die Erlaubnis zur Stempelung der F.waren (ebd. S. 101).

Im Altertum kommt Silber-F. nur vereinzelt vor (Uruk, M. 3. Jt.: [98] Taf. 14; um 1900 v. Chr. in Ägypten: [101] Fig. 39). Erste nennenswerte Verbreitung fand es in Schweden vom 3.-4. Jh. n. Chr. an (ein Beisp.: [179] Abb. 289), dann besonders bei den Wikingern ([69] S. 181; [81] Bd. 1 S. 297; [179] S. 306, Abb. 504; [139] Kat.nr. 110). In Mittel- und W-Europa scheint reines Silber-F. bis ins ausgehende MA so gut wie nicht hergestellt worden zu sein (eines der ganz seltenen Stücke: Abb. 20). Seit dem späten 15. Jh. wurden Perlen für Gebetsschnüre aus Silber-F. gefertigt (ein Beisp. aus Bayern: [50] Fig. 127; s. auch Gislind M. Ritz, Der Rosenkranz, Mchn. 1963, S. 40, Eingangsbild und Abb. 19; Beisp. des 16.-18. Jh.: ebd. Abb. 41, 43f., 47, 57, 59). In der 2. H. 16. Jh. verwendeten die Augsburger Goldschmiede Hans Ment und Abraham I Lotter Silber-F. auf Deckelhumpen (Abb. 39; [122] Bd. 2 Abb. 133). Voll zur Blüte kam das Silber-F. erst E. 17. bis A. 18 Jh., anfänglich unter französischem Einfluß (Ludwig XIV. besaß an Silber-F.arbeiten - ob alle aus reinem Silber? - eine Sammlung von 693 Stück: [115] S. 344). Beispiele für kirchliches Gerät und Reliquiare sowie Eßbestecke sind vorwiegend süddt. Herkunft ([160] S. 523f., vgl. auch Abb. 599; RDK IV 735f. Abb. 24; [159] S. 150f., 336, 440 und 443; [55] Abb. 87 und 93; Abb. 41), volkstümlicher Silberschmuck aus F. wurde bis weit in das 19. Jh. als Massenware hergestellt und überall getragen (vgl. Abb. 49, 53, 57f.; [82], [102], [117], [120], [143], [148] und [154]).

3. Messing

Messing wurde anscheinend selten zu F. verarbeitet. Im sog. Steinbuch König Philipps ist die Fassung eines Bergkristalls „in annulo cupreo Rubeo mixto cum auricalco“ erwähnt, möglicherweise F. (s. Sp. 1094). Weigel setzte den Messingdraht vom Draht aus Edelmetall ab ([189] S. 179, zum Messingdrahtzieher: „Den schlechten Draht, der gleich dem feinen / im Gold- und Silber-Schmuck will scheinen / prüft leicht der Angriff [sc. der Probiersäure] mit Verstand“). Zu F.imitationen aus Messing s. Sp. 1172.

Möglicherweise ist mit dem in den Quellen seit dem späten MA vorkommenden „fil d’archal“ [168 a, S. 713] Messingdraht gemeint (von „aurichalcum“, Messing, abzuleiten ?). Bei Zedler [13, Bd. 7 Sp. 1407] ist „fil d’archal“ mit Metalldraht schlechthin gleichgesetzt, bei Diderot-d’Alembert [15, Bd. 6 S. 790] mit Eisendraht.

B. Plattierter Draht

Er besteht aus einem Grundwerkstoff (Silber, Kupfer, Messing, Eisen), der durch Oberflächendiffusion mit einem Edelmetallüberzug verbunden ist. Die Herstellung der Plattierung geschieht durch Aufdrücken (Druckpolieren) oder Aufwalzen der Edelmetallfolie auf den Drahtrohling in einem der Doubléherstellung ähnlichen Verfahren.

Zur Herstellung vgl. [13] Bd. 17 Sp. 1496; [14] S. 231-248; [23] Bd. 9 S. 471; [30] T. 8 S. 174; [31] Bd. 7 S. 252-255, Bd. 11 S. 23-32 und 411f.; [32] S. 41 und 73-76; [35] Bd. 4 S. 222f. und 228; [36] S. 347-367; [39] Bd. 1 S. 863f.; [41] S. 259.

E. 16. Jh. galt Lyon (dt. „Leon“) als hauptsächlicher Herstellungsort von plattiertem Draht (vgl. das Privileg der Stadt Nürnberg vom 5. 8. 1592 für Friedr. Hagelsheimer gen. Held: [59] S. 30; Jb. Kaiserhaus 19, 1898, S. LXXXIV Nr. 16796). Hersteller plattierten Drahtes hießen seit E. 16. Jh. „leonische trotzieher“ (1597: Theod. Hampe, Nürnberger Ratsverlässe ..., Wien und Lpz. 1904 [Quellenschr. Wien, N.F. 12], Bd. 2 S. 264 Nr. 1498), ihre Tätigkeit „lionisch trotziehen“ (1598: ebd. S. 267 Nr. 1518), ihre Erzeugnisse „lionische Arbeit“ (1735: [165] Bd. 17 Sp. 1496), „leonische Arbeit“ (1744: [14] S. 231f.), „leonische Drähte“ (1833: [39] Bd. 4 S. 222).

Im dt. Sprachgebiet wurde die Drahtplattierung nach ersten Versuchen zu Beginn des 16. Jh. [59, S. 19] in Nürnberg 1569/1570 durch den Franzosen Antoine Fournier (Fornier) eingeführt und in der näheren und weiteren Umgebung Nürnbergs, in Freystadt/Opf., Allersberg, Roth b. Nbg. und Schwabach allmählich heimisch (ebd. S. 20-30; zu weiteren Unternehmungen in Nürnberg selbst ebd. S. 26f.).

Das oben genannte Privileg von 1592 für Friedr. Hagelsheimer ist das erste für eine Drahtplattierung; es wurde ihm am 19. 3. 1608 durch Kaiser Rudolf II. erneuert (ebd. S. 28ff.). Hinsichtlich der Drahtqualität und der ständischen Ordnung der Hersteller wurden in Nürnberg von 1633-1719 mehrere Reglementierungen erlassen (ebd. S. 143-161). Die außerordentliche Verbreitung der Drahtplattierung im 18. und 19. Jh. geht auf die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten des Drahtes zurück; der Hauptanteil wurde zur Herstellung von Gold- und Silberbrokat, für Kleiderbesatz aller Art und für Schmuck verwendet. In welchem Umfang und zu welchen Zeiten plattierter Draht zu F. verarbeitet wurde, ist nicht bekannt; Prechtl berichtete 1833, plattierter Draht würde „von Gold- und Silberarbeitern, welche desselben zur Verfertigung von Schmuckwaaren (Ringen, Uhr- und Halsketten, Nadeln, F.-Arbeit usw.) bedürfen, im kleinen gezogen“ [35, Bd. 4 S. 22].

1. Goldplattierung

Goldplattierter Silberdraht wurde im Altertum durch Druckpolieren von Goldfolie auf erwärmten, metallisch reinen Silberflächen hergestellt (Andrew Oddy, Gilding ..., Gold Bull. 14, 1981, S. 77). Aus dem 11. Jh. ist eine genauere Beschreibung des Verfahrens überliefert in dem griechischen Traktat über die Goldschmiedekunst: Der im Stangeneinguß hergestellte, normalgeglühte Rohling wird mit Goldfolie umwickelt, im Feuer geglüht, mit Olivenasche eingerieben, darauf die Goldfolie mit einem Polierstein angedrückt. Erst dann erfolgt das Drahtziehen im Zieheisen ([4] S. 322f., [4 a] S. 309).

Ähnliche, z.T. ausführlichere Beschreibungen aus der Neuzeit weichen nur in Details voneinander ab.

Genannt seien Biringuccio ([7] Bl. 140r-141r; [8] S. 449-452), Lejisugo [14, S. 150-153], Halle [16, S. 101], Krünitz [23, Bd. 9 S. 488f.], Orell [25, S. 97f.], Sprengel [19 a, Slg. 3 S. 29], Justi und Beckmann [21, S. 258f.], Saint-Aubin [27, S. 62f.], Höck [32, S. 41], Prechtl [35, Bd. 4 S. 223 und 226-228], Leuchs [39, Bd. 1 S. 556f.].

Gehandelt wurde goldplattierter Silberdraht unter den Namen „Gold-Dra(h)t“ ([14] S. 152f.; [25] S. 97) und „echter Golddraht“ [35, Bd. 4 S. 222f.].

Zum Goldplattieren von Kupferdraht muß das Kupfer rein (bleifrei) und versilbert sein. Das Herstellungsverfahren entspricht dem von plattiertem Silberdraht. Handelsnamen waren „plattierter Draht“ (1843: [39] Bd. 1 S. 863) und „unechter Draht“, „unechter Golddraht“ (1833: [35] Bd. 4 S. 223 und 229f.).

Goldplattierter Messingdraht ist erstmals 1744 erwähnt [14, S. 233f. und 245ff.], nach dieser Quelle - historisch unzuverlässig - jedoch schon wesentlich früher hergestellt worden (vgl. [59] S. 23ff.). Herstellungsverfahren und Handelsnamen sind dieselben wie bei goldplattiertem Kupferdraht.

2. Silberplattierung

Die Herstellung von silberplattiertem Kupferdraht, der in der 2. H. 10. Jh. in N-Europa verwendet wurde [81, Bd. 2 S. 212 Abb. 48 Nr. 4-5], ist in dem griechischen Goldschmiedetraktat des 11. Jh. wie folgt beschrieben: eine Silber-Kupfer-Zinn-Legierung wird geschmolzen, auf den nicht näher bezeichneten Grundwerkstoff gegossen und durch Schmieden mit ihm verbunden ([4] S. 324f., [4 a] S. 311). Die neuzeitlichen Beschreibungen der Herstellung schildern übereinstimmend die Befestigung mehrerer, manchmal im Wechsel mit Salzschichten aufgetragener Lagen von Blattsilber durch Druckpolieren mit Polierstein oder -stahl (z. B. Biringuccio: [7] Bl. 140r; [8] S. 449; „Der künstliche Gold- und Silber-Arbeiter ...“: [12] S. 139f.; Lejisugo: [14] S. 231-248; Justi und Beckmann: [21] S. 259; Höck: [32] S. 41; Leuchs: [31] Bd. 11 S. 23-32; Bürck: [36] S. 340-342). Bei Prechtl allein ist 1833 eine andere Herstellungsart aus einem metallisch sauberen, glühenden Kupferrohling und einem darüber geschobenen dünnwandigen Silberrohr geschildert [35, Bd. 4 S. 228f.].

Handelsnamen waren im 19. Jh. „unechter Draht“ (ebd. S. 223), „unechter Silberdraht“ (ebd. S. 228), in Wien „gezogenes Silber“ und, auf die Verwendung für F. hinweisend, „Paternosterdraht“ (ebd. S. 232).

Silberplattierter Messingdraht wurde ebenso hergestellt wie silberplattierter Kupferdraht ([14] S. 231-248; [36] S. 340-342) und trug dieselben Handelsnamen.

Silberplattierten Eisendraht erwähnte Lejisugo [14, S. 245ff.], teilte aber über seine Herstellung nichts mit.

Anzunehmen ist ein mit der Herstellung silberplattierten Kupfers vergleichbares Verfahren, das aber technisch weitaus schwieriger ist, da Eisen keinerlei Lösungsfähigkeit für Silber besitzt und die Bindung daher nur auf Adhäsion beruhen kann. Vielleicht wurde eine Zwischenschicht von Zinnlot verwendet, wie dies 1798 Patoulet beim Plattieren von Stahl mit Silber machte [166, Sp. 1035].

C. Zementierter Draht

Beim zementierten Draht ist die Oberfläche des Kupferdrahtes durch aufgebranntes oder aufgedampftes Zink in eine goldfarbene Messinglegierung umgewandelt. Bis E. 18. Jh. wurde zum Zementieren Zinkoxyd (Galmei) verwendet, seitdem metallisches Zink.

Zementieren war angeblich schon in der Antike gebräuchlich (vgl. Wilh. Theobald, Forschgn. und Fortschritte 10, 1934, S. 70). Im griechischen Goldschmiedetraktat des 11. Jh. sind zwar die zum Zementieren erforderlichen Bestandteile aufgeführt, ihre Vereinigung indes soll durch einen Schmelzprozeß erfolgen (Kap. 50 und 55: [4] S. 335f., [4 a] S. 320f.). Das echte Zementierverfahren beschrieb Theophilus: Essigbestrichenes Kupferblech wird mit „Basiliskenasche“ (d. i. Zinkoxyd) und Menschenblut eingerieben und dann geglüht (III.48: [5] S. 57f.; [6] S. 96-98). Durch den Essig wird das Zinkoxyd in Zinkacetat Zn(CH3COO)2 verwandelt, das durch die beim Glühen gebildete Blutkohle über erneutes Bilden von Zinkoxyd zu metallischem Zink reduziert wird, das in das Kupfer diffundiert und dadurch die Oberflächenlegierung bildet ([5] Erläuterungen S. 322ff.). Das Verfahren mit metallischem Zink ist u.a. beschrieben bei Krünitz [23, Bd. 9 S. 471], Justi und Beckmann [21, S. 275 Anm. und S. 284f.], Höck [32, S. 75f.], Prechtl [35, Bd. 4 S. 230-232] und Leuchs [39, Bd. 1 S. 863f.].

D. Plattierter Rezipient

Bei F.arbeiten mit plattiertem Rezipienten ist das Edelmetall auf einer Unterlage aus anderem Metall befestigt durch Aufkitten mit einer kalk- und sandhaltigen Masse [74, S. 10f.], durch Umbörtelung des Blechs oder durch z. T. verdeckte Nieten (ebd. S. 10f. und 50, Taf. 6f.). F.arbeiten mit plattiertem Rezipienten sind bisher nur aus der Zeit vor der M. 11. Jh. bekanntgemacht worden.

Goldplattierte Silberrezipienten gibt es E. 6. und im 7. Jh. bei langobardischen, westfränkischen und - seltener -rheinischen Fibeln (ebd. S. 10, 42f. und 50, Abb. S. 142 unten), ausnahmsweise bei alemannischen [172, Taf. 55]; goldplattierte vergoldete Silberrezipienten finden sich an fränkischen Fibeln des 7. Jh. [74, S. 1, Taf. 18, unten]. Die große Scheibenfibel von Wittislingen hat einen goldplattierten Messingrezipienten [124, S. 180 und Abb. 6]. -Goldplattierte Bronzerezipienten verwendete man in der 2. H. 6. und im 7. Jh. bei fränkischen (Abb. 9; RDK IV 715 Abb 1; [74] S. 10f.; [78] Abb. 84) und merowingischen Fibeln (ebd. Abb. 77), im 11. Jh. bei gotländischen Gewandspangen [139, Abb. 37]; silberplattierte Bronzerezipienten, auch vergoldete, kommen bei schwedischen Fibeln und Spangen des 1 .-4. Jh. vor [179, Abb. 288 und 295f.], vergoldete silberplattierte Eisenrezipienten bei schwedischen Waffen der Wikingerzeit (ebd. Abb. 424).

E. Vergoldung

Bei Vollvergoldung bestehen Draht und Rezipient aus dem gleichen Material und wurden in einem abschließenden Arbeitsgang gemeinsam vergoldet. Bei Teilvergoldung wurde und wird selten der Draht, häufig der Rezipient oder ein Teil desselben - in der Regel vor dem Löten - vergoldet.

1. Vollvergoldung

a. Vergoldetes Silber-F. gibt es auf in Schweden gefundenen karolingischen Beschlägen [69, Taf. 67 Nr. 17]. Auf Bucheinbänden ist es zu A. 10. Jh. vom Sakramentar aus Monza bekannt [87, Abb. 48], E. 11. Jh. vom Evangelistar aus Mondsee, O.Ö. (?; Abb. 24). Größte Verbreitung fand vergoldetes Silber-F. vom A. 13. Jh. an; man findet es an Kreuzen (Abb. 27), Kelchen (Abb. 33; [61] Bd. 2 Taf. 62), Reliquiaren [160, S. 527] und Schreinen ([61] Bd. 2 Taf. 69, 71-78; [169] Farbtaf. IX). - Im 18. Jh. kommt es oft vor bei siebenbürgischen Brustspangen (Abb. 45f.), vereinzelt auf Kirchengerät, so um 1760 auf einem Kelch des Münchner Goldschmieds Joh. Mich. Weiss [55, S. 409]. Um 1860/1870 war es bei volkstümlichem Schmuck in ganz Europa verbreitet [175, Bd. 2 S. 497].

b. Vergoldetes Kupfer-F., im 11. Jh. nur vereinzelt verwendet (Ambo des Aachener Doms, um 1002/1014: [169] Farbtaf. VII), wurde im 12. Jh. ein vielgebrauchtes Material. Man verwendete es hauptsächlich bei Kreuzen [144, Bd. 1 Nr. 573, Bd. 2 Abb. 379], Antependien [61, Bd. 1 Taf. 44], Schreinen (Abb. 26; ebd. Taf. 58; [145] Abb. S. 196, Farbtaf. 18f.) und Bucheinbänden [144, Bd. 1 Nr. 576, Bd. 2 Abb. 383]. Im 13. Jh. wurde es nur noch gelegentlich verwendet, so an Kölner Reliquiaren (Abb. 30), am Elisabethschrein in Marburg (Abb. 32 a und b; [62] S. 32) und in Frankreich für Schmuck [168 a, Abb. S. 713]. Die spätesten Beispiele für vergoldetes Kupfer-F. stammen aus dem Ungarn und Siebenbürgen des 15. und 16. Jh. ([159] S. 150; [160] S. 532; vgl. [48] passim).

Ob unter den kupfernen Kleiderknöpfen und Halsbändern des 17. Jh., die von Gürtlern hergestellt wurden und für die eine Vergoldungserlaubnis bekannt ist [102, S. 105], sich auch F.arbeiten befanden, ist ungewiß.

c. Vergoldetes Bronze-F. kennt man nur von gotländischen Brakteaten der Zeit um 600 - um M. 11. Jh.; die meisten Beispiele stammen aus der Zeit um 800 [76, Bd. 2 S. 62, Fig. 112-120]. - Vergoldetes Messing-F. scheint es im 16. Jh. in Siebenbürgen gegeben zu haben.

Zwar war das Vergolden von Messing bei Strafe des Hauptes verboten [181, S. 66], doch weisen Inventare Schmuck aus vergoldetem Messing aus, der üblicherweise in F. ausgeführt wurde (vgl. den Teilungsbrief des Albert Huet, 1603: ebd. S. 75f.).

2. Teilvergoldung

Vergoldeter Silberdraht auf silbernem Rezipienten ist sehr selten (Vortragekreuz in der Stadtpfarrkirche Villingen, 1268 erworben: [144] Bd. 1 Nr. 598, Bd. 2 Abb. 414). - Golddraht auf vergoldetem Kupferrezipienten kennt man nur aus dem 9. Jh. (Ardennenkreuz im Germ. Nat.mus. Nürnberg: [142] Bd. 1 Abb. S. 162). - Silberdraht auf vergoldetem Silberrezipienten gab es im 9. Jh. bei mährischem Schmuck [88, Abb. 22], im 16. Jh. auf venezianischen Bechern [115, Abb. 37], im 16. und 17. Jh. auf Gerät aus Augsburg ([122] Bd. 2 Abb. 62; Abb. 40). Stärkere, weit gestreute Verbreitung fand diese Kombination indes erst im 18. Jh., z. B. an Arbeiten aus München [55, S. 409], Schweden [95, Abb. S. 76, Farbtaf. 8] und Rußland [150, Nr. 53]; viel verwendet wurde sie seit Beginn des 19. Jh. bei volkstümlichem Schmuck (Wilster- und Krempermarsch: [66] S. 226 und 229; Bergedorf, Elmshorn, Vierlande: Abb. 51f. und [117] Abb. 1; Schwäbisch Gmünder Miederstecker, für die auch Gewindedraht verarbeitet wurde: [60] Abb. 59).

IV. Drahtherstellung

Man unterscheidet zwischen der Fertigung glatter und derjenigen dekorativ strukturierter Drähte, die jeweils ganz unterschiedliche Verfahren erfordert.

A. Glatte Drähte

1. Runddraht

Runddraht wurde nach mehreren Fertigungsmethoden hergestellt. Dabei konnten, mußten aber nicht unbedingt Ziehwerkzeuge benutzt werden. Bei den Herstellungsverfahren mit Ziehwerkzeugen läßt sich eine Entwicklung konstatieren. Bei Draht, der ohne Ziehwerkzeuge hergestellt wurde, ist dies nicht möglich, denn oft sind mehrere Herstellungsverfahren am selben Stück nachweisbar [125, S. 9].

a. Beim Drahtschmieden wurden gegossene zylindrische, drei- oder viereckige Barren („Zaine“) oder schmale Blechstreifen auf dem (seit dem 7. Jh. n. Chr. in vielen Varianten nachgewiesenen eisernen) Amboß unter gleichmäßiger Drehung des Zains mit dem Hammer zu Drähten geformt und diese durch Feilen, Schaben oder Rollen zwischen planen Platten aus Hartholz oder Stein, z. B. Marmor, geglättet ([65] S. 133; [73] S. 6; [85] S. XXV; [99] S. 96f., Taf. 6f.; [104] S. 158; [113] S. 83, Fig. 5e und 7; [119] S. 217; [125] S. 9f., Abb. 7; [186] Bd. 1 S. 655).

Merkmale des geschmiedeten Drahtes sind: ungleicher, vom Kreisrund abweichender, massiver Querschnitt und - bei ungenügender Glättung -Hammerspuren in Form von Facetten, bei gerollten Drähten Falten von wenigen Millimetern [113, S. 83].

Geschmiedeten Draht gab es im 3. Jt. in Ägypten [73, S. 6] und Mesopotamien ([186] Bd. 1 S. 655; [125] Abb. 7), seit dem 11.-9. Jh. v. Chr. in Mitteleuropa ([113] Fig. 7; [149] Fig. 62). - Im 7. Jh. n. Chr. wurde er bei der Anfertigung von Schmuck verwendet (Stücke aus dem Fürstengrab von Wittislingen: [119] S. 218, Taf. 30 Abb. 1; [124] S. 195, Abb. 30; byzantinischer Schmuck: [59] S. 9), im Hoch-MA z. B. am Elisabethschrein (Abb. 32 b). Die spätesten Belege in Europa stammen aus der 1. H. 14. Jh. (1321 Drahtschmiede in Nürnberg erwähnt: [30] T. 3, 2. Abt. S. 208).

Bei der Fertigung von halbrundem Draht (Querschnitt D-förmig) wurde der Rohling mit dem Schmiedehammer in die halbzylindrischen Vertiefungen eines sog. Sickenstocks geschlagen.

Das Verfahren war seit etwa 1200 v. Chr. in Griechenland bekannt [125, S. 9]. Noch im 7. Jh. wurden bei byzantinischem Schmuck auf diese Weise hergestellte Drähte verwendet (ebd. Abb. 8).

b. Verdrillen von Vierkantdraht.

Geschmiedeter oder – seltener – durch Beschneiden von Blechen hergestellter Vierkantdraht wurde so stark wie möglich gedreht und abschließend zwischen planen Platten aus Hartholz oder Stein gerollt. Nur bei der Verwendung von Gold konnte durch Rollen ein völlig gleichmäßiger Draht von rundem Querschnitt erzeugt werden. Bei anderen Werkstoffen (sowie bei unterlassenem oder ungenügend ausgeführtem Rollen) weist verdrillter Vierkantdraht folgende Merkmale auf: relativ gleichmäßiger massiver Querschnitt mit rundem bis viereckigem Profil, glatte Oberfläche mit vier spiralig verlaufenden flachen Nuten (Abb. 10; [70] S. 186; [104] S. 158 und 161f., Abb. 13 und 15; [113] Fig. 5 a und d; [125] S. 8f., Abb. 1).

Daß man Vierkantdraht verdrillte, bezeugen die Arbeitsspuren, die u. a. - früher Beleg - an Draht der Zeit um 1400 v. Chr. in Zypern (ebd. S. 8f.) festgestellt wurden, ebenso bei einem Großteil des Drahtes aus römischer Zeit (ebd. S. 8), an angelsächsischen Arbeiten des 7. Jh. n. Chr. (ebd. Abb. 4) sowie an byzantinischen des 6.-7. Jh. (Abb. 10).

c. Aufrollen von Blechstreifen.

Von geschmiedetem Blech mit Meißel oder Blechschere abgeschnittene Streifen wurden unter leichter Überlappung der Kanten spiralig um einen zylindrischen Kern - z. B. einen fertigen Draht -gewickelt, nach Entfernung des Kerns enger gewunden, gegebenenfalls durch Dehnung stark gestreckt und zwischen planen Platten aus Hartholz, Stein oder Metall (oder zwischen Metallplatte und Amboß) gerollt ([70] S. 186; [103] S. 180; [113] S. 85, Fig. 6 d-e; [121] S. 15f.; [125] S. 9, Abb. 5; [138] S. 220 Abb. A). Ob man so gewonnenen Draht noch durch Ziehwerkzeuge zog, ist unklar.

Oddy [113, S. 85f.] und Thouvenin ([99] S. 89f., unter Verweis auf Rekonstruktionsversuche) nehmen ein solches Verfahren an, Foltz [119, S. 216] lehnt es ab, da der gerollte Blechstreifen sich beim Ziehen wieder aufrollen würde.

Merkmal des aus Blechstreifen hergestellten Drahtes ist der runde, relativ gleichmäßige, hohle Querschnitt und eine einzelne umlaufende Nut sowie, abschließendes Ziehen unterstellt, das Nebeneinander von Riefen in Längsrichtung (so [113] S. 85).

Die Drahtherstellung durch Aufrollen von Blechstreifen ist in Schriftquellen nicht belegt; sie wird aber etymologisch erschlossen (ahd. und mhd. „drat“ wird wie altangelsächs. „thrad“, altfries. „thred“, mittelniederl. „draet“ auf germ. „*preðuz“ zurückgeführt, das seinerseits auf indogerm. „*tu“, einer von „ter-“ = „drehend reiben“ abgeleiteten Wurzel, basiert: Kluge-Mitzka S. 140); schon Krünitz brachte den altertümlichen Begriff „Vinster“ für Draht mit „winden, drehen“ zusammen und führte ihn gleich dem niedersächs. „wire“ und engl. „wire“ auf die Wurzel „wiren“ = „winden“ zurück [23, Bd. 9 S. 466 Anm.].

Aus Blechstreifen hergestellten Draht gibt es an Arbeiten der Bronzezeit [70, S. 186], im 5.-2. Jh. v. Chr. auf griechischem Schmuck [125, S. 9], im 2. Jh. n. Chr. auf skandinavischem [82, S. 9 und 112 Anm. 24], ferner bei Goldschmiedearbeiten der Merowingerzeit (ebd. Anm. 26; [100] Taf. 2 Fig. 4; [124] S. 180 und 192).

Die Herstellung des Blechs geschah durch Ausschmieden oder durch Walzen.

Beim Ausschmieden von Barren zu Blechen bediente man sich seit der Eisenzeit langstieliger Hämmer (Rob. James Forbes, Stud. in Ancient Technology, Bd. 8, Leiden 1964, S. 132), seit römischer Zeit breitbahniger Planschenhämmer (Paul Brandt, Schaffende Arbeit und bildende K. im Alt. und MA, Lpz. 1927, Abb. 107, links), wie es sie seit dem Früh-MA auch nördlich der Alpen gab [67, S. 31] und die von Goldschmieden bis E. 18. Jh. verwendet wurden; dies belegen Werkstatt-Darstellungen vom 15. Jh. an (vgl. außer den bei Rosenberg [54] Fig. 57 und 62f. wiedergegebenen des 15.–17. Jh. auch die Stiche des 18. Jh. bei Halle [16] Abb. S. 35 und in Slg. 3 von P. N. Sprengels „Handwerken und Künsten“ [19 a] Taf. „Der Gold- und Silber-Arbeiter“ Fig. 11, erläutert S. 134f.). Das Ausschmieden von Zainen ist auch in Schriftquellen überliefert, wobei generell nicht unterschieden ist zwischen Blech- und Folienschlagen, vgl. die „Compositiones“ des 8. Jh. (I7-K16 und L11-L12: [2] S. 21–23 und 25) und Theophilus (I.23: [5] S. 11f.; [6] S. 20-22). Celimi [9, S. 130f.], Halle [16, S. 49 und 120f.] und Sprengel [19 a, Slg. 3, S. 148f. und 163ff.] beschrieben die Herstellung von Silberblech. - In Hammerwerken, die seit 1227 urkundlich belegt sind [167, S. 209], wurden zunächst nur Eisenbleche hergestellt (ebd. S. 215, 237 und 258f.; [65] S. 135; vgl. [8] S. 78 und 490; Leonardo da Vinci’s Entwürfe zu Hammerwerken für Goldschläger in dem um 1490/1518 entstandenen Cod. Atlanticus, fol. 8r, 11r, 21r und v, 38r und v, wurden nicht aufgegriffen, vgl. [157] S. 433-440). Kupfer- und Messingbleche stellte man erst seit E. 17. Jh. in größerem Umfang in Hammerwerken her. Darstellungen bieten Weigel [189, Taf. vor S. 307 und nach 348], Gallon [18, Taf. 8 und 17f.], Sprengel ([19 a] Slg. 4, bes. S. 123-148 und 181f., Taf. „Der Kupferhammer und Kupferschmidt“), Justi und Beckmann [21, S. 287-298] und Beckmann [22, S. 425f.].

Mit Blechwalzen, die gleichmäßig starke Bleche, wie man sie z. B. für Münzen benötigte, herzustellen erlaubten, ließen sich nur weiche Metalle bearbeiten, Gold, Silber, Blei, Zinn. Eine Blechwalze für Zinn entwickelte Leonardo da Vinci (Zchg. von 1496 im ms. J, fol. 48v, vgl. [157] S. 347; [165] Abb. S. 56, oben), eine Walze für Goldblech zur Münzherstellung konstruierte 1550 der Augsburger Max Schwab für Kg. Heinrich II. von Frankreich ([51] S. 505; [166] Sp. 1279). Bei Diderot-d’Alembert ist zum ersten Mal die Blechwalze in einer Goldschmiedewerkstatt wiedergegeben (1771: [15 c] Taf. 6 Fig. 25; in [15] Bd. 6 S. 800 bei den Gold- und Silberdrahtziehern erwähnt). Um diese Zeit wurde auch in Deutschland die Blechwalze in den Goldschmiedewerkstätten verwendet; ihre Konstruktion beschrieben im 18. Jh. Sprengel ([19 a] Slg. 3, S. 6-8, Taf. „Der Goldschläger“ Fig. 1), im 19. Jh. Poppe [34, S. 46, Taf. 35], Prechtl ([35] Bd. 2 S. 269f., mit Erwähnung des Platinwalzens) und Karmarsch [37, S. 151-154], der darauf hinwies, daß Edelmetallbleche nie als Halbfertigprodukte gehandelt, sondern in der Werkstatt hergestellt würden (ebd. S. 162).

Als Schneidewerkzeug dient von alters her der Meißel (Ägypten: [101] S. 6); erhalten sind Meißel u. a. aus dem 9. Jh. n. Chr. in Schweden [76, T. 1 S. 242]; Cellini empfahl Meißel zum Drahtschneiden bei der F.herstellung [9, S. 21]. -Blechscheren gibt es in zwei Formen.

Entweder ist ein Schenkel nach außen gebogen, um besseren Halt zu geben, oder die zwei Schenkelenden sind zueinander einwärts gebogen und berühren sich beim Schließen. Die älteste bekannte der stets kleinen Handscheren stammt aus dem sog. Goldschmiedegrab von Jutas, Ungarn, 6./7. Jh. [174, Bd. 2,1 S. 101]; Theophilus erwähnte eine solche Schere (III.75: [5] S. 138f.; [6] S. 135–137). Deren Verwendung in der Goldschmiedewerkstatt wird vom 15. Jh. an auch durch bildliche Wiedergaben bezeugt (Beispiele bei [54] Fig. 60, unten links, Fig. 63, links im Hintergrund); durch Altmütter kennt man die Handscheren des 19. Jh. in ihren vielen Varianten [134, S. 53-56, Taf. 4 Fig. 12, Taf. 5 Fig. 36]. Für Stockscheren, die mit dem spitz zulaufenden und nach außen gebogenen unteren Schenkel in einen Holzklotz – den „Stock“ - geschlagen werden, gibt es Bildbelege im Mendelschen Zwölfbrüderbuch (um 1425; [178] Bildbd. Taf. 75), bei Amman-Sachs [156, Bl. VIV, Mitte], bei Libavius [11, Bildteil S. 50 Abb. 116] und bei Jan Joris van Vliet (Rud. Wissel, Des alten Handwerks Recht und Gewohnheit, Bd. 2, Bln. 1929, Taf. 32, unten).

d. Ob durch Strecken Draht hergestellt werden kann, indem man geeignetes Rohmaterial (z. B. durch Überschmieden von Gußrohlingen gewonnen) am einen Ende befestigt und am freien Ende mit Körperkraft unter Zuhilfenahme einer Zange oder dgl. streckt, ist umstritten. Es wäre doch wohl anzunehmen, daß selbst das sehr dehnbare Gold bald an der schwächsten Stelle risse.

Feldhaus wies auf die Darstellung eines Leirenziehers im Mendelschen Zwölfbrüderbuch hin, wo der Ziehtisch ohne Zieheisen wiedergegeben ist [166, S. 201, Abb. 136]; doch ist dies eindeutig ein Zeichenfehler, vgl. [178] Bildbd. Taf. 124. - Präcolumbianische Kulturen Amerikas sollen das Verfahren gekannt haben (Paul Bergsøe, The metallurgy and technology of gold and platinum among the Pre-columbian Indians, Kop. 1937, S. 30f.).

e. Drahtziehen.

Das durch Schmieden oder Walzen aus gegossenen, stabförmigen Barren gewonnene, eingefettete Rohmaterial wurde unter wiederholtem Zwischenglühen (zur Beseitigung von Härte und Spannungen) durch konische, im Durchmesser fein abgestufte Löcher einer Ziehplatte gezogen.

Wann und wo dieses Verfahren erfunden wurde, ist nicht bekannt; die frühesten sicheren Belege bieten byzantinische Arbeiten aus dem Früh-MA (Ohrring im Brit. Mus., London: [125] Abb. 10), woraus mit Vorbehalt auf die Erfindung des Drahtziehens kurz zuvor im Vorderen Orient geschlossen wurde [82, S. 2].

Die bisherigen Argumente für eine Erfindung des Drahtziehens schon in der Antike sind alle widerlegbar: Gleichmäßiger, feiner Draht kann auch durch Rollen von Blechstreifen und durch Verdrillen von Vierkantdraht hergestellt werden (s. Sp. 1109f.); die Fließstruktur des Gefüges ist auch bei geschmiedetem Draht bekannt [113, S. 80]; Parallelriefen in Längsrichtung des Drahtes gibt es auch bei konischen, nicht durch Ziehen hergestellten Drähten ([119] S. 216f.; die Riefen entstanden durch Schleifen mit Bimsstein und Schiefer oder durch Beseitigung der Oberflächenkorrosion durch Beizen oder elektrolytische Verfahren); als Ziehplatte deklarierte Geräte können auch anderen Zwecken gedient haben - auffällig ist bei vielen dieser Werkzeuge die grobe Abstufung der Löcher und deren Anordnung in Nuten, deren Funktion in keinem Zusammenhang mit dem Drahtziehen steht (dienten sie dem Ziehen von Ketten, Röhrchen, Lederriemen und Sehnen oder zum Anstauchen von Nagel- und Nietköpfen?: ebd. S. 218; Lindblom [73] S. 37, Fig. 4, verweist auf Zieheisen mit grob abgestuften Lochdurchmessern bei den Mongolen, wahrscheinlich eine Fehlinterpretation).

Vom Hoch-MA an ist Drahtziehen quellenmäßig belegt.

Dem griechischen „Traktat über die Goldschmiedekunst“, 11. Jh., zufolge werden im Stangenguß hergestellte Silberbarren überschmiedet, ehe sie ins Zieheisen kommen ([4] S. 331, [4 a] S. 316). Theophilus beschrieb in der 1. H. 12. Jh. das gleiche Verfahren am Beispiel der Herstellung von Golddraht (III.52: [5] S. 101; [6] S. 101). Der Beruf des Drahtziehers ist durch den „Livre des métiers“ des Étienne Boileau 1268 für Paris nachgewiesen [176, S. 52-54]; im dt. Sprachgebiet sind die ersten urkundlichen Erwähnungen 1320 aus Frankfurt [167, S. 256], 1360 aus Nürnberg bekannt (vgl. [30] T. 3, 2. Abt. S. 209), wo 1370 auch das Gold-, Silber-, Kupfer- und Messingdrahtziehen geübt wurde (nach ebd. S. 210). Die erste illustrierte Beschreibung des Drahtziehens mit verschiedenen Ziehbänken - Leirentisch, Zieheinrichtung mit Spill - und des Schockenziehens mit Wasserkraft lieferte Biringuccio 1540 ([7] Bl. 139v-140r; [8] S. 447f., S. 448 Abb. 73, S. 451 Abb. 74; zum Schockenziehen s. Sp. 1119f.). Eine Vielzahl technischer Verbesserungen und steigender Bedarf erlaubte im 18. Jh. die Anlage erster Gold- und Silberdrahtfabriken (z. B. durch Jos. Zech und Joh. Georg Schmidt in München, 1747: [30] T. 3, 2. Abt. S. 213). Am Beginn der in der 2. H. 18. Jh. und im 19. Jh. in großer Zahl erschienenen detaillierten Beschreibungen des Drahtziehens mit z. T. umfänglichem Abbildungsteil [15-19; 21f.; 31f.; 35; 39] steht ein in Lübeck erschienener „Vollkommener Bericht...“, (eine der ersten Monographien über eine einzelne Technik überhaupt), dessen Verfasser offenbar wegen der Mitteilung geheimer Produktionsverfahren unter dem Pseudonym „Lejisugo“ veröffentlichte [14], um einer möglichen Strafverfolgung zu entgehen.

Geräte, die man beim Drahtziehen benutzte, sind Ziehplatten und Ziehsteine sowie Ziehzangen; dazu kommen Hilfsgeräte wie Spulräder und Drahtlehren.

Ziehplatten sind aus Metall oder aus organischem Material hergestellt; steinerne sind nicht bekannt (die hypothetische Annahme ihres Vorkommens - so [73] S. 9 und [110] S. 199 - beruht auf der unzutreffenden Annahme, gleichmäßiger Draht wäre im Altertum nicht anders herzustellen gewesen). Ma. Ziehplatten aus Horn mit bis zu sieben Löchern gab es in Schweden ([67] Taf. 11.4; [89] Fig. 583f.; [72] Taf. 43 Nr. 1; [76] Bd. 2 Fig. 229f.). Ziehplatten aus Holz der Buche oder Eiche beschrieb in der 1. H. 12. Jh. Theophilus; die zahlreichen Löcher, um Fuchsschwanzketten durch Ziehen zu dehnen und zu glätten, sind mit Hilfe einer glühenden Nadel eingebrannt (III.61: [5] S. 120; [6] S. 113).

Eindeutig zum Drahtziehen verwendete Zieheisen gibt es seit merowingischer Zeit (6. Jh.: [113] S. 82 und 87 Anm. 5; 9. Jh.: ebd. S. 82, Abb. 4). Erstmals erwähnt werden sie im 11. Jh. im griechischen Traktat über die Goldschmiedekunst ([4] S. 330, [4 a] S. 315), dann in der 1. H. 12. Jh. von Theophilus (III.8: [5] S. 67; [6] S. 68). Bildliche Darstellungen überliefern ihr Aussehen vom 2. V. 15. Jh. an (Abb. 35; [178] Bildbd. Taf. 71). Über die formale Entwicklung seit der 2. H. 18. Jh. unterrichten zahlreiche Abbildungen: [15 d] Taf. 9 Fig. 17f., Taf. 13 Fig. 16f.; [15 f] Taf. 1 Fig. 2, Taf. 2 Fig. 28f., Taf. 3 Fig. 13-16; [16] Bd. 1 S. 77, Taf. II Fig. 7 a; [17] Taf. I Fig. 1-3; [19 a] Slg. 3 S. 32f. und 41-44, Taf. „Der Gold- und Silberdratzieher“, Fig. 3f.; [32] S. 32-39; [39] Bd. 1 S. 410.

Ziehsteine sind Rubine, Saphire, Diamanten, Chrysolithe und andere harte Mineralien mit nur einem Loch, das mit Diamantpulver auf dem Dockendrehstuhl oder auf der Drehbank gebohrt wurde. Ziehsteine liefern bei nur wenig Kraftaufwand einen sehr glatten, vollkommen gleichmäßigen runden Draht und haben eine längere Lebensdauer als Zieheisen, da das Loch nicht ausschleift. Die Erfindung des Ziehsteins 1819 durch den Engländer Brockedon wurde unter der Nummer 4395 patentiert. Anfänglich dienten Ziehsteine der Herstellung von Gold- und Silberdraht, seit etwa 1840 auch der von Eisendraht ([31] Bd. 9 S. 366; [32] S. 31; [35] Bd. 2 S. 593f., Bd. 4 S. 164f.; [35 a] S. 297f.; [39] Bd. 1 S. 408; Karl Karmarsch, Gesch. der Technologie seit der M. 18. Jh., Mchn. 1872 [Gesch. der Wiss. in Dtld., Neuere Zeit, Bd. 11], S. 332).

Ziehzangen haben meist einen nach unten gebogenen Schenkel, der beim kraftaufwendigen Ziehen der Hand einen besseren Halt gewährt. Wesentlich älter als die früheste bislang bekannte bildliche Wiedergabe (norwegische Handschrift um 1380 in Oslo: [82] S. 4; vgl. auch [54] S. 95) ist das in Gotland gefundene, der Konstruktion nach einer Kneifzange ähnliche Werkzeug aus dem 9./10. Jh. [76, T. 1 Abb. 12]. In Deutschland gibt es bildliche Darstellungen von Ziehzangen seit dem 2. V. 15. Jh. ([178] Bildbd. Taf. 71; Abb. 35); zu erhaltenen Geräten vgl. [134] S. 176-189 und 292f., Taf. 3 Nr. 22f.

Ein Spulrad zum Aufspulen des Drahtes, im Aussehen einem Spinnrad ähnlich, ist bei Halle (Abb. 44 a; [16] S. 160) und Sprengel beschrieben und abgebildet ([19 a] Slg. 3, S. 46 und 48, Taf. „Der Gold- und Silberdratzieher“ Fig. 24).

Drahtlehren zur Kontrolle des Drahtdurchmessers sind seit dem 16./17 Jh. bekannt. Die ältesten sind rechteckige Drahtlehren mit Öffnungen an einer oder zwei Seite(n) und stammen aus Nürnberg ([114] Abb. 9 Nr. 2, vgl. auch Nr. 1), ebenso eine kreisrunde Drahtlehre mit umlaufenden Öffnungen aus dem 17. Jh. (ebd. Abb. 9 Nr. 3). Der „Schieß- oder Probierring“ aus dickem, in Form von Wellenschlingen gebogenem Draht mit abgestufter Schlingenbreite ist 1762 nachweisbar [17, Taf. I Fig. 5]. Zeitgleich verwendete man das „Zängelmaß“, einen Kupferblechstreifen mit stufenförmig geschnittener Oberkante, zum Messen der Längenzunahme beim Ziehen je Loch (Abb. 44 b, s. auch [19 a] Slg. 3 S. 45f., Taf. „Der Gold- und Silberdratzieher“ Fig. 22), und den kreisrunden „Probierring“ (ebd. Fig. 23, erläutert S. 46; vgl. auch [31] Bd. 10 S. 311). 1833 gab K. Karmarsch bei Prechtl eine Übersicht über die als „Drahtmaß“ und „Drahtklinke“ bezeichneten, damals gebräuchlichen Drahtlehren [35, Bd. 4 S. 149-152].

Das Ziehfett ist ein beim Drahtziehen unentbehrliches Hilfsmittel. Das heute noch in dieser Funktion verwendete Wachs erwähnte 1540 Biringuccio ([7] Bl. 139v; [8] S. 447f.); im 18. Jh. wurde der Gebrauch von Baumöl (d. i. Olivenöl geringer Qualität: [131] S. 251) oder ungesalzenem Schmalz vorgeschlagen [19, Ausg. 2 S. 259].

Beim manuellen Drahtziehen wird das Ziehwerkzeug festgehalten und der Draht - gegebenenfalls unter Benutzung einer Zange - durch die Löcher des Ziehwerkzeugs gezogen.

Das Festhalten des Ziehwerkzeugs mit den Füßen ist wiedergegeben in dem Kupferstich „Der hl. Eligius in der Werkstatt“ vom Meister des Bileam, um 1460: in der Werkstatt steht ein Goldschmiedelehrling auf dem Zieheisen, das auf einem Schemel liegt; der Schemel hat seitlich eine Kerbe für die Führung des Drahtes (Abb. 35). Das Einspannen des Zieheisens im Schraubstock wird zwar erst von Krünitz 1785 bei der F.herstellung erwähnt [23, Bd. 9 S. 476], dürfte aber schon wesentlich früher praktiziert worden sein. Für das Halten des freien Drahtendes mit einer Ziehzange gibt es eine norwegische Quelle von etwa 1380 [82, S. 4], eine Abbildung findet sich auch unter den ersten Bildern des Mendelschen Zwölfbrüderbuches [178, Bildbd. Taf. 71]. Das noch heute von den Goldschmieden geübte Ziehen feiner Drähte unter Verwendung einer Handzange beschrieb zuerst Eichler 1887 [44, S. 67]; auch hier geht längere Praxis sicher vorauf.

Schockenziehen (von „Schocke“ = Wippe, Schaukel) ist der - oft ungenau verwendete - Oberbegriff für mehrere Arten des Drahtziehens unter Einsetzen von Hebelkraft zur Herstellung von grobem Kupfer-, Bronze-, Messing-, Eisen- und Stahldraht als Vorstufe zum Mittel- und Feinziehen auf dem Leirentisch oder der Ziehbank (die Bankzögersbank - s. unten - ermöglichte auch die Herstellung von Feindraht).

Wie die Bezeichnung Schockenziehen, wörtlich genommen, besagt, saß der Drahtzieher dabei auf einer Schaukel, die mittels einer gewinkelten Stange an der Wand befestigt war ([114] S. 91; [178] Textbd. S. 119) und nach dem Prinzip des Winkelhebels die Funktion des langen Kraftarms erfüllte. Der Schockenzieher, der mit der Schaukel nach vorn gependelt war, stemmte sich unter Einsatz der ganzen Körperkraft mit den Beinen zurück und zog dabei mit der als Lastarm wirkenden Ziehzange den Draht jeweils ein kurzes Stück durch ein Zieheisen, dessen Angel in einen Holzblock geschlagen war.

Quellenzeugen gibt es zwar erst vom 2. V. 15. Jh. an (s. [178] Bildbd. Taf. 71; vgl. [26] Bd. 3 S. 77), doch darf man annehmen, das Verfahren sei - analog zu anderen mechanisierten Verfahren des Drahtziehens - schon in der 1. H. 14. Jh. aufgekommen ([65] S. 134, unter Verweis auf [63]; im 13. oder gar schon im 12. Jh. war diese Technik nicht bekannt). Vom 2. V. 15. Jh. an belegen auch die Darstellungen die Verwendung einer Handziehzange und die Befestigung der Schaukel an der Wand [178, Bildbd. Taf. 71 und 229]; die gelegentliche Deutung dieser Bilder als unvollständige Wiedergabe des Schockenziehens mit Wasserkraft (z. B. bei [144] S. 97) ist eine Fehlinterpretation.

Beim Schockenziehen mit Wasserkraft erfolgte die Kraftübertragung vom Mühlrad über eine gekröpfte Welle (Pleuel), die über einen breiten Lederriemen mit einem Seil verbunden war. An dessen Ende saß ein Ring, der über die gespreizten Schenkel einer Schleppziehzange gestreift wurde; diese schloß sich beim ruckartigen Ziehen automatisch. Näherte sich die gekröpfte Welle bei ihrer Drehbewegung dem in einer rahmenartigen Halterung befestigten Zieheisen, öffnete der Drahtzieher, der auf einer an der Decke befestigten Schaukel saß und sich mit den Füßen in einer Grube abstützte, die Ziehzange und sorgte für deren erneutes richtiges Zufassen.

Schockenziehen mit Wasserkraft und der vorher nicht bekannten gekröpften Welle sowie der sich automatisch schließenden Schleppziehzange wurde nach ersten Versuchen (1405) in Nürnberg von 1408-1415 entwickelt [114, S. 92–94]. Die erste Beschreibung des Verfahrens gab Conrad Celtis in seiner vor 1495 verfaßten „Urbis Norimbergae descriptio“ (gedr. Nbg. 1502; zu den Ausgaben s. [114] S. 117 Anm. 13); eine Darstellung findet sich in Biringuccios „Pirotechnia“ ([7] Bl. 140v; [8] S. 451 Abb. 74).

Das Ziehen auf dem Leirentisch war bis E. 19. Jh. die bevorzugte Herstellungsart von Draht für F.arbeiten. Bei diesem Verfahren wurde das Zieheisen in einer meist rahmenartigen Halterung in der Mitte einer Werkbank zwischen zwei fest montierten Achsen befestigt, auf denen je eine Trommel (Rolle, Scheibe, Hut, Stockrolle, Spule, Giebe) saß. Den erforderlichen Zug erzeugte man durch Aufwickeln des Drahtes auf die Trommel hinter dem Zieheisen. Die Trommel drehte man bei der Herstellung von Feindraht mit Hilfe einer Handkurbel („Leier“, vgl. Grimm Bd. 6 Sp. 684), bei der Herstellung von Mitteldraht mit Hilfe zur Mehrung der Hebelkraft verlängerter Trommelspeichen.

Alternativbezeichnungen für den Leirentisch sind, oft pars pro toto, „rolle“ (1393: [65] S. 134), „Scheibe“ (Amman-Sachs 1568, Bl. d: [156] S. 101), „Abführungstisch“ für ein großes, „Arbeitstisch“ für ein kleines Gerät (1769: [19 a] Slg. 3 S. 34ff. und 40, Taf. „Der Gold- und Silberdratzieher“ Fig. 9), „Leier“ (1833: [35] Bd. 4 S. 188-194) und „Leierziehbank“ (1879: [43] S. 534-536).

Die Erfindung ist vor M. 14. Jh. zu datieren, denn im Jahr 1351 wird in Augsburg ein „Chunr. Tratmuller de Tratmul“ genannt ([26] S. 82; Beleg von 1393: [65] S. 134; 1440 ist in Nürnberg die „salwürken-mühl“ mit ihren „rollrädern“ genannt: [114] S. 1). Bildliche Darstellungen gibt es seit dem 2. V. 15. Jh. ([178] Bildbd. Taf. 23; vgl. ebd. Taf. 214); eine genaue Wiedergabe bietet Biringuccio ([7] Bl. 140r; [8] S. 448 Abb. 73, unten links). Weitere Text- und Bildquellen z. B. bei Garzoni 1610 (zitiert bei [26] S. 69 mit Anm. 15), im von 1626 bis 1666 geführten Buch der Landauerschen Zwölfbrüderstiftung in Nürnberg [53, Nr. 8, S. 160] und bei Weigel [189, Taf. nach S. 294]. In den Grundzügen blieb der Leirentisch bis E. 19. Jh. unverändert; vgl. Abraham a Sancta Clara (bei [84] S. 3 abgeb.), Lejisugo [14, passim], Halle (Abb. 44 a; [16] S. 160), „Schauplatz“ [17, Taf. 1 Fig. 6], Diderot-d’Alembert ([15 a] Taf. 1 Fig. 4f.; [15 f] Taf. 3 Fig. 1), Sprengel ([19 a] Slg. 3, S. 44f., Taf. „Der Gold- und Silberdratzieher“ Fig. 19), Orell [25, S. 96], Prechtl [29, Bd. 4 S. 192-194]. Abweichende Konstruktion ist überliefert bei Weigel (Achse der Trommeln reicht bis zur Decke: [189] Taf. vor S. 293), Sprengel (Spule oben offen: [19 a] Slg. 3 Taf. „Der Gold- und Silberdratzieher“ Fig. 9) und Ledebur (Antrieb waagrechter Trommeln über Winkelräder: [43] S. 534-536, Fig. 420). Für waagrecht gelagerte Trommeln zum Ziehen mit einem Ziehstein vgl. [120] Abb. 55.

Das Ziehen auf der Bankzögersbank (in der Literatur oft irreführend als Schockenziehen bezeichnet, obwohl dabei keine „Schocke“ verwendet wird) erfolgte entweder durch Anwendung von Körperkraft oder durch Nutzen der Wasserkraft.

Beim Ziehen durch Körperkraft war die Bankzögersbank (vgl. Abb. 48) ein schrägstehendes Brett auf zwei Füßen an der einen Schmalseite, ausgestattet mit einem ungleicharmigen abgewinkelten Hebel an dieser Seite sowie einer rechteckigen Vertiefung zur Aufnahme des Rohdrahtes an der gegenüberliegenden Schmalseite. Ein Formstück am kürzeren Hebelarm war mit der Schleppziehzange durch einen Ring verbunden. Durch Niederdrücken des längeren Hebelarms wurde der am einen Ende von der Zange erfaßte Draht durch das etwa in Brettmitte befestigte Zieheisen gezogen; beim Heben dieses Arms rutschte die sich automatisch öffnende Schleppzange durch die Neigung des Bretts auf das Zieheisen zu; durch erneutes Senken des längeren Hebelarms wurde der Draht wiederum ergriffen, der Ziehvorgang begann von neuem.

Die Erfindung der Bankzögersbank liegt etwa zw. 1405 (Erfindung der Schleppziehzange, s. oben) und um 1498 (vor diesem Datum die Weiterentwicklung der Bankzögersbank zur Ziehbank, s. unten). Detaillierte Abbildungen gibt es aus der 2. H. 18. Jh.: Abb. 48; [28] Taf. 4 Fig. 1 e, 5-8; [24] Taf.bd. 2, „Fil d’Archal, Fil de Fer, Tréfilerie“ Taf. 2.

Beim Ziehen durch Wasserkraft- die irreführende Bezeichnung als Schockenziehen ist hier schon früh anzutreffen (1597: vgl. [114] S. 116 Anm. 6) - wurde die Kraft vom Mühlrad über eine Nockenwelle übertragen, das Weiterführen der Zange durch einen an der Decke oder an einem Holzgestell aufgehängten Federbalken gesteuert. Die Arbeit beschränkte sich auf das Anspitzen des Drahtendes, der Bereitstellung von Rohmaterial und das Kontrollieren der Maschine und war meist Frauen übertragen.

Nach der ersten Beschreibung der wassergetriebenen Bankzögersbank von Eobanus Hessus, Urbs Norimberga, Nbg. 1532, IV.27 (vgl. [26] S. 74-76 Anm. 26 und [65] S. 135) wurde diese Technik vor 1532 in Nürnberg erfunden. Abbildungen zu den Beschreibungen gibt es seit E. 17. Jh., vgl. [189] Taf. vor S. 295; [15 b] Taf. 5f.; [19 a] Slg. 4 S. 211-215, Taf. „Das Meßingswerk“ Fig. 15; [28] Taf. 3. Das Verfahren wurde etwa um 1830 aufgegeben [63, S. 198].

Für das Ziehen mit der Ziehbank war diese an dem einen Ende mit einer Vorrichtung zum Befestigen des Zieheisens oder des Ziehsteins, am anderen mit einer Winde ausgestattet. Die Kraftübertragung von der Winde erfolgte über einen Riemen, ein Seil oder eine Kette; am freien Ende war ein Ring befestigt, der über die gespreizten oder nach unten gebogenen Schenkelenden einer durch den Zug sich automatisch schließenden Schleppziehzange gelegt war. Die Ziehbank war besonders zur Herstellung von Drähten bis minimal 1 mm Durchmesser geeignet (diese Drähte konnten in einem weiteren Arbeitsgang auf dem Leirentisch feiner gezogen werden, s. Sp. 1121f.).

Die Ziehbank dürfte spätestens in der 2. H. 15. Jh. erfunden worden sein, wohl in Nürnberg, denn nur dort verfügte man über den erforderlichen technischen Stand. 1498 ist sie im Inventar des Goldschmieds Elziarius de Ecclesia in Draguignan, Var, aufgeführt [54, S. 95]. Ob die Wiedergabe des Ziehens auf dem Ziehschemel in dem Kupferstich des oberrheinischen (?) Meisters des Bileam, Abb. 35, als Indiz dafür gelten kann, daß es um M. 15. Jh. noch keine Ziehbank gegeben habe, muß offenbleiben. Im 17. Jh. ist die Ziehbank in mehreren Werkstatt-Inventaren von Goldschmieden nachweisbar, z. B. denen des Andreas Hölzl in Wasserburg 1676, des Leonh. Hölzl ebendort 1693 [102, S. 101], und des Pierre I Germain in Paris 1685 [46, S. 21].

Die Ziehbank mit Haspel, also waagrecht gelagerter Winde, ist unter den verschiedenen Arten von Ziehbänken die am häufigsten genannte und abgebildete. Bei Biringuccio ist ein Gerät wiedergegeben, dessen Winde an beiden Enden einen zweiarmigen Griff hat (die Griffe um 90° versetzt; [8] S. 448 Abb. 73, oben Mitte). Eine vierarmige Haspel bildete Jost Amman 1568 ab (Bl. XII: [156] S. 78, „Der Pogner“); s. auch Abb. 38, ferner: [54] Abb. 60 und 62f.; [90] Abb. 20; [16] Abb. S. 113, Taf. 3, unten; [34] Taf. 31. Abbildungen erhaltener Ziehbänke aus dem 19. Jh. bieten [148] S. 136 sowie Geza von Habsburg-Lothringen und Alex. de Solodkoff, Fabergé..., Tüb. 1979, Abb. 12.

Die Konstruktion der Ziehbank mit Spill, also senkrecht gelagerter Winde, überliefert Biringuccio 1540 ([7] Bl. 140r; [8] S. 448 Abb. 73, unten rechts): demnach waren Spill und Zieheisenhalterung einzeln auf dem Werkstattboden befestigt. Die Montage beider Teile auf einer gemeinsamen Bank ist erst seit dem 18. Jh. nachweisbar (Abb. 44 a; [15 f] Taf. 1; [41] Taf. 17 Fig. 1f.).

Die durch Biringuccio bezeugte getrennte Aufstellung von Spill und Zieheisen mit Haltevorrichtung trug im 18. Jh. in Frankreich die Bezeichnung „argue“ und war den königlichen Drahtziehern vorbehalten; selbständigen Goldschmieden und gewöhnlichen Drahtziehern war ihr Gebrauch bei Strafe verboten [99, S. 92f.]. Die Winde war erheblich größer, am Boden und an der Decke in Zapfen gelagert und mit vier sehr langen radialen Griffen versehen; sie wurde von insgesamt acht Drahtziehern (zwei je Griff) bedient (ebd. Abb. 3; [15 f] Taf. 1). Die Kraft dieser offenbar sehr effizienten Winde reichte aus, um Drähte bis zu 5 mm Durchmesser zu ziehen. Zum weiteren Ziehen bediente man sich der großen, danach der kleinen Ziehbank.

Eine Ziehbank mit Handkurbelantrieb über Zahnrad und Zahnstange wurde 1565 von dem Nürnberger Kunstschlosser Leonhard Danner für Kf. August von Sachsen konstruiert (Paris, Mus. de Cluny: [166] S. 203f.). Eine ähnliche Maschine beschrieb und bildete Halle 1761 ab [16, S. 76f., Taf. II Fig. 7]. - Die Ziehbank mit Handkurbelantrieb der waagrecht gelagerten Winde war im 18. Jh. bekannt (Diderot-d’Alembert [15 f] Taf. 2 Fig. 17; Duhamel du Monceau [28] Taf. 4.3 und 9), ebenso die Ziehbank mit handkurbelgetriebener waagrechter Winde und Drahttrommel („Giebe“: [19] Ausg. 2 S. 161–265, Taf. 3 Fig. 3) und die Ziehbank mit separater, senkrechter Winde auf einem waagrecht gelagerten Rad, das radial mit Latten beschlagen war und von vier Drahtziehern bewegt wurde ([19 a] Slg. 3, S. 33f., Taf. „Der Gold- und Silberdratzieher“ Fig. 5 und 7). Die Ziehbank mit endloser Kette wurde erst im 4. V. 19. Jh. verwendet [44, S. 67].

g. Beim Drahtwalzen wurde der im Stangeneinguß hergestellte Rohling zwischen den im Durchmesser fein abgestuften, sich gegenüberliegenden Nuten einer Drahtwalze hindurchgeführt. Die Profile der Nuten waren so geschnitten, daß grober Rund- oder Vierkantdraht mit gebrochenen Kanten hergestellt werden konnte. Die Walzen wurden durch eine Handkurbel über Zahnräder angetrieben.

Die ersten Geräte, Drahtwalzen für Eisendrahterzeugung, sind 1766 belegt (Patenterteilung für eine Drahtwalze an John Purnell, engl. Patent 854: [166] Sp. 204; Einführung einer Drahtwalze an der Münze von Besançon: [162] S. 211); eine bildliche Wiedergabe bieten Sprengels „Handwerke und Künste“ 1778 ([19] Slg. 21 S. 105-111, Taf. 3 Fig. 10). Doch erst 1887 wurde eine Drahtwalze für Gold- und Silberdraht beschrieben [44, S. 66].

2. Flachdraht

Seine Herstellung hängt eng mit der Goldwirkerei und -Stickerei zusammen. In Zeiten großen Bedarfs für diese Arbeiten wurden Herstellungsverfahren entwickelt, die man auch für Flachdraht zu F.arbeiten einsetzte.

a. Das älteste Verfahren, das Schneiden von geschmiedeten Blechen und geschlagenen Metallfolien zu schmalen Streifen, ist in Europa erstmals in der Völkerwanderungszeit nachweisbar [84, S. 2]. Im 8. Jh. wurde in den „Compositiones“ für das Zerschneiden von Goldfolien eine gute, sehr scharfe, lange und dünne Schere verlangt („De fila aurea facere“, L15-M2: [2] S. 26f.). Biringuccio erwähnt das Zerschneiden goldplattierter Silberfolien mit einer langen, federnden scharfen Schere ([7] Bl. 141r; [8] S. 452). - Das Zerschneiden von Blechen und Folien mit einer eigens dafür konstruierten „Walze“ wurde vor 1821 in England eingeführt [31, Bd. 7 S. 278f.].

b. Durch Drahtplätten mit dem Hammer Flachdraht aus Runddraht herzustellen, ist nur im griechischen Traktat über die Goldschmiedekunst aus dem 11. Jh. beschrieben (Kap. 11: Glätten von Runddraht auf einer Marmorplatte, nachfolgend Ausschmieden auf dem Amboß; [4] S. 324f., [4 a] S. 311). Die Technik muß jedoch wegen fehlender alternativer Techniken bis A. 16. Jh. als die einzige und bis M. 18. Jh. als das vorherrschende Verfahren zur Herstellung von Flachdraht angesehen werden.

c. Zum Drahtplätten mit der Plättwalze verwendete man eine nach dem Konstruktionsprinzip der Blechwalze (dazu Sp. 1111.) entwickelte Maschine mit zwei über Handkurbel und Zahnräder angetriebenen Stahlwalzen, zwischen die der zu plättende Runddraht eingeführt wurde. Die Plättwalze ist von der Blechwalze manchmal nur durch die Größe unterschieden, manchmal auch in der Walzenform und anderen Einzelheiten.

Die Plättwalze wurde in Nürnberg erfunden, wahrscheinlich i. J. 1504 [59, S. 19]. Sie fiel wohl unter das „Drohtzieherwerkzeuch“, für das die Stadt ein Ausfuhrverbot erließ, welches sie bis E. 18. Jh. anscheinend so streng überwachte (ebd. S. 152 und 10), daß Justi und Beckmann noch 1789 berichten konnten, in Deutschland gäbe es keine guten Plättmaschinen, sie kämen vielmehr „heimlich“ aus Frankreich, Neuchâtel und Mailand [21, S. 261]; das Nürnberger Ausfuhrverbot ist vielleicht auch eine Erklärung dafür, warum Plättwalzen erst von der M. 18. Jh. an abgebildet und beschrieben wurden. 1744 schilderte Lejisugo in der Konstruktion sehr fortgeschrittene Maschinen, bei denen der Walzendruck durch Stellschrauben oder Gewichte reguliert und der Draht durch eine runde hölzerne Kapsel mit Bohrung („Birne“) geführt wurde [14, S. 199-219]. Halle (Abb. 44 b) und Diderot-d’Alembert ([15] Bd. 13 S. 347; [15 f] Taf. 3, c-d, Taf. 4 Fig. 1) kannten nur die Regulierung des Walzendrucks durch Gewichte, die noch E. 19. Jh. mancherorts, z. B. in Cortina d’Ampezzo, üblich war [120, S. 17, Abb. 19]. Eine Konstruktion mit im Winkel gegeneinander verstellbaren Walzen mit gewölbter Stirn, die eine bessere Ausnutzung der gesamten polierten Walzenoberfläche ermöglicht, ist 1769 bei Sprengel beschrieben und abgebildet ([19 a] Slg. 3 S. 53-61, Taf. „Der Plätter und Spinner“ Fig. 1f.). 1833 wurde bei Prechtl eine verbesserte, ausschließlich dem Plätten von Gold- und Silberdraht dienende Konstruktion geschildert: Die Walzen hatten eine gewölbte Stirn und die obere Walze hatte einen größeren Durchmesser; der Walzendruck wurde durch Gewichte über Stricke, die durch Stellschrauben gespannt wurden, reguliert, und der Draht wurde durch ein „Weiser“ genanntes Röhrchen geführt ([35] Bd. 4 S. 239-243; vgl. [120] Abb. 57: Plättwalze aus dem 19. Jh.).

Das Drahtplätten auf der Walze im Zusammenhang mit F. erwähnte ausdrücklich Krünitz [23, Bd. 9 S. 476, vgl. auch S. 472-475].

d. Für das Ziehen von Flachdraht mit dem Zieheisen hat dieses rechteckige Öffnungen (ein solches Eisen aus dem 16. Jh. im Mus. de Cluny, Paris: [51] S. 507 Abb. 4f.).

Eine „Reckebank“ zur Herstellung schmaler Blechstreifen für das Schlagen von Münzen ist 1409 nachweisbar (Münzverein Pfalz-Baden-Speyer: [167] S. 255). Ziehbänke mit Handkurbelantrieb zum Ziehen schmaler Blechstreifen zeichnete Leonardo da Vinci um 1510/1516 (Ms.G, fol. 70v, 71r, 72r-73r, 77v; vgl. [157] S. 355f. Fig. 514-526) und bemerkte dazu, die Kurbel solle durch ein Wasserrad ersetzt werden [165, S. 59 mit Abb.].

Die übliche Herstellung von gezogenem Flachdraht war jedoch - seit dem 16. Jh. - die mit dem Sickenzug (Seckenzug, Abb. 38), zwei in einem Rahmen gelagerten und durch Stellschrauben zusammenpreßbaren Stahlplatten mit einer Aussparung an den einander zugewandten Kanten zum Ziehen des Drahtes (dadurch auch für dekorativ strukturierten Draht geeignet, s. Sp. 1133f.). Das Ziehen erfolgte entweder im Schraubstock mit einer Ziehzange oder in der Ziehbank mit der Schleppziehzange. Erst im 19. Jh. wurde das Ziehen von Flachdraht mit Zieheisen üblich.

B. Strukturierte Drähte

Im folgenden wird auf die Beschreibung all derjenigen Herstellungsweisen verzichtet, bei denen sich diese schon aus dem Namen ergibt: Spuldraht, gekerbter und gewellter Flachdraht, umwickelter, geflochtener und granulierter sowie plattgeschmiedeter oder plattgewalzter Draht.

1. aus Runddraht

a. Perldraht.

Er wurde bis zum 19. Jh. ausschließlich manuell hergestellt. Das älteste Verfahren dürfte das unter Verwendung der sog. Perlfeile gewesen sein (in der 1. H. 12. Jh. beschrieben von Theophilus, III.10: [5] S. 68; [6] S. 69).

Dieses Werkzeug ist ein scharfkantiges, konisches, am vorderen Ende aufwärts gebogenes Vierkanteisen mit unterwärts nutenförmigem Hohlschliff, das in einen Griff gefaßt ist [119, Taf. 30 Abb. 2]. Es wurde unter starkem Druck in den auf einer Hartholzunterlage liegenden Draht, der durch die Werkzeugbewegung gerollt wurde, eingepreßt. Die scharfen Kanten bewirkten Kerbung des Drahtes und verdrängten das Metall in die Hohlkehle der Perlfeile. Bei ausreichendem Rollen entstand eine kugelförmige Perle, bei ungenügendem Rollen dagegen eine, die auf ihrem größten Umfang eine nutenförmige Kerbung aufwies („Äquatorschnitt“, s. Sp. 1069). Nachteilig war bei diesem Verfahren, daß je Arbeitsgang nur eine Perle gebildet werden konnte, von Vorteil, daß auch feine Drähte bearbeitet werden konnten [110, S. 207].

Bei der Perldrahtherstellung im Gesenk wurde ein von Theophilus (III.9: [5] S. 67; [6] S. 68f.) als „organarium“ bezeichnetes Instrument verwendet, das aus zwei stählernen Gesenkhälften mit senkrechten Führungsstiften bestand; in Ober- und Untergesenk sind halbkugelförmige Vertiefungen eingeschnitten [119, Taf. 30 Abb. 3]. Der senkrecht zur Längsachse des „organarium“ eingeführte Draht wurde gedreht, während mit dem Hornhammer auf das Obergesenk geschlagen wurde. Das Verfahren war nur zur Herstellung von Perldraht mit über 1 mm Durchmesser geeignet, wie Rekonstruktionsversuche bewiesen (vgl. ebd. S. 219) und was indirekt auch aus der Beschreibung des Theophilus hervorgeht, der als Rohmaterial geschmiedeten- also groben- Gold- und Silberdraht nannte. Mit dem „organarium“ hergestellter Perldraht weist zwischen den Perlen eine weichere Kerbung auf als mit der Perlfeile gerollter und kann Formen annehmen, die dem Spuldraht ähneln (ebd. S. 218).

Mechanisierte Verfahren zur Perldrahtherstellung wurden erst im 19. Jh. angewandt.

Bei Herstellung auf der Drehbank wurden zur Formgebung sog. Rändierrädchen [42, S. 128ff. und 195, Atlas Taf. 13 Fig. 12-23], Schneidzangen oder Messerrädchen [44, S. 68f.] verwendet. Bei der Herstellung auf der Guillochiermaschine (der Weiterentwicklung einer Kunstdrehbank mit exzentrischer Stichelführung: [42] S. 133ff. und 195, Atlas Taf. 18 Fig. 18; vgl. [37] S. 305-309; J. Wolters, Zur Technik und Gesch. des Guillochierens, Alte Uhren 8, 1985, S. 48-62; den., Zur Technik..., Uhren und Schmuck 22, 1985, S. 134-137, 169-175) erfolgte seit A. 19. Jh. die Formgebung durch sog. Perlbohrer (Hohlfräser; [42] S. 148 und 198, Atlas Taf. 18 Fig. 12; zur Entwicklung dieser Maschine vgl. [35] Bd. 7 S. 220 mit Abb., [37] S. 305-309, Dingler’s „Polytechnisches Journal“ 1838, Nr. 7 S. 175 mit Abb., und [41] S. 212). Nach Kulmer [42, S. 131-160, Atlas Taf. 18] sind Gold- und Silberarbeiter ihre hauptsächlichen Benutzer. - Die Dessinwalze, bis E. 18. Jh. zur Herstellung von Fensterblei und zum Münzprägen benutzt, diente seit dem 2. V. 19. Jh. auch zur Herstellung strukturierter Drähte ([35] Bd. 4 S. 245-246; Beschreibung der Walze ebd. Bd. 2 S. 312-314 und [44] S. 109-112).

b. Kerbdraht.

Er wurde hergestellt durch Ziselieren [184, Abb. 137 a], vor allem aber durch Feilen von Kerben in Runddraht (Friedr. Henkel, Der Lorscher Ring, Trier 1896, S. 7f., Taf. Fig. 10; [45] S. 17). Der Draht wurde dabei mit der Hand, einer Zange oder einem Feilkloben gehalten; als Drahtunterlage diente das Werkbrett oder der Feilnagel.

Zu Feile s. RDK VII 1060-1072. - Der Feilnagel ist ein an der Vorderseite abgeschrägter, in die Werkbrettkante eingelassener Holzklotz. Das Gerät ist, wohl schon kurz nach seiner Erfindung, seit M. 15. Jh. auf Bildern von Goldschmiedewerkstätten wiedergegeben (vgl. Meister des Bileam, hl. Eligius: Max Geisberg, Die Anfänge des Kupferstichs, Lpz. 21923 [Meister der Graphik, 2], Taf. 46, oben; s. auch Ausst.kat. „Welt im Umbruch“, Augsburg 1980, Bd. 2 Abb. 240) und erscheint seit 1556 im Zunftzeichen der Goldschmiede von Kronstadt in Siebenbürgen [182, Abb. 211].

c. Gewindedraht.

Manuell wurde Gewindedraht - wie jede Art von Gewinde - durch Feilen oder Schneiden mit speziellen Werkzeugen hergestellt (vgl. [173] passim).

Nach Stenberger erzeugte man im 10. Jh. in Skandinavien einen dem Kordeldraht ähnlichen Gewindedraht, indem man diesen zwischen schräggestellten Eisenplatten rollte (anders sei die Regelmäßigkeit der Struktur nicht zu erklären: [81] Bd. 1 S. 267, Bd. 2 Abb. 17). - Schneideeisen sind seit dem 4. V. 17. Jh. in Inventaren von Goldschmiedewerkstätten aufgeführt (Wasserburg 1676 und 1693: [102] S. 102; Paris 1685: [46] S. 20). Die früheste bildliche Wiedergabe dieses Geräts findet sich bei Jacob Leupold, Theatrum Machinarum Generale, Lpz. 1724, Bd. 1 Taf. 18 Fig. 17 (reproduziert: [173] S. 182). Sein Gebrauch zur Herstellung von Gewindedraht für F. war in Schwäbisch Gmünd im 19. Jh. üblich (nach Klein [60] S. 83). - Ob man die Schneidkluppe bei der manuellen Herstellung von Gewindedraht verwendete, ist unklar. Dieses Werkzeug, zwei durch ein Gelenk verbundene schmale Stahlschenkel mit gebogener Führungsschiene am freien Ende und halbkreisförmigen Nuten mit eingeschnittenem Gewinde an den einander zugekehrten Kanten, erlaubt, durch leichtes Öffnen und Schließen unterschiedlich tief in den Draht einzuschneiden. Erstmals ist die Schneidkluppe 1701 bei Plumier erwähnt (so [173] S. 177f.) und 1724 bei J. Leupold abgebildet (a. a. O. Fig. 19).

Beim mechanisierten Gewindeschneiden konnte man sich zweier Geräte bedienen, der Drehbank und der Kordiermaschine.

Auf der Drehbank mit Handkurbel oder Fußantrieb wurde der Draht über eine gekröpfte Welle eingespannt; das Schneiden erfolgte durch einen Drehstahl oder ein Schneidwerkzeug mit eingeschnittenem Gewindeprofil, eingespannt in einen Drehstahlhalter und durch einen Support geführt. Eine Drehbank zum Gewindeschneiden mit Drehstahlhalter und Schraubenvorschub ist schon um 1480 im sog. Hausbuch von Schloß Wolfegg abgebildet (Bl. 53 b; Helmuth Theod. Bossert und Willy Storck [Hgg.], Das ma. Hausbuch..., Lpz. 1912, Taf. 62; richtig gedeutet z. B. bei [166] Sp. 989, Abb. 149). - Beim Schneiden auf der Kordiermaschine, einem dem Spinnrad ähnlichen Gerät, war auf der Achse eine durchbohrte Spindel aufgesetzt, durch die der Draht geführt wurde. Für dickeren Gewindedraht bediente man sich der Schneidkluppe, für dünneren gebrauchte man auf dem vorderen Ende der Spindel befestigte Schneideisen. Das Verfahren ist erstmals beschrieben bei Prechtl 1833 [35, Bd. 4 S. 236-239] und von da an immer wieder ([37] S. 343; [42] S. 196f. und 261, Atlas Taf. 22 Fig. 20-25), bei Eichler 1887 ausdrücklich bei der Anfertigung von F.draht ([44] S. 67f., mit irreführender Wortwahl bei der Beschreibung).

d. Spiraldraht.

Bei ihm wurde Draht um einen zweiten, dickeren („Spindel“) eng gewickelt. Das manuelle Herstellungsverfahren ist in Quellen nicht belegt.

In der Gegenwart wird der Kern erst mit einem Papierstreifen umwickelt, der nach Beendigung des Arbeitsvorgangs verbrannt wird, damit der Kern leichter entfernt werden kann. Auch für frühere Zeiten ist dieses Vorgehen vorstellbar. Vorrichtungen zur analogen Herstellung von Kettengliedern sind durch das Inventar des Goldschmieds Elziarius de Ecclesia von 1498 nachgewiesen [54, S. 95].

Ein mechanisiertes Verfahren ist das bei Orell 1786 beschriebene Wickeln auf dem Spulrad [25, S. 110-112].

Der Drahtkern, um den der F.draht gewickelt wurde, war mit Wachs oder einer Klammer auf der Achse des Spulrades befestigt. Weitere Beschreibungen: [19 a] Slg. 3, S. 78ff., Taf. „Der Gold- und Silberdratzieher“ Fig. 24; [35] Bd. 2 S. 738f., Bd. 4 S. 248.

2. aus Flachdraht

a. Profildraht.

Für alle aus Flachdraht hergestellten Profildrähte („Leistenwerk“) bediente man sich des Sickenzugs (zu diesem s. Sp. 1130). Bei der Erzeugung einseitig glatten Flachdrahts genügte es, wenn nur eine der beiden Aussparungen des Sickenzugs profiliert war. Das Ziehen erfolgte entweder im Schraubstock mit der Ziehzange oder in der Ziehbank mit der Schleppziehzange. Abbildungen der Verfahren gibt es seit dem 4. V. 16. Jh. (vgl. Abb. 38), Beschreibungen seit der 2. H. 18. Jh. ([16] S. 134, Taf. III Fig. 21; [19 a] Slg. 3 S. 137f., Taf. „Der Gold- und Silber-Arbeiter“ Fig. 19; [35] Bd. 2 S. 323-325; [44] S. 106-108).

b. Spiralspuldraht.

Wurde er nur von einem Drahtzieher gefertigt, spannte dieser ein Drahtende (z. B. im Schraubstock) ein und wand das andere mit Hilfe einer Zange; wirkten zwei Drahtzieher zusammen, so faßten beide ein Drahtende mit der Zange und wanden im Gegensinn. Vorstellbar, doch historisch nicht zu belegen, ist auch die Verwendung mechanischer Drehvorrichtungen (z. B. von Handkurbeln oder Bohrmaschinen).

Das manchmal vermutete Winden der Drähte in erhitztem Zustand (so [74] S. 19) ist unwahrscheinlich; denn bei der guten Verformbarkeit von Gold- und Silberdraht besteht hierzu keine Notwendigkeit.

c. Gefältelter Flachdraht.

Dessen regelmäßige Faltungen setzen die Verwendung von Zangen voraus, nach Funden von Werkzeugen aus der Zeit, in der man am häufigsten Flachdraht verwendete (1.-7. Jh. n. Chr.), wahrscheinlich Flachzangen. Die von Henkel [56, S. 289] vermuteten Rundzangen lassen sich in dem genannten Zeitraum nicht nachweisen (eine solche ist erstmals 1498 im Inventar des Goldschmieds Elziarius de Ecclesia genannt: [54, S. 95]).

d. Zickzackförmiger Flachdraht.

Die beiden heute gebräuchlichen Herstellungsverfahren entsprechen den technischen Möglichkeiten, über die man bereits im 18. Jh. verfügte, und können, solange alternative Verfahren höheren oder gleichen Alters nicht bekannt sind, als die ursprünglichen angesehen werden. Bei manueller Herstellung preßt man Flachdraht zwischen die zickzackförmig profilierten ineinandergreifenden Backen einer Formzange (Kaderzange; [82] Abb. S. 125; [68] S. 477 mit Abb. 372), bei maschineller wird der Flachdraht durch die zahnradförmigen ineinandergreifenden Stahlwalzen der Dessinwalze geführt ([35] Bd. 4 S. 252; [112] Abb. S. 32).

C. Kordeldraht

1. Manuelle Verfahren

Da mechanisierte Kordelung erst seit dem 17. Jh. mit Sicherheit nachweisbar ist (s. unten), muß es vorher in Schriftquellen nicht erwähnte manuelle Verfahren gegeben haben. Diese setzen eine Vorrichtung zum Befestigen der Drähte an einem Ende und ein Werkzeug zum Erfassen am freien Ende voraus. Aus der Herstellungspraxis von volkstümlichem F. sind drei Verfahren bekannt, die so alt sein dürften wie die Erfindung der dabei verwendeten Werkzeuge und Hilfsmittel.

Beim Kordeln mit Schraubstock und Feilkloben wurde ein Ende der Drähte im (seit A. 16. Jh. genannten) Schraubstock befestigt, die freien Enden wurden mit einem Feilkloben erfaßt und unter Spannung gedreht ([71] S. 160; Alb. Czerwinski und Friedr. Hub, Die Goldschmiedelehre, Lpz. 1931 [Ndr. Stg. 1981], S. 18 Taf. 17 Abb. 1). - Durch Kordeln mit Schraubstock und Rohr kann nur kurzer Kordeldraht hergestellt werden. Der Draht wurde unter Bildung einer Schlaufe in der Mitte geknickt, die freien Enden wurden am Schraubstock befestigt, die Schlaufe durch ein kurzes Rohr geführt; dann wurde ein Stab durch die Schlaufe gesteckt, mit einer Hand gegen das Rohr gedrückt, dieses mit der anderen Hand gedreht [118, S. 142, Bild 115 c]. -Beim Kordeln mit dem Drallklotz wurden die Enden zweier Drähte mit der Hand oder mittels eines Feilklobens zusammengedreht, dann auf ein glattes Brett, das „Drallbrett“, gelegt und mit einem schmalen glatten Holzstück, dem „Drallklotz“, durch Rollen in einer Richtung gekordelt. Bei der Herstellung langer Drähte (bis 10 m sind üblich) lagen die zu kordelnden Drähte auf konischen, um einen Eisendorn drehbaren Holzzylindern mit bleibeschwertem Fuß („Beere, Birne“; [77] S. 188f., „Beere“ Abb. 19).

2. Mechanisierte Herstellung

Zur mechanisierten Herstellung von Kordeldraht braucht man eine Drehbewegungen ausführende Maschine: eine Bohrmaschine, Bohrbänke, Dreh- und Drechselbänke oder daraus entwickelte Maschinen. Da bis zum 17. Jh. Quellenbelege für den Gebrauch dieser Geräte fehlen, bleibt es Vermutung, daß bei dem großen Bedarf an Kordeldraht - wenigstens in den auf F.herstellung spezialisierten Werkstätten - Maschinen dieser Art auch schon früher eingesetzt wurden.

Beim Kordeln mit einer Bohrmaschine wird ein Ende der Drähte im Schraubstock befestigt oder um eine dünne, kurze Metallstange gewickelt; die freien Enden werden im Futter der Bohrmaschine befestigt (heute üblicherweise im Dreibackenfutter einer Handbohrmaschine; [118] Bild 142 b).

Bis zum 18. Jh. gehörten alle Bohrgeräte zur Gruppe der Spindelbohrer, bestanden also aus einem spindelförmigen Grundelement, das auf unterschiedliche Weise in Drehung versetzt wurde. Beim Fiedelbohrer war die am unteren Ende mit dem Bohrer ausgerüstete Spindel mit einer Sehne cider Schnur umwickelt, die ihrerseits mit einem Bogen verbunden war. Durch Bewegen wurde die Spindel in Drehung wechselnder Richtung versetzt. Bis zum 10. Jh. war der Fiedelbohrer das einzige mechanisierte Bohrgerät. - Die noch heute von Goldschmieden verwendete Rennspindel („Tanzmeister“, „Dreul“) besteht aus einer am unteren Ende mit einer metallenen Schwungscheibe versehenen Spindel, über die ein in der Mitte durchbohrter Holzgriff geschoben ist; an dessen Enden ist eine mehrfach um die Spindel gewickelte Schnur befestigt, die am oberen Spindelende durch eine Bohrung geführt ist. Auf- und Abbewegen des Griffes versetzt die Spindel in schnelle Umdrehungen wechselnder Richtung. Aus Skandinavien stammt das Fragment einer Rennspindel aus dem 10. Jh. [76, T. 2 Fig. 211]; die ältesten bekannt gewordenen Darstellungen von Rennspindeln in der Werkstatt eines Metallhandwerkers sind die auf einem toskanischen Tafelbild mit der Eligiuslegende, 2. H. 14. Jh. (Madrid, Mus. del Prado; [111] Abb. S. 128, unten; bei Offner, Supplement [1981], S. 11, als Werk des Misericordia-Meisters, eines Orcagnaschülers, geführt, in den Gem.kat. des Prado seit 1949 als eines des Taddeo Gaddi), und im Mendelschen Zwölfbrüderbuch, um 1425 (Bl. 5v; [178] Bildbd. Taf. 13).

Die technische Entwicklung der Drehbank und der Drechselbank kann anhand von (Bild-)Quellen erst seit dem 13. Jh. verfolgt werden; s. Art. Drechsler, RDK IV 382-394, bes. Sp. 388f. und Abb. 1-3; [166] Sp. 210-219. Unter den Geräten ist die Bohrbank hervorzuheben, die der Bohrdrehbank (einer nach dem Prinzip eines waagrecht gelagerten Fiedelbogenbohrers gebauten Werkbank) entspricht, bei der aber eine Docke durch Kniedruck reguliert werden kann oder gar fehlt. Da die Paternostermacher, die mit der Bohrbank die Rosenkranzkugeln frästen, mit den Goldschmieden, den Herstellern einzelner Rosenkranzkugeln und -anhänger in F., zusammenarbeiteten, kann die Kenntnis der zur Herstellung von Kordeldraht geeigneten Bohrbank auch bei Goldschmieden vorausgesetzt werden.

Flachgewalzter Kordeldraht wurde auf der Plättwalze (s. Sp. 1128) hergestellt [23, Bd. 9 S. 476]. Bis E. 19. Jh. wurden beim „Plätten“ von Kordeldraht Konstruktionen, bei denen der Walzendruck durch Stellschrauben reguliert wurde [120, Abb. 57], ebenso verwendet wie Geräte, bei denen Gewichte den Walzendruck regulierten (ebd. Abb. 19).

V. Formgebung, Montage

Sie umfaßt sowohl den Rezipienten als auch die Drähte. Zur Herstellung der Besatzstücke s. Flitter und Granulation.

A. Formgebung des Rezipienten

Die Formgebung des Rezipienten geschieht, was die Umrisse anbelangt, durch Meißeln oder durch Sägen, die plastische Gestaltung durch Treiben oder Pressen.

F.arbeiten mit gepreßtem Rezipienten waren besonders im 9. und 10. Jh. in Norddeutschland und Schweden verbreitet („Terslevfibeln“: [67] Taf. 3 und 11 Nr. 2; [93] S. 80-86). Zur Herstellung wurden Bronzematrizen verwendet („Preßmodeln“; Abb. 16; ebd. Taf. 28 Nr. 1-11; [81] Bd. 1 S. 269).

B. Biegen der Drähte

1. Drahtstärke

Der für F.arbeiten verwendete Draht hat in der Regel eine Stärke zwischen ca. 0,17 und 1,00 mm. Manchmal wurde für ein Werkstück Draht unterschiedlicher Stärke gebraucht.

So besitzen z. B. F.arbeiten ohne einen Rezipienten an volkstümlichem Schmuck Süddeutschlands Draht von dreierlei Stärke: der der Rahmungen hat einen Durchmesser von 0,8-1,0 mm, die als Füllung dienenden Schnörkel sind aus Draht von minimal 0,2 mm Stärke gebogen, und Draht für Binnenformen hat einen Durchmesser von 0,5 mm [86, S. 167]. Am norddt. volkstümlichen F. sind die „Brinkeldrähte“ zur Herstellung der Schnörkel ca. 0,28 mm stark, die durch Plätten von Vierkantdraht von ca. 1,3 mm hergestellten Hauptdrähte haben einen Querschnitt von 0,9 × 1,5 mm. Für mechanisch stärker beanspruchte Teile ist noch stärkerer Flachdraht verarbeitet, für Besteckgriffe z. B. Flachdraht von 1,0 × 1,9 mm, hergestellt aus Vierkantdraht von 2 mm Seitenlänge auf der Blechwalze (vgl. noch das Musterbuch der F.werkstatt Hans Michelsen, Buxtehude, vom A. 20. Jh.).

2. Biegen

Das Biegen (vgl. Abb. 55) beginnt mit dem Schneiden der Drähte in die gewünschte Länge. Cellini nannte als dabei benutztes Werkzeug den Meißel ([9] S. 21; heute - seit wann? - verwendet man Seitenschneider, Kneifzangen und kleine Blechscheren, norddt. „Brinkelscheren“: [77] S. 195). Gebogen wird auf einer Arbeitsplatte aus Kupfer (Celimi: [9] S. 20), Stein [102, S. 113], schwarzem Glas [120, S. 18] oder- im 19./20. Jh. -aus Zink [77, S. 195], manchmal nach einer gezeichneten Vorlage (Abb. 55; [79] S. 58).

Für die Herstellung aller sich wiederholenden Formelemente - mit Ausnahme der Schnörkel -wurden Hilfswerkzeuge benutzt.

Drahtringe („Ösen“) erhielt man durch Zerschneiden von Spiraldraht, der mit der Hand oder mit Hilfe der Kordiermaschine [68, S. 285] entweder auf einem Eisendorn („Riegel“, „Ösenriegel“: ebd.; [77] S. 189; [112] Abb. S. 30 oben; vgl. [35] Bd. 4 S. 247f.) oder auf einem (gedrechselten) Holzstäbchen von rundem, ovalem oder rechteckigem Querschnitt ([112] Abb. S. 26; in schweizer Literatur irrig als „Faulenzer“, „paresseux“ oder „polochon“ bezeichnet) aufgewickelt worden war. Für Galeriedrähte, besonders solche in Form von Wellenschlingen, benutzte man den „Faulenzer“, ein Brett oder eine Metallplatte mit zwei Reihen versetzt angeordneter Stifte (Abb. 56). Drahtspiralen wurden schon in römischer Zeit um einen Stift gewickelt [56, S. 289]. Andere Formelemente, besonders die Hauptdrähte volkstümlicher F.arbeiten ohne einen Rezipienten, bog man mit Hilfe selbstgefertigter Schablonen aus Drahtstiften in einem Holzgriff [68, Abb. 160], aus Eisen- (ebd. S. 285f.) oder aus Messingblech [120, Abb. 22].

Nach dem Biegen wurden die Drähte mit einem Hammer aus Horn „gerichtet“ [79, Fig. 42f.].

Zum Anfassen des Drahtes beim Biegen dienten im MA pinzettenförmige Federzangen, die gespannt wurden entweder mit einem verschiebbaren Vierkantring (Fundstücke in Gotland, 10. Jh.: [76] T. 2 Fig. 232) oder durch Überschieben eines perforierten, an einem Schenkelende befestigten Eisenblechs (Theophilus, III.7: [5] S. 66; [6] S. 68; vgl. auch [54] Fig. 57). Die auch nördlich der Alpen in römischer Zeit nachgewiesene Gelenkzange mit Öse, Drahtschlaufe und ähnlichem als Spannvorrichtung [72, S. 55-67, Abb. 28-30] erwähnte Theophilus, III.7, nur am Rande ([5] S. 66; [6] S. 68). Die Rundzange ist als Goldschmiedewerkzeug durch das Inventar des Elziarius de Ecclesia von 1498 bezeugt [54, S. 95]. Große und kleine Flachzangen und ihre Bedeutung für das Drahtbiegen sind bei Sprengel 1769 beschrieben ([19 a] Slg. 3 S. 138f., Taf. „Der Gold- und Silber-Arbeiter“ Fig. 23f.). Kneifzangen, seit römischer Zeit bekannt (Fritz Kretzschmer, Bilddok. röm. Technik. Ddf. 41978, Abb. 14), sind im Inventar des Elziarius de Ecclesia aufgeführt [54, S. 95]; im Deutschen heißen sie Türkenzange oder Beißzange ([115] Taf. „Ein Silberarbeiter“; [19 a] Slg. 3 S. 138, Taf. „Der Gold- und Silber-Arbeiter“ Fig. 22). - Alle Werkzeugarten zum Zerteilen von Draht beschrieb 1833 Prediti [35, Bd. 4 S. 234f.].

C. Montieren der Drähte

1. F. mit einem Rezipienten

Das Montieren von F. mit einem Rezipienten beschrieb Theophilus, III.52, am Beispiel einer F.füllung mit Perldraht zwischen Kastenfassungen auf den Henkeln eines Kelches:

Zunächst wird Mehlkleister aus Weizen oder Winterweizen mit Wasser angerührt und leicht erwärmt. Dann werden feine Perldrähte leicht auf dem Amboß gehämmert, „so daß sie sich abplatten, ihre Perlen aber trotzdem nicht ihre Form einbüßen. Aus diesen biege große und kleine Schnörkel und fülle mit ihnen alle Felder zwischen den Kästen aus. Hast du diese (Schnörkel) mit der Kornzange geformt, tauche auch sie in das feuchte Mehl und setze jeden an seinen Platz hin. Hierauf lege sie auf die Kohlen, damit das Mehl trocknet“ ([5] S. 102f.; [6] S. 102).

Biringuccio schrieb 1540, die einzelnen Drähte und die gestanzten Blätter würden ausgeglüht, dann setze man sie nach der Zeichnung zusammen und befestige sie an den betreffenden Stellen mit einem Kleister aus Quitten oder Gummi arabicum ([7] Bl. 136r; [8] S. 435).

2. bei F. ohne einen Rezipienten

Das Montieren von F. ohne einen Rezipienten ist erläutert im griechischen „Traktat über die Goldschmiedekunst“, 11. Jh. Danach wurden die gebogenen F.drähte und die gestanzten Teile (Blätter, Sterne und dgl.) mit einer Pinzette in eine Tragantlösung getaucht und auf einem dünnen, gleichmäßig starken Eisenblech zu Ornamenten zusammengesetzt. Anschließend wurde das Blech mit den montierten Drähten so lange ins Feuer gegeben, bis der Leim verbrannt war ([4] S. 331, [4 a] S. 316f.). -Tragant als Haftmittel nannte auch Cellini [9, S. 21].

Das Montieren von volkstümlichem F. wurde 1835 bei Prechtl beschrieben: Es erfolgte auf einer plangeschliffenen Holzkohle, einem Brettchen oder einem Stück Blech [35, Bd. 6 S. 89f.] oder auf einer Steinplatte [60, S. 81f.]. Ein Haftmittel war nicht erforderlich, wenn die Schnörkel in einer aus Hauptdrähten zusammengelöteten Kontur angeordnet wurden; dieses „Einspannen“ der Drahtschnörkel besorgten seit dem 17. Jh. Ehefrauen und Töchter der Meister (ebd. S. 82 Anm.; s. auch Sp. 1161).

Die in Einzelheiten abweichende Arbeitsweise beim Montieren von F. ohne einen Rezipienten kann manchen Erzeugnissen des sog. volkstümlichen F. noch heute abgelesen werden, z. B. an süddt. Florschnallen (s. [86] S. 168, Abb. 42f.), tulpenförmigen Haarnadeln (ebd. S. 167, Abb. 39), F.büchsen (für Fläschchen mit Walpurgisöl; ebd. S. 167f., Abb. 40), F.kreuzen für Rosenkränze (ebd. S. 168; vgl. Abb. 47), Knöpfen (Abb. 59), Löffelgriffen (Abb. 60).

3. Haftmittel

Außer den oben erwähnten Haftmitteln (Weizenmehlkleister, Gummi arabicum, Tragant) sind in Quellenschriften genannt: Hautleim aus Rinderhäuten („Ochsenleim“) in einer syrischen Zosimos-Bearbeitung des 6./7. Jh. als Bestandteil einer Mischung von Haftmittel und Reaktionslot (Marcellin Berthelot, La chimie au moyen âge, Paris 1893, Bd. 2 S. 258), Seife als Bestandteil einer solchen Mischung in den „Compositiones“, 8. Jh. (U22-26; [2] S. 46), und bei Theophilus, III.51 ([5] S. 100f.; [6] S. 99), sowie ein Gemisch aus Tragant, Quittenschleim, Kampfer, Weinstein, Schwefel und Salz („Hefft-Wasser“) im „Künstlichen Gold- und Silber-Arbeiter“ 1708 [12, S. 76].

4. Metallene Hilfsmittel

Zum Binden und Klammern gibt es eine Reihe metallener Hilfsmittel. Drahtringe und Laschen zur Sicherung gegen Verrutschen beim nachfolgenden Löten sind vom 6.-9. Jh. nachgewiesen; bei fränkischen Rundscheibenfibeln des 6. und 7. Jh. greifen Drahtringe aus Rund- oder Flachdraht vom äußeren Rand der Stücke her über die außen liegenden F.drähte (Abb. 9; [74] Taf. 12, 14 und 22); bei Arbeiten des 8.-10. Jh. dagegen dominieren Laschen (Häkchen), die durch Einschneiden des äußeren Randes der Goldschmiedearbeit gebildet und über das außen liegende F. gebogen sind (Aimé Thouvenin, La soudure dans la construction des œuvres d’orfèvrerie antique et ancienne, Rev. arch. de l’Est 91, 1973, Nr. 91 S. 43 mit Anm. 57, Taf. 14 Nr. 1f.; [119] S. 219, Taf. 31 Nr. 1-3; Abb. 15). - Das Einbeziehen U-förmiger Klammern in das F.ornament gibt es erstmals im 9. Jh. bei rankendem Spiral-F.; Eisenklammern zur Montage des F. beschrieb Theophilus, III.52 ([5] S. 103; [6] S. 102). Bindedraht aus Eisen ist als Arbeitsmaterial eines Goldschmiedes im Inventar des Elziarius de Ecclesia von 1498 erwähnt [54, S. 96].

D. Löten

1. Allgemeines

Bis zum 17. Jh. lötete man im offenen Holzkohlenfeuer oder im Holzfeuer, das im Kohlebecken oder Werkofen brannte, durch Lötrohre oder Gebläse unterschiedlichster Konstruktion entfacht und - in beschränktem Umfang - zu einer Stichflamme abgelenkt wurde. Unter diesen Bedingungen war eine genaue Beobachtung der Werkstücke wegen der erheblichen Strahlungswärme unmöglich; größere Werkstücke, die, um gleichmäßige Erwärmung zu erzielen, mit Lehm abgedeckt wurden, konnten während des Lötvorgangs ohnehin nicht beobachtet werden.

Mit Holzkohlenfeuer wird ohne künstliche Luftzufuhr eine Temperatur von 800°C erreicht, mit Luftzufuhr durch Lötrohr und einfachem Gebläse eine solche bis zu 1300°C, bei Verwendung von Tretbälgen kommt man bis auf 1650°C, während Holzfeuer ohne Verwendung von Gebläsen nur Temperaturen zwischen 600° und 700°C erbringt (W. F. Schuster, Das alte Metall- und Eisenschmelzen, Ddf. 1969, S. 8). Eine fein abgestufte Regelung der Flammentemperatur durch unterschiedliche Brennstoffe läßt sich im Zusammenhang mit der F.herstellung nachweisen bei Biringuccio (Kleie, trockenes Pappel- und Erlenholz: [7] Bl. 135v; [8] S. 435) und Cellini (trockenes Kleinholz, grobe Kleie: [9] S. 21f.). Der Werkofen als Ausstattungsstück der Goldschmiedewerkstatt ist durch Wandmalereien in Pompeji belegt (vor 79 n. Chr.; [167] S. 137). Das Setzen eines Werkofens beschrieb ausführlich Theophilus, III.3 ([5] S. 63f.; [6] S. 65f.); sein Gebrauch beim Löten von F.arbeiten wird außer bei Theophilus, III.52 ([5] S. 104; [6] S. 101) von Biringuccio ([7] Bl. 135*; [8] S. 435) und Cellini erwähnt [9, S. 21f.]. Das F.löten auf der flachen Holzkohle als Lötunterlage erläuterten 1761 Halle [16, S. 102], 1785 Krünitz [23, Bd. 9 S. 476], 1828 Schultze [33, S. 44 und 52], 1835 Karmarsch bei Prechtl [35, Bd. 6 S. 90]. - Das Lötrohr, die älteste Form des Gebläses, nannte bei der F.herstellung Theophilus in Verbindung mit einem Blasebalg: „sufflabis ore et folle“ (III.52: [5] S. 102; [6] S. 101).

Durch die Einführung von Lötrohr und Lötlampe, im 17. Jh. von den Glasmachern entwickelt, wurden schrittweise auch die Bedingungen des Lötens erheblich verbessert, nicht zuletzt dadurch, daß nun Löten am Werkbrett möglich geworden war.

In Inventaren von Goldschmieden sind seit dem 4. V. 17. Jh. Öllampen erwähnt („kupferne Leuchterl“: Wasserburg 1676 und 1693: [102] S. 102) und 1698 bei Weigel wiedergegeben („Der Gold-Arbeiter“: [189] Taf. vor S. 287). Lötrohr und Lötlampe zu verwenden, wurde bei den Goldschmieden im 18. Jh. üblich (vgl. [23] Bd. 80 S. 772; [29] S. 455); ein balggetriebenes Lötrohr - bei den Glasbläsern schon im 4. V. 17. Jh. in Gebrauch (vgl. [133] Abb. 105) - findet sich bei Joh. Friedr. Klein 1760 (ebd. Abb. 108). Die Verwendung des 1782/1783 erfundenen Sauerstoff-Lötrohrs [180, S. 458 und 593] und der 1784 erfundenen Knallgasflamme (ebd. S. 699) kann in Goldschmiedewerkstätten erst 1832 nachgewiesen werden ([35 a] S. 384-387; vgl. [38] Bd. 2 S. 276-278 und 282). Die im Gegensatz zur Öllampe nicht rußende Weingeistflamme ist eine Erfindung von 1799 (August von Marquard, Beschreibung einer neuen Schmelzlampe ..., Bln. 1799). - Leuchtgasbrenner nach dem Prinzip des 1850 entdeckten Bunsenbrenners lassen sich bei Goldschmieden erst 1872 mit Sicherheit belegen [42, S. 205-208].

2. Lötverfahren

Ursprünglich gebrauchte man für alle mechanisch nicht stark beanspruchten Edelmetallötungen Reaktionslote, Kupferverbindungen, die unter dem Einfluß verkohlter Haftmittel zu metallischem Kupfer reduzieren. Dieses wirkt als Lot und bildet mit dem Werkstoff durch Diffusion eine Oberflächenlegierung, die durch anhaltendes oder wiederholtes Erwärmen an Festigkeit zunimmt.

Bis ins 1. Jh. n. Chr. überwog der Gebrauch von Reaktionsloten; sie wurden als Alternative zu Lotlegierungen bis ins 12. Jh. verwendet (vgl. die „Compositiones“, 8. Jh.: [2] S. 51, Y34-Z3; „Mappae clavicula“, Kap. 141: [3] S. 216; Theophilus, III.52, 31 und 73: [5] S. 102-104, 82f. und 134; [6] S. 100-104, 83f. und 130f.), für feine Lötarbeiten, besonders für F., noch im 16. Jh. (Ant. Mizaldus, Memorabilium sive arcanorum omnis generis centuriae IX, Köln 1574, Bl. 125v; zur Geschichte der Reaktionslote s. [130] S. 56-60, 277-288).

Wie ein Reaktionslot hergestellt und verwendet wurde, beschrieb Theophilus am Beispiel der F.belötung eines Kelches mit Henkeln. Das Gemisch aus Kupfersalz und einem Flußmittel wird hergestellt aus Pottasche, Seife, Schweinefett und einem Gemenge von Kupferoxyden, Kupferchlorid und Kupfer(II)hydroxyd. „Nimm dann das Gefäß, in dem das Lot sich befindet, schüttle es stark, damit der Bodensatz aufgerührt wird, und streiche besagtes Lot mit einer dünnen Feder sorgsam überall auf jenes Goldblech und die Drähte. Halte es ins Feuer und blase mit dem Mund und dem Balg, bis du das Lot überall ringsumher auseinanderfließen siehst wie wenn Wasser ausgeschüttet wird“ (III.52: [5] S. 102; [6] S. 101). - Ein ähnliches Verfahren mit Grünspan als Reaktionslot und Borax als Flußmittel kannte noch 1568 Cellini [9, S. 73f.].

Lotlegierungen für das Löten mechanisch nicht stark beanspruchter Arbeiten wie F. gewannen erst mit der Entdeckung schmelzpunktsenkender Metalle seit dem 16. Jh. an Bedeutung (vgl. erstes unter Verwendung von Messing legiertes Silberlot bei Biringuccio: [7] Bl. 135v; [8] S. 433). Seit M. 17. Jh. wurden nur noch sie zum Löten verwendet. Den Schmelzpunkt von Edelmetalloten entscheidend zu senken, ermöglichte erst die Verwendung des 1818 entdeckten Cadmiums [131, S. 93]; in der Goldschmiedewerkstatt sind cadmiumhaltige Edelmetallote allerdings erst 1887 belegt [44, S. 153f.].

Zur Geschichte der Lotlegierungen, speziell der Edelmetallote, s. [130] S. 61-65; Jochem Wolters, Zs. für Archäometrie 1, 1983, Nr. 2 S. 48-63, Nr. 3 S. 86-98, mit Angabe der Schmelztemperaturen.

Beim F.löten mit Lotlegierungen ist zu unterscheiden zwischen Streulot (einer Mischung aus metallischem Lotpulver und einem pulvrigen Flußmittel: [71] S. 158; [86] S. 167) zum Einlöten der Schnörkel bei F. ohne einen Rezipienten und Lotpaillen, kleinen Lotstückchen, hergestellt durch Zerschneiden eines dünnen Blechs in feine Stückchen [71, S. 158] und verwendet zum Festlöten der Drähte auf dem Grundblech, bei F. ohne einen Rezipienten zum Zusammenlöten der Hauptdrähte.

Lotlegierungen für mechanisch stark beanspruchte Teile sind in den „Compositiones“ (Y34-Z3: [2] S. 51) und in der „Mappae clavicula“ aus dem 8. Jh. überliefert (Kap. 141: [3] S. 216). Das F.löten wurde im 11. Jh. im griechischen „Traktat über die Goldschmiedekunst“ beschrieben: Lot für Gold-F. wurde aus drei Teilen Gold und einem Teil Münzsilber legiert und für feine Arbeiten zu Streulot verarbeitet, für gröbere zu Lotpaillen (Kap. 9: [4] S. 324, [4 a] S. 311); Lot für Silber-F. bestand aus drei Teilen Münzsilber und einem Teil Legierkupfer (Kap. 10: ebd.) und wurde gleichfalls als Streulot oder als Lotpaillen verwendet. Die Lotpaillen wurden mit einer feuchten Feder auf die Drähte aufgetragen, dann mit Streulot und Flußmittel bestreut (Kap. 39: [4] S. 331, [4 a] S. 317). - In der Neuzeit beschrieb Biringuccio ausführlich das F.löten mit Lotlegierungen. Die durch Haftmittel verbundenen, mit Borax als Flußmittel und weichem Gold- oder Silberlot bestreuten F.drähte wurden in einen Ofen mit sanftem Feuer gelegt ([7] Bl. 135v; [8] S. 435). Nach Cellini wurde Streulot aus zwei Teilen Silber und einem Teil Kupfer hergestellt und war mit pulvrigem Borax gemischt. Die mit Haftmittel verbundenen, mit Streulot bestreuten Drähte wurden auf einer Eisenplatte „schwebend“ vorsichtig dem Feuer im Werkofen genähert; bei mangelnder Vorsicht werden durch den blähenden Borax die Drähte verschoben [9, S. 20-22]. Eine spezielle Mischung für das F.löten überliefert der „Künstliche Gold- und Silber-Arbeiter“ 1708: Weinstein, Salz, Feinsilber, Kupfer und Schlaglot (letzteres ist eine schmiedbare Lotlegierung; [12] S. 311; die Lote ebd. S. 15 und 22f.). Eine Mischung von Schlaglot und Borax nannten Halle 1761 [16, S. 2, 108 und 126] und Krünitz 1785 [23, Bd. 9 S. 476]; 1835 unterschied man zwischen Lotpaillen für Gold-F. aus reinem Borax und für Silber-F. aus vier Teilen Pottasche, drei Teilen Kochsalz und zwei Teilen Borax („Streuborax“; [35], Bd. 6 S. 90).

Seit wann man in eisernen Schablonen lötete [120, S. 25], ist nicht bekannt; F.arbeiten in dieser Technik gibt es nicht vor dem 17. Jh.

E. Weiterverarbeitung

1. Durchbrechen des Rezipienten

Das Durchbrechen des Rezipienten erfolgte bis zum 18. Jh. ausschließlich mit dem Meißel.

Meißelspuren sind an fast allen frühen Arbeiten zu sehen, besonders deutlich am Kelch von Ardagh, 8. Jh. [105, Fig. 39f. und 42f.]. Theophilus, III.71, erwähnte „meizel“ beim „opus interrasile“, dessen Herstellung dem Durchbrechen des Rezipienten von F.arbeiten entspricht ([5] S. 130; [6] S. 130, in dieser Ed. Kap. 72; eine Säge nannte Theophilus, III.90, bei der Tauschierarbeit zum Einschneiden der Nuten: [5] S. 166; [6] S. 163: hier Kap. 91). Stichsägen („parvae serrae“) gehörten zwar 1498 zum Inventar der Goldschmiedewerkstatt des Elziarius de Ecclesia [54, S. 5], doch war selbst im 16. Jh. Cellini das Durchbrechen des Rezipienten mit einer Säge noch unbekannt ([9] S. 22; bei [10] S. 20 falsch übersetzt).

Laubsägen, zum Durchbrechen des Rezipienten geeignet, können seit 1769 nachgewiesen werden ([19 a] Slg. 3 S. 138, Taf. „Der Gold- und Silber-Arbeiter“ Fig. 21; s. auch Diderot-d’Alembert [15e] Taf. 1 Fig. 1). - Eine Maschine mit Fußantrieb und ausschraubbarem Sägeblatt erfand 1792 der Hanauer Bildhauer und Vergolder Joseph Schack [30, T. 3, 2. Abt. S. 257f.].

2. Treiben

Treiben von F. ohne einen Rezipienten ist zwar in Schriftquellen nicht erwähnt, doch bezeugen erhaltene Arbeiten, daß das Verfahren mindestens seit dem 6. Jh. praktiziert wurde. Zur Formung bereits aus Hauptdraht und Füllungen zusammengesetzter Teile bediente man sich der Kugelpunzen in Anken, der Holzpunzen oder erhabener Holzformen (-matrizen); die Treibhämmer waren aus Horn. In der Regel wurden die durch Treiben halb- oder vollplastisch geformten Teile, die dem F. ohne einen Rezipienten eine besondere Festigkeit geben [60, S. 82], paarweise oder mehrteilig zusammengelötet: Knäufe von Kelchen (Abb. 33) und an Reliquiaren (Abb. 26), Rosenkranzkugeln, -Zwischenglieder und -anhänger (Abb. 47; ebd. S. 82f., Abb. 47 und 51f.; weitere Beispiele s. Sp. 1141).

Kugelpunzen zur Herstellung von Rosenkranzkugeln sind im Inventar des Elziarius de Ecclesia, 1498, aufgeführt („ponchons aptos ad faciendum ... paternostres“: [54] S. 95) und bei Halle 1761 abgebildet ([16] Taf. II Fig. 6 Nr. 1: „Knaufstempel“). - Kugelanken sind seit der Eisenzeit nachgewiesen (frühma. Beisp. bei [72] Abb. 41) und in Inventaren im 17. Jh. erwähnt („Pocher“: [102] S. 101), bildlich überliefert bei Halle [16, Taf. II Fig. 6 Nr. 1] und Diderot-d’Alembert ([15 e] Taf. 8 Fig. 1; [15 c] Taf. 5 Fig. 9).- Holzmatrizen sind erst aus dem 19. Jh. erhalten [120, Abb. 32], waren aber mit Sicherheit schon länger üblich.

3. Emaillieren

Beim Emaillieren war das Verfahren, je nachdem, ob F. mit oder ohne Rezipienten verarbeitet wurde, unterschiedlich.

Filigranemail mit einem Rezipienten („Drahtemail“; die von [48] S. 3f. vorgeschlagene Unterscheidung zwischen Drahtemail und F.email [= Arbeiten, an denen sowohl Email als auch F. angebracht ist] setzte sich wegen Widersprüchlichkeiten nicht durch) dürfte einstmals nach einem Verfahren hergestellt worden sein, das sich vom heute üblichen aus sachimmanenten Gründen nicht unterschied (s. auch RDK V 3). Die Schriftquellen schweigen.

Die gebogenen, relativ starken Drähte werden auf den Rezipienten gelötet, die gepulverte Glasmasse wird bis zur vollen Höhe der Drähte aufgetragen. Bei einem ersten Brand reduziert sich das Volumen, besonders in der Zellenmitte, bedingt durch das Eindringen der geschmolzenen Masse in die Zwischenräume der Drähte und durch Haften des Emails an den Zellenrändern. Das erneute Auftragen von Glasmasse und ein zweiter Brand beseitigen diese Unregelmäßigkeit keineswegs. Eine Emaillierung der Rückseite (Konteremail) ist aus technischen Gründen nicht möglich. Verwendet wurde ausschließlich opakes, spannungsunempfindliches Email.

Filigranemail ohne einen Rezipienten gleicht dem Fensteremail (RDK V 3), nur daß statt der Stege Drähte verwendet sind. Das Herstellungsverfahren beschrieb 1568 Cellini im Abschnitt F. am Beispiel einer Trinkschale („tazza“).

Zunächst wurde eine Schale aus dünnem Eisenblech gefertigt, deren Radius um Messers Breite größer ist als der der gewünschten Schale. Nach Isolierung der Schalenoberseite mit einer dünnen Schicht aus Ton, Tripel [131, S. 178] und Scherwolle wurde ein gezogener Golddraht von der Stärke der Eisenschale zu einem papierdünnen Flachdraht von der Breite zweier Messerklingen geschlagen, durch Glühen geschmeidig gemacht und zu Ornamentteilen gebogen, die mit Tragant auf der Isolierschicht festgeklebt wurden. Verlöten der Drähte untereinander war möglich, aber nicht erforderlich. Nach dem Füllen der Zellen mit gepulverter, gewaschener Glasmasse wurde die Schale bei sanftem Feuer ein erstes Mal gebrannt. Nach einem zweiten, gegebenenfalls auch dritten Auftrag von Glasmasse wurde die Schale erneut, diesmal in kräftigem Feuer, gebrannt. Nach dem Brand ließ sich die Trinkschale leicht von der Eisenschale lösen. Zum Schluß wurde das F.email mit Sandstein und Wasser geschliffen, dann mit einem Schilfrohr und Tripel poliert [9, S. 24-26]. Verwendete man Kordeldraht, unterblieb das Schleifen und Polieren. - Von Luthmer [45, S. 23f.] wurde die Richtigkeit dieser Beschreibung des Verfahrens zu Unrecht in Frage gestellt; es wird noch heute angewandt [152, Einleitung].

Bei einem zweiten, in Schriftquellen vor dem 19. Jh. nicht nachweisbaren Verfahren wird eine Kupferschale verwendet, die nach dem letzten Brand weggeätzt wird (ebd.).

VI. Oberflächenveredelung

A. Beizen und Reinigen

Beim Beizen (Beseitigung von Oxyden und Flußmittelresten auf chemischem Weg) und Reinigen (mechanische Entfernung der Verunreinigungen, Entfetten der Oberfläche mit Lösungsmitteln) wurde je nachdem, aus welchem Material das F. bestand, ganz unterschiedlich verfahren. Beizen wie Reinigen erfolgte mehrfach während der F.herstellung, besonders nach jeder Lötung, sowie vor dem Polieren als Abschlußarbeit.

1. Gold

Das älteste Rezept für eine Goldbeize steht im Papyrus Graecus Leidensis X, M. 2. Jh. n. Chr.; empfohlen wurde eine in erhitztem Zustand zu verwendende wäßrige Lösung von Eisenvitriol, Alaun und Kochsalz (Kap. 25: [1] S. 35; vgl. [131] S. 213f. und 210). Theophilus, III.79, beschrieb ein Reinigungsverfahren, bei dem zuerst pulverisierte Holzkohle und ein Lappen aus Leinen oder Wolle, dann weiße Kreide (Schlämmkreide) und ein Leinentuch verwendet wurde ([5] S. 143; [6] S. 142, hier Kap. 80). Cellini überliefert als Reinigungs(Beiz-)verfahren von Gold-F. dessen Kochen in scharfem Essig, und zwar einen Tag und eine Nacht, bis sich ein Salz bilde [9, S. 22]. In „Der künstliche Gold- und Silber-Arbeiter“ wird als Verfahren zur Reinigung goldener Ketten angegeben, diese würden mit einer Haarbürste unter Verwendung von Knabenurin oder rotem Bier gereinigt und dann in einer je zur Hälfte aus Urin und Wasser bestehenden Beize unter Zusatz von Schwefel, Weinstein und Salz gekocht [12, S. 106-108 und 111]. Bei Sprengel ist 1769 angegeben, Gold werde mit einer wäßrigen Lösung von Alaun, Kochsalz und (Kali-)Salpeter bestrichen, geglüht und abgelöscht oder in einen Tiegel mit dieser erhitzten Lösung eingetaucht und abgelöscht und erhalte dadurch eine „hohe Farbe“. Das Beizen erfolge in einer wäßrigen Weinessiglösung. Da hierbei die Lötstellen anlaufen, ist ein abschließendes Beizen in einer Lösung aus Grünspan, Salpeter, Salmiak und Essig erforderlich [19 a, Slg. 3, S. 166f.].

2. Vergoldetes Silber

Im griechischen „Traktat über die Goldschmiedekunst“, 11. Jh., ist in Kap. 30 eine kochend anzuwendende wäßrige Lösung von Schwefel, „Weinhefe“ (d. i. Weinstein: [131] S. 223) und Kochsalz zum Reinigen vergoldeten Silbers genannt ([4] S. 329, [4 a] S. 315). Theophilus III.78 empfahl, für die Reinigung Seife zu verwenden und eine Bürste aus Schweinsborsten zu gebrauchen ([5] S. 142; [6] S. 141, Kap. 79; Ilg, Quellenschr. Wien, Bd. 7 S. 302f. übersetzte „smigma“ fälschlich mit „Ohrenfett“). In „Der künstliche Gold- und Silber-Arbeiter“ ist das Reinigen mit einem Tuch unter Verwendung von Alaun, Salmiak und Pottaschelösung („Rebaschen-Lösung“; [12] S. 57) vorgeschlagen. Bürck verwies 1834 auf den Gebrauch von Bürste und Weingeist (Äthanol; [36] S. 384f.).

3. Silber

Im Papyrus Graecus Leidensis X, M. 2. Jh. n. Chr., ist als Silberbeize eine wäßrige Alaunlösung empfohlen (Kap. 66: [1] S. 42). Theophilus, III.79, schlug das beim Gold gebrauchte Verfahren auch für Silber vor (s. Sp. 1149). Cellini riet, Silber-F. nach dem Löten eine Viertelstunde in einer wäßrigen Lösung von Weinstein und Kochsalz zu kochen [9, S. 22], ein auch bei Sprengel 1769 genanntes Verfahren [19 a, Slg. 3, S. 4]. Kreide zum Silberputzen schlug „Der künstliche Gold- und Silber-Arbeiter“ 1708 vor [12, S. 108]. Schultze beschrieb 1828 das Beizen in einer alkoholischen Lösung aus Weinessig und Salmiak, die Reinigung solle mit Seifenwasser erfolgen, das Spülen in Wasser [33, S. 129]. Bürck verwies 1834 auf den Gebrauch von Schwamm und Seife zur Reinigung des Silbers und eine nachfolgende Behandlung mit einer - unter Umständen salpeterhaltigen - Mischung aus Weinstein, Schlämmkreide und Alaun [36, S. 383f.]. Die heute üblichen Reinigungsmethoden mit verschiedenen Putzpulvern und -seifen sowie elektrolytische Verfahren schilderte erstmals Kulmer 1872 [42, S. 231-233].

Intensives Beizen führt bei Silber-F. zur Bildung einer Feinsilberschicht an der Oberfläche durch Auflösen der unedlen Legierungsbestandteile, insbesondere des Kupfers. Silber muß grundsätzlich nach dem Beizen gekratzt werden, um die lose anhaftende Oberflächenschicht („Sud“, „Sott“) zu entfernen. Zum Reinigen dienten Messingkratzbürsten (belegt seit dem 16. Jh.: Amman-Sachs, Bl. d; [156] S. 101). Die heute übliche Reinigung des Silber-F. mit Cyaniden [77, S. 192] läßt sich in früherer Zeit nicht nachweisen. Weißsieden von Silber-F., das grundsätzlich in allen Silberbeizen erfolgen kann, ist nur bei Silber von hohem Feingehalt und bei glatten Oberflächen möglich; bei Legierungen mit niedrigem Feingehalt (unter 835/ 000) entsteht eine matte Oberfläche, die nur durch das bei Silber-F. nicht anwendbare Druckpolieren entfernt werden kann.

B. Schleifen und Polieren

1. Beim F. mit einem Rezipienten werden die Bleche vor oder nach dem Auflöten der Drähte geschliffen und poliert. Beim F. ohne Rezipienten werden die Hauptdrähte nach dem Zusammenlöten an der Oberkante geschliffen und poliert, während die F.schnörkel nur mit Poliermitteln behandelt werden.

Die Schleif- und Poliermittel sind die in der Goldschmiedekunst üblichen: Schleif- und Poliersteine (bildlich aus dem Neuen Reich Ägyptens bekannt: P. Brandt a. a. O. [Sp. 1111] Abb. 37f. und 40), Schmirgel (in antiken und karolingischen Quellenschriften aufgeführt: Theophrastus, De lapidibus, ed. D. E. Eichbolz, Oxf. 1965, S. 117; [2] S. 62, δ 35-ε1; [3] S. 214), Schmirgelplatten ([2] S. 6, B 8-12; [3] S. 216) und Schmirgel mit Fettbindung (bei Leonardo: [165] S. 72), Kieselschiefer (antike Quellen: Theophrastus a. a. O. S. 59); Bimsstein [44, S. 174]; Theophilus, III.74, erwähnte Holzkohle und Kreidepulver ([5] S. 136; [6] S. 135, Kap. 75). In neuzeitlichen Schriftquellen sind genannt: Ocker und Bolus (Binnguccio: [7] Bl. 37v-38r; [8] S. 460; vgl. ebd. S. 137f.), Polierrot (chemisch gleich Bolus, seit 1820 nachweisbar; [30] T. 10, 2. Abt. S. 394; [33] S. 50f.; [38] S. 81-83), Tripel („Pariser Rot“; [7] Bl. 38; [8] S. 460f.), Zinnasche (Zinnoxyd; ebd.), Glasmehl und Sand [11, S. 126], Knochenasche für „gesponnenes Silber“ [12, S. 109 und 150], Sandsteine („böhmische Steine“; [19 a] Slg. 3 S. 156-158), gebranntes Hirschhorn (ebd.). In Quellen des 19. Jh. sind Quarzpulver [35, Bd. 6 S. 166] und Kienruß erwähnt [42, S. 230].

Beim Druckpolieren („Brünieren“), d. h. beim Polieren mit Poliersteinen, -zähnen oder -stählen, werden die Unebenheiten der Metalloberfläche durch hohen mechanischen Druck beseitigt, so daß ein höherer Metallglanz hervorgerufen wird als beim Polieren mit Poliermitteln. Ob die von Cennino Cennini, E. 14. Jh., erwähnten Zähne von Löwe, Katze und Leopard sowie die Edelsteine Saphir, Smaragd, Balasrubin, Topas, Rubin und Granat wirklich zum Druckpolieren gebraucht wurden, ist nicht bekannt; die Angabe klingt eher phantastisch (Kap. 135: Il libro dell’arte, ed. Franco Brunello, Vicenza 1971, S. 137f.).

2. Gold und Vergoldungen. Das Schleifen von Gold mit Edelsteinpulver und das Polieren mit dem Blutstein überliefern die karolingischen „Compositiones“ (Y9-13 und K15: [2] S. 50 und 23). Theophilus nannte ganz allgemein Zahn, Blutstein und Polierstahl ([5] S. 69; [6] S. 28 und 70) sowie die Messingbürste ([5] S. 91f.; [6] S. 90f.); nach III.77 geht beim Vergolden das Polieren mit der Messingbürste dem mit dem Polierstahl vorauf ([5] S. 141f.; [6] S. 140f., Kap. 78). In der Neuzeit empfahl Biringuccio Polierhölzer (was die Verwendung von Poliermitteln voraussetzt) sowie als Polierstein Blutstein und Chalzedon ([7] Bl. 140r; [8] S. 449). „Der künstliche Gold- und Silber-Arbeiter“ erwähnte Tripel sowohl beim Vorpolieren mit Polierhölzern wie beim Nachpolieren mit Leder [12, S. 107f.]. Vorschleifen mit Sandstein und Polieren mit gebranntem Hirschhorn unter Verwendung eines Polierholzes („Feile“) ist bei Sprengel überliefert [19 a, Slg. 3 S. 156f.]. Nach Schultze soll nach dem Vorschliff mit Sandstein das Nachschleifen mit einer öligen Bimspaste besorgt werden, das Vorpolieren mit einem Gemenge aus Tripel und Baum- oder Mohnöl, das Nachpolieren mit einem Gemenge aus Tripel und Spiritus [33, S. 49]. Eine ähnliche Beschreibung bot Bürck, der außerdem das Polieren von Goldketten mit Brotkrumen oder mit Weinessig sowie das abschließende Entfetten mit Seife oder gepulverter Kreide erwähnte [36, S. 397-400].

3. Silber. Polieren ist um die M. 2. Jh. n. Chr. im Papyrus Graecus Holmiensis erwähnt, das Poliermittel aber nicht genannt (β1-6: hg. und übers. von Otto Lagercrantz, Uppsala 1913, S. 152f.). Nach dem Schleifen mit feingemahlener Holzkohle erfolgt das Polieren mit geschabter Kreide (so Theophilus, III.74: [5] S. 136 und [6] S. 135, Kap. 75, sowie noch 1708 „Der künstliche Gold- und Silber-Arbeiter“: [12] S. 108f.). Bei Sprengel ist ein Vorschliff mit Wasser und Bimsstein, das Polieren mit feinem Sand, Tripel oder Kohle von Weichholz beschrieben; wollte man Hochglanz erzielen, sollte man mit Sandstein schleifen und mit Polierstahl sowie einer Seifenlösung polieren [19 a, Slg. 3 S. 157f.]. Nach Schultze wurde im 3. Jz. 19. Jh. mit Bimsmehl oder Sandstein vorgeschliffen, mit einem Gemenge aus Öl mit Tripel oder Rötel poliert, mit Seifenlauge gereinigt und mit gebranntem Hirschhorn oder Pariser Rot nachpoliert [33, S. 164f.].

C. Vergoldung

Die im Altertum vielerorts geübte Plattierung des Grundmetalls mit Goldfolie kommt in nachantiker Zeit nicht mehr vor. Die in römischen Quellen geschilderte Blattvergoldung mit Quecksilber (Vitruv, De archit. libri decem, VII,8,4: ed. Curt Fensterbusch, Darmstadt 1964, S. 343; Plinius, Nat.hist. XXXIII,32 und 42: ed. Mayhoff Bd. 5 S. 139 und 148) ist auch im griechischen „Traktat über die Goldschmiedekunst“ beschrieben ([4] S. 312, [4 a] S. 308f.); Biringuccio erwähnte Blattgold und Quecksilber, schilderte jedoch das anschließende Verdampfen des Quecksilbers im Feuer ([7] Bl. 135v; [8] S. 435f.).

Die Feuervergoldung ist das häufigste, auch für F. gebrauchte Verfahren. Es beruht auf einer pastosen, durch Auflösen von Gold in Quecksilber gewonnenen Legierung („Goldamalgam“), deren Anteil an Quecksilber in sanftem Feuer verdampft.

Beschreibungen des Vorgehens gibt es von der römischen Antike an (Plinius’ Erwähnung der für die Feuervergoldung kennzeichnenden Wärmebehandlung- Nat.-hist. XXXIII.20: ed. Mayhoff Bd. 5 S. 126f. - übersahen sowohl Ottavio Vittori [Gold Bull. 12, 1979, S. 35-39] als auch A. Oddy a. a. O. [Sp. 1101] S. 78). Die technische Entwicklung ist in Schriftquellen bis ins 19. Jh. lückenlos belegbar.

Die in der Neuzeit angewandte Anreibevergoldung („trockene Vergoldung“) beruht auf dem Ladungsaustausch zwischen dem Grundmetall und dem aufgetragenen Goldchlorid und führt zur Bildung einer dünnen Goldschicht auf dem Werkstück.

Der englische Goldschmied Robert Southwell führte das Verfahren, das er von deutschen Goldschmieden übernommen haben wollte, 1698 in seinem Heimatland ein (Philos. Transactions Nr. 243, Ld. 1698, S. 296; vgl. [26] Bd. 1 S. 56). In Einzelheiten abweichende Beschreibungen sind seit dem 18. Jh., in dem die Anreibevergoldung zur Drahtvergoldung verwendet wurde [59, S. 6], zahlreich, vgl. „Der künstliche Gold- und Silber-Arbeiter“ [12] S. 58f. und 130f.; Halle [16] S. 98f.; Sprengel [19 a] Slg. 3, S. 129 und 162; Beckmann [26] Bd. 1 S. 55f.; Schultze [33] S. 86-88; Bürck [36] S. 329-331; Karmarsch [37] S. 451f.; Auberlen [38] Bd. 2 S. 219-223; Traeger [40] S. 40f.

Die galvanische Vergoldung beruht auf der Abscheidung von Gold aus Goldsalzlösungen mit Hilfe des elektrischen Stromes (Elektrolyse).

Die erste Vergoldung auf diesem Weg gelang 1805 Lodovico Gasparo Brugnatelli (Oskar P. Krämer, Rob. Weiner und Max Fett, Die Gesch. der Galvanotechnik, Saulgau 1959, S. 27). 1834 gründeten die Brüder George und Henry Elkington in Birmingham den ersten Vergolderbetrieb, 1840 führten sie die im gleichen Jahr von John Wright erfundene Verwendung von Goldcyanidlösungen in der Praxis ein (ebd. S. 28). Unabhängig von der Entwicklung in England erfand Werner Siemens 1840 ein Verfahren der galvanischen Vergoldung und baute 1842 in Berlin die erste galvanische Vergolderei in Deutschland auf [166, Sp. 482]. Die galvanische Vergoldung wurde bald nach ihrer Erfindung auch bei F. angewandt, vgl. [102] S. 115 und [77] S. 193.

Die Tauchvergoldung („Sudvergoldung“, „nasse Vergoldung“) basiert auf dem Ladungsaustausch zwischen der Oberfläche des zu vergoldenden Gegenstandes und einer Lösung aus Goldsalzen.

Eingeführt wurde sie 1836 durch die Brüder Elkington (s. oben), beschrieben von Karmarsch [37, S. 452f.], Fontainemoreau (Dingler’s polytechn. Journ. 80, 1841, S. 238), Kulmer [42, S. 241f.] und Eichler [44, S. 191f.]. Zur Verwendung für F.arbeiten s. [77] S. 193.

Kontaktvergoldung ist der galvanischen Vergoldung im Prinzip verwandt: der zu vergoldende Gegenstand wird in eine Goldsalzlösung als Elektrolyt gehängt; der Spannungsunterschied zwischen dem Werkstück und einem dieses berührenden unedlen Metall (Draht oder Blech aus Zink, seltener Aluminium) bewirkt die Goldabscheidung. Als Goldschmiedetechnik wurde das Verfahren erstmals 1872 von Kulmer [42] S. 244 beschrieben.

Besonders kleinere Goldschmiedebetriebe waren dank dieser Technik von den im 19. Jh. noch sehr kostspieligen Anlagen zur Stromerzeugung unabhängig.

Für die Reduktionsvergoldung werden Tauchbäder mit einem Reduktionsmittel verwendet; Strom wird nicht benötigt.

Die ersten Vergoldungen führte Justus von Liebig 1856 an Hohlglaskörpern aus [162, S. 565], die erste technische Beschreibung findet sich 1879 bei Ledebur [43, S. 776].

D. Färben

Das Färben von Goldlegierungen, das Erzeugen eines goldenen Farbtons auf Silber und unedlen Metallen sowie eines silbernen Farbtons auf Kupfer nimmt - verglichen mit der Beschreibung anderer Techniken - in den Quellenschriften der Goldschmiede bei weitem den größten Raum ein. Wie üblich das Färben z. B. bei bestimmten Goldlegierungen gewesen sein muß, bezeugt eine Bemerkung von 1505 im Bücherverzeichnis des Klosters Tegernsee: „Werchgolt ist das aller schlechtist; dem gibt der saffran ... die farb“ (München, Bayer. St.bibl, Cbm. C. 22; vgl. [55] S. 443).

In den Quellenschriften sind viele die Farbe von Metallen und Metallegierungen verändernde Verfahren beschrieben; empfohlen wurde: Auflösen eines Legierungsbestandteils, Bilden einer Oberflächenverbindung, Weißfärben, Gebrauch von Glühwachsen sowie von pflanzlichen und tierischen Pigmenten; s. Goldschmiedekunst, s. auch Firnis.

Von Glühwachs speziell für F. ist im „Künstlichen Gold- und Silber-Arbeiter“ die Rede, von einem „auf grausse Dinge“ [12, S. 72] und einem für „Drat-Arbeit“ aus zementiertem Kupfer (ebd. S. 100). - Das Weißfärben von goldener „filigraine“, die nach Bestreuen mit einem Gemisch aus Salpeter, Kochsalz und Alaun geglüht wird, beschrieb 1828 Schultze ([33] S. 52-64, beim Färben von F.ketten, die mit viel Schlaglot gelötet sind, zur Vorsicht mahnend).

Da Goldschmiedearbeiten auf die Verwendung von gefärbtem F. hin bisher kaum untersucht wurden, kann als Beispiel nur das karminrot gefärbte F. an dem Hugo d’Oignies zugeschriebenen Kreuzreliquiar in Brüssel, 1. H. 13. Jh., genannt werden [161, S. 126, Fig. 106].

VII. Filigranarbeiter

Bis zum Spät-MA wurde F. ausschließlich von Goldschmieden hergestellt. Im 15. Jh. förderte fortschreitende Arbeitsteilung - mitbedingt vielleicht durch die Massenproduktion der Paternostermacher - die Entstehung eines eigenen Berufszweiges F.arbeiter. Dieser hatte jedoch immer nur regionale Bedeutung; zu keinem Zeitpunkt waren F.arbeiter alleinige Hersteller von F.arbeiten, sondern im wesentlichen auf Massenware spezialisiert. Sie erlangten nie die Wertschätzung, die man Goldschmieden zollte.

Im 16. Jh. waren auf F. spezialisierte Goldschmiede u. a. in Braunschweig, Venedig, Straßburg und Paris tätig ([102] S. 35 und 111; [117] S. 19); in Nürnberg erhielten die „Drahtarbeiter“ 1578 eine eigene Ordnung, verblieben aber im Verband der Goldschmiede (G. Schiedlausky in: Ausst.kat. „Wenzel Jamnitzer und die Nürnberger Goldschmiedek. 1500-1700“, Nürnberg 1985, S. 42). Den Florentiner Goldschmied und F.spezialisten Piero di Nino wollte Cellini in seiner Jugend noch selbst kennengelernt haben [9, S. 9].

Im 17. Jh. führte die Verbreitung des Berufs des F.arbeiters dazu, für diese eigene Meisterprüfungen einzuführen und die Anfertigung von Meisterstücken zu fordern, so in Hanau 1610 („knopf zum Gürtel und Ketten durchbrochen und geschmelzet“: [58] S. 143 und 55), in Frankfurt a. M. 1613 (ebd. S. 58), in Frankenthal 1614 (in Anlehnung an die Hanauer Vorschrift: [128] 1983, S. 288). In München gestattete der Rat am 21. Oktober 1678 dem „Lionhard Hollner Golt- und filigränarbeither aus Steir im Landt ob der Enns ... eine Handtierung in der Au zu treiben“, also in der Vorstadt [133, Abb. 5].

Von etwa 1700 an erlebte der Beruf des F.arbeiters - von vorübergehenden Rückschlägen abgesehen - seine größte Verbreitung. In Schwäbisch Gmünd wurden 1695 erstmals F.arbeiter genannt [60, S. 77]. In Augsburg beklagten sich 1716 die dortigen Juweliere über die geringe Zahl Augsburger F.arbeiter (acht), die sie zwänge, ihre F.arbeiten in Schwäbisch Gmünd zu bestellen [102, S. 97], wo - so Zedler 1735 - von „etlichen 100. Gold-Schmieden“ kleine Silberarbeit (d. i. F.) um geringen Verdienst hergestellt werde [13, Bd. 10 Sp. 828]. Eine dort 1739 durchgeführte Zählung kam auf 250 Meister; teils wegen der Erhöhung der Zölle auf Gmünder Waren, teils wegen der von Kaiser Joseph II. erlassenen Einfuhrverbote wanderten etwa einhundert in den 1740er und 1780er Jahren nach Wien, weitere nach Bad Tölz und Miesbach aus [102, S. 115].

In manchen süddeutschen Städten gerieten die F.arbeiter infolge der von Goldschmieden durchgesetzten restriktiven Politik in Bedrängnis, so in München, wo Art. 20 der Goldschmiedeordnung von 1738 vorschrieb: „Und obschon bishero einige Goldschmid oder Filagrandearbeiter in München respective den Beisitz genossen und gedulded worden, so solle aber konftigs, wann die dermalige abgestorben, keiner mehr gestattet noch der Besitz gegeben werden, wie dann die dermalige auch keinen offnen Laden halten noch den Schild aushängen, weniger einen Gesellen halten sollen“ [55, S. 463]. In der 2. H. 18. Jh. hatten in Städten die F.arbeiter, die nicht auf die Herstellung von Massenware spezialisiert waren, sondern in erster Linie für „vornehme Personen“ arbeiteten, mit AbsatzSchwierigkeiten zu kämpfen, wohl wegen der stärkeren Verbreitung sog. volkstümlichen F. So bat z. B. 1766 in Augsburg der F.arbeiter Johann Conrad Cuno den Rat um Erlaubnis, auch anderes als F. herstellen zu dürfen, da dieses „von vornehmen Personen nicht mehr angeschaffet, hingegen Frauen mittleren Standes die verfertigte Arbeit von den Vornehmern an sich erkauffet“ [102, S. 29].

In größeren Städten Norddeutschlands wurde im 18. Jh. das F. von zünftigen Goldschmieden gefertigt, in einigen kleineren Orten - z. B. Elmshorn, Hoyer, Leck, Uetersen, wo F. in großem Stil hergestellt wurde - dagegen von nicht zünftigen. Auf den Dörfern waren es die Dorfhandwerker, die F.arbeiten machten und nebenbei Landwirtschaft betrieben (Föhr, Sylt) oder einer anderen weiteren Tätigkeit nachgingen (vgl. [164] S. 58f.).

Das geringe Ansehen der F.arbeiter im 18. Jh. hängt z. T. zusammen mit der Unterwertigkeit der von ihnen verarbeiteten Silberlegierungen (s. oben Sp. 1096), der fast immer fehlenden Stempelung ihrer arbeitsteilig hergestellten Produkte. Deren Fertigung erforderte nur einfache, stets sich wiederholende Arbeitsvorgänge (Drahtziehen, Biegen, Einsetzen, gelegentlich Einlöten der Schnörkel), was den Einsatz billiger Arbeitskräfte ermöglichte (Kinder, Frauen, Altgesellen), während der Meister nur die Hauptrahmen bog und lötete. Die Goldschmiedemeister jedoch mußten teure Fachkräfte beschäftigen; auf ihre Intervention hin verfügte im 18. Jh. der Rat in Schwäbisch Gmünd, daß F.arbeiter nur Ehefrauen und Töchter beschäftigen durften, die später auch bei anderen Meistern gegen Jahreslohn eingestellt werden könnten; „fremde Mägde dürfen aber am Brette nicht tätig sein“ ([60] S. 82 Anm.; [86] S. 169; vgl. auch [117] S. 19). Der Vertrieb der F.arbeiten erfolgte in den größeren Städten über Agenturen (Hauptsitze Augsburg, Nürnberg, Ulm) in ganz Europa, in kleineren Städten und Dörfern dagegen auf Jahrmärkten oder durch Hausierer. Auf diese Weise wurden noch M. 19. Jh. jährlich 12-15 Zentner F.arbeiten abgesetzt ([86] S. 169f.; [102] S. 124; [126]), eine Vertriebsart, gegen die die Goldschmiede mit - relativ unwirksam gebliebenen - Hausierverboten vorzugehen versuchten (ebd.).

Nach M. 19. Jh. wurde das Herstellen von F. als „etwas heruntergekommene Heimarbeit“ angesehen (so Wilh. Braun-Feldweg, Metall ..., Ravensburg 21968, S. 190). Das hinderte in Italien Goldschmiede wie die Brüder Castellani in Rom und Emilio Forte in Genua nicht, F.arbeit zu schätzen und anzufertigen [175, Bd. 2 S. 497f.].

VIII. Sonderformen des Filigrans

A. Filigranemail

Filigranemail gibt es - wie jede Art von F. - mit und ohne einen Rezipienten. Zur Herstellung s. Sp. 1148.

1. Filigranemail mit einem Rezipienten, in der Literatur meist als F.email (Drahtemail) schlechthin bezeichnet, ist seit der Antike bekannt.

Wahrscheinlich kam die Technik in Assyrien auf, wo Arbeiten aus dem 7. Jh. v. Chr. erhalten sind, z. B. ein mit Blüten in F.email geschmücktes Diadem aus Ziwiye (Iran; [121] S. 25; A. Godard, Le trésor de Z., Haarlem 1950, S. 104 Fig. 90). Blüten und Palmetten zeigen griechische und etruskische Arbeiten aus der 1. H. 6. Jh. vor Chr. ([121] S. 25f.; [141] Bd. 1 S. 94, Taf. 72 Nr. 1), im 5. Jh. v. Chr. aus Zypern (Ad. Greifenhagen, Schmuck der Alten Welt, Bln. 31979, Taf. S. 27), doch ist F.email erst an griechischen Schmuckstücken des 4.-2. Jh. häufiger anzutreffen ([85] Taf. 42 und 43 b; [97] Abb. S. 67; [107] Abb. 41; [121] S. 155, Taf. 29; [141] Bd. 1 S. 35, Taf. 14f., Farbtaf. If., und S. 42, Farbtaf. II Nr. 3, Taf. 19 Nr. 11). Aus frühbyzantinischer Zeit gibt es nur noch vereinzelt Beispiele (Gewandzierscheibe in Baltimore, The Walters Art Gall., wohl 2. H. 5. Jh.: [110] S. 427f.; Klaus Wessel, Die byz. Emailk. ..., Recklinghausen 1967, Nr. und Abb. 1). - Im Abendland, wo F.email im keltischen Westen in nachchr. Zeit gelegentlich hergestellt wurde (so [121] S. 175), erlosch die Produktion wohl im 4. Jh.

Ob die Technik in Oberitalien bereits E. 13./ A. 14. Jh. wieder gepflegt wurde, ist fraglich.

Dieses anzunehmen setzt voraus, daß die strittige Datierung der F.emailscheiben am Sockel vom Armreliquiar des hl. Ursus im Schatz der Stiftskirche Ss. Pietro ed Orso in Aosta zugunsten des frühen Zeitansatzes entschieden würde (ihn vertrat z. B. S. Mihalik [116] S. 104 Anm. 3; so auch Luigi Mallé, Le arti figurative in Piemonte, Bd. 1, Turin 21973, S. 106). Ihm steht die Tatsache gegenüber, daß die zeitlich nächsten archivalisch gesicherten italienischen Beispiele erst aus dem 2. Jz. 15. Jh. stammen (J. Braun [160] S. 545 Anm. 18 bezweifelte denn auch die frühe Datierung dieser Platten und bezeichnete sie als Ersatz für ursprünglich dort angebrachte Grubenschmelzplättchen).

Seit der 1. H. 15. Jh. gab es die Technik des F.email sowohl in Ober- wie in Mittel- und Süditalien.

Als Beispiele seien genannt: zwei nach Braun a. a. O. um 1400 gearbeitete, doch erst in das 2. Dr. 15. Jh. zu datierende Reliquiare im Domschatz von Gemona (vgl. Ausst.kat. „Oreficeria sacra in Friuli“, Udine 1963, Nr. und Abb. 62f.) und zahlreiche weitere Reliquiare des 15. Jh. ([160] Abb. 124, 175, 306, 345, 362, 378 und 461), Krümmen von Bischofsstäben ([110] Abb. S. 429; [90] Abb. 72) und Gürtelbeschläge [149, Abb. 272]. Namentlich bekannte Goldschmiede, die solche und andere F.emailarbeiten herstellten, waren Nicola di Guardiagrele gen. Nicola Gallucci, dessen Ostensorium von 1418 in S. Leucia in Atessa, Abruzzen, das früheste nicht nur stilistisch datierte Stück in dieser Technik in Italien ist (Emporium 22, 1905, Abb. S. 279, rechts), und um die M. 15. Jh. Francesco d’Antonio in Siena [110, S. 430].

In Ungarn (mit Siebenbürgen) ist die Entwicklung wegen der hohen Anzahl nur stilistisch und selbst dann nur recht ungenau zu datierender Denkmäler und wegen des Anteils ungarischer, siebenbürgischer, deutscher und italienischer Goldschmiede nicht recht erkennbar. Die Anfänge dürften in der Zeit nach 1400 liegen (so u. a. Judit Kolba, in: Ausst. Köln, Parler, Bd. 4 S. 152 und Lászlo Beke [123] S. 13f.; dagegen z. B. [116] S. 71).

Bei dem Büstenreliquiar des hl. Ladislaus in Raab (Győr), nach 1405, ist es fraglich, „ob der mit ornamentalen F.schmelzplatten verzierte Büstenteil und der Kopf gleichzeitig entstanden sind“; das Haupt ist älter als der Büstenteil, dem es nachträglich aufgesetzt wurde (Ernö Marosi, in: Ausst. Köln, Parler, Bd. 2 S. 462; vgl. dagegen J. Kolba a. a. O.). Gesichert ist, daß das ältere sächsische Kurschwert um 1425 geschaffen wurde (Dresden, Hist. Mus.: Abb. 34; [175] Bd. 1 S. 368), der Kelch des Benedikt Suki im Domschatz von Gran (Esztergom) vor 1456 [182, S. 153, Abb. 202] und zwischen 1440 und 1465 der des Dionys Széchy ebendort [48, Abb. 8]. 1451 (?) datiert ist eine Reliquienkapsel im Ungarischen Nat.mus. Budapest [80, Abb. 113f.], 1482 der Kelch in Măcău, Siebenbürgen (Mákó; [48] S. 8 Nr. 25). 1476 erhielt der Bischof von Rieti Geschenke des ungarischen Königs; unter diesen befand sich ein Pokal mit F.email (Ausst.kat. „Matthias Corvinus ...«, Schallaburg 1982, Nr. 471, Abb. 63 b).

Aus Ungarn gelangte die Kenntnis der F.emailtechnik in der 2. H. 15. Jh. (?) auch in andere Regionen: sowohl in Schlesien, Kleinpolen und Ostpreußen, vielleicht auch in Österreich und Böhmen wurden F.emaillarbeiten hergestellt.

So wird bei dem sog. Pokal des Matthias Corvinus im Stadtmus. Wiener Neustadt, um 1480 (?), die Herstellung bald in einer ungarischen, bald in einer Wienerneustädter Werkstatt angenommen (vgl. Ausst.kat. Schallaburg a. a. O., Nr. 469, Abb. 64; [123] S. 29-32; RDK V 45f. Abb. 31).

Von dem „Martinus aurifaber domini“, der das im Prager Domschatz verwahrte, 1465 von Hanus von Kolowrat gestiftete Plenarreliquiar schuf, wird angenommen, er sei in Prag ansässig gewesen (Kdm. Böhmen, Prag Bd. 2 S. 77f., Abb. 61f.; Kdm. ČSR, Praha, Bd. 2 S. 72f., Abb. 61f.).

Schlesische Goldschmiedewerke mit F.email sind der 1501 von Johannes Hoffmann an den Breslauer Dom geschenkte Kelch und der etwa gleichzeitig entstandene mit dem Gellhornwappen, ebendort ([48] Abb. 15; [75] Fig. 5 und 7), die Krone des aus Breslau stammenden Büstenreliquiars der hl. Dorothea im Nat.mus. Warschau (Krone um 1500; Ausst. Köln, Parler, Bd. 2 S. 510); weitere Beispiele: Abb. 36; [116] S. 80ff., [188] Taf. 132 Abb. 6, rechts, und [123]; bei [116] und [123] auch Beispiele aus Kleinpolen und Ostpreußen (Ermland).

In der Neuzeit blieb in Ungarn und Siebenbürgen die Technik des F.emails während des 16. und in der 1. H. 17. Jh. in Übung ([48] Abb. 3 a, 7e, S. 17 Abb. 9 b-c, Abb. 13 b; [182] Abb. 209; [181] Taf. 9f.; [116]; [123]), auch bei Schmuck („Kronstadter Heftel“: [48] Abb. 22). In Österreich, Böhmen und Schlesien wurden im 16. Jh. nur Kelche mit F.email verziert (Österreich: [181] S. 93, Taf. 11 Nr. 3, [190] Abb. 154; Böhmen: [48] S. 16 Nr. 14, [181] S. 93, [116] S. 79; Schlesien: ebd. S. 80ff., bes. Fig. 8 und 10f.), in Polen noch solche des 17. Jh. (ebd. Fig. 27f.).

In Deutschland entstanden in der Neuzeit nur wenige Werke, bei denen F.email mit einem Rezipienten verwendet wurde: Deckelpokal aus Rhinozeroshorn, E. 16. Jh. [152, Taf. 10]; von Heinrich Mannlich, Augsburg, um 1670/1675 geschaffene Tischuhr in der Schatzkammer der Münchner Residenz [122, Bd. 1 Farbtaf. XV]. Aus dem 1. Dr. 17. Jh. stammt eine größere Anzahl von in Süddeutschland (Augsburg, Nürnberg) gefertigten Kästchen, Bonbonnieren, Riechdöschen und Deckeldosen mit F.email (Ferd. Luthmer, Das Email..., Lpz. 1892, S. 111; Willi Burger, Abendländische Schmelzarbeiten, Bln. 1930, S. 171f.; Ausst.kat. „Email...“, Köln 1981, Nr. 51f.).

In Italien wurde zur Zeit Biringuccios kein F.email hergestellt ([7] Bl. 135r; [8] S. 434). - In Westeuropa und in Skandinavien verwendete man F.email nur selten.

In Belgien existieren drei Reliquiare des 17. Jh. aus dem Schatz der Stiftskirche von Oignies im Kloster der Marienschwestern in Namur [171, S. 113-117, Fig. 101f.]; die Musées Royaux d’Art et d’Histoire in Brüssel besitzen ein 1640 in Antwerpen gedrucktes Buch mit einem Einband aus F.email (ebd. S. 116). - In Skandinavien gibt es F.email mit einem Rezipienten an Werken aus dem 1. V. 18. Jh. (Rosettenschmuck um 1700 in Schweden: [95] S. 77; Armbandschließen und Dosen in Norwegen, 1702-1722: [82] Fig. 14f.), dann erst wieder E. 19. Jh. (Löffel: Gertrud Benker, Alte Bestecke, Mchn. 1978, Abb. 310f.). - Aus Frankreich ist die Technik nur von wenigen, späten Beispielen bekannt: „Carnet de bal“ des Pariser Meisters Lucas Sicard, E. 18. Jh. [152, Taf. 19]; Brosche von Eugène Petiteau, nach 1847 [47, Abb. S. 372].

Hingegen sind in seit der 2. H. 16. Jh. in Rußland entstandene Werke mit F.email erhalten (1488 hatte Matthias Corvinus auf Wunsch des Zaren Iwan III. ungarische Goldschmiede nach Rußland gesandt: Jolán Balogh, Die Anfänge der Renss. in Ungarn, Graz 1975, S. 262): Rahmen und Beschläge von Ikonen (um 1560/1570: [177] Taf. 108, S. 207f.; [150] Nr. 9, Abb. S. 44f.); Altarkreuz von 1562 (ebd. Nr. 19, Abb. S. 74); Sattelbeschläge von 1682 (ebd. Nr. 80, Abb. S. 156f.; [177] Taf. 144, S. 213); der Einband eines Evangeliars, E. 17. Jh. [188, S. 73 Abb. 20]. E. 17. Jh. gab es auch die Verbindung von F. und Emailmalerei (Bestecke, Schalen: [150] Nr. 47-50).

In Griechenland waren seit dem 16. Jh. besonders Klöster des Athos Herstellungsorte von F.email, das vor allem an Kreuzen mit Rahmen angebracht wurde ([48] S. 18 und 20, Abb. 21).

2. Arbeiten mit Filigranemail ohne einen Rezipienten sind außerordentlich selten.

Aufsätze aus transluzid gearbeiteten Schmelzplatten („pinnae“) - kein F.email - trägt der Reif der Stephanskrone um 1074/1077, im Ungarischen Nat.mus. Budapest (Éva Kovács und Zsuzsa Lovag, Die ungar. Krönungsinsignien, Budapest 1980, S. 23, 25 und 37, Abb. S. 19-22, 28-31 und 38: „Zellenschmelze, die weder eine Grundplatte noch eine Bödnung haben ... Die Stege ... mußten aneinander gelötet werden“).

Die sehr wenigen Beispiele der Neuzeit kommen aus Italien: Cellini erwähnt eine Trinkschale, die ihm Kg. Franz I. von Frankreich 1541 zeigte [9, S. 23f.]. Etwa aus dieser Zeit stammt eine venezianische Kette mit 52 Perlen (Abb. 37), aus dem 17. Jh. eine Bandachatschale im Grünen Gewölbe in Dresden ([187] Bd. 3 Taf. 32; in der zugehörigen Erläuterung als Onyxschale bezeichnet).

B. In Glas eingebetteter Draht

In erhitztes, viskoses Glas eingebetteten Draht gibt es ganz punktuell sowohl in der Antike (vgl. [121] S. 28; M. Rosenberg, Geschichte der Goldschmiedek. ..., Zellenschmelz, Ffm. 1921, S. 38-41, Fig. 54-58) als auch in karolingischer Zeit (Kelch von Ardagh im Irischen Nat.mus. Dublin, 8. Jh.: [105] S. 264, Fig. 59). - Im 18. Jh. wurde diese Technik in Paris angewendet (vgl. die 1747 dat. Eßbestecke in der Silberkammer der Münchner Residenz: M. Frankenburger a. a. O. [Sp. 1066] Taf. 104). Vielleicht ist auch der deutsche Goldflakon im Grünen Gewölbe, Dresden, E. 17. Jh., in dieser Technik gefertigt [187, Bd. 3 Taf. 34, oben, 2. Abb. von links].

IX. Nachahmungen

Den Effekt des F., vor allem den des „durchbrochenen“ ohne einen Rezipienten, suchte man verschiedentlich mit anderen Mitteln nachzuahmen, besonders durch Drahtflechten und durch außerordentlich feinen Guß. Auf solche Weisen hergestellte Arbeiten bezeichnete man schon im ausgehenden 18. Jh. als „Filigran“.

A. Gußverfahren

Es gibt drei Gußverfahren, mittels derer man F. nachzuahmen suchte.

Beim Wachsausschmelzverfahren goß man verflüssigtes Wachs durch Tonröhren in Wasser (beschrieben im Ausst.kat. „El Dorado. Der Traum vom Gold“, Hannover 1979, S. 42, mit Abb.), montierte das erstarrte Wachs zum Gußmodell, bettete dieses in eine Masse ein und vertrieb aus ihr das Wachs beim Brennen; anschließend erfolgte der Guß.

Beispiele gibt es bereits im Altertum (in Zentralanatolien seit A. 2. Jt.: [153] Abb. S. 81). Die Awaren wandten das Verfahren im 8. Jh. an (Istvàn Erdély, Die K. der Awaren, Budapest 1966, Taf.abb. 47, Korbohrring). Im Spät-MA benutzte man es u. a. für die F.imitationen an Reliquiaren des 13.-15. Jh. [160, Abb. 532, 570 und 494], im 16. Jh. für solche an französischem und deutschem Tafelgerät [115, S. 342, Abb. 613].

Beim Sandgußverfahren wird ein metallenes Modell, das eine „echte“ F.arbeit sein kann, in Formsand abgedrückt und die Form dann ausgegossen.

Belegen läßt sich dieses Verfahren zur Imitation von F. mit einem Rezipienten mit Arbeiten aus Edelmetall oder Bronze, die im 9.-10. Jh. in Schweden und Norddeutschland angefertigt wurden [69, S. 211-213 und 214, Taf. 62 Nr. 8 und 10], um die M. 10. Jh. in großem Umfang im mittleren Südschweden ([93] S. 80-86, Taf. 27 Nr. 4 und 5, Karte 31), dann erst wieder E. 18. Jh. beim volkstümlichen Schmuck Norddeutschlands (Abb. 50).

Nachahmung von F. ohne einen Rezipienten unter Benutzung des Sandgußverfahrens geht zurück auf ein 1798 abgelaufenes Patent eines gewissen Michel in Paris: an der Unterseite abgeflachter Silber- oder versilberter Kupferdraht wurde mit Hilfe von Zinn auf ein planes, verzinntes Eisenblech mit vorgestochener Zeichnung gelötet, das so hergestellte Modell in einer „erdigen Masse“ (mit Ton versetzter Sand oder geschlämmtes Gemenge von Ton und Ziegelmehl) abgedrückt und diese Form mit Gold oder Silber ausgegossen. Der fertige Grund wurde entweder mittels Laubsäge und Feile durchbrochen oder aber durch Feilen von der Rückseite entfernt ([31] Bd. 7 S. 256f.; [35] Bd. 6 S. 90f.).

Feinteiligen Schmuck aus Gußeisen, den man mit F.arbeiten verwechseln kann, fertigte man seit 1806/1807 in der kgl. preußischen Eisengießerei in Berlin an, auch in der Gießhütte in Gleiwitz, Oberschlesien, sowie in kleineren privaten Gießereien in Berlin (Herm. Schmitz, Berliner Eisenk.guß, Mchn. o. J. [1917], Taf. 33-39; Erwin Hintze, Gleiwitzer Eisenk.guß, Breslau 1928, S. 37-40, mit Abb.; Eva Schmidt, Der preuß. Eisenk.guß, Bln. 1981, S. 187-194, mit Abb.; [111] S. 242 und 244, Abb. S. 240f.; Ausst.kat. „Eisen statt Gold“, Krefeld und Berlin 1982-1983, S. 249ff.; in Österreich und Böhmen versuchte man das nachzuahmen: vgl. Matthias Pichler, Der Mariazeller Eisenk.guß, Wien 1963 Leobener Grüne Hh., Nr. 65], S. 19f., Abb. 10f.; Emanuel Poche, Umělekoprůmyslové muzeum v Praze, Prag 1955, Abb. 202). Gefertigt wurden vor allem Armbänder (Kat. „Von der Antike bis zur Gegenwart“, Schmuckmus. Pforzheim, Pforzheim 1980, Nr. 195 mit Abb.), Ohrgehänge (ebd. Nr. 197), Gürtel (ebd. Nr. 196), Broschen (ebd. Nr. 198) und zu Teilen goldgefaßte Medaillons [111, Abb. S. 240].

Der Guß in Steinformen (Schiefer, seit E. 18. Jh. auch Marmor) war bei sog. Zinn-Filigran üblich.

Ältestes bekanntes Beispiel ist eine in Furen, Småland, gefundene Scheibenfibel der Wikingerzeit [76, T. 1 S. 72, Abb. 65]. - Im 18. Jh. wurden in Schwäbisch Gmünd Kreuze mit eingelegtem Rauschgold (Messingfolie von 0,01-0,03 mm Stärke; s. Folie; [131] S. 91) und Rosenkranzkugeln aus reinem englischen Feinzinn hergestellt, dessen Farbe dem Silber näher kommt als die des bis zu 40% Blei enthaltenden Lötzinns [102, S. 119]. Hauptort der auf Schmuck und Devotionalien spezialisierten Kleinzinngießerei war, seit 1787 belegt, Dießen am Ammersee (Bruno Schweizer, Die Gesch. der Kleinzinngießerei in D. a. A., Dießen 1930; Hans O. Münsterer, Volkskundliches aus alten Firmenkat., Dt. Gaue 50, 1958, S. 7-16). Hier fertigte man aus „Zinnfiligran“ (1789 nachgewiesene Benennung: B. Schweizer a. a. O. S. 7) u. a. „Denkringe“, „Florschnallen“, „Landbetten“ (das sind Rosenkranzkugeln), „Dellen“ (kastenförmige Anhänger mit Wallfahrtsbild), „Taferl“ (durchbrochene Anhänger), Denkmünzen und Kreuze für Rosenkränze.

B. Geflochtene Schmuckstücke aus gezogenem Eisendraht

Aus gezogenem Eisendraht gefertigte geflochtene Schmuckstücke wurden in der 1. H. 19. Jh. in Berlin hergestellt und als „fer de Berlin“ weltweit vertrieben (H. Schmitz a. a. O. S. 30; E. Schmidt a. a. O. S. 192, Abb. 194).

C. Preßblecharbeiten

Preßblecharbeiten wurden, auch wenn sie den Eindruck von F. hervorrufen, mit bronzenen, später auch stählernen Stempeln und Matrizen mit der Hand hergestellt.

Beispiele aus dem östlichen Mittelmeergebiet reichen bis ins 2. Jt. v. Chr. zurück (Ohrringe aus Mykene, um 1600/1500: [121] S. 63, Taf. 4 B). In Nordeuropa wandte man diese Technik im 2. Jh. n. Chr. an (Belege bei [155] S. 124f.). In größerem Umfang wurden solche Preßblecharbeiten im 9./10. Jh. in Schweden und Norddeutschland hergestellt [69, S. 213f., Taf. 62 Nr. 15, 17 und 18].

Mechanisierte Präge- und Stanzverfahren zur Herstellung von Preßblechen kamen im späten 18. Jh. auf, und von da an darf man mit der Anfertigung von F.imitationen rechnen. Zwischen die stählerne Stanze, in die die Zeichnung des Werkstücks graviert war, und eine plane Stahlplatte gelegt, wurde das Blech im Fallwerk geprägt; die Teile zwischen den Zügen der F.imitation wurden mit der Laubsäge ausgeschnitten oder herausgestanzt ([35] Bd. 6 S. 91; [42] S. 262; [44] S. 211). Als Material diente vereinzelt Gold [50, Fig. 241], doch bevorzugte man verschiedene Arten von Messing und Bronze.

Gepreßte F.imitationen aus Pinchbeck (Messing aus 83% Kupfer und 17% Zink: [131] S. 91) wurden um 1820/1830 in Frankreich hergestellt [97, Abb. 256f.]. Seit etwa 1840 kamen aus Schwäbisch Gmünd Arbeiten aus Similor („Mannheimer Gold“, eine Legierung aus 83,7% Kupfer, 9,3% Zink und 7% Zinn: [131] S. 91; ab etwa 1820 gelegentlich mit geringem Goldanteil: [30] T. 9 S. 397), insbesondere Miederhaken und Schuhschnallen ([60] S. 86; [102] S. 115).

Industriell im Prägeverfahren hergestellte F.imitate aus Bronze kennt man seit A. 19. Jh. [35, Bd. 6 S. 91].

D. Treibarbeiten

Treibarbeiten näherte man durch scharfes Absetzen der Details beim Treiben der Erscheinungsweise von F. an.

Getriebenes, filigranartiges Rankenwerk zeigt die Oberseite des oberitalienischen (?) Felixreliquiars im Aachener Münsterschatz, 2. H. 11. Jh. ([61] Bd. 1 Abb. 29; [169] S. 47f. Nr. 32), ferner das Büstenreliquiar des hl. Petrus von 1473 in der Stiftskirche Aschaffenburg (Kragen und Kleinod: [160] Abb. 494). Perldrahtartig wirkt die Reihung getriebener Bossen am Fuß des Eptingenkelches aus dem Basler Münsterschatz, nach 1213 (?), im Hist. Mus. Basel [144, Bd. 1 Kat.nr. 595, Bd. 2 Abb. 410]. Korbgeflecht ist nachgeahmt bei einem Augsburger Schreibzeug der Zeit um 1650 im Kgl. Schloß in Stockholm [115, S. 218, Abb. 568].

E. Ausschnittarbeiten in Metall

Ausschnittarbeiten in Metall („opus interrasile“), hergestellt durch Meißeln und Versäubern mit der Feile, können so fein ausgeführt sein, daß sie wie F. wirken.

Beispiele stammen aus der römischen Kaiserzeit und der Spätantike: es sind dies Ringe des 3.-4. Jh. ([56] Text S. 5, Taf. I Abb. 19 und 19 a; [135] Nr. 573, Fig. 90, und Nr. 987, Taf. XXI), Armbänder des 4. Jh. (eines aus Syrien: [141] Bd. 1 S. 75f., Taf. 55 Nr. 7, Taf. 56, Abb. 60 Nr. 3) und Anhänger derselben Zeit aus Ägypten (ebd. S. 65f., Taf. 45 und 46 Nr. 1); allgemein: David Buckton, The beauty of holiness ..., Jewellery Stud. 1, 1983-1984, S. 15-19.

Mit der Laubsäge hergestellte feine Ausschnittarbeiten, die den Eindruck von F.arbeit erwecken, gibt es bei französischem und englischem Tafelgerät des 17. und 18. Jh. [115, Abb. 556, 407 und 439].

Die mechanische Herstellung ausgeschnittener Arbeiten geht auf den Hanauer Bildhauer und Vergolder J. Schack zurück, dessen Erfindung einer Maschine mit Fußantrieb und ausschraubbarer Säge zur Produktion F. nachahmender Arbeiten 1792 veröffentlicht wurde [30, 3. T., 2. Abt. S. 257f.].

Zu den Abbildungen

1. Drähte mit glatter Oberfläche und gleichmäßigem Querschnitt (1 und 2), aus Runddraht hergestellte strukturierte Drähte (3 und 4, 7-16) sowie Kordeldraht (5 und 6). Zchg. Verf.

2. Strukturierte Drähte von eckigem Querschnitt. Zchg. Verf.

3. F.ornamente: Kreisbogen, Schlingen- und Schlaufenornamente (1-13), konzentrische Ornamente (14-17). Zchg. Verf.

4. F.ornamente: Galeriedrähte. Zchg. Verf.

5. F.ornamente: Flächenbildende Grundformen. Zchg. Verf.

6. F.ornamente: Dreidimensionale Grundformen. Zchg. Verf.

7. Stockholm, Statens Historiska Mus., Inv.nr. 2 766, Halskragen (Ausschnitt) aus Färjestaden, Kirchspiel Torslunda, Öland. Gold, Dm. 22,6 cm. Um 500. Foto Mus. (Neg.nr. 632:18).

8. Stockholm, Statens Historiska Mus., Inv.nr. 291:79, Halskragen (Ausschnitt; Gesamtabb.: [139] Abb. 31)

aus Möne Kyrka, Kirchspiel Yttergården, Västergötland. Gold, Dm. 23 cm. 6. Jh. Foto Mus. (Neg.nr. B 50:80).

9. Bonn, Rhein. L.mus., Inv.nr. 39.1035 a, Scheibenfibel aus Niederbreisig Krs. Ahrweiler. Bronze, Gold, farbiges Glas, Kalkfüllmasse, Dm. 5,7-5,85 cm, H. des Fibelrandes 0,7 cm. Fränkisch, 6. Jh. Foto Mus. (Neg.nr. 4497).

10. Washington, D. C., Dumbarton Oaks Coll., Inv.nr. Acc.no. 50.20, Brustkreuz (Ausschnitt; Gesamtabb.: [104] S. 160 Abb. 12). Gold, H. 2,7 cm. Byzanz, 6.-7. Jh. Foto Artur Kratz, Bln.

11. Oslo, Universitetets Oldsaksamling, Inv.nr. 735, Anhänger aus Hon, Kirchspiel Buskerud. Gold, Dm. 5,7 cm. Norwegen, 1. H. 9. Jh. Foto Slg.

12. Paris, Bibl. nat., ms. lat. 1152 (Psalter Karls des Kahlen), Rückdeckel. Holzkern, Silberrahmen mit Edelsteinen und Perlen, Elfenbein, 24,3 × 19,3 cm. Westfränkisch, vor 869. Foto Bibl.

13. Stockholm, Statens Historiska Mus., Inv.nr. 1413, Goldbrakteat (Ausschnitt; Gesamtabb.: [69] Taf. 57 Nr. 1) aus Stora Enbjenne, Kirchspiel Hogrän, Gotland. Dm. 7,5 cm. 9. Jh. Foto Mus. (Neg.nr. 1741:71 a).

14. Schleswig, Schleswig-Holst. L.mus. für Vor- und Frühgesch., Schloß Gottorf, Scheibenfibel aus Haithabu. Gold, Dm. 2,5 cm. 9./10. Jh. Foto Mus.

15. Stockholm, Statens Historiska Mus., Inv.nr. Bj 501, Anhänger. Silber, Bergkristall, H. 1,7 cm. Wikingerarbeit unter fränkisch-karolingischem Einfluß, A. 10. Jh. Foto Mus.

16. Schleswig, Schleswig-Holst. L.mus. für Vor- und Frühgesch., Schloß Gottorf, Preßmodel für die Herstellung von F.rezipienten, gefunden 1979 im Hafen von Haithabu. Bronze, Dm. 6,6 cm. Wikingerarbeit, 10. Jh. Foto Mus.

17. Wien, Kh. Mus., Weltl. Schatzkammer, Inv.nr. XIII.1, Reichskrone, Seitenansicht der Nackenplane, Ausschnitt. Gold, Edelsteine, Perlen, H. der Platte 15,6 cm, B. 8,5 cm. Westdeutsch, 2. H. 10. Jh. Foto Mus. (Neg.nr. I 15466).

18. Kopenhagen, Nat.mus., Inv.nr. C 7144, Scheibenfibel aus Hornelund I. Gold, Dm. 6,8 cm, H. 2,5 cm. Dänemark, E. 10. Jh. Foto Mus. (Neg.nr. III.115).

19. Hamburg, Mus. für K. und Gewerbe, Inv.nr. 1927.101, Scheibenfibel. Gold, Smaragd, 3,7 × 3,4 cm, H. 2,3 cm. Mittelrhein (Mainz?), um 1000. Foto Mus. (Neg.nr. 8114 a).

20. Stockholm, Statens Historiska Mus., Inv.nr. 1672:4, Scheibenfibel. Silber, Bergkristall, Dm. 4,0 cm. Westdeutsch, A. 11. Jh. Foto Mus. (Neg.nr. B 30:69b).

21 a und b. Fritzlar, ehem. Stiftskirche St. Peter, „Kreuz Kaiser Heinrichs“, Details der Vorderseite (Gesamtabb.: [78] Abb. 43): Ende des oberen Kreuzbalkens (a) und Teil des unteren Längsbalkens (b). Holzkern, Gold, Edelsteine und Perlen, Gesamthöhe des Kreuzes 46,5 cm. Mittelrhein, 11. Jh. Foto Rolf Kreuder, Fritzlar (a) und Bildarchiv Foto Marburg (Neg.nr. 131512).

22. Aachen, Münsterschatz, Goldener Buchdeckel (Ausschnitt; Gesamtabb.: [169] S. 211 Taf. 22). Gold, Elfenbein, Emailplättchen, Edelsteine, Gesamtmaße 30,8 × 23 cm. Westdeutsch oder Fulda, um 1020. Foto Ann Münchow, Aachen.

23. Essen, Münsterschatz, Reliquienkreuz, sog. Kreuz der Theophanou, Vorderseite (Ausschnitt; Gesamtabb.: [78] Abb. 37). Holzkern, Gold, Emailplättchen, Bergkristall, Edelsteine, Perlen, Gesamthöhe 45 cm. Wohl Essen, um 1039/1054. Foto Marburg (Neg.nr. 190126).

24. Baltimore, The Walters Art Gall., Inv.nr. Ms W 8, Evangelistar aus Kloster Mondsee, O.Ö. (?), Einband. Holz, vergoldetes Silber, Elfenbein, Niello, Bergkristall, Malerei auf Gold, 28,0 × 21,8 cm. Süddeutschland oder Österreich, E. 11. Jh. Foto Mus. (Neg.nr. H 51).

25. Capua, Erzbisch. Palais, Evangeliar des Erzb. Alfanus, Rückdeckel (Ausschnitt; Gesamtabb.: [87] Abb. 128). Holzkern, Gold, Emailplatten, Edelsteine, Gesamtmaße 34 × 24 cm. Wohl Sizilien (Palermo?), zw. 1173 und 1182. Foto Marburg (Neg.nr. 130150).

26. Siegburg, ehem. Abteikirche St. Michael, Annoschrein, Knauf der Firstbekrönung. Vergoldete Bronze, vergoldetes Kupfer, Dm. ca. 8 cm. Köln, um 1183. Foto Rhein. Bildarchiv, Köln (Neg.nr. 145972).

27. Hildesheim, Diöz.mus., sog. Kreuz Heinrichs des Löwen aus Hl. Kreuz in Hildesheim, Vorderseite, Detail (Gesamtabb.: Die Diöz. Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart 46/47, 1978/1979, Abb. 192): Ende des rechten Kreuzbalkens. Holzkern, vergoldetes Silber, Edelsteine, Perlen, Gesamtmaße 40,7 × 32,2 cm. Niedersachsen (Hildesheim?), um oder kurz vor 1200. Foto Herm. Wehmeyer, Hdhm.

28 a und b. Köln, Dom, Dreikönigsschrein, Details: Salomoseite, Platte vom Dach oberhalb des Zwickels zwischen Joel und Aaron (a); Dreikönigsseite, Arkade über Kg. Otto IV, Balthasar und Melchior (b). Wohl A. 13. Jh. bzw. um 1206. Fotos Rhein. Bildarchiv, Köln (Neg.nr. L 246/35 und 59847).

29. Wien, Kh. Mus., Weltl. Schatzkammer, Inv.nr. XIII. 16, Scheide des Zeremonienschwertes (Ausschnitt; Gesamtabb.: [168] Abb. 35). Pergamentgefütterte Holzscheide, darüber mit vergoldeten Silberfäden umsponnenes Leinengewebe, Gold, Zellenschmelz, Perlen, Rubine, Gesamtlänge 92,5 cm. Palermo, vor 1220. Foto Marburg (Neg.nr. 131406).

30. Köln, St. Kunibert, Armreliquiar (Ausschnitt; Gesamtabb. RDK I 1109 Abb. 6). Holzkern, vergoldetes Kupfer, Grubenschmelzplättchen, Edelsteine. Köln, nach 1222. Foto Rhein. Bildarchiv, Köln (Neg.nr. 36424).

31. Mainz, Mrh. L.mus., Inv.nr. N 2633, Gewandspange Gold, Edelsteine (vergoldete Messingunterlage von 1875, 1961 erneuert), Dm. 7 cm. Mittelrhein, um 1220/1240. Foto Mus.

32 a und b. Marburg a. d. L., St. Elisabeth, Marienseite des Elisabethschreins, Details (Gesamtabb.: [62] Abb. 3): Sockel unter der Marienfigur (a; Zustand vor der Beraubung 1920), Ornamentplatten am Giebel (b). Vergoldetes Silber, vergoldetes Kupfer, Emailplättchen, Edelsteine. 1236–1249. Foto Marburg (Neg.nr. 14112 und 14126).

33. Bergen auf Rügen, St. Marien, Kelch. Vergoldetes Silber, Edelsteine, Perlen, H. 17 cm, Dm. der Kuppa 13,2 cm. Norddeutschland (Lübeck?), M. 13. Jh. Foto Inst. für Dpfl., Berlin/DDR (Thomas Helms, Schwerin).

34. Dresden, Hist. Mus., Inv.nr. VI/361, Scheide des Kurschwertes für Kf. Friedrich den Streitbaren von Sachsen (Ausschnitt; Gesamtabb.: Lord [Edward Francis] Twining, A Hist. of the Crown Jewels of Europe, Ld. 1960, S. 559, Taf. 197 a). Holz, roter Samt, vergoldetes Silber, F.email, L. 91 cm. Ungarn, vor 1425. Foto Dt. Fotothek, Dresden.

35. Meister des Bileam, Der hl. Eligius in seiner Werkstatt (Ausschnitt; Gesamtabb.: M. Geisberg a. a. O. [Sp. 1132]). Kupferstich, 11,5 × 18,5 cm. Nach M. 15. Jh. Foto Rijksprentenkabinet, Amst.

36. Erasmus Schleußner, Kelch. Vergoldetes Silber, F.email, H. 18 cm, Dm. des Fußes 14 cm. Breslau, Domschatz. Stiftung des Breslauer Domkanonikers Stanislaus Saur, dat. 1518. Foto Schles. Nat.mus., Breslau.

37. Mailand, Mus. Poldi Pezzoli, Gab. degli ori, Inv.nr. 717, Halskette. Gold, F.email, Gesamtlänge 52 cm, Dm. der Perlen ca. 0,8 cm. Venedig, 16. Jh. Foto Mus. (Neg.nr. 1761).

38. Étienne Delaune, Goldschmiedewerkstatt, 1. Fassung (Ausschnitt; Gesamtabb.: Ausst.kat. „Welt im Umbruch“, Augsburg 1980, Bd. 2 S. 240). Kupferstich, 9 × 12,5 cm. Signiert und dat. 1576. Foto Staatsgal. Stg., Graph. Slg.

39. Hans Ment, Deckelhumpen. Glas, Silber, an Fuß, Griff, Deckel und Knauf vergoldetes Silber, H. 21,5 cm. München, Bayer. Nat.mus., Inv.nr. 30/829. Augsburg, um 1590. Foto Mus.

40. Johann III Beckert, Altarvase. Vergoldetes Silber, H. 49,5 cm. München, Residenzmus., Inv.nr. 172. Augsburg, um 1689. Foto Gerhard Arand, Mchn.

41. Michael Hafner, Kinderbesteck. Silber, L. 14,0-18,1 cm. Zürich, Schweiz. L.mus., Inv.nr. 101–274. Augsburg, um 1690. Foto Mus. (Neg.nr. 49950).

42. Johs. Dopf, Krümme des Bischofsstabes des Salzburger Erzb. Jakob Ernst Graf Liechtenstein. Silber, teilvergoldet, Glassteine, Email (Wappen), L. 45 cm, Br. 27 cm. Salzburg, Dommus. Augsburg, 1739-1741. Foto Mus.

43. Jerusalem, Israel-Mus., Inv.nr. 142/43, Einband eines jüdischen Festtag-Gebetbuchs (Mahsor), Vorderseite mit Wappen der Paduaner Familie Marpurgo. Silber, teilvergoldet, 16 × 12 cm. Venedig, M. 18. Jh. Foto Mus. (Neg.nr. 75-1459).

44 a. Werkstatt eines Golddrahtziehers, Kupferstich (7,1 × 11,4 cm) aus [16] S. 137. 1761. Foto Verf.

44 b. Plättwalze zum Drahtwalzen (Fig. 5), Zängelmaß (Fig. 4) und Polierteil zum Polieren der Walzen (Fig. 6). Kupferstich (15,3 × 11,2 cm) aus ebd. Taf. IV (Ausschnitt). Foto Verf.

45. Berlin, Mus. für Dt. Volkskde., StMPK, Kat.nr. 30 F 183, Brustspange („Heftel“). Vergoldetes Silber, Türkise, gefärbtes Glas, Email, Dm. 13 cm. Siebenbürgen, 18. Jh. Foto Mus.

46. Nürnberg, Germ. Nat.mus., Inv.nr. TSb 595, Brustspange („Heftel“). Vergoldetes Silber, Türkise, farbiges Glas, Email, Dm. 11 cm. Siebenbürgen, 18. Jh. Foto Mus.

47. Schwäbisch Gmünd, Städt. Mus., Rosenkranz (Detail) mit Wallfahrtsmedaillen von Altötting und Maria Dorfen. Silber, teilvergoldet, Gesamtlänge 86 cm. Schwäbisch Gmünd, 18. Jh. Foto Mus.

48. Bankzögersbank. Kupferstich (19,2 × 14,6 cm) aus [28] Bd. 18, Drahtzieher Taf. 4 (Ausschnitt). 1790. Foto Verf.

49. Hamburg, Altonaer Mus., Inv.nr. AB 5982, Knopf. Silber, Dm. 2,7 cm. Ost- oder Nordfriesland, wohl E. 18. Jh. Foto Mus. (Neg.nr. 2316/193).

50. Hamburg, Altonaer Mus., Inv.nr. AB 1330, Mantelschließe (?) mit Monogramm TK. Silber, H. 5,3 cm, Br. 8,8 cm. Föhr (?), dat. 1797. Foto Mus. (Neg.nr. 27/373).

51. Zacharias Helms, Schürzenstecker („Platenstecker“). Silber, vergoldetes Silber, Email, Granate, Metallplättchen („Demanten“), H. 9,8 cm, B. 4,9 cm. Hamburg, Altonaer Mus., Inv.nr. 1914/1. Elmshorn, wohl E. 18. Jh. Foto Mus. (Neg.nr. 2316/225).

52. Nürnberg, Germ. Nat.mus., Inv.nr. Kl. 7833, Hemdspange mit Inhabermonogramm. Vergoldetes Silber, Metallplättchen („Demanten“), Dm. 8,15 cm. Vierlande, um 1807 (eingeritztes Datum). Foto Mus.

53. Hamburg, Mus. für K. und Gewerbe, Inv.nr. 1892.332, Gürtelschnalle. Silber, Metallplättchen („Demanten“), 7,0 × 7,7 cm. Wilstermarsch, dat. 1827. Foto Mus.

54. Hamburg, Altonaer Mus., Inv.nr. AB 1243, Schürzenhaken. Silber, Reste von Vergoldung, 7,2 × 8,1 cm. Föhr, um 1840. Foto Mus. (Neg.nr. 2316/358).

55. Schwäbisch Gmünd, Städt. Mus., Inv.nr. 1221, F.arbeiter („Sächsle’s Ure“) beim Biegen von F.schnörkeln. Wasserfarben auf Pergament, 9,5 × 7,8 cm. Wohl Schwäbisch Gmünd, 19. Jh. Foto Mus.

56. „Faulenzer“ zum Biegen von Galeriedraht. Grundblech mit Holzgriff, Metallstifte. Wohl Schwäbisch Gmünd, 19. Jh. Nach [60] Abb. 48.

57. Kevelaer, Nrh. Mus. für Volkskde. und Kulturgesch. (Leihgabe aus Priv.bes.), zweiteilige Schließe. Silber.

Holland oder Niederrhein, 19. Jh. Foto Helga Schmidt-Glassner, Stg.

58. Hamburg, Altonaer Mus., Inv.nr. AB 5976, Knopf. Silber, Metallplättchen, Dm. 3,4 cm. Föhr, wohl 19. Jh. Foto Mus. (Neg.nr. 2316/253).

59. Phasen der Herstellung eines F.knopfes, Schautafel im Altonaer Mus., Hamburg. Um 1930. Foto Mus. (Neg.nr. 2316/79).

60. Phasen der Herstellung eines F.griffes für einen Löffel. Nach [77] Abb. 30.

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Verweise