Feuerwehrgerät

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englisch: Fire-engine; französisch: Matériel de lutte; italienisch: Pompa d'incendio.


Paul Adolf Kirchvogel (1983)

RDK VIII, 521–530


RDK IV, 969, Abb. 5. Neunhof (Mfr.), 1783.
RDK VIII, 521, Abb. 1. Berlin, 1727.
RDK VIII, 523, Abb. 2. Nürnberg 1661.
RDK VIII, 525, Abb. 3. Fulda, 1700.
RDK VIII, 527, Abb. 4. Kirchheim unter Teck, 1738.
RDK VIII, 527, Abb. 5. Feuchtwangen, 1759.
RDK VIII, 529, Abb. 6. München, 1770 (1781).

I. Gattungen

Die hauptsächlichen Gattungen der F. sind: Feuerspritzen, die größte und wichtigste Gruppe der F., mit einer Mechanik, „wodurch man das darinnen vorhandene Wasser auf eine gewisse Entfernung mit Gewalt pressen kann“ (Jacob von Eggers, Neues Kriegs-Ingenieur- Artillerie- See- und Ritter-Lex., Dresden und Leipz. 1758, 1. Teil. Sp. 879; vgl. [11] S. 2).

Historische Benennungen: instrument zu den brunnen gehörig (vgl. [17] S. 359), Wassersprützen ([2] S. 96; [3] S. 60), Wasserkunst [18, S. 35], Wasserwerk (vgl. [28] S. 194); lat. sipho incendiarius ([12] S. 25; s. auch [19] S. 400ff.; [25] S. 59ff.); franz. pompes pour éteindre une incendie [9, bes. Teil 3 S. 186ff.], séringué pour éteindre une incendie [12, S. 25], pompe portative [13, S. 449].

Fässer (Spezialbezeichnungen s. [12] S. 57-72; vgl. RDK VII 496-536), Schöpfkübel, Kellen mit langem Stiel (diese auch aus weißem Blech; [12] S. 72); der Schöpfkübel ist seit dem 15. Jh. häufiges Attribut des hl. Florian, vgl. Braun, Tracht und Attribute, Sp. 261-264, Abb. 132.

Eimer (vgl. RDK IV 970 Abb. 5; [8] Sp. 750; Löschen eines nächtlichen Brandes mit Eimern: Gem. des Egbert Liviens van der Poel [1621-64], 1950 im Kunsthandel, s. Alfred Kamphausen, Wehe, wenn sie losgelassen. Die Brandkatastrophen in der bildenden K., Heide i. H. 1959, Abb. 22).

Feuerleitern (lat. scala incendiaria, franz. échelle à feu); s. [5] Taf. 1 u. ö.; [8] Sp. 756; [12] S. 74f.; [16] Abb. vor S. 59; Wilhelm Heinrichs, Der Werdegang der Feuerwehrleiter, Beitr. zur Gesch. der Technik und Industrie 18, 1928, S. 118-128, Abb. 1 und 3; [27] S. 13, 19, 21f.; Wolfgang Hornung, Vom Steigbaum zur Drehleiter, Technikgesch. 36, 1969, Nr. 3, S. 177ff.; ders., Aus der Historie der tragbaren Feuerwehrleitern, Brandschutz, Dt. Feuerwehrztg. H. 3, 1971, S. 62-68; [28] Abb. 9.

Feuer- oder Sturmhaken und Gabeln (auch Folgen genannt) aus Eisen zum Einreißen und -stoßen brennender Gebäude (vgl. [12] S. 75f.; [28] Abb. 9).

Verschiedene F. sind wiedergegeben auf einem Holzschnitt in Georg Agricola, De re metallica libri XII, Basel 1556, S. 408, auf einer Kupfertaf. der Berliner Feuerordnung von 1727 (Abb. 1) und auf einer „List of Articles“ der Firma Shand, Mason & Co, London, um 1830 (Sally Holloway, London’s Noble Fire Brigades 1833-1904, Ld. 1973, Abb. nach S. 36).

Nach den in Deutschland seit dem 13. Jh. vorliegenden Feuerordnungen wurden die F. zentral aufbewahrt (zu Feuerordnungen vgl. [17] S. 357; [20] S. 3f., 7, 9; [24] S. 57f.; [26] S. 14; [28] S. 66ff.) und zwar im Stadthaus oder Rathaus, am häufigsten im städt. Zeughaus (vgl. Mich. Wening, Historico Topographica descriptio ..., Bd. 1, Rentamt Mchn., Mchn. 1701, S. 4 und Paul von Stetten, Kunst-, Gewerb- und Handwerks-Gesch. der Reichs-Stadt Augsburg, Augsb. 1779, S. 23; 1509 wollte man in Linz „ein zewghaus fur fewr pawen“: Kdm. Österr. 42, S. 485); Handspritzen lagen teils in Holzschränken (vgl. [20] Abb. 13). Spezielle Spritzenhäuser wurden anscheinend erst seit dem 18. Jh. in größeren Städten gebaut, als Anzahl und Größe der F. zunahmen (nach der Feuerordnung für Baiern und die Oberpfalz, 1791, waren F. „im gemeinen Stadt-Bauhaus, oder nächst dem Rathaus, oder an einem bestimmten, und von der Verderbensgefahr befreyten Stadel, und Orte zu verwahren“; [12] S. 46: „Große Feuerspritzen sind in einem trocknen Schoppen, oder besonders dazu erbauten verschlossenen Spritzenhause zu verwahren“). Den Blick in ein Berliner Spritzenhaus von 1727 bietet Abb. 1, den in ein Zürcher Spritzenhaus von 1790 [20] Abb. 19 (vgl. ebd. S. 78f.).

Oft einziger Dekor all dieser Geräte sind besitzanzeigende Wappen; häufig tragen sie Daten und zeigen Schutzheilige gegen das Feuer.

An der Uniform, wie sie für die Feuerwehr in der 1. H. 19. Jh. aufkam (vgl. [18] S. 118ff.; [23] S. 69-71; [27] S. 21; [28] S. 162) sind spezielle Vorrichtungen zur Handhabung der F. in dem vom RDK behandelten Zeitraum nicht nachgewiesen. Besondere Schutzkleidung gibt es seit 1. H. 19. Jh. (z. B. wurde 1825 über die Erfindung einer Lederkappe über Kopf und Nacken berichtet, die vor den Augen Glasfenster hatte: Dinglers polytechnisches Journ. Bd. 17, 6. Jg., S. 167-170). S. auch Helm.

II. Feuerspritzen, ihre Konstruktion, ihr Dekor

A. Handspritzen

Handspritzen (Stockspritzen) gibt es seit der Antike. Die von Ktesibios von Alexandria um 200 v. Chr. erfundene zweizylindrige Wasserpumpe mit Saug- und Druckventil beschrieb Heron von Alexandria als Feuerspritze (Πνευματιϰά, I 28: ed.

Wilh. Schmidt, Lpz. 1899, S. 131-137, schemat. Darstellung Fig. 29); vgl. auch Vitruv, De archit. X,7: „machina ctesibica“ ([11] S. 2ff.; [13] S. 430ff.; [19] S. 400-402; [25]; Ph. Buttmann, Beitr. zur Erläuterung der Wasserorgel und der Feuersprütze des Hero und des Vitruv, Bln. 1811 [Akad. der Wiss. zu Bln., Hist.-philol. Kl. 1804-1811]).

Einfache einzylindrige Handspritzen aus Messing oder Kupfer kamen A. 15. Jh. in Nürnberg wieder auf und waren schnell verbreitet; bei 60-80 cm Länge faßten sie 1-2,5 1 Wasser [26, S. 15f.] und besaßen gelegentlich ein Wenderohr oder Gelenk [20, Abb. 1f., 12]. Hersteller waren Kupfer- und Rotschmiede (Hans Sachs, Eygentliche Beschreibung Aller Stände auff Erden, ..., Ffm. 1568, Holzschnitt Nr. 65, 68, von Jost Amman; [11] S. 22). Häufig sind Handspritzen auch aus Holz ([12] S. 25-29; [20] Abb. 12; [23] Abb. nach S. 32). Die Formen blieben bis ins 19. Jh. nahezu unverändert (vgl. G. Agricola a. a. O. [Sp. 523]; [2] Titelkupfer: ein Putto mit Handspritze als Element des Wassers, Heron von Alexandria; [12] S. 29ff., Fig. 652).

Zu Sonderformen der Handspritze vgl. [6] Titelkupfer; [12] S. 29f., Fig. 653; ebd. S. 32, 36; [14] S. 20f.; [18] S. 210 Abb. 251f.; [28] Abb. 39.

B. Größere Feuerspritzen

Größere Spritzen, zu deren Transport und Bedienung mehr als ein Mann nötig ist, wurden im 16. Jh. entwickelt (erste urkdl. Erwähnung 1517/18, s. Sp. 526). Es lassen sich zwei Haupttypen unterscheiden:

1. Kastenspritzen

Kastenspritzen (Handdruckspritzen) haben ein ein- oder zweizylindriges Druckwerk, das in einem mit Kupfer ausgeschlagenen Holzkasten oder in einer Kupferwanne sitzt. Die Kolben in den Zylindern werden durch Druckstangen bewegt; diese sind in Holz- oder Eisengabeln am Kastenrand eingehängt und liegen über dem Druckwerk auf Böcken (vgl Abb. 3). Hersteller der Pump- und Druckwerke waren Goldschmiede und, während der ruhigen Zeit des Winters, Glocken- und Stückgießer (P. von Stetten a. a. O. [Sp. 523] S. 229-240; [17] S. 356ff.; [22] S. 173, 176, 178).

Böcke aus Holz sind häufig mit Knäufen, Rosetten und ähnlicher Drechslerarbeit verziert [28, Abb. 29f., 33f.], eiserne mit geschmiedeter Ornamentik ([20] Abb. 18, 27; [22] Abb. 1f.; 4). Auch rein technische Details erhielten öfters reiche Verzierung; so sind z. B. bei einer Feuerspritze von 1743 alle Muttern und Schrauben gekerbt, die Gabeln und die Achsenstifte der Räder gemustert (ebd. S. 170).

a. Anfänglich waren die Kastenspritzen sog. Schlag- oder Stoßspritzen, so benannt, weil das Wasser nur stoßweise aus ihnen herausgepreßt werden kann. Einen ununterbrochenen Wasserstrahl ermöglichte erst der 1655 von dem Nürnberger Zirkelschmied Joh. Hautsch erfundene Windkessel (techn. Erläuterung bei [7] S. 120f.; [9] S. 190f.; [11] S. 76ff.; [12] S. 29; [13] S. 451f.; [26] S. 133ff.; zu einer antiken Vorform dieser Druckausgleichsvorrichtung, dem sog. Heronsball des Philo von Byzanz, um 170 v. Chr., vgl. [25] bes. S. 57; Claude Perrault, Les dix Livres d’Archit. de Vitruve, Paris 21684, S. 317-319 rekonstruierte Vitruvs „machina ctesibica“ [s. Sp. 524] mit Windkessel). Bei der von den Malern und Radierern Jan van der Heide d. Ä. und Jan van der Heide d. J. erfundenen und 1690 mit ausführlichem Text veröffentlichten sog. Schlangenspritze [5] wurden erstmals Schläuche statt metallener Wenderohre verwendet; sie waren zunächst aus Leder, später aus nahtlos gewebtem Hanf (Joh. Chrn. Neubert, Nachricht von den Schlangen-Spritzen, hänfenen Schläuchen..., Hess. Beitr. zur Gelehrsamkeit und K., Bd. 1, 1. Stück, Ffm. 1785, S. 97-109; vgl. [26] S. 135f.; [29]). Eingesetzt wurde die neue Spritze erstmals 1673 in Amsterdam [5, Taf. 7 zu S. 17].

Beide Erfindungen, obwohl sogleich stark beachtet, setzten sich erst allmählich im Lauf des 18. Jh. durch (zu den Gründen s. [26] S. 137, 140). In Deutschland stellte zuerst J. Leupold [7] 1724 die Windkesselspritzen systematisch dar. Gerade die künstlerisch interessanten Spritzen sind in technischer Hinsicht nicht selten veraltet gewesen.

b. Die einfachsten Vorrichtungen zum Transportieren waren geschmiedete eiserne Tragegriffe [28, Abb. 40] oder hölzerne Tragestangen ([4] Taf. 21; [20] Abb. 13 u. ö.).

Kastenspritzen auf Kufen (Schlitten, Schlaipfen, Schlaiffen, Schleifen) gehen wohl auf bis ins 19. Jh. verwendete Wasserzubringer zurück (nachgewiesen 1509 im Baumeisterbuch von Augsburg: [17] S. 358; [16] Vortitel; [10] Taf. VI Fig. 5; [12] Fig. 658) und waren mindestens seit der 2. H. 16. Jh. weit verbreitet (Feuerordnung der Stadt Passau 1587, gedr. Passau 1588, Bl. Aiiij). Noch E. 18. Jh. wurde ihr Bau empfohlen ([11] S. 21ff.; [12] S. 53). Im Bild dargestellt sind sie erstmals 1614 ([1] Taf. 23; [9] Taf. 14 Fig. 2; [11] Taf. 3 Fig. 14; [12] Fig. 660). Gelegentlich haben die Kufen zusätzlich Tragegriffe: Kastenspritze um 1700 mit gedrechselten Kantenstäben, alle Seitenwände mit Rankenmalerei um ein kleines Bildfeld [20, Abb. 4].

Eine größere auf ein Fahrgestell montierte Feuerspritze ist erstmals 1517 und 1518 im Baumeisterbuch von Augsburg bezeugt; für ihre Herstellung wurde der Goldschmied Anton Plainer bezahlt (P. von Stetten a. a. O. [Sp. 523] S. 112; [13] S. 446f.; [17] S. 359; W. Hornung, Aus der Chronik des bayer. Löschgerätebaues, Brandwacht 11, 1960, S. 212). In größerer Anzahl wurden fahrbare Spritzen erst A. 17. Jh. in Nürnberg gebaut (vgl. [18] S. 33f.; [26] S. 56f.; [28] S. 194; zur technischen Vorgeschichte im 16. Jh. s. [26] S. 56ff.): im 18. Jh. empfand man sie manchmal als „kostbare und unbequeme Wagengebäude“ [10, S. 3]. Zu den ältesten erhaltenen Spritzen dieser Art gehört die von 1624 aus Schloß Bieberstein im Feuerwehrmus. Fulda [22, S. 172 Anm. 1].

c. Die Kasten der Spritzen erhielten oft Dekor.

Heinrich Zeising stellte 1614 eine Wagenspritze mit aufgesetztem Balustergitter und unten umlaufenden Blattwerkstreifen vor [1, Taf. 22]. Hans Hautsch’s Spritze, 1661 bei Andres Böckler wiedergegeben, hatte gerahmte Felder an den Wänden, gedrechselte Knäufe an den Ecken des Kastens (Abb. 2; [16] S. 36; schlichter gestaltet war Hautsch’s Spritze von 1655: ebd. S. 35, Abb. 13). Auf dem Kasten der Schlagspritze aus Ossingen sind Neptun (= Wasser) und Jupiter (= Feuer) gemalt; auf einer Schmalseite steht „Man braucht mich in der Noth / Dar Vor behüett Euch Gott 1707“ ([20] S. 43; [26] S. 138; s. auch [28] Abb. 22). Die Musterzchg. Abb. 4 zeigt eine Kartusche mit dem Spruch „Gott bewahr Euch vor steter Noth“ zwischen Palmwedeln über bandelwerkartiger Ornamentik (Kann Peters, Eine Feuerspritze aus d. J. 1738, in: Fs. 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Kirchheim unter Teck, o. O. und J., S. 74f.).

Im späteren 18. Jh. ist die Skala künstlerischer Gestaltung reichhaltiger und an zahlreichen Beispielen zu belegen. Häufig sind Blumen und Ranken in Malerei und Schnitzwerk (z. B. Spritze von 1754: [22] Abb. 2). Mehrere Generationen der Familie Bach stellten im 18. Jh. geschmückte Feuerspritzen her [22]; zahlreiche, z. T. mit gemaltem Dekor gezierte Feuerspritzen stammen von der Familie Kurtz, ansässig in Reutlingen und Stuttgart (Hans Jürgen Schulz, Dem Nächsten zur Wehr. Hist. F. aus dem Feuerwehrmus. in Salem, Baden, Konstanz 1978, ohne Seitenzählg.; vgl. Abb. 6). Joh. Samuel Halle empfahl 1772, daß man Kästen „wider das Rosten mit Ölfarbe anstreicht, mit Zierathen bemalt“ ([10] S. 212; ebd. Taf. IV Fig. 3 gibt einen Kasten mit aufgemalter Fontäne in einer Muschel wieder); zur Verwendung der Ölfarbe s. auch [12] S. 34, zu der von „Mahlerfirnis“ auf „Kühnruß“ [11] S. 86f. Unter den figürlichen Darstellungen sind die der hl. Schutzpatrone bevorzugt. Auf einer vermutlich in Eichstätt gefertigten und 1759 der Pfarrgemeinde Herrieden geschenkten Spritze sind auf die Längsseite die hll. Florian, Afra, Eulalia und Vitus gemalt, den vorderen Kanten sind geschnitzte Delphine vorgesetzt und auf dem Fahrgestell ist eine geschnitzte Maske angebracht (Abb. 5; [22] S. 177f.). Das Bild der Pfarrpatronin Rosalia ist einer Spritze aus Deutsch-Rumbach/Oberelsaß aufgemalt (Mus. der Feuerwehr, Mühlhausen i. E.), das der Pfarrpatrone Petrus und Paulus einer Spritze von 1790 aus Nordheim/Unterelsaß (Straßburg, Elsäss. Mus.: [28] S. 271, 210, Abb. 29f.). - Ein Holzrelief mit dem auf Felsen hockenden Neptun trägt die Kastenvorderseite der Wagenspritze des Mechanikers Joh. Heinr. Lauer in Haarhausen, Hessen, von 1781, heute Dt. Mus. München, die Rückseite zeigt eine Versinschrift mit Herstellernamen und Jahreszahl (Walter Panofsky und Friedr. Klemm, Dt. Mus. München, Mchn. 1973, Farbtaf. S. 28). Mehrere Belege für Herstellerinschriften bietet [22] S. 170-172).

Seit Erfindung der Dampffeuerspritze durch John Ericsson und John Braithwaite 1829 in London (kolorierte Zchg. der Erfinder: „Descriptive Cat. of the Coll. Illustrating Fire Fighting Appliances“, Ld., Science Mus., 1969, Nr. 22, Abb. 16) tritt die künstlerische Ausstattung der Feuerwehrwagen immer mehr zurück.

Einwirkungen volksfrommen Brauchtums auf Inschriften und Dekor der F. konnten bisher nicht nachgewiesen werden (zum Brauchtum vgl. [8] Sp. 722f.; [21] S. 2-4; Herbert Freudenthal, Das Feuer im dt. Glauben und Brauch, Bln. und Lpz. 1931, S. 269ff., 386ff.; [28] S. 143ff.).

2. Pra(h)mspritzen

Pra(h)mspritzen sind floßähnliche Kähne - Pra(h)men - mit unter einen Turm montiertem Saug- und Druckwerk ([10] Taf. VI Fig. 5; [12] Fig. 658). „Die Pramspritze vereinigt die Dienste einer Schlauchspritze und zugleich des Anbringers (Zubringer)“ [10, S. 215]: bei Bränden in Gewässernähe diente sie als Feuerspritze, sonst füllte man mit ihrer Hilfe Zuber und brachte diese zu den am Brandherd eingesetzten großen Wagenspritzen ([16] Vortitel: Kupfertaf. der Berliner Feuerordnung von 1727).

Zu den Abbildungen

1. Kupferstich aus der Berliner Feuerordnung von 1727. Nach [16] Abb. vor S. 59.

2. Feuerspritze, konstruiert von Hans Hautsch, Nürnberg. Kupferstich aus [3] Fig. 154. 1661. Nach dem Orig.

3. Feuerspritze. Fulda, Vonderau-Mus. der Stadt. 1700. Foto Verf.

4. Noa Ruthard und Joh. Gg. Wörner (Kupferschmiede), Musterzchg. für eine Feuerspritze. Bleistiftzchg., koloriert, 42 × 33,5 cm. Kirchheim unter Teck, Stadtarchiv, A 544.1738. Foto Heudorfer, Kirchheim unter Teck.

5. Feuerspritze. Feuchtwangen, Heimatmus. Eichstätt (?), 1759. Foto Verf.

6. „Attestum“ des Rats von Reutlingen für den Spritzenmacher Franz Kurtz und seine Söhne. Kolorierter Kupferstich, 34x40,5 cm. München, Dt. Mus., Planslg. Nr. 7915. Dat. 1770, handschriftlich korrigiert in 1781. Foto Mus.

Literatur

1. Heinr. Zeising, Theatrum Machinarum, Altenburg 1614, 2. Teil. – 2. Salomon de Caus, Von Gewaltsamen bewegungen. Beschreibung etlicher, so wol nützlichen alss lustigen Machiner..., Ffm. 1615 (im selben Jahr franz. Ausg. o. O.). - 3. Andreas Böckler, Theatrum Machinarum Novum, Das ist: Neu-vermehrter Schauplatz der Mechanischen Künsten, Handelt von ... Beneben Nützlichen Wasserkünsten Als da seynd Schöpff- Pomppen-Druck- Kugel- Kästen- Blaß- Wirbel-Schnecken Feuer-Sprützen und Bronnen-Wercken, Nürnberg 1661. - 4. Jos. Furttenbach, Mannhaffter Kunst = Spiegel..., Augsb. 1663, S. 171-174. - 5. Jan van der Heide d. Ä. und d. J., Beschryving Der nieuwlijksuitgevonden en geoctrojeerde Slang-Brand-Spuiten, Amst. 1690. - 6. Jacob Leupold, Kurtze Nachricht von einer Neuerfundenen kleinen, aber dabey sehr dauerhafften Feuer-Spritze, Lpz. 1719. - 7. Ders., Theatrum Machinarum Hydraulicarum. Oder Schau-Platz der Wasser-Künste, Lpz. 1724. - 8. Zedler Bd. 9, Sp. 750 („Feuer-Eimer“), 756 („Feuer-Leiter“), 757-760 („Feuer-Löschende Machine“). - 9. Bernard Forest de Belidor, Archit. Hydraulique, ou l’Art d’Elever et de Ménager les Eaux pour les différens Besoins de la Vie, 2 Teile in 4 Bdn., Paris 1737-1753. - 1O. Joh. Samuel Halle, Werkstäte der heutigen Künste, oder die neue Kunsthistorie, Bd. 5, Brandenburg und Lpz. 1772, S. 208-218. - 11. Wilh. Gottlieb Hesse, Praktische Abh. zu Verbesserung der Feuerspritzen ..., Gotha 1778. - 12. Krünitz Bd. 13, S. 19-157 („Feuer-Anstalten ...“, darin enthalten: „Feuergeräthschaft“). - 13. Joh. Beckmann, Beyträge zur Gesch. der Erfindungen, Bd. 4, Lpz. 1799, S. 430-463 („Feuersprützen“). - 14. Conrad Dietrich Magirus, Alle Theile des Feuer-Lösch-Wesens, Ulm 1850. - 15. R. Vogelsang, Der Bürger als Feuerwehrmann, Annaberg 1860. - 16. Ottomar Fiedler, Gesch. der dt. Feuerlösch- und Rettungsanstalten, Bln. 1873. - 17. Chrn. Meyer, Die alten Feuerordnungen der Stadt Augsburg, Zs. des Hist. Ver. für Schwaben und Neuburg 1, 1874, 356-75. - 18. C. D. Magnus, Das Feuerlöschwesen in allen seinen Theilen nach seiner gesch. Entwicklung von den frühesten Zeiten bis zur Gegenwart, Ulm 1877. - 19. Theodor Beck, Beitr. zur Gesch. des Maschinenbaues, Bln. 21900, bes. S. 396-404. - 20. Alb. Heer, Das Feuerlöschwesen der guten alten Zeit, Zh. 1916. - 21. Paul Artur Frank (Hrsg.), Das Dt. Feuerwehrbuch, Dresden und Wien 1929. - 22. Albr. Kippenberger, Die Feuerspritze aus Schweinsberg a. d. Ohm ..., Hessenland 46, 1935, 169-178. - 23. (Hans G. Kernmayr [Hrsg.]) Der Goldene Helm. Werden, Wachsen und Wirken der Feuerwehren, Mchn. 1956. - 24. Egid Fleck, Der Feuerlöschdienst „anno dazumal“, in: [23] S. 56-71. - 25. Wolfg. Hornung, Die Feuerlöschpumpe im Altertum, VFDB Zs. (Vereinigung zur Förderung des Dt. Brandschutzes e.V.) 7, 1958, S. 56-62. - 26. Ders., Die Entwicklung der Feuerlöschpumpe vom ausgehenden MA bis zum 18. Jh., ebendort 9, 1960, S. 14-18, 56-59, 133-140. - 27. Ders., Kleine Feuerwehrgesch. Brandschutz und Löschgerätetechnik von der Antike bis zur Gegenwart, Stg. 1965 (Die Roten Hh., 21). - 28. Médard Barth, Großbrände und Feuerlöschwesen des Elsaß vom 13.-20. Jh. mit Blick in den europ. Raum, Bühl i. B. 1974 (Veröffn. des Alemann. Inst. Frbg., Nr. 35). - 29. Lyckle de Vries, Post voor Jan van der Heyden, Oud Holland 90, 1976, S. 267-274.