Festaufzug, Festeinzug

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englisch: Entry, procession; französisch: Entrée solennelle, cortège de fête; italienisch: Processione solenne.


Rainer Roy und Friedrich Kobler (bes. Spät-MA) (1987)

RDK VIII, 1417–1520


RDK IV, 1493, Abb. 23. Dresden, 1807.
RDK VI, 623, Abb. 5. Giorgio Vasari (Umkreis), um 1566, Florenz.
RDK VII, 937, Abb. 16. Giorgio Vasari (Umkreis), um 1566, Florenz.
RDK VII, 1035, Abb. 17. Giorgio Vasari (Werkstatt), um 1565, Florenz.
RDK VII, 1035, Abb. 18. G. Vasari (Werkstatt), um 1565, Florenz.
RDK VIII, 1283, Abb. 29. Giorgio Vasari (Werkstatt), 1566, Florenz.
RDK VIII, 1417, Abb. 1 a. Koblenz, um 1340.
RDK VIII, 1419, Abb. 1 b. Koblenz, um 1340.
RDK VIII, 1419, Abb. 2. Paris, 1379 oder kurz zuvor.
RDK VIII, 1421, Abb. 3. Bern, 1483.
RDK VIII, 1423, Abb. 4 a. Berlin, um 1496.
RDK VIII, 1423, Abb. 4 b. Berlin, um 1496.
RDK VIII, 1425, Abb. 4 c. Berlin, um 1496.
RDK VIII, 1425, Abb. 4 d. Berlin, um 1496.
RDK VIII, 1427, Abb. 5 a. Wien, um 1515.
RDK VIII, 1429, Abb. 5 b. Wien, um 1515.
RDK VIII, 1433, Abb. 6 a und b. Nikolaus Hogenberg, nach 1530.
RDK VIII, 1435, Abb. 7 a und b. Wien, 1531.
RDK VIII, 1437, Abb. 8. Dresden, 1574.
RDK VIII, 1439, Abb. 9. Sigmund Elsässer, um 1580, Ambras.
RDK VIII, 1441, Abb. 10. Peter Opel, um 1586, Regensburg.
RDK VIII, 1445, Abb. 11. Daniel Bretschneider, um 1591, Dresden.
RDK VIII, 1447, Abb. 12. Marten de Vos (Entw.) und Pierre van der Borcht (Ausf.), Antw. 1595.
RDK VIII, 1449, Abb. 13. P. van der Borcht, Antw. 1602.
RDK VIII, 1451, Abb. 14. D. Bretschneider, 1602, Dresden.
RDK VIII, 1453, Abb. 15. Gg. Donauer (Entw.) und Friedr. Brentel (Ausf.), Schwäbisch Gmünd 1610.
RDK VIII, 1455, Abb. 16. Lorenz Strauch, 1612, Nürnberg.
RDK VIII, 1461, Abb. 17. Felix Höpfinger, 1612, Nürnberg.
RDK VIII, 1461, Abb. 18. Regensburg, 1613.
RDK VIII, 1465, Abb. 19. Antonie Mirou (?), Frankenthal 1613.
RDK VIII, 1467, Taf. I A und B. Franciscus und Michael Tramezini (?), 1580.
RDK VIII, 1469, Taf. II A und B. Franciscus und Michael Tramezini (?), 1580.
RDK VIII, 1471, Abb. 20. Lübeck, bald nach 1617.
RDK VIII, 1473, Abb. 21. Theod. van Thulden, Antw. 1641.
RDK VIII, 1477, Abb. 22. Caspar Merian, Ffm. 1693.
RDK VIII, 1479, Abb. 23. Frankfurt a. M., 1702.
RDK VIII, 1481, Abb. 24. Joh. Melchior Dinglinger, 1709, Dresden.
RDK VIII, 1483, Abb. 25. Joh. Samuel Mock (Entw.) und Joh. Gg. Wolffgang (Ausf.), 1718/1719 (?).
RDK VIII, 1485, Abb. 26. Nach 1719.
RDK VIII, 1489, Abb. 27. Dresden, nach 1719.
RDK VIII, 1491, Abb. 28 a. Joh. Wolfg. (?) Albrecht (Entw.), Ostertag und Holdenriter (Ausf.), Frankfurt a. M. 1742.
RDK VIII, 1493, Abb. 28 b. M. Rößler, Frankfurt a. M. 1743.
RDK VIII, 1497, Abb. 29. Frankfurt a. M., 1764.
RDK VIII, 1501, Abb. 30. Thomas Albr. (?) Pingeling, 1775.
RDK VIII, 1505, Abb. 31. Franç. Louis Prieur (Entw.) und Pierre Gabriel Berthauld (Ausf.), Paris 1802.
RDK VIII, 1509, Abb. 32. Neustadt a. d. H. 1833.
RDK VIII, 1513, Abb. 33. Gustav Kraus, Mchn. 1835.
RDK VIII, 1519, Abb. 34. Donat Hübschmann, Wien 1566.

E. = Einzug, Festeinzug; F. = Festaufzug

I. Allgemeines

A. Im Folgenden werden die beiden Hauptformen des festlichen Zuges berücksichtigt, der Festeinzug (Einzug) und der Festaufzug. Der E., der „feierliche Auffzug eines Landesherrn in einer seiner Städte, bey Antritt der Regierung oder anderer Gelegenheit“ (Zedler, Bd. 8 Sp. 608), steht in Bezug zu einem Rechtsakt, ist durch Zeremoniell geregelt und findet in der Öffentlichkeit statt. Der F. dagegen ist ein Aufzug im Rahmen eines Festes oder einer Feier und bedarf nicht unbedingt der Öffentlichkeit; bei ihm legen Personen den Weg in einer fallweise festgelegten Ordnung zurück.

Durch den Kultus geregelte Züge werden in eigenen Artikeln behandelt, s. Fronleichnam, Prozession; zum Trauerzug und der durch diesen Anlaß geforderten besonderen Ausstattung s. *Leichenbegängnis.

Teilnahme, Organisation, Form und Ausstattung sowohl eines E. als auch eines F. richtet sich nach dem jeweiligen Anlaß. In unserem Zusammenhang von Interesse sind ausschließlich die für E. oder F. hergestellten Werke der bildenden Kunst und jeglicher Art von Kunsthandwerk, die der Realisierung des Zuges und des dafür entworfenen Programms dienen. Nicht behandelt werden Aspekte der Sozial- und der Theatergeschichte sowie der Volkskunde.

1. Der E. des Herrschers war, zumal solange die Regenten keine feste Residenz hatten, ein verhältnismäßig häufiges Ereignis. Mit besonderem Aufwand wurde der E. des neu gewählten Königs zur Thronsetzung und zur Krönung begangen. Auch wenn der König nach seiner Krönung erstmals in eine Stadt kam, war dies Anlaß für einen besonders aufwendigen E.; gleiches gilt für den ersten E. eines Territorialherrn in eine seiner Städte. Eigene Formen scheinen sich für E. in eroberte Städte herausgebildet zu haben (s. Sp. 1436 und 1464).

Einziehen konnten auch Bevollmächtigte eines Herrschers (z. B. Gesandte, Kommissäre, Statthalter) und Mitglieder seines Hauses.

Der E. stand meist am Ende einer Reise oder Reiseetappe. Es kam aber auch vor, daß der Einziehende erst Tage oder gar Wochen nach seinem Eintreffen am Ort den E. förmlich vollzog (wenn nämlich die Voraussetzungen erst geschaffen werden mußten, um eine dem Rechtsanspruch gemäße Demonstration von Macht und Reichtum aufbieten zu können; auch praktische Erwägungen konnten eine Rolle spielen; vgl. Siegfr. Sieber, Volksbelustigungen bei dt. Kaiserkrönungen, Archiv für Frankfurts Gesch. und K. 3. F. 11, 1911, S. 1ff., bes. S. 33).

2. Der F., für dessen Gestaltung sich mancherlei Konventionen herausgebildet hatten, wurde in der Regel mit großem Schaugepränge veranstaltet.

Veranstalter und Teilnehmer am F. präsentierten sich ihrer eigenen ständischen Schicht. Das änderte sich erst im 19. Jh.

An Fürstenhöfen waren F. bis in das 19. Jh. „Zwischenakte“ zwischen den verschiedenen Arten von Ritter-(Reiter-)spielen, Ringrennen und ähnlichen Lustbarkeiten (vgl. Abb. 8, 11f., 15, 22, 25-27), und bei diesen F. wurde oft auf Ereignisse und Personen in allegorischer Verschlüsselung hingewiesen. – Im städtischen Festwesen wurde der F. meist von einer einzigen Gruppe bestritten (z. B. vom Rat, von einer [Schützen-]Gesellschaft, einer Zunft oder Gilde) und wandte sich - Huldigungsfeste ausgenommen – an Zuschauer der selben ständischen Schicht.

B. Zusammenfassende Untersuchungen über E. und F. im deutschen Sprachgebiet gibt es nicht. Die vorliegenden Veröffentlichungen behandeln beschränkte Zeiträume (vgl. [19] und [20]), E. und F., die an einem bestimmten Ort (z. B. [13] und [14]) oder zu einem einzelnen Anlaß [23] stattfanden. Häufig sind die regional begrenzten, allgemein gehaltenen Darstellungen des Festwesens, in denen über E. und F. jedoch nur unter anderem berichtet wird (z. B. [22]; Eberh. Straub, Repraesentatio Maiestatis oder churbayer. Freudenfeste, Mchn. 1969 Miscellanea bavarica monacensia, 14]; Karl Vocelka, Habsburgische Hochzeiten 1550-1600, Wien, Köln und Graz 1976).

Eine Bibliographie der anläßlich von E. und F. im deutschen Sprachgebiet erschienenen Druckschriften gibt es nicht; als Behelf sei verwiesen auf [1]. Die Beschreibungen der E. anläßlich der Krönung in Frankfurt a. M. sind verzeichnet bei S. Sieber a. a. O. (Sp. 1419) S. 107-114 und bei [22]; zu den E. Karls V. in Aachen s. Emil Fromm, Zs. des Aachener Gesch.ver. 17, 1895, S. 211; Arthur Richel, ebendort 25, 1903, S. 264f.; Friedr. Classen, ebendort 36, 1914, S. 11ff.; zu E. und F. Karls V. allgemein Jean Jacquot in: [15] S. 486-491.

Was für das deutsche Sprachgebiet gilt, das gilt auch für Italien; vgl. [3]. Zu Venedig: Bianca Tamassia Mazzarotto, Le feste veneziani, Flor. 1961; zu Florenz: Pietro Gori, Le feste fiorentine attraverso i secoli, Bd. 1-2, Flor. 1926 und 1930; zu Savoyen: Gualterio Rizzi, Rep. di feste alla corte di S. 1346-1669, Turin o. J.; zu Rom: Maurizio Fagiolo dell’Arco und Silvia Caradini, L’effimero barocco. Strutture della festa nella Roma del’ ’600, Bd. 1-2, Rom 1977-1978 (Bibl. di storia dell’arte, 10f.). Anders ist die Situation in Frankreich, wo spätestens seit dem 17. Jh. das ausgeprägte historische Interesse zu Sammelwerken über E. und F. geführt hatte (s. Sp. 1481). Für England gibt es Zusammenstellungen von Festliteratur bei R. Withington (Sp. 1458) und David M. Bergeron, English civic pageantry 1558-1652, Ld. 1971. Die reichste Bibliographie zum Festwesen in Spanien ist zitiert Sp. 1481, die zu den E. und F. in den Niederlanden bietet [3].

Angesichts dieser Forschungslage sind im Folgenden primär handschriftliche und gedruckte Quellen herangezogen. Ihr Quellenwert hängt davon ab, ob es sich um die Mitteilung von Konzepten handelt oder um Beschreibungen von real vonstatten gegangenen Zügen.

In den Abschnitten III–VII wird in der Regel das zu einer bestimmten Zeit in einem Land Übliche anhand eines dem Verf. exemplarisch erscheinenden Beispiels charakterisiert. Dank der Abhandlungen der Neuzeit bürgerten sich mehr oder minder fest erscheinende Regeln für die Gestaltung von F. ein, und an diese hielt man sich u. U. über längere Zeit hin. Um im Folgenden ständige Wiederholungen zu vermeiden, wird der F. ebenso wie der E. nur im Abschnitt über denjenigen Zeitraum gedacht, in dem von den F. derjenigen Zeit zu berichten ist, zu der sie in ihrer charakteristischen Form erstmals oder erstmals in größerem Umfang genauer zu belegen sind.

C. Die bildliche Überlieferung von E. und F. scheint im 14. Jh. einzusetzen. Zur Lektüre der Bilder bedarf man der Kenntnis der schriftlichen Quellen. Dies hat vielerlei Ursachen: Die Bilder, vor allem die aus älterer Zeit, sind manchmal abbreviierte Schilderungen des Zuges (vgl. Abb. 2), zeigen nur eine Einzelheit, die als wesentlich empfunden wurde (z. B. Abb. 1 a und b); Rang, Titel, Funktion, Name oder Bedeutung von Teilnehmern (Einzelpersonen wie Gruppen) ist dem Bild oft nicht zu entnehmen (vgl. Abb. 4 a). Häufig illustrieren die Bilder Texte und sind diesen zur Veranschaulichung beigegeben, oft mit Numerierungen versehen (Abb. 12f., 15,19, 21f., 28 a und b, 31, 34). Vielfach sind die Abbildungen selbst betextet, sei es innerhalb der Darstellungen (z. B. Abb. 22 und 33), sei es in einer mehr oder minder langen Unterschrift (z. B. Abb. 25-27), ja in einer dem Bild beigefügten „Teilnehmerliste“ (s. Abb. 30).

Für die Wiedergabe eines E. oder F. wurde - auch bei abbreviierender Darstellung- die S-förmige Anordnung der Teilnehmer bevorzugt. Im 15. Jh. sind die Beispiele dafür noch selten (eines bietet Abb. 3), seit dem 16. Jh. ist sie die übliche Form, vor allem dann gewählt, wenn ein sehr langer Zug auf einem einzigen Blatt abgebildet werden sollte (z. B. Abb. 10, 26, 28 a und b, 30, auch Abb. 22). Eine andere Form der Wiedergabe des Zuges ist die in Einzelbildern, die vor allem zur Illustration von Büchern dienten (so Abb. 4 a-d, 5 a und b, 8, 11-14, 21, 34) oder als Bücher zusammengebunden wurden (z. B. Abb. 25). Einzelbilder wurden bisweilen so angelegt, daß man sie zu einem Fries zusammenkleben konnte (Abb. 20); manchmal teilte man die Wiedergabe einer Person oder Sache auf zwei aneinandergrenzende Blätter auf, um die Paßgenauigkeit zu verbessern (vgl. Abb. 6 a und b). Friesartige Darstellungen konnten in Form von Rollen aufbewahrt werden (Beispiel die Aquarelle von Sigmund Elsässer, um 1580: Elisabeth Scheich er, Ein Fest am Hofe Erzhzg. Ferdinands II., Jb. Kh. Slgn. 77 [N.F. 41], 1981, S. 119-153; vgl. Abb. 9). Eine Mittelstellung zwischen Einzelbild und Fries kommt den Falttafeln - meist Buchillustrationen -zu, auf denen jeweils mehrere Gruppen wiedergegeben sind (Ausschnitt aus einer solchen Tafel: Abb. 15).

D. Die Ausschmückung der Straßen, Gassen und Plätze vor allem zu E. hat viel Ähnlichkeit mit der anläßlich von Prozessionen. Auf den Straßen streute man „palmae“ (E. Heinrichs II. 1002 in Aachen anläßlich der Thronerhebung: Adalboldi vita Heinrici II. imperatoris, lib. 5: MGSS 4 [1841] S. 687.2-5) oder Binsen und Gras (für Aachen erstmals 1344 bezeugt: S. Sieber a. a. O. [Sp. 1419] S. 15). Die Häuser behängte man mit Tüchern, auch mit Bildteppichen (so in Aachen 1273 zur Krönung Rudolfs L: Johannes von Viktring, Liber certarum historiarum, ed. Fedor Schneider, Hann. und Lpz. 1909 [MGSS rer. Germ.], S. 268, „tapetibus stratoriis“), in Frankreich überspannte man zeitweise ganze Straßenzüge und Brücken mit bunten Tüchern (Jean Jacquot [Hg.], Les fêtes de la Renss., Paris 1956, Taf. VI Fig. 12; s. Sp. 1444). Im 19. Jh. kam allenthalben Flaggenschmuck hinzu.

Zur Hausdekoration gehörten in der Neuzeit grüne Festons, Girlanden und Kränze.

Die prunkvolle Ausschmückung des Zugweges durch Aufhängen von Festons mit Wappenbildern über den Straßen (vgl. Abb. 16) war eine Alternative vor allem für die protestantisch gewordenen Städte, nachdem die herkömmliche Ordnung eines kaiserlichen E. mit dem Mitführen von Reliquien und der Art der Beteiligung der Geistlichkeit obsolet geworden war. Erstmals scheint man diese Ausgestaltung in Nürnberg 1521 beim E. Erzhzg. Ferdinands, in besonderem Maß 1541 beim E. Karls V. praktiziert zu haben, wo konsequenterweise der Kaiser (wie fortan üblich) den Besuch der Sebalduskirche umging [13, S. 35 und 59-61].

Zum Prunk der E., aber auch so mancher F., gehörte die ephemere Architektur. An erster Stelle sind *Ehrenpforten zu nennen, die es in Italien spätestens A. 12. Jh. gab und die in der Neuzeit in Frankreich und im deutschen Sprachgebiet vielerorts aufgebaut wurden (RDK IV 1443-1504; Abb. 34). Schaugerüste, mit lebenden Bildern oder mit Gemälden ausgestattet (vgl. Abb. 4 b–d) oder aber von Personifikationen, Personen der Mythologie und Geschichte bevölkert (s. Abb. 13 und 21), boten Anlaß zum Halten des Zuges und Betrachten und wurden so manches Mal zu Huldigungen für den Einziehenden genutzt. Tempel (wie der berühmte Janustempel beim E. Ferdinands d’Austria 1634 in Antwerpen, vgl. Sp. 1487), Obelisken (Sp. 1462) und Säulen oder Säulenpaare (s. Abb. 16 und Sp. 1460), wie man sie auch am Castrum doloris verwendete, waren am Zugweg errichtet. Stadttore wurden mit Tüchern verkleidet, mit Wappen behängt, mit Bildwerken bereichert, mit Emblemen geschmückt (s. Sp. 1444 und 1459). Brunnen wurden umkleidet oder eigens errichtet und spendeten Wein (s. Sp. 1444f.).

Statuen von Kaisern stellte man selten auf.

Bei der Krönung König Wenzels 1376 stand eine auf dem Aachener Marktplatz, bei der Krönung Karls V. 1520 waren es mehrere (S. Sieber a. a. O. [Sp. 1419] S. 15), Reihenbildnisse von Kaisern waren den Bögen der „Porticus Caesarea-Austriaca“ eingefügt beim E. Ferdinands d’Austria 1634 in Antwerpen (vgl. Sp. 992 und 1487).

Viele E., seltener F., fanden erst gegen Abend statt, wobei brennende Fackeln besondere Wirkung taten (s. Abb. 4 a und c sowie Sp. 1459). Doch verwendete man sie auch am hellen Tage (vgl. RDK IV 1473 Abb. 14), gleich Feuerwerk (Sp. 530-607): Große Gerüste mit Feuertöpfen waren vor allem in den Niederlanden gebräuchlich; selbst im Zug wurden Feuerwerkskörper abgebrannt (Friedr. Sieber, Volk und volkstümliche Motivik im Festwerk des Barocks ..., Bln. 1960 [Dt. Akad. der Wiss. zu Berlin, Veröffn. des Inst. für dt. Volkskde., 21], Taf. 104f. unten). Illumination der Häuser und ephemerer Architekturen war am Abend des Tages, an dem ein E. oder ein F. stattfand, eine ganz übliche Festdekoration; erst im 19. Jh. wurden Gebäude auch anläßlich eines E. oder F. illuminiert (RDK IV 1493f. Abb. 23), ja es kam sogar zu F., um die Illuminationen zu besichtigen.

Dies geschah z. B. am 16. Februar 1824 in München beim Regierungsjubiläum des Königs: Das Königspaar fuhr, eskortiert von Kürassieren des Garde du Corps und begleitet von den Angehörigen des Hauses, die Stadt ab, um die Illuminationen – Inschriften und „Transparentgemälde“ - zu betrachten; dem königlichen Gefolge hatten sich „mehrere hundert Wagen mit Personen aus allen Ständen“ angeschlossen: Der XVI’e Februar MDCCCXXIV, Mchn. o. J. [1824], S. 16-20.

Im 16. Jh. erwartete bei E. in Frankreich der Herrscher den Zug der ihn Empfangenden vor der Stadt auf einer Tribüne (s. Sp. 1461). Tribünen für Zuschauer sind erst seit der Französischen Revolution belegt (s. Sp. 1504). Am Turnierplatz waren

Tribünen schon früher üblich (z. B. in Dresden am Altmarkt 1709 und 1719: Jean Louis Sponsel, Der Zwinger, die Hoffeste und die Schloßbaupläne zu Dresden, Dresden 1924, S. 89f. und 266; vgl. auch Abb. 12).

II. Antike

A. Allgemeines

Die uns faßbaren Anfänge der festlichen Aufzüge liegen in religiösen Ritualen; auch als Bestandteil des Herrscherkultes gehören sie dem Religiösen an. E. und F. der Antike werden hier nur insoweit betrachtet, als sie insgesamt oder in Einzelheiten als Vorstufen zu E. und F. des MA und der Neuzeit angesehen werden können. Da solche Vorbildlichkeit erst in der Zeit des römischen Imperiums besteht, ist auf E. und F. des Vorderen Orients und Ägyptens sowie Griechenlands nicht näher einzugehen.

Literatur zum Vorderen Orient und zu Ägypten: Hartwig Altenmüller, Art. „Feste“, in: Lex. der Ägyptologie, begr. von Wolfg. Helck und Eberh. Otto ..., Bd. 2, Wiesb. 1977, Sp. 171-191; Siegfr. Schott, Altägyptische Festdaten, Akad. der Wiss. und der Lit. in Mainz, Abhn. der geistes- und sozialwiss. Kl., Jg. 1950, Nr. 10; ders., Das schöne Fest vom Wüstentale ..., ebd. Jg. 1952, Nr. 11, S. 800-803; Reinhold Merkelbach, Isisfeste in griech.-röm. Zeit, Meisenheim 1963; C. J. Bleeker, Egyptian Festivals, Leiden 1967; Alfr. Haldar, Art. „Fest“, in: Reallex. der Assyriologie, Bd. 3, Bln. 1971, S. 40-47; Walter Andrae, Alte Feststraßen im Nahen Osten, Lpz. 1941; Svend Aage Pallis, The Babylonian akïtu festival, Kgl. Danske Videnskabernes Selskab, hist.-filol. Meddedelser 12,1, Kop. 1926; René Dussaud, Les religions des Hittites et des Hourites, des Phéniciens et des Syriens, Paris 1949 (Edouard Dhorme, Les religions de Babylonie et d’Assyrie, 2), S. 243-249.

Zu Griechenland: Samuel Eitrem, Beitr. zur griech. Religionsgesch., 3. Bd., Kristiana 1920, S. 56-78; Martin P. Nilsson, Die Prozessionstypen im griech. Kult, Jb. des kaiserl. dt. Arch. Inst. 31, 1916, S. 309-339; Franz Borner, Art. „Pompa“, in: RE Bd. 21 Sp. 1878-1994; Helmut Gugel, Art. „Pompa“, in: Kl. Pauly Bd. 4 Sp. 1017-1019; William Tarn, Die Kultur der heilenist. Welt, Darmstadt 31966, S. 53-62; Fritz Taeger, Charisma.

Studien zur Gesch. des antiken Herrscherkultes, Bd. 1-2, Stg. 1957 und 1960; Julius Kaerst, Gesch. des Hellenismus, 2. Bd., Bln. 21926, S. 376-404.

B. Rom

In Rom gab es zwei Klassen festlicher Züge, „pompae“ und „adventus“. Erstere sind Schöpfungen der regierenden Schicht des Adels in der Zeit der Republik, letztere eine Erscheinung erst des Prinzipats und bald die „pompae“ dominierend.

1. „pompae“

Die drei hauptsächlichen „pompae“ sind die „p. triumphalis“, die „p. circensis“ und die hier nicht einzubeziehende „p. funebris“.

a. Die „pompa triumphalis“, der Triumphzug, nimmt eine Mittelstellung ein zwischen E. und F., ist in der Neuzeit aber häufig mit dem E. gleichgesetzt.

Der Zug bewegte sich von der „porta triumphalis“ auf dem Marsfeld zum Tempel des Kapitolinischen Jupiter. Es bestand eine strikte Ordnung. Der erste Teil des Zuges war eine Schaustellung des Krieges: Beutestücke, Waffen, Bilder der Eroberungen, Inschrifttafeln, dem Triumphator gewidmete Ehrenkränze, weiße Rinder als Opfertiere, schließlich Geiseln und Gefangene. Liktoren im roten Kriegsmantel und mit lorbeerumwundenen Fasces schritten vor dem von meist vier Pferden (seit Caesar Schimmeln) gezogenen Wagen, auf dem der Triumphator stand, im goldbestickten Purpurgewand, mit Adlerzepter und der „corona triumphalis“. Dem Wagen folgten die Amtsgehilfen des Triumphators und seine Offiziere sowie die aus der Sklaverei befreiten römischen Bürger. Den Schluß des Zuges bildeten die Soldaten in militärischer Ordnung, lorbeerbekränzt und ihre militärischen Auszeichnungen tragend.

Lit.: Wilh. Ehlers, Art. „Triumphus“, in: RE Bd. 7 A Sp. 493-511; Enc. dell’arte antica classica e orientale, Suppl.bd., Rom 1973, S. 868f.; Rob Payne, The Roman triumph, Ld. 1962; H. S. Versnel, Triumphus, Leiden 1970.

Im Gegensatz zur reichen literarischen Überlieferung sind nur wenige bildliche Wiedergaben eines Triumphzugs erhalten: Reliefs oder Fragmente von solchen an oder von mehreren Triumphbögen. Malereien sind nur literarisch überliefert. Ob es je die Darstellung eines ganzen Triumphzugs gegeben hat, ist ungewiß, eher unwahrscheinlich (so Karl Lehmann-Hartleben, Die Trajanssäule, Bln. 1926, Textbd., S. 2, wohl zu Recht).

Bei den Reliefs können drei Gruppen unterschieden werden. Zum ersten sind es großformatige Einzelszenen (z. B. in der Durchfahrt des Titusbogens in Rom, nach 81 n. Chr.: Ernest Nash, Bildlexikon zur Topographie des antiken Rom, Tüb. 1961, Bd. 1 Abb. 146f.). Zum zweiten zeigen die allegorisch überhöhten Szenen historische Personen neben Göttern und Personifikationen (so am Trajansbogen in Benevent, um 114/117, die „Trias Capitolina“ Jupiter, Juno und Minerva zusammen mit der Roma, ferner Justitia, Virtus, dem Genius populi Romani und dem Ritterstand: Ernst von Garger, Der T. in B., o. O. u. J. [Bln. 1943], Taf. 13f., 16 und 19). Schließlich gibt es verhältnismäßig kleinfigurige Reliefs, die die Folge eines Triumphzuges zumindest teilweise in ihrer historischen Realität wiedergeben; vgl. die Friese unterhalb der Attikazone des Titusbogens (Mem. of the Amer. Acad. in Rome 22, 1955, Taf. 53 Fig. 80 a), des Trajansbogens in Benevent (Mario Rotili, L’arco di Traiano a Benevento, Rom 1972, Taf. 145-149) und des Bogens des Septimius Severus in Rom, err. 203 (Rich. Brilliant, The Arch of S. S., Mem. of the Amer. Acad. in Rome 29, 1967, Taf. 44 und 48).

b. Die „pompa circensis“ führte vom Kapitol durch das Mitteltor des „Circus Maximus“ zum dortigen Pulvinar. Die dabei mitgeführten Götterbilder wurden auf die Spina, die niedrige Mauer, welche die Bahnen voneinander trennt, gestellt (zur „pompa circensis“: RE Bd. 21 Sp. 1985f.; Joachim Marquardt, Röm. Staatsverwaltung, 3. Bd., Lpz. 21885 [Ndr. New York 1975], S. 507-511; Ludw. Friedländer, Darst. aus der Sittengesch. Roms, 2. Bd., Lpz. 91920, S. 44f.). Über spätere Rekonstruktionen dieser „pompa“ siehe Sp. 1463f.

2. „adventus“

Der „adventus“, die feierliche Begrüßung des Herrschers bei seiner Rückkehr nach Rom und sein Empfang in einer der Provinzen, kann mit dem E. des MA und der Neuzeit gleichgesetzt werden (Lit.: Enc. dell’arte antica..., Bd. 1, Rom 1958, S. 89f.; Tonio Hölscher, Victoria Romana, Mainz 1967, S. 48-62; Gerh. Koeppel, Profectio und Adventus, Bonner Jbb. 169, 1969, S. 130-194). In der römischen Literatur ist der „adventus“ meist nur kurz erwähnt (Belege im Thes. ling. Lat., Bd. 1 Sp. 837); in der Spätantike verlieh die panegyrische Literatur dem Ereignis oft religiöse Weihe (Sabine C. MacCormack, Art and Ceremony in Late Antiquity, Berkeley und Ld. 1981, S. 17-84).

In der Monumentalkunst ist der Kaiser stets stehend vor einer Personifikation wiedergegeben. Diese Darstellungen des „adventus“ ähneln denjenigen der „profectio“, der feierlichen Verabschiedung des Herrschers beim Aufbruch zu einer Reise oder zu einem Feldzug (Enc. dell’arte antica..., Bd. 6, Rom 1965, S. 641-644; G. Koeppel a. a. O.), in solchem Maße, daß die Festlegung, ob es sich um einen „adventus“ oder eine „profectio“ handelt, oft nicht möglich und in der Literatur kontrovers entschieden ist (ebd.; unklar sind z. B. die meist als „adventus“ gedeuteten Darstellungen auf dem im 1. Jz. des 4. Jh. errichteten Galeriusbogen in Saloniki: Hans Peter Laubscher, Der Reliefschmuck des G. in Thessaloniki, Bln. 1975 [Dt. Arch. Inst., Arch. Forschgn., Bd. 1], S. 36-38 und 61-64, Taf. 13, 22f., 45-50). Der über den seitlichen Durchfahrten des Konstantinbogens in Rom angebrachte spätantike Fries zeigt neben anderen Szenen den E. Konstantins nach der Schlacht am „pons Mulvius“, 312 (Hans Peter L’Orange und Arnim von Gerkan, Der spätantike Bildschmuck des Konstantinsbogens, Bln. 1939, Textbd. S. 72-80, Taf.bd. Taf. 12f.).

Bei Darstellungen auf Münzen sorgen die stets vorhandenen Inschriften für eindeutige Benennung. Sowohl „adventus“ wie „profectio“ wurden entweder in der in der Monumentalkunst gebräuchlichen Bildformel dargestellt oder der Kaiser reitet (Zusammenstellung bei Ernst H. Kantorowicz, The King’s Advent..., Art Bull. 26, 1944, S. 207-231, Abb. 1-22; Wiederabdruck in: Ders., Selected Stud., Locust Valley/N.Y. 1965, S. 37-75).

3. „processus consularis“

Über den jährlichen „processus consularis“, in dem der Konsul beim Amtsantritt von seiner Wohnung zum Kapitol zog, weiß man, verglichen mit der Häufigkeit des Ereignisses, nur wenig.

In republikanischer Zeit gingen dem mit der „toga praetexta“ bekleideten Konsul die Liktoren und Ritter voraus, hinter ihm Senatoren. Seit dem 2. Jh. nach Chr. hielt er den Zug im Triumphalschmuck oder ließ sich in einer Sänfte tragen; im 4. Jh. war der Aufwand noch gesteigert, etwa in der Kleidung (Herm. Göll, Über den Pr. cons. der Kaiserzeit, Philologus 14, 1859, S. 586-612; Bernh. Kübler, Art. „Consul“, in: RE Bd. 4 Sp. 1112-1138, bes. Sp. 1116, 1126 und 1134; Andr. Alföldi, Die Ausgestaltung des monarchischen Zeremoniells am röm. Kaiserhofe, Min. des Dt. Arch. Inst., Röm. Abt. 49, 1934, S. 3ff., bes. S. 94-97; Wiederabdruck in: Ders., Die monarchische Repräsentation im röm. Kaiserreiche, Darmstadt 1970, S. 94-97; bei B. Kübler und A. Alföldi auch Hinweise auf bildliche Wiedergaben und auf anläßlich des „processus cons.“ gemachte Geschenke [etwa die Konsulardiptychen]).

III. MA

Antike Tradition lebte in der neuen Hauptstadt Byzanz fort. Deutlichster Ausdruck dafür sind die Veranstaltungen im Hippodrom, wo die antiken Zirkusspiele bis in das MA hinein stattfanden. Im Westen brach mit dem Zerfall des Römischen Reiches die Tradition ab. Ein Teil ging in das monarchische Zeremoniell und in die Liturgie der Kirche ein.

A. Frühes MA

Die seltenen und wortkargen Nachrichten aus dem frühen MA berichten vom E. oder von der Einholung eines Herrschers.

So erfährt man vom E. Theoderichs in Rom im Jahr 500 nur, daß Senat und Volk, Papst und Klerus ihm entgegenzogen (MG, Auct. ant. 9 S. 324). – Etwas mehr ist im „Liber pontificalis“ zum Jahr 663 über den E. Kaiser Konstantins II. in Rom mitgeteilt: Papst Vitalianus zog mit dem Klerus bis zum sechsten Meilenstein dem Kaiser entgegen. In der Peterskirche angekommen, betete Konstantin und brachte ein Geschenk dar; Gleiches tat er am folgenden Samstag in S. M. Magg. Am Sonntag zog er mit seinem Heer, alle mit Kerzen, nach St. Peter, wo er eine goldgestickte Altardecke darbrachte und die Messe hörte (Louis Duchesne [Hg.], Le L. p. ..., Bd. 1, Paris 1955, S. 343). - Auch vom ersten E. Karls d. Gr. in Rom zu Ostern 774 erfahren wir nur wenig (ebd. S. 496f.). Der König war in Begleitung mehrerer Bischöfe, Äbte und „judices“, mit Herzögen und Grafen mit großen Heeresabteilungen aufgebrochen. Hadrian I. sandte ihm „judices“ entgegen, die Karl 30 Meilen vor der Stadt mit „bandora“ (Bannern?) empfingen. Eine Meile vor der Stadt waren alle „scolae militiae“ aufgestellt, und Knaben deklamierten Sprüche („litterae“); alle trugen Palm- und Olivenzweige, sangen dem Frankenkönig Lob und akklamierten ihm. Wie es beim Empfang des Exarchen und des Patricius Sitte war, wurden ihm verehrungswürdige Kreuze entgegengebracht.

In einer Hs. der M. 11. Jh. ist ein „liber ordinum“ aus dem westgotischen Spanien (5. Jh.?) überliefert, der zwar keine genaueren Angaben über den E. und über das Gefolge des Einziehenden, doch einen „ordo quando rex cum exercitu ad prelium egreditur“ und die „orationes de regressu regis“ enthält, wodurch das Weiterbestehen sowohl der „profectio“ als auch des „adventus“ bezeugt ist (Marius Férotin, Le liber ordinum en usage dans l’église wisigothique et mozarabe d’Éspagne du 5e au 11e s., Paris 1904 [Mon. ecclesiae liturgica, Bd. 5], S. 150-154). - 585 zog in Orléans dem Frankenkönig Guntram eine unermeßliche Menge Volks „cum signis adque vexillis“ unter Lobgesängen entgegen (Gregor von Tours, Historiarum libri decem, Lib. VII,1: ed. Bruno Krusch und Rud. Buchner, Darmstadt 1964 [Ausgewählte Quellen zur dt. Gesch. des MA. Frhr. vom Stein-Gedächtnisausg., Bd. 3], S. 160).

B. Hoch-MA

Die „ordines“ für die Weihe und Krönung des Kaisers, die als liturgische Texte keine Beziehung zu einer bestimmten Krönung haben, enthalten in der Regel nur in den Rubriken gelegentlich Hinweise (die zudem nicht unbedingt die Realität wiedergeben müssen). Über das Gefolge des Einziehenden geben sie fast nie Aufschluß, und eine festgelegte Ordnung für den E. des zu Krönenden in Rom ist nicht erkennbar (Reinh. Elze [Hg.], Die Ordines für die Weihe und Krönung des Kaisers und der Kaiserin, Hann. 1960 [MG, Fontes iuris Germ. antiqui in usum scholarum, 9]; zur Kaiserkrönung s. auch H.-J. Becker in: Hdwb. zur dt. Rechtsgesch., 2. Bd., Bln. 1978, Sp. 555-561).

Im ausführlichsten Ordo, dem Ordo Cencius II (Kurie, wohl 1. H. 12. Jh.), ist zum E. bemerkt: „Die dominico summo mane descendit electus cum coniuge sua ad sanctam Mariam Transpadinam, que est iuxta Terebintum, ibique recipitur honorifice a prefecto urbis et comite palatii Lateranensis et uxor eius a dativo iudice et archario, et deducuntur per porticum, clericis urbis omnibus indutis cappis planetis dalmaticis et tunicis cum turribulis cantantibus: Ecce mitto angelum meum, usque ad suggestum aree superioris, que est in capite graduum ante portas ereas sancte Marie in Turri“ (R. Elze a. a. O. S. 36). Vom E. 12. Jh. an berichten die kurialen „ordines“ knapper und doch in einigem anders: „Cum rex in imperatorem electus pervenerit ad portam Collinam, que est iuxta castellum Crescentii, recipiatur honorifice a clero urbis cum crucibus et thuribulis, et processionaliter deducatur usque ad gradus basilice sancti Petri, cantantibus universis Ecce mitto angelum meum etc., camerariis eius missilia spargentibus ante ipsum et prefecto urbis gladium preferente“ (ebd. S. 62; vgl. auch S. 72, 89, 104, 124f., 133).

War in Rom ein E. aus Anlaß der Kaiserkrönung ein seltenes und außerordentliches Ereignis, so gab es bei den zahlreichen Zügen deutscher Herrscher, zumal solange eine feste und ständige Residenz fehlte, häufig E. in Städte und Klöster, die auch die Beherbergung zu übernehmen hatten. Genauere Beschreibungen solcher E. sind nicht erhalten, und es hat sie wohl auch nie gegeben. Eine vage Vorstellung vom Empfang des Herrschers vermittelt der cluniacensische „ordo II“ des Klosters Farfa aus dem 11. Jh.

Unter dem Läuten zweier Glocken zog der Konvent schweigend durch die Kirche dem Herrscher entgegen in die Vorhalle. Zwei Kreuzträger zu Seiten eines Mönchs mit dem Weihwasser eröffneten den Zug. Es folgte, von Mönchen mit Rauchfaß flankiert, ein dritter Kreuzträger. Hinter diesem schritten dreimal drei Geistliche, von denen der mittlere jeweils die Hl. Schrift („textus“) trug, die beiden äußeren Kerzen hielten. Ihnen schlossen sich zu zweien die Laienbrüder im Chormantel (!) und, in der Tunika, die Klosterschüler mit ihren Lehrern an, darauf der Abt und, wieder zu zweien, die Mönche im Chormantel sowie die „priores“. Dem Herrscher wurde das Weihwasser gereicht, ein Evangelienbuch zum Kuß geboten, und man beweihräucherte ihn. Zum E. selbst sang man als Responsorium das „Ecce mitto angelum meum“ und läutete alle Glocken (Bruno Albers O.S.B. [Hg.], Consuetudines Farfenses ..., Stg. und Wien 1900 [Consuetudines monasticae, 1], S. 170; Peter Willmes, Der Herrscher-,Adventus’ im Kloster des Früh-MA, Mchn. 1976 [Münstersche MA-Schrn., Bd. 22], S. 155-176).

Über F. sind wir kaum unterrichtet: Es gibt spärliche, zudem oft formelhafte Mitteilungen über den Zug des gekrönten Kaisers von St. Peter zum Lateran (Eduard Eichmann, Die Kaiserkrönung im Abendland, Würzburg 1942, Bd. 1 S. 217-220, Bd. 2 S. 32-35; vgl. R. Elze a. a. O. [Sp. 1434] S. 46f., 83, 98, 138).

Ob ein gemeinsamer Zug von Kaiser und Papst nach der Krönung so, wie er im Ordo Cencius II beschrieben ist (ebd. S. 46f.), je stattfand, ist unbekannt (vgl. aber das Wandbild in der Silvesterkapelle von Ss. Quattro Coronati in Rom, 1246: Venturi Bd. 2 Fig. 267; John Mitchel, St Silvester and Constantine at the SS. Quattro Coronati, in: Federico II e l’arte del Dugento ital. Atti della III settimana di studi di storia dell’arte medievale... 1978, Bd. 2, Galatina 1981, S. 15-32).

Der Gebrauch des Wortes „triumphus“ überdauerte die Zeit, in der in der Form des antiken Triumphzuges E. stattfanden. Unter den veränderten historischen Verhältnissen hatte der Terminus, im Römischen Imperium ein feststehender Begriff, längst seine ursprünglich präzise Bedeutung eingebüßt; der Begriff des Triumphes ist hier mit dem des Sieges ganz allgemein gleichgesetzt (Belege bei Herm. Dessau, Inscriptiones Latinae selectae, Bln. 1892ff.; zur christlichen Umdeutung des Begriffs, auch im MA, Weisbach, Trionfi, S. 7ff.). Auch im MA wurde der E. „triumphus“ genannt, doch ist aus diesem Wortgebrauch nicht zu folgern, daß E. damals in der Form antiker Triumphzüge erfolgten.

So wurde bereits christlichen Herrschern der Spätantike der Titel „triumphator“ beigelegt, als schon längst keine Triumphzüge mehr stattfanden. In diesem Sinne sind z. B. die „capitula“ 44 und 49 bei Widukind von Corvey, Res gestae Saxonicae, III, zu verstehen („de famoso triumpho, quem rex de Ungariis obtinuit“ und „de triumpho regis“: Fontes ad hist. aevi saxonici illustrandam, ed. Alb. Bauer und Reinh. Rau, Darmstadt 1971 [Ausgewählte Quellen zur dt. Gesch. des MA, Frhr. vom Stein-Gedächtnisausg., Bd. 8], S. 126 und 128). Wenn in der „vita Heinrici IV. imperatoris“ zu lesen steht, daß sein Sohn „cum hoc fraudis triumpho“ auf den Mainzer Hoftag 1105 zurückkehrte, nachdem er seinen Vater gefangengesetzt hatte, ist auch dies nicht als Triumphzug römischer Art aufzufassen (Fontes hist. Heinrici IV. imperatoris illustrantes, ed. Franz-Josef Schmale, Darmstadt 1963 [Ausgewählte Quellen..., Bd. 12], S. 448). Wurden in der frühen Neuzeit im Hoch-MA stattgehabte Ereignisse mit dem Wort „triumphus“ belegt, so ist dies zugleich Rückprojizierung von Gedankengut des 16. Jh. ins MA (z. B. verzeichnete Gg. Rüxner, Anfang: vrsprung vnnd herkommen des Thurnirs in Teutscher nation ..., Simmern 1530, eine Reihe von Turnieren, deren erstes unter Heinrich I. nach seinem Sieg über Hunnen und Obotriten im Jahr 935 in Magdeburg abgehalten worden sein soll; dabei seien 15 Adelige bestimmt worden, „das sy sich one alles verzyhenn zusammen thetten und anschlügen, wie solcher Triumph und Ritterspiel ... zugericht angehaben und volendet würde“: ebd. Bl. XIIIIr).

Nach römischem Vorbild zog Kaiser Friedrich II. 1237 nach seinem Sieg über das lombardische Heer als Triumphator in Cremona ein.

„In Fesseln folgte seinem Zug der gefangene feindliche Heerführer, der Dogensohn und mailändische Podestà Pietro Tiepolo, mit dem Rücken gebunden auf den bis zur Erde gesenkten Fahnenmast des Mailänder Bannerwagens. Diese hehrste Siegestrophäe aber rollte von einem Elefanten gezogen hinter dem Triumphator durch die Straßen Cremonas... . Mit den römischen Adlern geschmückt wallten die gelben Kaiserbanner vom Rücken des Tieres nieder, während von dem Holztürmchen herab Posaunenbläser den Triumph des neuen Divus Caesar Augustus verkündeten. Auf die Natur seines römischen Ursprungs werde der Triumph zurückgeführt, erklärte der Kaiser den Römern selbst“ (Ernst Kantorowicz, Kaiser Friedrich der Zweite, Bln. 1927, S. 401; Ergänzungsbd., Ddf. und Mchn. 1931 [Ndr. 1963 u. ö.], S. 175).

C. 14. Jh.

Berichte, denen mehr zu entnehmen ist als nur die Tatsache eines E. oder F., stammen vor allem aus Westeuropa (Frankreich, England) und sind manchmal von einem Augenzeugen verfaßt (s. Sp. 1443f.). Im Deutschen Reich fließt die Überlieferung erst in der Zeit Karls IV. reichlicher. Üblich scheint es im 14. Jh. gewesen zu sein, daß dem Herrscher die Stadtschlüssel überreicht wurden (Abb. 1 b) und daß er unter dem Traghimmel einzog (vgl. Abb. 2).

Diesen Schluß erlauben chronikalische Berichte schon aus der Zeit Heinrichs VII. Der Kaiser ritt 1312 in Pisa unter einem von der Stadt bereiteten „purpurnen, von kostbaren Steinen und Gold schimmernden“ Traghimmel ein, wogegen er beim E. in Cremona, das gegen ihn rebelliert hatte, einen solchen und alle übrigen Ehrenbezeugungen verschmähte (Das Leben Kaiser Heinrich des Siebenten. Berichte der Zeitgenossen über ihn, übersetzt von Walter Friedensburg, 1. H., Lpz. 1882 [Die Gesch.-Schreiber der dt. Vorzeit in dt. Bearbeitung..., 14. Jh., Bd. 1], S. 405 und 500).

Anders verhielt man sich beim E. in eine eroberte Stadt: In Brescia zog Heinrich VII. 1311 über die niedergerissene Mauer ein, begleitet von jenen Brescianern, die nach dem Siege des Kaisers aus der Verbannung zurückkehren konnten und die Olivenzweige trugen (ebd. S. 138).

Zwei außerordentliche Zeugnisse ermöglichen es, genauere Vorstellungen von E. zu gewinnen. Das ältere ist die mit lavierten Federzeichnungen ausgestattete Chronik von Kaiser Heinrichs VII. Romfahrt, das um 1340 wohl in Trier entstandene sog. Balduineum des L.hauptarchivs Koblenz, Bestand 1C, Nr. 1.

Nach der Wiedergabe der Königswahl und -krönung ist Heinrichs Romfahrt geschildert, dabei sind wiederholt Einzüge in italienische Städte wiedergegeben (Abb. 1 b, ferner fol. 9, 16,18 und 33, auch in unterworfene: fol. 15, Brescia), ferner der E. anderer Führer des kaiserlichen Heeres (Erzb. Balduin von Trier in S. M. Novella: fol. 31); Gf. Heinrich von Flandern, der kaiserliche Marschall, in Casale: fol. 32). Daß man eine stets gleichbleibende Ordnung beachtete, geht weder aus den Bildern noch aus dem sie begleitenden Text hervor. Ein Teil des Gefolges ist durch die wiedergegebenen Wappenschilde und -banner benennbar (Abb. bei Franz-Jos. Heyen, Kaiser Heinrichs Romfahrt, Mchn. 1978 [dtv. 1358]).

Heinrichs Zug zur Kaiserkrönung in S. Giovanni in Laterano (fol. 23) eröffneten der Stadtpräfekt von Rom und zwei Kämmerer, die Münzen unter das Volk warfen (vgl. W. Friedensburg a. a. O. S. 442f.; F.-J. Heyen a. a. O. S. 96).

Der F. Heinrichs nach der Krönung vom Lateran nach S. Sabina ist im Bild wiedergegeben: das Roß des Kaisers wird geführt von zwei Fürsten, jeder mit einem Stab in der Hand (Senatoren?); den Reichsapfel trägt einer der Kardinale (der von Ostia?; Abb. 1 a).

Durch das zweite Zeugnis, die „Goldene Bulle“ Kaiser Karls IV, 1356 veröffentlicht, ist die deutsche Königswahl durch die sieben Kurfürsten geregelt. In zwei Artikeln ist - wegen früherer Streitigkeiten - eine genaue Rangordnung bei Aufzügen („processiones“) festgelegt.

„Wir bestimmen ..., daß, sooft bei einer Versammlung des Kaisers oder römischen Königs und der vorgenannten Kurfürsten dem Kaiser oder König in einem Aufzug die Reichskleinodien vorangetragen werden, der Erzbischof von Trier in gerader Richtung vor dem Kaiser oder König einherschreiten soll, und zwischen ihnen sollen allein diejenigen gehen, welche die kaiserlichen oder königlichen Kleinodien tragen. Wenn aber der Kaiser oder König ohne diese Kleinodien einhergeht, dann soll derjenige Erzbischof dem Kaiser oder König auf vorbesagte Weise vorangehen, so daß sich gar niemand zwischen ihnen befindet, die beiden andern geistlichen Kurfürsten aber sollen ihre Plätze gemäß dem Unterschied ihrer Kirchenprovinzen ... auch bei Aufzügen immerdar beibehalten“ (XXI. Von der Rangordnung der geistlichen Kurfürsten bei Aufzügen). „Um aber die Rangordnung der weltlichen Kurfürsten in einem Aufzug, in dem der Kaiser und römische König mitgeht ..., zu erläutern, bestimmen wir, daß sooft ... die kaiserlichen oder königlichen Kleinodien vorangetragen werden müssen, der Herzog von Sachsen das Schwert des Kaisers oder Königs tragen und dem Kaiser oder König unmittelbar vorangehen soll in der Mitte zwischen ihm und dem Erzbischof von Trier; der Pfalzgraf aber soll mit dem Reichsapfel zur rechten Seite und der Markgraf von Brandenburg mit dem Szepter zur linken des Herzogs von Sachsen auf gleicher Linie einhergehen; der König von Böhmen jedoch soll dem Kaiser oder König unmittelbar, ohne daß jemand zwischen ihnen geht, folgen“ (XXII. Von der Rangordnung der weltlichen Kurfürsten bei Aufzügen, und durch wen die Reichskleinodien vorangetragen werden sollen; Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. 1356, lat. Text und Übersetzung, bearb. von Konrad Müller, Bern 1957 [Quellen zur neueren Gesch., H. 25], S. 74-77).

„Es sollen auch unmittelbar vor dem Erzbischof von Trier ... erstens die Aachener und zweitens die Mailänder Krone getragen werden, dies aber nur vor dem Kaiser, der schon mit den kaiserlichen Infein geziert ist. Die Kronen sollen von irgendwelchen Fürsten geringern Ranges getragen werden, die hierzu vom Kaiser nach Gutdünken bestimmt werden.

Auch die Kaiserin oder römische Königin soll mit ihrem fürstlichen Schmuck bekleidet hinter dem römischen König und Kaiser und auch hinter dem König von Böhmen, der dem Kaiser unmittelbar folgt, in angemessenem Abstand zusammen mit ihren Edelleuten und begleitet von ihren Hoffräulein sich zum Ort der Sitzung begeben“ (XXXVI.; ebd. S. 86f.).

Von Ludwig dem Bayern ist der Krönungszug in Rom 1328 durch Chroniken genauer bekannt.

Voraus ritten 52 Bannerträger, je vier aus jeder der Regionen Roms, es folgten die Ritter aus Ludwigs Heer, die Mitglieder des Rates der Zweiundfünfzig und der Stadtpräfekt, begleitet von den vier Syndici. Vor dem in Weiß gekleideten, auf mit weißen Tüchern behangenen Schimmeln reitenden Kaiserpaar schritt ein Rechtsgelehrter, der das Buch mit dem Krönungsordo trug (Johs. Matthias, Beiträge zur Gesch. Ludwigs des Bayern während seines Romzuges, Halle a. S. 1908 [Diss. Halle-Wittenberg], nach: Giov. Villani, Cronica, Buch X cap. 55 [Auswahl-Ausg. von Giov. Aquilecchia, Turin 1979, S. 139-141], und der „Cronica Sanese di Andrea Dei ...“, ed. Ludov. Ant. Muratori, Rerum Ital. scriptores ..., Bd. 15, Mail. 1729, Sp. 79f.).

Für E. wie für F. Kaiser Karls IV. ist die Quellenlage ausnehmend günstig. Neben Berichten, oft von Augenzeugen, gibt es gelegentlich bildliche Wiedergaben.

Beim E. zur Kaiserkrönung am Ostersonntag 1355 in Rom ritt „Karl im purpurnen Krönungsornat, an seiner Seite die Königin, mit seinen Schaaren in glänzender Rüstung und mit wehendem Helmbusch“ zum „Creszentiustor“ („porta Collina“) nahe der Engelsburg; vorher schon, bei einer Brücke hatten ihn „Syndici und Kanzler“ Roms erwartet, und die gegenseitigen Eide waren abgelegt worden. Am Tor erteilte Karl den drei Nepoten des Kardinalbischofs Peter von Ostia den Ritterschlag, und dort erwarteten den König zwei Senatoren. Römische Bürger aus den verschiedenen Ständen geleiteten den König unter dem Traghimmel nach St. Peter. Auf dem Weg erteilte Karl zahlreichen Petenten den Ritterschlag, bald mit der Hand, bald mit dem Schwert (Emil Werunsky, Der erste Römerzug Kaiser Karl IV., Innsbr. 1878, S. 175-177).

Zum F. nach der Krönung bestiegen Kaiser und Kaiserin Schimmel, deren Steigbügel römische Bürger hielten; vor dem Kaiser ritten „Fürsten und Magnaten, Edle und Ritter, alle mit glänzenden Helmen und gezückten Schwertern ...; die Kämmerer warfen nach alter Sitte beständig Goldmünzen ...; das Kaiserpaar selbst umgaben die Senatoren und Repräsentanten des römischen Adels und Volks sowie die Würdenträger des Reichs und Hofes, welche im Verein die üblichen Ehrendienste versahen, die kaierlichen Rosse beim Zügel führten, die Spitzen der scharlachenen Satteldecken, sowie des goldnen Kaisermantels hielten und einen Thronhimmel von Goldbrocat und Seide über den Kaiser, der den Scepter in der Rechten und die Weltkugel in der Linken hielt, und die Kaiserin, die neben ihm einherritt, ausgebreitet trugen“; auch diesmal erteilte Karl zahlreichen Leuten den Ritterschlag (ebd. S. 183f.).

Als Karl IV. in Zürich 1353 einzog, empfingen ihn Bürgermeister und Bürgerschaft, bekränzt mit Laub und Blumen, vor der Stadt; die vornehmsten Bürgerinnen, ebenfalls mit grünen Kränzen, erwarteten ihn auf dem Hof des Fraumünsters, wo auch die Äbtissin in Begleitung ihrer Geistlichkeit mit Heiltum seiner harrte und die Regalien erhielt, der König die Reichsvogtei empfing. Nach dem Besuch des Fraumünsters wurde Karl am Großmünster durch die Chorherrn und die Konvente der drei in Zürich ansässigen Orden begrüßt, und die Zeremonien wurden wiederholt [14, S. 219f.]. - Beim E. Karls in Straßburg 1365 standen alle Handwerke gewappnet in der Münstergasse, durch die der Zug führte (Herm. Ludwig, Dt. Kaiser und Könige in Straßburg, Strbg. 1889, S. 150).

Gut bezeugt ist der E. Karls IV. in Lübeck im Jahre 1375. Mit dem Kaiser „zogen ein seine Gemahlin Elisabeth, sein Neffe Jodok, sein Schwiegersohn Otto von Brandenburg, der Erzbischof von Köln, die Bischöfe von Ratzeburg, Oesel, Lübeck und Meißen, die Herzöge von Mecklenburg, Sachsen-Wittenberg und Braunschweig, der Markgraf von Meißen und die Grafen von Holstein und Ruppin. Beim Burgtor legten Kaiser und Kaiserin ihr kaiserliches Gewand ab und bestiegen je ein großes Pferd. Vor dem Kaiser ritt ein Ratsherr mit den Schlüsseln der Stadt, vor der Kaiserin der Erzbischof von Köln. Der Zug durchquerte an Welt- und Klostergeistlichkeit, an Bürgern und geschmückten Frauen vorbei die ganze Stadt bis zum Dom, wo er mit Gesängen willkommen geheißen wurde“ (Emil Schieche in: Ferd. Seibt [Hg.], Kaiser Karl IV. Staatsmann und Mäzen ..., Mchn. 1978, S. 166, nach Wilh. Mantels, Kaiser Karls IV. Hoflager in Lübeck..., Hansische Gesch.bll. 3, 1873, S. 107-141; vgl. auch die Detmar-Chronik von 1101-1395: Die Chroniken der nieders. Städte, Lübeck, 1. Bd., Lpz. 1884 [Die Chroniken der dt. Städte, 19. Bd.], S. 551f.; noch 1677 war eine – wann entstandene? – Abbildung des E. im „Löwensaal“ auf dem im 2. V. 14. Jh. errichteten Langen Haus des Rathauses zu sehen (W. Mantels a. a. O. S. 130; Kdm. Lübeck 1,2 S. 215).

Der E. Karls 1377 in die im Reich gelegene bischöfliche Stadt Cambrai ist geschildert und im Bild wiedergegeben in den „Grandes Chroniques de France“ Karls V. von Frankreich, geschrieben um 1375-1379 (Paris, Bibl. nat., ms. lat. 2813, fol. 467v: Abb. 2): unter dem Traghimmel schreitet der Kaiser, gefolgt von seinem Sohn Wenzel als König von Böhmen, begleitet von zwei weiteren (fürstlichen?) Personen; der Bischof von Cambrai geht voraus, vor ihm gehen die Träger eines Kreuzes und eines Weihwasserkessels.

Aus Frankreich sind Berichte und bildliche Wiedergaben von E. manchmal sehr detailliert.

So schildert der Verf. der „Grandes Chroniques de France“ Karls V. (Paris, Bibl. nat., ms. fr. 2813, fol. 293r) den ersten E. König Johanns II., des Guten, 1350 in Paris: Die Stadt und die Große Brücke war mit Tüchern geschmückt. Die Angehörigen der Handwerke waren, je nach ihren Berufen, gleich gekleidet, ebenso die Bürger der Stadt. Die in der Stadt wohnenden Lombarden hatten gleiche Seidenkleider in mi-parti und gleichartige hohe, spitze Hüte. „Et tous, les uns apres les autres par ordonance, les uns a cheval et les autres a pié, alerent en devant du roy“. In einem Notariatsakt ist, wenn auch nur summarisch, die Begleitung des Königs aufgezählt: Herzöge, Grafen, Fürsten, Barone und andere Noble [17, S. 47-55].

Beim E. Karls VI. 1389 in Lyon trugen vier auserlesen schöne, in Gold und Edelsteine gekleidete Fräulein („domicelle insignes et pulcherrime“) den goldenen Traghimmel vom Stadttor bis zum königlichen Quartier im erzbischöflichen Palais (ebd. S. 142).

Eine Besonderheit des E. in den damals französischen Städten Belgisch-Flanderns war der Aufbau von Schaugerüsten für lebende Bilder und Spiele (solche sind dann in der 2. H. 14. Jh. auch in anderen Ländern anzutreffen, s. unten).

In Gent waren 1301 solche errichtet anläßlich der „entrée triomphale“ Kg. Philipps IV. des Schönen (Leo van Puyvelde, Les joyeuses entrées et la peinture flamande, in: [15] S. 287-296, bes. S. 288); auch bei E. anderer Personen wurden solche Schaugerüste aufgebaut, z. B. 1329 beim E. der Gräfin Marguerite, Gemahlin des Louis de Crécy, in Gent (ebd.).

Die wohl ausführlichste Schilderung eines F. aus dem 14. Jh. ist die des Jean Froissart in seinen „chroniques“ vom E. der Isabeau de Bavière in Paris 1389. Wenig allerdings steht darin über den Zug selbst, verglichen mit der Beschreibung des Schauapparats durch den Augenzeugen (benutzt die Ausg. von J. A. C. Buchon, Les Chroniques de Sire Jean Froissart, Paris 1840, Bd. 3 S. 3-5).

Der Weg war gesäumt von 1200 berittenen Bürgern von Paris, gekleidet in grünen und purpurnen „baudequin“ (Stoff aus Goldfaden und Seide). An der Sänfte der Königin ritten die Herzöge der Touraine, von Bourbon, Berry und Burgund, ferner Peter von Navarra und der Graf von Ostrevant. Es folgten in Sänften oder einen Zelter reitend die zur Begleitung der Königin auserkorenen Damen, jede begleitet von zwei Herren zu Pferd.

An der ersten „porte de Saint-Denis“ (Bastide), also beim Eintritt in die Stadt, sah man einen Sternenhimmel, bevölkert von als Engel gekleideten, singenden Kindern, und ein Marienbild; am mit den Wappen Frankreich und Bayern belegten Himmel stand eine strahlende Sonne (die Devise des Königs). – Der Brunnen in der rue St-Denis trug blauen Stoff mit den Lilien Frankreichs, an den Pfeilern hingen die Wappen der vornehmsten Herren des Landes. Der Brunnen spendete „claret“ und „piment“, Würzweine, die von reich gekleideten Mädchen in goldenen Schalen und Bechern den Trinklustigen geboten wurden. - Beim Dreifaltigkeitskloster stand ein Schaugerüst mit einer Burg, und auf dem Gerüst wurde der Kampf der Christen gegen Saladin und die Sarazenen vorgeführt. -An der zweiten „porte de Saint-Denis“ („porte aux peintres“) sah man eine „Burg“ und einen Sternenhimmel mit der Dreifaltigkeit. Auch hier sangen als Engel gekleidete Kinder. Als die Königin den Schauplatz erreichte, öffnete sich die Paradiesestür und zwei Engel erschienen, die der Königin eine reiche Krone aufsetzten. - Das Schaugerüst vor der Jakobskapelle war mit Vorhängen so behängt, als sei es ein Zimmer; in diesem wurde die Orgel geschlagen. - Am Châtelet stand ein hölzernes Schloß mit Bewaffneten auf den Zinnen. Es war eingerichtet mit einem Bett wie das Zimmer für den König zum „lit de justice“, auf dem Bett eine hl. Anna „par figure et par personnage“. Vor dem Schloß war ein Gehege mit Kaninchen, Hasen und Vöglein. Ein weißer Hirsch stürmte gegen einen Löwen und einen Adler. Zwölf reich gekleidete junge Mädchen mit goldenen „chapelets“ hielten blanke Schwerter, um Hirsch und „lit de justice“ zu schützen.

Die grand’rue St-Denis war mit Woll- und Seidentüchern überspannt wie im Orient, und auf beiden Seiten der Straße hingen Bildteppiche. Ein Sternenhimmel über der Großen Brücke bestand aus grünem und purpurnem Gold- und Silberstoff (vgl. Chrétien de Troyes, Érec et Énide, geschr. um 1170, V. 2280-2312: ed. Mario Roques, Paris 21970 (Les romans de Ch. de T., 1); die Brücke war verkleidet mit grünem und weißem Zendel.

Aus den Berichten über die E. in Paris läßt sich folgern, daß im 14. Jh. wie auch in der Folgezeit der Zug stets denselben Weg nahm und auch die Schaugerüste immer am selben Ort aufgebaut waren.

In England glich, wie Beschreibungen bezeugen, der E. des Königs in London zur Krönung dem bei solchem Anlaß auf dem Festland Üblichen.

Beim ersten ausführlich beschriebenen E., dem Richards II. 1377, ritt der Seneschall, der Herzog von Lancaster, mit Militär dem Zug voraus, um dem König in der zahlreich erschienenen Menge Platz zu schaffen. Vor dem Herrscher ritt Sir Symon Burle(e), in den erhobenen Händen das königliche Schwert. Des Königs Pferd führte Sir Nicholas Bonde. Dem König folgten Soldaten, der Hof und die Mitglieder der königlichen Familie. Wie bei E. in Frankreich (s. oben) war ein Schaugerüst errichtet: Von jedem der vier Ecktürme einer Burg streute eine Jungfrau, königlich an Gestalt und Alter, goldene Blätter auf den König; ein goldener Engel zwischen den Türmen setzte dem König beim Durchreiten eine Krone auf. Ein Brunnen spendete Wein (Thomas Walsingham, Hist. Anglicana, ed. Henry Thomas Riley, Bd. 1, Ld. 1863 [Rerum Brit. medii aevi scriptores, Bd. 28,1], S. 331f.).

IV. Um 1400-gegen 1600

Eine strenge Trennung der E. und F. nach solchen des MA und solchen der Renss. ist nicht möglich; für das 15. und 16. Jh. als einer Übergangszeit kennzeichnend ist das unmittelbare Nebeneinander von Traditionen (die noch bis ins 17. Jh. fortdauern konnten, s. Sp. 1481) und neuem Gedankengut, das in den einzelnen Ländern zu höchst verschiedenen Zeiten und in durchaus unterschiedlichem Ausmaß aufgenommen wurde.

Anzeichen des beginnenden Wandels ist das Einfließen von Antikenvorstellungen in traditionell rein christlich-religiöse Programmatik, auch deren Umdeuten durch Einrücken in andere Zusammenhänge. Deutlich ist dies besonders an den lebenden Bildern, die, dem ma. geistlichen Schauspiel entstammend, bei den E. und F. auf den jeweiligen Anlaß bezogen sind.

A. Einzüge

1. Festhalten am Herkömmlichen

a. bei E. dt. Kaiser und Könige

Die E. der (römisch-)deutschen Kaiser und Könige kennzeichnet ein Festhalten am Herkömmlichen. An Einzelheiten weiß man sehr viel mehr als aus voraufgegangenen Zeiten, wozu die ausführlichen Beschreibungen von E. vor allem in Stadtchroniken und Reiseberichten ihr Teil beitragen. Manches, was in den Quellentexten mitgeteilt ist, macht den Eindruck älteren Ursprungs und ist nur erst jetzt belegbar. Manches spiegelt eine stärkere Differenzierung im Zeremoniell, etwa danach, welchen Rechtsstatus eine Stadt hatte, in die der Herrscher einzog.

Fast immer spielt sich der Empfang in Etappen ab; auf Belege wird hier verzichtet.

Empfang mit Heiltum war ganz üblich; vgl. als beliebige Beispiele die Berichte über die zahlreichen E. Friedrichs III. auf seinem Zug nach Aachen zur Krönung 1442 und seiner Rückkehr von dort nach Wiener Neustadt ([12] S. 628 Augsburg], 631 Frankfurt a. M.], 635 Aachen], 639 Köln], 643 Frankfurt a. M.], 645 Speyer], 646f. Straßburg, Thann], 648 Zürich], 651 Genf], 654 Basel], 655 [St. Gallen] und 658 [Wien]).

Überreichen der Stadtschlüssel vor dem Tor und unmittelbar folgendes Zurückreichen derselben durch den Herrscher erfolgte meist nur in Reichsstädten oder im Gebiet der Hausmacht [16, S. 26f.]: beim E. König Sigismunds in Bern 1414 (ebd. S. 15), bei solchen Friedrichs III. 1442 in Frankfurt a. M. und in Freiburg i. Ü. (ebd. S. 27; [12] S. 650), in Florenz 1452 [11, S. 310] und in Metz 1473 [16, S. 95 Anm. 79], beim E. Maximilians I. in Basel 1493 (ebd. S. 18). In Nürnberg überreichte man die Schlüssel zur Burg, nicht aber die der Stadt (ebd. S. 27). Der Markgraf von Ferrara übergab dem nach Rom ziehenden Friedrich III. 1452 die Schlüssel zu allen seinen Städten und zu den „castelltörn“ [11, S. 308f.].

Unter einem meist aus kostbarem Stoff (Goldbrokat, Seide, bestickt) gefertigten Traghimmel („Staubfell“) gingen oder ritten König Sigismund 1414 in Bern ([16] S. 15; vgl. auch Abb. 3), 1417 in Zürich [14, S. 220], 1433 in Basel [16, S. 34]; Friedrich III. 1442 in Speyer und Freiburg i. Ü. und 1443 in Wien [12, S. 645, 650 und 658], 1452 in Bologna, Florenz und Siena [11, S. 310 und 313]; an letzterem Ort zog auch die Kaiserin unter einem Traghimmel ein (ebd. S. 313f.). Als Friedrich III. 1474 in Frankfurt a. M. wegen starken Regens den Wagen benutzte, wurde der Traghimmel vor diesem getragen [16, S. 16]. Welchen Rang die Träger des Himmels hatten, konnte davon abhängig sein, ob es sich um eine Reichsstadt handelte oder um eine Stadt anderen Ranges; so trugen ihn z. B. in Nürnberg 1471 sechs Ratsherren ([13] S. 14f.; vgl. Abb. 17), im bischöflichen Basel 1473 vier Ritter (Rud. Wackernagel, Gesch. der Stadt B., 2. Bd., 1. T., Basel 1911, S. 64), in der kaiserlichen Haupt- und Universitätsstadt Wien 1563 vier Universitätslehrer ([Caspar Stainhofer,] Gründtliche vnd khurtze beschreibung des alten und jungen Zugs / welche bede zu Einbeleittung der Röm. Kay. Mt. etc. Kaiser Maximiliani des Anndern / etc. ... zu Wienn ... seind angerichtet worden ..... Wien 1566, Bl. Bij). - Manchmal lehnte der Herrscher aus christlicher Demut die Benutzung eines bereitgehaltenen Traghimmels ab, so Sigismund 1414 in Luzern und Nürnberg ([14] S. 231; vgl. [16] S. 97 Anm. 84). Maximilian I. lehnte es in Nürnberg 1489 aus Höflichkeit gegenüber der Stadt ab, unter dem Traghimmel einzureiten [13, S. 19].

Von der Decke eines Traghimmels aus dem 4. V. 16. Jh. im Mus. der Stadt Regensburg wird angenommen, er sei beim E. Kaiser Rudolphs II. zum Reichstag 1594 verwendet worden (Leonie von Wilckens, Bildteppiche, Rgbg. 1980 [Mus. der Stadt Regensburg], S. 66-68).

Zu Ansprüchen Dritter an dem bei E. gebrauchten Traghimmel vgl. [16] S. 37f. und [14] S. 231.

Begleitung durch Kerzen- oder Fackelträger: Die Zünfte Straßburgs holten 1414 (Joh. Schilter, Die Alteste Teutsche so wol Allgemeine Als insonderheit Elsassische und Straßburgische Chronicke von Jacob von Königshoven, Strbg. 1698, S. 144), die Zünfte Zürichs 1417 König Sigismund mit brennenden Kerzen („Stangenkerzen“, „gestabte Kerzen“) ein [14, S. 220]. 1474 begleiteten in Frankfurt Fackelträger den Wagen Friedrichs III. [16, S. 17]. S. auch Sp. 1456.

Das Vorantragen des Schwertes, in den römischen „ordines“ seit E. 12. Jh. vorgesehen (s. Sp. 1434), ist auch im „ordo“ aus der M. 15. Jh. und im Kompendium des päpstlichen Zeremonienmeisters für die Krönung Karls V. 1529 enthalten (R. Elze a. a. O. [Sp. 1434] S. 145 und 178; Abb. 6 b). In der „Goldenen Bulle“ war 1365 festgelegt, daß aus Anlaß eines Reichstages der Kurfürst von Sachsen als Erzmarschall dem König das Schwert vorantrage (K. Müller a. a. O. [Sp. 1439] S. 77), seit 1414 ist das Vorantragen des Schwertes durch den sächsischen Kurfürsten beim E. zur Krönung in Aachen überliefert (Walter Kaemmerer [Hg.], Quellentexte zur Aachener Gesch., H. 3, Die Aachener Königs-Krönungen, Aachen 1961, S. 76); auch in einem „ordo“ des Basler Hochstifts vom Ende 15. Jh. ist das Vorantragen vorgesehen [16, S. 24f.]. Ob es stets ein blankes Schwert war (wie es z. B. vom E. Friedrichs III. 1471 in Nürnberg überliefert ist: [13] S. 14f.; s. auch unten), ist den Texten nicht immer zu entnehmen, und zeitgenössische bildliche Wiedergaben sind kaum bekannt (vgl. Abb. 3).

Eine Besonderheit scheint es gewesen zu sein, wenn dem König außer dem Schwert auch andere Insignien vorangetragen wurden (vgl. Abb. 6 b). Der ranghöchste Geistliche des Ortes trug dann - immer? - die Krone, so beim E. Friedrichs III. 1443 in Innsbruck der Bischof von Brixen, beim E. wenige Tage später in Salzburg der Erzbischof. Bei beiden E. trug Herzog Rudolf von Sagan den Apfel, der Ritter Wolfl Ungnad die Schwertscheide; das Schwert führte beim E. in Innsbruck Graf Bernhard von Schauenburg, in Salzburg der Graf von Wertheim, das Zepter in Innsbruck Graf Ulrich von Matsch, in Salzburg Graf Bernhard [12, S. 657f.].

Die Münzen, die traditionell bei E. ausgeworfen wurden (s. Sp. 1438 und 1441; Abb. 6 a), waren manchmal eigens zu diesem Zweck meist aus Silber hergestellte „Auswurfmünzen“ und weisen an den Anlaß erinnernde Münzbilder und Inschriften auf (vgl. Abb. 7 a und 7 b). Die ersten derartigen Münzen sind wahrscheinlich die anläßlich der Krönung Ferdinands I. 1531 geprägten (Tyll Kroha, Münzen sammeln, Braunschweig 31964 [Bibl. für K.- und Antiquitätenfreunde, 13], S. 208; allgemein: Friedrich Frhr. von Schlotter [Hg.], Wb. der Münzkde., Bln. und Lpz. 1930, S. 51; vgl. auch [22] Bd. 2 S. 190 Nr. XII.10.e; [23] S. 179-182, Abb. 54, auch Abb. 69 a).

Fahnen und Fähnchen wurden im Zug mitgeführt (vgl. Abb. 3) und wurden dem Einziehenden entgegengetragen. Beim E. König Sigismunds in Bern 1414 hielten ca. 500 Knaben Fähnchen mit den Farben des Reiches resp. der Stadt Bern, der größte der Knaben trug eine große Fahne mit dem Reichsadler (vgl. RDK III 748 Abb. 3: Spiezer Chronik des Diebold Schilling, 1484, in der Burgerbibl. Bern, Ms. Hist. Helv. I, 16; [16] S. 15). In Freiburg i. Ü. zogen 1442 vierzehnhundert Knaben mit rot-weiß-roten Fähnchen König Friedrich III. entgegen [14, S. 229f.]. 1471 gab die Stadt Nürnberg 425 k. aus für „panirlein den schulern, als der keiser ein ritt“ (Die Chroniken der fränk. Städte, Nürnberg, 5. Bd., Lpz. 1874 [Die Chroniken der dt. Städte, 11. Bd.], S. 519; beim E. Maximilians I. 1489 in Nürnberg schwenkten die Schüler gelbe Fähnlein, „die mit dem österreichischen Wappen und einem Wappen der Besitzungen Maximilians geschmückt waren“ [13, S. 20]. – Fähnriche, in Samt und Seide gekleidet und mit Fahnen aus der Kriegsstube ausgerüstet, waren beim E. Karls V. 1541 in Nürnberg am Rathaus, am Predigerkloster und an der Ehrenpforte postiert (ebd. S. 58).

Beim E. Friedrichs in Rom 1452 zur Krönung „warf man des hailigen römischen reichs paner auf und den adler mit ainem haupt in ainem kostlichen guldin tuch, an ainer guldin stang hat mans fliegen lassen“ [11, S. 315].

Wappenschilde mit dem Wappen von Österreich trug eine Kinderschar beim E. Friedrichs III. 1442 in Freiburg i. Ü. ([12] S. 650; vgl. auch RDK III 748 Abb. 3); in Siena hing beim E. Friedrichs 1452 in jeder Gasse „ain dreieggeter schilt“, auf den man hatte „lassen maulan an das ain ort das kaiserthumb und an das ander ort Portigal und an das dritt ort Österreich“ [11, S. 312f.]. S. auch Sp. 1451, zum E. Sigismunds 1414 in Bern.

Kostbarkeit der Kleidung war selbstverständlich. Dennoch ist gelegentlich manches besonders hervorgehoben. Mit der Kaiserin Eleonore von Portugal, Gemahlin Friedrich III., kamen 1442 nach Siena „mer dann achtzig ritter und edelman gar kostlich mit guldem gewand und in samat geklaidet und vil guldiner halspand“, und ähnlich reiche Kleidung trugen die „bei viertzig frawenbild“ (ebd. S. 312). S. auch Sp. 1457.

Zu kostbare Kleidung der den Herrscher Empfangenden war aber nicht erwünscht; in Frankfurt a. M. wies der Rat mehrmals an, daß die „jungen gesellen und burgeren doch nit zuvil silbers oder strußfedern anhencken“ (S. Sieber a. a. O. [Sp. 1419] S. 24).

Auffällig häufig ist Rot die Kleiderfarbe der den Herrscher Empfangenden: in Augsburg beim E. Friedrichs III. 1442 [16, S. 89 Anm. 54]; die Sienesen ritten 1452 der Kaiserin Eleonore „in rotem samat und rotem Scharlach beklaidet“ entgegen [11, S. 313]. In Genf trugen 1442 die vier Sindici Rot [14, S. 230]. In Nürnberg waren beim E. Karls V. 1541 die berittenen Bürger und Kaufleute, die Lakaien als Begleiter der Ratsherrn und Würdenträger sowie die berittenen Reisigen rot gekleidet; der linke Ärmel der Lakaienkleidung war heller, von weißen Zickzackbalken unterbrochen [13, Taf. VI-VIII]. S. auch Sp. 1457.

Rote und weiße Gewänder trugen die etwa 500 Knaben, die 1414 König Sigismund vor der Stadt Bern empfingen; sie hatten Kränze auf mit kleinen Schilden, die das Wappen des Reiches zeigten ([14] S. 229; [16] S. 15; RDK III 748 Abb. 3).

Pauker und Trompeter waren beim E. zur Krönung in Aachen obligat (s. Sp. 1454), sind aber auch sonst bezeugt (vgl. Abb. 3). So ritten beim E. Friedrichs III. in Nürnberg 1471 an der Spitze des kaiserlichen Zuges einundzwanzig Trompeter und ein Heerpauker ([13] S. 14f.; vgl. ebd. S. 60 und 166).

Als Geharnischte begleiteten Handwerker und andere Bürger den Zug und schufen ihm Platz (so in Frankfurt a. M. 1474 beim E. Friedrichs III.: [16] S. 17) oder hielten, „mit redlichem harnisch und gewehr“ ausgerüstet, den Andrang des Volkes in Schranken (E. Friedrichs III. 1473 in Straßburg: H. Ludwig a. a. O. [Sp. 1442] S. 158). - „Alle soldner mit harnisch“ waren 1431 zum E. Sigismunds in Augsburg aufgeboten (Die Chroniken der schwäbischen Städte, Augsburg, Bd. 2, Lpz. 1866 [Die Chroniken der dt. Städte, Bd. 5], S. 384). Im Dienst der Stadt Nürnberg stehende Herren übten das Geleit für den Kaiser beim E. 1471 aus [16, S. 16], Reisige der Stadt geleiteten 1485 den kaiserlichen Zug (Die Chroniken der fränk. Städte a. a. O. [Sp. 1450] S. 524f.).

Beim E. Karls V. in Nürnberg 1541 war die Reiterei unter Führung des Obersten Kriegshauptmanns der Stadt dem Kaiser entgegengeritten und führte dann den Zug in die Stadt an, von den Rottmeistern und Handwerkern gestellte Söldner und Freiwillige bildeten in Rüstung und mit Helmbarten das Spalier (ebd. S. 58; ähnlich beim E. Maximilians II. 1570: ebd. S. 113).

Ein offensichtlich einmaliges Ereignis blieb das Aufführen eines Waffenspiels durch Ritter und Knechte innerhalb des Zuges vor dem Wagen der Königin Elisabeth, ihr zu Ehren (E. König Ruprechts von der Pfalz 1400 in Straßburg: H. Ludwig a. a. O. [Sp. 1442] S. 151).

Ob die zunächst zum Salutschießen bereitgehaltenen Geschütze immer auch im Zug mitgeführt wurden, wie es z. B. beim E. Ferdinands I. 1521 in Nürnberg geschah [13, S. 32f.], wurde nicht untersucht.

Eine besondere Attraktion bildeten exotische Tiere, z. B. beim E. Maximilians II. in Nürnberg 1570 ein „hellfant mit einer gelben und ascherfarben sammaten deck; darauf ein gubernator, der ihn regirt“ (ebd. S. 123).

In welchem Umfang Schaugerüste entlang des Weges aufgestellt wurden, ist schwer genauer zu übersehen; unklar ist, wozu sie genutzt wurden. 1442 wurde beim E. Friedrichs III. in Lausanne das „spil ... von der allten ee“ aufgeführt [12, S. 651]. In Siena war beim E. der Kaiserin Eleonore 1452 auf dem Platz vor dem Dom ein Tabernakel aufgebaut, auf dem eine „zierlich junckfraw, fast kostlich angelegt“, thronte, und „hett ain guldin cron auf ihrem haupt“; ihr zugeordnet waren als Kronen tragende Engel gekleidete Knaben, die an einem Rad auf und ab schwebten, dabei sangen und musizierten [11, S. 314].

Zu dem festlichen Apparat, der in Straßen und auf Plätzen aufgebaut war, s. die Abb. 16 und 34 sowie Sp. 1424ff.

Bei bildlichen Wiedergaben eines herrscherlichen E. sind manchmal in rechtlichem Zusammenhang stehende Ereignisse wiedergegeben, so das Rückführen aus der Stadt Verbannter (dazu s. Sieber a. a. O. [Sp. 1419] S. 35, Peyer [14] S. 227f. und Drabek [16] S. 35-37). - Über rechtliche Ansprüche an vom Herrscher gerittene Pferde beim E. zur Altarsetzung in Frankfurt a. M. sowie zur Krönung in Aachen s. ebd. S. 38-41; für Rom ist der Brauch in den „ordines“ seit Ende 12. Jh. festgehalten (R. Elze a. a. O. [Sp. 1434] S. 62 u. ö.), chronikalisch für den E. Karls IV. 1355 bezeugt [16, S. 42].

Aufzeichnungen zum Jahr 1442, in welcher Ordnung die „kurfursten mit dem kung reitn sullen“, wenn dieser in Aachen zur Krönung einzog, legten fest:

„Von erst soll des von Sachsen volk den vorzug haben und darauf des phallenzgraven und darauf des von Brandenburg volk und darauf des von Tryer volk. Es sol auch der von Tryer selbs persondlich reiten dem kung gleich vor seinem swert, und im soll an der rechten Seiten reiten der phalzgraff persondlich und auf der tenken seiten der von Brandenburg auch persondlich, also das die drei kurfursten neben einander reiten.

Nach dem sol der von Sachsen alters allain vor dem kung reiten gleich auf die drei kurfursten und sol dem kung das schwert plosses vorfuern ...

Darnach soll nun der Roemisch kung nach dem von Sachsen reiten und sol zu der zeit der von Khoͤln an der rechten seiten reiten und an der tenken seiten der von Maintz, also das die zwen kurfursten sullen all nach dem kung reiten.“ (Dt. Reichstagsakten unter Kaiser Friedrich III., 3. Abt., Stg. und Gotha 1928 [Dt. Reichstagsakten, 16. Bd.], S. 171).

Als Zeugnis für die reale Ordnung beim E. zur Krönung in Aachen sei, seiner Ausführlichkeit wegen, der Bericht des Ritters Ludwig von Eyb zur Krönung Maximilians I. 1486 referiert.

Den Zug eröffneten der Trompeter und der Pauker des Kurfürsten von Sachsen und zwei Trompeter des Pfalzgrafen bei Rhein, dann zu vieren des Königs Trompeter, nach ihnen Herold und Persevant. Es folgten der Graf von Beütten und Friedrich von Egemond, der Herzog von Geldern und der Herr von „Symel“, der Bischof von Verdun und der Propst von Maastricht, der Herzog von Jülich zusammen mit dem Herzog von Kleve, dann Markgraf Christoph von Baden, begleitet vom Erzbischof von Salzburg und von Herzog Albrecht von Sachsen, schließlich der Kurfürst von Trier, darauf, im Hinblick auf die Teilnahme des Kaisers am Zug, der Reichsherold „mit des keysers wappen, rock und stab“. Vor dem König kamen der Pfalzgraf bei Rhein und Herzog Ernst von Sachsen, der das Schwert trug, zur Rechten Maximilians der Kurfürst von Köln, zur Linken der von Mainz. Dem König folgte im Wagen Kaiser Friedrich III., begleitet von Fürsten, Grafen und Rittern, und der kaiserliche Zug. Den Schluß bildeten der kölner und der jülicher Zug (Köln und Jülich hatten das Geleit zu stellen). Unter dem ersten Stadttor erhielten die Wächter „nach Irer gerechtigkeyt“ das Pferd des Königs, für den ein weiteres bereitstand. Hinter dem Tor erwarteten die Stiftsherrn mit „keyser Karls haubt mit seiner kron“ den König und geleiteten ihn zur Kirche, wo „der Erbhoffmaister im Hertzogthumb von Gülch das ander Roß“ nahm (Jos. Baader, Ann. Niederrh. 15, 1864, S. 1ff., bes. S. 4f.).

Im Prinzip gleich war der E. Karls V. 1520 (Aloys Schulte, Die Kaiser- und Königskrönungen zu Aachen 813-1531, Bonn und Lpz. 1924 Rhein. Neujahrsbll., 3. H.], S. 59-66 und 96-98, mit Lit.; Herm. Heusch, Le sacre de Charles Quint à Aix-la-Chapelle, in: [15] S. 161-168). Am E. Ferdinands I. 1531 nahm Kaiser Karl V. teil, und Rat und Bürgermeister zogen mit (der Bericht im Cod. 296 der Univ.bibl. Gießen und das „Warhafftyge und aigentliche Verzaichnüs“ weichen in Einzelheiten voneinander ab: W. Kaemmerer a. a. O. [Sp. 1448] S. 98f. und 105-107).

Anders chargiert war der Zug beim E. zur Kaiserkrönung in Rom. Als Beispiel sei die Schilderung Kaspar Enenkels von der Krönung Friedrichs III. 1452 wiedergegeben.

Um das Reichsbanner waren um 500 Grafen, Herren und Ritter geschart, alle geharnischt und mit Dienern; vor dem Haufen um das Banner ritten zweihundert Geharnischte, nach ihm sechshundert, Kriegsvolk von des Kaisers Bruder Albrecht. Es folgten der junge König Ladislaus V. von Ungarn (des Kaisers Neffe und Mündel), die Venezianer, Mailänder und „vil ander teutscher und welscher herrn und ritter“. Den Stadtpräfekten von Rom begleiteten, in Samt und Scharlach gekleidet, die römischen Senatoren. Der Marschall von Pappenheim trug das Schwert vor dem Kaiser, der einen braunen, mit Gold gezierten Rock anhatte und einen schwarzen Hut mit einem kostbaren Kranz; sein Pferd „mit ainem schönen guldin sattel mit vil edelm gestain ... hett ain gar kostlichen zaum“. Den Herrscher begleiteten zwei Kardinäle. Es folgten Prälaten, Fürsten, „doctores“ und kaiserliche Räte, Kämmerer und Truchseß, „wol bei fünftzig, in ihrem harnesch, das niemant zu dem künig nächen mocht. und ritten wol bei fünfhundert rüstiges volcks bei dem künig und nach demselben zeug bei zwaihundert knaben mit fanen, auch alle zu ross, und nach denselben aber vil herren, ritter und knecht.“ - Die Kaiserin begleiteten ihr Hofmeister, ihr Kammermeister, ihr Marschall, hoher Adel, kaiserliche und portugiesische Ritter. Sie trug „ain guldin kostlichen mantel in plaw und hett gar ain kostlich halsband“, ritt ein Pferd, „mit ainem guldin tuͦch verdeckt“, und war umgeben von ihrer Hofmeisterin und vielen Jungfrauen, alle in Kleidern aus Gold und Samt; „und neben ainer iegclichen frawen oder junckfrawen rittens allweg zwen ritter, an iegclicher seiten ainer“. - Danach ritten die Herren der Reichsstädte, wohl bei fünfhundert, alle im Harnisch. Den Schluß bildeten dreitausend Söldner, gestellt vom Papst und der Stadt Rom; „denselben zoch man vil verdackter pferd vor mit guldin und samatin tuͦchern, die waren wol geharnescht und hetten gar vil helmlin, mit gold und silber beschlagen und mit kostlichen federpüschen geziert“. Die Nachhut hielten weitere tausend Geharnischte zu Fuß [11, S. 315-317].

Als Zeugnis für den bei einem landesherrlichen E. üblichen Aufwand sei der Bericht der Landshuter Ratschronik zum Jahr 1468 angeführt.

Erbprinz Georg ritt ein in Begleitung seines Vaters, Herzog Ludwig. Sie wurden „würdigklichen empfangen mit der Procession und von baiden Pfarrn, baiden Clostern und dem Heiligen Geist mit Hailtumb und ain yeder Prüester in seinem Ornat. Es seyn auch edl Burgerin und ander Frauen in der bemelten Procession und darzue ain ersamer Rathe und all Zunft mit iren Körzen, als sy zu Gottes Leichnambs Tag geent, hinauf gangen und ain yeder an sein Kerzen langen und kurtzen, auch ain yeder Schueler, groß und klain, ein Vendl von Bayrlandt in sein Hand getragen und alda den obgemelten jungen Fürsten mit Pusaunen und Pfeiffern, als sich gebürt, als ainen jungen Erbfürsten und Herrn des Landts diemuetigklich empfangen“ (Die Chroniken der baierischen Städte. Regensburg, Landshut, Mühldorf, München, Lpz. 1878 [Die Chroniken dt. Städte, Bd. 15], S. 315).

b. Brauteinzüge

Beim E. der Braut des regierenden (oder zukünftigen) Landesherrn oder eines Angehörigen der landesherrlichen Familie wurde eine Ordnung eingehalten, die der eines herrscherhchen E. nahekam. Auch der Aufwand glich einem solchen: Empfang in Etappen, Geleit durch Bewaffnete, kostbare Kleidung, Kleiderfarben nach Tradition oder Programm.

So ritten z. B. beim E. der polnischen Königstochter Jadwiga zu ihrer Vermählung mit dem bayerischen Herzogssohn Georg in Landshut 1475 die zum Empfang der Braut mit tausend Reisigen ausgezogenen Fürsten, unter ihnen des Kaisers Sohn Maximilian, in besonders reicher Kleidung an der Spitze des Zuges zurück zur Stadt, gefolgt von drei polnischen Adeligen in Seide. Vor dem Wagen der Braut ritten zwei „Knaben“ in roten Seidenkleidern; das Pferd des einen hatte eine goldene Decke, das des anderen eine aus kostbarem, mit Perlen besticktem Gewebe. Die begleitenden Litauer, in Rot und Gold, führten Bogen und Köcher, „gleich Türken“. Nach ihnen ritten zwei „Knaben“ auf Pferden mit kostbaren Decken (mit Perlen bzw. mit silbernen und vergoldeten Spangen besetzt), dahinter drei „Knaben“ in Sätteln mit silbernen und vergoldeten Spangen. Die Braut trug ein Kleid aus Goldstoff. Ihren Wagen zogen acht Schimmel, deren Riemenwerk mit rotem Tuch umwickelt war, und die Reitknechte waren rot gekleidet. Zur Rechten des Wagens ritten Herzog Otto von Bayern, Landgraf Ludwig von Leuchtenberg und andere Adelige, alle in Braun, Weiß und Grau, den Leibfarben des Bräutigams. Zur Linken ritten die polnischen Herren in Goldstoff und Seide. Nach dem Wagen der Braut kam der mit der Großmutter und der Base des Bräutigams, die sich in Wittenberg dem Zug angeschlossen hatten, dann der Wagen mit den Frauen und Jungfrauen der Braut, und der Reitknecht dieses Wagens trug wieder rote Kleidung, wie auch das Riemenwerk wieder rot umwickelt war. Nach weiteren Wagen und paarweise reitenden polnischen Herren bildeten Reisige den Schluß des Zuges. Unterwegs hielt man an, ein Stechen wurde aufgeführt.

Die letzte Wegstrecke zum Ort der Trauung begleiteten zusammen mit den Fürsten der zum Fest anwesende Kaiser und der Bräutigam den Zug. Dieser war ausnehmend kostbar gekleidet, sein Hut mit einem Kranz großer Perlen und Edelsteine und mit Reiherfedern geschmückt. Vor dem Wagen der Braut ritten jetzt auch zehn Pagen in den Leibfarben des Bräutigams, mit Reiherfederbüschen am Hut; ihre Pferde hatten Reiherfedern an der Stirn, das Sattelzeug war aus Perlen gearbeitet, die Sättel mit silbernen Spangen beschlagen. Zu dem Zug waren etwa einhundertundzehn Trompeter, Paukenschläger und Pfeifer hinzugetreten. Am Kirchenportal erwarteten die Fürstinnen den Zug mit der Braut. – Im F. nach der Trauung zur Herberge trugen fünfzig Ritter und Edelleute vor der Braut Fackeln (Seb. Hiereth, Zeitgenössische Quellen zur Landshuter Fürstenhochzeit 1475, Landshut 1959; ders., Hzg. Georgs Hochzeit zu Landshut i. J. 1475, Landshut 1965 Landshut in Wort und Bild, Bd. 2], S. 64-72).

2. Neuerungen

Neuerungen sind in erster Linie in Italien, Frankreich und den Niederlanden zu konstatieren; aber auch hier muß stets damit gerechnet werden, daß die nun sehr viel günstigere Quellenlage punktuell zu Fehleinschätzungen führen kann: manches erstmals Faßbare kann schon eine mehr oder minder lange Tradition haben.

a. Herkömmlich geordnete Züge konnten Inserate erhalten.

Als 1431 König Henry VI. von England aus Anlaß seiner Krönung zum König von Frankreich am 1. Advent in Paris einzog, empfingen ihn vor der Stadt ein Herold sowie die Göttin Fama zu Pferd, begleitet von den neun guten Helden und den neun guten Heldinnen. Sie eröffneten auch den Zug, gefolgt von Rittern und Edelknaben sowie vier Bischöfen und dem Kardinal von Winchester. Vor dem König zogen 25 Herolde und 25 Trompeter. Die Ratsherrn von Paris und die Vorsteher der Kaufleute, alle in Rot gekleidet, mit Hüten, hatten den König an der „porte de St-Denis“ erwartet, über der das Wappen von Paris prangte. Vier Ratsherrn hielten über dem Monarchen den azurfarbenen, mit Lilien besäten Traghimmel, „gerade so wie man es bei Unserem Herrn macht zu Fronleichnam“. Wo der König vorüberritt, rief man „Noel!“. Entlang des Weges standen zahlreiche Schaugerüste (Genaueres über diese und die Farben der Kleider bei [17] S. 59-70).

b. Auf den in W-Europa weiterhin üblichen Schaugerüsten konnten „Bildungsthemen“ gezeigt werden.

Als Henry VI. wenige Tage nach der Krönung in Paris in London einzog, ritten ihm der Lord Mayor (John Welles) und die Ratsherren entgegen, begleitet von den Vertretern der Zünfte. Der Lord Mayor war in roten Samt gekleidet, die Ratsherren in Scharlachfarbe, die Zunftvertreter ganz in Weiß. Die Bürger trugen gleichfalls Weiß, die fremden Kaufleute, Genuesen, Venezianer, Florentiner und die Mitglieder der Hanse ihre Landestracht. Vor der Brücke hielten zwei Antilopen das französische und das englische Wappen. Neben anderen Attraktionen gab es auch hier wieder lebende Bilder. Eines von ihnen war die „Dame Wissenschaft“; davor standen die sieben freien Künste mit ihren Repräsentanten: Rhetorik mit Cicero, Musik mit Boetius, Arithmetik mit Pythagoras usw. An Brunnen schenkten die drei Jungfrauen Dankbarkeit, Gnade und Mitleid Wein aus (Rob. Withington, Engl. Pageantry, Bd. 1, Havard 1918, S. 141-148; dort auch die Quellenangaben und Beschreibung weiterer E.).

Das Nebeneinander von Schaugerüsten mit traditionellen (biblischen) und solchen mit neuen (literarischen) Themen tritt in der Hs. 78 D 5 vom Ende des 15. Jh. im Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen preußischer Kulturbesitz, Berlin, besonders markant zutage.

Hier wird vom E. der Erbtochter Spaniens, Johanna von Kastilien, 1496 in Brüssel nach ihrer Eheschließung mit dem Habsburger Philipp berichtet und das Selbstbewußtsein brabantischen Stadtbürgertums mehr als deutlich repräsentiert: Nicht der fürstliche E. ist dargestellt, sondern das, was die Stadt dabei aufbot: Johanna entgegenziehende Gruppen der Geistlichkeit, Gilden (Abb. 4 a), städtischen Beamten, außerdem Wildleute, Narren, maskierte Dudelsackspieler im Schlitten, schließlich die achtundzwanzig Schaugerüste, deren Themen, wie aus den gegebenen Erläuterungen hervorgeht, auf Johanna und die Eheschließung bezogen wurden: Szenen aus dem Alten Testament (Jubal und Tubalkain, Judith und Holofernes, der alte und der junge Tobias, Tobias und Sara, Abimelechs Tod durch die Tebezerin, Salomon und die Tochter des Pharao, David und Michol, Rebekka und Isaak [Abb. 4 b], Ahasver und Esther, Deborah und Baruch, Jael und Sisara) und aus Boccaccios Dichtung „De casibus virorum et mulierum ...“ (Astyages’ Traum; von den berühmten Frauen ‚Deiphilis’, „Sinopis“, „Ipolita“, „Menelope“, „Semiramis“, „Lampeto“, „Tamaris“, „Teuca“, „Pantasilea“, die Königin von Saba), ergänzt um je eine Darstellung aus der Geschichte Brabants (Abb. 4 c) und Kastiliens (Vermählung Merianas mit Herzog Florentius von Mailand), ferner das Parisurteil, Lukas malt die Madonna, Liebespaare in einer Stube („domus deliciae“: Abb. 4 d), schließlich zwei Schauwände mit den habsburgischen und spanischen Territorialwappen (Beschr. Verz. Kk. Bln. S. 179-181; Max Herrmann, Forschgn. zur dt. Theatergesch. des MA und der Renss., Bln. 1914, Abb. 60-76; Heinz Kindermann, Theatergesch. Europas, Bd. 2, Salzburg 1965, Abb. 25-28).

Höchst ungewöhnlich ist die Zusammenstellung von Szenen aus der Geschichte der Stadt Brügge mit solchen aus der Heilsgeschichte als ihren „Präfigurationen“ auf den Schaugerüsten, die anläßlich des E. von Erbprinz Karl (dem späteren Kaiser Karl V.) 1515 in Brügge zu sehen waren.

Auf sehr unterschiedlichen Schaugerüsten (retabelartig, als Burg, Portal) wurden außer diesen Zusammenstellungen (vgl. Abb. 5 a; [15] Taf. 15 und 41) auch mythologische Themen vorgestellt (Jupiter und Juno; Orpheus), ferner Anspielungen auf Spanien, Burgund, Habsburg, Fürstenhäuser, denen der Prinz entstammte, ferner auf Fürstentum und Herrschaft (Abb. 5 b; vgl. ebd. Taf. 40f.); auf dem Wasser lag ein türkisches Schiff, das von christlichen Galeeren angegriffen wurde, als der Prinz seiner ansichtig wurde.

Der E. erfolgte durch das mit blauem Tuch verhängte Heiliggeisttor mit dem Wappen Karls und dem Flanderns. Den Weg, den der Zug in der Stadt nahm, säumte auf beiden Seiten ein zwölf Fuß hohes, mit blauem Tuch drapiertes Gerüst, auf dem die Wappen Karls, Flanderns und der Zünfte angebracht waren und vor dem etwa 4500 Fackeln brannten (ob nur der hereinbrechenden Nacht wegen?).

Den Zug eröffneten die Bewohner von Brügge, die Karl zur Begrüßung vor die Stadt entgegengezogen waren. Daran schloß sich des Prinzen Gefolge an, erst die Reiterei, dann Offiziere, Edelleute, Kämmerer und Pensionäre. Nach den Hofmeistern, jeder mit einem Stab, ging der Großhofmeister allein, hinter ihm Kanzler und Räte. Auf die Herren des Ritterordens (Goldenes Vlies?) folgten Bischöfe und Prälaten sowie Fürsten. Dann kamen Trompeter und Hornisten, nach ihnen Wappenoffiziere und Herolde. Der Großstallmeister trug den Ehrendegen vor dem Prinzen, der ein spanisches Pferd ritt, schön und kostbar geschmückt, mit einer Decke aus Goldbrokat. Karl trug ein reich mit Perlen und Edelsteinen geziertes Gewand, sein Barett aus Velours war mit Federn und großen Perlen geschmückt. Hinter dem Prinzen wurde in kurzem Abstand eine Sänfte getragen, in der seine Tante Margarete, Statthalterin der Niederlande, saß. Sie begleiteten der Aragonesische Botschafter und ihre Damen und Fräulein. Den Schluß des Zuges bildeten die Leibbogenschützen unter ihrem Kapitän.

Recht genau ist die Schilderung der Kleiderfarben und Stoffe, die die Brügger trugen. Die Bürgerwehr („Mess. de la loi“) war gekleidet in karmesinfarbenen Velours (die ersten) oder in Scharlach und rotes Tuch, mit schwarzem Velours eingefaßt, die Offiziere und Diener in Blau. Notabeln, Bewohner der Stadt, Kaufleute trugen Rot, das Gewand weiß und gelb eingefaßt, die einen in Seide, die anderen in Wolle, je nach ihrem Rang; die Hüte waren gelb mit weißen und roten Seidenbändern und Federn in den gleichen Farben. Die freie Bürgerwehr („Mess. de la loi franc“) kam in schwarzem Satin, eingefaßt mit Velours, ihre Offiziere in gelbem, weiß und blau eingefaßtem Tuch, die Diener in Braungrün, mit gelben Mützen.

Überliefert ist der E. sowohl in einer reich bebilderten, dem Prinzen gewidmeten Handschrift mit vom „Hofberichterstatter“ Remy du Puy verfaßten Text (Wien, Österr. Nat.bibl., Cod. 2591) als auch in einem gedruckten, mit 33 Holzschnitten ausgestatteten Bericht (La tryumphante et solemnelle entree ... de ... prince Monsieur Charles prince des hespaignes ... en sa ville de Bruges 1515, o. O. u. J. Paris 1515]; Ndr., mit Einleitung von Sidney Anglo, Amst. 1975). Nach der Widmung (mit Bild) und der Vorrede folgt auf die abbreviierte Wiedergabe des Zuges die Beschreibung der Vorgänge bis zum E., die Aufzählung des fürstlichen Gefolges, die Begrüßung durch die Stadt, der Empfang durch Bürgerwehr und Freie Bürgerwehr, Notabeln und Einwohner, schließlich die Ordnung des E. selbst, die Wiedergabe und Kommentierung der Schaugerüste, Ehrenpforten (zu diesen RDK IV 1462f. und Sp. 1453f. Abb. 3f.), Brunnen sowie des türkischen Schiffes.

Anspielungen auf den Herrscher und seine kommenden Taten waren beim E. Franz’ I. von Frankreich auf dem Weg in das zu erobernde Mailand in Lyon 1515 dargestellt (L’entree de François Premier Roy de France en la Cité de Lyon le 12 jouillet 1515: Handschrift in der Herzog August-Bibl., Wolfenbüttel, 86,4 Extravagantes; ed. Georges Guigue, Lyon 1899; [18] S. 71f.).

Acht Tugenden - Foi, Raison, Attemperance, Noblesse, Charité, Obéissance, Iustice, Sapience - standen auf Säulen am Weg, jede Tugend hielt den Anfangsbuchstaben ihres Namens, was den Namen des Königs ergab; als neuer Herkules holte Franz goldene Äpfel aus dem Garten Mailands; einem Bären (= die mit Mailand verbündeten Schweizer) wurden die Krallen ausgerissen. Der König hielt beim E. denn auch vor jeder der Stationen an.

Ausführlich sind bei diesem E. wiederum die Kleiderfarben der städtischen Teilnehmer am Zug referiert. Den Anfang des Zuges bildete der Klerus der Stadt, gefolgt erst von den Beamten der geistlichen, dann denen der weltlichen Gerichtsbarkeit. Danach kam der Hafenmeister von Lyon mit seinen Offizieren und Garden, nach ihm der Seneschall von Lyon, begleitet vom Lieutenant des Königs, Stadtschreibern, Advokaten, Notaren, Prokuratoren und königlichen Sergeanten. Diesen folgten, in Damast gekleidet, die zwölf Räte der Stadt unter Vorantritt der Stadtknechte. Dann kamen die Notabeln und Bürger von Lyon. Die Kaufleute deutscher Nation waren beritten und in Grau gekleidet. Die Kaufleute und Bankiers aus Lucca trugen schwarzen Damast und ein karmesinfarbenes Wams aus Satin, die ihnen voranreitenden zwei Pagen ein zweigeteiltes Gewand aus Silberbrokat und karmesinfarbenem Velours. Das Gewand der Florentiner Kaufleute war auf der einen Seite gelb, auf der anderen halb violett, halb weiß. Die vier vor dem Konsul von Florenz reitenden Pagen trugen ein Kleid halb aus Goldbrokat, halb aus Silberbrokat und violettem Velours, ihre Barette hatten gleiche Farben. Der Konsul selbst trug schwarzen Velours, Goldknöpfe und ein Warns aus karmesinfarbenem Satin; die dem Konsul folgenden Kaufleute und Bankiers waren wie er gekleidet. Die Einwohner von Lyon, unmittelbar vor dem königlichen Zug, waren teils in weißen Velours und Satin, teils halb in Silberbrokat, halb in weißen Velours oder Satin gekleidet und trugen weiße Hüte mit weißen Federn.

Die E. König Heinrichs II. von Frankreich stehen in der Tradition französischer Herrscher-E., doch sowohl im Titel der aus diesem Anlaß herausgegebenen Schriften wie auch bei den Themen der szenischen Darbietungen sowie den Dekorationen meldet sich italienischer Einfluß und mit diesem Rückgriff auf die Antike.

In Lyon 1548 zogen die Teilnehmer aus der Stadt zunächst, unter Vorführung von Kampfspielen, am König vorbei. Eröffnet wurde der Zug durch die „maréchaussées“ von Lyon („berittene Polizei“); ihnen folgten die Handwerkergilden, die in Lyon tätigen fremden Kaufleute, die städtischen Würdenträger, die Kinder von Lyon und die Bürgermiliz. Zum E. schloß sich der König mit seiner Suite („La maison du Roy“) an. Nach den Dreierreihen der Schweizer Söldner mit Tambour und Pfeifern kamen die Gardebogenschützen zu Pferd, nach ihnen hundert Edelleute. Der Oberststallmeister mit dem Degen zog unmittelbar vor dem König, dieser unter dem Traghimmel. Ihm folgten die Prinzen, hohen Geistlichen, Edelleute, die Garde und die Nachhut.

In der Beschreibung der „antiquitez & eschaffaux qui furent préparez pour ladicte entrée“ wird die Vermengung von Herkömmlichem und Neuem deutlich. So ist z. B. an die Stelle der üblichen Schlüsselübergabe deren „préfiguration“ getreten, die Wiedergabe von Diana und ihren Nymphen, die einen Löwen fingen und dem König präsentierten (Le grand Triumphe faict à l’entrée du Treschrestien et tousiours victorieux Monarche, Henry second de ce nom Roy de France, en sa noble ville et cité de Lyon ..., Paris 1548; die in Lyon 1549 veröffentlichten Beschreibungen verzeichnet [18] S. 75f. Nr. 48f.).

Beim E. Heinrichs II. 1549 in Paris, dessen Ordnung der des E. in Lyon weitgehend entsprach, waren die Schaugerüste sämtlich à l’antique; z. B. hatte eines die Gestalt eines Obelisken, doch getragen von einem Rhinozerus und bekrönt mit der siegreichen, antikisch gerüsteten „Francia“ als „seconde Bellona“ (C’est Vordre qui a este tenu à la novvelle et ioiyvse entrée que ... le Roy treschrestien Henry deuzieme de ce nom, à faicte en sa bonne ville & cité de Paris ..., Paris 1549, Ndr., mit Einleitung und Anmerkungen von Jan Dalrymple McFarlane, The Entry of Henry II into Paris 16 June 1549, Binghamton/N.Y. 1982 [Medieval and Renss. Texts and Stud., 7]).

c. Ob die bereits von den Zeitgenossen als Triumph („triumphus“, „triumphalis ingressus“) bezeichnete Art des E. nur in eroberten Städten stattfand, ist eine offene Frage. Keine Frage ist, daß man bei diesen E. Wagen mitführte und daß es in der Antike bei Triumphzügen Wagen gegeben hatte.

Zuerst scheint man in Italien solche „Triumphwagen“, auf denen allegorische Darstellungen und Szenen aus Mythologie und Historie gezeigt wurden, verwendet zu haben, wo man sich bei Prozessionen schon im 14. Jh. einfacher „carretti“ bedient hatte, so beim Johannisfest in Florenz, einer „cosa trionfale“ („sono alla gran Piazza cento Torri ... portate quali con carretti ...“: Goro Dati, Istoria di Firenze dall’ anno 1380 all’anno 1405, Flor. 1735, S. 86). Wagen dieser Art bildeten, aufwendiger gestaltet, in der Folgezeit einen Hauptakzent von E. und wurden auch bei F. aus den verschiedensten Anlässen aufgeboten (s. Sp. 1466).

Ob, und falls ja, bis zu welchem Grad, Petrarcas „triunfi“ (1352 beg.; ed. princ. Rom 1470) auf Gebrauch und Gestaltung der Triumphwagen Einfluß hatten, läßt sich nicht eindeutig beantworten. In der Nachfolge von illuminierten Handschriften von Petrarcas Dichtung kam es zu selbständigen Darstellungen des Themas, bei denen man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, daß es sich um Wiedergaben von real vorhandenen Wagen handelt (s. die Abb. bei Caradente, Trionfi; vgl. auch Lutz Malke, Contributo alle figurazioni dei Trionfi e del Canzoniere del Petrarca, Commentari 28,1977, H. 1-3 S. 236-261).

Hingewiesen sei auf die Wagen auf der Rückseite des von Piero della Francesca um 1465 oder um 1472/1473 geschaffenen Bildnispaares von Federigo da Montefeltre und seiner Gemahlin Battista Sforza (Florenz, Gall. degli Uffizi; Creighton Gilbert, Change in P.d.Fr., New York 1968, S. 95-99, Fig. 41f.); Benedetto Capilupo beschrieb in einem Brief die Hochzeit von Guidobaldo, dem Sohn Federigos, 1486, dabei den „Triumphzug“ des Herzogs mit einem von zwei Kentauren gezogenen „carro triumphale“, auf dem sich Cäsar, Scipio, eine Sibylle und Herzog Federigo befanden und ein Engel einen Palmzweig (über den Herzog?) hielt (Walter Bombe, Die K. am Hofe des Fed. von Urbino, Monatshh. f. Kw. 5,1912, S. 470) - die Parallele zu den Darstellungen auf der Rückseite der Porträts ist nicht zu übersehen.

Das verstärkte Interesse an der Antike im 16. Jh. schloß auch die kritische Beschäftigung mit dem Phänomen des Triumphs ein. Man bemühte sich über die literarischen Quellen hinaus auch um die bildliche Rekonstruktion des antiken Triumphzuges anhand von Monumenten und Münzen (s. Triumphzug). Man sah aber auch in antiken literarischen Quellen Präzedenzfälle für zeitgenössische E., was die Gleichsetzung des Triumphzuges mit dem E. nach sich zog.

Onuphorius Panvinius veröffentlichte in Venedig 1571 seinen „Commentario dell’uso et ordine de trionfi antichi“ (mehrere Aufl. unter wechselndem Titel bis ins 17. Jh.). Er ging nicht nur der Wortgeschichte nach, sondern versuchte auf Grund seiner Kenntnisse von römischen Denkmälern auch die Rekonstruktion des Triumphzuges und der „pompa circensis“ im Bild. (Taf. „Ornatissimi trivmphi“, dat. 1565: Alte und moderne K. 22, 1977, H. 150 S. 13 Abb. 11; Taf If). Franciscus

Modius publizierte 1585 in Ffm. die „Pandectae Triumphales“, in denen er ebenfalls dem Ursprung des Wortes nachging und die verschiedenen Formen des Triumphzuges beschrieb („de triumphis veterum“), dann im zweiten Buch eine Reihe von ma. und neuzeitlichen Veranstaltungen unter dem Titel „de triumphis recentiorum“ anschloß, Fürsten-E., die er als „triumphalis ingressus“ bezeichnete.

In Italien führte man schon vor der M. 15. Jh. bei E. mehrere „carretti“ mit.

Beim E. König Alfonsos von Aragon 1443 in Neapel nach dem Sieg über den Gegenspieler René d’Anjou kam der Zug nach römischer Art durch eine Mauerbresche in die Stadt. Auf der Piazza del Mercato stand eine vergoldete hölzerne Ehrenpforte, besetzt mit Tubabläsern und sechs singenden Knaben, Engeln gleich und wie Nymphen gekleidet - möglicherweise Victorien darstellend, wie sie an antiken Triumphbögen anzutreffen sind. Den Zug eröffneten Priester und berittene Tubabläser. Ihnen folgten Reiter mit grünen Zweigen und kurzen Lanzen, dann der Wagen mit Fortuna, zu deren Füßen ein Engel einen vergoldeten Globus hielt. Ihm schlossen sich zu Pferd die sechs Tugenden an, Spes, Fides, Caritas, Fortitudo, Temperantia und Prudentia. Die siebente, Justitia, stand auf einem Wagen hinter der - Anspielung auf Alfonso - unbesetzten „Segia regia“; drei Engel hielten eine Krone, und versprachen sie demjenigen, der sie durch seine Gerechtigkeit verdiene. Der nächste Wagen trug einen sich drehenden Globus, über dem stand der geharnischte Cäsar, ermahnte in einer Ansprache Alfonso, die Tugenden zu beherzigen, und versprach ihm dafür den Thron; seine Rede schloß mit dem Wunsch für das Wohlergehen Alfonsos und für die Freiheit von Florenz – die Florentiner Kaufleute in Neapel hatten die Kosten dieses Zugteils bestritten, den nun folgenden die katalanischen Kaufleute: Eine Gruppe zeigte den Sieg der Spanier über die Barbaren; ein hölzerner Turm des Friedens, bewacht von einem Engel mit gezücktem Schwert, war der Wagen für die Herrschertugenden Magnanimitas, Constantia, Clementia und Liberalitas, in deren Mitte die „sedia periculosa“ stand (Devise Alfonsos) und die ihn als König des Friedens ehrten. Den vergoldeten Wagen des Königs zogen vier Schimmel mit Zügeln in den aragonesischen Farben. Alfonso trug ein rotes Gewand, zu seinen Füßen sah man wieder seine Devise, die „sedia periculosa“. Zwanzig Adelige hielten den Traghimmel über den Herrscher. Dem Wagen folgten zu Fuß die Barone des Königreiches, angeführt von Alfonsos Sohn Ferrante, der übrige Adel, der hohe Klerus und eine große Menschenmenge. Das offenbar Neuartige an diesem Zug erregte großes Aufsehen, und der genuesische Gesandte, Jacopo Bracelli, charakterisierte ihn so: „imitatus antiquorum triumphos, parte murorum diruta, curru sublimi urbem ingressus est“ (Hanno-Walter Kruft und Magne Malmanger, Der Triumphbogen Alfonsos in Neapel..., Inst. Roman. Norvegiae, Acta ad arch. et artium historiam pertinentia 6,1975, S. 213-305, bes. S. 214-218 und 289-298).

Zu antikischen Triumphzügen als Thema von Maskenzügen s. Weisbach, Trionfi, S. 16.

B. Festaufzüge

1. dt. Könige

Vom Zeremoniell bestimmt war der F. des neu gekrönten (römisch-)deutschen Königs vom Krönungsort, dem Marienmünster in Aachen, zum Rathaus, dem Ort des Krönungsmahls.

Johann Bürn von Mohnhausen nannte in seinem Bericht die Krönung Friedrichs III. 1442 nur das Kernstück des F.: Vor dem König „giengen die kuͤrfursten, zum ersten der von Haidelberg, der trueg den apfel. Bei ihm gieng der von Brandenburg, der trueg das scepter, und darnach der von Sachsen, der trueg ein ploss schwert, darnach unser herr der kuͤnig in seinem ornat“ (Dt. Reichstagsakten a. a. O. [Sp. 1454] S. 200, Nr. 109). Ausführlicher ist die Beschreibung des F. nach der Krönung Maximilians I. 1486: Die Spitze des Zuges bildeten die „nobiles“. Nach ihnen kamen die Grafen und Freiherrn, dann Tubabläser und Herolde. Diesen folgten die Prälaten, Bischöfe und Fürsten, darauf die Kurfürsten, zuerst der von Trier, als zweiter, vor dem König, der Herzog von Sachsen mit dem blanken Schwert, zu dessen rechter Seite der Pfalzgraf mit dem Reichsapfel ging, zur linken der Bischof von Augsburg mit einem Begleiter, der anstelle des Kurfürsten von Brandenburg (der verstorben war) das Zepter trug. Den König im Ornat begleiteten zur rechten Seite der Kurfürst von Köln, zur linken der von Mainz. Am Schluß ging der Kaiser, Friedrich III. Auf dem Weg wurde Geld ausgeworfen (W. Kaemmerer a. a. O. [Sp. 1448] S. 84-87, mit Übers. des lat. Berichts; vgl. ebd. S. 92f. den F. bei der Krönung Karls V. 1520).

2. Landesfürsten

An den Höfen der Landesfürsten lagen die Anlässe für F. überwiegend im familiären Bereich (Taufen, Hochzeiten). Die Festlichkeiten waren in der Regel auf den Hof beschränkt und nicht oder nur eingeschränkt einer größeren Öffentlichkeit zugänglich - neben der Proklamation des Ereignisses tat oft nur der F. für den Außenstehenden dieses kund.

F. - auch mehreren im Rahmen eines Festes - ein Konzept zu unterlegen, bemühte man sich in Italien schon um 1500 (wobei man gern an die Form des Triumphzuges anknüpfte, s. unten). Für das Fest insgesamt, das immer aufwendiger gestaltet wurde, ein einheitliches Programm aufzubieten, dem sich auch der oder die F. unterzuordnen hatte(n), wurde im Lauf des 16. Jh. immer mehr das Übliche, auch nördlich der Alpen: Der F. selbst verlor dabei immer mehr an Gewicht, vielerorts wurde dem Theater und der Musik mehr Aufmerksamkeit zugewandt als ihm (man betrachte die Festlichkeit aus Anlaß der Hochzeit Herzog Cosimos I. mit Eleonore von Toledo 1539 in Florenz: Andrew C. Minor und B. Mitchell, A Renss. Entertainment. Festivities for the marriage of Cosimo I. Duke of Florence in 1539, Columbia/Mo. 1968).

Bei den F. spielten die auch bei den E. gebräuchlich gewordenen Triumphwagen („carri“, Prunkwagen) eine gewichtige Rolle. Sie fanden auch außerhalb Italiens Verbreitung, und in der 2. H. 16. Jh. gab es sie auch im deutschen Sprachgebiet (Abb. 9 und 15; oder - im Winter - Schlitten, vgl. Abb. 14).

a. In Italien ist, was Aufwand und Einfallsreichtum anbelangt, an erster Stelle wohl das mediceische Florenz mit seinen Festveranstaltungen zu nennen. Der F. konnte aus nur wenigen Wagen bestehen, die unter einem einheitlichen Thema standen, wie z. B. 1513 beim Fest „Il Diamante“ anläßlich der Wahl Giov. de’Medicis zum Papst.

Nach dem Konzept des Andrea Dazzi, der in Florenz über griechische und lateinische Literatur las, wurden auf den drei Wagen die drei Lebensalter dargestellt, mit den Inschriften „erimus“, „sumus“ und „fuimus“ und mit Bildern der Verwandlungen der Götter, Hell-Dunkel-Malereien von Jacopo Pontormo (Vasari, ed. Bettarini-Barocchi, Bd. 5, Flor. 1984, S. 310f.).

Bei den Feierlichkeiten aus Anlaß der Hochzeit Francesco de’Medicis mit Johanna von Österreich, Tochter Kaiser Ferdinands I., war der aus nicht weniger als 21 Wagen bestehende F. vom 21. Februar 1566 nur ein Teil der sich von der Weihnachtszeit 1565 bis zum Karneval 1566 hinziehenden Festfolge, deren Gesamtplanung in Händen des Priors des Findelhauses, Vincenzo Borghini, lag und bei der Komödien, Intermedien und Maskeraden den größten Anteil hatten. Thema des Zuges war „La genealogia degli dei“ in Anlehnung an Boccaccios Göttergenealogie, die künstlerische Gestaltung oblag Giorgio Vasari (Entwürfe zu den Wagen und Kostümen).

Vor dem Zug schritten ein Fahnenträger, Hesiod als der Erzvater der Göttermythen sowie acht Trompeter. Der erste Wagen hatte Demogorgon zum Thema (RDK VI 623f. Abb. 5). Auf ihn folgten die Wagen des Himmels, der sieben Planetengötter, der Minerva, des Vulkan, der Juno, des Neptun, des Oceanus, des Pan, des Pluto, der Cybele, der Diana, der Ceres, des Bacchus und des Janus. Den Beschluß bildeten, nach einem Pferd, Merkur, Iris, Herkules und Achilles, Kassandra und Atlas. Auf jedem Wagen war eine Fülle von Göttergestalten und Heroen sowie von Personifikationen zu sehen, so auf dem Wagen des Sol die Stunden, die Monate, das Jahr, Aurora, Äskulap, Phaeton, Orpheus, Circe, die neun Musen und Memoria (Bibliographie der aus Anlaß der Hochzeit erschienenen Drucke im Ausst.kat. „Feste e apparati Medicei da Cosimo I a Cosimo II“, Florenz 1969 [Gab. Disegni e stampe degli Uffizi, 31], S. 235f.; zu Vasaris Entwürfen: Ausst.kat. „Mostra di disegni Vasariani. Carri trionfali e costumi per la genealogia degli dei [1565]“, Florenz 1966 [Gab. Disgni ..., 22]; RDK VII 938 Abb. 17, 1035f. Abb. 17f.; ebd. VIII 1284 Abb. 29).

b. Nördlich der Alpen griff man im 16. Jh. entweder italienische Gepflogenheiten auf, indem man den Zug einem einheitlichen Programm unterwarf und Triumphwagen mitführte, oder aber es zogen in einer Maskerade Gruppen, deren jede für sich ein Thema gewählt hatte (vgl. Abb. 8 und 11).

Bei der Hochzeit von Erbprinz Wilhelm mit Renata von Lothringen 1568 in München nahmen die Ring- und Kopfrennen einen wichtigen Platz im Festgeschehen ein. Die Teilnehmer an den Rennen zogen auf dem Platz ein in einem bunten Gemisch verschiedenster Themen.

Die beiden Mantenedores (Platzhalter), Erzherzog Ferdinand als Agrippa, Giulio Riva als Regulus, beide ganz in Rot gekleidet, fuhren auf einem von vier Schimmeln gezogenen antikischen Triumphwagen, auf dem fünf Nymphen (Musen) musizierten und der begleitet war von vier Reitknechten in Rot; vor dem Wagen ritten vier Padrini (Platzdiener) in Weiß, mit Scharlachwämsern, dem Wagen folgten vier Schimmel, behängt mit karmesinfarbenem Samt. Nacheinander erschienen die „Venturierer“ verkleidet auf dem Platz, meist mit Padrini, mit Lakaien und mit Musikanten: Als erstes kamen drei Ritter auf ungarisch mit brauner Seide angetan, mit roten Seidenhüten, mit weißen Federn. Die zweite Partei waren Herzog Eberhard von Württemberg mit zwei seiner Hofjunker, in Landsknechtstracht in Rot und Silber, und ihre Pferde trugen Wams und Pluderhose nach Art der zerhauenen Tracht sowie schwarze Samtbarette mit roten und gelben Federn; ihnen folgten drei „Kriegsfrawen“. Die dritte Partei war ein Ritter in Bauernkleidung, eine Zwiebel im Mund; ihn begleitete ein Bauer. Zum vierten ritt ein Mann in Rot und Weiß, begleitet von einer Frau in brauner und weißer Seide. Die fünfte Gruppe war nach türkischer Art in blaue und braune Seiden gekleidet, die sechste bildeten drei Mohren, in Weiß, Gelb und Leibfarbe „als der Fürstlichen Brautfarb geklaidt“. Als siebte Gruppe trat eine Bauernhochzeit auf, die einen Tanz und anschließend eine Prügelszene aufführte. Die folgende Gruppe bildete ein Ritter als Bär auf einem Stier, ein zweiter als Wolf auf einem Schaf, die sie begleitenden Jäger zeigten eine Fuchshatz. Auf zwei Reiter „in rot und seiden eingwicklet, wie die Zigeiner“ folgte als zehnte Gruppe die der sieben Planeten, denen sich Bacchus auf einem Weinfaß angeschlossen hatte. Nach ihm kam Erzherzog Karl als Diana mit zwei Nymphen, in Rot und Weiß, Gold, Silber und Seide „künstlich vnnd herrlich angethan“. Als zwölfte Gruppe erschienen drei Mohren in weißem Atlas, als dreizehnte sechs Mohren (Herzog Wilhelm und Herzog Ferdinand von Bayern, Karl und Eitelfritz Grafen von Zollern, Hans Georg von Etzdorf, Erhard von Muggenthal) in Gold und Silber. Die folgenden sechs Mohren waren in Gelb, Rot und weißen Atlas gekleidet, goldverbrämt. „Zum fünfftzehenden kamen jr vier auff der Post gerennt in Mäntlen, voran renten jhr Postknecht mit dem Horn und auffgebundnem Fellis. Zum sechtzehenden etliche in langen roten Röcken, wie die Magnifici zugehen pflegen, hetten braite blawe Paret auff, neben jnen loffen vier Zani auff Bergamatisch gekleidet“. Die Aufzüge zu den Rennen der folgenden Tage waren ähnlich gestaltet (Hans Wagner, Kurtze ... beschreibung des ... Herren Wilhalmen ... Hertzogen inn Obern vnd nidern Bairen ... vnd derselben geliebsten Gemahel ... Renata ... Hochzeitlichen Ehren Fests, Mchn. 1568; ähnlich Massimo Troiano, Dialoghi, Ven. 1569: Die Münchner Fürstenhochzeit von 1568. Massimo Troiano: Dialoge..., ed. und übers. Horst Leuchtmann, Mchn. und Salzburg 1980 [Stud. zur Landes- und Sozialgesch. der Musik, Bd. 4], S. 184ff.; ebd. S. 403-405 auch Abdruck des zit. Textes von H. Wagner).

Ein einheitliches Programm lag 1571 dem F. in Wien zur Hochzeit Erzherzog Karls von Innerösterreich mit Maria von Bayern, der Schwester Wilhelms V., zugrunde. Im Gegensatz zu dem F. in München 1568 (s. oben; Karl hatte an dem Fest teilgenommen) fällt die strenge Organisation auf, worin der Besuch Karls bei seiner Schwester, Johanna von Österreich, in Florenz 1569 und damit das unmittelbare Kennenlernen florentinischer F. nach einheitlichem Programm sich ausgewirkt haben könnte und außerdem zu beachten ist, daß am kaiserlichen Hof eine Unterordnung der Teilnehmer unter ein Gesamtkonzept sich am ehesten durchsetzen ließ.

Der F. hatte den Charakter eines Wettstreits. Im Gefolge der auf Europa eifersüchtigen Juno traten die drei Erdteile Amerika, Asien und Afrika zum Kampf mit Europa an, das aus den Personifikationen von Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland bestand. Den einzelnen, in Rotten aufziehenden Ländern waren je ein Wind, ein Element, ein Metall, eine damit verbundene Gottheit, eine Jahreszeit und ein Fluß zugeordnet: Italien der Südwind, die Luft, das Eisen, Mars, der Frühling, der Po; mit Spanien traten auf der Westwind, das Feuer, das Gold, Sol, der Sommer und der Ebro, mit Frankreich der Ostwind, die Erde, das Zinn, Jupiter mit dem Adler, der Herbst und die Rhone, mit Deutschland schließlich der Nordwind, das Wasser, das Silber, Luna, der Winter (vorgestellt von Kaiser Maximilian II.) und die Donau (Heinrich Wirrich, Ordentliche Beschreibung des ... Beylags oder Hochzeit... Herrn Carolen Ertzhertzog zu Österreich ... mit Fräwlein Maria geborne Hertzogin zu Bayrn, Wien 1571; K. Vocelka a. a. O. [Sp. 1421] S. 47ff.; Elis. Scheicher a. a. O. [Sp. 1423] S. 150 Abb. 106a-d).

In welchem Maß man aber die Einheitlichkeit eines Programms als Ausnahme empfand, geht aus den Bemerkungen des Diederich Graminaeus hervor, der in seiner Beschreibung der „Fürstliche(n) Hochzeit so Wilhelm Hertzog zu Gvlich, Cleue und Berg ... In Ihrer F. G. Statt Dußeldorff gehaltenn“, Köln 1587, Bl. Riijv, hervorhob, daß „ihre F. G. auffzug nit etwa fortuito ohne bedacht oder ungefehr zugangen (wie in eil es gemeinlich zugeschehen pflege, da ein jeder seinem wolgefallen nach sich rüstet und hervor thut) sonder mit reiffem rhat und guten bedacht angestelt worden“. Solche programmatische Festlegung erlaubt zugleich die genaue Erklärung des Gezeigten für die Zuschauer.

Bei der Düsseldorfer Hochzeit wurde z. B. der in einem der F. von den Mantenadoren mitgeführte Berg mit Orpheus und Amphion so erklärt: Orpheus und Amphion sind Abbilder des guten Regenten, ihre Instrumente symbolisieren die Religion - die Bockshörner, zwischen denen die Saiten gespannt sind, zeigen „macht und gewalt ohn ubermut“, die Seiten selbst das Recht und die Satzungen. Der Berg selbst, auf dem zahlreiche Tiere zu sehen waren, ist Abbild des Gemeinwesens unter der Führung des Landesherrn (ebd. Bl. Miijv-Mivv).

Die Aufzüge zu den Ringrennen in Düsseldorf 1585 waren das Vorspiel für den im Rennen vorgestellten Wettstreit zwischen gutem und schlechtem Regiment. Das schlechte trat z. B. als „alte greise Venetianer Herrschafft“ auf (die „aristokratische Herrschafft“ als Regierungsform Venedigs ist ein Negativum); die sie vertretenden Venturierer, die italienische Namen führten, wurden zunächst nicht zum Rennen zugelassen, sie mußten sich erst deklarieren und außerdem einen Ahnennachweis erbringen.

3. Städte

In den Städten veranstalteten die Korporationen (Bruderschaften, Gilden, Gesellschaften) im Rahmen ihrer Festlichkeiten F., für die sie ein eigenes Arsenal an Fahnen, Wappen, Abzeichen oder Insignien, Habit, Waffen und dgl. mehr bereithielten. Gelegenheiten zu F. boten sich vor allem den Schützengesellschaften bei ihren Auszügen zum Maischießen oder bei den überregionalen Schützenfesten.

Als Beispiel für das Maienreiten sei der Auszug 1547 des Kölner Ratsherrn Herman Weinsberg als Rittmeister der Stadt ausführlicher zitiert: Er und sein Geselle Winand Moir hatten je fünf Schützen, einen Fahnenträger, einen Jungen und etwa 50 Reiter mit Spießen bei sich. Sie beide waren schwarz gekleidet, mit Besatz in Rot und Weiß. Zuerst ritten fünf Schützen im Küraß, darüber einem kamelottfarbenen Schürzchen, mit rotem und schwarzem Zendel bordiert, die grauen Hüte waren mit einem goldenen Kränzchen und weißen Blumen umwunden. „Die Pferderüstung war oberländische Manier mit langen schmalen Riemen und mit Zinn beschlagen, und hatte jedes Pferd sieben lange Quasten von rotem und weißem Garn um sich hängen, dann eine stählerne Stirn vor dem Kopf und darauf eine schöne weiße Plüme. Darnach ritt der Trompeter, hatte ein schwarzes, rot und weiß besetztes Kleid und einen ... Hut wie die Schützen. An der Trompete hing ein schwarzes Fähnlein“ mit dem Wappen des auf den Trompeter folgenden Ratsherrn in vollem Küraß, mit einem langen Damast-Faltrock und einem schwarzen, mit einem Rosmarinkränzchen umwundenen Samtbarett, einen schwarzen Knüppel in der Rechten. Begleitet war er von zwei Trabanten in schwarzem Wams, Hosen aus rotem und weißem Zendel sowie einem durchschnittenen Goller aus Leder, einem Ringkragen und Panzer; die schwarzen Hüte waren mit weißen Straußenfedern besetzt. Hinter dem Ratsherrn ritt der Fahnenträger, diesem folgten die übrigen Reiter (August Edelmann, Schützenwesen und Schützenfeste der dt. Städte ..., Mchn. 1890, S. 40f.).

Das große Stahlschießen 1586 in Regensburg ist sowohl durch Beschreibungen als auch durch bildliche Wiedergaben überliefert. Der F. von der Herrentrinkstube zum Schießplatz wurde eröffnet von zwei Pritschenmeistern, denen ein Pfeiffer und zwei Trommler folgten, dann kamen zwei Zieler mit Ruten und Fahnen, nach diesen zwei Knaben, jeder mit einer bemalten kleinen Truhe, für die Registrierung der Treffer und Fehlschüsse bestimmt. Die drei nach ihnen gehenden Trompeter hatten Instrumente mit Trompetenfahnen in den Stadtfarben. Zwei Zieler trugen die schwarze Truhe mit dem Schützenbuch und dem Leggeld. Ihnen folgten zwei Pritschenmeister, diesen Kämmerer, Rat und Schreiber der Stadt (A. Edelmann a. a. O. S. 131f.). - Am ersten Morgen des Schießens ging man im F. von der Herrentrinkstube aus zur Schenke auf dem Schießplatz, voran wieder zwei Pritschenmeister, Pfeifer, Trommler und Trompeter sowie Ratskomissare. „Nach gemelten baiden Herren haben Acht männer vier weis und rott gemalte fäßlein an Stangen tragen. Nach disen sindt noch Sechzehen gefolget, deren jeder zwo Kandel mit gutem oberländischem wein inn baiden hennden getragen“; sie alle waren rot gekleidet und wurden begleitet von 24 Bürgern als Trabanten mit Helmbarten und rot und weißen Binden. Dieser Zug wurde an den folgenden Tagen wiederholt (ebd. S. 133f., Abb. 2). - Am sechsten Tag kam es zum Kranzschießen. Man geleitete acht Jungfrauen in einem von braunen Pferden gezogenen, offenen, „schön verzierten“ Wagen zum Schießplatz; ihrer fünf hatten jede eine Fahne in anderer Farbe und waren in deren Farbe gekleidet, die drei anderen, mit der Kranzfahne, der Kranzschachtel und dem Kranz selbst, waren ganz in Rot. Auf dem Platz zogen sie „in zirlicher Ordnung herumb“, gefolgt von den Herren von Dienern und Spielleuten. Nach der Kranzverleihung „hat man obgenante acht Jungckfrawen widerumb mit herrlicher Ordnung in die Statt beleidet“ (ebd. S. 137f., Abb. 3). - Am letzten Tag des Schießens gab es einen großen Fahnenzug (Abb. 10): 93 Knaben mit Fahnen wurden „inn wolbestellter Ordnung auff den Schießplatz geführet, welche samptlichen und ein jeder jnnsonderheit ein schön weises Kleidt mit Zittergoldt verbrembt angetragen hat, daneben schöne Rote binnden mit schönen Dickgebundenen grönen Krentzlein, welche auch mit Zittergoldt lieblich geziret waren auff dem Haupt und an dem leib gegen, und sind jnnen auff baiden seytten Trabannten zugeordnet worden“ (ebd. S. 139; jetzt auch: Kris Zapalac in: [23] S. 135-144).

Das jährliche Fahren des Magistrats in Schlitten, das mancherorts als Huldigung an den Landesherrn üblich war, konnte mit gewissem Pomp geschehen.

In München, wo es „alle Jar den Sonntag nach Trium Regum“ erfolgte, verraten Einreden des Bürgermeisters gegen das anbefohlene Fahren – es herrschte Schneemangel -, was aufgeboten war: Beteiligt waren „die hof Trometer vnnd gefert von E. Fürstl. Drlcht. Marstall“, und an dem Umfahren nahmen auch die Frau des Kanzlers und die des Jägermeisters teil. 1604 empfand der Magistrat diese Schlittenfahrt, die einst „mit sonderlicher ansehnlicher ainbarer Sollennitet in starckher anzahl beschechen“, als eine Bürde, die dem Herzog zur Unehre gereiche (Lor. Westenrieder [Hg.], Beyträge zur vaterländischen Historie, Geographie, Staatistik etc., 7. Bd., Mchn. 1803, S. 281-306).

Über die Umzüge der Handwerker zur Fastnacht, aber auch zu anderen Zeiten des Jahres, s. Ernst Mummenhoff, Der Handwerker in der dt. Vergangenheit, Jena 21924 (Die dt. Stände in Einzeldarst., 8), S. 126-132; zum Schembartlauf in Nürnberg Hans-Ulrich Roller, Der Nürnberger Schembartlauf, Tüb. 1965 (Volksleben, 11); zu Nürnberger Handwerkerumzügen allgemein Karlheinz Goldmann, Wie Nürnberger Handwerker Feste feierten, Mitt. aus der Stadtbibl. Nürnberg 13, 1964, H. 1 S. 1-16.

Z. B. zeigt die Abbildung in einem nach 1539 entstandenen Schembartbuch den Umzug der Nürnberger Schreiner und Tischler unter Vorantritt zweier Bewaffneter zu Fuß und eines Berittenen, der von Partisanen oder Büchsen Tragenden begleitet war. Hinter ihnen schritten die Musikanten und der Fähnrich, dessen lila und weiß gestreifte Fahne aus Hobelspänen gefertigt war. Der Fähnrich „trug eine schwarze Kappe mit lilaweißen Pfauenfedern, eine große weiße Halskrause, ein schwarzes, geschlitztes Wams mit lila Ärmeln, lila Pluderhosen und lila Strümpfe. ... Die Gesellen trugen das Handwerkszeug mit sich wie Säge, Zirkel, Hobel usw., während die drei Vorgeher des Handwerks goldene Pokale“ hielten. Auf einer Trage führten vier Schreiner ein von sieben Kuppeln bekröntes Gebäude mit. Zwei Narren, ein Bauer und eine Bäuerin, „welche allerhand Kurzweil trieben“, beschlossen den Zug (ebd. S. 10).

In den Niederlanden hatten die Mitglieder der um 1400 aufgekommenen „Cameren van Rhetorica“, die Rederijkers, die Gepflogenheit, zu ihren festlichen Theateraufführungen im Rahmen eines Wettbewerbs („landjuweel“; Idee und Name waren von Schützenfesten entlehnt) in einem F. in jene Stadt einzuziehen, deren Kammer(n) diesen veranstalteten. Der bei dieser Gelegenheit getriebene Aufwand besonders an Kleidung war groß. Der Kammer, die beim F. am besten abschnitt, wurde ein Preis zuerkannt.

Der wohl aufwendigste F. war der 1561 in Antwerpen. Unter Glockengeläut und Trompetenblasen ging der Zug durch die mit Blumenfestons geschmückten Straßen. Nach einer mehr oder weniger großen Gruppe von Reitern kamen „speelwagen“, zugerichtet „opt antijex“ und besetzt mit „personagien“, als Götter oder Heroen gekleideten Gildebrüdern. Folgten weitere Wagen, so brannten an ihrer Rückseite zwei Feuerpfannen; die Gildebrüder in den Wagen hielten Fackeln. Den Schluß bildete immer ein Narr mit einem Spruch.

Den F. eröffnete die das Fest ausrichtende Antwerpener Kammer „van de Violieren“ (Veilchen) mit 65 Reitern, alle im veilchenfarbenen Reit-Tappert, mit veilchenfarbenem Hut und Schleier, weißem Wams, weißen Strümpfen und Stiefeln, veilchenfarbenen, roten und weißen Federn. - Als zweite kam die Antwerpener Kammer „die Goubloeme“ (Ringelblume) mit 48 Reitern im roten, grün gefütterten Mantel, mit rotem Hut und weißem Hutkranz, weißem Wams, weißen Strümpfen und weißen Stiefeln; im Spielwagen saßen acht „personagien“. -Die 47 Reiter der nun folgenden dritten Antwerpener Kammer, „den Olijftak“ (Ölzweig), trugen grüne Hüte; Wams, Hutkranz, Strümpfe und Federn waren weiß; auf dem Spielwagen saßen vier „personagien“. – Die 54 Reiter der „Vreuchdenbloeme“ (Freudenblume) von Bergen op Zoom zogen ein in hellbraunen Kasacken (eine Art Überrock), mit roten Hüten und Wämsern, schwarzen Strümpfen und weißen Stiefeln, den Hutkranz gelb und rot. Den zwei Spielwagen folgten zwölf Planwagen mit einem Verdeck aus hellbraunen Tuch. - Die größte Gruppe war die der Kammer „Pione“ (Pfingstrose) von Mecheln, nicht weniger als 356 Reiter, gekleidet in Röcke aus fleischfarbenem, sehr feinem Tuch mit goldenen Borten; ihre Hüte waren rot, der Hutkranz golden, Wämser und Strümpfe rot, die Stiefel schwarz. Auf einem der sieben Spielwagen sah man den Evangelisten Lukas auf dem Stier und Johannes, den Adler neben sich (Apg 2,1-11 ist die Lectio von Pfingsten, Io 14,23-31 das Evangelium zu Pfingsten). Die sechzehn Kastenwagen mit rotem Verdeck waren mit Wappen geschmückt. – Die Kammer „den groeyenden Boom“ (der wachsende Baum) von Liere war auf Grün eingeschworen: Die 108 Reiter trugen grüne Röcke mit weißen Borten und grüne Hüte mit rotem Schleier, weiße Wämser und Strümpfe, weiße und rote Federn, schwarze Stiefel; jeder hielt eine Fackel. Die Leute auf den Spielwagen sangen; die fünfzehn weiteren Wagen hatten ein Verdeck aus grünem Tuch. - Die 46 Reiter der „Lisbloeme“ (Schwertlilie) von Mecheln hielten Schwertlilien in der Hand; Hüte, Sättel und Röcke waren blau mit Silberborten, die Hutschleier silbern, Wämser und Strümpfe rot mit weißen Federn, die Stiefel schwarz. - Die Kammer „die Cauwoerde“ von Herenthals zählte 51 Reiter in hellbraunen Kasacken, grünen Hüten, lila Hutschleiern mit weißen Federn, Wams und Strümpfe waren rot, die Stiefel schwarz. Die Planen der acht Wagen waren aus hellbraunem Tuch. – Grüne Röcke und Hüte trugen die 40 Reiter der „Goubloeme“ (Ringelblume) von Vilvoorde, rot waren Schleier und Strümpfe, weiß Wams und Federn, schwarz die Stiefel. Dem Spielwagen folgten sechzehn Wagen mit grünem Verdeck. -Den 25 Reitern der „Leliebloeme“ (Lilie) von Diest, in hellbraunen Kasacken, mit grünen Hüten, roten Schleiern und Wämsern, gelben und weißen Federn und Hutkränzen, schwarzen Strümpfen und weißen Stiefeln, folgten acht Wagen, deren Verdeck mit hellbraunem Tuch bespannt war. – Die Kammer „Lelikens uuten Dale“ (Maiglöckchen) von Leuven zog mit 40 Reitern ein, jeder mit einer Fackel, Rock und Hut hellbraun, Wams gelb, Strümpfe gelb, Federn gelb und weiß, Hutkranz gelb und rot; sechs Wagen folgten ihnen. - Auch die 38 Reiter der Kammer „Christus Ooghe“ (Christauge) von Diest trugen Fackeln. Sie hatten „rouwaensche“ (?) oder goldgelbe Röcke an, rote Hüte und Strümpfe, blaue Wämser, weiße Federn und Stiefel und grüne Hutschleier; zwanzig Wagen, mit „rouwaensche“ Tuch verdeckt, kamen vor dem Spielwagen. - Die zwölfte Kammer war die „Roose“ von Loven mit 40 Reitern in fleisch- oder leibfarbenen Röcken mit weißen Borten, schwarzen Hüten mit rotem Schleier, schwarzen Wämsern und Strümpfen, mit roten und weißen Federn, nach den Reitern fünf Wagen. - Die Kammer „den Vierighen Doern“ (Feuerdorn) von ’sHertogenbosch hatte 125 Reiter aufgeboten, gekleidet in grüne Röcke mit Goldborten, mit roten Ärmeln, Wämsern, Strümpfen, Hüten zu weißen Federn und schwarzen Stiefeln; dem „antijcschen waghen“ folgten zehn mit grünem und rotem Verdeck. - Den Schluß bildete die Kammer „het Marien Cransken“ (Marienkränzchen) von Brüssel mit 340 Reitern. Alle trugen karmesinrote Kasacken mit Silberborten, rote Hauben nach Art antiker Helme, weiße Wämser, Federn, Stiefel; die vierfarbenen Gürtel (gelb, rot, blau, weiß) waren auffallend geflochten. Den sieben Spielwagen folgten 73 mit Fackeln besteckte Wagen mit rotem, weiß gestreiftem Verdeck; die Wagenführer trugen rote Mäntel, auf den Wagen saßen viele Leute, die „veelderlei schoone antijcxsche figuren“ vorstellten (W. J. A. Jonckbloet, Gesch. der niederl. Lit...., dt. Ausg. von Wilh. Berg, Bd. 1, Lpz. 1870, S. 364-367).

Zu anderen F. s. Pierre Brachin, La „Fête de Rhétorique“ de Gand (1539), in: [15] S. 255-279; Antonin van Eislander, Les chambres de rhétorique et les fêtes du règne de Charles Quint, in: [15] S. 281-285.

V. Ende 16. Jh.-Ende 18. Jh.

A. Allgemeines

Seit dem 17. Jh. sind E. und F. dokumentarisch besser belegt als vorher: Von vielen Festlichkeiten gibt es Gedenkschriften, die über deren Anlässe, Vorgeschichte und Bedeutung informieren, die Vorgänge beschreiben und durch beigefügte Kupferstiche von Form und Verlauf der Veranstaltungen eine anschauliche Vorstellung vermitteln (vgl. [1] S. 635-711).

Wichtige deutsche Quellen sind die 21 Bände des im Verlag Merian herausgebrachten „Theatrum Europaeum“ [4]; Lünig [7]; Stieve [5; 6]; Rohr [8], der im Kapitel „Von den Einzügen“ über Ausstattung, Dekoration und Ehrenpforten schreibt, in dem über „Hochfürstliche Divertissements“ „Von Auffzügen“ handelt, die dem Vorbild der römischen Triumphzüge folgten, „von allegorischer und emblematischer Erfindung“ sein, auch „eine gantze Historie vorstellen“ können und „nach ihren actibus abgetheilt sind wie die Oper“ – der engen Beziehung der F. zu theatralischen Aufführungen war man schon damals sich bewußt. Ferner nennt Rohr mögliche Themen, Kostüme, Dekorationen und Maschinen - zu denen auch die Triumphwagen zählten - sowie die Abfolge eines F. und die begleitende Musik.

Für Frankreich wichtig ist Théodore und Denys Godefroy, Le Cerémonial françois, Paris 1649, wo im Kapitel „Entrées solennelles des Roys et Reynes“ unter Benutzung älterer Quellen E. von Guntram (s. Sp. 1433) bis auf Ludwig XIV. in Paris 1643 beschrieben sind. Claude François Menestner geht im „Traité des tournois, ioustes, carrousels et autres spectacles publics“ (Lyon 1669) den Beschreibungen von Festen bis auf antike Autoren nach, schildert aber auch zeitgenössische Veranstaltungen und hat selbst bei der Organisation von Festen am Hofe der Savoyer mitgewirkt. Ebenfalls ältere Quellen bringt Pierre Lelong, Bibl. hist. de la France ..., Bd. 2, Paris 1769, S. 557-564.

Für England s. R. Withington a. a. O. (Sp. 1458) Bd. 2, für Spanien die Bibliographie von J. Alendo y Mira, Relaciones de Solemnidades y Fiestas publicas de España, Madrid 1903, 3 Bde.

Im 17. und 18. Jh. büßten die E. gegenüber den F. an Bedeutung ein. Im territorial zersplitterten Deutschland gab es keine Zentralmacht, die prägenden Einfluß auf die Veranstaltung von Festlichkeiten hätte ausüben können; von der 2. H. 17. Jh. an wuchs dem Wiener Hof eine führende Rolle zu. Ähnlich wie in Deutschland war die Lage in Italien. In Frankreich hingegen stand der Hof des Königs ganz eindeutig im Mittelpunkt. In England sind neben den Veranstaltungen des Hofes die jährlichen Lord Mayor’s Shows zu erwähnen, F., für die es auf dem Kontinent keine Parallele gibt.

B. Einzüge

Die E. verloren im Laufe des 17. Jh. vor allem deshalb an Bedeutung, weil sie in der Zeit des Absolutismus - von Ausnahmefällen abgesehen -keinen Rechtscharakter mehr hatten. Dort, wo dies noch der Fall war, wie in Frankfurt a. M. bei den E. zur Krönung (Abb. 28b) und in den Niederlanden, aber auch bei E. zu den Reichstagen (vgl. Abb. 18 und [23]) wirkten die im späten MA begründeten Traditionen fort und wurden E. auch mit herkömmlichem Aufwand begangen (Beispiele aus dem frühen 17. Jh.: Abb. 19f.). Der E. des neugeweihten Bischofs in seine Residenzstadt glich dem E. weltlicher Herrscher; vgl. die mit Kupferstichen von Mich. Wening ausgestattete „Ausführliche Beschreibung Der jenigen Solennitäten Welche bey deß Hochwürdigst: Durchleuchtigsten Fürsten vnd Herrn Herrn Josephi Clementis, Ertz-Bischofen vnd Churfürsten zu Cölln Bischofens zu Freysing vnd Regenspurg ... in Dero Bistumb Freysing genommener Possession ... 1690 vorbey gegangen..., Freising 1690 (Ausst.kat. „M. Wening“, München 1977-1978 [Schrn. des Münchner Stadtmus., 7], Nr. 41, Abb. S. 88a; weitere Belege bei Winfrid Dotzauer, Die Ankunft des Herrschers, Archiv für Kulturgesch. 55, 1973, S. 245-288, bes. S. 281-283).

1. in Frankfurt a. M. anläßlich der Königswahl und -krönung

Seit in Frankfurt a.M. nicht nur die Wahl und Altarsetzung des Königs, sondern auch seine Krönung stattfand - dies war von der Krönung Maximilians II. 1562 an mit wenigen Ausnahmen der Fall -, gab es zwar nach wie vor die E. der Kurfürsten und des Thronkandidaten, doch an die Stelle des einstmals in Aachen üblichen E. zur Krönung (s. Sp. 1453) trat jetzt der innerstädtische Zug vom Römer zur Bartholomäuskirche, in der die Krönung stattfand.

Die E. der Kurfürsten wurden weniger von dem festgelegten Zeremoniell bestimmt als vom Streben nach Repräsentation; die Bestimmung der Goldenen Bulle, die eine Begleitung von höchstens 200 Berittenen, darunter nur 50 Bewaffneten zuließ (ed. K. Müller a. a. O. [Sp. 1439] S. 25f.), wurde nicht mehr beachtet. Seitens der Stadt Frankfurt bemühte man sich, den Einziehenden einen Empfang zu bereiten, der deren Selbstverständnis als Reichsfürsten entgegenkam (s. Abb. 28a).

Am besten dokumentiert sind die E. von 1657 und 1658 bei der Wahlvorbereitung, Wahl und Krönung Leopolds I. (Caspar Merian, Beschreibung und Abb. Aller Königl. und Churfürstl. Einzüge/Wahl und Crönungs Acta..., Ffm. 1658; Theatrum Europaeum [4] Bd. 8 S. 43ff.).

Zwei Ratsdeputierte erwarteten mit drei Kompanien mit Pistolen bewaffneter Geleitreiter jeden der Kurfürsten (oder deren Abgesandte) und gaben dem Einziehenden militärisches Geleit. Vor jeder Kompanie ritt ein Stadt-Trompeter, gefolgt vom Rittmeister mit entblößtem Degen; die von einem Kornett geführte Standarte (die der ersten Kompanie weiß, die der beiden anderen rot; vgl. Abb. 23 und [22] Bd. 2 Nr. IX. 7) stand im fünften Glied jeder Kompanie, deren Leutnant mit entblößtem Degen den Schluß bildete. Es folgte die kurfürstliche Suite [4, Bd. 8 S. 43f.].

Waren schon diese Suiten - wie die des Wahlgesandten - aufwendig (vgl. ebd. S. 44f. und S. 329-343; s. auch Sp. 365 Abb. 9), standen sie der Leopolds, des böhmischen Kurfürsten, Königs von Böhmen und Ungarn und Thronkandidaten, an Aufwand und Personenzahl doch merklich nach (ebd. S. 324-327).

Nach dessen Begrüßung vor Sachsenhausen setzten sich die drei Kompanien der Geleitreiter an die Spitze des Zuges. Ihnen folgten: 2) Sechs Trompeter. - 3) Zwei Hof-Einspänniger zu Pferd. – 4) Sechs Handpferde. -5) Sattelknecht und „etliche von der Stallparthey“. - 6) Bereiter. - 7) 25 Handpferde. - 8) Oberbereiter. - 9) 18 Handpferde. - 10) Des spanischen Botschafters sechs Karossen mit Edelleuten, Offizieren, königl. Räten und Kavalierswagen. - 11-26) Wagen königl. Räte, Hofkriegsrat, gräfl. und freiherrl. Kämmerer (diese mit Page und Handpferd). - 27) Wagen des böhmischen Kanzlers, Graf Nostitz, mit zwei Pagen und zwei Handpferden. -28) Wagen des Geheimen Rats Ernst Graf von Otting, mit zwei Pagen und einem Handpferd. - 29) Wagen des Kammerpräsidenten, Graf Schwarzenberg, begleitet von Graf Sintzendorf; fünf Offiziere und Pagen zu Pferd, vier Handpferde. - 30) Graf Porcias Wagen, Offiziere und Pagen zu Pferd, vier Handpferde. - 31) 15 Trompeter, ein Heerpauker. - 32) Wagen des Obrist-Stallmeisters, mit dem Obrist-Hofmarschall Graf Starhemberg, dem Hofkanzler Graf Sintzendorf und dem Kämmerer Graf von Rabbatha, begleitet von Offizieren, Pagen, Handpferden, Kammerdienern. - 33) Marques de la Fuente, span. Botschafter; neben dem Wagen der Stallmeister, 24 Lakaien, acht Pagen zu Pferd. - 34-36) „Der zu Hungarn und Böheim Kön. Maj. Leibwagen, worinnen Ih. Kön. Mag. und Ih. Hoch-Ertzfl. Durchl. ... [Erzhzg. Leopold Wilhelm] in Person gesessen“; neben dem Wagen Trabanten der Leibgarde mit ihrem Hauptmann, Graf von Fürstenberg, der Obrist-Stallmeister Graf Dietrichstein, der fürstl. Obrist-Stallmeister Marchese Matthaei, königliche und erzherzogliche Leiblakeien. - 37) Büchsenknaben, 24 Edelknaben zu Pferd. - 38) Fünf Trompeter der königl. Hatschiere, ein Heerpauker. - 39) Leopold Wilhelm Markgraf zu Baden, Hofkriegsrat und Hauptmann der Leibgarde-Hatschiere. - 40) Eine Kompanie der Leibgarde-Hatschiere mit 80 Pferden. - 41-44) Hofwagen der Kammerherrn. - 45-46) Vier Hofwagen der Kammerdiener. -47) „Hr. Obristen Knich 15 Handpferde“. - 48-49) Ein Heerpauker, vier Trompeter. - 50) „Hr. Knich, Obrister zu Roß und Kommandant der königl. Convoy“. - 51) Obrist-Lieutenant und Obristwachtmeister. - 52) Zwei Rittmeister. - 53ff.) sechs Kompanien königl. Kürassiere (600 Mann).

Diesem Zug waren nicht weniger als 125 Wagen vorausgeschickt worden, in denen u.a. Tapezierer, Hof-Furier, Beichtvater, Tafeidecker, Silberdiener, Kellermeister, Apotheker, Mundbäcker, „Einkauffer“, „Zehrgad Personen“, „Reichs Cantzlei Schriften etc.“ reisten.

Nach einem Zeremoniell, das noch ziemlich genau dem in der Goldenen Bulle festgelegten entsprach, zogen die Kurfürsten am Wahltag zur Bartholomäuskirche.

„Als es 9 Uhr geschlagen/begaben sie sich allesammt vom Römer herab/satzten sich auff die hierunten auffwartende prächtige und kostbahr außgezierte Pferde/und ritten in zierlicher Ordnung nach obgedachter von dem hochlöblichen Kaiser Carln dem Großen/fundirten Stiffts-Kirchen zu St. Bartholomäi ... jedoch gantz still und ohne Musik: Erstlich giengen der Herrn Churfürsten und Abgesandten Pagen in der Ordnung wie ihre Herren zu gehen pflegen/und wurden von den vorhergehenden Hoff-Fourirern geführt/diesen folgeten die Junckern/ Officirer und Räthe/und hierauff ritten die Herren Churfürsten und waren der dreyen Geistlichen Chur-Habit lange Talaren oder Röcke/biß auf die Füsse/von rothem Scharlach/wie auch die Chur-Hauben von solchem Zeug/ deß Königs aber/welcher über der roth sammeten Haube eine schöne und kostbare Kron wie die Bömische abgebildet wird hatte/und der Weltlichen Herren Churfürsten waren von rothem Sammet/alle mit weisem Härmelin Futter verbrämet/und ritten doch alle so/daß vor einem jeden Churfürsten sein Erbmarschall mit untersich gekehrtem vergültem Schwerdt in der Scheide/die Spitze in die Höhe kehrend/voran ritte/und eines jeden Guarde und Trabanten ihnen auff dem Fuß nachfolgte/und zwar in dieser Ordnung: Zur Rechten: Graf von Heusenstein/ Erbmarschall. Chur-Maintz. Graf von Salm/Erbmarschall; ChurCölln. Graf von Pappenheim/Reichs-Erb-Marschall; Chur-Sachsen. Graf von Fürstenberg/Chur-Bayerischer Gesandter. Zur Lincken: Herr zu Eltz/Erb-Marschall. Chur Trier. Erb-Marschall Graf von Trautmannsdorff: König in Böheim/etc. N. B. Mit der Cron auff dem Haupt. Erb-Marschall Rheingraff: Chur-Pfaltz. Printz Moritz/Chur-Brandenburgischer Gesandter“ (ebd. S. 434f.).

Der Zug zur Krönung Leopolds vom Römer zur Stiftskirche bewegte sich über eine hölzerne Brücke, die mit schwarz gelb- und weiß-wollenem Tuch verkleidet war, und hatte folgende Ordnung:

1) Reichsprofoß mit dem Stab. - 2) Kurfürstl. Lakaien und Diener. - 3) Kurfürstl. Edelknaben. - 4) Edelknaben des Römischen Königs. - 5) Kurfürstl. Hoffuriere. - 6) Kurfürstl. Ober- und Unter-Marschälle mit ihren Stäben. - 7) Kurfürstl., nach ihnen königl. Kavaliere und Räte. - 8) Kurfürstl. und königl. Trompeter. - 9) Fürst von Lobkowitz und Fürst von Auersperg mit dem Goldenen Vlies. - 10) Herolde: der österreichische, der ungarische, der böhmische, der des Römischen Königs und der des Römischen Kaisers. - 11) Kurfürstl. Erb-Marschälle mit nach unten gekehrtem Schwert. - Ihnen folgten zu Pferd Graf Hermann Egon von Fürstenberg als der kurbayerische (rechts) und Prinz Moritz von Nassau als der kurbrandenburgische Gesandte, dann Graf Truchseß zur Zeil als Erb-Truchseß mit dem Reichsapfel, zu seiner Rechten der gefürstete Graf von Hohenzollern als Erbkämmerer mit dem Zepter, links der Rheingraf als kurpfälzischer Erb-Marschall, dahinter Kurpfalz mit der Römischen Krone. Hinter dem Truchseß ritt Graf Philipp von Pappenheim als Erb-Marschall des Reiches mit der Schwertscheide, ihm folgte der Kurfürst von Sachsen mit dem bloßen Schwert vor dem gewählten Römischen König, der die goldene Kurhaube trug und dessen Traghimmel acht Frankfurter Magistratsherrn hielten. „An dem Himmel herum war weder Schrifft noch sonst etwas/ als inwenig der grosse schwartze zweyköpffige Reichs-Adler mit der Cron in gelbem vergüldetem Felde gemahlet zu sehen“ (ebd. S. 486f.; vgl. Abb. 29).

Beim Verlassen der Kirche ging dem Truchseß von Zeil der Kurfürst von Trier voran, zur Rechten des Kaisers (im Ornat mit der Reichskrone) schritt der Kurfürst von Mainz, zur Linken der von Köln (ebd. S. 489f.).

2. Niederlande

In den Niederlanden kam den E. Rechtscharakter zu, der einziehende Statthalter mußte den Eid leisten, die Privilegien einzuhalten. Selbst in den südlichen Provinzen - trotz der langen kriegerischen Auseinandersetzungen mit Spanienfanden bis 1702 E. in der herkömmlichen Weise statt. Neben Schauwagen spielten die Festdekorationen eine wichtige Rolle, unter ihnen vor allem die lebenden Bilder. Der Beschreibung der Dekorationen ist in den seit der 2. H. 16. Jh. zu den E. erschienenen Druckschriften mehr Platz eingeräumt als der des E. selbst (vgl. [2]; [1] S. 670-674).

Welchen Einfluß um 1600 die politischen Verhältnisse auf das Protokoll beim E. hatten, zeigt der E. Erzherzog Ernsts 1594 in Antwerpen: Weil er nicht mit der Markgrafschaft Antwerpen oder dem Herzogtum Brabant belehnt worden war, konnte man ihm das Lehensschwert auch nicht voraustragen, anders als gewohnt ritt er nicht unter einem Traghimmel ein, auch die Eidesleistung unterblieb (Johs. Bochius, Descriptio pvblicae gratvlationis, spectacvlorvm et lvdorvm, in adventv seneriss. principis Ernesti Archidvcis Avstriae... editorvm, Antw. 1595 [Ndr., mit Einleitung von Hans Mielke, New York 1970, S. XI]). Beim E. seines Nachfolgers, Erzherzog Albrechts, 1599 dagegen wurde dem Zeremoniell Genüge getan; für ihn trafen die Voraussetzungen alle zu (ebd.; Abb. 13).

Die „pompa introitus“ des Kardinalinfanten Erzherzog Ferdinand 1635 in Antwerpen wurde unter der Leitung des Peter Paul Rubens vorbereitet; er entwarf auch die meisten Dekorationen, ihm gingen die bedeutendsten Künstler der Stadt bei der Ausführung zur Hand. Die zu diesem E. erschienene Druckschrift zeigt vom Zug nur den Weg (Gaspar Gevaert, Pompa introitus honori serenissimi principis Ferdinandi Austriaci ..., Antw. 1641 [Faks.ed. Unterschneidheim 1971], Taf. nach S. 172) und das Überreichen eines Lorbeerkranzes durch die personifizierte Antwerpia (Abb. 21). Die Beschreibung und bildliche Wiedergabe der Dekorationen mit ihren Figurentafeln (s. Sp. 992) machen den Hauptteil des Buches aus (John Rupert Martin, The decoration for the Pompa introitus Ferdinandi, Brüssel 1972 [Corp. Rub., 16]).

In den seit 1609 de facto unabhängigen nördlichen Provinzen der Niederlande kam dem E. der franz. Königinmutter Maria de’Medici in Amsterdam 1638 besondere politische Bedeutung zu, hatte sie doch Wilhelm von Oranien gebeten, im Streit mit ihrem Sohn Ludwig XIII. zu vermitteln. Die anläßlich des E. erschienenen Druckschriften [1, S. 673 Nr. Sd 21f.] enthalten in erster Linie Beschreibungen der Dekorationen, bei denen lebende Bilder eine wichtige Rolle spielten (für diese lieferte Claes Cornelisz. Moeyaert Entwürfe: Astrid Tümpel, Oud Holland 88, 1974, S. 1-163, Abb. 11-21; Gaspar Barlaeus, Blyde Inkomst der allerdoorchluchtigste koninginne Marie de Medicis, t’Amsterdam, Amst. 1639).

3. Frankreich

In Frankreich als erblichem Königreich stand der König unbestritten im Mittelpunkt jeglichen Zeremoniells. E. fanden fast nur noch in der Hauptstadt des Reiches statt; E. in Provinzstädte, die im 16. Jh. mit dem gleichen Aufwand wie die in Paris stattgefunden hatten, blieben Ausnahme.

Als Ludwig XIII. nach der Einnahme von La Rochelle 1628 in Paris einzog, verherrlichte eine Reihe von Ehrenbogen die Eigenschaften des Monarchen: seine Weisheit, seine Frömmigkeit, seine Liebe zum Volk, seine Umsicht, seine Großzügigkeit, seine Gerechtigkeit, sein Schlachtenglück, seine Ehre, schließlich die Ewigkeit seines Ruhmes. Die drei mitgeführten Schauwagen repräsentierten das Goldene Zeitalter, den römischen Zirkus und die Stadt Paris; der Wagen der Stadt hatte, in Anspielung auf das Stadtwappen und die Devise „fluctuat nec mergitur“ Schiffsgestalt, auf ihm standen Pietas, Justitia und Minerva (= Ville, Cité und Université; Gabriel Mourey, Le livre des fêtes franç., Paris 1930, S. 83ff.; Roy Strong, Splendour at court. Renss. spectacle and illusion, Ld. 1973, S. 245ff.).

C. Festaufzüge

1. zu Ritterspielen im dt. Reich

Im Deutschen Reich standen noch bis ins 18. Jh. die Ritterspiele im Mittelpunkt von Festfolgen: Ringrennen, Kopfrennen, Quintanrennen, Ballienrennen (Stechen über die Planke), Kübelstechen und Fußturnier, Wettkämpfe, zu denen die Teilnehmer verkleidet erschienen (die Maske Augusts des Starken, 1709 „beym Götter Auffzug und darauff gehaltenen Nacht Ringrennen“ gebraucht, ein Werk J. M. Dinglingers: Abb. 24). Einem Rennen gingen mehrere F. voraus, nämlich so viele wie Parteien zum Wettstreit antraten. Am Anfang eines F. ritten in der Regel die „Patrini“ (Bahndiener), denen Trompeter und ein Heerpauker folgten. Die Wettkämpfer und ihre Begleiter kamen zu Fuß, zu Pferd oder auf Wagen, die meistens eigens angefertigt, manchmal auch von früheren F. übernommen worden waren. Meist von Reitknechten geführte Hand- oder Leibpferde bildeten den Anfang oder aber den Schluß. Der Phantasie waren bei den F. kaum Grenzen gesetzt (vgl. Abb. 12 und 27). Die vorgestellten „inventionen“ waren häufig dem Bereich der Allegorie (Abb. 11: Verkehrte Welt), der Historie und der Mythologie entnommen. Häufig wiederkehrende Themen - auch innerhalb ein und desselben F. - waren die vier Elemente, die vier Jahreszeiten, die vier Erdteile, die sieben Planeten, Bauern, fremde Völker, Gestalten aus der deutschen Geschichte, vor allem aber antike Götter und Heroen; ein beliebtes Motiv war der bevölkerte Berg. Andere F. lebten von der Originalität der Kostüme oder betonten das Exotische. Von den zahlreichen Festen aus dem frühen 17. Jh. seien zwei ihrer F. wegen als Beispiele hervorgehoben: die Hochzeit des Herzogs Johann Friedrich von Württemberg mit Sophia von Brandenburg 1609 in Stuttgart und die Feier der Rückkehr des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz (des „Winterkönigs“) aus London 1613 nach seiner Eheschließung mit Elisabeth Stuart, der Tochter des englischen Königs James I., in Heidelberg.

Von dem Hochzeitsfest in Stuttgart, das auch ein Politikum war- unter den Gästen fehlten, ein Jahr nach der Gründung der protestantischen Union, die katholischen Fürsten -, geben zwei Druckschriften eine recht genaue Vorstellung: Joh. Oettinger, Warhaffte Hist. Beschreibung Der Fürstlichen Hochzeit ... So ... Johann Friderich Hertzog zu Würtemberg vnd Teck ... gehalten hat, Stg. 1610; Balthasar Küchler, Repraesentatio Der Fürstlichen Auffzug und Ritterspil. So bei des ... Herrn Johann Friderichen Hertzogen zu Württ. vnd Teckh ... Hochzeitlich. Ehrnfest ... gehalten worden, Schwäbisch Gmünd o. J. (1610). Die Folge der F. zeigt eine Vielfalt, wie sie für die F. an den meisten deutschen Fürstenhöfen typisch war. Innerhalb eines Zuges jedoch, der selbst streng durchdacht war, erhielten die einzelnen Figuren ihren speziellen Sinn erst aus der Gesamtkonzeption.

Der erste Aufzug, der des Bräutigams, umfaßte 118 Personen. Im Mittelpunkt stand „Germania“. Die F.folge ist bei B. Küchler in 29 Kupferstichen von Friedr. Brentel nach Entwürfen des Stuttgarter Hofmalers Gg. Donauer festgehalten:

1) Fama, viergesichtig, auf dem Pegasus, Kleid und Pferdedecke mit Augen übersät. - 2-3) Je drei Patrini zu Pferd, in altdeutscher Tracht, gelb, rot, schwarz, weiß. -4) Ein Heerpauker zu Pferd, von zwei Reitknechten geführt. - 5) und 6) Je drei Trompeter zu Pferd. - 7) Drei Trompeter; die Trompetenfahnen mit dem Wappen des Brennus, Mannus und Arminius. - 8) Apollo (in Gold), Orpheus (in Silber) und Linus (in Grün) mit Zither, Geige und Laute. – 9) Nymphe, einen Hirsch führend, schreitet einem Berg voran; es folgen eine Nymphe und ein „Pastor“, je einen Bären führend. – 10) Nymphe, ein Wild führend, darauf ein Berg, dem Paris mit einem Einhorn folgt. - 11) Arion mit Harfe auf dem Delphin. - 12) Der Berg Helikon mit Pegasus und den neun Musen. -13) Timiditas, Ira, Vilitas und Vindicta (zu Fuß), an Ketten geführt von Fortitudo und Clementia (zu Pferd). -14) Securitas, Diffidentia, Simulatio und Adulatio, gekettet an Germana Fides und Sinceritas. - 15) Cunctatio, Temeritas, Ebrietas und Avaritia, gekettet an Prudentia und Temperantia. - 16) Magistri de Campo: Wahrmund der Franke und Hengist der Angelsachse. - 17) Drei Lakaien zu Fuß. - 18) Brennus, Mannus, Arminius zu Pferd. - 19) Drei Lakaien zu Fuß. - 20) Magistri de Campo: Dietrich von Bern (Ostgote) und Adolph der Westgote. – 21) Zwei deutsche Sänger in altfränkischer Tracht. - 22) Der Wagen der Germania, gezogen von weißen Ochsen, die von Constantia, Castitas, Liberalitas, Patientia, Pietas und Aequitas geführt werden. Germania prangt „im kayßerlichen Geschmucke“, mit Zepter und Reichsapfel, hinter ihr Victoria. Concordia lenkt den Wagen, bei ihr sind Justitia, Libertas und Religio. Neben dem Wagen schreiten Nobilitas, Pansophia, Humanitas, Modestia, Hospitalitas, Fecunditas, Amoenitas, Salubritas, Inventio, Scientia, Peregrinatio und Opificina (Abb. 15). – 23) Tempus als Greis mit dem Stundenglas, zu Pferd Fortuna mit Occasio als Pferdeführerin, dahinter Veritas. - 24) Abundantia, Pax und Pilitia zu Pferd. -25-28) Labor und Vigor, Vigilans und Frugi, Pulcher und Solers, Venator und Amicus, alle zu Pferd. - 29) Bacchus mit fünf Satyrn.

In J. Oettingers z. T. recht umständlicher Beschreibung ist dem Leser Sinn und Bedeutung des F. erklärt: Germania wird durch die sie begleitenden Tugenden vor den Lastern bewahrt; „Fortitudo“ erwähnten sowohl Cäsar als auch Tacitus im Zusammenhang mit den „alten Teutschen“, „Liberalitas“ war eines von deren höchsten Gütern; Brennus tritt auf als König und Fürst der „Oberschwaben und Cymbern“, Mannus als der der „Uhralten Allemannier und Twisconen“, Arminius als der der „Undern Schwaben und Sachsen“ (S. 85-99).

Diesem ersten Aufzug folgten neun weitere (ebd. S. 112-141): Der „von den Mohren“ bestand aus 29 Personen, ihr Führer war Markgraf Christian von Brandenburg. Der Aufzug „von den Tugenden“, Concordia, Fortitudo, Prudentia und Candor, bestand aus 16 Personen und wurde vom Pfalzgrafen bei Rhein angeführt. Der Aufzug „Von Venere und Lieb“ zeigte im Gefolge des Markgrafen Joachim Ernst von Brandenburg 50 Personen; außer dem Wagen der Venus wurden weitere Wagen mitgeführt: Mars saß auf einem Berg mit einer Burg, Neptun auf einem Schiff, Merkur auf einem Berg mit Gold und Kleinodien, Pluto auf einem Feuerberg. Im Mittelpunkt des fünften, von Markgraf Georg von Baden geführten Aufzugs „Von den Tugenden“ mit 33 Personen stand Religio als „idololatriae exterminatrix“. Den sechsten Aufzug „Von Nestore, Agesilao und Achille“ mit 38 Personen veranstalteten die Grafen von Hohenlohe, den siebenten Aufzug „Von den sieben Planeten“ mit 29 Personen bestritt Graf Helfferstein. Der achte Aufzug „Vom Krieg vnd Frieden“ mit 31 Personen ging auf den fürstl. Württembergischen Hofrat Benjamin Buwinghausen von Walmrode zurück, der neunte Aufzug „Von dreyen gutten Juden, Heyden vnd Christen“ mit 16 Personen wurde von den württembergischen Hofjunkern veranstaltet. Der zehnte Aufzug schließlich „Von den Wunderbarlichen Americanischen Leuten auß Iuvaixanoma“ bestand nur aus drei Personen: „vngewohnliche vnd seltzame Monstra..., gantz nackend, haben keine Köpff vnd die Angesichter auff den brüsten gehabt“ (s. RDK VI 751-753: „Acephalen“).

Bei den Aufzügen zum Fußturnier, Ballienrennen, Kübelturnier, Caroussel-Rennen und zum Quintanrennen überwogen die exotischen Elemente. So traten zum Caroussel-Rennen die Teilnehmer als Römer, Indianer, Türken und Mohren auf, zum Quintanrennen als Schotten, Türken und Tartaren.

Zum Ringrennen, das anläßlich der Rückkehr Friedrichs V. von der Pfalz in Heidelberg stattfand, gab es acht Aufzüge (vgl. Beschreibung der Reiß: Empfahung deß Ritterlichen Ordens: Volbringung des Heyraths: vnd glücklicher Heimführung: wie auch der ansehnlichen Einführung gehaltener Ritterspiel vnd Frewdenfests: Des Durchleuchtigen ... Herrn Friederichen deß Fünften..., Hdbg. 1613: [1] S. 652 Nr. Sbc 7).

Im ersten Aufzug erschien der Kurfürst „mit einer stattlichen Invention deß Argonautischen Triumphs in der Person deß Streitbar und Sighaften Jasonis und seinen grichischen weitberümbten Helden“. Voran ritten die „maestri di Campo“ mit Trompetern. Dann kam der Wagen mit Pallas Athene, zu ihrer Rechten ein geflügelter Löwe mit Schwert, zu ihrer Linken einer mit Palmzweig. Neben dem Wagen schritt Merkur, hinter dem Wagen Chiron, einen Streitkolben in der Rechten, Buch und Himmelsglobus in der Linken. Es folgten acht Trompeter zu Pferd, darauf als Heerpauker ein Mohr, nackt bis auf einen „indianischen Schurz“ und ein ungarisches Hütlein. Den folgenden Wagen der Juno zogen zwei Pfauen, neben dem Wagen ging Iris. Auf Neptun in einer goldenen Muschel, gezogen von drei Seepferden, folgte Glaukos, der Baumeister der Argo, der auf einem Felsen saß und einen Spiegel in der Rechten hielt. Meleager, Castor, Oileus, Pollux, Anceus und Admetos ritten vor neun Lastern: Hypocrisis, Pigritia, Timiditas, Avaritia, Intemperantia, Adulatio, Superbia, Stultitia und Luxuria. Einem Drachen folgten „drei falsche und scheinbare Sirenen“ mit Harfe, Laute und Geige. Orpheus ritt auf einem Einhorn. Der Kurfürst stand als Jason auf der Argo und war begleitet von Peleus und Thelamon, „hinten der trewlose Pelias, der vor neid sein eigen hertz fraß“. Den Schluß des Aufzuges bildeten drei Leibrösser mit prächtig geschmücktem Zaumzeug und Sätteln aus Samt und Seide, mit Perlen bestickt. - Im Mittelpunkt des Aufzugs des Markgrafen Joachim Ernst von Brandenburg standen Mars und Venus, die auf ihrem gold- bzw. silberverzierten Wagen thronten. - Obwohl Herzog Johann Friedrich von Württemberg im Namen des „Unüberwindlichen Weitherrschenden Ariovisti der alten Schwaben König“, aufzog, waren in seinem Zug zahlreiche Gestalten der Mythologie eingeschlossen, Diana, Apollo und die neun Musen auf dem Parnaß. Wieder bildeten Leibpferde den Schluß des Zuges. - Auch der am nächsten Tag als „Invention“ der Pfalzgrafen Friedrich und Johann Casimir von Zweibrücken folgende vierte Aufzug im Namen der Göttin Fama schloß Gestalten der antiken Sage und Mythologie ein, und abermals wurde ein Berg mit den neun Musen mitgeführt.

Im Dreißigjährigen Krieg ging die Zahl der Festveranstaltungen drastisch zurück. Doch riß die Tradition der F. zu den Rennen auch in der Kriegszeit nicht ab und wurde in der 2. H. 17. Jh. an vielen Höfen gepflegt, bestand auch noch im 18. Jh. (vgl. die in Nürnberg 1729 erschienene Auflage von Gg. Engelhard von Löhneisen, Neu-Eröffnete Hof-Kriegs- und Reit-Schul ... [1. Aufl. Nbg. 1609], 6. T. S. 62f.: „Von Aufzügen und Masqueraden, so zum Ring-Rennen zu brauchen“ („... Abriß eines prächtigen Aufzugs, nemlich die vier Theile der Welt...“) und „Suite einer andernn Invention eines Aufzugs..., so da handelt von denen vier Jahres-Zeiten, als: dem Frühling, Sommer, Herbst und dem Winter“, illustriert durch insgesamt vier Tafeln mit Kupferstichen der Brüder Engelhard und Andreas Nunzer (ebd. Fig. 65-68).

Das Köpferennen von 1658 anläßlich der Kaiserwahl Leopolds I., der ersten nach dem Friedensschluß von Münster und Osnabrück, stand ganz in der Tradition, wie auch aus der Unterschrift der Kupferstichtafel im „Theatrum Europaeum“ [4] Bd. 8 nach S. 414 hervorgeht: „Eigentliche Abb. vndt Beschreibung/deß Auffzugs zu dem Ritterlichen Köpferennen, so in wehrender keyßerlicher Wahl, durch die anwessenden Graven und Herrn angestellt worden, geschehen in Franckfurt am Mayn den 30 Juny / 10 Jully Anno 1658“.

Die Phantastik des Aufputzes der Teilnehmer möge hier am Beispiel eines einzigen demonstriert werden: Im „Auffzug der Moscowiter“ zog Graf Salentin Ernst zu Manderscheid und Blankenheim, Kurkölnischer Erb-Hofmeister, geleitet von Trompetern, Dienern mit den Waffen sowie als „Moscoviter“ Verkleideten auf „in Moskovitischer Kleidung/mit einem Turbang auff dem Haupt/so mit allerhand farbigen Gold- und Silbernem Band Creutzweiß überzogen/und mit Edlen Steinen rings umbher besetzt war/der Oberrock war von rothem Sammet mit schönem weissem Peltz gefüttert/darauff ein Kragen von selbigem Peltz/unter diesem Rock trug er ein andern von blau geblümtem Silberstück/vorn gantz mit Gold und Silbern Spitzen gebrämt/gelben Stieffeln/über die Röcke eine güldene Schärpe samt einem Säbel/dessen Gefäß ebenmässig mit Steinen besetzt war/das Pferd-Gezeug war gleichfalls mit Edlen Steinen besetzt/der Sattel mit güldener Decke überzogen/in der rechten Hand trug er einen mit goldenem Zeug überzogenen Bogen“ (Abb. 22; ebd. S. 415; eine Beschreibung aller Aufzüge ebd. S. 414-417).

Die Vorbildlichkeit Frankreichs auch im Festwesen führte im 18. Jh. dazu, sich für die F. in hohem Maße an die Gepflogenheiten des französischen Hofes anzuschließen. An die Stelle der herkömmlichen Ritterspiele traten vielerorts Quadrillen und Karusselle (zu Frankreich s. unten und Sp. 1500).

Als Beispiel sei auf die von 1719 zur Hochzeit des sächsischen Kurprinzen Friedrich August mit Erzherzogin Maria Josepha, Tochter Kaiser Josephs I., verwiesen (Abb. 27; Ingrid S. Weber, Planetenfeste August des Starken, Mchn. 1985). Im galanten Sachsen der Zeit August des Starken gab es aber auch - in Frankreich undenkbar - Damen-Karusselle, Ringrennen, bei denen die Damen im Wagen, der von einem Kavalier gelenkt, von Vorreitern und von den Trägern der Lanzen begleitet war, aufzogen (Abb. 25f.).

2. in Frankreich

Zwar wurden in Frankreich in der Zeit Ludwigs XIV. noch Kopf- und Ringrennen veranstaltet, doch Fest und F. hatten andere Struktur als früher. Die Rennen sollten die Fähigkeiten der „Noblesse de France“ erweisen. Die absolute Herrschaft des Königs ist gespiegelt in der straffen Organisation auch des F. Der König erteilte den Auftrag zum Entwurf des Programms und behielt sich die Entscheidung über das, was aufgeführt werden sollte, vor.

Der F. zu den „Courses de Testes et de Bague“ in Paris aus Anlaß der Geburt des Thronfolgers 1661 ist ein früher Beleg für diese veränderte Situation. Mit dem Entwurf war der Herzog von Gramont beauftragt, der zum Generalfeldmarschall dieser Veranstaltung ernannt war. Ohne „Maschinen, ohne Cartel und ohne einen besonderen Vorwurf“ sollten die berühmtesten Nationen in fünf Reitergruppen (Quadrilles) miteinander streiten: die Römer unter Führung des Königs, die Perser unter dem Bruder des Königs, die Türken unter dem Prince de Condé, die Inder unter dem Herzog von Anguien, die „Wilden Amerikas“ unter dem Herzog von Guise. Der militärisch wirkende Zug vom Hôtel de Vendôme zum vor den Tuillerien errichteten Amphitheater bot der Pariser Bevölkerung ein farbenprächtiges Schauspiel. Nach dem Garderegiment kamen (in dieser Reihenfolge) der Adjutant (Herr Vigarani), ein Pauker des Generalfeldmarschalls, zwei Trompeter, ein Stallmeister, sechs Pagen, acht Handpferde mit je zwei Stallknechten, zwei Pauker, vier Trompeter, zehn Lakaien, der Herzog von Gramont, vier Adjutanten, zwei Trompeter des Generalfeldmarschalls der Reitergruppe des Königs, ein Stallmeister, vier Pagen, vier Handpferde, acht Lakaien, die Feldmarschälle der Quadrillen: der des Prince de Condé (mit zwei Adjutanten, zwei Trompetern, einem Stallmeister, vier Pagen, vier Handpferden, acht Lakaien), des Herzogs von Anguien (mit zwei Adjutanten, zwei Trompetern, einem Stallmeister, vier Pagen, vier Handpferden, acht Lakaien), des Herzogs von Guise (mit zwei Adjutanten, zwei Trompetern, einem Stallmeister, vier Pagen, vier Handpferden, acht Lakaien), der Feldmarschall der Quadrille des Königs (mit zwei Adjutanten, einem Pauker, zwei Trompetern), 20 Handpferde der zehn Kavaliere des Königs mit je zwei Stallknechten, vier königliche Stallmeister, 24 Pagen des Königs, zwei Stallmeister, 50 Handpferde des Königs mit je zwei Stallknechten, zwei Lakaien mit Lanze und Schild des Königs, zwei Fahnenträger der Leibgarde, DER KÖNIG, zwei Fahnenträger der Leibgarde, 20 Kavaliere mit je vier Lakaien als Gefolge, 20 Pagen der Kavaliere; ein Pauker der Quadrille des Bruders des Königs, zwei Trompeter, 20 Handpferde der Kavaliere, ein Stallmeister, 16 Pagen des Bruders des Königs, ein Stallmeister, 24 Handpferde des Bruders des Königs, zwei Pauker, vier Trompeter, 24 Lakaien, der Bruder des Königs als Anführer der Quadrille der Perser; usw.

Die einzige Durchbrechung dieser Uniformität des Zuges waren in der Quadrille der „Wilden Amerikas“ 12 Satyrn als Bärenführer. – Der König war „à la Romaine“ ganz in Silber- und Goldbrokat gekleidet, übersät mit weit über 100 Diamanten, „so daß man kaum das Gold sah, in dem sie gefaßt waren“; auch im Silberhelm mit Goldblättern funkelten zahlreiche Diamanten, feuerrote und weiße Reiherfedern bekrönten ihn. Der Bruder des Königs trug eine Weste aus Silberbrokat, bestickt mit Rubinen, besetzt mit großen Rubinagraffen; seine Mütze „à la Persane“ war von rotweißen Federn bekrönt. Als türkischer Kaiser trug der Prince de Condé eine karmesinrote Satinweste mit Goldborte. Der Herzog von Anguien trug einen Turban mit einem Halbmond aus Edelsteinen und einem Federbusch, die Pferdedecke war mit silbernen Halbmonden belegt. Der Herzog von Guise als amerikanischer König erschien in einem Gewand aus grüner „Drachenhaut“, verziert mit Perlen und Rubinen, und trug ein Smaragdarmband; der Drache auf dem Goldhelm hielt im Maul ein Diamantgehänge, darüber wippte ein Federbusch aus grünen und weißen Reiherfedern. - Außer den Anführern der Quadrillen trugen auch die jeweils zehn Kavaliere Embleme.

Das Maß der Einbeziehung von F. in eine Festfolge läßt sich deutlich machen an dem 1663 in Versailles aus Anlaß des Friedens von Aachen stattgehabten Fest „Les Plaisirs de l’Isle enchantée“ nach Ariosts „Orlando furioso“, veranstaltet unter der Regie von Carlo Vigarani. Am ersten Tag des Festes fand ein Ringrennen statt, dem ein F. voraufging:

Waffenherold, „à l’antique“ gekleidet in Feuerfarben mit Silberborten. - Drei Pagen zu Pferd, an der Spitze M. d’Artagnan, Page des Königs, mit des Königs Lanze und dem Schild mit der Devise Ludwigs, der hier aus Edelsteinen gefügten Sonne. Der Page des Herzogs von St-Aignan trug silberfarbene Livree mit inkarnatfarbenen und schwarzen Federn, der des Herzogs de Noailles feuerfarbene, silberne und schwarze Livree; beide trugen einen Schild mit der Devise ihrer Herren. - Vier Trompeter und zwei Pauker in feuer- und silberfarbener Kleidung, Federn und Pferdeschabraken in den selben Farben. – Der Herzog von St-Aignan als Guido der Wilde, einen Schimmel reitend, war bewaffnet „à la Grecque“, mit silberfarbenem, mit goldenen Schuppen besetzten Küraß und Drachenhelm; die Federn waren weiß, inkarnatfarben und schwarz. - Acht Trompeter und zwei Pauker, ebenso gewandet wie der Herzog. - DER KÖNIG als Roger, wie die anderen Teilnehmer seiner Quadrille bewaffnet „à la Grecque“; sein silberner Küraß war mit Gold und Diamanten besetzt, sein Helm mit feuerfarbenen Federn geschmückt. Sein Pferd trug einen von Gold, Silber und Edelsteinen funkelnden Harnisch. - Der Herzog de Noailles, der Richter des Rennens, als Oger der Däne, in feuerfarbener und schwarzer, reich mit Silber bestickter Kleidung. - Der Herzog de Guise als Aquilant der Schwarze, in schwarzer Kleidung mit Gold bestickt, und Graf d’Armagnac als Griffon der Weiße in silberfarbener Kleidung mit Rubinen. - Der Herzog de Foix als Renaud, in Inkarnatfarben mit Gold und Silber, der Herzog de Coaslin als Dudon, in Grün, Weiß und Silber. - Graf du Lude als Astolphe, in Inkarnat und Weiß, der Prince de Marsillac als Brandumart, in Gelb, Weiß und Schwarz. – Der Marquis d’Humières als Ariodant, in Fleischfarbe und Silber, der Marquis de la Vallière als Zerbin, in Flachsgrau, Weiß und Silber. - Monsieur le Duc (der älteste Sohn des Prince de Condé) als Roland, in Feuerfarben, Weiß und Silber. - Wagen des Apollo, 18 Fuß hoch, 24 Fuß lang, in Gold und Farben glänzend. Zu Füßen Apollos saßen die vier Zeitalter, das Goldene geschmückt mit Gold und Blumen, das Silberne und Bronzene gemäß ihrem Namen. Das Eiserne Zeitalter wurde dargestellt durch einen grimmig blickenden Krieger mit Degen und Schild. Der Wagen trug Reliefs: die Sternzeichen, Python, Daphne, Hyazinthus und andere mit Apollo verknüpfte Gestalten des Mythus sowie Atlas mit der Weltkugel. Die Decken der Pferde waren mit goldenen Sonnen bestickt. Zu Seiten des Wagens gingen die zwölf Stunden des Tages und die zwölf Tierkreiszeichen, „herrlich gekleidet, so wie es von den Dichtern beschrieben wird“. Vor dem Wagen Apollos ritt die geflügelte häßliche alte Zeit, dargestellt von Herrn Millet. - Zwölf Pagen, paarweise, unter Vorantritt des Pagen von M. le Duc, alle mit den Devisen ihrer Herren. - 20 Hirten, gekleidet in Feuerfarben und Silber, als Träger der für das Rennen gebrauchten Teile der Barrière. Im Rondeau umrundete der Zug den Platz, dann nahm man vor dem hohen Baldachin Aufstellung, der König in der Mitte vorn, hinter ihm der Wagen des Apollo. Darauf trat große Stille ein, und Mlle. de Brie, Darstellerin des Bronzenen Zeitalters, rezitierte an Apollo gerichtet ein Lobgedicht auf die Königin. Nachdem auch die drei anderen Zeitalter Gedichte rezitiert hatten, begann das Ringrennen. Während des anschließenden Konzerts wurde durch die vier Jahreszeiten das Mahl aufgetragen: der Frühling ritt auf einem Pferd, der Sommer auf einem Elefanten, der Herbst auf einem Kamel, der Winter führte einen Bären. Ihnen folgten 48 Personen, die auf ihren Köpfen die Schüsseln mit den Speisen trugen und deren Kleidung der der Jahreszeit entsprach, der sie folgten. Den Tag beschloß ein von den Tierkreiszeichen und den Jahreszeiten aufgeführter Tanz.

3. Systematik der F. bei Menestrier

Der Jesuit Claude François Menestrier hatte sich mehr als 15 Jahre mit der Organisation von Festveranstaltungen befaßt, ehe er den Versuch einer Systematik der Festlichkeiten als Buch vorlegte: Traité des tournois, ioustes, carroussels, et autres spectacles publics, Lyon 1669 (Ndr. New York und Ld. 1979 [The Philosophy of Images, 16]).

Sein Werk enthält die wie folgt überschriebenen Kapitel: Einfallsreiche Inventionen für die öffentlichen Schauspiele. Vom Ursprung der Karusselle. Vom Pomp der Karusselle. Vom Zirkus oder der Rennbahn. Vom Thema der Karusselle. Von der Dekoration der Turnierplätze. Von den Kartellen und Herausforderungen. Von den Quadrillen. Von den Maschinen. Von den Rezitationen. Von der Harmonie. Von Pferden und anderen Tieren, die bei Karussellen dienen können. Von den Personen, die die Karusselle bestreiten und von der Kleidung. Von den Komparsen. Von den Namen und Devisen der Gastgeber und Herausforderer. Von den Aktionen der Turniere und Karusselle. Von den Preisen. Von den militärischen Schauspielen und den öffentlichen Aufführungen der Türken. Von den Scheinkämpfen und Angriffen auf feste Plätze, Städte und Schlösser. Von den Maskeraden, Volksfesten und possenhaften Rennen. Von den Seeschlachten und den Karussellen, die man zu Wasser aufführt. Vom Streit der Lilien bei der Krönung der Königin der Alpen, ein Karussell. Der Triumph der Tugenden des hl. Franz von Sales, ein Karussell.

Fast alle Kapitel beginnen mit einer historischen Betrachtung.

Den Ursprung aller Festveranstaltungen sah Menestrier in der Antike; er suchte dies mit zahlreichen Beispielen aus der Literatur zu belegen und zitiert die Thebais des Statius, die Mahnrede an die Heiden von Clemens von Alexandrien, das „Eclogarium“ des Ausonius und Tertullians „De spectaculis“. Recht unmittelbar setzte er den antiken „ludi equestres“ die Rennen und Karusselle gleich, den „agonales seu gymnici“ die verschiedenen Wettkämpfe, den „scenici sive poetici et musici“ die Theateraufführungen und Rezitationen.

Menestrier versuchte seine „systematische“ Darstellung immer wieder durch Beispiele zu stützen.

So ist im Kapitel über den Pomp der Karusselle sehr ausführlich der durch Kallixenos Rhodios überlieferte F. des Ptolemäus Philadelphus in Alexandria, 275/274 v. Chr., geschildert (S. 23-31), unmittelbar darauf folgen Beschreibungen von F. des 17. Jh., darunter auch die kirchlicher Prozessionen nach Art eines Triumphzugs, wie sie nach der Heiligsprechung des Ignatius von Loyola und des Franz Xavier 1622 an zahlreichen Orten stattfanden (z. B. der 1623 von der damaligen Universität Pont-à-Mousson veranstaltete „Triumphzug“: S. 33 – 37).

Im Kapitel über den Gegenstand der Karusselle steht S. 71f. der Bericht von Cassiodor, Variarum libri, wonach die Griechen und Römer in ihren F. den Lauf der Jahreszeiten und des Jahres darstellen wollten; deshalb hätten sie die Teilnehmer in vier Quadrillen eingeteilt, die sich der Farbe nach unterschieden: Grün für den Frühling, Rot für den Sommer, Blau für den Herbst und Weiß für den Winter. Auch hier schloß Menestrier die Beschreibung zeitgenössischer F. unmittelbar an.

Die Gegenstände („sujets“) können der Geschichte, der Fabel, der Natur, der Poesie oder einem momentanen Einfall („caprice“) entstammen, man muß sie jedoch dem Anlaß des Festes anpassen (S. 74). Doch, wie aus den auch hier immer wieder eingeschobenen Beschreibungen hervorgeht, bedingte ein bestimmter Anlaß, etwa eine Hochzeit oder eine Taufe, nicht sozusagen von selbst das gleiche oder auch nur ein ähnliches Festprogramm.

Den Karussellen widmete Menestrier den größten Teil seines Traktats: „Es sind Rennen, die von Wagen, Maschinen, Rezitationen und Roßballetten begleitet sind“ (S. 7).

Jede Quadrille zu einem Karussell oder Turnier wird gebildet von Kavalieren unter einem Anführer, der bei berühmten Karussellen ein Fürst ist („Prince“, wegen dessen Rang im Staat und seiner Ordnung, maßgeblich für die Ordnung der Quadrille; vgl. oben Sp. 1496f.), sonst durch Los gewählt wird und der die Livreen, Kleidung, Devisen, Waffen, Maschinen, Lakaien („Esclaves“), Pferde, Schmuck, Kartell und Zugordnung bestimmt (S. 126).

Die Zahl der Quadrillen variiert, sie hängt vom Programm ab: weniger als vier sollen es nicht sein, und die Zahl zwölf soll nicht überschritten werden. Die Anzahl der Kavaliere ist beliebig, nur mindestens drei; üblich sind höchstens zwölf außer dem Anführer (S. 128). Zu jeder Quadrille gehören Trompeter, Tambour, Pauker oder andere Musiker, Diener, Handpferde, berittene Pagen, der Anführer der Quadrille mit seinen Patrini („Parrains“), die Kavaliere, Maschinen, Musiker zur Rezitation und dgl. mehr (S. 135).

Maschine „pour la Pompe“ ist alles, was sich - im Gegensatz zur festen Dekoration - durch menschliche Kunst bewegt: „Szenen und bewegliche Theater, die Wagen, (künstliche) Wolken, die Schiffe, von Natur aus tote und unbewegliche Dinge, seien sie nun bewegt durch Federkraft, durch Gewichte, den Wind, das Wasser, das Feuer oder durch Tiere“ (S. 142; vgl. auch S. 143: „Himmelsgebilde, Wälder, künstliche Brunnen, Monstren, Riesen, Statuen, Schwäne, Fische, Drachen“ etc.).

Leiter des Karussels ist der Feldmarschall („Mestre de Camp“, „Mareschal de C.“) mit seinen Adjutanten. Er regelt den F. Die Pagen tragen die Lanzen und die Schilde mit den Devisen. Die Lakaien führen die Handpferde, tragen die Fackeln, lenken die Wagenpferde; man kleidet sie als Türken, Mohren, Sklaven, Indianer, Affen, Bären, Meerkatzen usw.

Livreen und Chiffren sind Erfindungen der Mauren und Araber, denen figürliche Darstellungen verboten waren. Von ihnen haben wir die Deutung der Farben: Weiß bedeutet die Reinheit, Ernsthaftigkeit, Unschuld, Indifferenz, Einfachheit und den Glanz; Schwarz drückt Schmerz, Standhaftigkeit, Finsternis usw. aus; Grün ist als Farbe des Frühlings die der Hoffnung, der Freude und der Jugend; Flachsgrau verbindet man mit der ewigen Liebe; die Freude verknüpft man mit Gelb, Weiß und Blau mit Höflichkeit und Weisheit - aber dies alles hätte nichts mit der Natur dieser Farben gemein, sondern sei reine Phantasie.

4. Kaiserhof in Wien

Am kaiserlichen Hof in Wien feierte man 1666 die Hochzeit Leopolds I. mit der Infantin Margareta Theresa mit einem Aufwand, der dem der Feste in Versailles zumindest nicht nachstand. An die Stelle des damals üblichen - auch bei den Festen in Versailles veranstalteten - Ringrennens als Wettkampf trat ein choreographisch inszeniertes Roßballett, der „Siegstreit deß Lufft und Wassers“, ein ganz ins Schauspielhafte gewendetes „Freudenfest zu Pferd“. Es wurde im Hof der Wiener Burg aufgeführt, der Text stammt von dem Jesuiten Francesco Sbarra, die Choreographie von dem Florentiner Alessandro Carducci, die Dekorationen hatte Lodovico Burnacini entworfen. Der Ausgang des Balletts stand von vornherein fest, wie überhaupt jedes Detail bis ins kleinste streng geregelt war (was das Wiener Fest mit den Festen in Versailles gemein hat). Text, Choreographie und Musik hatten gleichen Anteil an dem Roßballett. Die vier Elemente - neben den im Titel genannten natürlich Feuer und Erde - zogen in getrennten F. auf; die Gruppen vereinten sich am Ende der Aufführung zu einem „lebenden Bild“ vor einem Tempel, auf dessen Schwelle „die Röm. Kayserliche Majestät“ erschien, sich als „Dero unüberwindlichsten Genium oder eigener Beseelungs-Geist selbst vorstellend, in uhralter Romanischer Kleidung, wie die ersten Helden und Regenten der Stadt Rom einhergegangen“ [7, Bd. 2 S. 1182].

In der Folgezeit hatten zu Veranstaltungen dieser Art nicht nur die höfischen Kreise Zutritt, sondern auch das gehobene Bürgertum. Eine parallele Entwicklung fand im Theaterbau statt (Zugänglichkeit zum Hoftheater in Versailles ebenso wie in Schönbrunn), hier sollte sie in der Anlage von Hoflogen im öffentlichen Theater münden.

5. Handwerker

In der Regel fanden die Umzüge der Handwerker in den Städten in herkömmlicher Weise statt, unter Vorweisen des Handwerksgerätes (ein Beispiel Abb. 30) oder handwerklicher Besonderheiten. So führten z. B. in Nürnberg die Schweinemetzger 1614 eine Riesenbratwurst von 493 Ellen Länge, gehängt an eine in den Stadtfarben gestrichene Stange, im F. durch die Stadt, ein Ereignis, das in späteren Jahren wiederholt und als Brauch auch in anderen Städten geübt wurde (E. Mummenhoff a. a. O. [Sp. 1477] S. 129f., Abb. 123).

Doch gab es auch bei den Umzügen der Handwerker solche nach einem Programm.

Als ein Beispiel aus dem 18. Jh. sei der „Auf- und Umzug“ der Weber in Augsburg 1760 genannt, der zum Gedenken an die Schlacht auf dem Lechfeld stattfand, angeblich auf ein Privileg Kaiser Ottos I. zurückgeht, und der nach vieljähriger Pause damals in folgender Ordnung aufgeführt wurde:

1) Zwei Knappen-Knechte in roter und gelber Kleidung, die Schuhe mit einem roten und gelben Absatz. – 2) Musikanten. - 3) Die Stadtwappen, zwei Knaben je einen Adler tragend, neben ihnen zwei Gesellen mit Degen. – 4) Der Hauptmann mit einer Pike in farbiger Kleidung, dem ein Knabe mit einem Lorbeerkranz in weißer Kleidung mit rotem und gelbem Band folgt. - 5) Zwei Feldwebel. - 6) Acht Altgesellen in roter Kleidung mit Hut, der mit Federn geschmückt ist. - 7) Der Zunftbecher, daneben Zwei mit gezücktem Degen. - 8) Vier Büchsen-Pfleger in schwarzer Kleidung mit dem Degen. – 9) Das Zunftwappen aus dem Weberhaus. – 10) Vier Trommler und zwei Pfeifer. – 11) Drei Knaben mit dem Wappen der Deputierten des Weberhauses, neben ihnen zwei Gesellen mit gezücktem Degen. - 12) Der erste Fähnrich mit den neuen Fahnen, den einige Gesellen in roten Westen mit gelben Aufschlägen und gezücktem Degen begleiten. - 13) Die erste Darstellung der Schlacht (auf dem Lechfeld) mit zwei Gesellen mit bloßem Degen und Einigen im Küraß. – 14) Die erste Hälfte der Weberzunft in Viererreihen, in deren Mitte die Tafeln mit Lobsprüchen und den Bestimmungen in Friedens- und Kriegszeiten, die von je zwei Gesellen mit bloßem Degen flankiert werden; die Knaben und Meistersöhne mit Federhüten, Leibbinden und Degen, Pfeil und Bogen; einige Gesellen tragen die Hälfte der Zunftkannen. - 15) Musikanten. - 16) Das Bildnis Kaiser Ottos I. und des heiligen Ulrich, das Wappen des Weberhauses von Knaben getragen und von zwei Gesellen mit gezücktem Degen begleitet. - 17) In Dreierreihen in schwarzer Kleidung mit Hüten mit schwarzen Federn, mit roten und gelben Bändern an den Fußgelenken, die Schuhe mit gelbem Absatz, 36 Träger der Pokale des Weberhauses. Neben ihnen marschieren vier Gesellen mit bloßem Degen. - 18) Vier Trommler und zwei Pfeifer. - 19) Der zweite Fähnrich mit den alten Fahnen, den einige Gesellen in Küraßen und Westen mit gelben Aufschlägen mit bloßem Degen begleiten. - 20) Die Darstellung mit der Wappenübergabe durch Kaiser Otto, begleitet von zwei Gesellen mit bloßem Degen und einigen im Küraß. - 21) Der zweite Teil der Zunft mit bloßem Degen, mit den Tafeln der Lobsprüche und den Bestimmungen in Friedens- und Kriegszeiten; Knaben; einige Gesellen tragen die zweite Hälfte der Zunftkannen. - 22) Vier Trommler, zwei Pfeifer. - 23) Zwei Leutnants. - 24) Zwei Leibschützen. Am Schluß folgen einige Meister im Harnisch zu Pferd, die Trophäen aus der Schlacht, die in St. Ulrich und Afra aufbewahrt werden, mitführen, nämlich Standarte, Sattel, Sporen, Pfeil, Stilett, Säbel, ein Paar Schuhe, ein Paar Handschuhe, zwei Samthauben, dazu einen Schild mit der Devise „Deus Fortitudo Mea“ (Ps 42,2).

VI. Französische Revolution

Zum ersten Jahrestag des Sturms auf die Bastille (14. Juli 1789) wurde in Paris der „Sturz der Tyrannei“ öffentlich gefeiert. Diese „fête de la Fédération“ brachte grundlegend Neues. Im Mittelpunkt stand der Altar des Vaterlandes, also eine Idee und nicht mehr die Person des Königs. Dieser saß vielmehr unter den Zuschauern, wenn auch sein Platz durch einen Baldachin hervorgehoben war, ebenso wie der des Präsidenten der Nationalversammlung, der drei Fuß entfernt zur Rechten Ludwigs XVI. saß. Der Fauteuil des Königs wie der des Präsidenten war mit blauem, mit goldenen Lilien besetzten Samt überzogen. Die höfische Gesellschaft spielte keine Rolle, das Volk nahm nicht nur als Zuschauer auf den in Form einer riesigen antiken Zirkusarena angeordneten Tribünen teil, sondern war auch im Festakt vertreten [21, S. 23-29].

Der F., der durch eine dreitorige Ehrenpforte auf das Marsfeld einzog, hatte sich um sieben Uhr morgens formiert. Den Anfang machte eine Kompanie der National-Kavallerie mit zwölf Trompetern. Nach einem Musikkorps und Trommlern folgte eine Kompanie Grenadiere, dann die Pariser Wahlversammlung, eine Kompanie Freiwilliger, die Vertreter der Kommune, eine Kompanie Jäger, die Trommler der Stadt, die Vorsteher der 48 Stadtdistrikte von Paris, die Zivildeputierten aller Gemeinden, die 60 Administratoren der Stadtobrigkeit, umgeben von der Stadtgarde. Ein Bataillon von Militäreleven und eines der Veteranen marschierte den Mitgliedern der Nationalversammlung voraus, die von der Pariser Nationalgarde mit ihren Fahnen umgeben wurde. Den Abordnungen der 42 ersten Departements (nach dem Alphabet) mit ihren Bannern und Trommlern wurde das Lilienbanner, begleitet von zwei Marschällen Frankreichs, vorangetragen. Es folgten die hohen Offiziere der Armee, der Artillerie, alle Deputierten des Armeekorps, der Infanterie, der Pioniere, der Kavallerie, der Dragoner, der Jäger und der Husaren, die Truppen des Königshauses und der Prinzen von Geblüt. Die Offiziere und Deputierten des Marinekorps marschierten nach denen des Heeres. Die Deputierten der 41 restlichen Departements kamen am Ende, vor einer Grenadierabteilung und der Kavallerie der Pariser Nationalgarde.

Als der Präsident der Föderierten und Generalkommandant der Pariser Nationalgarde, Marie-Joseph Motier Marquis de La Fayette, kenntlich an seinem Federbusch, umgeben von seinen Adjutanten, auf dem Marsfeld einritt, erscholl der Ruf „Es lebe La Fayette“; man ließ aber auch Frankreich und den König hochleben. Dieser hatte für diesen Tag alle militärischen Vollmachten an La Fayette abgetreten, von dem alle Befehle ausgingen und der auf dem Marsfeld und in ganz Frankreich kommandierte (ebd. S. 175f.; [9] Nr. 39/40 S. 153-160).

Die Gebeine Voltaires wurden auf Betreiben des Marquis Charles-Michel de la Villette, in dessen Haus Voltaire 1778 verstorben war, am 30. Mai 1791 aus der in der Champagne gelegenen, inzwischen aufgehobenen Abteikirche von Scellières in die Pariser Kirche Ste-Geneviève überführt, jenen 1790 vollendeten und im April 1791 als „Panthéon français“ zur Grablege der Großen Frankreichs bestimmten Neubau. Die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden und die Nationalgarde (die Gewehre der Gardisten waren mit Eichen- und Lorbeerzweigen umwunden) begleiteten den von vier Pferden gezogenen Wagen nach Paris. – An der Stadtgrenze formierte sich dann am 11. Juli der F., der teils Elemente revolutionärer F. aufnahm, teils solche kirchlicher Prozessionen (Reliquientranslation; „St-Voltaire“) umfaßte. An der Organisation dieser „Apothéose de Voltaire“ war Jacques-Louis David beteiligt [21, S. 38-40].

Den Zug eröffnete eine Abteilung der Kavallerie mit ihren Trompetern, ein Bataillon Militäreleven, die Nationalgarde, gefolgt von den Clubs, den Bruderschaften, den Lastträgern der Markthallen, den Eroberern der Bastille, den Witwen der beim Bastillesturm Gefallenen, den Invaliden mit ihren Waffenbrüdern der Departements. Nach ihnen wurde ein Modell der Bastille mitgeführt. Die Kunstschüler trugen Eichengirlanden sowie Inschriften, die Voltaire verherrlichten und auf seine Hauptwerke wiesen, andere trugen die Attribute der Musen. In einem Schrein wurden Voltaires Werke mitgeführt. Mit einer Tunika bekleidete Männer trugen die Sitzfigur Voltaires (von oder nach Houdon ?), der die Schauspieler der Theater, die Literaten, die Friedensrichter, die Vertreter der Distrikte, die Tribunale, die Nationalversammlung, die Minister, schließlich die Botschafter der europäischen Völker folgten. Eine Gruppe Musiker mit Instrumenten in antiken Formen und Sänger (sie sangen neue Hymnen) gingen vor dem von zwölf Pferden gezogenen Wagen mit Rädern aus Bronze, der den Sarkophag aus orientalischem Granit trug. Auf ihm war Voltaire halb liegend im Schlafe dargestellt, in Purpur gekleidet; Unsterblichkeit hielt eine Sternenkrone über sein Haupt. An den vier Ecken des Wagens standen Kandelaber mit Weihrauch (Abb. 31).

Mehrmals hielt der Zug an, vor der Oper, wo eine Büste des Verstorbenen aufgestellt war, vor dem Sterbehaus, wo 50 junge Bürgerinnen im weißen Kleid mit blauem Gürtel, das Haar mit Rosen bekränzt, dem Toten Ehre erwiesen und ihn zum Pantheon begleiteten und wo ihm wie einer Schutzgöttin die Adoptivtochter Voltaires, die Comtesse de la Villette, ihr Kind entgegenhielt. Die königliche Familie, die nach Ludwigs XVI. Fluchtversuch im Louvre hatte Wohnung nehmen müssen (der König war durch die Nationalversammlung suspendiert worden) beobachtete den Zug vom Pavillon de la Flore aus ([9] Nr. 55 S. 221-224; David Lloyd Dowd, Pageant Master of the Republic, Jacques-Louis David and the French Revolution, Lincoln/Ne. 1948 [Univ. of Nebraska Stud., N.S. 5], S. 48-52; [21] S. 180f.).

Nach der Verkündung der Republik am 22. 9. 1792 wurde im folgenden Jahr eine neue Zeitrechnung und ein neuer Kalender eingeführt, das Christentum durch den Kult des „Etre Suprême“, des Höchsten Wesens, ersetzt. Die Feste hatten abstrakte Begriffe zum Thema und sollten in ihrem Ablauf deren Inhalte ausdrücken.

Das „Fest des Höchsten Wesens“ am 8. Juni 1794, auf Veranlassung Robespierres gefeiert, sollte die Existenz eines Gottes und die Unsterblichkeit der Seele manifestieren.

Die Häuser waren mit der Nationalflagge beflaggt, der 1792 geschaffenen Trikolore. Man versammelte sich in den zum Nationalgarten erklärten Tuillerien; dort war ein Monument errichtet, das die Feinde des Allgemeinwohls zeigte: das Monster des Atheismus, den Ehrgeiz, den Egoismus und die Zwietracht. Der Präsident der Nationalversammlung setzte nach einer Rede dieses in Brand. Aus den Trümmern erhob sich, unter Trommelwirbel und Trompetenstößen, die Gestalt der Weisheit. Ihr näherte sich das Volk: von der einen Seite der Zug der Männer, von der anderen der der Frauen. Inmitten des Volkes und der bewaffneten Sektionen von Paris erschienen die Vertreter der Nation, umgeben von den vier Lebensaltern: Kindern mit Veilchen, jungen Leuten mit Myrthen, Erwachsenen mit Eichenzweigen und weißhaarigen Greisen mit Weinranken und Olivenzweigen. Während des Aufmarsches legte man Weihegaben und Blumen am Fuß der Freiheitsstatue nieder, die Väter streckten ihre Kinder als Huldigung dem Schöpfer der Natur entgegen und Mädchen warfen Blumen in den Himmel ([10] Nr. 100 S. 401-404; [21] S. 90-93, 192-196).

Das „Fest der Freiheit“ am 17. und 18. Juli 1798 stand unter dem Motto „Entrée triomphale des objets d’art et des sciences recueillis en Italie“. Vorgeführt wurden dabei in einem F. die von der „Commission des sciences et arts“ in Italien systematisch geraubten, nach Paris verschleppten Kulturgüter (ebd. S. 126f.).

Den Zug eröffnete eine Abteilung Kavallerie und ein Militärmusik-Korps. Die Wagen mit den Schätzen waren in drei Gruppen gegliedert. Die erste galt den Naturschätzen: am Beginn eine Fahne mit der Aufschrift „Naturgeschichte“, gefolgt von den Professoren des naturgeschichtlichen Museums sowie Schülern und Liebhabern der Naturgeschichte, die zum Zug zugelassen worden waren, dann Wagen, deren Aufschriften den Inhalt verkündeten, sowie Tiere: 1. Mineralien. – 2. Versteinerungen aus Verona. – 3. Samen fremdländischer Pflanzen. – 4. Fremdländische Pflanzen (Kokosnuß, Bananen, Palmen usw.). - 5.-7. Zwei Löwen und eine Löwin. - 8. Ein Berner Bär, zwei Kamele, zwei Dromedare. - 9. Werkzeuge, Instrumente und Utensilien der italienischen Landwirtschaft. - 10. Zwei riesige Kristalle („Geschenk der Einwohner des Wallis an die französische Republik“).

Die Fahne der zweiten Abteilung war beschriftet mit „Bücher, Manuskripte, Medaillen, Musik, Lettern orientalischer Schriften. Die Wissenschaften und die Künste verschönern die Freiheit“. Einem Chor, der patriotische Hymnen sang, folgten Abordnungen der wissenschaftlichen und künstlerischen Gesellschaften, die Schauspieler der wichtigsten Pariser Theater, Typographen, Bibliothekare, die Professoren der „École polytechnique“ und die des „Collège Français“, die eine Büste Homers trugen. Dann kamen wieder die Wagen.

Die Fahne der dritten Abteilung trug die Aufschrift „Schöne Künste. Die Künste suchen das Land, in dem der Lorbeer gedeiht“. Einem Chor junger Künstler schlossen sich die Preisträger der Schulen für Malerei, Skulptur und Architektur und die der offiziellen Wettbewerbe an, dann die Direktoren der Museen und die Professoren der Schulen für Malerei, Skulptur und Bildhauerei mit ihren Schülern. Vor den Wagen wurde eine Fahne getragen, auf der zu lesen war „Denkmäler der antiken Skulptur“ sowie der Vers „La Grèce les céda; Rome les a perdus: Leur sort changea deux foix; il ne changera plus“. Auf den ersten beiden Wagen standen die Bronzepferde von San Marco in Venedig, erläutert durch die Beschriftung: „Aus Korinth nach Rom transportiert, von Rom nach Konstantinopel, von Konstantinopel nach Venedig, von Venedig nach Frankreich, jetzt sind sie endlich in einem freien Land“. Auf weiteren Wagen standen die Skulpturen des Apollo und der neun Musen und viele berühmte antike Skulpturen, darunter der Laokoon, die kapitolinische Venus und der Apollo von Belvedere.

Der Zug bewegte sich durch neu angelegte Boulevards zum Marsfeld. Dort wurde er empfangen vom Innenminister und den Mitgliedern des Nationalinstituts der Wissenschaften und Künste, die sich zu Ehren der Denkmäler des Genies und der sie begleitenden Wissenschaftler und Künstler von ihren Plätzen zu Füßen der Freiheitsstatue erhoben hatten. Kopien des Apollo und der neun Musen schmückten den Altar des Vaterlandes, Kopien weiterer antiker Statuen aus Italien standen rund um den Altar, die Büste des Brutus wurde auf einem Sockel vor der Freiheitsstatue aufgestellt, die Büste Homers auf einem Sockel inmitten der Wissenschaftler und Künstler. Die Wagen mit den Gegenständen der Naturgeschichte fanden links vom Altar des Vaterlandes ihren Platz, die mit den Büchern und Manuskripten rechts, die mit den antiken Denkmälern und mit Gemälden in der Mitte.

Eine öffentliche Beteiligung an diesem Zug gab es nicht mehr, das Volk blieb Zuschauer [10, Nr. 134, S. 537-540].

VII. 19. Jh.

1. Frankreich unter Napoleon

In Frankreich wurde mit der Annahme des Kaisertitels durch Napoleon das römisch-imperiale Zeremoniell, bei dem der Kaiser im Mittelpunkt stand, Vorbild. Bei den F. ist die Nähe (oder Parallele?) zu den E. des Kaisers im Deutschen Reich unübersehbar, vielleicht sogar bewußt gesucht. Dies ist ablesbar beim F. zur Krönung am 2. Dezember 1804 in N.D. in Paris (Description des cérémonies et des fêtes qui ont lieu pour le Couronnement de Leurs Majestés Napoléon ... Empereur des Français et Roi d’Italie, et Joséphine, son auguste épouse..., Paris 1807: [1] S. 684 Nr. Sg 25; Le Sacre de S.M. l’Empereur Napoléon ..., Paris o. J.: [1] Nr. Sg 26), deutlicher noch beim F. zur Übergabe der Adler an die Armee und die Nationalgarden, die am 5. Dezember 1805 auf dem Marsfeld stattfand.

Napoleon verließ um 10 Uhr die Tuillerien. Den F. eröffnete der Gouverneur von Paris mit seinem Stab, die Gardejäger und die Mamelucken. Dann folgten die Wappenherolde, eine Karosse mit den Zeremonienmeistern, vier Karossen mit den hohen Offizieren, drei mit den Ministern, eine mit dem Großkämmerer, dem Oberstallmeister und dem Oberzeremonienmeister, eine mit dem Erzkanzler und dem Erzschatzmeister. Nach der Karosse mit den Prinzessinnen kam die Napoleons, in der auch seine Gemahlin und seine Brüder Joseph und Louis fuhren und die begleitet war von den Adjutanten (auf Höhe der Pferde), den Generalfeldmarschällen der Garde (neben dem Wagenschlag) und den Stallmeistern (bei den Hinterrädern); die Karosse war als einzige mit acht Pferden bespannt (alle anderen mit sechs). Der kommandierende Marschall folgte der Karosse, die mit dem Großalmosener, dem Großmarschall des Palastes und dem Großjägermeister schloß sich an, dann eine mit der Ehrendame, der Kammerdame, dem Oberstallmeister und dem Großkämmerer der Kaiserin. In den beiden nächsten Karossen fuhren acht Ehrendamen des Palastes, in einer dritten zwei Ehrendamen des Palastes und zwei Kämmerer. Schließlich kamen drei Karossen mit den Ziviloffizieren des Kaisers und der Kaiserin sowie vier Karossen mit den Ehrendamen und Offizieren der Majestäten. Die Grenadiere und Elitegensdarmen beschlossen den Zug (Céremonial de l’Empire Français..., par L.-I. P...., Paris 1805).

2. dt. Teilstaaten

Die F. in den deutschen Teilstaaten nach 1806 sind entweder auf Landesherr und Herrscherhaus ausgerichtet oder zeigen eine nationale, auf das ganze Deutschland zielende Thematik.

a. Träger der beiden ersten solcher „Nationalfeste“, des Wartburgfestes am 18. Oktober 1817 und des Hambacher Festes am 27. Mai 1832, waren die studentischen Burschenschaften. Das Wartburgfest wurde veranstaltet zur Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig und an den Beginn der Reformation 1517, weshalb denn auch die Burschenschaften der katholischen Universitäten mit Ausnahme der Würzburger fehlten.

Die Burschen versammelten sich morgens um 8 Uhr auf dem Marktplatz von Eisenach. „Meist schwarz gekleidet, das Haupt mit Eichenlaub von den nahen Bergen festlich geschmückt“, stellten sie sich paarweise auf. „Die Fahne der Jenaer Burschenschaft..., welche heute die Ehre genoß, alle Universitäten um sich zu versammeln, entfaltete sich als Mittelpunkt des Ganzen, und um 8½ Uhr begann unter dem Geläute aller Glocken, unter festlich-feierlicher Musik, begleitet von den Einwohnern Eisenachs, der heilige Zug auf die Wartburg. Wohl gibt es Züge, die diesen an äußerem Glanz übertreffen, an innerem, bedeutungsvollem Werthe möchte er keinem nachstehen“ (Dietrich Gg. Kieser, Das Wartburgfest in seiner Entstehung, Ausführung und Folgen, Jena 1818). Der Zug sah an der Spitze als Burgvogt den Jenaer Studenten Karl Herm. Scheidler, als Burgmänner folgten ihm Dan. von Binzer aus Kiel, Joh. Ant. Chrn. Jos. Lauteren aus Heidelberg, Heinr. Aug. Linstedt aus Leipzig, Karl Chr. Wilh. Sartorius aus Gießen. Der Fähnrich, Eduard Ernst Karl Graf von Keller aus Jena, wurde von vier Studenten begleitet. Dann folgten ohne besondere Ordnung paarweise alle anderen. Auf der Burg empfingen Eisenacher Behörden und vier Professoren der Universität Jena den Zug (ebd.; Günter Steiger, Aufbruch. Wartburgfest und Urburschenschaft, Jena 1967).

Die Festlichkeiten zum „Nationalfest der Deutschen“ auf der Burg Hambach in der Pfalz gingen nach der Beschreibung eines der Organisatoren, Joh. Gg. August Wirth, in folgender Ordnung vor sich:

„Um 8 Uhr Morgens versammelten sich die Theilnehmer an dem Feste auf dem Marktplatze zu Neustadt. Der Zug wurde nun geordnet und begab sich in folgender Weise auf die Schloßruine Hambach: a) Eine Abtheilung Bürgergarde mit Musik; b) Frauen und Jungfrauen mit der polnischen Fahne, letztere getragen von einem Fähnrich, der mit einer weiß rothen Schärpe geschmückt war; c) eine zweite Abtheilung Bürgergarde; d) eine Abtheilung der Festordner, von welchen jeder eine Schärpe aus schwarz, roth und gold trug, in der Mitte die deutsche Fahne mit der Inschrift „Deutschlands Wiedergeburth“; e) der ganze Landrath Rheinbaierns; f) eine zweite Abtheilung Festordner (Beide Abtheilungen Festordner bildeten die Ehrenbegleitung des würdigen Landrathes); g) die verschiedenen Deputationen aus deutschen Gauen, namentlich Rheinpreußen, Baden, den beiden Hessen, Würtemberg, Franken, Altbaiern, Sachsen, Hannover, Westphalen, Nassau Lichtenberg, Coburg, Frankfurt usw. usw.; h) die anderen Festbesucher aus allen Ländern deutscher Zunge, nach Stämmen geordnet, jeder mit einer oder mehreren deutschen Fahnen; i) die Abtheilung Bürgergarde.“ (J. G.A. Wirth, Das Nationalfest der Deutschen zu Hambach, Neustadt a.H. 1832, S. 11f.; Abb. 32). Erhalten blieb die im Zug mitgeführte, dann auf der Burg gehißte Hauptfahne (Ottfried Neubecker, Die Symbole des Reiches. Eine Betrachtung zum Hambacher Fest, Pfälzisches Museum 49 [Pfalz. Heimatkde. 28], 1932, S. 173-176, 2. Taf. nach S. 144, oben).

Das Fest wurde von den Regierungen der deutschen Staaten mit äußerstem Mißtrauen beobachtet. Die beiden Organisatoren, Wirth und Philipp Jakob Siebenpfeiffer, brachte ihre später fortgesetzte politische Tätigkeit ins Gefängnis.

b. Die auf Herrscher und Herrscherhaus bezogenen F. spielten im politischen Kalkül der deutschen Staaten, die alle durch die Napoleonische Zeit und den Wiener Kongreß ein gegenüber ihrem Gebiet im Alten Reich oft mehrfach verändertes Territorium umfaßten, eine wesentliche Rolle, wie viele andere staatliche Veranstaltungen auch. Der Zusammenschluß der aus ganz verschiedenen Staats- und Rechtsverhältnissen kommenden früheren Einzelterritorien (Reichsstädte, Fürstbistümer, freie Grafschaften, exempte Ordensgebiete usw.) zu einem neuen Staat ließ - selbst bei konstitutioneller Verfassung - im Herrscher den Garanten der staatlichen Einheit sehen.

Vom späten 18. Jh. an gab es F. zu Huldigungen (vgl. den F. der Regensburger Stahlschützen 1788: [23] S. 403, Abb. 112). Für die der 1. H. 19. Jh. ist es charakteristisch, daß in denen bei Huldigungsfesten Repräsentanten des Landes oder von Landesteilen mitzogen. Frühzeitig zeigten sich historistische Tendenzen (zu deren Bewertung vgl. [19]).

Als Belege seien F. im - seit 1806 - Königreich Bayern angeführt. Aus Anlaß der Eheschließung des Kronprinzen Ludwig mit Therese von Sachsen-Altenburg am 12. Oktober 1810 wurde auf der seither Theresienwiese genannten Festwiese vor der Stadt München am 17. Oktober ein Fest gefeiert, das die Wiederbelebung des im 15. Jh. veranstalteten Jakobirennens, eines Pferderennens, bezwecken sollte.

Die Teilnehmer am F. versammelten sich auf dem Platz vor dem Nationaltheater und zogen in zwei Abteilungen zum Festplatz: die erste bestand ausschließlich aus Militär (Schützen, Grenadiere, Füseliere, Artillerie), die zweite eröffneten die türkische Regimentsmusik und Kavalleristen mit Fahnen, welche die Namenszüge des Brautpaares trugen. Es folgten die 30 Rennpferde und die Nationalkavallerie von München, Straubing und Augsburg.

Auf der Festwiese zogen 16 Kinderpaare, die Söhne und Töchter der Nationalgardekavalleristen waren, an dem Brautpaar vorbei, geführt vom Kreisrat Lipowsky. Das erste Paar trug einen Lorbeer- und einen Myrthenkranz, die neun nächsten erschienen als Repräsentanten der neun Kreise des Landes in den entsprechenden Trachten, fünf Paare waren als Bauern und Bäuerinnen verschiedener Gegenden Bayerns gekleidet, und das letzte Paar trug die Tracht der „Alt-Wittelsbacher“ (Ernst von Destouches, Säkular-Chronik des Münchener Oktoberfestes ..., Mchn. 1910, S. 14f., Anhang S. III-IX).

Der F., der seit 1832 in Nürnberg zum Namenstag König Ludwigs I. am 25. August stattfand, wurde 1833 dadurch aufgewertet, daß das Königspaar vom Balkon des Museums-Gebäudes aus den F. verfolgte.

Der Zug bewegte sich in folgender Ordnung vorüber:

1) Magistratischer Polizei-Actuar zu Pferd. - 2) Sechs Trompeter der königlichen Landwehr. - 2) Ein Herold zu Pferd. - 4) Ein Ritter in glänzendem Harnisch zu Pferd. -5) Dessen Knappe. - 6) Ein Wagen mit Musik. - 7) Ehrenfahnenträger der Stadt zu Pferd. - 8) Die Komitees zu Pferd. - 9) Fünf Trompeter in ma. Kostümen. - 10) Eine erste Gruppe von Ständen und Gewerben in ma. Kostümen zu Pferd: der Handelsstand mit zwei Begleitern, Künstler, Buchhändler mit zwei Begleitern, Müller, Gastwirte, Flaschner, Zuckerbäcker, Juweliere. - 11) Griechischer Triumphwagen, vierspännig, mit Bavaria und Hellas, dargestellt durch zwei junge Frauen; eine dritte, mit Palmzweig und Lorbeerkranz, stellte als Genius die Vereinigung Bayerns mit Griechenland dar (Ludwigs Sohn Otto war 1832 zum König von Griechenland gewählt worden). - 12) Ein Herold zu Fuß, gefolgt von der zweiten Gruppe von Repräsentanten der Gewerbe, alle mit zwei Begleitern: Stecknadelmacher, Hafner, Nadel- und Fischangelmacher, Paternostermacher, Drechsler, Schuhmacher (der Repräsentant überreichte später dem König ein Gedicht im Stil der Meistersinger), Schlosser, Bäcker, Nagelschmiede, Weber, Färber, Scheibenzieher, Rotschmiede, Schellenmacher, Ahlenschmiede, Bauhandwerker, insgesamt mehr als 60 Meister, Gesellen und Lehrlinge, die die Attribute sowie ausgezeichnete Erzeugnisse ihres Gewerbes trugen. Auf zwölf Blau und Weiß gekleidete Jungfrauen mit Ehrenpokalen folgten Schwertfeger, Bierbrauer, Bortenmacher, Goldschläger, Hornpresser, Lebkuchenbäcker, Zirkelschmiede, Schleifer, Kammacher, Bürstenmacher, Buchbinder, Schneider, Fischer, Metzger, Tuchmacher. – 14) Träger der Preisfahnen und der übrigen Preise zum Festschießen. - 15) Ein Wagen mit der Musik des königlichen 5. Linien-Infanterieregiments. - 16) Das Renngericht zu Pferd. -17) Die Rennmeister und -knaben mit den 14 Pferden. -18) Ein Musikkorps zu Fuß. - 19) Die Preisfahnenträger der Stahl- und Bogenschützen. - 20) Stahl- und Bogenschützen. - 21) Musiker zu Fuß. - 22) Die Preisfahnenträger der Büchsenschützen. - 23) Büchsenschützen mit ihrem Repräsentanten und der Ehrenfahne. - 24) Büttnerzug mit 28 Gesellen. - 25) Ein Wagen mit der Musik des königlichen ersten Chevaux-legers-Regiments. -26) Preisfahnenträger der Landwagen. – 27) 24 Festwagen der Gemeinden des Rezatkreises.

Die Loyalität der Bevölkerung gegenüber dem Herrscherhaus, die in einem solchen F. der Restaurationszeit zum Ausdruck kommen sollte, ist in der Festschrift besonders klar formuliert: „Mit seiner Majestät eigenen Huld nahmen Sie diese Glückwünsche an und unterhielten sich, gleich wie die Königin Majestät und Ihre Königl. Hoheit die Prinzessin Mathilde auf das Gewogenste mit allen denjenigen, welchen das Glück beschieden war, in die Nähe der erlauchten Personen zu kommen“ (Das Achte Nationalfest in Nürnberg, Nbg. 1833). Wie realitätsfern aber das F.programm war, macht die Darstellung des Handwerks erkennbar: durch Kleidung und Gruppierung ist auf das ma. Zunftwesen verwiesen und an die Blütezeit des Handwerks erinnert, dessen Niedergang als Folge der beginnenden Industrialisierung sich schon abzuzeichnen begann.

Den zum Oktoberfest 1835 aus Anlaß der Silberhochzeit des Königspaares in München veranstalteten F. bezeichnete ein Zeitgenosse als „National-Zug“.

„Aus beynahe 1000 Mann berittener Bauern mit weiß blauen Fähnchen, dann derley Armbinden, mehr als 2 Compagnien Gebirgs-Schützen in ihrer eigenthümlichen National-Tracht, gegen 80 festlich geschmückten sechs-, vier- und zweispännigen Wagen verschiedenster Art, bestand derselbe. Nahe an 2 Stunden dauerte er an dem Königs-Zelte vorüber, durch immer neue Erscheinungen frische Überraschungen und hohe Bewunderung bereitend. Und doch war diese lange Reihe blos ein, in den kleinsten Rahmen eingeengtes Miniatur Gemälde deßen, was sich in unserm gesegneten Bayerlande regt, bewegt, was in selbem wächst und geräth. Sie bildete ein einzelnes Blatt aus dem ... Buche des Volks-Lebens“. Trompeter und Reiterei, an deren Spitze ein Geharnischter ein Banner mit dem Wappen Scheyern führte, eröffneten den Zug. Der Bavaria mit Speer und Schild folgten die Wagen, die die Landkreise und Patrionalgerichte Bayerns vorstellten und denen jeweils ein Trupp Reiter mit Fahnen voranzog (Abb. 33; F. zur Feyer der Jubel-Ehe J.J.M.M. des Kg. Ludwig und der Kgn. Therese..., Mchn. 1836; Christine Pressler, Gustav Kraus 1804-1852, Mchn. 1977, S. 258-272 Nr. 385-408, mit Abb.).

Im Vergleich zu solchen dem Landesherrn huldigenden Selbstdarstellungen seines Landes kommt den ihnen zeitgenössischen F., die für höfische Kreise veranstaltet wurden, nur bescheidene Bedeutung zu.

Als einziges Beispiel seien die 1835 am Münchner Hof veranstalteten „Quadrilles parées costumées ... représentant les divers pays des quatre patries du monde, et les principaux personnages de Quentin Durward“ genannt (letzteres ein 1823 erschienener Roman von Walter Scott; [1] S. 655 Nr. Sbc 26; zwei Kostüme zu diesem Fest bei [20] Abb. 17).

c. Um die Enthüllung eines Denkmals feierlicher zu gestalten, wurden vielerorts F. veranstaltet, wobei diejenigen, deren Programm sich auf Biographie und Leistung des in dem Denkmal Dargestellten bezog, besonderes Interesse verdienen.

Als Beispiel sei der F. in Mainz 1837 zur Einweihung des Gutenberg-Denkmals angeführt, das nach Modell von Bertel Thorvaldsen geschaffen worden war. „An der Spitze des Zuges schritt die K.K. österreichische Regimentsmusik, dann folgten die Waisenkinder und die Schulen der Stadt Mainz. Vor den Jüngern Gutenbergs fuhr ein von milchweißen Pferden in rotem Geschirr gezogener Wagen, auf dem eine alte hölzerne schön geschmückte Druckpresse stand. Auf der Presse selbst lag das Catholicon, der letzte große Druck, den man Gutenberg zuschrieb. Diesem Wagen folgten die Deputationen der Buchdrucker, Schriftgießer und Buchhändler auswärtiger Städte, ferner Gelehrte und Mitglieder von Kunstinstituten. Fünfzehn der schönsten Fahnen und Standarten wurden im Zug getragen. Den Buchdruckern schlossen sich die im Mainzer Stadthaus Versammelten (das waren Bürgermeister und Gemeinderat von Mainz sowie die Vertreter der auswärtigen Deputationen) an; den Schluß bildete Hessen-Darmstädtisches Militär. Preußisches und österreichisches Militär bildete Spalier“ (Aloys Ruppel, Die Errichtung des Mainzer Gutenberg-Denkmals, Mainz 1937, S. 39f., nach Journ. für Buchdruckerk. 1837, Nr. 8-12).

Zu den Tafeln

IA-IIB. Franciscus und Michael Tramezini (?), Bildliche Rekonstruktion eines römischen Triumphs, Radierungen (?), ca. 33 × 45 cm, in: O. Panvinius a. a. O. (Sp. 1463), Ausg. Helmstedt 1675. Dat. 1580. Foto Bayer. St.bibl. Mchn.

Zu den Abbildungen

1 a. Koblenz, L.hauptarchiv, Bestand 1C, Nr. 1, „Balduineum I“ fol. 24r, oben, Kaiser Heinrich VII. bestätigt nach seiner Krönung auf dem Weg vom Lateran nach S. Sabina den Juden Roms ihre Privilegien und die Erlaubnis, nach ihrem Recht zu leben. Federzchg., laviert. Trier (?), um 1340. Foto unbek. Urheberschaft (ZM, Archiv Stange).

1b. Dgl., fol. 8r, oben, E. König Heinrichs VII. in Asti. Federzchg., laviert. Trier (?), um 1340. Nach F.-J. Heyen a. a. O. (Sp. 1438) S. 67.

2. Paris, Bibl. nat., ms. fr. 2813 („Grandes chroniques de France“), fol 467v, E. Kaiser Karls IV. und seines Sohnes Wenzel in Cambrai 1377. Paris, 1379 oder kurz vorher. Foto Marburg, Nr. LA 742/14.

3. Bern, Burgerbibl., Ms. Hist. Helv. I,1 (Diebold Schilling, Berner Chronik, Bd. 1), S. 331, König Sigismund kommt nach Konstanz zum Konzil (1414). Bern, 1483. Foto Bibl.

4a-d. Berlin, StMPK, Kk., Ms. 78 D 5 (E. der Johanna von Kastilien in Brüssel 1496), fol. 31r, 39r, 56r und 58r, Schützengilde von Brüssel mit der Prinzessin und Schaugerüste. Papier-Hs., 35,5 × 25 cm, Federzchgn., Wasserfarben. Brüssel, um 1496. Foto Mus. (Jörg Anders).

5 a und b. Wien, Österr. Nat.bibl., Cod. 2591 (E. des Erbprinzen Karl in Brügge 1515), fol. 15r (David vor der Bundeslade; Graf Balduin schenkt Brügge die Reliquien des hl. Donatus) und 37r (Fesselung der Fortuna durch die Kardinaltugenden). Um 1515. Foto Bibl.

6a und b. Nikolaus Hogenberg, Bl. 22 (Auswerfen von Münzen) und Bl. 24 (der Markgf. von Monferrato mit dem kaiserl. Zepter, der Hzg. von Urbino mit dem Schwert). Radierungen (23,8 × 19,1 cm) aus der Folge des E. Karls V. in Bologna zur Kaiserkrönung 1530. Berlin, StMPK, K.bibl. Foto Bildarchiv preuß. Kulturbes. Bln.

7a und b. Auswurfmünze zur Krönung Ferdinands I. in Aachen. Silber, Dm. 2 cm. Wien, Kh. Mus., Münzslg. 1531. Foto Austrophot Studios, Wien.

8. Dresden, L.bibl., Ms. K 2 (Ringrennen zur Fastnacht im Dresdner Schloß), Bl. 57, Vorreiter eines Schlittens mit Bauern beim Dreschen. Zchg. mit Pinsel und Feder, Wasser- und Deckfarben. 1574. Nach Friedr. Sieber a. a. O. (Sp. 1426) Taf. 11, oben.

9. Sigmund Elsässer, Erzhzg. Ferdinand II. von Tirol als Jupiter beim dritten Aufzug zum Ringrennen anläßlich der Hochzeit Johann Lipsteinsky von Kolowrats mit Katharina von Boymont und Payrsberg in Innsbruck 1580. Wasserfarben auf Papier, ca. 36 × 59 cm. Wien, Kh. Mus., Slgn. Schloß Ambras, Inv.nr. P 5269. Um 1580. Nach Elis. Scheicher a. a. O. (Sp. 1423) S. 134 Abb. 94.

10. Peter Opel, „Die Knaben mit den Fahnen“, Bl. 4 der Darstellungen vom Stahlschießen 1586 in Regensburg. Kupferstich, 32 × 42,7 cm. Regensburg, Mus. der Stadt, Ereignisse K. Um 1586. Foto Wagmüller, Rgbg.

11. Daniel Bretschneider, Triumphzug der Hasen, Part 14 des Ms. J 9 der L.bibl. Dresden (Ringrennen anläßlich der Geburt einer Tochter Kf. Christians I. 1591). Deckfarbenmal. auf Papier. Um 1591. Nach Fr. Sieber a. a. O. Taf. 50, unten.

12. Marten de Vos (Entw.) und Pierre van der Borcht (Ausf.), Ringrennen 1594 auf der Place de Meir in Antwerpen. Kupferstich (29,5 × 39,8 cm) in: J. Bochius a. a. O. (Sp. 1487) S. 140f. Nach dem Ndr.

13. Pierre van der Borcht, Einzug des Erzhzg. Albrecht und seiner Gemahlin Isabella in Antwerpen 1599. Kupferstich, 29,3 × 39 cm. 1602. Nach ebd., Suppl.

14. D. Bretschneider, Schlitten in Schiffsgestalt, gezogen von Pegasus, Fortuna als dessen Reiterin, Bl. 49 der Inventionen zu Schlittenfahrten. Deckfarbenmal. auf Papier. Dresden, L.bibl., Ms. B. 104. 1602. Nach Fr. Sieber a. a. O. Taf. 76 unten.

15. Gg. Donauer (Entw.) und Friedr. Brentel (Ausf.), Wagen der Germania. Stich in: B. Küchler a. a. O. (Sp. 1489) Nr. 22. 1609. Foto Württ. L.bibl. Stg.

16. Lorenz Strauch, Zum E. Kaiser Matthias’ geschmückter Straßenzug von der Fleischbrücke nach St. Sebald in Nürnberg. Federzchg. Nürnberg, Germ. Nat.mus., Inv.nr. SP 3816 (Leihgabe im Stadtgesch. Mus. Nürnberg). 1612. Foto Stadtgesch. Mus. Nbg.

17. Felix Höpfinger, Kaiser Matthias unter dem von sechs Nürnberger Ratsherrn getragenen Himmel. Kupferstich. 1612. Foto Germ. Nat.mus. Nbg.

18. Regensburg, Mus. der Stadt, Medaille auf den E. Kaiser Matthias’ in Regensburg. Silber, vergoldet, Dm. 4 cm. 1613. Foto Wagmüller, Rgbg.

19. Antonie Mirou (?), E. des Kf. Friedrich V. von der Pfalz und der Elisabeth Stuart in Frankenthal. Radierung (27 × 32 cm) in: Kurtze und eigentliche Beschreibung alles dessen, was bei dem Eintritt des durchl. etc. Friedrichs Churf. ... zu Frankenthal ... gehalten worden, Frankenthal 1613, Bl. 4. 1613. Foto Univ.bibl. Hdbg.

20. Lübeck, St. Annenmus., Teile vom ehem. Fries über dem Gestühl des Hansasaales im Lübecker Rathaus mit Darstellung vom E. Kaiser Matthias’ in Dresden 1617. Deckfarbenmal. auf Papier, auf Holz aufgezogen, H. (mit Rahmen) 37 cm. Bald nach 1617. Foto Industriefoto Schilling, Lübeck.

21. Theod. van Thulden, Begrüßung des Kardinalinfanten Ferdinand von Österreich bei seinem E. in Antwerpen. Kupferstich (10,1 × 34,6 cm) in: C. Gevaert a. a. O. (Sp. 1487), vor S. 9. 1641. Nach dem Ndr.

22. Caspar Merian, Aufzug zum Köpferennen anläßlich der Kaiserkrönung Leopolds I. 1658, Ausschnitt: Aufzug der Moscowitter. Kupferstich in: [4] Bd. 8 Taf. nach S. 414. 1693. Nach dem Original.

23. Frankfurt a. M., Hist. Mus., Inv.nr. X 2518, Standarte der 1. Kompanie der Frankfurter Geleitreiter bei der Kaiserkrönung. Weißer Seidendamast, Reliefstickerei in Gold und Silber, 57 × 62 cm. 1702. Foto Mus.

24. Joh. Melchior Dinglinger, Apollo-Maske Augusts des Starken zum F. und Ringrennen in Dresden. Kupfer, getrieben und vergoldet, H. 49 cm. Dresden, Hist. Mus., Inv.-nr. N 171. Dat. 1709. Nach Ausst.kat. „Barock in Dresden“, Essen 1986, S. 113 Nr. 86.

25. Joh. Samuel Mock (Entw.) und Joh. Gg. Wolffgang (Ausf.), Anna Constanze Gfn. Cosel als Teilnehmerin am Damen-Karussell in Dresden 1709. Kupferstich (39,5 × 68 cm) in: J. S. Mock, Damen-Carroussel in Dresden 1709, o. O. u. J. [1, S. 660 Nr. Sbe 13]. 1718/1719 (?). Foto Bildarchiv preuß. Kulturbes., Bln.

26. Aufzug zum Damen-Karussell im Großen Garten in Dresden 1719. Federzchg., laviert. Nach 1719. Foto unbek. Herkunft (RDK).

27. Aufzug zur Quadrille am 12. September 1719 in Dresden, Gruppe der ersten und der zweiten Quadrille. Federzchg., laviert, ca. 67 × 94 cm. Dresden, Staatl. K.slgn., Kk., Band Ca. 200. Nach 1719. Foto Dt. Mus., Mchn., nach: J. L. Sponsel a. a. O. (Sp. 1427) Taf. 53,1.

28a. Joh. Wolfg. (?) Albrecht (Entw.), Ostertag und Holdenriter (Ausf.), E. des Kurfürsten von Mainz in Frankfurt a. M. zur Vorbereitung der Kaiserwahl 1741. Kupferstich (31 × 41 cm) in: Vollständiges Diarium ... der... Wahl und Crönung ... Carls des VII. ..., Bd. 1, Ffm. 1742 [1, S. 644 Nr. Sba 28], S. 169. Foto Hist. Mus. Ffm. (Inv.nr. C1150).

28b. M. Rößler, E. Karls VII. zur Krönung in Frankfurt a. M. 1742. Kupferstich (65,5 × 61 cm) in: ebd. Bd. 2, Ffm. 1743, Taf. nach S. 16. Foto Hist. Mus. Ffm. (Inv.nr. C1140).

29. Frankfurt a. M., Hist. Mus., Inv.nr. X 18 990, Fragment des Traghimmels von der Kaiserkrönung Josephs II. Gelber Seidendamast, Stickereien mit Gold-, Silber- und Seidenfäden, 82 × 64 cm. 1764. Foto Mus.

30. Thomas Albr. (?) Pingeling, „Aufzug der Tischergesellen bei Aufhängung eines neuen Schildes an der Tischer-Gesellen-Herberge, 18. Jul. 1775“. Kolorierter Kupferstich, 36,1 × 44,8 cm. Nach Ausst.kat. „Festzüge in Hamburg 1695-1913“, Hamburg 1972, Kat.nr. 2.

31. François Louis Prieur (Entw.) und Pierre Gabriel Berthault (Ausf.), „Triomphe de Voltaire“, 1791. Radierung (22,8 × 27,8 cm) in: [9] Taf. nach S. 224. 1802. Foto Bayer. St.bibl. Mchn.

32. „Zug auf das Schloß Hambach am 27ten May 1832“, Lithographie in: Der Bote vom Haardtgebirge, Neustadt a.d.H. 1833, Taf. nach S. 2. Foto Süddt. Verlag, Mchn.

33. Gustav Kraus, Gruppe des Landgerichts Dachau und des Landgerichts Fürstenfeldbruck beim F. zum Oktoberfest 1835. Lithographie, 28 × 46,5 cm. 1835. Foto Münchner Stadtmus.

34. Donat Hübschmann, Ansicht der Ehrenpforte am Roßmarkt in Wien, errichtet zum E. Kaiser Maximilians II. 1563. Holzschnitt (28,5 × 19,7 cm) in: C. Stainhofer a. a. O. (Sp. 1447) Taf. nach Bl. Bij. 1566. Nach Berichte und Mitt. des Alt.-Ver. zu Wien 46-47, 1914, Taf. IV nach S. 34.

Literatur

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4. Theatrum Europaeum oder ... Hist. Chronicken. Beschreibung alle vornembsten ... Geschichten, so sich ... in Europa sonderlich im Reich Teutscher Nation ... begeben und zugetragen. Mit Kupfferstücken ..., Bd. 1-21, Ffm. 1662-1738. - 5. Gottfried Stieve, Europ. Hoff-Ceremoniel..., Lpz. 1715. - 6. Dgl., Lpz. 1723. - 7. Joh. Chr. Lünig, Theatrum Ceremoniale Historico Politicum, Lpz. 1719-1720. - 8. Jul. Bernh. von Rohr, Einleitung in die Ceremonial-Wiss. der großen Herrn, Bln. 1729. - 9. Coll. complète des Tableaux hist. de la révolution française, Ausg. Paris 1802, Bd. 1. - 10. Dgl. Bd. 2.

11. Die Relation [Kaspar] Enenkels über den Zug Friedrich III. nach Italien im J. 1451-52 und dessen Krönung ... 1452, in: Die Chroniken der schwäb. Städte, Augsburg, 3. Bd., Lpz. 1892 (Die Chroniken der dt. Städte, Bd. 22), S. 307-328. - 12. Joseph Seemüller, Friedrichs III. Aachener Krönungsreise, Mitt. des Inst. für österr. Gesch.forschg. 17, 1896, S. 584-665. - 13. Albr. Kircher, Dt. Kaiser in Nürnberg ... 1500-1612, Nbg. 1955 (Freie Schrn.folge der Ges. für Familienforschg. in Franken, Bd. 7). - 14. Hans Conrad Peyer, Der Empfang des Königs im ma. Zürich, in: Archivalia et Historica, Fs. Anton Largiadèr..., Zh. 1958, S. 219-233. – 15. Fêtes et cérémonies au temps de Charles Quint, Paris 1960 (Les Fêtes de la Renss., Bd. 2). - 16. Anna Maria Drabek, Reisen und Reisezeremoniell der röm.-dt. Herrscher im Spät-MA, Wien 1964 (Diss. Univ. Wien 1963). - 17. Bernard Guenée und Françoise Lehoux, Les entrées royales franç, de 1328 à 1515, Paris 1968 (Sources d’hist. médiévale, 5). - 18. Ausst.kat. „Entrées royales et fêtes populaires à Lyon“, Lyon 1970. – 19. Bernward Deneke, Zur Rezeption historisierender Elemente in volkstümlichen Festlichkeiten der ersten H. des 19. Jh., Anz. des Germ. Nat.mus. 1973, S. 107-135. - 20. Wolfg. Hartmann, Der hist. Festzug. Seine Entstehung und Entwicklung im 19. und 20. Jh., Mchn. 1976 (Stud. zur K. des 19. Jh., Bd. 35). – 21. Marie-Louise Biver, Fêtes révolutionnaires à Paris, Paris 1979. - 22. Ausst.kat. „Wahl und Krönung in Frankfurt am Main. Kaiser Karl VII. 1742-1745“, Frankfurt a.M. 1986, Bd. 1 und 2. - 23. Karl Möseneder (Hg.), Feste in Regensburg, Rgbg. 1986.

Grundlage für die Bearbeitung des Artikels boten die von Georg Friedrich Koch, Darmstadt, zur Verfügung gestellten umfangreichen Untersuchungen und Materialien.

Verweise