Fels in der Allegorie der Neuzeit

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englisch: Rock as symbol; französisch: Rocher symbolique; italienisch: Roccia nell'allegoria.


Fritz Graf (1980)

RDK VII, 1210–1226


RDK VII, 1211, Abb. 1. Jörg Breu d. J. (Entw.), Augsburg 1531.
RDK VII, 1211, Abb. 2. Lyon 1544.
RDK VII, 1213, Abb. 3. Zürich, 1549.
RDK VII, 1215, Abb. 4. Nürnberg, 1590.
RDK VII, 1217, Abb. 5 a. Rom 1603.
RDK VII, 1217, Abb. 5 b. Rom 1603.
RDK VII, 1219, Abb. 6. Balsthal, Kt. Solothurn, vor 1628.
RDK VII, 1221, Abb. 7. Regensburg 1675.
RDK VII, 1223, Abb. 8. Wien 1780.
RDK VII, 1225, Abb. 9. Chrn. Sambach (Entw.) und Jos. Stöber (Ausf.), Wien 18012.

I. Quellen

A. Antik-heidnische Lit.

In der antik-heidnischen Literatur sind es Härte und Unbeweglichkeit des F., welche Anlaß zu metaphorischer Auslegung gaben. Negativ bewertet, wird der F. oder Stein zum Bild von Sturheit und Dummheit [59, S. 88 Anm. 96], positiv bewertet zu demjenigen von Standhaftigkeit und Ausdauer, dies freilich allein im festgeprägten Bild des F. im Ansturm von Wind und Wellen.

Ursprünglich episches Gleichnisbild für den Kämpen, der den gegnerischen Angriff in überlegener Ruhe erwartet (Hauptstellen: Homer, Ilias 15,618; Vergil, Aeneis 10,693; Ovid, Metam. 9,40; vgl. Vergil, Aeneis 7,586), in welcher Bedeutung es sich etwa noch bei Torquato Tasso (Befreites Jerusalem 10,30, ed. Luigi Bonfigli, Bari 1930–36, Bd. 4 S. 225) wiederfindet, wurde es wohl schon beim römischen Tragiker Accius (bei Cicero, Epist. ad fam. 9,16,4) auf die ungerührte Haltung des großen Mannes gegenüber den Angriffen seiner Neider, von Cicero selbst (ebd. 9,16,6) auf diejenige des weisen Mannes im Unglück gedeutet. Mehrmals findet sich das Bild bei Seneca als Sinnbild des stoischen Weisen in den Widerwärtigkeiten des Lebens (de constantia sapientis 3,5; de vita beata 27,3; de ira 25,3). Diese Bedeutung nahm man in der Neuzeit (etwa Justus Lipsius, Opera, Antw. 1637, Bd. 4 S. 151), auch unter direkter Berufung auf Seneca [28, Buch 2 Nr. 643], wieder auf.

B. Christentum

Von größter Bedeutung für die Allegorese der Folgezeit ist die paulinische Gleichsetzung des F. Horeb, aus welchem Moses in der Wüste Wasser schlug (Hauptstelle 2. Mos. 17,1–7; mehr bei [55] Sp. 724), mit Christus (1. Kor. 10,4): „Sie tranken aber von dem geistlichen F., der mitfolgte, welcher war Christus“. Bei den Vätern wird diese Identifikation unter dem Einfluß jener Stellen des Neuen Testaments, in welchen schon im Alten Testament genannte Steine messianisch verstanden werden ([53] S. 275; Vincent Taylor, The names of Jesus, London 1953, S. 93–99), dergestalt verallgemeinert, daß jeder F. als Bild Christi aufgefaßt werden kann.

Dies wird schon bei Justinus Martyr († um 165) zum festen Auslegungsprinzip (etwa Dial. 113: ed. Joh. Carl Theod. von Otto, Jena 1876–80, Bd. 1,2 S. 405), das sich durch die ganze christliche Antike hielt [55, Sp. 727–31]. Mit derselben Selbstverständlichkeit verfügte man auch im MA darüber (Hrabanus Maurus, Alleg., s. v. petra: Migne, P. L. 112 Sp. 1028 A; s. v. saxum: ebd. Sp. 1047 C; Bernhard von Clairvaux, In cant. serm. 61,3: ebd. Bd. 183 Sp. 1071f.). – Die an derselben Stelle von Paulus hergestellte Beziehung des Mosaischen Quellwunders auf die Eucharistie wurde von den Vätern ebenso aufgenommen (etwa von Johannes Chrysostomus, Hom. in I. Cor. 10,1: Migne, P. G. 51 Sp. 249; Ambrosius, De sacramento 5,3: Migne, P. L. 26 Sp. 446f.; Augustinus, Tract. in Joh. 45,6: Corp. Chr. Ser. Lat. 36 S. 393.39).

Weiter ist der F. oder Stein nach alttestamentlichem (2. Sam. 22,2; Jes. 28,16) und spätjüdischem [55, Sp. 724] Vorgang im Neuen Testament Bild der Festigkeit, so besonders in der Verbindung mit dem auf einen F. gegründeten Gebäude an den bekannten Stellen Matth. 7,24f. und 16,18.

Im Anschluß an diese Stellen wurde schon früh die Verengung der Allegorese auf den festen, unerschütterlichen Glauben bedeutsam (Eusebius, Theoph. 4,11: Griech. chr. Schriftst., Eusebius Bd. 3 S. 181; Ambrosius, De incarnat. 5,34: Migne, P. L. 16 Sp. 827 B; Beda, Hom. 1,10: Corp. Chr. Ser. Lat. 122 S. 145 und 149); das behält in der ma. Exegese seine volle Gültigkeit (Hrabanus Maurus, Alleg., s. v. petra, s. oben; Anselm von Canterbury, Epist. de incarn. verbi [rec. prior]: Opera omnia, ed. Franc. Sal. Schmitt, Bd. 1, Köln 1938, S. 277; Albertus Magnus, In Is. 51,1: Opera omnia, hrsg. vom A. M. Inst. Köln, Bd. 19, Münster i. W. 1952, S. 502).

Nur von geringer Bedeutung für die Allegorese der Väter ist demgegenüber die Ableitung des Namens Petri von petra, F., in Matth. 16,18. Im Gegenteil drang die übermächtige christologische Bedeutung des F. auch in die Exegese dieser Stelle ein (Jos. Ludwig, Die Primatworte Mt. 16,18.19 in der altkirchl. Exegese [= Ntl. Abhn. 19, H. 4], Münster 1952, S. 45–47, 73–82): entgegen dem expliziten Wortlaut wird die petra dieser Stelle auch auf Jesus (Eusebius, In psalm. 15,15: Migne, P. G. 23 Sp. 173 D; Augustinus, Tract. in Joh. 124,5: Corp. Chr. Ser. Lat. 36 S. 685,62) oder zumindest auf Jesus und Petrus bezogen dergestalt, daß Petrus am Ur-F. Jesus Teilhabe hat (Origenes, In Matth. 16,18: Griech. chr. Schriftst., Origenes Bd. 10 S. 85; Asterius, Hom. 8: Migne, P. G. 40 Sp. 268 C). Dieses erstaunliche Schwanken der Exegese, für die vielleicht Augustinus am bezeichnendsten ist (Retract. 1,21,1: Migne, P. L. 32 Sp. 618; Corp. Script. Eccl. Lat. 38 S. 97f.), hält sich durch das ganze MA; die christologische Deutung findet sich etwa bei Beda (In Luc. 1,2,21: Corp. Chr. Ser. Lat. 120 S. 59) und Albertus Magnus (In Is. 28,16: Ed. s. diese Sp., S. 313).

In nachephesischer Zeit schließlich wurde der F. auch als Bild Mariens verstanden. Diese Exegese scheint im byzantinischen Osten aus der Deutung von 2. Mos. 17,5 entstanden zu sein, Frühe Zeugnisse sind etwa Sergius von Konstantinopel, Akathist. in Deip. 12 (Anal. sacra Spicilegio Solesmensi, ed. Jean Bapt. Pitra, Bd. 1, Paris 1876, S. 256), oder Georgius, De Virgine in templ. recept. 19 (ebd. S. 281). Im Westen fehlt sie noch bei Hrabanus Maurus, findet sich dann bei Albertus Magnus (Biblia Mariana, Is., 11: Opera omnia, ed. Auguste und Aemilius Borgnet, Bd. 37, Paris 1898, S. 409; mehr bei Hippolytus Marraccius, Polyanthea Mariana, Rom 1694, S. 370–77).

Neben dieser allein aus biblischer Überlieferung stammenden Bildlichkeit lassen sich bei den Vätern auch Spuren der heidnisch-antiken Allegorese fassen. Das Bild des F. im Ansturm von Wind und Wellen wird, die bei Seneca vorgegebene Deutung christianisierend, als Sinnbild des Tugendhaften übernommen (Cyprianus, Epist. 59,2: Corp. Script. Eccl. Lat., Cyprianus Bd. 3 S. 667, 22; Gregor von Nazianz, Orat. 36,9: Migne, P. G. 36 Sp. 277 A; vgl. Johannes Chrysostomus, Hom. in genes. 23,1: ebd. Bd. 53 Sp. 197) und, in Anwendung einer bei den Vätern beliebten Deutung, der das Meer Bild der irdischen Versuchungen ist (vgl. Hugo Rahner, Symbole der Kirche, Salzburg 1964, S. 301f.), zum Symbol der christlichen Standhaftigkeit den teuflischen Anfechtungen dieser Welt gegenüber gemacht (Nilus, Inst. ad monachos: Migne, P. G. 79 Sp. 1237 A). Noch enger gefaßt, wird es zum Gleichnisbild für den Märtyrer (Gregor von Nazianz, Orat. 24,14: ebd. Bd. 35 Sp. 1185 C). In der allgemeinen Bedeutung der Standhaftigkeit wird es im MA übernommen (Hrabanus Maurus a.a.O. [Sp. 1211] Sp. 1028 B, 1047 C, „vir stabilis“ und „mens robusta“).

II. Darstellungen

Was in der Antike und im MA bereitgestellt war, wurde in der Renss. und im Barock aufgenommen. In Hieroglyphik, Emblematik und Impresenkunst kehrt eine beschränkte Anzahl von Bildtypen immer wieder; Erläuterungen bieten nicht unbeträchtlich mehr an Inhalten, als aus den Bildern allein zu erschließen wäre. Der F. wird außerdem in mehreren seiner Eigenschaften allegorischen Gestalten als Sitz, Standplatz oder Attribut beigegeben und so zu einem wesentlichen Träger der allegorischen Aussage gemacht; diese Verwendungsweisen sind jeweils am Ende der einzelnen Abschnitte zusammengestellt.

Eine eindeutige Abgrenzung gegenüber dem bildlich vom F. kaum zu unterscheidenden Berg ist in der Regel nur über die textlichen Erläuterungen oder über bestimmte Eigenschaften (z. B. Höhe) gegeben. Gleiche Eigenschaften wie dem F. sind auch dem *Quader zuerkannt, doch vermehrt um weitere, die ihre Gründe in der Form haben; die Abgrenzung ist hier leichter möglich. Soweit der Stein in seinen mit denen des F. übereinstimmenden Eigenschaften ausgedeutet wurde, ist er im folgenden mit berücksichtigt.

A. Festigkeit, Dauerhaftigkeit, Ausdauer

Fels (oder Stein) als Hieroglyphe von Festigkeit, Dauerhaftigkeit und Ausdauer (vgl. [9] Bl. 361v).

1. F. in Wind und Wellen

Im Anschluß an die antike moralische Allegorese ist das Bild des F. (Klippe) in Wind und Wellen weithin verbreitetes Sinnbild – vorzugsweise in Impresen – der Beständigkeit und Standhaftigkeit (constantia, fermezza), welche Unglück (Schicksal) und Anfechtung mit ruhiger Festigkeit trägt („adversis duro“: Abb. 2; „semper idem“: [8] Bl. 280f.; „ferendo vincam“, nach Seneca, de vita beata 27,3: [10] Nr. 17; Seepferd am F., „si quiesco“: [15] S. 37; „in motu quiesco“: [36] S. 28f. Nr. 12; „suoque est pondere fixa“: [33] Cl. III Nr. 321), durch die Lebenshaltung zurückweist („conantia frangere frangunt“, Imprese der Marchesa Vittoria Colonna, † 1541: [6] S. 118; mit „... frangit“: [14] Buch 2 Nr. 645; [33] Cl. II Nr. 444) und dadurch zunichtemacht („ruptaeque recedunt“: [14] Buch 2 Nr. 646; „er bricht, was ihn zerbrechen will“: [37] S. 50f. Nr. 7).

So kann allgemein auch der F. im stürmischen Meer als Prüfung der Standhaftigkeit bei Anfechtung und Unglück verstanden werden („probantur fortes impetu“: [8] Buch 3 Bl. cccff.; Max Rooses, De Emblemata van Hadrianus Junius ..., Antw. 1902 [Antw. 1575], Emblem 59; der „vitello marino“ schläft bei aufgewühltem Meer und Sturm ruhig auf der Klippe: [8] Buch 3 Bl. 261). Eine weitere Deutung legt das Gewicht auf den unaufhörlichen Anprall der Wellen und versteht das Bild als Symbol der unaufhörlichen Pein des Bedrängten („undique pulsus“: [17] Buch 3 Nr. 87) oder unglücklich Liebenden („mihi nulla quies, ut lapis, aequoris undique pulsus aquis“: [16] S. 226f.).

Ein von den vier Winden umtoster F. schließlich steht für den Mutigen („impavide“: [37] S. 5f. Nr. 9).

Ganz außerhalb dieses Bedeutungskreises liegt die Deutung des F. im Anprall der Wogen auf den Verstand, der törichtes Gerede verhindert [3, Emblem 73].

In Säkularisierung der seit den Vätern bekannten, in der Allegorik aufgenommenen Bedeutung des F. als Bild der Glaubenstreue (*Fides) wird das Bild des F. im Sturm auf die Beständigkeit der freundschaftlichen Treue angewandt („immobil son di vera fede scoglio“: [11] Bl. 192).

Die schon den Vätern wichtige, neutestamentlich angelegte Symbolisierung von Christus im F. wird von der Hieroglyphik aufgenommen [9, Bl. 361v] und spielt auch in der Emblematik eine nicht unbedeutende Rolle; weitaus häufiger als das Bild des bloßen F. in Sturm und Wellen (Grenzfall: Christus der F. als Fundament beim Hausbau: „super hoc fundamine tutum“ [20, S. 30]) sind freilich die anderen, unten abgehandelten Bildtypen. Selten ist demgegenüber die mariologische Deutung des F. in der emblematischen Bildnerei, so im Bild der Klippe im Sturm als „mulier fortis“ unter dem Kreuz („non commovebitur“: [34] S. 297), mit dem Lemma „se, non me frangunt“ im Marienzyklus der Wallfahrtskirche Hergiswald ob Luzern, erb. 1652 bis 1661 (Grete Lesky, Die Sinnbilder der Marienkirche zu H., in: Jos. Scherer, Gesch. und Beschr. der Wallfahrtskirche H., neu bearb. von Jos. Zemp, Luzern 1964, S. 107); ähnlich – „fortior ipse“ –, mit ausdrücklicher Beziehung auf die Unbefleckte Empfängnis, bei [35] S. 302. – Schließlich steht das Bild des F. im tosenden Meer im Anschluß an die Väterdeutung auch für den Märtyrer und für den Widerstand den weltlichen Anfechtungen gegenüber („nil me fatalia terrent“: [28] Buch 2 Nr. 640; „non commovebitur“, Ausmalung der Kap. St. Antonius Eremita in Balsthal, vor 1628: Ant. Goldmann, Jb. für Solothurner Gesch. 22, 1949, 150; Inv. Schweiz 38, Solothurn 3 S. 35 Abb. 41; „immota recessit – nil me fatalia terrent“: emblematischer Zyklus in der Kirche des Deutschritterordens zu Lucklum, Niedersachsen, A. 18. Jh.: Niederdt. Beitr. z. Kg. 14, 1975, 188 Abb. 15); „ein wahrer Diener Gottes steht in den Verfolgungen wie ein starcker unbeweglicher F. in den Meers-Wellen“ ([38] Teil 1 S. 268; vgl. auch [35] Cl. I Nr. 223 und 653).

Der F. kann Träger von Gegenständen (Säule, Baum; von christlichem Sinngehalt: Tiara, Kreuz) oder eines Gebäudes (Festung, Turm, Kirche) sein; letzterer Bildtyp erscheint dabei als Verbindung des antik-heidnischen Bildes mit der neutestamentlichen Vorstellung vom Gebäude auf dem F., das den Elementargewalten ausgesetzt ist.

Ein Turm auf der Klippe („ne pioggo, ne per vento“: [14] Bd. 3 S. 119, Stich S. 121f.: „constans“) kennzeichnet die Regierung, die Feinde schreckt, Bürgern Ruhe, Genossen Schutz gewährt („durabit in aeternum“: ebd. Bd. 1 Bl. IXv, Taf. 15 Nr. 35,2); eine Burg in dieser Lage ruht auf dem stärksten denkbaren Fundament („probantur fortes impetu“: ebd. Bd. 3 S. 112f.). Eine Medaille auf Joh. Kaspar Lavater enthält zur Pyramide auf dem F. das Lemma „rectus et immotus“ (Gottl. Emanuel von Haller, Schweiz. Münz- und Medaillencabinet, Bd. 1, Bern 1780, Nr. 240). – Christologische Symbolik steht etwa hinter der Imprese Kurf. Friedrichs von der Pfalz, dem Turm auf umstürmter Klippe: „nisi dominus frustra“ [18, S. 273ff.]; ein „Christus“ beschrifteter F. trägt eine Säule zum Lemma „justificat“ [7, Emblem Nr. 8]; der Polyp, der in den Wogen am F. Halt findet, bezeichnet den Halt des Christen am Herrn: „color et fulerum a rupe“ [28, Buch 6 Nr. 188]. Angesichts dieser Beispiele und der doppelten Exegese von Matth. 16,18 wird auch die Imprese Papst Innozenz' VII., ein umstürmter, von der Tiara überhöhter F., eher die Gründung des Papsttums auf Christus meinen („in aeternum non commovebitur“: [14] Bd. 1 Taf. 9,3) und nicht auf Petrus, der sehr selten im F. symbolisiert ist („supra hanc petram“, Fresko in St. Peter und Paul in Petzenhausen Krs. Landsberg a. L., um 1760, gekreuzte Schlüssel über dem F.: Herm. Bauer und Bernh. Rupprecht [Hrsg.], Corp. der barocken Deckenmal. in Dtld., Bd. 1, Mchn. 1976, Abb. S. 182 Nr. A 1).

Die Wellen können den F. auch zerstören: „nihil perpetuum“ ([13] S. 79b; [60] Sp. 67); unverbrüchliche Freundschaft überdauert selbst den F. [4, S. 200]. – Umgekehrt können sich Sturm und Wellen legen: das Bild des F. im ruhigen Meer wird dann zu dem der Auferstehung Christi („siluerunt fluctus“: [23] Bd. 1 Buch 4 S. 234); der Stern, der das Meer beruhigt, so daß auf der unfruchtbaren Klippe Lilien blühen (s. unten Sp. 1222), ist Maria als Friedensbringerin [25, S. 47–51].

2. F. allein

Auch im F. allein können die vorstehenden Eigenschaften verbildlicht sein.

Der F., auf dem die Kirche (Kirchengebäude) ruht, bezeichnet Christus oder, in patristisch vorgegebener Weiterführung, Christi Wort (Gregor von Nyssa, Ad cant. 5: Migne, P. G. 44 Sp. 877) als Fundament mönchischer (Abb. 8) oder allgemein christlicher Lebensführung [26, S. 1068].

Vgl. ein Glasgemälde von 1549, wo zu seiten der Zürcher Peterskirche ein atl. Priester und ein reformierter Prädikant stehen (Abb. 3; Jenny Schneider, Glasgcm., Kat. der Slg. des Schweiz. L.mus. Zürich, Bd. 1, Stäfa 1972, Nr. 250; aus dem Zürcher Rathaus). Auf einer F.insel steht, auf den Evangelistensymbolen ruhend, ein Rundtempel, dessen Dach die Tugenden tragen und in dem Christus und Petrus am gedeckten Tisch sitzen: Allegorie des christlichen Glaubens, Stich von Hendrick Goltzius (im 2. Zustand einige Blätter der Serie 1578 dat.: Otto Hirschmann, Verz. des graph. Werks von H. G. ..., Lpz. 1921, S. 35 Nr. 71; Walter Levy Strauss, H. G. 1558 bis 1617, New York 1977, Nr. 61). Der Turm auf dem F. des Glaubens hält stand, ein anderer Turm stürzt im Gewitter ein: Kupferstich von Gg. David Nessenthaler, 1730 (Ausst.Kat. „Martin Luther“, Coburg 1967, S. 48f. Nr. 182). – Der Fischer auf der F.klippe im Meer (über eine Zugbrücke erreichbar!) bedeutet das Predigtamt in der auf Christus gebauten und darum unüberwindbaren „Kirchen Firmetet“ [20, Emblem 58].

Durch Ausdehnung des Begriffs „Constantia“ auf den politischen Bereich wird der F. zum Bild der Bündnistreue: Medaille zum Bund Zürichs mit Frankreich, 1613 („foedus pacis meae non movebitur“: G. E. von Haller a.a.O. [Sp. 1216] Nr. 56), angelegt schon in der Hieroglyphik [9, Bl. 361v], überhöht von der französischen Lilie aber zu demjenigen der Beständigkeit des französischen Königtums („in aeternum non commovebitur“: [14] Bl. XXIv, Taf. 35, 12).

Ein von den vier Winden umtoster F. steht für den Mutigen („impavide“: [37] S. 54f. Nr. 9).

3. Sitz und Attribut allegorischer Gestalten

Durch seine Standhaftigkeit und Unverrückbarkeit wird der F. auch Sitz und Attribut allegorischer Gestalten.

Langmut, „Longanimità“, nimmt geduldig jede Zeitdauer auf sich [41, S. 299f.]. – Geduld, „Patientia“, weiß ruhigen Sinnes Schweres zu ertragen (Abb. 5a; [40] S. 197; [41] S. 380f.; [49] Teil 4 S. 5; Titelblatt des „patientiae triumphus“ von Joan Galle nach Maarten van Heemskerck: van Marle, Iconographie, Bd. 2 S. 149 Abb. 172); die Imprese von Ercole II. d'Este, Hzg. von Ferrara, zeigt Patientia angekettet am F. stehend („ΟΥΤΩΣ ΑΠΑΝΤΑ“: [8] S. 116v–118); liegt der F. in Dornen, verdeutlicht dies, daß es hart ist, sich den Leiden des Lebens zu stellen, aber daß man durch das Mittel der Geduld ans Ziel kommen kann (so, [41] abwandelnd, [42] Teil 1 S. 138f.). – „Spes“ auf dem F. ist auf Medaillen der 2. H. des 16. Jh. wiedergegeben: auf der eines unbekannten Meisters für den Nürnberger Peter Zeitler-Hofmann, 1555 [57, Bd. 1,2 Nr. 1544, Taf. 166,2], auf der des Valentin Maler (?) für Wenzel Jamnitzer, 1584 (ebd. Bd. 2,1 Nr. 2563, Taf. 256,5).

Eine von Efeu umrankte Klippe steht neben der Gestalt der Beharrlichkeit („Assiduità“: [41] S. 28; [43] S. 95; „Emsigkeit“: [45] Teil 1 S. 87; [46] S. 15, Stich Cl. 2,9: „Der Fleiß“): wer sich in den Dienst der Großen begibt, steigt langsam stetig höher wie der Efeu und erhält von ihnen Halt; aber dieser Halt ist selten ohne Klippen [42, Teil 1 S. 27, Stich 14]; in dem F. lassen sich Beständigkeit und anhaltende Arbeit erkennen [47, S. 263f.]; ein Fleißiger läßt bis in das Grab nicht ab, wie Efeu sich am F. hält. Der F. bedeutet Unterstützung und Schutz [46, S. 15, Stich Cl. 2,9]; der Efeu um den F. zeugt vom Überwinden der größten Hindernisse [48, Teil 3 S. 11f.].

Als Quelle gibt Ripa [40] ein Gemälde im Schweizersaal des Vatikanischen Palastes an; das einzig in Frage kommende Wandbild von Paris Nogari, 1582, zeigt jedoch keinen F. (Jakob Hess, Kg. Stud. zu Renss. und Barock, Rom 1967, Bd. 2 Taf. 41 Abb. 14).

B. Gewicht

Das Gewicht des F. ist dem Träger hinderlich. Als Sinnbild vergeblichen Strebens nach der Verwirklichung eigener Begabung, wenn man arm ist, wird ein Mann (Knabe) wiedergegeben, an dessen einem Handgelenk ein Stein angekettet und dessen anderes geflügelt ist.

Alciati [1], Bl. 8, stellte diese Prosopopeia (so der Alciati-Kommentar des Franc. Sanctius Brocensis, Lyon 1573, S. 358 Nr. 120) unter das Lemma „paupertatem summis ingeniis obesse ne provehantur“ (Abb. 1; die späteren Ausgaben z. T. mit geringen bildlichen – z. B. Paris 1534, S. 19 – oder textlichen Varianten – z. B. die latein.-deutsche Ausgabe Paris 1542 [Neudr. Darmstadt 1967, S. 46f.]; Antw. 1577, S. 412–14 Emblem 120; Ffm. 1580, Bl. 43 Emblem 64; Ffm. 1583, S. und Nr. 64); Lyoneser Ausgaben haben sie seit 1548 oft unter der Überschrift „Fortuna“. – Ripa diente das Bild zur Personifikation der Armut, „Povertà“ [40, S. 217]: der Stein hindert, daß Armut ans Fliegen denkt; bei [44] S. 17f. ist der Stein auf der Erde befestigt; „und daß manchmahlen die besten Köpffe gleisam im Kothe verliegen bleiben müssen“: [46] S. 131, Stich Cl. 16,5; „Hinderniß seine Talente zu üben, geltend zu machen. Mangel an Arbeit, an Auskommen“: [51] S. 798. D. Meißner verwendete das Bild, um auszudrücken, daß niemand unglücklicher sei als der, der nie ein Unglück erfahren habe [21, 1. Buch, 2. Teil Nr. 16]. In der Paduaner Alciati-Ausgabe 1661, S. 521, zeigt die Erklärung „nichts drückt mehr nieder als Armut“ von Rückwirkung des Ripa-Texts.

Für Personifikationen ist das Bild des lastenden Steins mehrfach genutzt worden. Würde, „Dignità“, schleppt gebeugt einen – wenn auch reich geschmückten – riesigen F.block auf ihren Schultern (Abb. 5 b; [41] S. 104), Toleranz mühevoll einen F. („sasso“) mit der Aufschrift „durans, rebus me servo secundis“ ([40] S. 276; seit [41] S. 488 ohne „durans“): sie duldet und erträgt alle Mühen gern. „Gravià nell'huomo“ hält mit beiden Händen einen F.brocken an einer Schnur; der ihr innewohnende Ernst erlaubt keine Leichtfertigkeit, Eitelkeit, Narrheit; „gravita“ der Sitten gleicht der „gravità“ physikalischer Körper [41 S. 196f.]. Knechtschaft, „Servitù“, schleppt ein Joch oder einen dicken, gewichtigen Stein (ebd. S. 450); der Sklaverei ist auf das Joch noch ein großer Stein gelegt [49, Teil 3 S. 34]. Ehe ist wiedergegeben durch Mann und Frau mit je einem Stein auf den Schultern: einer trage des andern Last, und einer hat Gewalt über den andern (nach Gal. 6,2 und 1. Kor. 7,3f.: [22] S. 283–285). – Eine Frau, deren F. Herz, Kreuz und Rosen zeigt, allegorisiert die von Trübsal gedrückte Braut Christi („rebus me servo seeundis“: [21] 1. Buch, 6. Teil Nr. 12).

C. Härte

Unmittelbarer ist eine andere Symbolik, welcher der F. seiner Härte wegen, die eine auf ihn einwirkende Handlung sinnlos macht, zum Bild für sinnloses Beginnen in mancherlei Spezifikationen dient.

Etwa: ein Mann hämmert mit bloßen Fäusten auf einen F. („exemplum stultitiae“: [4] S. 149; in der franz. Ausg. Lyon 1560, S. 192: „ne forcer l'esprit“); ein Mann schärft ein Rasiermesser am F.: verlorene Zeit und Schaden zugleich [2, Emblem 33]; ein Widder rennt seinen Kopf gegen einen F. („ineluctabile fatum“: [31] Taf. 53, 3); die Verleumdung wendet sich gegen ihren Urheber, wie ein Pfeil, gegen einen F. abgeschossen, gegen den Schützen zurückprallt ([5] S. 151: „infringit solido“).

Umgekehrt wird durch einen Erfolg dieser Handlung hervorgehoben, wie außerordentlich sie ist.

Z. B.: Säge am F.: „ars tandern perficit“ [31, Taf. 36,15]; „ardua prima via est“, aus Lk. 3,1–6, Perikope zum 4. Adventsonntag [24, S. 41–47, Emblem 5]; „in patientia suavitas“, vorgebl. Devise König Karls I. vom Neapel [14, Bd. 1 Taf. 51,1]. Der von Kreuz und Rose bekrönte F., der zersägt wird, ist Spiegel geduldigen Überwindens des Unglücks [21, 1. Buch, 2. Teil Nr. 42]. Ein Schwert durchschneidet den F.: „acuit ut penetret“ ([12] Bl. 80v–83, ad annum 1590; Abb. 4; als vorgebliche Imprese König Johanns I. von Portugal, 1385–1433: [14] Bd. 1 Taf. 50,5). Ein Mann bearbeitet einen F. mit dem Brecheisen: „labor improbus omnia vincit“ (Medaille des Val. Maler [?] für Gg. Chanler, um 1575: [57] Bd. 2,1 Nr. 2643, Taf. 261,5), oder mit einem Hammer: „hebetat et acuit“ [14, Bd. 3 S. 144f.]. Ein Krieger hackt, im Kahn stehend, einen Weg in eine F.klippe im Meer, auf der Virtus mit Säule und Fahne steht: wer zu Christus gelangen will, muß durch Glauben fortschreiten und sich durch Tugendakte rüsten („invia virtuti nulla est via“ auf der Fahne: [7] Emblem 60). Steter Tropfen höhlt auch den F.: „et molli cavatur“ [19, 2. Buch S. 571f.]; „hinc spes“, Imprese des Grafen Francesco Porto [15, S. 55]. Aus dem Gefäß der „Persévérance“ fallende Tropfen höhlen einen F. [49, Teil 1 S. 73]. Mit Hilfe von Wasser und Steinmehl durchschneidet die Säge den Stein: „non sine humore“ ([29] S. 433: „significavit auctor, absque ope academicae, nihil se operis elaborati moliri posse“).

Aus den Steinen der Erde entstand das Menschengeschlecht: „durum genus sumus“ (Ovid, Metam. 1,414; [19] Teil 2 S. 571–73).

D. Steil aufregender Fels

Ein weiterer Vorstellungskomplex wird in Bildern ausgedrückt, auf denen ein mehr oder minder steil aufragender F. dargestellt ist als Hindernis auf dem Weg zu einem umso lohnenderen Ziel; dieses ist von Fall zu Fall unverschlüsselt angegeben oder aber durch einen den F. überhöhenden Gegenstand oder eine auf ihm stehende allegorische Gestalt spezifiziert.

Dieser Bildtyp wird wohl im Zusammenhang stehen mit dem seit Hesiod (Erga 287ff.) bezeugten Gleichnis von den zwei Wegen, welches in Verbindung mit der Lebenswahl des Herkules sowohl in der antiken Literatur wie in der darstellenden Kunst seit der Frührenss. sehr beliebt war (vgl. den anonymen Kupferstich nach Jan Saenredam: Panofsky, Herkules, Taf. 39 Abb. 60). Wie auf den Darstellungen des Herkules am Scheideweg, so darf man vielleicht auch auf die Embleme einen direkten Einfluß der Cebestafel in Rechnung stellen, wo 15,4 auf dem Weg zur wahren Bildung ein steiler F. mit Hilfe von Constantia und Continentia zu überklettern ist (Reinh. Schleier, Tabula Cebetis, Bln. 1973, S. 149ff., 120f.; allgemein auch RDK III 383–90).

1. So zeigt das Revers einer Medaille des Antonio Abondio für Erzherzog Matthias von Österreich seine Imprese, einen F., über dem ein geflügelter Lorbeerkranz schwebt, mit dem Motto „amat victoria curam“ ([57] Bd. 2,2 Nr. 3417, Taf. 320,9, um 1575; vgl. [14] Bd. 2 S. 98; [18] S. 317f.: „rupes constantiam animique in fractio robur denotat“), welcher Gedanke wohl schon auf einer Medaille des Adriano Fiorentino für Pier Paolo Millini, um 1490, ausgedrückt ist (vgl. Hill Nr. 334, Taf. 54). – Ein „Studentenpfennig“ bei G. E. von Haller a.a.O. (Sp. 1216) S. 359 Nr. 889 stellt den Tempel der Tugend – „per templum virtutis“ – auf einen steilen F.; ein Holzschnitt auf Bl. 107v in „Der Himlische Fuszsteig“, Tegernsee 1581, zeigt den F. als Hindernis auf dem Weg zur Erleuchtung. – Daß Glücksgüter ohne Verstandes- und Handarbeit nicht erworben werden können, ist ausgedrückt durch einen Mann, der einen F. erklettert, um einen Beutel zu erreichen [21, 2. Buch, 6. Teil Nr. 36].

2. Vom F.gipfel aus ist Hurtigkeit, „Agilità“, im Begriff aufzufliegen [40, S. 7]; „sie muß auf einem gefährlichen und ungebahnten F. stehen, weil die Hurtigkeit sich bei solchen Fällen am meisten äußern muß“ ([47] S. 78f., nach [43] S. 24). Verdienst, „Merito“, steht auf einer F.spitze [41, S. 313 –15], einem „rauhen und unzugänglichen Ort“ [46, S. 115f., Stich Cl. 14,8]: dies zeigt die Schwierigkeit, mit der man Verdienst erlangt ([51] S. 240: F.spitze als Sitz des erhabenen Verdienstes [vgl. Abb. 9]; ebd. F.gipfel als Sitz Shakespeare's). Ehrgeiz, „Ambitione“, erklimmt einen F., auf dessen Gipfel Kronen, Zepter und dergleichen liegen: sie läßt sich durch keine Schwierigkeit abspeisen ([40] S. 9; [45] Teil 1 S. 37: „weil sie stets nach hohen Dingen trachtet“).

E. Unfruchtbarkeit, Kargheit

Als Chiffre für Unfruchtbarkeit und Kargheit kennzeichnet ein F. die Armut, „Povertà“ [40, S. 218], die mit Armen und Beinen an ihn gefesselt ist: der Arme ist der Handhabung zahlreicher Unternehmungen beraubt, die ihm Ruhm verschaffen würden (verglichen werden soll des Aristophanes Plutos, wo V. 542f. Chemylos Penia vorwirft, als Kissen den harten Stein zu bieten). Wenig fruchtbare Länder sind im F.attribut charakterisiert: Corsica als für den Landbau kaum geeignete Insel [41, S. 283f.], Ligurien (ebd. S. 249f.). – Die (höllischen) F. und Abgründe, in die der Mensch stürzt, bezeichnen die Ungnade Gottes gegenüber dem Sünder [22, S. 328-31].

Teuerung, „Carestia“, hält einen völlig sterilen Bimssteinbrocken in der Linken [40, S. 38]. Der Höfling hält in Stein verwandeltes Brot, Sinnbild des Undanks, den er erfährt (nach Prov. 23,3: [22] S. 91–93).

Als Zeichen geistiger Unfruchtbarkeit („sterile di parole, & di opere, per se, & per gli altri“) ist ein kahler F. der Melancholie zum Sitz gegeben ([40] S. 159f.; vgl. das Emblem 768 in [32] Buch 2); „der Melancholicus durch die Erde abgebildet“ steht auf einem Steinquader, da „diese Leute ihre Einbildung schwerlich versetzen können, sondern ... unbeweglich auf ihrem Vornehmen“ bleiben [44, S. 42f.].

Die Gute Regierung soll wiedergegeben werden durch einen Mann, der in einer Hand einen harten Stein hält, sprichwörtliche Hieroglyphe der Elternlosigkeit, weil derjenige, der regiert, niemand habe, damit er leidenschaftslos gleichförmig handle [22, S. 48f.].

F. Fels aus de, Wasser strömt

Das Bild des F., aus dem eine Hand Wasser schlägt, wird – getreu der von den Vätern nach Paulus gegebenen Deutung des Mosaischen Quellwunders (1. Kor. 10,4) – zum Bild der Eucharistie („sitientibus“: [14] Bd. 1 Taf. 3,7); es wird weiter im Rückgriff auf alttestamentliches Verständnis, zum Bild des starken Glaubens („nil non credenti facile“: [27] Nr. 114).

Diese Deutung setzt an beim Bericht über das Quellwunder in 4. Mos. 20, 8–11, wo gesagt ist, daß Moses nicht an die Vollendung des Wunders glauben konnte und dafür bestraft wurde. Ps. 78,6ff. leitet daraus (und aus anderen Wundern Gottes) das Gebot des starken Glaubens ab, was die Väter übernahmen (Augustinus, Enarr. in ps. 77,13: Corp. Chr. Ser. Lat. 39 S. 1078; Cassiodor, Expos. in ps. 77,16f.: ebd. Bd. 98 S. 715).

Dieses Bild von der Erweckung zum Glauben findet sich in einer Darstellung vor 1628 in der Kapelle St. Antonius Eremita in Balsthal, auf der der Eremit Wasser aus einem F. schlägt („ex saxo dat eremus aquas“: Abb. 6; Inv. Schweiz 38, Solothurn 3 S. 35 Abb. 41).

Entsprechende Deutung des Quellwunders findet sich etwa bei Johannes de Forda (Serm. 75,8: Corp. Chr., Continuatio Medievalis 18 S. 525, 227); sie geht zurück auf die Väterallegorese, welcher der F. oder Stein das verstockte Herz bedeuten konnte (Clemens von Alexandrien, Protr. 1,41f.: Griech. chr. Schriftst., Clemens Bd. 1 S. 5, 10; Ambrosius, Exp. in Luc. 2,75: Corp. Chr. Ser. Lat. 14 S. 62; mehr bei [59] S. 80).

Aus der F.klippe fallende Tropfen treffen die Handfesseln der „Patientia“: [40] S. 196.

G. Taube in den Löchern eines Felsens

Darstellungen der Taube, die in den Löchern eines F. Nistplatz und Zuflucht findet, sind direkte Illustrationen zu Hoheslied 2,14 („columba mea, in foraminibus petrae, in caverna maceria, ostendi mihi faciem tuam ...“). Die symbolische Auswertung fußt auf der Identifikation des F. mit Christus; das Bild wird so gedeutet auf die Zuflucht des Christen, bes. des Kontemplativen, bei Christus und seinen Wunden (Abb. 7, als Ill. zu Ps. 55 [54 Vulg.], V. 7–9; [28] 4. Buch Nr. 261 und 268; [24] S. 131 bis 141, Emblem 15: „dulces latebroso in pennice nidi“, zur Perikope Lk. 18,31ff., Sonntag Quinquagesima).

Diese Allegorese ist direkte Übernahme aus patristischer (Origenes, in cant. 3: Griech. chr. Schriftst., Origenes Bd. 8 S. 238; Gregor d. Gr., in cant. 2,15: Migne, P. L. 79 Sp. 499 D) und ma. Exegese (Bernhard von Clairvaux, in cant. serm. 61,3: ebd. Bd. 183 Sp. 1071ff.; Alanus ab Insulis, Elucidarium in cant. 2: ebd. Bd. 210 Sp. 70 B).

Zu den Abbildungen

1. Jörg Breu d. J. (Entw.), Emblem (Holzschnitt, 3,8 × 6,1 cm) in Alciati [1], Augsburg 1531, Bl. 8. Nach dem Original.

2. Titelblatt von Maurice Scève, Délie. Obiect de plus hauke vertu, Lyon 1544, mit Signet des Antoine Constant, Lyon. Holzschnitt, Maße unbek. Nach Rob. J. Clements, Picta Poesis (= Temi e Testi, 6), Rom 1960, Taf. XI.

3. Zürich, Schweiz. L.mus., Inv.nr. AG 1173, Glasgem., 30,7 × 20 cm, aus dem Zürcher Rathaus. Dat. 1549. Fot. Mus.

4. Nürnberg, Germ. Nat.mus., Medaille (Dm. 2,2 cm) mit dem Jahresemblem 1590, classis III, der Akademie in Altdorf. Fot. Mus.

5 a und b. Patienza (a) und Dignità, Holzschnitte(12,6 × 8,7 [a] und 12,4 × 8,6 cm) aus Ripa 1603 [41], S. 381 (a) und 109. Nach dem Original.

6. Balsthal, Kt. Solothurn, Friedhof, Kap. St. Antonius Eremita, Malerei im Chorgewölbe (Ausschnitt): der Hl. schlägt Wasser aus dem Felsen. Vor 1628. Foto-Rusch, Balsthal.

7. Emblematische Darstellung von Ps. 55 (54 Vulg.), V. 7–9, in [27], Regensburg 1675. Kupferstich, 7,4 × 9,9 cm. Nach dem Neudr.

8. Emblem in [39], Wien 1780, Nr. VIII. Kupferstich, Dm. 10,8 cm. Fot. Bayer. Staatsbibl., Mchn.

9. Chrn. Sambach (Entw.) und Jos. Stöber (Ausf.), „das Verdienst“. Kupferstich, 6,6 × 5 cm, in [50], Wien 18012, Nr. 2. Nach dem Original.

Literatur

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Abhandlungen: 52. Buchberger Bd. 43 Sp. 73f. (Elmar Kredel). – 53. Theol. Wb. zum N.T., Stg. 1933ff., Bd. 4 S. 272–83 (Joach. Jeremias). – 54. Ebd. Bd. 6 S. 94–99 (Oscar Cullmann). – 55. RAC Bd. 7 Sp. 723–32 (Jean Daniélou). – 56. Lex. der chr. Ikonographie, Bd. 2, Freiburg i. Br. 1970, Sp. 24f. (Géza Jászai). – 57. Habich, Schaumünzen. – 58. J. Jeremias, Golgotha und der hl. Felsen, Angelos 2, 1926, 74–128. – 59. Alfr. Hermann, Das steinharte Herz, zur Gesch. einer Metapher, Jb. f. Antike und Christentum 4, 1961, 77–107. – 60. Arthur Henkel und Albr. Schöne, Emblemata, Stg. 1967.