Felicitas

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englisch: Felicity; französisch: Félicité; italienisch: Felicità.


Angela Völker (1979)

RDK VII, 1152–1170


RDK VII, 1151, Abb. 1. Den Haag, 1376.
RDK VII, 1153, Abb. 2 a und b. Venedig 1568.
RDK VII, 1153, Abb. 3. A. Bronzino, um 1565 - 1570, Florenz.
RDK VII, 1155, Abb. 4. Frankfurt a.O. 1588.
RDK VII, 1155, Abb. 5. M. de Vos, 1584, Antwerpen.
RDK VII, 1157, Abb. 6. J. Brueghel d. Ä. und H. van Balen, nach 1600, München.
RDK VII, 1157, Abb. 7. O. Gentileschi, um 1623-1625, Paris.
RDK VII, 1159, Abb. 8. P. P. Rubens (Entw.) und Th. van Thulden (Ausf.), Antwerpen 1641.
RDK VII, 1159, Abb. 9. Paris 1644.
RDK VII, 1161, Abb. 10. D. Gran, 1730, Wien.
RDK VII, 1163, Abb. 11. Wien 1782.
RDK VII, 1165, Abb. 13. Wien 18012.
RDK VII, 1169, Abb. 14. Chrn. Rauch, zw. 1827 und 1835, München.

I. Begriff

F. wird am häufigsten mit „Glück“, „Glückseligkeit“ oder „Seligkeit“, seltener mit „Wohlfahrt“ übersetzt. Der Begriff ist vieldeutig (schon in der Antike, vgl. [1] und H. S. Versnel, Triumphus, ..., Leiden 1970, bes. S. 356–71), er wird in ganz verschiedenen Zusammenhängen gebraucht und besitzt selbst in den einzelnen Bereichen noch große Bedeutungsbreite.

Die für F.-Darstellungen wichtigen Gesichtspunkte sind der politische und der philosophisch-moralische. Jener wies dem F.-Bild eine bemerkenswerte Rolle in der Herrscherikonographie zu (vgl. F. publica, Sp. 1153); dieser unterscheidet zwischen einer „vera F.“, die christliche Interpretation mit dem Begriff F. aeterna verband (vgl. Sp. 1163), und einer trügerischen, falschen F. brevis (s. Sp. 1166).

Die Vielfalt der Aspekte, unter denen der Begriff F. vorkommen konnte, war der Ausbildung fester Bildtraditionen nicht günstig. Vielfach geben nur Beischriften Gewißheit darüber, ob man eine F.-Darstellung vor sich hat. Mannigfaltigkeit – weithin auch Unbestimmtheit – der F.-Ikonographie hat zur Folge, daß deutliche Abgrenzung gegenüber Themen, die in gleichen Bildzusammenhängen behandelt sind, kaum möglich ist und manche F.-Darstellung als solche nicht identifiziert werden kann.

II–IV. Darstellungen

II: Felicitas publica

Unter dieser Bezeichnung werden hier sämtliche F.-Darstellungen behandelt, die Bezug auf den Herrscher und/oder den Staat haben. Sie begegnen unter wechselnden Benennungen, die zwar die jeweilige Bedeutung spezifizieren und nuancieren können, ikonographisch jedoch nicht zu Buch schlagen.

A. Römische Antike

Münzen der römischen Kaiserzeit zeigen die frühesten Darstellungen. Die Beispiele, die von Galba bis in die Zeit Konstantins reichen, entstanden meist zu einem Anlaß, der zeigt, daß die persönliche F. eines Kaisers oder die mit ihm verbundene „Dea F.“ (über diese vgl. Gg. Wissowa, Religion und Kultus der Römer [= Hdb. der klass. Altertumswiss. V, 1], Mchn. 19122, S. 266f.) vor allem materielles Glück versprach. Je nach dem Anlaß wurde F. eine besondere Funktion zugewiesen und diese durch verschiedene Beinamen ausgedrückt: die F. des Kaisers (Augusti), die er der Allgemeinheit vermitteln konnte (publica, Romanorum, Italica), für deren Dauer er sorgte (temporum, saeculi, perpetua) oder mit deren Hilfe er seinen Ruhm vermehrte, vor allem als Feldherr (imperatorem; gegen diese wandte sich Augustinus: weil sie sich nur auf diesseitige Erfolge bezieht, erscheint sie ihm falsch und unverdient, vgl. De civitate Dei V, 24f.: Corp. Chr. Ser. Lat. Bd. 47 S. 160f.).

Häufigstes – selten einziges – Attribut der personifizierten F. ist der Caduceus [4, Bd. 3 Nr. 1501]. Meist kommt er zusammen mit einem Füllhorn vor (vgl. Abb. 2 a; [4] Bd. 1 Nr. 120), aber auch mit einem Öl- oder Lorbeerzweig [4, Bd. 3 Nr. 1499], mit einer Opferschale [5, Bd. 6 Nr. 470f.], einer Säule [5, Bd. 6 Nr. 483–95], dem Steinbock (Tierkreiszeichen des Augustus, vgl. Paul L. Strack, Unters. zur röm. Reichsprägung des 2. Jh., Bd. 3, Stg. 1937, S. 136); dem geläufigsten Attributpaar konnte ein Globus beigefügt werden [4, Bd. 3 Nr. 1036]. – Eine zweite Gruppe wird durch den Zweig als konstituierendes Attribut gekennzeichnet [6, Taf. 113 Nr. 512], dem Zepter [4, Bd. 3 Nr. 1500] oder Speer zugesellt sein können [4, Bd. 3 Nr. 1941], eine dritte durch Verbindung der F.-Personifikation mit der Wiedergabe des Kaisers [4, Bd. 3 Nr. 1501f.].

Der Inschrift F. beigefügte Symbole sind: vier die Jahreszeiten verkörpernde Putti (vgl. Abb. 2 b; [6] Taf. 89 Nr. 357), ein Schiff [4, Bd. 3 Nr. 543 bis 546], Füllhörner mit je einem Kinderkopf [6, Taf. 81 Nr. 318], Kaiser oder Kaiserfamilie [6, Taf. 138 Nr. 646 und Taf. 93 Nr. 389].

B. Mittelalter

Die antike Vorstellung von der „F. imperatoria“ lebte in Herrscherurkunden des MA fort (zunächst als „F. regni“, schließlich nur noch im „féliciter“ am Ende kaiserlicher Schriftstücke, vgl. Heinr. Fichtenau, Arenga. Spätantike und MA im Spiegel von Urkundenformeln [= Mitt. des Inst. für österr. Gesch.forschg., Erg.bd. 18], Graz und Köln 1957, S. 68), doch fand sie keine bildliche Darstellung mehr. Dazu trug wohl auch die neue wertneutrale Erklärung bei, die Augustinus der weltlichen F. gab: sie ist positiv zu beurteilen, wenn sie in der Christianisierung der Welt besteht (De civitate Dei II, 19: Corp. Chr. Ser. Lat. Bd. 47 S. 50f.).

Als einzige bildliche Darstellung aus dem MA ist die „Félicité humaine“ zu nennen, die sich auf dem Dedikationsbild der für Karl V. von Frankreich 1376 angefertigten Kopie einer Übersetzung von Aristoteles' Nikomachiscner Ethik findet (Den Haag, Mus. Meermanno-Westreenianum, ms. 10 D 1, fol. 5: Alex. Willem Byvanck, Les principaux mss. à peinture de la Bibl. Roy. des Pays-Bas et du Mus. M.-W. à la Haye, Paris 1924, S. 113 Taf. 52). Die Attributkombination Zepter-Buch blieb singular.

C. Neuzeit

Seit deren Beginn, bes. im 17. und 18. Jh., ist F. publica eine Repertoirefigur in der Herrschaftsikonographie. F.-Darstellungen entstanden, wenn ein Herrscher (eine Regierung) sich selbst und seine Ansprüche zum Ausdruck bringen wollte oder wenn ihm gehuldigt wurde. Man findet sie vor allem auf Medaillen (Abb. 11), die auf Friedensschlüsse, Regierungsjubiläen, Krönungen oder Thronfolgergeburten geprägt wurden, auf programmatischen Bildern oder Bildzyklen in Schlössern, Rathäusern und Festsälen, schließlich in ephemeren Dekorationen (Ehrenpforten [Abb. 8], Festzüge, Castra doloris usw.). Daneben gibt es F. publica-Darstellungen in weniger spezifischen Zusammenhängen, z. B. F. als Beschützerin der bild.K. (bisweilen als Minerva verkleidet); ungewöhnlicherweise erscheint F. als Buchdruckersignet (Abb. 4), in religiösen Bildern.

1. Personifikationen

a. Vorbilder der Antike sind für die Wahl der Attribute bestimmend: diese wurden in Kombinationen, wie sie auf römischen Münzen vorkommen, verwendet oder neu zusammengestellt.

Nur wenige Personifikationen haben als einziges Attribut den Caduceus (so z. B. Jan Brueghel d. Ä., „Weissagung des Propheten Jesaias“, München, Bayer. Staatsgem.slgn.: Abb. 6; Trauergerüst für die Totenfeier Kaiser Josephs I., 1711 von Joh. Bernh. Fischer von Erlach entw., Mars überreicht F. den Schlangenstab: Carl Gustav Heraeus, Gedichte und lat. Inschriften, Nürnberg 1721, S. 207, dazu Hans Sedlmayr, J. B. F. v. E., Wien und Mchn. 1956, S. 200f.). Gebräuchlicher war die Kombination von Caduceus mit Füllhorn: in der dt. Kunst findet man sie zuerst 1588 in einem Buchdruckersignet (Abb. 4), in den Niederlanden 1599 bei den Dekorationen für den Einzug Alberts und Isabellas von Österreich in Antwerpen (Ioannis Bochius, Pompae triumphalis et spectaculorum, in adventu et inauguratione serenissimorum Principum Alberti et Isabellae Austriae Archiducum ..., Antw. 1602, S. 212, Abb. 210); in Italien zeigt ein Stich Pietro Testas von 1641, ‚Liceo della Pittura‘ benannt, eine F.-Statue mit dieser Attributkombination (vgl. Alessandro Marabottini, ,Il trattato di Pittura‘ e i disegni del Luchesino, Commentari 5,3, 1954, Taf. 64 Abb. 3). Im Deckenfresko des Ant. Raph. Mengs im Palacio Real in Madrid im Speisesaal Karls III. [Saleta Gasparini], um 1775, ist F. publica mit Caduceus und ein Putto, der ihr ein Füllhorn reicht, zu sehen (vgl. Ausst.Kat. „A. R. M. 1728–1779“, Madrid, Mus. del Prado, 1929, Abb. 64 und Francisco José Fabre, Descripcion de las alegorías pintadas en las bóvedas del Real Palacio de M., Madrid 1829, S. 140–142, 154f.). – Wenig verbreitet waren Kombinationen von Caduceus und Zweig (vgl. John Spencer, A 15th C. Forgery of a Roman Coin, Allen Memorial Art Mus. Bull. 28, 3, 1971, 133–40, Abb. 2) und von Caduceus, Füllhorn und Globus (Peter Paul Rubens, „Zusammentreffen der Prinzessinnen“, um 1625, heute im Mus. du Louvre: Jacques Thuillier und Jacques Foucart, Le storie di Maria de' Medici di Rubens al Lussemburgo, Mailand 1967, S. 86, Taf. 38).

Das Füllhorn kommt in der Neuzeit auch als einziges Attribut vor: so stellte vor 1620 Matthäus Gundelach F. publica in einer der Fürstenstuben des Augsburger Rathauses dar (Curia Augustanae Rei publicae, Augsburg 1714, S. 35); vgl. auch Chrn. Rauchs F. publica am Sockel des Denkmals für den bayer. Kg. Max Joseph in München, zw. 1831 und 1835 (Abb. 14; Barbara Eschenburg in: Hans Ernst Mittig und Volker Plagemann [Hrsg.], Denkmäler im 19. Jh. [= Stud. zur K. des 19. Jh., 20], Mchn. 1972, S. 326).

Neue Zusammenstellungen antiker Attribute sind:

Füllhorn und Säule (Ant. Canova, Stele für Ottavio Trento, 1816: Elena Bassi, C, Bergamo, Mailand und Rom o. J., Abb. 118 a); Füllhorn und Zepter (Paul Ambrosius Reith, 1726/27: Hans Andreas Klaiber, Die allegorischen Deckenbilder im Kaisersaal des Reichsstädtischen Rathauses in Esslingen, Esslinger Stud. 3, 1957, 7, Abb. 5); Caduceus, Füllhorn und Säule (zerst. Deckengem. von Peter Candid, ehem. in einem der Trierzimmer der Münchner Residenz, zw. 1611 und 1619: Chr. Kalmbach, Triumphirendes Wunder-Gebäu Der Chur-Fürstlichen Residentz zu M. ..., Mchn. 1719, S. 134 und 147).

b. Kombination von antiken und neuen Attributen.

Am häufigsten hat F. Caduceus, Füllhorn und Blumenkranz: so malte sie Agnolo Bronzino inmitten anderer Personifikationen in einem um 1567 zu datierenden Gemälde in Florenz (Abb. 3); weitere Beispiele sind eine Stuckfigur aus dem Deckenschmuck im Schlafzimmer der Kgn. im Pal. du Louvre, 1655/56 von Michel Anguier (Christine Aulanier, La Petite Gal. [= Hist. du Pal. et du Mus. du Louvre, 5], Paris 1955, S. 27, Abb. 12), und die in einem von Hirschen gezogenen Wagen sitzende F. auf Paul Trogers Titelkupfer zum Prospekt zu Schloß Mirabell (Wanda Aschenbrenner und Gg. Schweighofer, P. T., Leben und Werk, Salzburg 1965, S. 156, Abb. 310).

Weitere Zusammenstellungen sind: Caduceus, Füllhorn, Eichhörnchen (als Allusion auf den Namen) und zeitgenössisches Kostüm auf dem Buchdruckersignet des Joh. Eichhorn von 1553 (vgl. Heinr. Grimm, Dt. Buchdruckersignete des l6. Jh., Wiesbaden 1965, S. 264f., Abb. 267); Caduceus, Füllhorn, mehrere Zepter und Kronen im Gem. des Orazio Gentileschi, 1623/25 (Abb. 7); Caduceus, Krone und Gefäß mit Blumen und Früchten, 1617 bei einer Festdekoration am württ. Hof in Stuttgart, von Esaias von Hulsen ausführlich beschrieben und illustriert (Aigentliche Wahrhaffte Delineatio unnd Abbildung aller Fürstlichen Auffzüg und Rütterspilen ... In der Fürstlichen Hauptstatt Stuetgartt Den 13. 14. 15. 16. und 17. July Anno 1617, Stg. 1617, Taf. 27); Caduceus, Zweig und Goldkreis im Deckengem. von Vicente Lopez im 19. Saal des Pal. Real in Madrid, spätes 18. Jh. (F. J. Fabre a.a.O. S. 225f.); Füllhorn und Kornähren auf einer 1494 von Adriano Fiorentino für Ferdinand von Aragon (später Ferdinand II. von Neapel) geschlagenen Münze (vgl. George Francis Hill und Graham Pollard, Renss. Medals from the Samuel H. Kress Coll. at the Nat. Gall. of Art [= Complete Cat. of the 3. H. K. Coll., 5], London 1967, Nr. 104, Abb. 104); Caduceus und Hühnerstall in einer Zchg. Martens de Vos, Entw. für eine Einzugsdekoration, 1594 (vgl. Abb. 5; Antoinette Doutrepont, M. de V. et l'entrée triomphale de l'archiduc Ernest d'Autriche à Anvers en 1594, Bull. de l'Institut hist. Belge de Rome 18, 1937, 165, Taf. 7 Abb. 24); Zepter, Schwert und Steuerruder auf der Gedenkmünze zum Regierungsjubiläum Friedrich Wilhelms III. von Preussen, 1837 (Emil Bahrfeld, Die Münzen- und Medaillen-Slg. in der Marienburg, Danzig 1904, Bd. 2 S. 360); Schiff und das zum Segel sich blähende Kleid im Triumphbogen der Münze zum Einzug Ferdinands von Österreich in Antwerpen, Entw. von P. P. Rubens 1634/35, im Stich Theodor van Thuldens überliefert (Abb. 8; John Rupert Martin, The Decoration for the Pompa introitus Ferdinandi [= Corpus Rubenianum Ludwig Burchard, 16], Brüssel 1972, Nr. 50, 51, Abb. 99, 101f.).

c. Neue Attribute (und Attributkombinationen) kommen hier und da vor, doch war keinem der Typen größere Wirkung beschieden.

Mit einem Hahn als Attribut ist F. auf der Medaille für Ant. d'Antonio Pizzamani, um 1490 von Niccolo Fiorentino (zugeschr.), zu sehen (vgl. G. F. Hill und G. Pollard a.a.O. S. 52 Nr. 278, Abb. 278), einen Hühnerstall mit Hühnern hatte F., die zum festlichen Einzug Ernsts von Österreich 1594 in Antwerpen gezeigt wurde (Ioannes Bochius, Descriptio gratulationis publicae, spectaculorum et ludorum, in adventu sereniss. principis Arnesti Archiducis Austriae ..., Antw. 1595, S. 93). Auf einem Wandteppich im Cleveland Mus. of Art mit dem Hochzeitszug von Friede und Liebe, der am A. 16. Jh. wohl in der Touraine gewebt wurde, ist der Apfel einziges Attribut der F. (Göbel II, 1 S. 317f. und II, 2 Taf. 339). Mit Diadem, Staatsruder mit Delphin und Victoriastatue kennzeichnete Dan. Gran 1730 die F. (Walter Buchowiecki, Der Barockbau der ehem. Hofbibl. in Wien, ein Werk J. B. Fischer von Erlachs. Beitr. zur Gesch. des Prunksaales der Österr. Nat.bibl., Wien 1957, S. 95; Ausführung leicht verändert: Abb. 10). Die F. in Johann Zicks Deckengem. im Kuppelsaal des Treppenhauses in Bruchsal von 1752 trägt einen Palmzweig und drei Kronen (vgl. Otto Roegele, B. wie es war, Karlsruhe 1955, S. 95). Bei Chrn. Sambach und Jos. Stöber [30, Nr. 129] ist „Die Glückseligkeit des Lebens“ durch ein Füllhorn mit Gold- und Silbermünzen, kostbare Kleidung und einen Kranz aus Weintrauben und Kornähren (dies die Attribute „in Bezug auf Reichthum und Uiberfluß“) sowie einen Eichenast (= Gesundheit) charakterisiert (Abb. 13).

2. Emblematik

Emblematik der F. publica beruht in hohem Maße auf antiken Vorstellungen: die auf römischen Münzen der F.-Inschrift beigefügten Symbole (vgl. Sp. 1154) wurden aufgegriffen, erforderlichenfalls Analogien dazu gebildet; daneben finden sich – wo der Bezug auf das Kaisertum nicht herzustellen war oder umgangen werden sollte – inhaltlich entsprechende Verherrlichungen von Herrschern (a). Eine zweite Gruppe umfaßt Darstellungen der von den antiken F.-Personifikationen her bekannten Attribute (b). Neue Erfindungen reichen weder zahlenmäßig noch in ihrer Bedeutung an die zuerst genannten Gruppen heran (c).

a. Für die häufige Verwendung des Schiffes war der an vielen Stellen wiederholte Hinweis auf sein Vorkommen auf (meist hadrianischen) Münzen mitbestimmend (vgl. z. B. [10] S. 482 D; [16] S. 31 D; [14] S. 108, hier mit dem Zusammenhang zwischen F. und Argo erklärt). Als Beispiel sei die „F. Austriaca“ genannt, wie sie 1663 anläßlich des Leichenbegängnisses für Ferdinand Karl, Erzhzg. von Österreich, vorgestellt wurde: ein Schiff, das auf See in ein Unwetter gerät, und ein zweites, das auf einer Säule auf einem Felsen steht (Ernst Bidermann, Ehren-Gebäu österr. Helden-Tugenden, mit welchen weilandt ... Fürst Ferd. Carolus ... gezieret ware, Innsbruck 1663, Bl. 6). – Jahreszeitenputti gesellte Ant. Raffael Mengs als „Felicidad de los tempos“ zur „Felicidad publica“ (Madrid, Pal. Real, Deckengem. im Speisesaal Karls III. [Saleta Gasparini], um 1775: F. J. Fabre a.a.O. [Sp. 1157] S. 140, 142, 154f. Anm. 22, 155 Anm. 27; Ausst.Kat. „A. R. M. 1728–1779“ a.a.O. [Sp. 1157] Abb. 63f.).

Bild des Herrschers: Medaille von 1663 mit dem antikisch gekleideten Kg. Ludwig XIV. von Frankreich, der Lorbeerzweig und Füllhorn hält, als „F. temporum“ (Claude-Franç. Menestrier, Hist. du roy Louis le Grand par les médailles, emblèmes, devises, jettons, ..., Paris 1691, S. 9; Louis Hautecoeur, Louis XIV, Roi-Soleil [= Coll. ‚Ars et hist.'], Paris 1953, S. 15, Abb. vor S. 15); Gedächtnismünze zur böhmischen Krönung Maria Theresias, 1743 von Anton Wideman, mit Bild der Königin mit Insignien und Wappen von Böhmen zur Umschrift „F. publ(icae) reparatio“ (Günther Probszt-Ohstorff [Hrsg.], Schau- und Denkmünzen M. Th. [Wien 1782], Graz 1970, S. 40 Nr. XXX). – Herrscherfamilie: Kgn. Maria Theresia mit sieben Kindern als „F. publica“ auf einer Medaille von 1775–1776, anläßlich der Geburt eines Erzhzg. geprägt (Abb. 11).

Weiterbildung antiker Concetti liegt vor, wenn – in Allusion auf den Herrscher – das Bild Apollos (mit Ruder und Lyra, neben einem Globus mit franz. Lilien) für F. publica eintritt (Jean Mauger, Medaille auf die Alleinherrschaft Ludwigs XIV., 1661, „Ordo et F.“: C.-F. Menestrier a.a.O. S. 10; L. Hautecoeur a.a.O. S. 13 Abb. nach S. 14; Medaille von Joh. Martin Krafft auf den Verwaltungsantritt Erzhzg. Ferdinands in den mailändischen Staaten, 1771: G. Probszt-Ohstorff a.a.O. S. 337 Nr. CCXL) oder wenn der Reichsadler über dem König „auf der Brust in der mitten eine sonn mit vollen strahlen als ein Zeichen der allgemeinen glückseeligkeit“ hat (Entw. derjenigen mahlereien, welche in dem saal der kais. Reichshofcanzlei mit hist. und sinnbildischer bedeutung zu ehren der von kais. maj. und den hochlöblichen ständen des hl. reichs erwiesenen freigebigkeit bei disem palatio imperiali, so im jahr Christi 1723 angefangen und in dem 1730. vollendet, abgeschildert worden, vgl. Hans Tietze, Jb. Kaiserh. 30, 1911/1912, 25f.).

An die Stelle des Herrschers konnten auch Personifikationen eines Landes (z. B. Böhmen, mit Landeswappen, Steuerruder und Palladium: Medaille auf die böhmische Krönung Maria Theresias, 1743, „F. publicae reparatio“; vgl. G. Probszt-Ohstorff a.a.O. S. 42 Nr. XXXII) oder einer Stadt treten (z. B. die von Paris, mit Stadtwappen und Füllhorn: Medaille der Stadt für Ludwig XIV., 1672 von J. Dollin, vgl. Ausst.Kat. „La médaille au temps de L. XIV“, Paris, Hôtel de la Monnaie, 1970, Nr. 226, Abb. S. 147; von Florenz, mit Löwe und Kind: Medaille auf die Geburt des Erzhzg. Franz, Großprinz von Toscana, 1768 von A. Wideman, vgl. G. Probszt-Ohstorff a.a.O. S. 276f. Nr. CCV), ferner solche einer für die Herrschaft repräsentativen Tugend, z. B. der Iustitia (auf die Sonne zeigend: Medaille auf die Huldigung Friedrichs II. von Preußen in Königsberg, 1740, „F. populi“; Emil Bahrfeld, Die Münzen und Medaillenslg. in der Marienburg, Danzig 1904, Bd. 2 S. 38).

b. Am häufigsten gelten Caduceus und Füllhorn als „felicitatis indicium“ [16, S. 31 D], doch ist es unsicher, ob sie stets diese Bedeutung haben: die Zusammenstellung läßt auch andere Auslegungen zu. Das gilt ebenso für die Kombination von Caduceus und Ölzweig (vgl. [10] S. 157 A und [16] S. 31 D). – Im Triumphbogen, der 1790 am Stock-im-Eisenplatz in Wien zum Einzug Leopolds II. von der Wiener Bürgerschaft errichtet wurde, war das über der Sonne erscheinende Tierkreiszeichen Steinbock „Sinnbild glücklicher Regierung“ (vgl. Herta Blaha, Österr. Triumph- und Ehrenpforten der Renss. und des Barock, Diss. Wien 1950 [masch.], S. 93 und 232). – Mehrdeutig ist wiederum die Zusammenstellung eines Füllhorns (oder mehrerer) mit Kornähren, auch wenn sie öfters als F.-Allegorie beschrieben wird (z. B. von [14] S. 703–06, [23] Bd. 1, 2 S. 334 und [26] Sp. 1114).

Aus der Hieroglyphik wurde das Bild der Fledermaus übernommen, weil es bei den Ägyptern das Zeichen größten Glücks gewesen sei (vgl. [10] S. 251 B). Als solches wurde es in der Festdekoration der Stadt Antwerpen zum Einzug von Albert und Isabella von Österreich 1599 dargestellt (Johs. Bochius, Hist. narratio profectionis et inaugurationis ... Alberti et Isabellae Austria Archiducum, Antw. 1602, S. 94)..

c. Die emblematischen Concetti, die auf eigenen Erfindungen beruhen, blieben ohne Breitenwirkung, da ihnen Eindeutigkeit mangelt. Noch am ehesten war das Bild der aufgehenden Sonne geeignet, den Bestand an Allegorien zu ergänzen [21, class. II Nr. 838, S. 62]. Seltener findet sich der Weinstock ([10] S. 566 F; [16] S. 31 D). Für die zahlreichen unspezifischen Motive seien genannt: Wagen und Sessel [14, S. 142]; Reichsapfel an Kette, deren Ringe Tugenden vorstellen sollen [15, Nr. 14]; zwei Kinder im Bett oder vier stehende Kinder und ein sitzendes [23, Bd. 1, 2 S. 334]; drei Ähren in einem Scheffel [26, Sp. 1114]; usw.

3. Exempla

Exempla für F. publica waren nicht zu ermitteln.

III. Felicitas aeterna

Hier werden die Darstellungen behandelt, die auf dem F.-Begriff der Philosophen oder auf dessen christlicher Interpretation beruhen.

Als philos. Begriff ist F. eine der Übers. von griech. εὐδαιμονία (eine andere, von Cicero und chr.-philos. Schriftstellern bevorzugte ist „beatitudo“; diese und F. oft synonym benutzt, vgl. Frederick P. Pickering, Augustinus oder Boethius? Gesch.schreibung und epische Dichtung im MA und in der Neuzeit [= Philol. Stud. und Quellen, 39], Bln. 1967). Diese „vera F.“ bezeichnet ein inneres Glück und ist auf die Abwertung des Sinnlichen gerichtet; somit steht sie in gewissem Gegensatz zur F. publica (vgl. z. B. Seneca, Epistulae ad Lucilium 74, 16).

Christliche Interpretation (dazu [2] Sp. 719 bis 723), geprägt von Augustinus, gab dieser F. eine ihr urspr. nicht eigene Jenseitsbezogenheit: erst nach dem Tod kann der Zustand der F. erreicht werden, denn „aeterna ac vera F.“ offenbart sich erst am Jüngsten Tag (De civ. Dei VI, 12: a.a.O. [Sp. 1153] S. 184); sie ist ein Geschenk Gottes, das der Mensch durch Tugendleben und gute Werke, durch „pietas“ erlangen kann (ebd. IV, 21–23: ebd. S. 116f.) Auch als eigentliches Ziel für einen Herrscher galt die F. im ewigen Leben (vgl. H. Fichtenau a.a.O. [Sp. 1154f.] S. 68f.).

Die Auffassungen Augustinus' lebten im MA so gut wie unverändert fort, vgl. z. B. Albertus Magnus, Summa theologiae pars II tract. XII qu. 69 membrum 1: (ed. Petrus Jammy, A. M., Opera omnia, Bd. 18, Lyon 1651, S. 343), Thomas von Aquin, Summa contra gentiles III, 25 (ed. Leonina manualis, Rom 1934, S. 253) und Summa theologica, pars I qu. XXVI art. 1 (ed. Leo XIII., Rom 1886, Bd. 1 S. 232).

Darstellungen sind ziemlich selten. Abgesehen von der Tabula Cebetis (s. unten) gibt es keinen Bildzyklus, auch kein Bildprogramm, das die Wiedergabe der F. aeterna gefordert oder wenigstens nahegelegt hätte. Die Identifizierung einer Darstellung als F. aeterna ergibt sich entweder auf Beischriften oder durch Übereinstimmungen mit dem Typus, den Ces. Ripa in seiner „Iconologia“ beschrieb.

1. Personifikationen

Der Fixierung des Bildtypus durch Ripa gehen einige Darstellungen voraus, die in den Gedankenkreis der F. aeterna gerückt werden können, ohne so benannt zu sein.

Die älteste unter ihnen ist die „Félicité contemplative“ der Haager Aristoteles-Hs., fol. 193 (Abb. 1, vgl. Helga Kreuter-Eggemann, Das Skizzenbuch des Jaques Daliwe', Mchn. 1964, Abb. 82), eine junge, modisch gekleidete Frau; sie sitzt auf einer Bank, betet und schaut zum Himmel auf, wo Gott in einer Engelsgloriole erscheint. Auch die F., die Vasari beschreibt, kann nach Ausweis ihrer Attribute – Strahlen aussendendes Kleid, Sonne als Helm, heiter zu Jupiter blickend – hier genannt werden (Alesandro del Vita [Hrsg.], Lo Zibaldone di G. V., Arezzo 1938, S. 8), ebenso die „F.“, die Tintoretto 1566/67 malte: sie hat Rosen im Haar, in der Linken drei Kränze aus Olivenzweigen und sitzt vor einer Gloriole mit Puttenköpfen (Eduard Haitinger, Die Bilderzyklen T. in der Scuola di S. Rocco zu Venedig, Diss. Zürich 1962, S. 16 und Anm. 26; Carlo Bernari und Pierluigi De Vecchi, L'opera completa del T. [= Classici dell'arte, 36], Mailand 1970, S. 107f. Nr. 167 D).

Hier einzureihen sind die häufig attributlos gebliebenen Personifikationen des philosophischen Begriffes F. (εὐδαιμονία) in der Cebestafel (Reinhard Schleier, Tabula Cebetis oder ‚Spiegel des Menschlichen Lebens / darin Tugent und untugent abgemalet ist'. Stud. zur Rezeption einer antiken Bildbeschreibung im 16. und 17. Jh., Bln. 1973). In den frühen der seit 1507 nachweisbaren Darstellungen der Tabula Cebetis, zumal deutschen, trägt F. modische Kleidung (ebd. Abb. 1–8); in Italien, den Niederlanden und Frankreich bevorzugte man es, F. in antikischem Gewand abzubilden (ebd. Abb. 29f. und 38f.). Gelegentlich erhielt F. auch Attribute, z. B. einen Lorbeerkranz (Holzschnitt zur Ausg. Venedig 1549: ebd. Abb. 39). Christliche Interpretation des Begriffes hatte seine Wiedergabe mit Krone, Kreuzstab und Strahlcnnimbus zur Folge (so Hans Holbein d. J., Titelblattentw. von 1521–1522: ebd. Abb. 5–8), F. ist einem Marientypus angeglichen (ebd. S. 131f.).

Ripas F. eterna ist eine nackte junge Frau mit goldenem Haar; sie sitzt auf einem mit Sternen besäten (Himmels-) Globus, hat einen Lorbeerkranz auf und hält in den Händen Palmzweig und Flamme [13, S. 154f.].

Ein frühes Beispiel für die Wirkung von Ripas Beschreibung liefert ein bald nach 1616 entstandenes Deckengem. im Alten Schloß in Schleißheim (Ernst Bassermann-Jordan, Die dekorative Mal. der Renss. am Bayer. Hofe, Mchn. 1900, S. 147: „aeterna F.“ mit Palmzweig und Flamme). Die Reihe der Darstellungen in ill. Ikonologien setzt mit der Ausg. Jean Baudoins, Paris 1644, ein (Abb. 9; davon abhängig: [20] Bd. 1 S. 80, Abb. 58; [22] S. 60, Abb. Nr. 14). Recht genau an Ripa hielt sich Bartholomäus Altomonte hinsichtlich der Auswahl der F.-Attribute (Deckenmal. im Sommerrefektorium in St. Florian, O.Ö., 1731: Brigitte Heinzl, B. A., Wien und Mchn. 1964, Abb. 7); allerdings läßt er F. bekleidet auftreten (so auch J.-B. Boudard [25] Bd. 2 S. 6) und auf einer Wolke sitzen (wie H.-F. Gravelot und C.-N. Cochin [28]: Abb. 12).

Mit brennendem Herz und Sonne ist F. auf dem Titelblatt von Charles de St-Paul, Le Temple de la Félicité, Paris 1630, wiedergegeben (vgl. Bernard Dorival, Gaz. des B.-A. 114 [= pér. VI], 1972, 52ff. Nr. 85–87 m. Abb.).

In dt. Ikonologien des 18. Jh. bildet die „Seligkeit in einem Sinnbild“ den Abschluß der Reihe mit den Seligpreisungen. Sie soll durch eine junge, ärmlich gekleidete Frau vorgestellt werden, in einer Hand einen Ölzweig und ein brennendes Herz halten und zwei Kindern Brot reichen; übel zugerichtete und tote Kinder sollen sie umgeben, ein von einem Spieß durchbohrtes Lamm neben ihr liegen („Neue ternsche Übers. Herrn Ces. Ripa ... Iconologia ...“, Nürnberg 1732–1734, S. 356ff.; vgl. dazu auch Paul Decker, Fürstlicher Baumeister, Archit. civilis, Augsburg 1711, Abb. XIII: „Glückseligkeit“ mit Lamm als einzigem Attribut).

Antikisch gekleidet trägt F. auf dem Grabmal der Maria Christina von Sachsen-Teschen, zw. 1798 und 1805 von Antonio Canova, das von einem Schlangenring gerahmte Bildnis der Verstorbenen empor in die ewige Glückseligkeit (Wien, Augustinerkirche; vgl. E. C. J. van de Vivere, Mausoleum oder Grabmahl Ihrer Kgl. Hoheit M. Chr. ..., Wien 1805, S. 17 und 66f.; Elena Bassi, C. [= I grandi artisti ital.], Bergamo, Mailand und Rom o. J., Abb. 76).

2. Emblematik

Emblematik trug zur Gestaltung des Begriffes wenig bei.

Achille Bocchi bringt die Vorstellung „F. prudentiae et diligentiae ultima est“ offensichtlich von der Cebestafel angeregt zur Darstellung [8, Symb. LXXXV]. – J. Camerarius bezeugt [12, Nr. 65], die Imprese der Akademie von Ticino habe den Vogel Stcllinus, der mit seinen eben ausgeschlüpften Jungen zum Planeten Merkur auffliegt, als Icon gezeigt, dazu das Motto „Utraque F.“.

IV. Felicitas brevis

F. brevis ist der Gegensatz zur „vera F.“, inhaltlich Fortuna (bzw. der griech. Tyche) verwandt. Sie wurde heftig kritisiert [3, S. 162 bis 170] und nur vereinzelt dargestellt.

1. Personifikationen

In einer dt. Hs. des 2. V. 15. Jh. (Rom, Bibl. Casanatense, cod. 1404, fol. 30) lenkt „terrena F.“ die Pferde, die den Triumphwagen der „Malicia“ ziehen (Fritz Saxl in: „Fs. für Julius von Schlosser“, Wien 1927, S. 119). Die Wiedergabe der antiken „Dea F.“ in der um 1478 entstandenen Hs. 11 im Mus. Meermanno-Westreenianum in Den Haag steht für die falsche F., ist jedoch nicht eigentlich Personifikation der F. brevis (Alex. de Laborde, Les mss. à peinture de la Cité de Dieu de Saint Augustin, Paris 1909, Bd. 2 S. 423 Nr. 56).

Ces. Ripa beschreibt F. breve als Frau in weißgelbem Gewand, mit goldener Krone und einem mit Edelsteinen geschmückten Gürtel; den rechten Arm mit dem Zepter in der Hand muß sie hochheben, damit die Ranke einer Kürbispflanze das Zepter nicht erreicht. In der Linken trägt sie eine mit Gold und Edelsteinen gefüllte Schale. Die Attribute weisen auf die Kurzlebigkeit einer F., die auf weltliche Ehren und Reichtümer gegründet ist: wie der Kürbis wachsen sie schnell, überwuchern alles und vergehen ebenso rasch [13, S. 155f.].

Die von Baudoin besorgte Ausg. Paris 1643–1644 ist die erste mit einer Abbildung der „Félicité mondaine“ ([17] Bd. 2 S. 156; davon abhängig die Ill. in [20] Bd. 2 S. 486, Taf. 67 sowie in den Ikonologien J.-B. Boudards [25, Bd. 2 S. 7] und Gravelot – Cochins [28]: Abb. 12).

2. Emblematik

Emblematik, in der von F. brevis gewöhnlich ohne negative Epitheta gesprochen wird, benutzt viele Allegorien für diese F., die deren trügerischen Charakter und kurze Dauer andeuten.

Über längere Zeit hin kommt nur das Bild der Kürbispflanze vor; zuerst bei Andrea Alciati ([7] Nr. LXVIII, „In momentaneam felicitatem“); unter Berufung auf ihn bei P. Dinet [14, S. 203] und Picinelli ([18] Buch X Nr. 90, S. 341), auch Ces. Ripa (s. oben).

3. Exempla

Exempla der F. brevis werden nur gelegentlich genannt.

Francesco Bardi sieht in der Orpheus – Eurydike – Episode ein Beispiel der „mondana felicità“ (Ovidio istorico, politico, morale, Venedig 1688, Nr. 65); Orlandi-Ripa verweist auf Solons Gespräch mit Krösus über die wahre, nicht in weltlichen Reichtümern liegende Glückseligkeit, auf Midas' Goldgier und Salomos Götzendienst [24, Bd. 3 S. 61f.].

4. Interpretationen

Interpretationen, in denen bekannte Gestaltungen und Personen als Bild der F. brevis ausgegeben werden, kommen mehrfach vor.

Christoforo Landino und Alessandro Vellutello nennen in ihrem Kommentar zu Dantes Göttlicher Komödie die Sirene, die dem Dichter im Traum erscheint (Purgatorio 19), „falsa, e dannosa felicità“ (Dante con l'espositione, Venedig IJ64, S. 229). – Hans Sachs beschreibt in seinem „Kampff-gesprech Xenophonis des philosophi mit fraw Tugendt und fraw Untugendt, welliche die ehrliche sey“, 1534, die Episode von Herkules am Scheideweg: die Untugend nennt sich euphemistisch „Wohlfahrt“ (Xenophon, Memorabilien II, 1, 21: εὐδαιμονία; vgl. Helene Herne, Die Allegorie bei Hans Sachs mit besonderer Berücksichtigung ihrer Beziehung zur graphischen K, Halle a. S. 1912, S. 121). Bei B.Hederich [26, Sp. 1241–42] läßt sich – im selben Zusammenhang – die Wollust als „Glückseligkeit“ ansprechen. – Auch hier ist an E. Panofskys Interpretation von Tizians „Himmlischer und irdischer Liebe“ als Gegenüberstellung von „F. eterna“ und „F. terrena“ zu erinnern (Hercules, S. 173ff., bes. S. 177f.).

Zu den Abbildungen

1. Den Haag, Mus. Meermanno-Westreenianum, ms. 10 D I, fol. 193, Félicité contemplative. Paris, 1376. Fot. Mus.

2 a und b. Reproduktion antiker Münzbilder mit Darstellungen der F. publica durch Personifikation (a) und Jahreszeitenputti (b) in: Sebastiano Erizzo, Discorso ... sopra le medaglie de gli antichi, Venedig 1568, S. 360 (a) und 625 (b). Kupferstiche, Dm. 3,5 cm. Nach ebd.

3. Agnolo Bronzino, Allegorie des Glückes. Gem. a. Holz, 38 × 29 cm. Florenz, Gall. degli Uffizi, Inv. Nr. 1211. Um 1565–70. Fot. Alinari, Florenz, G. Brogi, Nr. 2049.

4. F., Buchdruckersignet des Andr. Eichhorn (Holzschnitt) in: Jac. Ebertus, Hist. ivramentorum, Frankfurt a. O. 1588. Nach H. Grimm a.a.O. [Sp. 1158] Abb. 268.

5. Marten de Vos, F. Federzchg., laviert, 32 × 18,5 cm. Antwerpen, Mus. Plantin Moretus, Inv.Nr. A. V. 1. 1594. Fot. Mus.

6. Jan Brueghel d. Ä. und Hendrik van Balen, Weissagung des Propheten Jesaias (Detail; Gesamtabb.: Nederlands kh. Jb. 14, 1963, S. 111 Abb. 19). Gem. a. Kupfer, 40 × 50,5 cm. Mchn., A. Pin., Inv. Nr. 1999. Nach 1600. Fot. K.Anst. Mchn.

7. Orazio Gentileschi, F. publica. Gem. a. Lwd., 270 × 170 cm. Paris, Mus. du Louvre. 1623–25. Fot. Mus.

8. Peter Paul Rubens (Entw.) und Theodor van Thulden (Ausf.), F. vom Triumphbogen der Münze, errichtet anläßlich des Einzugs Ferdinands v. Österreich in Antwerpen 1635 (Detail; Gesamtabb.: Jean Gaspard Gevaerts, Pompa introitus ... Ferdinandi Austriaci, Antwerpen 1641 [Nachdr. Unterschneidheim 1971], S. 151). Kupferstich, 32 × 20 cm. Nach ebd.

9. Felicité eternelle, Kupferstich (Dm. 5,5 cm) in: J. Baudoin [17], Bd. 1 S. 66.

10. Daniel Gran, „Glückseeligkeit der wohlbesorgten Regierung“, begleitet vom „Andenken der Nachwelt“ und „Glory des habspurgischen Hauses“. Detail des Kuppelfreskos in der Nat.bibl. Wien (Gesamtabb.: W. Buchowiecki a.a.O. [Sp. 1160] Abb. 27). 1730. Fot. Bundesdenkmalamt, Wien.

11. F. publica, Kupferstich (Dm. 4,5 cm) nach einer Medaille Giov. Zanobio Webers auf die Geburt Erzhzg. Maximilians V. von Toskana, 1776. Nach G. Probszt-Ohstorff a.a.O. [Sp. 1161] Nr. CCLXVI.

12. F., F. aeterna, F. brevis und Unglück, Kupferstich (5,2 × 9 cm) in: H.-F. Gravelot und C.-N. Cochin [28], Bd. 2 gegenüber S. 37.

13. Die Glückseligkeit des Lebens. Kupferstich (6,5 × 5 cm) in: Chrn. Sambach und Joseph Stöber [30] Nr. 129. Nach ebd.

14. Chrn. Daniel Rauch, F. publica am Sockel des Denkmals für Kg. Max Joseph v. Bayern (Detail; Gesamtabb.: Hans Mackowsky, C. D. R., Bln. 1916, Abb. S. 31). Bronzeguß. Mchn., Max-Joseph-Platz. 1827–35. Fot. Barbara Eschenburg, Mchn.

Literatur

Antike: 1. Harry Erkell, Augustus, Felicitas, Fortuna. Lat. Wortstudien, Göteborg 1952. – 2. Jean Gagé, Art. „F.“, in: RAC VII 711–23. – 3. Lothar Zieske, F.: eine Wortunters. (= Hamburger philol. Stud., 23), Hbg. 1972.

4. Harold Mattingly, Coins of the Roman Empire in the Brit. Mus., Bd. 1 (Augustus to Vitellius), London 1965; Bd. 3 (Nerva to Hadrian), London 1936. – 5. R. A. G. Carson, Coins of the Roman Empire in the Brit. Mus., Bd. 6 (Severus Alexander to Balbius and Pupienus), London 1962. – 6. John P. C. Kent, Bernh. Overbeck und Armin U. Stylow, Die röm. Münze, Mchn. 1973.

Neuzeit. Quellen: 7. Andrea Alciati, Emblematum libellus, Paris 1542 (Nachdr. Darmstadt 1967). – 8. Achille Bocchi, Symbolicarum quaestionum de univ. genere ... libri V, Bologna 1555. – 9. Vinc. Cartari, Imagini dei Dei degli Antichi, Venedig 1556 (benutzt ed. Lorenzo Pignoria, Padua 1615). – 10. Valeriano (benutzt Ausg. Venedig 1604). – 11. Johs. Sambucus, Emblemata, Antw. 1564. – 12. Joachim Camerarius, Symbolorum et Emblematum ex Volatilibus et Insectis desumtorum Centuria Tertia, Nürnberg 1596. – 13. Ripa 1603. – 14. Pierre Dinet, Cinq livres des hieroglyphiques ..., Paris 1614. – 15. Jacobus à Bruck, gen. Angermundt, Emblemata moralia et bellica, ..., Straßburg 1615. – 16. Laurentius Beyerlinck, Theatrum Magnum vitae humanae, Bd. 3 Buch 6, Köln 1631. – 17. Jean Baudoin, Iconologie ..., Tirée ... de C. Ripa, Paris 1643–44. – 18. Picinelli (it.). – 19. Johs. Kreihling, Emblemata ethico-politica, Antw. 1661. – 20. Jean Baudoin (Hrsg.), Iconologie ou la science des emblèmes, ..., tirées la plupart de C. Ripa, Amst. 1698. – 21. Jacob Boschius, Symbolographia, Augsburg und Dillingen 1701. – 22. Der K.-Göttin Minerva liebreiche Entdeckung ... Aus deß berühmten Italieners Ripa Anleitung in das Teutsche übersetzt, Augsburg 1704. – 23. Bernard de Montfaucon, L'Antiquité expliquée et representée en figures, Paris 1719. – 24. Orlandi-Ripa. – 25. Jean Baptiste Boudard, Iconologie tirée de divers Auteurs, Parma 1759. – 26. Benjamin Hederich, Gründliches mytholog. Lex., Lpz. 1770. – 27. Honoré Lacombe de Prezel, Dict. iconologique, Paris 1779 (Nachdr. Genf 1972). – 28. Hubert-Franç. Gravelot und Charles-Nicolas Cochin, Iconologie par figures ... à l'usage des artistes ..., Paris o. J. (nach 1780; Nachdr. Genf 1972). – 29. Chrn. Ludolph Reinhold, System der zeichnenden Künste, Münster i. W. und Osnabrück 1784. – 30. Chrn. Sambach und Jos. Stöber, Iconologie ..., Wien 18012. – 31. Adam Breysig, Wb. der Bildersprache, Lpz. 1830.

Verweise