Feldsteinbau

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englisch: Rubble masonry; französisch: Construction de pierre sèche, maçonnerie en blocs erratiques; italienisch: Costruzione di pietre grezze.


Alfred Kamphausen (I, II) und Karl Möseneder (III, IV) (1979)

RDK VII, 1086–1137


RDK VII, 1087, Abb. 1. Quadermauer (schematisch).
RDK VII, 1089, Abb. 2. Nordhackstedt, 12. Jh.
RDK VII, 1089, Abb. 3. Neukirchen, 2. H. 12. Jh.
RDK VII, 1091, Abb. 4. Sörup, 4. V. 12. Jh.
RDK VII, 1093, Abb. 5. Bosau, 1151 beg., E. 12. Jh. verändert.
RDK VII, 1093, Abb. 6. Hämerten, A. 13. Jh.
RDK VII, 1095, Abb. 7. Marx, M. 13. Jh.
RDK VII, 1095, Abb. 8. Richtenberg, kurz vor M. 13. Jh.
RDK VII, 1097, Abb. 9. Berlin-Dahlem, 13. Jh., im 15. Jh. z. T. verändert.
RDK VII, 1097, Abb. 10. Hohenlübbichow, spätes 13.-14. Jh.
RDK VII, 1099, Abb. 11. Friedland, nach 1304-vor M. 14. Jh.
RDK VII, 1101, Abb. 12. Groß Nemerow, 14. Jh., Bemalung spätm.
RDK VII, 1101, Abb. 13. Wusterwitz, spätma.
RDK VII, 1105, Abb. 14. Adelby, verändert 1775-1780/81.
RDK VII, 1107, Abb. 15. Joh. Gg. Schoch, 1797 voll., Wörlitz.
RDK VII, 1109, Abb. 16. Wolfshagen, um 1830/40.
RDK VII, 1109, Abb. 17. Zürich, um 1100-1107, Umbau 2. V. 13. Jh.-1278.
RDK VII, 1113, Abb. 18 a und b. Mammertshofen bei Roggwil, 13. Jh.
RDK VII, 1117, Abb. 19. Verona, Weihe 751, Umbau 12. Jh. (1160 geweiht).
RDK VII, 1119, Abb. 20. Orsbeck, 9./10. Jh.
RDK VII, 1121, Abb. 21. Insel Werd bei Stein a. Rh., 9./10. Jh. und später.
RDK VII, 1121, Abb. 22. Romainmôtier, vor 1030.
RDK VII, 1123, Abb. 23. Reichenau-Mittelzell, 1. H. 11. Jh.
RDK VII, 1123, Abb. 24. Reichenau-Mittelzell, Weihe 1048.
RDK VII, 1125, Abb. 25. Urschalling, 2. H. 12. Jh.
RDK VII, 1125, Abb. 26. Emmereis, 12.-13. Jh.
RDK VII, 1127, Abb. 27. Egmating, um 1200.
RDK VII, 1129, Abb. 28. Haar, 13. Jh.
RDK VII, 1129, Abb. 29. Weiningen, 13. Jh.
RDK VII, 1133, Abb. 30. Liebenstein, Erweiterung 1666-71.

F. = Feldsteinbau(ten); e. B. = erratischer Block, erratische Blöcke; Fg. = Findling(e); Ksl. = Kiesel.

I. Definition

F. sind Bauwerke aus Steinen, die entweder vom Boden gelesen oder aus geringer Tiefe gehoben, nicht aber in Steinbrüchen gebrochen wurden (zu letzterem s. Mauerwerk), auch nicht aus anstehendem Gestein ausgewittert sind.

Alternativbezeichnungen für Feldstein, die regional sehr stark schwanken, sind Klaub-, Lese-, Hand-, Roll-, Tagestein und „Feldbummerl“: zur Benennung von Ksl. s. Sp. 1121.

Im Vorliegenden werden unter F. Bauwerke behandelt, die aus Fg. (II) oder aus Ksl. (IV) errichtet sind. Fg. sind das bevorzugte Material im Gebiet der an gewachsenem Gestein armen norddeutschen Tiefebene. Fg. im Bereich ihres Vorkommens innerhalb der alpinen Vereisungszone (vor allem in der Schweiz) werden im Artikel aus Unterscheidungsgründen als e. B. bezeichnet (III). Ksl. dienten als Baumaterial vorwiegend in Mittel- und Süddeutschland.

Unberücksichtigt bleibt die Verwendung von Feldsteinen im *Fundament, im Straßen- und Wasserbau und für *Fußböden.

II. Bauten aus Findlingen

Unter Fg. (auch Vlint, Vlinten-, Waldstein) werden die kristallinen Geschiebe verstanden, die in der zweiten und dritten Eiszeit vom Eis, das sich von Skandinavien aus in Bewegung setzte, als Schuttmassen nach Süden und Südwesten getragen wurden und sich im nördlichen Mittel- und Osteuropa ablagerten. Die während der Eisbewegung durch Reibung rund abgeschliffenen Felsblöcke blieben in Geröllhalden liegen, als das Eis abschmolz.

Petrographisch sind die Fg. sehr unterschiedlich: Granit verschiedenster Körnung, Diabas, Basalt u. a. mehr (Johs. Korn, Die wichtigsten Leitgeschiebe der n-kristallinen Gesteine im ndt. Flachlande, Bln. 1927). Seltener als diese kristallinen Geschiebe sind Sedimentärgeschiebe im Bereich des F. genutzt (R. Bielefeld, Die Baustoffe der ältesten ostfriesischen Kirchen, Die Tide, Ndt. Heimatbll. 4, 1927, 25ff., 64ff., 106ff.).

Das Ablagerungsgebiet und damit der Verbreitungsraum des F. sind die norddeutsche und baltische Tiefebene, besonders Friesland, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Brandenburg, die Altmark, Pommern, Niederschlesien bis in die Kreise Steinau und Wohlau und das Ordensland, ferner Dänemark und die baltischen Länder. Dabei überschneiden sich die Zonen der norwegischen Syenite mit denen der besonders aus Mittelschweden stammenden Granite und der aus Småland und Dalarne kommenden Porphyre. Da die gleichen Gesteine auch in ihrem Heimatgebiet benutzt werden, wenn leichter zu bearbeitendes Anstehendes fehlt, treffen wir Feldsteinkirchen auch in Schweden, besonders Mittelschweden (Märlardalen), und in Finnland.

A. Technisches

1. Gewinnung

Wenn auch Fg. üblicherweise gelesen wurden, so kam es doch auch zu Absammeln des Meeresgrundes in den Küstengewässern der Ostsee (Rud. Stegemann, Das große Baustoff-Lex., Stg. und Bln. 1941, S. 270, ohne Beleg). Nicht selten dürften Megalithgräber des Steinmaterials wegen abgeräumt worden sein (z. B. für die Kirche in Jordkirch Amt Apenrade, 1520–22: [17] Bd. 1 S. 35f.; Bd. 5 S. 628; vgl. [12] S. 23; [9] S. 32). Der Transport unbearbeiteter Fg. erfolgte mittels Schleepen [13, S. 93] und Börgen (Brandenburg; [1] S. 732; s. auch David Gilly, Hdb. der Land-Bau-K., Braunschweig 18184, Bd. 1 S. 40f., Bd. 3 Fig. 11 a–c). Besonders große Fg. wurden vor dem Transport zerkleinert (ihre Sprengung durch Holzfeuer beschreibt Joh. Jacob Helfft, Encyklopädisches Wb. der Landbauk. für Cameralisten, Architekten, Bauhandwerker und das bautreibende Publikum, Bln. 1836, S. 336).

2. Zurichtung

Fg. geringerer Größe konnten unbearbeitet vermauert oder als Füllmaterial verwendet werden. Gewöhnlich aber hat man die Steine an der Baustelle zugerichtet (dies beweist die Verwendung des Splitts als Füllmaterial z. B. der Kirche in Marx und an den Apsiden der Kirchen von Etzel und Westerholt Krs. Wittmund, 1240–50: [12] S. 24, Anm. 59; s. auch [13] S. 62). Um den Steinen ebene Lager- und Ansichtsflächen zu verschaffen, sind sie oft durch Erhitzen, Keile oder Pulver gespalten worden.

Das einfachste Verfahren ist Sprengen durch Erhitzen und anschließendes Zerkleinern in Schichten mit „Possekeln“ (eine Hammerart; s. J. J. Helfft a.a.O.). Nach Krünitz [1, S. 731] sind auf diese Weise die Fg. zum Bau der meisten Dorfkirchen gespalten worden, ehe man über Pulver verfügte. Im erhitzten Stein konnten auch durch Hiebe mit wassergetränkten Stricken Sprünge hervorgerufen werden; nach Erkalten fiel der Fg. von selbst auseinander oder konnte mit geringer Mühe durch Keile in regelmäßige Schichten gespalten werden (ebd.). – Beim Sprengen mit Pulver wurde dieses in Bohrlöchern gezündet (J. J. Helfft a.a.O. S. 326; [1] S. 645). – Weit verbreitet war das Spalten mit Hilfe von Keilen. Dabei wurden dem Fg. in der Ebene seines größten Umfangs den Steinschichten folgend mit dem Spitzhammer „Schrotlöcher“ oder Rinnen eingehauen, die man eventuell mit Stangen vertiefte. Dann wurden Eisen- oder Holzkeile eingelegt, die mit ihren Spitzen die Sohle der Vertiefung nicht erreichen sollten. Durch Schläge auf diese Keile spaltete sich der Fg. ([13] S. 93; D. Gilly a.a.O. [Sp. 1088] Bd. 1 S. 35ff., 486ff., Bd. 3 Fig. 1ff.; J. J. Helfft a.a.O. S. 326). Spuren dieses Verfahrens sind an den Fg. der Ehrenmäler in Neuenburg Krs. Friesland [12, Abb. 45] und Gödens Krs. Wittmund, am Südquerhaus der Kirche in Varel [13, S. 93 Anm. 320] und an der Kirche in Leerhafe Krs. Wittmund [12, S. 25, Anm. 65] zu sehen. Spuren eiserner Keile zeigen die Fg. am Chor von Burg auf Fehmarn und am Kirchturm von Petersdorf Krs. Ostholstein ([17] Bd. 5 S. 17, Abb. 2; A. Kamphausen, Die Kirchen Schleswig-Holsteins, Schleswig 1955, Abb. 66).

Für die Gewinnung sog. (Granit-)Quader bearbeitete man die gespaltenen Fg. weiter. Auf der Spaltfläche eines halbierten Fg. wurde ein Rechteck von optimaler Größe angerissen. Durch Abschlagen des Überstehenden gab man dem Stein an der Vorderfläche rechteckige Form. Die anstoßenden Flächen wurden nur soweit (etwa 10–20 cm tief) bearbeitet, daß sie ein gutes Auflagern und Vermauern ermöglichten. Der Rest des Steins blieb unbehauen (Abb. 1, A; [13] Abb. 70; [9] Abb. 27).

Wenig Anhaltspunkte gibt es dafür, mit welchen Werkzeugen die Flächen geglättet wurden. Am ehesten ist zu vermuten, daß man dafür spitze Stockhämmer oder Flächen benützte ([4] S. 13 Abbildung eines Türsturzes der Kirche Gjöl, 12. Jh., wo Steinhauer bei der Arbeit wiedergegeben sind; [12] S. 25; [13] S. 93).

Auch für Fenster und *Portale, Chorbögen und dgl. konnten Fg. eigens zugerichtet werden.

Fg. mit eingearbeitetem Schachbrett- oder Rautenmuster besitzt eine kleine Gruppe untereinander zusammenhängender Kirchen (oft an Portalen) vor allem an der unteren Oder.

Die Bauten stammen aus dem 13. oder 14. Jh., zeigen sorgfältige Quaderbearbeitung, Sockelschrägung und abgestufte Portalrahmungen, weshalb die ornamentierten Steine als Steinmetzzeichen angesehen wurden: Dölzig/Dolsko, Hohenlübbichow/Lubiechów Górny, Jädickendorff/Godków, Plöwen Lkrs. Pasewalk; Hönow Lkrs. Niederbarnim; Dobberzin, Serwest und Schmargendorf in der Uckermark ([14] Bd. 7, 1 S. 140 mit Abb. 134, S. 177ff. und Abb. 10, S. 182; [16] Bd. 2, 2 S. 95, Abb. 71; [14] Bd. 3, 4 S. 125, Abb. 410).

3. Mauertechnik

a. reine F.

Reine F., die aus großen, wenig oder nicht behauenen Fg. in voller Mauerstärke bestehen und höchstens geringe, oft von außen nicht sichtbare Mörtelbindung aufweisen, sind selten und dann Gartenarchitekturen oder landwirtschaftliche Bauten.

E. 18. Jh. Gartenarchitekturen: die Amaliengrotte im Englischen Garten von Wörlitz, durch bloßes Aufeinanderschichten von unbearbeiteten riesigen Granit-Fg. errichtet (voll. 1797 von Joh. Gg. Gottl. Schoch: Abb. 15, Adolph Hartmann, Der Wörlitzer Park und seine K.schätze, Bln. 1913, S. 107); der sog. „Stein“, ein komplexes Bauwerk, das Gegenden um Neapel und in Sizilien darstellen soll und das Felsengänge, Grotten, Kolumbarium, Vulkan, Ruine eines Amphitheaters, antikes Gymnasium umfaßt (zwischen 1788 und 1796, z. T. aus Raseneisenstein), wozu auch die sog. Villa Hamilton gehört, deren Unterbau aus Fg. an die Grotta di Posilipo erinnern soll (1791–94 von Friedr. Wilh. von Erdmannsdorff: Kurt Lein, Führer durch den Landschaftspark Wörlitz, o. O. 1972, S. 71, 74, Abb. 29). – In Flensburg entstand vor 1811 aus Fg. eine Quellgrotte, die nach 1820 in eine Grabkammer mit Mumie verwandelt wurde (Ellen Redlefsen, Nordelbingen 33, 1964, 27, 32, Abb. 29).

Meist wurde die Schalenmauerung gewählt: Mit teilweise gespaltenen Steinen (die größeren für die Außen-, die kleineren für die Innenseite), manchmal unter Verwendung kleinerer Steine zum Auszwicken, wurden zwei Schalen errichtet und das so geschaffene Becken mit viel Mörtel und kleinen Fg., auch dem Abschlag von den für die Wandung verwendeten gespaltenen Steinen ausgefüllt (vgl. Erik Lundberg, Jakttagelser angående 1100-talets murningsteknik, Fornvännen 24, 1929, 221–246).

Nur selten war die Mauerschale breiter als eine Steinschicht, z. B. am Turm der Kirche in Weddingstedt Krs. Dithmarschen, A. 13. Jh. (Dehio, Hamburg, Schleswig-Holstein, S. 665; [17] Bd. 6 S. 252, Abb. 237).

Da das Setzen der runden Steine der Mauer noch keinen Halt verlieh, mußte der Mörtel den Zusammenhalt gewähren. Der Mörtel mußte schnell abbinden und gute Haftfähigkeit besitzen. Man führte in der Regel das Mauerwerk in Horizontalschichten von jeweils 2 bis 4 Steinhöhen auf, glich dann – dies gilt vor allem für Mauern, die aus unterschiedlich großen Steinen zusammengepackt sind – mit kleinen Steinen oder Abschlag aus und ließ den Mörtel fest werden, um dann auf möglichst eben gestrichener und getrockneter Lage die nächste Schicht aufzubauen. So zeigen die Mauern der romanischen Kirchen in Süderbrarup Krs. Schleswig und St. Johann in Flensburg, daß sie in Schichten von 40–50 cm Höhe aufgeführt wurden [17, Bd. 5 S. 259ff.].

Aus unbearbeiteten, sorgfältig ausgesuchten (mehr in der Länge als in der Höhe verlegten) und durch Kalkmörtel gebundenen Feldsteinen ohne Schichtenausgleich bestanden die Mauerschalen des Schleswiger Domchors, Bau I, 2. V. 11. Jh. (A. Kamphausen, Ursprung und Gestalt des Schleswiger Doms, Zs. der Ges. für schleswig-holsteinische Gesch. 79, 1955, 126 bis 152, bes. S. 131ff., Abb. 8); als Füllmaterial wurden für dieses außerordentlich dicke Mauerwerk (2,75 m) relativ große Steine verwendet. – Mit der flachsten Seite nach außen und in horizontal durchlaufenden Schichten sind die etwa gleich hohen Steine der Kirche in Warder Krs. Segeberg verlegt; der reichliche Mörtel wurde durch Splittersteine verstärkt (beg. gegen 1156: [8] S. 119, Abb. 74; ähnlich die Kirche in Pronsdorf Krs. Segeberg, 1170–90: ebd. S. 133, Abb. 77). – An der N-Seitenschiffsmauer und an der N-Seite des Chores der Kirche in Schenefeld Krs. Rendsburg-Eckernförde wechseln außen in regelmäßigen Schichten unbehauene quaderförmige Fg. mit niedrigen unbehauenen Flachsteinstücken in Gipsmörtel; die Steine an der Innenseite sind sorgfältig behauen, an den übrigen Bauteilen sind die Fg. unregelmäßig in kalkhaltigen Mörtel mit starkem Holzkohlezusatz gebettet (um 831 bzw. Umbau vor dem 12. Jh.: [8] S. 116, 121, 137, Abb. 9f., 15–17, 19; ähnlich wie der karolingische Bau von Schenefeld die Reste der Kirche von Meldorf Krs. Dithmarschen, um 820: ebd. S. 138ff.). – Mit nur wenig Mörtel, dafür um so exakterem Auszwicken wurden die meist unbearbeiteten Fg. an der spätromanischen Kirche von Groß Wokern Lkrs. Teterow zu etwa gleichhohen Steinschichten gefügt ([15] Bd. 5 S. 45; Gottfr. Holtz, Kirchen auf dem Lande, Die Dorfkirchen von Mecklenburg, Bln. o. J., Abb. 53).

Gesprengte und gespaltene Fg. verschiedener Größe wurden seltener und vorzugsweise für Innenwände in unregelmäßiger Lagerung verwendet. Die Innenwände der romanischen Kirche von Nordhackstedt Krs. Flensburg bestehen aus verschieden großen, z. T. in Flachsteine gespaltenen Fg., die mit viel Splitt zu etwa 60 cm hohen Schichten (2–3 Steinlagen) gepackt wurden; besonders große Steine wurden für die unteren Schichten verbraucht (spätes 12. Jh.: Abb. 2; [27] S. 171; Dehio a.a.O. [Sp. 1091] S. 496). – Aus durch Spaltung gewonnenen flachen Steinen bestanden die z. T. erhaltenen Mauerschalen der Palastkapelle in Ostrov Lednicki bei Posen (2. H. 10. Jh.: [28] S. 247; Zs. d. Dt. Ver. f. Kw. 7, 1940, 225ff., Abb. 2, 5); sie sind in dünnen Schichten in rötlichem Mörtel verlegt, die Mauerkanten durch größere behauene Steine eingefaßt.

Auch für die sog. Granitquaderbauten wurde die Zweischalen-Bauweise angewendet (Quader oft nur an der Außenseite). Nach dem Versetzen der Blöcke in 2–3, meist gleich hohen Schichten füllte man den Zwischenraum auf (Abb. 1, B). Bis zum Abbinden des Mörtels blieben in den 1–2 cm breiten Fugen keilförmige Eisenblättchen, um das Herausquellen des Mörtels beim Zusammendrücken der Steine zu verhindern (1949 an der Marienkirche von Buttforde Krs. Wittmund, 2. V. 13. Jh., gefunden: [13] S. 61 mit Anm. 205, S. 94 und 125). Große, voluminöse Quader mit breiter Auflagefläche wurden meist in den unteren Schichten verwendet; nach oben nahmen die Steinformate ab, gleichermaßen vergrößerte sich die Stärke des Füllmauerwerks. Besonders dort kam diesem also verstärkt tragende und verbindende Funktion zu, die Steine bilden eher eine Verblendung. Festen Verband zwischen Innen- und Außenschale gibt es nur an den Fenster- und Portallaibungen manchmal an den Gebäudeecken. So isr die Haltbarkeit des Mauerwerks aus sog. Granitquadern nicht größer als bei jenem aus unbehauenen oder gespaltenen Fg., denn die Steine ruhen nicht Fläche auf Fläche, sondern werden von rückwärts von der Mörtelmasse der Hinterfüllung gehalten (vgl. Abb. 1, B). Die Mörtelqualität war besonders in Ostfriesland oft nicht ausreichend, die ausbalancierte Schale zu halten. Dies führte häufig zum Ausbrechen – „Abbauchen“: [9] Abb. 26 – einzelner Blöcke oder ganzer Partien; die Mauern mußten durch schmiedeeiserne Anker gesichert (z. B. Kirche in Sörup Krs. Flensburg, E. 12. Jh.: Abb. 4), die Giebel häufig abgetragen werden.

Kontinuierliche Abnahme der Schichthöhen der scharfkantig zugehauenen sog. Quader von 80 cm unten bis 30 cm unter der Dachtraufe ist am Mauerwerk der Marienkirche in Buttforde Krs. Wittmund festzustellen [13, S. 61, 125, Abb. 67], ein Verspringen der regelmäßigen Schichten in geringem Ausmaß nur an den Portalen und Gebäudeecken. Sonst war man nur darauf bedacht, Kreuzfugen (durchlaufende Stoßfugen) zu vermeiden. – An der Kirche in Marx (M. 13. Jh.: [12] S. 141) sind die sog. Quader nicht scharfkantig behauen: hier sind am Lhs. höhere Schichten auch in der oberen Zone anzutreffen, auffallend große Steine (1,00 × 2,85 m: [10] S. 15) finden sich aber in Bodennähe; an der Apsis – wo die Schichthöhe abnimmt – wurden gegen die Regel in einigen Steinschichten die Quader hochkant vermauert (Abb. 7).

Sog. Quadermauerwerk an beiden Seiten zeigen z. B. die Kirchen in Sörup (im W-Teil sind auch größere, wenig behauene Fg. verwendet: [17] N. F. Bd. 6 S. 309), Buttforde [13, S. 64] und die romanischen Kirchen in Scherrebeck und Oxenwatt Amt Hadersleben [17, Bd. 5 S. 260]. Außergewöhnlich ist die Verwendung von sog. Granitquadern für die Innenseite der Giebelmauer in Bjerning Amt Hadersleben (13. Jh.: ebd.).

Manche Kirchen wurden mit Quadern begonnen und mit weniger behauenen Fg. vollendet. Bei der Kirche von Havetoft Krs. Schleswig bestehen der W-Teil über dem Sockel, der Ostgiebel von Langhaus und Chor aus solch unregelmäßigerem Mauerwerk (um 1200: [17] Bd. 2 S. 255; [19] S. 675ff., Abb. 1836). In Jägerup Amt Hadersleben sind nur Chor und angrenzende Teile des Langhauses aus sog. Quadern, der Rest aus rohen Fg. gemauert (romanisch: [17] Bd. 1 S. 367; s. auch ebd. Bd. 5 S. 270). Aus rohen Fg. ist die oberste Schicht der Apsis der romanischen Kirche von Ekwadt Amt Apenrade-Sonderburg gemauert (ebd. S. 283), vermutlich weil sie unter einem Putzfries verborgen war (vgl. Sp. 1105).

An einigen wenigen Quaderbauten sind die Architekturglieder aus Granit gehauen. Die Apsis der ehem. Marienkirche in Sörup Krs. Flensburg mit profiliertem Sockel ist durch fünf Rundbogenblenden über vier schlanken Halbsäulen – vorgeblendete Monolithe – gegliedert; ein profiliertes Kranzgesims schließt das Mauerwerk ab (4. V. 12. Jh.: Abb 4; [17] N. F. Bd. 6 S. 307ff.; zwei Sockelquader einer Halbsäulengliederung haben sich an der prot. Kirche von Husby Krs. Flensburg erhalten: ebd. S. 206). – Ähnliche Gliederung der Apsis findet sich an den romanischen Kirchen in Lem und Staby (Dänemark), wo die Halbsäulen aus dem laufenden Stein ausgehauen sind (in Lem besitzen diese Steine meist Hochformat; ob aus Granit-Fg. hergestellt, ist nicht erwiesen: [18] Abb. 74 und 77). In Hee (Dänemark) ist der untere Teil des romanischen Kirchturms durch Pilaster und Rundbögen gegliedert (ebd. Abb. 78). Reiche Architekturgliederung aus Granit besaß der Dom von Viborg (begonnen um 1130, 1864–76 stark verändert wiederaufgebaut: ebd. S. 241, Abb. 66).

Eine Sonderform der Schalenmauerung ist das Hochziehen der Innenmauer mit Hilfe eines Leergerüsts im Gußverfahren (für Außenmauern selten: die in Bosau Krs. Ostholstein 1151 begonnene Kirche, E. 12. Jh. verändert: Abb. 5; [8] S. 123ff., [17] Bd. 6 Abb. 20; Dietrich Ellger, Nordelbingen 38, 1969, 202ff., Abb. 13; Reste auch an den Kirchen von Hademarschen und Westensee Krs. Rendsburg-Eckernförde, 12. Jh.: [17] Bd. 2 S. 193, 219). Ca. 40 cm hohe Verschalungen aus Brettern wurden mit größeren Steinen ausgelegt, dann die Füllung aus kleineren Steinen eingebracht und das Ganze ausgegossen. Auffüllung und Guß konnten auch gleichzeitig vorgenommen werden. Nach Entfernung der Verschalung erschien die glatte Mörtelfläche, die geschliffen werden konnte. Aus dem Wunsche nach sauberem Flächenschliff hat man für die schalennahe Mörtelschicht reinen Gips (in Holstein den Segeberger Anhydrith) gewählt, während die innere Vermörtelung aus einem Gemisch (Gips und Sand) besteht.

Spuren der Gipsmörtelhaut haben sich in Holstein an den sog. Vizelinkirchen (2. H. 12. Jh.) in Warder [27, S. 156, Abb. 4f.], Süsel und Neukirchen Krs. Ostholstein, Pronsdorf Krs. Segeberg (Abb. 3; [8] S. 137, 143, 146, 133), in Lauenburg an der Marienkirche von Gudow (2. H. 12. Jh.: Inv. Lauenburg S. 69ff.) erhalten. Die Außenschale sowie die Innenschale der nicht zum Gottesdienst benutzten Räume hingegen besteht aus gewöhnlichem Fg.mauerwerk.

Gewölbe aus Fg. wurden entweder im Gußverfahren eingezogen oder – vor allem bei komplizierten Formen – aufgemauert.

Beim Gußverfahren wurden Leergerüste verwendet; man legte Fg. und Fg.splitt auf eine dicke Gipsschicht und vergoß die Fugen (Turmgeschosse und z. T. Chorräume der sog. Vizelinkirchen: [2] S. 11; [17] Bd. 6 S. 400). Im Chor der Kirche von Süsel Krs. Ostholstein sind die Grate rippenartig angespitzt (E. 12. Jh.: Ernst Borgwardt, Die Heimat, Mschr. des Ver. zur Pflege der Natur- und Landeskunde in Schleswig-Holstein 59, 1952, 108). In der Turmhalle von Warder Krs. Segeberg ist die Kuppel in Schichten mit zunehmend geneigter Lagerfläche aufgeführt und zeigt Spuren der Verschalung (E. 12. Jh.: [8] S. 131ff.; [27] S. 163). Aus Abschlägen besteht das Tonnengewölbe im n. Seitenschiff von St. Olof (Ruine) in Sigtuna, Schweden (1. H. 12. Jh.: [18] S. 259, Abb. 195), aus kleinen Fg. jenes der Sakristei von Bismark Lkrs. Pasewalk (13. Jh.: Inv. Pommern 2, 2 S. 1f.). Am tief ansetzenden Kreuzgratgewölbe aus Fg.splittern in der Sakristei von Husaby-Sjuhundra Kyrka sind die Abdrücke der Schalungsbretter noch deutlich sichtbar (E. 13. Jh.: Inv. Schweden, Uppland 5, 2 S. 567, Fig. 462). Schiff und Chor der Kirche von Bexhövede Krs. Wesermünde haben gegossene Kreuzgewölbe (geweiht zwischen 1178 und 1184: Inv. Hannover 5, 2, 2 S. 39, Taf. 5 a).

Für gemauerte Gewölbe ist St. Per in Sigtuna ein frühes Beispiel: die Kappen des Klostergewölbes im Vierungsturm wurden in Schichten mit gegen den Scheitel zunehmend kleineren Fg. aufgemauert und durch granitene Bandrippen getrennt (um 1050 bis um 1130 [?]: Johnny Roosval, Une voûte à nervures du XIe s. à Sigtuna, in: Mediaeval Stud. in memory of Arthur Kingsley Porter, Cambridge, Mass. 1939, Bd. 2 S. 689ff., Abb. 3). Die drei Joche der Turmhalle der Kirche von Hohenselchow Lkrs. Angermünde besitzen Gewölbe, deren Rippen, Gurtbögen, Kragsteine und Kappen aus unbehauenen Fg. gemauert sind. Auch die Turmtreppe ist mit Fg. überwölbt (13. Jh. [?]; Inv. Pommern 2, 2 S. 128, Fig. 100). In Marx Krs. Wittmund ist das halbkuppelförmige Apsisgewölbe – ein seltenes Beispiel – aus sorgfältig zugerichteten Granitquadern in Ringschichten aufgemauert (M. 13. Jh.: [12] S. 141). – Ob im Schiff der Vituskirche in Heeslingen Krs. Zeven (zw. 973 und 1013) die im 13. Jh. eingezogenen drei rippenlosen Kreuzgewölbe, die eine dem Klostergewölbe nahekommende Form zeigen und durch Quergurte (im Scheitel leicht zugespitzt) voneinander getrennt sind, gemauert sind, war nicht festzustellen ([28] S. 410; Inv. Hannover 9 S. 198ff.).

b. Findlinge und anderes Steinmaterial

Sowohl Bauteile (Giebel, Gewölbe) wie Bauglieder und Bauornament (Fenster- und Portaleinfassungen, Gesimse, Friese, Verblendungen usw.) können in anderem Steinmaterial – Backstein, Haustein (Tuff, Sandstein, Braun- und Raseneisenstein), Stuck – ausgeführt sein; seltener ist das Mischmauerwerk, bei diesem in der Mehrzahl die Mauerkanten aus anderem Material.

An den Kirchen in Remels Krs. Leer (1. H. 13. Jh., verändert um 1300) und Etzel Krs. Wittmund (1240 bis 1250) findet sich in wechselnder Bänderung in den unteren Mauerzonen jeweils eine Schicht von Tuffstein zwischen Granitquadern [12, S. 3]; abwechselnd Schichten aus Eisensandstein und Granitquadern zeigt die romanische Kirche von Staby (Dänemark; [17] Bd. 5 S. 27; [18] Abb. 77). Bänderung mit Ziegeln und Granitblöcken ist oft das Ergebnis von Mauerreparaturen und Umbauten (spätgotisches Querhaus der Kirche von Hohenaspe Krs. Steinburg: [17] Bd. 2 S. 470; Kirche von Siek Krs. Stormarn, 13. Jh., Ziegelschichten wohl erst 1777: ebd. S. 544ff., Fig. 1491).

Zur Ausbildung exakter, winkelgerechter Kanten verwendete man oft Backstein in Verbindung mit Mauerwerk aus unbehauenen Fg. (Pfarrkirche von Mulkentin Krs. Satzig/Malkozin okr. Stara Dabrowa, 15. Jh. [?]: Inv. Pommern 2, 3 S. 48, Abb. 30; Seefeld Krs. Satzig/Grzędzice okr. Stara Dabrowa, spätma.: Heinr. Schulz, Pommersche Dorfkirchen östlich der Oder, Herford i. W. 1963, S. 35, Abb. 80); an sorgfältiger ausgeführtem Fg.mauerwerk der Neuzeit sind die Kirchen in Siebeneichen Krs. Hzgt. Lauenburg (1751–53 von Joh. Paul Heumann: Inv. Lauenburg S. 167; [19] S. 393, Abb. 1004) und Sahms Krs. Hzgt. Lauenburg (von Miethof, gew. 1811: Inv. Lauenburg S. 153; [19] S. 386, Abb. 980) zu nennen. – Unregelmäßige Kantenquader aus Haustein besitzen in Sandstein die Kirche von Bexhövede Krs. Wesermünde (geweiht zwischen 1178 und 1184: Inv. Hannover 5, 2, 2 S. 39ff., Taf. 1), in Raseneisenstein die von Drehna Lkrs. Luckau (E. 14. Jh.: [14] Bd. 5, 1 S. 110, Abb. 86).

Zum Abgleichen von Fg.schichten konnten Backsteine dienen: an der Kirche von Bargensdorf Gde. Burg Stargard Lkrs. Neubrandenburg Backstein als Binder oder Brocken, teilweise nach jeder Steinschicht (15. Jh.: [16] Bd. 1, 3, Amtsger.bez. Stargard S. 129). Festigende Funktion haben die Backsteinstreifen, die in unregelmäßigen Abständen das regellose Mauerwerk des Kirchturms von Slate Gde. und Lkrs. Parchim in der oberen Hälfte durchziehen (14. Jh.: [15] Bd. 4 S. 498; G. Holtz a.a.O. [Sp. 1092] Abb. 97).

Fg. als Einsprengsel in Backsteinmauerwerk sind im 15. Jh. häufig; die Spaltflächen liegen in der Mauerflucht (nur ausnahmsweise Granitquader in Zweitverwendung: Kirchturm von Gettdorf Krs. Rendsburg-Eckernförde, voll. 1491: [17] Bd. 5 S. 343, Abb. 425). Vereinzelt sind große Fg. im Mauerwerk der Kirche von Garwitz Lkrs. Parchim eingeschlossen (15. Jh.: [15] Bd. 4 S. 467 mit Abb.; Dehio, Neubrandenburg, Rockstock, Schwerin S. 96). Der als Ruine erhaltene Turm der Burg Galenbeck Gde. Wittenborn Lkrs. Neubrandenburg zeigt an der Außenseite im Backsteinmauerwerk vereinzelt unbehauene Fg. (Sockel und Innenschale aus rohen Fg.; 15. Jh.: [16] Bd. 1, 2 S. 426). Mit zahlreichen kleineren Fg. (und einem Mühlstein) ist das Mauerwerk der Kirche von Wusterwitz Krs. Schlawe/Ostrowiec okr. Slawno durchsetzt (spätma.: Abb. 13; H. Schulz a.a.O. [Sp. 1098] S. 85). An der Kapelle des Hl. Grabes in Heiligengrabe Lkrs. Wittstock sind der Backsteinmauer felderartig unbehauene Fg. eingefügt (Weihe 1512: [14] Bd. 1, 2 S. 83ff., Fig. 94; [14a] S. 430f. mit Abb.; Dehio II S. 197).

Backstein wurde als leicht zu handhabendes und vermauerbares Material am häufigsten lediglich zu Friesen, Gesimsen, Verblendungen, Fenster- und Portaleinfassungen benutzt. Doch konnte auch teilweise der Mauerverband, in manchen Abschnitten der F. selbst aus diesem Material bestehen.

Das Backsteingesims an der Chorsüdmauer der Kirche in Sterley Krs. Hzgt. Lauenburg ist als Deutsches Band ausgebildet (E. 12. Jh.: Inv. Lauenburg S. 169, Abb. 159). Um die Apsis der Pfarrkirche Hämerten Lkrs. Stendal zieht sich ein Kreuzbogenfries auf Putzgrund (Sockel mit Backsteinprofil; A. 13. Jh.: Abb. 6; Inv. Prov. Sachsen 3 S. 95ff.). Einen Kreuzbogenfries unter dem verputzten Hauptgesims besitzt St. Georg in Arneburg Lkrs. Stendal am Querhaus (18. Jh. [?]: ebd. S. 2f., Taf. 2 b), einen Fries in Rautenmuster die Kirche von Neuendorf am Damm Lkrs. Kalbe/Milde (1842: ebd. S. 143, Taf. 100 b).

Bei den gekoppelten Fenstern der prot. Kirche von Sterley Krs. Hzgt. Lauenburg sind die obersten, spitzbogigen Abschnitte aus radial gesetzten Backsteinen durch ein schmales Backsteinband gegen das Fg.mauerwerk abgegrenzt (gegen M. 13. Jh.: [19] S. 395ff., Abb. 1015). Nur der Bogen ist bei dem Portal der Kirche in Grömitz Krs. Ostholstein aus Backsteinen gemauert (M. 13. Jh.: [17] Bd. 6 S. 291, Abb. 319). – Fenster und Portallaibung aus Backstein hat die Kirche von Ratekau Krs. Ostholstein (gegen E. 12. Jh.: [8] S. 147, Abb. 90; am Portal Stuckornamentik). Bei der Gruppe von drei spitzbogigen Fenstern an der O-Seite des Chores von Richtenberg Lkrs. Stralsund sind die äußeren Laibungen bis zum Bogenansatz aus Fg. gemauert, das übrige aus Backsteinmauerwerk, das die Fenstergruppe treppenförmig übergreift (kurz vor M. 13. Jh.: Abb. 8; Dehio, Neubrandenburg, Rostock, Schwerin S. 310; ähnlich die Portale der Kirche von Kittendorf Lkrs. Malchin, M. 13. Jh. [?]: [15] Bd. 5 S. 207ff. Abb. S. 204).

Extrem breite Seitenstreifen, Giebel und portalbreiten Mittelstreifen aus Backstein zeigt die Fassade der Zisterzienserinnenkirche Heiligengrabe Krs. Wittstock (um 1300: [14] Bd. 1, 2 S. 68ff., Taf. 7; [14 a] S. 427).

Im 15.–16. Jh. erhielten häufig Giebel aus Fg.mauerwerk Backsteingliederung. Am O-Giebel der Pfarrkirche von Sandow Krs. Pyritz/Sądow okr. Pyrzyce sind die Blenden (Kreuz, Kreis- und Spitzbogen) von Backsteinen eingefaßt; die Fialen an den Giebelschrägen bestehen ebenfalls aus Backstein (E. 16. Jh.: Inv. Pommern 2, 2 S. 489ff., Abb. 100; s. auch Sp. 1113f.). Eine Backsteinhaut, aus der Blenden ausgespart sind, wurde 1597 dem älteren O-Giebel der Kirche von Bristow Lkrs.Teterow vorgelegt ([15] Bd. 5 S. 71; O. Holtz a.a.O. [Sp. 1092] S. 126).

Zahlreiche Bauten bestehen nur bis zu einem gewissen Teil (oft bis zu den Fenstersohlbänken) aus Fg., darüber aus Backstein (ein Beisp. Abb. 9). Ein solcher Wechsel ist nicht immer a priori das Zeichen einer Planänderung, sondern man verwendete die zwei Materialien auch absichtlich und dürfte die hohe Fg.bank als Schutz gegen Bodenfeuchtigkeit und Salpeterbildung genommen haben.

An der Kirche St. Maria Magdalena in Lauenburg besteht das Mauerwerk des Schiffs nur bis Mannshöhe aus rohen Fg. (gegen 1300: [19] S. 348, Abb. 880). Das Schiff der Kirche von Leck Krs. Nordfriesland wurde bis zum Ansatz der Fensterbögen außen aus sog. Granitquadern (vereinzelt Tuff zum Schichtenausgleich), innen aus rohen Fg. aufgemauert; die dünnere Backsteinmauer darüber ist im Innern eingezogen (um 1200: [17] Bd. 2 S. 670ff.; [19] S. 913, Abb. 2486f.). Der um 1300 errichtete Chor der Stadtkirche in Preetz Krs. Plön besteht im unteren Drittel aus kaum behauenen Fg., das übrige Mauerwerk und die Strebepfeiler aus Backstein (A. Kamphausen, Schleswig-Holstein als K.landschaft, Neumünster 1973, S. 22; [19] S. 593, Abb. 1605). Die Kirche in Horsten Krs. Wittmund ist als Backsteinbau über zwei Schichten Granitquader errichtet (um M. 13. Jh.: [12] S. 135, Abb. 31). – Aus fortifikatorischen Gründen wurde öfters bei Stadttoren und Befestigungsanlagen der untere Teil aus Fg. errichtet, das übrige Mauerwerk aus Backstein (Anklamer Tor in Friedland Lkrs. Neubrandenburg, nach 1304 – vor M. 14. Jh.: Abb. 11; [16] Bd. 1, 2 S. 364ff.; Dehio, Neubrandenburg, Rostock, Schwerin S. 86).

Die Innenschale der Kirche von Sengwarden Krs. Friesland wurde bis zur Fensterbrüstung aus Granitquadern gemauert, ansonsten verwendete man Backstein (13. Jh.: [10] S. 36; Inv. Oldenburg 5 S. 257ff.; ähnlich der spätgotische Chor der Kirche in Norderbrarup Krs. Schleswig, 3. V. 13. Jh.: Dehio, Hamburg, Schleswig-Holstein S. 496; [27] S. 169, Abb. 20). Häufig wurde die gesamte Innenschale aus Backstein aufgeführt (z. B. an den Granitquaderkirchen von Pakens und Tettens Krs. Friesland, M. 13. Jh.: [9] S. 59, 70; mit weniger sorgfältig errichteter Außenschale z. B. Borby Krs. Rendsburg-Eckernförde, um 1200: [17] Bd. 1 S. 158ff.; [19] S. 195).

Die bei der Einwölbung notwendige Erhöhung eines Baues wurde oft durch eine aufgesetzte Backsteinmauer erreicht, z. B. an der Kirche in Reepsholt Krs. Wittmund; hier sind im Inneren Backsteinpfeiler vorgesetzt, die Wände erhielten ausnahmsweise eine zweizonige Blendengliederung (E. 13.–M. 14. Jh.: [12] S. 147; [10] S. 60ff.).

Seltener hat man Fg.mauern nachträglich mit Backstein verblendet (oder umgekehrt).

Der aus Fg. errichtete Turm der Kirche von Kaltenkirchen Krs. Segeberg (um oder nach 1200) wurde 1656 bzw. 1835 mit einer Backsteinmauer umgeben [17, Bd. 2 S. 364], desgleichen 1734 der Turm der Kirche in Wesselburen Krs. Norderdithmarschen [19, S. 481, Abb. 1290f.], auch der Turm der Kirche zu Süsel, E. 12. Jh., wurde 1735 mit Backsteinen ummantelt, 1848 der Kirchturm von Midlum Krs. Wesermünde [9, S. 82]. – Zum Schutz gegen Witterungseinflüsse wurde der spätma. Turm von Husby Krs. Flensburg um 1700 an W- und S-Seite mit Granitquadern (Zweitverwendung) verkleidet (zahlreiche Anker; [17] N. F. Bd. 6 S. 205, Abb. 94; Dehio, Hamburg, Schleswig-Holstein S. 249), 1750 die W-Front der Kirche in Böel Krs. Schleswig [17, Bd. 2 S. 245, Bd. 5 S. 22 und Abb. 6].

Tuff. Seltener als der im Land selbst hergestellte Backstein wurde (Eifel-)Tuff verwendet.

Dieses leichte, gut zu bearbeitende Material wurde nach Friesland und Schleswig transportiert. Gegen M. 13. Jh. hörte die Einfuhr von Tuff allmählich auf ([17] Bd. 5 S. 36, 33; Bd. 6 S. 24; [12] S. 30; [13] S. 95).

Aus Tuff bestehen die Fenstergewände des Chors der Kirche von Schwabstedt Krs. Nordfriesland (um 1200 [?]: [17] Bd. 1 S. 505ff.; [19] S. 443) und – in Backsteinformat – in der Nordwand des Kirchenschiffs von Lunden Krs. Norderdithmarschen; hier andere Fenster und das N-Portal aus Tuff und Backstein (E. 12. Jh.: [27] S. 172).

In Granitquadertechnik begonnen wurde im späten 12. Jh. Querhaus und Langhaus des Schleswiger Doms, dann wechselte man zu Tuffstein über und nahm Backstein zu Hilfe (Abfolge am S-Querhaus erkennbar: [17] N. F. Bd. 10 S. 29, 72ff., Abb. 43).

An mehreren Kirchen ist der untere Teil der Mauer aus Fg. errichtet, darüber folgen Tuffschichten, die mit Backstein und Granit untermengt sein können (Keitum auf Sylt Krs. Nordfriesland, A. 13. Jh.: [9] S. 88ff., Abb. 34, 44; [17] Bd. 2 S. 606ff.; Hoyer Amt Tondern, M. 13. Jh.: ebd. Bd. 5 S. 300, Abb. 318; Dehio II S. 209; Schortens Krs. Friesland S-Seite, 1153 gestiftet: [10] S. 63ff.; [9] S. 63ff.; Sillenstede Krs. Friesland, Turm, 1233 gegründet: [10] S. 20, 35, dagegen M. 12. Jh.: Carl Woebcken, Friesische Kirchen, Wilhelmshaven 1923, S. 13; [9] S. 67, Abb. 21). Tuff im unteren Teil, darüber Fg.mauerwerk kennzeichnet die N-Seite der Kirche von Schortens (nach 1361 z. T. erneuert; s. oben). Lisenen – meist erst in den Tuffteilen angelegt – sind in Hoyer (s. oben) aus Granit und tragen in Tuff über Abschlußleisten weite Arkaden. Für Gewölbe wurde Tuff wohl auch wegen seines Gewichts verwendet: Michaelskirche in Schleswig, E. 13. Jh. (im Umgang das Fg.mauerwerk mit Tuff verblendet: [8] S. 162ff., Abb. 101f.); Turmgeschoß in Sillenstede (s. oben). In der Krypta des Viborger Doms tragen Wände und Gurtbogen aus sorgfältig behauenem Granit die Tuffgewölbe (das mittlere Säulenpaar aus marmorartigem norwegischem Kalkstein; gegr. 1130: [18] S. 241, Abb. 69).

Importierten Sandstein verwendete man an F. vor allem für Architekturglieder und Kanten, selten für so großflächige Vermauerung wie an der Matthäuskirche von Padingbüttel Krs. Wesermünde, die von der Fensterbrüstung an aus hochkant verlegten Sandsteinquadern besteht (um 1300: [9] S. 79, Abb. 39, 118).

Fenster- und Türgewände aus Sandstein hat die Kirche von Imsum Krs. Wesermünde (1. H. 13. Jh., 1895 bis auf das Westende abgebrochen: [9] S. 81, Abb. 24), Portalgewände und Fensterbögen die Kirche in Schortens (s. Sp. 1103), Kämpfer des Chorbogens die Kirche von Sillenstede (s. oben; [10] S. 53). In Skånella Kyrka sind Sockel, Dachgesims, Gesims des Chorbogens, die Mauerecken und die Einfassungen der Turmöffnungen aus Sandstein (um 1125: Inv. Schweden, Uppland 4 S. 418), in Husaby-Sjuhundra Kyrka Sockel, Ecklisenen und Portaleinfassungen (1170–90: ebd. Bd. 5, 2 S. 566). Ein spätes deutsches Beispiel für umfangreiche Sandsteinverwendung – Portal, Gesimse, Giebelabdeckung, Fenstereinfassung – ist die Kirche von Warlitz Lkrs. Hagenow, 1765 [15, Bd. 3 S. 36ff.].

Braun- und Raseneisenstein wurden an F. nur vereinzelt verwendet.

Brauneisenstein gibt es z. B. im unteren Teil des Chores der Kirche von Schenefeld [17, Bd. 6 S. 20, 75], Mauerwerk aus Fg.- und Raseneisensteinquadern mit Partien schräg gestellter Fg. zeigt die N-Wand der Martinskirche in Sievershausen Krs. Burgdorf (spätkarol.-otton.: Johs. Sommer in Vorchr.-chr. Frühgesch. in Niedersachsen [= Beih. zum Jb. der Ges. für Niedersächs. Kirchengesch. 64, 1966], Blomberg o. J. [1967], S. 80f.). In Dänemark verbaute man Raseneisenstein häufig.

Stuck wurde in erster Linie für die Ausbildung von Friesen verwendet (Rundbogenfriese an der S-Seite des Kirchenschiffs von Weddingstedt Krs. Dithmarschen, 12. Jh.: [17] Bd. 6 S. 265, Abb. 254f., und an der Kirche von Maulbeerwalde Lkrs. Wittstock, um 1820: [14] Bd. 1, 2 S. 153; [14a] S. 432; ferner in sog. Vizelinkirchen, z. B. Bosau, Süsel, Ratekau: Friedr. Berndt, Stuckplastik im frühma. Sachsen, Hannover 1932, passim; [8] Abb. 70, 73, 83, 90), seltener zu Werkstücken gegossen.

Aus solchen sind die Fenstergewände des romanischen Kirchenschiffs von Hohenaspe Krs. Steinburg ausgeführt [17, Bd. 2 S. 471, Abb. 1398]. An der Kirche von Stellau Krs. Steinburg sind die Chorbogenkämpfer Stuckblöcke (E. 12. Jh.: ebd. Bd. 6 S. 257, Abb. 547).

c. Findlinge und Holz

Fachwerk wurde meist als Ersatz für eingestürzte oder abgetragene Mauerteile eingesetzt.

An der Kirche von Sterley (M. 13. Jh.) wurde im Spät-MA der O-Giebel, in Lütau das Obergeschoß des Kirchturms (1. H. 13. Jh.) 1705 in Fachwerk errichtet (Inv. Lauenburg S. 169, Abb. 159; [19] S. 355, Abb. 903). Seltene Beispiele für eine ursprüngliche Verbindung von Fg. und Fachwerk sind nur aus der Neuzeit erhalten: Kornspeicher in Lanken Gem. Elmenhorst Krs. Hzgt. Lauenburg, 1732, mit hofseitigem Giebel in Fachwerk, die gleichzeitige Roggenscheune, ein Dreiständerbau, mit Fg.wänden und Fachwerkgiebel [19, S. 357, Abb. 878]; Fg.wände zeigt auch der Wandständerbau einer Fischerhütte vom Bornhöveder See, 18. Jh. (Schleswig-Holstein. Freilichtmus. Kiel).

Im Klosterpark von Marienwerder bei Hannover wurde kurz vor 1770 eine Einsiedelei aus rohen Fg. aufgeführt, deren Fenster und Türen aus ungeschältem Holz gezimmert und die Mauerfugen mit Moos verstopft waren (gegenüber befand sich unter einer Eiche ein Betaltar aus Fg.; zerstört: Chrn. Cajus Laurenz Hirschfeld, Theorie der Gartenk., Bd. 4, Lpz. 1782, S. 84ff., Abb. S. 85; Bd. 5, 1785, S. 213; Inv. Hannover 1, 2, 2 S. 167).

4. Putz und Bemalung

Aussagen über Putz und Bemalung sind nur beschränkt möglich.

a. Außen

Ma. Kirchen trugen in der Regel Putz oder Schlemme (einzelne hervortretende Steine blieben gelegentlich von Putz frei; Schalenmauerung im Gußverfahren erweckt fälschlich den Eindruck völliger Verputzung). Verputzung ist auch dort anzunehmen, wo heute nur noch über die angrenzenden Fg. erhabene Stege erhalten sind (z. B. Kirche in Staven Lkrs. Neubrandenburg, 1. H. 14. Jh.: [16] Bd. 1, 3, Amtsger.bez. Neubrandenburg S. 179). Die Verputzung konnte die oft rundlich erhabenen Flächen der Steine (hier schlechte Haftung) freilassen (Fugenverputz). Ein oft durch Ritzung vorgezeichnetes Quaderfugennetz konnte aufgemalt werden, manchmal unabhängig von der Lage der Steine (um exakten Verlauf zu erreichen, wurden selbst sorgfältig behauene, in Schichten verlegte Fg. verputzt: Kirche von Lübberstorf Lkrs. Neubrandenburg, 13. Jh.: [5] S. 14n..; Kirche von Hohenlübbichow/Lubiechów Górny, 13./14. Jh., Quaderritzung bei Fugenverputz wohl im 19. Jh. restauriert: Abb. 10; [11] Taf. XI Abb. 1; [14] Bd. 7, 1 S. 177).

Verputz mit doppelter Quaderritzung zeigt die Sakristei der Husaby-Sjurhundra Kyrka (E. 13. Jh.: Inv. Schweden, Uppland 5, 2 S. 776, Fig. 627), gemaltes Quadernetz zwischen zwei eingeritzten Linien die Kirche von Zirzow Lkrs. Neubrandenburg (A. 15. Jh., Verputzung neuzeitlich: [16] Bd. 1,3, Amtsger.bez. Neubrandenburg S. 224ff.). Die im MA dunkelgelb getönte Mauerfläche der Kirche von Neddemin Lkrs. Neubrandenburg trug hellgelbe Fugen zwischen doppeltem Fugenstrich (Kirche A. 14. Jh., 1734 überputzt; so ebd. S. 201ff.), rote Fugen die der Kirche von Platz Gde. Ballin Lkrs. Strasburg (Bau um 1500: ebd. Bd. 1, 2 S. 245, Abb. S. 246). Die breiten roten Fugen ohne Vorzeichnung an der Nordseite der Kirche von Genzkow Lkrs. Neubrandenburg (E. 13. Jh.) wurden nach 1728 aufgemalt (ebd. Bd. 1,3 Amtsger.bez. Friedland S. 16).

Fugenverputz mit eingeritzter Quaderzeichnung besaßen die Kirchen von Cantnitz Lkrs. Neustrelitz (z. T. erhalten, Bau 1. H. 14. Jh.: ebd. Bd. 1, 2 S. 171), Eichhorst Lkrs. Neubrandenburg (Ostgiebel A. 14. Jh.: ebd. Bd. 1, 3, Amtsger.bez. Friedland S. 4), Rollenhagen Lkrs. Neustrelitz (Bau 14. Jh.: ebd. Bd. 1, 1 S. 147). Nur mit blaßgelber Schlemme getönt zu weißen Fugen war in der Spätgotik die Kirche von Groß Nemerow Lkrs. Neubrandenburg (z. T. erhalten; Anstrich des 17.–18. Jh. dunkelgelb: Abb. 12; ebd. Bd. 1, 3 Amtsger.bez. Stargard S. 195ff.). Gelben Kalkanstrich und rotes Fugennetz erhielt in der Spätgotik das gesamte Quaderwerk der Kirche von Neuenkirchen Lkrs. Neubrandenburg (ebd. Bd. 1, 3, Amtsger.bez. Neubrandenburg S. 159). – An der Kirche von Ganzkow Lkrs. Neubrandenburg (A. 14. Jh.: ebd. Bd. 1, 3, Amtsger.bez. Neubrandenburg S. 193, Abb. S. 194) liegt über ma. Fugenverputz ein dünner spätgotischer Farbüberzug, darauf ein barocker roter Putz und ein derber neuer.

Häufig trugen F. unter der Dachtraufe auf Putz einen gemalten Fries. Damit der Putz besser hielt, auch um behauene Steine zu sparen, begnügte man sich an diesen Stellen öfters mit weniger sorgfältig ausgeführtem Mauerwerk (Ostteil der Kirche von Selent Krs. Plön, 13. Jh.; Kirche von Bovenau Krs. Rendsburg-Eckernförde, um 1230–40; an der Kirche von Blekendorf Krs. Plön, um 1230–40, läuft dieser Streifen sogar quer über den Ostgiebel: [17] Bd. 6 S. 265ff., Abb. 10).

Einen Kreuzbogenfries zeigt die Kirche von Malente Krs. Ostholstein (begonnen gegen 1230: ebd. S. 265); der in Resten am Schiff erhaltene von Hämerten Lkrs. Stendal wiederholt den Backsteinfries an der Apsis (A. 13. Jh. [?]: Inv. Prov. Sachsen 3 S. 95ff., Abb. 54). Der gemalte Palmettenfries an der Kirche von Chorinchen Lkrs. Eberswalde ist dem plastischen Fries der nahen Klosterkirche von Chorin nachgebildet (14. Jh.: [14] Bd. 3, 3 S. 62, Abb. 44; [5] S. 82). Der Fries der Kirche von Groß Nemerow Lkrs. Neubrandenburg – rote Rundbogen auf weißem Grund – verläuft zwischen roten Bändern, die Backstein imitieren (spätgotisch; s. oben). – Der Fries an der Kirche von Hohenselchow Lkrs. Angermünde trägt geometrische Ranken- und Sternmuster (18 Jh. [?]: Inv. Pommern 2,2 S. 128).

Giebelblenden, Portal- und Fenstereinfassungen konnten bemalt sein (manchmal nur die Vorritzung im Putz erhalten, z. B. in Mohrin Krs. Königsberg 1. d. Nm./Moryn okr. Chojna, 2. H. 13. Jh.: Henryk Dziurla, Materiały zachodnio-pomorskie 2, 1956, 299–308, bes. S. 304 Abb. 8; in Mohrin auch ein granitener Altar mit Quaderfugen). Farbige Arabesken, Ranken und Blumen zeigten die Blenden des Ostgiebels der um 1500 erbauten Kirche von Groß Borckenhagen Krs. Regenwalde/Borkowo Wielkie, okr. Lobzów (Inv. Pommern 2, 3 S. 303, Fig. 1). An der Kirche von Brohm Lkrs. Neubrandenburg sind die Portalarchivolten von gefelderten Ornamentbändern begleitet: an der Priesterpforte mit Blattmustern, an der Laienpforte mit Rosetten- und Kleeblattmustern (spättma.: [16] Bd. 1, 2 S. 453ff., Abb. S. 454)..

Vereinzelt sind im Putz Zeichnungen erhalten: sog. Sonnenmotive an der Kirche von Blankensee Lkrs. Pasewalk (um 1500: ebd. Bd. 1, 3, Amtsger.bez. Stargard S. 174), Kreuzmuster an der Karl Kyrkor (13. Jh.: Inv. Schweden, Uppland 5, 2 Fig. 774, vgl. S. 908).

Als unverputzt gelten die ma. sog. Granitquaderkirchen in Jütland, Angeln, Nord- und Ostfriesland (geweißter Putz nur an Innenwänden: [10] S. 18ff.; [12] S. 100ff.). Unverputzt blieben auch die Backsteinbauten des 15. und 16. Jh. mit eingesprengten Fg.

Bei Neubauten des 18. und 19. Jh. war meist Steinsichtigkeit beabsichtigt, lediglich Kanten, Portale und Fenstereinfassungen konnten Putz erhalten. Selten wurden ma. Bauten abgeputzt, wie z. B. die Kirche in Klockow Gde. Schönfeld Lkrs. Prenzlau (13. Jh.) im 18. Jh., die dann mit geputzten Eckquadern und Fenstereinfassungen versehen wurde [16, Bd. 1,2 S. 411, Abb. S. 412].

So sind Fenster- und Portaleinfassungen, Gebäudeecken und Traufgesims der Kirche von Wittenhagen Lkrs. Neustrelitz mit Putz versehen (Zentralbau aus gesprengten Fg., 1758: ebd. S. 113ff., Abb.). Fensterrahmungen samt trennendem Fries sind verputzt bei der Rundkirche in Gersdorf Krs. Dramburg/ Gawroniec okr. Drawski Pomorskie (1807–nach 1820, aus gesprengten Fg.: Inv. Pommern 3 S. 44; H. Schulz a.a.O. [Sp. 1098] S. 64, Abb. 154). Die 1818 bis 1819 von Michael Sigmund Pampel in Gülzow Krs. Hzgt. Lauenburg errichtete Kirche hat verputzte Kanten, Fensterumrahmungen und ein durchlaufendes Band, die Oberzone an O- und N-Wand und das erste Turmgeschoß sind vollständig verputzt [19, S. 340, Abb. 857].

Ganz steinsichtig belassen wurden die aus gesprengten Fg. (Portale, Gesimse, Giebelabdeckungen und Einfassungen der Fenster aus Sandstein) errichteten Kirchen von Warlitz Lkrs. Hagenow (1768: [15] Bd. 3 S. 36ff., mit Abb.) und Sahms Krs. Hzgt. Lauenburg (Kanten Backstein; [19] S. 386, Abb. 980).

Um den Eindruck von Ursprünglichkeit und Einfachheit zu erwecken, beließ man F. in Parkanlagen des 18. und 19. Jh. roh, auch um Natur nachzuahmen.

Einen Vorbau aus Fg. (Verblendung?) besitzt die aus Backstein errichtete Einsiedelei auf einer Bachinsel im Englischen Garten Hermannsbleiche bei Sorau (zw. 1770 und 1790: [14] Bd. 5, S. 233, Abb. 596; zur Einsiedelei in Marienwerder s. Sp. 1116). In eine Böschung im ehem. Schloßpark von Traventhal Krs. Segeberg wurde die Eremitage als Grotte aus Fg. eingebaut (zw. 1748 und 1765 von Georg Dietrich Tschierske: [19] S. 767, Abb. 2073). Die Amaliengrotte im Park von Wörlitz ist aus unbearbeiteten Fg. aufgerichtet (Abb. 15), die Luisenklippe aus Fg. aufgetürmt (im Inneren Grotte; eine Wendeltreppe führt zu einem „verborgenen Gemach“ in gotischem Stil: 1797 von Joh. Friedr. Eyserbeck und J. G. Schoch; August Rode, Beschreibung des Fürstlichen Anhalt-Dessauischen Landhauses und Englischen Gartens zu Wörlitz, hrsg. von Ludwig Grote, Dessau 1927 [nach der Ausg. von 1818], S. 85; A. Hartmann a.a.O. [Sp. 1090] S. 95, Abb. 99); als Triumph der Kunst über die Natur steht über dem Felsmassiv aus Fg. der Venustempel aus Sandstein (Unterbau mit Neptuns- und Vulkangrotte 1774, Rundtempel 1794 bis 1797 von F. W. von Erdmannsdorff; K. Lein a.a.O. [Sp. 1091] S. 57ff., Abb. 22), aus Fg. und Raseneisenstein ist der „Vulkan“ errichtet (s. Sp. 1090).

b. Innen

Putz. Ma. F. waren geschlemmt oder verputzt, unebenes Mauerwerk gelegentlich durch dicken Putz eingeebnet (nach Haupt [17, Bd. 5 S. 44] in Schleswig-Holstein nur ausnahmsweise), sog. Quadermauerwerk mit dünnem Putz überzogen ([10] S. 31; bei den sog. Vizelinkirchen wurde der Eindruck glatten Innenputzes durch die Mauertechnik erreicht, s. Sp. 1096).

Nur übertüncht war das Mauerwerk der Kirche von Sillenstede Krs. Friesland (M. 12. Jh.: [12] S. 41, oder beg. 1233: [10] S. 35). Sehr dünnen Kalkputz trugen die Mauern der Kirche in Dambeck Gde. Bütow Lkrs. Röbel (A. 13. Jh.: [15] Bd. 5 S. 529ff.). Nicht völlig geglättet ist der Putz der Kirche von Genzkow Lkrs. Neubrandenburg (E. 13. Jh.: [16] Bd. 1, 3, Amtsger.bez. Friedland S. 19).

Mit dickem Putz war die aus wenig sorgfältig behauenen Quadern und aus roh bearbeiteten Fg. aufgemauerte Innenschale der romanischen Kirche von Norderbrarup Krs. Schleswig versehen [27, S. 169], einigermaßen glattflächig gemacht die der Kirche Nordhackstedt Krs. Flensburg (spätes 12. Jh.: ebd. S. 171; [19] S. 306, Abb. 742). Gleichmäßig geglättet ist der Putz in den Kirchen von Haddeby Krs. Schleswig (um 1200: [17] Bd. 5 S. 44) und Groß Nemerow Lkrs. Neubrandenburg (14. Jh.: [16] Bd. 1, 3, Amtsger.bez. Stargard S. 196).

Mit Gipsmörtelputz sorgfältig geglättet waren die aus behauenen Fg. aufgeführte Apsis von Schenefeld Krs. Rendsburg-Eckernförde (um 831), die Kirche von Meldorf Krs. Dithmarschen (um 820, beide ergraben: [7] S. 121, 139, Abb. 15f.) und der Chor der Kirche von Barmstedt Krs. Pinneberg, dessen Apsis zusätzlich weißen Feinputz erhielt (um 1200; ergraben: [27] S. 206).

Architekturglieder können weißen Segeberger Stuckgips tragen: Kämpfergesims und Chorportal der Kirche von Süsel Krs. Ostholstein (E. 12. Jh.: [8] S. 140ff., Abb. 82f., vgl. S. 144, Abb. 86). Ein Sockelprofil zeigt die W-Seite der Kirche von Gudow Krs. Hzgt. Lauenburg (Kirche 2. H. 12. Jh.: Inv. Lauenburg S. 70).

Reste einer Stuckdekoration – Medaillons in Rechteckfeldern, mit Engelsköpfen – haben sich im Altarraum der prot. Kirche Klein-Wubiser/Objezierze Stare, Neumark, erhalten (um 1600: [14] Bd. 7, 1 S. 188ff., Abb.).

Quaderung durch Aufmalen der Fugen dürfte sehr viel häufiger gewesen sein, als gesicherte Befunde vorliegen: Chorbogen, Rundfenster und Schildbogen der Turmhalle sind durch gemalte Backsteinrahmen noch eigens betont an der Kirche von Neukirchen Gde. Malente Krs. Ostholstein (E. 12. Jh.: Peter Hirschfeld, Nordelbingen 26, 1958, S. 256). Quaderritzung ist selten (Turmgeschoß der Skanella Kyrka, wo auch die Sandsteinquader mit einbezogen wurden; um 1125: Inv. Schweden, Uppland 4 S. 418ff., Abb. 348; W-Giebel der Kirche von Estuna, 13. Jh.: ebd. Bd. 5, 2 S. 776ff., Fig. 627).

B. Geschichte

1. Kirchenbau

Die frühesten bekannten Kirchen aus Fg. gehören dem 9. Jh. an und liegen in Holstein: Saalbauten in Meldorf Krs. Dithmarschen, um 820, und Schenefeld Krs. Rendsburg-Eckernförde, um 831 (ergraben: [7] S. 113ff., 138ff.). Mauerreste aus karolingisch-ottonischer Zeit haben sich an der Martinskirche von Sievershausen Krs. Burgdorf erhalten (s. Sp. 1103). Um 950 wird die Peter- und Pauls-Kirche in Hermannsburg Krs. Celle datiert (Saalkirche mit eingezogenem Chor: J. Sommer a.a.O. [Sp. 1103f.] S. 86f.). Aus der 2. H. 10. Jh. stammt die Palastkapelle in Ostrov Lednicki (s. Sp. 1092). Baureste aus der Zeit um 1000 traten in Hittfeld Krs. Harburg zutage (Apsis, Chormauer: Claus Ahrens, Die Kirche in H., in: Führer zu vor- und frühgesch. Dkm., Bd. 7, Mainz 1967, S. 106f.). Wohl aus dem 2. V. 11. Jh. stammt der im Schleswiger Dom ergrabene Chor (s. Sp. 1092).

Aus Urkunden und Funden geht hervor, daß Fg.kirchen in der Frühzeit gegenüber Holzbauten in der Minderzahl waren; oft ersetzten sie Holzkirchen (so wurde z. B. zwischen 973 und 1013 in Heeslingen Krs. Zeven der Neubau „de lapidibus, qui in haec terra pauci habentur“, errichtet: Thietmari Chron. II, 26: Mon. Germ., Script. Nov. Ser. 9, S. 90; [28] S. 410; s. auch Otto Dellemann, Der ma. Bautypus der einräumigen Dorfkirchen Ostfrieslands, Diss. TH Hannover, Würzburg 1937, S. 36; [13] S. 91; [10] S. 35).

Die große Masse der Fg.kirchen gehört dem 12. und 13. Jh. an. Sie sind nach wie vor in der Regel Saalkirchen, oft mit eingerücktem quadratischem Sanktuarium und Apsis. Einige Beispiele, vielleicht von slawischen Anlageformen bestimmt, haben kein eigens akzentuiertes Sanktuarium, sondern nur eine unmittelbar dem Langhaus angesetzte Apsis: z. B. Kirche in Alt-Lübeck (nach 1093, 1138 zerstört: [8] S. 116ff., Abb. 65) und in Walddrehna (Wendisch Drehna) Krs. Luckau (14.–15. Jh.: [14] Bd. 5, 1 S. 119ff., Abb. 97f.). Auch basilikale Anlagen wurden errichtet (Bad Oldesloe Krs. Stormarn, vor 1164, im 13. Jh. verändert, 1757 abgetragen: [2] S. 83; [8] S. 122, Abb. 68; Pritzwalk, Bez. Potsdam, M. 13. Jh.: [14] Bd. 1, 2 S. 166; Vellahn Lkrs. Hagenow, roman., 1882–85 ersetzt: [15] Bd. 3 S. 86ff.; Bosau Krs. Ostholstein, beg. 1151, verändert E. 12. Jh.: Abb. 5, D. Ellger a.a.O. [Sp. 1095] S. 202ff.), sehr selten Rundbauten mit Rechteckchor (St. Georg in Schlamersdorf Krs. Segeberg, vor 1163, 1870 zerst.: [8] S. 154ff., Abb. 95f.; Michaelskirche in Schleswig, beg. 1. H. 12. Jh., 1870 eingestürzt: ebd.S. 162ff., Abb. 100f.).

Türme (oft Rundtürme) entstanden in einigen Landschaften (Holstein und Mecklenburg) gleichzeitig mit dem Kirchenbau (frühes Beispiel: Rundturm der Kirche von Warder Krs. Segeberg, beg. gegen 1156, verändert: [8] S. 131f.) und sind durch Öffnungen im Untergeschoß (z. B. Rundturm von Ratekau Krs. Ostholstein, um 1200: ebd. S. 149f., Abb. 91) oder im Unter- und Obergeschoß mit diesem verbunden (Rundturm der Kirche von Pronsdorf Krs. Segeberg, E. 12. Jh.: ebd. S. 134, Abb. 78, s. auch S. 177ff., Abb. 105). Meist wurden sie jedoch nachträglich – oft wohl anstelle hölzerner Glockentürme – zugefügt (z. B. Rundturm der Kirche von Översee Krs. Flensburg, um 1200: [17] N. F. Bd. 6 S. 261ff., Abb. 147; gotischer Rechteckturm in Schwesing Krs. Nordfriesland: [19] S. 445, Abb. 1182). Im Spät-MA entstand der Kirchturm von Walddrehna (Wendisch Drehna) Lkrs. Luckau, dessen Unterbau, von hohen Öffnungen durchbrochen, einer offenen Vorhalle gleicht (15. Jh. [?]:[14] Bd. 5, 1 S. 119, Abb. 98; [5] S. 23).

Der Wechsel vom Fg.bau zum sog. Granitquaderbau hat seine Voraussetzung in der Absicht, eine dem Werksteinbau entsprechende, möglichst glatte Außenwand zu erzielen. In dieser Technik entstanden meist einschiffige Bauten, aber auch Basilikaanlagen (Dom von Viborg: Francis Beckett, Danmarks K., Bd. 1, Kopenhagen 1924, S. 80ff., Abb. 87, 92, 96; Kirche in Vestervig, E. 12. Jh.: ebd. S. 115ff., Abb. 148f.; Schleswiger Dom, s. Sp. 1103). Entwickelt scheint man die Technik in Jütland zu haben, wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Bau des Viborger Doms, der, um 1130 begonnen, der älteste datierbare sog. Granitquaderbau ist.

Durch Inschrift ist die Kirche von Gjellerup 1140 datiert (ebd. S. 78). Von Jütland aus dürfte man die Granitquadertechnik in Ostfriesland, Jeverland (Klosterkirche in Östringfelde Krs. Friesland, bald nach 1147; Schortens Krs. Friesland, gestiftet 115 3: A. Kamphausen a.a.O. [Sp. 1088] S. 18; Sillenstede, 12. Jh.: C. Woebcken a.a.O. [Sp. 1103] S. 13; vgl. [12] S. 41, hingegen [10] S. 35: „1233“) und Schleswig übernommen haben, wo um 1180 der Dom mit sog. Granitquadern erweitert und z. T. neu umschalt wurde (s. Sp. 1103). Die Hauptbauzeit der ostfriesischen sog. Granitquaderkirchen beginnt wohl erst um 1200 und reicht bis M. 13. Jh. ([10] S. 35n“. datiert die Bauten um 1250 und später; vgl. dagegen [12] S. 31: 3. Dr. 12. Jh. bis 1. Jz. 13. Jh.; s. auch [13] S. 125).

Mag auch die Anregung von Dänemark gekommen sein, so war die Ausführung der Bauformen anders als dort. Es fehlen die reichen Profile, und die Fensterbögen sind aus mehreren Keilsteinen zusammengefügt, während sie in Jütland und Schleswig oft aus einem Stück gehauen sind. Portaltympana fehlen in Ostfriesland. Die Baudisposition – durchwegs Apsissäle – ist von der der jütländischen Kirchen völlig verschieden (vgl. Lem, Jütland: [18] S. 214, Abb. 74, mit Middels-Osterlog Krs. Aurich, 1. H. 13. Jh.: [12] S. 142f., Abb. 41f.).

Gegen und um 1200 sind die einschiffigen sog. Granitquaderkirchen (oft mit eingezogenem Chor, reichen Profilen und Apsisgliederungen) der Landschaft Angeln zu datieren (z. B. Kirche in Sörup: Abb. 4, und Husby, beide Krs. Flensburg: [17] N. F. Bd. 6 S. 203ff.). Einige Steine tragen, einem in Jütland oft anzutreffenden Brauch entsprechend, Bildreliefs (Kirche in Munkbrarup Krs. Flensburg, gegen 1200: ebd. S. 226ff., Abb. 121f.; Sörup: ebd. S. 307ff., Abb. 179f.), dem Mauerwerk frei eingefügt (Kirche von Husby Krs. Flensburg, gegen 1200: ebd. S. 202ff., Abb. 95).

Auch in Nordfriesland, auf dem Festland (z. B. Leck Krs. Nordfriesland, s. Sp. 1101) wie auf den Inseln (z. B. Kirche in Nieblum auf Föhr, E. 12. Jh., M. 13. Jh. mit Backstein neu aufgeführt), sind sog. Granitquaderkirchen anzutreffen, die in der Steinbearbeitung denen Jütlands und Angelns nahestehen, im Grundriß – langgestrecktes Rechteck mit halbrunder Apsis – denen in Ostfriesland ähneln. Die Datierungen bleiben weitgehend offen, 1240 waren die Föhrer Bauten vorhanden (A. Kamphausen a.a.O. [Sp. 1088] S. 18). Die Bauten im Ammerland (z. B. in Westenstede, Wiefelstede) zeigen Verwandtschaft zu ostfriesischen Kirchen, haben jedoch gelegentlich den differenzierten Grundriß mit eingezogenem Chor, wie er in Jütland und Schleswig üblich ist (1. H. 13. Jh.: Reclams K.führer Bd. 4, Stg. 1960, S. 736; vgl. [12] S. 41 Anm. 34).

Sog. Granitquaderkirchen sind auch in Brandenburg und Mecklenburg anzutreffen; sie gehören – meist weniger sorgfältig ausgeführt – dann der 2. H. des 13. und dem 14. Jh. an, sind also z. T. später entstanden als jene in den westlichen Nachbargebieten (Beisp.: ehem. Kirche in Belgen Krs. Königsberg i. d. Nm./Bialegi okr. Chojna, 13.–14. Jh.: [14] Bd. 7, 1 S. 122, Abb. XIV; Kirche in Brunn Lkrs. Neubrandenburg, A. 14. Jh.: [16] Bd. 1, 3, Amtsger.bez. Neubrandenburg S. 187; Neuenkirchen Lkrs. Neubrandenburg, M. 13. Jh.: ebd. S. 158ff., Abb. S. 160) und in Pommern (ehem. Templerkirche in Röhrichen/Rurka, 1. H. 13. Jh.: [11] S. 93, Taf. 3 Abb. 2; Plöwen Lkrs. Pasewalk, s. Sp. 1089).

Mit der Einführung des Backsteinbaus wurde auch an F. Backstein verwendet, für einzelne Bauglieder (s. Sp. 1100) wie schon früh zu Erweiterungen (Klosterkirche in Neumünster, Saalbau um 1130, durch Seitenschiff und Querhaus aus Backstein zu einer Basilika erweitert und 1163 geweiht, 1813 abgerissen: [8] S. 34ff., Abb. 3f.). Später, gegen M. 13. Jh., nutzte man ihn gleich für die Mauerinnenschale (z. B. Kirche in Tettens Krs. Friesland, M. 13. Jh.: [9] S. 59, s. auch [10] S. 36; O. Dellemann a.a.O. [Sp. 1100] S. 16; A. Kamphausen a.a.O. [Sp. 1088] S. 20) und – wie im Hausteingebiet – zu Wölbungen statt der ursprünglichen Holzdecken (z. B. Pakens Krs. Friesland, M. 13. Jh.: [9] S. 69f., Abb. 102, s. auch [5] S. 60). Reparaturen des Mauerwerks wurden fast ausschließlich in Backstein vorgenommen.

Im Allgemeinen hielt man für das Äußere länger am Fg. als Baumaterial fest. Der Grund liegt möglicherweise in der für die Verwendung an der Außenseite anfänglich unzureichenden Qualität der Backsteine, auch darin, daß Backstein für die Trockenheit der Mauern ungünstiger war.

Gegen E. 13. Jh. wurde der Fg. in weiten Gebieten durch den Backstein abgelöst, Fg.kirchen scheinen mehr in Dörfern errichtet worden zu sein (Bodenbedingungen und Bauaufgabe erklären die Verwendung des gewählten Baumaterials nicht immer: [8] S. 116; s. auch RDK IV 248. – Bei spätgotischen Fg.kirchen haben die Steine oft bisher nicht gebräuchliche Längen (im 12. und 13. Jh. sind die Regelmaße 40 cm Höhe zu 40 cm Breite, in spätgotischer Zeit finden sich Breiten bis zu 1 m).

Häufig enstanden Fg.kirchen während des 14. und 15. Jh. noch in Mecklenburg und Pommern (wohl oft Ersatz für Fachwerkbauten, so Inv. Pommern 2, 2 S. XIII, ebd. 2, 3 S. VIII): Saalkirchen mit geradem Chorschluß (Blenden besonders am O-Giebel und am Turm, s. Sp. 1100), seltener mit polygonalem (z. B. Kirchen in Bargensdorf Gde. Burg Stargard Lkrs. Neubrandenburg, E. 15. Jh.: [16] Bd. 1, 3 Amtsger.bez. Stargard S. 129, und Seefeld Krs. Satzig/Grzędzice okr. Stara Dąbrowa, spätma.: Inv. Pommern 2, 3 S. 100; H. Schulz a.a.O. [Sp. 1098] Abb. 80). Sie sind häufig aus nur wenig bearbeiteten Fg. errichtet: auffälliges Beisp. die Pfarrkirche von Groß-Borckenhagen Krs. Regenwalde/Borkowo Wielkie okr. Lobzów, um 1500 (Inv. Pommern 2, 3 S. 303, Abb. 1f.). Bis ins 17. Jh. hinein sind in Pommern Fg.kirchen errichtet worden: in Pansin Krs. Satzig/Pęzino okr. Stara Dąbrowa, 2. Dr. 16. Jh (ebd. S. 52, Abb. 35f.), Damshagen Krs. Schlawe/Damasłowice okr. Slawno, 16. Jh. (H. Schulz a.a.O. S. 81; Dehio II S. 98), Voigtshagen Krs. Naugard/Wojtaszyce okr. Nowogard, nach 1600 (Inv. Pommern 2, 3 S. 277, Fig. 73f.).

Aus Ersparnisgründen wurden Fg. als Einsprengsel in Backsteinmauerwerk (s. Sp. 1099) vor allem in Pommern, Mecklenburg und Brandenburg noch verwendet, oft nur für angebaute Vorhäuser.

In den übrigen Gebieten ist spätestens mit dem Ende des MA die Tradition des Kirchenbaues aus Fg. abgerissen (spätes Beisp. in Schleswig-Holstein die Saalkirche in Jordkirch Amt Apenrade, 1520–22, s. Sp. 1088).

Doch verwendete man weiterhin durch Abbruch von Vorgängerbauten oder anderer Kirchen gewonnene zugerichtete Fg. besonders für Sockel und untere Teile der Mauern (z. B. Alte Kirche in Westerland Krs. Nordfriesland, 1635–37, wo sog. Quader eines roman. Baues [von der zerst. Kirche in Eidum?] benutzt wurden: [17] N. F. Bd. 4 S. 11, 385).

Im 17., mehr noch im 18. Jh. verblendete man die Wetterseiten von Backsteintürmen. Der spätgot. Turm von Grundhof Krs. Flensburg wurde 1699 teilweise mit rohen Granitquadern verkleidet und unter Verwendung eines alten Granit-Türrahmens ein pseudo-roman. Portal geschaffen: ebd. N. F. Bd. 6 S. 175ff., Abb. 64f. In Adelby Krs. Flensburg wurde der 1726 errichtete W-Turm und die Verlängerung des Schiffs an der SW-Seite mit 1774 angekauften Fg.quadern 1775 –1780/81 verblendet (ebd. S. 90; Abb. 14).

Allgemein erfreute sich seit der 2. H. 18. Jh. der Fg.bau hier und da wieder der Anerkennung. Es kam zu Restaurierungen und Erweiterungen, zu denen man nicht mehr Backstein benutzte, sondern wo man auf Materialgleichheit bedacht war; z. B. wurden bei der durch Brandzerstörung notwendig gewordenen Erneuerung der prot. Kirche von Grundhof Krs. Flensburg 1757 bis 1763 durch Tobias Wendler die Kanten mit Quadern erneuert und die Erhöhung von Schiffs- und Chorwänden mit Fg. vorgenommen (ebd. Abb. 64). Wendler schuf 1772 auch die Granitquaderkirche in Ostenfeld Krs. Nordfriesland (Saalkirche mit Rechteckchor), die einen roman. Backsteinbau ersetzte (Turm 1801/02 von Grevenstein und Green: ebd. N. F. Bd. 2 S. 200ff., Abb. 33f.).

Andere Beispiele von F., die nun gelegentlich wieder errichtet wurden, sind: die Kirche in Siebeneichen Krs. Hzgt. Lauenburg, ein Saalbau mit beiderseits dreiseitigem Abschluß und Rechteckturm, 1751–53 von Joh. Paul Heumann [19, S. 393, Abb. 1004], die Kirche in Warlitz Lkrs. Hagenow von 1765 (mit Eckverzahnung aus Sandstein: [15] Bd. 3 S. 36ff.; G. Holtz a.a.O. [Sp. 1092] Abb. 134f.). Aus gesprengten Fg. wurde 1758 der achteckige Zentralbau in Wittenhagen Lkrs. Neustrelitz errichtet [16, Bd. 1, 2 S. 113f.]. Ein Rundbau ist die nach 1820 fertiggestellte Kirche in Gersdorf Krs. Dramburg (Gawroniec okr. Drawsko Pomorskie: H. Schulz a.a.O. [Sp. 1098] S. 64, Abb. 154). 1811 gew. wurde die nach Entw. von Miethof errichtete Andreaskirche in Sahms – ein längsrechteckiger Bau mit Walmdach [19, S. 386, Abb. 980]. 1818/19 entstand nach Entwurf von Pampel die Kirche in Gülzow, ebenfalls Hzgt. Lauenburg (ebd. S. 340, Abb. 857), und um 1820 die Kirche in Maulbeerwalde Lkrs. Wittstock (mit gotisierenden Fenstern: [14] Bd. 3, 1 S. 153; [14 a] S. 432). Bei einigen dieser Bauten, besonders in Wittenhagen und Gülzow, ist das unverputzte Fg.mauerwerk durch den Gegensatz zu verputzten Fenster- und Portaleinfassungen, Kanten, Gesimsen und dergleichen betont (s. Sp. 1107). – Ab dem 2. Dr. 19. Jh. hat man Fg.mauerwerk ma. Bauten häufig mit dicken Kalklagen oder Zementschichten überzogen.

2. Profanbau

Wehrbauten wurden im MA häufig aus Fg. errichtet, in großem Umfang aus fortifikatorischen Gründen auch dann noch, als für den Kirchenbau in den Städten Backstein sich durchgesetzt hatte (z. B. Stadtbefestigung in Templin, beg. um 1250, bis M. 15. Jh.: [14] Bd. 3,2 S. 150ff., Abb. 339ff.; weitere Beisp.: [5] S. 20). Häufig mauerte man nur die unteren Teile von Stadt- und Wehrtürmen aus Fg. (z. B. Anklamer Tor in Friedland, das erste Steintor der Stadt: Abb. 11). – Die Ordensburg Bütow/Bytów, begonnen kurz nach 1390 (1650 beschädigt, im 19. und 20. Jh. renoviert), besteht großteils selbst aus Backstein (Inv. Pommern N. F. Bd. 1 S. 137ff., Taf. 33, 35, 39, 45f.). Aus Fg. gemauert waren die mehrgeschossigen Gebäude und der Bergfried des ehem. bischöflichen Schlosses Ziesar, begonnen 2. H. 15. Jh., verändert (Inv. Prov. Sachsen 21 S. 251ff., Abb. 76). – Im Spät-MA wurde auch das Backsteinmauerwerk für Wehrbauten mit Fg. untermischt (z. B. Turm der Burg Galenbeck Lkrs. Neubrandenburg, 15. Jh., s. Sp. 1099).

Für den Wohnbau wurden Fg. selten verwendet, „weil dergleichen Gebäude gern die Stockung befördern, indem die Feldsteinwände nicht leicht die Feuchtigkeit durchlassen, also sowohl der Gesundheit als auch den Möbeln etc. schädlich sind“ [1, S. 645].

Vielleicht zu einem Kloster des 15. Jh. (?) gehören die Arkadenreste eines Hauses in Berlin-Spandau (Inv. Bln-Spandau S. 313, Abb. 405f.). Das Amtshaus in Badingen Lkrs. Gransee, wohl 16. Jh., ist ein zweistöckiger Bau aus unregelmäßigem Gefüge von Fg. und Backsteinen ([14] Bd. 3, 2 S. 51f., Abb. 49, 165; [14a] S. 99). Von 1732 ist das ehemalige Gutshaus in Lanken Gde. Elmenhorst Krs. Hzgt. Lauenburg [19, S. 347]. In Wolfshagen Lkrs. Strasburg wurden um 1830–40 Wohn-, Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude (Einnehmerhaus, Schmiede, Gasthaus u. a.) aus rohen, unregelmäßig verlegten Fg. aufgeführt und mit Backsteinblenden in gotisierendem Stil versehen (Abb. 16; Dehio, Neubrandenburg, Rostock, Schwerin S. 461).

Wie beim Kirchenbau, so wurden auch im Wohn bau oft (besonders seit der 2. H. 16. Jh.) Backsteinbauten über einem Fg.sockel aufgeführt.

Das Wasserschloß Glücksburg Krs. Flensburg, 1582 bis 1587 von Nikolaus Karies errichtet, steht auf einem Granitsockel, dessen erste beiden unter Wasser liegenden Schichten aus sorgfältig behauenen Quadern (vermutlich vom abgebrochenen Rüdekloster, A. 13. Jh.), die darüber liegenden Schichten aus rohen Quadern bestehen [17, N. F. Bd. 6 S. 146ff., 286, Abb. 277f.]. Wohl aus dem 16. Jh. stammt auch der Unterbau aus länglichen Fg.quadern des Herrenhauses in Ludwigsburg Krs. Rendsburg-Eckernförde (ebd. N. F. Bd. 5 S. 247ff.; [19] S. 205f., Abb. 469), von 1743 ist der Unterbau des Torhauses von Güldenstein Krs. Oldenburg (ebd. S. 505, Abb. 1355). Auch Bauernhöfe konnten Sockel oder Keller aus Fg. besitzen (z. B. Arlewatthof in Arlewatt Krs. Nordfriesland, 1735: ebd. S. 401, Abb. 1032; Oldenburger Haus in Altluneberg Krs. Wesermünde, vor 1671: Inv. Hannover 5,2,2 S. 29, Taf. 15 c).

Verbreiteter als Wohnbauten dürften mit Fg. errichtete Nutzbauten gewesen sein (z. B. Kornspeicher und Roggenscheune in Lanken, 1732, s. Sp. 1104; vgl. [1] S. 645).

Im 18. und 19. Jh. wurden Gartenarchitekturen häufig aus rohen, unbearbeiteten Fg. errichtet und kamen so in besonderem Maße der Zeitforderung nach, Ursprünglichkeit und Einfachheit auszudrücken (Eremitage in Marienwerder Krs. Hannover, kurz vor 1770; Hermannsbleiche bei Sorau, zw. 1770 und 1790, s. Sp. 1107) oder selbst Felsen und Grotten darzustellen (Grotten in Traventhal Krs. Segeberg, s. Sp. 1107f., Garzau bei Berlin, vor 1790: Leopold von Reichenbach, Einige Bemerkungen über die Gärten in der Mark Brandenburg, Bln. 1790 [Neuausg.: Paul Ortwin Rave, Des Landrats L. v. R. Märk. Gartenbüchlein, Bln. 1940], S. 29; Flensburg, vor 1811, s. Sp. 1091; zu Wörlitz s. Sp. 1108 und Abb. 15).

Die Meierei und der Federviehstall auf der Pfaueninsel bei Potsdam ist ein Putz- bzw. Backsteinbau in Gestalt einer gotischen Kirchenruine, Fenster und Vorlagen bestehen aus unverputzten Fg. (Entw. von Joh. Gottl. Brendel: Gg. Poensgen und Walter Effenberger, Die Pfaueninsel, Bln. 19718, S. 14f., Abb. 17).

Denkmäler aus Fg. empfiehlt C. C. L. Hirschfeld a.a.O. (Sp. 1104) S. 170.

Der Upstalsboom, das „Nationalheiligtum der Friesen“, wurde 1833 in Rahe bei Aurich in Form einer Pyramide aus Fg. errichtet (Eberh. Lutze, Ostfriesland, Mchn. und Bln. 1967, S. 52, Abb. 7).

Im Park von Garzau wurde 1783 auf einer Insel ein Grabhügel aus Fg. aufgeschichtet, der eine Urne mit einem trauernden Genius aus weißem Sandstein trug (L. v. Reichenbach a.a.O. S. 22, vgl. ebd. S. 28).

III. Bauten aus erratischen Blöcken

1. Als e. B. werden die einzeln liegenden und oft in Moränen gefundenen großformatigen Fg. im s. Mitteleuropa, bes. in der Schweiz, bezeichnet. Es sind frostbeständige, grobklüftige Gesteine, die im jeweiligen Einzugsgebiet eiszeitlicher Gletscher anstanden und von diesen transportiert wurden (aus dem Sprachgebrauch erwachsende terminologische Unsicherheiten – s. Sp. 1086 – schlagen sich in den folgenden Abschnitten besonders nieder).

In der Schweiz sind es verschiedene Kalksteinarten (Malm-, Kieselkalke), Flyschsandsteine (z. B. Taveyannasandstein), rote Brekzien (Sernifite, Ackersteine) und Granite: Francis de Quervain und Max Gschwind, Die nutzbaren Gesteine der Schweiz, Bern und Zürich 19492, S. 160ff.; Richard Neumann, Geologie für Bauingenieure, Bln. und Mchn. 1964, S. 128; für das bayerische Voralpenland („Wandersteine“) siehe: Franz Anton Geist, Bayerland 9, 1898, 413ff.

2. Mauertechnik. Bauwerke ausschließlich aus e. B. sind nicht bekannt. In der Regel wurden e. B. für die Außenschale von Wehrbauten und Türmen gewählt; Architekturglieder, Innenschale (oder deren Verblendung), teilweise auch die Außenschale konnten aus anderen Materialien sein.

Mauern aus z. T. riesigen, vorwiegend unbearbeiteten, rundlichen (buckeligen) e. B. gehören dem MA, bes. der Zeit um 1000 bis 1300, an (frühes Beisp. der Turm in Mörsburg, beg. vor dem 9. Jh.: Inv. Schweiz 27, Kt. Zürich 6 S. 271ff., Abb. 200ff.; Teile von Schloß Frauenfeld aus dem 15. Jh.: Joh. Rud. Rahn, Die ma. Archit.- und Kdm. des Cantons Thurgau, Frauenfeld 1899, S. 145; Hans Jenny [Hrsg.], K.führer durch die Schweiz Bd. 1, Wabern 19715, S. 608). – Der Turm von Schloß Liebenfels in Mammern ist an der Basis aus mächtigen, z. T. 1 m h., 1,5 m langen, mit zunehmender Mauerhöhe dann an Größe abnehmenden e. B. – dies ist die Regel – gebaut; auf der Innenseite bilden kleinere Blöcke regelmäßige Lagen (M. 13. Jh., Fachwerkaufbau im 16. Jh. durch Staffelgiebel ersetzt: J. R. Rahn a.a.O. S. 250ff., Abb. 126ff.; H. Jenny a.a.O. S. 674f.). Ähnliches Mauerwerk, doch mit Ausgleichsschichten, zeigen NO- und NW-Seite des Turms von Schloß Greifensee, Kt. Zürich (13. Jh.: Hans Leuzinger, Das Schloß G., Zs. f. schweiz. Arch. und Kg. 16, 1956, 207–34, bes. S. 218 und Taf. 98). Auf einem Sockel aus riesigen Blöcken – der größte Stein 2,25 m l. – erhebt sich das nur im unteren Teil sorgfältig geschichtete Mauerwerk des Turmes von Schloß Mammertshofen, Kt. Thurgau; manche Steine ragen bis 90 cm über die Mauerflucht (Innenseite aus lagerhaft verlegten kleineren e. B. und Sandsteinbrocken; 13. Jh., hölzerner Obergaden 16. Jh.: Abb. 18 b; J. R. Rahn a.a.O. S. 281ff., Abb. 141ff.; H. Jenny a.a.O. S. 652). Regelmäßiger und mehr auf eine ebene Mauerflucht bezogen ist das Mauerwerk des Schloßturms von Frauenfeld (Innenschale Sandsteinquader; um 1200: J. R. Ruhn a.a.O. S. 140ff.; Inv. Schweiz 23, Kt. Thurgau 1 S. 62ff., Abb. 48ff.).

Andere Materialien wurden bei Umbauten zusätzlich verwendet: Sandstein am SO-Turm von Schloß Wellenburg (16. oder frühes 17. Jh.: ebd. S. 444, Abb. 348); Bollen, Bruchsteine und Backsteine in kleinformatigem Gefüge, dazu Sandstein als Eckquader am Turm von Schloß Hagenwill (beg. 1. H. 13. Jh.: ebd. 48, Kt. Thurgau 3 S. 464ff., Abb. 408ff.).

Von solchen Bauwerken sind die zu unterscheiden, die auch an der Außenseite aus ebenen, mit der Mauerfläche bündigen e. B. gebildet werden.

Dies gilt z. B. für den unteren Teil des Turmes der ref. Kirche in Kilchberg, Kt. Zürich (um 1140: F. de Quervain, Vjschr. der naturforsch. Ges. in Zürich 107, 1962, 1–16, bes. S. 5f., Abb. 3; H. Jenny a.a.O. S. 794), den Bauernhof mit Wehrcharakter in Salouf (ma.: Christoph Simonett, Die Bauernhäuser des Kt. Graubünden, Bd. 1, Basel 1965, S. 108, 107, Abb. 277), den Kirchturm der kath. Pfarrkirche St. Martin in Arbon, Kt. Thurgau, dessen Mauerwerk aus nicht sehr großen e. B. und unregelmäßigen Sandsteinbrocken besteht (innen Bruchsteine, Bruchsteinquader und e. B.; 1457, 1895 verändert: J. R. Ruhn a.a.O. S. 39, Abb. 16; H. Jenny a.a.O. S. 653), den Turm der Pfarrkirche in Arnach Krs. Wangen (um 1500, Erdgeschoß älter: Inv. Württ. 2, ehem. Krs. Waldsee S. 67f.) und das Wohn-Stall-Haus in Matting bei Regensburg (17. Jh.: Hinweis Torsten Gebhard; Abb.: ders., Der Bauernhof in Bayern, Mchn. 1975, Abb. 106).

Seltener wurden sog. Quader vermauert, gewonnen aus gespaltenen e. B., den sog. Granitquadern in Norddeutschland in der Zurichtung gleich (vgl. Sp. 1088f.).

Man verwendete sie z. B. am Chor des Großmünsters in Zürich (1100–07: Abb. 17; Hans Wiesmann, Das Großmünster in Z. [= Mitt. der Antiquar. Ges. in Z., Bd. 32, 1], Zürich 1937, S. 16, Taf. 6 Abb. 1; F. de Quervain, Zs. für schweiz. Arch. und Kg. 23, 1963–64, 23), am Kirchturm und an den Strebepfeilern von St. Leonhard (1430: Weingartner, Südtirol, 1923, Bd. 1 S. 134f.) sowie an anderen Bauten im Eisacktal (Raimund von Klebelsberg, Veröffn. des Mus. Ferdinandeum 20–25, 1940–45, 251f.).

Für Kanten benutzte man nicht selten e. B. (Turm von Frauenfeld, s. oben, mit sorgfältigen Stoßkanten und z. T. auch Lagerfugen), häufiger jedoch anderes Material: Tuff am Turm von Mörsburg (1. Stock 9.–11. Jh., 3. Geschoß nach 1250: Inv. Schweiz 27, Kt. Zürich 6 S. 278, Abb. 200ff.), sorgfältig gehauene, eng gefügte Sandstein-Buckelquader am Turm von Greifensee (H. Leuzinger a.a.O. [Sp. 1118] S. 218, Taf. 88 Abb. 7). – Gleiches gilt für Fenster, Portale u. ä.: Hochrechteckschlitz aus unbehauenen e. B. am SO-Turm von Schloß Wellenburg (13. Jh.: Inv. Schweiz 23, Kt. Thurgau 1 S. 444); mit Saumschlag versehene e. B. am Portal des Frauenfelder Turms (um 1200: J. R. Ruhn a.a.O. S. 141, 143f., Abb. 76); dagegen sind am Turm von Mammertshofen Tür- und Fenstereinfassungen aus sandsteinernen Buckelquadern sorgfältig gefügt, im Gegensatz zum ungleichmäßigen Mauerwerk (13. Jh.: Abb. 18 a; ebd. S. 282), Portale und Fenster aus Sandstein in das noch 1520 erneuerte Mauerwerk aus e. B. des Turms in Greifensee eingesetzt (H. Leuzinger a.a.O. S. 222). Am Kirchturm in Arbon – s. Sp. 1119 – ist auch das Gesims aus sorgfältig gearbeiteten Sandsteinquadern gebildet; Sandsteinquader wurden für die Architekturglieder und zu Mauerverblendungen am Chor des Großmünsters in Zürich verwendet (s. Sp. 1120).

Gelegentlich nutzte man e. B. auch sonst am Bau.

Am Portal im N-Turm des Konstanzer Münsters sind e. B. als Keilsteine verwendet (zw. 1084 und 1110: [21] S. 205f., Abb. 137 i). Die granitenen Säulenmonolithe in der Krypta der ehem. Stiftskirche St. Zeno in Isen Krs. Erding gelten als „Findlinge“ (E. 12. Jh.; Basen und Kapitelle Tuff oder Kalkstein: Dehio-Gall, Obb. S. 398). Im Eisacktal nutzte man e. B. (Grassteiner- und Pfalzner Granit) für Säulen und andere Steinmetzarbeiten, z. B. für den Ansitz Ansiedl bei Bruneck, 16. Jh.: R. v. Klebelsberg a.a.O. S. 252; Weingartner, Südtirol, 19735, Bd. 1 S. 313.

Zu e. B. im Ksl.mauerwerk s. Sp. 1125.

IV. Bauten aus Kieseln

Ksl. (-steine, Kieslinge, Fluß-, Bollensteine, Bachkugeln, „-katzen“, Flußwacken, „Flußbummerl“) sind von Wasserläufen transportierte Gerölle, die aus Flüssen, Bächen und Seen (besonders in den Mündungsaufschüttungen) gewonnen, aber auch von (Fluß-)Terrassen und Schotterflächen abgebaut werden. Sie haben durch Abreibung entstandene rundliche Form bei glatter Oberfläche, sind also von Natur nicht lagerhaft. Durch den Wassertransport werden die widerstandsfähigen Gesteine ausgelesen und mit zunehmender Entfernung vom Ursprungsort mit harten Mineralien, besonders Quarz, angereichert, gleichermaßen verlieren sie an Größe.

Auf der N-Abdachung der Alpen ist das Material der Ksl. Kalk, Flyschsandstein, Quarzite, Hornsteine aus dem Nagelfluh u. a.

Bemerkenswert vielartig sind die Ksl., die im Bodenseegebiet für Bauten verwendet wurden: Quarzite, feste Sandsteine und Brekzien aus dem Flysch, aus Bündnerschiefern und dem Verrucano; Kalksteine, Sand- und Kieselkalke, Radiolarite, Serpentine, Amphibolite, Grünschiefer, Aaregranite und verschiedene Gneise von Vorder- und Hinterrhein sowie Albula; sandige Kalkschiefer, Kalke, Dolomite und kristalline Gesteine (F. de Quervain und M. Gschwind a.a.O. [Sp. 1117] S. 165–87; R. Neumann a.a.O. [Sp. 1117] S. 103ff.).

In Dänemark verbaute man häufig den „Fraasteen“, einen Kalksinter, der dort irreführend auch Quelltuff genannt wird [3, S. 20f.].

A. Technisches

1. Mauerung

a. Ksl. wurden in der Regel in horizontalen Schichten verlegt, entweder in voller Mauerstärke oder als Außen- und Innenschalen.

Beisp. für ersteres Verfahren: St. Georg in Reichenau-Oberzell, beg. zw. 888 und 896 [21, S. 143, Taf. 82 c]; ehem. Klosterkirche Wagenhausen, Kt. Thurgau, gegr. 1083 [23, S. 215]; erster Bergfried auf dem Lindenhof in Zürich, E. 11. Jh./A. 12. Jh. (Emil Vogt, Der L. in Z., Zürich 1948, S. 104ff., Taf. 25). Beisp. für Schalenmauerung: Mauerwerk des 4. wie des 11.–12. Jh. auf dem Lindenhof in Zürich (ebd. S. 39, Taf. 10, 27); Querhausmauern des zweiten Münsters in Weingarten, E. 12. Jh., wo die Höhe der Bänke an den Gerüstlöchern ablesbar ist; im oberen Teil bildet Tuff die Außenschale, als Füllmaterial wurden Mörtel und Ksl. eingestampft [25, S. 259].

Häufig fehlt es an Angaben über Mauerungsverfahren, so daß nur die Maueraußenseiten beurteilt werden können.

Etwa gleich große, meist kugelige Ksl. sind an der ref. Kirche von Dießenhofen, Kt. Thurgau, in wenig Mörtel zu regelmäßigen Bahnen geschichtet (12. Jh.: Hans R. Sennhauser, Unsere Kdm. 20, 1969, 196ff., Abb. 7); in ungleich hohen Schichten liegen Steine verschiedener Größe und Form in viel Mörtel am Hochschiff der Klosterkirche Schienen (11. Jh.: Knoepfli, Bd. 1 S. 286; mit Dat. M. 9. Jh.: [20] S. 180, Taf. 115 b); große, vorwiegend längliche Steine, vereinzelt hochgestellt, wurden am W-Bau des Marienmünsters in Reichenau-Mittelzell verwendet (gew. 1048: [21] Taf. 33c; [26] S. 87, Abb. 209ff.). Das Mauerwerk des dortigen alten Klostertrakts zeigt u. a. auch niedrige Schichten plattiger und kurze Abschnitte schräg liegender Steine („Rollschichten“), um bei kleinerem Format die Schichthöhe halten zu können (1. H. 11. Jh.: ebd. S. 76; Abb. 23). Manchmal wurden Steinschichten gegenläufig zu ährenförmigem Verband – „opus spicatum“ – gefügt (Vorhalle von St. Peter und Paul in Reichenau-Niederzell, M. 12. Jh.: [21] S. 170, Taf. 109a).

Um möglichst ebene Mauerflächen zu erreichen, wurden Ksl. häufig mit ihrer am wenigsten gekrümmten Seite nach außen verlegt und gelegentlich gespalten oder „geköpft“: Brunnenhaus in Seeb bei Winkel (1. H. 12. Jh. [?]: Zürcher Dpfl. 3, 1962/63, 107f. mit Abb.), Kastellmauer des 4. Jh. auf dem Lindenhof in Zürich (E. Vogt a.a.O. [Sp. 1123] S. 39, Taf. 10), Heitobau des Marienmünsters auf der Reichenau (gew. 816: [26] S. 40), alter Klostertrakt in Reichenau-Mittelzell (s. oben), ehem. Klosterkirche Wagenhausen (gegr. 1083: [23] S. 215, Taf. 64), St. Jakob in Urschalling Krs. Rosenheim (2. H. 12. Jh.: Abb. 25, Walter Haas, 25. Ber. des Bayer. LA für Dpfl. 1966, 154f.), Chor der Kirche von Elgg (nach 1370: Zürcher Dpfl. 4, 1964/65, 47); wenig zugehauen waren die Ksl. an den Bauten I (8. Jh.) und III (um 1200) der ref. Kirche in Mettmenstetten (ebd. 2, 1960/61, 64ff.).

An manchen Bauten wurden Ksl. mit anderen Materialien untermischt.

Häufig mit Bruchstein: Ringmauer in Arbon, Kt. Thurgau, 13.–14. Jh. (J. R. Rahn a.a.O. (Sp. 1118] S. 35), Pfarrkirche in Tiefenbach, voll. 1504 (Inv. Bayern, Schwaben 8 S. 896ff.), Konstanzer Münster, um 1000 und nach 1052 (Inv. Südbaden 1 S. 30, 35, 90, 94, 96, 99, Abb. 19ff., 84f.), Filialkirche in Liebenstein, 1661–71 (Abb. 30), und Tuff: ergrabene Apsis des Baues I der Pfarrkirche von Suhr, Kt. Aargau; Außenkrypta des Baseler Münsters, karol. [28, S. 327, 33f.]; an St. Georg in Reichenau-Oberzell stehen die Blöcke vereinzelt in den Hochschiffwänden, gehäuft am Turm und im W-Giebel und dominieren in der Schale der Apsis (beg. zw. 888 und 896, nach [21] S. 149 um 1000; vgl. ebd. Taf. 88 a); die Innenseite des s. Seitenschiffs des roman. Münsters in Weingarten besteht im unteren Abschnitt aus Ksl. mit vereinzelten Tuffen; darüber bilden Ksl. und Tuffe einen Kleinquaderverband, der wohl durch ein Tuffband (heute Backstein) abgeschlossen war; wie an der Querhausmauer (s. Sp. 1123) ist also der Anteil des Tuffs oben höher (E. 12. Jh.: [25] S. 226, Abb. 4). Tuffquader und Ksl. auf der Außenseite, auf der Innenseite im unteren Teil Ksl., darüber Tuff, zeigen die roman. Türme der Klosterkirche Seeon Krs. Traunstein (Inv. Bayern, Obb. 2 S. 1835ff.).

Weniger häufig mischte man Ksl. mit Backstein (Baptisterien in Agliate und Biella, um 900 bzw. um 1040: (20] Bd. 2 S. 30ff., 119ff., Bildbd. Taf. 5,5 und 24,2; w. Anbau von St. Nikolaus in Obergailingen im Hegau, 1610: [21] S. 348), Sandstein (in Blöcken zusammen mit Backstein am Chor von St. Leonhard in Landschlacht, Kt. Thurgau, um 1430: [21] S. 390) und e. B. (Nikolauskap. in Degenau, Kt. Thurgau [s. Sp. 1129]; roman. Kirche in Tuggen, Kt. Schwyz, wohl Material von Bau I, gegen 700: Walter Drack, Zs. für schweiz. Arch. und Kg. 22, 1962, 165). Die spätkaroling. Pfarrkirche in Orsbeck zeigt die Verwendung von Sandstein- und Ortssteinbrocken sowie römischer Backsteine in regellosem Gemisch zusammen mit Ksl. (Abb. 20; [24J S. 77).

Wurde Reparatur von Ksl.bauten erforderlich, besorgte man diese gewöhnlich in anderem Material (plattiger Bruch- und Sandstein im 16. Jh. an W- und S-Wand der Nikolauskapelle in Emmereis Krs. Oberallgäu, 12.–13. Jh.: Abb. 26; Inv. Bayern, Schwaben S S. 237ff.; Tuff in got. Zeit an der St. Georgskapelle, 13. Jh., in Gerlikon: Inv. Schweiz 23, Kt. Thurgau 1 S. 207f. Abb. 148f.); entsprechend verfuhr man bei baulichen Veränderungen (so wurde z. B. in spätgot. Zeit der roman. Turm von St. Martin in Seefeld mit Bruch- und Backstein erhöht [21, S. 372ff.].

Architektonische Gliederungen wurden oftmals aus anderem Material gefertigt und dem Ksl.mauerwerk vorgeblendet, z. B. Lisenen, Konsolen, Säge- und Kreuzbogenfries aus Tuff bzw. Sandstein an der s. Umfassungsmauer des roman. Münsters in Weingarten (E. 12. Jh.: [25] S. 257ff.), Vorlagen aus Backstein am Baptisterium in Biella (um 1040: [20] Bd. 2 S. 119ff., Bildbd. Taf. 24,2).

Nur in Sonderfällen stellte man die Gliederungen aus bearbeiteten Ksl. her (z. B. Friesbögen am NO-Flügel des Querhauses des Konstanzer Münsters aus 6–7 Segmenten, um 1000: [21] S. 191f., Taf. 133 b, c, 134). Häufiger mauerte man sie aus unbearbeiteten Ksl.

Beisp.: Sockel der Schatzkammer in Reichenau-Mittelzell (12. Jh. auf älterem Teil: [26] S. 97f., Abb. 175f.); Rundbogenfelder der prot. Kirche in Höllstein Krs. Lörrach (teilweise erhalten, 2. H. 11. Jh., wohl unter Verwendung von Sandsteinbrocken: Karl List, Nachr.bl. der Dpfl. in Baden-Württ. 10, 1967, 31–35, Abb. S. 34); Lisenen (mit Hilfe von Werksteinen) am Querhaus des Heitobaues in Reichenau-Mittelzell (gew. 816: [26] S. 37, Abb. 196, 245f.); Lisenen und Rundbögen an der ehem. Klosterkirche Romainmôtier, Kt. Waadt (vor 1030, röm. Handquader in den oberen Zonen: [28] S. 287; Abb. 22; Hans Rud. Sennhauser, R. und Payerne, Basel 1970, Abb. 14f., 55), an St. Nikolaus in Obergailingen (11.–12. Jh.: [21] S. 347ff., Taf. 236f.), an der Apsis von S. Vincenzo in Galliano di Cantù (gew. 1107: [20] Bd. 2 S. 439ff., Bildbd. Taf. 99 Abb. 1f.); Rundbogenfries am Baptisterium in Agliate (s. oben).

Nur gelegentlich wurde Ksl. auch für Bauglieder verwendet.

Für Kanten im unteren Teil des ehem. Wehrturms in Tobel (13. Jh.: Inv. Schweiz 34, Kt. Thurgau 2 S. 342f., Abb. 324); große „Binder“ in der Vierung in St. Georg in Reichenau-Oberzell (beg. zw. 888 und 896: [28] S. 282f.); für Fenstereinfassungen am Heitobau des Marienmünsters in Reichenau-Mittelzell (z. T. mit Holzrahmen und kleinen Tuffsteinen; gew. 816: [26] S. 37, 40, Abb. 196f., 254), Portale und Fenster an S. Fedelino in Lago di Mezzola (um 1000: [20] Bd. 2 S. 477ff., Bildbd. Taf. 102 Abb. 1), Arkaden- und Entlastungsbögen im W-Bau des Marienmünsters in Reichenau-Mittelzell (gew. 1048: [21] S. 110, Taf. 46; Abb. 24; [26] Abb. 212).

Gewölbe wurden in der Regel in der Weise hergestellt, daß man auf eine über Schalung gegossene dicke Mörtelschicht Ksl. legte, z. B. Tonnengewölbe im W-Bau des Marienmünsters in Reichenau-Mittelzell [26, S. 89, Abb. 209f.]; vgl. auch das Tonnengewölbe in der Grabkammer der Stephanskirche in Chur (vor oder um M. 5. Jh.: [28] S. 53; Walther Sulser und Hilde Claussen, St. Stephan in Chur [= Veröffn. des Inst. für Dpfl. an der Eidgenöss. Techn. Hochschule Zürich, Bd. 1], Zürich 1978, bes. S. 37, Abb. 9, S. 153) und das Gewölbe der Krypta des Konstanzer Münsters, zu dem auch Bruchstein verwendet wurde (um 1000: [21] S. 187f., Taf. 143f.; dagegen im Kern 7.–8. Jh. und Erweiterungen: [26] S. 55f., Inv. Südbaden 1 S. 25ff.). – An manchen Ksl.bauten sind die Gewölbe aus Tuff, z. B. in der ehem. Klosterkirche Därstetten, Kt. Bern (E. 12. Jh.; Günther Will, Unsere Kdm. 18, 1967, 19f.; Zugänge des Wehrturms in Tobel: s. Sp. 1127).

b. Um höhere Festigkeit zu erreichen, durchzog man gelegentlich das Ksl.mauerwerk mit Bändern aus Hau- und Backstein, seltener aus Bruchstein (z. B. an der Ruine Fluhenstein bei Sonthofen, wo Lagen größerer Ksl. mit Lagen plattiger Bruchsteine und kleinen Ksl. wechseln, 14. Jh.: Inv. Bayern, Schwaben 8 S. 852, Abb. 732), und mauerte aus diesem Material Kanten des Baues, Fenster- und Portaleinfassungen, Arkadenbögen und dgl.

Von Backstein- und Tuffquaderbändern durchzogenes Ksl.mauerwerk ist in Oberitalien häufig anzutreffen, n. der Alpen vereinzelt.

Oberital. Beisp. (aus röm. Zeit: Hdb. d. Archit. Bd. II, 2 S. 210ff., Abb. 214 d–f, 215) sind die Scaligerburgen Castelvecchio in Verona, wo das Ksl.mauerwerk (z. T. mit Bruchstein) in Abständen von 2–3 Metern mit Backsteinschichten abgeglichen ist (1354 bis 1375: Bodo Ebhardt, Die Burgen Italiens, Bln. 1917, Bd. 2 S. 81, Abb. 11, 13; Veneto [= Guida d'Italia del Touring Club Ital. Bd. 5], Mailand 1969, S. 84), und in Villafranca, mit „opus spicatum“ (beg. 1185: Maria Franzosi, V. [= Collana „Le guide“ Nr. 73], Verona 1965, S. 13ff., Taf. 5; Otto Piper, Burgenkde., Ffm. 1967, S. 98, Abb. 34); dieses auch an der Burg von Soave (älterer Bau im 14. und 15. Jh. erweitert: Veneto a.a.O. S. 212; B. Ebhardt a.a.O. Bd. 1 Taf. 30).

An der Nikolauskirche in Haar bei München folgt meist nach jeder zweiten Ksl.schicht ein Läuferband aus Baistein (13. Jh.: Abb. 28; Dehio-Gall, Obb., 1964, S. 51). Die Innenschale des Turms der St. Peter-und-Pauls-Kirche in München-Allach ist in „ziemlich regelmäßigem Wechsel“ von je einer Backstein- und einer Ksl.schicht errichtet; die Außenschale besteht aus Backstein, der Mauerkern aus unregelmäßigem, vermörteltem Füllmaterial (err. zw. E. 12. und 14. Jh., im 15.–16. Jh. erhöht: W. Haas und Wilh. Neu, 22. Ber. des Bayer. LA für Dpfl. 1963, 96, 101). An der N-Mauer der St. Otmarskapelle auf der Insel Werd sind in die dick ausgemörtelten Fugen zwischen die regelmäßigen Steinlagen Reste von planen und gerundeten Backsteinen eingefügt (1. V. 14. Jh.: A. Knoepfli und H. R. Sennhauser in: Corolla Heremitana, Fs. Linus Birchler, Olten 1964, S. 61, Abb. 19, 25f.). Die Langhausmauer der kath. Pfarrkirche Orsbeck Krs. Geilenkirchen-Heinsberg durchziehen zwei Bänder aus fischgrätartig gefügten röm. Backsteinen (beg. 9./10. Jh.: Abb. 20; [24] S. 71, 77ff.; Dehio, Rheinland, 1967, S. 533).

Bänderungen mit Tuffquadern besaß der 1322 genannte Bergfried der Burg Pfungen, Kt. Zürich (abgetragen: O. Piper a.a.O. S. 139); Beisp. in Oberitalien: Fassade von S. Maria in Cisano (auch Backsteinschichten; 1120–30: [22] S. 132ff., Taf. 86); S. Lorenzo in Verona, Seitenschiff und Emporenzone Ksl.bahnen in „opus spicatum“, mit Backsteinen gerahmt; (ähnlich der untere Teil der Apsis; beg. A. 12. Jh.: ebd. S. 21ff., Taf. 8ff.; [20] Bildbd. Taf. 219 B); Fassade von S. Martino in Corrubio (1120 bis 1140: [22] S. 125, Taf. 83f.); Hochschiffwände von Madonna della Strà in Porcile (1143; [20] Bd. 3 S. 296ff., Bildbd. Taf. 189,4).

Kanten aus anderem Material zeigen die Hl. Kreuzkirche in Uznach, Kt. St. Gallen, NW-Ecke, (821?: [28] S. 358f.); die Nikolauskirche in Millen Krs. Geilenkirchen-Heinsberg (beg. 1. V. 11. Jh.: [24] S. 71); der Campanile von S. Giustina in Palazzolo (2. V. 11. Jh.: [22] S. 139ff., Taf. 88 Abb. 2); Wohnturm in Oberstaad bei Öhningen Krs. Konstanz (12.–13. Jh.: Nachr.bl. der Dpfl. in Baden-Württ. 12, 1969, 70, Abb. 67–73); oberer Teil des ehem. Wohnturms in Tobel (s. Sp. 1127); die Veitskapelle in Wilparting Krs. Miesbach (spätgot.: W. Haas, 22. Ber. des Bayer. LA für Dpfl. 1963, 117). Aus Backstein gemauert sind die Eckverstärkungen an den Mauern der Festung von Vignola ('zw. 1401 und ca. 1435: Emilia-Romagna [= Guida d'Italia del Touring Club Ital., Bd. 10], Mailand 1971, S. 275; B. Ebhardt a.a.O. [Sp. 1127] Bd. 1 Abb. 318, Taf. 10, 1, Taf. 37, 1f.). Kanten und Fenstereinfassungen: Wallfahrtskapelle St. Otmar auf der Insel Werd, Kt. Thurgau (um 900: A. Knoepfli und H. R. Sennhauser a.a.O. [Sp. 1128] S. 58ff., Abb. 18ff.); Nikolauskapelle in Degenau, Kt. Thurgau (M. 12. Jh.: Alfred Schmid, Österr. Zs. für Dpfl. 2, 1948, 17, Abb. 16f.). Ein hochgot. Lanzettfenster besitzt die St. Georgskap. in Gerlikon (Bau 1. H. 13. Jh.: Inv. Schweiz 23, Kt. Thurgau 1 S. 208). Aus (hier römischem) Backstein bestehen die Fensterbögen von St. Nikolaus in Millen Krs. Geilenkirchen-Heinsberg (dazu Tuff, 12. Jh. [?]: [24] S. 77), die Rundbogenfenster in der n. Seitenschiffwand des Witigobaus in Reichenau-Mittelzell und im s. Seitenschiff des zweiten Weingartner Münsters (dort auch ein Portal) wurden vermutlich im 16. Jh. bzw. 1544 in das Mauerwerk eingefügt ([26] S. 7; [25] S. 260, Abb. 4). – An St. Leonhard in Landschlacht, Kt. Thurgau, ist ein Portal innen im Gewände mit grob zugerichtetem Sandstein verkleidet, außen mit Tuff (1. H. 12. Jh.: [21] S. 390). – Nischen und Bögen aus Tuff besitzt St. Mauritius in Amsoldingen, Kt. Bern (1. H. 11. Jh. [?]; auch Backstein verwendet: [28] S. 24.). – Pfeiler aus plattigen Geschiebesteinen zeigt der Heitobau in Reichenau-Mittelzell (gew. 816: [26] S. 40, Abb. 195), Pfeiler und Arkaden aus Kalk- bzw. Sandstein der Bernobau (gew. 1048: ebd. S. 90, 96, Abb. 26ff.) und die ehem. Klosterkirche in Wagenhausen [23, S. 215, Taf. 64, 66c]. – Bes. bemerkenswert ist der aus Ksl. err. Chor der Predigerkirche in Zürich: die Strebepfeiler sind an den Kanten und Vorderseiten durch Quader verstärkt und die Platten abgedeckt, Rippen, Gurte und Schildbögen aus Sandstein (1. H. 14. Jh.: Inv. Schweiz 10, Kt. Zürich Stadt 1 S. 227ff., Abb. 141ff.).

2. Verputzung

Ksl.-Bauten waren in der Regel vollständig verputzt oder trugen zum Schutz gegen Feuchtigkeit (Heinr. Ludw. Manger, Die ökonomische Bauwiss. zum Unterricht für den Landmann, Lpz. 1735, S. 98) wenigstens Fugenverputz, der die Ksl.köpfe freiließ („pietra rasa“). Fugenritzung ließ Feinputz besser haften.

Mit glattgestrichenem Kalkmörtel vollständig verputzt ist die Grabkapelle in St. Stephan in Chur (um 500, s. Sp. 1127); spätgot. wie barocker Putz waren an der Veitskapelle in Wilparting Krs. Miesbach nachzuweisen (W. Haas a.a.O. [Sp. 1128] S. 116). Ursprünglich verputzt war die ehem. Klosterkirche in Romainmôtier, Kt. Waadt (vor 1030: [27] S. 287f.), das Marienmünster in Reichenau-Mittelzell anscheinend in mehreren Bauphasen [26, S. 32, 176, Abb. 66 f., 98f., 121f.]; das Mauerwerk der sog. Arnefriedschen Erweiterung war mit Kalkmörtel zur Bemalung geglättet (um oder bald nach 724: ebd. S. 34, 105f., Abb. 121f.; vgl. Wolfg. Erdmann und Alfons Zettler in: Die Abtei Reichenau, hrsg. von Helmut Maurer, Sigmaringen 1974, S. 489ff., 500).

Weißen Kalkputz trugen auf der Innenseite die ma. Kirchen in Elgg, um 1000, und Bassersdorf, um 1200 (Zürcher Dpfl. 4, 1964/65, 45, 22). Im Kapitelsaal des ehem. Klosters Wagenhausen, A. 12. Jh., sind in den Putz Quaderfugen eingeritzt (der Putz, von den Ksl. teilweise abgefallen, erweckt den Eindruck bloßen Fugenputzes: [23] S. 220, 224, Taf. 65 a). Eine dünne, glatte weiße Putzschicht, aus der vereinzelt Ksl.buckel herausragen, hat sich im s. Querflügel von St. Georg in Reichenau-Oberzell erhalten (beg. zw. 888 und 896: [21] S. 137, Taf. 79).

Fugenverputz in „pietra rasa“-Technik – meist mit eingeritztem Quadernetz der Lagenfugen – zeigen das ergrabene Brunnenhaus in Seeb bei Winkel (1. H. 2. Jh.: Zürcher Dpfl. 3, 1962/63, 107, Abb. S. 108), die Nikolauskapelle in Degenau (M. 12. Jh: A. Schmid a.a.O. [Sp. 1129] S. 16), der romanische Wohnturm in Wiesendangen (restaur.: Zürcher Dpfl. 5, 1966/67, 128ff., mit Abb.), der romanische Bau der ref. Kirche in Mettmenstetten (um 1200 [?]: ebd. 2, 1960/61, 65ff. mit Abb.), der Chor der Kirche von Elgg (nach 1370: ebd. 4, 1964, 47), die unter Abt Heito aufgeführten Teile des Marienmünsters in Reichenau-Mittelzell (gew. 816: [26] S. 40; [20] S. 81f., Taf. 34) und das Mauerwerk des Bernobaues (nach E. Reisser erst nachträglich, spätestens im 12. Jh., vollständig verputzt, gew. 1048: [26] S. 89, Abb. 36). Bei der ref. Kirche Weiningen, Kt. Thurgau, 13. Jh., waren die Fugenstriche im frischen Kalkmörtel gezogen, Mörtel und vorstehende Steinköpfe gleichmäßig geschlemmt (Befund 1969–70: Abb. 29; frdl. Hinweis J. Ganz, Frauenfeld).

Unverputzte Ksl.mauern (oder heute als solche erscheinende), meist mit Fugenritzung im Mörtelbett, zeigen St. Michael in Aufkirch (um 10: [21] S. 359) und St. Leonhard in Landschlacht, Kt. Thurgau (Schiff 1. H. 12. Jh.: ebd. S. 389, Taf. 259). Im sorgfältig geschichteten Ksl.mauerwerk der Klosterkirche von Wagenhausen waren bloß Stoß- und Lagerfugen markiert; das Fehlen des Putzes soll eine Folge des unvollendeten Bauzustands sein [23, 217f., Taf. 64].

Die in Streifen verlegten Ksl. an Veroneser Bauten sind meist durch Fugenstrich getrennt, die Stoßfugen oftmals schräg verlaufend: Abb. 19; Apsis von S. Lorenzo in Verona (A. 12. Jh.: [22] S. 21ff., Taf. 10), Fassade von S. Martino in Corrubio (s. Sp. 1128); im Innern sind Ksl.streifen oft geschlemmt, z. B. in S. Savaro in S. Pietro di Legnago (1 117: ebd. S. 66, Taf. 26).

Unter Dach liegende Mauerzonen blieben auch bei Ksl.bauten unverputzt (im Mörtel Lagerfugen: Konstanzer Münster, 1051–69: [21] S. 197; auch Abb. 27).

B. Geschichte

1. Sakralbauten

Die ältesten aus Ksl. errichteten Sakralbauten, die bisher festgestellt werden konnten, entstanden im 5. Jh. im Alpengebiet.

Die um 400 gegr. und bis E. 5. Jh. benutzte Nikolauskirche in Bozen war ein Rechtecksaal (Nicolo Rasmo, Cultura Atesina 11, 1957,7–20, Taf. 4). Von der vielleicht ins 5. Jh. zu datierenden Nikolauskapelle in Imst, Tirol, wurden die Apsis und an sie anschließende Mauern aufgefunden (Alfons Wotschitzky, Österr. Zs. für Dpfl. 15, 1961, 97–104). Gegen oder um 500 wurde eine Grabkammer in St. Stephan in Chur aufgemauert (s. Sp. 1127; ein jüngeres Beispiel aus Graubünden sind die Reste einer Saalkirche in Truns, 6./7. Jh.: [27] S. 350).

Seit E. 8. Jh. mehren sich die Beispiele; für knapp cm halbes Jt. finden sich vielerorts Ksl.bauten, besonders im Bodenseegebiet (Reichenau; Insel Werd: Abb. 21), in Oberitalien sowie im Selfkant am Niederrhein und seinen Nachbargebieten (Ksl. aus Maas und Rur; Abb. 20). Zwar wurden aus diesem Material Kirchen jedweden Ranges gebaut – Bischofskirchen (Konstanz) ebenso wie Kloster-, Pfarr- und Filialkirchen und Kapellen –, doch waren größere oder komplizierter strukturierte Bauten stets die Ausnahme (Reichenau-Mittelzell, Zentralbau der Hl. Kreuz-Kapelle, zw. 923–25, und das dreischiffige Marienmünster mit zwei Querhäusern und Türmen, Weihedaten 816 und 1048; [28] S. 281; Abb. 24). Die Masse der ma. Beisp. sind kleine Saalkirchen und Kapellen wie Bau I von St. Maria und Markus in Reichenau-Mittelzell, um 724 [28, S. 278], die karolingische Dreiapsidenanlage in Niederhaslach, Elsaß (ebd. S. 234) oder Bau II in Tuggen, Kt. Schwyz, um 1100 (W. Drack a.a.O. [Sp. 1125] S. 165). Lokale Gegebenheiten konnten jedoch dazu führen, daß man für kleinere Kirchenbauten schwer beschaffbares Steinmaterial verwendete, größere aber aus den reichlich vorhandenen Ksl. errichtete: der vor 624 aufgeführte Bau II der Klosterkirche von Romainmôtier, Kt. Waadt, ist aus Bruchsteinen gemauert, der viel größere Neubau, die dreischiffige Basilika mit Querhaus aus der Zeit vor 1030, hingegen vorwiegend aus Ksl., mit Quadern im oberen Teil (Abb. 22; vgl. H. R. Sennhauser a.a.O. [Sp. 1126] S. 17ff. und [28] S. 287). Eine wichtige bautechnische Neuerung brachte das 11. Jh.: seitdem wurden einzelne Bauglieder (z. B. Pfeiler und Arkaden) und architektonischer Dekor (etwa Lisenen) von Ksl.bauten aus Werkstein oder Backstein gemauert (Verwendung von Backsteinen in Ksl.bauten war zumal in Oberitalien verbreitet; ein charakteristisches Beisp. ist das Baptisterium in Biella, um 1040, vgl. Sp. 1125).

Mit der Ausbreitung der Gotik verlor der Ksl.bau rasch an Bedeutung. Nur noch selten ist Mauerwerk aus Ksl. aufgeführt, und umfangreichere Bautätigkeit in dieser Mauertechnik kommt kaum noch vor: in Zürich wurden E. 13. Jh. Teile der Augustinerkirche und in der 1. H. 14. Jh. der hohe Chorbau der Predigerkirche aus Ksl. errichtet (F. de Quervain a.a.O. [Sp. 1119] S. 5). Ein Beispiel für bescheidene Bauvorhaben ist die spätgot. Veitskapelle in Wilparting Krs. Miesbach (vgl. Sp. 1128). Selbst wenn bauliche Veränderungen an älteren Ksl.bauten erforderlich wurden, hat man sie nur ausnahmsweise in Ksl.mauerung besorgt, so in Elgg, wo nach 1370 ein neuer Chor, die Sakristei und ein Turm sowie ein Anbau im W errichtet wurden (Zürcher Dpfl. 4, 1964/65, 47), und beim Chorbau von St. Leonhard in Landschlacht, Kt. Thurgau, um 1430 [21, S. 390]. Die Regel ist die Verwendung von anderem Material.

In der Neuzeit blieb der Ksl.bau auf Kleinbauten in ländlichen Gebieten des Voralpenlandes beschränkt. Mehrfach verwendete man neben Ksl. auch Bruchstein.

Das Schiff der Nikolauskirche in Obergailingen im Hegau wurde 1610 nach W in Ksl.mauerung erweitert [21, S. 348]. Nach 1622 erbaute man die Wendelinskapelle in Ettensberg, noch im 17. Jh. die Martinskapelle in Winkel Gde. Tiefenbach (Inv. Bayern, Schwaben 8 S. 248 und 10n). Spätere Beisp. sind die Hettisrieder Filialkapelle St. Rochus und Sebastian in Kimratshofen Krs. Oberallgäu, E. 18. Jh. (Alfons Kasper, K.wanderungen im N-Allgäu [= K.- und Reiseführer, 6], Schussenried 1966, S. 45), und die Dreikönigskapelle in Schwanden Gde. Blaichach, 1823 bis 1824 (Inv. Bayern, Schwaben 8 S. 781). Nach der Profanierung mauerte man 1834 das Mittelschiff der Pfarrkirche St. Paul in Konstanz mit Abbruchmaterial ab [21, S. 212].

In Mischmauerwerk wurden eine ganze Reihe von Kirchen und Kapellen des 16.–18. Jh. im Allgäu aufgeführt: die Pfarrkirche in Tiefenbach (voll. 1504), die Klausenkapelle in Oberstdorf (1521?), die den Hll. Fabian und Sebastian gew. Kapelle in Kornau (16. Jh.), die Filialkirche in Liebenstein (Abb. 30), die Pfarrkirchen in Wertach (gew. 1696) und Schöllang (1726–31), die Ludwinakapelle in Hofen (1736?) sowie St. Johann Nepomuk in Binswangen (1741–42; vgl. Inv. Bayern, Schwaben 8 S. 896ff., 627, 493, 973, 755ff., 398, Abb. 358, 158f.).

Das bescheidene Weiterleben der Mauertechnik bezeugen ferner Bildstöcke des 18. und 19. Jh.: Beisp. in Oberstdorf, Reckenberg, Hindelang und Ettensberg Gde. Blaichach, alle Krs. Oberallgäu: Inv. Bayern, Schwaben 8 S. 662, 704, 378, 249.

2. Profanbau

Im Profanbau sind die Beispiele seit röm. Zeit nachzuweisen.

Beisp.: Brunnenhaus in Seeb bei Winkel, Kt. Zürich, 1. H. 2. Jh.? (s. Sp. 1124); römische Mauern des 1. Jh. auf dem Lindenhof in Zürich, wo im 4. Jh. ein Kastell lag (in karolingischer und ottonischer Zeit entstanden dort umfängliche Pfalzanlagen, die unter Verwendung von Bruchstein E. 11. oder A. 12. Jh. zu einer Burg ausgebaut wurden; um 1200 geschleift: E. Vogt a.a.O. [Sp. 1123] S. 28ff.); Grenzburgus von Aheggmühle Krs. Kempten, um 370/72 (Hans-Jörg Kellner, Die Römer 111 Bayern, Mchn. 1971, S. 174, Abb. 176).

Im MA fanden Ksl. wohl seltner für Wohnbauten (z. B. roman. Haus auf der Reichenau: Otto Gruber, Dt. K. und Dpfl. 1937, 197, Abb. 109) als für Wehrbauten Verwendung:

Torre di Bramafam in Aosta, E. 12. Jh. (Torino e Valle d'Aosta [= Guida d'Italia del Touring Club Ital., Bd. 2], Mailand 1959, S. 267); Scaligerburg in Villafranca, beg. 1185 (s. Sp. 1127); Wohnturm des Schlosses Wiesendangen, Kt. Zürich, 12. Jh. (s. Sp. 1130); Turm der Wasserburg in Oberstaat bei Öhningen im Hegau, 12./13. Jh. (s. Sp. 1128); untere Geschosse des Turms der Turmhügelburg Oflings, 12. und 13. Jh.; Mauerring um Burgstall Hohenthann Krs. Oberallgäu, 13. Jh., 1525 erneuert (A. Kasper a.a.O. [Sp. 1132] S. 72; Inv. Bayern, Kurzinv. 5 S. 102); Mauern der ehem. Burg Schopfeln auf der Reichenau (vor 1370: Inv. Baden 1, Krs. Konstanz S. 374); Burganlage in Vignola, zw. 1401 und ca. 1435 (s. Sp. 1128f.). Neuzeitliche Beisp. sind die Ringmauer des 1536–1)6 in Gabelshofen, Stm., errichteten Schlosses (O. Piper, Österr. Burgen, Bd. 1, Wien 1902, S. 125; Herwig Ebner, Burgen und Schlösser im Ennstal und Münzboden, Wien 1965, S. 45) und der in der 1. H. 16. Jh. mit Ksl. aufgestockte Zeitglockenturm in Bischofszell (Inv. Schweiz 48, Kt. Thurgau 3 S. 234, Abb. 177).

Häufig benutzte man Mischmauerwerk aus Ksl. und Bruchstein: Ruine Fluhenstein bei Sonthofen, 14. Jh., Schloß Rauhenzell, 1555 (Inv. Bayern, Schwaben 8 S. 852, Abb. 732, S. 692ff.).

An bayer. Bauernhäusern wurden Ksl. bis ins 19. Jh. für Keller und Untergeschosse verwendet (Hindelang, Haus Nr. 89, E. 16. Jh.; Oberstorf, In den Höfen 9, E. 17. Jh.: Inv. Bayern, Schwaben 8 S. 377, Abb. 336, S. 655), für Wohngeschosse hielt man lange am Holz- oder Fachwerkbau fest (T. Gebhard, Wegweiser zur Bauernhausforschg. in B. [= Bayer. Heimatforschg. H. 11], Mchn.-Pasing 1957; Otto Gruber, Bauernhäuser im Bodenseegebiet, Konstanz und Lindau 1961, S. 17f.). Auch landwirtschaftliche Nutzbauten, z. B. Zuhaus (Molkerei) auf dem Köhlerhof Schwarzenberg Gde. Hundham Krs. Miesbach, wurden aus „Bachbummerl“ errichtet (Gertraud Rothdauscher, Bäuerliche Neben- und Zweckbauten und deren Inventarisierung im oberen Leitzachtal, Zulassungsarb. der Pädag. Hochschule, Mchn. 1972 [masch.], S. 85, Abb.).

Für Grottier-Werck hat man im 17.–18. Jh. u. a. auch Ksl. verwendet und sie zu diesem Zweck in Mörtel gebettet (vgl. den 1613 nach Entw. von Heinr. Schön err. Hofgartenpavillon in München: Heinr. Kreisel, München, Mchn. und Bln. 1969, Abb. 57; *Grotte im 1715–21 err. Alten Schloß der Eremitage bei Bayreuth: ders., E. bei B., Amtl. Führer, Mchn. 1934, S. 29) oder in noch nassem Feinputz „gleichmäßig locker aufgebracht, so daß der Putz in den Zwischenräumen sichtbar“ ist („Rieselputz“, s. Sp. 305 mit Beisp.; vgl. auch C. C. L. Hirschfeld a.a.O. [Sp. 1104] Bd. 3, Lpz. 1780, S. 94 zum ab 1713 ausgebauten Park von Stowe, wo für die Grotte Ksl. zusammen mit Feuersteinen verwendet wurden; s. auch Franz Ludw. von Cancrin, Grundlehren der Bürgerl. Bauk. nach Theorie und Erfahrung vorgetragen, Gotha 1782, §49).

Zu den Abbildungen

1. Herstellung sog. Granitquader aus Fg. (A) und Granitquadermauer in Aufsicht und Schnitten (B). Nach [13] Taf. II.

2. Nordhackstedt Krs. Flensburg, Kirche, Innenansicht nach O während der Restaurierung (ohne den Putz). 12. Jh. Fot. LA für Dpfl., Kiel.

3. Neukirchen Gde. Malente Krs. Ostholstein, Kirche, Chormauer. 2. H. 12. Jh. Fot. LA für Dpfl., Kiel.

4. Sörup Krs. Flensburg, Kirche, Apsis. 4. V. 12. Jh. Fot. LA für Dpfl., Kiel.

5. Bosau Krs. Ostholstein, Kirche von SO. Bau 1151 beg., E. 12. Jh. verändert. Fot. LA für Dpfl., Kiel.

6. Hämerten Lkrs. Stendal, Kirche von SO. A. 13. Jh. Fot. Ehem. Staatl. Bildstelle, Bln 7. Marx Krs. Wittmund, Kirche von SO. M. 13. Jh. Fot. H. Weißer, Tannenhausen.

8. Richtenberg Lkrs. Stralsund, Kirche von NO. Bau kurz vor M. 13. Jh. Nach [5] Abb. S. 141.

9. Berlin-Dahlem, Dorfkirche von SO. 13. Jh., im 15. Jh. z. T. verändert. Fot. Friedrich Kobler, Mchn.

10. Hohenlübbichow/Lubiechów Gorny, Kirche, W-Eingang. Spätes 13.–14. Jh. Nach [14] Bd. 7, 1 Abb. 165.

11. Friedland Lkrs. Neubrandenburg, Anklamer Tor, Stadtseite. Begonnen nach 1304 – vor M. 14. Jh. Fot. Ehem. Staatl. Bildstelle, Bln 12. Groß Nemerow Lkrs. Neubrandenburg, Kirche, Südwand, Außenansicht. 14. Jh., Bemalung spätma. Nach [16] Bd. 1, 3 Amtsger.bez. Stargard Abb. S. 196.

13. Wusterwitz Krs. Schlawe/Ostrowiec okr. Sławno, Kirche. Spätma. Nach H. Schulz a.a.O. [Sp. 1098] Abb. 200.

14. Adelby Krs. Flensburg, Kirche von SW. Verblendung des älteren Baus 1775–1780/81. Fot. LA für Dpfl., Kiel.

15. Joh. Gg. Schoch, Amaliengrotte im Schloßpark von Wörlitz. 1797 voll. Nach A. Hartmann a.a.O. [Sp. 1090] Abb. 119.

16. Wolfshagen Lkrs. Strasburg, Wohnhaus. Um 1830/40. Fot. Inst. f. Dpfl., Bln. (DDR).

17. Zürich, Großmünster, Chor von SO. Bau von um 1100–1107, Umbau 2. V. 13. Jh.– 1278 (Weihe). Fot. Foto Marburg, Nr. 4605 (Ausschnitt).

18a und b. Schloß Mammertshofen bei Roggwil, Kt. Thurgau, Bergfried. 13. Jh. Fot. Thurgauische Dpfl. und Kdm.inventarisation, Frauenfeld, Nr. L.A. 58.

19. Verona, SS. Tosca e Teuteria, S-Seite. Weihe 751, Umbau 12. Jh. (1160 geweiht). Fot. Noehles, Rom.

20. Orsbeck Krs. Geilenkirchen-Heinsberg, Pfarrk. St. Martin, Südmauer. 9./10. Jh. Nach [24] S. 71 Abb. 1.

21. Insel Werd bei Stein a. Rh., Kt. Schaffhausen, Otmarskapelle, Südseite während der Restaurierung (Aufnahme 1962/63). 9./10. Jh., spätes 13. Jh. (Rundbogenfenster), frühes 14. Jh., 1899 (Tür, Maßwerkfenster, Backsteinband der Mauerkrone). Fot. Greuter, Stein a. Rh.

22. Romainmôtier, ehem. Cluniazenserprioratskirche St. Peter und Paul, N-Seite. Vor 1030. Fot. Sennhauser, Zurzach.

23. Reichenau-Mittelzell, ehem. Benediktinerkloster St. Maria, alter Klosterflügel. 1. H. 11. Jh. Aus [26] Abb. 194.

24. Reichenau-Mittelzell, ehem. Benediktinerklosterkirche St. Maria, Ostwand des Turmes mit drei-

     teiliger Fensterarkade (später zugesetzt). Weihe des Umbaus 1048. Nach [26] Abb. 215.

25. Urschalling Krs. Rosenheim, Kapelle St. Jakob, Südseite. 2.H. 12. Jh. Fot. Friedrich Kobler, Mchn.

26. Emmereis Krs. Oberallgäu, Nikolauskap., Ansicht von SW. 12.–13. Jh. Fot. Wilsch, Kempten.

27. Egmating Krs. Ebersberg, Pfarrk. St. Michael, Mauerzone unter dem Dach. Um 1200. Fot. Bayer. LA für Dpfl., Mchn.

28. Haar Krs. München, Pfarrk. St. Nikolaus, Apsis von SO, Aufnahme während der Restaurierung 1970/71. 13. Jh. Fot. Bayer. LA für Dpfl., Mchn. (Fritz Buchenrieder).

29. Weiningen, Kt. Thurgau, ref. Kirche, Befund während der Restaurierung 1969/70. 13. Jh. Fot. Thurgauische Dpfl. und Kdm.inventarisation, Frauenfeld.

30. Liebenstein, Gde. Hindelang/Allgäu, Filialkirche St. Leonhard, Ansicht von W. 1666–71 das spätma. Lhs. nach W verlängert, Dreikonchenchor angefügt. Fot. Bayer LA für Dpfl., Mchn.

Literatur

Zu II: 1. Krünitz Bd. 171, Bln. 1839. – 2. Rich. Haupt, Die Vizelinskirchen, Kiel 1884. – 3. Mauritz Mackeprang, Vore Landsbykirker, Kopenhagen 19442. – 4. Gerda Boëthius, De tegel ornerade Grastenskyrkorna i norra Svealand, Stockholm 1921. – 5. Heinr. Ehl, Norddt. Feldsteinkirchen, Braunschweig und Hbg. 1926. – 6. Sune Ambrosiani, Om mur och murning före teglets uppträdande 1 Norden, Fs. till Martin Olsson, Stockholm 1936, S. 76–88. – 7. Alfr. Kamphausen, Die karol. Kirchen in Nordelbingen, Zs. der Ges. für schleswig-holstein. Gesch. 62, 1934, 85–155. – 8. Ders., Die Baudkm. der dt. Kolonisation in Ostholstein, Neumünster 1938. – 9. Ellmar Rogge, Einschiffige roman. Kirchen in Friesland und ihre Gestaltung, Oldenburg i. O. 1943. 10. Walter Sommer, Roman. Granitquaderkirchen, Diss. TH Braunschweig 1950 (masch.). – 11. Zygmunt Swiechowski, Architektura granitowa Pomorza zachodniego w XIII wieku, Posen 1950. – 12. Manfred Meinz, Der ma. Sakralbau in Ostfriesland (= Abhn. und Vorträge zur Gesch. Ostfrieslands, 46), Aurich 1966. – 13. Rob. Noah, Die ma. Kirchen im Harlingerland (= Abhn. und Vorträge zur Gesch. Ostfrieslands, 51), Aurich 1969.

Mehrfach zitiert sind: 14. Inv. Brandenburg. – 14a. Die Bau- und K.dkm. in der DDR, hrsg. vom Inst. für Dpfl. der DDR, Bez. Potsdam, Bln. 1978 (Lizenzausg. Mchn. 1978). – 15. Inv. Mecklenburg-Schwerin.– 16. Inv. Mecklenburg-Strelitz. – 17. Inv. Schleswig-Holstein. – 18. Armin Tuulse, Scandinavia Romanica, Wien und Mchn. 1968. – 19. K. -Topographie Schleswig-Holstein, Neumünster 1969.

20. Arthur Kingsley Porter, Lombard Archit., New Haven, London und Oxford 1915 –17. – 21. Jos. Hecht, Der roman. Kirchenbau des Bodenseegebietes, Bd. 1, Basel 1928. – 22. Wart (Eduarde) Arslan, L'archit. roman. Veronese, Verona 1939. – 23. Alb. Knoepfli, Die Probsteikirche Wagenhausen, Zs. für schweiz. Arch. und Kg. 13, 1952, 193–236. – 24. Jos. Peter Tholen, Die Saalkirchen im Selfkant, Zs. des Rhein. Ver. für Dpfl. und Heimatschutz 1953 (Der Niederrhein), 70–79. – 25. Konrad Hecht, Die ma. Bauten des Klosters, in: Fs. zur 900-Jahr-Feier des Klosters [Weingarten], 1056–1956, Weingarten 1956, S. 254–327. – 26. Emil Reisser, Die frühe Baugesch. des Münsters zu Reichenau (= Forschgn. zur dt. Kg., Bd. 37), Bln. 1950. – 27. Dietrich Ellger, Ber. über neue Ergebnisse der Bauforschg. des LA für Dpfl., Nordelbingen 30, 1961, 151–173. – 28. Vorroman. Kirchenbauten.

Hinweise zu II gab Zygmunt Swiechowski, Warschau.

Verweise