Feiertagschristus

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englisch: Christ as piers plowman, Christ of the trades; französisch: Feiertagschristus, Christ du dimanche; italienisch: Cristo delle feste commandante.


Robert Wildhaber (1979)

RDK VII, 1002–1010


RDK VII, 1001, Abb. 1. Ormalingen, Kt. Basel-Land, 3. V. 14. Jh.
RDK VII, 1001, Abb. 2. Reutigen, Kt. Bern, um 1400 (?).
RDK VII, 1003, Abb. 3. Eriskirch Krs. Tettnang, A. 15. Jh.
RDK VII, 1005, Abb. 4. Ehrengruben, um 1460.
RDK VII, 1009, Abb. 5. Um 1475, London.

I. Begriff und Vorkommen

Das kirchliche Gebot der Feiertagsheiligung findet seinen ikonographisch klarsten und stärksten Ausdruck im Bildthema des F. Darunter versteht man eine Darstellung Christi, umgeben von Arbeitsgeräten oder in Beziehung gestellt zu Arbeitsvorgängen (es handelt sich nicht um die arma Christi; wo solche vorkommen, sind sie nicht als Leidenswerkzeuge gemeint, sondern sie stehen in anderem Sinnzusammenhang). Mehrheitlich findet sich das Bild als Wandmalerei in kleinen Dorfkirchen; in drei Fällen (Eriskirch: Abb. 3; Frauenfeld-Kurzdorf, Kt. Thurgau, St. Johann Bapt.; Ehrengruben Crngrob]: Abb. 4) handelt es sich um einen (früheren) Wallfahrtsort. Mit Ausnahme von Castel S. Angelo (Umbrien) und Venanson (Alpes-Maritimes) sind die Maler der Bilder nicht bekannt; die Malereien sind auch nicht um ihres künstlerischen Wertes willen bedeutsam – schon das dargestellte Thema und sein memento-Charakter in bildlicher Katalogform wollen gar keine individuelle künstlerische Gestaltung –, sie erhalten ihren Sinn und ihre Bedeutung erst in volkskundlicher Betrachtungsweise. Erst diese vermag eine Reihe ma. Darstellungen in den Sinnzusammenhang des menschlichen Lebens und des bäuerlich-religiösen Denkens zu stellen, in dem sie nie – oder höchstens ausnahmsweise – als losgelöstes Kunstwerk betrachtet und bewertet wurden.

Bis heute sind rund 50 Bilder bekannt, die man zu dieser Gruppe zählen darf; einige davon sind heute ganz oder teilweise zerstört. Man darf wohl damit rechnen, daß noch weitere solche Malereien zum Vorschein kommen. Das eigenartige Vorkommen dieser Bilder kann vorläufig nicht erklärt werden; es sollen hier alle bekannten Orte in Europa angeführt werden.

Eine Gruppe von 12 Bildern findet sich in verschiedenen Grafschaften Südenglands, in Cornwall und in der Grafschaft Pembroke in Wales; es sind: Marienkirche in Ampney Crucis in der Grafschaft Gloucestershire, Stedham (zerst.) und West Chiltington in Sussex, Oving in Buckinghamshire, Hessett in Suffolk, Inkpen in Berkshire (zerst.), Michaelchurch Escley in Herefordshire, Gumfreston in Pembroke, Poundstock, Lanivet (zerst.), St. Just-in-Penwith und Breage in Cornwall ([1] S. 30; [4] S. 2–7, Abb. 1–5; [2] S. 367; Alan Caiger-Smith, Engl. medieval mural paintings, Oxford 1963, Seite 55–58, Taf. 20). – Es folgt eine kleine oberdeutsch-deutsch-schweizerische Gruppe von 5 Bildern: Eriskirch am Bodensee (Abb. 3), St. Jodok in Ravensburg, Frauenfeld-Kurzdorf, Ormalingen, Kt. Basel-Land (Abb. 1), und – ohne engeren geographischen Zusammenhang mit diesen Bildern – Reutigen, Kt. Bern (Abb. 2; [4] S. 7–11, Abb. 7–10; [1] S. 31f.). Der rätoromanische Teil des Kt. Graubünden bringt eine weitere Gruppe von 4 Bildern: St. Georg in Räzüns, Waltensburg-Vuorz, Schlans und Mistail ([4] S. 11 bis 13, Abb. 11 –13; [1] S. 30f.). Daran reiht sich zwanglos die weitgestreute Gruppe aus dem oberital. Sprachgebiet einschließlich S-Tirols an (Kt. Tessin, ladinisches Friaul, S-Tirol, Ober- und Mittelitalien), bestehend aus 11 Bildern: Tesserete, Kt. Tessin; Biella (Piemont), heutiger Dom; San Miniato al Monte in Florenz; S. Martino in Castel S. Angelo (Umbrien), Gem. des Paolo di Giovanni da Visso; St. Johann in Taufers im Münstertal (Tubre); St. Andreas in Tartsch (Tarces); Jaufental bei Sterzing (Valle di Giovio); Pfarrkirche St. Helena in Mühlbach (Rio di Pusteria); Jakobskirche in St. Ulrich in Gröden (S. Ulrico di Gardena, volkstüml. Ortisei in Val Gardena); Pfarrkirche St. Philippus und Jakobus in Campitello di Fassa; St. Rochus in Tesero im Fleimstal [4, S. 13–16, Abb. 16–21]. An das friaulische Gebiet schließt sich ohne weiteres die letzte Gruppe an, zu der man die Bilder in Istrien, Slowenien, Kärnten, Steiermark und Böhmen zusammenfassen kann; die 10 Bilder finden sich in: Kötschach-Mauthen, Kärnten, Pfarrkirche St. Markus; Maria Rojach, Kärnten, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt; Oberzeiring in der Obersteiermark, alte Knappenkirche (heute Elisabethkirche); Slavětín bei Laun (Louny, Böhmen), Pfarrkirche; Ehrengruben, Oberkrain, Werkstattkreis des Johannes de Laybaco (Abb. 4); Kreuzgang des Dominikanerklosters in Pettau (Ptuj, Slowenien); Peterskirche bei Trebelno, Slowenien; Gosteče, Slowenien; Bodešče, Slowenien; Pristava bei Billichgrätz (Polhov Gradec, Slowenien), St. Elisabeth, 1966 aufgedeckt (auch im kroatischen Teil Istriens soll es den F. in Kirchen geben). – Als an das Piemont angrenzend ist das Dép. Alpes-Maritimes zu nennen mit Bildern in St. Sebastian in Venanson (Fresko von Jean Baleison) und Notre-Dame-de-Bon-Coeur in Lucéram (Gg. Troescher, Burgund. Mal., Bln. 1966, S. 328 und 330, Abb. 613; Art de France 2, 1962, 106 Abb.).

Neben den Wandmalereien gibt es noch drei weitere Darstellungen: eine Federzeichnung in einem oberdt. Codex aus dem 2. V. 15. Jh. in der Bibl. Casanatense in Rom (Ms. 1404, fol. 40: [4] Abb. 29), die Federzeichnung auf einem Kalenderblatt um 1440–50 aus dem Bodenseegebiet (Städelsches K.Inst., Kat. der dt. Zchgn., Alte Meister, bearb. von Edm. Schilling und Kurt Schwarzweller, Mchn. 1973, Bd. 1 S. 46 Nr. 192, Bd. 2 Taf. 52) und ein Einblattdruck der Zehn Gebote, Basel um 1475 (Abb. 5; Schreiber Nr. 1845; [4] S. 21ff.).

II. Zeitliche Einreihung

Nach den heute vorliegenden Datierungen sind die Bilder in die Zeit von etwa der M. 14. Jh. bis um M. 16. Jh. zu setzen, und zwar ungefähr in der folgenden Anordnung:

Pettau etwa um 1350; Ormalingen 3. V. 14. Jh. (Abb. 7); Slavětín um 1370; E. 14. Jh.: Räzüns, Schlans, Oberzeiring, Ampney Crucis; um 1400: Taufers, Jaufental, West Chiltington, Reutigen (Abb. 2); 1. H. 15. Jh.: Eriskirch (Abb. 3), Frauenfeld-Kurzbach, S. Miniato al Monte in Florenz, Mühlbach; um M. 15. Jh.: Hessett, Waltensburg-Vuorz, Tesserete, Bodešče; 2. H. 15. Jh.: Breage, Castel S. Angelo, St. Ulrich in Gröden, Campitello di Fassa, Ehrengruben (Abb. 4), Trebelno, Gosteče, Venanson (1481 dat.), Lucéram (um 1480–85); 16. Jh.: Tartsch (1531?), Tesero (1557?), Kötschach-Mauthen, Pristava (3. Jz.; [4] S. 20, 22ff.; [1] S. 28ff.; [3] S. 112ff.). Die Datierung der übrigen Bilder läßt sich nicht genauer festlegen. Abhängigkeitsverhältnisse lassen sich schwerlich feststellen. Es scheint auch ausgeschlossen, bei diesem rein volkstümlichen Thema von der formalen Bilddurchführung her, auf Grund kunstgeschichtlicher Erwägungen, einen Stammbaum aufzustellen. Das Bildthema verschwindet im 16. Jh. ganz plötzlich, da es – ohne dogmatische Stütze – weder von protestantisch-reformatorischer Seite noch von der katholisch-gegenreformatorischen Bewegung her gehalten werden konnte; die Bilder wurden in manchen Fällen übertüncht oder fielen ohne Bedenken Kirchenerweiterungen zum Opfer.

III. Darstellungen

Auf der überwiegenden Zahl der Bilder ist Christus nackt dargestellt, mit dem Lendenschurz bekleidet (ganz bekleidet ist er nur in Ormalingen: Abb. 1, und Bodešče: [4] Abb. 27). Ebenfalls in der Mehrzahl der Fälle hat er den Nimbus; in Breage trägt er eine Krone (ebd. Abb. 4; A. Caiger-Smith a.a.O. [Sp. 1003] Taf, 20). Das Fehlen des Heiligenscheins mag von der Vorstellung geleitet sein, daß es sich beim F. nicht um ein „offizielles, sanktioniertes“ Christusbild handelt. Meist wird ein alter, bärtiger Mann dargestellt; jung ist er in St-Just-in-Penwith, Eriskirch, Tartsch, St. Ulrich in Gröden (Abb. 3; [4] Abb. 5, 18, 19). Die übliche Haltung ist der Vorweisegestus, vereinzelt auch das Hinweisen auf die Seitenwunde, selten fallen beide Arme nach unten (Ravensburg, Waltensburg, Castel S. Angelo, Taufers: ebd. Abb. 7, 12, 16, 17). In San Miniato al Monte in Florenz und in Castel S. Angelo hält Christus den Kreuzesstamm (ebd. Abb. 15f.), in Bodešče ragt das Kreuz, an dem die Geißel hängt, hinter ihm auf (ebd. Abb. 27). Um Christus herum sind so ziemlich alle Geräte aus dem ländlichen Arbeitsbereich dargestellt: Landwirtschaft (Pflug, Rechen, Sichel, Sense, Dreschflegel, Spaten, Wagen), Holzarbeiten (Säge, Beil, Hammer, Winkelmaß, Zugmesser), dörfliche Berufe (Messer, Scheren, Hämmer, Drehstuhl), Spinnen und Weben (Schafschere, Hechel, Rocken, Spindel, Haspel, Weberschiffchen), sonstige häusliche Betätigungen (Brotbacken mit der Schaufel zum Einschießen der Brote, Stoßbutterfaß; Kamm, Badequast; Waage), Fischerei (Boot und Ruder), Spiel und Unterhaltung (Musikinstrumente, Kegel- und Würfelspiel, Wirtshausszenen), sogar das Ehebett fehlt nicht. Diese Geräte können in mehr oder weniger großer Zahl in mehr oder minder geordneter oder wirrer Verteilung auf der ganzen Bildfläche vorhanden sein. In wenigen Fällen (Stedham, Ravensburg, S. Miniato al Monte; [4] Abb. 2, 5, 7) sind sie wie eine Gloriole um Christi Haupt gruppiert. Fast immer richten sich einige oder auch viele Gegenstände mit ihrer Spitze drohend gegen Christi ungeschützten Körper, sie ritzen seine Haut oder dringen in den Körper ein. Um die Beziehung zwischen den Objekten und Christi Wunden augenfällig anzudeuten, weisen Blut- oder andere Verbindungslinien auf ihren ursächlichen Zusammenhang (Frauenfeld-Kurzbach, Räzüns, Schlans, Kötschach-Mauthen, Slavětín: [4] Abb. 8, 11, 13, 22, 25). Öfters sind neben Geräten auch ganz kleine Genreszenen gezeichnet; am schönsten und reichhaltigsten ist dies auf dem Bild von Ehrengruben der Fall (Abb. 4).

In Broughton, Grafschaft Buckinghamshire, und ehem. in Walsham-le-Willows, Grafschaft Suffolk, ist als Bildmitte eine Art „Vesperbild“ wiedergegeben: um den Torso Christi in den Armen Mariä sind Personen versammelt, die Teile vom Leib Christi halten (Fuß, Herz etc), bei denen sie geschworen haben (A. Caiger-Smith a.a.O. [Sp. 1003] S. 58). In Linkinhorne, Grafschaft Cornwall, ist Christus zwischen den Werken der Barmherzigkeit wiedergegeben (ebd. S. 136). In all diesen Fällen handelt es sich nicht um Darstellungen des F.

Vielleicht kann jedoch der „Ecce homo“ in St. Nicolai zu Wismar hieher gezählt werden (A. 15. Jh.): er steht in einer grünen Umrahmung, welche beiderseits sieben Öffnungen zeigt. Aus jeder derselben schaut eine Halbfigur, welche mit einer Lanze Christi Leib berührt. Neben der zweiten und fünften Figur rechts steht noch eine andere. Die erste – weibliche – Figur rechts hält eine Zither, die dritte ein Würfelbrett, die vierte einen Becher, die sechste eine Partisane, die beiden obersten links Stäbe, die dritte eine Kugel, die übrigen unkenntliche Gegenstände (F. Crull, Die Decoration des Innern der Kirche St. N. zu W., Jbb. des Ver. für mecklenburg. Gesch. und Alt.kde. 47, 1882, 101f.; Dehio, Bez. Neubrandenburg, Rostock, Schwerin, S. 451: „Todsünden“).

An drei Orten (Breil/Brigels, Kt. Graubünden, St. Martin, A. 16. Jh.; in der Filialkirche St. Egid in Dellach, Kärnten, um 1400; in Zanigrad im slowenischen Teil Istriens, um 1400: Othmar Steinmann, Breil/ Brigels [= K.führer 559], Mchn. 1952, S. 14ff., Abb. S. 12; [4] Abb. 24, 28, S. 12; [1] S. 31 Nr. 18) ist eine weibliche Gestalt dargestellt; es möge dahingestellt bleiben, ob es hier um eine kümmernisähnliche Umgestaltung von Christus handelt, um eine Personifikation des Sonntags (Sv. Nedeljica = hl. Dominica, angenommen für Zanigrad: France Stelè, Le byzantinisme dans la peinture murale Yougoslave, Atti dello VIII Congr. internaz. di studi bizant. Palermo 1951, Rom 1953, Bd. 2 S. 253–59, bes. S. 256f.) oder um eine Übertragung der ursprünglichen Vorstellung auf eine wirkliche Heilige (in Breil/Brigels sei eine hl. Magdalena wiedergegeben, vgl. [4] S. 12); analog der „fortgesetzten Passion Christi“ wäre auch an die der „fortgesetzten Schmerzen Mariä“ zu denken.

IV. Bildbedeutung

Alle diese Geräte sind (entgegen [3] S. 112–16) nicht eine Ausweitung der arma Christi; schon die Art der Darstellung Christi spricht dagegen. Daneben finden sich auf einigen Bildern Inschriften, die klar den Sinn aufweisen, so in S. Miniato al Monte in Florenz: Chi no gvarda la domenica s(an)c(t)a et a XPO no a devotione Dio gli dar(a) l(a) (e)terna danatione“ [4, S. 14], dann in Tesero: „Infra tvtti li altri mali selerati [!] / la dominicha sancta voi non santifichati / anci ogni zorno [giorno] voi lavorati / e ogni mal la mia dominicha voi fati“ (ebd. S. 16), und endlich auf dem Basler Einblattdruck: „Das dritte [Gebot] gedencke das dv den fiertag heiligest mit guten worten vnd wercken“ (Abb. 5). Es handelt sich also klar um den bildhaften Ausdruck der Sonntagsheiligung („Sonntagsheiligungsbild“ wäre vielleicht eine bessere Bezeichnung als die bereits übliche F.) und des Verbotes der sonn- und feiertäglichen Arbeit. Den Bildern liegt offenbar die kirchlich nicht sanktionierte Vorstellung von den immer von neuem sich vollziehenden Leiden Christi als Folge der Sünden der Menschen zugrunde (die undogmatische „fortgesetzte Passion Christi“). Arbeiten und Lustbarkeiten haben am Sonntag zu ruhen, aus Liebe zu Christus, um seine Leiden nicht zu erneuern. Deshalb ein memento-Katalog der in Frage kommenden Arbeiten an möglichst auffälliger Stelle (vielfach an der Außenseite der Kirche oder gleich neben dem Eingang im Innern). Darum sogar die Drohung der ewigen Höllenpein auf dem gleichen Bild (Ehrengruben: [4] S. 19, Abb. 26), oder die Verbindung des F. mit dem Christophorusbild als Mahnung an den plötzlichen Tod und seine Folgen (so in Frauenfeld-Kurzbach, in Reutigen [Abb. 2], Waltensburg, Schlans, Tesserete, S. Miniato al Monte in Florenz, in Taufers, Tartsch, St. Ulrich in Gröden, Kötschach-Mauthen). Ähnliche mystische oder mahnende Sinnzusammenhänge stellen den F. in die Nähe der Gregorsmesse (Räzüns, Schlans, Oberzeiring) oder der Hostienmühle (Eriskirch). In Stedham steht neben dem F. die Schutzmantelmaria und in Ormalingen Maria ([4] Abb. 2; Abb. 1).

Die Frage, ob das Bild seinen Ursprung irgendwo in der Predigtlit. hat oder auf anderen Vorlagen beruht, ist vorläufig nicht zu beantworten. Der von Ernest William Tristram (Burl. Mag. 31,1917, 135 bis 140; s. auch Tancred Borenius und E. W. Tristram, Engl. Mal. des MA, Florenz und Mchn. 1927, S. 29 bis 35) aufgestellte Zusammenhang mit dem Gedicht des William Langland, „The Vision of William concerning Piers the Plowman“ (1362 und 1377; ed. George Kane, London 1960), kann höchstens in einer gleichartigen Geisteshaltung gesehen werden; im Gedicht steht keine einzige Zeile, welche die ikonographische Bildgestaltung bedingen würde. Abgesehen davon wäre damit auch erst das Vorhandensein in England einigermaßen begründet, nicht aber seine eigenartige Verbreitung auf dem Kontinent (vgl. auch A. Caiger-Smith a.a.O. [Sp. 1003]). – Die meisten der geschilderten Verbote stehen bereits im altjüdischen Sabbatgebot (1. Mischna-Traktat, 7. Kap., 2. Abschn., vgl. Wilh. Nowack Schabbot, in: Die Mischna I. Traktat, Giessen 1924, S. 69; weitere Lit. zu Sonntagsheiligung s. [4] S. 25 Anm. 99). Das erste christliche Sonntagsgesetz kam 321 heraus (Edgar Loening, Gesch. des dt. Kirchenrechts, Bd. 2, Straßburg 1878, S. 454ff.); doch waren die frühen derartigen Gesetze mehr sozialethische Erlasse und Erleichterungen zum Besuch der Kirche. In der „admonitio generalis“ Karls d. Gr. von 789 sind wiederum die verbotenen Sonntagsarbeiten namentlich aufgeführt (Mon. Germ., Legum sectio II, S. 61 Nr. 81). Gregor von Tours weiß eine Reihe von Strafwundern, die sich bei der Übertretung der gebotenen Arbeitsruhe als Strafe Gottes ereignet haben sollen (vgl. Bächtold-Stäubli Bd. 8 S. 106); die „Himmelsbriefe“ enthalten als ihr Hauptvotum das Verbot der Sonntagsarbeit (Rud. Stübe, Der Himmelsbrief. Ein Beitr. zur allgem. Religionsgesch., Tübingen 1918, S. 11 bis 16; [4] S. 32ff.); die Legende der hl. Dienstmagd Notburga steht in der gleichen Linie (Braun, Tracht und Attribute Sp. 561). Im 14. und 15. Jh., in der Zeit der religiösen Bewegungen, die Christus als ihr Zentrum haben, vereinigten sich der Gedanke der Heiligung des Sonntags und des fortgesetzten Leidens Christi im F.

Zu den Abbildungen

1. Ormalingen, Kt. Basel-Land, Kirche, Fresko an der Nordwand. 3. V. 14. Jh. Fot. R. Spreng, Basel.

2. Reutigen, Kt. Bern, Kirche, Fresco im Chor mit F. und hl. Christophorus. Um 1400 (?). Fot. H. Heiniger, Spiez.

3. Eriskirch Krs. Tettnang, Pfarr- und Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau, Wandgemälde im Schiff. A. 15. Jh. Nach Schr. des Ver. für Gesch. des Bodensees ... 61, 1934, Taf. 72f.

4. Ehrengruben bei Bischofslak (Crngrob pri Škofja Loka), Slowenien, Wallfahrtskirche, Fresko an der W-Seite. Werkstattkreis des Johannes de Laybaco, um 1460. Fot. France Stele, Laibach.

5. London, Brit.Mus., Inv.Nr. C. D. – A 119, Die zehn Gebote, Ausschnitt: 3. Gebot (Ges.abb.: Campbel Dodgson, Woodcuts and Metalcuts of the fifteenth c. chiefly of the German school, London 1914, Taf. 33). Holzschnitt von zwei Stöcken, Erläuterungen und Gebete in Typendruck, Gesamtmaße 37 × 26,5 cm. Basel, um 1475. Nach ebd.

Literatur

1. Edgar Breitenbach und Thea Hillmann, Das Gebot der Feiertagsheiligung, ein spätma. Bildthema im Dienste volkstümlicher Pfarrpraxis, Anz. f. schweiz. Alt.kde. N. F. 39, 1937, 23–36. – 2. Eric P. Baker, A Medieval sermon, Transactions of the Bristol and Gloucestershire arch. Soc. 67, 1946 bis 1948, 365–73. – 3. Rud. Berliner, Arma Christi, Münchner Jb. 3. F. 6, 1955, 35–152, bes. S. 112ff. (seine Stellungnahme gegen [1] läßt sich angesichts des gesamten Materials kaum aufrecht erhalten). – 4. Rob. Wildhaber, Der „Feiertagschristus“ als ikonographischer Ausdruck der Sonntagsheiligung, Zs. f. schweiz. Arch. u. Kg. 16, 1956, 1–34. – 5. Leop. Kretzenbacher, Der „Feiertagschristus“. Ein neuer Freskenfund aus dem ma. Oberzeiring, Neue Chronik zur Gesch. und Volkskde. der innerösterr. Alpenländer, Beilage Nr. 173 zur Südost-Tagespost, Graz, 28. Juli 1956. – 6. Ulrich Ocherbauer, Der Freskenzyklus in der Knappenkirche zu Oberzeiring, Österr. Zs. f. K. u. Dpfl. 11, 1957, 62–69.

Verweise