Feierabendziegel (Feierabendstein)

Aus RDK Labor
Wechseln zu: Navigation, Suche

englisch: Feierabendziegel (brick with inscription); französisch: Feierabendziegel (tuile avec inscription concernant le cessement du travail); italienisch: Tegolo con iscrizione ò decorazione.


Karl-August Wirth (1979)

RDK VII, 1000–1001


Feierabendziegel (Feierabendstein).

In der Fachliteratur findet man F. öfters als Sammelbegriff für Ziegel (bzw. Backsteine) verwendet, die mit Inschriften, ornamentalen oder figürlichen Darstellungen oder mit Abdrücken (z. B. von Füßen oder Händen) versehen sind. Grund hierfür sei die Gewohnheit, den letzten zum Brand ausgeformten Ziegel (Backstein) oder den letzten auf einem Dach verlegten Ziegel auf solche Weise zu kennzeichnen.

Wenn auch bisweilen der letzte in einem Jahr hergestellte Ziegel durch Inschrift als solcher ausgewiesen ist (Belege – derzeit – seit dem 16. Jh., vgl. [9]), ebenso der erste eines neuen Jahres, der einer neuen Ziegelei (vgl. etwa [6] S. 45) oder der zuletzt auf einem Dach befestigte (z. B. 1824 belegt: [11] S. 175), so besteht doch kein Anlaß, alle Ziegel mit Inschriften oder wie auch immer beschaffenen Zieraten – vgl. etwa RDK III 956 und 959 Abb. 41 – F. zu nennen. Daher s. Ziegel.

Das Wort F. kam anscheinend erst im 20. Jh. auf; sein Gebrauch ist – ebenso wie derjenige der im gleichen Sinne verwendenten Ausdrücke „Feiertagsziegel“, „Feiertagsstein“ – nicht auf bestimmte Landschaften beschränkt (anders [5] S. 3; vgl. aber die übrige Lit.), wie dies bei einigen Synonyma der Fall ist, z. B. bei „Sonnenziegel“ („Kunststein“, „Sinnstein“).

Literatur

1. N. N., Sonnenziegel – Feierabendsteine, Angermünder Kreiskalender 3, 1929, 99f. – 2. Gg. Melhout, Märkische Feierabendziegel – bunte Steine, Mitt. des Ver. zur Förderung der Heimatforschg. und des Heimatmus. für die Priegnitz in Heiligengrabe 18, 1939–40, 39f. – 3. Oskar Schmolitzky, Thüringer Volksk. Jena und Umgebung, Weimar 1950, S. 65ff. – 4. Kurt Wappler, Feiertagsziegel, Dt. Gaue 50, 1958, 60f., dazu ebd. 51, 1959, 10. – 5. Karl Hillenbrand, Feierabendziegel, Das Württ. Mus. 7, 1960, 3–9. – 6. Ders., Dachziegel und Zieglerhandwerk, Der Museumsfreund. Aus Heimatmus. und Slgn. in Baden-Württ. H. 4/5, 1964, 5–52, bes. S. 42ff. – 7. Ders., Verzierte Backsteine aus dem MA und aus späterer Zeit, ebd. S. 69–72 (zu [5–7] vgl. Paul Stieber, Bayer. Jb. für Volkskde. 1966/67, 255). – 8. Gislind Ritz, Feiertagsarbeit, in: Arbeit und Volksleben. Dt. Volkskde.kongr. 1965 in Marburg, Göttingen 1967, S. 160–173, bes. S. 164. – 9. Erich Mulzer, Giebelmännlein, Schlote, Hahnenkämme und andere Einzelheiten der Nürnberger Dacharchit. ..., Mitt. des Ver. für Gesch. der Stadt Nürnberg 56, 1969, 384–472. – 10. Mus. in Hessen 1970, S. 38 Abb. – 11. Hans-Günther Griep, Das Bürgerhaus der oberharzer Bergstädte (= Das Bürgerhaus, 19), Tübingen 1975, S. 175f. – Im übrigen s. Ziegel.

Hinweise gab Torsten Gebhard, München.

Verweise