Faust, Faust-Illustration

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englisch: Dr. Faustus; französisch: Dr. Faustus; italienisch: Faust.


Wolfgang Wegner (†) (1979)

RDK VII, 848–866


RDK VII, 849, Abb. 1. Straßburg 1588.
RDK VII, 851, Abb. 2. Adrian Matham, 1631, Amsterdam.
RDK VII, 853, Abb. 3. Jan Cornelisz. van 't Woudt (Entw.) und Christoffel van Sichem II (Ausf.), 1608.
RDK VII, 853, Abb. 4. C. Osiander, Tübingen 1808.
RDK VII, 855, Abb. 5. Moritz Retzsch, Tübingen 1816.
RDK VII, 857, Abb. 6. Peter Cornelius (Entw.) und Ferd. Ruscheweyh (Ausf.), 1813.
RDK VII, 861, Abb. 7. Eugène Delacroix, Paris 1828.
RDK VII, 863, Abb. 8. Ferd. Fellner (1799-1859), Ffm.
RDK VII, 865, Abb. 9. Moritz Retzsch, Stuttgart und Tübingen 1837.

I.

A. Person

Der historische F. (wahrscheinlich Georg F.) ist um 1480 (?) in Helmstadt Krs. Mannheim (oder in Knittlingen bei Maulbronn) geboren, gestorben gegen 1540 wohl in Staufen im Breisgau. F. ist seit 1506 nachweisbar, u. a. in Kreuznach, Erfurt, Bamberg, Ingolstadt, ist aber überall nach kurzer Zeit als mißliebig ausgewiesen worden. Er war Arzt, Astrologe und Mantiker und suchte wiederholt Verbindungen zu humanistischen Gelehrtenkreisen. Gestalt und Wesen weckten schon bei den Zeitgenossen zwiespältige Eindrücke [Hans Henning, F. als hist. Gestalt, Jb. der Goethe-Ges. N. F. 21, 1959, 107 bis 139; Alfr. Zastrau in: Neue dt. Biogr. Bd. 5, Bln. 1961,S. 35f.; [7]).

B. Überlieferung

Als Träger bildlicher Überlieferung kommen vor allem das F.buch und das Drama in Betracht.

1. F.buch

Schon zu Lebzeiten liefen von Hand geschriebene Bücher über F. um (so A. Zastrau a.a.O.). 1587 erschien in Frankfurt a. M. bei Joh. Spieß das älteste gedruckte F.buch: Historia von D. Johann Fausten, dem weitbeschreyten Zauberer und Schwartzkünstler (mehrere Neuausg., zahlreiche Nachdr., vgl. [1]; zur weiteren Überlieferung [3] S. XIX–XXV). Das Volksbuch vom Dr. F. ist Unterhaltungslit. und Polemik zugleich; der Vf. der Spießschen Ausg. gilt als Lutheraner strenger Observanz (vgl. Gustav Milchsack, Ges. Aufsätze über Buchk. und Buchdruck, Doppeldrucke, F.buch und F.sage ..., Wolfenbüttel 1922, Sp. 121f.; [4] S. 17; Rich. Waswo, Damnation, Protestant Style: Macbeth, Faustus, and Christian Tragedy, Journ. of Medieval and Renss. Stud. 4, 1974, 63–99), auch sonst zeigt sich antikatholische Tendenz, im dämonisch frevelhaften Treiben F. Warnung vor Strafwürdigem [4, S. 17]. Ähnlich wie im Drama ist in der 2. H. 18. Jh. bei Dichtungen in der Nachfolge des F.buchs neuer Stoff einbezogen; so wird bei Joh. Frdr. Löwen, Die Walpurgisnacht, Hbg. und Lpz. 1756, zum ersten Mal F. mit der Walpurgisnacht in Verbindung gebracht.

2. Drama

Das F.spiel ist 1588 in der Beschreibung eines Nürnberger Fastnachtszuges als bekannt vorausgesetzt (hier auch bereits das von F. entführte Gretchen – der Name ist im 16. Jh. in der dt. Lit. häufig: Joh. A. Walz, The Germanic Revue 3, 1922, 1–22; [4] S. 9). Christopher Marlowe's „Tragicall History of D. Faustus“, 1588–89 oder 1592 geschrieben (sie erschien 1604 gedruckt, erste nachweisbare Aufführungen in Dtld. 1608 in Graz, 1626 zu Dresden), ist das älteste überlieferte Drama; in den verschiedensten Dramatisierungen des F.stoffes im 17. und 18. Jh. sind daraus Szenen entnommen, ergänzt, erweitert und vermehrt (zum niederländ. F.spiel vgl. Ernst Ferd. Roßmann, De Hellevaart van Dr. F., Den Haag 1910). Neukonzeptionen – vor allem des Schlusses – sind erst seit der Zeit der Aufklärung und des Sturms und Dranges gesucht worden (Gotth. Ephr. Lessing, Joh. Friedr. Müller, Goethe).

3. F.bildnisse

Eine Radierung des Rembrandtschülers Jan Georg van Vliet nach Rembrandt wurde von dem Pariser Stecher und Verleger François Langlois gen. Ciartes † 1647 mit der Beschriftung „Doctor Favstvs“ im Nachstich herausgegeben ([3] Abb. S. 3; vgl. Alfred von Wurzbach, Niederl. Künstler-Lex. Bd. 2, Wien und Lpz. 1910, S. 806 Nr. 25; allgemein zu F.bildnissen Rud. Payer, F. im Bilde ..., Wien 1919).

Der Nachstich Ciartes diente im 18. und 19. Jh. mehrfach als Vorlage (z. B. [3] Abb. S. 60f.). Doch gibt es im 18. Jh. – bes. am Jh.ende – als Titelbild auch andere Bildnisse F., meist in historisierender Tracht (Beisp. ebd. S. 62, 69, 78). Für das Titelbl. zu Goethes Faust-Fragm. (Goethes Schriften, Bd. 7, Lpz. 1790; nicht in der Einzelausgabe) ist Rembrandts Radierung B. 270 als Vorlage benutzt (Stich von Joh. Heinr. Lips: [4] Abb. 26; zur Geschichte der Benennung dieser Radierung – die in der 2. H. 18. Jh. als F.bildnis galt – ebd. S. 19–23, 42f.).

Vereinzelt sind auch in anderem Zusammenhang F.bildnisse anzutreffen. F. im Gespräch mit Mephistopheles (als Bettelmönch gekleidet, vgl. Sp. 852) zeigt ein Kupferstich des Christoffel van Sichem nach Zchg. von Jan Cornelisz, van 't Woudt, um 1606–07, 1608 als Einzelbl. veröff.; im Hintergrund des Landschaftsausblicks sind weitere Szenen: Unterzeichnung des Kontrakts, Teufelsbeschwörung, F. im Drachenwagen (Abb. 3; als Ill. in: Chr. v. S., Het Tooneel der Hooft-Ketteren, ..., Middelburg 1666: [4] S. 13; das Gegenstück dazu bildet die Szene zwischen Wagner und Auerhahn). Auf dem Titelkupfer des Jacobus Houbraken zu Mich. Maittaire, Annales typographici ..., s'Gravenhage 1719, ist F. in die Reihe berühmter Drukker aufgenommen – Verwechslung mit Johs. Fust [4, S. 33, Abb. 17]. – Ein Stich von Joh. Benjamin Brühl zeigt die im Lichtglanz erscheinende Wahrheit, vor der Gestalten des Aberglaubens und der Finsternis fliehen, unter ihnen F. (Francis Hutchinson, ... Hist. Versuch von der Hexerey, ..., übers. von Theod. Arnold, Lpz. 1726; [4] S. 29f.).

II. Faust-Illustration

Mit F.-Ill. werden – streng genommen – die Ill. des F.buches und des F.dramas bezeichnet. Das Thema kann aber nicht behandelt werden, ohne die selbständigen druckgraphischen Zyklen und die sonstigen Darstellungen (vor allem Gem. und Zchgn.) einzubeziehen.

Bis zu Goethes F.dichtungen (Fragment Lpz. 1790, Teil I Tübingen 1808, Teil II Tübingen 1832) liegt das Gewicht der Ill. auf dem F.buch; Titelbll. dramatischer Bearbeitungen spielten nur eine untergeordnete Rolle. Im 19. Jh. betreffen alle Neuerfindungen Ill. zu Goethe-Ausgaben, wobei mit Faust II weithin neue Bildvorwürfe gegeben waren; in dieser Zeit blieben die Ill. des F.buches konventionell oder übernahmen die Goethe-Ill.

1. Anfänge

Vorläufer der F.-Ill. sind Bilder zu Geschichten aus F. Leben in dem von Christoph Roßhirt zusammengestellten, wohl 1575 beendeten Familienbuch (Karlsruhe, Bad. L.bibl, Hs. 437; [3] Abb. S. 28).

Die ersten gedruckten F.-Ill. in Dtld. sind Titelbll. von F.büchern; sie zeigen F. mit dem Teufel, meist „simultan“ in mehreren Szenen:

Straßburg 1588 (Abb. 1); o. O. 1588 ([3] Abb. S. 31; der Teufel hier – wie später oft – in Mönchskutte); o. O. 1589 ([4] Abb. 2; Jos. Fritz, Die bildl. Ausstattung der F. bücher C und D, Zs. für Bücherfreunde N. F. 6, 1915, 301f.). Das älteste ill. holländ. F.buch, erschienen in Dordrecht (?) 1592, zeigt als Titelholzschnitt einen Gelehrten vor feuerspeienden Felsen; die 5 Buchholzschnitte sind anderen Büchern entnommen, die Beziehungen zum Text vage ([3] Abb. S. 32; [4] Abb. 5).

2. Um 1600-1808

Illustration des ganzen Buches war in Holland im 17. Jh. in Übung (dazu Bart Hendrik van't Hooft, Das holländ. Volksbuch von Dr. F., Den Haag 1926; Besprechung von E. F. Roßmann, Euphorion 29, 1926, 274–282). Die Auswahl aus der Fülle von Begebenheiten (Zaubereien, Abenteuer, Schwänke) ergab sich aus der Kapiteleinteilung und wurde bis in das Volksbuch des 19. Jh. im wesentlichen festgehalten [4, S. 15].

In Kupferstichen zu J. F. Löwen (s. Sp. 849) sieht man den Ritt zum Blocksberg (Titelkupfer der Ausg. Hbg. und Lpz. 1756, gestochen von Gottlieb Leberecht oder Carl Leberecht Crusius) oder das Treiben auf dem Berg (Stich von Joh. Wilh. Meil, in J. F. L., Schriften, 3. Theil, Hamburg 1765: [3] Abb. S. 56). – Titelholzschnitte zu Flugschriften des 18. Jh. zeigen andere Szenen: F. und den Roßtäuscher (um 1714–1735: [3] Abb. S. 69) und F. mit zwei Kartenspielern und dem Teufel (Steyr, um 1780–94: ebd. Abb. S. 71). – Helena in Modekleidung mit Cupido, F. im Zauberkreis, zu seiner Rechten der Teufel im Harlekinsgewand im Studierzimmer arrangierte George Bickham d. J. als Titelvignette, London um 1740, zu dem Lied „Helen charms Dr. F.“ [4, S. 30, Abb. 14].

Einzelbilder mit F.szenen gibt es im 17. und 18. Jh. vereinzelt sowohl in den Niederlanden wie in Deutschland.

Tafelbilder in Auerbachs Keller zu Leipzig zeigen F. als Zecher mit Studenten und – lit. erstmals 1630 erwähnt – den Faßritt (Datierung unsicher, viell. 1625: Abb. nach der Restaurierung 1912 bei [3] S. 26; [4] S. 18). – In der Federzchg. des Adrian Matham, um 1642, Rijksmus. Amsterdam, führt Mephistopheles F. in dessen Studierstube Helena zu ([4] Abb. 7, S. 18; eine weitere Fassung des Themas: Abb. 2; zu möglichen Vorstufen der Bilderfindung und zum Auftreten Helenas im F. spiel ebd.). Eine um 1640 entstandene Graphitzchg. auf Pergament, Pieter Quast zugeschr., schildert F. mit gekreuzten Armen im Kreis lemurenhafter, mißgebildeter, stehender, kniender oder hockender Gestalten, deren eine F. Schädel und Knochen entgegenhält; über der Szene eine alte Beschriftung „Faustus, Faustus, Tempus Est“ (Ffm., Freies Dt. Hochstift: [4] Abb. 13; ebd. S. 26 bis 28 vergleichbare Theaterpraxis vom E. 18. Jh.). Ein dt. Flugblatt um 1710–20 zeigt als Mittelbild F. bei der Beschwörung, dazu 26 Darstellungen aus seinem Leben (Kupferstich: Hans Dreyer, Doctor Johs. F. ..., Das Antiqvariat 9, 1953, 37–40, mit Abb.; [4] S. 29).

Anspielungen auf das F. thema sind auch sonst in Bildern anzutreffen.

Erstmals enthält die in Arnheim (?) 1608 erschienene Ausg. eine umfangreiche Folge von Holzschnitten (einige abgeb. bei [4] Abb. 5). Diese Ill. wurden bis in das 18. Jh. hinein in einer Reihe holländ. Ausg. wiederholt oder mit Abweichungen kopiert (ebd. S. 15; Abb. der mit der Ausg. 1608 weitgehend übereinstimmenden Holzschnitte des F.buches o. O. 1685 bei [3] S. 33–37).

Im dt. Sprachgebiet scheint man erst E. 18. Jh. F. bücher illustriert zu haben.

Friedr. Maximilian Klinger, F.leben, Thaten und Höllenfahrt ..., St. Petersburg 17942, ist ausgestattet mit 6 Kupferstichen von Chrn. Schule nach Joh. David Schubert: Beschwörung des Teufels, F. und der Teufel betrachten Gefangene, Verwandlung des Frankfurter Ratsherren in Tiere, Verführung einer Dame mit Hilfe von Guckkastenbildern („Sie sah bevor sie fliehen konnte“), der Teufel zeigt F. die Herrlichkeiten der Welt (Kronen, Orden, Frauen), F. Ende; alle Personen tragen „ma.“ Tracht [4, Abb. 18-23].

Häufiger als Folgen sind Titelblätter (zu solchen mit F. Bildnis s. Sp. 850).

Ausg. von Marlowe's Drama (Sp. 849) zeigen F. im magischen Kreis, wie er mit Buch und Stab den Teufel beschwört (Holzschnitt 1631: [4] Abb. 6; 1640: [3] Abb. S. 39; 1663: [2] Nr. 114 und 253). – Im Titelkupfer der französ. „Histoire Prodigieuse et Lamentable de Jean Fauste“, Rouen 1667, sind F. und der Teufel – beides elegante Herren – im Zimmer geschildert, den Pakt schließend (?; [3] Abb. S. 40 unten; [4] S. 29), in dem der Ausg. Köln 1712 steht F. im Wald im magischen Kreis, den zahlreiche Teufelsgestalten umlagern (ebd.; [3] Abb. S. 40 oben). Letztere Szene zeigt auch das Titelkupfer von Joh. Friedr. Müller, Dr. F. Leben ..., o. O. (Wien) 1790 [3, Abb. S. 77]; die Ausg. Mannheim 1788 war mit einer Radierung als Vignette erschienen, die die drei in der Dichtung vorkommenden Juden wiedergibt (ebd. Abb. S. 78). Bei Julius Reichsgraf Soden, Dr. F., Augsburg 1797, ist Ithuriel – „lieblicher Genius, in weißem fliegenden Gewand, ein Sternenkranz um sein Haupt“ – bei F. im Schuldgefängnis dargestellt (ebd. Abb. S. 77; [4] S. 77), im anonymen „F., der große Mann“, Wien o. J. (1799), der Kalbskopf auf dem Pächtertisch sowie eine Beschwörungsszene [4, S. 37].

Ein Stich von William Hogarth, 1723–34, zeigt Besucher, die rechts zu einem Theater mit der Aufschrift „Dr. Faustus is Here“ drängen (Ronald Paulson, Hogarth's Graphic Works, New Haven und London 1965, Bd. 1 S. 102–05 Kat. Nr. 34, Bd. 2 Taf. 37); in Hogarth's Stich „A Just View of the British Stage“, 1724, ist einer der seitlich der Bühne dargestellten „Musen“ ein Zettel „Harlequin Dr. Faustus“ auf die Stirn genagelt (Titel einer Pantomime; R. Paulson a.a.O. Bd. 1 S. 109–11 Kat. Nr. 45, Bd. 2 Taf. 48; [4] S. 30). – „Fausts Höllenzwang“ lautet die Aufschrift eines Buches im Vordergrund einer Alchimistenküche: Titelvignette zur Ausg. Lpz. 1778 der Operetten von August Gottlieb Meißner, zu beziehen auf dessen Operette „Der Alchymist“ [4, S. 30f., Abb. 15].

3. 1808–1850

1808 erschien in Tübingen bei Cotta Goethes „Der Tragödie erster Teil“ (zum 2. Teil s. unten Sp. 860). Einem Teil der Ausg. sind 4 Kupferstiche von C. Osiander beigegeben (Abb. 4; Leop. Hirschberg, Zs. für Bücherfreunde 11, 1907 bis 1908, Bd. 1 S. 174–76; [4] Abb. 30–32; vgl. auch Elisabeth Clösges, Die Ill. von Goethes Dichtung in seiner Zeit, Diss. Bonn 1943 [masch.]). Sie zeigen die Erscheinung des Erdgeists (V. 482); Auerbachs Keller: die Studenten fassen sich gegenseitig an der Nase, F. und Mephistopheles entweichen (V. 2313–21); Nacht, offen Feld, Rabenstein (V. 4399–4404); F. in Margaretes Kerker (V. 4536ff.).

Goethe hatte 1798 brieflich zwar den Gedanken einer ill. Ausgabe seines Dramas geäußert, aber 1805 in einem Brief an Cotta sich gegen eine Ill. des F. ausgesprochen (zur allgemeinen Situation der dt. Buchill. um 1800: Elfriede Leskien, Die Spiegelung der künstlerischen Strömungen der Goethezeit in der damaligen dt. Buchill., Gutenberg Jb. 8, 1933, 214 bis 226; vgl. auch Ausst.Kat. „Goethe im Bild und seine Zeit im Buch“, Lpz. 1930). So entstand auch eine Reihe von Zeichnungen Goethes wohl im Zusammenhang mit Aufführungsplänen, ist also nicht als F.-Ill. im engeren Sinn anzusehen (hinsichtlich Aufführungsmöglichkeit des F. hielt sich Goethe sehr zurück, vgl. fé] S. 25f.). Die zeitliche Entstehung wird unterschiedlich beurteilt, die meisten gelten als um 1810–12 geschaffen (Hans Wahl, Die sieben Zchgn. Goethes zu seinem F., Weimar 1925; [4] S. 50f.; Gerh. Feminei [Bearb.], Corp. der Goethezchgn. Goethes Slg. zur K., Lit. und Naturwiss.], Bd. IVB, Lpz. 1968, S. 72–74, Nr. und Abb. 222–27). Die Entwürfe zeigen: Prolog im Himmel (möglicherweise nach 1797); Beschwörung des Pudels (um 1800?); Erscheinung des Erdgeists [4, Abb. 37]; Studierzimmer; Hexenküche (deren Datierung durch das um 1810 bis 1812 in Schriften Goethes vorkommende Wasserzeichen gesichert); Aufstieg zum Blocksberg, Erscheinung Gretchens; zur Beurteilung der Zchgn. vgl. Arthur Rümann, Philobiblon 5, 1932, 11–18, 53 bis 59, bes. S. 18.

Folgen: Der Jurist und Architekturhistoriker Christian Ludwig Stieglitz hielt sich in seiner 1809 geschaffenen Folge von 13 Zeichnungen (Dresden, Kk.) nicht an den Theatervorgang, sondern sucht mit an Piranesi gemahnenden klassischen Architekturen, mit Campagna-Landschaften, Felsklüften in Art der Zauberflöte eine eigene Sphäre zu schaffen (so Rich. Benz, Goethe und die romant. K., Mchn. o. J. [1940], S. 172).

An Szenen sind ausgewählt: Prolog im Himmel; Erscheinung des Erdgeists [4, Abb. 34]; Erscheinen des Pudels beim Spaziergang (V. 1147); Auerbachs Keller; Hexenküche (V. 2337ff.); Gretchen am Brunnen (V. 3544ff.; [4] Abb. 35) und vor der Mater dolorosa (V. 3587ff.); Aufstieg zum Brocken (V. 3910ff.); Walpurgisnacht (V. 4183ff.); Nacht, offen Feld, Rabenstein; F. auf dem Weg zu Margaretes Kerker (V. 4399ff.; [4] Abb. 36); Kerker. – Goethe lagen die Zchgn. 1809–10 zur Ansicht vor [4, S. 46].

Ludwig Gottlieb Carl Nauwerk sandte 1810 an Goethe sechs Sepiazeichnungen, die, bis 1823 durch fünf weitere ergänzt, Vorlagen für die 1826 in Hamburg erschienene Folge von Lithographien sind (von Goethe 1827 in „Kunst und Alterthum“ besprochen). Diese Szenenzahl und -auswahl ist in der Folgezeit in druckgraphischen Zyklen zu F. nicht mehr unterschritten worden.

Die Darstellungen [3, Abb. S. 118–22] beginnen mit dem Vorspiel auf dem Theater und dem Prolog im Himmel; es folgen: Erscheinung des Erdgeists (dieser als überdimensioniertes Apollohaupt); Beschwörung des Pudels; Auerbachs Keller; Hexenküche mit der Erscheinung im Spiegel; Gartenszene (V. 3073ff.); Valentins Tod (V. 3698ff.); Aufstieg – Schweben – zum Blocksberg (V. 3912ff.); Walpurgisnacht (Vorzchg. dazu: Freies Dt. Hochstift, Ffm.); Kerker.

Bei den folgenden Ill. liegt der Nachdruck auf der Darstellung der Gretchen-Tragödie; in Kostümen und Architektur macht sich die romant. Richtung mit ihrer Tendenz zur historisierenden Wiedergabe der Szene bemerkbar.

Moritz Retzsch schuf 26 Zeichnungen für die Stiche – Goethe hat sie 1810 in Dresden gesehen –, die als „Umrisse zu Goethes F.“ 1816 in Stg. bei Cotta erschienen (Abb. 5; [3] Abb. S. 103–16; die Zeichnungen in Dresden, Kk.; zu Faust II s. Sp. 860).

Goethe schätzte die Blätter sehr hoch ein, weil Retzsch „das wirklich Darzustellende ergriffen“ habe; den Szenen des F. genau nachgehend, hat er für viele den ersten Typus der Verbildlichung gefunden; Gretchen am Spinnrad z. B. wurde von ihm zum erstenmal dargestellt (R. Benz a.a.O. [Sp. 856] S. 176; vgl. [4] S. 58f.).

Die 12 Stiche von Peter Cornelius gelten als die bedeutendsten dt. zeitgenössischen F.-Ill.; Goethe sah 1811 die sieben in Frankfurt vollendeten Zeichnungen (die übrigen entstanden erst in Rom: R. Benz a.a.O. S. 160f.); die Folge erschien, von Ferdinand Ruscheweyh gestochen, 1816 in Frankfurt a. M. ([4] S. 55f., mit Erwähnung weiterer Zchgn., die nicht im Stich reproduziert wurden).

Im Ornamentalen bezeugen das Widmungsblatt an Goethe und das Vorspiel auf dem Theater das Studium Dürers, das Goethe Cornelius empfohlen hatte (vgl. dazu [6] S. 38–48). In der mephistophelischen Verkörperung des hinter Gretchen stehenden Bösen in der Domszene [3, vgl. Abb. S. 101], dem phantastischen Gang zum Brocken (Abb. 6), der Szene „Nacht, offen Feld“ (F. und Mephistopheles auf schwarzen Pferden daherbrausend, im Hintergrund die Richtstätte: [4] Abb. 40), in der Kerkerszene mit dem Ausblick auf die unruhigen, den Morgen witternden Pferde (vgl. [3] Abb. S. 102) sind Cornelius Prägungen von herber Dramatik gelungen, die in der dt. Ill. keine ebenbürtige Nachfolge gefunden haben. – Zu den zahlreichen Vorzchgn. vgl. [3] S. 95–102; E. Cloesges a.a.O. [Sp. 855] S. 138; Ulrich Christoffel, Die romant. Zchg. von Runge bis Schwind, Mchn. 1920, S. 36–42; Alfred Kuhn (Einl.), Goethes F. 1. Teil. Mit Zchgn. von P. C, Bln. 1920; [4] Abb. 39 und 41; Marianne Bernhard (Hrsg.), Dt. Romantik, Handzchgn., Mchn. (1973), Bd. 1 S. 111–22.

Auch die Brüder Franz und Johs. Riepenhausen scheinen die Gretchen-Szenen betont zu haben; überliefert ist von den 12 Zeichnungen, von denen Goethe 1811 berichtet wurde, nur die – mit einer zweiten Variante erhaltene – 1827 lithographierte Zeichnung „Erste Begegnung F. mit Gretchen“ [3, Abb. S. 92], viell. die erste Darstellung dieser Szene; die Gestalt von Gretchens Schutzengel wird von späteren Illustratoren nicht aufgegriffen ([4] S. 51; Ausst.Kat. „Klassizismus und Romantik in Dtld.“, Nürnberg 1966, Nr. und Abb. 141).

Gustav Heinrich Naecke schuf um 1811/15 mehrere Darstellungen [4, S. 52], ohne daß daraus die Absicht eines Zyklus erkennbar ist: erste Begegnung mit Margarete (Gem. 1932 in Priv.bes., abgeb. bei R. Benz a.a.O. [Sp. 856] S. 174, Taf. 25; Zchg. im Kk. Dresden: Ausst.Kat. „Goethe“, Dresden 1932, Nr. 841; Lithographie von Nikolaus Strixner: [3] S. 92), Margarete befragt die Sternblume (Gem., ehem. Slg. Gurlitt [4, Abb. 38] und Lpz., Mus. der bild. K. [3, Abb. S. 93]); Gretchen vor der Mater dolorosa (Nachstiche von Carl August Schwerdgeburth im Taschenbuch „Urania“ 1815: ebd.; R. Benz a.a.O.), Mephistopheles tritt in F. Stube [4, S. 52], Walpurgisnacht (Zchg. im Schloßmus. Weimar: [3] Abb. S. 94).

1816 wurden aus Goethes F. in den zu Tübingen erschienenen „Kartenalmanach für die gegenwärtige Zeit“ aufgenommen, von C. Osiander gezeichnet und gestochen: Auerbachs Keller (Treff 5), Hexenküche (Pik 6), Nacht, offen Feld (Treff 4) und F. bei Gretchen im Kerker (Herz 3; [4] S. 60f., Abb. 45–48).

Von Joh. August Krafft (1798–1829) bewahrt das Kk. des Statens Mus. for K. in Kopenhagen 3 Zeichnungen mit F.-Themen: zweimal Gretchen vor der Mater dolorosa (V. 3616 und 3617ff.), Gartenszene [4, S. 70, Abb. 53–55].

In der „Wiederbelebung altd. Kunstgefühls“ gelten die Zchgn. Ferd. Fellners zu Faust I als besonders geglückt (Abb. 8; [4] S. 81, Abb. 64 bis 66).

Die von Eugène Delacroix geschaffene Folge von 19 Lithographien – dem neben Cornelius bedeutendsten F.-Zyklus in der 1. H. 19. Jh. – gehört zu den wenigen F.-Ill. im engeren Sinne, da sie der Übersetzung von Goethes F. durch Albert Stapfer, Paris 1828, beigegeben ist, nach Meinung von D. sehr zum Schaden der Folge (Abb. 7; [3] Abb. S. 209–14; [4] S. 70f.; Uwe Fischer, Das lit. Bild im Werk E. D. Ein Beitr. zur Ikonographie des 19. Jh., Diss. Bonn 1963 [masch.], passim; [6]).

Der Zyklus entstand als Reaktion auf einen Theaterbesuch von Delacroix in London 1825. Auf Anregungen, die er von Cornelius empfing, hat hingewiesen Jakob Otto Kehrli, Die Lithographien zu Goethes F. von E. D., Bern 1949. „Delacroix befaßt sich allein von allen Künstlern nicht nur mit der Gretchentragödie ... bei ihm beherrscht Mephisto die Tragödie. Sein Gretchen ist nicht das zarte, unschuldsvolle, tränenreiche Kind und sein F. nicht der fein herausgeputzte Theaterheld mit wallenden Federn und flatternden Bändern. Ganz im Gegenteil, sein F. hat etwas von seinem Dämon angenommen, er ist auch äußerlich ein Stück seines Schöpfers und Verführers. Beide sind nicht schöne theatralisch auffrisierte Marionetten, sie sind voll Feuer und Blut und sprechen die Worte wirklich, die ihnen Goethe in den Mund gelegt hat“ (A. Rümann a.a.O. [Sp. 856] S. 57). – Goethe hat sich ausführlich über die Lithographien geäußert, in „K. und Alterthum“ (Bd. 6, 1, Stg. 1827, S. 66–68; Bd. 6, 2, Stg. 1828, S. 387–91) wie gegenüber Joh. Peter Eckermann: „Und wenn ich nun gestehen muß, daß Herr D. meine eigene Vorstellung bei den Szenen übertroffen hat, die ich selber gemacht habe, um wieviel mehr werden nicht die Leser alles lebendig und über ihre Imagination hinausgehend finden!“ (J. P. E., Gespräche mit Goethe ..., hrsg. von Eduard Castle, Bd. 1, Bln., Lpz., Wien und Stg. 1916, S. 144f., 29. 11. 1826).

Unter dem Eindruck der Lithographien D., also nach 1827, entstanden Theodor Matthias von Holst zugeschr. Zchgn. (ehem. Joh. Heinr. Füßli zugeschr.: [4] S. 71f., Abb. 58; Gert Schiff, Die F. ill. des Malers Th. M. von H., Jb. des Wiener Goethe-Ver. 66, 1962, 74–88; vgl. auch ders., Burl. Mag. 105, 1963, 23–32).

Die im Taschenbuch „Minerva“ 1828 und 1829 veröffentlichten 17 Kupferstiche nach Joh. Heinr. Ramberg gehören zu den wenigen F.-Ill., in denen Bezüge zu zeitgenössischen Aufführungen von Goethes Schauspiel bestehen; die Zeichnungen Rambergs sind dabei den befangen wirkenden Nachstichen an Reiz weit überlegen ([3] Abb. S. 123–27; [4] S. 72–74). – Mit zeitgleichen Aufführungen scheint auch ein vier Szenen umfassender lithographischer Frankfurter Bilderbogen zusammenzuhängen (ebd. S. 75, Abb. 59).

Bereits im Erscheinungsjahr von Faust II – zugleich Goethes Todesjahr – erschien auch die älteste Ill. desselben: Moritz Retzsch, Choretide in Euphorions Armen, F. und Helena (V. 9800 bis 9807; Bd. 1 von Goethes nachgelassenen Werken = Bd. 41 der Ausg. letzter Hand; [4] S. 75, Abb. 61, mit vertauschter Bildunterschrift). Die Ill. hat R. für die 1836 erschienene Folge von 11 Kupferstichen abgewandelt wiederholt. Eckermann hatte dem Verlag den Künstler vorgeschlagen, der in den Erläuterungen bemerkte, er habe sich „in Redlichkeit, jedoch auf seine Weise“ in Goethes Werk versenkt (Abb. 9; [3] Abb. S. 112–116; [4] S. 75f. mit Anm. 297).

Im gleichen Jahr 1836 sollte Wilh. von Kaulbach für die von Cotta geplante „Prachtausgabe“ des gesamten F. (der Begriff bürgerte sich nun auch in der F.-Ill. ein) zwölf Stahlstiche liefern. – Als Titelkupfer zum 1. Teil der Cottaschen Textausgabe Stg. und Tübingen 1840 ist „Studierzimmer, die Wette“ (V. 1699) geschildert – Stich von J. Bram; das Titelkupfer zum zweiten Teil stellt in neuartiger Weise die Schlußapotheose der Dichtung dar (Stich von X. Streifensand: [3] Abb. S. 158; [4] S. 79). – 1841 erschien bei Cotta die von Kaulbach und seinen Schülern geschaffene Stahlstichfolge der „Gallerie zu Goethes sämtlichen Werken“, in der als Ill. zu Faust II – von X. Streifensand gestochen – Kaulbach die Schöpfung des Homunculus in der ma. Alchimistenwerkstatt veranschaulicht ([3] Abb. S. 170; [4] S. 79f.). – 1847 erschien die Prachtausgabe der Übersetzung beider Teile des F. durch Henri Blaze de Bury mit drei kleinen Holzschnitten und acht Stahlstichen von Tony Johannet, von denen zwei auf den zweiten Teil entfallen, „F. und Mephistopheles vor dem Gang zu den Müttern“ und „Gretchen zu Füßen der Mater gloriosa“ ([3] Abb. S. 221–223; [4] S. 80); mit den Lithographien von Delacroix können sich diese Ill. nicht messen, doch kamen sie dem Geschmack ihrer Zeit mehr entgegen. – Zahlreiche Holzschnitte und 25 Stahlstiche aus der Zeit von 1841–1851 enthält schließlich die seit 1852 in Lieferungen erschienene F.-Ausgabe des Cotta-Verlags (Stiche von Adrian Schleich nach Engelbert Seibertz: [3] Abb. S. 179–91; [4] S. 88).

Das Erscheinungsjahr von Faust II bedeutete nicht, daß von da an die Zyklen auch den zweiten Teil der Dichtung einbezogen. So zeigen die Lithographien sowohl von Carl Harnisch zu „Bildliche Darstellungen in Arabeskenform zu Göthe's F.“, Berlin 1832 [3, Abb. S. 144–49], als auch zu den „Szenen aus Goethes F. nach Angaben des Fürsten Radziwill zu seinen Kompositionen des F.“, Bln. 1835, das Geschehen bis zu Margarete im Kerker; der Wert der letztgenannten Ill. mag vor allem darin bestehen, daß sie eine Vorstellung von der F.-Aufführung geben können, die der Fürst als erste Privataufführung 1819 in Schloß Monbijou in Berlin angeregt und durchgeführt hatte ([3] Abb. S. 128–32; [4] S. 77f. mit Anm. 312). – Auch der Zyklus nach Julius Nisle in der „Goethe-Gallerie ...“ Stg. (1840) umfaßt mit 28 Stahlstichen nur Faust I ([3] Abb. S. 160–67; [4] S. 79). Die von Wilh. Kaulbach geplante Ergänzung seines zwischen 1833 und 1835 entst. Goethe-Zyklus' im Schlafzimmer der Königin im Königsbau der Münchner Residenz [3, Abb. S. 171f.] durch Szenen auch aus Faust II unterblieb, da Kg. Ludwig I. Szenen aus anderen Dramen wählte [4, S. 79].

Themen aus F. kommen auch als Ill. anderer Zusammenhänge vor. So brachte Eugen Nap. Neureuther in seinen „Randzeichnungen zu Goethes Balladen und Romanzen“ 1829 den König in Thule, 1839 die „Gretchenlieder“ in einer Auffassung, die sich an die dekorative Aufgliederung der Bildseiten im Gebetbuch des Kaisers Maximilian mit Dürers Zchgn. anlehnt ([3] Abb. S. 140f.; [4] S. 75). – Den König von Thule wählte auch Adolf Menzel 1835 als Vorwurf für ein Aquarell spätromantischen Charakters ([3] Abb. S. 157; [4] S. 78f.).

Einzeldarstellungen lassen deutlicher noch als Zyklen die Bevorzugung der Gretchenthemen erkennen (beliebt in Almanachen, vgl. Sp. 859), doch kann umgekehrt von einer ausschließlichen Konzentration darauf nicht die Rede sein. Sehr oft handelt es sich im folgenden um Gemälde oder Zeichnungen.

Im Wiener Nachdruck der Cotta-Ausg. von Goethes F., 1810, ist die Ill. auf das Titelbl. beschränkt: F. versucht, Margarete aus dem Kerker zu befreien; diese ist hier als kniende Büßerin gegeben (Umrißstich von Vinzenz Raimund Grüner: [3] Abb. S. 93; [4] S. 47). – Ein Franz Pforr zugeschr. Gemälde gibt die Szene V. 1506ff. wieder: F. ist im Studierzimmer eingeschlafen, Mephistopheles und ein Hund (?) entfernen sich, oben erscheint in Wolken mit den „luftgen, zarten Jungen“ eine Landschaftsvision ([3] Abb. S. 93; [4] S. 48). – Ein Gem. von Friedr. Riepenhausen hat „Gretchen findet den Schmuck“ (V. 2783ff.) zum Gegenstand (Ernst Beutler und Josefine Rumpf, Bilder aus dem Frankfurter Goethe-Mus., Ffm. 1949, Nr. 92). – Ludwig Ferd. Schnorr von Carolsfeld wurde zu seinen Gemälden durch Friedrich Rochlitz in Leipzig (der auch für die Beziehungen Goethes zu Stieglitz wichtig war) angeregt: 1819 Mephistopheles erscheint F. im Studierzimmer, 1833 Gretchen im Kerker [3, Abb. S. 117]; erstere Szene ist auch Thema des von C. Rahl gestochenen Titelblatts im Bd. 9 der Wiener Goethe-Ausg. 1816–22 (Otto Rauscher, Chronik des Wiener Goethe-Vereins 42, 1937, 39), letztere Szene hat Sch. v. C. auch gezeichnet (Serie von 9 Bll., meist nach Werken F. von Schillers; Kat. L'art ancien, Zürich, Aukt. 16. 6. 1960, Nr. 254.7; allgemein: Rob. F. Arnold, Chronik des Wiener Goethe-Ver. 42, 1937, 9–12; [4] S. 61f.). – Die Zeichnung von Ludwig Sigismund Ruhl, F. und Margarete im Garten, 1819, ist in Rom wohl im Umkreis von Cornelius entstanden (ebd. S. 61, Abb. 49). Unter dem Einfluß von Werken Cornelius' stehen auch Zeichnungen von Th. G. Schlick: „Nacht, offen Feld“, dat. 1820 (Ffm., Freies Dt. Hochstift; vgl. auch [3] Abb. S. 156), „Gretchen im Kerker“ (ebd., dazu weitere, um und nach der M. 19. Jh. entstandene Bll. S. 155f.; [4] S. 63); ganz im Banne von Cornelius steht die liebenswürdige Federzeichnung von Ernst Förster, Gretchen und Lieschen am Brunnen, 1823 [4, Abb. 52]. – Ein Jahr zuvor war Goethe das Gemälde von Carl Gustav Carus, F. und Wagner auf ihrem Spaziergang vor den Toren einer ma. Stadt, übersandt worden (Essen, Folkwang-Mus.: [3] Abb. S. 123; Marianne Prause, C. G. C, Bln. 1968, S. 110, Abb. 29; Goethes Äußerung über das Bild in „K. und Alterthum“, Bd. 4, 1, Stg. 1823, S. 48f.); vorauf war Carus' Gem. „F. im Walde“ gegangen (1821, Dresden, Staatl. K.slgn.: M. Prause a.a.O. S. 111). – Zu den bedeutendsten frühen Darstellungen der Szene der ersten Begegnung F. mit Gretchen wird man die 1822 dat. Lithographie von Joh. Kirchhoff rechnen müssen [4, S. 63, Abb. 51]. – Um 1827/28 dürfte ein Aquarell von Karl Blechen entstanden sein, das nur Mephisto, ganz in romantischer Auffassung mit Mäntelchen, die Hahnenfeder auf dem Hute, zeigt ([Paul Ortwin Rave,] K. B., Bln. 1940, S. 228 Nr. 621, Abb. S. 230), ein Aquarell von Joh. Anton Ramboux, Dom, 1828, gibt den Blick aus dem roman. Kirchenschiff in den gotischen Chor der Salzburger Franziskanerkirche frei ([4] S. 63, Abb. 50; ebd. zu einer von [3] Abb. S. 94 unten irrig R. zugeschr. Radierung). – Das 1829 entstandene Gem. von Friedr. Gg. Kersting, das den Gelehrten bei Kerzenschein in seiner stillen Klause bei beschaulichem Studium zeigt, steht in niederländ. Tradition ([3] Abb. S. 139; [4] S. 75). – Ein unvollendetes Aquarell von Adolf Menzel, um 1840–50, F. und Wagner auf freiem Feld (V. 1147; [3] Abb. S. 157; [4] S. 78f.), trägt Züge eines neuen Realismus. – Eine lavierte Federzchg., welche die Szene zwischen F. und dem Erdgeist darstellt, ist P. C. G. monogrammiert, was wohl mit dem Namen des Leipziger Illustrators Peter Carl Geißler aufzulösen ist [4, S. 81f., Abb. 67]. – Zu Theodor Hosemann – er war 1835 an den Ill. für den Fürsten Radziwill beteiligt (s. Sp. 861) – vgl. [3] Abb. S. 176; Ausst.Kat. „Goethe“, Köln 1949, Nr. 189; Karl Hobrecker in: Lothar Brieger, Th. H., Mchn. 1920, S. 161 Nr. 460 (nach Cornelius).

Für Darstellungen auf Theatervorhängen vgl. [4] S. 83.

F. dichtungen neben Goethe, Volksbuch.

Der „Genealogische und Post-Kalender“ 1818 bringt Kupferstiche von Friedr. Wilh. Meyer nach L. Wolf zu dem 1815 erschienenen Trauerspiel von August Klingemann, dem Leiter des Braunschweiger Hoftheaters, der auch die Uraufführung von Goethes F. 1829 herausbrachte ([2] Nr. 50; [4] S. 76). Sie spiegeln die blutrünstig-verbrecherischen Züge wieder, welche der F. gestalt in diesem Bühnenstück eignen. Die Kostüme zeigen noch Nachwirkungen der Mode des 18. Jh. – Nachwirkungen des Volksbuchs (vgl. Sp. 852) zeigen Lithographien von Joh. Bapt. Kuhn nach J. Nisle zu Nikolaus Lenaus F., Stg. und Tübingen 1836 [2, Nr. 2989/90]; F. tanzt mit der Braut im Wirtshaus; F. kniet vor der von ihm porträtierten Fürstin im Palast, deren herbeigeeilten Gemahl er ermordet hat (Exemplare in Ffm., Freies Dt. Hochstift; [4] S. 84). Eine Lithographie von Joh. Peter Lyser, F. in Auerbachs Keller, bringt die „Abendländ. Tausend und eine Nacht“, 6. Bändchen, Meißen 1838 bis 1839 (ebd.).

In den 30er Jahren, in der späten Romantik, setzte eine Reihe von z. B. auch freier bearbeiteten Neuausgaben des Volksbuches ein. Einige von ihnen zeigen Ill. (vgl. Wolfg. Wegner, Der Münchner Antiquarius, 1957, H. 17 S. 1f.). Alle die abenteuerlichen und z. T. auch schwankhaft derben Situationen werden mit behaglichem Realismus wiedergegeben: die Luft-, Himmel- und Höllenfahrten, die Zauberszenen an Fürstenhöfen, der Faßritt aus Auerbachs Keller, die Abenteuer im Keller des Bischofs von Salzburg, die Beschwörung der griechischen Helden und der Helena sowie F. schreckliches Ende.

In den Kupferstichen von C. (?G.?) Pfau und Julius Thaeter nach Entwürfen von Moritz von Schwind zu Ludwig Bechstein, Faustus, Lpz. 1833, schwingt etwas von romantischem Wissen und auch romantischem Grauen um geheimnisvolle Schicksalszusammenhänge des Menschenlebens mit ([4] S. 86, Abb. 68; Otto Weigmann, Schw. [= Klass. d. K. 9], Stg. und Lpz. 1906, S. 84f.; lithographische Kopien in: J. Scheible, Das Kloster, Bd. 2, Stg. 1846). – 1842 erschienen im 24. Band der von Gotthard Oswald Marbach in Lpz. herausgegebenen Volksbücher sechs Holzschnitte von Ludwig Richter (Wolf Stubbe, Das L. R. Album, Mchn. 1968, Bd. 1 S. 528–31), 1844 in Reutlingen eine von Ottmar F. H. Schönhuth herausgegebene Ausg. mit acht Holzschnitten (von Doering? vgl. [1] Nr. 243; [4] S. 86). In „Das Kloster“ 1846 – s. oben – liegt von J. Nisle mit 84 Szenen auf 28 Tafeln – Lithographien – die umfangreichste Folge der neueren Volksbuch-Ill. vor. Im gleichen Jahr erschienen in Ffm. die 7 Holzschnitte von Anton Burger zu der Volksbuch-Ausg. von Karl Simrock [4, S. 86, Abb. 69].

Zu den Abbildungen

1. Titelblatt des F.buchs Straßburg 1588 mit Holzschnittill. F. und Mephistopheles. Nach [3] Abb. S. 31 oben rechts.

2. Adrian Matham, F. im Studierzimmer; im Hintergrund Erscheinung der Helena (?). Federzchg., 29,5 × 40 cm. Signiert, dat. 1631. Rijksmus. Amsterdam, Rijksprentenkabinet. Fot. Mus.

3. Jan Cornelisz. van 't Woudt (Entw.) und Christoffel van Sichem II (Ausf.), F. und Mephistopheles. Kupferstich. 1608 veröffentlicht. Nach [3] Abb. S. 5 (nach der Buchausg. 1677).

4. C. Osiander, Erscheinung des Erdgeists. Kupferstich (9 × 7,5 cm) zu Goethe, F. Der Tragödie erster Theil, Tübingen 1808. Nach Zs. für Bücherfreunde 11, 1907–08, Bd. 1 S. 174 Abb. 2.

5. Moritz Retzsch, Im Dom. Stich (15,6 × 20,6 cm) aus „Umrisse zu Goethe's F.“, Tübingen 1816, Bl. 21. Fot. Staatl. Graph. Slg. Mchn. (Buchausg. Stg. und Tübingen 1837).

6. Peter Cornelius (Entw.) und Ferd. Ruscheweyh (Ausf.), Der Gang nach dem Brocken. Kupferstich, 43,7 X 36,7 cm (Plattengröße), aus: P. C, Bilder zu Goethe's F., Ffm. 1816, Bl. 10. 1813 (Zchg. 1811). Fot. Staatl. Graph. Slg. Mchn.

7. Eugène Delacroix, Auerbachs Keller. Lithographie, 31,8 X 23 cm (Plattengröße), aus der Folge der Ill. zur Ausg. Paris 1828. Fot. Staatl. Graph. Slg. Mchn.

8. Ferd. Fellner (1799–1859), F. und Margarete im Garten. Bleistiftzchg. Staedelsches K.inst. Ffm., Kk. Fot. Mus.

9. M. Retzsch, Die Engel, Fausts Unsterbliches entführend. Stich (17,2 × 21,2 cm) aus „Umrisse zu Goethe's F. Zweiter Theil“, Stg. und Tübingen 1837, Bl. 11. Fot. Staatl. Graph. Slg. Mchn.

Literatur

1. Karl Engel, Zusammenstellung der F.-Schriften ..., Oldenburg 18852. – 2. Karl Niessen, Kat. der Ausst.: F. auf der Bühne. F. in der bild. K., Braunschweig und Bln. 1929. – 3. Franz Neubert, Vom Doctor Faustus zu Goethes F., Lpz. 1932. – 4. Wolfg. Wegner, Die F.darst. vom 16. Jh. bis zur Gegenwart (= Safaho-Monographien, Bd. 1), Amsterdam 1962. – 5. Hans Henning, F. in fünf Jhh. ..., Halle 1963. – 6. Günter Busch, Eugène Delacroix, Der Tod des Valentin (= Das Abendland, N. F. 4), Ffm. 1973. – 7. Frank Baron, Doctor Faustus (= Humanist. Bibl., Reihe I Bd. 27), Mchn. ca. 1978.