Fackelhalter

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englisch: Torchholder; französisch: Porte-flambeau; italienisch: Reggifiaccola.


Robert Suckale (1972)

RDK VI, 1023–1024


RDK VI, 1021, Jean Boulogne, um 1578, Florenz.

F. werden Geräte genannt, die zur Aufnahme von Fackeln dienen. Ihre Form richtet sich nach der Art der Fackel (vgl. Sp. 993).

Die noch heute gebräuchlichen Pech-, Reisig- und Kienfackeln aus billigem Material wurden meist von kunstlosen Geräten, eisernen Ringen, Steinblöcken usw. gehalten (für einfache F. vgl. z. B. Leroy Thwing, Flickering Flames, Rutland, Vermont 1966, Taf. 66 unten, Taf. 68 rechts). Für die bis ins 17. Jh. gebräuchlichen teureren Wachsfackeln (um eine Stange gewundene, wachsgetränkte Dochte, Kerzen ähnlich) wurden dieselben Geräte benutzt wie für die Aufstellung von Kerzen (als Beisp.: [2] S. 58f. und S. 65 rechts); s. daher Kandelaber.

Künstlerisch gearbeitete F. sind wenige erhalten (z. B. Abb. [Sp. 1022]). Vorstellungen vom Aussehen vermitteln jedoch Abbildungen von F., die seit dem 16. Jh. nachzuweisen sind; vgl. die Darstellung der Ehrenpforte für den Einzug Philipps (II.) von Spanien in Gent, 1549 (Jean Jacquot [Hrsg.], Les fêtes de la Renss., Bd. 2, Paris 1960, Taf. 32): Engel und Hermen, die Fackeln hielten; Castrum Doloris für den Prince de Condé, 1686 in Notre-Dame zu Paris, gestochen von Jean Dolivar: Figuren des Todes, die Fackeln hielten (André Marty, L’hist. de Notre-Dame de Paris..., Paris 1907, Taf. 33f.).

Welchen Zwecken das oft als F. bezeichnete, vor allem in Italien an vielen Hauswänden angebrachte Gerät diente, das aus einem Fuß besteht, der mit einem Haltering durch eine Stange oder eine Figur, einen Greifen o. ä., verbunden ist, ist unklar (Beispiele an den meisten Florentiner und Sieneser Palastfassaden; z. B. [1], Abb. 104 und 143). Die Benutzung als Fahnen- oder Fackelhalter ist aus Bildquellen nicht zu belegen. Zwei Cassoni des 15. Jh. zeigen in die Halteringe gesteckte junge Bäume (Schubring, Cassoni, Nr. 400 und 904).

F. genannt wird zuweilen auch die sog. Laterne am Pal. Strozzi in Florenz, ein auf einen Wandarm aufgesetzter Korb aus Eisenstangen, deren Spitzen nach außen weisen; in der Mitte ein Stift. Bildquellen bezeugen, daß diese seit dem 13. Jh. nachweisbaren „Laternen“ (Giulio Ferrari, II ferro nell’arte italiana, Mailand 1927, S. 7, Taf. 1) mit Pech, Reisig u. ä. gefüllt wurden, welches man anzündete, daß sie also Feuerkörbe sind (Schubring a.a.O. Nr. 233, 235f., 239).

Zur Abbildung

Jean Boulogne, F. („Diavolino“) vom Pal. Vecchietti. Florenz, Pal. Vecchio. Bronze, 77 cm h. Um 1578. Fot. Alinari, Florenz, Nr. P. I. 2642.

Literatur

1. Sigrid Wechssler-Kümmel, Schöne Lampen, Leuchter und Laternen, Hbg. und Mchn. 1962. – 2. Giov. Mariacher, Illuminazione in Italia dall quattrocento all’ottocento, Mailand 1965.