Fabius Maximus

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englisch: Fabius Maximus; französisch: Fabius Maximus; italienisch: Fabio Massimo.


Max Denzler (1971)

RDK VI, 816–834


RDK VI, 815, Abb. 1. Leonardo da Besozzo, zw. 1436 und 1442, Mailand.
RDK VI, 817, Abb. 2. Cesena, um 1450.
RDK VI, 817, Abb. 3. Den Haag, um 1478.
RDK VI, 819, Abb. 4. Paris, 1503.
RDK VI, 821, Abb. 5. Venedig 1516.
RDK VI, 823, Abb. 6 a. Daniele da Volterra, 1538-40, Rom.
RDK VI, 823, Abb. 6 b. Daniele da Volterra, 1538-40, Rom.
RDK VI, 825, Abb. 7. Hans Bocksberger d. Ä., um 1542, Landshut.
RDK VI, 827, Abb. 8. Rubens, um 1622, Rotterdam.
RDK VI, 827, Abb. 9. Cornelis Bloemaert, Rom 1642.
RDK VI, 829, Abb. 10. Rembrandt (eigenhändig?), 1653 oder 1655, ehem. Belgrad.
RDK VI, 831, Abb. 11. Richard de Saint-Non (1727-91).

I. Persönlichkeit und Nachleben

Quintus Fabius Maximus Cunctator (= F. M.) † 203 v. Chr., der römische Staatsmann und Feldherr im Zweiten Punischen Krieg, Hannibals erfolgreicher Gegner, war nach dem Helden der Samnitenkriege, Q. Fabius Maximus Rullianus, der Bedeutendste unter den zahlreichen namhaften Angehörigen der patrizischen gens Fabia, die ihren Ursprung auf Herkules zurückführte. Die „Renaissance“ des Augustus hat ihn von neuem ins helle Licht des Ruhmes gerückt.

Von der Laudatio, die ihm sein jüngerer Zeitgenosse Ennius gewidmet hatte (Ann. XII, 370–72, ed. Vahlen3), übernahmen die Autoren dieser Epoche den ersten Vers, das „Unus homo nobis cunctando restituit rem“, als geflügeltes Wort (vgl. die Würdigung bei Livius XXX, 26, 8f.; Vergil, Aeneis VI, 845f. [hierzu Eduard Norden, P.V.M., Aeneis Buch VI, Stg. 19574, S. 334]; Ovid, Fasti II, 195–242 [Sage von Niederlage und Tod der 306 Fabier am Fluß Cremera und vom Fortleben des Geschlechts durch einen einzigen Knaben: „scilicet ut posses olim tu, Maxime, nasci, / ...“], ironisiert bei Prudentius, Contra Symmachum II, 571–73 [= Corp. Script. Eccl. Lat. Bd. 61, S. 267]; ferner Aug. Otto, Die Sprichwörter und sprichwörtlichen Redensarten der Römer, Lpz. 1890 [Neudruck Hildesheim 1965], S. 101 Nr. 479 – z. B. die Variante, die laut Sueton Augustus gebraucht hat: De vita Caesarum, Tiberius 21, 5 –, sowie noch die allusio bei Tacitus, Historiae III, 20); durch sie gelangte es an die Nachwelt (s. etwa die auf den Aeneiskommentar des Servius [zu VI, 846] zurückgehende Stelle im Mythographus Vat. I, Nr. 224: ed. Gg. Heinr. Bode, Scriptores rerum mythicarum Latini tres, Celle 1834 [Neudruck Hildesheim 1967], Bd. 1 S. 69f.).

Sein Biograph Plutarch vergleicht F. M. mit Perikles (Vitae parallelae, F. M., comparatio: 28–30).

Ein historisches Bild des F. M. bietet, alle vorhandenen Nachrichten – die sich mittlerweile nicht vermehrt haben – kritisch auswertend, Frdr. Münzer [1, Sp. 1814–30]. Hauptquellen sind die Darstellungen des Zweiten Punischen Krieges bei Polybius und in der dritten Dekade des Livius sowie die Lebensbeschreibung des Plutarch (s. o.); Einzelheiten belegen auch die „Facta et dicta memorabilia“ des Valerius Maximus.

Mit dem mehr oder minder fest umrissenen Kreis der Männer, die der alten Welt als Verkörperungen römischen Heldentums, der „virtus Romana“, galten, wurde der Antike zugewandten späteren Zeiten auch die Gestalt des F. M. überliefert (wo Dante den Flug des römischen Adlers feiert, bezieht er wohl das ganze Geschlecht der Fabier in seine Rühmung ein: Paradiso VI, 47) – samt den vergleichsweise nicht wenigen Einzelzügen, die die Schriften des Altertums von ihm berichteten.

Als Beleg dafür, was dem 16. Jh. von seinem Leben wichtig schien, mag eine Eulogia in der Sala dei Giganti des Pal. Carrara zu Padua (s. Sp. 821) dienen, deren teilweise an den „Liber de viris illustribus urbis Romae“, 43 (s. Aurelius Victor, ...: ed. Franz Pichlmayr und Roland Gruendel, Lpz. 1966, S. 49f.) anklingender Text in der Literatur nicht erreichbar war und deshalb mitgeteilt sei:

„Q. Fabius ex morum grauitate sedatoque in rep(ublica) tumultu Maximus cognominatus consul fuit et dictator designatus. Ut sibi contra ve(tu)stam legem uti equo liceret a senatu impetrauit Plutarch 4, 1f.]. Minutio m(agi)stro equitum ab Annibale circumuento et in extremo periculo posito subuenit: Annibalem victoria ferociter exultantem patientia et cunctando repressit et in agro Salentino inclusit. Tarentum recepit signaque inde translata in Capitolio dedicauit. Cum Annibale de captiuorum redemptione pepigit. Quo a senatu non probato fundum proprium vendidit dataeque hosti fidei satisfecit. Quinque triumphos egit; iam exacta aetate publico sumptu propter ipsius egestatem tanquam parens populi Romani elatus est Valerius Maximus V, 2, 3; Plutarch 27,4].“

II. Darstellungen

A. Antike

F. M. selbst ließ seine Reiterstatue aus Bronze in Rom auf dem Kapitol aufstellen, neben dem von ihm bei der Eroberung Tarents (209) weggeführten Herkules des Lysipp (Plutarch 22, 8; Plinius, Naturalis historia 34,40; Olof Vessberg, Stud. zur Kg. der röm. Republik [= Acta Inst. Romani Regni Sueciae, 8], Lund und Lpz. 1941, Textbd. S. 28 Nr. 94), eine Nachricht, die der recht ungewissen Vermutung, daß die Sage von der Abstammung der Fabier (Sp. 817) schon in republikanischer Zeit entstanden sei, vielleicht zustattenkommen könnte (s. [1], Sp. 1740). – Für Versuche, erhaltene römische Bildnisse mit F. M. zu identifizieren, mangelt es an jedem Ansatzpunkt.

B. MA und Neuzeit

1. Bildnisse

a. als vir illustris

In Hss. und Ausg. der Lebensbeschreibungen des Plutarch kann den Anfang der einzelnen Vita Kopf oder Büste ihres Helden in Profilansicht nach Art einer Medaille oder Plakette schmücken. Im Renss.-Harnisch, den Lorbeerkranz auf dem Haupt, zeigt so F. M. eine Min. in Cesena, Bibl. Malatestiana, ms. S.XV, 1, fol. 144, Ferrara, um 1450 (Abb. 2; Mario Salmi, Pittura e miniatura a Ferrara nel primo rinascimento, Mailand 1961, S. 13ff.). Noch A. 17. Jh. findet sich eine solche Illustrationsweise: „Les vies des Hommes illustres Grecs et Romains“, Genf (Jacob Stoer und Samuel Crespin) 1610, setzen vor die Biographie einen Kupferstich mit dem im Profil gegebenen Kopf des vir illustris – „les effigies ... soigneusement retirees des medailles antiques“ rühmt das Titelblatt (F. M.: Bl. 110v; Nachdrucke erschienen in Paris, 1619 bei Claude Morel und 1645 bei Antoine Robinot; F. M.: Bl. 110v bzw. Bd. 1, S. 288).

Auf der Darstellung einer „Linea der römischen Ratherrn“ durch Paare von Halbfiguren in Schedels Weltchronik, Nürnberg 1493, Bl. 76v, trägt einer der Holzschnitte die Beischrift „Fabius Maximus“; daß sie sich auf den Cunctator bezieht, ist, obwohl ein Text hierzu fehlt, nicht zweifelhaft. In der dt. Ausgabe sind die Beischriften zu den einzelnen Holzschnitten gegenüber der lat. willkürlich vertauscht, auch bei F.M.

Unter den Kriegshelden der Römer erscheint F. M. in der Historie des Altertums gewidmeten Freskenzyklen ital. Paläste (eine Zusammenstellung solcher Zyklen bei Bernh. Degenhart und Annegr. Schmitt, Corp. der ital. Zchgn. 1300 bis 1450, Teil I Bd. 2, Bln. 1968, S. 619f. Anm. 25).

So bereits in der literarisch und durch Kopien belegten reichhaltigen Darstellung der Weltalter, die Kard. Giordano Orsini † 1438 im Pal. in Monte Giordano zu Rom malen ließ (W. A. Simpson, Warburg Journ. 29, 1966, 135ff.; mit dem dort S. 154f. im Zusammenhang mit dem Zweiten Punischen Krieg genannten, etwas wunderlich zwischen Syphax und Massinissa aufgeführten „Fabius Consul“ wird wohl der Cunctator gemeint sein); eine entsprechende Miniatur des Leonardo da Besozzo enthält der zwischen 1436 und 1442 entstandene Cod. des Slg. Crespi-Morbio, Mailand (Abb. 1; Heinr. Brockhaus in: „Ges. Stud. zur Kg. Festgabe für Ant. Springer“, Lpz. 1885, S. 56, XIII A 1f.). – Sehr schadhafte Römerbilder in der Sala dei Giganti des Pal. Trinci zu Foligno, um 1424 von „artisti umbro-marchigiani“ (vgl. Ugo Procacci, Sinopie e affreschi, Mailand 1961, S. 58), geben als Hannibals Gegner Scipio Africanus, Claudius Nero – den Sieger am Metaurus – und F. M. wieder: diesen mit Bart, in Mantel und Tunica, die Rechte im Redegestus erhoben, um das Haupt die „laurea triumphalis“; der von Mario Salmi, Boll. d’arte 13, 1919, 179, mitgeteilte Titulus entsprach – samt der Crux am Anfang der zweiten Zeile – dem Epigramm der Anthologia Lat. (hrsg. von Franz Bücheier und Alex. Riese, Lpz. 19062 [Neudruck Amst. 1964]) I, 2, Nr. 839: Angelo Messini, Riv. d’arte 24, 1942, 88f.; es gehört zu einem Zyklus von Versinschriften für Bildnisse röm. viri illustres (Nr. 831–54), mit dessen Epigrammen auch die bei Salmi, S. 176–80 aufgeführten übrigen 15 sechszeiligen Tituli übereinstimm(t)en. – Im Konservatorenpalast zu Rom malte Jacopo Ripanda um 1508–13 an den Wänden der Sala delle guerre puniche Szenen aus diesen Kriegen und darunter einen Fries mit – stark erneuerten – Brustbildern der röm. Führer: F. M. gleich anderen bärtig, den Feldherrnmantel (paludamentum) über der Rüstung, auf dem Haupt einen Helm (Abb.: L’arte 23, 1920, 29 [F. M. der Erste von links]). – 1539/40 begonnene Wandgem. von Domenico Campagnola und Stefano dall’Arzere (Thieme-Becker, Bd. 2 S. 169) in der Sala dei Giganti – ursprünglich Sala Virorum Illustrium – des Pal. Carrara zu Padua sind an die Stelle einer 1367–79 entstandenen, im 15. Jh. verbrannten Dekoration getreten, die auf Petrarcas – von Lombardo della Seta vollendete – Schrift „De viris illustribus“ bzw. deren Epitome zurückgehen dürfte (Julius von Schlosser, Jb. Kaiserh. 16, 1895, 185; Theodor Ernst Mommsen, Petrarch and the Decoration of the Sala Virorum Illustrium in Padua, Art Bull. 34, 1952, 95–116 [wieder abgedruckt in: ders., Medieval and Renss. Stud., New York 1959, S. 130–74]; Gianfranco Follena in: „Gesch. der Textüberlieferung der antiken und ma. Lit.“ Bd. 2, Zürich 1964, S. 501; vgl. auch Hanno-Walter Kruft, Altichiero und Avanzo. Unters. zur oberital. Mal. des ausgehenden Trecento, Diss. Bonn 1966, S. 133 bis 139). In der Sala dei Giganti stehen der Cunctator und sein Ahnherr Rullianus (hier – wie auch sonst zuweilen – fälschlich als „Rutilianus“ bezeichnet) zwischen Caesar und Augustus; F. M. ist barhäuptig, trägt Mantel und Tunica, in der Rechten einen Streitkolben (anstelle eines Feldherrnstabs); den linken Arm stützt er – nach antiken Vorbildern – auf den Kopf einer Herme, die vorgestreckte Hand hält anscheinend eine geöffnete Fessel (vgl. „signa translata“ und „captiuorum redemptio“ der Eulogia [Sp. 818]; Th. E. Mommsen a.a.O. [1952], Abb. 2).

Solche Beispiele waren in den Deckenmal. des Italienischen Saales der Stadtresidenz zu Landshut wirksam, die um eine Allegorie der Fama gereihte „Viri illustres“ des Altertums in Halbfiguren darstellen (von Hans Bocksberger d. Ä., um 1542); eines der Gewölbefelder vereinigt den Cunctator mit seinem Vorfahren „Rutilianus“, mit Claudius Nero (s. Sp. 820), Cato Uticensis und Cato Censorius (Abb. 7; Max Goering, Die Malerfamilie Bocksberger, Münchner Jb. N.F. Bd. 7, 1930, 279; Hans Thoma, Stadtresidenz Landshut. Amtl. Führer, Mchn. 1938, S. 71).

In Szenen, die bei den Amsterdamer Festlichkeiten anläßlich des Friedensschlusses von 1648 zur Aufführung kamen, wurden drei Prinzen des Hauses Oranien als Numa Pompilius, F. M. („who withstood the campaigns of Hannibal“) und Augustus dargestellt (Katharine Fremantle, The Baroque Townhall of Amsterdam [= Orbis artium. Utrechtse khist. Stud., 4], Utrecht 1959, S. 57).

b. als Beispiel der Prudentia

Wo berühmte Männer der Antike einer bestimmten Virtus zugeordnet werden, vertritt F.M. – wie schon Cicero, In Verrem V, 25 „Q. Maximi sapientiam“ als etwas Sprichwörtliches anführte – die (Kardinal-)Tugend der Klugheit (Prudentia; „... romani generis prudentissimus est habitus“ beginnt seine Lebensbeschreibung bei Petrarca, De viris illustribus vitae: ed. Luigi Razzolini, Bd. 1, Bologna 1874, S. 166).

In der Anticappella des Pal. Pubblico in Siena (Wandfresken des Taddeo di Bartolo, 1407–14; Nicolai Rubinstein, Warburg Journ. 21, 1958, 190ff.) erscheint F. M. neben der Allegorie der Prudentia, zusammen mit M. Claudius Marcellus, seinem Mitstreiter gegen Hannibal, mit L. Junius Brutus, dem Begründer der röm. Republik, und mit dem weisen C. Laelius minor (Halbfiguren in Medaillons; Aldo Cairola und Enzo Carli, II Pal. Pubbl. di Siena, Rom 1963, S. 191). – In einem i. J. 1488 zu Bologna veranstalteten Turnier zwischen Sapienza und Fortuna trug der Wagen mit der thronenden Weisheit als deren Begleiter vier Männer, „vestiti all’antica“, die „Plato, Cato, Quintus Fabius, Scipio“ darstellten (Alfred Doren, Vortr. Bibl. Warburg, Bd. 2 [1924], S. 130 Anm. 125; hierzu Erwin Panofsky, The Iconography of Correggio’s Camera di San Paolo [= Stud. of the Warburg Inst., 26], London 1961, S. 63 Anm. 2). – Auf einem Fresko Peruginos im Collegio del Cambio zu Perugia (um 1500) ist der Gestalt der Prudentia F.M. mit Sokrates und Numa Pompilius als Repräsentant beigegeben (Sauer, S. 238; s. auch André Chastel, Art et humanisme à Florence au temps de Laurent le Magnifique, Paris 1959, S. 443). – Eine andere Lösung begegnet im 17. Jh.: in dem großen Saal des Pal. Barberini zu Rom, auf dem Deckenbild, das Pietro da Cortona 1633–39 geschaffen hat, finden sich in den vier Ecken des Mittelgesimses monochrome Medaillons mit Beispielen von Römertugenden, die den Kardinaltugenden entsprechen (vgl. Cicero, De inventione II, 159–65). Während es für drei dieser Beispiele – die Tapferkeit des Scaevola, die Gerechtigkeit des Manlius und die Mäßigung des Scipio – feste, leicht verständliche Bildformeln gab, war das exemplum der Klugheit des F. M. („Numismatum aliud Cunctatoris prudentiam refert, Carthaginiensis virtutem eludentis“: Hieronymus Tetius, Aedes Barberinae ad Quirinalem, Rom 1642, S. 46), der hinhaltende, der offenen Schlacht ausweichende Feldzug des J. 217 nach der Niederlage am Trasimenus, kaum befriedigend darstellbar. Das Medaillon an der Fensterseite, links vom Beschauer, zeigt den Diktator, wie er, mit beiden Armen zupackend, zwei römische Krieger vom Angriff zurückhält, während jenseits eines Plankenzaunes aufgereihte Feldzeichen, Elefanten und Speere des punischen Heeres die Kampfbegierde Hannibals ins Bild bringen sollen (Abb. 9).

Deckengem. in der Sala del Concistoro des Pal. Pubblico in Siena, 1529–35 von Domenico Beccafumi, zeigen Allegorien sowie – ausnahmslos in den „Facta et dicta memorabilia“ des Valerius Maximus genannte – Persönlichkeiten und Begebenheiten (Donato Sanminiatelli, D.B., Mailand [1967], S. 103ff. Nr. 47, Abb. 47–47 u). Falls F. M. (ebd. Abb. 47 r) hier in bestimmter Bedeutung dargestellt worden sein sollte, dann am ehesten in einer von der genannten Schriftquelle gegebenen, etwa als Exemplum der Beständigkeit (constantia; vgl. Valerius Maximus III, 8, 2; so D. Sanminiatelli a.a.O. S. 201).

Als Beispiel der Justitia und deshalb – oder aus sonstigen Gründen – auf Gerechtigkeitsbildern scheint F. M. nicht vorzukommen; seine Erwähnung bei Wolfg. Pfeiffer, Lüneburger Bll., H. 11/12, 1961, 18f., im Zusammenhang mit der Dekoration der Gerichtslaube im Lüneburger Rathaus (Söhne des Marcus Fabius Ambustus) beruht auf einer Namensverwechslung.

2. Szenen

a. im Pal. MAssimo, Rom, vertretene

a) Sieben Ereignisse aus dem Leben des F. M. schildert der Fries, den Daniele da Volterra um 1538–40 zu Rom im Salone d’ingresso des Pal. Massimo alle Colonne gemalt hat, am Hauptsitz der röm. Familie, die ihre Abkunft von den Fabiern herleitet und das „Cunctando restituit“ des Ennius als Devise hat ([1] Sp. 1743; vgl. Jacob Burckhardt, Gesamtausg., Bd. 5, Stg., Bln. und Lpz. 1930, S. 132).

Teile des Frieses blieben ungedeutet oder wurden falsch erklärt, solange man verkannte, daß alle vier Bilder an der Wand rechts vom Eingang – nicht nur das am Fenster mit Herkules, der Nymphe und dem Knaben – Ereignisse aus der Fabiergeschichte wiedergeben, die in der Zeit vor dem Cunctator liegen. Nach einem ersten Hinweis von Giuseppe Marchetti Longhi, Enc. Ital., Bd. 22 (1934), S. 531, hat Heinrich Wurm in einer Untersuchung über die Ikonographie des Zyklus den Sachverhalt geklärt ([3] S. 265f., 274–77; s. auch Fiorella Sricchia Santoro, Paragone 213, N.Ser. 33, 1967, 9–12, Bildunterschriften zu Taf. 4 a–b, 7 a).

Die F. M. betreffenden Darstellungen beginnen an der Eingangswand (a’–c’) und setzen sich an der Wand links vom Eingang fort (d’–g’); vgl. [3], Textabb. 75. Zwischen diesen Historien erscheinen in schmäleren Bildflächen röm. Gottheiten (vgl. [3], S. 268 und Textabb. 75).

a’) F. M. im Senat von Karthago, bereit den Puniern den Krieg zu erklären: Livius XXI, 18; Silius Italicus, Punica II, 380–90 (ed. J. D. Duff [= Loeb Classic. Libr.], Bd. 1, London und Cambridge, Mass. 1934, S. 86, 88); vgl. [3], S. 277f., Taf. 62.

Sonstige Darstellungen: Liviusdrucke des 16. Jh. widmen der Kriegserklärung in der Regel einen nicht immer dem Text angepaßten Holzschnitt, so Johann Schöffer in Mainz und seine Offizin (Ausg. 1505 und 1523, jeweils Bl. 104; 1533, Bl. 108v) sowie Theodosius Richel (Ausg. Straßburg 1574, mit Holzschnitten nach Zchgn. Tobias Stimmers, S. 241); in jeder der genannten Ausgaben ist diese Darstellung mehr oder minder häufig für ähnliche Themen wiederholt. – F. M. in Karthago ist auch der Gegenstand eines in Leningrad, Ermitage, verwahrten Gem., das Giov. Batt. Tiepolo mit neun anderen röm. Historien etwa 1725–30 für den Pal. Secco-Dolfin in Venedig schuf (Giulio Lorenzetti, Venezia e il suo estuario, Rom 19562, S. 560; Antonio Morassi, A Complete Cat. of the Paintings of G.B.T., London 1962, Nr. 15, Abb. 297); von dem Gem. hat Richard de Saint-Non (1727–91) nach Vorzchg. Fragonards eine Radierung angefertigt (Abb. 11; Georges Wildenstein, Fragonard aquafortiste, Paris 1956, S. 22 Nr. XIII [mit Verwechslung des Sujets]; s. auch Le Blanc Bd. 2, S. 249 Nr. 21).

b’) F. M. führt einem lukanischen Soldaten im Lager die Geliebte zu: Valerius Maximus VII, 3, 7; Plutarch, F. M. 20, 5–9 und Moralia 195 E/F; vgl. [3], S. 278f., Taf. 63.

Sonstige Darstellungen: „La tolérance de Fabius, ou le soldat Lucanien“ war der Titel eines verschollenen Gem. von Nicolas Colombel (1644–1717), das im Pariser Salon von 1704 gezeigt wurde (Gabriele Sprigath, Themen aus der Gesch. der römischen Republik in der franz. Mal. des 18. Jh. ..., Diss. Mchn. 1968, S. 30, 389 [Nr. 6]).

c’) F. M. zeichnet einen unzufriedenen Marser oder Nolaner seines Heeres durch Geschenke aus und hält ihn dadurch ab zum Feind überzugehen: Valerius Maximus VII, 3, 7; Plutarch 20, 1–4; vgl. [3], S. 279, Taf. 64.

d’) F. M. wird von Marcus Minucius Rufus, seinem Mitdiktator und bisherigen Widersacher, den und dessen Soldaten er aus der Niederlage gerettet hat, vor seinem Zelt unter dem Jubel beider Heere als Vater begrüßt, umarmt ihn und ergreift seine Hand: Livius XXII, 29f.; Valerius Maximus V, 2, 4; Plutarch 13; vgl. [3], S. 279f. (Abb. 6 a).

Sonstige Darstellungen: Wie das Gem. des Pal. Massimo verwendet auch eine Grisaille im Pal. Carrara zu Padua – zwischen der Figur des Helden und der Sockelinschrift (s. Th. E. Mommsen, 1952 [Sp. 821], Abb. 2) – das Motiv des aus dem Zelt getretenen F. M. – Minucius kniet vor ihm – und die Anwesenheit von Soldaten. – Anders behandelt das Thema Rubens in einer um 1622 entstandenen Ölskizze (Abb. 8; Rotterdam, Mus. Boymans-van Beuningen: Kat. „Schilderijen tot 1800“ [1962], S. 115, Inv.Nr. 2300; Wilken von Alten, Burl. Mag. 62, 1933, 15f. mit Abb.): über den Beiden, die nebeneinander in einer Landschaft stehen, schwebt ein Putto auf F. M. zu, mit einer Friedenspalme und mit zwei wie Kettenglieder zusammengefügten Kränzen, den Zeichen des von ihm errungenen doppelten Sieges: über Hannibal und über seinen Mitdiktator (Plutarch 13, 7). Als Ersatz für die weggelassene Umarmung ist das Reichen der Hände betont, die nur bei Livius (XXII, 30, 6) genannten „dextrae interiunctae“ (auf der Skizze sind es die linken Hände; vgl. hierzu Egbert Haverkamp Begemann: Ausst.Kat. „Olieverfscheten van Rubens“, Rotterdam 1953, Nr. 42; eine mit dieser Komposition übereinstimmende Skizze, ehem. Amsterdam, Slg. Otto Sochaczewer: Ausst.Kat. „Esquisses de Rubens“, Brüssel 1937, Nr. 47, Taf. 5).

e’) F. M. bezahlt für gefangene Römer das von ihm den Karthagern versprochene, vom Senat verzögerte Lösegeld, das er sich durch Verkauf seines (von Hannibal verschonten) Grundbesitzes beschafft hat: Livius XXII, 23, 7f. („... fidemque publicam impendio priuato exsoluit“); Valerius Maximus IV, 8, 1 („fundum, quem unicum possidebat“); Plutarch 7,7 (χρήματα δ’ οὐϰ ἔχων... ϰελεύσας άποδόσϑαι τοὺς ἀγροὺς...); vgl. [3], S. 280f., Taf. 66.

Sonstige Darstellungen finden sich bereits im lat. Plutarch, Venedig 1516 (Max Sander, Le livre à figures ital., Mailand o. J. [1942], Nr. 5785), Bl. 65v(Abb. 5), in der ital. Ausg. Venedig 1529 (ebd. Nr. 5790), Bl. 250, desgleichen in 1521 und 1525 zu Rom gedruckten ital. Ausgaben [3, S. 268 Anm. 747, Textabb. 76]. – Es liegt nahe, mit [3], S. 268, auch in dem dem Girolamo Genga zugeschriebenen Fresko der Pin. von Siena eine Wiedergabe des Themas zu sehen (Kat. Cesare Brandi, 1933, Nr. 333, S. 333f.; Bernard Berenson, Ital. Pictures of the Renss. Central Ital. and North Ital. Schools, London 1968, Bd. 3 Abb. 1848), ehem. Teil der 1509–10 entstandenen Dekoration eines Saales im Pal. del Magnifico (Pandolfo Petrucci) in Siena (London, Nat.Gall. Cat. „The Earlier Ital. Schools“ [Martin Davies], London 19612, S. 473–75 und Anm. 15). Von dem Fresko ist eine Zchg. mit dem nämlichen Sujet abhängig (Lille, Mus. Wicar; s. Giuseppe Fiocco, L’arte 23, 1920, 47), die James Byam Shaw, Burl. Mag. 61, 1932, 20, dem Jacopo Ripanda zuschreibt und die die Vorlage eines Faenza-Tellers in London, Brit. Mus., im wesentlichen auch eines solchen in Paris, Mus. du Louvre, bildet (ebd. Abb. A–C vor S. 19). Eine Variante des Londoner Stücks ist der Faenza-Teller der ehem. Slg. Damiron bei J. Chompret, Rép. de la majolique ital., Paris 1949, Bd. 2 Abb. 468. Der Teller im Louvre trägt das Datum 1524, die beiden anderen gehören etwa der gleichen Zeit an.

f’) F. M. kommt zu seinem Sohn, dem soeben zum Konsul gewählten Q. Fabius Maximus, ins Lager bei Suessula in Kampanien und ist ungehindert an elf der Liktoren vorüber auf ihn zugeritten, als der Konsul dem lictor proximus befiehlt, den Vater zum Absteigen aufzufordern (Vordergrund); von dem Liktor aufgefordert, springt F. M. vom Pferd (Hintergrund): Livius XXIV, 44, 10 (... tum demum desiliens ‚Experiri‘ inquit, uolui, fili, satin’ scires consulem te esse‘); Plutarch, F. M. 24 und Moralia 196 A/B; Gellius, Noctes Atticae II, 2, 13. Valerius Maximus II, 2, 4 überträgt die Erzählung auf Fabius Rullianus. Daniele da Volterra verlegt den Vorgang in eine Stadtarchitektur (Abb. 6 b; vgl. im übrigen [3], S. 281f., Taf. 67; bei F. Sricchia Santoro [s. Sp. 825], Bildunterschrift zu Taf. 8 b, ist die Situation mißverstanden).

Sonstige Darstellungen: Die Begegnung wurde das Thema von zwei Kaminbildern in der Bürgermeisterkammer des Rathauses zu Amsterdam. Das erste, 1653 oder 1655 datierte (eigenhändige?) Gem. von Rembrandt (Abb. 10; Abraham Bredius und Horst Gerson, R. The Complete Ed. of the Paintings, London 19693, Nr. 477 mit Anm. S. 593; s. auch Bauch, S. 49; Aukt.Kat. Mensing und Sohn, Paul Cassirer, Hugo Helbing, Slg. Marczell von Nemes, Mchn. 16.–19. 6. 1931, Nr. 58, S. 44–48, Taf. 23), zuletzt in Belgrad, Kgl. Slg., ist seit Kriegsende verschollen (Entw.-Zchg. in Bln., Kk.: Benesch, Bd. 5, Nr. 956; die Annahme, daß sich auch die Rotterdamer Zchg. ebd. Nr. 1249 auf das Thema beziehe, lehnt Chrn. Tümpel zutreffend ab: Nederlands khist. Jb. 20,1969, 132 Anm. 60). Es war schon 1656 durch die noch am Ort befindliche Darstellung von Jan Lievens ersetzt worden (Frederik Schmidt-Degener, Rembrandt und der holländ. Barock [= Stud. der Bibl. Warburg, 9], Lpz. 1928, Abb. 16). Zusammen mit den beiden anderen Kaminstücken, dem Rübenmahl des Manius Curius Dentatus (von Govert Flinck) und dem C. Fabricius Luscinus vor Pyrrhus (von Ferdinand Bol), sollte das Bild die Bürgermeister ermahnen, ihr Amt mit Würde, Unbestechlichkeit und Unerschrockenheit auszuüben (Henri van de Waal, Drie Eeuwen vaderlandsche Geschied-Uitbeelding 1500–1800, Den Haag 1952, Bd. 1, S. 216). Das Epigramm zu dem Gem. des Lievens von Joost van den Vondel verlegt dem gegebenen Anlaß entsprechend den Akzent von dem Verhalten des Vaters auf das des Sohnes (F. Schmidt-Degener a.a.O.; K. Fremantle [s. Sp. 821], Abb. 69, 71). – Der antikisierende Marmorfries (von Artus Quellinus d. Ä.) am Kamin stellt u. a. einen Triumph dar: Hubertus Quellinus, Secunda pars praecipuarum effigierum ac ornamentorum amplissime (!) curiae Amstelrodamensis ..., Amsterdam 1668, Taf. O 1–7, im Register als „Triumph van Fabius Maximus, Borgermeester van Roomen“ bezeichnet; K. Fremantle (s. Sp. 821), Abb. 69–72.

g’) F. M. bei seiner Senatsrede gegen die Afrikapläne des Scipio (Livius XXVIII, 40–42), nicht bei der „laudatio funebris“ auf seinen Sohn (Cicero, De senectute 12; Plutarch 1, 9 und 24, 6), wo Haltung und Gebärde dem Anlaß kaum gemäß wären. Vgl. im übrigen [3], S. 282, Taf. 68. – Als Ideenskizze für das Gem., besonders für die Figur des F. M. wurde eine Zchg. des Perino del Vaga (Chatsworth Castle) in Erwägung gezogen (Michael Hirst, Burl. Mag. 108, 1966, 405, Abb. 8).

Sonstige Darstellungen: Eine Miniatur in Paris, Bibl. Nat., ms. fr. 54 (Jean Mansel, La fleur des histoires), fol. 180v, Rouen, dat. 1503, schildert, angeregt von dem Bericht des Livius über die Rede und über Scipios Antwort (XXVIII, 43f.), ein Streitgespräch der beiden Gegner: F. M. in vornehmer Renss.-Tracht, an der Spitze des Senats, im Redegestus, der gewappnete Scipio im Begriff das Schwert zu ziehen, hinter ihm sein Heer (Abb. 4; Léopold Delisle, Le cabinet des mss. de la Bibl. Imp., Bd. 1, Paris 1868, S. 254f.; Georges Ritter und Jean Lafond, Mss. à peintures de l’école de Rouen, Rouen und Paris 1913, Taf. 53,2).

b. sonstige Szenen

h’) Ill. Bücher des 16. Jh. bedachten häufig die Eroberung von Tarent, den bedeutenden Erfolg des J. 209 (Livius XXVII, 15f.; Plutarch 21f.), mit einer Darstellung – so etwa der Frankfurter Plutarch von 1580 (Sigmund Feyerabend; Holzschnitte von oder nach Jobst Amman; lat. Ausg. Bl. 56, dt. Ausg. Bl. 94v) –, die der Verleger nicht selten für weitere Schlachtenszenen benutzte. – Hertel-Ripa schildert Taf. 73 als Beispiel der Kriegslist („Stratagema“ [!]) offenbar die Eroberung von Tarent; ihr entspricht die im Bilde dargestellte Kriegshandlung und die (Vergils Georgica IV, 76 entlehnte) erste Zeile des Epigrammes: „miscentur magnisque vocant clamoribus hostem“ (s. hierzu Livius XXVII, 15, 14 und Plutarch 22, 4; Hinweis Ilse Wirth, Mchn.).

Schon Hss. der franz. Übersetzung von Augustinus, De civitate dei enthalten auf Tarent bezügliche Miniaturen zu Buch I, Kap. 6 (Corp. Chr. Ser. Lat. Bd. 47, S. 6).

Vgl. Brüssel, Bibl. roy., ms. fr. 9005–9006, Flandern, um 1420–35, Bd. 1 fol. 9v: F. M. läßt den Tempel von Tarent zerstören (Comte Alex. de Laborde, Les mss. à peintures de la Cité de Dieu de Saint Augustin, Paris 1909, Bd. 2 S. 321; Gaspar-Lyna Teil 2 S. 40, 42); Den Haag, Rijksmus. Meermanno-Westreenianum, ms. 11 – Frankreich, um 1478 –, fol. 12: F. M. befiehlt „Dimittite Tarentinis deos suos iratos“ (Abb. 3; vgl. Livius XXVII, 16, 8); der heimkehrende F. M. wird von den Abgesandten des Senats begrüßt und empfängt von ihnen die „corona graminea“ (s. Sp. 832f.; A. de Laborde a.a.O. Bd. 2 S. 429f., Bd. 3 Taf. 86 c).

i’) Ein franz. Livius, um 1478, Paris, Bibl.Nat., ms. fr. 20 071–72, zeigt unter seinen Miniaturen (von Jean Fouquet) in Bd. 1, fol. 51v „l’armée de Fabius défilant dans le Forum romain“ (Ausst. Paris, Mss. XIIIe–XVIe s., Nr. 257).

Über eine Triumph- Darstellung in Amsterdam s. o. Sp. 829.

k’) Ein Holzschnitt des unfoliierten ital. Liviusauszuges Venedig 1502, bei Bartholomeo Zanni (M. Sander a.a.O. [s. Sp. 827], Nr. 3999), gibt bei der schlichten Erwähnung seines Ablebens F. M. auf dem Totenbett wieder und erinnert damit an das anläßlich des Todes geäußerte Lob (Livius XXX, 26, 7–9; Valerius Maximus V, 2, 3; Plutarch 27, 4).

c. zur Deutung der Szenen

Die einzelnen Szenen konnten aus verschiedenen Gründen der Darstellung wert erscheinen:

Die Themen a’ und g’ wie auch h’ betrafen Ereignisse von historischem Rang, mag auch die Ablehnung des Krieges in Afrika alsbald durch den Gang der Geschichte widerlegt worden sein (über rhetorische Schulübungen zu dem Thema als etwaigen Ursprung der Reden bei Livius: [1] Sp. 1828). – Über die Eroberung von Tarent (h’) als Beispiel der Kriegslist s. Sp. 830.

Die Anekdoten b’ und c’ konnten als Beispiele für die Klugheit des Cunctator gelten, „cui non dimicare uincere fuit“, wie Valerius Maximus VII, 3, 7 sagt; farbloser bezeichnet Laurentius Beyerlinck, Magnum Theatrum vitae humanae, Lyon 1678, Bd. H–L, S. 474, die Behandlung des Lukaners als exemplum der „Indulgentia bellica nempe ducum erga milites“.

Die Begebenheit d’, bei Livius und Plutarch legendenhaft ausgeschmückt, umschreibt L. Beyerlinck a.a.O., Bd. E–G, S. 560 als „fidelitas erga collegas in magistratu“; ebd. S. 880 führt er sie unter den „exempla historica“ der „gratitudo“ an (vgl. schon Valerius Maximus V, 2, 4).

Die Auslösung der Gefangenen (e’) hat bereits das MA beschäftigt: Vinzenz von Beauvais übernahm den Text des Valerius Maximus fast ungekürzt im Speculum historiale V, cap. 50 (Ausg. Douai 1624 [Neudruck Graz 1965], S. 151): „...se enim patrimonij quam patriam fidei inopem esse maluit“. Die Gesta Romanorum (cap. 52) sehen in ihr ein Beispiel der „Fidelitas Christi“, „qui ob captivos, scilicet totum genus humanuni a diabolo captum non pecuniam sed proprium sanguinem dedit in precium, volens se pocius patrimonio scilicet vita propria privare, quam genus humanuni dimittere“ (ed. Hermann Oesterley, Bln. 1872 [Neudruck Hildesheim 1963], S. 349). Eine entsprechende Darstellung ließ sich nicht ermitteln; auch in diesem Fall dürften die Gesta Romanorum keine Bildquelle geworden sein (vgl. Karl-August Wirth, Münchner Jb. III. F. 12, 1961, 59f.).

Während bei dem Vorgang f’ die antiken Autoren vor allem den Vater F. M. als Verehrer alter Sitte rühmen, rücken die Gem. für das Amsterdamer Rathaus die Gestalt des Sohnes in die Mitte der Erzählung (s. Sp. 829).

3. Emblematik

In Alciatausgaben des Guillaume de Roville in Lyon (erstmals wohl 1551; s. Andreae Alciati Emblematum Fontes Quatuor, ed. Henry Green, Manchester und London 1870, S. 33) erscheint unter dem Lemma „Gramen“, teils mit der weiteren Überschrift „Prudentia“ (1566, S. 33; 1574, S. 37), teils ohne sie (dann als Emblem XXVI; so die Ausg. von 1573 und 1600), das Bild der Ehrung des F. M. durch einen Kranz aus Grashalmen, die „corona graminea“ (vgl. Plinius, Naturalis historia 22, 6 [„nulla fuit ... nobilior“] und 10; Gellius, Noctes Atticae V, 6, 8–10). Unter dem Bild steht das Distichon: „Gramineam Fabio patres tribuere corollarm / Fregerat ut Poenos, Hannibalémque mora“. Das gleiche – ohne die Überschrift „Prudentia“ – als Emblem XXVI in einem Antwerpener Alciat von 1577 (bei Christ. Plantin) und als Emblem XIII z. B. in der lat.-dt. Ausg. von Nikolaus Bassee, Ffm. 1580, mit nicht zugehörigem Bild und den Versen: „Dem Fabi daß er mit Verzug / Den listigen Hannibal schlug / Vnd schwecht dem von Carthago Macht / Wurd jm von Graß ein Kräntzlein bracht.“ Jacobus Masen S.J., Speculum imaginum veritatis occultae, ..., Köln 1650, S. 295f. empfiehlt, F. M. durch die Wiedergabe einer Münze (Medaille) darzustellen, deren eine Seite Apollo mit der Leier, deren andere ein von einem Blitz gekreuztes Füllhorn in einem aus Lorbeer, Eichenlaub und Ähren gefügten Kranz zeige, „vt si diceret: arte, et marte: vel, humanitate, et seueritate ... Respublicas opulentas ... contineri“ – ein Vorschlag, der in seiner Allgemeinheit das über F.M. Überlieferte so wenig berücksichtigt, daß er keine Spur hinterlassen hat. Orlandi-Ripa Bd. 2 S. 89 belegt den Begriff Costanza mit Valerius Maximus III, 8, 2 entnommenen Hinweisen auf F. M. als „fatto storico profano“ (vgl. Sp. 824).

Zu den Abbildungen

1. Leonardo da Besozzo, F. M. mit Massinissa und Scipio Nasica. Mailand, Cod. der Slg. Crespi-Morbio, fol. 13 (Ausschnitt). Zw. 1436 und 1442. Fot. Mario Perotti, Mailand.

2. Cesena, Bibl. Malatestiana, ms. S. XV. 1 (Plutarch, Vitae virorum illustrium), fol. 144, Bildnis des F. M. Ferrara, um 1450. Fot. Gino Zangheri, Cesena, Neg.Nr. 1996.

3. Den Haag, Rijksmus. Meermanno-Westreenianum, ms. 11, fol. 12, Szene nach der Eroberung Tarents. Frankreich, um 1478. Nach A. de Laborde a.a.O. (s. Sp. 831), Bd. 3 Taf. 86 c.

4. Paris, Bibl. Nat., ms. fr. 54, fol. 180v, Streitgespräch zwischen F. M. und Scipio Africanus. Rouen, 1503. Nach Georges Ritter und Jean Lafond a.a.O. (s. Sp. 830), Taf. 53, 2.

5. Loskauf römischer Gefangener. Buchholzschnitt (7,8 × 8,7 cm) aus dem lat. Plutarch Venedig (M. Serra und P. Ravani) 1516, Bl. 65v. Fot. RDK.

6 a und b. Daniele da Volterra, Minucius dankt F. M. für die Rettung (a); F. M. erweist seinem Sohn die ihm als Konsul gebührende Ehre (b). Wandfresken, H. 1,20 m. Rom, Pal. Massimo alle Colonne. 1538–40. Fot. Alinari, Florenz, Nr. 28 020, 28 023.

7. Hans Bocksberger d. Ä., F. M. unter römischen Helden. Deckenfresko. Landshut, Stadtresidenz. Um 1542. Fot. Karl-Heinz Steppe, Landshut.

8. Rubens, F. M. und Minucius. Ölskizze a. Holz, 40 × 32 cm. Rotterdam, Mus. Boymans-van Beuningen, Inv.Nr. 2300. Um 1622. Fot. Mus.

9. Cornelis Bloemaert (s. Hollstein, Dutch Fl. Engr., Bd. 2, S. 82 Nr. 321) nach Pietro da Cortona, F. M. als Vertreter der Prudentia, Detail von der Deckenmal. im Salone des Pal. Barberini, Rom. Kupferstich. Aus: Hieron. Tetius a.a.O. (s. Sp. 822), Taf. 3 A nach S. 46 (Ausschnitt). Fot. RDK.

10. Rembrandt (eigenhändig?), der vom Pferd gestiegene F. M. vor seinem Sohn. Gem. a. Lwd., 1,79 × 1,97 m. Früher Belgrad, Kgl. Slg. Sign. und dat. 165 (3 oder 5). Nach Aukt. Kat. Mensing und Sohn a.a.O. (s. Sp. 828), Taf. 23.

11. Richard de Saint-Non (1727–91), F. M. vor dem Senat von Karthago. Radierung (Vorzchg. von Honoré Fragonard nach Giov. Batt. Tiepolo), 16,7 × 11,5 cm. Fot. Walter Steinkopf, Bln.

Literatur

1. Pauly-Wissowa Bd. 6 Sp. 1739–43 (Edmund Groag) und 1814–30 (Friedrich Münzer). – 2. Pigler II, S. 376. – 3. Heinr. Wurm, Der Pal. Massimo alle Colonne, Bln. 1965.

Verweise