Fabelwesen

Aus RDK Labor
Wechseln zu: Navigation, Suche

englisch: Fabulous beasts and races of men; französisch: Être fabuleux; italienisch: Creature favolose.


Salome Zajadacz-Hastenrath (1971)

RDK VI, 739–816


RDK VI, 739, Abb. 1. Montecassino, 1023.
RDK VI, 739, Abb. 2. London, 2. H. 12. Jh.
RDK VI, 741, Abb. 3. Ehem. Hannover, um 1235.
RDK VI, 745, Abb. 4. Prag, um 1350.
RDK VI, 749, Abb. 5. Michael Wohlgemuth, 1493.
RDK VI, 751, Abb. 6. Leipzig, 13. Jh.
RDK VI, 753, Abb. 7. Paris, kurz vor 1413.
RDK VI, 753, Abb. 8. Augsburg 1482.
RDK VI, 755, Abb. 9. Rom, 1. H. 14. Jh.
RDK VI, 755, Abb. 10. London, A. 14. Jh.
RDK VI, 757, Abb. 11. Würzburg 1667.
RDK VI, 759, Abb. 12. Lausanne, M. 13. Jh.
RDK VI, 759, Abb. 13. Oxford, 1326-27.
RDK VI, 761, Abb. 14 a und b. Lausanne, M. 13.Jh.
RDK VI, 763, Abb. 15. Nürnberg 1493.
RDK VI, 763, Abb. 16. London 1658.
RDK VI, 765, Abb. 17. Lausanne, M. 13. Jh.
RDK VI, 767, Abb. 18. Granada, M. 15. Jh.
RDK VI, 767, Abb. 19. London, um 1000.
RDK VI, 769, Abb. 20. Kastelaz bei Tramin, Südtirol, 1. V. 13. Jh.
RDK VI, 771, Abb. 21. Paris, kurz vor 1413.
RDK VI, 773, Abb. 22. Straßburg 1530.
RDK VI, 775, Abb. 23. Augsburg 1481.
RDK VI, 775, Abb. 24. Dublin, A. 15. Jh.
RDK VI, 777, Abb. 25. Oxford, um 1200.
RDK VI, 777, Abb. 26. London, E. 12. Jh.
RDK VI, 779, Abb. 27. Oxford, A. 12. Jh.
RDK VI, 779, Abb. 28. Cambridge, E. 14. Jh.
RDK VI, 781, Abb. 29. Souvigny (Allier), M. 12. Jh.
RDK VI, 781, Abb. 30. Oxford, A. 12. Jh.
RDK VI, 783, Abb. 31. München, zw. 1303 und 1308.
RDK VI, 785, Abb. 32 a-c. London, um 1000.
RDK VI, 787, Abb. 33 a und b. Bologna 1642.
RDK VI, 789, Abb. 34. Oxford, A. 12. Jh.
RDK VI, 789, Abb. 35. Vézelay, zw. 1120 und 1132.
RDK VI, 791, Abb. 36. Frankfurt a. M. 1545.
RDK VI, 793, Abb. 37. Granada, M. 15. Jh.
RDK VI, 795, Abb. 38. Augsburg 1476.
RDK VI, 801, Abb. 39. Burgo de Osma, 1086.
RDK VI, 803, Abb. 40. Basel, um 1200.
RDK VI, 805, Abb. 41. Paris, 2. H. 12. Jh.
RDK VI, 805, Abb. 42. Belvoir Castle (Leicestershire), M. 13. Jh.
RDK VI, 807, Abb. 43. Dennington (Suffolk), 15. Jh.
RDK VI, 809, Abb. 44. London, um 1000.
RDK VI, 809, Abb. 45. Frankfurt a. M. 1545.
RDK VI, 811, Abb. 46. Wien, A. 13. Jh.

Inhaltsverzeichnis

I. Definition

Die in spitze Klammern <> gesetzten Buchstaben indizieren die Sp. 815 aufgeführten, mehrfach zitierten illum. Handschriften.

Unter F. werden hier Arten von Menschen, Tieren oder Mischwesen aus beiden verstanden, die für existent gehalten wurden (aber in Wirklichkeit nicht existierten) und deren fremdartige Gestalt und Eigenschaften in literarischen Zeugnissen beschrieben und in bildlichen Darstellungen veranschaulicht sind.

Sie sind zu unterscheiden von *Monstren (mit Mißbildungen geborenen Menschen und Tieren) und von Geschöpfen bildkünstlerischer Phantasie, menschen- und tierartigen Gebilden, wie sie in Drolerie, Groteske und Allegorie vorkommen. In ihrer äußeren Erscheinung können sich F. mit einzelnen mythologischen Gestalten berühren; solche werden aber hier als F. nur bezeichnet, wenn sie in gewissen Zeitabschnitten als eine Gattung von Lebewesen verstanden worden sind (z. B. die Pegasi). Dämonen bleiben außer Betracht, auch wenn sie in Gestalt von F. wiedergegeben sind.

II. Quellen

Während des ganzen MA konnte man aus Quellen sehr unterschiedlicher Art Kenntnisse über Namen, Gestalt, Eigenschaften und Lokalisierung von F. beziehen; mehrfach sind die als Quellenschriften einzuschätzenden Werke mit Illustrationen versehen (was hier durch hochgestelltes ° vor dem Namen des Autors oder vor dem Titel gekennzeichnet wird, z. B. °Hrabanus Maurus, De rerum naturis [De universo] oder °„Marvels of the East“) und waren somit auch als Bildquelle brauchbar.

Die wichtigsten Nachrichten über F. stehen in Enzyklopädien, kosmographischen und geographischen Werken, im Physiologus und in Bestiarien, (Welt)-Chroniken, Reiseberichten und in einigen vielgelesenen Werken der Dichtkunst; eine Nutzanwendung des Wissens über F. findet man auf ma. *Weltkarten.

In der Antike hatte man bereits mehr oder weniger fest umrissene Vorstellungen von einer Reihe in fernen Gegenden lebender F. Diese gehen in ihrem Kern auf griechische Berichte über die fremdartigen Völker und Tiere Indiens zurück (vgl. die Werke des Skylax, Ktesias und Megasthenes, die ihrerseits teils aus indischen Quellen, teils aus griechischen mythologischen Vorstellungen schöpften; s. dazu [79], S. 163f.). Über °Plinius (Naturalis historia [6]) und den ihm vielfach folgenden °Solinus (Collectanea rerum memorabilium [7]) wurden diese Vorstellungen dem MA bekannt; vgl. Abb. 2.

Der Katalog der hier überlieferten F. wurde im Laufe des Mittelalters erweitert durch eine Gruppe untereinander verwandter Texte, die auf eine griechische Quelle des 4.–5. Jh. zurückgehen. Als ältester dieser Texte wird die „Epistula Premonis Regis ad Trajanum Imperatorem“ angesehen [10; 11]. Davon abhängig sind die °„Marvels of the East“ [11; 12; 13] und der „Liber monstrorum“ bzw. „De monstris et belluis liber“ [14; 15; 16). Weitere F. wurden der griechischen Mythologie und orientalischen Quellen entlehnt.

Meist stellte man sich die F. in Indien oder in dem oft Indien benachbart gedachten Äthiopien lebend vor, z. T. auch in Libyen (= Afrika) oder Skythien, seltener in europäischen Ländern. Mit fortschreitender Erkundung der Erde erwartete man, sie in den jeweils noch verbleibenden unerforschten Gebieten zu finden.

In ma. Enzyklopädien werden F. in verschiedenem Zusammenhang behandelt. Isidor von Sevilla (Etym. XI, 3, de portentis) und °Hrabanus Maurus (De rer. nat. VII, 7, de portentis: [20] Sp. 197ff.) zählen die menschlichen Fabelrassen im Anschluß an die Kapitel über den Menschen auf (vgl. Abb. 1) und erwähnen einige der tierischen F. in den folgenden Kapiteln über die Tiere (Isidor, Etym. XII; Hrabanus Maurus, De rer. nat. VII, 8, de pecoribus et jumentis; VIII, 1, de bestiis: [20] Sp. 199–226). Ähnlich trennt °Thomas von Cantimpré, Liber de nat. rer. [34], menschliche (vgl. Abb. 4) und tierische F.: de monstruosis hominibus (III: [35]), de animalibus quadrupedibus (IV: [34] fol. 34–69v; eine verkürzte Fassung bei [37], S. 60–180), de avibus (V: [34] fol. 69v–89), de monstris marinis (VI: [34] fol. 89v–98), de piscibus (VII: [34] fol. 98 –108v), de serpentibus (VIII: [34] fol. 108v– 115). Das gesamte Werk wurde ins Niederländische übersetzt von °Jacob van Maerlant [43]. Die nach einer verkürzten Fassung (vgl. [37], S. 18–25) besorgte dt. Übersetzung von °Konrad von Megenberg [48], im Spät-MA viel gelesen, wurde früh gedruckt ([89] Bd. 3 S. 14, Abb. 453–65; Bd.4 S. 26, Abb. 830–41; vgl. Abb. 8). Vinzenz von Beauvais beschreibt – vielfach in Anlehnung an Thomas von Cantimpré – im „Speculum naturale“ eine Fülle von F. in den Büchern über die Tiere (XVI–XX: [40] Sp. 1158–1558); er widmet bei der ausführlichen Behandlung des Menschen einige Kapitel monströsen Bildungen und führt dabei Fabelrassen auf (XXXI, 118–28: [40] Sp. 2387–94). Nur die tierischen F. berücksichtigen Hugo von Folieto (De bestiis et aliis rebus I–III: [25] Sp. 9–164) und Alexander Neckam (De naturis rerum: [29]), der sein Werk nach den Elementen aufgliedert und einige F. in den Kapiteln über die Luft (Vögel) und die Erde (Schlangen) nennt.

Andere Handbücher erwähnen F. (auch) in Abschnitten über die Geographie; so Honorius Augustodunensis (Imago mundi I, 11–13: [24] Sp. 123f.) und nach ihm °Gossouin von Metz (Image du Monde: [42] S. 111–27: Indien; S. 133f.: Europa und Afrika) sowie Caxton (Mirrour of the World: [51]); ähnlich auch Bartholomäus Anglicus (De rerum proprietatibus XV, de proprietate provinciarum: [32] S. 625–701; XVIII, de proprietate animalium: [32] S. 968–1131) und °Brunetto Latini (Li livres dou trésor I, 22, über Asien: [41] S. 110–15; I, 130–200, über die Tiere: [41] S. 127–71).

Häufig findet man F. in Erdbeschreibungen erwähnt, die teils in Enzyklopädien stehen, teils selbständige Werke sind. Als Beispiele sind zu nennen: °Lambert von St-Omer, Liber floridus [23, Sp. 1003–32]; Guido von Bazoches, Apologia (vgl. [31],S. 417ff.); Pierre d’Ailly, Imago mundi (Kap. 16, de mirabilibus Indiae, und Kap. 37, de Aethiopia et eius partibus: [50] Bd. 1 S. 264–69; Bd. 2 S. 360–67). Noch Seb. Münster erwähnt in seiner „Cosmographia“ die F. in den Büchern über Asien und Afrika ([59] S. 703–64 und 786–818), ebenso Rainerus Gemma Frisius, De principiis astronomiae et cosmographiae, Basel 1530, Kap. 6, 16 und 26.

In den °Bestiarien sind Fabeltiere unterscheidungslos neben anderen Tieren genannt (und in einigen Redaktionen wie diese allegorisiert); s.; Physiologus. Gleiches gilt für Hugo von Folieto, s. Sp 743, und die aus Thomas von Cantimpré geschöpften Bücher XXIII–XXVI von °De animalibus (angeblich) des Albertus Magnus (über ihre Abhängigkeit von Thomas s. Pauline Aiken, The Animal History of Albertus Magnus and Thomas of Cantimpré, Speculum 22, 1947, 205–25; vgl. auch Heinr. Balss, Albertus Magnus als Zoologe, Mchn. 1928, S. 17; Übersetzung dieser Bücher im 16. Jh. von Walther Ryff: [38]). Selbst in zoologischen Werken aus dem Beginn der Neuzeit werden F. berücksichtigt, so bei °Edward Wotton [60], °Conrad Gesner [61] und °Ulysses Aldrovandi [63; 64]. – Eine Gruppe der ma. Bestiarien enthält neben Tieren auch die fabelhaften Menschenrassen [28, S. 23–25], die von einem Teil der Autoren ausdrücklich als wirkliche Menschen bezeichnet werden ([8] S. 508–10; [19] Sp. 1155). Abhandlungen der frühen Neuzeit über Mißbildungen führen neben Monstren öfters auch die menschlichen Fabelrassen an (so °Conrad Wolfhardt, gen. Lycosthenes [62], °Ulysses Aldrovandi [65], Heinr. Kornmann [66], °Gasp. Schott [70]). Die Frage nach der Existenz einzelner F. löste im 16. und 17. Jh. Kontroversen aus (für das Einhorn vgl. RDK IV 1516 und 1519f.; Kontroversliteratur zu einigen anderen F. bei [70], S. 997–1005 Greif] und 1032–42 Phönix]).

Autoren von (Welt-)Chroniken glauben, daß Fabelrassen nach der Zerstreuung der Menschheit entstanden sind und erwähnen F. bei der Beschreibung der Erdteile (s. RDK V 1127f.); vgl. z. B. Rudolf von Ems, Weltchronik, Vers 1417–1848 [33, S. 20–26]; Vinzenz von Beauvais, Speculum historiale I, 62–94 [39, S. 24 bis 35]; Filippo Foresti, Supplementum Chronicarum, Venedig 1483, Bl. 9v; °Hartmann Schedel, Buch der Chroniken [56, Bl. 11ff.], vgl. Abb. 5, in Anlehnung an Schedel: Seb. Franck, Chronica. Zeytbuch und geschycht bibel [58]. – In Geschichtswerken verschiedenen Inhalts findet man Exkurse über F., so in den „Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum“ des Adam von Bremen (Beschreibung der an die Ostsee angrenzenden Länder: [21] S. 246–57), in der „Historia Hierosolomytana“ des Fulcher von Chartres (III, 49, de diversis generibus bestiarum et serpentium in terra Saracenorum: [22] S. 778–84) und bei Jakob von Vitry, „Orientalis sive Hierosolomytana historia“ [30]. – Mit einer gewissen Regelmäßigkeit werden F. in Schilderungen der Geschichte Alexanders d. Gr. erwähnt, vgl. z. B. Frutolfs von Michelsberg Weltchronik (früher Ekkehard von Aura zugeschr.: Mon. Germ. Script. Bd. 6, S. 33–223, insbes. S. 70–75) und Vinzenz von Beauvais, Speculum historiale IV, 47–60 [39, S. 129–33], die beide Stoff aus dem Alexanderroman übernahmen.

Zahlreiche Weltkarten des MA verzeichnen F. in ihren Inschriften und/oder figürlichen Darstellungen; meist nahm man an, sie lebten in Indien oder Äthiopien. Als Beispiele sind zu nennen: die auf ein Vorbild des 8. Jh. zurückgehenden Weltkarten der Beatus-Hss., die Karte in der Enzyklopädie Lamberts von St-Omer (s. oben) sowie die Weltkarten von Hereford und von Ebstorf (alle bei [74]; vgl. Abb. 3); auch Martin Behaims Erdglobus, 1491, zeigt in der herkömmlichen Weise einige F. (ein späteres Beispiel: die 1530 in Straßburg gedruckte „Carta Marina“ des Lor. Fries).

Auch Reiseberichte spiegeln das Interesse an F. Sie vermischen vermeintlich Gewußtes mit Selbstgesehenem. In den Berichten von Franziskanern, die im 13. und 14. Jh. an den mongolischen Hof entsandt wurden, sind wiederholt F. genannt (vgl. die Berichte von Giovanni di Pian del Carpine, Benedikt von Polen und Odoricus von Pordenone: sämtlich bei [49]); Frater Jordanus berichtet von F. im Bericht über seine Indienreise v. J. 1320: [46]; einzelne F. erwähnen Marco Polo [44; 45] und Ibn Battuta (s. unten Sp. 768); weitere – auch neuzeitliche – Beispiele bei [79, S. 194–97]. In großer Zahl sind F. in dem fingierten Reisebericht des °Johann de Mandeville, „De mirabilibus mundi“ [47] erwähnt. Dieses um die M. 14. Jh. verfaßte Werk, das sich weitester Verbreitung erfreute, ist zusammen mit anderen Reiseberichten des 13.–14. Jh. im °„Livre des Merveilles“ aufgezeichnet, einer Hs., die 1413 von Johann ohne Furcht dem Hzg. von Berry geschenkt wurde <l>.

Die Beschäftigung mit den Wundern Indiens war im Hoch-MA sehr lebhaft. Gestützt auf ältere Quellen entstand eine Reihe der „Epistula Premonis“ verwandter Texte (s. oben Sp. 741). Einflußreich war der „Brief Alexanders an Aristoteles“ [4; 17]; seit 1170 ist im Abendland der „Brief des Priesters Johannes“ in verschiedenen Fassungen bekannt [26]; von ihm abhängig sind der „Tractatus pulcherrimus“, 2. H. 15. Jh. [26, S. 171–79], und °Gulielmo Dati, Secondo Cantàre d’India [57, S. 311–13]. Schließlich sind hier noch die – nach 1214 entstandenen – „Otia imperialia“ des Gervasius von Tilbury zu nennen (auszugsweiser Abdruck [III] bei [11]).

In ma. Dichtungen kommen F. vor allem in Verbindung mit dem Alexanderstoff – vorzüglich also im Alexanderroman – vor; in den Briefen Alexanders an Aristoteles (s. oben) und an seine Mutter Olympias beschreibt er F., die ihm auf seinem indischen Feldzug begegneten. F. in großer Zahl spielen außerdem eine Rolle im Volksbuch vom °Herzog Ernst [52].

III. Die einzelnen F.

Einzelne Fabelwesen.

Im folgenden werden in alphabetischer Reihenfolge diejenigen F. behandelt, für die kein eigener Artikel vorgesehen ist. F., die gesondert erörtert wurden (oder werden), sind als Verweise mitaufgeführt. S. auch Physiologus.

Acephalen

1. Quellen. In der Überlieferung finden sich vielfach Beschreibungen von Menschen ohne Kopf, die zwar – sofern benannt – mit verschiedenen Namen bedacht sind, sich auch in ihrer Gestalt mehr oder weniger deutlich unterscheiden und an verschiedenen Orten wohnen, deren bildliche Darstellungen aber öfters ineinanderfließen und die bisweilen in Inschriften und Texten summarisch als Acephali bezeichnet werden.

Die äthiopischen Blemmyer (blemee, belenii, lemmae u. ä.) haben keinen Kopf, sondern tragen Augen und Mund auf der Brust (Plinius V, 46: [6] Bd. 1 S. 379). Diese Tradition geht mindestens bis Herodot (IV, 191) und Aischylos (bei Strabo I,2,36 und VII, 3,6: [5] Bd. 1 S. 68, Bd. 2 S. 79) zurück. An anderer Stelle, bei der Beschreibung Indiens (VII, 23: [6] Bd. 2 S. 6), erwähnt Plinius ein Volk, das ebenfalls keinen Kopf hat und die Augen auf den Schultern trägt; einen Namen für dieses Volk nennt er nicht.

Die Überlieferung kennt beide Fabelvölker; einige Quellen nennen nur eines. Die Blemmyer, deren Beschreibung sich durchweg eng an Plinius anlehnt, werden allgemein im afrikanischen Raum lokalisiert: in Libyen ([7] S. 137, 11; [18] XI, 3, 9; [20] Sp. 197; [39] I, 92, S. 34), im Innern Afrikas ([9] S. 335, 15; [59] S. 839), in Äthiopien ([32] S. 650; [60] Bl. 50; [66] S. 61f.). Dagegen denkt man sich die Menschen. die ihre Augen auf den Schultern haben, meist in Indien ([24] Sp. 124; [42] S. 112; [39] I, 93: S. 35; [51] S. 7; [50] S. 266f.; [59] S. 752; [60] Bl. 50). – Honorius Augustodunensis fügt hinzu, daß sie auf der Brust zwei Öffnungen als Nase und Mund haben und im übrigen stark behaart sind (I, 12: [24] Sp. 124; ähnlich: [30] S. 214; [43] S. 28; [48] S. 490; [50] S. 266f.). Mandeville gibt ihnen einen hufeisenförmigen Mund [47, S. 100].

Die „Epistula Premonis“ berichtet von riesenhaften Menschen auf einer Insel in dem – nicht näher bestimmbaren – orientalischen Fluß Brixontis (?), die ohne Kopf leben und ihr Gesicht auf der Brust haben ([11] S. 208 und 355; in der verlorenen Straßburger Hs. des Briefes hießen sie epiphagi: [11] S. 209f.); vgl. auch „Marvels of the East“ [13, S. 18 Nr. 16], Gervasius von Tilbury [11, S. 208f.], den Alexanderroman [4, S. 41], den „Brief des Priesters Johannes“ und den „Tractatus pulcherrimus“ ([26] Bd. 7 S. 911 und 960, Bd. 8 S. 177). Der „Liber monstrorum“ fügt hinzu, daß die Augen dieser Menschen auf den Schultern sitzen und nennt sie epistigi (I, 24: [15] S. 229), Thomas von Cantimpré dagegen epiphagi [35, S. 164].

Auf den Weltkarten sind beide Völker in Äthiopien verzeichnet (vgl. z. B. [74], Heft 3 S. 42, 105, 148; Heft 4 S. 45). In der frühen Neuzeit wird von kopflosen Völkern in Guayana berichtet (Belege bei [69], S. 379f.).

In der frühen Neuzeit fehlt es nicht an Versuchen, die monströse Erscheinung dieser Völker rational als Folge des Klimas bzw. als künstliche Deformation zu erklären (Belege: [72] S. 155; [79] S. 192, Abb. 44 e). Aldrovandi glaubt, daß sie nicht ohne Kopf, sondern lediglich ohne Hals seien ([65] S. 8; s. auch Schott [70], S. 402).

2. Deutungen. Thomas von Cantimpré deutet die Menschen, welche Mund und Nase auf dem Bauch und die Augen auf den Schultern haben, als Advokaten, die ihre Klienten zu überflüssigem Prozessieren verleiten und sich durch übermäßige Forderungen den Bauch mästen [36, S. 15]; Praetorius deutet sie als „Bauchdiener“ [69, S. 381]. Die Gesta Romanorum [53, S. 574] dagegen sehen in den Menschen ohne Kopf ein Bild der Demütigen.

3. Darstellungen. Acephalen werden mit dem Gesicht auf dem Rumpf dargestellt, manchmal sind sie behaart, meist unbekleidet.

Augen, Mund und Nase sind auf der Brust angebracht, vgl. Maastricht, St. Servatius, Kapitell im ehem. Westchor, 2.H. 12. Jh. (Inv. Niederlande, Limburg I, 1, S. 317 Abb. 274); Lausanne, Kath., Rosenfenster 13. Jh. [82, Taf. 32]; Abb. 6; <d> fol. 51; Schedel ([56]: Abb. 5); Münster [59, S. 752 und 839]; Lycosthenes [62, Abb. S. 9]; Schott ([70]: Abb. 11). – Häufig werden dabei die Konturen des Gesichts angegeben (<j> fol. 57: [79] Taf. 42 a; <o> fol. 71: [82] Abb. 21; Belvoir Castle, Slg. des Hzgs. von Rutland, Psalter, fol. 87v, 13. Jh.: [87] Abb. 502; <l> fol. 29v: Omont Bd. 1 Taf. 35; <q> fol. 34: [88] Taf. 11). Gelegentlich ist der ganze Rumpf als Kopf gestaltet (Cambrai, Bibl. munic., ms. 102–103 [Brevier von St-Sépulcre], um 1290, und ms. 87 Stundenbuch Mahauts von Artois], 14. Jh.: [83] S. 211 Abb. 11 a und b; Ripon, Yorksh., Kath., Misericordie, 1489: Dirk Bax, Ontcijfering van Jeroen Bosch, Den Haag 1949, Abb. 96). Nur in Ill. zu Mandevilles Reisen haben die Acephalen, dem Text entsprechend, einen hufeisenförmigen Mund ([89] Bd. 4 Abb. 670, Bd. 20 Abb. 1120 und 1972). In der Breslauer Thomas von Cantimpré-Hs., um 1300, fehlen Augen und Gesicht auf dem Rumpf des Acephalen (<a> fol. 43v: [35] 2. Taf. nach S. 165). Auf den Ill. der Hss. von den „Marvels of the East“ sind die Ohren dieser F. vor ihren Achselhöhlen angebracht; die Füße haben je eine sechste Zehe an der Innenseite der Ferse (Abb. 30; weitere Beispiele [13]). Im „Livre des Merveilles“ ist das Gesicht einiger Acephalen auf dem Rücken dargestellt (Abb. 7). Bärtige Acephalen sind auf Fresken des 16. und 18. Jh. in Athosklöstern wiedergegeben (Paul Huber, Athos. Leben, Glaube, Kunst, Zürich und Freiburg i. Br. 1969, Abb. 184 und 187).

Behaarte Acephalen kommen anscheinend im Spät-MA am häufigsten vor (Dublin, Chester Beatty Libr., Ms. 80 [Thomas von Cantimpré], fol. 9, um 1420: [83] S. 261 Abb. 23; Rom, Pal. Doria, Wandteppich aus Tournai, 1459: Hulst, Taf. vor S. 52). Wenn sie – in seltenen Fällen – bekleidet sind, dann ist ihre Kleidung so beschaffen, daß auf dem Rumpf ihr Gesicht zu sehen ist (Mandeville: [89] Bd. 4 Abb. 670, Bd. 20 Abb. 1120 und 1972); auf einer Misericordie in der Kath. von Norwich ist der Acephale bekleidet, das Gesicht prägt sich durch die Gewandung ab [77, S. 138 Abb. 1].

Gelegentlich sind Acephalen bewaffnet, z. B. mit Pfeil und Bogen (Casale Monferrato, S. Evasio, Mosaik, 12. Jh.: Nachzchg. bei [82], S. 54 Abb. 14; Acephalen im Kampf mit einem Monstrum bzw. einem Greifen finden sich in den zwei genannten Hss. in Cambrai) oder mit Keulen (Abb. 7; Wandteppich in Rom, s. oben).

In einer Reihe von Hss. sind Vertreter beider bei Plinius beschriebenen Fabelvölker ohne Köpfe nebeneinander abgebildet (Abb. 1f.). Dabei unterscheiden sie sich lediglich dadurch, daß bei jenen, die ihre Augen „auf den Schultern“ tragen, das Gesicht näher an den oberen Rand des Rumpfes gezeichnet ist als bei den Blemmyern, was aber oft nur im unmittelbaren Vergleich deutlich wird (z. B. Abb. 1f.; <h>: [74] Heft 2; Ripon, Yorksh., Kath., Misericordie, 1489: D. Bax a.a.O.; vgl. ferner Abb. 4). Eine Hs. des 13. Jh. zeigt einen Fabelmenschen, dessen Augen auf den Schultern sitzen, während das zwischen ihnen eingezeichnete Gesicht Augenbrauen, Nase und Mund enthält (<o> fol. 71v: [81] Abb. 35 d). Seltener wird bei letzterer Art die Angabe des Honorius Augustodunensis berücksichtigt, daß diese F. auf der Brust zwei Öffnungen als Mund und Nase haben (z. B. <q> fol. 33: [88] Taf. 9; ferner [89], Bd. 3 Abb. 465 und Abb. 8: mit Augen statt Mund und Nase). Vereinzelt begegnen auch einäugige Acephalen <n> fol. 60v: [81] Abb. 35 b; [57] Abb. S. 313).

Alce

s. Physiologus (und Bestiar).

Alerion

s. Avalerion (Sp. 762).

Ambaren

Plinius berichtet von einem äthiopischen Volk (den Sesambern, sonst meist Ambaren, auch Impersibaren u. ä. genannt), daß dort, wo sie wohnen, alle Vierfüßler ohne Ohren seien, selbst die Elefanten (VI, 192: [6] Bd. 1 S. 510); von den Menschen selbst sagt er solches allerdings nicht (ebenso auch Solinus XXX, 5: [7] S. 130, 21; Bartholomäus Anglicus XV, 52: [32] S. 650), doch wird die Eigenschaft auch auf diese übertragen; so auf einigen Weltkarten (Ebstorf, Hereford, Karte des Ranulf Higden: Abb. 3; [74] Heft 4, Karte; Heft 3 S. 8 und 105) und bei Münster [59, S. 838]. – Die Hereforder Weltkarte schreibt den Ambaren die nach rückwärts gekehrten Füße eines anderen Fabelvolkes zu (vgl. Sp. 757).

Ameisenlöwe (Mirmicoleon)

s. Physiologus (und Bestiar).

Amphisbaena

(amphisibaena, amfivena, armena, enfeminie, feminie).

1. Quellen. Bis zum Ende des MA hielt man die Amphisbaena für eine Schlange mit zwei Köpfen, deren einer am Schwanzende sitzt (z. B. Solinus XXVII, 29: [7] S. 122, 8); sie kann vorwärts und rückwärts kriechen (s. Name!). Die Grundlage für diese Vorstellung bilden Reptilien mit kurzem, dickem Schwanz (Ringelechsen [Amphisbaenidae], vgl. Brehms Tierleben Bd. 5, neubearb. von Franz Werner, Lpz. 1922, S. 148–54), deren Äußeres eine Verwechslung beider Körperenden zuläßt (George C. Druce, The Amphisbaena and its Connexions in Ecclesiastical Art and Architecture, Arch. Journ. 67, 1910, 285–317).

In ma. Texten wird häufig auf Lucan, Pharsalia IX, 719, verwiesen, wo unter den Gefahren, denen die römischen Soldaten in Libyen ausgesetzt waren, auch die Schlange Amphisbaena genannt wird (zu älteren Quellen s. G. C. Druce a.a.O. S. 291f.). Plinius erklärt die Zweiköpfigkeit mit der großen Menge Giftes, die sie ausspeit (VIII, 85: [6] Bd. 2, S. 76); sie ist die einzige Schlange, die sich der Kälte aussetzt (Isidor, Etym. XII, 4, 20; Hugo von Folieto: [25] Sp. 101); ihre Augen leuchten wie Lampen (s. außer Isidor, Etym. und Hugo von Folieto auch Brunetto Latini I, 139: [41] S. 133f.; ebenso die „Epistula Premonis“ und verwandte Texte, zusammengestellt bei [11], S. 204 und 354); sie wacht mit einem Haupte, während das andere schläft (Thomas von Cantimpré, nach Jorach: [34] fol. 109v; Konrad von Megenberg: [48] S. 263). Häufig wird die Amphisbaena in Bestiarien beschrieben ([28] fol. 46v; [27] S. 176–78; [85] S. 81; [73] S. 243; Druce a.a.O. S. 289).

Zu Beginn der Neuzeit widmet ihr noch Aldrovandi ein ausführliches Kapitel [64, S. 236–43], ebenso Nierembergius, der als unglaubwürdige Tradition berichtet, ein Kopf speie Gift, der andere das Gegengift [67, S. 273].

2. Deutungen. Die beiden entgegengesetzten Köpfe der Amphisbaena gaben Anlaß zu unterschiedlicher Deutung.

Einmal lag es nahe, in ihnen eine Vereinigung von Gegensätzlichem zu sehen. So deutet Alexander Neckam sie als Adaptatio, indem er sie mit jenen vergleicht, die erst ihre Jugend heiter verbringen wollen, um sich dann mit zunehmendem Alter ernsteren Dingen zuzuwenden [29, S. 197]. Picinelli deutet die Amphisbaena mit dem Lemma „Duabus viis ingreditur“ unter Berufung auf Paolo Aresi als Zwiespältigkeit des Geistes [71, VII, 1, Nr. 1]. Als Bild des Verräters sieht sie Claude Paradin (Devises héroïques, Paris 1571, S. 162 [erste Ausg.: Lyon 1557]). Unter Berufung auf Nierembergius und mit dem Lemma „Ab eadem virus et antidotus“ bezeichnet sie Aug. Chesneau als Sinnbild des menschlichen Fleisches, das Adam und Christus gemeinsam ist (Orpheus Eucharisticus, Paris 1657, Emblem 72, S. 504–10).

Daß beide Köpfe Gift speien, zeigt doppelte Bosheit. Daher ordnet die Conc. car. im Temp. 84 diese Schlange der Szene „Christus vor Kaiphas“ und ihren atl. Präfigurationen zu (RDK III 845/46; in der Hs. München, Bayer. Staatsbibl., cod. lat. 8832: Temp. Nr. 85). Aldrovandi deutet die beiden Köpfe als Gula und Voluptas [64, S. 242]. Picinelli vergleicht die Amphisbaena mit einem böswilligen Verräter, der sowohl im Offenen als im Verborgenen schadet, und mit einem Habsüchtigen, der seine Gier zugleich auf das Erworbene und auf das noch zu Erwerbende richtet [71, VII, 1, Nr. 2].

Die Fähigkeit, vorwärts und rückwärts zu schauen, kann auch Klugheit bedeuten. Der tosco-venezianische Bestiarius deutet sie als Weisheit, die den Menschen bestimmt, das Wort Gottes zum Anfang und Ende seines Tuns zu machen [73, S. 243]. Picinelli ist sie Symbol der Klugheit, er verbindet sie mit dem Lemma „Et retrorsum aspicit“; das Emblem dient jedoch auch als Bild des Sünders, der weiter seiner bösen Vergangenheit verhaftet ist [71, VII, 1, Nr. 3].

Eine Amphisbaena, deren einer Kopf abgetrennt ist, deutet Joachim Camerarius als das traurige Los des Witwers (Symbolorum et Emblematum ex Aquatilibus et Reptilibus Desumptorum centuria quarta ... coepta, o. O. 1604, Nr. 89).

3. Darstellungen. In der einfachsten Weise wird die Amphisbaena in Gestalt eines Wurmes oder einer Schlange wiedergegeben, mit je einem Kopf an beiden Körperenden (z. B. St-Révérien Nièvre], Kapitell, 12. Jh.: [84] S. 231 Abb. 327; Cambridge, Fitzwilliam Mus., Ms. 254, fol. 41v, 13. Jh.: [85] Taf. 1 b; [H]Ortus Sanitatis: [89] Bd. 15 Abb. 566; Thierbuch Alberti Magni: [38] Bl. Y II; J. Camerarius a.a.O.). Die Hss. der „Marvels of the East“ stellen sie hingegen mit beiden Köpfen an einem Körperende dar (<f> fol. 79v, <g> fol. 99v, <k> fol. 37v: alle bei [13]), ebenso – jedoch geflügelt – begegnet sie in einer Hs. von Brunetto Latinis „Li Livres dou trésor“ (Abb. 9).

Häufig hat die Amphisbaena die Gestalt eines Drachen mit einem kleineren Kopf am Schwanzende, z. B. Oxford, Bodl. Libr., Ms. 764, fol. 97 [85, Taf. 1 a]; <c> fol. 49v; Schloß Tirol bei Meran, Portalgewände der Kapelle, 12. Jh. (Walter Frodi, K. in Südtirol, Mchn. [1960], Taf. 9); London, Westminster Abbey, Gewölbeschlußstein, 13. Jh. (Lawrence Stone, Sculpture in Britain. The Middle Ages [= The Pelican Hist. of Art, 9], Harmondsworth, Middlesex 1955, Taf. 93); weitere Beispiele aus der Skulptur des 14. und 15. Jh. siehe Druce a.a.O. Taf. 1, 4, Taf. 2, 3, Taf. 2, 4.

Seltener ist die vordere und hintere Körperhälfte gleichgewichtig, z. B. Abb. 10 und London, Brit. Mus., Ms. Harley 3244, 13. Jh. (Druce a.a.O. Taf. 4, 2).

Oft wendet die Amphisbaena ihre Köpfe einander feindlich zu oder einer der beiden Köpfe beißt sich am Körper fest. Dabei ist es oft kaum möglich, Darstellungen der Amphisbaena von Erfindungen der Drolerie klar zu unterscheiden, vgl. etwa die Beispiele in der Skulptur des 12. und 13. Jh., die sich in Archivolten, Arkadenzwickeln und Türstürzen finden ([84] S. 82 Abb. 96, S. 9 Abb. 1, S. 350 Abb. 473), ebenso an Taufsteinen (Druce a.a.O. Taf. 2, 1, Taf. 3, 1, Taf. 5, 1).

Gelegentlich findet man den zweiköpfigen Drachen als Initiale „S“ (z. B. London, Brit. Mus., Add. Ms. 14 789 [Bibel], fol. 83v, 12. Jh.: Derek Howard Turner, Romanesque Illum. Mss. in the Brit. Mus., London 1966, Titelblatt; Harburg, Fürstl. Öttingen-Wallerstein. Bibl., Cod. I. 2. 4° 24: Swarzenski, Hss. 13. Jh., Abb. 1034).

Das typische Merkmal der Amphisbaena, nämlich der Kopf am Schwanzende, wird auch für andere Darstellungen übernommen. So haben Drachen, auch der apokalyptische Drache (und apokalyptische Tiere), häufig Köpfe am Schwanzende (Beispiele bei Druce a.a.O. S. 303–17); auch der Basilisk wird gelegentlich mit einem solchen ausgestattet: L’Isle Bouchard (Indre-et-Loire), St-Léonard, Kapitell, M. 12. Jh. [84, S. 223 Abb. 314]; Orleans, Mus. hist. de l’Orléanais, Kapitell aus St-Bénoît-sur-Loire, E. 12. Jh. [84, S. 223 Abb. 316]; New York, Metrop. Mus., Archivolte aus Narbonne (Aude), St-Côme, 12. Jh. [84, S. 9 Abb. 1]; Kloster Studenica (Serbien), Tympanon des Apsisfensters, E. 12. Jh. (Angelina Vasilič, Studenica, Belgrad 1960, Abb. S. 12; ähnlich Kloster Decani Serbien], Tympanon des Apsisfensters, 14. Jh.: Mirjana Theodorovič-Sakota, Visoki Dečani, Belgrad 1960, Abb. S. 6).

„Antipoden“

1. Quellen. Plinius berichtet unter Berufung auf Megasthenes von einem Volk, das die Füße nach hinten gekehrt und acht Zehen an jedem Fuß hat: es lebt in Indien am Berg Nulo (VII, 22: [6] Bd. 2 S. 6); ein anderes Volk mit nach rückwärts gekehrten Füßen, ohne anomale Zehenzahl, von großer Schnelligkeit, vermeldet er in Skythien am Berge Imavus (VII, 11: [6] Bd. 2 S. 3; ähnlich Wotton [60], Bl. 49v; bei Münster beide Angaben vermischt: [59] S. 752).

Diese Beschreibungen werden von anderen Autoren mehr oder minder ausführlich wiederholt (s. Solinus LII, 26: [7] S. 187, 14; [8] S. 508; [16] I, 56; [56] Bl. 11; [66] S. 131). Brunetto Latini glaubt, daß nicht die Füße dieser Menschen nach hinten gekehrt, sondern ihre Sohlen nach oben gedreht sind (I, 122: [41] S. 113). Jakob von Vitry schreibt die beiden charakteristischen Eigenschaften – verkehrte Stellung der Füße und Achtzehigkeit – zwei verschiedenen F. zu [30, S. 213]; ähnlich Thomas von Cantimpré [35, S. 161] und – in teilweise entstellter Form – Konrad von Megenberg [48, S. 490].

Erst Isidor von Sevilla (der sie in Libyen statt in Indien lokalisiert) verleiht diesen F. einen Namen (Etym. XI, 3, 24): den der vielumstrittenen Antipoden, an deren Existenz er selbst nicht glaubt (ebd. IX, 2, 133; zur Kontroverse über die Antipoden siehe Giuseppe Boffito, La leggenda degli antipodi, in: „Miscellanea di studi critici ed. in onore di Arturo Graf“, Bergamo 1903, S. 583–600).

Den Namen übernehmen auch Hrabanus Maurus [20, Sp. 197] und Vinzenz von Beauvais (Spec. hist. I, 92: [39] S. 34), er kann jedoch auch in anderen Überlieferungen auftauchen, wie die Inschrift antipodes über einem F. der beschriebenen Art in einer Solinushs. des 12. Jh. zeigt (Abb. 2). Weltkarten verzeichnen diese F. selten; eine Ausnahme macht die Karte des Ranulf Higden, auf der sie in Äthiopien eingezeichnet sind [74, Heft 3 S. 105].

2. Deutung. Thomas von Cantimpré sieht in den Menschen, die acht Zehen an jedem Fuß haben, Ehrenmänner mit starkem Charakter: sie können besonders fest auftreten und kommen nicht zu Fall; jene dagegen, die umgekehrte Fußsohlen haben, gelten als Halsstarrige, deren ganzes Tun verkehrt und ein Ärgernis ist [36, S. 13].

3. Darstellungen von Menschen mit nach rückwärts gekehrten Füßen und acht Zehen sind öfters anzutreffen.

Als Beispiele seien – außer Abb. 2 – genannt: <k> fol. 50 ([13]; [79] Taf. 47 a); Ill. zu den Frühdrucken von Konrad von Megenberg ([89] Bd. 3 Abb. 465 und Abb. 8); Schedel ([56] Bl. 12: Abb. 5); Aldrovandi [65, Abb. S. 15]; Schott ([70]: Abb. 11). – Hss. vom „Liber de natura rerum“ des Thomas von Cantimpré pflegen – entsprechend dem Text – zwei verschiedene F. zu zeigen: einen Menschen, dessen Arme nach rückwärts gekehrt sind und der an den Füßen acht Zehen hat; einen Menschen, dessen Füße nach rückwärts gekehrt sind (<a> fol. 43v: [35] 1.Taf. nach S. 165; <d> fol. 51; <q> fol. 32v). – In der Ill. zu Hrabanus Maurus ist in der Montecassinensischen Hs. ein Antipode zwar mit acht Zehen, nicht aber mit nach rückwärts gekehrten Füßen wiedergegeben (Abb. 1).

Armena

s. Amphisbaena (Sp. 753).

Artabatiten

1. Quellen. Plinius berichtet von den äthiopischen Artabatiten, die nach Art der wilden Tiere auf allen vieren umherlaufen (VI, 195: [6] Bd. 1 S. 512). Solinus lokalisiert sie – im Gegensatz zu den meisten ma. Autoren – in Libyen (XXX, 8: [7] S. 131, 10).

Isidor, Etym. XI, 3, 20, fügt – nach Solinus – hinzu, sie würden nicht älter als 40 Jahre; vgl. Hrabanus Maurus VII, 7: [20] Sp. 197; Vinzenz von Beauvais (Spec. nat. XXXI, 127: [40] Sp. 2393: Spec. hist. I, 92: [39] S. 34); Münster [59, S. 839]. Mandeville berichtet von Menschen, die auf allen vieren laufen und behaart sind [47, S. 100]. Aldrovandi [65, S. 21] und Schott [70, S. 393] zählen die Artabatiten zu den Wildmenschen (s. auch *Wildleute).

2. Deutung. Die Gesta Romanorum [53, S. 575] sehen in den Artabatiten, die auf allen vieren laufen, ein Beispiel für jene, die, wie das Vieh, gottlos leben.

3. Darstellungen. Artabatiten werden auf allen vieren laufend abgebildet (Abb. 1; <n> fol. 71v: [82] Abb. 24; Lycosthenes [62], Abb. S. 11 und 13; der Artabatit in <i>, fol. 1 [77, Taf. I], berührt mit den Händen nicht den Boden). Gelegentlich tragen sie ein Fellkleid oder sind am ganzen Körper behaart (Abb. 13; Aldrovandi [65], S. 21; Schott [70], Abb. vor S. 393).

Auf welche Quellen die Abbildung des Artabatiten in einer Solinushs. des 12. Jh. (Abb. 2) zurückgeht, ist unbekannt; hier ist er halb Mensch, halb Pferd. Ein ebensolches Menschenpaar zeigt eine Randzeichnung im sog. „Isabellenpsalter“ (München, Bayer. Staatsbibl., cod. gall. 16, fol. 11, zw. 1303 und 1308).

Aspis

s. RDK I 1147–52.

Astomen

1. Quellen. Plinius berichtet (Megasthenes folgend) von den indischen Astomen. Diese haben keinen Mund und ernähren sich nur vom Duft. Auf Reisen führen sie wilde Äpfel mit sich; von schlechtem Geruch sterben sie (VII, 25: [6] Bd. 2 S. 7; ähnlich auch Strabo XV, 1, 57: [5] Bd. 3 S. 200).

Die Astomen werden – meist unter Fortlassung ihres Namens – häufig beschrieben: Solinus LII, 30 ([7] S. 188, 2; [8] S. 508; [16] S. 156; [24] Sp. 124; [26] S. 117; [30] S. 214); Bartholomäus Anglicus XV, 73 ([32] S. 662; [35] S. 161; [43] S. 28; [42] S. 113); Vinzenz von Beauvais, Spec. hist. I, 93 ([39] S. 34f.; [48] S. 490; [50] Bd. 1 S. 266; [51] S. 72; [59] S. 752; [60] Bl. 50; [62] S. 8; [65] S. 6; [66] S. 83; [70] S. 40). – Die Ebstorfer Weltkarte und die Weltkarte des Ranulf Higden verzeichnen sie in Indien, die Weltkarte Walspergers in Äthiopien (vgl. [74], Heft 3 S. 103, 148; Heft 5 S. 59). Eine Quelle der frühen Neuzeit glaubt solche Menschen in der Neuen Welt [67, S. 132].

2. Deutungen. Thomas von Cantimpré sieht – veranlaßt durch ein Mißverständnis des Textes – in jenen, die nur am Apfel riechen und deshalb sterben, ein Bild für solche Menschen, die das Wort Gottes zwar hören, aber nicht danach leben [36, S. 16]. Die Gesta Romanorum identifizieren sie mit den Mönchen, die einen verwachsenen Mund haben (s. Sp. 790); ihr geistliches Leben wird erhalten durch die Befolgung der Gebote, es stirbt ab durch die Sünde [53, S. 574f.].

3. Auf bildlichen Wiedergaben sind die Astomen gewöhnlich bekleidet: sie haben eine Frucht oder eine Blüte in der Hand und riechen daran; entgegen den literarischen Quellen werden sie meist mit Mund abgebildet.

Beispiele: <d> fol. 51; <j> fol. 57: [79] Taf. 42 a; <n> fol. 66v: [82] Abb. 23 a; <p> fol. 51v). Erst auf neuzeitlichen Darstellungen ist Mundlosigkeit der Astomen die Regel (Lycosthenes [62], Abb. S. 12; Aldrovandi [65], Abb. S. 6; Abb. 11). Ein Astomenpaar, bei dem der Mann die Frucht in der Hand hält, ist gelegentlich in Thomas von Cantimpré-Hss. dargestellt (Abb. 4; <b>: [79] Taf. 44 a). Auf einem Glasgemälde der Rose von Lausanne wird ein Astome mit einem Gangariden (vgl. Isidor, Etym. IX, 2, 41) identifiziert (Abb. 12).

Äthiopier, vieräugige

1. Quellen. Plinius berichtet, den Männern eines Volkes an der äthiopischen Küste sage man wegen ihrer großen Fertigkeit im Bogenschießen nach, sie hätten drei oder vier Augen (VI, 194: [6] Bd. 1 S. 511; so auch Solinus XXX, 6: [7] S. 131, 3 und später Bartholomäus Anglicus XV, 52, der hinzufügt, es habe einen einäugigen König: [32] S. 650). Die Gesta Romanorum [53, S. 576] und Schedel [56, Bl. 12] dagegen sehen die Vieräugigkeit als eine wirkliche Eigenschaft des ganzen Volkes an, ebenso Lycosthenes [62, S. 8]. Aldrovandi [65, S. 8] hält die zusätzlichen Augen für bloß augenähnliche Bildungen an den Schläfen.

2. Deutung. Den Gesta Romanorum zufolge haben die vieräugigen Äthiopier je ein Auge auf Gott, die Welt, den Teufel und das Fleisch gerichtet, um recht zu leben, die Welt zu fliehen, dem Teufel zu widerstehen und um das Fleisch zu kasteien [53, S. 576].

3. Darstellungen.

Bildliche Darstellungen aus dem MA zeigen die Augen meist paarweise übereinander angeordnet, so z. B. auf dem Bestienpfeiler von Souvigny, 12. Jh. (Nachzchg. Bull. Mon. 1855, 390), den Weltkarten von Hereford [74, Heft 4] und Vercelli [86, S. 351, Taf. 25]; vgl. ferner <n> fol. 51v und <o> fol. 70: [82] Abb. 22 und 19 sowie Abb. 3 und 14 a (hier mit Pfeil und Bogen als Attributen).

In der Neuzeit bevorzugte man die Darstellung der vieräugigen Äthiopier mit nebeneinander angeordneten Augen, ohne Attribut (z. B. Schedel [56]: Abb. 15, Lycosthenes [62], Abb. S. 8; Aldrovandi [65], Abb. S. 11).

Ob mit dem zweiäugigen (?), auf einem Drachen reitenden „Aethiops“ (so die Beischrift) auf einem Kapitell in Nevers, St-Sauveur, ein Vertreter dieses Fabelvolkes gemeint ist, bleibt ungewiß (Vict. Terret, La sculpture bourguignonne aux 12e et 13e s., Autun 1914, Taf. 13).

Aurifrisius

s. Porphyrion (Sp. 797).

Avalerion

Quellen. Der Vogel Avalerion (auch Alerion) wird im Bestiar des Peter von Beauvais und in einer franz. Prosaversion vom „Brief des Priesters Johannes“ (Hinweis bei [85], S. 197f.) beschrieben; zur Herkunft des Namens aus einer mißverstandenen Pliniusstelle s. [74], Heft 4 S. 37. Er ist größer als ein Adler und hat scharfe Schwingen, ein rotes Gefieder und herrscht über alle anderen Vögel. Er existiert nur in einem einzigen Paar, das nach 60 Jahren zwei Eier legt und diese 60 Tage und Nächte lang ausbrütet. Sobald die Jungen ausgeschlüpft sind, fliegen die Eltern zum Meer, wo sie ertrinken. Das junge Vogelpaar aber wird von den übrigen Vögeln aufgezogen. Die Hereforder Weltkarte verzeichnet den Vogel in Indien (ebd.).

Darstellungen des Avalerion sind z. B. auf der Hereforder Weltkarte sowie in einem Bestiar in Paris, Bibl. de l’Arsenal, ms. 3516, fol. 202, zu finden [85, S. 198].

Bachadis

s. Carabas, RDK III 335f.

Als Vogel Bachadis (berlathes, berliades, bernaca, seltener auch carabas) wird in ma. Quellen die Bernikelgans genannt, der nachgesagt wird, sie wachse auf Bäumen. Es handelt sich um ein reales Tier, nicht um ein F. (vgl. Edward Heron-Allan, Barnacles in Nature and in Myth, Oxford 1928).

Basilisk

s. RDK I 1488–1492.

Bitiae

Plinius berichtet unter Berufung auf ältere Quellen von in verschiedenen Gegenden der Welt lebenden Frauen, die doppelte Pupillen im Auge und daher einen durchdringenden Blick haben (VII, 16f.: [6] Bd. 2 S. 5). Ähnliches schreiben Vinzenz von Beauvais (Spec. hist. I, 93: [39] S. 34), Aldrovandi [65, S. 8], Kornmann [66, S. 79] und Schott [70, S. 402].

Blemmyer

s. Acephalen (Sp. 748).

Brachystomen

s. Menschen mit verwachsenem Mund (Sp. 789).

Carista

s. RDK III 341–43.

Catoblepas

1. Quellen. Plinius berichtet, der Catoblepas lebe am Nil, sagt jedoch nichts über seine Gestalt; er hält den Kopf ständig gesenkt und tötet durch seinen Blick (VIII, 77: [6] Bd. 2 S. 74).

In gleicher Weise wird das Tier beschrieben von Solinus (XXX, 22: [7] S. 134,8), Bartholomäus Anglicus (XV, 53: [32] S. 651), Thomas von Cantimpré [37, S. 100f.], Vinzenz von Beauvais (Spec. nat. XIX, 33: [40] Sp. 1401), Albertus Magnus [38, Bl. C I], Jac. van Maerlant [43, S. 100f.], Konrad von Megenberg [48, S. 131], Wotton [60, Bl. 72]. – Schott zitiert eine Begebenheit aus den Jugurthinischen Kriegen, welche den tödlichen Blick des Tieres belegen soll, und Aelian (De animalibus VII, 5), demzufolge der giftige Hauch des Tieres tödlich sei [70, S. 842]. Gesner sieht es als eine Rinderart an [61, Bd. 1 S. 137f.], nach Druce (a.a.O. [Sp. 775f.], S. 180) ist mit dem Catoblepas des Plinius das Gnu gemeint.

2. Deutungen. Thomas von Cantimpré [37, S. 102] und Konrad von Megenberg [48, S. 131] sehen in dem F. ein Bild der Begehrlichkeit der Augen.

3. Der wechselhaften Beschreibung des Tieres in den Quellen entspricht Unsicherheit in der bildlichen Darstellung.

Die Ebstorfer Weltkarte zeigt das Tier etwa in Form eines Hundes; Topsell [68] gibt es als einen Vierfüßler mit Schuppenkleid wieder (Abb. 16); Schott stellt es in Gestalt eines Rindes dar [70, Abb. vor S. 841].

Centauren

s. Kentaur.

Centicora

s. Leucrocota (Sp. 784).

Cephus

Quellen. Plinius (VIII, 70: [6] Bd. 2 S. 72) und Solinus (XXX, 20: [7] S. 133, 18) berichten in ähnlicher Weise von einem Tier aus Äthiopien, das nur einmal in Rom bei Spielen zu sehen gewesen sei, es habe Hände und Beine wie ein Mensch gehabt.

Später wird dieses F. – unter Berufung auf Plinius oder Solinus – genannt bei Thomas von Cantimpré [34, fol. 42v], Vinzenz von Beauvais (Spec. nat. XIX, 34: [40] Sp. 1401), Albertus Magnus ([38] Bl. B V, unter dem Namen confusa), Jacob van Maerlant [43, S. 90] und Wotton [60, Bl. 58v]. Gesner sieht in ihm eine Affenart [61, Bd. 1 S. 857f.].

Darstellungen des Cephus sind selten, wohl infolge seiner ungenauen Beschreibung in den Quellen.

Möglicherweise stellt das mit menschlichen Füßen ausgestattete vierfüßige F. ohne Inschrift am Bestienpfeiler von Souvigny, 12. Jh., den Cephus dar (Nachzchg. Bull. Mon. 1855, 391). – In der Rose der Kath. von Lausanne, 13. Jh., ist ein durch Inschrift als ceffi bezeichnetes F. in Gestalt eines Menschen dargestellt, der sich – wie Artabatiten – kriechend fortzubewegen scheint (Abb. 17). Der (H)Ortus Sanitatis gibt dem Cephus die Gestalt eines Cynocephalen [89, Bd. 15 Abb. 595].

Chimäre

s. RDK III 434–38.

Choromandaren

s. Cynodonten (Sp. 773).

Ciclopeden

Giovanni di Pian del Carpine berichtet von einem monströsen Volk, das von den Tataren unter dem Sohne Dschingis-Khans in der asiatischen Wüste entdeckt wurde (V, 33: [49] S. 74f.): diese Menschen haben nur einen Arm mitten auf der Brust und ein Bein, zwei von ihnen müssen daher gemeinsam mit einem Bogen schießen; sie können sich jedoch sehr schnell fortbewegen, indem sie abwechselnd hüpfen und das Rad schlagen; Isidor von Sevilla nenne diese Menschen Ciclopedes. Isidor aber erwähnt „Ciclopes“ (Etym. XI, 3, 16), nicht das von Giovanni beschriebene Fabelvolk. Trotzdem wird der Text Giovannis von Vinzenz von Beauvais wiederholt (Spec. hist. XXXI, 16: [39] S. 1291). Das irrtümliche Isidorzitat veranlaßt Konrad von Megenberg, cyclopedes als Synonym für cyclopes anzusehen ([48] S. 492; ähnlich bereits [35], S. 161). Spätere Beschreibungen der Ciclopedes finden sich noch bei Aldrovandi [65, S. 12] und Kornmann [66, S. 126f.].

Vgl. im übrigen *Zyklopen.

Confusa

s. Cephus (Sp. 764).

Corocotta

s. Crocotas.

Crocotas

1. Quellen. Von dem Crocotas (corocotta, crocuta, crocote, corocrates, corochretes), einem wunderbaren Tier Äthiopiens, geben Plinius und Solinus sich ergänzende Beschreibungen. Plinius (VIII, 72: [6] Bd. 2 S. 73) hält sie für einen Bastard von Hund und Wolf, der mit seinen Zähnen alles zermalmt und das Verschlungene dann im Bauch verdaut. An anderer Stelle bezeichnet Plinius (VIII, 107: ebd. S. 82) – wie Solinus (XXVII, 26: [7] S. 121, 12) – das F. als einen Bastard von Hyäne und Löwin; es ahmt die menschliche Stimme nach, hat kein Zahnfleisch im Maul und statt der Zähne nur einen durchlaufenden Zahn; damit dieses Gebiß nicht abgenützt werde, schließt es nach Art einer Kapsel (d. h. offenbar greift ein Kiefer beim Zubeißen über den anderen, statt – wie üblich – auf ihn aufzutreffen). Die Überlieferung fußt möglicherweise auf Ktesias, der von dem indischen Tier „Krokottas“ sagt, es habe eine menschliche Stimme, mit der es nachts Menschen herauslocke, um sie zu fressen [1, S. 304].

In der ma. und neuzeitlichen Literatur wird das Tier selten erwähnt. Vinzenz von Beauvais (Spec. nat. XIX, 34: [40] Sp. 1402) folgt Plinius und Solinus, ebenso Wotton [60, Bl. 63v]. Das Bestiar in Cambridge, Univ.Bibl., Ms. II. 4. 26, gibt zusätzlich an, daß der Crocotas seinen Kopf nicht wenden könne, weil er ein steifes Rückgrat habe [27, S. 32]. Thomas von Cantimpré fügt zur traditionellen Beschreibung des F. hinzu, daß es niemals die Augen schließe [34, fol. 44].

2. Deutung. Die Conc. car. ordnet das Tier dem Gleichnis von den bösen Weingärtnern sowie den Geschichten von Josef und seinen Brüdern bzw. Joram und seinen Brüdern zu (RDK III 839/40, Temp. 47).

3. Darstellung. Die Gestalt des Crocotas hat gewisse Ähnlichkeit mit der häufiger dargestellten Leucrocota, die auch verwandte Eigenschaften besitzt (s. Sp. 784). Eine Darstellung in der Albertus Magnus-Hs. der Univ.Bibl. zu Granada, fol. 12 (Wien [?], M. 15. Jh.), stellt das F. als Vierfüßler ohne erkennbare Besonderheiten dar (Abb. 18).

Cyclopen

s. *Zyklopen.

Cynocephalen

1. Quellen. Die Bezeichnung Cynocephalen wird in antiken Quellen in doppeltem Sinn verwendet: einmal als Synonym für Affen (z. B. Solinus XXVII, 58: [7] S. 128, 4; weitere Stellen bei W. Klinger, Hundsköpfige Gestalten in der antiken und neuzeitlichen Überlieferung, Bull. internat. de l’Acad. Polonaise des sciences, Cl. d’hist. et de phil. 1936, S. 119), zum anderen als Name für ein Fabelvolk mit Hundeköpfen (andere Bezeichnungen: cenocephales, cinomolgi, cynopenes, cynoprosopi, canicipites, equinocephali u. ä.). Dieses Volk wird meist in Anlehnung an griechische Berichte über Indien beschrieben (vgl. Sp. 741; über deren indische Quellen: Chrn. Lassen, Indische Alt.kde., Bonn 1849, Bd. 2 S. 621ff., abgedruckt bei [1], S. 321; W. Klinger a.a.O. S. 120; über die Verbreitung des Glaubens an Cynocephalen in verschiedenen Kulturen s. Henri Cordier, Les Monstres dans la légende et dans la nature, Paris 1890, Hinweis bei [79], S. 163).

Eine ausführliche Beschreibung der Cynocephalen und ihrer Lebensgewohnheiten in einem bei Photios (12. Jh.) überlieferten Ktesiasfragment (Bibliotheca 20–23: [1] S. 301) blieb von untergeordneter Bedeutung für die ma. Überlieferung. Diese folgte der Beschreibung des Plinius (VII, 23 nach Ktesias: [6] Bd. 2 S. 6) und des Solinus (LII, 27, nach Megasthenes: [7] S. 187, 16). Danach haben die Cynocephalen, ein Volk in den Bergen Indiens, Hundeköpfe, Hundezähne und Hundepfoten (mit Krallen) und verständigen sich durch Gebell. Sie kleiden sich in Tierfelle (spätere Variante: sie sind am ganzen Körper behaart; so [48], S. 490).

Ähnlich beschrieben – z.T. nur erwähnt – werden die Cynocephalen u. a. bei Augustinus [8, S. 508], Isidor, Etym. XI, 3, 15, Hrabanus Maurus [20, Sp. 196f.], im „Liber monstrorum“ [16, S. 155], bei Honorius Augustodunensis ([24] Sp. 124, danach Gossouin und Caxton: [42] S. 112; [51] S. 71), bei Bartholomäus Anglicus (XV, 73: [32] S. 661), Thomas von Cantimpré [35, S. 161], Vinzenz von Beauvais (Spec. hist. I, 92 und 93: [39] S. 34), Schedel [56, Bl. 12], Kornmann [66, S. 63].

Eine andere Überlieferung spricht von afrikanischen Cynocephalen.

Die Tradition geht mindestens bis Herodot zurück, der diese F. in Libyen lokalisiert (IV, 191). So erwähnt Plinius die Cynamolgi, ein Volk mit Hundeköpfen, unter den Völkern Äthiopiens (VI, 195: [6] Bd. 1 S. 512; ähnlich Solinus XXX, 8: [7] S. 131, 9; ferner der „Brief des Priesters Johannes“ und der „Tractatus pulcherrimus“: [26] Bd. 7 S. 911; Bd. 8 S. 177). Dort werden sie auf einigen Weltkarten verzeichnet (<f>: [74] Heft 3 S. 35; <h>: ebd. Heft 3 S. 42; Ebstorfer Weltkarte: ebd. Heft 5 S. 59; sog. Borgia-Karte in Rom, Bibl. Vat.: [86] S. 100 Abb. 1). Münster [59, S. 752 und 838], Wotton [60, Bl. 50] und Schott [70, S. 374–76] erwähnen sowohl indische als auch afrikanische Cynocephalen.

Nach anderen Autoren leben die Cynocephalen im hohen Norden.

Dieser Ansicht sind „Aethicus Ister“ (Heinr. Wuttke, Die Cosmographie des A. I., Lpz. 1853, S. 15; unter diesem Namen verbirgt sich Bischof Virgil von Salzburg, 8. Jh.: Heinz Löwe, Ein literar. Widersacher des Bonifatius. Virgil von Salzburg und die Kosmographie des A. I., Abh. der Akad. der Wiss. und der Lit. in Mainz, Geistes- und Sozialwiss. Kl., Jg. 1951, Nr. 11, Mainz 1952, S. 903–88; dagegen Franz Brunhölzl in: „Fs. Max Spindler“, Mchn. 1969, S. 75–89) und Adam von Bremen [21, S. 246f.]; im Norden werden die Cynocephalen auch auf der Hereforder Weltkarte und der Karte Andreas Walspergers verzeichnet ([74] Heft 4 S. 18; Heft 3 S. 147f.). Einige Reiseberichte vermelden Cynocephalen in Rußland (Giovanni di Pian del Carpine und Benedikt von Polen: [49] S. 73 und 138).

Von diesen ziemlich einheitlichen Beschreibungen der Cynocephalen weicht die „Epistula Premonis“ ab.

Sie berichtet von hundsköpfigen (in der Pariser Hs.: pferdeköpfigen) Menschen, welche in der Nähe des Roten Meeres leben, Pferdemähnen und riesige Zähne haben und außerdem Feuer speien [11, S. 205]; so auch die „Marvels of the East“ ([11] S. 354; [13] S. 16, Nr. 8), der „Liber monstrorum“ ([15] S. 241: cynopeni; in der Rosanbo-Hs. [16, S. 170] mit Eselsköpfen), Gervasius von Tilbury [11, S. 205] und Jakob von Vitry [30, S. 185].

Gleichfalls abweichend werden Cynocephalen in manchen Reiseberichten beschrieben.

Auf Inseln des Indischen Ozeans soll ein Volk leben, dessen Männer Hundeschnauzen haben, während sich die Frauen durch große Schönheit auszeichnen (so Marco Polo: [45] S. 109f.; Frater Jordanus: [46] S. 44; Ibn Battuta: Hamilton Alex. R. Gibb, Ibn Battuta, Travels in Asia und Africa 1325–54, London 1953, S. 272; Frater Odoricus: [49] S. 452f.). Auf Marco Polo geht die auch bei Frater Odoricus und Mandeville [47, S. 97] überlieferte Nachricht zurück, diese Leute trügen kleine Rinderbilder mit sich umher, die sie anbeten (vgl. Abb. 23). Weitere Erwähnungen von Cynocephalen in Reiseberichten bei [79], S. 195f.; Nierembergius berichtet von Cynocephalen in der Nähe von Cuzco [67, S. 133].

Ludwig dem Frommen soll ein gefangener Cynocephale vorgeführt worden sein, wie in Wort und Bild geschildert wurde (Vinzenz von Beauvais, Spec. nat. XXXI, 126: [40] Sp. 2392, unter Berufung auf Thomas von Cantimpré; weitere Quellen zu dieser Begebenheit bei [79], S. 186, Anm. 3; vgl. auch Praetorius [69], S. 390).

Gelegentlich heißt es, Cynocephalen seien Kannibalen.

So berichtet Paulus Diaconus (8. Jh.) von einer geglückten Kriegslist der Langobarden: sie verbreiteten, in ihrem Heere seien Cynocephalen, die sich vom Blut ihrer Feinde ernährten und daher begierig auf den Kampf seien, und hielten damit überlegene Gegner von einem Kampfe ab (Mon. Germ. Script. rer. Langob., Bd. 1 S. 53; ähnlich Mandeville: sie fressen ihre im Kampf überwundenen Gegner auf [47] S. 97). Auch Marco Polo berichtet vom Kannibalismus der Cynocephalen [44, Bd. 2 S. 309].

Die Cynocephalen gaben Anlaß zu theologischen Überlegungen über die Natur der Fabelrassen: im 9. Jh. verficht Ratramnus in seiner „Epistola de Cynocephalis“ die menschliche Natur sowohl der Cynocephalen als auch verschiedener anderer F. [19].

Auch in Sagen- und Legendenstoffe haben Cynocephalen Eingang gefunden.

Der Brief Alexanders an Aristoteles [17, S. 30f.] berichtet von der Begegnung Alexanders mit ihnen; der hl. Christophorus soll aus diesem Volke stammen (Acta SS. 25. Jul. VI, S. 139; [19] Sp. 1155); der koptische Heilige Merkur hat cynocephale Gefährten (Alexandre Piankoff, St. Mercure Abu Seifan et les Cynocephales, Bull. de la Soc. Arch. copte 8, 1942, S. 17–24).

Abzutrennen ist die Nachricht des Giov. di Pian del Carpine von einem Volk in der Tatarei, dessen Frauen Menschen- und dessen Männer Hundegestalt haben ([49] S. 60; s. dazu ferner: Vinzenz von Beauvais, Spec. hist. XXXI, 11: [39] S. 1289; Aldrovandi [65], S. 22; Praetorius [69], S. 390, und Schott [70], S. 375; vgl. auch [44], Bd. 2 S. 312).

2. Deutungen. Das moralisierte Bestiar der Westminster Chapter Libr. (Ms. 22) und verwandte Hss. deuten die Cynocephalen als streitsüchtige Personen und Verräter [77, S. 150], Thomas von Cantimpré als Verleumder [36, S. 13]. Die Gesta Romanorum nennen sie – besonders im Hinblick auf ihr Fellkleid – Prediger, welche selbst ein Beispiel zur Buße geben [53, S. 574].

3. Darstellungen zeigen die Cynocephalen – entsprechend ihrer menschlichen Natur – fast immer aufrecht stehend oder sitzend, mit menschlichem Körper und einem Hundekopf.

Sie sind meist unbekleidet (z. B. <j> fol. 57: [79] Taf. 42 a; <r>: [79] Taf. 42 c; Konrad von Megenberg: [89] Bd. 3 Abb. 465 und Abb. 8; Fresko in der Kirche des Athosklosters Dochiarion, 16. Jh.: P. Huber a.a.O. [Sp. 752], Abb. 187; Münster [59], Abb. S. 752: mit einem Schurz) und gelegentlich am Körper behaart (Abb. 14 b; <n> fol. 51: [82] Abb. 20). Öfters sind sie mit einem Fellkleid angetan (<d> fol. 51; ein gehörnter Cynocephale in <a> fol. 43v: [35] 1. Taf. nach S. 165; Schedel [56]: Abb. 5; Lycosthenes [62], Abb. S. 11; Aldrovandi [65], Abb. S. 22) oder in Tuchkleider gehüllt (<g> fol. 100: [13]; einer der beiden Cynocephalen am Tympanon von Vézelay, La Madeleine: Art Bull. 26, 1944, Abb. 7 vor S. 145; ein gehörnter Cynocephale in <q> fol. 32v; Cynocephalen beim Getreidehandel im „Livre des Merveilles“: Abb. 21). Ein Cynocephale mit Fellkleid, der sich auf allen vieren fortbewegt, findet sich in einer provençalischen Thomas von Cantimpré-Hs. des 15. Jh. (Dublin, Chester Beatty Libr., Ms. 80, fol. 9, um 1420: [83] S. 261 Abb. 23), ein stehender, unbekleideter Cynocephale mit Flossen an Stelle von Füßen in Tramin, Südtirol, Fresko der Apsis, 1. V. 13. Jh. (Abb. 20).

Gelegentlich sind Cynocephalen bewaffnet. Sie tragen ein Schwert (Tympanon von Vézelay, s. oben; ebenso der pferdefüßige Cynocephale in einer Hs. des 12. Jh. in London, Brit. Mus., Ms. Cotton Claud. E. V., fol. 4v: Charles Reginald Dodwell, The Canterbury School of Illumination, Cambridge 1954, Taf. 44 b) oder Pfeil und Bogen (Ebstorfer Weltkarte). Einen mit Lanze und Schild bewaffneten Cynocephalen im Kampf mit einem Ritter zeigt eine Ill. zu Mandevilles Reisen ([89] Bd. 20 Abb. 1129 und 1982).

Die Nachricht, Cynocephalen trügen kleine Rinderbilder mit sich umher, die sie anbeten, wird illustriert im „Livre des Merveilles“ (<l> fol. 106: Omont Bd. 1 Taf. 92) und in Frühdrucken von Mandevilles Reisen (Abb. 23: ein Cynocephale steht vor dem Götzenbild eines Rindes, auf dem Kopf trägt er ein kleines Rinderbild; [89] Bd. 20 Abb. 1128 und 1984: zwei Cynocephalen knien vor einem Rinderbild).

Häufig wird geschildert, wovon sich Cynocephalen ernähren: sie fressen Blätter (so die Cynocephalen mit Pferdemähnen in <f>, Abb. 19, und <k> fol. 38: [13]), Tiere (Abb. 2; Tramin, Südtirol [Abb. 20]: eine Schlange; <n> fol. 51: [82] Abb. 20: eine Ziege) oder auch menschliche Gliedmaßen (<h>: [74] Heft 2; Abb. 14 b; Maastricht, St. Servatius, Kapitell im ehem. Westchor, 2. H. 12. Jh.: Inv. Niederlande, Limburg I, 1, S. 317, Abb. 274; weitere Beispiele bei [87], S. 86); sie können auch lebende Menschen anfallen (Mandeville: [89] Bd. 20 Abb. 1130 und 1985). Eine Schrift des 16. Jh. stellt Cynocephalen bei einer kannibalischen Mahlzeit inmitten einer Landschaft dar (Abb. 22), eine Hs. des 14. Jh. eine Cynocephalin mit ihrem Säugling (<n> fol. 60v: [81] Abb. 35 a).

Meist werden Cynocephalen einzeln dargestellt; ihre Redeweise durch Gebell und Gesten kann dann durch ein aufgerissenes Maul und Redegesten angedeutet werden (Aldrovandi [65], Abb. S. 22). Zwei miteinander sprechende Cynocephalen erscheinen auf der Hereforder Weltkarte ([74] Heft 4; über die Ursprünge dieser Gruppe vgl. [79], S. 175); eine ähnliche Gruppe ist auf der „Carta marina“ des Lor. Fries, 1530, dargestellt.

Zwei stehende Cynocephalen vor ihrem thronenden König sind auf der Borgia-Karte mit der Inschrift zu sehen: „Abimichabai cum populo suo habens faciem caninam“ [86, S. 100 Abb. 1].

Eine Konsole am Rektorenpalast in Dubrovnik, 15. Jh., zeigt einen Cynocephalen, flankiert von einem Menschen und einem großen Hund.

Cynocephalen-Darstellungen kommen auch in anderen Bildzusammenhängen vor.

So wurde Christophorus in der byzantinischen Kunst häufig hundsköpfig dargestellt (dazu s. Walter Loeschke, Neue Stud. zur Darstellung des tierköpfigen Christophoros, in: „Erste Studien-Slg.“ [= Beitr. zur K. des chr. Ostens, Bd. 3], Recklinghausen [1965], S. 37–80, mit Lit.). Eine abendländische Darstellung zeigt den Heiligen mit einem eher löwenähnlichen Haupt (Stuttgart, Württ. L.Bibl., cod. hist. fol. 415, fol. 50, gegen M. 12. Jh.: Konr. Richter, Der dt. St. Christoph [= Acta Germanica, hrsg. von Rud. Henning und Jul. Hoffory, Bd. 5, 1], Bln. 1896, S. 155).

Ebenfalls in der byzantinischen Kunst erscheinen Cynocephalen in der Ill. zu Ps. 21, 17 („Quoniam circumdederunt me canes multi ...“). Dieser Stelle wird in einigen Psaltern eine Darstellung der Gefangennahme Christi beigefügt, wobei die Häscher als Cynocephalen erscheinen (Moskau, Hist. Mus., cod. 129 [Chludov-Psalter], fol. 19v, die Cynocephalen inschriftlich als Judei bezeichnet: Ant. Springer, Psalterill. im frühen MA, Lpz. 1880, S. 237; Rom, Bibl. Vat., cod. Barberini III, 91, fol. 33: Tikkanen, Psalterill., S. 56, Abb. 71; Berlin, Kk., cod. 78 A 9, E. 14. Jh., fol. 70v: Strzygowski, Serb. Psalter, S. 85).

Cynodonten

1. Quellen. Isidor, Etym. XI, 3,7, beschreibt die Cynodonten als Menschen mit vorstehenden Eckzähnen. Eine derartige Gebißbildung haben nach Plinius auch die Choromandaren, behaarte Waldmenschen, die nicht sprechen, nur brüllen können (VII, 24: [6] Bd. 2 S. 7; ähnlich Vinzenz von Beauvais, Spec. hist. I, 93: [39] S. 35, Wotton [60], Bl. 50, sowie Lycosthenes [62], S. 12). Jakob von Vitry berichtet von im Orient lebenden schönen Wasserfrauen, welche durch diese Eigenschaft entstellt sind ([30] S. 215; ähnlich Gossouin: [42] S. 123; Caxton: [51] S. 84f.; Thomas von Cantimpré: [35] S. 162; Jacob van Maerlant: [43] S. 30; Konrad von Megenberg: [48] S. 490).

2. Deutung. Thomas von Cantimpré [35, S. 17] deutet die Wasserfrauen mit „Hundezähnen“ als Frauen mit trügerischem Mund, die ihrem Manne oft Schaden bringen.

3. Darstellungen finden sich häufig in ill. Hss. von Thomas von Cantimprés „Liber de monstruosis hominibus“ (<a> fol. 44v: [88] Taf. 10; <q> fol. 33: Abb. 4), gelegentlich mit geöffnetem Munde, so daß die Zähne sichtbar sind (<d> fol. 51v; <p> fol. 51).

Drache

s. RDK IV 342–366.

Drachenkopp

s. Dracontopoden.

Dracontopoden

(dracocopedes, dracopopodes; mhd. drachenkopp).

1. Im „Liber monstrorum“ werden riesenhafte Menschen mit Drachenschwänzen beschrieben [16, S. 162f.]. Thomas von Cantimpré nennt hingegen dracocopodes Schlangen mit einem Mädchengesicht (lib. VIII, de serpentibus: [34] fol. 111v; die Schlange im Paradies habe ein Mädchengesicht gehabt (Verweis auf Beda) und dieser Gattung zugehört. Dies wiederholen Vinzenz von Beauvais (Spec. nat. XX, 33: [40] Sp. 1478f.), Konrad von Megenberg [48, S. 270f.] und Aldrovandi [64], II, S. 318). Albertus Magnus berichtet von einem Dracontopoden, der in Deutschland gefunden wurde [38, Bl. ZV].

2. Konrad von Megenberg deutet das F. als verborgene Bosheit [48, S. 271].

3. Abbildungen des Dracontopoden sind anzutreffen in Thomas von Cantimpré-Hss. (z. B. Dublin, Chester Beatty Libr., Ms. 80, fol. 32v, A. 15. Jh.: Abb. 24), in der Albertus Magnus-Hs. der Univ.Bibl. von Granada, fol. 72v, M. 15. Jh. (Foto Khist.Inst. der Univ. Wien, Nr. 3064), im (H)Ortus Sanitatis [89, Bd. 15 Abb. 606] sowie in der Ryff’schen Übersetzung des Tierbuches von Albertus Magnus [38, Bl. ZV]. Eine Misericordie am Chorgestühl der Kath. in Embrun, E. 15. Jh., zeigt ebenfalls einen Dracontopoden (Les Mon. Hist. de la France N.Sér. 15, 1969, 87 Abb. 131).

Ob mit dem auf der Archivolte des Portals von Aulnay, St-Pierre dargestellten Menschen, der von der Brust abwärts einen Schlangenkörper hat, ein Dracontopode gemeint ist, bleibt ungewiß (Paul Deschamps, La sculpture franç, Époque romane, Paris 1947, Abb. 89).

Dreigesichter

(s. auch Dreikopfgottheit [und Dreigesicht] RDK IV 501–512).

Im „Liber monstrorum“ wird von F. berichtet, die drei menschliche Köpfe haben und in tiefen Gewässern wohnen [16, S. 156].

Eale

1. Quellen. Die für das MA grundlegende Beschreibung des Eale gibt Plinius (VIII, 73: [6] Bd. 2 S. 73): das Tier hat die Größe eines Flußpferdes, den Schwanz eines Elefanten, die Kinnlade eines Ebers, ist schwarz oder rötlich und hat als hervorstechendstes Merkmal über ellenlange bewegliche Hörner, die es im Kampf abwechselnd zum Angriff aufrichtet oder schräg stellt. Solinus (LII, 35: [7] S. 189,9) gibt dem Tier, das im Wasser oder auf dem Lande lebt, einen schwarzen Pferdekörper.

In Anlehnung an Plinius und Solinus wird das Eale bei Hugo von Folieto beschrieben [25, Sp. 36], ferner in verschiedenen Bestiarien (z. B. [27], S. 54f.; [85] S. 190), bei Jakob von Vitry [30, S. 182], Thomas von Cantimpré [34, fol. 47v], Vinzenz von Beauvais (Spec. nat. XIX, 37: [40] Sp. 1402f.), Jacob van Maerlant [43, S. 121] und später bei Wotton [60, Bl. 81v] sowie bei Gesner [61, Bd. 1 S. 368]. Nach Honorius Augustodunensis wird immer nur eines der Hörner beim Kampf gebraucht, während das andere, auf den Rücken gebogen, ausruht, um das erste nach einer Weile, wenn jenes erschöpft ist, abzulösen (I, 1, 3: [24] Sp. 124; so auch Gossouin [42], S. 113, und Caxton [51], S. 73). In einigen Bestiarien (George C. Druce, Notes on the Hist. of the Heraldic Jall or Yale, Arch. Journ. 68, 1911, 117f.) und anderen Hss. (z. B. [34]) sowie in den Inschriften auf Weltkarten (Hereford, Ebstorf) ist aus der Eberkinnlade (maxilla apri) eine Bockskinnlade (maxilla capri) geworden.

Nach Plinius lebt das Eale in Äthiopien. Solinus jedoch – und nach ihm die Mehrzahl ma. Autoren – lokalisiert es in Indien; die Herefordkarte bildet es in Ägypten ab. Nach Wotton kommt es sowohl in Äthiopien als auch in Indien vor [60, Bl. 81v].

Wilma George glaubt, daß mit dem Eale der indische oder afrikanische Wasserbüffel gemeint sei (The Yale, Warburg Journ. 31, 1968, 423 bis 428).

Durch sein Hauptmerkmal, nämlich die beweglichen Hörner, ist das Eale mit den Waldrindern verwandt (s. Sp. 806).

2. Deutungen. Der „Bestiario moralizzato“ deutet die beiden Hörner des Eale als Predigt und gutes Beispiel (G. Mazzatinti, Un Bestiario moralizzato, tratto da un manoscritto eugubino del sec. XIV, Atti della Reale Accad. dei Lincei, Rendiconti IV. Ser. 5, 1889, 723 Nr. 25). Das Bestiar des Peter von Beauvais vergleicht das kämpfende Horn mit den Augen des Leibes, die dem Menschen durch ihre Begehrlichkeit Kampf und Unruhe bringen, das ruhende Horn jedoch mit den Augen der Seele, die nicht auf diese Dinge gerichtet sind (Charles Cahier und Arthur Martin, Mél. d’arch., d’hist. et de litt., Bd. 3, Paris 1856, S. 223).

3. In den meisten Darstellungen ähnelt das Eale in Größe und Gestalt einer Antilope, einem Pferd oder einem Rind und ist meist paarhufig.

Einige liegende Eale haben divergierend nach vorn gerichtete kräftige, leicht gebogene lange Hörner und werden zusätzlich durch Eberzähne gekennzeichnet (New York, Morgan Libr., Ms. 81, fol. 39, E. 12. Jh.: [85] Taf. 10 Abb. 6; Leningrad, Staatsbibl., Ms. Qu. V. I, 12. Jh.: Alexandra Konstantinowa, Ein engl. Bestiar des 12. Jh. in der Staatsbibl. zu Leningrad, Bln. 1929, S. 15 Abb. 13 [als „Parandrus“, da die Beschreibung des Eale im Text der Hs. fehlt]; London, Brit. Mus., Royal Ms. 12 C. XIX, fol. 30: Abb. 26). – Eine Gruppe schreitender oder springender Tiere wendet den Kopf nach rückwärts und hat geschwungene, kaum divergierende lange, sehr schlanke Hörner (<c> fol. 16v; Oxford, Bodl. Libr., Ms. Ashmole 1511, fol. 23v, um 1200, Abb. 25, und Ms. 764, fol. 27v, E. 12. Jh., mit Eberzähnen: vergleiche George a.a.O. Abb. 92 d und b). – Manchmal ist eines der Hörner nach vorn und eines nach hinten gerichtet und leicht gebogen (London, Brit. Mus., Add. Ms. 11 283, fol. 8v, A. 12. Jh.: ebd. Abb. 92 a [unpaarhufig]; Hereforder Weltkarte, 13. Jh.: ebd. Abb. 93 a [unpaarhufig]; München, Bayer. Staatsbibl., cod. gall. 16 [sog. „Isabellenpsalter“], fol. 38, zw. 1303 und 1308 [mit Eberzähnen]). – Häufiger sind die in entgegengesetzte Richtung weisenden Hörner gerade und das Eale wird zusätzlich charakterisiert durch Eberzähne (Weltkarte von Vercelli, 13. Jh.: George a.a.O. S. 425 Abb. 1; <o> fol. 72: Florence McCulloch a.a.O. [Sp. 785], Abb. 2; Reuner Musterbuch, Wien, Österr. Nat.bibl., cod. 507, fol. 8, Abb. 46: unpaarhufig) oder einen Bocksbart (<i>: Druce a.a.O. Taf. 4 Abb. 1 [unpaarhufig]; Oxford, Bodl. Libr., Ms. & Mus. 136, fol. 21, 13. Jh., George a.a.O. Abb. 92 f); gelegentlich fehlt beides (Oxford, Bodl. Libr., Ms. 533, fol. 7v, 13. Jh.: George a.a.O. Abb. 92 c; Paris, Bibl. de l’Arsenal, ms. 3516, fol. 206v: F. McCulloch a.a.O. Abb. 4).

Ein Bestiar des 13. Jh. zeigt ein Eale von hundeähnlicher Gestalt, ohne Hörner, das jedoch sowohl mit Eberzähnen als auch mit einem Bocksbart ausgestattet ist, an den Vorderfüßen Pferdehufe und an den Hinterfüßen Zehen hat (London, Brit. Mus., Ms. Harley 3244, fol. 44: George a.a.O. Abb. 92 g). – Zum Vorkommen des Eale in der englischen Heraldik vgl. Druce a.a.O.

Einhorn

s. RDK IV 1504–44.

Enfeminie

s. Amphisbaena (Sp. 753).

Epiphagen

s. Acephalen (Sp. 751).

Epistigen

s. Acephalen (Sp. 751).

Feminie

s. Amphisbaena (Sp. 753).

Feuervogel

Plinius erwähnt Vögel (incendiariae aves), bei deren Erscheinen Feuer ausbricht, weil sie angeblich Kohle aus den Altären verschleppen. Trotz des Namens Spinturnix, der diesem Vogel auch gegeben wird, weiß er nicht, um welchen es sich konkret handelt (X, 36: [6] Bd. 2 S. 167). Mehrere Autoren der frühen Neuzeit geben die Überlieferung weiter und sehen sie als fabulös an ([60] Bl. 135; [61] Bd. 3 S. 550; [63] Bd. 1 S. 797).

Frauen mit Bart

1. Quellen. Die „Epistula Premonis“ berichtet von Frauen, die in der Nähe des Roten Meeres leben, Bärte bis zur Brust haben und kahlköpfig sind; sie tragen ein Fellkleid und gehen mit wilden Tieren auf die Jagd [11, S. 209].

Ähnliche Beschreibungen bieten die „Marvels of the East“ [13, S. 20, Nr. 27], Gervasius von Tilbury [11, S. 209], der „Brief des Priesters Johannes“ [26, Bd. 7 S. 911] und Lycosthenes [62, S. 12]. – Viele Autoren erwähnen die Kahlköpfigkeit nicht, so z. B. [16, S. 157]; [30, S. 214]; [42, S. 123]; [51, S. 84]; [35, S. 162]; [43, S. 29]; [48, S. 493]; [56, Bl. 12]; [66, S. 94]. Gelegentlich heißt es, diese Frauen wohnten in Indien ([42] S. 123; [35] S. 162) oder Äthiopien [66, S. 94].

2. Deutungen. Thomas von Cantimpré zieht aus der Beschreibung dieser F. den Schluß, daß Keckheit und Kampfeslust den Frauen so wenig zu Gesichte stünde wie ein Bart [36, S. 16]. Die Gesta Romanorum [53, S. 576] dagegen deuten sie, insbesondere in bezug auf ihre Kahlköpfigkeit, als Gerechte, die in klarer Weise nach den Geboten leben.

3. Darstellungen. Frauen mit Bart sind öfters in den Ill. der genannten Texte dargestellt (z. B. <a> fol. 44: [35] 2. Taf. nach S. 165; < p> fol. 51; <q> fol. 33: Abb. 4; Schedel [56, Bl. 12v]; Lycosthenes [62, S. 12]). Die „Marvels of the East“-Hss. zeigen die bärtigen Frauen in Begleitung ihrer Jagdtiere (<f> fol. 85 [mit zwei Löwen]; <g> fol. 105v; <k> fol. 44v [mit zwei Hunden]: Abb. 27, sonst bei [13]). Eine Thomas von Cantimpré-Hs. zeigt eine solche Frau, welche auf einem wilden Tier reitet (<b>: [79] Taf. 44 a); in Frühdrucken Konrads von Megenberg ist eine bärtige Frau zu sehen, die ein Jagdtier an der Leine führt ([89] Bd. 3 Abb. 465 und Abb. 8).

*Gigant

Gorgonen

s. *Gorgo, Gorgonenhaupt.

Greif

*Harpyen

Hercynische Vögel

1. Quellen. Plinius berichtet von Vögeln mit leuchtenden Federn, die in den hercynischen Wäldern – d. h. in Germanien – leben (X, 132: [6] Bd. 2 S. 190). Solinus ergänzt, daß diese Vögel den Reisenden nachts den Weg weisen (XX, 3: [7] S. 96, 5).

Auch Isidor von Sevilla erwähnt sie (Etym. XII, 7, 31), ferner: Hugo von Folieto [25, Sp. 95]; Vinzenz von Beauvais (Spec. nat. XVI, 69 und 101: [40] Sp. 1196 und 1215); verschiedene Bestiarien ([73] S. 204; [85] S. 215; <c> fol. 37v); später Wotton [60, Bl. 134], Gesner [61, Bd. 3 S. 527] und Aldrovandi [63, Bd. 12 S. 18]. – Nach Honorius Augustodunensis [24, Sp. 127] leben diese Vögel in den hyrcanischen Wäldern, also in Asien (so auch auf der Ebstorfer Weltkarte); Gossouin [42, S. 123] und Caxton [51, S. 85] versetzen die Vögel nach Indien. Bartholomäus Anglicus versucht, beiden Überlieferungen gerecht zu werden, indem er sie als hyrcanische Vögel beschreibt, die auch in Germanien zu finden seien (XIV, 74: [32] S. 662). Bei Thomas von Cantimpré [34, fol. 81v], Albertus Magnus [38, Bl. P III], Jacob van Maerlant [43, S. 365] wird der Vogel Lucidius genannt. Im Bestiar Leonardos da Vinci heißt er Lumerpa; seine Leuchtkraft, die auch im Tode erhalten bleibt, absorbiert den eigenen Schatten; ausgezogene Federn verlieren dagegen den Glanz (Edm. Solmi, L.d.V., Frammenti letterari e filosofici, Florenz 1925, S. 41).

2. Deutungen. Leonardo notiert die Lumerpa als Symbol des Ruhmes. In der Emblematik sind die Leuchtvögel, verbunden mit dem Lemma „Nocte iter ostendens“, Sinnbild der Verklärung Christi, „Gutes Beispiel“ und Abbild des Wirkens von Schutzengeln; mit dem Lemma „In lumine tui solius“ stehen sie für „Abhängigkeit von der göttlichen Gnade“, mit dem Lemma „Die canit, nocte lucet“ für den Prediger ([71] IV, 4, Nr. 468–70). Nic. Caussin sieht in ihnen fromme Schriftsteller, die durch ihre Federn den Weg zum Heil weisen (De symbolica Aegyptiorum sapientia ..., Köln 1723, S. 261f.).

3. Darstellungen. Die Leuchtkraft der hercynischen Vögel wird verschieden zum Ausdruck gebracht, z. B. durch Blattgoldauflage (New York, Morgan Libr., Ms. 81 [Bestiar], fol. 51v, Lincoln (?), 2. H. 12. Jh.: [85] S. 125) oder weiße Farbe (Ebstorfer Weltkarte, 13. Jh.: [86] Taf. S. 92/93). Auf besondere Kennzeichnung kann jedoch auch verzichtet sein (Abb. 28).

Himantopoden

1. Quellen. Das äthiopische Volk der Himantopoden ist schleppbeinig und bewegt sich mehr kriechend als gehend (Plinius V, 46: [6] Bd. 1 S. 379; genauere Beschreibung der Bewegung bei Solinus XXXI, 6: [7] S. 137, 14). Weiter werden die Himantopoden erwähnt bei Pomponius Mela, Chorographia III, 103 (ed. Carolus Trick, Lpz. 1880, S. 78), Martianus Capella VI, 674 [9, S. 335, 17], und Wotton [60, Bl. 50]. – Aldrovandi [65, S. 21] und Schott [70, S. 393] zählen die Himantopoden zu den Wildmenschen.

2. Darstellungen der Himantopoden sind selten. Verwechslungen (oder Angleichungen) an Abbildungen der Artabatiten (s. oben Sp. 759) kommen vor.

Die Ebstorfer Weltkarte zeigt zwei Menschen, von denen der eine halb hockend, der andere auf allen vieren sich fortbewegt, nennt aber den Kriechenden Himantopode, den anderen Artabatit (Abb. 3). Ähnlich wird auf der Hereforder Weltkarte ein auf allen vieren laufender Mensch durch Inschrift als Himantopode bezeichnet.

Hippopoden

1. Quellen. Die Hippopoden sind, wie ihr Name sagt, ein pferdefüßiges Volk; man glaubte, es lebe auf einer der skythischen Inseln. Die Nachricht des Plinius (IV, 95: [6] Bd. 1 S. 345) wird von antiken, ma. und neuzeitlichen Autoren ohne nennenswerte Veränderung übernommen.

Vgl. Solinus XIX, 7 [7, S. 93, 14]; Isidor, Etym. XI, 3,25; Ratramnus [19, Sp. 1155]; Hrabanus Maurus (VII, 7: [20] Sp. 197); Vinzenz von Beauvais, Spec. nat. XXXI, 127 [40, Sp. 2393]; ders., Spec. hist. I, 92 [39, S. 34]; Wotton [60, Bl. 49v]; Lycosthenes [62, S. 8]; Kornmann [66, S. 161]. – Mehrere ma. Weltkarten verzeichnen diese F. in Inschriften oder bildlichen Darstellungen (s. [74], Heft 3 S. 48 und 107; Heft 4 S. 27; Heft 5 S. 33); die Ebstorfer Karte bezeichnet sie zusätzlich als Kannibalen.

2. Darstellungen. Die Hippopoden sind dargestellt z. B. in der Hrabanus Maurus-Hs. von 1023 (Abb. 1), in einer Solinus-Hs. des 12. Jh. (Abb. 2), in einer Hs. der „Marvels of the East“ (<k> fol. 50: [13]), auf dem Bestienpfeiler von Souvigny, 12. Jh. (Abb. 29), der Ebstorfer Weltkarte, 13. Jh. ([86] Taf. S. 92/93, wo sie zusätzlich mit einem Schwanz versehen sind), der Hereforder Weltkarte ([74] Heft 4), bei Schedel [56, Bl 12v], Lycosthenes [62, Abb. S. 8] und Aldrovandi [65, Abb. S. 32].

*Hydrus

Hyrcanische Vögel

s. Hercynische Vögel (Sp. 780).

Impersibaren

s. Ambaren (Sp. 753).

Indische Rinder

s. Rinder, einhörnige (Sp. 797).

Kranichschnäbel

s. Schnabelkrägen (Sp. 798).

Lamia

1. Quellen. Die Lamia (zu der antiken Vorstellung s. Roscher Bd. 2, 2, Sp. 1819–21) drang in das Bewußtsein des christlichen MA vor allem durch ihre Erwähnung in der Vulgata ein (Jes. 34, 14: „ibi cubavit lamia et invenit sibi requiem“ [andere Textversion: Panofsky, Grabplastik, S. 12 Anm. 1]; Klagelieder des Jeremias 4, 3: „Sed et lamiae nudaverunt mammam, lactaverunt catulos suos; filia populi mei crudelis sicut struthio in deserto“). Die bildliche Vorstellung, die im MA mit diesem Namen verbunden wird, schwankt beträchtlich.

Hieronymus nennt im Kommentar zu der Jesaiasstelle für Lamia das hebräische Wort Lilith, das er als Namen einer der Furien oder Parzen erklärt (Corp. Chr. Ser. Lat. Bd. 73, S. 422). Gregor beschreibt sie unter Bezug auf die gleiche Stelle als ein Wesen mit menschlichem Gesicht und einem nicht näher bestimmten Tierkörper (Moralia in Job 33, 29, 53: Migne, P. L. 76, Sp. 707f.). Thomas von Cantimpré nennt die Lamia unter den vierfüßigen Tieren; er beschreibt ihr Aussehen nicht, hebt jedoch ihre Wildheit hervor und gibt an, daß jemand, der von ihr gebissen worden sei, nur geheilt werde, wenn er ihr Brüllen höre; ebenfalls betont er ihre Sorge für ihre hungernden Jungen [37, S. 134f.]; ähnlich Albertus Magnus [38, Bl. F II], Jacob van Maerlant [43, S. 152] und Konrad von Megenberg [48, S. 145f.]. Vinzenz von Beauvais verweist auf eine „Glossa super Isaiam“, in der von der Lamia gesagt wird, sie habe Pferdefüße und gleiche im übrigen einer Ziege (Spec. nat. XIX, 65: [40] Sp. 1417f.); er fügt hinzu, daß die Lamien wegen der vielen Milch, die sie geben, gezähmt werden (ähnlich Albertus Magnus), außerdem verweist er auf eine Glosse zu den Klageliedern des Jeremias, der zufolge die Lamia besonders grausam zu ihren Jungen sei, weil sie diese nämlich säuge, aber trotzdem zerfleische. Ebenfalls erwähnt wird die Lamia im tosco-venezianischen Bestiarius und im „Bestiario moralizzato“ [73, S. 190]. Gesner behandelt die Lamia unter den Vierfüßlern, berücksichtigt aber auch andere Wortbedeutungen [61, Bd. 1 S. 569–72]. – Eine deutsche Übersetzung des „Briefes des Priesters Johannes“ beschreibt die Lamien als hochgewachsene, schöne Frauen mit Pferdefüßen und entblößter Brust [26, S. 950].

2. Deutungen. Gregor (s. oben) deutet die Lamia als Heuchler. Thomas von Cantimpré und Konrad von Megenberg sehen in ihr ein Beispiel der Grausamkeit, das von manchen Kirchenfürsten noch übertroffen wird ([37] S. 134; [48] S. 146). Der „Bestiario moralizzato“ hält die Lamia für die Welt, die ihren Kindern Verderben bringt (G. Mazzatinti a.a.O. [Sp. 776], S. 722 Nr. 22). Die Münchener Hs. der Conc. car. (Bayer. Staatsbibl., cod. lat. 8832, um 1450) vergleicht die ihren Jungen gegenüber gütige Lamia mit der Güte des Vaters, der den Verlorenen Sohn wieder aufnimmt (Temp. 48), ebenso die Heilung vom Biß der Lamia mit der Heilung des hl. Thomas von seinem Unglauben (Temp. 110).

3. Der (H)Ortus Sanitatis, cap. 79, zeigt die Lamia in Gestalt einer Ziege ([89] Bd. 15 Abb. 636).

Lertix (?, Lertex?)

Lerticen, vierfüßige Tiere, die Vogelfüße, Schafsfell und Eselsohren haben, werden in den „Marvels of the East“ beschrieben [13, S. 18 Nr. 15] und abgebildet (Abb. 30; weitere Beispiele bei [13]).

Leucrocota

(leucrota, leucocrata, leucocruta, ceucocroca, zenocrota, centicora).

1. Quellen. Die für das MA grundlegende Beschreibung der Leucrocota steht bei Plinius (VIII, 72f.: [6] Bd. 2 S. 73): das F. ist so groß wie ein Esel, hat Hinterkeulen wie ein Hirsch, Hals, Brust und Schwanz wie ein Löwe, einen Dachskopf und gespaltene Hufe. Seine Stimme gleicht der eines Menschen. Sein Hauptmerkmal ist das Maul: wenn es aufgesperrt wird, klafft es bis zu den Ohren; es enthält statt der Zähne einen einzigen durchlaufenden Knochen.

Dieses Merkmal und die menschliche Stimme erwähnen u. a. Solinus (LII, 34: [7] S. 189,4), Honorius Augustodunensis [24, Sp. 124], Hugo von Folieto [25, Sp. 35], Rudolf von Ems [33, S. 24], Brunetto Latini (I, 191: [41] S. 167) und Wotton [60, Bl. 81].

Bei ma. Autoren wechseln Angaben über das Aussehen stark (erst Wotton schließt sich wieder eng an Plinius und Solinus an).

Aus dem Größenvergleich mit einem Esel bzw. Wildesel ist bei Honorius Augustodunensis ein Eselskörper geworden ([24] Sp. 124; ebenso Jakob von Vitry: [30] S. 181f., Thomas von Cantimpré: [34] fol. 53, Vinzenz von Beauvais, Spec. nat. XIX, 77: [40] Sp. 1424f., und Caxton: [51] S. 72f.). Nach Vinzenz von Beauvais gleichen auch Hals, Brust und Schwanz der Leucrocota den entsprechenden Körperteilen des Hirsches, der Kopf aber dem eines Löwen. Statt des Dachskopfes geben Hugo von Folieto [25, Sp. 35], ein Bestiar des 12. Jh. in der Univ.Bibl. Cambridge (<c> fol. 14v: [27] S. 48) und Brunetto Latini [41, S. 167] der Leucrocota einen Pferdekopf, Thomas von Cantimpré einen Kamelkopf [34, fol. 53]. Honorius Augustodunensis glaubt, die Leucrocota habe Pferdefüße, ferner erwähnt er ein gespaltenes Horn (bei Rudolf von Ems ein sägeförmiges Horn: [33] S. 24). Bei Gossouin [42, S. 113] und Caxton [51, S. 72f.] wird das Tier mit einem Hirschgeweih (mit einer oder zwei Stangen) ausgestattet. Dem bei diesen Autoren Centicora genannten Tier fehlt das klaffende Maul mit dem durchlaufenden Knochen: es hat ein rundes Maul und große Ohren. Weitere Eigenschaften wechseln, z. T. je nach Hs. (dazu genauer: Florence McCulloch, L’eale et la centicore: deux bêtes fabuleuses, in: „Mél. offerts à René Crozet“, Poitiers 1966, S. 1167–72).

Nach Plinius lebt die Leucrocota in Äthiopien; die meisten Autoren folgen jedoch Solinus, der sie zu den wunderbaren Tieren Indiens zählt.

Die Leucrocota teilt gewisse Gestaltmerkmale mit anderen F. (vgl. Crocotas [Sp. 765]; Waldrinder [Sp. 806]). Das Eale, das bei Solinus nach der Leucrocota beschrieben, aber in späteren Hss. nicht immer mit Namen genannt wird, hat sich bei Peter von Beauvais mit der vorausgehenden Centicora zu einem neuen Kompositwesen vermischt, für das jedoch der Name Centicora beibehalten wird [85, S. 190f.].

2. Darstellungen der Leucrocota sind – wie die Beschreibungen in den Quellen – recht verschieden.

Eine Solinus-Hs. des 13. Jh. betont bei diesem Vierfüßler das klaffende, zahnlose Maul, gibt ihm jedoch Tatzen (<j> fol. 57: [79] Taf. 42 a). Außer dem charakteristischen Maul hat er gespaltene Hufe in einem Cambridger Bestiar des 12. Jh. (<c> fol. 14v: [27] S. 48; gleiche Merkmale bei kleinerer Statur hat die Leucrocota in einem Bestiar des 14. Jh. aus Peterborough: Elfr. Saunders, Engl. Buchmal., Lpz. 1928, Abb. 55). Zähne im offenen Maul und eine Löwenmähne hat er im sog. Psalter der Königin Isabella (Abb. 31) und im (H)Ortus Sanitatis [89, Bd. 15 Abb. 639].

An die Beschreibung des Honorius Augustodunensis lehnt sich die Darstellung im Reuner Musterbuch an (Abb. 46): dort hat das Tier ein bis zu den Ohren reichendes Maul, ein gespaltenes Horn, Pferdehufe und eine Löwenmähne auf der Brust. In Hss. von Gossouins „Image du Monde“ finden sich Centicoren mit Geweih und kleinem runden Maul (F. McCulloch a.a.O. Abb. 1 und 3).

Lucidius

s. Hercynische Vögel (Sp. 780).

Lumerpa

s. Hercynische Vögel (Sp. 780).

*Manticora

*Meerungeheuer, -wesen

Menschen mit vier Augen

s. Äthiopier, vieräugige (Sp. 761).

Menschen mit Drachenschwanz

s. Dracontopoden (Sp. 774).

Menschen mit sechs Fingern an jeder Hand

1. Quellen. Menschen mit mehr als fünf Fingern bzw. Zehen an den Händen und Füßen werden von Augustinus erwähnt [8, S. 509]. Der „Liber monstrorum“ nennt Menschen mit sechs Fingern bzw. Zehen [16, S. 151f.], ebenso die Gesta Romanorum [53, S. 576] und Schedel [56, Bl. 12]. Jacob van Maerlant schreibt nur von Menschen mit sechs Fingern an jeder Hand [43, S. 29].

2. Deutung. In den Gesta Romanorum werden diese F. als Menschen gedeutet, die sich die ganze Woche über der Sünde enthalten, um den Sonntag würdig begehen zu können [53, S. 576].

3. Darstellungen von Menschen mit sechs Fingern sind z. B. zu finden in einem Bestiar (<i>: [77] Taf. I, mit sechs Fingern und Daumen) und in Schedels Weltchronik [56, Bl. 12v]. – Eine Wiedergabe des Gekreuzigten mit sechs Fingern (und Zehen; Albert M. Koeniger, Ein geheimnisvolles Vortragekreuz im Aachener Domschatz, Westheim bei Augsburg 1947) gehört nicht hierher.

Menschen mit rückwärts gekehrten Füßen

s. „Antipoden“ (Sp. 757).

Menschen mit einem Arm und einem Bein

s. Ciclopeden (Sp. 764).

Menschen mit riesiger Fußsohle

s. Skiapoden (Sp. 800).

Menschen mit hüpfendem Gang

s. Himantopoden (Sp. 781).

Menschen mit kriechendem Gang

s. Artabatiten (Sp. 759).

Menschen mit doppeltem Gesicht, langen Beinen und langer Nase

1. Quellen. In der Pariser Hs. der „Epistula Premonis“ sind am Fluß Brixontis wohnende Menschen von riesenhaftem Wuchs, mit besonders langen Beinen und langen Nasen beschrieben. Ihre Arme sind weiß, ihre Ohren schwarz, ihre Füße rot. Von Zeit zu Zeit werden sie in Vögel verwandelt, fliegen in das Abendland und bekommen dort Junge, welche man Störche nennt ([11] S. 208; eine fast in allen Einzelheiten getreue Wiederholung nur bei Gervasius von Tilbury, vgl. ebd.; in den übrigen Texten wechseln vor allem die Farbangaben). – In der Straßburger Hs. der „Epistula Premonis“, in der die Angabe über die Verwandlung fehlt, werden diese F. als Menschenfresser bezeichnet. Die Ansicht teilen die „Marvels of the East“, denen zufolge diese Fabelmenschen ein doppeltes Gesicht haben ([13] S. 17 Nr. 12; so auch der „Liber monstrorum“: [16] S. 156; Thomas von Cantimpré: [35] S. 164; Konrad von Megenberg: [48] S. 491).

2. Deutung. Thomas von Cantimpré deutet diese F. als Dünkel der Welt [36, S. 21].

3. Darstellungen.

Die Hss. der „Marvels of the East“ stellen diese F. mit einem Januskopf dar (Abb. 32 a; weitere Beispiele bei [13]). Eine Thomas von Cantimpré-Hs. gibt ihnen lange Beine und ein doppeltes Gesicht: neben dem Gesicht en face ist ein weiteres im Profil gezeichnet, welches eine besonders lange Nase hat (<p> fol. 53); Frühdrucke vom Werk Konrads von Megenberg zeigen sie mit zwei Köpfen ([89] Bd. 3 Abb. 465; Abb. 8); gelegentlich entfällt eine besondere Kennzeichnung (<q> fol. 34: [88] Taf. 11).

Menschen mit sechs Händen

1. Quellen. Der Brief Alexanders nennt unter den Ungeheuern, denen Alexander begegnete, auch Menschen mit sechs Händen ([4] S. 92; [17] S. 109). Solche werden ebenfalls erwähnt von Jakob von Vitry [30, S. 214], Thomas von Cantimpré [35, S. 162], Konrad von Megenberg [48, S. 490], Schedel [56, Bl. 12v] und Lycosthenes [62, S. 14].

2. Deutungen. Thomas von Cantimpré deutet die Sechshänder als Beispiel für jene, die reichlich Almosen geben [36, S. 16], während die Gesta Romanorum in ihnen Menschen sehen, die mit Fleiß dabei sind, sich das Himmelreich zu erwerben [53, S. 575].

3. Darstellungen. Die sechshändigen Menschen werden häufig auch mit sechs Armen dargestellt (z.. B. <b>: [79] Taf. 44 a; Konrad von Megenberg: [89] Bd. 3 Abb. 465 und Abb. 8; Schedel [56], Bl. 12v; Lycosthenes [62], Abb. S. 14). Öfters werden auch je drei Hände an einen Arm angefügt (so in den Thomas von Cantimpré-Hss.: Abb. 4 und <d> fol. 51, ferner <o> fol. 51v). Die drei Hände an einem Arm können zu einer einzigen großen Hand mit fünfzehn Fingern verschmelzen (<a> fol. 44: [35] 2. Taf. nach S. 165).

Menschen mit Hundeköpfen

s. Cynocephalen (Sp. 766).

Menschen mit Hundezähnen

s. Cynodonten (Sp. 773).

Menschen mit Kranichhals und -schnabel

s. Schnabelkrägen (Sp. 798).

Menschen mit Löwenhaupt

Von riesenhaften Menschen mit einem Löwenhaupt, die bei der Flucht Blut schwitzen, berichten die „Marvels of the East“ [13, S. 17f. Nr. 13]. Zottige, rothaarige Riesen mit Löwengesichtern werden auch im Brief Alexanders an Aristoteles erwähnt [4, S. 81]. Dargestellt sind diese F. in den Hss. der „Marvels of the East“ (Abb. 32 c; <k> fol. 40v: [13]; mit Menschenhaupt: <g> fol. 102: [13]).

Menschen mit verwachsenem Mund

1. Quellen. Plinius nennt unter den monströsen Völkern im äußersten Osten Äthiopiens eines, dessen Angehörige einen verwachsenen Mund haben und nur durch einen Halm Nahrung aufnehmen können (VI, 188: [6] Bd. 1 S. 508). Dieses Fabelvolk wird in Anlehnung an Plinius in ma. und neuzeitlicher Literatur häufiger beschrieben.

Es sind zu vergleichen: Solinus (XXX, 13: [7] S. 132, 9); Isidor, Etym. XI, 3, 18; Hrabanus Maurus (VII, 7: [20] Sp. 197); Jakob von Vitry [30, S. 213]; Vinzenz von Beauvais (Spec. hist. I, 93: [39] s. 34f.); Ja cob van Maerlant [43, S. 27]; Konrad von Megenberg [48, S. 490]; Wotton [60, Bl. so]; Lycosthenes [62, S. 14]; Aldrovandi [65, S. 7]; Kornmann [66, S. 84]; Schott [70, S. 400]. – Thomas von Cantimpré sagt den F. nach, daß sie besonders kräftig und langlebig seien [35, S. 161]; die Gesta Romanorum [53, S. 574f.] und Schedel [56, Bl. 12] verwechseln sie mit jenen Menschen, die vom Dufte leben (vgl. Sp. 760; ähnlich schon vorher Giov. di Pian del Carpine und Benedikt von Polen: [49] S. 73 und 138). Aldrovandi und Schott nennen die Menschen Brachystomi. – Auf ma. Weltkarten werden diese Fabelmenschen öfters in Äthiopien dargestellt (vgl. [74], Heft 3 S. 42 und 105; Heft 4 S. 38; Heft 5 S. 60).

2. Deutungen. Thomas von Cantimpré sieht in ihnen ein Beispiel der Genügsamkeit [36, S. 14]; in ähnlichem Sinne führen die Gesta Romanorum sie als Bild der Klosterleute an [53, S. 575].

3. Darstellungen. Die Fabelmenschen werden gewöhnlich bei der Nahrungsaufnahme durch ein Röhrchen dargestellt.

Vgl. z. B. Abb. 2; Ebstorfer Weltkarte: Abb. 3; Hereforder Weltkarte: [74] Heft 4; <h>: [74] Heft 3 Taf. 3; <r>: [79] Taf. 42 c; Mandeville [89], Bd. 20 Abb. 1974; Schedel [56]: Abb. 5, Lycosthenes [62], Abb. S. 14; Aldrovandi [65]: Abb. 33 a; Schott [70]: Abb. 11; gelegentlich fehlt dieses Attribut (<a> fol. 43v: [35] 1. Taf. nach S. 165; <d> fol. 51; <q> fol. 32v).

Menschen mit großen Ohren

s. Panotier (Sp. 794).

Menschen mit Pferdefüßen

s. Hippopoden (Sp. 781).

Menschen mit zwei Pupillen im Auge

s. Bitiae (Sp. 762).

Menschen mit Schwänzen (und Hörnern)

1. Quellen. Der Glaube an die Existenz von Menschen mit Schwänzen in verschiedenen Gegenden der Erde war im MA und in der Neuzeit überaus verbreitet (vgl. das bis ins 19. Jh. reichende Material bei [72], S. 157f.; Sabine Baring-Gould, Tailed Men, in: „Curious Myths in the Middle Ages“, London 1884; [79] S. 197; bis ins 17. Jh. reichendes Material bei [65], S. 12 und [70], S. 398).

Ma. Quellen berichten insbesondere von geschwänzten Menschen in England bzw. der Bretagne (Jakob von Vitry: [30] S. 217; Gossouin: [42] S. 134; weitere Quellen bei Baring-Gould a.a.O.) und im Zusammenhang damit von gehörnten Menschen in Frankreich (Jakob von Vitry und Gossouin a.a.O.; Caxton: [51] S. 100). Thomas von Cantimpré und Konrad von Megenberg erwähnen beide Arten ohne Ortsangabe ([35] S. 162; [48] S. 493). Von Menschen mit Schwänzen ist ferner im Brief Alexanders an Aristoteles [4, S. 92] sowie in manchen Fassungen des „Briefes des Priesters Johannes“ die Rede [26, Bd. 7 S. 911 und 950].

Von am Roten Meer lebenden riesigen Frauen, die bis zu den Füßen reichendes Haar, Eber- bzw. Eselszähne und einen Rinderschwanz haben, berichtet die „Epistula Premonis“ [11, S. 209]. Die Pariser Hs. des Briefes nennt daneben noch Kamelfüße, die auch in der Beschreibung dieser F. in den „Marvels of the East“ (ebd.; [13] S. 20f. Nr. 28) und im „Liber monstrorum“ [16, S. 158] vorkommen; die Straßburger Hs. dagegen erwähnt die Kamelfüße nicht, wohl aber Behaarung am ganzen Körper (ähnlich Gervasius von Tilbury: [11] S. 209).

2. Deutung. Nach Thomas von Cantimpré weisen die Hörner dieser F. auf Überheblichkeit, ihre Schwänze auf Sünde hin [36, S. 18].

3. Darstellungen dieser F. sind vor allem in den Ill. der entsprechenden Texte zu finden (z. B. in den Hss. der „Marvels of the East“: Abb. 32 b und <k> fol. 4 5: [13] in enger Anlehnung an den Text; mit langem Haar als einzigem Kennzeichen <g> fol. 105v: [13]). Einige illum. Hss. vom „Liber de monstruosis hominibus“ des Thomas von Cantimpré zeigen Menschen mit Hörnern und Schwänzen (Abb. 4; ferner <a> fol. 44v: [88] Taf. 10; <d> fol. 51v; <p> fol. 51v).

Menschen mit riesiger Unterlippe

1. Quellen. Plinius nennt unter den monströsen Völkern, die im äußersten Osten Äthiopiens leben, eines, dessen Menschen keine Oberlippe haben (VI, 187: [6] Bd. 1 S. 508; ähnlich später Wotton [60, Bl. 50] und Lycosthenes [62, S. 14]). Von einer anderen monströsen Lippenbildung berichtet Strabo unter Berufung auf Megasthenes vom indischen Volk der Amuktêres: bei ihnen soll die Oberlippe weit über die Unterlippe reichen [5, XV, 1, 57]. Eine feste Überlieferung von einem Volk, das mit einer Lippe von monströser Größe ausgestattet ist, bildet sich im Anschluß an Isidor, Etym. XI, 3, 18: er nennt unter den monströsen Völkern des äußersten Orients eines, dessen Unterlippe so groß ist, daß es damit das ganze Gesicht vor der Sonne bedecken kann, um zu schlafen.

Ähnlich äußern sich Hrabanus Maurus (VII, 7: [20] Sp. 197), eine Hs. der „Marvels of the East“ [13, S. 23f. Nr. 47], Vinzenz von Beauvais (Spec. hist. I, 92: [39] S. 34), Schedel [56, Bl. 12] und Aldrovandi [65, S. 8]. – Auf den Weltkarten wird das Volk im äußersten Äthiopien verzeichnet (<h>: [74] Heft 3 S. 42; Hereforder Weltkarte: ebd. Heft 4 S. 38; Karte des Ranulf Higden: ebd. Heft 3 S. 105; Karte Walspergers: ebd. Heft 3 S. 148). Die Ebstorfer Weltkarte schreibt dem Volk zusätzlich einen verwachsenen Mund zu (ebd. Heft 5 S. 60; vgl. Sp. 790).

2. Deutungen. Das Bestiar der Westminster Chapter Libr., Ms. 22, deutet das Volk in Anlehnung an Ps. 140, 10 als jene, die vom Unheil ihrer eigenen Lippen bedeckt werden [77, S. 150]. Die Gesta Romanorum betrachten sie als Bild der Gerechten, die sich durch ständige Betrachtung vor den Versuchungen der Welt schützen [53, S. 575].

3. Darstellungen. Im MA werden diese F. meist im Profil oder mit seitlich gewendetem Kopf dargestellt, so daß besonders deutlich gezeigt werden kann, wie die Unterlippe als Schattenspender über das Gesicht gezogen wird (Abb. 34; ferner Abb. 2f.; Hereforder Weltkarte: [74] Heft 4).

Auf neuzeitlichen Darstellungen dagegen sieht man diese F. en face. Dabei ist ihre Unterlippe im Vergleich zu ma. Darstellungen von geringerer Größe und schüsselförmiger Bildung; ihre Rolle als Schattenspender wird nicht demonstriert, vgl. die Ill. zu Schedel ([56]: Abb. 5), Lycosthenes [62, Abb. S. 7] und Aldrovandi ([65]: Abb. 33 b).

Menschen ohne Kopf

s. Acephalen (Sp. 748ff.).

Menschen ohne Mund

s. Astomen (Sp. 760f.).

Menschen ohne Nase

1. Quellen. Plinius erwähnt an drei verschiedenen Stellen Menschen ohne Nase: einmal, unter Berufung auf Megasthenes, handelt er von einem indischen Nomadenvolk mit Namen Sciritae, das statt einer Nase nur Nasenlöcher hat (VII, 25: [6] Bd. 2 S. 7; Ähnliches berichtet Strabo unter Berufung auf dieselbe Quelle von dem indischen Volk der Amuktêres [2] S. 134). Außerdem erwähnt Plinius zweimal Menschen ohne Nase unter den monströsen Völkern im äußersten Osten Äthiopiens (VI, 187 und 188: [6] Bd. 1 S. 508); die einen sollen auch einen verwachsenen Mund haben und sich nur mit Hilfe eines Röhrchens ernähren können (VI, 188; vgl. Sp. 789).

Die Menschen ohne Nase werden erwähnt von Solinus (XXX, 12: [7] S. 132, 7); Isidor, Etym. XI, 3,18; Hrabanus Maurus (VII, 7: [20] Sp. 197); Vinzenz von Beauvais (Spec. hist. I, 92: [39] S. 34); Mandeville [47, S. 100]; Schedel [56, Bl. 11 und 12]; Wotton [60, Bl. 50]; Lycosthenes [62, S. 13]. – Einige Weltkarten verzeichnen sie im äußersten Äthiopien (<h>: [74] Heft 3 S. 42; Ebstorfer Weltkarte: [74] Heft 5 S. 60).

2. Deutung. Die Gesta Romanorum sehen in den Menschen ohne Nase ein Beispiel für jene, die ohne Unterscheidung von Gut und Böse leben [53, S. 575].

3. Darstellungen. Menschen ohne Nase werden meist auch ohne Öffnungen zum Atmen abgebildet (Abb. 2f. und 5; Lycosthenes [62], Abb. S. 14).

Nach Adolf Katzenellenbogen stellt das Menschenpaar auf dem Tympanon von Vézelay, welches statt einer Nase eine rüsselförmige Bildung mit zwei Öffnungen hat, das indische Volk der Sciritae dar (Art Bull. 26, 1944, S. 145, Abb. 8).

Menschen ohne Ohren

s. Ambaren (Sp. 753).

Menschen ohne Zunge

1. Quellen. Plinius erwähnt unter den Völkern des äußersten Ostens von Äthiopien ein Volk ohne Zunge, das sich mit Gebärden verständigen muß (VI, 188: [6] Bd. 1 S. 508).

Dieses Volk erwähnen auch Solinus (XXX, 13: [7] S. 132, 10), Isidor von Sevilla, Etym. XI, 3, 18, Hrabanus Maurus (VII, 7: [20] Sp. 197), Vinzenz von Beauvais (Spec. hist. I, 92: [39] S. 34), Münster [59, S. 839], Wotton [60, Bl. 50] und Kornmann [66, S. 97]. – Einige Weltkarten verzeichnen es in Äthiopien (z. B. <h>: [74] Heft 3 S. 42; Ebstorfer Weltkarte: ebd. Heft 5 S. 60; Karte des Ranulf Higden: ebd. Heft 3 S. 105).

2. Darstellungen dieser F. gibt es in einer Solinus-Hs. des 12. Jh. (Abb. 2) sowie auf einigen Weltkarten (s. oben). Die Ebstorfer Weltkarte zeigt zwei solcher F., die sich mittels Gebärdensprache unterhalten (Abb. 3).

Mirmicoleo

s. Physiologus (und Bestiar).

Monstrum nocturnum

s. Fama.

Onocentauren

s. Kentaur.

Panotier

1. Quellen. Die Panotier (panotii, panuati, phanesii u. ä.) sind ein Volk, von dem man glaubte, daß seine Angehörigen mit überlangen Ohren ausgestattet seien. Das MA gelangte zur Kenntnis dieses Fabelvolks vor allem durch Strabo, Plinius, Photios und Tzetzes, welche griechische Berichte der alexandrinischen und nachalexandrinischen Zeit tradierten (zu den indischen Quellen dieser Berichte s. [79], S. 164 Anm. 4-6).

Übereinstimmend wird dieses Volk beschrieben in einem Ktesiasfragment bei Photios (9. Jh.: [1] S. 304) und in einem Skylaxfragment bei Tzetzes (12. Jh.: [3] S. 49): es lebt in den Bergen Indiens und hat bis zu den Ellenbogen reichende Ohren, die hinten den ganzen Rücken bedecken und sich dabei gegenseitig berühren. Tzetzes nennt das Volk ὠτόλικνοι (= mit Ohren, so breit wie ein schwingender Fächer).

Abweichend wird das Volk von Strabo unter Berufung auf Megasthenes beschrieben (XV, 1, 57: [2] S. 133): die Ohren dieser Menschen reichen bis zu ihren Füßen hinab, so daß sie darin schlafen können; außerdem sind sie so stark, daß sie sowohl Bäume ausreißen als auch Bögen zerbrechen können. Eine entsprechende Beschreibung ist in leicht entstellter Form später bei Münster zu finden [59, S. 752].

Das Ktesiasfragment bei Photios identifiziert dieses Volk mit jenen, die acht Finger bzw. Zehen an Händen und Füßen haben.

Plinius erwähnt diese Fabelmenschen zwar auch kurz bei der Beschreibung Indiens (VII, 30: [6] Bd. 2 S. 8), wichtiger für die spätere Überlieferung ist jedoch, daß er sie Phanesier nennt und auf eine Insel im Norden Skythiens versetzt (IV, 95: [6] Bd. 1 S. 345); dort gehen sie nackt einher und umhüllen ihren ganzen Körper mit ihren großen Ohren.

Dieser Beschreibung folgen die meisten Autoren, z. B. Solinus XIX, 8 [7, S. 93, 17]; Isidor, der das Volk Panotii nennt, Etym. XI, 3, 19; Hrabanus Maurus VII, 7: [20, Sp. 197]; Vinzenz von Beauvais, Spec. hist. I, 92: [39, S. 34]; Wotton [60, Bl. 66]; Lycosthenes [62, S. 13]. Auch auf den Weltkarten von Hereford und Ebstorf werden die „Phanesier“ auf einer skythischen Insel verzeichnet mit Inschriften, die sich an die Beschreibung des Plinius anlehnen ([74] Heft 4 S. 27; Heft 5 S. 35). In den Gesta Romanorum wird ihre Heimat „Sichia“ (= Scythia?) genannt [53, S. 575]. – Schedel versetzt sie irrtümlich nach Sizilien ([56] Bl. 12: Abb. 5); Aldrovandi [65, S. 8] und Schott [70, S. 399f.] stellen eine Reihe von Zeugnissen zusammen, welche von langohrigen Menschen auf den Molukken bzw. in Kalifornien berichten (so etwa [67], S. 132; vgl. auch [79], S. 196).

Die „Epistula Premonis“ lokalisiert die großohrigen Menschen im Orient. Sie gibt ihnen eine riesenhafte Gestalt, einen großen Kopf, weiße Hautfarbe und – entsprechend dem Namen ὠτόλικνοι – fächerförmige Ohren. Nachts schlafen sie auf einem dieser Ohren und bedecken sich mit dem anderen; wenn sie fliehen, richten sie beide auf, so daß sie zu fliegen scheinen [11, S. 212f.]. Diese Beschreibung ist kaum verändert auch in den Hss. der „Marvels of the East“ ([11] S. 355; [13] S. 19 Nr. 22) und im „Liber Monstrorum“ [16, S. 161] zu finden.

2. Deutungen. Einige moralisierte Bestiarien sehen die Panotier als Beispiel für jene, die Ohren haben, um Böses zu hören [77, S. 150]. Dagegen deuten die Gesta Romanorum sie als Menschen, die gerne das Wort Gottes hören, durch das sie Leib und Seele vor der Sünde schützen können [53, S. 575].

3. Darstellungen der Panotier folgen drei Typen.

Am häufigsten sind die Beispiele des ersten Typus: die Panotier werden mit zu beiden Seiten des Körpers herabhängenden Ohren von unterschiedlicher Länge dargestellt; sie können kurz oberhalb des Knies enden, jedoch auch bis zu den Knöcheln reichen, sind aber in jedem Fall so lang, daß sie entsprechend der Angabe des Plinius den ganzen Körper bedecken können (z. B. Abb. 1f.; Ebstorfer Weltkarte: [86] Taf. S. 92/93; Schedel [56]: Abb. 5, Münster [59], Abb. S. 752; Lycosthenes [62], Abb. S. 13; Aldrovandi [65], Abb. S. 10; Schott [70]: Abb. 11). Öfters wird die Funktion der Ohren, den Körper zu bedecken, dadurch verdeutlicht, daß sie diesen mantelartig umhüllen oder daß der Panotier sie mit beiden Händen wie zwei Mantelenden festhält (z. B. Abb. 2; Hereforder Weltkarte: [74] Heft 4; <r> fol. 75. [79] Taf. 42 c).

Ein zweiter Bildtypus hat – entsprechend der Beschreibung in der „Epistula Premonis“ und ihr verwandten Quellen – fächerförmig abstehende Ohren, z. B. <g> fol. 104 ([79] Taf. 43 b; [13]); Vézelay, La Madeleine, Tympanon, 12. Jh. (Abb. 35); Belvoir Castle, Slg. des Hzgs. von Rutland, Psalter, 13. Jh.: [87, Abb. 547]; anonyme Weltkarte von Vercelli, 13. Jh.: [86, S. 351 Taf. 25]. Die Panotier dieses Typs sind meist bekleidet.

Einen dritten Typus zeigen zwei Hss. der „Marvels of the East“, nämlich Panotier mit Ohren, die schlangenartig um ihre Arme gewickelt sind (<f> fol. 83v: [79] Taf. 43 a; weitere Beispiele bei [13]).

Pegasus

1. Quellen. Von dem Pegasus der griechischen Mythologie leiten sich die F. gleichen Namens her. Plinius berichtet an zwei verschiedenen Stellen und verschieden von pegasi. In der Beschreibung Äthiopiens (VIII, 72: [6] Bd. 2 S. 73) schildert er sie als gehörnte und gefiederte Pferde, im Buch über die Vögel dagegen (X, 136: [6] Bd. 2 S. 191) als Vögel mit Pferdeköpfen.

Solinus präzisiert die zweite Version: der Vogel Pegasus hat nichts Pferdeartiges an sich außer den Ohren (XXX, 29: [7] S. 135, 9; so auch Fulcher von Chartres: [22] III, 49, 14; Münster [59], S. 809; Wotton [60], Bl. 87).

Verbreiteter ist jedoch die erste Version des Plinius. Thomas von Cantimpré beschreibt diese F. als Tiere in Äthiopien, die einen Pferdekörper, auf dem Kopf Hörner und Adlerflügel haben, die sie nur zum schnelleren Laufen benutzen; sie fressen viel und sind für Mensch und Tier sehr gefährlich [34, fol. 58v]. Ähnlich äußern sich Vinzenz von Beauvais, Spec. nat. XVI, 126 (de avibus: [40] Sp. 1225; ebd. XIX, 102 [de bestiis]: [40] Sp. 1439), Albertus Magnus [38, Bl. G IVv] und Jacob van Maerlant [43, S. 198]; die gleiche Version des Plinius referiert auch Wotton [60, Bl. 87v].

2. In den Darstellungen hat der Pegasus gewöhnlich, der verbreiteteren Version seiner Beschreibung entsprechend, einen Pferdekörper, Flügel und Hörner auf dem Kopf (Beispiele: <q> fol. 57: [88] Taf. 13, mit vier Hörnern und Geweih; [H]Ortus Sanitatis [89], Bd. 15 Abb. 671; Abb. 36).

Phanesier

s. Panotier (Sp. 794).

Phönix

Porphyrion

(porphyrio, porphiri, porficium, aurifrisius, auriphrygius u. ä.).

1. Quellen. Plinius berichtet vom Vogel Porphyrion, daß er jeden Bissen ins Wasser tauche und dann mit seinem Fuße zum Munde führe (X, 129: [6] Bd. 2 S. 189). Nach einer bei Aldrovandi zitierten – nicht ermittelten – Isidorstelle hat dieser Vogel zwei verschiedene Füße, einen Schwimmvogelfuß und einen Raubvogelfuß, so daß er sowohl im Wasser als auch auf dem Lande leben kann [63, Bd. 1 S. 438].

Alexander Neckam [29, S. 108] und Vinzenz von Beauvais (Spec. nat. XVI, 39: [40] Sp. 1181) berichten nur von den zwei verschiedenen Füßen des Vogels und ihrem Gebrauch bei der Jagd; Thomas von Cantimpré [34, fol. 89v], Jacob van Maerlant [43, S. 395f.], Konrad von Megenberg [48, S. 212], Gesner [61, Bd. 3 S. 687ff.] und Aldrovandi (a.a.O.) überliefern sowohl diese Eigenschaft als auch die von Plinius beschriebenen Eßgewohnheiten.

2. Deutungen. Alexander Neckam erklärt den Vogel mit den verschiedenen Füßen als Bild der Anpassung (adaptatio); weiterhin sieht er – angeregt durch den Namen aurifrisius (so nennt er das F.) – in ihm ein Bild der Vornehmen („aurifrigiatorum“ = der mit Goldborten Besetzten [vgl. RDK I 1280–82]), die das Gut der Armen wollen, dies aber durch ihre vornehme Erscheinung zu bemänteln wissen [29, S. 108]. Konrad von Megenberg erkennt in dem Vogel das Bild des geistlichen Menschen, der sich – wie der Vogel mit seinem Schwimmfuß – mit geistlichen Werken tränkt und – wie dieser mit seinem gespaltenen Fuß – in der Welt und ihrer Falschheit wandelt [48, S. 212]. Für Andrea Alciati ist der Vogel ein Bild der Keuschheit: er stirbt vor Schmerz über eheliche Untreue (Emblemata, Ausg. Lyon 1550, S. 55: Martin Henkel und Albr. Schöne, Emblemata, Stg. 1967, Sp. 841f. mit Abb.).

3. Darstellungen des Vogels finden sich z. B. in der Albertus Magnus-Hs. der Univ.Bibl. von Granada (Abb. 37) und in den ill. Frühdrucken des (H)Ortus Sanitatis (zu Kap. 2, aurifrigius in pfauenähnlicher Gestalt; zu Kap. 103, porphirio, in schwanenähnlicher Gestalt: [89] Bd. 15 Abb. 724 und 825).

Psambaren

s. Ambaren (Sp. 753).

Purpurvogel

s. Porphyrion.

Rinder mit beweglichen Hörnern

s. Waldrinder (Sp. 806).

Rinder, einhörnige

Quellen. Plinius erwähnt einhörnige indische Rinder unter den wunderbaren Tieren Äthiopiens (sic!; VIII, 72: [6] Bd. 2 S. 73f.). Von Rindern im Orient, die ein Horn mitten auf der Stirn tragen, berichtet Thomas von Cantimpré ([34] fol. 61v; ebenso Vinzenz von Beauvais, Spec. nat. XVIII, 89: [40] Sp. 1376; Albertus Magnus [38], Bl. H II, unter „taurus“; Jacob van Maerlant [43], S. 214). Später werden sie noch von Wotton [60, Bl. 72], Gesner [61, Bd. 1 S. 139] und Schott [70, S. 804] erwähnt. Vgl. auch Einhorn (RDK IV 1506f.).

Eine Darstellung dieser F. gibt das Reuner Musterbuch (Abb. 46).

Rinder, dreihörnige

Quellen. Plinius nennt die dreihörnigen indischen Rinder unter den wunderbaren Tieren Äthiopiens (sic!; VIII, 72: [6] Bd. 2 S. 73). Honorius Augustodunensis nennt sie unter den Tieren Indiens (ebenso Rudolf von Ems: [33] S. 24f.) und gibt an, daß sie keine gespaltenen Hufe haben [24, Sp. 124]. Thomas von Cantimpré beschreibt sie ebenso und lokalisiert sie im Orient ([34] fol. 61v; ebenso Vinzenz von Beauvais, Spec. nat. XVIII, 89: [40] Sp. 1376; Albertus Magnus [38], Bl. H II, unter „taurus“; Jacob van Maerlant [43], S. 214). Nach Gossouin [42, S. 113] und Caxton [51, S. 73] tragen sie ihre Hörner mitten auf der Stirn. Später noch erwähnen sie Wotton [60, Bl. 72] und Gesner [61, Bd. 1 S. 139].

Eine Darstellung der dreihörnigen Rinder gibt das Reuner Musterbuch (Abb. 46).

Rock

Der Rock ist ein Vogel von ungeheurer Größe und Kraft; er ist imstande, einen ausgewachsenen Elefanten in seinen Fängen fortzutragen. Zur orientalischen Überlieferung über dieses F. sowie sein Vorkommen in der abendländischen Literatur und bildenden Kunst s. Rud. Wittkower, „Roc“: An Eastern Prodigy in a Dutch Engraving, Warburg Journ. 1, 1937/38, 255; vgl. auch [71 a], S. 68–71, und [87 a], S. 471f.

Satyr

Schattenfüßler

s. Skiapoden (Sp. 800).

Schlange mit Menschenkopf

s. Dracontopoden (Sp. 774).

Schlange mit zwei Köpfen

s. Amphisbaena (Sp. 753).

Schnabelkrägen

1. Quellen. In Kap. 175 der Gesta Romanorum [53, S. 576] und in der Schedelschen Weltchronik [56, Bl. 12] sind Menschen beschrieben, die von schöner Gestalt sind, jedoch Kranichhälse und -schnäbel haben. Die Gesta Romanorum geben an, daß sie in Europa leben (Schedel spricht von „Eripia“).

Die Quellen für die Nachricht bei Schedel und in den Gesta Romanorum sind vermutlich im Orient zu suchen (vgl. [79], S. 193). – Lycosthenes berichtet von Schnabelkrägen sowohl in „Eripia“ [62, S. 8] als auch im äußersten Syrien ([62] S. 668f.: dieses Volk ist mit einigen weiteren Monstrositäten ausgestattet). Die Angaben des Lycosthenes werden z. T. referiert von Aldrovandi [65, S. 12] und Nierembergius [67, S. 133].

Das Volk der Schnabelkrägen spielt eine große Rolle im Volksbuch vom Herzog Ernst. Menschen mit Kranichhals tauchen im Monstren- und Prodigienwesen der frühen Neuzeit auf (vgl. dazu ausführlich [79], S. 193f.).

2. Deutung. Die Gesta Romanorum deuten die Menschen mit Kranichhals als kluge Richter, die erst lange und gründlich erwägen, bevor sie ihr Urteil verkünden [53, S. 576].

3. Darstellungen zeigen Schnabelkrägen fast immer bekleidet.

Zu einem Typus gehören die Abbildungen in der Schedelschen Weltchronik ([56] Bl. 12v: sitzend), die bei Lycosthenes [62, S. 8 und 669] und bei Aldrovandi ([65] S. 14: stehend): das F. hat einen menschlichen Leib, einen langen, gewundenen Vogelhals, auf dem ein menschlicher Kopf mit einem Vogelschnabel sitzt. Diesem Typus entsprechen auch Schnabelkrägen auf Flugblättern und Pamphleten [79, Taf. 49 d–g].

Die Schnabelkrägen in Frühdrucken des Herzog Ernst dagegen zeigen einen anderen Typus: auf einem Menschenleib sitzt ein Vogelhals mit einem Vogelkopf (Abb. 38; ferner [89], Bd. 19 Abb. 209).

Selentis

s. Seleuzidische Vögel.

Seleuzidische Vögel

(zeleucides, zelendides, Vogel Selentis).

1. Quellen. Plinius berichtet, daß die seleuzidischen Vögel von den Bewohnern des Berges Cadmus von Jupiter erfleht werden, damit sie die Heuschrecken, welche das Getreide verwüsten, fressen. Niemand wisse, woher sie kommen, noch wohin sie kehren (X, 75: [6] Bd. 2 S. 176; weitere antike Quellen bei Gesner [61], Bd. 3 S. 703, und Aldrovandi [63], Bd. 1 S. 629; vgl. auch Wotton [60], Bl. 134v). Die Vögel werden als bestimmte Vogelart von Thomas von Cantimpré erwähnt [34, fol. 94], ferner – ihm folgend – von Albertus Magnus ([38] Bl. QVv: zelendides), Vinzenz von Beauvais (Spec. nat. XVI, 154: [40] Sp. 1239) und Jacob van Maerlant [43, S. 428f.].

2. Deutungen. Die Conc. car., Temp. 58, ordnet den Vogel Selentis der Szene „Christus disputiert mit den Juden“ (Joh. 7, 14ff.) und ihren Präfigurationen zu (Moses tötet die Anbeter des goldenen Kalbes, 2. Mos. 32, 26; Steinigung des Gotteslästerers, 3. Mos. 24,10; vgl. RDK III 843/44). Aldrovandi deutet die F. als Schutzengel, die von den Menschen zum Schutze gegen die Dämonen erfleht werden. Mit dem Lemma „Aliis“ macht er sie zum Symbol des Menschen, der zum Wohle anderer wirkt [63, Bd. 1 S. 630]. Mit dem ähnlichen Lemma „Nos aliis“ bezeichnet sie Camerarius als Bild der Kämpfer gegen die Türken (Joachim Camerarius, Symbolorum et Emblematum ex Volatilibus et insectis desumtorum centuria tertia collecta ..., Nürnberg 1596, Emblem 66). Picinelli sieht in ihnen ein Bild des Richters, der die Missetäter vernichtet und dadurch die Grundlage für ein gutes Regiment schafft ([71] IV, 60 Nr. 612).

3. Darstellungen finden sich z. B. in der Ryffschen Albertus-Magnus-Ausgabe, wo die Beschreibung durch einen Vogel illustriert wird, der eine Heuschrecke frißt [38, Bl. QVv].

*Serra

Sesambaren

s. Ambaren (Sp. 753).

Sirene

Skiapoden

1. Quellen. Die Skiapoden (scinopodes, monopedes, auch monoculi, monocolli u. ä.) haben ein Bein mit riesenhafter Fußsohle, mit deren Hilfe sie sich, auf dem Rücken liegend, gegen die Sonne (gegen den Regen: Karte Walspergers: [74] Heft 3 S. 148) zu beschirmen pflegen; sie sind sehr behende. Diese, in ma. Quellen mehr oder weniger ausführlich beschriebenen Hauptmerkmale gehen auf ein bei Plinius VII, 23 [6, Bd. 2 S. 6] überliefertes Ktesiasfragment zurück, das die Skiapoden mit zweitem Namen monoculi nennt; in der literarischen und bildlichen Überlieferung (s. unten Sp. 803) führte das zur häufigen Verwechslung bzw. Vermischung der Skiapoden mit den *Zyklopen ([42] S. 112; [50] S. 266; [51] S. 72).– Augustinus ([8] S. 508; ebenso: [16] S. 156; [35] S. 161; [50] S. 7; [62] S. 10) glaubt, Skiapoden hätten steife Kniegelenke. – Daß die Füße der Skiapoden platt wie Entenfüße seien (bei Suidas, 2. H. 10. Jh., überliefertes Ktesiasfragment: [3] S. 49), ist zwar nicht in die allgemeine literarische Überlieferung eingegangen, hat jedoch für einige bildliche Darstellungen Bedeutung (s. unten Sp. 804).

Meist werden die Skiapoden in Indien, oft in Äthiopien, seltener in Libyen ansässig gedacht. Die Weltkarten verzeichnen sie meist in Äthiopien (vgl. [74], Heft 3 S. 38, 42, 105, 148), die Herefordkarte außerdem in Indien. Martin Behaim lokalisiert sie südlich von Äthiopien im Innern Afrikas (Osw. Muris und Gert Saarmann, Der Globus im Wandel der Zeiten, Bln. und Beutelsbach bei Stg. [1961], Abb. 8 und 10), Münster in Afrika und Indien [59, S. 752 und 839]. – Die im MA vielumstrittenen Antipoden (des „vierten“ Erdteils südlich des Äquators) werden gelegentlich als Skiapoden dargestellt (Beatus-Karte von Osma, Abb. 39; Fußbodenmosaik in Casale Monferrato [Weihedatum 1107]: Ernst Aus’m Weerth, Der Mosaikfußboden in St. Gereon zu Cöln, Bonn 1873, Taf. 10).

2. Deutungen. In der Allegorie werden Skiapoden verschieden gedeutet. Thomas von Cantimpré sieht in ihnen das Bild von Reklusen, die, ihr Gelübde mißachtend, in Gedanken meilenweit laufen und sich – wie der Skiapode mit seinem großen Fuße – mit ihrer Nachlässigkeit bedecken [36, S. 15]. Günstiger wissen die Gesta Romanorum das einzige, aber besonders flinke Bein des Skiapoden zu deuten: sie sehen in ihm ein Bild der Tugend der Liebe, die den Menschen besonders rasch ins Himmelreich gelangen läßt [53, S. 575].

3. Darstellungen. Skiapoden sind in der Regel einzeln abgebildet; nur gelegentlich findet man zwei (dann meist in verschiedener Haltung) oder einem männlichen einen weiblichen Skiapoden gegenübergestellt. Meist sind sie unbekleidet, in Ausnahmefällen ausgesprochen modisch gekleidet. Skiapodenmänner haben oft Bärte, Skiapodenfrauen meist langes Haar.

Am häufigsten ist die Abbildung des Skiapoden, der sich mit seinem Fuß beschattet. Er hält diesen fast immer mit gestrecktem Bein (steifem Kniegelenk) über sich. Dabei liegt er (seltener) flach auf dem Rücken, umfaßt sein Bein mit einer Hand, um es zu stützen, während er die freie Hand erhebt (Abb. 2; Paris, Bibl. Nat., ms. lat. nouv. acq. 1366 [Beatus-Karte], fol. 24v und 25, 12. Jh.: [79] Taf. 46 b). Gelegentlich werden beide Hände zum Stützen des Beines benützt (Randzchg. in einem Metzer Pontifikale, 14. Jh., Huddersfield, Priv.Slg.: [83] S. 214 Abb. 14; <l> fol. 29v: Omont Bd. 1 Taf. 35; <r>: [79] Taf. 42 c; Abb. 5, Münster [59], Abb. S. 752 und 839; Lycosthenes [62], Abb. S. 10 und 665; Fresko in der Kirche des Athosklosters Dochiaríon, 16. Jh.: P. Huber a.a.O. [Sp. 752], Abb. 187); die Skiapoden können aber auch Fußgelenk und Fuß halten (<n> fol. 66v: [82] Abb. 23 a). Das Motiv des Beinstützens kann fortfallen (Abb. 1; Dublin, Chester Beatty Libr., Ms. 80 [Thomas von Cantimpré], fol. 9, um 1420: [83] S. 261 Abb. 23); in solchen Fällen betten Skiapoden häufig ihr Haupt auf ihre Arme zur Ruhe (Abb. 4; ferner <a> fol. 44: [35] 2. Taf. nach S. 165; <b>: [79] Taf. 44 a; <d> fol. 51: [88] Taf. 8). Der Skiapode in der jüngsten Hs. der „Marvels of the East“ streckt seinen Fuß schräg der tiefstehenden Sonne entgegen (<k> fol. 50: [13]).

Oft richten sich Skiapoden, die ihr Bein stützen, zu einer halb sitzenden Haltung auf. Dabei sind jene, die ihr Bein mit beiden Händen halten, in strengem Profil gegeben, sie wenden allenfalls den Kopf dem Beschauer zu, so auf Kapitellen des 12. Jh. in St-Parize-le-Châtel [79, Taf. 46 a] und am Basler Münster (Abb. 40); vgl. ferner: Weltkarte von Hereford ([79] Taf. 46 d; [74] Heft 4); <o> fol. 71: [90, Taf. 15]; <r> fol. 75v: [79, Taf. 42 c]. Jene Skiapoden, die ihr Bein nur mit einer Hand halten, drehen sich dagegen meist mit dem ganzen Oberkörper en face, indem sie sich auf die frei bleibende Hand stützen; vgl. z. B. Beatus-Karte von Burgo de Osma (Abb. 39); <i>: [79, Taf. 44 c]; St. Jakob in Kastelaz bei Tramin, Südtirol, Apsisfresko, 1. V. 13. Jh. (mit erhobener freier Hand: Abb. 20; Edgar W. Anthony, Romanesque Frescoes, Princeton, N.J. 1951, Abb. 220); Sens, Kath., Portal, um 1200 [79, Taf. 46 c]; Lixy (Yonne), Kapitell, 13. Jh. [84, Abb. 341]; Remagen, Pfarrhoftor, um 1200: Inv. Rheinprov. 17, 1, S. 551, Abb. 494; Oxford, Christ Church College, Ms. E. II, fol. 44v(Montague Rhodes James, The Treatise of Walter de Milemete 1326/27 [= Roxburghe Club], Oxford 1913, S. 88); Mandeville-Ill. [89, Bd. 20 Abb. 1090 und 1950].

Die Solinus-Hs. <i> zeigt fol. 57 einen stehenden Skiapoden im Profil, der Oberkörper und Gesicht dem Betrachter zuwendet und einäugig ist („sunt monoculi“; [79] Taf. 42 a). Einäugig ist auch der stehende Skiapode auf der Hereford-Karte ([74] Heft 4: mit langem Stab) und im „Roman de toute Chevalerie“ (<n> fol. 60v: [81] Abb. 35 c: mit Krücke). Nicht immer jedoch sind stehende Skiapoden einäugig (<h>: [74] Heft 3 Taf. 3; <o> fol. 71: [90] Taf. 15; Oxford, Christ Church College, Ms. E. II, fol. 55: M. R. James a.a.O S. 109; <p> fol. 51; Abb. 6).

Mehrfach sind die Füße der Skiapoden mit Schwimmhäuten zwischen den Zehen versehen und ähneln Entenfüßen, Froschfüßen oder Fischflossen. Mit seinem Schwimmfuß beschattet sich ein Skiapode in einem engl. Psalter in Belvoir Castle, Slg. Hzg. von Rutland (Abb. 42). Einen Schwimmfuß haben Skiapoden auch in einigen Thomas von Cantimpré-Hss. (<b>: [79] Taf. 44 a; <m>: [83] S. 259 Abb. 21; beide liegend) und in Konrad von Megenberg-Ill. ([89] Bd. 3 Abb. 465 und Abb. 8: beide stehend); vgl. auch die beiden liegenden Skiapoden auf Martin Behaims Erdglobus (O. Muris und G. Saarmann a.a.O. [Sp. 800]).

Weibliche Skiapoden sind auf dem Kanonbogen einer Bibel in Paris, Bibl. Ste-Géneviève, ms. 10, fol. 127v(Abb. 41) dargestellt, ebenso in einem nordfranz. Psalter des späten 13. Jh. (Baltimore, Walters Art Gall., Ms. 45, fol. 92: [87] Abb. 643; weitere Beispiele bei [87], S. 212) sowie auf dem Globus Martin Behaims.

Ausnahmsweise werden liegende oder stehende Skiapoden mit zwei Beinen dargestellt, so die „antipodes“ auf dem Fußbodenmosaik von Casale Monferrato (s. Sp. 801) sowie in Thomas von Cantimpré-Hss. (<q> fol. 32v), bei Gulielmo Dati ([57] S. 313 Abb. 2) und auf einer Gestühlswange in Dennington, Suffolk, 15. Jh. (Abb. 43).

Sphinx

Spinturnix

s. Feuervogel (Sp. 778).

Tetracolus

s. Äthiopier, vieräugige (Sp. 761).

Tier mit Eselsohren, Lammvlies, Vogelfüßen

s. Lertix (Sp. 784).

Tier mit Frauenkopf

s. Lamia (Sp. 783f.).

Tier mit doppeltem Kopf und doppelten Gliedmaßen

Tiere, die acht Füße, zwei Köpfe und vier Augen haben, werden in der „Epistula Premonis“ erwähnt ([11] S. 204; nach der Pariser Hs. haben sie nicht zwei Köpfe, sondern zwei Hörner). Ähnliche Beschreibungen dieser F. finden sich in den „Marvels of the East“ [13, S. 15f. Nr. 4], im „Liber monstrorum“ [16, S. 169] und bei Gervasius von Tilbury [11, S. 204].

Dargestellt sind sie in den Hss. der „Marvels of the East“ (Abb. 44; weitere Beispiele bei [13]).

Tier mit menschlichen Händen und Füßen

s. Cephus (Sp. 764).

Tier mit beweglichen Hörnern (Mischwesen aus Eber, Flußpferd, Elefant)

s. Eale (Sp. 775).

Tier mit klaffendem Maul, einem zusammenhängenden Knochen statt der Zähne (Mischwesen aus Dachs, Löwe, Hirsch)

s. Leucrocota (Sp. 784).

Tier ohne Zahnfleisch, mit einem einzigen, durchlaufenden Zahn

s. Crocotas (Sp. 765).

Tragopa

(tragopan, tregopales, trogopel).

1. Quellen. Plinius und Solinus beschreiben die Tragopa als einen eisenfarbig gefiederten Vogel, der größer ist als ein Adler, einen Phönixkopf hat und auf der Stirn Widderhörner trägt (X, 136: [6] Bd. 2 S. 191; [7] S. 135, 10).

Ein ähnliches Bild von dem F. entwerfen Thomas von Cantimpré [34, fol. 92v], Vinzenz von Beauvais (Spec. nat. XVI, 141: [40] Sp. 1233), Albertus Magnus [38, Bl. Q IV], Jacob van Maerlant [43, S. 417], Konrad von Megenberg [48, S. 225], Münster [59, S. 809], Wotton [60, Bl. 135v], Gesner [61, Bd. 3 S. 719] und Aldrovandi ([63] Bd. 12 S. 804). Durchweg wird angenommen, es lebe in Äthiopien.

2. Deutung. In der Conc. car., Temp. 107, wird der Vogel Trogopales, den alle Vögel fürchten, der Verkündigung der Allgewalt Christi zugeordnet (Mt. 28, 16; vgl. RDK III 847/48).

3. Abbildungen der Tragopa finden sich in Thomas von Cantimpré-Hss. (z. B. Dublin, Chester Beatty Libr., Ms. 80, fol. 25, A. 15. Jh.: [91] Taf. 193), in der Albertus Magnus-Hs. der Univ.-Bibl. von Granada, fol. 52, M. 15. Jh. (Foto Khist. Inst. der Univ. Wien, Nr. 3102), im (H)Ortus Sanitatis, Kap. 111 [89, Bd. 15 Abb. 833] sowie in der Ryff’sehen Übersetzung des Thierbuches Alberti Magni (Abb. 45). Aldrovandi bildet eine ihm zugesandte Zeichnung eines gehörnten Vogelkopfes ab, von der er annimmt, sie zeige die Tragopa ([63] Bd. 12, S. 805).

Triton.

Vögel, die auf Bäumen wachsen

s. Carabas und Sp. 762.

Vogel, der nur in einem einzigen Paar existiert

s. Avalerion (Sp. 762).

Vögel mit leuchtendem Gefieder

s. Hercynische Vögel (Sp. 780).

Vogel mit einem Schwimmvogel- und einem Raubvogelfuß

s. Porphyrion (Sp. 797).

Vogel mit Widderhörnern

s. Tragopa (Sp. 805).

Waldrinder

1. Quellen. Plinius beschreibt unter den wunderbaren Tieren Äthiopiens „tauri silvestres“ als besonders große und schnelle Tiere mit rötlichem Fell, blauen Augen und einem Maul, das bis zu beiden Ohren klafft; die F. haben bewegliche Hörner und einen kieselharten, unverwundbaren Rücken (VIII, 74: [6] Bd. 2 S. 73; vgl. auch Wotton [60], Bl. 74v, Gesner [61], Bd. 1 S. 127, und Schott [70], S. 804, mit weiteren antiken Quellen). Solinus nennt diese Tiere „tauri indici“ (ebenso Isidor von Sevilla, Hrabanus Maurus und Vinzenz von Beauvais) und sagt ihren Hörnern allseitige Beweglichkeit nach; in Gefangenschaft sterben sie vor Wut (LII, 36: [7] S. 189, 16). Isidor, Etym. XII, 1, 29, und nach ihm Hrabanus Maurus (VII, 8: [20] Sp. 207) beziehen die allseitige Beweglichkeit nicht auf die Hörner, sondern auf den Kopf. Honorius Augustodunensis [24, Sp. 124] schreibt den Rindern einen besonders großen Kopf zu und behauptet, daß sie die Hörner abwechselnd zum Kampf verwenden bzw. niederlegen (ähnliches berichtet er vom Eale). Gleich Solinus hält er sie für unbezähmbar. Gossouin [42, S. 113] und Caxton [51, S. 73] geben diesen Rindern eine weiße Farbe, erwähnen ebenfalls den großen Kopf und die allseitige Beweglichkeit der Hörner. Bartholomäus Anglicus [32, S. 116] beschreibt das Tier zweimal, als indici tauri und als tauri silvestres. Thomas von Cantimpré schreibt den Tieren eine Eigenschaft des Bonacus (Auerochs?) zu: sie schleudern bei der Flucht beißenden Dung auf ihre Verfolger ([34] fol. 61v; ebenso Vinzenz von Beauvais, Spec. nat. XVIII, 89: [40] Sp. 1376; Albertus Magnus: [38] Bl. H II unter „taurus“; Jacob van Maerlant: [43] S. 213). Brunetto Latini [41, S. 156] vermischt die Eigenschaften dieser beiden Arten ebenfalls, allerdings unter dem Namen Bonacus.

2. Bildliche Darstellung des Waldrindes findet sich z. B. im Reuner Musterbuch (Abb. 46).

Wasserfrauen

1. In den Quellen werden verschiedene Arten von Wasserfrauen beschrieben. Der Brief Alexanders an Aristoteles berichtet von schönen Wasserfrauen, die sich den Kriegern Alexanders gegenüber gewalttätig verhielten [17, S. 36]. Schöne, durch Hundszähne entstellte Wasserfrauen kommen bei Jakob von Vitry und in späteren Quellen vor (vgl. Sp. 773). Außer diesen erwähnen Thomas von Cantimpré und Jacob van Maerlant noch schöne Wasserfrauen, die in häßliche Gewänder verhüllt sind und silberne Waffen tragen ([35] S. 162; [43] S. 29).

2. Deutung. Die moralisierte Fassung vom „Liber de monstruosis hominibus“ des Thomas von Cantimpré deutet diese letztgenannten Wasserfrauen als tugendhafte Frauen, die ihre Schönheit verhüllen und ihre Tugend verteidigen [36, S. 16f.].

3. Darstellungen. In Ill. zum Alexanderroman wurde gelegentlich die im Alexanderbrief (s. o.) beschriebene Episode geschildert (z.B. Oxford, Bodl. Libr., Ms. 264, fol. 66v: Faks.-Ed. Montague Rhodes James, The Romance of Alexander, Oxford 1933). – Thomas von Cantimpré-Hss. bilden öfters die in ihnen beschriebenen Wasserfrauen ab. Als Attribut haben sie gelegentlich ein Schwert (z. B. <p> fol. 51; <q> fol. 33: Abb. 4); fehlt dieses, so entfällt jede besondere Kennzeichnung (z. B. <d> fol. 51v).

Wassermenschen

1. Quellen. Menschen, die sowohl auf dem Lande als auch im Wasser leben, am ganzen Körper behaart sind und im übrigen unbekleidet gehen, werden im Brief Alexanders an Aristoteles beschrieben [17, S. 30]. Diese Menschen sind von riesigem Wuchs und leben in Flüssen, in denen sie, vor Fremden flüchtend, untertauchen.

Ähnlich werden diese F. auch von Jakob von Vitry [30, S. 214], Thomas von Cantimpré [35, S. 162], Konrad von Megenberg [48, S. 493], Schedel [56, Bl. 12] und Lycosthenes [62, S. 14] beschrieben. Der „Liber monstrorum“ gibt an, daß sie nur von Fischen leben [16, S. 155]; der „Tractatus pulcherrimus“ [26, Bd. 8 S. 177] bezeichnet sie als Fische in Menschengestalt, die sich von anderen Fischen ernähren. Thomas von Cantimpré sagt dem Volk der „Ichthiophagen“ nach, sie lebten im Wasser, und nennt sie Pirolopi [35, S. 160]. – In der frühen Neuzeit berichtet Nierembergius von Menschen in der Neuen Welt, die am Ufer eines Sees wohnen und in dessen Wasser schlafen [67, S. 132].

2. Deutungen. Thomas von Cantimpré deutet den „Pirolopus“ als falschen Verwalter, der sich der Verantwortung entzieht, indem er reiche Bauern schröpft [36, S. 13]. – Die Gesta Romanorum sehen in den nackten Wassermenschen jene, die von der Tugend entblößt im Flusse dieser Welt leben [53, S. 575f.].

3. Darstellungen. In manchen Thomas von Cantimpré-Hss. werden diese F. behaart wiedergegeben, neben einem Gewässer (z. B. <a> fol. 44: [35] 2. Taf. nach S. 165; <d> fol. 51v; <q> fol. 33: Abb. 4). Lycosthenes bildet eine behaarte Frau ab [62, Abb. S. 14]. Auf der Hereford-Karte ist ein halbmenschliches Wesen mit Thyrsusstab und Schwimmvogelfüßen dargestellt, dessen Inschrift möglicherweise als verderbte Form des Namens „Pirolopus“ anzusehen ist.

Wildmenschen

s. *Wildleute.

Zenocrota

s. Leucrocota (Sp. 784).

*Zyklopen

Zu den Abbildungen

1. Montecassino, Bibl., cod. 132, Ill. zu Hrabanus Maurus, De nat. rer. VII, 7: de portentis. Montecassino, dat. 1023. Fot. Bibl.

2. London, Brit. Mus., Ms. Harley 2799 (Solinus), fol. 243, Fabelwesen. Mittelrhein, 2. H. 12. Jh. Nach Swarzenski, Roman. Art, Abb. 431.

3. Ehem. Hannover, Hist. Ver. für Niedersachsen, Ebstorfer Weltkarte, Ausschnitt: Teil von Äthiopien. Niedersachsen, um 1235. Nach [74], beigefügte Faksimile-Ausg. der Karte.

4. Prag, Univ. Bibl., cod. XIV. A. 15 (Thomas von Cantimpré, De nat. rer.), fol. 33, Ill. zu „Liber de monstruosis hominibus“. Böhmen (?), um 1350. Fot. Bibl.

5. Mich. Wohlgemuth, Holzschnitt-Ill. (36,4 × 23 cm) zu Hartmann Schedel, Buch der Chroniken, Nürnberg 1493, Bl. 12. Nach [56].

6. Leipzig, Stadtbibl., ms. CCCCXVII Rep. II. 4° 143 (Alexanderroman), fol. 103v, Krieger Alexanders d. Gr. im Kampf mit Fabelwesen. Italien, 13. Jh. Fot. Bibl.

7. Paris, Bibl.Nat., ms. fr. 2810 (Livre des Merveilles), fol. 194v, Acephalen. Frankreich, Richtung des Bedford-Meisters, kurz vor 1413. Nach H. Omont a.a.O. (Sp. 816), Bd. 2 Taf. 163.

8. Fabelwesen, Holzschnitt-Ill. (18,7 × 12,3 cm) zu Konrad von Megenberg, Buch der Natur, Augsburg (Anton Sorg) 1482. Nach [89], Bd. 4 Abb. 841.

9. Rom, Bibl. Apost. Vat., Cod. Reg. Lat. 1320 (Brunetto Latini, Li livres dou trésor), fol. 52, Amphisbaena. Frankreich, 1. H. 14. Jh. Fot. Bibl.

10. London, Brit. Mus., Royal Ms. 2 B. VII (Psalter der Königin Mary), fol. 138v, zwei Amphisbaenen. England, A. 14. Jh. Nach Faks.-Ed. von George Warner, London 1912, Taf. 179.

11. Fabelwesen, Kupferstich-Ill. (17,4 × 13,2 cm) zu [70]. Nach dem Original (Kupfer vor S. 399).

12. Lausanne, Kath., Astome („Gangarida“). Glasgem. (54 × 30 cm) aus der Rose im s. Qsch. M. 13. Jh. Fot. Studio de Phot. „Abrège“, Pully bei Lausanne.

13. Oxford, Christ Church College, Ms. E. II (Walther de Milemete, De nobilitatibus sapientiis et prudentiis regum), fol. 64v, Artabatiten. O-England, 1326–27. Nach [87], Abb. 694.

14 a und b. Lausanne, Kath., vieräugiger Äthiopier und Cynocephale. Glasgem. (54 × 30 cm) aus der Rose im s. Qsch. M. 13. Jh. Fot. Studio de Phot. „Abrège“, Pully bei Lausanne.

15. Vieräugiger Äthiopier, Holzschnitt-Ill. (5,1 × 5,7 cm) zu [56]. Nach Faks.-Ausg. (s. [56], Bl. 12v).

16. Catoblepas, Holzschnitt-Ill. zu Edward Topsell, The History of Fourfooted Beasts, London 1658. Nach [27], Abb. S. 265.

17. Lausanne, Kath., Cephus. Glasgem. (54,5 × 30,5 cm) aus der Rose im s. Qsch. M. 13. Jh. Fot. Studio de Phot. „Abrège“, Pully bei Lausanne.

18. Granada, Univ.Bibl., Ms. von Albertus Magnus, Hist. nat., fol. 12, Crocotas. Wien (?), M. 15. Jh. Fot. Khist. Inst. der Univ. Wien, Nr. 3132.

19. London, Brit. Mus., Ms. Cotton Tiberius B. V (Marvels of the East), fol. 80, Cynocephale. England, um 1000. Nach [13].

20. Kastelaz bei Tramin (S-Tirol), St. Jakob, Cynocephale, Sirene und Skiapode. Wandgem. in der Apsis, 1. V. 13. Jh. Fot. Edmund Theil, Farchant.

21. Paris, Bibl. Nat., ms. fr. 2810 (Livre des Merveilles), fol. 76v, Cynocephalen. Frankreich, Richtung des Bedford-Meisters, kurz vor 1413. Nach H. Omont a.a.O. (Sp. 816), Bd. 1 Taf. 70.

22. Cynocephalen, Holzschnitt-Ill. (10,5 × 14,3 cm) zu Lorenz Fries, Underweisung und uszlegunge Der Cartha Marina ..., Straßburg (Johs. Grüninger) 1530, Titelblatt. Fot. Staatsbibl. Mchn.

23. Cynocephalen, Holzschnitt-Ill. (7,6 × 7,8 cm) zu Joh. Mandeville, Reise nach Jerusalem, Augsburg (Ant. Sorg) 1481, Bl. 64v. Nach [89], Bd. 4 Abb. 665.

24. Dublin, Chester Beatty Libr., Ms. 80 (Thomas von Cantimpré, Lib. de nat. rer.), fol. 32v, Dracontopode. S-Frankreich, A. 15. Jh. Nach [91], Taf. 195 (Ausschnitt).

25. Oxford, Bodl. Libr., Ms. Ashmole 1511 (Bestiar), fol. 23v, Eale. England, um 1200. Nach W. George a.a.O. (Sp. 776), Taf. 92 d.

26. London, Brit. Mus., Royal Ms. 12 C. XIX (Bestiar), fol. 30, Eale. Flandern, E. 12. Jh. Nach G. C. Druce a.a.O. (Sp. 775f.), Taf. 4 Abb. 2.

27. Oxford, Bodl. Libr., Ms. 614 (Marvels of the East), fol. 44v, bärtige Frau. England, A. 12. Jh. Nach [13].

28. Cambridge, Univ.Bibl., Ms. II. 4.26 (Bestiar), fol. 37v, hercynischer Vogel. England, E. 14. Jh. Nach [28].

29. Souvigny (Allier), Musée lapidaire, Hippopode, Detail vom Bestienpfeiler. M. 12. Jh. Nach [84], Abb. 263.

30. Oxford, Bodl. Libr., Ms. 614 (Marvels of the East), fol. 44, Fabelwesen. England, A. 12. Jh. Nach [13].

31. München, Bayer. Staatsbibl., cod. gall. 16 („Isabellenpsalter“), fol. 45, Randzeichnung: Leucrocota. England, zw. 1303 und 1308. Fot. Bibl.

32 a–c. London, Brit. Mus., Ms. Cotton Tiberius B. V (Marvels of the East), fol. 81 (= a), 85 (= b) und 81v (= c), Fabelwesen. England, um 1000. Nach [13].

33 a und b. Fabelwesen, Holzschnitt-Ill. zu [65], S. 7 (a; 18,4 × 9,6 cm) und 9 (b; 18 × 8,7 cm). Nach dem Original.

34. Oxford, Bodl. Libr., Ms. 614 (Marvels of the East), fol. 50v, Mensch mit langer Unterlippe. England, A. 12. Jh. Nach [13].

35. Vézelay, La Madeleine, Panotier, Ausschnitt vom Türsturz des Hauptportals (Gesamtabb.: Art Bull. 26, 1944, Abb. 2 vor S. 143). Burgund, zw. 1120 und 1132. Fot. Marburg, Nr. 33 068 (Ausschnitt).

36. Pegasus, Holzschnitt-Ill. (5,5 × 7,6 cm) zu [38]. Nach dem Original (Bl. G IVv).

37. Granada, Univ.Bibl., Ms. von Albertus Magnus, Hist. nat., fol. 49, Porphyrion. Wien (?), M. 15. Jh. Fot. Khist. Inst. der Univ. Wien, Nr. 3109.

38. Hzg. Ernst kämpft gegen Schnabelkrägen, Holzschnitt-Ill. (8,1 × 10,7 cm) zu „Ain hüpsche liepliche historie ains edeln fürsten herczog Ernst von bairnn und von oͤsterich“, Augsburg (Anton Sorg) 1476, Bl. 23v. Nach [89], Bd. 4 Abb. 255.

39. Burgo de Osma, Bibl. der Kath., cod. 1 (Beatus-Hs.), fol. 34v–35, Weltkarte. Spanien, dat. 1086. Fot. Mas, Barcelona.

40. Basel, Münster, Kapitell am Äußeren des Chores mit Darstellung eines Skiapoden. Um 1200. Fot. Öffentliche Basler Dpfl., Stadt- und Münstermus.

41. Paris, Ste-Geneviève, ms. 10 (Bibel), fol. 127v, Ausschnitt aus einer Kanontafel (Gesamtabb.: Bull. Soc. Fr. Mss. 5, 1921, Taf. 8). England (?), 2. H. 12. Jh. Nach ebd.

42. Belvoir Castle (Leicestersh.), Duke of Rutland Coll., Psalter, fol. 87v, Skiapode und Acephale (?). England, M. 13. Jh. Nach [87], Abb. 502.

43. Dennington (Suffolk), Kirche, Skiapode. Holzrelief an einem Chorgestühl. 15. Jh. Nach [77], Taf. 3, 2.

44. London, Brit. Mus., Ms. Cotton Tiberius B. V (Marvels of the East), fol. 79, Fabelwesen. England, um 1000. Nach [13].

45. Tragopa, Holzschnitt-Ill. (5,7 × 6,9 cm) zu [38]. Nach dem Original (Bl. Q IV).

46. Wien, Österr. Nat.Bibl., cod. 507 (Reuner Musterbuch), fol. 8, Fabelwesen. Stmk., A. 13. Jh. Fot. Bibl.

Literatur

Quellen:

1. John Watson McCrindle, Ancient India as Described by Ktesias the Knidian, The Indian Antiquary 10, 1881, 296–323. – 2. Ders., The Fragments of the Indica of Megasthenes, The Indian Antiquary 4, 1877, 113–135 und 236–250. – 3. Wilh. Reese, Die griech. Nachrichten über Indien, Lpz. 1914. – 4. Adolf Ausfeld, Der griech. Alexanderroman, Lpz. 1907.

5. Strabos Erdbeschreibung, hrsg. v. Albert Forbiger (= Langenscheidtsche Bibl. sämtlicher griech. und röm. Klassiker, Bd. 52–55), Bln. und Stg. 1855, 4 Bde.– 6. Gaius Plinius Secundus, Naturalis historia: ed. Carolus Mayhoff, 6 Bde., Lpz. 1892–1909. – 7. Solinus, Collectanea rerum memorabilium: ed. Theodor Mommsen, Bln. 1895. – 8. Augustinus, De civitate Dei XVI, 8: Corp. Chr. Ser. hat. Bd. 48, S. 508 bis 511. – 9. Martianus Capella, De nuptiis Philologiae et Mercurii: ed. Adolf Dick, Lpz. 1925.

10. Epistula Premonis Regis ad Trajanum Imperatorem (4.–5. Jh.?): ed. Henri Omont, Lettre à l’empereur Adrien sur les merveilles de l’Asie (= Bibl. de l’École des Chartes, 74), 1913, S. 507–14. – 11. desgl.: Edmond Faral, Une source latine de l’hist. d’Alexandre. La lettre sur les merveilles d’Inde, Romania 43, 1914, 199–215 und 353–70. – 12. Marvels of the East: ed. Thom. Oswald Cockayne, Narratiunculae anglicae conscriptae, London 1861. – 13. desgl.: Montague Rhodes James, Marvels of the East. A Full Reproduction of the Three Known Copies (= Roxburghe Club), Oxford 1929. – 14. De monstris et belluis liber (spätestens 10. Jh.): ed. Jules Berger de Xivrey, Traditions tératologiques, ..., Paris 1836. – 15. desgl.: ed. Moritz Haupt, Opuscula, Bd. 2, Lpz. 1876, S. 218–52. – 16. desgl.: ed. in: Ulysse Robert, Les Fables de Phèdre, éd. paléogr. publiée d’ après le ms. Rosanbo, Paris 1893, S. 149–81. – 17. Friedr. Pfister, Kleine Texte zum Alexanderroman (= Slg. vulgärlat. Texte, 4), Hdbg. 1910.

18. Isidor, Etym. – 19. Ratramnus, Epistola de Cynocephalis ad Rimbertum presbyterum: Migne, P. L. Bd. 121, Sp. 1153–56. – 20. Hrabanus Maurus, De rerum naturis: Migne, P. L. Bd. 111, Sp. 9–614. – 21. Adam von Bremen, Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum: Mon. Germ. Script. in usum scholarum, Bd. 2, Hannover 1846. – 22. Fulcher von Chartres, Historia Hierosolomytana: ed. Heinr. Hagenmeyer, Hdbg. 1913. – 23. Lambert von St-Omer, Liber floridus: Migne, P. L. Bd. 163, Sp. 1003–32. – 24. Honorius Augustodunensis, Imago mundi: Migne, P. L. Bd. 172, Sp. 115–86. – 25. Hugo von Folieto, De bestiis et aliis rebus I–III: Migne, P. L. Bd. 177, Sp. 9–164 (irrig unter dem Namen des Hugo von St-Victor). – 26. Friedr. Zarncke, Der Priester Johannes, Abhn. der phil.-hist. Kl. der kgl. sächs. Ges. der Wiss.7, 1879, 827–1030 und ebd. 8,1883, 1–184. – 27. Terence Hanbury White, The Book of Beasts, being a Translation from a Latin Bestiary of the 12th C, London 1954. – 28. Montague Rhodes James, The Bestiary, being a Reproduction in Full of the Ms. II. 4. 26. in the Univ. Libr. Cambridge with Supplementary Plates from other Mss. of English Origin (= Roxburghe Club), London 1928. – 29. Alexander Neckam, De naturis rerum: ed. Thomas Wright (= Script. rer. Brit., 34), London 1863. – 30. Jakob von Vitry, Orientalis sive Hierosolomytana Historia: Ausg. Douai 1597. – 31. Wilh. Wattenbach, Die Apologie des Guido von Bazoches, Sitz.ber. der kgl. preuß. Akad. der Wiss., phil.-hist. Kl., Bln. 1893, 417–20. – 32. Bartholomäus Anglicus, De rerum proprietatibus: Ausg. Ffm. 1601 (Neudr. Ffm. 1964). – 33. Rudolf von Ems, Weltchronik: ed. Gustav Ehrismann (= Dt. Texte des MA, 20), Bln. 1915. – 34. Thomas von Cantimpré, Liber de natura rerum: zit. nach der relativ vollst. Fassung München, Bayer. Staatsbibl., cod. lat. 27 006. – 35. Alf. Hilka, Liber de monstruosis hominibus, in: „Fs. zur Jh.feier der Univ. Breslau, hrsg. vom Schles. Philologenverein“, Breslau 1911, S. 153–65. – 36. Ders., Eine altfranz. moralisierende Bearb. des Liber de monstruosis hominibus orientis aus Thomas von Cantimpré, De naturis rerum, nach der einzigen Hs. (Paris, Bibl.Nat., ms. fr. 15 106), Abhn. der Ges. der Wiss. zu Göttingen, phil.-hist. Kl. 3, 7, 1933, 153–73. – 37. Annemarie Brückner, Quellenstudien zu Konrad von Megenberg. Thomas Cantipratanus „De animalibus quadrupedibus“ als Vorlage im „Buch der Natur“, Phil. Diss. Ffm. 1961. – 38. Walther Ryff, Thierbuch Alberti Magni, Ffm. 1545. – 39. Vinzenz von Beauvais, Speculum historiale: Ausg. Douai 1624 (Neudr. Graz 1964). – 40. Ders., Speculum naturale: Ausg. wie [39]. – 41. Brunetto Latini, Li livres dou trésor: ed. Francis J. Carmody, Berkeley und Los Angeles 1948. – 42. O. H. Prior, L’Image du Monde de maître Gossouin, Lausanne 1913. – 43. Jac. van Maerlant, Der Naturen Bloeme: ed. J. H. Bormans, Brüssel 1857. – 44. Marco Polo: ed. Henry Yule, The Book of Ser M. P., Ausg. New York 1929, 2 Bde. – 45. ders.: Henri Cordier, Ser M. P., Notes and Addenda to Sir Henry Yule’s Edition, London 1920. – 46. Henry Yule, The Wonders of the East by Friar Jordanus, London 1863 (= The Haykluit Soc., I. Ser. 31, Neudr. New York o. J.). – 47. John Mandeville, The Buke of J. M.: ed. George Fred. Warner (= Roxburghe Club), Westminster 1889. – 48. Konrad von Megenberg, Buch der Natur: ed. Frz. Pfeiffer, Stg. 1861. – 49. P. Anastasius Van den Wyngaert O. F. M., Sinica Franciscana, Florenz 1929. – 50. Pierre d’Ailly, Imago mundi: ed. E. Buron, Paris 1930. – 51. Caxton, Mirrour of the World: ed. O. H. Prior (= Early Engl. Text Soc, Extra Ser. 110), London 1913.

52. Herzog Ernst: ed. Gotthard Oswald Marbach (= Volksbücher, 34). Lpz. o. J. – 53. Gesta Romanorum, cap. 175 (zuerst in der Ausg. Köln o. J. [um 1475]): ed. Herm. Oesterley, Bln. 1872, S. 574–76. – 54. desgl.: übers. von Charles Swan und (erg. von) Wynnard Hooper, London 1877, S. 337–40 und 425. – 55. desgl.: übers. von Joh. Gg. Theod. Gräße, Dresden 1905, S. 119–222 und 277 (Quellen). – 56. Hartmann Schedel, Buch der Chroniken, Nürnberg 1493 (Faks.-Ausg. Lpz. 1933). – 57. Leo Olschki, I „Cantàri dell’India“ di Gulielmo Dati, Bibliofilia 40,1938, 296–316.– 58. Seb. Franck, Chronica. Zeytbuch und geschychtbibel..., Straßburg 1531. – 59. Seb. Münster, Cosmographia, Zum dritten mal trefflich sere gemeret und gebessert, Basel 1550 (benutzt: Basel 1545). – 60. Edward Wotton, De differentiis animalium libri X, Paris 1552 (erste Ausg.). – 61. Conrad Gesner, Historia animalium, Zürich 1551–87; zitiert wurden Bd. 1 nach der Ausg. Ffm. 1603 und Bd. 3 nach der Ausg. Zürich 1555. – 62. Conrad Wolfhardt, gen. Lycosthenes, Prodigiorum ac ostentorum chronicon, Basel 1557. – 63. Ulysses Aldrovandi, Ornithologiae hoc est de avibus historiae libri XII, Bologna 1599–1602.– 64. Ders., Serpentium et draconum historiae libri II, Bologna 1640. – 65. Ders., Monstrorum historia, Bologna 1642. – 66. Heinr. Kornmann, Liber de miraculis vivorum seu de variis hominum vivorum singularitatibus, proprietatibus etc., Kirchheim (Württ.) 1614. – 67. Joh. Eusebius Nierembergius, Historia naturae, Antw. 1635. – 68. Edward Topsell, The History of Fourfooted Beasts, London 1658. – 69. Joh. Praetorius, Anthropodemus plutonicus, das ist eine neue Weltbeschreibung, Magdeburg 1666. – 70. Gasp. Schott S.J., Physica Curiosa, Würzburg 1667. – 71. Picinelli (lat.). – 71 a. Chrn. Richter, Über die fabelhaften Thiere, Gotha 1797.

Untersuchungen: 72. Cesare Taruffi, Storia della Teratologia, Bd. 1, Bologna 1881. – 73. Max Goldstaub und Richard Wendriner, Ein tosco-venezianischer Bestiarius, Halle a. d. S. 1892. – 74. Konrad Miller, Mappaemundi. Die ältesten Weltkarten, Stg. 1895–98, 6 Hefte. – 75. Evans, Animal Symb. – 76. Francis Bond, Wood Carvings in English Churches, Bd. 1, Misericords, London ... 1910. – 77. George C. Druce, Some Abnormal and Composite Human Forms in English Church Architecture, Arch. Journ. 72, 1915, 135–86. – 78. Mary Désirée Anderson, Animal Carvings in British Churches, Cambridge 1938, 19563. – 79. Rud. Wittkower, Marvels of the East, Warburg Journ. 5, 1942, 159–97. – 80. Wera von Blankenburg, Heilige und dämonische Tiere, Lpz. o. J. [1943]. – 81. Ellen J. Beer, Die Rose der Kathedrale von Lausanne und der kosmologische Bilderkreis des MA (= Berner Schriften zur Kunst, 6), Bern 1952. – 82. Corp. Vitr. Schweiz I. – 83. Jurgis Baltrušaitis, Réveils et Prodiges. Le gothique fantastique, Paris o. J. [1960]. – 84. Victor Henri Debidour, Le Bestiaire sculpté du Moyen Age en France, Grenoble und Paris 1961. – 85. Florence McCulloch, Medieval Latin and French Bestiaries (= Studies in the Romance Languages and Literatures 33), Chapel Hill o. J. [1962]. – 86. Leo Bagrow und Raleigh Ashlin Skelton, Meister der Kartographie, Bln. o. J. [1963]. – 87. Randall. – 87 a. Bengt Holbek und Iørn Piø, Fabeldyr og Sagnfolk, Kopenhagen 1967. – 87 b. Colin Clair, Unnatürliche Geschichten, Zürich und Freiburg i. Br. 1969.

Mehrfach wurde zitiert: 88. Christ. Ferckel, Die Gynäkologie des Thomas von Brabant (= Alte Meister der Medizin und Naturkunde, 5), Mchn. 1912. – 89. Schramm, Frühdrucke. – 90. Amédée Boinet, Les mss. à peintures de la Bibl.Ste-Geneviève de Paris, Bull. Soc. Fr. Mss. 5, 1921. – 91. Eric George Millar, The Libr. of A. Chester Beatty, A Descriptive Cat. of the Western Mss., Oxford 1930.

Mehrfach zitierte Hss.: <a> = Breslau, Stadtbibl., cod. Rehdig. 174 (Thomas von Cantimpré), um 1300: [35]. – <b> = Brügge, Stadtbibl., cod. 411 (Thomas von Cantimpré), Flandern, 15. Jh.: [79]. – <c> = Cambridge, Univ.Bibl., Ms. II. 4. 26 (Bestiar), England, E. 12. Jh.: [28]. – <d> = Krakau, Bibl. Jagell., cod. 794 (Thomas von Cantimpré), Böhmen, um 1440: Zofia Ameisenowa, Rekopisy i pierwodruki iluminowane Biblioteki Jagiellońskiej, Breslau und Krakau 1958, Taf. 146f. – <e> = Leipzig, Univ.Bibl., cod. CCCCXVII. Rep. II. 4°. 143 (Alexanderroman), Italien, 13. Jh.: [79]. – <f> = London, Brit. Mus., Ms. Cotton Tiberius B. V („Marvels of the East“, Weltkarte), England, um 1000: [13]; [74] Heft 2. – <g> = London, Brit. Mus., Ms. Cotton Vitellius A. XV („Marvels of the East“), England, 991–1016: [13]. – <h> = London, Brit. Mus., Add. Ms. 28 681 (Psalter mit einer Weltkarte), um 1200: [74, Heft 3]. – <i> = London, Westminster Chapter Libr., Ms. 22 (Bestiar), England, 13. Jh.: [77, 79]. – <j> = Mailand, Bibl. Ambrosiana, cod. C 246 inf. (Solinus), Italien, 13. Jh.: [79]. – <k> = Oxford, Bodl. Libr., Ms. 614 („Marvels of the East“), England, A. 12. Jh.: [13]. – <l> = Paris, Bibl.Nat., ms. fr. 2810 („Livre des Merveilles“), Frankreich, Richtung des Bedford-Meisters, kurz vor 1413: Henri Omont (Einleitung), Livre des Merveilles. Reprod. des 265 Min. du ms. fr. 2810 de la Bibl. Nat. [= Bibl. Nat. Dép. des mss., 15f.], 2 Bde., Paris o. J. (1907). – <m> = Paris, Bibl. Nat., ms. fr. 15 106 (Thomas von Cantimpré), Frankreich 1290–1315: [36; 83]. – <n> = Paris, Bibl. Nat., ms. fr. 24 364 („Roman de toute Chevalerie“), Frankreich, 14. Jh.: [82]. – <o> = Paris, Bibl. Ste-Geneviève, ms. 2200 (Gossouin), Frankreich, 13. Jh.: [81; 82; 83; 90]. – <p> = Prag, Metr. Kap., cod. L 11 (Thomas von Cantimpré), Böhmen, 1404: Inv. Böhmen 24, 2, Abb. 236f. – <q> = Prag, Univ.Bibl., cod. XIV. A. 15 (Thomas von Cantimpré), Böhmen (?), um 1350: [88]. – <r> = Rom, Bibl. Vat., cod. Pal. lat. 291 (Hrabanus Maurus), Deutschland, 1425: [79] .

Verweise