Evangelisten

Aus RDK Labor
Wechseln zu: Navigation, Suche

englisch: Evangelists; französisch: Évangelistes; italienisch: Evangelisti.


Peter Bloch (I–III), unter Mitwirkung von Ursula Nilgen (III. C), und Else Förster (IV) (1970)

RDK VI, 448–517


RDK II, 1433, Abb. 6. u. 7. Evangeliar aus Kells, A. 8. Jh.
RDK II, 1439, Abb. 10. Schatzkammerevangeliar, A. 9. Jh.
RDK II, 1449, Abb. 17. Egbert-Codex, um 980.
RDK III, 693, Abb. 1. Darmstadt, um 1000.
RDK IV, 1505, Abb. 2. Lüttich, um 116o.
RDK V, 1109, Abb. 3. Bamberg, M. 11. Jh.
RDK VI, 449, Abb. 1. Paris, 5. Jh. (?).
RDK VI, 449, Abb. 2. Ravenna, 546-56 (?).
RDK VI, 451, Abb. 3. Ravenna, vor 547.
RDK VI, 451, Abb. 4. Rossano, Ende 6. Jh.
RDK VI, 453, Abb. 5. Cambridge, Ende 6. Jh.
RDK VI, 453, Abb. 6. Rom, 7. Jh.
RDK VI, 455, Abb. 7. London, zw. 687 und 698 (?).
RDK VI, 455, Abb. 8. Trier, um 730.
RDK VI, 457, Abb. 9. Stockholm, um 750.
RDK VI, 457, Abb. 10. Autun, 754.
RDK VI, 459, Abb. 11. Kremsmünster, um 800.
RDK VI, 459, Abb. 12. Gent, um 800.
RDK VI, 461, Abb. 13. Paris, A. 9. Jh. (vor 827).
RDK VI, 463, Abb. 14. Paris, A. 9. Jh.
RDK VI, 465, Abb. 15. Brüssel, A. 9. Jh.
RDK VI, 465, Abb. 16. Rom, um 870.
RDK VI, 469, Abb. 17. München, Ende 10. Jh.
RDK VI, 469, Abb. 18. Paris, um 1004-05.
RDK VI, 469, Abb. 19. Hildesheim, vor 1015.
RDK VI, 471, Abb. 20. Aachen, um 1020 (?).
RDK VI, 471, Abb. 21. Uppsala, M. 11. Jh.
RDK VI, 473, Abb. 22. Prag, um 1085.
RDK VI, 473, Abb. 23. Hannover, Ende 11. Jh.
RDK VI, 475, Abb. 24. Münster i. W., A. 12. Jh.
RDK VI, 475, Abb. 25. Köln, M. 12. Jh.
RDK VI, 477, Abb. 26. Freudenstadt i. Schw., M. 12. Jh.
RDK VI, 477, Abb. 27. Ehem. Dresden, 4. V. 12. Jh.
RDK VI, 479, Abb. 28. Braunschweig, um 1170-80.
RDK VI, 479, Abb. 29 a. Florenz, 4. V. 12. Jh.
RDK VI, 481, Abb. 29 b. Florenz, 4. V. 12. Jh.
RDK VI, 481, Abb. 30. Engelberg, Kt. Unterwalden, A. 13. Jh.
RDK VI, 483, Abb. 31. St-Benoît-sur-Loire (Indre), vor 1218.
RDK VI, 485, Abb. 32. Aschaffenburg, um 1260.
RDK VI, 485, Abb. 33. Kremsmünster, um 1310.
RDK VI, 487, Abb. 34. Meister Theoderich, um 1365, Karlstein.
RDK VI, 489, Abb. 35. Donatello, 1434-37, Florenz.
RDK VI, 491, Abb. 36. Unbekannter Aufbewahrungsort, 2. Dr. 15. Jh.
RDK VI, 493, Abb. 37. Lorenzo da Viterbo, voll. 1469, Viterbo.
RDK VI, 495, Abb. 38. Jan Pollak, um 1491, München-Blutenburg.
RDK VI, 497, Abb. 39. Los Angeles, 1539 (?).
RDK VI, 497, Abb. 40. Hendrick Goltzius nach Antonius van Blockland, 1583.
RDK VI, 499, Abb. 41. Michelangelo da Caravaggio, 1597-98, ehem. Berlin.
RDK VI, 501, Abb. 42. Anton Eisenhoit, um 1600, Herdringen Krs. Arnsberg.
RDK VI, 501, Abb. 43. Jacob Adriaensz. Backer (1608-51), Göteborg
RDK VI, 503, Abb. 44. Mich. Hönel, zw. 1626 und 1636, Gurk.
RDK VI, 503, Abb. 45. Ludwig Münstermann, 1637-38, Schwei i. O.
RDK VI, 503, Abb. 46. Balthasar Ableitner, um 1672, ehem. München.
RDK VI, 505, Abb. 47. Joh. Gg. Mutschele (zugeschr.), 1715, Bamberg.
RDK VI, 507, Abb. 48. München, um 1720.
RDK VI, 509, Abb. 49. Joh. Mich. Rottmayr, zw. 1716 und 1712, Melk, N.Ö.
RDK VI, 509, Abb. 50. Joh. Hiebel (Entw.) und Mich. Renz (Ausf.), 1733.
RDK VI, 511, Abb. 51. Gregor Theny, 1735, Saar (Zd'ar).
RDK VI, 513, Abb. 52. Jacob de Wit, um 1741, Den Haag.
RDK VI, 515, Abb. 53. Joh. Jak. Zeiller, um 1763-64, Ottobeuren.
RDK VI, 515, Abb. 54. Seehausen Krs. Weilheim, Obb., 4. V. 18. Jh.
RDK VI, 523, Abb. 3 a. Mailand, 2. H. 5. Jh.
RDK VI, 523, Abb. 3 b. Mailand, 2. H. 5. Jh.
RDK VI, 525, Abb. 3 c. Mailand, 2. H. 5. Jh.
RDK VI, 525, Abb. 3 d. Mailand, 2. H. 5. Jh.
RDK VI, 535, Abb. 10. Berlin (Ost), gegen 975.
RDK VI, 541, Abb. 15. München, zw. 1017 und 1056 (?).

I. Wort, Begriff

Ursprünglich bedeutete E., lat. evangelista, von griech. εὐαγγελίστής „Bote der eine gute Nachricht bringt“ (so Jesaia 41, 27 [Vulg.]); auf ntl. Sprachgebrauch beruht die Bezeichnung von „Verkündern der Frohbotschaft“, des Evangeliums (vgl. dazu [6], Sp. 1113–16), als E. (Apg. 21, 8; Eph. 4, 11; 2. Tim. 4, 5). Am geläufigsten aber – und hier allein maßgebend – ist ein anderer Wortgebrauch, der bei den frühchristlichen Schriftstellern vorbereitet ist (Geoffrey William Hugo Lampe, A Patristic Greek Lex., Oxford 1961–68, S. 559; Thes, linguae lat. Bd. 5, 2, Sp. 998) und unter E. die Autoren der vier kanonischen Evangelien versteht.

Die Verfasser dieser Evangelien sind Matthäus, Markus, Lukas und Johannes; ihre Evangelien wurden im 2. Jh. kanonisch, nicht zuletzt deshalb, weil die Autoren als Apostel oder Apostelschüler galten (s. II; vgl. Irenäus, Contra haereses III, 1, 1: [2] Bd. 7, Sp. 844f.) und daher für besonders authentische Zeugen erachtet wurden.

Die Reihenfolge der kanonischen Evangelien stand nicht von Anfang an fest. In der Vetus Latina lautet sie Mt. – Joh. – Lk. – Mk., d. h. Apostel vor Apostelschülern; erst Hieronymus legte die im Abendland verbindlich gebliebene Abfolge Mt. – Mk. – Lk. – Joh. fest, die offenbar auch schon in älteren griechischen Evangeliaren anzutreffen war; vgl. Praefatio in evangelia ad Damasum [1, Bd. 29, Sp. 527f.] und die Vorrede „Plures fuisse“ zu den Comment. in evangelium Mt. [1, Bd. 26, Sp. 18f.].

II. Biographien der E.

Die Biographien der E. werden hier nur insoweit mitgeteilt (A), als sie Einfluß auf E.-Darstellungen (B) ausübten (für die Schilderungen der E.-Viten auf Grund ihrer Legenden ist auf die – geplanten – Heiligenbände des RDK zu verweisen; vgl. ferner Braun, Tracht und Attr. Sp. 369–76 [Johannes], Sp. 480–84 [Lukas], Sp. 502–04 [Markus] und Sp. 522–26 Matthäus]).

A. Quellen

Matthäus wird in sämtlichen Apostelverzeichnissen unter den zwölf Jüngern genannt (Mt. 10, 3; Mk. 3, 18; Lk. 6, 15; Apostelgesch. 1, 13), sonst aber weder bei Mk., Lk. noch Joh. erwähnt; Mt. 9, 9–13 und 10, 3 ist er als Zöllner bezeichnet und damit wohl nachträglich mit dem Zöllner Levi aus Kapernaum (Mk. 2,14–17; Lk. 5, 27–32) identifiziert [8, Bd. 4, Sp. 809].

Die Angaben über das Leben des Matthäus sind offenkundig Legende: zuerst habe er den Hebräern gepredigt und ein Evangelium in ihrer Sprache hinterlassen (Eusebius, Hist. ecclesiastica III, 24, 6 und 39, 16: [4] Bd. 9, 1, S. 246. 9–13 und 292.5f.); im zwölften Jahr nach Christi Himmelfahrt soll er Palästina verlassen haben (vgl. Klemens von Alexandrien, Stromata VI, 5, 43: [4] Bd. 15, S. 453). Danach wirkte er in Äthiopien (Rufinus, Hist. eccl. X, 9: [4] Bd. 9, 2, S. 971.24; Sokrates, Hist. eccl. I, 19: [2] Bd. 67, Sp. 125), nach anderen auch in Parthien und in Persien (Paulinus von Nola, Carmen 19, 81: [3] Bd. 30, S. 344). Eine Bemerkung Herakleons, die Klemens von Alexandrien überliefert (Stromata IV, 9, 71: a.a.O. S. 280), ist dahingehend interpretiert worden, daß Matthäus kein Martyrium erlitten habe (so auch einige Legenden: [7] Bd. 73, Sp. 172); er wird jedoch in der griechischen und in der lateinischen Kirche als Märtyrer verehrt.

Angaben über das Aussehen des Matthäus findet man in Apostelverzeichnissen, z. B. in dem, das in dem irischen „Bibelwerk“ des ausgehenden 8. Jh. steht und sich auf eine römische Tradition – oder eine römische Darstellung – beruft (ed. André Wilmart, Rev. Benedictine 42, 1930, 76; Bernh. Bischoff, Ma. Studien Bd. 2, Stg. 1967, S. 166): „Matheus canatus barbatusque“. In einer anderen, zuerst um 1000 belegten, aber wohl bedeutend älteren Beschreibung heißt es: „Matheus niger crispus barba rufa brevis et coma cana“ (Bischoff a.a.O. S. 167). Gelegentlich scheint man im Hoch-MA solche Verzeichnisse als Anweisung zur Verkleidung bei liturgischen Spielen genutzt zu haben (ebd. S. 165).

Markus gilt nach Apostelgesch. 12, 25 als Begleiter von Paulus und Barnabas; im Brief des Paulus an Philemon, 24, wird ein Markus als Gehilfe erwähnt. 1. Petrus 5, 13 ist er „Sohn“ des Petrus in „Babylon“ (= Rom) genannt, wo er auf Grund der Lehrvorträge des Petrus sein Evangelium geschrieben haben soll (Eusebius, Hist. eccl. II, 15, 2: a.a.O. S. 140).

Markus soll die Kirche in Alexandrien gegründet haben (ebd. II, 16, 1: ebd. S. 140.20–22) und nach kirchlicher Tradition ihr erster Bischof gewesen sein (vgl. A. SS. April III, S. 346); i. J. 62 soll er das Martyrium erlitten haben (Hieronymus, De viris illustribus 8: [1] Bd. 23, Sp. 619; dagegen 2. Timotheus 4, 11, wonach er 66/67 noch am Leben war). – Spätere Legenden berichten von seinem Wirken in Aquileja und Lorch a. d. Enns ([7] Bd. 73, Sp. 12f.; [8] Bd. 43, Sp. 773).

Lukas war Arzt (Kolosser 4, 14) und schloß sich Paulus an (Apostelgesch. 16, 10–17), der ihn – wie Markus – seinen Gehilfen nennt (Philemon 24); mit Paulus weilte er in Jerusalem und Rom (Apostelgesch. 20, 5–21, 18 und 27, 1–28, 16).

Seit dem 2. Jh. gilt Lukas als Verfasser des Evangeliums und der Apostelgeschichte, die beide an einen Theophilus adressiert sind (Muratorisches Fragment 2–8, 34–39: Hennecke-Schneemelcher Bd. 1, S. 19; Irenäus, Contra haer. III, 1, 1: a.a.O. Sp. 845). Nach einem ins Ende des 2. Jh. datierten griechischen Prolog zu Lk. stammt sein Autor aus Antiochia in Syrien (Herm. Frhr. von Soden, Die Schriften des N.T., Bd. 1,1, Göttingen 19112, S. 327; vgl. auch Eusebius, Hist. eccl. III, 4, 6: a.a.O. S. 192.19f.); nach dem Tode des Paulus habe er in Achaia gewirkt, dort hochbetagt seine Werke geschrieben und sei 84jährig in Böotien eines natürlichen Todes gestorben (Nachrichten über ein Martyrium – vgl. [7] Bd. 63, Sp. 1204 – sind jüngeren Datums). Seit dem 6. Jh. besteht die Überlieferung, Lukas sei Maler gewesen und habe Muttergottesbilder gefertigt (s. Lukas malt die Muttergottes).

Johannes, Sohn des Zebedäus (Mk. 1, 19f.), war Fischer vom See Genezareth; er schloß sich Christus früh an und genoß – wie Petrus und Jakobus d. Ä. – eine gewisse Vorzugsstellung unter den zwölf Aposteln (vgl. die Berichte Mk. 5, 37 [Auferweckung der Tochter des Jairus]; 9,2 [Vulg. 9, 1; Verklärung Christi]; 14,33 [Gebet am Ölberg]). Beim Abendmahl ruhte Johannes an der Brust des Herrn (Joh. 13, 23; hierbei soll ihm, wie die späte Legende will, die Inspiration zu seinem Evangelium zuteil geworden sein); er stand mit Maria unter dem Kreuz Christi und wurde von Christus in ein Sohnesverhältnis zu ihr gesetzt (Joh. 19, 25ff.). Nach Christi Tod wirkte er zusammen mit Petrus (Apostelgesch. 3, 1–11 u. ö.).

Die Identität des Jüngers Johannes mit dem gleichnamigen Evangelisten – sie ist problematisch, wenn nicht ausgeschlossen [8, Bd. 33 Sp. 849] – wurde schon früh angenommen. Justinus hielt den Jünger für den Verfasser des Evangeliums und der Apokalypse (Dialogus cum Tryphone Judaeo 81: [2] Bd. 6, Sp. 669; die gegenteilige Ansicht referiert Dionysios von Alexandrien, Fragmenta ex libris II de promissionibus 3: [2] Bd. 10, Sp. 1241/43).

Nach allgemeiner Überlieferung hat Johannes in Ephesos gewirkt, wurde unter Domitian nach Patmos verbannt (wo er die Apokalypse schrieb), verfaßte, wieder nach Ephesos zurückgekehrt, hier das Evangelium und starb hochbetagt. Die Überarbeitung der „Acta Joannis“ ([7] Bd. 13, Sp. 751; ed. Theodor Zahn, Erlangen 1880) stammt angeblich von Prochoros, einem der sieben Diakone der Urgemeinde zu Jerusalem (Apostelgesch. 6, 5) und Sekretär des Johannes. Zu den Johanneslegenden, die gelegentlich Darstellungen des Evangelisten beeinflußten, gehören die Nachrichten über das Ölmartyrium in Rom (Tertullian, De praescriptione haereticorum 36, 3: [4] Bd. 1, S. 216f.) und den vergifteten Becher (vgl. Rich. Adelbert Lipsius, Die apokryphen Apostelgeschichten und Apostellegenden Bd. 1, Braunschweig 1883, S. 246).

Über das Aussehen des Johannes sagen die frühen Apostelverzeichnisse (s. Sp. 450): „Johannes ... crinitus canus barbatusque“ und „Iohannes capillis nigris sine barba“ (Bischoff a.a.O. S. 166 und 167).

Die Vorreden zu den Evangelien (argumentum, prologus, praefatio), die mit Angaben zur Biographie beginnen, vermitteln das überall vorauszusetzende Minimum an Kenntnissen der E.-Biographien:

„Matthaeus sicut in ordine primus ...“; „Marcus evangelista dei electus et Petri in baptismate filius ...“; „Lucas Syrus natione Antiocensis, arte medicus, discipulus apostolorum, postea Paulum secutus ...“; „Hic est Johannes evangelista, unus ex discipulis dei...“.

Diese vier Vorreden gelten als Werk des spanischen Bischofs Priscillian † 385; auf jeden Fall reichen sie in vorhieronymianische Zeit zurück, denn in derjenigen zu Joh. wird erklärt, warum dieses Evangelium an zweiter Stelle stehe (was der Vetus Latina entspricht).

B. Biographische Motive im Evangelistenautorenbild

Wohl mit der Absicht, die Authentizität zu betonen, ist in E.-Bildern des Hoch-MA häufig auf Fakten aus der Biographie der E. hingewiesen.

Ob und in welchem Umfang die Beschreibungen vom Aussehen des Matthäus und des Johannes Einfluß auf die Wiedergabe dieser E. hatten, ist noch nicht untersucht.

In der byzantinischen Malerei sind Matthäus und Johannes zumeist als Greise, Markus und Lukas in jüngerem Alter dargestellt, womit die Generation der Zeitgenossen Christi von jener der Schüler geschieden wird (über das Alter der E. vgl. Johannes Damascenus, Epistula ad Theophilum 3: [2] Bd. 95, Sp. 349). Abendländische Reflexe dieser E.-Ikonographie finden sich z. B. im Gundohinus-Evangeliar in Autun, dat. 754 (Bibl. munic, ms. 3, fol. 186v, 187, 187v, 188: Abb. 10 und [29] Bd. 1, Taf. 81f. und 84).

Mehrfach hat man den E.-Darstellungen Szenen biographischen Inhalts beigefügt oder durch Attribute an die Biographie eines E. erinnert.

In dem nordfranzösischen Evangeliar der Prager Kapitelsbibliothek aus dem Ende des 9. Jh. (cim. 2) folgen den Autorenbildern szenische Darstellungen: im Anschluß an Matthäus die Schilderung von dessen Berufung durch Christus (hic a telone Matheus sorte vocatur; fol. 2v); nach Markus ist gezeigt, wie dieser die Schrift von Petrus erhält (istic Petrus evangelium iubet edere Marcum; fol. 82v); auf das Lukasbild folgt die Übergabe der Schrift von Paulus an Lukas (hic Lucae evangelium Paulus commendat agendum; fol. 125v); nach Johannes ist das Abendmahl mit Johannes an der Brust des Herrn wiedergegeben (hic cum discipulis deus conviva recumbit; fol. 185v; vgl. Inv. Böhmen Bd. 24, Teil 2, 2 S. 4–22). Der Codex scheint bald nach seiner Entstehung nach Corvey gelangt zu sein: hier wurde er kopiert (Einzelblätter in Finlands Nat. Mus. zu Helsinki [Berufung des Matthäus] und in der Stadtbibl. Leipzig [Lukas], Ende 10. Jh.: Ausst. Corvey, Weserraum, Nr. 169f.). In Anlehnung an das Prager Evangeliar zeigt auch das Bernward-Evangeliar in Hildesheim (Domschatz, Nr. 18) auf der Seite vor dem Autorenbild des Matthäus dessen Berufung und das Gastmahl im Hause des Zöllners Levi (fol. 18v), vor dem des Markus u. a. die Berufung der ersten vier Jünger (darunter Petrus, Mk. 1, 16–20; fol. 75) und die Übergabe der Schrift an Markus durch Petrus (fol. 75v: Abb. 19; Tschan Bd. 2 S. 35–54, Bd. 3 Taf. 60f. und 64). – In einer sächs. Handschrift 4. V. 12. Jh., ehem. in Dresden (L.Bibl., Ms. A. 94: Bruck S. 33–42), erscheint Matthäus über den Vertretern der zwölf Stämme Israels (fol. 1: Abb. 27), Markus über zwölf Römern (fol. 48v: ebd. Abb. 32) und so als Apostel der Juden bzw. der Römer gekennzeichnet; Lukas ist von Theophilus in bischöflichem Ornat begleitet (fol. 81) und Johannes über den Personifikationen der „septem ecclesiae“ der Apokalypse (1,4) dargestellt (fol. 122v: ebd. Abb. 34). Die hier bei einigen E. hinzugefügten Hinweise auf die Stätten ihres Wirkens finden sich bei allen E. im sog. E.-Gewölbe der Oberkirche von S. Francesco in Assisi, Ende 13. Jh.; jedem der thronenden E. ist eine inschriftlich bezeichnete Stadtarchitektur beigegeben, Matthäus „Judea“, Markus „Ytalia“, Lukas „Ipnacchaia“ (Achaia) und Johannes „Asia“ (Lodovico Bertolini, Boll. della Soc. Geografica Ital. 48, 1, fasc. 3, 1911, 360–67; Beda Klein-schmidt, Die Basilica S. Francesco in Assisi, Bd. 2, Bln. 1926, S. 52, Abb. 26).

Auch in Byzanz wurde die Authentizität der vier kanonischen Evangelien öfters betont. Aus vier fragmentarischen Evangeliaren des 11. und 12. Jh. (Lawra, Athos, ms. 7 und ms. 104; Kutlumusi, Athos, Ms. 61; New York, Pierpont Morgan Libr., Ms. 748) kann folgender Zyklus rekonstruiert werden: Matthäus mit einem anonymen Schreiber – Markus mit Petrus – Lukas mit Paulus – Johannes gleichfalls mit Petrus (vgl. [13]). Das im 11. Jh. entstandene Evangeliar ms. 56 in Jerusalem, Αγιος Τάϕος zeigt Matthäus allein, Markus mit diktierendem Petrus, Lukas mit diktierendem Paulus und Johannes mit Prochoros (fol. 9v, 68v, 105v, 164v; [11] Taf. 30, Abb. 4–7; zu den genannten und weiteren Hss. s. a. Reallex. z. byz. K., Bd. 2 Sp. 468f.). Auf einem wohl italobyzantinischen Elfenbeinrelief des 11. Jh. im Vict. Alb. Mus. London diktiert Petrus in der ΠΟΛΙΣ ΡΩΜΗ dem Markus sein Evangelium ([33] S. 103 Nr. 243, Taf. 67; das Relief gehört zu einem größeren Zyklus mit Darstellungen aus dem Leben des Markus, vgl. ebd. Nr. 237–242).

Spätantike Darstellungen des Dialogs zwischen Petrus bzw. Paulus und einem Schüler vor einem Christusbild in einem clipeus sind vermutlich als Gespräch zwischen Petrus und Markus bzw. Paulus und Lukas zu deuten (Paris, Louvre, zwei Elfenbeinreliefs des 5. Jh. [?]: Abb. 1; [33] S. 63 Nr. 124, Taf. 36) und schließen an frühchristliche Wiedergaben des Dialogs der Apostelfürsten vor einem Christusmonogramm an (Beispiele bei Fritz Saxl, Wiener Jb. 2 (16), 1923, bes. S. 64–77).

Eine Gruppe von Miniaturen schildert die E., die auf Christus zuschreiten und ihm ihr Buch darbringen. Die Komposition entspricht abendländischen *Dedikationsbildern, wie sie seit karolingischer Zeit in der Buchmalerei bekannt sind. Auch mit diesen Darstellungen soll wohl auf die Authentizität hingewiesen werden: das Werk der E. enthält die reine Wahrheit, die vor den Augen Christi besteht.

Alle vier Autorenbilder im ms. 2 der Bibl. capitolare in Perugia, 8./9. Jh., zeigen links den thronenden Christus, von rechts her auf ihn zuschreitend und ihm das (geöffnete) Buch zutragend den E. mit seinem Symbol (fol. 7v, 49v, 72v, 104; Antonino Caleca, Critica d’Arte N. Ser. 14, fasc. 88, 1967, 17–35, Abb. S. 30–33). Im etwa gleichzeitigen Livinus-Evangeliar in Gent (Kirchenschatz von St. Bavo), das nur noch das Matthäus- und das Johannesbild (Abb. 12) enthält, wechseln die Seiten der Komposition (Wilh. Köhler in: Paul Clemen [Hrsg.], Belgische Kdm., Bd. 1, Mchn. 1923, S. 17–19, Taf. 3; ebd. S. 19: koptische und syrische Parallelen aus dem 12. und 13. Jh.); auch in den spanischen Handschriften der Beatus-Apokalypse gibt es Analogien (vgl. Wilh. Neuß, Die Apok. des hl. Johannes in der altspan. und altchr. Bibel-Ill., Münster i. W. 1931, Bd. 1 S. 116ff., Bd. 2 Abb. 6, 8, 10–12), und in Byzanz entstanden ebenfalls entsprechende Darstellungen, z. B. Rom, Bibl. Vat., cod. graec. 756, fol. 11v–12: die vier E. tragen von links dem frontal wiedergegebenen stehenden Christus ihre Bücher zu [12, S. 133, Taf. 7, 84f.]. Daß in den abendländischen Beispielen die E. als Empfänger des Buches anzusehen seien (wie anläßlich des Johannesbildes im Book of Kells geäußert wurde: Otto-Karl Werckmeister, Irisch-northumbrische Buchmal. des 8. Jh. und monastische Spiritualität, Bln. 1967, S. 131f.), erscheint angesichts des

Bildtyps unwahrscheinlich – freilich sind besondere Konzeptionen für das Johannes-Bild nicht auszuschließen, wie ein Evangeliar der Bibl. munic. in Perpignan, ms. 3 (alt 41), zeigt: fol. 111v ist der E. geschildert, der offenbar aus den Händen der Majestas Domini das Buch empfängt (Ende 11. Jh.; Art Bull. 6, 1923, 55, Abb. 32).

Daneben gibt es eine ganze Reihe für die Darstellung einzelner E. bezeichnender Motive.

Markus wurde zumal im 11. Jh. mehrfach als Bischof (von Alexandrien) dargestellt; die Beispiele stammen aus Trier, Echternach und Köln. Zeitlich steht das um 1004–05 in Trier entstandene Evangeliar der Ste-Chapelle an der Spitze (Paris, Bibl. Nat., ms. lat. 8851, fol. 52v: Abb. 18). Für Beispiele der Echternacher Buchmalerei vgl. Albert Boeckler, Das Goldene Evangelienbuch Heinrichs III., Bln. 1933, Abb. 74 Escorial, cod. vitrinas 17, fol. 61v], 191 Bremen, Stadtbibl., ms. b 21, fol. 5] und 202 Uppsala, Univ. Bibl., Evangeliar aus Goslar, fol. 57v]. Ein Kölner Beleg von etwa 1120 findet sich im Evangeliar aus St. Georg in Köln, fol. 73 ([36] Bd. 1 S. 113–20, bes. S. 118, Taf. 483); ein westfälischer (niedersächsischer?) aus der gleichen Zeit im Evangeliar aus der Überwasserkirche in Münster, fol. 34v, zeigt Markus, dem Petrus diktiert (Abb. 24).

Lukas erscheint schon im 7. Jh. als Arzt: auf einem Fresko in der Comodilla-Katakombe in Rom hat er außer der Schriftrolle eine Tasche mit chirurgischen Instrumenten als Attribut (Abb. 6). Im Gespräch mit Theophilus ist er auf einer Illustration zur Apostelgeschichte in der Bibel von Arras dargestellt (zw. 1020 und 1040; Bibl. munic. ms. 559 III, fol. 141: Münchner Jb. III. F. 7, 1956, 59 Abb. 16). – Schilderungen des E. Lukas als Maler der Muttergottes, die seit dem ausgehenden Hoch-MA beliebt wurden, gehen auf byzantinische Voraussetzungen zurück (s. Lukas malt die Muttergottes; vgl. Dorothee Klein, St. Lukas als Maler der Maria, Bln. 1933, und Clemens M. Herne, Lukas der Muttergottesmaler, Löwen 1948).

Johannes - Darstellungen mit biographischen Motiven sind besonders zahlreich. Daß er der einzige Visionär unter den E. war, hat möglicherweise schon in frühchristlicher Zeit bildlichen Ausdruck gefunden. Ein Bildtypus zeigt den E. seitlich auf einem Stuhl sitzend, im Schreiben innehaltend und den Kopf zurückwendend, um sich von der links oben dargestellten Hand Gottes inspirieren zu lassen. Das älteste erhaltene Beispiel findet sich in Rom, Bibl. Vat., cod. graec. 1156, fol. 1v, 11. Jh. [22, Abb. 7], doch steht ein bedeutend höheres Alter des Bildtyps außer Frage (er ist für byzantinische Darstellungen des 10. Jh. ebenso wie für karolingische des Abendlandes vorauszusetzen: Nachweise bei [22], wo auch die Herkunft von antiken Darstellungen eines sitzenden Dichters, der sich seiner Muse zuwendet, und die Annahme, jener Typus sei schon in frühchristlicher Zeit auf Johannes-Darstellungen übertragen worden, wahrscheinlich gemacht ist). – Bereits im 10. Jh. findet man den sitzenden Prochoros diesem Typus hinzugefügt (Athen, Nat.Bibl., ms. 71, fol. 158: [22] Abb. 1). Häufig aber wurde in der mittelbyzantinischen Buchmalerei das Prochoros-Diktat in anderer Bildform geschildert: der stehende, von der Hand Gottes inspirierte E. diktiert dem sitzenden Prochoros (ältestes Beispiel: Paris, Bibl. Nat., ms. gr. 230, S. 463, Ende 10. Jh.: Kurt Weitzmann, Die byz. Buchmal. des 9. und 10. Jh., Bln. 1935, Abb. 215). Im Gegensatz zu den frühen Beispielen, in denen das Diktat vor Goldgrund geschildert ist, zeigen es die späteren vor einer gebirgigen Landschaft, Patmos [22, S. 132]. – Da der E. mit dem Jünger unter dem Kreuz identifiziert wurde, findet sich mehrfach die Kreuzigung dem Johannes(-Evangelium) zugeordnet, dazu s. Sp. 484f.; als Beispiele aus der Kölner Buchmalerei der ottonischen Zeit seien genannt: Darmstadt, Hess. L.- und Hochschulbibl., cod. 1640 (Hitda-Codex), fol. 207v, um 1000–1020, und Gießen, Univ.Bibl., cod. 660, fol. 188, 1. V. 11. Jh. ([36] Bd. 1 S. 52, Taf. 168; S. 58, Taf. 195).

III. Darstellungen bis zum Ende des Hoch-MA

Die E. können auf dreierlei Weise dargestellt werden: 1) in Menschengestalt; 2) in symbolischer Wiedergabe im Anschluß an Ezechiel 1, 5–27 und Apok. 4, 6–8 (s. Evangelistensymbole); 3) in einer die beiden genannten Arten der Darstellung verschmelzenden Weise, wobei auf menschlichen Körpern die Köpfe der Symbole sitzen (s. Evangelistensymbole). Die symbolischen Darstellungen, die oft als Attribute der in menschlicher Gestalt geschilderten E. vorkommen, sind im folgenden nur in solchen Fällen berücksichtigt, in denen sie nicht nur äußerlich mit den E. verbunden sind.

A. Älteste Beispiele

Es ist ungewiß, seit wann es E.-Bilder gibt. Die lange allgemein angenommene Ansicht, sie seien in konstantinischer Zeit aufgekommen, ist neuerdings durch eine Hypothese von Carl Nordenfalk [26] zweifelhaft geworden; er deutet an, es könne bereits in der 2. H. 2. Jh., im Diatessaron des Syrers Tatian, E.-Darstellungen gegeben haben.

Die ältesten erhaltenen Beispiele stammen aus dem 4. Jh. und sind – mit einer Ausnahme – Reliefs.

Auf den Schmalseiten eines Sarkophages in der Kathedrale von Apt stehen die E. mit Schriftrollen in den Händen, die ihnen beigeschriebenen Namen sind teilweise noch lesbar (Wilpert, Sarcofagi, Bd. 1 Taf. 37, 1 und 2); auf dem Concordius-Sarkophag in Arles (ebd. Taf. 34, 3) sind auf Büchern und Spruchbändern die Namen der E. vermerkt. Die Front eines Sarkophagdeckels aus dem 2. V. 4. Jh. (?) zeigt namentlich bezeichnete E. rudernd in einem Schiff, dessen Steuer Christus führt (Rom, Vat., Mus. Pio Crist., Inv.Nr. 233: Deichmann, Sarkophage, Bd. 1 S. 89 Nr. 134, Taf. 32). – Ein Fresko in der Katakombe der hll. Marcus und Marcellinus in Rom, vor 340, schildert den lehrenden Christus, den die E. umgeben und zu dessen Füßen ein Kasten mit vier Rollen steht (Wilpert, Katakomben, Tafelbd. Taf. 162).

Vom 5. Jh. an sind Elfenbeinskulpturen mit E.-Darstellungen erhalten.

Oberitalienische Elfenbeinreliefs des 5. Jh. auf einem Bucheinband im Mailänder Domschatz zeigen die Büsten der E. umkränzt in den unteren Ecken, in den oberen die entsprechenden E.-Symbole (s. *E.-Symbole, Abb. 3 a und c). Auf der Vorderseite der Elfenbeinkathedra von Ravenna, M. 6. Jh., stehen die E. neben Johannes dem Täufer (Abb. 2). Vgl. ferner die beiden Elfenbeinreliefs mit stehenden E.-Paaren aus Trier, heute im Fitzwilliam Mus. zu Cambridge, 6. Jh. [33, S. 74 Nr. 152, Taf. 50].

Die Darstellung der E. spielt im Bildschmuck des frühchristlichen Kirchenraumes eine geringe Rolle. Erhalten sind anscheinend nur noch ravennatische Beispiele; doch auch für Rom sind solche bezeugt.

Das älteste Beispiel – sofern die Interpretation der allein erhaltenen und in diesem Punkte nicht ganz eindeutigen Schriftquellen zutrifft (Gius. Bovini, Felix Ravenna 68 [= 3a ser. 17], 1955, 57–64) – befand sich in S. Giov. Ev. Ravenna und entstand zwischen 424 und 434; in einer Landschaft sitzend und mit ihren Symbolen verbunden, erscheinen die E. auf Mosaiken im Chor von S. Vitale, vor 547 (Abb. 3; Deichmann, Ravenna, Taf. 332–35; Halbfiguren von Matthäus und Lukas sind auf der Triumphbogenwand von S. Apollinare in Classe, 12. Jh. [?], wiedergegeben: ebd. Taf. 383).

Spätestens seit dem 6. Jh. wurde die Darstellung von E. ein Hauptthema der Buchmalerei. Als Autoren der Evangelien finden sie sich in Evangeliaren (in den ersten Jhh. in der Regel als ganzseitige Bilder zu Beginn des jeweiligen Textes), später auch in Bibeln und Perikopenbüchern (über die vielleicht älteren Illustrationen zu Tatians Diatessaron s. [26]).

Die Wiedergaben folgen Bildtypen der heidnischen Spätantike: teils schließen sie an antike *Autorenbilder an und schildern, wie diese, den geistigen und technischen Schreibvorgang, Inspiration oder Repräsentation (vgl. Kurt Weitzmann, Ancient Book Illum., Cambridge, Mass. 1959, S. 116ff.; Erich Bethe, Buch und Bild im Altertum, Amsterdam 19642, 84ff.).

So folgt im Cod. Rossanensis, fol. 121, der (allein erhaltene) Markus, dem eine Frau mit Nimbus – eine Personifikation der „Sophia“ – diktiert (6. Jh.; Abb. 4), Darstellungen von Dichter und Muse, wie sie etwa das Mosaik mit Aratos und Muse im Rhein. L.Mus. Trier, um 250 n. Chr., überliefert (Bethe, a.a.O. Abb. 53 und 61; [12] Taf. 15); ferner sind die Diktatszenen im ms. 56 des ῞Αγιος Tάϕος, Jerusalem, zu vergleichen. Ob und inwieweit auch die Prochorosszene hiervon abhängig ist, bleibt noch zu erklären. Der thronende Lukas in Cambridge, Corpus Christi College, Ms. 286 (Evangeliar des hl. Augustinus), fol. 129v, das einzige erhaltene E.-Bild der Ende 6. Jh. in Italien entstandenen Handschrift (Abb. 5, ist mit der Darstellung Vergils auf einem Mosaik aus Susa, 3. Jh. (Tunis, Mus. del Bardo), verglichen worden (Francis Wormald, The Min. in the Gospels of St. Augustine, Cambridge 1954, S. 7, Taf. 12 b). Der frontal thronende Matthäus im Rabula-Codex v. J. 586 (Florenz, Bibl. Laurenziana, ms. Plut. I, 56, fol. 9v) entspricht antiken Philosophendarstellungen, vgl. die Statuette eines Sophisten im Brit. Mus. London, 6. Jh. (Inv.Nr. 849; dazu [12 a], S. 7, Taf. 4, 7 und 4, 8); auch der häufig vorkommende Typus des sinnenden E., der seine Rechte an das Kinn legt, stammt von antiken Philosophenbildern ab [12, S. 142, Taf. 16]. Die stehenden E. sind – über Septuaginta-Illustrationen – ebenfalls auf heidnisch-antike Autorenbilder zurückzuführen [12; 12 a].

B. Typen und Gebärden

Ein einheitlicher Archetypus für alle E.-Darstellungen ist nicht nachzuweisen. Früh schon müssen in den großen Zentren der hellenistischen Welt verschiedene E.-Darstellungen entstanden sein, die über Jahrhunderte hinweg (und für unterschiedliche Kunstgattungen) vorbildlich blieben (vgl. dazu [12] und [12 a]).

1. Typen. Es ist nach stehenden (a) und sitzenden E. (b) zu unterscheiden. Die größte Zahl der Handschriften zeigt jeweils zu einer der beiden Typengruppen gehörende E.-Darstellungen (frühe Ausnahmen von dieser Regel sind der Rabula-Codex, s. oben, und das Evangeliar der Königin Mlk’e v. J. 902 in Venedig, S. Lazzaro, cod. 1144: [12 a] Taf. 10).

a) Die stehenden E. erscheinen frontal (vielfach) in klassischer Ponderation, bekleidet mit Chiton, Himation und Sandalen vor neutralem Grund und halten den geschlossenen Codex in der Linken. Nach Friend [12, S. 124–33] wäre der Typus auf Prophetenbilder in alexandrinischen Papyrus-Rotuli der Septuaginta zurückzuführen (die ihrerseits wiederum an heidnisch-antike Autorenbilder in der Art des M. Terentius Varro anschließen, vgl. Hans Gerstinger, Die griech. Buchmal., Wien 1926, Textbd. S. 10); Baumstark [10] trat für die Herleitung des Typs aus Syrien oder Mesopotamien ein (vgl. dazu mit neuen Argumenten [26]).

Im Abendland kommt der Typ zuerst, östlichen Vorlagen folgend, in irischen Evangeliaren vor.

Als Beispiele seien genannt: Dublin, Trinity College, Ms. 59 (Book of Dimma), fol. 2, 30, 54; ebendort Ms. 60 (Book of Mulling), fol. 189, 191, 193, beide 2. H. 8. Jh. ([29] Bd. 3 Taf. 194f.; vgl. auch RDK II 1434, Abb. 7); Fulda, L.Bibl., ms. Bonif. 3, fol. 33v, gegen 800 [29, Bd. 3 Taf. 205 c]. Andere westliche Beispiele im Gundohinus-Evangeliar, s. oben, und im Stiftsarchiv St. Gallen, Fonds Pfäfers, ms. 1 (Lektionar), fol. 4, um 800 (Bruckner, Script. Helv., Bd. 1 S. 86, Taf. 17).

Seit dem 10. Jh. ist in Byzanz der Typus des stehenden, zur Seite gewendeten und in einem geöffneten Buch lesenden E. nachzuweisen (so z. B. in Paris, Bibl. Nat., ms. gr. 70, fol. 4v und 307v: [12] Taf. 1, 1 und 4); für sein höheres Alter spricht die Tatsache, daß er bereits im 8. Jh. im Abendland in abgewandelter Form zu belegen ist (vgl. das Bild des Lukas im Gundohinus-Evangeliar, Abb. 10).

b) der Typus des sitzenden E. ist anscheinend jünger, kommt aber häufiger vor und ist variabler. In Byzanz herrschen Darstellungen des zur Seite gewendeten Autors vor, im Abendland hingegen kommt dem Frontaltyp durchaus gleiche Bedeutung zu.

Die byzantinischen Darstellungen des seitwärts gewendeten E. führt Friend [12; 12 a] auf sechs Grundtypen zurück (vgl. jetzt auch Reallex. z. byz. K., Bd. 2 Sp. 459–66):

1. Seitenansicht des nach rechts gewendeten und zurückgelehnten, mit der Linken zum Buchständer greifenden E.;

2. Seitenansicht des nach rechts gewendeten E., der die Linke sinnend ans Kinn legt und mit der Rechten das Buch auf seinen Knien hält;

3. Seitenansicht des nach rechts gewendeten E., der in das auf den Knien liegende Buch schreibt;

4. Seitenansicht des nach rechts oder links zurückgelehnt in einem hohen Armsessel sitzenden E., der eine Hand auf die Lehne, die andere auf das Knie legt; (diese Abfolge der Typen in Rom, Bibl. Vat., cod. gr. 364, fol. 11, 84, 131, 205, 10. Jh.: [12] Taf. 10).

5. Seitenansicht des nach rechts gewendeten E., der das Buch auf den Knien liegen hat und die Feder eintaucht (vgl. Lukas in Stauronikita, Athos, ms. 43, fol. 12v, 10. Jh.: [12] Taf. 8);

6. E. in Dreivierteldrehung nach links oder rechts gewendet, die Rechte sinnend ans Kinn gelegt (vgl. Matthäus und Johannes in Stauronikita, Athos, ms. 43, fol. 10v, 13; ebd.).

Die erhaltenen Beispiele reichen nicht über das 10. Jh. zurück – ausgenommen das Markusbild im Codex Rossanensis (Abb. 4), auf dem die Typen 3 (Haltung) und 4 (Armsessel) kombiniert sind. Typ 3 ist, kaum vor dem 10. Jh., auf die Wiedergabe des auf einem Erdhügel sitzenden Prochoros übertragen worden (zum Prochoros-Diktat s. Sp. 459f.).

Einzelne dieser byzantinischen Typen fanden im Abendland mehrfach Verwendung; doch ist bisher kein Beispiel bekannt geworden, bei dem alle vier E. einer Folge von den östlichen Typen bestimmt sind.

Frühe Beispiele für die Übernahme von Typ 3 sind etwa das Matthäusbild im Lindisfarne-Evangeliar (London, Brit. Mus., Ms. Cotton Nero D. IV, fol. 25, zwischen 687 und 698 [?]: RDK II 1435, Abb. 8) sowie Matthäus und Lukas in Kopenhagen, Kgl. Bibl., Gl. Kgl. Saml. 10, 2°, fol. 17v und 82v, Schule von Winchester, 975–80 (T. D. Kendrick, T. J. Brown, R. L. S. Bruce-Mitford u. a., Cod. Lindisfarnensis, Olten und Lausanne 1960, Bd. 2 S. 149ff., Taf. 22 d und 23 a). – Typ 5 folgen das Markusbild des Godescalc-Evangelistars (Paris, Bibl. Nat., ms. nouv. acq. lat. 1203, fol. 1v, zwischen 781 und 783: [31] Bd. 2 Taf. 2 a) u. die Matthäusbilder im Evangeliar aus Soissons (ebd. Taf. 81) und in der Trierer Ada-Hs. (RDK II 1441, Abb. 12). – Beispiele für die Übernahme von Typ 6 sind die Matthäusbilder im Codex Millenarius (Abb. 11) und im Cutbercht-Codex (Wien, Österr. Nat.-Bibl., cod. 1224, fol. 17v, Ende 8. Jh.: Willibrord Neumüller und Kurt Holter, Der Cod. Millenarius, Linz Graz und Köln] 1959, Abb. 9).

Der Typ des frontal sitzenden E. scheint italischer oder graeco-italischer Herkunft zu sein: darauf deuten die bedeutendsten frühen Beispiele hin (allerdings kommt dieser Typus auch schon im Rabula-Codex, s. oben, vor).

Als Belege seien genannt: das Lukasbild im Evangeliar des hl. Augustinus (s. oben), ferner zwei E. im Codex Aureus der Kgl. Bibl. in Stockholm, ms. A. 135, fol. 9v und 150v, um M. 8. Jh. in Canterbury entstanden und repräsentativ für die italo-sächsische Richtung insularer Buchmalerei (Abb. 9 und Wormald a.a.O. [Sp. 462], Taf. 15 a). Von den E.-Bildern des in Mainz (?) entstandenen Cod. Gothanus I, 21 – München, Bayer. Staatsbibl., cod. lat. 28 561 –, frühes 9. Jh., sind die des Markus (fol. 53v) und des Lukas (fol. 80v) zu erwähnen [20, Abb. 4 und 7]. Die Verwendung des Typs im westfränkischen Gebiet bezeugt ms. 13 der Kölner Dombibl., 9 Jh. (fol. 1v, 55v, 91v, 152v: Schnitzler, Schatzkammer, Bd. 1 Abb. 53f.).

Im einzelnen sind folgende Typen zu fixieren:

7. der die Feder eintauchende E. (am getreuesten schließt das Lukasbild im Codex Gothanus I, 21 an die graeco-italische Vorlage an);

8. der frontal sitzende E. mit segnend angewinkelter Rechter (vgl. den Johannes im Stockholmer Codex Aureus);

9. der sitzende E. mit lehrend erhobener Rechter (ein bei aller Verwandtschaft mit Typ 8 selbständiger Typus, dessen Eigenständigkeit ein Vergleich mit dem Matthäusbild im Rabula-Codex erweist);

10. der schreibende E. mit dem Buch auf den Knien (Markusbild im Codex Gothanus I, 21, s. Sp. 466);

11. der sein Kinn sinnend auf die Rechte stützende E. (Evangeliar des hl. Augustinus: Abb. 5).

Im Abendland wurden, von den Sp. 464 genannten frühen Beispielen abgesehen, ausschließlich die Typen der sitzenden E. verwendet, seit spätkarolingischer Zeit noch stärker vermischt als zuvor.

Neue Typen kommen hinzu: bei E.-Darstellungen auf Bildern der Majestas Domini findet man in den vier Ecken des hochrechteckigen Bildfeldes sitzende E., die sich jeweils zur Bildmitte hinwenden (Paris, Bibl. Nat., ms. lat. 1 [Viviansbibel], fol. 330v, Tours, um 846: [31] Bd. 1 Taf. 73; Bibel von S. Paolo fuori le mura, fol. 256 (v?), um 870: Abb. 16). Mehrfach begegnet man diesem Typus auch bei E.-Bildern wieder, die in keinem kompositionellen Zusammenhang stehen (vgl. z. B. drei der E. in Paris, Bibl. Nat., ms. lat. 9385 [Dufay-Evangeliar], fol. 18v, 19v und 137v, M. 9. Jh.: [31] Bd. 1 Taf. 110 a und 111 a, b), und gehen nach links gewendete E. auf solche Majestas-Darstellungen zurück (so Köln, Stadtarchiv, ms. 147 [Evangeliar aus St. Pantaleon, Köln], um 875; vgl. Elbern, 1. Jt., Tafelbd. S. 55 und Heinr. Ehl, Die ottonische Kölner Buchmal., Bonn und Lpz. 1922, Abb. 12).

Die freizügige Anwendung der verschiedenen Typen zeigt sich auch in der Behandlung der Physiognomien, die im Abendland viel unverbindlicher als in Byzanz ist. In den Handschriften der Hofschule Karls d. Gr. sind die E. zumeist jugendlich-bartlos (eine Ausnahme macht hier wie auch in anderer Hinsicht die früheste Arbeit, das Godescalc-Evangelistar, in dem alle E. – wie in Byzanz üblich – bärtig wiedergegeben sind: [22] S. 137), im Wiener Krönungsevangeliar ist allein Johannes bärtig (Beispiele bei [31], Bd. 1–3, 1; [27] Taf. 69f.); in den Schulen von Reims und Tours wechseln Bilder bärtiger und bartloser E. ab.

2. Gebärden.

Das Bemühen um expressive Betonung der Gebärden sprengte die Verbindlichkeit der fest umrissenen frühen E.-Typen. Die vom antiken Autorenbild übernommenen Motive wurden in diesem Sinne gesteigert (und lassen so z. T. auf ein neues Verhältnis zum Text der Evangelien schließen). Die wichtigsten der E.-Gebärden sind:

das Sinnen, ausgedrückt durch die an das Kinn gelegte Rechte (ein antikes Motiv, s. oben Sp. 463, das mit dem sitzenden E. in Seiten- oder Dreiviertelwendung [Typ 2 und 6] sowie mit dem in frontaler Haltung sitzend wiedergegebenen E. [Typ 11] verbunden sein kann; Abb. 5, 11, 29 a und b); das Federzücken mit der angewinkelten Rechten (Abb. 16: Johannes), eine Variante des Segensgestus von Typ 8 (schon dem Johannes im Evangeliar in Abbeville, Bibl. munic, ms. 4, fol. 153v, um 800 in der Hofschule Karls d. Gr. entstanden, ist bei gleicher Haltung eine Feder in die Hand gegeben: [20] Abb. 5); das Federprüfen mit der erhobenen Rechten ist vermutlich aus dem Lehrgestus entwickelt, vgl. Typ 9 (der Lukas der Ada-Hs. in Trier, Stadtbibl., ms. 22, fol. 85v, um 800 – [20] Abb. 1 –, schaut noch frontal, der Matthäus im wenig jüngeren Lorscher Codex Aureus, auf S. 26 des ersten Teils der Hs., blickt die Feder an: [20] Abb. 8; Faks.-Ed. Stg. 1967); das Federspitzen (Abb. 20: Matthäus) wird seit spätkarolingischer Zeit dargestellt (vgl. das Elfenbeinrelief des St. Galler Mönchs Tuotilo: [28] Bd. 1 Nr. 163, Taf. 75); das Federtauchen (Abb. 18) kann mit dem zur Seite gewendeten E.-Bild (Typ 5: Abb. 16, Markus und Lukas und Abb. 20, Markus) oder mit dem frontal dargestellten E. (Typ 7: Abb. 14, Matthäus) verbunden sein.

Eine chronologische Abfolge der verschiedenen Vorgänge bietet ein silberner Buchdeckel im Aachener Domschatz (Abb. 20). Im Evangeliar aus St. Pantaleon in Köln, um M. 12. Jh., spitzt Matthäus die Feder, Markus prüft sie, Lukas taucht sie ein (Abb. 25) und Johannes schreibt (Schnitzler, Schatzkammer, Bd. 2 S. 28f. Nr. 22).

C. Die E. mit ihren Symbolen

Die E. mit ihren Symbolen und andere Motive, die auf die Inspiration hinweisen.

Das Evangeliar des hl. Augustinus ist wohl das erste erhaltene Beispiel einer unabsehbaren Reihe früh- und hochma. Autorenbilder, auf denen die E. von ihren Symbolen begleitet sind (Abb. 5). Diese Darstellungen, meist ganzseitige Einzelbilder, stehen gewöhnlich zu Beginn der Evangelientexte (Beispiele aus dem Bereich der Schatzkunst – z. B. Abb. 14 und [28], Bd. 2 Nr. 20 und 44f. – gehörten zu Einbänden von Evangelien-Hss.). Sie sind fast ausschließlich im Westen verbreitet; die byzantinische Kunst hat wegen abweichender theologischer Voraussetzungen nur selten und relativ spät die vier Wesen ins E.-Bild aufgenommen.

Im westlichen Evangelien-Autorenbild ist seit dem 8. Jh. dem E. meist sein Symbol beigefügt. Bedeutende Beispiele aus vorkarolingischer Zeit sind: London, Brit. Mus., Ms. Cotton Nero D. IV (Lindisfarne-Evangeliar), fol. 25v, 93v, 137v, 209v, Northumbrien, zwischen 687 und 698 (?; Abb. 7); das Echternacher Evangeliar im Trierer Domschatz, um 730 (Abb. 8); das Gundohinus-Evangeliar in Autun, s. oben (Abb. 10); der Stockholmer Codex Aureus, s. oben (Abb. 9). Belege aus der karolingischen Buchmalerei bieten Hss. der Hofschule Karls d. Gr. (z. B. Abb. 13; RDK II 1441, Abb. 12; Lorscher Codex Aureus, um 810: Faks.-Ed. Stg. 1967, I fol. 13v und 74v, II fol. Iv und 67v), der Schulen von Tours und Reims, der Hofschule Karls des Kahlen und vieler weiterer Skriptorien ([31] Bd. 1 und 2, S. 94–99; [27]). In ottonischer Zeit nahmen im deutschen Gebiet vor allem die Schulen von Trier (RDK II 1450, Abb. 17) und der Reichenau, Echternach (Abb. 21), Fulda (s. *E.-Symbole, Abb. 10) und Regensburg (s. ebd. Abb. 14) den Bildtypus des E. mit begleitendem E.-Symbol auf ([30] Bd. 2 passim; Herm. Schnitzler, Wallr.-Rich.-Jb. 19, 1957, 39–132; Swarzenski, Regensburg, passim). Als Beispiel sei das Evangeliar der Ste-Chapelle genannt, das im Trierer Kreis des Meisters des Registrum Gregorii entstand (Paris, Bibl. Nat., ms. lat. 8851, fol. 15v, 52v, 75v, 115v; Abb. 18 und Brigitte Nitschke, Die Hss.gruppe um den Meister des Reg. Greg. [= Münstersche Stud. z. Kg., 5], Recklinghausen 1966, Abb. 8ff., 13). Im 11., 12. und 13. Jh. lieferten besonders die süddeutschen Skriptorien eine Fülle solcher Darstellungen (Ernst Friedr. Bange, Eine bayer. Malerschule des 11. und 12. Jh., Mchn. 1923; Swarzenski, Salzburg; [32] Abb. 338–41); demgegenüber verzichtete die Kölner Schule in ihrer graezisierenden Manier weitgehend auf die E.-Symbole (vgl. z. B. Abb. 25).

Gelegentlich wurde das Bild des E. und seines Symbols mit der zugehörigen Zierinitiale verbunden: London, Brit. Mus., Ms. Royal 1 E. VI, fol. 43, Evangeliar aus Canterbury, spätes 8. Jh. [29, Taf. 289]; Paris, Bibl. Nat., ms. lat. 9428 (Drogo-Sakramentar), fol. 29, Metz, zwischen 844 und 855 [31, Bd. 3 Taf. 81 c]; Stuttgart, L.Bibl., Bibl. fol. 60 (Bibel), fol. 33ra, Ende 12. Jh. (Löffler, Schwäb. Buchmal., Taf. 47); Aschaffenburg, Hofbibl., ms. 13, fol. 79): Evangeliar aus Mainz, um 1260 (Abb. 32); ein späteres Beispiel: Abb. 33.

Seit dem 11. Jh. kommen auch im byzantinischen Kunstkreis E.-Bilder mit ihren Symbolen vor. Beispiele sind das russische Ostromir-Evangeliar, 1056–57 (Leningrad, Staatl. Saltykov-Sčedrin-Bibl.: Zs. f. Kg. 8, 1939, 74f. und Heinz Michaelis, „Dictamen Dei“, Forschungen und Fortschritte 32, 1958, 309ff., Abb. 1), das Evangelistar ms. 163 der Nat.-Bibl. Athen, 11.–12. Jh. (Paul Buberl, Die Min.-hss. der Nat.Bibl. in Athen [= Kaiserl. Akad. der Wiss. in Wien, Philosoph.-hist. Kl., Denkschriften 60, 2], Wien 1917, S. 12f., Abb. 29ff.), und – mit einer vom westlichen Gebrauch abweichenden Verteilung der E.-Symbole – das Evangeliar v. J. 1109 in der Österr. Nat.Bibl. in Wien, Suppl. cod. gr. 164, fol. 5v, 34v, 52v, 81v(Beschr.Verz. Österr. 8, 4, 2, S. 46 bis 49, Taf. 20f.; vgl. ferner Beissel, Evangelienbücher S. 49f., 56; Wilh. Neuß, Das Buch Ezechiel in Theologie und K. bis zum Ende des 12. Jh., Münster i. W. 1912, S. 167; [26] S. 133f.; Schäfer [Neudr.] S. 133).

Wie schon in der frühchristlichen Kunst, so wird auch im MA im Autorenbild die Beziehung des E. zu seinem Symbol zumeist nur durch die allgemeine Anordnung oder die zugewandte Körperhaltung ausgedrückt (1), doch können die E.-Symbole auch Quelle der Inspiration für den Evangelienautor sein (2), ihn bei der Arbeit unterstützen (3), ihm als Reittier oder Opfertier dienen (4).

1. Anordnung und Körperhaltungen. Das E.-Symbol erscheint fast immer axial oder schräg über dem E., seltener neben ihm ([29] Taf. 189, 191, 193, 199, 201f., 275, 298); oft befindet es sich in einer trennenden Wolkenregion oder in bergigem Gelände (Abb. 3, 15f.), in der Lunette oder dem Giebelfeld der rahmenden Arkade oder Ädikula (Abb. 5, 9, 18, 21) oder in einem Medaillon (Abb. 12, 17, 19; für die verschiedenen Anbringungsorte s. [29], Taf. 81–84, 282f.; [31] Bd. 1 und 2; [27]); gelegentlich schaut es hinter dem Nimbus des E. hervor (z. B. im Lindisfarne-Evangeliar, Abb. 7) oder scheint den Nimbus des E. festzuhalten (Essen, Münsterschatz, Theophanu-Evangeliar, um 1039–56, fol. 10v, 50v, 76v, 116v: Schnitzler, Schatzkammer, Bd. 1 Taf. 140f.; Elbern, 1. Jt., Taf. 385). Zuweilen treten E. und E.-Symbol auf zwei gegenüberliegenden Bildfeldern gleichwertig nebeneinander auf (W. Neumüller und K. Holter a.a.O. [Sp. 466], Taf. I f., Abb. 6f., 14, 18f., 26; ferner Paris, Bibl. Nat., ms. lat. 257 [Evangeliar Franz’ II.], fol. 147v f. und Den Haag, Kgl. Bibl., cod. A. A. 260 [Evangeliar von Egmond], fol. 70 und 104v: [27] Taf. 99, 110 c, d). Vereinzelt sind die Rollen von E. und Symbol vertauscht: das Symbol steht ganzfigurig und groß im unteren Bildfeld, und darüber erscheint im Medaillon das Brustbild des E., so in zwei Hss. aus dem späten 8. Jh. und dem frühen 9. Jh. aus Canterbury in London (Brit. Mus., Ms. Royal 1 E. VI, fol. 43) und in Cambridge (Univ. Libr., Ms. L. 1 I 10, fol. 2v, 12v, 21, 31v; [29] Taf. 289 und 295f.). Die E. der im Maasland um 1160 entstandenen Bibel von Floreffe (London, Brit. Mus., Add. Ms. 17 737/8, fol. 168 und 199) und des Evangeliars von Averbode (Lüttich, Univ.Bibl., ms. lat. 363, fol. 17v und 86v) halten ihre zum Teil in Clipeen eingefaßten Symbole vor der Brust (Suzanne Gevaert, Rev. belge 5, 1935, 17–24 Abb. 2 und 7f., 213–19 Abb. 3; s. a. RDK II 489/90, Abb. 6 und ebd. Bd. 4, Sp. 1506 Abb. 2).

2. Seit dem Früh-MA findet man in zunehmendem Maße auch E. und ihre Symbole in aktiver Verbindung miteinander dargestellt, wobei dem Symbol vielfach die Rolle des Inspirierenden zufällt. Die Inspiration des Autors ist vielleicht schon auf den Mosaiken in S. Vitale in Ravenna (Abb. 3) angedeutet, wo der E. und sein Symbol jeweils durch Blick und Gebärde einander sich zuwenden (Deichmann, Ravenna, Taf. 332ff.). Ein entsprechendes Verhältnis zueinander findet sich bei Matthäus, Markus und Lukas im Godescalc-Evangelistar, das zwischen 781 und 783 in der Hofschule Karls d. Gr. entstand (s.oben, fol. 1–2r: [31] Bd. 2 Taf. 1ff.). In der Hofschule Karls d. Gr. übernahm man Typus 5 (s. Sp. 464) der byzantinischen Buchmalerei, fügte hinter dem E. sein Symbol hinzu und stellte durch die Kopfwendung des E. eine unmittelbare Beziehung zwischen dem Autor und dem inspirierenden Symbol her (vgl. auch das Markus-Bild im Godescalc-Evangelistar, fol. 1v, und im Evangeliar von Soissons [Abb. 13] sowie Matthäus im Trierer Ada-Evangeliar, s. oben, fol. 15v; [31] Abb. Bd. 2 Taf. 94; die Kopfwendung kommt auch schon auf spätantiken Darstellungen von Dichter und Muse vor, vgl. das Diptychon des 5. Jh. im Louvre: [33] S. 44 Nr. 69, Taf. 23). Andere Beispiele zeigen den nach oben zum Symbol hin blickenden E., so Darstellungen in der Buchmalerei von Tours (Paris, Bibl. Nat., ms. lat. 266 Lothar-Evangeliar], fol. 22v, 75v, 112v, 171v, kaum vor 849, und Dufay-Evangeliar, siehe oben, fol. 18v, 91v und 137v: [31] Bd. 1 Taf. 99f., 110 a und 111 a, b). Auf einem um 1000 in Trier (?) geschnitzten Elfenbeinrelief in Berlin ([28] Bd. 2, Nr. 26) spricht das E.-Symbol dem E. ins Ohr (vgl. München, Bayer. Staatsbibl., cod. lat. 2939, im 12. Jh. in Bayern entstanden: Bange a.a.O. [Sp. 471], Abb. 156). Das Motiv, daß E.-Symbole den E. ein Schriftband reichen (Abb. 33; s. a. *E.-Symbole, Abb. 15), dürfte seinen Ursprung in den Lunettenbildern von Kanontafeln haben, wo die Wesen häufig mit den Schriften hantierend dargestellt sind. Im Reimser Ebo-Evangeliar, vor 835, halten drei E.-Symbole das Band hin (Epernay, Bibl. munic., ms. 1, fol. 18v, 60v, 135v: Ausst. Aachen, Karl d. Gr. Nr. 481; [27] Taf. 68f.); auf anderen Darstellungen weisen die E.-Symbole dem Autor das geöffnete Buch vor (z. B. dem Markus im Evangeliar von Soissons: Abb. 13). Oft reicht das E.-Symbol die Rolle seinem E. hinab, der sie ergreift, um darin zu lesen oder darauf zu schreiben; in ottonischer Zeit ist dieses Motiv in vielen Schulen des Abendlandes bekannt, so in Fulda, Mainz (?), Köln (sog. „Reiche Gruppe“) und in den bayerischen Klosterschulen des 11. und 12. Jh. (s. *E.-Symbole, Abb. 15) und in England (Schnitzler, Wallr.-Rich.-Jb. 19, 1957, Abb. 64ff., 70f.; ders., Schatzkammer, Bd. 1 Taf. 64; [36] Taf. 272, 276, 281, 284, 296, 298, 300; Bange a.a.O. [Sp. 471], passim; Swarzenski, Salzburg, Abb. 29ff.; David Diringer, The illum. book, its history and production, London [1967]2, Abb. V 3 a).

Stärker noch wird die Inspiration betont, wenn außer dem E.-Symbol oder an seiner Stelle die Taube des Hl. Geistes wiedergegeben ist, wie z. B. in einer Initiale des Drogo-Sakramentars, fol. 29 [31, Bd. 3 Taf. 81 c]. In einem Evangeliar aus Bremen (?), 1. H. 11. Jh., empfangen die E. durch das Ohr die Eingebung der Taube (München, Bayer. Staatsbibl., cod. lat. 9475, fol. 15v und 174v: [30] Bd. 2 Taf. 97); die vier E. auf den Knäufen des siebenarmigen Leuchters in Braunschweig, um 1170–80, werden von Tauben inspiriert (Abb. 28; hier liegt wohl ein Zusammenhang mit der Deutung der sieben Leuchterlampen auf die sieben Gaben des Hl. Geistes vor; P. Bloch, Wallr.-Rich.-Jb. 23, 1961, 147). Eine belgisch-rheinische (?) Elfenbeinagraffe aus den Jahren um 1100 im Mus. Naz. in Florenz ordnet die vier E. der Hl.-Geist-Taube zu (RDK III 723, Abb. 2).

Zuweilen ist die Hand Gottes Quelle der Inspiration (s. Abb. 22), so in den byzantinischen Johannes-Prochoros-Bildern. Im Ms. Royal 1 E. VI des Brit. Mus. in London, 8.–9. Jh., hält Markus das von der Dextera Dei entrollte Band (fol. 29v; O. Elfrida Saunders, Engl. Buchmal., Bd. 1, Florenz und Mchn. 1927, Taf. 15); im Evangeliar aus Bremen (?) in der John Rylands Libr. Manchester, Ms. 87, fol. 64, um 1000, geht von der Hand Gottes die Taube des Hl. Geistes aus ([30] Bd. 2 Taf. 98; entsprechende Darstellungen auf zwei Einzelblättern mit den Bildern der E. Markus und Johannes aus Liessies in der Bibl. de la Soc. Arch. zu Avesnes, ms. 1151, zwischen 1124 und 1147: Charles Reginald Dodwell, The Great Lambeth Bible, London 1959, Taf. 7f.).

In einen gewissen Zusammenhang mit der E.-Inspiration sind vielleicht die sog. „visionären“ E. im Cod. Barb. lat. 711 der Bibl. Vat. in Rom und im Cod. lat. 4453 der Bayer. Staatsbibl. München (Evangeliar Ottos III.) zu bringen (Abb. 17; RDK II 1451, Abb. 18). Charles de Tolnay (Burl. Mag. 69, 1936, 258) und Bernh. Bischoff [23, S. 27f.] leiten den Figurentypus von der Bildvorstellung des Coelus ab, andere von jener des Atlanten (Walter Cernsheim, Die Buchmal. der Reichenau, Diss. Mchn. 1934, S. 80; Panofsky, Studies, S. 20; vgl. ferner Hub. Schrade [24], S. 9–34 und Konr. Hoffmann [25], S. 17–46). 3. Die E.-Symbole können in verschiedener Weise den E. beim Schreiben helfen. Sie halten dem E. das Buch (ehem. Schloß Cumberland, Gmunden, Evangeliar Heinrichs des Löwen, fol. 113, nach 1167: Franz Jansen, Die Helmarshausener Buchmal., Hildesheim und Lpz. 1933, Abb. 19) oder Leib und Flügel des E.-Symbols dienen als Schreibpult (Brüssel, Mus. roy. d’art et d’hist., Inv.Nr. 1483, Elfenbeinrelief vom A. 11. Jh. aus Lüttich, und Essen, Münsterschatz, Deckel des Theophanu-Evangeliars, 2. V. 11 Jh.: [28] Bd. 2 Nr. 55 und 58, auch RDK II 1371, Abb. 8; ebenso im Tympanonrelief des Pórtico de la Gloria in Santiago de Compostela: Porter Taf. 823). In einem Evangeliar des 13. Jh. liegt der Löwe als Schemel zu Füßen des Markus (Kopenhagen, Kgl. Bibl., Alte Kgl. Slg. ms. 11 fol., fol. 43: Gg. Swarzenski, Städel-Jb. 7/8, 1932, Abb. 314). Die vom späteren MA an bisweilen anzutreffende Darstellung des Matthäus-Symbols mit einem Tintenfaß in der Hand (Gem. im Mus. zu Valenciennes, um 1480 in der Werkstatt des Simon Marmion [?] entstanden; Cleveland, Ohio, Mus. of Art, Evangeliar des Hausbuchmeisters: The Bull. of the Cleveland Mus. of Art 1964, S. 60) scheint das Hoch-MA nicht gekannt zu haben; diese Form der Assistenz ist nur gelegentlich als Devotionsformel nachzuweisen: Abt Wedric von Liessies (1124–47) reicht dem E. Johannes das Tintenfaß (Einzelblatt in Avesnes, s. oben). 4. Das E.-Symbol als Reittier des E. zeigen das A. 12. Jh. in Canterbury entstandene Evangeliar Ms. 777 der Morgan Libr. in New York (fol. 3v, 24v, 37v, 58v: [19] Abb. 4, 25, 36 und 40) und ein Kapitell im Kreuzgang von Moissac, um 1100 (Joan Evans, Cluniac Art of the Romanesque Period, Cambridge 1950, Abb. 109b). Solche Darstellungen dürften auf Wiedergaben der auf ihren Tierattributen reitenden Elemente zurückgehen (vgl. RDK IV 1267f., Abb. 4 a, b; ebd. Bd. 5, Sp. 1059 Abb. 29 und 1062 Abb. 32; ferner [19]).

Lukas in Priesterkleidung, der seinem Symbol, dem Stier, die Kehle durchschneidet – eine vereinzelt vorkommende Darstellung (Cambridge, Corpus Christi College, Ms. 4 Dover Bible], fol. 191v, um 1150: [34] Abb. 284) – geht vermutlich auf Mithrasbilder zurück, wie sie z. B. auch auf einem Kapitell im Kreuzgang von Monreale, Ende 12. Jh., fortleben (Heinr. Decker, Italia Romanica, Wien und Mchn. 1958, Taf. 163; vgl. dagegen, mit anderer Deutung des Lukasbildes: Erwin Panofsky, Renss. and Renaissenses in Western Art [= The Gottesman Lectures Uppsala Univ. 7; Figura 10], Stockholm 1960, S. 99 Anm. 1); inhaltlich ist sie auf die Deutung des E.-Symbols als Opfertier zu beziehen (s. a. Evangelistensymbole, Sp. 519 und 528).

Für Darstellungen, auf denen das E.-Symbol das Bild des Evangelienautors ersetzt, s. Evangelistensymbole (Sp. 525f.).

D. Evangelienharmonie, Evangelistenzyklen des Hoch-MA

Die Vierzahl der E. hatte sowohl auf ihre Darstellungen (und deren Überlieferung) wie auf ihre Eingliederung in größere Bildprogramme bedeutenden Einfluß.

1. Die Wiedergaben aller E. auf einem Bild, auf dem bisweilen auch Christus dargestellt ist, kommen als Sinnbild der Evangelien-Harmonie schon früh vor, sind aber nicht sehr zahlreich. Nordenfalk [26] glaubt, eine solche Darstellung sei schon in der 2. H. 2. Jh. als Illustration zum Diatessaron des Tatian konzipiert worden. Das älteste erhaltene Beispiel ist das Titelbild des Codex Rossanensis, fol. 5, Ende 6. Jh. (Jean Ebersolt, La min. byz., Paris und Brüssel 1926, Taf. 11, 2). Aus karolingischer Zeit stammen die Beispiele im Aachener Evangeliar (fol. 14v) aus der Palastschule Karls d. Gr. [31, Bd. 3 Taf. 35, 48b], im Xantener Evangeliar (fol. 16v) in der Bibl. roy. zu Brüssel, ms. 18 723 (Abb. 15), und im Metzer Sakramentarfragment Paris, Bibl. Nat., ms. lat. 1141, fol. 5 [27, Taf. 132 a]; auf den zuletztgenannten Miniaturen thront Christus über der Vierergruppe der E.; Friend hat erwogen, ob die Darstellung Abb. 15 auf das Titelbild der Vulgata-Ausgabe des Hieronymus zurückgehe (Amer. Journ. of Arch. 30, 1926, 88f.). Weitere Vierergruppen finden sich im Evangeliar aus Flavigny, um 780 (Autun, Bibl. munic., ms. 4, fol. 8: Ausst. Aachen, Karl d. Gr. Nr. 439, Abb. 67), in der frankosächsischen Hs. Arras, Bibl. munic., ms. 1054 [27, Taf. 93] und – vor allem – auf Elfenbeinen ([28] Bd. 1 Nr. 18 und 83; Bd. 2 Nr. 36, 97–101) und auf vielen ma. Buchdeckeln (Abb. 14; [28] Bd. 2 Nr. 26, 55, 58, 86; Bd. 3 Nr. 39, 43–46; [35] Abb. 32, 34, 45, 73, 86, 118f., 158).

Zur Darstellung der vier E. bei der Majestas Domini – z. B. RDK III 693, Abb. 1– s. dort.

2. Von den E.-Zyklen der karolingischen Buchmalerei haben zwei reiche Nachfolge gefunden. Der ältere von beiden entstand in der Hofschule Karls d. Gr. (vgl. [31], Bd. 2). Seine Voraussetzungen liegen – nach Boeckler [20, S. 122ff.] – in einem graeco-italischen und einem byzantinischen Evangeliar; dagegen bringt E. Rosenbaum [21] das Godescalc-Evangelistar (s. oben), das Frühwerk der Schule, in enge Beziehung zu den E.-Mosaiken von S. Vitale in Ravenna (vgl. zur Frage [22]). Außer in einer Reihe von karolingischen Derivaten [20, S. 121f.] wirkte der Zyklus in der ottonischen Fuldaer und in der frühen Reichenauer Buchmalerei fort (vgl. Ernst Heinr. Zimmermann, Die Fuldaer Buchmal. in karoling. und ottonischer Zeit, Kg. Jb. Zentralkomm. 4, 1910, 66ff.; Alb. Boeckler, Der Codex Wittekindeus, Lpz. 1938, S. 12ff.; Adolf Schmid, Die Min. des Gerokodex, Lpz. 1924, S. 51ff.). – Noch folgenreicher war der Einfluß des E.-Zyklus in der in Aachen entstandenen Handschriftengruppe des Wiener Krönungsevangeliars (Palastschule Karls d. Gr.). Matthäus sitzt nach rechts gewendet, er schreibt mit der aus einer Mantelschlaufe hervorgestreckten Rechten und hält mit der Linken das auf dem Pult liegende Buch; Markus thront frontal, hält mit der ausgestreckten Linken ein über den Knien entrolltes Schriftband und taucht mit der Rechten die Feder ein (vgl. Typ 7); Lukas sitzt nach rechts zur Seite gewendet und hält mit beiden Händen das Buch, das auf dem Schoß liegt; Johannes, wiederum frontal abgebildet, zückt mit der angewinkelten Rechten die Feder und hält in der Linken ein Buch auf dem Knie (vgl. Typ 8; Wien, Schatzkammer, Evangeliar, fol. 15, 76v, 117v, 178v: RDK II 1439, Abb. 10 und [31], Bd. 3 Taf. 20, 22, 24). Der Zyklus wird im Evangeliar von Blois (Paris, Bibl. Nat., ms. lat. 265, 2. V. 9. Jh.: [27] Taf. 72), das seinerseits im 4. V. 10. Jh. kopiert wurde (Koblenz, Staatsarchiv, ms. 701 [Evangeliar aus St. Maria ad Martyres in Trier]), wiederholt und lebt fort im Clever Evangeliar der Hofschule Kaiser Lothars (Berlin, Stiftung Preuß. Kulturbesitz, Staatsbibl., ms. theol. lat. fol. 260, 2. V. 9. Jh.: [27] Taf. 70) sowie in den Handschriften der Hofschule Karls des Kahlen. Über den Trierer Meister des Registrum Gregorii (Evangeliar des Klosters Strahov, 4. V. 10. Jh.; Evangeliar der Ste-Chapelle in Paris, Bibl. Nat., ms. lat. 8851, um 1004–05) gewann der Zyklus Eingang in andere ottonische Schulen wie die von Köln, Mainz, Echternach, Salzburg, Seeon und die der Reichenau (Perikopenbuch Heinrichs II. in München, Bayer. Staatsbibl., cod. lat. 4452, zwischen 1007 und 1014).

E. Die E. und Evangelienszenen

Abgesehen von den die Authentizität der E. unterstreichenden Motiven und Szenen (s. oben II. B), findet man mehrfach den einzelnen E.-Bildern beigegebene Szenen, die für ihr Evangelium charakteristische Ereignisse, mit Vorliebe zu Beginn des betreffenden Evangeliums berichtete, schildern. Ob es sich hierbei mehr um die Kennzeichnung des Evangeliums oder mehr um die seines Autors handelt, wird selten deutlich.

Eine solche Verbindung zeigt bereits das Lukasbild in dem Evangeliar des hl. Augustinus (s. oben). Auch die Illustrationen zu den Evangelienanfängen (den Argumenta und Incipit-Seiten), die im weiteren Sinne hier zu erwähnen sind, können aus charakteristischen Szenen des betreffenden Evangeliums bestehen. Solche Auszeichnung durch figürlichen Bildschmuck findet man in Hss. der Hofschule Karls d. Gr., etwa im Lorscher Codex Aureus, wo das „Argumentum ad Mt.“ mit einer Darstellung der Vorfahren Christi geschmückt ist (Faks.-Ed. Mchn. 1967, S. 27); eine reduzierte Form zeigt das Reichenauer Evangelienbuch der Kölner Dombibl., ms. 218, fol. 18v(P. Bloch, Kölner Dombl. Bd. IV, 16/17, 1959, 11ff., Abb. 1); eine über drei Seiten sich erstreckende Genealogie Christi erscheint im Evangeliar aus St-Bertin zu St-Omer in der Bibl. munic. Boulogne-sur-Mer, ms. 11, fol. 10v – 11v, Ende 10. Jh.: Adelheid Heimann, Warburg Journ. 28, 1965, Taf. 14 c, d; ebd. S. 87–94 weitere Beisp.

Hier sind die E.-Bilder im Regensburger Uta-Codex hinzuzufügen, denen jeweils Darstellungen der vornehmsten Textabschnitte des betreffenden Evangeliums zugeordnet sind; im einzelnen: in den Ecken des Matthäusbildes wurden die Vorfahren Christi dargestellt – Mt. 1, 1–16 ist das Evangelium am Fest Mariä Geburt (Swarzenski, Regensburg, Abb. 32); Markus wurden, weil Mk. 16, 1–7 Evangelium am Ostersonntag ist, Wiedergaben des Salbenkaufs, der Frauen am Grab, des Berichts der Frauen an die Jünger und Christus, der den Jüngern erscheint, zugeordnet (s. *E.-Symbole, Abb. 14); bei Lukas – Lk. 2, 1–14 ist das Evangelium am Weihnachtsfest – sind geschildert: der Erlaß des Ediktes der Schatzung, die Geburt Christi, die Verkündigung an die Hirten und die Engelchöre (Swarzenski, Regensburg, Taf. 16 Abb. 36); vier Illustrationen zum Prolog des Johannesevangeliums (Perikope des Weihnachtsfestes) begleiten das Johannesbild (ebd. Taf. 14 Abb. 33).

Ansätze dieser Art zeigt London, Brit. Mus., Ms. Harley 2788, wo auf fol. 109 (Incipit-Seite zu Lk.) im Buchstabenkörper die Verkündigung an Zacharias und Brustbilder von Maria und Elisabeth wiedergegeben sind [31, Bd. 2 Taf. 59]. Im Evangeliar aus Soissons (Paris, Bibl. Nat., ms. lat. 8850) sind auf den Seiten mit den Bildern der E. Markus, Lukas und Johannes sowie auf den ihnen folgenden Incipit-Seiten Figuren oder Szenen aus dem betreffenden Evangelium abgebildet; sie sind jeweils in den Zwickeln zwischen Arkatur und Rahmen untergebracht, nur zu Lk. sind auch die Initialen mit Bildern versehen (ebd. Taf. 83–88). – Im Bernward-Evangeliar, s. oben, sind dem Matthäus-Bild die Geburt Christi und die Anbetung der Drei Könige (fol. 18, 19), dem des Markus die Predigt Johannes des Täufers (fol. 75, 76), zu Lukas die Zachariasgeschichte (fol. 111, 118v) und zu Johannes eine Illustration seines Prologes (u. a. fol. 174, 175v) beigefügt (Tschan, Bd. 3 Abb. 59, 61, 64, 66, 68, 71, 73, 76). Eine ausführliche Illustration zum Johannesprolog besitzt das Kölner Evangeliar der Staatl. Bibl. Bamberg, Bibl. 94, fol. 154v/155, um 1050 (RDK V 1109/10, Abb. 3 und [36] Taf. 328f.). Im Evangeliar von St. M. Lyskirchen in Köln, um 1100–1120, finden sich folgende Zusammenstellungen: Matthäus – Muttergottes (fol. 19v, 22), Markus – Johannes d. T. (fol. 73, 72), Lukas – Verkündigung an Zacharias (fol. 113, 114), Johannes – Kreuzigung (fol. 174, 173; [36] Taf. 472, 477, 483, 481, 487, 489, 495, 493). – Das Evangeliar im Rathaus von Goslar, vor 1241, enthält am Beginn der Evangelientexte je zwei bzw. drei illuminierte Seiten: vor Mt. Anbetung der Drei Könige, den E. und Traum Josephs (verso-Seite; RDK II 1474, Abb. 39), dazu die L(iber generationis)-Initiale mit Geburt Christi, Flucht nach Ägypten, den drei Versuchungen Christi und Berufung des Matthäus (recto-Seite); vor Mk. den E., Taufe Christi und Berufung der ersten vier Apostel (verso-Seite) und die I(nitium)-Initiale mit Simson-Szenen (recto-Seite); bei Lk. nach der verso-Seite mit der Q(uoniam)-Initiale, in die der E. eingefügt ist, Verkündigung, Geburt und Namensgebung Johannes d. T. (recto-Seite) und Verkündigung an Maria, Heimsuchung und Geburt Christi (verso-Seite), anschließend die F(uit in diebus Herodis)-Initiale mit der Heimkehr des verlorenen Sohnes (recto-Seite); vor Joh. den E., Christus und die Samariterin am Brunnen und Kreuzigung (verso-Seite), und die I(n principio)-Initiale mit Christus und der Ehebrecherin, Speisung der 5000, Austreibung der Wechsler aus dem Tempel und Auferweckung des Lazarus (Adolph Goldschmidt, Das Evangeliar im Rathaus zu Goslar, Bln. 1910, Taf. 3–11).

Auch in späten byzantinischen Evangeliaren kommen solche Zuordnungen vor. So schmücken im ms. gr. 74 der Bibl. Nat. Paris, M. 11. Jh., das Matthäus-Bild der Alte der Tage mit zwei Cherubim sowie Abraham und Isaak (fol. 1), das Markus-Bild der thronende Christus mit Johannes d. T. und Jesaias (fol. 64), das Lukas-Bild Christus und Zacharias (fol. 104) und das Johannesbild die Dreifaltigkeit (J. Ebersolt a.a.O. [Sp. 479], Taf. 53, 3). Im cod. gr. 540 der Bibl. Marciana in Venedig, 12. Jh., erscheint in einem Tympanon über Matthäus die Geburt Christi, über Markus die Taufe Christi, über Lukas die Geburt des Täufers und über Johannes Christus in der Vorhölle (vgl. auch ebendort, cod. gr. I, 8: Diringer a.a.O. [Sp. 475], Abb. 2).

F. Die E. in Parallele zu anderen Vierergruppen

Häufig wurden die E. in Parallele zu anderen Vierergruppen gesetzt, wobei sie – mit oder ohne E.-Symbole – in Bezug zu analogen Gruppen aus dem A.T. oder aus Kosmologie und Enzyklopädie treten. Bei den oft komplizierten theologischen Bildkonzepten ist es bisweilen sehr schwierig, den im einzelnen Fall zugrunde gelegten Bezug zu ermitteln; auch kann nicht immer entschieden werden, ob der Zusammenhang primär über die E. oder die E.-Symbole hergestellt ist (auch wenn nur die Symbole dargestellt sind, können sie stellvertretend für die E. wiedergegeben sein): denn er geht über die Evangelien.

Die im Hoch-MA einige Male vorkommende Zuordnung E. – vier Stadien im Leben Christi beruht auf einer symbolischen Deutung der E.-Symbole, s. daher Evangelistensymbole Sp. 519, 528f.), wo auch die durch die Auslegung der vier Wesen der Ezechiel-Vision motivierte Zusammenstellung von E. und Elementen behandelt wird.

a) Die Gegenüberstellung der vier E. mit den vier großen Propheten findet sich z. B. auf den Glasgemälden im s. Querschiff der Kathedrale von Chartres, um 1220–30, wo die E. auf den Schultern der Propheten sitzen (Yves Delaporte und Étienne Houvet, Les vitraux de Ch., Paris 1926, Taf. 200 und 202); die Gruppierung: Ezechiel – Johannes, Daniel – Markus, Jeremias – Lukas, Jesaias – Matthäus. Für weitere Beispiele s. *E.-Symbole, Sp. 545.

b) Die Zusammenstellung der E. mit den vier 1. Mos. 2, 10–14 genannten Strömen, den *Paradiesflüssen, reicht – literarisch – bis in frühchristliche Zeit zurück. Paulinus von Nola beschreibt eine Darstellung in der Apsis der Kath. von Nola, auf der die vom Berg des Gotteslammes ausgehenden Flüsse zu sehen waren und vergleicht diese mit den E. (Epist. 32, 10: [3] Bd. 29 S. 286). Für die bildlichen Darstellungen, auf denen öfter die E.-Symbole als allein die E. den Paradiesesflüssen zugeordnet sind, s. *E.-Symbole, Sp. 545f.

Wenige Beispiele zeigen nur die E. und die Paradiesesflüsse: Auf Kreuzfüßen im Kestner-Mus. in Hannover (Abb. 23) und im Domschatz von Chur, beide 4. V. 11. Jh. (Falke-Meyer, Taf. 64 Abb. 148 a), sitzen die E. schreibend den urnenförmigen Paradiesesflüssen gegenüber (s. a. Ernst Schlee, Die Ikonographie der Paradiesesflüsse [= Stud. über chr. Dkm., N.F. 24], Lpz. 1937, S. 176ff.). Als Beispiel aus der monumentalen Kunst sei der Bildschmuck der Mittelkuppel (Hauptbild: Himmelfahrt Christi) in S. Marco in Venedig genannt (gegen 1200; Otto Demus, Byz. Mosaic Decoration, London 1947, Abb. 6).

c) Bisweilen werden diesen Vierergruppen weitere angeschlossen, so die Kardinaltugenden; vgl. dazu *E.-Symbole, Sp. 546f.

Im dritten Band der Bibel von Arras, 2. V. 11. Jh., sind – eine ungewöhnliche Zusammenordnung – E. (?) und Kardinaltugenden neben der im Haus der Weisheit thronenden Sapientia dargestellt (Arras, Bibl. munic., ms. 559, fol. 1: Münchner Jb. III. F. 7, 1956, 79 Abb. 50).

d) Mit den vier Himmelsrichtungen, in die das Evangelium ausgebreitet werden soll, findet man die E. spätestens seit dem 12. Jh. verbunden. Honorius Augustodunensis (Speculum Ecclesiae, De nativitate domini: [1] Bd. 172, Sp. 833f.) begründet die Zusammenstellungen im einzelnen: Norden (ubi sol sub terra latet) – Matthäus (a quo divinitas Christi sub carne latuisse describitur); Westen (ubi sol occumbit) – Lukas (a quo sol Christus occubuisse moriendo dicitur); Süden (ubi sol in centro coeli fervet) – Johannes (a quo sol aeternus in maiestate divinitatis clarescere exponitur); Osten (ubi sol cottidie sumit) – Markus (a quo Christus sol iustitiae a mortuis resurrexisse traditur; vgl. Sauer, S. 64 Anm. 1). Diese Anordnung der E. ist beim Freudenstädter Lesepult, 3. V. 12. Jh., nachzuweisen (Abb. 26; Herm. Gombert, Das Münster 3, 1950, 257–65, bes. S. 259), nicht aber am Engelspfeiler in Straßburg, um 1230, wo die E. – nach Mt. 24, 31 – mit den vier Posaunenengeln verbunden sind (Harald Keller, Der Engelspfeiler im Straßburger Münster, Stg. [19572], Abb. 1ff).

Ob die sehr geläufige Anordnung von E., häufiger von E.-Symbolen (oder beiden), an den Enden der Kreuzarme (s. Sp. 542f.) mit dieser Vorstellung in Zusammenhang gebracht werden darf – die vier Kreuzenden mit den vier Himmelsrichtungen in Parallele zu setzen war allgemein üblich –, ist noch nicht untersucht.

e) Die später so beliebte Zusammenstellung von E. und Kirchenvätern ist erst seit dem ausgehenden MA nachzuweisen, s. daher Sp. 507f. und, für die Zusammenstellung von E.-Symbolen und Kirchenvätern, Sp. 547f.

IV. Spät-MA und Neuzeit

Im Spät-MA treten E.-Darstellungen auf, die nicht von den älteren Typen herzuleiten sind. Diese neuen E.-Bilder haben keine den frühma. Typen vergleichbare prägende Kraft. Die früheren Vorbilder wurden gelegentlich weitergeführt und variiert.

Das traditionelle Vorkommen von E.-Bildern an liturgischen Geräten erstreckt sich auch auf die im Spät-MA neu entstehenden Gerätetypen in diesem Bereich sowie auf neue Buchgattungen (Breviere, vgl. Leroquais, Bréviaires; Stundenbücher, vgl. Leroquais, Livres d’heures; Postillen, z. B. Admont, Stiftsbibl., cod. 95 und 115 [Nik. von Lyra], um 1457: Beschr.Verz. Österr. Bd. 4, S. 105, Nr. 89f., Taf. 11, 2–4; s. a. *E.-Symbole, Abb. 31).

Seit dem Hoch-MA werden E. auch im Umkreis des Altars dargestellt; z. B. an Altarziborien, schon im Trecento (Giov. Poggi, Il Duomo di Firenze, Bln. 1909, S. 203, Nr. 1010). Nach Charles Grosset sollen nicht erhaltene Altaraufsätze in Reims (9. Jh.) und Sens (10. Jh.) E. aufgewiesen haben (La Vierge et le Tétramorphe, in: „Mél. offerts à René Crozet“, Poitiers 1966, S. 550). Sie erscheinen an spätgotischen Retabeln, häufig in der Predella (Abb. 38), und im Verband barocker Altäre (Abb. 44 und 46), dort auch an Tabernakeln, ferner über dem Altar in der Wölbezone (schon in Schwarzrheindorf, 3. V. 12. Jh.: Albert Verbeek, Sch., [Ddf. 1953], S. 44, Abb. 39 und, wie schon in Ravenna (s. Sp. 461), im Altarraum.

Chorgestühle zeigen mitunter E. (Walter Loose, Die Chorgestühle des MA, Hdbg. 1931, S. 49, 123, 140), zum Teil an der Evangelienseite, als Gegenüber von Propheten (Brou, 1530–32: Alfred Bidet, Brou, Lyon o. J., S. 17, Abb. S. 22); der nur in Nachzeichnungen überlieferte Teppich in Halberstadt, Ende 12. Jh., diente vielleicht als Rücklaken eines Gestühls (Kurth, Bildteppiche, S. 207, Taf. 7 b). Der ursprüngliche Bezug der E. an den Vierungspfeilern im Dom von Münster i. W., M. 13. Jh., ist unsicher (RDK V 317/18, Abb. 36).

In Vierungskuppeln sind gemalte und stuckierte E. in Italien schon im 16. Jh. geläufig (Correggio in S. Giov. Ev. in Parma sowie Todi, S. Maria della Consolazione), in Deutschland erst seit der Barockzeit (Melk: Abb. 49; Weingarten; Ottobeuren: Abb. 53). Im Rahmen der Lhs.-Ausmalung (vgl. schon Hildesheim, Decke in St. Michael, 1. H. 13. Jh.: Johs. Sommer, Das Deckenbild der Michaelskirche zu H., Hildesheim 1966, Taf. B1–B3) erscheinen sie etwa in Passenham (s. Sp. 508), in Fulpmes, Tirol (1747) und in Seehausen Krs. Weilheim, 4. V. 18. Jh. (Abb. 54). Stuckfiguren der E. finden sich in Weltenburg (um 1718 ?) und Aldersbach (1719/20; Inv. Bayern, Ndb. Bd. 7, Taf. 20f.; ebd. Bd. 14, Taf. 3). – Das von P. Deinhard 1734 entworfene Programm für die Deckenmalereien in Gößweinstein nennt für die Nebenkapellen die E. (Inv. Bayern, Ofr. Bd. 2, S. 213). – Auch auf Glasfenstern sind E. zu finden (Erfurt, Domchor, um 1390: Inv. Prov. Sachsen 1, 1928, S. 168, Taf. 16).

Die E. am Lettner von Chartres, um 1240 (Jean Mallion, Chartres. Le jubé de la cath., [Luisant-Chartres] 1964, S. 83f., Abb. S. 153), könnten auf den Ort, an dem das Wort verkündet wurde, bezogen sein, ähnlich wie bei Lesepulten und Kanzeln (Sugersches Pult in St-Denis, Riß des Villard de Honnecourt [RDK I 190, Abb. 3]; Baptisterium und Dom in Pisa, von Nicola bzw. Giov. Pisano; Moselweiß, St. Laurentius, 1470: Reinhard Hootz, Rheinland-Pfalz, Saar [= Dt. Kdm.], Darmstadt [1958], S. 371, Abb. 163; St. Goar, Stiftskirche, um 1460– 1470: Peter Poscharsky, Die Kanzel, Gütersloh [1963], S. 39f., Abb. 7; später L. Münstermann in Schwei i. O., 1637–38: Abb. 45). – Auch die Chorschranken, die sich ursprünglich in S. Marco in Venedig befanden, trugen E. (um 1200: Otto Demus, The Church of S. M. in V., Washington DC. 1960, S. 138f., Abb. 45–48). – E. können ebenfalls an Einrichtungsgegenständen erscheinen, wie an (barocken) Beichtstühlen (Grimbergen, Brabant, Abteikirche, vor 1718: A.C.L. Brüssel, Nr. 31 421 B), an Taufbecken (Poschiavo, Stiftskirche, um 1700: Inv. Schweiz 17, S. 42, Abb. 42) und an (barocken) Taufschalen (Stockholm, Jakobskirche, Taufschale aus Augsburg, 1645 bis 1650: RDK V 509/10, Abb. 104; zur Dat. s. Ausst.Kat. „Augsburger Barock“, Augsburg 1968, Nr. 464); wozu der Tisch in der Jakobskirche in Stralsund (um 1600 ?) mit E. als Füßen und der Taufe Christi auf der Tischfläche diente, ist nicht bekannt.

Sakristeien (Florenz, Alte Sakristei von S. Lorenzo, Tondi Donatellos, s. Abb. 35) und Kapellenräume (Passau, Trenbachkap. am Dom, 1572: Dt. K. und Dpfl. 1938, 58ff., Abb. 63) wurden mit E. geschmückt; die Gabrielskapelle in Salzburg, 1597–1603, Grablege für den Erzb. Wolf Dietrich von Raitenau, besitzt im Innern E. aus Stuck in den Wandnischen (Inv. Österr. 9, S. 137, Abb. 171).

Am Außenbau der Kirche treten E. zunächst an Portalen auf, so in Gewänden (Galluspforte des Basler Münsters, Ende 12. Jh.), Tympana (Abb. 31; Burgos, Kath., Portal des s. Qhs., vor Mitte 13. Jh.), Archivolten (mittleres Westportal des Straßburger Münsters, um 1280: Otto

Schmitt, Gotische Skulpturen des Straßburger Münsters, Ffm. 1924, Bd. 1, Taf. 98 und 103f.). Spätestens seit dem frühen 15. Jh. kennt man E. auch an Fassaden, wie am Dom von Florenz, nach 1408 (Wolfgang Braunfels, Der Dom von F., Olten, Lausanne und Freiburg i. Br. 1964, Abb. S. 13), und am Salzburger Dom, etwa 1655 voll. (Inv. Österr. 9, Abb. 8); für das 19. Jh. sind Ludwig Schwanthalers Statuen an der Ludwigskirche in München zu nennen (Franz Paul Tauner, München in K. und Gesch., Mchn. 1914, S. 173). Als Turmbekrönung finden sie sich an der Kollegienkirche in Salzburg, A. 18. Jh. (Inv. Österr. 9, Abb. 276).

E. trug auch der Folcardusbrunnen (12. Jh.) beim Refektorium von St. Maximin in Trier, der den Mönchen zum Händewaschen diente (1674 zerst.: Inv. Rheinprovinz 3, S. 318f., Abb. 218). Die E. werden auf Uhren abgebildet (vgl. die Entwürfe für die Domuhr von Münster i. W., vor 1685: Inv. Westfalen 41, 5, S. 39f., Abb. 1455f.), selten an Glocken (Ziefen, prot. Kirche, 1701: Zs. f. Schweiz. Arch. und Kg. 11, 1950, S. 36, Taf. 14 a, b). – Der große Kalvarienberg an der Pauluskirche in Antwerpen, ab etwa 1690, zeigt E. und Propheten gegenübergestellt (Joz. de Coo, De Kalvarieberg van de St. Pauluskerk te A., Antw. 1943, Abb. 19–23, 31–45); auch die Kreuzgruppe auf der Oberen Brücke in Bamberg (1715) weist E. auf (Abb. 47).

Diesen neuen räumlichen Zusammenhängen entsprechen neue Zuordnungen (B).

In der Druckgraphik kommen E. seit dem 15. Jh. in der Bibelillustration vor, außerdem als Folge von vier Einzelblättern (Meister ES: L. 84–87 und 88–91; Kupferstiche Heinr. Aldegrevers, 1539: Hollstein, German Engr., Bd. 1 S. 35, B. 57–60). Auch Jost Ammans Holzschnittfolge scheint eine selbständige Serie zu sein (2. H. 16. Jh.: ebd. Bd. 2 S. 25, Andr. 48–51). Zwei E.-Paare geben die Holzschnitte von Ludolph Büsinck wieder (2. Dr. 17. Jh.: ebd. Bd. 5 S. 181 Nr. 20 und 21). Besonders für die Niederlande sind im ausgehenden 16. und 17. Jh. E.-Folgen charakteristisch (auch in der Malerei). Obwohl z. B. die Stichfolge von Hendrick Goltzius häufiger als Vorlage diente (Gem. mit Lukas, 1943 im K.handel im Haag: [38] L.Nr. 4254; Glasgem. der Murer-Schule, Zürich, um 1610, Berlin, Kgwb.-Mus. [im Krieg zerst.], Nürnberger Fayencen, ebendort: Herm. Schmitz, Die Glasgem. des königl. Kgwb.-Mus. in Berlin, Bln. 1913, Bd. 1 S. 212, Bd. 2 S. 21, Nr. 420, 421, Taf. 63), ist die Wirkung graphischer Vorbilder nicht mehr mit derjenigen der Typen der frühma. Buchmalerei vergleichbar.

E.-Darstellungen finden sich auch im profanen Bereich, sowohl in protestantischen wie (später?) auch in katholischen Gebieten. In der Amtsstube der Weberzunft in Augsburg (1457; München, Bayer. Nat.Mus.) stehen über der Tür die Namen der E. Ein Fresko mit den E. von Joh. Ev. Holzer an einem Augsburger Privathaus ist durch Zeichnung und Stich des Joh. Esaias Nilson überliefert (Marianne Schuster, J. E. N., Mchn. 1936, S. 38, Nr. 4; das Fresko Holzers geht auf G. B. Gaullis Propheten in Il Gesù zurück: Wilh. Reuschel, Die Slg. Wilh. Reuschel, München 1963, S. 44).

Auf Kacheln des 17. und 18. Jh. können E. wiedergegeben sein (Schloß Wülflingen, Ofen von 1647: Inv. Schweiz 27, S. 370, Abb. 298; weitere Beispiele bei Rosemarie Franz, Der Kachelofen, Graz 1969, Abb. 383–86, 394–96), auch auf Fayencen (s. oben). Ein Pokal des Domkapitels in Lund von 1596, heute in Moskau, zeigt an der Kuppawandung die E. (Fredrik Robert Martin, Dän. Silberschätze aus der Zeit Christians IV., aufbewahrt in der Kaiserl. Schatzkammer zu Moskau, Stockholm 1900, Taf. 10 Mitte). Auch der kleine „Egererschrank“ in Salzburg trägt E., 2. H. 17. Jh. (Ausst.Kat. „Salzburgs alte Schatzkammer“, Salzburg 1967, Nr. 92, Abb. 27). Auf dem von Peter von Cornelius 1842 entworfenen „Glaubensschild“, dem Patengeschenk Friedr. Wilh. IV. für den englischen Thronfolger, umgeben die E. das Haupt Christi (Carl Wolfg. Schümann, Clipeus virtutis oder der Glaubensschild, in: „Munuscula discipulorum. K.hist. Stud. Hans Kauffmann zum 70. Geburtstag 1966“, Bln. 1968, S. 287–305, Abb. 239).

A. Ikonographie

1. Tätigkeiten

Auch im Spät-MA und in der Neuzeit sind die E. in der Mehrzahl der Beispiele sitzend, gelegentlich stehend und ausnahmsweise kniend dargestellt. Ihre Tätigkeit umfaßt alle Phasen des Schreibens; sie können auch diktieren, lehren oder lesen. Häufig trifft man E.-Bilder an, bei denen kaum zu entscheiden ist, ob die Dargestellten sinnen, sich zum Schreiben anschicken oder inspiriert werden.

a) Schreibende E. finden sich in allen Epochen der Neuzeit und werden hier nur durch Abbildungen belegt (Abb. 35, 36, 38, 39, 48, 49, 53; s. a. *E.-Symbole, Abb. 31).

Verrichtungen, die dem Schreiben vorausgehen, sind im 14. und 15. Jh. mehrfach geschildert worden: die E. zücken (Abb. 54), spitzen oder prüfen die Feder (Abb. 36). Durch das Nebeneinander verschiedener dieser Verrichtungen wird für eine gewisse Abwechslung in der Wiedergabe von Vierergruppen gesorgt, vgl. zumal Buchillustrationen und (italienische) Wandmalereien (St. Georg bei Räzüns, Kt. Graubünden, Chorgewölbe, ca. 1350: Inv. Schweiz 8, Abb. 37; Plenarium, Straßburg [Thomas Anselm] 1488: [37] Bd. 20, Abb. 1697). Motive dieser Art kommen auf niederländischen Tafelbildern des 16. und 17. Jh. mit der Darstellung eines E. vor, so bei Jacob Adriaensz. Backer, 2. V. 17. Jh. (Bamberg, Staatsgal., Inv.Nr. Städt. Kslgn. BBG 99: [38] L.Nr. 17 269). Von den E.-Büsten des 18. Jh., die häufiger E. mit gezückter Feder wiedergeben, sei der Markus des Chrn. Jorhan, um 1760, genannt (Berlin, Stiftung Preuß. Kulturbes., Staatl. Mus., Skulpturenabt.: Kat. Demmler 1930, S. 417 m. Abb.). Seltener werden E. abgebildet, die im Stehen zum Schreiben ansetzen, z. B. Lukas auf dem Grabstein des Hans Chr. von Baumgarten in Ering, Krs. Pfarrkirchen, 1608 (Inv. Bayern, Ndb., Bd. 10, Abb. 30).

b) Lesende E. sind, nach den schreibenden, in allen Jhh. der Neuzeit am häufigsten anzutreffen, kommen jedoch auch schon im Hoch-MA vor (Abb. 30).

Im 15. und 16. Jh., zur Zeit der größten motivischen Vielfalt, sind Wiedergaben von vier E., die alle lesen, seltene Ausnahmen. – Charakteristische Beispiele für die Wiedergabe lesender E. bieten zwei der Relief-Tondi Donatellos in der Alten Sakristei von S. Lorenzo, Florenz, 1434–37 (Horst Woldemar Janson, The Sculpture of D., Princeton, N.J. 1957, Bd. 1 Abb. 194, 200). Über Schilderungen mehrerer E., die sich um ein Buch gruppieren, s. Sp. 500. Stehende E., die in einem Buch lesen (oder aus diesem vorlesen?), kommen vereinzelt vor, so an der Kanzel der Jakobskirche in Wasserburg von Michael Zürn, 1637–39 (Claus Zoege von Manteuffel, Die Bildhauerfamilie Zürn 1606–1666 [Weißenhorn 1969], Bd. 2 Abb. 68–70).

c) Sinnende E. wurden vornehmlich von Niederländern des 17. Jh. dargestellt. Die Gebärde, die dieses Verhalten ausdrückt, ist entweder die aus dem MA bekannte (s. Sp. 467f.), die der – außerdem schreibende – Johannes des Hendrick ter Brugghen zeigt, dat. 1621 (Deventer, Rathaus: Inv. Niederlande 4, 2 Abb. 31), oder eine frei erfundene wie bei dem Johannes auf Abb. 39; auf einem ter Brugghen zugeschriebenen Tafelbild legt Markus die Feder an den Mund (1942 im holländ. K.handel: [38] L.Nr. 8812). In Italien lebt der ma. Gestus z. B. in Mantegnas (?) Brustbild des Markus, um 1449, fort (Frankfurt a.M., Städelsches K.-Inst., Inv.Nr. 1046: Kat. 1966, S. 67, Abb. 6).

d) Lehrende E. sind selten, aber in allen Jhh. vertreten. Sie weisen auf den Text ihrer Schriften im geöffneten Buch, wie Matthäus auf einer Gewölbemal. des Lorenzo da Viterbo (Abb. 37) und Markus in Schedels Weltchronik, Nürnberg (Anton Koberger) 1493, Bl. 104 [37, Bd. 17 Abb. 486] oder erheben die Rechte im Redegestus, z. B. Johannes in der Theatinerkirche in München, 1672 von Balth. Ableitner (Münchner Jb. N.F. 9, 1932, S. 165 Abb. 1) und Lukas am Kanzelkorb der Stiftskirche St. Gallen von Anton Dirr, 1786 (Inv. Schweiz 45, Abb. 148f.).

e) Mit Devotionsgestus werden Matthäus von Joh. Gg. Mutschele in Bamberg, 1715 (Abb. 47), und Lukas von Jakob de Wit auf einer der Grisaillen aus der französischen kath. Kirche in Amsterdam abgebildet (um 1741; Abb. 52).

2. Inspiration und Vision

Die Inspiration des E. erfolgt meist durch die Taube.

Illustrationen des 15. und 16. Jh. zur Bibel und zu Heiligenviten zeigen in der Regel einzelne E. mit Taube (Bibel des Hans Lufft, Wittenberg 1534: Alb. Schramm, Luther und die Bibel, Bd. 1: Ill. der Lutherbibel, Lpz. 1923, Taf. 181 Abb. 333f.). Die größte Zahl der Beispiele bietet die niederländische Malerei des 16. und 17. Jh. Im Vier-E.-Bild (s. unten 3) des 16. Jh. inspiriert häufig eine Taube die vier E. (so auf dem Joachim Beuckelaer zugeschr. Gem. im Suermondt-Mus. in Aachen, dat. 1559: Aachener K.bll. 28, 1963, 213ff. Nr. 115 m. Abb., und auf dem Gem. des Pieter Aertsen [?], dat. 1559, Culemburg, Elisabeth-Waisenhaus: Inv. Niederlande 3, 1, 2 Abb. 189).

Das im frühen und hohen MA gebräuchlichste Motiv, die Inspiration des E. durch sein Symbol, wurde im Spät-MA seltener verwendet (vgl. z. B. Abb. 34), nur Matthäus empfängt auch weiter noch die Inspiration gewöhnlich von seinem Symbol: auf einem Titelholzschnitt von Wolf Traut, 1509 (s. *E.-Symbole, Abb. 31), ist es im Dialog mit dem E. dargestellt; auf dem (1945 verbrannten) Bild des Caravaggio führte es Matthäus die Hand (Abb. 41); auf einer späteren Fassung des Bildes schwebt es über Matthäus, der – im Begriff zu schreiben – zu ihm aufblickt (Rom, S. Luigi dei Francesi: Roger Hinks, Michelangelo Merisi da C., London 1952, Abb. 46). Nicolas Poussin und Godfried Maes schildern nach 1643 (?) bzw. im 3. Dr. 17. Jh. Matthäus, den sein Symbol unterweist (Berlin, Stiftung Preuß. Kulturbes., Staatl. Mus.: Anthony Blunt, N.P., London und New York 1967, Tafelbd. Taf. 150; Vilvoorde, Belgien, O. L. Vrouwkerk: [38] L. Nr. 8488).

Ferner kann von oben kommendes Licht die Inspiration andeuten, so bei Pieter Claesz. Soutman, um 1648 (Stockholm, Nat.Mus., Inv.Nr. 343: [38] L.Nr. 8746) und auf einem Wandgem. in Seehausen (Abb. 54). Die E. zu seiten des Auges Gottes: Abb. 50.

Szenen der Vision eines E. sind hauptsächlich aus der Graphik des 16. Jh. bekannt. In der Bibelillustration und auf graphischen Blättern wird meist Johannes mit dem in den Wolken erscheinenden apokalyptischen Weib abgebildet, gelegentlich Lukas mit der Muttergottes (z. B. Johannes in dem Wittenberger N.T. von 1540, bei Hans Lufft: Alb. Schramm a.a.O. Abb. 421). Die Lichterscheinung der Geburt Christi erblickt Lukas auf einem Blatt aus den Heures de Notre-Dame de Hennesy von Simon Bening und Werkstatt, 1. H. 16. Jh. (Brüssel, Bibl. roy., ms. II 158: Comte Paul Durrieu, La min. flamande, Paris und Brüssel 1927, Taf. 89).

3. Vier-Evangelisten-Bild

Vom 15. Jh. an gibt es das Vier-Evangelisten-Bild, auf dem die hier vereinten E. in engeren Kontakt zueinander treten. Zunächst freilich verbindet sie nur das Ambiente: die E. sitzen in einem Innenraum, gehen aber nach wie vor für sich ihren Beschäftigungen nach, so in Genf, St. Gervais, Allerheiligenkap., nach 1446 (Gg. Troescher, Burgundische Mal., Bln. [1966], Textbd. S. 311f., Tafelbd. Abb. 542), und auf der Zeichnung eines unbekannten Meisters des 16. Jh. (Abb. 39). Auf jüngeren Darstellungen aber sind die E. als Personengruppe zusammengestellt, wobei Bewegungen und Gruppierung des Augenblicks festgehalten sind. Besonders beliebt waren diese Schilderungen in der niederländischen Kunst des 16. und 17. Jh. Eine Skizze des Hendrick Goltzius v. J. 1593 zeigt die E. um einen Tisch versammelt (Rotterdam, Mus. Boymansvan Beuningen, Prentenkab.: Emil Karel Josef Reznicek, Die Zchgn. von H. G., Utrecht 1961, Textbd. S. 113 und 258 Nr. 71, Tafelbd. Taf. 228). Auf den meisten Bildern erläutert das Motiv der Inspiration den Sinn des Zusammenseins. Mehrfach haben die Beispiele größeres Format: das Gem. der Rubensschule, um 1614, in Sanssouci mißt 2,24 × 2,70 m (Elisabeth Henschel-Simon, Die Gem. und Skulpturen in der Bildergal. von S., Bln. 1930, S. 29 Nr. 95 m. Abb.), eines von Abraham Bloemaert (?), 1664–67, das sich 1944 im Amsterdamer K.handel befand, mißt 1,37 × 1,97 m [38, L.Nr. 14624], die kleinsten Gem. sind etwa halb so groß wie dieses. Geradezu eine Übersicht der verschiedenen auf Inspiration weisenden Gebärden bietet ein Hendrick ter Brugghen zugeschriebenes Gem., 1942 im K.handel in Aerdenhout, 1. H. 17. Jh. [38, L.Nr. 8812]. Häufig ist das Matthäus-Symbol handelnd in die Szene einbezogen, z. B. auf dem Bild des Jacob Adriaensz. Backer in Göteborg, 2. V. 17. Jh. (Abb. 43); die übrigen Symbole sind gewöhnlich an untergeordneter Stelle wiedergegeben (nicht so der Stier des Lukas auf dem Tafelbild des Pieter Aertsen [?], s. oben).

Auf Bildern, die die vier E. vor einem Pult mit aufgeschlagenem Buch darauf zeigen – als ob sie über eine Textstelle disputierten –, pflegen die *E.-Symbole und das Motiv der Inspiration nicht dargestellt zu sein (vgl. Jacob Jordaens, Gem. im Louvre, Inv.Nr. 2012, 1616–18: [17] Bd. 2 Abb. 138; Pieter Fransz. de Grebber [?], Gem. im Mus. zu Quimper, 2. V. 17. Jh. [dort als Werk des Jan van Scorel bezeichnet]: [38] L.Nr. 7492; eine Ausnahme bildet J. A. Backers Gem.: Abb. 43). – Wenn die E. um einen Tisch sitzen, ist dieser häufiger bildparallel als schräg in den Raum gestellt; vgl. etwa Pieter Claesz. Soutman, Gem. im Nat.Mus. in Stockholm (s. Sp. 497) und Joachim Beuckelaer, Tafelbild in der Gem.Gal. Dresden, dat. 1567 (Inv. Nr. 831: Anneliese Mayer-Meintschel, Niederländ. Mal., 16. und 17. Jh. [= Staatl. K.slgn. Dresden. Gem.Gal. Alte Meister, Kat. 1], Dresden 1966, S. 18, Abb. 54), sowie das Bild des Christoph Gertner (?) in Wolfenbüttel, Marienkirche, um 1620 (Friedrich Thöne, Wolfenbüttel, Geist und Glanz einer alten Residenzstadt, Mchn. [1963], Abb. 65). Auf dem Kupferstich des Carl Gustav Amling, 3. Dr. 17. Jh., halten die E. gemeinsam ein Buch, auf dem „liber vitae“ steht (München, Staatl. Graph. Slg., Inv.Nr. 119220).

4. Gestalt, Tracht

Geflügelte E. sind ein charakteristisches Motiv des Spät-MA.

Sie finden sich bei dem Meister der Brüsseler Initialen, 14. Jh. (Parma, Bibl. Palat., cod. lat. 159, fol. 17v, und Cleveland, Mus. of Art, Heures de Charles le Noble, S. 42, 45, 49, 53: Millard Meiss, French Painting in the Time of Jean de Berry. The Late 14th C. and the Patronage of the Duke, London 1967], Tafelbd. Abb. 728–31, 734), auf dem Tafelbild des Turone da Verona, 1360 (Verona, Castelvecchio: ebd. S. 396 Anm. 23), und auf einem Vortragekreuz in Chur, M. 14. Jh. (Dom-Mus.: Inv. Schweiz 20, Abb. 164). Im 16. Jh. stellte sie Hans Sebald Beham in einer Stichfolge v. J. 1541 dar (Hollstein, German Engr., Bd. 3 S. 36 B. 55–58 m. Abb.; kopiert auf Prägerollen für Bucheinbände: Ilse Schunke, Stud. zum Bilderschmuck der dt. Renss.-Einbände, Wiesbaden 1959, S. 63ff., Taf. 6,1). Auf eine noch nicht ermittelte Vorlage geht eine andere Reihe von Beispielen des 16. Jh. zurück (vgl. z. B. die Plaketten in Berlin: Kat. Bange 1923 S. 98, Taf. 15; [35] Nr. 21 S. 94ff., Abb. 34).

Mit Bart sind in der mittel- und westeuropäischen Kunst gewöhnlich die Synoptiker wiedergegeben, während Johannes meist jugendlich-bartlos dargestellt wird (s. oben Sp. 453), vgl. etwa Abb. 47.

Italienische Beispiele des 15. Jh. hingegen schildern Johannes gern als bärtigen Greis. Sie gehören größtenteils der Wandmalerei an; zu den selteneren Beispielen aus anderen Kunstgattungen zählen die Sakristeitüren des Luca della Robbia im Dom von Florenz, 1469 voll. (Leo Planiscig, L. d. R., Wien [1940]2, Abb. 104). Vereinzelt findet sich diese Charakterisierung des Johannes noch im 16. Jh.: auf dem Fresko Pintoricchios in S. M. del Popolo, Rom 1509 (Enzo Carli, Il P., Mailand 1960, Abb. 152). – Außerhalb Italiens ist die Zahl der bärtigen Johannes-Bilder geringer; vgl. etwa die Miniatur zu Beginn der Legenda Aurea in einer Hs. des 14. Jh. in Chantilly (Mus. Condé, ms. fr. 1335: Meurgey, Taf. 31), den sog. Burgunderkelch in Risch, Kt. Zug, 1476 (Inv. Schweiz 5, Abb. 187) und, als Beispiel des 18. Jh., eine Zeichnung im dt. K.handel (Abb. 48).

Über das Aussehen des Johannes sind in der bilderkritischen Literatur der Neuzeit Betrachtungen angestellt: Molanus, De hist. ss. imaginum et picturarum ..., Ausg. Löwen 1771, S. 398ff.; Philippus Rohr, Pictor errans in hist. sacra ..., Eisenberg 1700, Bl. C 3.

Der gegürtete Rock und ein Umhang sind den E. am häufigsten als Kleidung gegeben. Bei Johannes ist diese Tracht die Regel; bei den übrigen wird gelegentlich im 15., 16. und 17. Jh. eine Kopfbedeckung hinzugefügt, die der zeitgenössischen Landestracht entnommen (so in der E.-Folge des Hans Sebald Beham, 1530: Hollstein, German Engr., Bd. 3 S. 190, P. 879ff.), aber auch turbanähnlich sein kann (Deckengem. der Capp. di Mantegna in S. Andrea in Mantua von Correggio, 1512–13: Corrado Ricci, C., Rom [1929], Taf. 8; Jan Philips Schabaelie, Hist. Beschrijving van het Leven Onses Heeren Jesu Christi ..., Leeuwarden 1681, Abb. nach S. 16).

Modische Kleidung tragen anscheinend mit Vorliebe die Synoptiker, am häufigsten im 15. und 16. Jh. Die Beispiele entstammen – mit wenigen Ausnahmen – dem deutschen Sprachbereich; zu den seltenen französischen Darstellungen gehört der Matthäus im Stundenbuch der Anne de Bretagne, um 1497 (Paris, Bibl. Nat., ms. lat. 9474, fol. 21v: Henry Martin, St. Matthieu [= L’art et les saints], Paris 1926, Abb. S. 41). Öfters sind E. in der beginnenden Neuzeit wie Gelehrte gekleidet (Abb. 36 und 39; s. a. *E.-Symbole, Abb. 31); Beispiele aus der Bibelill. sind die Initialen des sog. September-Testaments von 1522 (Schramm a.a.O. Taf. 1 Abb. 2, Taf. 2 Abb. 3f.). – Die Angabe Brauns, daß Matthäus seltener Gelehrtentracht trage als die beiden anderen Synoptiker (Tracht und Attribute, Sp. 786), läßt sich nicht bestätigen.

Antikisierende Gewandung (Abb. 42) tragen die E. vereinzelt schon im hohen MA, z. B. in der sog. Bibel des Konradin, gegen 1268 (Baltimore, Maryland, Walters Art Gall., Ms. 152, fol. 66v: Angela Daneu Lattanzi, Lineamenti di storia della min. in Sicilia [= Storia della min., studi e documenti, Bd. 2], Florenz 1966, Abb. 51); im 15. Jh. aber, hauptsächlich in Italien, findet man sie häufiger so gekleidet: die E. auf Donatellos Tondi (Abb. 35) sind in Tunika und Chlamys wiedergegeben. Im 16. und 17. Jh. – selten im 18. Jh. – gibt es auf deutschen und niederländischen Tafelbildern E. in historisierender antiker Kleidung, die oft nur aus einem übergeschlagenen Mantel besteht, so bei Godfried Maes, Bild des Markus in Vilvoorde (s. oben; [38] L.Nr. 8475).

E. in Mönchs- oder Klerikergewand sind nur gelegentlich anzutreffen, zuletzt im 17. Jh. Die Beispiele verteilen sich ohne besondere zeitliche und örtliche Schwerpunkte auf alle Länder. Als eine der in der Bibelillustration des 15. Jh. geläufigen Darstellungen sei ein Holzschnitt der Bibel des Johann Grüninger, Straßburg 1485, angeführt [37, Bd. 20, Abb. 103].

Orientalisierende Kleider werden den E. in der Zeit vom 15.–18. Jh. nur ausnahmsweise gegeben, Kopfbedeckungen dieser Art hingegen häufiger. Den Vorstellungen von orientalischer Kleidung entsprechen die Gewänder des Matthäus, Markus und Johannes auf dem Altar des Nicolò d’Antonio dall’Arca in S. Domenico in Bologna, begonnen 1469 (Cesare Gnudi, N. dell’A., Turin 1942, Abb. 27ff., 30), und das Kostüm des Markus auf einem Hendrick ter Brugghen zugeschriebenen Gemälde aus der 1. H. 17. Jh. (1942 im K.handel Dr. K. Erasmus, Aerdenhout: [38] L.Nr. 8812).

5. Attribute

Die – im MA übliche – Darstellung der E. mit Nimben wurde in der Neuzeit seltener.

Buch, Schriftrolle, Spruchband, auch die Tafel, sowie ihre Inschriften kennzeichnen die E. als Verfasser der Evangelien; die wenigen Beispiele, bei denen diese Charakterisierung fehlt, sind gewöhnlich stehende E. (Abb. 42). – Die Auffassung von Sauer (S. 229), wonach die Schriftrolle Attribut derjenigen sei, die mündlich gewirkt haben, während die E. als Verfasser der Evangelien mit Büchern abgebildet würden, trifft nicht zu.

Am häufigsten dient das Buch als Attribut. In der italienischen, französischen und deutschen Kunst des 15. Jh. kommen Schriftrollen besonders oft vor; ein niederländisches Beispiel ist ein Tafelbild von etwa 1475 (Rijksmus. Twenthe zu Enschede: Godfried Joannes Hoogewerff, De Noord-Nederl. Schilderk., Bd. 2, Den Haag 1937, S. 304f., Abb. 147). In den folgenden Jhh. nimmt die Zahl der Beispiele ab.

Das Spruchband, im MA häufig, kommt von Beginn der Neuzeit an nur noch ausnahmsweise vor (Abb. 36).

Die häufigsten E.-Attribute sind nach wie vor die *E.-Symbole; diese, in vielen Fällen nicht nur additive Beigabe, halten selbst Attribute (wie anders Engel oder Putten), inspirieren oder dienen als Sitz bzw. als Fußschemel (s. Sp. 505).

Das Symbol des Matthäus ist öfters mit Buch, Spruchband oder Tintenfaß dargestellt (Köln, Dom, Petersportal, Archivoltenfigur, um 1380–1400: Wilh. Quinke, Das Petersportal am Dom zu Köln [= Kg. Forschgn. des Rhein. Ver. für Dpfl. u. Heimatschutz, Bd. 3], Bonn 1938, Abb. 33; London, Westminster Abtei, Grabkapelle Heinrichs VI., um 1505 bis 1515: Lawrence Stone, Sculpture in Britain: The Middle Ages [= Pelican Hist. of Art 9], Harmondsworth, Middlesex, Baltimore usw. 1955, Taf. 188 A), vereinzelt auch die übrigen Symboltiere (Abb. 33; s.

a. *E.-Symbole, Abb. 22; ferner Luzein, Kt. Graubünden, Kirche, Deckenmal. im Chor, Ende 15. Jh.: Inv. Schweiz 9, Abb. 95; Regensburg, Hl. Kreuz, Johannes am Hochaltar, 1751–56: Willi Keßel [= K.führer Nr. 773], Mchn. und Zürich 1963, S. 14, Abb. S. 13; Abb. 54).

Die Darstellungen von E., die auf den Symboltieren sitzen (Abb. 51) oder ihre Füße auf sie setzen, zeigen z. B.: eine Illustration zu den Postillen des Nikolaus von Lyra (Markus auf dem Löwen sitzend: Admont, Stiftsbil., cod. 115, fol. 113, um 1457: Beschr. Verz. Österr. Bd. 4, S. 105, Taf. 11, 3); Jean Goujon, Markus und Lukas, 1544–45, Paris, Louvre (Pierre du Colombier, J. G., Paris [1949], Taf. 3f.). – Paolo Veronese zeigt Lukas und Johannes auf Stier bzw. Adler reitend (Venedig, Gall. dell’Accad., Inv.Nr. 322 und 328, um 1582: Sandra Moschini Marconi, Gall. dell’Accad. di V., opere d’arte del sec. XVI, Rom 1962], S. 88, Nr. 141 d mit Abb.).

Attribute, die auf die Biographie der E. anspielen, dienen zusätzlicher Charakterisierung. So tritt um 1480 auf dem niederländischen Altar des Meisters der Virgo inter virgines Johannes mit Kelch und Schlange auf, Matthäus mit Beil als Zeichen seines Martyriums (Salzburg, Mus. Carolino Augusteum: Hoogewerff a.a.O. Abb. 121); Johannes mit Kelch ist an der ebenfalls um 1480 entstandenen Monstranz in Honnef zu finden (St. Johann Baptist: Lotte Perpeet-Frech, Die gotischen Monstranzen im Rheinland, Ddf. 1964, Nr. 67, Abb. 182). Eines der späten Beispiele findet sich in der Folge der E. und Jahreszeiten von Joh. Christ. Steinberger nach Gottfr. Bernh. Goetz, 1. H. 18. Jh. (München, Staatl. Graph. Slg., Inv.Nr. 211 731). Das Stundenbuch der Juana von Kastilien gibt Lukas schreibend vor einem Muttergottesbild wieder (London, Brit. Mus., Add. Ms. 18 852, fol. 184; um 1500: Heinr. Schwarz, in: „Stud. in the Hist. of Art. Dedicated to William E. Suida on his 80th Birthday“, London] 1959, S. 98 Abb. 10), ferner Johannes mit Kelch und Lukas mit Muttergottesbild auf dem Chorgestühl des Domes zu Münster, vor 1539 (Inv. Westfalen 41, 5, Abb. 1429f.). Mit Pinseln und Palette ist Lukas auf dem Fayenceofen in der Schatzkammer des Klosters Mittelzell, Reichenau, abgebildet (1604; Badische Heimat 41, 1961, 141–53, Abb. 1ff.). – In den E.-Zyklen der Neuzeit kommen die biographischen Attribute am häufigsten bei Lukas vor, seltener bei Johannes, vereinzelt bei Matthäus.

B. Ikonologie

1. E. und andere Vierergruppen

E. und andere Vierergruppen werden im Spät-MA und in der Neuzeit seltener als im Hoch-MA einander zugeordnet. Zu neuen Gruppierungen kam es nur ausnahmsweise, selbst die alten sind teils selten, teils nicht mehr weitergeführt worden (z. B. war die Verbindung der E. mit den Paradiesesflüssen nur vereinzelt und die mit den vier Himmelsrichtungen nicht nachzuweisen).

a) Am häufigsten und meist in Wandmalereien belegt ist die – neue – Zusammenstellung mit den Kirchenvätern, die als die Vertreter der von der Reformation verworfenen kirchlichen Tradition im Zug der Gegenreformation besondere Betonung erfuhren. Eine feste Regel, welchem E. ein bestimmter Kirchenvater zuzuordnen war, ist nicht erkennbar. Mehrfach findet man Johannes und Augustinus einander gegenübergestellt, auch Matthäus und Hieronymus sowie Lukas und Hieronymus treten gemeinsam auf; offenbar bleiben manche Gruppierungen ausgeschlossen, wie – nach dem vorliegenden Material – Lukas und Augustinus. Völlige Übereinstimmung in der Zuordnung bei verschiedenen Werken kann auf ein Abhängigkeitsverhältnis hinweisen. Kirchenväter und E. können unvermittelt nebeneinander erscheinen oder durch Gespräch und Diktat miteinander verbunden sein: auf Correggios Fresken in der Kuppel von S. Giov. Ev. in Parma, 1520–24, schreiben Ambrosius und Hieronymus nach dem Diktat des Lukas und Matthäus, die neben ihnen sitzen (Augusta Ghidiglia Quintavalle, Gli affreschi del C. in S. Giov. Ev. a Parma, Mailand [1962], Taf. 32 und 35).

Das System der formalen Zuordnung wechselt. Auf den Flügeln von Altarretabeln wurden auf den Außenseiten die Kirchenväter, auf den Innenseiten die E. dargestellt, z. B. in Disentis, Kt. Graubünden, Kap. der hl. Agatha, ehem. Hauptaltar, um 1616 (Inv. Schweiz 14, S. 104f., Abb. 113). Paarweise erscheinen je ein Kirchenvater und ein E. in der Wandmalerei des Benozzo Gozzoli im Tabernacolo di S. Chiara in Castel Fiorentino, um 1468 (Elena Contaldi, B. G., Mailand 1928, Abb. 114f.) und auf den vier von Joh. Michael Rottmayr freskierten Pendentifs in der Stiftskirche zu Melk, zwischen 1716 und 1722 (Abb. 49); ein annähernd gleichzeitiges Beispiel ist eine Zchg. im dt. K.handel (Abb. 48). Als jeweils für sich stehende, aber zueinander in Parallele gesetzte Vierergruppen stellten Lor. Ghiberti und Luca della Robbia E. und Kirchenväter übereinander dar (nördl. Baptisteriumstür in Florenz, 1403–24: Rich. Krautheimer, L. G., Princeton N. J. 1956, Taf. 18–22; Sakristeitür im Dom zu Florenz, 1469 voll.: Planiscig a.a.O. Abb. 102, 104–11). Den E. am linken Turm der Salzburger Kollegienkirche stehen auf dem rechten die Kirchenväter gegenüber (Lothar Pretzell, Salzburger Barockplastik, Bln. 1935, Abb. 29 c und d). In alternierender Folge schildert Luca Signorelli E. und Kirchenväter (Kuppelfresko der Sagrestia della Cura in Loreto, um 1479: Venturi Bd. 7, 2, Abb. 241, 248–52). Bei zonenweiser Anordnung pflegen die E. über den Kirchenvätern abgebildet zu werden (Luca della Robbia, s. oben). – Auch findet man beide Vierergruppen als Bildschmuck von Kanzeln (z. B. Kanzel im Dom zu Würzburg 1609–10: Inv. Bayern, Ufr. Bd. 12, S. 54ff., Abb. 33).

b) Die E. sind mit den vier großen Propheten anscheinend im protestantischen Bereich öfter gemeinsam dargestellt, sowohl paarweise wie gruppenweise, ohne festes Schema.

Auf der Kanzel des Ludwig Münstermann in Rodenkirchen, 1631, stehen Jesaias und Hesekiel, Jeremias und Daniel – jeweils als Zweiergruppen – den E. Matthäus und Lukas, Markus und Johannes gegenüber (Harald Busch und Siegfried Fliedner, Welt im Zwielicht. Das Werk des Bildhauers L. M., Oldenburg und Hbg. 1967, Abb. 47). Die Wandmalereien der Kirche in Passenham, England, 1628, zeigen auf der S-Seite die E. Matthäus, Lukas, Johannes (Markus zerstört), denen auf der N-Seite Daniel, Ezechiel, Jeremias, Jesaias entsprechen (E. Clive Rouse, Murals at Passenham, Apollo 79, 1964, 129–32, Abb. 2f.).

c) Zuweilen sind die E. eine unter mehreren (Vierer-)Gruppen.

Neben Propheten, Kirchenvätern und -lehrern bildet sie Lorenzo da Viterbo ab (voll. 1469); zusammengestellt werden dort: Matthäus mit David, Hieronymus und Bernhard von Clairvaux; Markus mit Daniel, Ambrosius und Johannes Chrysostomus; Lukas mit Jesaias, Gregor und Petrus Damiani; Johannes mit Hesekiel, Beda Venerabilis und Augustin (Abb. 37). – In den Pendentifs von Il Gesù in Rom, 1676–77 von Giov. Batt. Gaulli gen. Bacciccio, sind neben den E. Propheten, Gesetzgeber und Führer Israels sowie Kirchenväter als Vierergruppen abgebildet (Rob. Enggass, The Painting of B., Univ. Parc, Pennsylvania 1964, S. 37ff., Abb. 58–66). – Pintoricchios Deckenmalerei in S. M. del Popolo, Rom, voll. 1509, schildert über den Kirchenvätern die E. zwischen Sibyllen: Persica, Erythraea, Cimmeria, Delphica (Carli a.a.O. S. 83ff. Abb. 143–53, 155–58).

Die Zusammenstellung von E., Paradiesflüssen und Tugenden auf dem Taufbecken des Adriaen de Vries in der Stadtkirche in Bückeburg, 1615, ist ein singulärer Fall für die Wiederaufnahme eines Bildprogrammes, das im MA mehrfach vorkommt (Lars Olof Larsson, A. d. V., Wien und Mchn. 1967, S. 78f., Abb. 150ff.).

Außerdem finden sich E. an Kanzeln häufig im Rahmen größerer Bildprogramme, vorzugsweise zusammengestellt mit *Erdteilen, Tugenden, fünf *Sinnen (vgl. P. Poscharsky a.a.O. [Sp. 489], S. 186).

2. Sonstige Gruppierungen

Die im Hoch-MA gebräuchliche Zuordnung einzelner E. zu bestimmten Szenen(gruppen) aus dem Leben Jesu (s. Sp. 482ff.) klingt noch gelegentlich im Spät-MA nach.

In der Bibelillustration des 15. Jh. ist mit einiger Regelmäßigkeit Matthäus mit den Vorfahren Christi dargestellt, Markus mit dem Auferstandenen, Lukas mit der Geburt Christi (zusätzlich Anbetung der Könige, Darbringung im Tempel) und Johannes mit der Dreifaltigkeit (Beispiele bei [37], Bd. 2 Abb. 156–59, Bd. 11 Abb. 1046f., Bd. 18 Abb. 285–88). Diese Gruppierungen sind seit dem 16. Jh. nicht mehr belegt.

Später findet man E., die durch ihre Anordnung auf Szenen aus der Heilsgeschichte bezogen scheinen; tatsächlich handelt es sich hierbei in der Regel um das Nebeneinander für sich stehender, gleichsam addierter Bestandteile einer Bilderfolge, der kein einheitlicher Gedanke zugrunde liegt (als Beispiele hierfür seien die Kanzeln des sog. Eiderstädter Typus genannt: Poscharsky a.a.O. S. 182ff.).

Alle vier E. können Darstellungen der Dreifaltigkeit begleiten (Gnadenstuhl: Triptychon aus Lüttich [?] in Berlin, um 1390: Panofsky, Netherl. Painting, Bd. 2 Abb. 153), auch Bilder Christi (St. Goar, Kanzel der Stiftskirche, 1460/ 70: Reinhardt Hootz, Rheinland-Pfalz, Saar [= Dt. Kdm.], Darmstadt [1958], Abb. 215). Sie können ferner alle vier einer Szene aus dem Leben Jesu zugeordnet sein: Christus mit den Jüngern (Plenarium, Straßburg 1488: [37] Bd. 20 Abb. 1697), dem Abendmahl (Salzburg, Dom, Tabernakel auf dem Altar des n. Qsch., 1. H. 17. Jh.: Inv. Österr. 9, Abb. 37), der Kreuzigung und dem Gekreuzigten (Stade, Hauptaltar von St. Cosmae, 1674–77: Inv. Niedersachsen, Stadt Stade, Tafelbd. Abb. 124; Joh.Gg. Mutschele zugeschr., Bamberg, Obere Brücke, 1715: Johannes neben dem Kreuz, die Synoptiker darunter dargestellt [Abb. 47]), der Grablegung (Hendrick Goltzius nach Antonius van Blocklandt, Stich, dat. 1583: Abb. 40).

Auf den von Bonaventuras Traktat „Lignum vitae“ angeregten allegorischen Darstellungen sind öfters die E. als Berichterstatter vom Leben Jesu anzutreffen (einige Beispiele bei Henry Thode, Franz von Assisi und die Anfänge der Renss. in Italien, Bln. 19042, S. 546–53; außerdem gibt es zahlreiche Miniaturen; vgl. auch Abb. 36).

Auf das Altarsakrament bezügliche Wiedergaben der E. kennen Katholiken wie Protestanten. Abgesehen von E. an Altären (z. B. München, Theatinerkirche, ehem. Hochaltarfiguren um 1672 von Balthasar Ableitner [z. T. zerstört]: Abb. 46; Hochaltar der Wies, 1749; s. a. Hans Carl von Haebler, Das Bild in der evangelischen Kirche, Bln. [1956], S. 33) findet man sie auf Altartabernakeln (z. B. Sattledt, O.Ö., 1701 gestiftetes Tabernakel aus Heiligenkreuz, O.Ö.: Heinr. Decker, Barock-Plastik in den Alpenländern, Wien 1943, Abb. 155–58) und auf Gemälden mit eucharistischer Thematik: José Risueño zeigt sie unterhalb der in Wolken erscheinenden Eucharistie (zw. 1690 und 1720: Erzbischöfl. Palais zu Granada: Manuel Trens, La Eucaristía en el arte español, Barcelona [1952], Abb. 166). Außerdem werden im protestantischen Bereich auf Bildern der Confessio Augustana die drei Synoptiker und Paulus, die über die Einsetzung des Abendmahls berichten, am Altar dargestellt (Tafelbild der Georgenkirche in Eisenach, 1617: Inv. Thüringen 3, 1, Abb. nach S. 232).

E. und Glaube(nsbekenntnis). Auf einem Stich des Simon de Fries, 1606 nach David Vinckeboons, mit der „Allegorie auf das Glaubensbekenntnis“ sitzen die E. auf den Kämpfern und vor den Basen des Triumphbogens (Hollstein, Dutch Fl. Engr., Bd. 7 S. 14, Nr. 3 m. Abb.).

E. und Kirche. Die E. finden sich auch in den Mastkörben des „Schiffes der Kirche“ (Gem. vom A. 17. Jh. im Bischöfl. Mus. in Haarlem: Kat. 1900, S. 74 Nr. 308 [Fot. RDK]). – In einer französischen Historienbibel des 15. Jh. bestatten die E. gemeinsam mit Christus und der Kirche das alte Gesetz (Paris, Bibl. Nat., ms. fr. 166, fol. 40v: Bernh. Blumenkranz, Juden und Judentum in der ma. K., Stg. 1965, S. 41f., Abb. 47). – Auch in polemischen Darstellungen sind zuweilen die E. vertreten: auf einem Girolamo da Treviso zugeschriebenen Gemälde steinigen die vier E. den Papst (zw. 1542 u. 1544, Hampton Court Palace, Royal Coll.: James Lees-Milne, Tudor Renss., London 1951, Abb. 62; Phil. Pouncey, G. da T. in the Service of Henry VIII., Burl. Mag. 95, 1953, 208f., Abb. 56).

Die wie Heilige behandelten E. (Kirchenpatrone; in Verbindung mit anderen Heiligen)

werden hier nicht berücksichtigt. Eine Ausnahme bildet das Paar Johannes – Margareta, in dem der E. als Autor des Evangeliums erscheint: der Prolog des Johannes-Evangeliums und die Passio der hl. Margareta wurden bei schwerer Geburt verlesen (Franz, Benediktionen, Bd. 2 S. 193f.). Diese beiden Helfer wurden gemeinsam auf dem Altar des Bartholomäusmeisters in der A. Pin. in München abgebildet (Stange Bd. 5 Taf. 139).

Zu den Abbildungen

1. Paris, Louvre, Inv.Nr. 3851, Christusmedaillon, Paulus und Lukas. Elfenbein, 15,3 × 10 cm. Gallien (?), 5. Jh. (?). Nach Foto unbekannter Herkunft (Nachlaß Ernst Gall).

2. Ravenna, Erzbischöfl. Mus., Johannes d. T. und die vier Evangelisten. Fünf Elfenbeinreliefs von der Frontseite der Kathedra des Maximian (Gesamtabb.: Volbach-Hirmer, Abb. 226), Gesamtmaße 1,50 × 0,60 m. Ravenna (?), 546–56 (?). Nach Fot. unbekannter Herkunft (ZM).

3. Ravenna, S. Vitale, der Evangelist Johannes mit seinem Symbol. Mosaik an der S-Wand des Presbyteriums. Vor 547. Fot. Eugen Kusch, Nürnberg.

4. Rossano, Erzbischöfl. Mus., Cod. Rossanensis (Evangeliar), fol. 121, der Evangelist Markus. Kleinasien, Ende 6. Jh. Nach Ausg. Arthur Haseloff, Bln. und Lpz. 1898, Taf. 14.

5. Cambridge, Corpus Christi College, Ms. 286 (Evangeliar des hl. Augustin), fol. 129v, Evangelist Lukas mit Symbol und Szenen aus dem Evangelium. Italien, Ende 6. Jh. Nach Francis Wormald a.a.O. (Sp. 462), Taf. 7.

6. Rom, Comodilla-Katakombe, Evangelist Lukas. Wandgem. 7. Jh. Nach Pasquale Testini, Le catacombe e gli antichi cimiteri crist. in Roma, Bologna 1966, Abb. 193.

7. London, Brit. Mus., Ms. Cotton Nero D. IV (Cod. Lindisfarnensis), fol. 137v, Evangelist Lukas mit seinem Symbol. Northumbrien, zwischen 687 und 698 (?). Nach Faks.-Ed. Olten und Lausanne 1956.

8. Trier, Domschatz, ms. 61 (alt 134; Evangeliar), fol. 125v, Evangelist Lukas mit seinem Symbol. Echternach, um 730. Fot. Ann Münchow, Aachen.

9. Stockholm, Kgl. Bibl., cod. A. 135 (Evangeliar), fol. 150v, Evangelist Johannes mit seinem Symbol. Canterbury, um 750. Nach [29], Bd. 4 Taf. 283.

10. Autun, Bibl. munic., ms. 3 (Gundohinus-Evangeliar), fol. 187v, Evangelist Lukas mit seinem Symbol. Burgund, dat. 754. Nach [29], Bd. 1 Taf. 83.

11. Kremsmünster, Stiftsbibl., Cim. 1 (Evangeliar; Cod. Millenarius), fol. 17v, Evangelist Matthäus. Kremsmünster oder Mondsee, um 800. Fot. Oscar Poss, Regensburg, AS 32619.

12. Gent, St. Bavo, Kathedralarchiv, ms. o. Nr. (Evangeliar), fol. 183v, Johannes bringt Christus sein Evangelium dar. St-Amand, um 800. Fot. Stadtbildstelle Aachen.

13. Paris, Bibl. Nat., ms. lat. 8850 (Evangeliar aus St-Médard in Soissons), fol. 81v, Evangelist Markus und sein Symbol. Hofschule Karls d.Gr., A. 9. Jh. (vor 827). Nach [31], Bd. 2 Taf. 83.

14. Paris, Bibl. Nat., Cabinet des Médailles, Inv.Nr. 303, Evangelisten. Elfenbeinreliefs, 22,2 × 12 cm.

Hofschule Karls d. Gr., A. 9. Jh. Fot. Ann Münchow, Aachen.

15. Brüssel, Bibl. roy., ms. 18 723 (Evangeliar aus Xanten), fol. 16v, Majestas Domini und Evangelisten. Aachen, A. 9. Jh. Nach [31], Bd. 3 Taf. 44.

16. Rom, S. Paolo f. l. m., Bibel aus S. Callisto, fol. 256(v?), Majestas Domini und Evangelisten. Reims oder St-Denis, um 870. Fot. Bildarchiv Maria Laach, Nr. 716/17.

17. München, Bayer. Staatsbibl., cod. lat. 4453 (Evangeliar Ottos III.), fol. 25v, Evangelist Matthäus. Reichenau, Ende 10. Jh. Fot. Marburg, Nr. 101 061.

18. Paris, Bibl. Nat., ms. lat. 8851 (Evangeliar der Ste-Chapelle in Paris), fol. 52v, Evangelist Markus. Trier, Meister des Registrum Gregorii, um 1004–05. Fot. Bibl.

19. Hildesheim, Domschatz, Nr. 18 (Evangeliar), fol. 75v, 76, Ill. am Beginn des Mk.-Evangeliums. Hildesheim, vor 1015. Fot. L.Mus. Hannover.

20. Aachen, Schatzkammer des Domes, Buchdeckel. Silber, getrieben, und zwei Elfenbeinreliefs, 30,8 × 23,7 cm. Fulda (?), um 1020 (?). Fot. Ann Bredol-Lepper, Aachen.

21. Uppsala, Univ.Bibl., Evangeliar aus dem Dom zu Goslar, fol. 125v, Evangelist Johannes. Echternach, M. 11. Jh. Fot. unbekannter Herkunft (Nachlaß Ernst Gall).

22. Prag, Univ.Bibl., ms. XIV. A. 13 (sog. Cod. Vyšehradensis), fol. 1v, Evangelisten. Böhmen, um 1085. Fot. Denkmalamt Prag, Nr. 70 863.

23. Hannover, Kestner-Mus. Inv.Nr. W. M. XXI a. 8, Kreuzfuß. Bronze, vergoldet, 27,3 cm h., 24,4 cm Dm. Aus dem Schatz der Goldenen Tafel in St. Michael in Lüneburg. Niedersachsen (?), Ende 11. Jh. Fot. Christa Mosel, Hannover.

24. Münster i. Westf., Staatsarchiv, ms. VII. 1007a (Evangeliar), fol. 34v, Petrus diktiert dem Evangelisten Markus. Westfalen (Niedersachsen?), A. 12. Jh. Fot. Marburg, Nr. 239250.

25. Köln, Stadtarchiv, ms. 312 a (Evangeliar aus St. Pantaleon), fol. 110v, Evangelist Lukas. Köln, M. 12. Jh. Fot. Marburg, Nr. 239418.

26. Freudenstadt i. Schw., Evangel. Pfarrkirche, Lesepult aus der Klosterkirche Alpirsbach. Lindenholz, ca. 90 cm h. Hirsau (?), M. 12. Jh. Fot. Schmidt-Glassner, Stg.

27. Ehem. Dresden, Sächs. L.Bibl., ms. A. 94 (Evangeliar), fol. 1, Evangelist Matthäus und Juden. Niedersachsen, 4. V. 12. Jh. Nach Bruck, Abb. 30.

28. Braunschweig, Dom, Evangelist. Grubenschmelzplatte vom Knauf des siebenarmigen Leuchters. Köln oder Braunschweig, um 1170–1180. Fot. Khist. Inst. der Univ. Bonn.

29 a und b. Florenz, Mus. Naz., Inv.Nr. 667–670, Evangelisten, Teile von einem Kreuzfuß. Bronze, Maas, 4. V. 12. Jh. Fot. Alinari, Florenz, Nr. 46 470.

30. Engelberg, Kt. Unterwalden, Evangelist Lukas. Silber, getrieben und vergoldet, Filigran; Detail von einem Reliquienkreuz (Gesamtabb.: Aachener K.bll. 35, 1968, 77). Oberrhein (?), A. 13. Jh. Fot. Karl-August Wirth, Mchn.

31. St-Benoît-sur-Loire (Indre), Abteikirche, thronender Christus und Evangelisten. Tympanonrelief des N-Portals. Vor 1218. Fot. James Austin, Cambridge, TA 7.

32. Aschaffenburg, Hofbibl., ms. 13 (Evangeliar aus Mainz), fol. 79, Initiale I(n principio; Joh. 1, 1). Mittelrhein, um 1260. Fot. Max Hirmer, Mchn., Nr. 24 217.

33. Kremsmünster, Stiftsbibl., cod. 354 (Aichbibel), fol. 83, Initiale I(nitium evangelii Jesu Christi; Mk. 1, 1). St. Florian, um 1310. Fot. Khist. Inst. der Univ. Wien, Nr. 689.

34. Meister Theoderich, Evangelist Lukas mit seinem Symbol. Wasserfarben auf Holz, 1,15 × 0,93 m. Karlstein, Hl. Kreuzkapelle, Altarwand. Um 1365. Fot. Denkmalamt Prag, Nr. 34049.

35. Donatello, Evangelist Markus mit seinem Symbol. Stuck, gefaßt, Dm. 2,15 m. Florenz, S. Lorenzo, Alte Sakristei. 1434–37. Fot. Alinari, Florenz, Nr. Brogi 8669.

36. Unbekannter Aufbewahrungsort, Kalvarienberg mit Lignum Vitae, Gottvater, Hl.-Geisttaube, Maria mit Kind, Maria-Ekklesia, Patriarchen, Propheten und Apostel, die vier E. Gem. auf Holz, Maße unbekannt. Deutschland, 2. Dr. 15. Jh. Fot. unbekannter Herkunft (RDK).

37. Lorenzo da Viterbo, Evangelisten mit ihren Symbolen, Propheten, Kirchenvätern und Kirchenlehrern. Gewölbefresko in der Capp. Mazzatosta an S. M. della Verità (Mus. civ.), Viterbo. Voll. 1469. Fot. Alinari, Florenz, Pe 2a No. 8060 b.

38. Jan Pollak, die vier Evangelisten. Tempera auf Holz, 0,52 × 1,46 m. München-Blutenburg, Schloßkapelle, Predella des Hochaltars. Um 1491. Fot. Landesamt für Dpfl., Mchn.

39. Los Angeles, K.handel (1966), die vier Evangelisten mit ihren Symbolen. Federzchg., laviert, ca. 27 × 40 cm. Schweiz (Schule Hans Holbeins d. J.?), 1539 (?). Fot. unbekannter Herkunft (RDK).

40. Hendrick Goltzius nach Antonius van Blockland, Christus im Grab, Maria Magdalena, die Evangelisten mit ihren Symbolen, Auferstehung Christi. Kupferstich, 33,8 × 43,6 cm. Dat. 1583. Fot. [38] L.Nr. 23 994.

41. Michelangelo da Caravaggio, Evangelist Matthäus mit seinem Symbol. Gem. auf Lwd., 2,23 × 1,83 m. Ehem. Berlin, Staatl. Mus. (1945 verbrannt). 1597–98. Fot. Mus.

42. Anton Eisenhoit, Buchdeckel, Klemens VIII., die Evangelisten, Putten, Flußgötter von Diemel und Lippe. Silber, getrieben, 39 × 26 cm. Herdringen Krs. Arnsberg, Schloß. Um 1600. Fot. Landesamt für Dpfl. Münster i. Westf., T. 39.

43. Jacob Adriaensz. Backer (1608–51), Vierevangelistenbild. Gem. auf Lwd., 1,63 × 1,32 m. Göteborg, K.mus., Inv.Nr. 1059. 2. V. 17. Jh. Fot. Mus.

44. Mich. Hönel, Selbstbildnis des Künstlers (?) als Evangelist Lukas. Holzskulptur, später (1654) vergoldet. Gurk, Dom. Zw. 1626 und 1636. Fot. Lala Aufsberg, Sonthofen, Nr. 31 015.

45. Ludwig Münstermann, Evangelist Lukas mit seinem Symbol. Holz, gefaßt. Schwei i. O., Kanzel. 1637–38. Fot. Dr. Kurt Wehlau, Hannover.

46. Balthasar Ableitner, die Evangelisten Lukas und Matthäus. Holz, gefaßt. Ehem. München, Theatinerkirche. Um 1672. Fot. Dr. Franz Stoedtner, Ddf., Nr. 136 826.

47. Joh. Gg. Mutschele (zugeschr.), Christus am Kreuz, Maria, Maria Magdalena, Johannes Ev., die drei Synoptiker und Engel mit den Leidenswerkzeugen. Stein. Bamberg, Obere Brücke. 1715. Fot. Lala Aufsberg, Sonthofen, Nr. 51 673.

48. München, K.handel (1962), Evangelist Johannes mit seinem Symbol und Gregor d. Gr. Federzchg., laviert, 10,5 × 32 cm. Deutschland, um 1720. Fot. RDK.

49. Joh. Mich. Rottmayr, Evangelist Markus und Hieronymus. Gewölbemal., Kuppelzwickel in der Stiftskirche Melk, N.Ö. Zw. 1716 und 1722. Fot. Oscar Poss, Regensburg, Nr. 10 808/33.

50. Joh. Hiebel (Entw.) und Mich. Renz (Ausf.), das Auge Gottes, zu Seiten die E. Kupferstich-Ill. (5,8 × 19,7 cm) zu „Das christliche Jahr, ...“, Prag 1733, S. 1. Fot. RDK.

51. Gregor Theny, Evangelist Lukas. Holz, weiß gefaßt. Saar (Zd’ar), Wallfahrtskirche Johann Nepomuk auf dem Grünen Berg. 1735. Fot. Walter Glock, Mchn.

52. Jacob de Wit, Evangelist Lukas mit seinem Symbol. Grisaille auf Lwd., 85 cm h. Aus der französ. kath. Kirche am Boonmarkt in Amsterdam. Den Haag, K.handel (Cramer; 1969). Um 1741. Fot. Besitzer.

53. Joh. Jak. Zeiller, Evangelist Markus mit seinem Symbol. Gewölbemal., Kuppelzwickel in der Klosterkirche Ottobeuren. Um 1763–64. Fot. Lala Aufsberg, Sonthofen, Nr. 78 742.

54. Seehausen Krs. Weilheim, Obb., St. Michael, Evangelist Johannes mit seinem Symbol. Wandmal. im Lgh. 4. V. 18. Jh. Fot. Corpus der barocken Deckenmal.

Literatur

Zu I und II: 1. Migne, P. L. – 2. Migne, P. G. – 3. Corp. Script. Eccl. Lat. – 4. Griech. chr. Schriftst. – 5. Corp. Chr. Ser. Lat. – 6. Otto Michel, Art. „Evangelium“ in RAC Bd. 6, bes. Sp. 1111–60. – 7. Buchberger. – 8. RGG.

Untersuchungen: 9. Kraus, Bd. 1 S. 458–63. – 10. Anton Baumstark, Zum stehenden Autorenbild der byz. Buchmal., Oriens Christianus, N. Ser. 3, 1913, 305–10. – 11. Ders., Eine antike Bildkomposition in chr.-orientalischen Umdeutungen, Monatshh. für Kw. 8, 1915, 111–23. – 12. Albert Mathias Friend, The Portraits of the E. in Greek and Latin Mss., Art Stud. 5, 1927, 115–47. – 12 a. Ders., ebd. Bd. 7, 1929, 3–29. – 13. Josepha Weitzmann-Fiedler, Ein Evangelientyp mit Aposteln als Begleitfiguren, in: „(Das siebente Jahrzehnt.) Fs. zum 70. Geburtstag von Ad. Goldschmidt“, Bln. 1935, S. 30–34. – 14. Edmund Weigand, Bespr. von [12] in: Byz.Zs. 37, 1937, 166–72. – 15. Werner Weisbach, Les images des évangélistes dans „l’Évangéliaire d’Othon III“ et leur rapport avec l’antiquité, Gaz. des B.-A. 21 (81), 1939, 131–52. – 16. Ders., Die Darstellung der Inspiration auf ma. Evangelistenbildern, Riv. di arch, crist. 16, 1939, 101–27. – 17. Knipping. – 18. Paul A. Underwood, The Fountain of Life in Mss. of the Gospels, Appendix A: Notes on the Symphonia of the Evangelists, Dumbarton Oaks Papers 5, 1950, 118–31. – 19. Dimitri Tselos, Unique Portraits of the Evangelists in an Engl. Gospel-Book of the 12th C., Art Bull. 34, 1952, 257–77. – 20. Albert Boeckler, Die Evangelistenbilder der Adagruppe, Münchner Jb. III. F. 3/4, 1952/53, 121–44. – 21. Elizabeth Rosenbaum, The Evangelist Portraits of the Ada School and their Models, Art Bull. 38, 1956, 81–90. – 22. Hugo Buchthal, A Byz. Min. of the Fourth Evangelist and its Relatives, Dumbarton Oaks Papers 15, 1961, 129–39. – 23. Bernh. Bischoff, Das biblische Thema der Reichenauer „Visionären Evangelisten“, in: „Liturgie. Gestalt und Vollzug. Fs. für Jos. Pascher“, Mchn. 1963, S. 25–32. – 24. Hubert Schrade, Zu den Evangelistenbildern des Münchner Otto-Evangeliars, in: „Beitr. zur Schwäb. Kg., Fs. zum 60. Geburtstag von Werner Fleischhauer“, Konstanz und Stg. 1964, S. 9–34. – 25. Konr. Hoffmann, Die Evangelistenbilder des Münchner Otto-Evangeliars, Zs. d. dt. Ver. für Kw., 20, 1966, 17–46. – 26. Carl Nordenfalk, An Ill. Diatessaron, Art Bull. 50, 1968, 119–40.

Häufiger zitiert wurden: 27. Amédée Boinet, La min. carolingienne, Paris 1913. – 28. Goldschmidt, Elfenbeinskulpturen. – 29. Zimmermann. – 30. Goldschmidt, Buchmal. – 31. Köhler. – 32. Swarzenski, Hss. 13. Jh. – 33. Volbach, Elfenbeinarbeiten. – 34. Swarzenski, Roman.Art. – 35. Steenbock. – 36. Bloch-Schnitzler. – 37. Schramm, Frühdrucke. – 38. Decimal Index.

Verweise