Eudamidas

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englisch: Eudamidas; französisch: Eudamidas; italienisch: Eudamida.


Volker Plagemann (1969)

RDK VI, 254–256


RDK VI, 253, Nicolas Poussin, um 1650, Kopenhagen.
RDK VI, 255, Abb. 1. Wolfenbüttel, 6. Jh.

In dem Dialog Τό ξαρις ἤ ϕιλία, § 22f., gibt Lukian zehn Exempla zum Thema Freundschaft, darunter die Geschichte von dem armen Korinther E., der seine beiden reichen Freunde, den Korinther Areteus und den Sykionier Charixenos, zu Erben einsetzte. Diesem hinterließ er seine heiratsfähige Tochter, damit er sie aussteuere, jenem seine Mutter, damit er für ihren Lebensunterhalt sorge und sie im Alter pflege; falls einem der Erben etwas zustoße, solle auch dessen Teil dem andern zufallen. Nach dem Tode des E. traten die beiden Freunde das Erbe bereitwillig an, und als Charixenos nach fünf Tagen starb, übernahm Areteus seinen Anteil, hielt die Tochter des E. wie seine eigene und verheiratete beide Mädchen am selben Tage. (The Loeb Classical Library, Lucian Bd. 5, London und Cambridge/Mass. 19552, S. 140 und 142.)

E. -Darstellungen aus dem MA sind nicht bekannt; auch die illustrierten Lukian-Drucke des 15. und 16. Jh. enthalten keine. Erst nachdem Lukians Dialoge griechische Schullektüre und – wie seine übrigen Werke – in Frankreich besonders beliebt geworden waren (Ludwig Schenk, Lukian und die franz. Lit. im Zeitalter der Aufklärung, Diss. phil. Mchn. 1931; Michel de Montaigne, Essais, ed. Albert Thibaudet und Maurice Rat, Paris 1962, S. 189: Essai I, 28), wurde der E.-Stoff bildlich behandelt: in den Jzz. um 1650 malte Poussin E. auf dem Sterbebett, sein Testament diktierend (Abb.). Dieses Bild ist für alle bisher bekanntgewordenen E.-Darstellungen direktes oder indirektes Vorbild. In der Aufzählung seiner Kopien und Nachbildungen (bei [1]) erschöpft sich die Geschichte des Bildthemas.

Das Gemälde – wohl auch sein Inhalt – wurde nach 1750 besonders geschätzt (vgl. Diderot, Salons, hrsg. von Jean Seznec und Jean Adhémar, Oxford 1957, Bd. 1 S. 16; Bd. 3, S. 115 und 286). Die Mehrzahl der Wiederholungen stammt aus dieser Zeit, z. B. der Stich des Franc. Bartolozzi, 1765 nach der Gemäldekopie in Corsham Court, Wiltshire [1, Nr. 7], und alle reliefplastischen Beispiele, deren jüngstes, François-Marie Poncet zugeschriebenes, von dem Terrakotta-Relief des Luc François Breton († 1800) abhängig ist (Madeleine Rocher-Janneau, Deux reliefs en terre cuite, Bull. des Mus. Lyonnais 4, 1955, 55–60).

Zu den bei Blunt [1] nachgewiesenen graphischen Reproduktionen sind als Beispiele aus dem 19. Jh. zu ergänzen: Illustration zu Gault de St-Germain, Vie de Nicolas Poussin, Paris 1804, und Stich von Erling Eckersberg, 1832 (Royal Museum of Fine Arts Kopenhagen], Cat. of Old Foreign Paintings, Kopenhagen 1951, S. 242).

Zur Abbildung

Nicolas Poussin, Testament des Eudamidas. Gem., 110,5 × 138,5 cm. Kopenhagen, Kgl. Museum, Inv. Nr. 559. Um 1650. Fot. Mus.

Literatur

1. Sir Anthony Blunt, The Paintings of Nicolas Poussin, London 1966, S. 110f. Nr. 152 (mit Bibliographie).