Eselsturm

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englisch: Eselsturm (tower with staircase of a ramp), spiral ramp; französisch: Tour d'escalier à girons rempants; italienisch: Torre con rampa.


Roswitha Beyer (1968)

RDK VI, 23–24


Die Bezeichnung E. ist an einzelnen Orten traditionell mit bestimmten Türmen verbunden (1) und wurde zeitweise – nach dem Vorgang einiger Lexika – seit dem 19. Jh. zur Charakterisierung von Türmen mit stufenlosem Aufgang verwendet. (2).

1. Der Name E. ist nachgewiesen für: Regensburg, Dom, Turm des 11. Jh. Im 18. Jh. wurde die Benennung auf den stufenlosen gewendelten Aufgang des Turmes zurückgeführt (Abt Anselm, Ratisbona politica, Regensburg 1729, Teil 1 Kap. 22, S. 197), auf dem – wie es später heißt – „die Baumaterialien durch Esel hinaufgetragen wurden“ (Frz. von Paula Ertl, Kurze Übersicht der vorzüglichsten Sehenswürdigkeiten der Stadt R., Mchn., Passau und Regensburg 1842, S. 24; vgl. dazu Eselstreppe). Das genaue Alter des Sprachgebrauchs bleibt noch zu ermitteln, ebenso auch, ob die hier zitierten Erklärungen für die ursprüngliche Benennung bestimmend waren.

Monschau, Schloßturm, vor 1517. Die Bezeichnung scheint von der vor dem Turm befindlichen „Eselsbrücke“, die bereits im Monschauer Landrecht von 1517 diesen Namen trägt (Heinr. Schiffers, Der Esel in Flurbezeichnung und Turmnamen, Kölnische Volksztg. vom 9. Juni 1938, S. 4), auf den Turm übergegangen zu sein. Da Hebemaschinen oder Winden im spät.-ma. Baurechnungen als „asini“ erscheinen (Belege ebd.), nimmt Schiffers (ebd.) an, daß es sich bei dem namengebenden Esel um ein Hebewerk gehandelt habe und die „Eselsbrücke“ eine Zugbrücke gewesen sei.

2. Als Begriff der Fachliteratur hat sich die Bezeichnung E. nicht eingebürgert. Er ist (zuerst?) bei Oscar Mothes, Ill. Bau-Lex. Bd. 2, Lpz. 18824, S. 266, zu fassen, hier wohl in Analogie zu dem Regensburger Beispiel definiert, und soll einen dem Materialtransport durch Esel dienenden Turm mit stufenlosem Aufgang bezeichnen (ebenso Otte Bd. 1, S. 81, und noch Johs. Jahn u.a., Wörterbuch der K., Stg. 1940, S. 142); aber schon Otte Bd. 2, S. 324, führt den Namen auf eine auf dem Turm stehende Hebemaschine zurück. Diese Herleitung, die den Gebrauch des Wortes zur Kennzeichnung eines architektonischen Typus verbietet, wird kaum mehr bestritten (terminologische Differenzierungen bietet Schiffers a.a.O.; daß im MA „Aufzüge ... Esel [hießen], wohl weil sie durch Esel betrieben wurden“ – so Lex. d. Baukunst Bd. 2, S. 397 – ist eine mit den Quellen kaum vereinbare Annahme).

Verweise