Eselstreppe

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englisch: Eselstreppe (staircase of a ramp); französisch: Escalier à girons rempants; italienisch: Rampa.


Roswitha Beyer (1968)

RDK VI, 21–22


Man findet gelegentlich die Bezeichnung E. für einen gewendelten, gewundenen oder mehrfach gebrochenen Aufgang in Gebäuden (vorzüglich Türmen), der geringe Steigung und griffigen Boden hat, stufenlos, häufiger aber in größeren Abständen durch niedrige Querwülste unterteilt ist.

Diese Art des Aufgangs kommt in Kirchtürmen (s. Eselsturm), Burg-, Befestigungs- und Schloßtürmen wie im gesamten Bereich der Festungs-, Villen- und Palastbaukunst bei verschiedenen Treppentypen vor: daher s. Treppe (s. a. Rampe).

Der Begriff E., der nie allgemein gebräuchlich wurde, erscheint offenbar erst in der Fachliteratur des 19. Jh. (vgl. Oscar Mothes, Ill. Bau-Lex. Bd. 2, Lpz. 18824, S. 266). Der Name leitet sich vermutlich her von Erklärungen, welche die Bezeichnung Eselsturm für den NO-Turm des Regensburger Domes, 11. Jh., rechtfertigen sollen: der Turm besitzt einen stufenlosen gewendelten Aufgang; die Behauptung, daß dieser für Lasten tragende Esel bestimmt gewesen sei (Belege s. Eselsturm), ist unzutreffend: die Abmessungen sind für einen solchen Zweck viel zu klein. – Andererseits ist für Aufgänge dieser Art, die mit Sicherheit von Trag- und Zugtieren benutzt wurden, weder der Name E. noch eine ähnliche Bezeichnung bekannt; vgl. etwa: Orvieto, Pozzo S. Patrizio, 1527–37 durch Ant. Sangallo d. Ä. erbaut, mit doppelter Spirale für den Wassertransport; Rom, St. Peter, Aufgänge der Hauptpfeiler, 1546 von Michelangelo eingebaut für den Materialtransport, vgl. Vasari-Milanesi Bd. 7, S. 221; Schaffhausen, Munot, Reitschnecke, um 1571–82 (hierzu und für andere zum Reiten angelegte Treppen s. Reittreppe); Varberg, Hailand (Schweden), Kasemattengang – sog. Kockenborg-Gang – der Festung, von Hans I. Steenwinkel entworfen und von Mikkel Jungman voll., 1588–1618. – Daß man gelegentlich auch auf stufenlosen Aufgängen, die nicht als Reittreppen angelegt waren, hinaufritt, beweisen Nachrichten aus Venedig (Campanile von S. Marco: Gregorio Gattinoni, Il campanile di S. Marco Historia di la magna torre dicta campanile di S. Marco], Venedig 1910, S. 366; Giov. Musolino, La basilica di S. Marco in V., Venedig o. J., S. 121f.) und aus Genf (Aufgang zum Ratssaal: Camille Martin, La Maison de la Ville de G., Genf 1906, S. 69–82, Taf. 9).

Verweise