Eselsrücken

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englisch: Orgee arch; französisch: Arc en accolade; italienisch: Arco a schiena d'asino.


Roswitha Beyer (1968)

RDK VI, 1–21


RDK I, 951, Abb. 11. Havelberg, Dom, Lettner, um 1400.
RDK I, 1397, Abb. 5. Freiburg i. Br., Münster.
RDK II, 1233, Abb. 3. Prag, Altstädter Brückenturm, um 1370/90.
RDK VI, 1, Abb. 1. Köln, 1502-14.
RDK VI, 3, Abb. 2. Ma. Konstruktionsverfahren für Eselsrücken.
RDK VI, 3, Abb. 2 a. Ma. Konstruktionsverfahren für Eselsrücken.
RDK VI, 5, Abb. 3. Konstruktionsverfahren der Neuzeit für Eselsrücken.
RDK VI, 5, Abb. 4. Konstruktionsverfahren der Neuzeit für Eselsrücken.
RDK VI, 7, Abb. 5. Heiligenkreuz, N.Ö., um 1295.
RDK VI, 7, Abb. 6. Schwäb. Gmünd, nach 1351.
RDK VI, 7, Abb. 7. Landshut, Ndb., 1429.
RDK VI, 9, Abb. 8. Matthäus Ensinger, nach 1420, Bern.
RDK VI, 9, Abb. 9. Regensburg, um 1410.
RDK VI, 9, Abb. 10 a. Hanns Buchsbaum (Puchsbaum), um 1440, Wien.
RDK VI, 9, Abb. 10 b. Hanns Buchsbaum (Puchsbaum), 2. Dr. 15. Jh., Wien.
RDK VI, 11, Abb. 11. Hanns Buchsbaum (Puchsbaum), um 1450, Wien.
RDK VI, 13, Abb. 12. Breslau, M. 14. Jh.-1559.
RDK VI, 15, Abb. 13. Salzwedel, um 1510-20.
RDK VI, 15, Abb. 14. Orsbach Krs. Aachen, 1516.
RDK VI, 17, Abb. 15. Anton Pilgram, 1511, Brünn.
RDK VI, 19, Abb. 16. Joh. Santin Aichl d. J., 1712ff., Kladrau, Böhmen.
RDK VI, 19, Abb. 17. Max Ainmiller, 1831, Hamburg.
RDK VI, 21, Abb. 18. Eduard Riedel, 1858-65, München.

I. Begriff

Der E. ist ein geschweifter, aus vier (im Grenzfall drei) Mittelpunkten konstruierter Spitzbogen, dessen Schenkel jeweils aus einem unteren konvexen und einem oberen konkaven Bogenabschnitt gebildet sind. Wegen seiner oberen konkaven Krümmung ist der Bogen nicht als tragendes Bauglied verwendbar, sondern kann nur als Zierglied aufgelegt oder unbelastet gespannt werden.

Die Bezeichnung E. für diese Bogenform scheint aus dem 19. Jh. zu stammen.

Im 15. Jh. verwendeten weder Matth. Roritzer (Des Dombaumeisters und Buchdruckers M. R. Büchlein von Der Fialen Gerechtigkeit, Regensburg 1486, dem Urdruck nachgebildet, Regensburg 1923) noch Hanns Schmuttermayer (H. Essenwein, H. Schm.’s Fialenbüchlein, Anz. f. Kde. d. dt. Vorzeit N.F. 28, 1881, Sp. 65–78) eine besondere, den E.-förmigen Wimperg von anderen Wimperg- oder Bogenformen unterscheidende Benennung.

Im 18. Jh. bezeichnete Chrn. Ludwig Stieglitz (Encyklopädie der bürgerlichen Bauk. ..., 2. T., Lpz. 1794, S. 63 und 429) den Spitzbogen und den spitzbogigen Gewölbequerschnitt als E.; er erklärt diesen Namen aus der Ähnlichkeit zwischen der Bogenform und dem Rücken des Esels.

Seit dem 19. Jh. bezeichnet E. den geschweiften Spitzbogen (s. o.). Er wird in den Definitionen von dem abweichend konstruierten *Kielbogen, dem *Tudorbogen und den Bogenformen der islamischen Baukunst unterschieden (Gg. Gottlob Ungewitter, Lehrbuch der gothischen Konstruktion, Lpz. 1859–64, S. 85; Oscar Mothes, Allgem. dt. Bauwörterbuch..., Lpz. 1858/59, Bd. 1 S. 464; ders., Illustriertes Bau-Lex., Lpz. 1882, Bd. 1 S. 430f. m. Abb., Bd. 2 S. 266). Die Verwendung des Begriffes E. setzte sich erst im Laufe des Jh. durch; Karl Möllinger gibt verschiedene Konstruktionsanweisungen für E., die er jedoch stets „geschweifte Bogen“ nennt (Elemente des Spitzbogenstils, Mchn. 1846/47), und Grimm (Bd. 3 Sp. 1155) scheint noch 1862 nur die Verwendung des Wortes E. für den Spitzbogen wie C. L. Stieglitz (s. o.) zu kennen. Die Bezeichnung E. blieb bis heute geläufig (Lex. d. Baukunst Bd. 1 S. 566 und Bd. 2 S. 397).

Eine Gleichsetzung der Begriffe E. und Kielbogen und die Verwendung nur einer Bezeichnung (Lottlisa Behling, Gestalt und Gesch. des Maßwerks [= Die Gestalt H. 16], Halle a. S. 1944: Kielbogen; Kurt Erdmann, Der Bogen, Jb. f. Kw. 1929, 128: „Kielbogen oder E.“ für Ableitungen völlig abweichend konstruierter Bogenformen) erscheint der verschiedenen Konstruktion wegen nicht gerechtfertigt (RDK II 979f. ist entsprechend zu berichtigen; beim Kielbogen ist der konvexe Abschnitt, der Korbbogenkonstruktion entsprechend, eine aus jeweils mehreren Mittelpunkten konstruierte Krümmung).

Die eindeutige begriffliche Unterscheidung des E. von anderen ihm verwandten Bogenformen wird dadurch erschwert, daß die Konstruktionsverfahren, die allein die exakte Unterscheidung treffen lassen, dem Augenschein nicht immer klar genug erkennbar sind; ferner finden sich öfters auch Bogenformen, die konstruierten E. formal nachgebildet sind, ohne nach deren Konstruktionsverfahren geschaffen zu sein: auch nach Erfahrungswerten bemessene Bogen wird man als E. charakterisieren müssen, sofern sie E. ganz oder mehr als jeder anderen ihnen formal ähnlichen Bogenform gleichen.

II. Konstruktion

Der E. besteht aus vier Bogenabschnitten, zwei unteren konvexen und zwei oberen konkaven. Der Radius der unteren konvexen Bogenabschnitte ist in der Regel größer als die halbe Weite des E., die Mittelpunkte liegen (meist) auf der Kämpferlinie (niemals höher als diese). Ausnahmsweise kann der Bogenradius auch gleich der halben Weite des E. oder kleiner sein. Die Bestimmung der Mittelpunkte der oberen konkaven Bogenabschnitte kann auf verschiedene Weise erfolgen. Die Proportion des E. hängt von der Wahl der Radien und der Lage der Mittelpunkte ab.

Zu verschiedenen Zeiten scheinen jeweils bestimmte Konstruktionsverfahren bevorzugt worden zu sein. Außerdem haben offenbar Unterschiede zwischen den Verfahren der einzelnen ma. Werkstätten bestanden. Die ältesten überlieferten Konstruktionsanweisungen für E. stammen von M. Roritzer (1486; s. o.) und H. Schmuttermayer (etwa gleichzeitig; s. o.); an neueren Konstruktionsverfahren sind hier von Interesse die Anweisungen von Batty und Thomas Langley (Gothic Architecture, Improved by Rules and Proportions ..., London 1747) und Viollet-le-Duc (Architecture Bd. 4 [1860], S. 279–83, „Contre-Courbe“).

Roritzer fügte seinem Büchlein am Schluß eine Anweisung für die Konstruktion eines Wimpergs in E.-Form an. Seine Angaben setzen offensichtlich die Kenntnis der üblichen Konstruktionsmethoden voraus und sind heute nur unter Berücksichtigung der – allerdings recht ungenauen – beigefügten Holzschnitt-Abbildung verständlich (vgl. Abb. 2). Der Text legt das für die gesamte Konstruktion gültige Grundmaß mit einem Sechstel der Wimpergbreite fest (AD = 6a); die Höhe des Wimpergs soll zwei Drittel der über diesem Grundmaß konstruierten Fiale betragen. Ein Rekonstruktionsversuch anhand der Abbildung ergibt für die Radien und Mittelpunkte folgende Maße und Ortsbestimmungen: die Breite des Bogenprofils beträgt eine Maßeinheit (a).

Die Mittelpunkte (C und B) der unteren Bogenabschnitte liegen auf der Kämpferlinie, ihr Abstand von der Mittelsenkrechten beträgt zwei Maßeinheiten (MC = MB = 2a); der Radius des inneren Bogens mißt vier Einheiten, der des äußeren fünf (CB = 4a, CA = 5a). Die Mittelpunkte der oberen konkaven Bogenabschnitte (E und F) sind vom Punkt C bzw. B neun Maßeinheiten (= Summe der beiden Bogenradien) entfernt. Sie liegen auf der Verlängerung der Geraden, die den Punkt C bzw. B mit dem Schnittpunkt S des der inneren Weite (BC) des E. einbeschriebenen Halbkreises (Radius = 2a) mit der Mittelsenkrechten verbindet. Dieses Verfahren erlaubt, durch Verschieben der Mittelpunkte und entsprechende Veränderung der Radien, die Konstruktion weiterer Varianten (Abb. 2, rechte Hälfte).

Ausführlicher ist Schmuttermayers Konstruktionsanweisung für einen Wimperg in E.-Form. Er gibt die Grundmaße und die Zahl der Maßeinheiten für Breite und Höhe des Wimpergs im Text. Aus der Zeichnung läßt sich die Lage der unteren Mittelpunkte entnehmen, die der oberen kann rekonstruiert werden (Abb. 2 a). Schmuttermayer setzt, ebenso wie Roritzer, die Kenntnis der gebräuchlichen Konstruktionsmethoden voraus. Das Ausgangsmaß für die Konstruktion ist die Strecke a. Alle weiteren Maße ergeben sich aus den Seitenlängen der dem Quadrat über a jeweils übereck einbeschriebenen Quadrate.

Die Maßeinheit für den Wimperg ist die Seitenlänge des ersten einbeschriebenen Quadrates (b). Die Grundlinie A'D' des – in diesem Fall gestelzten – E. soll gleich neun b sein, die Höhe des Wimpergs einschließlich der Kreuzblume sechzehn b, in halber Höhe liegt der Punkt x, darüber im Abstand b der Punkt y. Eine Einheit über der Grundlinie liegt die Kämpferlinie (AD) des E., dessen Bogenprofil in der Breite eine Einheit betragen soll. Die Mittelpunkte der unteren konvexen Bogen (ö1, ö2) sollen – wie Schmuttermayers Abbildung zeigt – auf der Kämpferlinie im Abstand a von der Mittelsenkrechten liegen, die Radien messen daher für den inneren Kreisabschnitt ö1C (= ö2B), für den äußeren ö1D (= ö2A). Die Mittelpunkte der oberen konkaven Bogenabschnitte (ö) liegen im Schnittpunkt der im Abstand b auf der Kämpferlinie außerhalb des Grundbogens errichteten Senkrechten mit dem um ö1 bzw. ö2 gezogenen Kreisbogen mit dem Radius ö1C + ö1D bzw. ö2B + ö2A. Als Variante ist bei Schmuttermayer die Verwendung einer anderen, offenbar frei gewählten Maßeinheit anstelle von b angegeben.

Die neuzeitlichen Anweisungen unterscheiden sich wesentlich von denen des MA. Sowohl Langley (a.a.O.) als auch Viollet-le-Duc (a.a.O.) geben nicht Regeln, nach denen ein bestimmter E. aufgerissen werden kann, sondern eine Methode, die es erlaubt, beliebig proportionierte E. zu konstruieren. Beide verwenden das gleiche Verfahren (Abb. 3 [und 4]): auf den Schenkeln eines Spitzbogens mit den Mittelpunkten A und B und den Radien AB bzw. BA werden die Ansatzpunkte der konkaven Bogenteile (C; C') bestimmt; sie können willkürlich festgelegt werden oder auch die Bogenschenkel AD bzw. BD in einem bestimmten Verhältnis – vorzugsweise 3:1 (so Abb. 3, rechte Hälfte: BC' : C'D = 3:1) und 4:1 – unterteilen (bei der Unterteilung kann auch von dem zu einem Viertelkreisbogen verlängerten Bogenabschnitt des Spitzbogens ausgegangen werden: Abb. 3, linke Hälfte, zeigt die Achtelteilung des Viertelkreisbogens AE, der durch C in zwei, hier jeweils vier Achtel messende Abschnitte [AC; CE] unterteilt ist). Die Höhe des E. wird auf der Mittelsenkrechten der Kämpferlinie (O) angetragen. Die Mittelpunkte der konkaven Bogenabschnitte (F; F') liegen im Schnittpunkt der Mittelsenkrechten über CO bzw. C'O mit der Verlängerung von BC bzw. AC' Der Radius des konkaven Bogenabschnittes ist gleich der Strecke FC (= FO) bzw. F'C' (= F'O). Wird statt des Spitzbogens ein Halbkreis mit dem Durchmesser AB zum Ausgangspunkt der Konstruktion gewählt, so liegt sein Mittelpunkt in M; an der weiteren Konstruktion ändert sich nichts. – Langley führt außerdem eine Variante an (Abb. 4), bei der die Radien der unteren Bogenabschnitte kleiner als die halbe Weite des E. sind, die Mittelpunkte (A; B) also zwischen Bogenmitte (M) und Fußpunkt des zugehörigen Kreisabschnittes liegen (E; E'). Der konvexe Bogen kann ein Viertelkreis (wie bei Abb. 4) oder ein kleinerer Kreisabschnitt sein. Die Konstruktion des E. wird auch hier nach dem gleichen Verfahren vollendet.

III. Vorkommen

Der Versuch, das erste Auftreten des (konstruierten) E. zeitlich und örtlich zu fixieren, scheitert an der geringen Zahl früher, sicher datierter Beispiele. Nach den erhaltenen Beispielen ist der E. in England, Frankreich und im deutschen Sprachgebiet ungefähr gleichzeitig aufgekommen: in den Jahr(zehnt)en gegen 1300; Art und Dauer seiner Anwendung unterscheiden sich jedoch erheblich (s. B).

Man verwendete den E. als Schmuckglied in der Sakral- und Profanarchitektur (z. B. von Portalen, Fenstern, Nischen, Arkaden und Blendarkaden) und auf deren bildlicher Darstellung (zumal in der spät-ma. Glasmalerei), an architektonisch gegliederten Einbauten, Möbeln und Geräten (z. B. an Lettnern und Chorschranken, Chorgestühlen und Kanzeln, Sakramentshäusern, Taufbecken und Monstranzen), als Teil einer architektonisch geformten Umrahmung (z. B. auf Grabsteinen) und als oberen Abschluß eines Bildes (z. B. von Altarretabeln); schließlich kann der E. als Bogenform im Rahmen der Ornamentik vorkommen, hier auch im Rapport.

E. konnten aus jedem Werkstoff geformt werden und finden sich bei Steinmetzarbeiten aller Art, im Backsteinbau, in der Holzskulptur, der Tonplastik und der Goldschmiedekunst, Abbildungen von E. in Werken jeder Mal- und Zeichentechnik.

A. Früh- und Vorformen

Ein frühes, wie es scheint vereinzeltes Beispiel für einen konstruierten E. ist eine Architekturdarstellung im Rabula-Codex, 586 (Florenz, Bibl. Laurenziana, Plut. I cod. 56, fol. 14: Faks.-Ed. von Carlo Cecchelli, Gius. Forlani und Mario Salmi [= Monumenta occidentis I], Olten und Lausanne 1959): die doppelt geschwungene Kurve dient zur Verbindung der überwölbenden Bogenform – eines Kreisabschnittes – mit dem bekrönenden Architekturaufsatz, einem Kreuz; die Konstruktion ist in der linken Bogenhälfte deutlich erkennbar. Eine Verbindung von dieser Darstellung zu dem, einem gleichen Prinzip folgenden gotischen E. ist nicht herzustellen. Wenn auch das Anbringen einer zierenden Bekrönung im Scheitel von Rundbogenarkaden gelegentlich zu E.-artiger Form des äußeren Bogens führte (vgl. etwa das Gehäuse, in dem Pilatus sitzt, auf einem Mailänder Elfenbeinrelief des 9. oder 10. Jh.: Volbach, Elfenbeinarbeiten Nr. 232), ist doch kaum an eine Kontinuität der Formüberlieferung zu denken.

Vorformen. Im 12. und frühen 13. Jh. kommen in der Pflanzenornamentik aller Gebiete mehrfach E.-ähnliche Formen vor, die durch das Verschleifen von Kurve und Gegenkurve gebildet werden und meist in unendlichem Rapport auftreten. Es bleibt in allen Fällen der Charakter des pflanzlichen Ornamentes gewahrt (auch dort, wo das Motiv nur einmal anzutreffen ist: Elfenbeinplatte von einem unteritalienischen [?] Kästchen des 12. Jh. im Kgwb.-Mus. Köln: Goldschmidt-Weitzmann Bd. I Nr. 113), und es kann nicht von einem E. gesprochen werden.

E.-ähnliche Formen im Maßwerk des 13. und frühen 14. Jh. entstanden durch Verschleifungen beim Zusammentreffen der Spitzbogenbahnen des senkrechten Stabwerkes mit darüberliegenden Kreisen mit Mehrpässen, durch Verflechtungen und Durchsteckungen bei Maßwerkrosen und als Negativformen bei Fischblasen-, Kreis- und Mehrpaßgliederungen. Derartige Formen treten zeitlich vor dem konstruierten gotischen E. – aber auch noch neben ihm – auf (z. B. Fritzlar, St. Peter, Fenster im Qsch. um 1260 bis 1270; Maulbronn, Kreuzgang, Rose, um 1310–30; Schwäb. Gmünd, Hl. Kreuz, 1. Dr. 14. Jh.), doch fehlt ihnen der selbständige Charakter des Bogens, dem das übrige Maßwerk zugeordnet ist; solange diese Bedingung nicht erfüllt ist, kann nicht von einem E. gesprochen werden.

B. der gotische E.

Der gotische E. in England (1), Frankreich (2), Italien (3) und im deutschen Sprachgebiet (4).

1. England besitzt die größte Zahl früher Beispiele ([1] S. 51–62; [3] S. 45f.). Die ältesten sind ins Ende 13. Jh. und A. 14. Jh. zu datieren (Gedächtniskreuz für Königin Eleanor von Kastilien bei Northampton, zw. 1291 und 1294: [1] S. 53; zur Sache s. RDK III 1260, wo nachzutragen ist Jos. Hunter, Archaeologia 29, 1842, 167–91 [mit berichtigenden Angaben]). Bereits im 2. V. 14. Jh. gehörte der E. – neben anderen Bogenformen – zu den wichtigsten Formen der Architektur und der Dekoration (Ely, Cath., Lady Chapel, 1321–49: [1] Abb. 6 und [2] Abb. S. 276, 1; Beverley, Kollegiatskirche, Figurenbaldachin am Lettner, 1334: [1] Abb. 7; ebdort., Grabmal Lady Eleanor Percy, um 1330–40: [1] Abb. 8 und [2] Abb. S. 280, 2; Rochester, Cath., Tür zum Kapitelhaus, um 1330–40: [2] Abb. S. 277, 1; Gloucester, Cath., Grabmal Eduard II. von England, Maßwerk, M. 14. Jh.: [2] Abb. S. 280, 1). Gegen Ende des 14. Jh. verlor der E. an Bedeutung.

2. In Frankreich sind aus dem Beginn des 14. Jh. nur wenige E. erhalten, jedoch zahlreiche weitere, die sich auf Grabplatten befanden, durch Nachzeichnungen überliefert (vgl. [3], S. 45f. und 51–56 sowie Abb. 641: Nachzchg. der Grabplatte des Jean de Laon, † 1304; s. a. Paris, Bibl. de l’Arsenal, ms. 6329, fol. 4, dat. 1311: Henri Martin und Phil. Lauer, Les principaux mss. à peintures de la Bibl. de l’A. à Paris, Paris 1929, Taf. 23). Gegen Ende 14. Jh. wurde die Verwendung des E. gebräuchlicher, nahm im 15. Jh. weiter zu und blieb bis ins 2. Dr. 16. Jh. in der sakralen wie der profanen Kunst üblich.

Beispiele: Auxerre, Cath., Arkadenreihe im Tympanon des südl. Qsch.-Portals, um 1330–40 – oder nach 1370 –: [3] S. 45f. und 53, Abb. 632; Troyes, St-Urbain, Ergänzungen am Sockel des S-Portals, um 1379 (?; [3] S. 45, Abb. 631); Vignory (Haute-Marne), Altarantependium, 15. Jh. [3, Abb. 1041]; Albi, Cath., südl. Vorhalle, 1472–1512 [2, Abb. S. 247], und Chorschranken sowie Lettner [3, Abb. 1081 und 1092]; Amiens, Cath., Chorschranken der S-Seite (ab 1490 und 1530) und der N-Seite (1531) sowie Chorgestühl, 1508–22 (Amédée Boinet, La cath. d’A., Paris 1951, Taf. 23f., 20); Rouen, Pal. de Justice, E.-Portal, 1482 [2, Abb. S. 181]; St-Quentin, Hôtel de Ville, Arkaden im Erdgeschoß, 15. Jh. (Anthyme St-Paul, Hist. monumental de France, Paris 18954, Abb. S. 213).

3. In Italien ist der E. erst verhältnismäßig spät zu belegen (Venedig, S. Marco, Pala d’oro, Montierung von 1345: [Wolfg. Fritz Volbach u.a.], Il tesoro di S. Marco Bd. 1, Florenz 1965, z. B. Taf. 4). Nur in Venedig wurde er häufiger und über einen längeren Zeitraum hinweg angewandt (Beispiele der 2. H. 14. Jh. und des 15. Jh. aus dem Kirchen- und Palastbau in „Venezia e la sua laguna“ [= Attraverso l’Italia 13], Mailand 1947, Abb. 1–4, 77f., 127, 131, 253f., 290). Im übrigen Italien scheint er nur gelegentlich vorzukommen, an manchen Orten vielleicht von nicht-italienischen Baumeistern und Bildhauern importiert (Mailand, Dom, Beispiele seit dem Ende 14. Jh., vgl. Giacomo C. Bascapé und Paolo Mezzanotte, Il duomo di M., Mailand 1965, passim, und Herb. Siebenhüner, Dt. Künstler am Mailänder Dom, Mailand 1945, Abb. 26f.; Subiaco, S. Scholastica, Kreuzgangportal, 15. Jh.: Gustavo Giovannoni in: „I monasteri di S.“ Bd. 1, Rom 1904, Abb. 20). Nur in der Architektur Bolognas und, in geringerem Maße, in den Abruzzen finden sich sonst noch E. in nennenswerter Zahl, vereinzelt sogar aus dem 16. Jh.

Die E. der Blendarkaden am Campanile von S. Francesco in Bologna entwarf Antonio di Vincenzo, der den E. auch im Fenstermaßwerk in S. Petronio, östl. Seitenfront, gegen 1400, verwendete (Angelo Gatti, La Basilica Petroniana, Bologna 1913, Abb. 50 und 33). Peruzzis Konkurrenzentwurf für die Haupt-Fassade von S. Petronio, 1521, sah für das Obergeschoß Fenster mit E. vor (Hans Willich und Paul Zucker, Hdb. d. Kw., Abb. 219), der nach 1530 von Domenico Aimo, gen. il Varignana, vorgelegte zeigt Giebel in Form von E. (A. Gatti a.a.O. Abb. 44). Die Verwendung des E. in der Bologneser Profanarchitektur belegt ein Fenster aus dem Pal. Grati, heute im Mus. civ. (Guido Zucchini, B. [= Coll. di monografie illustrate I, 76], Bergamo 1914, S. 76). – Für Beispiele aus den Marken und dem Gebiet der Abruzzen vgl. Boll. d’arte 9, 1915, Abb. a. S. 86, 99; Aquila, S. Flaviano, Sakramentsnische (Fot. Bibl. Hertziana, Rom, 93 827).

Häufiger findet man E. an Geräten (Mailand, Domschatz, Reliquiar, Ende 15. Jh.: G. C. Bascapé und P. Mezzanotte a.a.O. S. 65) und als oberen Abschluß von Altarretabeln (z. B. Zenobio Strozzi [zugeschr.], Madonna della Stella, 2. H. 15. Jh., im Mus. S. Marco zu Florenz: John Pope-Hennessy, Fra Angelico, London 1952, Taf. XXXVII; weitere Beisp. bei van Marle Bd. 4 Abb. 49, Bd. 7 Abb. 27, Bd. 9 Abb. 28 und 50).

4. Im deutschen Sprachbereich ist das erste Auftreten des E. schwer mit festen Daten zu verbinden, gerade die vermutlich frühesten Beispiele sind nur stilkritisch auf überlieferte Daten bezogen (a). Sicher datierbare E. sind seit M. 14. Jh. vorhanden (b). Der zunächst nur im Süden und Südosten gebräuchliche E. wurde gegen Ende des 14. Jh. und besonders im 15. Jh. immer häufiger verwendet, fortan im gesamten deutschsprachigen Gebiet beliebt (c). In der 2. H. 16. Jh. hört die Anwendung des E. auf, er kommt nur noch bei einigen Nachzüglern vor und tritt gelegentlich als gotische Formreminiszenz in Verbindung mit jeweils modernen Ornamentmotiven (d).

a) Frühe Beispiele: Paderborn, Dom, NO-Qsch., Dreipaßbogen, der mittlere Bogen als E. gebildet, wohl um 1280 (Inv. Westfalen 7, Taf. 37; der öfters als E. bezeichnete Bogen im Maßwerk an der Rückseite des Hochaltars der Marburger Elisabethkirche, um 1290, ist ein Kielbogen); Heiligenkreuz, N.Ö., Brunnenhaus, Blendmaßwerk der inneren Sockelwand, um 1295 (Abb. 5; Inv. Österreich 19, S. 15 [hier werden verschiedene Maßwerkformen als E. bezeichnet]); Muggensturm Lkrs. Rastatt, Margaretenkapelle, Nische in E.-Form, Ende 13. Jh. (?; Inv. Baden 12, 1, S. 254); Nachzchg. der Grabplatte B. Ottos von Grandson, † 1309, ehem. in Basel (Inv. Schweiz 46, Abb. 68); Basel, Kloster Klingental, Grab der hl. Euphrosyne, A. 14. Jh. (ebd. S. 58ff., Abb. 65ff.); Dollnstein Lkrs. Eichstätt, kath. Pfarrkirche, Wandgem. im Chor, um 1320–30 (Inv. Bayern, Mfr., 2, Abb. 35f.); Prag, Univ.Bibl., cod. XIV. A. 17 (Kunigunden-Passionale), fol. 22v, zwischen 1314 und 1321: Fot. Marburg, Nr. 73 444.

b) Sicher datierbare Beispiele nach M. 14. J h.: Schwäb. Gmünd, Hl. Kreuz, südl. Chorportal, nach 1351 (Heinr. Parler; der konkav geschwungene Abschnitt ist im Verhältnis zum ganzen Bogen sehr klein; Abb. 6); Prag, Allerheiligenkapelle am Hradschin, nach 1366 von Peter Parler, äußere Wandgliederung (Karl M. Swoboda, P. P., Wien 19344, Abb. 20); Krakau, Kath., Tumba des Grabmals von König Kasimir III. d. Gr., † 1370 (Dagobert Frey, Krakau, Bln. 1941, Abb. 50); Prag, Karlsbrücke, Altstädter Brückenturm, 1376–78 von Peter Parler, Figurenbekrönungen (K. M. Swoboda a.a.O. Abb. 74ff., 80; s. a. RDK II 1233, Abb. 3). Die Prager E. sind dem von Schwäb. Gmünd in der Proportion ähnlich. Vgl. ferner Ulr. von Ensingen, Entwurf für das Oktogon des N-Turmes vom Straßburger Münster, 1359 (Otto Schmitt, Got. Skulpturen des Straßburger Münsters Bd. 2, Ffm. 1924, Textabb. 41).

c) Beispiele des 15. Jh. und der 1. H. 16. J h. In diesem Zeitraum war der E. ein allgemein übliches Motiv. Seine Proportionen wechseln, so wie es seine Konstruktionsverfahren erlauben, je nach dem Ort seiner Anwendung. Es war durchaus gebräuchlich, verschieden proportionierte E. nebeneinander zu verwenden (vgl. Abb. 9, 10 a und b, 11); Ulm, Münster, Chorgestühl (1468–74), mit E. gleicher Höhe bei verschieden breiten Basen (ebenso Abb. 10 b). An einzelnen Bauten ist der E. bevorzugtes und häufig verwendetes Schmuckmotiv, so in St. Martin zu Landshut, Ndb., wo E. am Bau wie auch an Ausstattungsstücken der 20er und 30er Jahre 15. Jh. zahlreich sind (Abb. 7; Inv. Bayern, Ndb., 16, Taf. 2, Abb. 17f., 20, 28, 32). Besonders reichen und vielfältigen Gebrauch des E. über eine längere Zeitspanne hin zeigt das Berner Münster in nahezu allen seiner Bauphasen (Beispiele, bald nach 1420 einsetzend: Inv. Schweiz 44, passim; Abb. 8), ebenso das Breslauer Rathaus (Abb. 12).

Neben den einfachen, ganz oder nahezu schmucklosen E. über Spitz- oder Rundbogen (z. B. RDK I 951/52, Abb. 11, Sp. 1001, Abb. 4) entstanden seit dem 15. Jh. auch E. über Korbbogen: die Wahl eines kleinen konvexen und eines großen konkaven Bogenabschnittes erlaubte die einwandfreie Konstruktion von E. auch über Korbbogen (vgl. Abb. 1). Häufig sind die Beispiele des 15. und 16. Jh. für die Verbindung des E. mit Astwerk und die Verwendung mehrerer, sich überschneidender, oft auch à jour gearbeiteter E., die so ein reiches, teilweise räumliches Schmuckmotiv ergeben (vgl. z. B.: Straßburg, Münster, Laurentiusportal, 1495–1505: RDK I 954, Abb. 13; dazu Entwurf von Jakob von Landshut: O. Schmitt a.a.O. [1924], Bd. 2 Textabb. 45; Brünn, Portal des Alten Rathauses, 1511 von Anton Pilgram: Abb. 15). In bedeutendem Umfang ist an Sakramentshäusern (RDK II 632, Abb. 3), Kanzeln (Landshut, St. Martin, s. o.), reliefierten Emporenbrüstungen, Baldachinen (RDK I 1397, Abb. 5), Altarciborien (ebd. Sp. 475 Abb. 5), Taufsteinen, in den Auszügen von Altarretabeln (Abb. 13) und an kirchlichen Geräten (Abb. 14) Gebrauch gemacht. In der Marienkirche in Salzwedel trägt ein freigespannter E. über dem Triumphbalken das Triumphkreuz (15. Jh.; H. Dölle u. a., Der Bez. Magdeburg, Magdeburg 1961, S. 52).

Die Baukunst N- und NO-Deutschlands bietet Beispiele für die Verwendung des E. im Backsteinbau (Danzig, W-Fassade der Trinitatiskirche, 2. H. 15. Jh., und Giebel der Katharinenkirche, Ende 15./ A. 16. Jh.: Danzig [= Dt. Städtebau 54], Bln. 1924, S. 21 und 37) und im Fachwerkbau (Braunschweig, Beispiele bei Oscar Doering, Br. [= Berühmte K.stätten 31], Lpz. 1905, Abb. 46f. und 58). Das Vorkommen von E. an Staffelgiebeln ist eine Eigenart der Profanarchitektur zumal im östl. Westfalen und Lippe (Otto Gaul, Westfalen 29, 1951, 208–20, bes. S. 209f.; für Münster vgl. Inv. Westfalen 41,3, Abb. 640, 642, 656, 684, 704). Über dem Maßwerk der Giebeltreppen kann sich jeweils ein Schenkel des E. spannen, auf der höchsten Staffel stehen gewöhnlich drei Fialen, durch einen E. miteinander verbunden. Die Beispiele fallen in die Zeit von etwa 1480 bis 1540 (zum Nachleben s. unten d). Gelegentlich kommt der E. an Bauteilen vor, die sonst den Formenschatz der Renss. zeigen (z. B. Amberg, ehem. Regierungskanzlei, Fensterbekrönungen am Erker der Ostseite, 1547: Inv. Bayern, Opf., 16, Abb. 69).

d) Beispiele der 2. H. 16. Jh. zeigen E. vor allem an Giebeln, sei es, daß sie den genannten westfälischen Giebeln entsprechen und E.-Schenkel wie die sonst in der Zeit bevorzugten Voluten verwendet werden (Häuser in Lemgo, zw. 1574 und 1580: Herb. Kreft und Jürgen Soenke, Die Weserrenss., Hameln 1964, Abb. 61ff.), sei es, daß Giebelumrisse E.-Form besitzen (z. B.: Bremen, Zwerchgiebel am Schütting, 1595: Eberhard Lutze, Br. [= Dt. Lande, dt. K.], Bln. 1953, Abb. 52f.), wie sie bereits im 1. Dr. 16. Jh. nachzuweisen ist (vgl. Ausst.-Kat. „Handzchgn. alter Meister aus dem Bes. der Kslg. der Georg-August-Univ. Göttingen“, Duisburg 1965, Nr. 92). Aus den Jahren um 1600 sind zu nennen: Wendel Dietterlins Portalentwurf und sein Entwurf für eine ornamentgeschmückte Säule (Architectura, Nürnberg 1598, Taf. 196f. – Ausschnitte davon: RDK I 970, Abb. 3 – und Taf. 138); Warneke Burmester, Türfüllung in der Großen Kommissionsstube des Lüneburger Rathauses, um 1600 (Joachim Matthei, L. [= Dt. Lande, dt. K.], Mchn. und Bln. 1950, Taf. 39); Sandweier Lkrs. Rastatt, ehem. markgfl. Forstei, Mittelportal, 1602 (Inv. Baden 12, 1, S. 337).

C. 1600–1850

1600 bis um 1850. Das Vorkommen des E. in dieser Zeit beruht nur selten auf planmäßiger Wiederaufnahme des gotischen E.; in der Regel handelt es sich um vereinzelte Verwendung des E. oder einer entsprechenden, vom gotischen E. unabhängigen Form.

Im 17. Jh. scheint man den E. kaum verwendet zu haben; eines der seltenen Beispiele bietet die Fassade der Klosterkirche zu Volders bei Innsbruck, 1620–54 von Hippolyt Guarinoni. Eine Gruppe niederländischer Bilder der 2. H. 17. Jh. zeigt das Innere einer Kirche mit Gewölben in E.-Form (Bull. Mus. Boymans-van Beuningen 15, 1964, 39–52, Abb. 1, 13f., 17).

Im 18. Jh. kommt der E. vereinzelt vor. Von systematischer Aufnahme der gotischen Form kann wohl nur in England gesprochen werden; Batty und Thomas Langley geben außer der Konstruktionsanweisung auch zahlreiche Beispiele für die Anwendung des E. (a.a.O. [Sp. 3], Taf. 18, 21, 23, 25, 27–29, 31f., 35, 38, 40, 49, 52, 56, 59f.; Kenneth Clark, The Gothic Revival, London 19502, passim), früher – schon im 1. V. 18. Jh. – machte Nicholas Hawksmoor öfters von dem E. Gebrauch (Howard M. Colvin, A Cat. of Architectural Drawings of the 18th and 19th C. in the Libr. of Worcester College, Oxford, Oxford 1964, Nr. 371f., Abb. 77f.).

In den „gotischen“ Bauten und Umbauten des Joh. Santin Aichl d. J. (1667–1723) kommt der E. als Ausnahme vor (Kladrau, Benediktinerklosterkirche, Fensterbekrönung an der Vierungskuppel, Abb. 16, und Mobiliar: Gerh. Franz, Gotik und Barock im Werk des J.S.A., Wiener Jb. f. Kg. 14, 1950, 77, Abb. 36 und 43). Ebenfalls als Bekrönung der Turmfenster wandte Carl Gotth. Langhans den E. an (Berlin, Marienkirche, 1790: Engelbert Kirschbaum, Dt. Nachgotik, Augsburg 1930, Abb. 55). – Am Gotischen Haus in Wörlitz, Schochscher Garten, 1773–90, wurden vielfach E. verwendet (Inv. Anhalt 2, 2, Taf. 75, 78 b, 79, 82 c, S. 115ff.). – Eine Schweizer Eigenart scheint die Ausbildung der Turmgiebel in E.-Form zu sein (Überleitung vom Rund der Turmuhr zur Giebelspitze; Beispiele: Zürich, Frauenmünster, N-Turm, Umbau 1728–32: Inv. Schweiz 10, S. 175, Abb. 93; Ruswil Kt. Luzern, Uhrumrahmung 1782 bis 1789; ebd. Bd. 47, Abb. 312).

Im 19. Jh. wurde – in Deutschland – die Konstruktion des E. häufiger gelehrt als angewandt; der neugot. Architektur des frühen 19. Jh. blieb der E. fremd. Zu den wenigen Beispielen vor 1850 gehören die E. an Bau und Ausstattung von Schloß Anif b. Salzburg, 1838 bis 1848 durch Heinr. Schönauer für Graf Alois v. Arco-Steppach umgebaut (Mark Girouard, Country Life 11, 1963). Als Beispiele für die Verwendung des E. in der Bühnendekoration seien des Antonio De Pian Bühnenbilder für das Wiener Burgtheater genannt (für Grillparzer-Uraufführungen 1828 und 1831: vgl. Anz. der Österr. Ak. d. Wiss., philos.-hist. Kl. 103, 1966, Taf. 8, 14 und 9, 17). – In der 2. H. 19. Jh. begegnet der E. am Hauptgeschoß des Alten Nationalmus. (jetzt Völkerkde.-Mus.) in München, 1858–65 von Ed. Riedel (Abb. 18), und an verschiedenen Bauteilen des Neuen Rathauses in München, erb. 1867–1908 nach Entw. von Gg. von Hauberrisser (München u. seine Bauten, hrsg. vom Bayer. Architekten- u. Ing.-Ver., Mchn. 1912, S. 592ff.). Gelegentlich sind E. im 19. Jh. bei Restaurationen verwendet worden (vgl. Stiftskirche Bischofszell Kt. Thurgau, in der bei einer Restauration 1863–88 die Msch.-Arkaden mit E. bekrönt wurden: Inv. Schweiz 48, Abb. 113, und die Fensterbekrönungen des Schütting in Bremen, 1896ff.). Nicht ganz so selten ist der E. in der Architekturmalerei (Abb. 17) und in Schreinerarbeiten.

Zu den Abbildungen

1. Köln, St. Pantaleon, Orgelempore an der W-Wand (urspr. Lettner). Zw. 1502 und 1514; 1696 an die heutige Stelle versetzt; Restauration 3. Dr. 19. Jh. Fot. Marburg, Nr. 11 825.

2.–4. Konstruktionen des Eselsrückens. Zchgn. von Karl-August Wirth, Mchn.

5. Heiligenkreuz, N.Ö., Zisterzienserstift, Sockelblende im Inneren des Brunnenhauses. Um 1295. Fot. Bildarchiv der österr. Nat.Bibl., Wien, L. 10 389.

6. Schwäbisch Gmünd, Stadtpfarrkirche Heiligkreuz, südl. Chorportal. Nach 1351. Fot. Marburg, Nr. 623751.

7. Landshut, Ndb., Stadtpfarrkirche St. Martin, nördl. W-Portal. Dat. 1429. Fot. Marburg, Nr. 202 409/08.

8. Matthäus Ensinger, Sockelblende im Altarraum des Berner Münsters. Nach 1420. Fot. Martin Hesse, Bern, Nr. B 1613.

9. Regensburg, Dom, W-Fassade, Anbetung des goldenen Kalbs. Steinrelief am N-Turm. Um 1410. Fot. Marburg, Nr. 120 506.

10 a und b. Hanns Buchsbaum (Puchsbaum), Ausschnitte aus Architekturrissen: a) Wandgliederung für die Vorhalle des N-Turmes von St. Stephan, Wien; b) Aufriß eines dreiteiligen Erkers. Federzchgn. a. Perg. bzw. Papier, Gesamtmaße 83,5 × 82 cm (a) und 53,5 × 51 cm. Wien, Bibl. der Akad. der bild. K., Inv.Nr. 16 872 (a) und 16 870 (b). Um 1440 (a) und 2. Dr. 15. Jh. (b). Nach Bruno Grimschitz, Hanns Puchspaum, Wien 1947, Abb. 38 und 62.

11. Hanns Buchsbaum (Puchsbaum), Ausschnitt aus einem Architekturriß: Fassade für das Wiener Rathaus. Federzchg. a. Perg., Gesamtmaße 231,5 × 84,2 cm. Wien, Bibl. der Akad. der bild. K., Inv.Nr. 16 836. Um 1450. Nach ebd. Abb. 63.

12. Breslau, O-Fassade des Rathauses. M. 14. Jh. bis 1559 (Bau: M. 14. Jh.; SO-Erker: beg. um 1471; Mittelgiebel mit Blendmaßwerk aus Terracotta: A. 16. Jh., Fialen auf Giebelschräge 1884 in Sandstein erneuert; Turmbekrönung: 1559). Fot. Dt. Fotothek Dresden, Nr. 58 150.

13. Salzwedel, Marienkirche, Gesprenge des Hochaltars, Ausschnitt (Gesamtabb.: Ferd. Stuttmann und Gert von der Osten, Niedersächsische Bildschnitzerei des späten MA, Bln. 1940, Taf. 112). Salzwedel, um 1510–20. Fot. DKV.

14. Orsbach Krs. Aachen, St. Peter und Paul, Bekrönung einer Turmmonstranz (aus der Antoniterkirche in Köln; Gesamtabb.: Lotte Perpeet-Frech, Die got. Monstranzen im Rheinland [= Bonner Beitr. z. Kw., Bd. 7], Düsseldorf 1964, Abb. 101). Silber, vergoldet, Gesamth. 71 cm. Köln, 1516 (1883 rest.; Petrusfigur erneuert). Fot. Rhein. Bildarchiv Köln, Nr. 9013.

15. Anton Pilgram, Portal des Alten Rathauses in Brünn. 1511. Fot. Marburg, Nr. 139 289.

16. Joh. Santin Aichl d. J., Vierungskuppel der Benediktiner-Klosterkirche in Kladrau, Böhmen. 1712ff. Fot. Marburg, Nr. 57 089.

17. Max Ainmiller (1807–70), Kircheninnenraum. Gem. a. Lwd., 73 × 53 cm. Hamburg, K.halle, Inv.Nr. 3063. Sign. und dat. 1831. Fot.Mus., Nr. 6472.

18. Eduard Riedel, Fenster am Hauptgeschoß des Alten Nationalmus. (jetzt Völkerkde.-Mus.) in München. 1858–65. Fot. Ingrid Haug, München.

Literatur

1. Camille Enlart, Origine anglaise du style flamboyant, Bull. mon. 70, 1906, 38–81. – 2. Hans Karlinger, Die K. der Gotik, Bln. 1926. – 3. Rob. Charles Comte de Lasteyrie du Saillant, L’architecture religieuse en France à l’époque gothique, Bd. 2, Paris 1927.

Ergänzungen zum Ms. der Verf. besorgten Ingrid Haug und Karl-August Wirth.

Verweise