Ente

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englisch: Duck; französisch: Canard; italienisch: Anatra.


Karl Arndt (1961)

RDK V, 737–740


RDK V, 737, Abb. 1. Trier, um 775.
RDK V, 739, Abb. 2. Virgil Solis, 1583.

Die E. (ahd. anut, mhd. ant, urverwandt mit lat. anas) begegnet zusammen mit der Gans gelegentlich als Attribut der hl. Brigida (Brigitta) von Kildare, Patronin von Irland ( 523), da sie sich nach der Legende zu dieser in die Einsamkeit flüchteten (Künstle II, S. 143f.; Pfleiderer S. 61; Réau III, 1, S. 245f.; Joseph M. B. Clauss, Die Heiligen des Elsaß usw. [= Forschgn. z. Volkskunde hrsg. v. Gg. Schreiber, Heft 18/19], Düsseldorf 1935, S. 142–44, 234; Jos. Bernhart, Heilige und Tiere, Mchn. 1937, S. 81).

Obwohl das Tier in der antiken Kunst neben Gans und Schwan als aphrodisischer Vogel und damit als erotisches Symbol galt ([1] Sp. 2644 bis 2648; [3] Sp. 443f.) und in Sprichwort und Aberglaube bis heute eine Rolle spielt (s. dazu Grimm Bd. 3, S. 509; J.B. Friedreich, Die Symbolik und Mythologie der Natur, Würzburg 1859, S. 591f.; Bächtold-Stäubli Bd. 2, Sp. 849 bis 851 [Taylor]), ist es in der nachantiken bildenden Kunst offenbar niemals zur Ausprägung bestimmter Symboltraditionen gekommen. Bezeichnend für diesen Umstand erscheint die Tatsache, daß großangelegte systematische Handbücher der neuzeitlichen Bildersprache wie Valerians „Hieroglyphica“ und Ripas „Iconologia“ die E. nicht behandeln.

In der Emblematik erhielt die E. mancherlei Bedeutungen, die aber nicht auf eine zusammenhängende Überlieferung zurückgehen. Bei Camerarius ist sie in den 100 Emblemen aus der Vogel- und Insektenwelt nicht einmal genannt. Dagegen gibt ihr Filippo Picinelli (Mondo simbolico, Mailand 1653; hier zit. nach der lat. Ausg., Köln 1680, S. 259f., Nr. 71–77) die folgenden emblematischen Beziehungen: Eine mit dem Kopf eingetauchte E. mit dem Lemma „Profunda quoque scrutatur“ dient als Emblem für den neugierigen Menschen (nach Laurentius Justinianus). Die E. als Lockvogel für den Vogelherd („Officiosa aliis, exitiosa suis“) erscheint als Emblem für den Verräter an den Seinen. Dieser Sinnzusammenhang findet sich schon im erweiterten Alciati, Lyon 1574, als Emblem 62: „Dolus in suos“. So heißt es danach z. B. in der deutschen Ausgabe Frankfurt a. M. 1580 zum Emblem 113 (Abb. 2, nach der lat. Ausg. von 1583): „Der Antrech mit schön Federn ziert / Der die wilden Endten verführt ... Der schalck Vogel sich beflecken thut / Mit seines Gschlechts verwandten Blut / Andern ist er hurtig und nutz / Den seinen aber schad und stutz.“ Der Seitenblick auf Judas Ischarioth (Picinelli Nr. 72) liegt nahe, aber ebenso eine weitere Ausdeutung in Richtung moralischer Verführung („Allicit in laqueos“ u. a., ebd. Nr. 73). Moralisierende Folgerungen aus Aelian V, 33 („Anates sapienter et merguntur et emergunt“), Martial u. a. sind dann schon ziemlich abwegig (a.a.O. Nr. 74–77).

Auf einer älteren Tradition scheint ein Vers von Hans Sachs zu beruhen. Dieser besang 1524 in Vierzeilern „der zwölf reinen und der zwölf unreinen Vögel Eigenschaften“. Das Gedicht wurde um 1534 mit Holzschnittillustrationen von Erhard Schön durch Albrecht Glockendon in Nürnberg herausgegeben (Geisberg, Einblattholzschnitt Nr. 1194 [XXXIX*, 25]; Heinr. Röttinger, Erhard Schön und Niklas Stör usw. [= Stud. z. dt. Kg. Heft 229], Straßburg 1925, Nr. 200; ders., Die Bilderbogen des Hans Sachs [= Stud. z. dt. Kg. Heft 247], Straßburg 1927, Nr. 87). Der Vers zum Bild der („unreinen“) E. lautet: „Die Ent sich in dem kot nur nert / Also der gotloß auch begert / Nuer zeytlich gut und grosse schetz / Leßt sie doch hynder jm zu letz.“

Vielfache Darstellung hat die E. – von der naturwissenschaftlichen Illustration (s. Vogelbücher) abgesehen – als jagdbares Tier gefunden (s. Jagd, Stilleben). Darüber hinaus begegnet sie im MA häufig, wie in der Spätantike [1; 3], als Motiv innerhalb der Ornamentik (Abb. 1).

Zu den Abbildungen

1. Trier, Dombibl. Cod. 61/134, Evangeliar, fol. 11, Kanontafel (Ausschnitt). Trier (?), um 775 (vgl. RDK II 1436f.). Nach Carl Nordenfalk, Die spätantiken Kanontafeln, Göteborg 1938, Taf. 76.

2. Virgil Solis, Holzschnitt zu „Emblemata Andreae Alciati“, Frankfurt a.M., Nicolaus Bassaeus, 1583, Emblem 113. Blattgröße 139 × 87 mm. Nach d. Orig.

Literatur

1. Pauly-Wissowa Bd. 5, Sp. 2639 bis 2648 (Olck). – 2. Otto Keller, Die antike Tierwelt Bd. 2, Lpz. 1913, S. 228-35. – 3. RAC Bd. 5, Sp. 433–55 (A. Hermann).