Enghalskrug

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englisch: Narrow-mouthed jug; französisch: Cruche à goulot étroit; italienisch: Boccale (a collo cilindrico).


Alice Bethe-Kränzner (1961)

RDK V, 684–697


RDK V, 685, Abb. 1. Barent Vermeer, um 1680-90, München.
RDK V, 687, Abb. 2. Moritzburg, um M. 17. Jh.
RDK V, 689, Abb. 3. Leipzig, Ende 17. Jh.
RDK V, 689, Abb. 4. Kassel, Ende 17. Jh.
RDK V, 691, Abb. 5. Joh. Ludwig Faber, 1688, München.
RDK V, 693, Abb. 6. Leipzig, 1. H. 18. Jh.
RDK V, 693, Abb. 7. Gg. Frdr. Grebner, 1731, Leipzig.
RDK V, 695, Abb. 8. Leipzig, 2. H. 18. Jh.
RDK V, 695, Abb. 9. Leipzig, um 1710.
RDK V, 697, Abb. 10. Leipzig, Mitte 18. Jh.

I. Begriff und Form

So viel verschiedenartige Krugformen mit engem Hals es seit alters her in Metall, Glas und Keramik gibt, versteht man doch unter E. eine bestimmte Gefäßform aus Fayence, die im 17. Jh. in Holland nach dem Vorbild chinesischer Porzellankrüge aufkam (Abb. 1 und 2), in den Manufakturen von Hanau und Frankfurt weiter entwickelt wurde und das ganze 18. Jh. hindurch dort und in anderen süddeutschen Fayence-Werkstätten (Ansbach, Nürnberg, Bayreuth, Göggingen, Künersberg u. a.) zu den beliebtesten Erzeugnissen gehörte.

Der E. in seiner reifen Gestalt besteht aus einem niedrigen, mehr oder weniger ausladenden, stark eingezogenen Fuß, einem bauchigen (kugel-, birnen- oder eiförmigen) Leib und einem engen, schlanken, z.T. röhrenartigen, z. T. sich oben erweiternden Hals, der sich entweder scharf vom Leib absetzt oder in sanftem Schwung aufwärts steigt, oftmals einen wulstigen Rand, d. h. ein mehr oder weniger breites Kopfband hat, aus dem eine kleine Schnauze vorspringt und auf dem meistens ein Metalldeckel aufsitzt. Leib und Hals können glatt oder gebuckelt sein, und zwar entspricht fast immer einem glatten Leib ein glatter Hals und einem schräg (seltener senkrecht) gewellten Leib ein quergerillter Hals. Die meisten E. verdanken ihre harmonische Form dem wohlabgewogenen Verhältnis der Höhe zur Weite, das beim Aufdrehen des Gefäßes mittels eines „Galgens“ festgelegt wurde, wobei die Länge des Halses etwa ein Drittel der Gesamthöhe des Gefäßes, sein kleinster Umfang etwa ein Drittel des größten Leibesumfanges beträgt.

Der Henkel, der dem lederharten Krug freihändig angesetzt – „angarniert“ – ist, zeigt verschiedene Formen und mannigfaltige Endigungen, die für die Zuschreibung an bestimmte Manufakturen ausschlaggebend sein können. Es gibt gedrehte Tau- und geflochtene Zopfhenkel mit aufgelegter, schnurartiger Mittelrippe, die meist in zwei stumpfwinklig auseinandergehenden, hohlen, plastischen Spiralen enden (Hanau, Frankfurt, Göggingen, Flörsheim) oder in einem langgezogenen, glatten Dorn auslaufen (Nürnberg, Ansbach, Künersberg), und es gibt glatte Ohrenhenkel mit langem, keilförmigem Dorn (Hanau, Frankfurt, Nürnberg), mit zungenförmigem (Ansbach, Erfurt) oder S-förmig eingerolltem Ende (Künersberg, gelegentlich auch Frankfurt). Diese freihändig gezogenen Henkel haben – je nachdem, wie die Handhaltung des Töpfers war – ganz verschiedene Querschnitte, die wiederum charakteristisch für gewisse Betriebe und wichtig für deren Bestimmung sind.

So zeigt Bayreuth von 1729 an einen sehr breiten, bandförmigen Henkel, Schrezheim und ab 1760 auch Crailsheim einen innen flachen, nach außen stark gewölbten, Ansbach und Künersberg einen auf der Innenseite vertieften Henkel, während bei Hanau und Frankfurt der glatte Henkel meist rundlich ist.

II. Unterschiede der Manufakturen

Außer durch verschiedene formale und technische Merkmale – wozu auch die bald stumpfe, bald glänzende sowie die weiße, cremefarbige, grünliche oder kleisterblaue Glasur gehört – unterscheiden sich die E. der einzelnen Manufakturen vor allem durch die Art ihrer Bemalung, die in Unter- oder Überglasur-, d. h. in Scharffeuer- oder Muffelmalerei, bestehen kann (s. a. [3], Bd. 1 S. 96–99). Doch ist es oft schwer, manchmal unmöglich, auf Grund der Form wie der Malweise eine feste Zuschreibung zu machen, da Töpfer wie Maler viel hin- und herwanderten und Formengut, Dekorationsschatz, Farbrezepte und Malgepflogenheiten weitertrugen.

Dies gilt gleich für die beiden frühesten, benachbarten Manufakturen, die 1661 gegründete Hanauer und die 1666 gegründete Frankfurter, zwischen denen ein häufiger Austausch der arbeitenden Kräfte stattfand. Beide zogen anfangs Delfter Keramiker und Maler heran, die ihnen die Form der enghalsigen holländischen Weinkanne und den Dekor chinesischer Porzellane vermittelten. So findet sich sowohl in Hanau wie in Frankfurt zunächst die gedrungene Delfter Form des E. mit birnenförmigem Leib, kurzem Hals und kaum abgesetztem niedrigem Fußring, aus der sich in den 80er Jahren des 17. Jh. der typische E. entwickelte, der in Hanau einen kugeligen (Abb. 3), in Frankfurt vielfach einen mehr länglichen Leib aufweist (Abb. 4). In beiden Werkstätten zeigt die Bemalung der Frühzeit ostasiatische Motive, die jedoch schon gegen Ende 17. Jh. abgewandelt und allmählich immer mehr und mehr von europäischen Motiven verdrängt wurden.

In Hanau [4] wandelten sich ab 1700 die vordem locker gebundenen Buketts von ostasiatischen Pflanzen (Lotosblättern und -blüten, Pfeilkraut und lanzettförmigen Blättern) in flächenhaft stilisierte Sträuße, die – symmetrisch auf beiden Krugseiten oder am Hals angeordnet – geradezu typisch für Hanau sind. Daneben finden sich zwischen 1700 und 1740 E., überstreut von kleinen Blumen und Zweigen, zwischen denen Vögel sitzen, dem auch in Ansbach, Nürnberg und Bayreuth beliebten sog. „Vögelesdekor“, ferner Krüge mit deutschen Gartenblumen, mit Zunftzeichen und Wappen, und schließlich solche, die auf dem Bauch drei kreisrunde Medaillons mit biblischen Szenen oder Landschaften und in den Zwickeln ornamentale Füllungen zeigen: Karreemuster, Blüten und Blättchen, Vier- und Fünfpunkte, die außer in Hanau auch in anderen Manufakturen, höchst selten aber in Frankfurt vorkommen. Unterschiedlich zu Frankfurt ist die tektonische Gliederung der Hanauer Krüge, der sich auch die Malerei einordnet; umlaufende Streifen und Bordüren mit Rundbogen- und Zickzack-, Spiral- und Pfeilmustern trennen Hals, Leib und Fuß (Beispiele in allen größeren Mus.; Abb. aller Arten bei [4]).

In Frankfurt [11] überzieht die Malerei nicht immer, aber größtenteils das ganze Gefäß in einem Fluß. Meist sind es große, flott gemalte Barockblumen, die oftmals ihre Herkunft von ostasiatischen Pflanzen nicht verleugnen können, oder ostasiatische Motive: Landschaften mit Chinesen, fliegenden Reihern, stehenden Pfauen und dergleichen, die ebenfalls schon gegen Ende 17. Jh. eine europäisierende Abwandlung erfuhren. Die schönsten, in Blau und Mangan gemalten, MS (Martin Schiöder?) signierten Krüge der 80er Jahre 17. Jh. mit großen barocken Blumen gehören zu den besten Erzeugnissen der Frankfurter Manufaktur (Abb. 4; [3] Bd. 1 Abb. 18) und stehen den berühmten Frankfurter „Purpurkrügen“, von denen schon in einem Inventar v. 1693 „45 feine große und kleine Krüge mit Purpper gemalt“ erwähnt werden, nicht nach. Diese von Künstlerhand gemalten E., bei denen das feinst abgetönte Purpur (Purpurcamaïeu genannt) mitunter noch durch einige andere Muffelfarben bereichert ist, waren keine Gebrauchsware mehr, sondern repräsentatives Prunkgeschirr.

Wie hoch sie schon zu ihrer Zeit geschätzt wurden, beweist die selten fehlende Montierung in Silber oder vergoldetem Kupfer und das Vorhandensein der vom Fabrikanten deutlich sichtbar unter dem Henkel angebrachten Fabrikmarke F. Der Dekor läßt mehrere Gruppen von stilistisch zusammengehörigen Krügen unterscheiden. Da sind – wie bei der Blaumalerei – E. mit lose über den ganzen Körper verteilten naturalistischen deutschen Gartenblumen (Tulpen, Nelken, Sternblüten) und allerlei Insekten und Vögeln dazwischen, andere mit schweren, barocken Blumenranken, die das ganze Gefäß überziehen ([11] Farbtaf. I u. Abb. 140f., 143); eine Gruppe zeigt vorn auf dem Bauch einen weitverzweigten Blumenstrauß, der von einem zur Schleife gebundenen Band zusammengehalten wird ([11] Farbtaf. I u. Abb. 145), eine andere Fruchtgirlanden, zwischen denen ein Wappen hängt [11, Abb. 147]. Fruchtbündel am Band, eingerollte Palmwedel oder eine Lorbeerranke am Hals sind auch bei den Stücken beliebt, die auf dem Leib eine große figürliche Darstellung tragen (Frankfurt, Priv.bes.; B.N.M.; Prag, K.G.M. – [11] Farbtaf. II u. Abb. 153, 156). Diese Darstellungen, der Mythologie oder der Bibel entnommen und vermutlich auf Stichvorlagen zurückgehend, sind von vorzüglicher Qualität. Offenbar verfügte die Manufaktur selbst über hervorragende Maler, daneben aber wird sie vorübergehend wandernde Hausmaler herangezogen haben, die – Spezialisten in der Camaïeumalerei – den Fabrikmalern die Kunst des Purpurmalens erst vermittelten und sie auch sonst beeinflußt haben werden.

Die sogenannten Hausmaler [6], insbesondere die in eigener Werkstatt arbeitenden Glas- und Emailmaler in Nürnberg und Augsburg, hatten sehr bald, nachdem die ersten deutschen Fayencemanufakturen in Gang gekommen waren, das neue Material als einen reizvollen Malgrund erkannt. Sie verschafften sich Hanauer und Frankfurter, später auch Ansbacher Rohprodukte – vor allem E. – und bemalten sie mit Schwarzlot, mit einem feinen weichen Purpurrot oder auch mit bunten Farben, wobei sie ihr Werk oftmals unter dem Henkel oder zwischen den Ornamenten mit ihren Initialen versahen. Der Dekor besteht in großfigurigen Darstellungen biblischen, mythologischen oder historischen Inhalts, wahren Gemälden, die manchmal die Grenzen der Keramik fast überschreiten, und die z. T. noch bereichert wurden durch Blumenschmuck, ornamentales Beiwerk oder Wappen von Adel und Patriziat, den kaufkräftigen Bestellern der kostbaren Schaustücke.

Einer der frühesten Enghalskrüge von Hausmalerhand, in Schwarzlot und Eisenrot bemalt, stammt von Joh. Schaper in Nürnberg ( 1670) und zeigt das von seinen Emailgläsern her bekannte Motiv einer Ruinenlandschaft mit Staffage (ehem. Slg. Erzhzg. Ludwig Viktor, dann Slg. Neuburg, Dresden; Aukt.Kat. Dorotheum Wien 24. 10. 1921, Taf. VI Nr. 182). Die für Schaper charakteristische fein abgetönte Schwarzlotmalerei wurde von seinen in Nürnberg tätigen Nachfolgern Herm. Benchert, Joh. Ludw. Faber (Abb. 5), Abr. Helmhack auf E. zunächst weiter gepflegt. Später ging Helmhack gleich den Monogrammisten WR (Wolfg. Rößler), JH (Joh. Heel) und MS (wohl identisch mit Martin Schlöder, s. o.) zur Camaïeumalerei über. Von 1720 ab wurde von den Nürnbergern Joh. Melch. Gebhard, Justus Alex. Glüer, Gg. Frdr. Grebner und dem Augsburger Barth. Seutter hauptsächlich buntfarbige Muffelmalerei geübt, beeinflußt von der reichen Palette der Porzellanmalerei, deren Siegeszug schließlich die Hausmalerei auf Fayence wie die Fayencemalerei überhaupt von M. 18. Jh. ab erlag. Jeder der Hausmaler besaß seine eigene Note, sei es, daß z. B. Helmhack seine Darstellungen mit schweren Blumen- oder Blattranken oder Heel sie mit einem Volutenkranz umrahmte; Grebner ist durch eine phantastisch geformte Kartusche, durch Fruchtkörbe und heimische Singvögel charakterisiert (Abb. 7), Stilelemente, die in anderer Anordnung und Ausführung auch für Seutter bezeichnend sind. Hausmaler-E., offenbar von jeher als wertvoller Hausrat schonend behandelt, haben sich in größerer Anzahl erhalten und zählen zu den Kostbarkeiten privater und musealer Fayencesammlungen (Beispiele u. a. im B.N.M., G.N.M., Mainfränk. Mus. Würzburg; zahlr. Abb. bei [6]).

Nicht weniger kostbar sind die E. der Ansbacher [8] „Grünen Familie“, z.T. von den Malern Gg. Christoph Popp und Joh. Leonhard Uz dekoriert.

Meist tragen die E. vorn auf dem Bauch ein Wappen, seitlich ostasiatische Blumen und Phantasievögel, alles in prächtig zusammenklingenden Muffelfarben (Eisenrot, Kobaltblau, Zitronengelb, Rehbraun und Manganviolett) gemalt, wobei ein herrlich leuchtendes Kupfergrün dominiert (Beispiele im Mus. f. K. u. Gew. Hamburg, B.N.M., G.N.M.; [8] Abb. 125 u. 131; Dt. K. u. Kultur im G.N.M., Nürnberg 1952, Abb. 180). Diese Nachahmung des berühmten familleverte-Dekors chinesischer K’ang-hi-Porzellane stellt die in Europa höchstgelungene Angleichung an chinesische Porzellandekorierung dar und bedeutet zugleich die Blütezeit der Ansbacher Manufaktur (etwa 1730–1750). In der Frühzeit waren hauptsächlich ostasiatische Motive und Rouen-Muster in Blaumalerei beliebt; auch gibt es einige E. mit Japandekor in der nur in Ansbach geübten Kaltmalerei von goldenem, rotem und schwarzem Lack auf blauer Unterglasurmalerei [8, Abb. 75]. Am häufigsten sind während des ganzen Bestehens der Manufaktur kleisterblaue Enghalskrüge von 15–40 cm Höhe mit dem schon von Hanau her bekannten „Vögelesdekor“, meist mit einer für Ansbach bezeichnenden Kreuzstrichborte am Halsrand (Abb. 6; [2] Abb. 68).

Eine besonders gefällige Form und die Eigentümlichkeit, die Windungen des Zopfhenkels durch Einkerbungen auch auf dem auslaufenden Ende fortzusetzen [7, Abb. 32f.], unterscheidet den Ansbacher E. von dem der beiden anderen fränkischen Manufakturen, Nürnberg und Bayreuth. Besonders der Bayreuther [9] E. mit seinem oft zu kurzen Hals ist neben dem von Crailsheim (z. B. [3] Bd. 1 Abb. 164) der schwerfälligste unter den deutschen E. (Abb. 7).

Streublümchen und -blätter, asiatischer Dekor, deutsche Blumen, biblische Szenen und Früchtekörbe mit seltsam gefiedertem Blattwerk in Blau- und bunter Scharffeuer- und Muffelmalerei bildeten sowohl in Nürnberg wie Bayreuth den Schmuck, meist von tüchtigen Meistern gemalt und signiert, unter denen sich in Nürnberg u. a. Leonh. Frdr. Marx und J. A. Glüer, in Bayreuth der vordem in Nürnberg tätige G. F. Grebner auszeichneten (Beisp. im Mainfränk. Mus. Würzburg; [1] Abb. 78, 81, 85, 87, 98; die E. Abb. 81, 85 und 98 wurden 1945 zerstört). Eine Bayreuther Eigentümlichkeit sind E. in brauner Ware mit eingebranntem Gold- und Silberdekor [9, Abb. 74 u. 77]. E. mit einem durchbrochenen, rosettenartigen Mittelstück auf dem Bauch sind eine Spezialität der Nürnberger Manufaktur (Hamburg, Mus. f. K. u. Gew.: Kat. Hüseler 1938, S. 225).

Besonders zahlreich sind E. aus den 1745 bzw. 1748 gegründeten Fayencefabriken von Künersberg und Göggingen hervorgegangen. In ihrer eleganten Form und meist vorzüglichen Blumenmalerei stellen sie die schönsten Erzeugnisse der späten deutschen Fayencekunst dar. Bei dem auffallend langgestreckten Künersberger Krug (Abb. 8) schwingt die Umrißlinie sanft und doch in steter Einziehung vom Leib zum Fuß und in ähnlicher Weise zum sehr schlanken Hals hin, während sich beim Gögginger E. [3, Bd. 1 Abb. 165] der verkehrt birnenförmige Leib kräftig und doch wohlgefällig von Hals und Fuß absetzt.

Unter den verschiedensten Darstellungen waren in beiden Fällen locker angeordnete Sträuße in Scharffeuerbemalung sehr beliebt, wobei in Göggingen Päonien, in Künersberg vielblättrige Georginen bevorzugt wurden (z. B. ehem. Würzburg, 1945 zerst.: [1] Abb. 107 u. 114). Am delikatesten sind die Künersberger E., die in der Art von Porzellanmalerei in lichten Muffelfarben und Gold dekoriert sind, mit einigen wenigen großen deutschen Gartenblumen und Insekten auf dem Leib, mit von Goldpunkten begleiteten Goldlinien an Hals, Schulter und Fuß und mit über den ganzen Körper sparsam verteilten Sternchen aus Gold (z. B. Würzburg, Mainfränk. Mus.: [1] Abb. 110).

Nicht selten wurden in den süddeutschen Fayencewerkstätten von Ludwigsburg, Donauwörth, Schrezheim, Flörsheim u. a. E. von nicht besonderer Eigenart mit der für diese Fabriken charakteristischen Bemalung produziert.

Gegenüber Süddeutschland sind andere deutsche Landschaften an der Fabrikation von E. nur gering beteiligt. Die in der 1. H. 17. Jh. in Hamburg hergestellten seltsam geformten Krüge mit massivem, umgekehrt birnenförmigem Leib, flachem, breitem Fuß und sehr kurzem, kegelstumpfförmigem Hals (z. B. Hamburg: Kat. Hüseler 1938, Abb. S. 79) sind nicht eigentlich als E. anzusehen.

In Berlin kommen einzelne E. lediglich in der Zeit um 1710 im Werk von Cornelius Funck(e) vor; auf violettgesprenkeltem Grund zeigen sie in ausgesparten, quadratischen Feldern Blumen in Blaumalerei (Abb. 9). Vermutlich wurden sie, nach dem Naumburger Stempel auf der Zinnfassung zu schließen, eigens für mitteldeutschen Absatz geschaffen (z. B. Berlin, ehem. Schloßmus.: Otto von Falke, Altberliner Fayencen, Bln. 1923, Abb. 31 b).

Nur in Mitteldeutschland hat der süddeutsche E. Schule gemacht. Die Manufakturen von Fulda, Braunschweig, Abtsbessingen und Dorotheenthal stellten gelegentlich E. her, am zahlreichsten die Fayencefabrik Erfurt (Abb. 10; [10]).

Der Erfurter E. ist gekennzeichnet durch einen kugeligen Leib, stark eingezogenen hohen Fuß, dünnen Hals und glatten Henkel. Die Bemalung besteht bald aus einer barocken Kartusche auf manganviolettem Fond mit farbigem Landschafts- oder Architekturprospekt oder anderen Darstellungen, bald aus bunten Chinoiserien auf weißem Grund rings um den Leib und aus Blumen- oder Blattgehängen am Hals. Charakteristisch ist die hohe Zinnfassung, die das Kopfband bedeckt und einen originellen schnabelförmigen Ausguß hat (Beispiele in vielen Mus.; [1] Abb. 193; [2] Abb. 399).

Mit dem Niedergang der Fayencefabrikation starb der E. gegen Ende 18. Jh. aus, doch lebte er einerseits wegen seines praktischen Verwendungszweckes als ein die Flüssigkeit kühlhaltendes Gefäß, andererseits um seiner dekorativen Wirkung willen als schmückendes Schaugerät neuerdings wieder auf, z. T. als – besonders in Süddeutschland (Bamberg) – bewußt hergestellte Fälschung, z. T. als modern gestaltete Keramik in Form von Likörflaschen und Weinkannen.

Zu den Abbildungen

1. Barent Vermeer (1659 bis vor 1702), Stilleben mit Mohr. Öl auf Lwd., 1,43 × 1,20 m. Um 1680 bis 1690. München. A. Pin. Inv.Nr. 6599. Fot. Mus.

2. Dresden, Barockmuseum Schloß Moritzburg Inv. Nr. PA 139, chinesischer Enghalskrug. Porzellan, H. 23,7 cm. Ende Ming – Anf. K’ang (um M. 17. Jh.). Fot. Mus.

3. Leipzig, Mus. des Kunsthandwerks Inv.Nr. V 1533, Hanauer Fayencekrug. H. 27 cm. Ende 17. Jh. Fot. Mus.

4. Kassel, Hessisches L.M. Inv.Nr. 490/1918, Frankfurter Fayencekrug. H. 36,2 cm, bez. „F“ (s. [2] S. 37f.). Ende 17. Jh. Fot. Mus.

5. München, B.N.M. Inv.Nr. Ker. 736, Hausmalerkrug mit „Christus und die Samariterin“ in Schwarzlotmalerei. H. 27,3 cm. Sign. u. dat. „J.L. F(aber) 1688“ (s. [6] S. 30f.). Fot. Mus.

6. Leipzig, Mus. d. Khdw. Inv.Nr. V 1626, Ansbacher Fayencekrug mit „Vögelesdekor“ in Blaumalerei. H. 33 cm. 1. H. 18. Jh. Fot. Mus.

7. Leipzig, Mus. d. Khdw. Inv.Nr. V 59, Bayreuther Fayencekrug in farbiger Muffelmalerei. H. 27 cm. Sign. u. dat. „Grebner 1731 d. 13. 8bris“. Fot. Mus.

8. Leipzig, Mus. d. Khdw. Inv.Nr. V 1559, Künersberger Fayencekrug. H. 29,5 cm. 2. H. 18. Jh. Fot. Mus.

9. Leipzig, Mus. d. Khdw. Inv.Nr. 17.131, Berliner Fayencekrug. H. 20 cm. Um 1710. Fot. Mus.

10. Leipzig, Priv.bes., Erfurter Fayencekrug mit manganviolettem Grund. H. 27 cm. Mitte 18. Jh. Fot. Heinr. Loew, Lpz.

Literatur

I. Allgemein: 1. Aug. Stoehr, Dt. Fayencen und dt. Steingut (= Bibl. f. K.- u. Antiquit.-Sammler Bd. 20), Bln. 1920. – 2. Otto Riesebieter, Die dt. Fayencen des 17. u. 18. Jh., Lpz. 1921. – 3. Konrad Hüseler, Dt. Fayencen. Ein Hdb. der Fabriken, ihrer Meister u. Werke, 3 Bde., Stg. 1956–58.

Zu II (s. auch [3] Bd. 3 S. 437–449): 4. Ernst Zeh, Hanauer Fayence (= Beitr. z. Kg. Hessens u. d. Rhein-Main. Gebietes 1), Marburg 1913. – 5. Ed. Fuchs u. Paul Heiland, Die dt. Fayence-Kultur, Mchn. 1925. – 6. Gustav E. Pazaurek, Dt. Fayence- und Porzellan-Hausmaler, Lpz. 1925. – 7. Herm. Gretsch, Technische Merkmale süddt. Fayencefabriken, Stg. 1928. – 8. Adolf Bayer, Die Ansbacher Fayencefabriken. Ein Beitr. z. Gesch. d. dt. Keramik 1710–1839, Ansbach 1928. – 9. Frdr. H. Hofmann,

Gesch. der Bayreuther Fayencefabrik St. Georgen am See, Augsburg 1928. – 10. A. v. Przychowski, Die Erfurter Fayence-Fabrik, in: Das Erfurter Kunsthandwerk, i. A. der Ak. d. gemeinnützigen Wiss. zu Erfurt hrsg. v. Herbert Kunze, Erfurt 1929, S. 172ff. – 11. Adolf Feulner, Frankfurter Fayencen, Bln. 1935.

Verweise