Emailglas

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englisch: Enamelled glass; französisch: Verre émaillé; italienisch: Vetro smaltato.


Alice Bethe-Kränzner (1959)

RDK V, 65–84


RDK I, 841, Abb. 6. Gläser mit Emailmalerei, 17. und 18. Jh.; Bronzemörser, 14. und 17. Jh.
RDK II, 139, Abb. 4. Aleppo, um 1250.
RDK III, 1033, Abb. 1. Köln, 326.
RDK V, 67, Abb. 1. Frankfurt a. M., 13. Jh.
RDK V, 67, Abb. 2. Ehem. Breslau, um 1480.
RDK V, 69, Abb. 3. Leipzig, 1594.
RDK V, 73, Abb. 4. München, 1596.
RDK V, 73, Abb. 5. Hamburg, 1671 und 1603.
RDK V, 75, Abb. 6. Leipzig, 1664.
RDK V, 75, Abb. 7. Leipzig, um 1685.
RDK V, 75, Abb. 8. Leipzig, 18. Jh.
RDK V, 77, Abb. 9. Georg Strauch (?), 3. V. 17. Jh., Hamburg.
RDK V, 79, Abb. 10. Burg Buchlau (Mähren), 1582.
RDK V, 81, Abb. 11. Johann Schaper, 1667, Hamburg.
RDK V, 83, Abb. 12. Carl von Scheidt, 1815, Leipzig.

I. Begriff

Wenngleich Emailmalerei auch auf Flachglas – bei Glasfenstern und Wappenscheiben – vorkommt (s. Glasmalerei), so versteht man doch unter E. im engeren Sinn mit Schmelzfarben bemaltes Hohlglas.

II. Anfänge

Die Technik, Glas mit Emailfarben, d.h. mit Glasflüssen, die durch Metalle oder Metalloxyde gefärbt sind, zu bemalen und diese dem Glas im Brennofen bei geringer Hitze aufzuschmelzen, war schon zur römischen Kaiserzeit in Ägypten bekannt. Von dort aus nahm sie den Weg in die Hütten der römischen Provinzen, sowohl in die östlichen (in Syrien) wie in die westlichen (in Gallien und am Rhein). Als rheinische Arbeiten des 3. und 4. Jh. sind u. a. niedrige, zylindrische Becher aus farblos-durchsichtigem Glas mit Gladiatorenkämpfen und Tierhatzen anzusehen, die, offenbar von Köln nach Skandinavien exportiert, zahlreich und gut erhalten bei dänischen Funden zutage kamen [7, Abb. 349 bis 353]. Ebenso gehören der im 4. Jh. in Köln blühenden Glasindustrie die sog. rheinischen Goldemailgläser an, die in Anlehnung an die italischen fondi d’oro entstanden (s. Goldglas). Wie bei diesen befindet sich bei den rheinischen Gläsern unter dem Gefäßboden ein aus Blattgold ausradiertes Bild (RDK III 1033, Abb. 1), doch wurden außer dem Gold noch Emailfarben benutzt; so bei dem größten und reichsten, nur in Scherben erhaltenen Stück, der 1866 in der Ursulagartenstraße in Köln gefundenen flachen Schale, bei der ein Blau in zwei Tönungen und ein leuchtendes Rot das Gold wirkungsvoll steigern (London, B.M.; [7] Abb. 369).

Sicher waren emaillierte und vergoldete Gläser auch im alten Orient bekannt, doch haben sich keine Beweise dafür erhalten.

Erst um 1100 beschreibt Theophilus in seiner Schedula diversarum artium (II. Buch Kap. 13 u. 14; Theobald S. 34–36, 233–35) „Glasbecher, die die Griechen mit Gold und Silber verzieren“, und erklärt darin das Aufbringen von Blattgold, das Bemalen mit Emailfarben und die Art der Dekoration ganz so, wie diese sich auf einer byzantinischen Schale des 10. bis 11. Jh. finden (Venedig, S. Marco; [1] Abb. 18).

Vom frühen MA bis zum 12. Jh. war einzig das ägyptische E. von hervorragender Bedeutung. In vielen Scherben und einigen intakten Gefäßen erhalten, zeigt es ein leicht getöntes Glas, das – z. T. beiderseitig – mit sehr dünnen, durchscheinenden, lüsterähnlichen Farben bemalt, von feiner farbiger Wirkung ist [8, Farbtaf. A u. B].

III. Syrien

Nach dem Zusammenbruch der Fatimidenherrschaft (1171) und dem damit verbundenen Untergang der ägyptischen Kunst entstanden – vielleicht unter Anregung und Mitwirkung ausgewanderter fatimidischer Künstler, vor allem aber wohl beeinflußt von den Lüsterfayencen des eigenen Landes – in Mesopotamien und später in Syrien, mit den Hauptzentren Raqqa, Aleppo und Damaskus, die Goldemailgläser des 12., 13. u. 14. Jh., die in bezug auf Eleganz und Farbigkeit des Dekors das Schönste darstellen, was auf dem Gebiet der Hohlglasveredelung überhaupt geschaffen worden ist [8-12].

Unter den Formen überwog von Anfang an der schlanke, oben glockenförmig ausgeschweifte Becher; daneben kamen später langhalsige Flaschen, bauchige Pilgerflaschen, Schalen mit und ohne Fuß, eimerartige Kübel, Henkelvasen und A. 14. Jh. Moscheelampen vor. Das Glas ist nicht besonders gut, von Luftbläschen durchsetzt, meist bräunlich-gelb und nur bei den Lampen von einem schönen, tiefen Blau; doch bildet es immer einen trefflichen Untergrund für die zarten Dekorationen aus Gold und halbtransparentem Email. Letztere bestehen bei den frühen E. der „Raqqa-Gruppe“ aus umlaufenden Zonen mit dick rotkonturierten Goldornamenten und weiß-türkisfarbenen Perlenmustern, auch figürlichen Darstellungen in Art der persischen Fayence- und Mosulbronzen [8, Taf. 89–98 u. Farbtaf. C], bei den späteren E. von Aleppo und Damaskus aus Friesen mit Ornamenten und Inschriften in dünn- oder unkonturiertem Gold auf blauem Grund, aus Medaillons, glatten und geflochtenen Bändern, aus zerstückelten Lotosbordüren oder Arabesken („Glück von Edenhall“, London, V. A. M.), am reizvollsten aus Kranichen, Reihern oder flott gemalten figürlichen Szenen: Polospielern, berittenen Falkenjägern, Kahnfahrern, Zechenden und Musizierenden (z. B. [8] Taf. 112–167 u. Farbtaf. D und E; Becher im Grünen Gewölbe, RDK II 139, Abb. 4; Becher, Aleppo 1260–1280, in München, B.N.M. [10]). Schließlich zeigt eine mongolisch beeinflußte Gruppe, besonders bei den Moscheelampen, chinesische Stilauffassung und Motive [8, Taf. 168–205 u. Farbtaf. F]. – Syrische, für Ägypten gearbeitete Lampen haben sich in großer Anzahl in dortigen Moscheen und im Arabischen Mus. Kairo, einige auch in europäischen Museen (Berlin, Wien, London) erhalten. Von den noch vorhandenen Gebrauchsgegenständen dagegen kamen die meisten schon in alter Zeit als große Kostbarkeiten in europäischen Besitz (Becher in den Kath. von Chartres und Douai; der sog. Lutherbecher in Quedlinburg; zwei große, ehem. als Reliquienbehälter dienende Flaschen im Diöz. Mus. Wien, Kat. 19416 S. 53; die Gefäße auf der Löwenburg b. Kassel u. ehem. im Gr. Gew., Dresden). Vermutlich wurden sie während der Kreuzzüge z. T. erbeutet, z. T. auch rechtmäßig erworben; daß die östliche Glasindustrie mit europäischen Käufern rechnete, beweist eine Gruppe von E. im europäischen Geschmack mit lateinischen Inschriften, bei der unter Verzicht auf Vergoldung die Emailfarben teils von innen, teils von außen aufgetragen sind (Becher in London, B.M.; Berlin, ehem. K.F.M.; Frankfurt a. M., Abb. 1; Stuttgart, L.M.; s. [9] Taf. 20–24). Aber nicht nur nach dem Westen, auch nach dem Osten wurden islamische E. exportiert, wie Funde besonders gut erhaltener Stücke aus Rußland und China zeigen (z. B. Flasche mit Polospielern, 1260/70, Berlin: [10] Abb. S. 498).

IV. Venedig

Bis ins 1. Dr. 14. Jh. reichte die Blütezeit der islamischen E. Erst etwa anderthalb Jahrhunderte nach ihrem Erlöschen trat die Emailmalerei auf Glas in Europa auf, und zwar unter gänzlich anderen künstlerischen und technischen Voraussetzungen als selbständige Neuerfindung venezianischer Glashütten, wenn auch sicher angeregt durch islamische Gläser, deren Bekanntschaft heimkehrende Kreuzfahrer und Handelsbeziehungen zu Syrien vermittelt haben mögen. Etwa von 1460–1530 wurden – von einigen späteren Exportarbeiten abgesehen – E. in Venedig hergestellt, zunächst hauptsächlich aus einer gefärbten durchsichtigen Glasmasse von beträchtlicher Dicke in dunkelgrünen, dunkelblauen und violetten Tönen oder auch aus opakem Milchglas; von 1490 ab fast ausschließlich aus einem farblos-durchsichtigen, dünnwandigen Glas, das im 16. Jh. fast allein herrschend war und in aller Welt begehrt wurde.

Die verschiedenen Glassorten bedingten verschiedene Dekorationsstile. So zeigen die farbigen gotischen Pokale, die Feldflaschen, Schalen und Henkelkannen des Quattrocento anfangs figurenreiche Darstellungen in kleinem Maßstab: Hochzeitszüge, Triumphzüge, mythologische Szenen und Allegorien (Museen Bologna, Florenz, London, Berlin, Köln, Wien; Paris, Slg. Rothschild; [2] Abb. 2–6), später auch Bildnisse in Rundmedaillons zwischen Punkten und Perlenschuppen (Museen London u. Prag; Paris, Slg. Rothschild; [2] Abb. 9 u. 10), während bei den E. um die Jahrhundertwende, vor allem bei den neuaufgekommenen konischen Bechern, großfigurige Darstellungen mit ornamental behandelten Ranken und Grotesken die Wandung umziehen (Museen Berlin, Wien, London; Kat. Spitzer; [1] Abb. 57; [2] Taf. n. S. 262). Besonders gern wurde das farblose Glas, wie zahlreich erhaltene Pokale, Becher, Flaschen, Schalen und große Teller beweisen, schlicht und leicht dekoriert, nur mit einem Schuppenfries aus Gold und Email oder mit goldunterlegten Ranken- und Punktborten am Rand und – bei den Schalen – mit einem Medaillon oder Wappen in der Mitte ([1] Abb. 58; [2] Abb. 14). Diese dem Material des Glases am besten entsprechende Dekorationsweise hielt sich bis über das Jahr 1530 hinaus, wo E. in Venedig aus der Mode kamen und nur noch gelegentlich für den Export gearbeitet wurden. Schon im 15. Jh. hatte man Exportgläser hergestellt, z. B. den schönen Pokal für Matthias Corvinus (Abb. 2), und in der 1. H. 16. Jh. entstand auf Bestellung süddeutscher Patrizier eine ganze Anzahl Glasarbeiten mit den Wappen der Fugger, Hörlin, Pfintzing, Haller u. Imhof u. a. (Wien, London, München u. a.). Nach der Jahrhundertmitte dürften kaum noch Wappengläser nach Deutschland geliefert worden sein; die früher als venezianische Exportarbeiten angesehenen Wappenhumpen (vgl. [2] u. William King, Eine Gruppe emaillierter Venetianer Gläser im B.M., Pantheon 4, 1929, 473–75) wurden als nürnbergisch und augsburgisch nachgewiesen (vgl. [12]).

V. Deutschland

Wohl werden deutsche Glasmaler Muraneser Rohglas, das nachweislich in Nürnberg und sicher auch anderswo gehandelt wurde, noch eine Zeitlang verwendet haben, wie das vermutlich Augustin Hirschvogel und Albrecht Glockendon taten, die 1548 bzw. 1553 in Wien Zahlungen für „auf Glas geschmelzte Wappen“ erhielten, und wie das sicher der Fall ist bei den beiden Bechern mit dem Pfalz-Lützelsteiner Wappen, 1553 (Stuttgart, L.M.; Berlin, ehem. Schloßmus.; [1] Abb. 85). Aber man vermochte um diese Zeit doch schon in deutschen Hütten ein beinahe farbloses, nur leicht getöntes Glas herzustellen, und auch die Schmelzmalerei beherrschte man von 1550 ab immer vollkommener. Zunächst entstanden E. im Bayrischen Wald, seit 1570 in Böhmen und bald darauf auch in allen mitteldeutschen Waldgebieten: in Schlesien, Franken, Thüringen, Hessen und Sachsen, wobei die Bemalung nicht nur von den in den Hütten selbst tätigen Glasmalern, sondern auch von Hausmalern vorgenommen wurde, wie z. B. bei den beiden vielleicht in Nürnberg gemalten Wappenhumpen für Otto-Heinrich von Pfalz-Sulzbach u. s. Gemahlin, dat. 1596 (Abb. 4).

Die Blütezeit der Emailmalerei auf Glas war das 17. Jh. Im 18. Jh. hielt sie sich noch neben dem inzwischen aufgekommenen Glasschnitt, bis sie in der 1. H. 19. Jh. fast vollständig erlosch.

In bezug auf Glasmaterial, Formen und Malerei ist es schwer, oft unmöglich, die E. der einzelnen deutschen Glasgebiete zu unterscheiden, da Glasmacher wie Glasmaler viel gewandert sind und Rezepte wie Malereigepflogenheiten weitergegeben haben. Überall bemühte man sich, das Glas möglichst rein und hell herzustellen, und doch ist es oft von kleinen Bläschen durchsetzt und zeigt eine grünliche, gelbliche oder rauchgraue Tönung. – An Formen wurde allenthalben der zylindrische Humpen bevorzugt, der sich ab 1600 gegenüber dem in Venedig vorgebildeten, kelchförmigen Becher mit Fuß durchsetzte. Er kommt als Stangenglas mit hochgezogenem Boden und breitem Fuß vor oder als einfacher Walzenhumpen, dessen Boden glatt oder eingestochen ist und dessen Fuß aus einem mehr oder weniger breiten Rand oder nur aus einem umgelegten Wulst besteht. Als Willkomm, mit und ohne Deckel und oft von gewaltiger Größe, fand er bei den Trinkgelagen des 17. Jh. reiche Verwendung. Daneben wurden Henkelkrüge, Vierkantflaschen, Apothekengläser und -flaschen (RDK I 841/42, Abb. 6), zylindrische Becher und kleinere Deckelgläser mit bunten, undurchsichtigen Emailfarben bemalt. – Die Malereien selbst sind – sofern sie nicht von besonders befähigten Hausmalern ausgeführt wurden – selten mehr als handwerkliche Leistungen und doch uns wert wegen ihrer farbfrohen, dekorativen Wirkung und ihrer Darstellungen als familien- und kulturgeschichtliche Quelle. Erfindungsreich waren die Hüttenglasmaler nicht. Sie bedienten sich meist graphischer Vorlagen, und so finden sich die gleichen Motive, die des guten Absatzes wegen allgemein verständlich sein mußten, in den Glasbetrieben der verschiedensten Gegenden, oft Generationen hindurch. Die frühesten Darstellungen sind Wappenmalereien, die zunächst nur vom Adel und Patriziat, später auch vom Kleinbürger und Handwerker bestellt wurden und die sich gerade in diesen Kreisen bis weit ins 18. Jh. hielten, während die gesellschaftlich höher Stehenden schon gegen Ende 17. Jh. die geschliffenen und geschnittenen Wappengläser bevorzugten. Dem anfangs allein dastehenden Wappen mit Namensbeischrift fügte man bald reichere Malereien hinzu: Embleme, bildliche Darstellungen, Heiligen- oder allegorischen Figuren, die sich auf den Beruf des einzelnen Bestellers oder auf Zünfte und Korporationen bezogen. So zeigen z. B. die stattlichen, zw. 1592 u. 1608 gemalten Humpen für das Magdeburger Domkapitel (Leipzig, Abb. 3; Berlin, K.G.M., [1] Abb. 86; Corning, N.Y., Mus. of Glass) neben den Wappen der Domherrn den hl. Mauritius als Schutzpatron des Magdeburger Doms.

Für große Humpen war die häufigste Darstellung die des Reichsadlers mit den Quaternionenwappen (Abb. 5), die, je nach Landschaft und Zeit im einzelnen verschieden stilisiert, im wesentlichen aber gleich und auf dieselben Vorbilder (zwei Holzschnitte des 16. Jh.) zurückgehend, den Glauben an die Herrlichkeit und Ordnung des alten Reichs symbolisiert. Diese Reichsadlerhumpen zeigen den doppelköpfigen Adler, auf dessen Brust Kruzifix oder Reichsapfel mit Zepter aufliegen und auf dessen weitausladenden Schwingen nach einem festen System, den sogen. Quaternionen, die Wappen all derer angebracht sind, die „das Heilige Römische Reich mit samt seinen Gliedern“, wie die Umschrift lautet, repräsentieren.

Der Adler mit dem Kruzifix, wie ihn die frühesten Reichsadlergläser (zwei böhmische: 1571, London, B.M.; 1572, Prag, K.G.M., Kat. Eman. Poche, Prag 1955, Abb. 32) zeigen, kommt bis etwa 1590 fast ausschließlich, im 17. Jh. dagegen höchst selten vor; 1665 noch auf einem fränkischen Glas (Leipzig, Mus. d. Ksthdw.). Im 17. Jh. wurde das Kruzifix, dem rückseits die Eherne Schlange entspricht, durch den Reichsapfel ersetzt und die Schlange durch eine Maiblumenstaude (Beispiele solcher böhmischer, schlesischer, fränkischer und sächsischer Gläser in fast allen größeren Slgn.). Der Adler mit dem Brustbild Kaiser Leopolds I., 1671 (Hamburg, Mus. f. K. u. Gew., Max Sauerlandt, Werkformen dt. K, Königstein u. Lpz. 1926, Abb. 45) und 1691 (Aschaffenburg, Ant. Eckardt, Altes Kgwb. in Unterfranken [= Alte Kunst in Bayern], Augsburg 1925, S. 47), blieb vereinzelte Variante.

Die seit den 90er Jahren des 16. Jh. bis weit ins 17. Jh. hinein beliebten Kurfürstenhumpen (Abb. 5) gibt es in zweierlei Art: entweder (in Anlehnung an einen augsburgischen Holzschnitt, 2. H. 16. Jh.) mit dem auf einem Thronsessel sitzenden Kaiser und den ihm zur Seite stehenden sieben Kurfürsten mit erklärenden gereimten Unterschriften (z. B. böhmisch 1593, Prag, K.G.M.: [6] Abb. 147) oder mit dem Kaiser und den Kurfürsten zu Pferd, in zwei Zonen übereinander angeordnet, meist in getrennten Feldern unter Bogenstellungen (z. B. böhmisch um 1590, ehem. Priv.bes. Bremen: [5] Taf. 39), bzw. auch in ungetrennter Folge hintereinander auf grünem Rasen reitend (z. B. böhmisch 1654, ehem. Sigmaringen: [5] Taf. 36).

Seltenere, oft nur auf bestimmte Landschaften beschränkte politische Motive waren im 17./18. Jh.: Allegorie auf den Westfälischen Frieden, Reiterbildnis Gustav Adolfs, Porträts sächsischer Herrscher, Bildnis Karls XII. von Schweden. Daneben finden sich religiöse Motive: schon von etwa 1570 an biblische Darstellungen, später die vier Evangelisten und der Heiland mit den Aposteln (Apostelglas, s. RDK I 830f.). Allegorien wurden gern gemalt: die vier Kardinaltugenden nach einem Stich von Virgil Solis u. a. Vorbildern, die Jahreszeiten, die Lebensalter in verschiedenen Varianten, wovon eine auf eine Holzschnittfolge des Formschneiders IR zurückgeht. Besonders beliebt waren im späten 16. Jh. Jagddarstellungen, im 17. Jh. Hochzeitstänzer, Liebespaare, Zechkumpane u.a.m. Vielfigurige und an den Maler größere Ansprüche stellende Genreszenen, meist erotischen Inhalts, gehören zu den Seltenheiten. Meistens sind den Darstellungen belehrende oder scherzhafte Inschriften beigegeben (W. Bernt, Sprüche auf alten Gläsern, Freiburg 1928) und nie fehlt eine mehr oder weniger breite Borte am Lippenrand, die von den venezianischen Gläsern des 15. u. 16. Jh. übernommen ist und sich aus Punktreihen, Strichen, Linien, Rosetten oder kalligraphischen Schnörkeln zusammensetzt, die vielfach auf Blattgold aufgemalt sind. Kreise, Sterne, Schnörkel oder auch Blumenstauden und Ranken füllen häufig Rückseite und Zwischenräume.

Abgesehen von einem ohne Vergleich dastehenden und nicht lokalisierbaren Stangenglas mit Bathseba im Bade, dessen bunte Emailmalerei auf einem typisch deutschen spät-ma. Nuppenglas (sog. Rosenstock) um 1540 datiert wird (Hamburg, Mus. f. K. u. Gew.; Kat. K. Hüseler 1938, S. 53), sind die frühesten deutschen Emailgläser im Bayerischen Wald, in der Gegend von Passau, beheimatet.

Es ist eine Gruppe von Wappenhumpen in Form von Stangengläsern mit stark verbreitertem Fuß, an deren Anfang kaum der mehrfach angezweifelte, von Fuchs aber für das älteste deutsche E. gehaltene Humpen mit dem Fischerwappen von 1527 (Frankfurt a. M., [15] Abb. 1) stehen darf. Mit Bestimmtheit sind ihr zuzurechnen die Humpen mit den Wappen Ortenburg und Fugger, 1554 (Hamburg, Mus. f. K. u. Gew.), und mit den Wappen Ortenburg und Spaur, 1556 (München, B.N.M., [1] Abb. 97), sowie das Glas mit dem Ossenrothschen Wappen von 1565 (Frankfurt a. M., K.G.M., [15] Abb. 4).

1579 datiert ist das erste böhmische Wappenglas, dem in den 80er und 90er Jahren eine große Anzahl von Wappenpokalen folgt (die meisten im K.G.M. Prag). Charakteristisch ist für sie der hohe zylindrische Fuß mit hochgezogenem Boden, den eine Punktreihe von der Kuppa trennt, welche entweder nach oben kelchförmig ausbaucht oder zylindrisch gebildet ist (Abb. 10; [6] Abb. 142f.; Kat. E. Poche Abb. 33). Nach 1600 kommt meist der walzenförmige Humpen mit Wulstrand vor. Neben Wappen zeigen die böhmischen Gläser fast alles, was vorher an Themen genannt wurde, stellt doch Böhmen, insbesondere Nordostböhmen mit den Hütten von Kreibitz und Falkenau, daneben Südböhmen mit den Hütten um Gratzen, das Hauptproduktionsgebiet des deutschen E. vom 16.–18. Jh. dar.

Kennzeichen böhmischer Gläser sind eine hell- bis dunkelgrüne, oft auch tiefblaue Glasmasse und eine Emailmalerei von besonders leuchtender Farbkraft und dekorativer Wirkung [4, Taf. 8–10]. Auch einige Ornamente sind bezeichnend: die bunte Maiblumenstaude, ferner ein Kranz von kleinen weißen Bomben (wohl Maiglöckchenblüten) über der oberen Randborte und die besondere Art der bunten, meist goldgrundierten Punktborte überhaupt. Doch kommen diese Merkmale auch auf fränkischen, hessischen und brandenburgischen Gläsern vor. Typisch böhmisch sind gegen Ende 16. Jh. kleine Henkelbecher, kegelförmige „Kuffen“ und besonders kleine, kobaltblaue, bauchige Henkelkrüge, die entweder bemalt oder mit emailbetupften Quadern belegt sind ([4] Abb. 81–88; [6] Abb. 141). Einige Gläser weisen sich durch Widmungsinschriften als böhmisch aus, wobei die Namen der Familien Preußler und Schürer von Waldheim, die in der böhmischen Glasindustrie die führende Rolle spielten, vertreten sind.

Neben Böhmen hat gleichzeitig Schlesien gewiß einen großen Anteil an der Herstellung von E. Wesentliche Unterschiede finden sich bei dem häufigen Hin- und Herwandern der Glasmacher nicht, und so ist ohne besondere Anhaltspunkte ein Lokalisieren einzelner E. nach Schlesien kaum möglich.

Im 17. Jh. entwickelten die Glashütten von Franken (bes. um Bischofsgrün) und Thüringen (bes. in Lauscha) eine reiche Produktion an E. Von den böhmischen E. unterscheiden sie sich durch ein helleres, etwas bräunliches Glas und auch durch lichtere Emailfarben. Konische Becher und walzenförmige, in der Mitte leicht ausschwellende Humpen mit breitem, hohlem Fußreif (Abb. 6) sind die hauptsächlichsten Formen.

Außer Gläsern mit den üblichen Themen wurden die für Franken charakteristischen, zw. 1650 u. 1654 gemalten Erinnerungshumpen auf den Westfälischen Frieden hergestellt, ferner unzählige Familiengläser – die Darstellung der Familie in der Art von Epitaphen –, vor allem seit 1656 die sog. Fichtelgebirgsgläser, die den Wald-, Quellen-, Jagd- und Erzreichtum des Gebirges veranschaulichen, und schließlich walzenförmige Henkelseidel mit dem bis zu den spätesten Erzeugnissen (M. 18. Jh.) hin beliebten Motiv eines pflügenden Bauern (Beispiele aller Gattungen bei [18; 19]). Die Malerei geschah fast durchweg in einer naiven, fröhlichen Bilderbogenmanier, wozu auch die reichen Beischriften und die vielen, die Zwischenräume füllenden kleinen, bunten Punktmuster, Rosetten, goldenen Sterne und kalligraphischen Schnörkel gehören. Diese und andere Ornamente (sich verzweigende Maiglöckchenstauden, Säulenstellungen mit Bögen aus glatten Streifen oder Laubwerk) sowie typische Randborten lassen eine deutliche wechselseitige Beeinflussung zwischen den fränkischen E. und den gleichzeitig entstandenen Kreussener Steinzeugkrügen erkennen. Die Randverzierungen sind ein wesentliches Kennzeichen fränkischer E. (Abb. 6). Sie bestehen aus aneinandergereihten, sich schneidenden Flachbögen, von Punkt- und Zackenbordüren gerahmt, aus umlaufenden farbigen Linien, deren mittlere durch Punkte unterbrochen wird, oder auch aus einer Goldborte, die durch kleine weiße Punktmuster oder ausradierte Ranken belebt wird.

Für die verwandten thüringischen E. sind kräftigere Farben bezeichnend und im 18. Jh. die Eigentümlichkeit, die Gläser zweiseitig zu bemalen, so daß die weißen oder schwarzen Konturen an der Außenwand, die bunten Farbflächen innen liegen.

Die seit Jahrhunderten bestehenden Hütten in Hessen (bes. um Großalmerode Krs. Witzenhausen) wurden offenbar durch eingewanderte böhmische Glasarbeiter mit der Emailmalerei vertraut, zeigen doch die frühesten sicher hessischen E. ganz den böhmischen verwandte Schmuckmotive, besonders in den goldenen Schuppenborten mit ein- oder mehrfarbigen, allerdings schon vorwiegend weißen Punkten.

Von 1630 ab kamen nur noch weiße Punkte zwischen den Schuppen vor, die ab 1670 auch noch fortfielen und sich auf Einrahmung einer breiten Goldzone beschränkten. Diese vornehme Randverzierung ist ebenso typisch für hessische E. wie das seit 1630 gültige intensiv goldgrüne Glas. Beides steht wunderbar zu der beliebtesten Schmuckform: dem Wappen, das kaum anderswo so zahlreich, sorgfältig und heraldisch klar gemalt wurde wie hier. Außer Wappengläsern – hauptsächlich zwischen 1676 u. 1679 für den landgräflichen Hof hergestellt – sind sog. Kronengläser für Hessen charakteristisch, die neben dem Wappen eine gelbe Krone und die Initialen der Landgrafen zeigen. An volkstümlichen E. waren Familien- und Reichsadlergläser, ganz besonders Jagdgläser in verschiedenen Varianten beliebt. Die Reichsadlerhumpen unterscheiden sich von denen anderer Landschaften durch das Vorkommen einer kleinen Krone zwischen Reichsapfel und Kreuz, die anderswo fehlt oder nur als Blatt gebildet ist, ferner durch eine eigentümliche Bildung der Kronenzacken des Adlers und schließlich durch Anbringung der Inschrift auf der Rückseite des E., während sie sonst meist als Legende um das Glas herumläuft. Als Randborte finden sich hier von Franken beeinflußte Flachbogen und Zackenlinien oder auch bunte umlaufende, von ein oder zwei weißen Punktreihen umrahmte Streifen. Einige Jagdgläser werden durch die gleiche Randborte aus geschlängelten Pfeilen und eine dichtgedrängte Tupfenfüllung der ganzen Fläche zu einer Gruppe zusammengefaßt (Beispiele aller Gattungen in Kassel, L.M., und Löwenburg b. Kassel; [20]).

Das sächsische E. trat erst im 17. Jh. in Erscheinung, obwohl sicher schon in den Hütten, aus denen im 16. Jh. die Glasmalerfamilien der Schürer und Preußler nach Böhmen auswanderten, E. hergestellt wurden. Von 1610 an entstanden die überaus zahlreichen „Hofkellereigläser“, die in Form von Humpen, Bechern, größeren und kleineren Deckelgläsern, meist aus klarem, hellem, aber auch violettem sowie aus Milchglas vorkommen (z. B. [1] Abb. 108).

Sie zeigen das große und kleine sächsische Wappen (Abb. 7), seit 1697 auch das polnische Wappen mit sächsischem Herzschild, das Datum und die Initialen des jeweiligen Herrschers, manchmal auch einen Hinweis, ob sie für die „Hoffkellerey Dressden“, Torgau, Lößnitz, Magdeburg, Moritzburg o. a. Schlösser bestimmt waren. Die Randborte wurde im 17. Jh. aus einer Goldlinie gebildet, die eine doppelte und eine einfache Perlenreihe umrahmen, im 18. Jh. aus einer zierlichen, um einen gelben Stab geschlungenen Girlande. Sternornamente aus Blattgoldrauten, Punkten, Spiralen und fächerförmig angeordneten Strichen bilden den übrigen Schmuck. – Ähnlicher Art sind die mit Spielkarten bemalten Paß- oder Deckelgläser des 17. und 18. Jh. (Abb. 8). – Eine Gruppe für sich stellen die im 17. Jh. hergestellten Fadengläser dar, die – meist aus einem nicht sehr guten rauchfarbenen, oft grünlichen Glas bestehend – aufgemalte emaillierte Fäden zeigen [5, Taf. 48f.]. – Eine andere Gruppe ist durch eine eigentümliche Blumenstaude gekennzeichnet, die sich aus symmetrisch angeordneten Blättern und tulpenähnlichen Blüten zusammensetzt [1, Abb. 110]. Diese in der 2. H. 17. Jh. gearbeiteten Flaschen und Gläser (Berlin, Hamburg, Leipzig) sind von einem wasserhellen bis goldgelben, meist gelbgrünen Glas und entstanden vielleicht in Hütten der Oberlausitz. – Eine Gruppe von drei dunkelblauen Vierkantflaschen von 1674 (ehem. Dresden, Gotha, Leipzig) zeichnet sich durch erlesene, leuchtende Wappenmalerei und durch einen aus Palmetten und Spiralen zusammengesetzten Dekor aus, wie er ganz ähnlich auf gleichzeitigem sächsischen Steinzeug vorkommt (Walter Holzhausen, Sächsische Gläser des Barock, Zs. f. Kw. 8, 1954, S. 123 Abb. 25). – Auch die stattlichen, von 1681–1737 in vier Varianten gemalten Hallorengläser, die keulenförmigen Deckelhumpen der Salzpfännerschaft in Halle, sind sächsischer Herkunft. Immer in drei Zonen aufgeteilt, zeigen sie verschiedentlich das Wappen der Salzpfänner, die Halloren im Festzug, Musikanten und Fahnenträger und in zwei Fassungen am oberen Rand die Ansicht der Stadt Halle, entweder in Emailmalerei oder aus eingebranntem Goldgrund ausradiert (z. B. [1] Abb. 111). Die aus der 1.H. 18. Jh. stammenden Kelchgläser des Dresdener Hofemailleurs Joh. Friedr. (nicht Heinrich) Meyer mit aufgemaltem Bildnis oder Monogramm Augusts d. Starken in Goldreliefrahmen oder mit figürlichen Darstellungen in emailliertem Hochrelief sind nicht mehr als E. anzusprechen (Holzhausen a.a.O. Abb. 10–17).

1602 gründete Kurf. Joachim Friedrich von Brandenburg mit in Böhmen angeworbenen Glasmachern die erste brandenburgische Hütte in Grimnitz, die zwar schon 1607 nach Marienwalde verlegt wurde, aber ab 1653 wieder neben dieser bis gegen Ende 18. Jh. bestand. Nachweislich wurden hier Apostel- und Lebensaltergläser, Kurfürstenhumpen und andere E. mit herkömmlichen Themen gemalt, doch ist deren Zuweisung an Brandenburg, zumindest in der Frühzeit, bei der Beschäftigung von lauter böhmischen Glasarbeitern, kaum möglich.

Lediglich einige „gemarmollierte“ Arbeiten lassen sich als Grimnitzer Erzeugnisse erkennen: ein rotweiß-blau gesprenkelter Pokal von 1602 mit rotem Adler in weißem Schild (ehem. Dresden, Gr.Gew.) und eine marmorierte Schale mit brandenburgischem Wappen, in Gold und kalten Lackfarben bemalt, um 1602 (Berlin, ehem. K.G.M.; [3] Taf. 1). Für Marienwalde wird man eine Reihe gut gemalter Humpen mit dem brandenburgischen Wappen in Anspruch nehmen dürfen, bei denen – im Unterschied zu böhmischen E. – einige Teile des Wappens aus eingebranntem Blattgold mit schwarzer Email-Innenzeichnung bestehen (z. B. [3] Taf. 2). Reiche Punktborten auf Gold ähneln denen auf böhmischen E., doch ist das Glas gelblicher und ziemlich unrein. In der 2. H. 17. Jh. wurden die Malereien im allgemeinen derber, die Randborten – aus gelben Ranken mit Früchten und Blumen oder aus gelb-roten Strichen bestehend – charakteristischer (z. B. [3] Taf. 3). Als Glasmaler der Marienwalder Hütte werden Wolf Schindeler und Gottfried Gampe genannt.

Die im 18. Jh. gegründeten brandenburgischen Hütten blieben ohne Bedeutung, war doch die Zeit der Emailmalerei auf Glas vorbei. Von dem im 17. Jh. in Nürnberg aufgekommenen Glasschnitt verdrängt, hielt sie sich nur noch in der Volkskunst bis ins 19. Jh. hinein.

Gerade in Nürnberg aber nahmen sich in der 2. H. 17. Jh. einige Künstler der sinkenden Emailmalerei an und brachten Leistungen hervor, die alle sonstigen gleichzeitigen Erzeugnisse weit übersteigen.

Georg Strauch (1613–75) schuf kleine Deckelgläser mit farbigen Darstellungen mythologischer Liebespaare, erlesen fein in Gestaltung wie Ausführung (Abb. 9; [1] Abb. 116; vgl. Hannshubert Mahn, Lorenz u. Gg. Strauch, Reutlingen 1927, S. 75–77, Abb. 127–45).

Johann Schaper (seit 1655 in Nürnberg, 1670) erfand mit seinen auf Glas eingebrannten Schwarzlotmalereien eine Technik, die bald Schule machte; die ganze Gattung solcher Gläser wird nach ihrem Erfinder „Schapergläser“ genannt.

Eigenhändige Arbeiten von Schaper, der oft mit vollem Namen oder J.S. signierte, gelegentlich auch datierte, haben sich in größerer Anzahl erhalten (Abb. 11; [1] Abb. 117f.). Es sind mit geringer Ausnahme kleine zylindrische Becher auf Kugelfüßen, geschmückt mit Ruinenlandschaften, Ansichten von Nürnberg und den Landsitzen des Nürnberger Adels oder auch mit Schlachten- oder Genreszenen. In der Zartheit seiner feinnuancierten Schwarzlotmalereien, neben denen er auf einigen wenigen Gläsern auch farbige halbtransparente Schmelzmalerei anwandte (z. B. Berlin, K.G.M.; Leipzig, Mus. d. Khdw.), blieb Schaper von seinen Nachahmern: Joh. Keil, Joh. Ludw. Faber, Hermann Benchert, unerreicht. – Nach 1700 wurde die Technik in Nürnberg kaum noch gepflegt, dagegen fand sie im 1.Dr. 18. Jh. große Aufnahme bei böhmisch-schlesischen Glasmalern, deren bekanntester Ignaz Preißler (Preußler) war. Der Stil seiner oft mit Gold gehöhten Schwarzlotmalerei ist nun ein völlig anderer und geht im Motivischen – dem Laub- und Bandelwerk, graziösen Ranken, Putten, Chinoiserien u.a.m. – eng mit der gleichzeitigen frühen Porzellanmalerei zusammen (z. B. [6] Abb. 210–15).

Von der Porzellanmalerei her kam auch Samuel Mohn (1761–1815), der die „verloren gewesene und von mir wieder erfundene“ transparente Malerei mit seinem Sohn Gottlob Samuel (1789–1825) werkstattmäßig betrieb (Abb. 12).

Im Gegensatz zu den etwas trüben Tönen Schapers erfand Samuel Mohn leicht einbrennbare, sehr zarte, leuchtende und ganz licht durchscheinende Farben. Die von den beiden Mohn seit etwa 1806 gemalten E. sind meist zylindrische, oben leicht ausgeschweifte Becher, seltener schwere Kelche auf quadratischer Plinthe. Dargestellt sind farbige Porträts, Silhouetten in Medaillons, der Plan der Völkerschlacht bei Leipzig, weitaus am häufigsten aber Landschaften und Panoramen von Städten, bes. von Dresden; von 1811 ab – da Gottlob Mohn von Dresden nach Wien übersiedelte – auch viele mit Ansichten von Wien und Prag. Unter dem Lippenrand befindet sich stets eine breite Eichenlaub- oder Blumenranke, die bei den Wiener Gläsern etwas variiert. Die E. Samuel Mohns sind fast immer signiert, vielfach auch datiert, einige gegengezeichnet von Schülern, die in großem Maße die Ausführung übernahmen, wie Carl v. Scheidt und F. W. Viertel. Auch Gottlob Mohn, dessen Themenkreis ein reicherer war als der seines Vaters, signierte seine Arbeiten häufig.

Sein bedeutendster Schüler war Anton Kothgasser (1769–1851), der wie Gottlob Mohn auch Porzellan- und Tafelglasmaler war und wie dieser die Emailmalerei auf Glas beinah fabrikmäßig betrieb.

Als Form benutzte Kothgasser fast ausschließlich sog. „Ranftbecher“, d. h. nach oben sich erweiternde Becher auf vorspringender, starker, geschliffener Fußplatte, zwischen deren Rillen sich meistens ganz klein die Signatur A.K. befindet. Sein Motivschatz umfaßte Städteansichten, Bildnisse, allegorische und mythologische Darstellungen, Genreszenen, Tier- und besonders schöne Blumenstücke u.a.m., z. T. in etwas rührseliger Manier des Biedermeier dargeboten (Beispiele von Mohn- und Kothgasser-E.: [21] Abb. 138 bis 214).

Kothgassers Art fand zu seiner Zeit viele Nachahmer und wurde mit dem Aufkommen des biedermeierlichen Geschmacks in der 1. H. 20. Jh. von geschickten Händlern, namentlich in Nordböhmen und Wien, ganz vorzüglich gefälscht, ebenso wie die „altdeutsche“ Mode der 80er Jahre des 19. Jh. zahlreiche, besonders in Schlesien produzierte Fälschungen der Humpen und Wappengläser der Renaissance hatte erstehen lassen.

Nirgendwo anders als in Deutschland hat E. eine auch nur annähernd so große und anhaltende Rolle gespielt, wenn es auch – vermittelt durch weithin auswandernde venezianische Künstler – in anderen europäischen Ländern nicht unbekannt war.

VI. Kalte Bemalung

Neben der Malerei mit eingebrannten Emailfarben ist die kalte Bemalung von Glas von geringer Bedeutung.

In Ägypten und im Irak, seltener in Syrien, war sie bekannt, wie mittelalterliche – hauptsächlich in Fustat gefundene – Bruchstücke und einige wenige Gefäße beweisen. Es handelt sich meist um manganrotes Glas, das – z. T. in schwarzkonturierter Hinterglasmalerei – in vorwiegend ziegelroten, grünen, auch weißen Farben bemalt ist (Beispiele des 6.–14. Jh.: Kairo, Ägypt. u. Arab. Mus.; Berlin, Antiquarium: [8] Taf. 47f.). – In Venedig liebte man es etwa von 1530–70, große Prunkschüsseln und Schalen mit Ölfarben und viel Gold kalt zu hintermalen, in der Art, daß ein buntes Mittelfeld im Spiegel von breiten, goldenen Rankenfriesen umgeben ist (z. B. Berlin, ehem. Schloßmus., [1] Abb. 62).

Diesseits der Alpen wurde in der 2. H. 16. Jh. die Kaltmalerei im Verein mit Diamantriß zum Charakteristikum der Hütte von Hall in Tirol. Stangengläser, walzenförmige Humpen, große Deckelpokale mit zylindrischer, glocken- oder eiförmiger Kuppa und mit angeblasenem Balusterschaft, von farbloser, grünlicher oder schwach-violetter Glasmasse wurden abwechselnd mit diamantgerissenen und kaltbemalten Feldern dekoriert, wobei ausschließlich – abgesehen von bunten Ölfarben für Wappen – Gold sowie roter und grüner Lack in Anwendung kamen. Die meisten Beispiele aus Ambraser Besitz in Wien, Kh. Mus.; ferner München, B.N.M., und Veste Coburg (H. Zedinek, Die Glashütte zu Hall i. T. [= Altes Kunsthandwerk Bd. 1, H. 3], Wien 1927).

Diese Dekoration, kalte Bemalung mit Diamantriß kombiniert, fand um 1600 auch in Deutschland für etwa zwei Jahrzehnte Aufnahme. In Schlesien, Böhmen und Brandenburg wurden Stangengläser und Humpen mit reichen diamantgerissenen und vergoldeten Randborten geschmückt und in der Mitte mit figürlichen Darstellungen (Allegorien, Kostümfiguren, Kreuzigung u. a.) in Öl, Gold und Lasurlackfarben bemalt (Beispiele: [1] Abb. 122; [3] Taf. 1; [4] Abb. 66; [6] Abb. 155 u. 157). – Bei anderen Gläsern verzichtete man auf den Diamantriß, so bei einer Gruppe von Stangengläsern, die nur mit einer zierlichen Goldspitze dekoriert sind, an der in feiner Malerei aus Gold, Rot und Grün ein Wappenmedaillon hängt und die wegen des ausschließlichen Vorkommens von Nürnberger Patrizierwappen nach Nürnberg lokalisiert werden müssen [1, Abb. 121]. – Für das Rheinland sind A. 17. Jh. grüne Nuppenrömer charakteristisch, die Ranken und Inschriften oder auch figürliche Szenen in kalter Bemalung mit viel Gold und ganz wenig Rot zeigen [4, Abb. 68f.]. – Schließlich lebte die Kaltmalerei in der Biedermeierzeit noch einmal auf, und zwar in der Art von bunter Lackdosenmalerei auf goldenem Grund [21, Abb. 231f.].

Zu den Abbildungen

1. Frankfurt a. M., Mus. f. Kunsthandwerk, emaillierter Glasbecher. Syrisch, 13. Jh., für Europa gearbeitet. Fot. Mus.

2. Ehem. Breslau, Schles. Mus. f. Kgw. u. Altertümer, Inv.Nr. 135:2, emaillierter Glaspokal für König Matthias Corvinus (Wappen Ungarn und Böhmen). 22,5 cm h. Venedig, um 1480. Nach „Schles. Kulturspiegel“, Breslau 1935, Abb. 46.

3. Leipzig, Mus. des Kunsthandwerks, Inv.Nr. 56.56, Humpen für das Magdeburger Domkapitel. Emailmalerei: St. Mauritius und 12 Wappen mitteldeutscher Adelsgeschlechter. 29 cm h. Sachsen, dat. 1594. Fot. Mus.

4. München, B.N.M., Inv.Nr. G 114 und G 116, zwei Humpen mit Wappen Otto-Heinrichs von Pfalz-Sulzbach u. s. Gemahlin Dorothea Maria von Württemberg. Ohne Deckel 39 cm h. Wohl Nürnberg, dat. 1596, Fot. Mus.

5. Hamburg, Mus. f. K. u. Gewerbe, Inv.Nr. 1872, 8, Reichsadlerhumpen. 28 cm h. Fichtelgebirge, dat. 1671. – Ebd., Inv.Nr. 1883, 79, Kurfürstenhumpen. Mit Deckel 36 cm h. Böhmen, dat. 1603. Fot. Mus.

6. Leipzig, Mus. des Kunsthandwerks, Inv.Nr. 03.815, Familienhumpen des Hans Christoph Wildmaister. 24,7 cm h. Franken, dat. 1664. Fot. Mus.

7. Leipzig, Mus. des Kunsthandwerks, Inv.Nr. 51.13, Milchglasbecher mit dem kursächsischen Wappen und Monogramm („Joh. Georg der Dritte Hzg. zu Sachsen Jülich Cleve und Berg Churfürst“). 14,5 cm h. Sachsen, um 1685. Fot. Mus.

8. Leipzig, Mus. des Kunsthandwerks, Inv.Nr. 56.86, Deckelhumpen mit Spielkarte (aus einem Satz mit dem ganzen Kartenspiel). 19 cm h. Sachsen, 18. Jh. Fot. Mus.

9. Hamburg, Mus. f. K. u. Gewerbe, Inv.Nr. 1923, 58, Deckelhumpen mit Darstellung von Meleager und Atalante (Rücks.: Cephalus und Procris). 16,9 cm h. Nürnberg (Georg Strauch zugeschr.), 3. V. 17. Jh. Fot. Mus.

10. Burg Buchlau (Südostmähren), Stangenglas mit Wappen des Wratislaw von Pernstein. Böhmen, dat. 1582. Nach [6] Abb. 144.

11. Hamburg, Mus. f. K. u. Gewerbe, Inv.Nr. 1920, 79, Schaperglasbecher mit Landschaft und Ruine. Schwarzlotmalerei. 10,7 cm h. Johann Schaper, Nürnberg, dat. 1667. Fot. Mus.

12. Leipzig, Mus. des Kunsthandwerks, Inv.Nr. 11.96, Mohnglasbecher mit Darstellung der Dresdner Hofkirche. 10,6 cm h. Carl von Scheidt, Dresden (Werkstatt Samuel Mohn), sign. u. dat. „C. v. S. 1815 Mohn“. Fot. Mus.

Literatur

1. Robert Schmidt, Das Glas, Bln. 19222. – 2. Ders., Die venezianischen Emailgläser des 15. u. 16. Jh., Jb. d. preuß. K.slgn. 32, 1911, 249–86. – 3. Ders., Brandenburgische Gläser, Bln. 1914. – 4. Ders., Die Gläser der Slg. Mühsam, N.F., Bln. 1927. – 5. Walther Bernt, Altes Glas, Mchn. (1950). – 6. Jaroslav R. Vávra, Das Glas und die Jahrtausende, Prag 1954. – 7. Anton Kisa, Das Glas im Altertume Bd. 3, Lpz. 1908, S. 807ff. – 8. Carl Johan Lamm, Ma. Gläser und Steinschnittarbeiten aus dem nahen Orient, 2 Bde., Bln. 1929–30. – 9. Ders., Oriental Glass of Mediaeval Date Found in Sweden and the Early History of Lustre-painting (= Kungl. Vitterhets Historie och antikvitets Akademiens Handlingar 50:1), Stockholm 1941. – 10. Kurt Erdmann, Ein Höhepunkt islamischer Glaskunst: Syrische Emailgläser des 13. u. 14. Jh., Atlantis 24, 1952, 498–500. – 11. Gustav Schmoranz, Old Oriental Gilt and Enameled Glass Vessels, Wien u. London 1899. – 12. Gaston Wiet, Lampes et bouteilles en verre émaillé, Kairo 1929. – 13. Ignaz Schlosser, Venezianer Gläser, Wien 1951. – 14. Ders., Das alte Glas. Ein Hdb. für Sammler u. Liebhaber (= Bibl. f. K.- u. Antiquitätenfreunde Bd. 36), Braunschweig 1956. – 15. Ludwig F. Fuchs, Die frühen süddt. Wappenhumpen, Münchner Jb. N.F. 12, 1937/38, 219–32. – 16. Ders., Die Glaskunst im Wandel der Jahrtausende (= Wohnkunst u. Hausrat – einst u. jetzt Bd. 23), Darmstadt 1956. – 17. Victor Vorlièek, Böhmisches Glas, Prag 1954. – 18. Ernst Zeh, Die oberfränkischen Emailgläser, Cicerone 7, 1915, 343–64. – 19. Tilde Ostertag, Das Fichtelgebirgsglas (= Beitr. zur fränk. Kg. N.F. 2), Erlangen 1933. – 20. Margarete Killing, Die Glasmacherkunst in Hessen, Marburg 1927. – 21. Gustav E. Pazaurek, Gläser der Empire- und Biedermeierzeit (= Monogr. des Kgwb. Bd. 13/14), Lpz. 1923, S. 152–238.