Eli

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englisch: Eli; französisch: Héli; italienisch: Eli.


Karl-August Wirth (1957)

RDK IV, 1362–1372


RDK IV, 1363, Abb. 1. Rom, um 870.
RDK IV, 1365, Abb. 2. Admont, um 1130.
RDK IV, 1367, Abb. 3. Mülhausen im Elsaß, um 1350.
RDK IV, 1369, Abb. 4. Tobias Stimmer, 1576.
RDK IV, 1371, Abb. 5. Conrad Meyer, 17. Jh.
RDK IV, 1371, Abb. 6. Julius Schnorr von Carolsfeld, um 1850-60.

I. Schriftquelle

E. (Kurzform für hebr. Joeli = Jahwe ist mächtig; Vulgata: Heli) war Priester im Heiligtum der Bundeslade zu Silo und gilt als der letzte der Richter Israels. Von den 1. Samuel (Vulgata: 1. Kön.) 1, 9–4, 18 mitgeteilten Begebenheiten aus seinem Leben spielen vor allem folgende in der bildenden Kunst eine Rolle:

E. weiht Gott die Opfergaben, die Elkana und seine beiden Frauen nach Silo brachten (eine Kompilation aus verschiedenen Angaben der Schriftquelle, dazu bestimmt, die Familie des Elkana beim Opfer darzustellen); E. beobachtet die betende Hanna und glaubt, sie sei betrunken (1, 12–13). Nachdem er diese darüber befragt und den Grund ihres inbrünstigen Gebets erfahren hat (1, 14–16), entläßt er die fromme Frau mit der Verheißung, ihre Bitte um Kindersegen solle Erfüllung finden (1, 17; „Verkündigung an Hanna“); Hanna bringt den jungen Samuel zu Eli und weiht den Knaben dem Tempeldienst (1, 23–28; „Darbringung Samuels“); E. erfährt auf seine Bitte hin, was Gott dem Samuel kundgetan hat (3, 17f.; „Samuel und Eli“); E., der von dem verwerflichen Treiben seiner Söhne Hophni und Pinehas gehört hat (2, 22), macht diesen Vorhaltungen über ihren Lebenswandel (2, 23–25); Ein Bote kündigt E. an, Gott werde den männlichen Stamm seines Hauses verderben und seine Söhne stürben am gleichen Tag (2, 27–36; die Söhne kommen im Kampf gegen die Philister um: 4, 11); E. Tod: auf die Nachricht von dem Verlust der Bundeslade an die Philister stürzt der alte, erblindete E. von seinem Stuhl an der Tempelpforte und bricht sich das Genick (4, 18).

Außer dem biblischen Bericht kommen verschiedene Geschichtsbücher, in denen die Angaben der Bibel teilweise breiter ausgesponnen sind, als Schriftquellen in Betracht, z. B. die Historia scholastica des Petrus Comestor († um 1179; Migne, P.L. 198, Sp. 1053–1722), in der zumal das Thema E. und seine Söhne ausführlicher behandelt ist (E. entläßt seine beiden Söhne mit der Bundeslade und ermahnt sie, nicht ohne das Heiligtum zurückzukehren u. a.). Weitere, z. T. umstrittene Darstellungen bei [13].

Alle diese Ereignisse wurden verbildlicht, zu einem Teil in breit angelegten Bilderfolgen, zum anderen Teil in Einzelszenen, die in ganz verschiedenem Zusammenhang vorkommen können.

II. Darstellung

Veranlassung zu Darstellungen aus dem Leben E. gab zunächst die Illustration von Büchern mit historischem Inhalt. Neben der Bibel kommen hier Hss. und Drucke der Antiquitates des Flavius Josephus, der Historia scholastica des Petrus Comestor [10, S. 159], der Civitas Dei des hl. Augustinus [2] sowie Weltchroniken in Betracht. Bei bilderreichen Bibeln stehen die Illustrationen mit E.-Bildern in der Regel bei dem zugehörigen Textabschnitt; häufiger beschränkt sich die Bebilderung auf wenige Miniaturen oder nur auf eine, dem Beginn eines neuen Buches vorausgeschickte Darstellung, deren Thema im Falle von 1. Samuel öfters den ersten Kapiteln des Buches entnommen ist. Dadurch wurden neben Abbildungen von Elkana mit seinen beiden Frauen und E. (z. B. nordfranzösische Bibel des 3. V. 13. Jh., Wien, Nat. Bibl. Nr. 1196, fol. 79 v: Beschr.Verz. 8, 7, 1, S. 63) auch verschiedene Szenen mit E. als Eingangsminiatur verwendet. In den Bilderbibeln, sofern sie nur einigermaßen ausführlich sind, fehlen E.-Bilder selten.

Für Darstellungen E. in liturgischen und erbaulichen Büchern ist die Aufnahme des Gebets der Hanna (1. Sam. 2, 1–10) als Canticum Annae ins Breviergebet ausschlaggebend (das Canticum tritt in den Laudes des Ferialoffiziums für den Mittwoch an die Stelle von Ps. 4). Hier – wie entsprechend im Anhang zu den Psalmen – sind freilich E.-Bilder stets nur Beigabe zu der vielfach allein abgebildeten Hanna. – Darstellungen in Psalterhss., die nicht als Illustration zum Gebet der Hanna dienen, und E.-Bilder in Stundenbüchern sind in der Regel von Illustrationsfolgen aus historischen und typologischen Büchern übertragen. So ist z. B. die über 14 Seiten sich erstreckende Bilderfolge zu Ps. 123–138 im zwischen 1303 und 1308 entstandenen Psalter der Königin Isabella, München, St. B. cod. gall. 16, nach einer Petrus-Comestor-Hs. angefertigt [10, S. 159 u. 165], während die Wiedergabe der Darbringung Samuels in einem flandrischen Stundenbuch aus der 2. H. 15. Jh., Trient, Bibl. comunale Nr. 1761, fol. 84, einer Miniatur der Darbringung Christi folgt (fol. 83 v) und dadurch zu erkennen gibt, daß hier eine typologische Bilderfolge als Vorlage diente (Beschr.Verz. 1, S. 258).

Das relativ häufige Vorkommen von E.-Darstellungen im 14. und der 1. H. 15. Jh. ist zu einem großen Teil der Aufnahme von E.-Szenen in typologische Bilderreihen zuzuschreiben. Es täuscht jedoch über die Bedeutung, die die spekulative Theologie des MA der Gestalt des E. zumaß: in allen als Präfiguration herangezogenen Szenen ist nicht E. die Person, an die die typologischen Bezüge geknüpft sind, sondern eine Beifigur. Bei der Darbringung Samuels, der häufigsten E.-Szene in typologischen Bilderreihen, hat er eine Simeon bei der Darbringung Christi im Tempel vergleichbare Rolle.

Das älteste Zeugnis für die typologische Deutung einer E.-Szene ist der Klosterneuburger Altar des Nikolaus von Verdun, 1181: hier erscheint in der Reihe sub lege die Darbringung Samuels im Bezug zur Darbringung Christi. Derselbe Zusammenhang findet sich dann wieder in der Armenbibel ([10] Nr. 107; [11] Nr. 454) und im Heilsspiegel [1; 8], ferner in der Concordantia caritatis (allerdings nicht in den Temporalia, sondern im Anhang: vgl. RDK III 1074f.). Auf Grund dieser Ausdeutung wurde die Szene auf dem Doberaner Hochaltar, 1. V. 14. Jh., dargestellt (Inv. Meckl.-Schwerin 3, S. 593, Abb. S. 594).

In der Concordantia veteris et novi testamenti dient die Berufung Samuels („Samuel eröffnet E. sein Gesicht“) als Präfiguration für den zwölfjährigen Jesus im Tempel [7, Nr. 132]; während in den bisher genannten Beispielen stets der Knabe Samuel und der jugendliche Christus antitypisch verglichen sind, ist in der Darstellung eines um 1500 entstandenen Bildteppichs der Reimser Kathedrale zwischen Hanna und Anna eine Beziehung gesehen: E., der die vermeintlich trunkene Hanna zur Rede stellt, deutet auf die Zurückweisung von Joachims und Annas Opfer hin [7, Nr. 852]. Dieser Gruppierung kommt insofern besonderes Interesse zu, als sie eine der wenigen typologischen Neuschöpfungen der Neuzeit ist und ein frühes Zeugnis für eine auf Namenkonkordanz gegründete Systematik bildet.

Wie wenig das E.-Thema der ma. Typologie bedeutete, geht aus der Bible moralisée hervor.

In deren bilderreichem E.-Zyklus (der auch in seiner Redaktion ungewöhnlich ist) ist keine einzige Szene auf ein n.t. Ereignis bezogen. In der Mehrzahl sind anhand der E.-Szenen die Kirche und ihre Institutionen, Lehren und Würdenträger erläutert: so deutet hier Hannas Gelübde, Samuel dem Tempeldienst zu weihen, auf die Taufe hin, die Darbietung Samuels auf die Annahme aller dazu befähigten und würdigen Personen zum Priester der Kirche; wie Hanna den Herrn lobt, so verehrt die Kirche Christus; dem moralisch Guten, verkörpert in den „einfältigen“ Frauen, die zu den Söhnen E. kommen, allen Priesterrängen usw., steht das Böse – die hier als „sarraceni“ bezeichneten Philister u. a. – gegenüber. Nur ein einziges Mal spielt E. eine Rolle: wie die gläubige Hanna durch ihn von der Erfüllung ihrer Bitte um Kindersegen erfährt, so ist die Kirche durch Christus „confirmata in fide per apostolos“.

Das frühe Vorkommen ausführlicher David-Zyklen darf als Hinweis dafür angesehen werden, daß es jüdisch-hellenistische und frühchristliche Illustrationszyklen zu 1. Sam. gegeben hat, mithin auch bilderreiche Folgen mit E.-Szenen. Über deren Thematik und Umfang ist nur schwer eine klare Vorstellung zu gewinnen, da nur wenige erhaltene Hss., vor allem Vat. Bibl. ms. gr. 333 (s. u.), unmittelbar auf die östlichen Illustrationszyklen hinweisen.

Auch ein großer Teil der hoch-ma. E.-Bilder kommt in Bilderfolgen vor. Einen Überblick über den Umfang der Zyklen und die in diesen behandelten Themen und deren Häufigkeit – zugleich als Beitrag zur Rekonstruktion des Illustrationszyklus zu 1. Sam. – gibt folgende (nicht vollständige) Liste:

Handschriften (bzw. Fresken):

a = Rom, S. Paolo f. l. m., sog. Bibel aus S. Callisto, fol. 81. Um 870: Abb. 1;

b = Rom, Bibl. Vat. ms. lat. 5729, sog. Farfa-Bibel, fol. 94 v. 1.H. 11. Jh.: [5, Abb. 18];

c = Paris, B. N. ms. lat. 6, sog. Roda-Bibel, Bd. 2 fol. 2 v u. 5. 1.H. 11. Jh.: [5, Abb. 21 u. 79];

d = Rom, Bibl. Vat. ms. gr. 333, Buch der Könige, fol. 5–9. Spätes 11. Jh. oder A. 12. Jh.: Jean Lassus, Les miniatures d'un livre des Rois, Mélanges d'archéol. et d'hist. de l'École française de Rome 45, 1928, 69;

e = Admont, Stiftsbibl. ms. lat. I, 1, Gebhardsbibel, fol. 111. Um 1130: Abb. 2;

f = Baltimore, Walters Art Gall. ms. 500, Bibel von W. de Brailes, fol. 17 u. 17 v. 2. V. 13. Jh.: Hanns Swarzenski, The Journal of the Walters Art Gall, 1, 1938, 55ff.;

g = Anagni, Kathedrale, Fresken der Krypta, zwischen 1231 u. 1255;

h = New York, Morgan Libr. ms. 638, Bibelfragment, fol. 19–21. M. 13. Jh.: Sidney S. Cockerell, Montague Rhodes James u. Ch. J. Ffoulkes, A Book of Old Testament Ill. of the Middle of the 13th C, Cambridge 1927, S. 100;

i = Oxford, Bodl. ms. 270b, Bible moralisée, fol. 127–30. M. 13. Jh.: [3, Bd. 1 Taf. 128];

j = Paris, B.N. ms. lat. 10 525, Ludwigspsalter, fol. 67 v–69 v. Zwischen 1252 u. 1270: Henri Omont, Psautier de St. Louis, Paris 1905, Taf. 67ff.;

k = London, B. M. ms. Harley Y. 6, Guthlac-Rolle, Rückseite. Um 1300: George Warner, The Guthlac Roll, Oxford 1928, Taf. 19–21; l = London, B. M. ms. Royal 2 B. VII, Psalter, fol. 48–49 v. A. 14. Jh.: Ders., Queen Mary's Psalter, London 1912, Taf. 81ff.;

m = München, St. B. Cod. gall. 16, Psalter, fol. 95–101 v. 1303–08: [10, S. 165];

n = Illustrationen zur Weltchronik des Rudolf von Ems, Gruppe I der Hss. nach Heinr. Jerchel, Die Bilder der südwestdt. Weltchroniken des 14. Jh., Zs. f. Kg. 2, 1933, 390;

o = Illustrationen zu Augustinus, Civitas Dei, Gruppe I der Hss. nach [2].

Szenen:

1, 1f. Elkana und seine beiden Frauen: d — i — m.

1, 3 Elkana und die Seinen opfern in Silo: h — l.

1, 4f. Elkana verteilt Stücke: h — i.

1, 4 (1, 8) Elkana tröstet Hanna: a — d — m.

1, 6 Hanna wird [von Pennina] verspottet: d — [ e] — [ i] — m.

1, 10–20 Gebet der Hanna, E. und Hanna, Verkündigung an Hanna: a — c — d — e — f — h — i — j — k — m.

1, 20 Geburt Samuels: d — f — h — i — k — l — m.

1, 21 vgl. 1, 3.

1, 22f. Gelübde der Hanna: d — i.

1, 23 Hanna säugt Samuel [betet mit Samuel]: m — [ m].

1, 24 Samuel wird nach Silo geführt: m.

1, 24f. (1, 28; vgl. auch 1, 3!) Opfer in Silo: d — e — h — i — k.

1, 26ff. Darbringung Samuels: a — b — c — d — f — h — i — j — k — l — m — n.

2, 1–10 vgl. 1, 10f.

2, 11 Heimkehr Elkanas und seiner Familie nach Rama: h.

2, 11 (2, 18) Samuel dient E., (im Tempel), [den Söhnen E.]: d — [ h] — ( k?) — m.

2, 12–17 Das Treiben der Söhne E.: d — f — i — k?

2, 23ff. E. ermahnt seine Söhne: d — e — i?

– E. [Samuel] betet: d — [ d] — m.

– E. bespricht sich mit einer Frau: m.

2, 27–36 E. [Samuel] wird der Untergang von E. Söhnen angesagt: d — l— [ m]

3, 1 vgl. 2, 11 (2, 18).

3, 2–15 Gott offenbart sich Samuel und dieser weckt E. [E. und Samuel im Gespräch]: b — d — h — i — j — k — l — m — [ m] — n.

3, 19ff. Samuel als Prophet erkannt: d — m.

4, 1f. Erste Schlacht gegen die Philister: d — k — m.

4, 3f. E. um Übersendung der Bundeslade gebeten: d — m.

– E. ermahnt seine Söhne vor ihrem Weggang mit der Bundeslade: m.

4, 4–9 Bundeslade im jüdischen Heerlager – Schrecken der Philister: b — c — d — h — i — m.

4, 10f. Neuer Kampf mit den Philistern, Tod von E. Söhnen, Philister tragen die Lade hinweg: b — c — d — g — h — i — j — k — l — m — n.

4, 12–17 Bote [auf dem Weg] bei E.: [ m] — o.

4, 13 Bote sagt die Niederlage Israels in Silo an [Trauer in Silo]: d — [ m].

4, 18 Tod des E.: a — b — c — d — g — h — j — k — l — m — n — o.

Am häufigsten sind Illustrationen 1. Sam. in der Buchmalerei Frankreichs und Englands (s. außer den genannten Beispielen den A. 13. Jh. geschaffenen Psalter von Gloucester, München, St.B. Clm. 835, fol. 104).

Der Anteil der deutschen Kunst ist außerordentlich gering; erst seit der 2. H. 13. Jh. kommen aus mehreren Szenen bestehende Folgen vor, die aus historischer, erzählender Absicht allein entstanden sind und mit besonderer Vorliebe die Philisterschlacht sowie die mit ihr zusammenhängenden Ereignisse schildern. Der einzige Anhaltspunkt dafür, daß man hier auch früher größere Zyklen kannte, sind die Tituli für nicht ausgeführte Wandgemälde des 11. Jh. im Mainzer Dom (Lehmann-Brockhaus, Schriftquellen Nr. 2573, S. 567).

Auch für die Darstellung E. in der Reihe a.t. Gestalten, wie sie zuerst an der Kreuzkirche Achtamar, 915–921 (Jos. Strzygowski, Die Baukunst der Armenier u. Europa, Wien 1918, Bd. 1 S. 294), vorkommt und gelegentlich auch im Abendland anzutreffen ist (Archivoltenfigur des Westportals der Kath. zu Senlis, 1185–90: Marcel Aubert, Monogr. de la cath. de Senlis, Senlis 1910, S. 107; Mosaik in S. Marco in Venedig, um 1230: Otto Demus, Die Mosaiken von S.Marco in Venedig 1100–1300, Baden bei Wien 1935, Abb. 31), ist in der deutschen Kunst des Hoch-MA bislang kein Beispiel bekannt.

Die Einzelszenen aus dem Leben E. beschränken sich bis ins späte 12. Jh. auf Darstellungen von E. und Hanna sowie Elkana. Erst unter dem Eindruck typologischer Bilderreihen traten die Darbringung und die Berufung Samuels stärker in den Vordergrund; so wurde z. B. in der gotischen Buchmalerei die Darbringung Samuels als Initialbild zu 1. Sam. gestaltet (vgl. etwa Meta Harrsen, The Nekcsei-Lipócz Bible, Washington 1949, S. 44, Taf. 4 e). Als Beispiel für die Gestaltung derselben Szene in einer typologischen Bilderreihe sei das Glasgemälde des Heilsspiegelfensters in Mülhausen genannt (Abb. 3).

Das von E. belauschte Gebet der Hanna schildert Tobias Stimmer in einem Holzschnitt seiner Neuen Künstlichen Figuren Biblischer Historien, 1576 (Abb. 4).

Bereits am Ende des MA sind nur noch wenige Themen aus den großen Zyklen der Zeit um 1300 und der 1. H. 14. Jh. lebendig. Unter diesen übertrifft der Tod des E. alle anderen bei weitem an Bedeutung; diese Szene ist – neben der Darbringung Samuels (vgl. Andr. Pigler, Barockthemen Bd. 1, Budapest 1956, S. 130) – auch die einzige, die in der Neuzeit noch öfters gestaltet wurde.

In den Illustrationen der Frühdrucke verkoppelte man den Tod E. mit der Schilderung der Schlacht gegen die Philister ([4] Bd. 8 Abb. 419 u. Bd. 20 Abb. 61). Die Beispiele der Neuzeit reichen von den Holzschnittillustrationen Erh. Altdorfers zur Bibel (1533; The Journ. of the Walters Art Gall. 4, 1941, S. 109 Abb. 5) und Tobias Stimmers zu einer Flavius-Josephus-Ausgabe (Max Bendel, T. St., Zürich und Bln. 1940, Abb. S. 84) und Conrad Meyers Kupferstich (Abb. 5) über Rembrandts Federzchg. (Valentiner Nr. 810) und die barocken Bilderbibeln bis zu Jul. Schnorrs von Carolsfeld Bibelillustrationen aus der Mitte des 19. Jh. (Abb. 6).

Für die meisten Bilder des E.-Zyklus scheinen die Bildformeln nur von Fall zu Fall festgelegt worden zu sein; wo Ähnlichkeiten im Bildtyp vorkommen, sind sie in der Regel durch schulmäßige Zusammenhänge bedingt. Lediglich bei den am häufigsten aufgegriffenen Szenen, der Darbringung Samuels, der Berufung Samuels und dem Tod des E. erscheint die Unterscheidung von Bildtypen aufschlußreich.

Für die zunächst öfters in der Art von a.t. Zuführungsszenen wiedergegebene Darbringung Samuels (Abb. 1) wurde die Annäherung an Schilderungen der Darbringung Christi im Tempel (vgl. RDK III 1057–76) immer bestimmender (Abb. 3); „die Angleichung ist zuweilen so groß, daß auch die assistierenden Personen der Christusszene mit übernommen sind“ [8]. – Nahezu ohne Veränderungen wurden die Berufung Samuels und die Schilderung des E. aufweckenden Samuelknaben dargestellt (vgl. die Beispiele der Liste!). – Die älteste Bildtradition für Abbildungen von E. Tod dokumentiert zweifellos die Miniatur in der Bibel von S. Paolo f. l. m. (Abb. 1). In späteren Fassungen stürzt E. – oft mit ausgebreiteten Armen – rücklings vom Stuhl oder kippt mit diesem um; bereits auf den Boden gesunken zeigen ihn vornehmlich die in der Neuzeit geschaffenen Beispiele (Abb. 5 und 6).

III. Tracht und Attribute E.

Tracht und Attribute E. sind durch seinen Stand festgelegt. Als Repräsentant des jüdischen Priesterstandes trägt er die Gewänder, die in der ma. Kunst für Darstellungen des Hohenpriesters üblich waren, beim Gottesdienst öfters ein das Haupthaar und die Schultern bedeckendes Tuch, dazu ein langärmeliges, weit herabreichendes, gegürtetes Gewand unter weit fallendem Umhang. Letzterer kann auf der rechten Schulter mit einer Schließe zusammengehalten, aber auch nach Art eines Mantels getragen sein. Als Kopfbedeckung – sie fehlt nur selten – dienen der Priesterhut (in verschiedenen Formen, seit dem spätesten MA bisweilen den im jüdischen Kult gebräuchlichen Kopfbedeckungen nachgebildet), der Judenhut u. a.

Es war aber auch möglich, E. als „sacerdos“ im christlichen Sinne aufzufassen und ihm Gewand und Attribute eines Abtes zu geben (im Albanipsalter in Hildesheim hat er die Tonsur und hält einen Krummstab: Adolph Goldschmidt, Der Albanipsalter in Hildesheim, Bln. 1895, S. 134 Nr. 188) oder ihn nach Art der Mönche gekleidet vorzuführen (vgl. Queen Mary’s Psalter, s. o). In dem Mülhausener Glasgem. (Abb. 3) trägt E. eine Mitra.

Attribute hat E. nur selten. Auf sein Alter und seine Blindheit kann bisweilen ein Krückstock hinweisen (Psalter der Königin Isabella, Hs. in der Liste). Mit gewissen Einschränkungen kann auch der Stuhl E. als Attribut aufgefaßt werden; von dem sitzenden E. ist in der biblischen Schriftquelle so oft die Rede, daß man vereinzelt auch bei solchen Szenen, in denen der sitzende E. vom Thema her nicht gefordert ist, E. auf seinem Stuhl sitzend abbildete. Im Queen Mary Psalter sind die beiden Söhne E. dem Vater z. T. wie Attribute beigegeben.

Zu den Abbildungen

1. Rom, S. Paolo f. l. m., sog. Bibel aus S. Callisto, fol. 81, Ausschnitt. Sog. Schule von Corbie, um 870. Fot. Bildarchiv Maria Laach 717, 8.

2. Admont, Stiftsbibl. Ms. I, 1, Gebhardsbibel, fol. 111, Ausschnitt. Salzburg, um 1130. Nach Swarzenski, Salzburg Taf. 31, 105.

3. Mülhausen im Elsaß, St. Stephan, Speculumfenster, Ausschnitt. Um 1350. Fot. Dt. Ver. f. Kw.

4. Tobias Stimmer, Holzschnitt aus „Neue Künstliche Figuren Biblischer Historien“, Basel 1576, Blatt 71. Nach dem Neudruck München 19232.

5. Conrad Meyer (1618–89), Kupferstich aus „Spiegel der Christen, das ist Bedenkliche Figuren über die Berufspflichten aller Stände“, Zürich o. J. (Bl.

VIII: Pflicht der Eltern, Lehr- und Schulmeisteren). 9 × 12 cm. Fot. St. Graph. Slg., München.

6. Julius Schnorr von Carolsfeld, Federzchg. aus der Folge der Bibelillustrationen. Ehem. Dresden, Kk. Um 1850–60. Nach Hans W. Singer, J. S. v. C, Bielefeld u. Lpz. 1911, Abb. 93.

Literatur

1. Lutz-Perdrizet S. 197. – 2. A. de Laborde, Les mss. à peintures de la Cité de Dieu de St.-Augustin, Paris 1909. – 3. Ders., La Bible moralisée illustrée etc., Paris 1911ff. – 4. Schramm, Frühdrucke. – 5. Wilh. Neuß, Die katalanische Bibelillustration um die Wende des ersten Jahrtausends und die altspanische Buchmalerei, Bonn u. Lpz. 1922, S. 77 u. 81. – 6. Cornell S. 257. – 7. Molsdorf Nr. 107, 132 u. 852. – 8. Edgar Breitenbach, Speculum humanae salvationis (= Stud. z. dt. Kg. Heft 272), Straßburg 1930, S. 142. – 9. H. Swarzenski, Hss. 13. Jh. S. 91 Anm. 4. – 10. Donald Drew Egbert, The Tickhill Psalter and Related Mss., Princeton 1940, S. 159 u. 165. – 11. Timmers Nr. 454 u. 459. – 12. Achtnich S. 16. – 13. Princeton Index, Kopie der Bibl. Vat. Rom.