Elefantenleuchter

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englisch: Lamp in the form of an elephant; französisch: Chandelier en forme d'éléphant; italienisch: Candelabro a forma d'elefante.


Erich Meyer (1957)

RDK IV, 1254–1256


RDK IV, 1253, Abb. 1. Ehem. Paris, 1. H. 13. Jh.
RDK IV, 1255, Abb. 2. Nürnberg, 1. H. 13. Jh.
RDK IV, 1255, Abb. 3. Ehem. Wien, um 1300.

E. ist der Name für Bronzeleuchter in Gestalt von Elefanten. Alle erhaltenen Exemplare tragen auf dem Rücken einen Schlachtturm, dessen oberer Zinnenkranz als Traufschale dient und mit einem Dorn zum Aufstecken der Kerze versehen ist. Bei der Mehrzahl der E. ist der Elefant nur durch einen Rüssel und kurze Stoßzähne als solcher erkennbar, im übrigen ist er wie ein Pferd mit Hufen, kleinen spitzen Ohren und einem senkrecht aufsteigenden Hals gebildet. Es gibt aber auch E., die statt des Rüssels ein breites, schnabelförmiges Maul haben, so daß sie sich nur durch den Turm auf ihrem Rücken als zu den E. gehörig ausweisen. Der viereckige, mit Fenstern versehene Turm steht entweder auf dem Satteldach eines Hauses (Abb. 2) oder er wächst unmittelbar aus dem Elefantenrücken heraus (Abb. 1). Auf der weit vorkragenden Brüstung steht bei fast allen E. ein Bogenschütze, ein Hornbläser oder ein steinschleudernder Krieger.

Mit Ausnahme eines etwa um 1300 entstandenen E. (Nachguß: Abb. 3) gehören alle E. der 1. H. 13. Jh. an (vgl. aber auch Gay I, S. 612!). Sie sind einander so ähnlich, daß die Werkstätten, aus denen sie hervorgegangen sind, unter sich in Verbindung gestanden haben müssen. Als Entstehungsgebiet kommen sowohl Lothringen wie Niedersachsen in Betracht.

Die Zahl wirklich alter E. ist sehr gering. Sie wird durch die im 19. Jh. angefertigten Nachgüsse von F. Ring, München, und Haas, Wien, um ein Vielfaches übertroffen.

Das plötzliche Aufkommen und schnelle Wiederverschwinden des E. erklärt sich vielleicht durch den in zahlreichen zeitgenössischen Schriftquellen als Aufsehen erregendes Ereignis geschilderten Umstand, daß Friedrich II. bei seinen Zügen durch Italien und Deutschland von einem mit einem Turm und sarazenischen Kriegern ausgerüsteten Elefanten begleitet war ([3]; s. a. Sp. 1229).

Zu den Abbildungen

1. Das Original (niedersächsisch od. lothringisch, 1. H. 13. Jh.) verschollen. Abb. nach einem modernen Guß, 1929 in der Slg. Seligmann, Paris. Bronze, 16,7 cm h. Fot. unbekannt (Verf.).

2. Nürnberg, G.N.M., Inv.Nr. K G 227. Niedersächsisch od. lothringisch, 1. H. 13. Jh. Bronze, 15 cm h. Fot. Marburg 17 108.

3. Das Original (deutsch, um 1300) verschollen. Abb. nach einem modernen Guß, ehem. in der Slg. Figdor, Wien. Bronze, 15,3 cm h. Fot. unbekannt (Verf.).

Literatur

1. Erich Meyer, Mittelalterliche Elefantenleuchter, Die Weltkunst 19, 1949, H. 1 S. 4f. – 2. A. T. Hatto, The Elephants in the Strassburg Alexander, London Mediaeval Studies I, 3, London (1939) 1948, 399–429. – 3. Ernst Kantorowicz, Kaiser Friedrich der Zweite, Bln. 1927, S. 286f. und Erg.Bd., Bln. 1931, S. 137.

Verweise