Eisernes Kreuz

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englisch: Iron cross; französisch: Croix de fer; italienisch: Croce di ferro.


Ottfried Neubecker (1957)

RDK IV, 1164–1167


RDK III, 1337, Abb. 16. Schloß Lucklum (Braunschweig), nach 1732.
RDK IV, 1163, Abb. 1. Luxemburg, 1774.
RDK IV, 1165, Abb. 2. Karl Friedrich Schinkel, 1813.
RDK IV, 1165, Abb. 3. F. L. Beyerhaus nach Schinkel, 1813.

Das E. ist ein preußischer Kriegsorden, gestiftet unter dem 10. März 1813, dem Geburtstag der Königin Luise (* 10. 3. 1776, † 19. 7. 1810).

Entsprechend den preußischen, aus den Farben des *Deutschritterordens abgeleiteten Farben Schwarz-Weiß (bzw. Silber) wurde der preußische Militär-Verdienstorden (Orden pour le mérite, gestiftet 1740) stets am schwarzen Band mit silbernen Kanten getragen. Die Militärverdienstmedaille hatte bis 1806 ein ganz schwarzes, seit dem 30. 9. 1806 ein schwarzes Band mit weißen Seitenstreifen.

Als Gneisenau im Jahre 1811 dem König von Preußen, Friedrich Wilhelm III., den Vorschlag unterbreitete, allen „Milizen, welche gegen den Feind wirklich Dienste geleistet“, auf Lebenszeit „eine weiß und schwarz gestreifte wollene Scherpe“ zu verleihen, fragte dieser in einer Randbemerkung zurück: „Warum nicht ein Kreuz von Medaille-Band auf der Brust? Es sind die Pr(eußischen) Farben und die des Deutschenordens.“ Der hierzu gemachten Skizze des Königs entsprechend ist das spätere „Eiserne Kreuz“ I. Klasse auch zunächst aus zwei gekreuzten Ordensbandstücken gebildet gewesen, eine Anordnung, die sich an die bis dahin üblichen gestickten Ordenssterne (s. Orden) anlehnte, aber allgemein mißfiel. Nach Ausbruch der Befreiungskriege dehnte der König die Befugnis (und Verpflichtung) zum Tragen der bereits als bekannt vorausgesetzten, 1808 beim Heer eingeführten schwarz-weißen Nationalkokarde am 22. 2. 1813 auf alle männlichen Zivilpersonen aus und erwog die Stiftung eines besonderen Ordens nur für den bevorstehenden „Befreiungskrieg“. Der Orden sollte das Eiserne Kreuz heißen, denn „das sichtbare, für die ganze Generation bleibende, bedeutungsvolle Andenken an diese eiserne Zeit ist ganz eisern“ (Friedrich Wilhelm III.).

Das erste uns bekannte interne Schreiben in dieser Sache ist vom 27. 2. 1813 datiert. Unter dem 13. 3. 1813 erhielt Karl Friedrich Schinkel den schriftlichen Auftrag, die – verlorene – Zeichnung des Königs künstlerisch zu verbessern.

Das Ordenszeichen lehnt sich in Form (Tatzenkreuz) und Farbgebung (schwarz mit silbernem Rand) deutlich an das Abzeichen des Deutschen Ordens an (Abb. 1; vgl. a. RDK III 1338, Abb. 16). Nach Schinkels Entwurfsskizze (Abb. 2) fertigte der spätere Modelleur der Gleiwitzer Eisengießerei Frdr. Ludwig Beyerhaus 1813 ein Zinnmodell (Abb. 3; noch ohne die silberne Einfassung!), nach dem dann in den Hütten in Berlin und Gleiwitz die E. gegossen wurden (Erwin Hintze, Gleiwitzer Eisenkunstguß, Breslau 1928, S. 105).

Die Vorderseite des E. war ursprünglich glatt, die Rückseite (Abb. 2 und 3) trug die Namensbuchstaben des Königs, F W, unter der Krone, in der Mitte das dreiteilige Eichenlaub (als Zeichen des „Deutschen Verdienstes“) und zu unterst die Jahreszahl der Stiftung. Selbst Schinkel hat die Inschriftseite bei seinen zahlreichen Entwürfen zu Krieger- und Siegesdenkmalen oft nach vorn genommen. Sie wurde erst 1838 als Vorderseite amtlich anerkannt.

Die edle Form des Kreuzes und die alle Rang- und Standesunterschiede ignorierende Verleihungsweise des E. („der Soldat mit dem General ganz gleich“) machten es zum volkstümlichsten deutschen Orden, der seitdem als Sinnbild deutscher Wehrbereitschaft gilt und allenthalben auf Kriegergedenktafeln, Ehrenmalen, Kriegerdenkmälern u. dgl., sogar auf Zeitungsköpfen (Neue Preußische Zeitung [sog. Kreuz-Zeitung], Soldatenzeitungen) erscheint. Das E. wurde auch, in Gestalt wie Material, von anderen Orden und Abzeichen vielfach nachgeahmt (z. B. schon 1813 vom Landwehrkreuz).

Schinkel selbst hat das E. bereits 1814 für das neue preußische Siegeszeichen nach den Befreiungskriegen verwendet: die Viktoria auf der Quadriga des Brandenburger Tores hatte ursprünglich ein antikes Trophäum, dann ein Zepter mit Lorbeerkranz getragen; diesen ersetzte Schinkel, als die Gruppe 1814 aus Paris zurückkehrte und restauriert werden mußte, durch ein zwei Fuß hohes E. im Eichenkranz, der von einem Adler bekrönt ist (Die Denkmalpflege 16, 1914, 73). Am 24. 11. 1816 wurde das E., mit der Inschriftseite nach vorn, in die preußische Kriegsflagge aufgenommen. Das 1821 nach Schinkels Entwurf in Eisen gegossene, als gotischer Turm geformte Nationaldenkmal für die Befreiungskriege auf dem Berliner Kreuzberg trägt auf der Spitze, über der Kreuzblume, das E. (Carl von Lorck, K. F. Schinkel, Bln. 1939, Abb. S. 100); der Berg führt daher seinen Namen.

In den Kriegen 1870/71 und 1914/18 wurde das E. in der gleichen Klasseneinteilung (II. Kl. am Band, I. Kl. Steckkreuz an der linken Brustseite, Großkreuz am Halsband) erneuert. Erst die Erneuerung von 1939 erweiterte die Klasseneinteilung, änderte die Bandfarben (jetzt schwarz-weiß-rot) und entfernte die königlichen Initialen.

Zu den Abbildungen

1. Luxemburg, Museum, Bildnis des Erzhzg. Maximilian von Österreich als Hochmeister-Coadjutor des Deutschritterordens. 1774. Fot. Mus.

2. Karl Friedrich Schinkel, Entwurfsskizze zum Eisernen Kreuz (Alfred von Wolzogen, Kat. des künstler. Nachlasses von C. F. Sch., Bln. 1864, Nr. 2187). März 1813. Nach Carl von Lorck, K. F. Sch., Bln. 1939, S. 26.

3. Gleiwitz (O. S.), Hüttenamt, Zinnmodell des Eisernen Kreuzes. 3,8 cm h. und br. Friedrich Ludw. Beyerhaus nach Entwurf Schinkels, 1813. Nach Erwin Hintze, Gleiwitzer Eisenkunstguß, Breslau 1928, Taf. 84.

Literatur

1. Ludw. Schneider, Das Buch vom Eisernen Kreuze, Bln. 1872. – 2. Frdr. Perle, Das Eiserne Kreuz von 1813, Halle a. d. S. 1911. – 3. Max Gg. Zimmermann, Das Eiserne Kreuz. Original-Abdruck der Akten und Zchgn., Bln. 1914. – 4. Hanns von Zobeltitz, Das Eiserne Kreuz, (Bielefeld u. Lpz. 1915). – 5. Karl von Seeger, Marschallstab und Kesselpauke, Stg. 19413, S. 79–88. – 6. Arthur Reichel, 127 Jahre Eisernes Kreuz, Dresden 1940. – 7. Waldemar Hesse Edler von Hessenthal und Georg Schreiber, Die tragbaren Ehrenzeichen des Dt. Reiches, Bln. 1940, Nr. 407 a–f, 1285–1301. – 8. Kurt Bauch, Das eiserne Kreuz 1813–1939, Bln. 1941. – 9. Walter Transfeldt, Wort und Brauch im dt. Heer, Hamburg 19454, S. 146–48.

Verweise