Eber

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englisch: Boar; französisch: Sanglier; italienisch: Cinghiale.


Liselotte Stauch (1956)

RDK IV, 665–674


RDK IV, 667, Abb. 1. Königslutter, um 1150.
RDK IV, 667, Abb. 2. London, 2. V. 12. Jh.
RDK IV, 669, Abb. 3. Bourges, A. 12. Jh.
RDK IV, 671, Abb. 4. Regensburg, E. 14. Jh.
RDK IV, 673, Abb. 5. Joh. Elias Ridinger, 1742.

E. – von lat. aper, mhd. bêr – ist das männliche Tier des Wildschweins.

I. Mythologie

Seiner gefährlichen Wildheit und Angriffslust, seinen spitzen Hauern und starken Borsten sowie dem Erregenden des Kampfes mit ihm verdankt der E. seine Bedeutung für die Mythologie. Bei den Indogermanen wurden unter seinem Bilde, in gewisser Analogie zu dem des Drachen (s. Sp. 344f.), Naturvorgänge wie Blitz und Sturmwind und die Sonne vorgestellt. Die indischen Götter Wischnu, Rudra und Indra lieben es, die Gestalt eines wilden E. anzunehmen; im Iran ist der E. eine der Inkarnationen des Kriegs- und Siegesgottes Verethraghna [10, S. 366f.]. Im Rigveda tötet Trita durch die Stärke, die er von Indra erhalten hat, den wilden E. Im Taittiriya Brâhmana hält der wilde E. Wache über dem Schatz der Dämonen, der in sieben Bergen eingeschlossen ist; Indra öffnet diese mit dem heiligen Kraut, tötet den E. und entdeckt den Schatz (vgl. Siegfrieds Drachensage; [1] S. 343ff.).

In Ägypten erliegt Osiris dem als E. erscheinenden Typhon, und der phrygische Atys wird auf der E.-Jagd getötet. Beide Mythen sind nach Simrock [4, S. 201] als Hinweise auf die Sommersonnenwende zu deuten.

In der antiken Mythologie verwandelt sich Mars, dem der E. heilig ist, in das wilde Tier, um den von Venus geliebten Adonis zu töten. Herkules tötet bei seiner dritten Arbeit den wilden E. vom Berge Erymanthos. Meleager, der Sohn des Königs Öneus von Kalydon, tötet zusammen mit der kühnen Jägerin Atalante auf gefährlicher Jagd den von Artemis gesandten E., der das Land seines Vaters verwüstet. Hippolytos, der leidenschaftliche Jäger, liebt die E.-Jagd. Einmal spielt der E. auch eine positive Rolle: er durchbricht mit seinen Hauern die Rinde des Baumes, in dem sich die schwangere Myrrha eingeschlossen hat, und verhilft so dem Adonis zur Geburt.

In der germanischen Mythologie wird Hackelbergs Fuß vom Hauer des schon besiegten E. durchbohrt und dadurch sein Tod herbeigeführt [4, S. 202]. Der E. ist dem Freyr heilig; ein Grund für seine Heilighaltung wird darin gesehen, daß er die Erde aufwühlt und dadurch die Menschen das Pflügen gelehrt hat [2, S. 555]. Der vom Zwerge Sindri für Freyr geschmiedete E., der goldborstige Sonnen-E. Gullinbursti, zieht Freyrs Wagen [4, S. 156]. „Freyr ward bei kriegerischen Gelübden angerufen, die man zur Julzeit auf den Sühne-E., wenn er nicht Sonnen-E. heißen muß, ablegte“ [4, S. 324]. Im alten schwedischen Volksglauben tötet der wilde E. die Sonne, während sie in einer Höhle schläft [1]. In Deutschland war es in manchen Gegenden Brauch, am Weihnachtstage einen geschmückten E.-Kopf als Mahl aufzutragen, ohne Zweifel ein Symbol des finsteren Ungeheuers Winter, das bei der Wintersonnenwende getötet worden ist [1]. In des Sturmgottes Wodan wilder Jagd ist der erdaufwühlende, von Blitzen umleuchtete Wirbelwind als E. mit leuchtenden Hauern und flammendem Rachen vorgestellt [7; 8]. Tacitus (Germania 45) berichtet von einem suebischen Volk, den Aestyern, daß sie als Symbole der Göttermutter E.-Bilder (formas aprorum) trugen, durch welche sie sich im Kampf geschützt glaubten; sie trugen ebenso wie die Angelsachsen E.-Bilder auf den Helmen, um den Feind zu schrecken [4, S. 317]. Auch hellenische und römische Krieger schmückten vielfach Schilde, Helme und Wehrgehänge mit dem Bild des kriegerischen Tieres ([7], S. 393; s.a. Drache, Sp. 361).

II. Christliche Literatur

Die Verwüstungen, die der E. anrichtet, sichern ihm auch einen Platz in der Bildersprache der Bibel. Von Ps. 80 (79), 14 geht die christliche Deutung des E. auf den Teufel aus: „Exterminavit eam (i. e. vineam = Israel) aper de silva, et singularis ferus depastus est eam.“

Isidor von Sevilla (Etym. 12, 43; Migne, P.L. 82, 428) und Hugo von St. Victor (De bestiis et aliis rebus 3, 17; Ebd. 177, 89) wissen von der Wildheit des E. zu berichten und leiten in phantastischer Etymologie seinen Namen aper von a feritate her, in dem das f durch ein p zu ersetzen sei. Hrabanus Maurus (De universo 7, 8) kennt ebenfalls diese Etymologie, deutet aber den E. im Anschluß an Ps. 80, 14 symbolisch: „Significat autem aper ferocitatem principum hujus saeculi ... Spirit[u]aliter autem aper propter ferocitatem et fortitudinem nimiam diabolus intelligi potest“ (Ebd. 111, 207) und vergleicht ihn mit Kaiser Vespasian und seinem Sohn Titus wegen ihrer Kriege mit Israel.

Notker von St. Gallen, 11. Jh., rühmt ihn wegen seiner Kraft, die ihn selbst bei Verwundungen nicht verläßt, nach Grimm [2, S. 555] in Erinnerung an den E. Freyrs (Älteste dt. Dichtungen, übers. u. hrsg. von K. Wolfskehl und F. v. d. Leyen, Lpz. 19243, S. 52f.).

Der Physiologus erwähnt den E. ursprünglich nicht; erst spätere Fassungen berichten von ihm, z. B. die isländische Übersetzung vom A. 13. Jh., die – offenbar unter Benutzung von Hrabanus Maurus – den E. auf Vespasian, Titus und den Teufel deutet [3, S. 102]; in das Bestiarium der U.B. Cambridge M. S. II – 426, Mitte 12. Jh. (ed. Montague Rhodes James, Oxford 1928), ist lediglich ein kurzer Abschnitt über den E. nach Isidor oder Hugo v. St. Victor eingefügt [13, Abb. S. 76]. Das enzyklopädische Werk des Frater Bartholomäus Anglicus, De proprietatibus rerum, aus der M. 13. Jh., enthält ebenfalls einen Abschnitt über den E. [5, S. 184f.]. Schließlich weiß Leonardo in seiner Studie über Leben und Gewohnheiten der Tiere vom E. zu berichten, er heile seine Krankheiten dadurch, daß er Efeu fresse (Jean Paul Richter, The Literary Works of Leonardo da Vinci, London 19392, Bd. 2 S. 276).

III.

1. Symbolische Darstellungen

Darstellungen des E. bei der Illustration von Ps. 80 (79), 14 sind – wie es die Anweisung des Albanipsalters, daß das corporaliter Gegebene spiritualiter zu verstehen sei [6, S. 48 u. 50], und die Deutung des Psalmverses durch Hrabanus Maurus (s. o.) nahelegen – als Symbol für das Wirken des Bösen aufzufassen.

Im Utrechtpsalter verschlingt in der zu Ps. 80 (79) gehörigen Illustration ein E. Weinranken (E. T. De Wald, The Illustrations of the Utrecht Psalter, Princeton [1932], Taf. 74). Im Stuttgarter Psalter nagt er einen Weinstock an [6, S. 61, Abb. 11]. Weitere Darstellungen in italienischen Psaltern des 14. Jh. der Pariser B. N. (J. J. Tikkanen, Die Psalterillustrationen im MA Bd. 1, Heft 3, Lpz. [1900], S. 300 Anm. 1) und im Psalter der Isabella von England, 1332 (München, St. B. cod. gall. 16).

Ein Elfenbeinbuchdeckel, um 900 entstanden, zeigt – wohl rein ornamental – einen E. und einen Bären in einer Ranke (Würzburg, U. B. Ms. theol. f. 67; Goldschmidt, Elfenbeinskulpturen Bd. 1 Abb. 169).

Der an der Deckplatte eines Kapitells in der Krypta in Riechenberg dargestellte E. dürfte hingegen – wie sein Gegenüber, ein Drache – als Symbol des Teufels zu deuten sein; vgl. auch ein Kapitell in St. Jakob zu Regensburg [6, S. 62]. Am Ostchor der Stiftskirche in Königslutter hat ein Hund einen E. angesprungen, so daß das starke Tier in die Knie gebrochen ist (Abb. 1); diese Schilderung hier ist ein Motiv, das aus der Darstellung einer Eberjagd (s. u. III, 2) herausgelöst wurde. Die Rundbogenfriese am Giebel und an der Ostwand des südlichen Seitenschiffes von St. Johann in Schwäb. Gmünd zeigen außer anderen Tieren jeweils einen E. (Walter Klein, Die St. Johanneskirche zu Gmünd, Ffm. 1928, Abb. 15 u. 20); innerhalb von Tiergruppen kommt der E. öfters vor, z. B. mit Löwen, die ihn und einen Bären angefallen haben, und mit einem bogenschießenden Kentauren auf einem englischen od. normannischen Elfenbein des 2. V. 12. Jh., London, V. A. M. (Abb. 2), doch liegt diesen Tiergruppen nicht immer eine symbolische Bedeutung zugrunde. Wahrscheinlicher ist sie dann, wenn der E. mit anderen symbolischen Tiergestalten dargestellt ist, wie etwa auf dem Fragment eines Bildteppichs des 3. V. 15. Jh. im Basler Hist. Mus. (Kurth, Bildteppiche Bd. 1 S. 225, Bd. 2 Taf. 83 a): hier sind ein Einhorn, ein gekrönter Löwe und ein Hirsch dem E. beigesellt.

Die Deutung der E.-Darstellungen in Riechenberg b. Goslar, Königslutter und Schwäb. Gmünd als „mythische Sonnenwirklichkeit“ [11, S. 190] ist abwegig.

2. E.-Jagd

Die E.-Jagd ist in der bildenden Kunst ein beliebtes und verbreitetes Thema. Es erscheint im mythologischen Gewande der Kalydonischen Eberjagd (s. Meleager), der Eberjagd des Hippolytos oder der tödlichen Begegnung des Adonis mit dem E. (RDK I 195–99; Carl Robert, Die antiken Sarkophag-Reliefs, Bln. 1904, Bd. 3, 2 Taf. 70–88, Taf. 44–56; Bd. 3, 1 Taf. 2–5), vor allem aber – der zu allen Zeiten unter Fürsten und Vornehmen verbreiteten Jagdleidenschaft entsprechend – als Szene aus dem zeitgenössischen Leben (s. a. Jagd). In einem altfranzösischen Chanson de gestes, dem „Garin le Lorrain“, wird die Verfolgung eines E. durch Hzg. Bégon im Stile eines Heldenliedes beschrieben [9, S. 197f.].

Seit der Antike begegnen Darstellungen von durch die Hundemeute gehetzten, von Jägern zu Fuß und zu Pferde verfolgten oder mit Speer, Saufeder, Hirschfänger oder Dolch erlegten E. Beispiele lassen sich fast aus jeder Epoche beibringen.

Ein römisches Mosaik (Rom, Antiquarium; [9] Abb. 184) zeigt einen E., dem ein Reiter einen Speer in den Nacken geworfen hat. Für Schilderungen der E.-Jagd bei den Etruskern vgl. Fritz Weege, Etruskische Malerei, Halle 1912, Abb. 58 u. 60. Auf einem langobardischen Relief des 8. Jh. (?) empfängt ein von Hunden gehetzter E. von einem Reiter den Todesstoß (Civita Castellana, Kath.; [9] Abb. 232). In der byzantinischen Hofkunst können Darstellungen der E.-Jagd nicht fehlen: Andronikos I. Komnenos ließ in seinem Palast in Konstantinopel Mosaiken mit Jagdbildern, darunter eine E.-Jagd, ausführen (Ende 12. Jh.; Charles Diehl, Manuel d’art byzantin, Paris 19262, S. 517).

Beispiele des 12.–14. Jh.: Mosaik der Kirche von Lescar (Basses-Pyrénées), 12. Jh. (Inv. des mosaïques I, Nr. 412); Mittelstreifen des Tympanons der (sonst zerst.) Kirche St. Ursin in Bourges, A. 12. Jh. von einem Meister Girauldus (Abb. 3); Kapitell der Kirche von Castor, Northamptonshire, 1124, und der Taufe von Marychurch, Devon, aus dem 12. Jh. (George Zarnecki, English Romanesque Sculpture 1066– 1141, London 1951, Abbildung 41 u. 64). Der Randschmuck des Psalters von Peterborough, 13. Jh., zeigt auf fol. 41 die E.-Jagd mit Hilfe eines Geparden (J. van den Gheyn, Le Psautier de Peterborough, Haarlem o. J., Taf. 21); ein Reiter tötet einen E.: Relief eines Konstanzer Minnekästchens der 1. H. 14. Jh. im S. L. M. Zürich (Kohlhaußen Taf. 23); um 1400 entstand die Zchg. des von sieben rasenden Hunden angefallenen E. im Album des Giovannino de’ Grassi (Bergamo, Bibl.; [9] Abb. 243). Auf Grund des Naturstudiums an der Jagdbeute der fürstlichen Auftraggeber setzte A. 15. Jh. eine realistischere Schilderung der E.-Jagd ein: vgl. etwa Pisanellos Zchg. eines in sturem Vorwärtslaufen begriffenen E. [9, Abb. 197] und die Medaille für Alfons von Aragon [9, Abb. 245].

In der flämischen Buchmalerei sind E.-Jagden teils als Beschäftigung im Dezember in den Themenkreis der Monatsbilder einbezogen, teils als Illustration der Randleisten beliebt.

Vgl. z. B. die Très riches heures des Hzg. von Berry, um 1416 von Paul von Limburg (Chantilly, Mus. Condé; [9] Abb. 248), das um 1500 geschaffene Breviarium Grimani (Venedig, Bibl. S. Marco; [9] Abb. 249) oder die Heures de Hennesy, um 1520 von Simon Bening (Brüssel, Bibl. Roy. ms. II 158; Paul Durrieu, La miniature flamande au temps de la cour de Bourgogne, Brüssel u. Paris 1921, Taf. 89). Die beiden letzten Darstellungen zeigen, dem Vorbild des Paul von Limburg folgend, wie der bereits erlegte E. den Hunden als Beute überlassen wird. Wie er gejagt wird, schildern die Darstellungen auf den Randleisten des Blattes mit der Gregorsmesse in einem flämischen Stundenbuch (ehem. Paris, Priv.bes.; Ebd. Taf. 83) sowie das Golfbuch, das Simon Bening schuf (London, B. M. Add. ms. 24 098; Friedr. Winkler, Die flämische Buchmalerei des 15. u. 16. Jh., Lpz. 1925, Taf. 82). Unter anderen Tierkämpfen zeigt Simon Benings Miniatur in der Genealogie des Hauses Portugal (London, B. M. Add. ms. 12 531) einen von einem Löwen angefallenen E. (Ebd. Taf. 80). Von den flämischen Monatsbildern beeinflußt stellte Rueland Frueauf 1507 auf einem Flügel des Leopoldsaltares im Stiftsmus. Klosterneuburg den Kampf mit einem E. dar ([9] Abb. 251; weitere Beispiele ebd. Abb. 215, 247, 250, 263).

Einen angreifenden E. gibt eine Zchg. Lukas Cranachs d. Ä. wieder (Curt Glaser, L. C., Lpz. 1921, Abb. S. 50). Von Tobias Stimmer sind drei Zchgn. aus den Jahren 1570–80 mit hochdramatischen E.-Jagden erhalten (Friedr. Thöne, T. S., Handzeichnungen, Freiburg i. Br. 1936, Abb. 65, 104 u. 108). Aus der gleichen Zeit stammt eine deutsche Plakette vom Meister H. G. im G. N. M. Nürnberg [9, Abb. 242], auf der ein Reiter und ein Jäger zu Fuß den von vier Hunden angefallenen E. mit Lanzen erlegen. Rubens steigerte die Wildheit der E.-Jagd zu einem großartigen Furioso (Oldenbourg Taf. 115, 116 u. 184); ebenfalls dem 17. Jh. gehören die E.-Jagdschilderungen auf Bildteppichen in Wien an (Ludw. Baldass, Die Wiener Gobelinslg., Wien 1920, Nr. 183ff.). Auch im barocken Kunstgewerbe finden sich häufig Darstellungen der E.-Jagd: vgl. z. B. die Jagdschüsseln des Joh. Mich. Maucher im D. M. Berlin, 2. H. 17. Jh. (Kat. Wolfg. Fritz Volbach 1923, S. 87f. Taf. 81 u. 83), oder die Kanne desselben Meisters (Ebd. Taf. 84). Vielfach dienten graphische Blätter als Vorlagen, zumal für die Flachreliefs aus Holz, Blei usw., die in Holzkästchen eingelassen sind. In den Kupferstichen J. E. Ridingers (1698–1767) sind neben E.-Jagden wiederholt auch einzelne, sogar ganz bestimmte E. dargestellt (Abb. 5).

Wildleute erlegen einen E. auf einem oberrheinischen Rücklaken, um 1400 (Regensburg, Rathaus; Kurth a.a.O. Bd. 2, Taf. 110–12).

Im 14. Jh. und im ausgehenden MA entstanden Karikaturen auf die E.-Jagd.

Die Randleiste einer deutschen Miniatur des 14. Jh. zeigt einen ins Horn stoßenden Affen bei der Verfolgung eines E. (Gg. Swarzenski u. Rosy Schilling, Die ill. Hss. u. Einzelminiaturen des MA u. d. Renss. in Frankfurter Besitz, Ffm. 1929, Taf. 37 b); eine deutsche Spielkarte von 1534 (H. R. D’Allemagne, Les cartes à jouer du XIVe au XXe siècle, Paris 1906, Bd. 1 Abb. S. 137) karikiert ebenfalls die E.-Jagd.

3. E. als Attribut

Der E. dient folgenden mythologischen Gestalten, Personifikationen und Heiligen als Attribut: dem Meleager (Joh. Peter Wagners Skulptur im Treppenhaus der Würzburger Residenz, 1771–79: Inv. Bayern III, 12, Abb. 345), dem Adonis (RDK I 195–99). – Auf einem Bildteppich vom Ende 14. Jh. im Regensburger Rathaus führt die Luxuria den E. im Wappen, und der Zorn (ira) reitet auf einem E. (Abb. 4); eine entsprechende Darstellung des Zornes aus der gleichen Zeit findet sich in Paris, B. N. ms. fr. 400 (Male III, Abb. 167); für das 1. V. 18. Jh. bezeugt Matthias Brauns Figur in Kukus den E. als Attribut des Zornes (Jan Lukas u. O. J. Blažiček, Kuks, Prag 1953, Abb. 24). – Pfleiderer erwähnt, daß der hl. Emil zum Zeichen seiner Vertrautheit mit der Tierwelt einen E. als Attribut führe (S. 43); auch dem hl. Deicolus, in dessen Einsiedelei sich ein (Wild-)Schwein flüchtete, wird bisweilen ein E. beigesellt (Ebd. S. 147).

Zu den Abbildungen

1. Königslutter b. Braunschweig, Stiftskirche, Detail vom Bogenfries an der Apsis. Um 1150. Fot. Marburg 12 327.

2. London, V. A. M., Elfenbeinrelief mit Darstellung der Anbetung der Könige (Detail: Fries am unteren Rande). Ca. 16 cm br. Englisch od. normannisch, 2. V. 12. Jh. Fot. Mus. H. 391. Crown Copyright.

3. Bourges, Präfektur, Tympanon der zerst. Kirche St. Ursin, Detail. Anf. 12. Jh. von Meister Girauldus. Fot. Marburg 36 404.

4. Regensburg, Mus., Bildteppich mit dem Kampf der Tugenden und Laster (Ausschnitt: der Zorn; Reittier Eber, Wappentier Affe, Bannertier Igel, Helmkleinod Ohreule). Fränkisch, Ende 14. Jh. Fot. Mus.

5. Joh. Elias Ridinger, Darstellung eines am 3. 10. 1615 gefangenen Ebers. Kupferstich (nach der im Schloß Norrendorf aufbewahrten Trophäe), 36 × 27,2 cm. Dat. 1742. Fot. St. Graph. Slg. München.

Literatur

1. Angelo de Gubernatis, Die Thiere in der indogermanischen Mythologie, Lpz. 1874. – 2. Jac. Grimm, Dt. Mythologie, Bln. 18764, Bd. 2. – 3. Fritz Hommel, Die äthiopische Übersetzung des Physiologus. Mit Anhang: Der isländische Physiologus, Lpz. 1877. – 4. Karl Simrock, Hdb. d. dt. Mythologie mit Einschluß der nordischen, Bonn 18876. – 5. Rob. Reinsch, Le bestiaire. Das Thierbuch des normannischen Dichters Guilleaume le Clerc (= Altfranzös. Bibl. Bd. 14), Lpz. 1892. – 6. Ad. Goldschmidt, Der Albanipsalter in Hildesheim, Bln. 1895. – 7. Otto Keller, Die antike Tierwelt, Bd. 1: Die Säugetiere, Lpz. 1909. – 8. Bächtold-Stäubli 2, 517–23 (Herold). – 9. van Marle, Iconographie Bd. 1. – 10. Kurt Erdmann, Eberdarstellungen u. Ebersymbolik im Iran, Bonner Jbb. 147, 1942, 345–82. – 11. Wera von Blankenburg, Heilige u. dämonische Tiere, Lpz. (1943). – 12. Gg. Wacha, Hund u. Eber. Legenden um Klosterneuburg und Kremsmünster, Die österreichische Furche/Die Warte 5, 11, 1949. – 13. T. H. White, The Book of Beasts, London (1954).

Verweise