Ebenholz

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englisch: Ebony; französisch: Ébène; italienisch: Ebano.


Alice Bethe-Kränzner (1955)

RDK IV, 639–650


RDK II, 1165, Abb. 14. Wien, Staatl. Kunstgewerbemuseum. Um 1660/70.
RDK IV, 641, Abb. 1. Boas Ulrich, um 1576, ehem. Dresden.
RDK IV, 643, Abb. 2. Rügenwalde, 1607-36.
RDK IV, 645, Abb. 3. Joachim Tielke, um 1675, Hamburg.
RDK IV, 647, Abb. 4. u. 5. Balthasar Permoser, zw. 1692 u. 1716, ehem. Dresden.

E. (altägypt. hbnj, griech. ἔβενος, lat. (h)ebenus, mhd. ebēnus, frühnhd. ebenboum) bezeichnet das braune bis tiefschwarze, sehr harte und spröde Kernholz exotischer Edelhölzer verschiedener Herkunft, die der Familie der Ebenholzgewächse angehören. Das beste E. kommt aus Ostindien, Madagaskar, Mauritius; die in Deutschland bekanntesten E.-Arten stammen aus Celebes, Niederländ. Indien und Afrika. Ersatz für E. bieten andere überseeische, dunkle, schwere Hölzer sowie das zähe und harte, ursprünglich zwar helle, doch zum Schwarzbeizen gut geeignete Birnbaum- und Goldregenholz, ferner eine chemisch hergestellte Kunstmasse. Rezeptsammlungen des 17. und 18. Jh. enthalten oft Anweisungen wie „Holtz so schwarz zu machen als Ebenholtz“ oder „Ebenholtz zu machen, als ob es natürlich gewachsen“ (Fritz Hellwag, Die Gesch. d. dt. Tischlerhandwerks vom 12. b. z. 20. Jh., Bln. 1924, S. 487 u. 498). Es haben sich, bedingt durch die Vergänglichkeit des Materials, nur wenige E.-Arbeiten aus ältester Zeit erhalten. E. gehörte von jeher zu den kostbarsten Hölzern und wurde nur für besondere Aufgaben verwendet, schon in altägyptischer Zeit – wie später häufig – gemeinsam mit Elfenbein, um eine farbige Kontrastwirkung zu erzielen (ägyptische Beispiele im Mus. Kairo, [6] Abb. 5 u. 9). Daß man E. um seiner Kostbarkeit willen schätzte, belegt eine Textstelle des A.T. wie 2. Chron. 9, 11. In Griechenland benutzte um 453 v. Chr. Phidias am Thron seiner für Olympia geschaffenen Zeusstatue Elfenbein, Gold, E. und Edelsteine.

Wie selten und kostbar E. im ma. Europa war, bezeugen zwei romanische Bucheinbanddeckel des Quedlinburger Domschatzes: hier wurde ein Stück E. den Edelsteinen gleich zwischen Goldfiligran eingefügt (Inv. Prov. Sachsen 33, 1, Taf. 15 u. 16). Vom 14. Jh. ab soll E. zu kleinen Möbelstücken verarbeitet worden sein, worunter wohl auch Kästchen zu verstehen sind wie die drei ehem. im Grünen Gewölbe, Dresden, aufbewahrten italienischen Brautkästchen für Schmuck und Toilettengegenstände aus E. und Bein (14. Jh. bzw. Embriacchi-Werkstatt Venedig, 15. Jh.). – Vor allem fand E. gegen Ende 15. Jh. bei den sog. Certosina-Arbeiten Verwendung: bei Truhen, Bänken u. dgl., die mit einem geometrischen Muster aus weißen oder getönten Bein- und schwarzen E.-Plättchen dekoriert sind (z. B. [6] Abb. 112; s. a. Einlegearbeit).

Als sich im 16. Jh. die Handelsbeziehungen von Italien und Spanien zum Fernen Osten verbesserten und als Holland im 17. Jh. in regen Güteraustausch mit seinen Ostindischen Kolonien trat, wurde neben anderen „bois des îles“ auch E. in Europa eingeführt. Hier verdrängte es bald das bis dahin übliche Nußholz und war vom E. 16. Jh. an besonders beliebt bei der Herstellung von wertvollen Möbeln und von Gegenständen verschiedenster Art. Sein düsterer Ton entsprach dem Dunkel der spanischen Tracht und den Vanitasvorstellungen des Manierismus ebenso wie seine Kostbarkeit dem Repräsentationsbedürfnis des Barock. Zur Steigerung der Wirkung wurde E. meist mit anderen edlen Materialien zusammen verarbeitet: mit Elfenbein, Silber, Gold, Edelsteinen, Perlmutter, Bergkristall, Marmormosaik, Schildpatt und Email.

So entstanden in Italien, besonders in Venedig und Florenz, vom 16. Jh. ab Tischplatten, Schmuckkästen, Schränkchen und Kabinette aus poliertem E. mit eingelegten bunten Steinen (sog. Florentiner Mosaik) und mit Einlagen aus Kupfer, Zinn, Elfenbein, Perlmutter und Schildpatt. Etwa gleichaltrig sind die ältesten bekannten spanischen escritorios, Schreibkabinette aus E., die mit Mustern von E. und Elfenbein im maurischen Stil eingelegt sind. Ähnliche wurden in Portugal hergestellt, wo man außerdem die aus Macao eingeführten indisch-portugiesischen Kabinette mit feinlinigem Rankenwerk aus E. und Elfenbein nachbildete.

In Anlehnung an italienische und spanische Vorbilder kamen gegen Ende 16. Jh. auch in Deutschland E.-Möbel auf. Augsburg erlangte in der Herstellung von E.-Kabinettschränken Weltruf.

Die frühesten hat man sich wohl als zweitürige, mit geschnitzten Flachreliefs geschmückte, von 6–12 dünnen Säulen getragene Schrankaufbauten vorzustellen, die – als Cabinets d’Allemagne in Frankreich eingeführt – die Anregung zu einer Gruppe von E.-Kabinetten gaben (Berlin, ehem. Schloßmus.; Paris, Louvre, [8] Abb. 82). Vom gleichen Typ ist ein Augsburger Kabinett um 1630 (Hamburg, Mus. f. K. u. Gew., Max Sauerlandt, Werkformen dt. Kunst, Königstein i. Ts. u. Lpz. [1926], Abb. 78), dessen Schmuck in vergoldeten Bronzebeschlägen und verglasten Lackmalereien auf Silberfolie besteht. Andere Augsburger Kabinette des 16. u. 17. Jh. sind mit Silber- oder silbervergoldeten Beschlägen verziert (Wien, Kh. Mus.), mit eingelegtem Elfenbein (Hamburg, Mus. f. K. u. Gew., Justus Brinckmann, Kat. 1894; Kopenhagen, Schloß Rosenborg), mit Schildpatt oder farbigen Steineinlagen (ehem. Berlin, Schloßmus., [4] Abb. 156; Kopenhagen, Schloß Rosenborg).

Neben Schreibkabinetten entstanden Münz-, Schmuck- und sog. Kunstschränke, bei denen häufig außer Einlagen und Silberbeschlägen vollplastischer Figurenschmuck verwendet wurde.

So bei dem als Tempel gestalteten Münzschränkchen Erzherzog Ferdinands von Tirol-Ambras, Augsburg, 16. Jh. (Wien, Kh. Mus., J. v. Schlosser, Kunst- u. Wunderkammern der Spätrenaiss., Lpz. 1908, Abb. 57), und bei mehreren Augsburger Schmuckschränken des 16. Jh. (ehem. Grünes Gew., Dresden). Das früheste und aufwendigste Beispiel von Hans Kellerthaler, Dresden 1585 [5, Bd. 1, Taf. 17], ähnelt im Aufbau und üppigen Silberschmuck schon den Kunstschränken, die – wahre Kunstkammern im kleinen – prunkvolle Schaustücke sind und an deren Herstellung außer dem Schreiner Goldschmiede, Elfenbeinschnitzer, Bildhauer und Maler beteiligt waren. Der hervorragendste „Kistler“ in Augsburg war Ulrich Baumgartner, der in der 1. H. 17. Jh. nach Angaben von Phil. Hainhofer drei berühmte E.-Kunstschränke schuf: den sog. Pommerschen Kunstschrank für Herzog Philipp II. von Pommern (ehem. Berlin, Schloßmus., [2] Taf. 3f.), einen ähnlichen für König Gustav Adolf von Schweden (Upsala, Univ., John Böttiger, Ph. Hainhofer u. d. Kunstschrank Gustav Adolfs in Upsala, 4 Bde., Stockholm 1909f.) und den sog. Hainhoferschrank mit nordostdeutschen Bernsteinfiguren für Erzhzg. Leopold von Tirol (Florenz, Pal. Pitti, [2] Taf. 51f.). Außer Baumgartner waren in Augsburg Matth. Wallbaum (ehem. Dresden, Gr. Gew.), in Dresden Hans Schifferstein, um 1615 (ehem. Dresden, Hist. Mus.), und dem Namen nach unbekannte Meister kleinerer, aber trefflicher Kunstschränke tätig (vgl. z. B. Aug. Fink, Das Augsburger K.handwerk u. d. 30j. Krieg, in: Augusta 955–1955, Augsburg 1955, S. 323–32 u. Taf. 102f.). Die Augsburger Arbeiten tragen z. T. den Stempel „Eben“ neben dem Augsburger Pinienzapfen.

Die Verbindung von E. mit gleißenden, offenbar serienweise im Stile Wallbaums hergestellten Metallbeschlägen und figürlichem Silberschmuck zeigen ebenfalls Schmuckkästen (ehem. Dresden, Gr. Gew.; Abb. 1), Gehäuse von Tischuhren (Nürnberg, G.N.M., Dt. K. u. Kultur im G.N.M., Abb. 171) sowie Standuhren (Dresden, Zwinger, Math.-phys. Salon), bei deren Herstellung wiederum Augsburg vom späten 16. Jh. an führend war. – Ferner entstanden in Augsburg, Dresden und München Prunktische aus E. mit Einlagen aus Elfenbein (Dresden, um 1610, Art des Hans Schifferstein: Stuttgart, L.M.; München, um 1620, Chr. Angermair), Silber (Augsburg, 1636, Theod. Häsel: ehem. Dresden, Hist. Mus.), Silber und Steinen (Augsburg, 1626, H. G. Herd: ehem. Steinzimmer der Münchner Residenz, jetzt Nymphenburg, Res.Mus.), Schildpatt und Perlmutter (Augsburg, um 1690: ehem. Trierzimmer der Münchner Res., jetzt Nymphenburg, Res.Mus.) sowie Silber und Perlmutter (Kopenhagen, Schloß Rosenborg).

Schließlich wurden auch luxuriöse Betten aus E. gefertigt wie das reich mit Elfenbein eingelegte sog. Bett der Herzogin Susanna (München, B.N.M., [6] Abb. 292) und das aufs reichste mit Alabasterbildern dekorierte Zeltbett des Nürnberger Patriziers Scheurl (Nürnberg, G.N.M., [6] Abb. 294), beide deutsch, Ende 16. Jh. bzw. 1596.

Bei den holländischen und den norddeutschen Möbeln setzte sich E. erst langsam durch. In der 2. H. 16. Jh. bis weit ins 17. Jh. hinein erhielten eichene Dielenschränke, Tische und Leinenpressen nur aufgeleimte Quader, Leisten, Pfeifen und Tropfen aus E., oder sie wurden mit Ein- und Auflagen aus E. geschmückt. Erst nach der Jahrhundertmitte wurde der wuchtige Barockschrank mit Palisander und E. furniert und mit ebensolchen lichtspiegelnden Flammleisten belegt. Niedrige, eigenartige Faltstühle und Sessel, die sich seit 2. H. 17. Jh. in Holland finden, sind unter dem Einfluß der in den holländischen Kolonien in Indien fabrizierten E.-Möbel entstanden.

Für sakrale Zwecke wurde das ernst und feierlich stimmende E. nicht weniger gern verarbeitet als in der Profankunst. In Augsburg wurden zahlreiche Reise- und Hausaltäre (Mus. Augsburg, München, Nürnberg, Wien, Braunschweig u. a.) hergestellt, bei denen oftmals schwarzgebeiztes Birnbaumholz E. vortäuschen sollte, ferner große, fast immer mit Silber dekorierte Altaraufbauten.

Oft beschränkte sich der Silberschmuck nicht nur auf Reliefzierat und plastische Figuren, sondern zur Steigerung der Wirkung wurde das gemalte Altarbild durch eine Folge von silbergetriebenen Tafeln ersetzt: so bei dem 3,60 m hohen Altar des Münchners Paulus Dietrich, des bevorzugtesten E.-Kistlers Maximilians I. von Bayern, 1605 (München, Schatzk. d. Reichen Kap.: hierfür und für alle am gleichen Ort befindlichen Werke vgl. Fritz Haeberlein, Schatzkammer d. Reichen Kapelle in der Münchner Residenz, Mchn. 1939), bei dem über 3 m hohen Rügenwalder Silberaltar des Stettiner Tischlers Esaias Hepp aus Augsburg, 1607–36 (Rügenwalde, ehem. Schloßkirche, dann Marienkirche; Abb. 2), und bei dem Hausaltar von Hans Kellerthaler, 1608 (ehem. Dresden, Gr. Gew.).

Die Schatzkammer der Reichen Kapelle in der Münchner Residenz birgt außer einer Anzahl von E.-Altären Schränke, Betstühle, Reliquienschreine, Kußtafeln und Kruzifixe (vgl. Fritz Haeberlein a. a. O.). Die Reliquiare in Kasten-, Sarg-, Monstranz- oder Ädikulaform sind durchweg Münchner Arbeiten vom Ende 16. und aus der 1. H. 17. Jh., besonders kostbar durch ihren Schmuck von geschnittenen Kristallplatten und durch den Besatz mit Smaragden, Rubinen, Türkisen u. a. Edelsteinen.

Bei den Kruzifixen bilden vom 17. Jh. ab bis in die Neuzeit Kreuzesstamm und -sockel von E. eine wirkungsvolle Folie für den Korpus aus Silber oder Elfenbein (München, Dresden, Wien, Kölner Domschatz). – Überhaupt wurden Sockel zu Silber- oder Elfenbeinarbeiten gern aus E. gefertigt. Benvenuto Cellini benutzte einen solchen bereits 1540/43 bei seinem berühmten Salzfaß für König Franz I. von Frankreich (Wien, Kh. Mus., Ernst Kris, Kat. Goldschmiedearbeiten I, 1932, S. 24–28, Taf. 25). Die deutschen Elfenbeinschnitzer Leonh. Kern, Hans Krumper, Christ. Angermair u. a. bedienten sich gern silberbeschlagener E.-Sockel.

Für Gold-, Silber- und Elfenbeinreliefs wurden E.-Rahmen verwendet, die im 17. Jh. wie die Schränke, Kästen, Altäre und Sockel mit Silberappliken verziert wurden (Wien, Kh. Mus.; München, Schatzk. d. Reich. Kap.; Donaueschingen, Fürstl. Fürstenberg. Slgn.; Braunschweig, Herzog Anton-Ulrich-Mus.). – In den Niederlanden liebte man es, im 17. Jh. Gemälde in einfache polierte E.-Rahmen zu fassen, nachdem A. 17. Jh. zunächst tiefgekehlte Rahmen aus verschiedenen Hölzern (E. mit Nußbaum) in Gebrauch waren.

Schließlich wurde E. gern bei der Herstellung von kunsthandwerklichem Kleingerät benutzt. Unter den Waffen gibt es um 1600 in E. geschnittene Pulverflaschen (ehem. Dresden, Hist.Mus.; M. von Ehrenthal, Kat. 18993) und Schäfte von Prunkpistolen und kostbaren Büchsen (ehem. Berlin, Zeughaus; P. Post, Kat. 1929). In der Messerschmiede wurde E. um 1600 zu Griffen von Messern, Vorschneidemessern und Jagdbestecken verwendet, z. T. massiv, z. T. nur als Einlage in Bein oder Messing (Arth. Pabst, Die K.slg. des Herrn Richard Zschille in Großenhain, Bd. 2: Besteckslg., Bln. 1887). – Beim Spielbrett ist E. geeignet, mit Elfenbein oder Silber das Brett in schwarz-weiße Felder einzuteilen; schöne Stücke aus der 1. H. 17. Jh., z.T. mit gravierten Darstellungen, besitzen Berlin, ehem. Schloßmus., Hamburg, Mus. f. K. u. Gew. und Leipzig, Mus. d. Kunsthandwerks – solche aus der 2. H. 17. Jh. mit bunten Relief-Intarsien von Adam Eck in Eger das ehem. Schloßmus. Berlin und das K.G.M. Wien (RDK II 1163–66, Abb. 12–14). – Brettsteine aus E. kommen sowohl gedrechselt (17. Jh.) wie mit medaillenartig reliefierter Vorder- und Rückseite in Schnitzerei oder Holzprägearbeit (18. Jh.) vor. – Auch beim Bau von Musikinstrumenten spielte E. seit dem 17. Jh. eine bedeutsame Rolle. Einen Überblick über die Verwendungsmöglichkeiten geben vor allem die Kataloge der Instrumentensammlungen: G. Kinsky, Kat. des Musikhist. Mus. von Wilh. Heyer in Köln (jetzt Musikinstrumentenmus. Lpz.), 2 Bde., Köln 1910–13; Angul Hammerich, Das Musikhist. Mus. zu Kopenhagen, Kopenhagen u. Lpz. 1911; Jul. Schlosser, Die Slg. alter Musikinstrumente (= Kh. Mus. in Wien, Publ. aus den Slgn. f. Plastik u. Kgwb. Bd. 3), Wien 1920.

Kleine Orgeln erhielten Gehäuse aus E. wie z. B. ein Portativ im Leipziger Musikinstr.Mus. und eine Zierorgel in der Münchner Schatzkammer d. Reich. Kap., die mit ihren silbernen Pfeifen, Perlmuttertasten und reichem Schmuckbesatz aus Goldplättchen, Perlen, goldgefaßten Türkisen ein besonderes Kleinod der Münchner Arbeiten des frühen 17. Jh. ist. Auch die Geigenbauer fertigten unter Verwendung von E. köstliche Instrumente: Pochetten (Tanzmeistergeigen), Gitarren, Lauten und Cithrinchen, z. T. ganz aus E., z. T. mit einem durch graziöse Elfenbein- und Perlmuttereinlagen bereicherten Furnier oder mit einem kunstvoll aus wechselnden E.- und Elfenbeinspänen zusammengesetzten Körper (Leipzig, Musikinstr. Mus. und Kopenhagen, Musikhist. Mus.). Die schönsten Instrumente dieser Art stammen von dem Hamburger Joachim Tielke, um 1675 (Leipzig; Kopenhagen; Hamburg, Mus. f. Kunst u. Gew., Abb. 3). – Im 18. Jh. sind es in der Hauptsache Blasinstrumente, bei denen E. verwendet wird: Querflöten, Oboen, Klarinetten und Dudelsackpfeifen (Leipzig u. Kopenhagen). Friedrich d. Gr. blies nur Quantz’sche Flöten aus E. – Reich ist die Verwendung von E. bei Klaviaturen von Hammerflügeln, Spinetten, Klavizimbeln, wobei – dem Brauch der Zeit entsprechend – die Untertasten mit E., die oberen mit Elfenbein belegt wurden. – Dagegen trat im Geigenbau die Verwendung von E. zurück, Gamben und Zithern erhielten nur noch am Rande der Decke eine quergestreifte Einlage von E. und Elfenbein.

Nur bis einschließlich A. 18. Jh. war E. für repräsentative Festräume und Prunkmöbel das bevorzugte Material sowie der beliebteste Untergrund für die Marketerie aus Schildpatt und Metall, s. Boulletechnik (RDK II 1075–81). Seine große Zeit war vorbei, seitdem Régence und Rokoko lichte, freundliche Räume gestalteten und leichte Eleganz des beweglichen Mobiliars erstrebten, d. h. Aufhellung der Furniere verlangten. Das E. trat fast ganz zurück zugunsten zarter exotischer Hölzer; nur seine farbigen Abarten (grünes, gelbes und rotes E.) wurden zur Marketerie verwendet. In der 2. H. 18. Jh. schufen einige Ebenisten in Paris (Riesener, Carlin, Weisweiler) unter dem Einfluß der um diese Zeit beliebten japanischen Lackarbeiten noch einmal ganze Garnituren von E.-Möbeln, geschmückt mit Goldlackpanneaux (z. B. [6] Abb. 577 u. a. m.). – In späterer Zeit verlor E. weiter an Bedeutung; lediglich dort, wo ein retrospektiver Stil prunkvolle Möbel erstrebte, kam man vereinzelt auf E. zurück (Empire; sechziger Jahre des 19. Jh.).

Als Werkstoff für Skulpturen wurde E. in Deutschland erstmalig im 18. Jh. herangezogen (ältere Beispiele bieten spanische Schwarze Madonnen: Manuel Trens, Maria. Iconografía de la Virgen en el arte español, Madrid 1947, S. 527). Ungeachtet seiner großen Härte und Sprödigkeit verwendete man es, um einen exotischen Effekt zu erzielen, bei Darstellung dunkelhäutiger Menschen, zumeist in Verbindung mit Elfenbein, Silber, Smaragden, Diamanten u. a. Edelsteinen.

Im Grünen Gewölbe in Dresden befanden sich zwei 12 cm hohe Statuetten, ein Hottentottenpaar, von Balth. Permoser, zw. 1692 und 1716 (Erna von Watzdorf, Pantheon 19, 1937, 44–47; Abb. 4 u. 5); ferner Neger zu Pferde und beim Bogenschießen von Johann Melchior Dinglinger, dem Hofgoldschmied Augusts des Starken, sowie Mohren auf Kamelen und Elefanten, Augsburger Arbeiten, usw. (vgl. [5] Bd. 4, Taf. 34, 45, 47 u. a.).

Zu den Abbildungen

1. Boas Ulrich (1550–1624), Schmuckkästchen. Ebenholz, Ornamente Silber, z. T. vergoldet. 30,5 × 24,5 × 18 cm. Ehem. Dresden, Grünes Gewölbe. Augsburg, um 1576. Nach [5] Bd. 1 Taf. 20.

2. Rügenwalde, Silberaltar in der Marienkirche. Ebenholzarbeiten Esaias Hepp, Silberreliefs Joh. Körver, Christoph u. Zacharias Lencker. Über 3 m h. 1607 bis 1636, für die Schloßkap. gestiftet v. Hzg. Philipp II. bzw. Hzgn. Elisabeth. Fot. St. Bildst. 4707.

3. Joachim Tielke, Cithrinchen (Rückseite). Ebenholzfurnier mit Elfenbeineinlagen, 65 cm l. Hamburg, Mus. f. K. u. Gew., Inv. Nr. 1893/456. Hamburg, um 1675. Fot. Mus.

4. und 5. Balthasar Permoser, Hottentottenpaar. Ebenholz und vergoldetes Silber, Sockel Bronze; Figuren 12 cm h. Ehem. Dresden, Grünes Gewölbe. Zw. 1692 u. 1716. Nach [5] Bd. 4 Taf. 47.

Literatur

1. Karl Dopf, Unsere Nutzhölzer, Wien 1949. – 2. Jul. Lessing und Ad. Brüning, Der Pommersche Kunstschrank, Bln. 1905. – 3. Lehnert Bd. 1 u. 2. – 4. Schmidt, Möbel. – 5. Sponsel Bd. 1 u. 4. – 6. Feulner, Möbel. – 7. Schmitz, Möbelwerk. – 8. Sigrid Müller-Christensen, Alte Möbel, München 19543.

Verweise