Dragoner

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englisch: Dragoon; französisch: Dragon (uniform de); italienisch: Dragoni.


Herbert Knötel (1955)

RDK IV, 369–371


RDK IV, 369, Abb. 1. Joh. Jakob von Wallhausen, 1616.
RDK IV, 371, Abb. 2. Ehem. Berlin, 1786.

I. Waffengattung

D. nennt man eine militärische Waffengattung, welcher, obwohl zum schnelleren Einsatz beritten gemacht, ursprünglich ausschließlich infanteristische Aufgaben zugeteilt waren. Die Herkunft des Namens ist umstritten; einleuchtend erscheint die Ableitung von der Waffe dragon, einem sehr kurzen pistolenartigen Radschloß-Streugewehr mit Drachenkopf-Mündung, zumal sich die Namen aller Waffengattungen auf ihre typische Trutz- bzw. Schutzwaffe beziehen (z. B. Musketier, Füsilier, Pikenier, Kyrisser usw.). Für diese Erklärung spricht auch, daß die D. zum erstenmal gleichzeitig mit dem dragon in der 2. H. 16. Jh. in Frankreich auftraten.

Als Detachements waren die D. in Deutschland schon A. 17. Jh. bekannt. Wallhausen [1] erwähnt sie in der 1. Aufl. seines Buches, 1616. Im kaiserlichen Heere erscheint das älteste D.-Regiment 1623 (Regiment Neuhaus), in Brandenburg treten die D. als zugeteilte Einheiten 1631 zum erstenmal auf. Die D. wurden in den deutschen Staaten bis etwa 1680 als schnelle Vorausabteilungen und im Kleinkrieg verwendet. Sie bewegten sich im Verband beritten, kämpften aber fast ausnahmslos abgesessen. Dementsprechend waren auch Bekleidung und Ausrüstung.

Treffender als Grimmelshausen kann man den D. nicht charakterisieren: „Daß kein Tier in der Welt ist, das einem Musquetierer gleicher siehet als ein Dragoner und daß, wenn ein Dragoner vom Pferd fällt, so stehe ein Musquetierer wieder auf, und daß er, der Dragoner, kein Reuter, sondern nur ein Zwitter zwischen ihnen und den Musquetierern gewesen sei.“

Auf schlechten Pferden, sporenlos, ohne Radschloßpistole, war der D. auch in seiner Bekleidung nur aufs Pferd gesetzter Musketier oder (nach Wallhausen) berittener Pikenier. Schutzwaffen hatte er gewöhnlich keine, gelegentlich die infanteristische Schützenhaube, bisweilen Biberschwanz und Bruststück. Das Musketierbandelier mit Ladungen diente der Versorgung der schlichten Muskete. Als Seitenwaffe trug der D. den gewöhnlichen Degen, im kaiserlichen Heer gelegentlich wohl auch einen leichten Säbel, häufiger dazu ein Beil.

Obgleich die Unterschiede in den taktischen Aufgaben zwischen der eigentlichen Schlachtenkavallerie, den Reutern und Harkebusieren einerseits und den D. andererseits mit der Zeit schwanden, blieben viele Äußerlichkeiten bei den D. noch lange bestehen. Z. B. hießen ihre Standarten Fahnen bzw. wurden sogar Infanteriefahnen geführt; die Signale wurden – etwa bis 1800 – mit der Trommel anstelle der Trompete gegeben; die Offiziere trugen Partisanen.

E. 18. Jh. glich sich die Truppengattung fast ganz der schweren Reiterei an, nur die Uniformen behielten meist noch Beziehungen zur betreffenden Infanteriebekleidung, wie auch die Ausrüstung mit Bajonetten (RDK I 1388f.) auf Nahkampf zu Fuß hinweist.

Seit Einführung der Uniformierung um 1670 war die Grundfarbe des Rockes meist grau, jedoch kamen in Süddeutschland schon sehr bald rot, blau und grün vor, während in Preußen der Rock von grau und dunkelblau zur weißen Farbe wechselte, um im 2. Schles. Krieg die hellblaue Farbe anzunehmen, die dann bis 1914 bestehen blieb.

II. Schulterklappe

Schulterklappe, auch Achsel-D. genannt. Hierbei ist D. die früheste Bezeichnung (etwa 1680–1800) für einen Tuch- oder Lederstreifen, der, von der linken Ärmelnaht ziemlich tief rückwärts ausgehend, auf einen dicht am Kragen befindlichen Knopf geknöpft wurde, um das Bandelier vor dem Abgleiten von der Schulter zu bewahren. Mit der Zeit entwickelt sich hieraus die Achsel- oder Schulterklappe, ein Uniformabzeichen (s. Epaulette).

Zu den Abbildungen

1. Kupferstich aus [1]: Pikenierdragoner und Musketierdragoner, beide zu Pferd. 1616. Nach Faksimiledruck.

2. Ehem. Berlin, Zeughaus, Uniform eines Dragoners vom Rgt. von Platen, Nr. 8. Preußen, 1786. Fot. Staatl. Museen, Berlin.

Literatur

Zu I.: 1. Joh. Jakob von Wallhausen, Kriegskunst zu Pferdt ..., Frankfurt a. M. 1616. – 2. W. Dilich, Hochvernünftig gegründet ... Krieges-Schule, Frankfurt a. M. 1689 (Text 1647 abgeschlossen). – 3. C. Kling, Gesch. der Bekleidung, Bewaffnung und Ausrüstung des Kgl. Preuß. Heeres II. Teil, Weimar 1906. – 4. Curt Jany, Gesch. der Kgl. Preuß. Armee Bd. I, Berlin 1928.

Verweise