Drachenleuchter

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englisch: Lamp in the shape of a dragon; französisch: Chandelier en forme de dragon; italienisch: Candelabro in forma di drago.


Erich Meyer (1955)

RDK IV, 366–369


RDK IV, 367, Abb. 1. Florenz, 2. H. 12. Jh.
RDK IV, 367, Abb. 2. Münster i. W., 1. H. 13. Jh.
RDK IV, 367, Abb. 3. Nürnberg, 14.-15. Jh.

D. ist ein von der modernen Kunstwissenschaft geprägter, nicht einheitlich verwendeter Begriff. Obwohl er gelegentlich auch zur Bezeichnung von Leuchtern gebraucht wird, an deren Aufbau Drachen als Zier oder als einzelne tektonische Glieder teilhaben (Beispiele: RDK I 513/14, Abb. 2, 4 und 5), sollte er – analog den Begriffen Elefantenleuchter, Löwenleuchter usw. – auf Lichtträger beschränkt bleiben, die von der rundplastischen Gestalt eines Drachen gebildet werden.

Die erhaltenen D. bestehen sämtlich aus Bronze. Ihren Unterbau bildet der vorn auf den beiden Beinen, hinten auf den Flügeln oder dem Schwanz ruhende Drachenleib. Die Kerzentülle geht entweder aus der dem Schwanz entwachsenden bzw. dem Rücken aufliegenden Ranke oder aus dem Maul des Drachen hervor. Häufig sitzt auf dem Rücken des Drachen ein mit ihm kämpfender Mann (Abb. 2). Seltener sind D., bei denen der Mann sich nur an den Drachen anklammert oder ihm die Hand in den Rachen legt (Abb. 1). Wo die Figur fehlt, pflegt der Drache in Ranken oder in eine Frucht beißend dargestellt zu sein.

Zur symbolischen Bedeutung s. Drache.

Die D. dürften vorwiegend profanen Zwecken gedient haben (Fundort eines D. ist die Waldenburg im Schwarzwald, O.A. Neuenbürg). Nur zwei von den etwa 30 erhaltenen Exemplaren befinden sich noch heute in kirchlichem Besitz.

Die meisten und schönsten D. gehören dem späten 12. Jh. und dem frühen 13. Jh. an. Bereits gegen E. 13. Jh. ließ die Produktion nach; im 15. Jh. starb sie völlig ab.

Unter den romanischen D. läßt sich eine größere lothringische und eine kleinere norddeutsche Gruppe unterscheiden. Die ersteren (Abb. 1) sind gedrungener und plastisch reicher durchgebildet als die norddeutschen D. Diese hängen von ihnen ab, sind höher und im Aufbau schlanker (Abb. 2), ihre Ranken schwingen weiter aus; das Gefieder ist durch Gravierung angedeutet, und die menschlichen Gestalten haben auffallend langgestreckte Gliedmaßen.

Weder an Größe noch an künstlerischer Phantasie und Feinheit der Durchführung entsprechen die D. der Gotik den romanischen. Ihr Aufbau beschränkt sich auf Drachenfigürchen, die den Kerzendorn im Maul oder auf dem Rücken tragen, das Rankenwerk fehlt. Abb. 3 gibt einen der verschiedenen Typen wieder.

Als Sammelobjekte erfreuen sich die D. so großer Beliebtheit, daß viele alte Stücke im 19. und 20. Jh. nachgegossen worden sind. Die besten dieser Nachbildungen lassen sich nur durch genauen Vergleich mit dem Original als moderne Arbeiten erkennen.

Zu den Abbildungen

1. Florenz, Mus. Naz., Slg. Carrand. Bronze, 13,2 cm h. Lothringen, 2. H. 12. Jh. Nach [1] Abb. 165 b.

2. Münster i. W., Diözesan-Mus. Bronze, 22 cm h. Hildesheim (Werkstatt des Domtaufbeckens), 1. H. 13. Jh. Fot. Mus.

3. Nürnberg, G. N. M. Bronze, 11,8 cm h. (das Tragstück im Drachenmaul diente zum Einsetzen einer Kerzentülle). Deutsch, 14.–15. Jh. Fot. Mus.

Literatur

1. Falke-Meyer I, S. 27–31, Taf. 73–81. – 2. Otto von Falke, Romanische Drachenleuchter, Zs. f. bild. K. 60, 1926/27, 3–8. – 3. Arthur Martin, Chandeliers en cuivre, Mélanges d’Archéologie 1, 1847/49, S. 91, Taf. 14–17.

Verweise