Drache

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englisch: Dragon; französisch: Dragon, serpent; italienisch: Drago, dragone.


Liselotte Stauch (1955)

RDK IV, 342–366


RDK I, 725, Abb. 5. Liber floridus, 12. Jh.
RDK I, 947, Abb. 5. Freising, Dom, 12. Jh.
RDK I, 1423, Abb. 1. Italienische Balläster, 2. H. 16. Jh.
RDK III, 517, Abb. 3. Xanten, um 1250.
RDK III, 1019, Abb. 5. Zürich, um 1200.
RDK III, 1485, Abb. 4. Andlau, 2. V. 12. Jh.
RDK IV, 345, Abb. 1. Sebastian Münster, Cosmographie, 1554.
RDK IV, 345, Abb. 2. Konrad Geßner, Historia animalium, 1587.
RDK IV, 347, Abb. 3. Bordeaux, 1. H. 16. Jh.
RDK IV, 347, Abb. 4. Rouen, 4. V. 13. Jh.
RDK IV, 349, Abb. 5. München, 1. V. 13. Jh., aus Scheyern.
RDK IV, 349, Abb. 6. Altena i. W., 1. H. 17. Jh. (Gerh. Gröninger?)
RDK IV, 351, Abb. 7. Amboise, 2. H. 12. Jh.
RDK IV, 351, Abb. 8. Nîmes, 12. Jh.
RDK IV, 353, Abb. 9. Reims, 2. V. 13. Jh.
RDK IV, 353, Abb. 10. Regensburg, E. 14. Jh.
RDK IV, 355, Abb. 11. Regensburg, 1220-40.
RDK IV, 357, Abb. 12. Nordhausen, A. 15. Jh.
RDK IV, 361, Abb. 13. Konstanz, 1518.
RDK IV, 363, Abb. 14. Ant. Bossi, 1744, Würzburg.

I. Begriff

Der D. (griech. δράκων von δέρκομαι = furchtbar blicken; mhd. trache, lintdrache, wurm, lintwurm = leuchtender Wurm, serpant, österr. Tatzelwurm) ist ein Fabeltier in Gestalt einer riesigen, geschuppten Schlange mit furchterweckenden Augen, einem feuerspeienden Rachen mit pfeilspitziger Zunge und giftigem Hauch, einem langen, sich ringelnden Schweif, zwei großen Flügeln (meist Fledermausflügeln), auf zwei oder vier eidechsen- oder raubtierartigen Krallenfüßen kriechend; es lebt der Sage nach in Höhlen, daher die Ortsbezeichnungen Drachenfels, Drachenwand, Drachenloch, Drachenhöhle (ausführlich bei Grimm II, 1315–26, und Bächtold-Stäubli II, 364–404 Mackensen]).

Er hat nichts mit den in der Zoologie bekannten Tieren des Namens, dem draco volans, einer 30 cm langen Echsenart mit Fallschirm, zu tun; jedoch könnten Urerinnerungen an die urweltlichen Saurier, immer wieder genährt durch Skelettfunde von vorzeitlichen Riesentieren [13], sich im Bilde des D. verdichtet haben [14; 15, S. 101ff.]. Noch im 16. Jh. hat sich z. B. an einen damals gefundenen Schädel eines eiszeitlichen Nashorns eine D.-Sage geknüpft, die das Denkmal auf dem Markt zu Klagenfurt von 1590 [13, Taf. 2] verbildlicht.

In der Literatur, selbst der ikonographischen, wird die Bezeichnung D. in verwirrender Weise für alle möglichen Teufelsgestalten in Mischwesenform gebraucht. Es muß hier betont werden, daß der D. seit der Antike zur Gattung der Schlangen gerechnet wird – die Bezeichnung D. wird sogar öfters an Stelle von Schlange gebraucht; ebenso werden in der Kunst z. B. die Paradiesesschlange und die Eherne Schlange auch als D. dargestellt. Der D. unterscheidet sich von der Schlange durch die Flügel, die zwei oder vier Füße und den feuerspeienden Rachen. Die unzähligen D.-ähnlichen Mischwesen mit Menschen- oder Vogelköpfen, hochgestelzten Vogelbeinen, menschen- oder raubtierartigen Leibern sind keine D. im eigentlichen Sinne. Ferner ist der D. von der Aspis abzugrenzen, genau wie vom Basilisken, der nach antiker und ma. Vorstellung eine Kreuzung zwischen Hahn und Schlange ist, und der Chimäre, einem Mischwesen aus Löwe, Ziege und Schlange, das mit ihm den feuerspeienden Rachen gemeinsam hat. Auch der Meerdrache muß vom D. gesondert behandelt werden.

II. Der D. in antiker, ma. und humanistischer Naturbeschreibung

In der antiken Naturgeschichtsschreibung wird der D. als ein reales Wesen angesehen. Schon Herodot (II, 75) berichtet im 5. Jh. v. Chr. von angeblich in Arabien lebenden geflügelten Schlangen (Otto Keller, Die antike Tierwelt II, Lpz. 1913, S. 302). Solinus (30, 15) erzählt, daß der D. nur ein kleines Maul habe, durch enge Röhren atme und dabei die Zunge herausstrecke; daß er seine Kraft nicht in den Zähnen, sondern im Schwanz habe, mit dem er gefährliche Schläge ausführe. Plinius (8, 11, 11) berichtet von ihm, daß er der grimmige Feind des Elefanten sei, ihn im Kampf umschlinge und erdrücke, gleichzeitig aber durch das auf ihn fallende sterbende Tier zermalmt werde.

Die Beschreibung des D. bei den kirchlichen Schriftstellern des Mittelalters, die sich fast wörtlich wiederholt (z. B. Isidor von Sevilla, † 636, Migne, P. L. 82, 442; Hrabanus Maurus, † 856, Migne, P. L. 111, 229; Hugo von St. Victor, † 1141, Migne, P. L. 177, 71), fußt auf diesen Vorstellungen:

„Draco, major cunctorum serpentium sive omnium animantium super terram. Hunc Graeci draconta vocant. Unde derivatum est in Latinum, ut draco diceretur. Qui saepe ab speluncis abstractus fertur in aerem, concitaturque propter eum aer. Est autem cristatus, ore parvo, et arctis fistulis, per quas trahit spiritum, et linguam exerit. Vim autem non in dentibus, sed in cauda habet, et verbere potius quam rictu nocet. Innoxius autem est a venenis: sed ideo huic ad mortem faciendam venena non esse necessaria, quia si quem ligarit occidit. A quo nec elephas tutus est sui corporis magnitudine. Nam circa semitas delitescens, per quas elephanti soliti gradiuntur, crura eorum nodis illigat, ac suffocatos perimit. Gignitur autem in Aethiopia et India in ipso incendio jugis aestus“ (Hrabanus Maurus, De universo 8, 3: De serpentibus; Migne, P. L. 111, 229f.).

Diese mit so vielen Zügen ausgestattete Phantasiegestalt blieb bis weit in die Neuzeit hinein lebendig. Noch Leonardo erzählt in seiner Studie über Leben und Gewohnheit der Tiere, daß der D. dem Elefanten die Beine umschlinge und ihn so zu Fall bringe; der Elefant stürze aber auf ihn und töte ihn ebenfalls; „sterbend rächt er sich“ (Jean Paul Richter, The Literary Works of Leonardo da Vinci II, London 19392, S. 268). Auch Sebastian Münster († 1552) beschreibt in seiner Cosmographia universalis (Basel 1554, Buch 6, S. 1069) den D. noch ganz in der ma. Weise (Abb. 1). Der Naturforscher Konrad Geßner († 1565) widmet ihm in seiner Historia animalium (Zürich 1587, Buch 5, S. 55) ein Kapitel „De dracone alato“, in dem er den Geschichten der Alten auch einen Bericht vom Erscheinen vieler geflügelter Schlangen in der Steiermark im Jahre 1543 anfügt (Abb. 2). Im 17. Jh. noch wurde der D. in den naturgeschichtlichen Kompendien als wirklich existierend angesehen, so von dem gelehrten Jesuiten Athanasius Kircher († 1680) in seinem Mundus subterraneus und von dem Arzt Joh. Johnston in seiner Historia naturalis (Amsterdam 1657; Titelkupfer von Matth. Merian d. J., Aukt. Kat. Rosen Nr. 23, Nov. 1954), und sogar 1734 wird noch von einem Wittenberger Professor, Georg Kaspar Kirchmaier, die Existenz der D. verfochten [5, S. 1].

III. Sage und Mythos; Drachenkämpfe

Der D. spielt in den Mythologien und Sagen fast sämtlicher Kulturvölker eine Rolle (ausf. bei Bächtold-Stäubli II, 364ff.). Als Verkörperung des Urchaos oder des Urmeeres [8] oder vielleicht dem Ursprung nach auch nur als gewaltiger Gegner eines urzeitlichen Helden [10] ist er ein wichtiger Bestandteil der babylonischen und hebräischen Weltschöpfungsmythen. Marduk tötet die D.-Schlange Tiamat und schafft aus ihrem entzweigehauenen Körper Himmel und Erde. Jahwe tötet den „D. im Meer“ (Jes. 27, 1 und 51,9; Ps. 74, 13) und die D.-ähnlichen Urzeitungeheuer Rahab (Jes. 51, 9f.), Leviathan (Hiob 40, 25–41, 26; s. a. Angel, RDK I 695/96, Abb. 1. u. 2) und Behemoth (Hiob 40, 15–24). Aus dem Leichnam des erschlagenen Ungetümes wird von dem Gott die Welt gebildet [8, S. 113].

Auch bei den Griechen ist die D.-Kampf-Sage – sicher aus Urzeiten überliefert – in den verschiedensten Formen verbreitet. Apoll tötet den menschen- und tierverschlingenden D. Python; Zeus zerschmettert mit seinem Blitz Typhon, das Ungeheuer mit den hundert D.-Köpfen, und wirft ihn in den Tartaros; Herkules kämpft gegen die lernäische Hydra, den Höllen-D. Cerberus, gegen den D., der die goldenen Äpfel der Hesperiden bewacht. In der germanischen Sage kämpft Thor gegen den Wasser-D., die Midgard-Schlange, die die Erde umschlossen hält.

Man hat in diesen mythischen Drachenkämpfen ein Sinnbild für die Naturkräfte sehen wollen, z. B. für den Kampf zwischen Licht und Finsternis, zwischen Sommer und Winter, oder sie auch astronomisch deuten wollen als die sich regelmäßig wiederholende Vernichtung des Mondes, sei es durch das Mondnumen selbst, sei es durch den Sonnengott, wobei der D. den Neumond, sein Besieger den Vollmond oder auch die Sonne bedeuten würde [12, S. 111]. Wie dem auch sei, die antike und germanische Heldensage kennt außer den genannten D.-Kämpfen zahlreiche, in denen der D. als quellen- und schätzehütendes, länderverheerendes, menschentötendes und jungfrauenraubendes Ungeheuer den männlichen Heldenmut oder auch die List herausfordert. So erlegt Kadmos den quellenhütenden D. und gründet Theben; Perseus befreit Andromeda aus der Gewalt des D.; Jason tötet (oder Medea überlistet) den das Goldene Vlies in Kolchis bewachenden D.; Siegfried (Sigurd) erlegt den schatzhütenden Fafnir; Dietrich von Bern besiegt unheilbringende D. Ins Christliche gewendet spielt der D.-Kampf in zahlreichen Heiligenlegenden eine Rolle. Hier können nur die in Deutschland verehrten Heiligen genannt werden (Braun, Tracht u. Attribute; für Frankreich s. [3 u. 4]). Der hl. Beatus, der legendäre Apostel der Schweiz, soll im 1. Jh. aus einer Höhle am Thuner See einen D. vertrieben haben; der hl. Magnus (7. oder 8. Jh.), der Apostel des Allgäus, hat seiner Legende nach auf seinen zahlreichen Missionsfahrten D. getötet; die hl. Martha, Schwester des Lazarus, soll, in die Provence verschlagen, die Bewohner von Arles durch das Kreuzeszeichen von einem D. befreit haben; der hl. Narcissus, B. von Gerona, zwang nach den A.SS. (der hl. Afra) durch eine List einen ihm erschienenen Teufel, einen in den Julischen Alpen an einem Quell sein Unwesen treibenden D. zu töten. In die Legende des hl. Georg wurde der D.-Kampf – der Heilige befreite in Libyen eine Königstochter aus der Gewalt eines im Sumpf hausenden D. – erst im 11. Jh. aufgenommen. Mit der leuchtendsten D.-Kämpfergestalt der christlichen Welt, dem Erzengel Michael, schließt sich der Ring. Er bekämpft den apokalyptischen D., der nach Gunkel [8] nichts anderes ist als der Chaos-D. der Urzeit.

Zu den D.-Kämpfern gehört auch der arabische Held al-Khidr, der in Mesopotamien identifiziert wird mit dem dort von Christen wie Mohammedanern gleichermaßen verehrten, bei den letzteren als „Nabî Djirdjîs“ zu den Propheten gezählten hl. Georg ([7] S. 339f.; Sarre-Herzfeld, Archäol. Reise im Euphrat- u. Tigris-Gebiet, Berlin 1911, 1920, Bd. I S. 13 Anm.; frdl. Mitt. v. Prof. E. Kühnel).

Im Märchen (Grimm, Deutsche Mythologie S. 653f.) und im Volksaberglauben (Bächtold-Stäubli II, 364ff.) spielt der D.-Kampf schließlich, in die Vorstellungswelt des Volkes abgesunken, eine wichtige Rolle.

IV. Christliche Symbolik

Die große Bedeutung, die der D. in der christlichen Symbolik gehabt hat, gründet sich auf die Apokalypse, in der der D. als Symbol des Teufels bezeichnet wird: „Et proiectus est draco ille magnus, serpens antiquus qui vocatur diabolus et satanas qui seducit universum orbem.“ Von Off. 12, 9 ausgehend wird die D.-Symbolik von den Kirchenvätern weiterentwickelt, alle Eigenschaften des D. symbolisch gedeutet und auf alles Böse und Gottlose bezogen.

„Diabolus ille biformis est. Leo est in impetu, draco in insidiis“ (Augustinus, Migne, P. L. 36, 867). – „Draco, Antichristus, ut in Apocalypsi „Ecce draco magnus et rufus“, quod Antichristus erit superbus et crudelis ... Per dracones Judaei, ut in Jeremia: „traxerunt ventum quasi dracones“, quod collegerunt virulenti Judaei consilium adversus Jesum. Per dracones, gentiles, ut in Isaia: „glorificabit me bestia agri, dracones, etc.“, id est, laudabunt me homines mundi, et maxime populi gentiles“ (Hrabanus Maurus, Migne, P. L. 112, 906). – „Mystice draco aut diabolum significat, aut ministros ejus, vel etiam persecutores Ecclesiae, homines nefandos, cujus mysterium in pluribus locis Scripturae invenitur“ (Hrabanus Maurus, Migne, P. L. 111, 230). – „Draconis nomine malitia designatur ... Draconis nomine antiquus hostis designatur ... Draconum nomine nequissimi Judaeorum principes signat Jeremias dicens: „onagri steterunt in rupibus, traxerunt ventum quasi dracones“ (Jer. 14, 6). Draconum nomine daemones (vgl. Dämonen) designantur per prophetam (Jes. 35, 7) ... Draconum nomine aperte mali vel gentiles designantur: sicut per prophetam Dominus de eorum conversione pollicendo dicit: „glorificabit me bestia agri, dracones et struthiones“ (Jes. 43, 20)“ (Garnerus von St. Victor, Migne, P. L. 193, 125). – „Huic draconi assimilatur diabolus, qui est immanissimus serpens. Saepe in aerem a spelunca sua concitatur, et lucet per eum aer, quia diabolus ab initio se erigens transfigurat se in angelum lucis, et decipit stultos spe falsae gloriae, laetitiaeque humanae. Cristatus esse dicitur, quia ipse est rex superbiae. Venenum non in dentibus, sed in lingua habet, quia suis viribus perditis, mendacio decipit, quos ad se trahit. Circa semitas, per quas elephantes gradiuntur, delitescit, quia diabolus semper magnificos viros insequitur. Crura eorum caudae nodis illigat, et si potest illaqueat, quia iter eorum ad coelum nodis peccatorum illaqueat ...“ (Hugo von St. Victor, Migne, P. L. 177, 72). – „Draco enim magnus et rufus, diabolus est, qui in specie serpentis primum hominem decipit, et nunc quidem propter sanguinem martyrum, quem fundere non cessat, rufus apparet. Hic autem septem capita habere perhibetur; septem videlicet vitia capitalia, quae de matre superbia exorta sunt, ex quibus quasi principiis omnia alia vitia oriuntur. Haec autem sunt vana gloria, invidia, ira, tristitia, avaritia, ingluvies, luxuria, decem vero cornua, omnia alia vitia sunt“ (Bruno von Asti, Migne, P. L. 165, 668).

Der Physiologus widmet dem D. merkwürdigerweise kein eigenes Kapitel. Er kommt in der Geschichte einer Reihe von anderen Tieren vor – des Panthers, des Ichneumons, des Hirsches, des Elefanten, der Tauben auf dem Baume Peridexion [6, S. 19–34] – und ist immer deren Feind und in der symbolischen Ausdeutung der Teufel, den Christus besiegt. Dementsprechend spielt dieses sonst so schreckenverbreitende Ungeheuer hier eine furchtsame, stets unterlegene Rolle. Im Zuge der Erweiterungen, die der Physiologus im Laufe der Jahrhunderte in den Bestiarien erfahren hat, ist der D.-Bericht der kirchlichen Schriftsteller (s. Abs. II, Hrabanus Maurus) z. B. in das lateinische Bestiarium der U.B. Cambridge, Ms. II-426, M. 12. Jh. (hrsg. von M. R. James, Oxford 1928), gelangt. Die anschließende symbolisch-moralische Interpretation ist wörtlich aus Hugo von St. Victor entnommen (s. o.). Die Illustrierung der Handschrift zeigt in einem Rund den D., dessen langer Schlangenleib sich in vielfachen Windungen um einen Elefanten ringelt [25, S. 165ff. Abb.].

V. Darstellungen

Welche der von den Kirchenschriftstellern genannten Formen des Bösen in den schier unübersehbaren Darstellungen des D. in der ma. Kunst jeweils gemeint ist, läßt sich nur in den seltenen Fällen sagen, in denen eine Beischrift die Bedeutung dartut. Der D. wird in drei Haltungen dargestellt: als hinterlistiger Angreifer und Verführer (Augustinus: diabolus – draco in insidiis, s. o.), als Kämpfender und als Besiegter, das Drama des ma. Menschen enthüllend, der, auf Schritt und Tritt vom Teufel verfolgt („tentare ergo non cessat, insidiari non cessat“: Augustinus, Migne, P. L. 36, 867), sich gegen ihn wehrt und unterliegt oder ihn mit Hilfe der himmlischen Mächte besiegt.

1. im Angriff

Im Angriff. Der D. wird in der ma. Bauplastik und Buchmalerei dargestellt, wie er Mensch und Tier verfolgt, von hinten packt, sie mit den langen Windungen seines Riesenkörpers umschlingt (vgl. die in den Schriftquellen genannten „nodi“) oder mit seinem Riesenrachen verschlingt (das „ore parvo“ der Kirchenschriftsteller bot für die Kampfdarstellung zu wenig Möglichkeiten).

Ein Mann und eine Frau (Adam und Eva?) sind in die Hals- und Schwanzwindungen eines D. geraten an den Externsteinen im Teutoburger Wald; ein riesiger schleichender D. hat an der Fassade von St. Jakob in Regensburg einen Menschen in den Windungen seines langen Schwanzes gefangen und hält einen jungen Löwen im Rachen (Hans Karlinger, Roman. Steinplastik in Altbayern u. Salzburg, Augsburg 1924, Taf. 14; J. B. Röger, Das roman. Bildwerk am Nordportal der Kirche St. Jakob in Regensburg, Regensburg 1932, S. 53ff.); ein D. schleicht zusammen mit einem Greifen heran, durch die Hand Gottes von zwei Löwen (den Gläubigen?) ferngehalten am romanischen Portal der Kapelle der Burg Tirol (Röger S. 55). Ein D. hat einen Mann bereits bis zum Hals verschlungen an einer Deckplatte des Kreuzganges in Berchtesgaden (Karlinger Taf. 115), einer greift einen nackten Mann an auf einem Kapitell in Anzy-le-Duc (Porter Bd. 2, Taf. 21). Zwei D. züngeln gegen einen Menschenkopf auf einem Pfeilerkapitell des Züricher Großmünsters [22, Abb. 62], gegen einen Sitzenden an Kapitellen des Basler Münsters [22, Abb. 173] und des Wormser Doms [22, Abb. 175], gegen eine nackte Halbfigur am Chor der Walderichskapelle in Murrhardt [22, Abb. 172]. Ein Fries mit D., die Menschen von hinten überfallen, schmückt die Kirche von St. Denis Hors in Amboise (Foto Marburg LA 607/11 und 611/18). Ein D. verfolgt in vollem Lauf einen davoneilenden Mann an einer Miserikordie des Chorgestühls von St. Seurin in Bordeaux (Abb. 3). Ein D. mit vielfach gewundenem Schweif packt einen Vierfüßler von hinten an den Weichen an einem Kämpfer im Vorhof von S. Ambrogio in Mailand (Frankl, Hdb. d. Kw., Abb. 248). Zwei D. verschlingen ein Tier an einem Kapitell des Kreuzgangs des Züricher Großmünsters (RDK III 1019, Abb. 5). In der Buchmalerei: ein D. (Beischrift: draco diabolus) bedroht die auf der Tugendleiter hinaufsteigenden Menschen im Hortus deliciarum der Herrad von Landsberg (RDK I 347, Abb. 2), und ein anderer verschlingt als Helfer des Antichrists einen Menschen (Straub-Keller Taf. 56 u. 63; s. auch Antichrist, RDK I 720ff., Abb. 1, 2, 4, 5). Ein schwungvoller D., der einen nackten Mann verschlingt, verziert eine Initiale des Goslarer Evangeliars (Ad. Goldschmidt, Das Evangeliar im Rathaus zu Goslar, Berlin 1910, Taf. 6). An der Initiale Q im Psalter der Würzburg-Eichstätter Diözese, um 1255, verfolgt ein D. einen davonstürzenden Mann (H. Swarzenski, 13. Jh., Abb. 1033).

Als listiger Verführer ist der D. – „draco, qui in specie serpentis primum hominem decipit“ (s. IV) – anstelle der Schlange auf dem Feld mit dem Strafgericht der Bernwardstür in Hildesheim dargestellt (Goldschmidt Taf. 21); auf dem Feld mit dem Sündenfall fliegt links ein D. in angreifender Haltung auf Adam zu, während rechts die Schlange Eva den Apfel entgegenhält (Goldschmidt Taf. 19). Die Initiale Q eines oberrheinischen Psalters, kurz nach 1235, zeigt den Sündenfall mit Schlange und einem von unten heraufzüngelnden D. (Swarzenski, 13. Jh., Abb. 446; ebenso 449). Den D. hält die Statue der Eva an der Kathedrale von Reims als Attribut in Händen (Abb. 9).

Den die Menschen auf ihrem Lebensweg bedrohenden D. (Teufel) in der Legende von Barlaam und Josaphat s. dort.

2. im Kampf

Im Kampf: der Mensch wehrt sich verzweifelt gegen den D., der Ritter und Mönch mit dem Schwert, der einfache Mensch mit Beil, Keule, Stock oder mit den bloßen Händen.

Ein riesiger D., der einen Menschen verschlungen hat, wird von einem Ritter mit Schild und Schwert bekämpft auf den Tympana von St. Peter in Straubing und der Kirche zu Altenstadt (Karlinger Taf. 156 u. 152). Gegen mit Schilden und Schwertern Gerüstete kämpfen D. auf der Bestiensäule der Krypta des Doms zu Freising (Karlinger Taf. 88/89; RDK I 947, Abb. 5). Mit einem Ritter kämpft der D. – ein zweiter Mann ist ihm schon unterlegen – an einer Konsole der Kath. von Carcassonne (Foto Marburg 37 974); ein Gewappneter kämpft gegen einen D., in dessen riesigen Schwanzwindungen ein Mensch gefangen ist, an einem Kapitell der Kirche von La-Chaize-le-Vicomte (Foto Marburg LA. 645/18). Die Deutung auf Dietrich von Berns D.-Kampf für die Darstellungen in Straubing und Altenstadt (Erich Jung, Germanische Götter und Helden in christl. Zeit, München 19392, S. 32) ist wohl nicht nötig (vgl. dagegen Andlau, RDK III 1485/86, Abb. 4).

In einen Kampf mit einem Mönch verwickelt, der ihm ein Schwert in den Rachen stößt, zeigt den D. eine Konsole in Jung-St.-Peter in Straßburg (Fs. für Otto Schmitt, S. 163 Abb. 4); ganz ähnlich auf einem Relief der Kathedrale von Rouen (Abb. 4).

Ein bekleideter Mann steht auf den Hälfen von zwei nach oben züngelnden D. und hat dem einen eine Waffe in den Rachen gestoßen an einem Kapitell der Kirche St. Denis-Hors in Amboise an der Loire (Abb. 7). Ein D. verschlingt einen nackten Mann, der sich mit einer Keule wehrt, und greift einen anderen, der mit einem Beil bewaffnet ist, an auf zwei I-Initialen des Evangelistars des Speyerer Doms in der L.B. Karlsruhe, 12. Jh. (ed. Preisendanz u. Homburger, Lpz. 1930, Taf. 39).

Im Kampf mit einem nackten Mann, der ihm den Rachen mit den Händen auseinanderreißt, befindet sich der D. an einer Miserikordie des Chorgestühls der Kirche von Noizay (Foto Marburg LA 611/2). Eine nackte Frau bekämpft einen D. mit einer Keule ebendort (Foto Marburg LA 611/9). Betend kniet eine langgewandete Frau zwischen zwei zähnefletschenden D. an einem Langhauspfeiler des Basler Münsters (F. Luthmer, Roman. Ornamente u. Baudkm., Ffm. 1896, Bd. 2 Taf. 24).

3. besiegt

Besiegt: Christus, Maria, die Erzengel, besonders Michael, helfen dem Christen im Kampf gegen den D. und besiegen ihn durch ihre göttliche Macht. Ganz handgreiflich ist dies im Albanipsalter dargestellt: die Initiale zu Ps. 73 zeigt Christus, mit einem Hammer einem D., der einen Menschen zu Boden drückt, auf den Kopf schlagend; Vers 14, „tu confregisti capita draconis“, erläutert die Darstellung. Die Initiale zu Ps. 69 stellt, als Illustration zu Vers 2, „deus in adjutorium meum intende“, Christus dar, wie er einen Menschen aus dem Rachen eines D. zieht (Ad. Goldschmidt, Der Albani-Psalter in Hildesheim, Berlin 1895, Abb. 14 u. 16). – Furchtsam duckt sich ein D. in seine Höhle vor dem Christuskind auf der Darstellung der Flucht nach Ägypten an der Domfassade von Orvieto (Enzo Carli, Le sculture del duomo di Orvieto, Bergamo 1947, Taf. 27); nach dem Kindheitsevangelium Kap. 9f. (Evangelia apocr. ed. Tischendorf, Bd. 2, Lpz. 1876, S. 184f.) beten D., Löwen und Panther das göttliche Kind auf seiner Reise durch die fernen Länder an [11].

Die Darstellung der Taufe Christi auf der Holztür von St. Maria im Kapitol in Köln, 11. Jh., zeigt Christus statt im Jordan auf einem D. stehend (Rich. Hamann, Die Holztür von S. M. i. Kapitol, Marburg 1926, Taf. 17). Aus anderen Vorstellungen hervorgegangene D.-Bilder in Zusammenhang mit der Taufe Christi s. Meerdrache.

Den D. durch den Gekreuzigten besiegt zeigen eine Reihe von Kreuzigungsdarstellungen auf Elfenbeinen und Miniaturen des frühen MA.

Gg. Swarzenski nennt einige karolingische Beispiele [26, S. 177f.]. Aus dem 11.–13. Jh. seien erwähnt: ein Lektionardeckel von St. Georg in Köln im Hess. L.M. Darmstadt, M. 11. Jh., auf dem ein nach oben geifernder D. mit langem, um das Kreuz gewundenem Schweif unter dem Suppedaneum sitzt; auf einem Buchdeckel in St. Maria Lyskirchen in Köln, einem weiteren kölnischen des 11. Jh. im V.A.M. London (Goldschmidt, Elfenbeinskulpturen II, Abb. 59, 60, 67) sowie auf einem belgischen Buchdeckel in Darmstadt, Mitte 12. Jh. (Ebd. III, Abb. 23). Unter dem Kreuz sitzt ein D., auf dem zugleich Maria und Johannes stehen, auf einem Buchdeckel in New York, um 1100 (Ebd. IV, Abb. 21). Der Kreuzesstamm durchbohrt einen D. im Kreuzigungsbild des Matutinals von Scheyern, Clm. 17 401 (Abb. 5). Einen (nach Wentzel) in gotischer Zeit eingesetzten D. zu Füßen des Kreuzes zeigte die Gerlachus-Scheibe mit der Kreuzigung, ehem. Berlin, Schloßmus., um 1170/80, zerst. (Wentzel, Meisterwerke Abb. 21). Den Gekreuzigten als Überwinder des D. – hier des siebenköpfigen der Apokalypse – zeigt noch ein Relief mit der Kreuzigung auf einem Hausaltärchen in der Art des Gerhard Gröninger in Altena, Slg. Thomée (Abb. 6); Löwe und D. nur durch das Kreuz besiegt stellt ein romanisches Relief des Museums in Speyer dar [22, Abb. 167].

Nach der auf Christus bezogenen Stelle aus Psalm 90, 13 „Super aspidem et basiliscum ambulabis, conculcabis leonem et draconem“ erscheint Christus stehend als D.-Besieger auf zahlreichen frühen Darstellungen, bereits in der christlichen Katakombe von Alexandrien und auf alexandrinischen Elfenbeinen, durch die diese Darstellung vermutlich ins Abendland gekommen ist (Emile Mâle, Mémoire au Congrès arch. du Caire en 1909; Sauer S. 316 u. 440; s. a. RDK I 1147ff.).

Auf einer auf dem Palatin gefundenen frühchristlichen Lampe steht er, ein Stabkreuz wie eine Lanze zu Boden gesenkt, auf allen vier Tieren (Garrucci Bd. 6, Taf. 473f.). Benedikt III. (855 bis 858) schenkte in die Laterans-Basilika ein vergoldetes Silberrelief: „fecit iconam, leonem draconemque pedibus conculcantem“ (Liber pontificalis ed. Duchesne II, 144). Auf dem Buchdeckel der Ada-Gruppe in Brüssel steht Christus mit wie eine Waffe geschultertem Kreuz auf Löwe und D. (in Schlangenform), Schlange und Basilisk (Goldschmidt, Elfenbeinskulpturen I, Abb. 1); ebenso auf einem D. mit langem gewundenem Schwanz auf dem Buchdeckel in Oxford (Ebd. I, Abb. 5); auf Löwe und D., mit dem Kreuzesstab den Löwen treffend, auf einem Buchdeckel um 1100 in Dresden (Ebd. II, Abb. 168); ohne Kreuz auf den vier Tieren (D. mit zwei Füßen, doch ohne Flügel) auf einem Buchdeckel der Ada-Gruppe im Vatikan (Ebd. I, Abb. 13). Um M. 12. Jh. gibt das gleiche Motiv ein belgisches Elfenbein in Florenz wieder (Ebd. III, Abb. 25), ebenso eine Q-Initiale des Albanipsalters in Hildesheim, 1. H. 12. Jh. (Goldschmidt, Albanipsalter Abb. 2).

Die ausgeschnittene Metallarbeit vom Deckel des Ratmann-Missale im Dom zu Hildesheim, M. 12. Jh. (RDK I 1149, Abb. 3), zeigt Christus auf Löwe und D. stehend, in der Rechten die Himmelsscheibe. Die Gebetsinschrift „Nos humiles salva Maiestas quesumus alma, cuncta regens, adversa premens, inimica coercens“ präzisiert die Bedeutung der Tiere (Ad. Bertram, Hildesheims kostbare Kunstschätze, M.-Gladbach 1913, Taf. 17, 12). Im Tympanon der Kathedrale von Troia (Foggia) steht er zwischen Engeln auf Löwe und D. (Porter Bd. 3, Taf. 172). An der Kathedrale von Amiens, den Haupteingang beherrschend, steht Christus – le Beau Dieu – auf Löwe und D. (Male II, Abb. 16), ebenso an der Porta Reggia der Kathedrale von Modena, 13. Jh. (A. Kingsley Porter, Lombard Architecture, New Haven 1917, Bd. I, S. 326).

Die Statuen von Abraham und Melchisedek stehen auf Löwe und D. an der Schloßkirche von Wechselburg (Abraham, RDK I 93/94, Abb. 10, 11).

Diesem Typus folgend finden sich D. und Löwe auch auf Grabsteinen unter den Füßen von Verstorbenen.

So auf dem Grabmal des Erzbischofs Siegfried III. von Eppstein, † 1249, im Mainzer Dom (RDK I 1148, Abb. 2) und dem Grabmal des Grafen Heinrich III. v. Sayn, † 1247, im G.N.M. (W. Pinder, Die K. d. dt. Kaiserzeit, Ffm. 19525, Taf. 429); auf dem Grabstein des Kurfürsten Matthias von Bucheck im Mainzer Dom, † 1328 (Marburger Jb. 3, 1927, Taf. 96 d); je 2 D. zu Füßen der Verstorbenen auf einer gravierten Doppelgrabplatte für zwei Bischöfe aus dem 14. Jh. im Lübecker Dom (Dehio, Dt. K. 2, Abb. 402) und, mit Einschaltung eines Adlers, auf dem Grabstein der Äbtissin Gertrud, † 1270, im Quedlinburger Dom (Marburger Jb. 3, 1927, Taf. 68 a; die Unterschrift mit der von 68 b vertauscht).

Zu Füßen des thronenden Christus finden sich D. und Löwe auf dem Tympanon der Pfarrkirche in Isen, Obb. [22, Abb. 141], und an der Nowgoroder Bronzetür (A. Goldschmidt, Bronzetüren Bd. II, Taf. 38); der D. allein zu Füßen des Thronenden am Tympanon des Marktportals des Mainzer Doms (Kautzsch-Neeb, Der Dom zu Mainz, Darmstadt 1919, Taf. 21 a).

Schließlich wird der D. als von Christus oder das gute Prinzip symbolisierenden Tieren besiegt dargestellt.

Vom Adler überwunden zeigt ihn ein Kapitell in der Vorhalle der Prämonstratenserkirche von Ilbenstadt (Foto Marburg 10 964), ein Kapitell der Kirche S. Denis-Hors in Amboise (Abb. 7), der oben erwähnte Grabstein der Äbtissin Gertrud in Quedlinburg und ein Lesepult des 14. Jh. aus dem Hildesheimer Dom (Ausst. Kat. Ma. Kunst in Niedersachsen, Hannover 1950, Nr. 29). Vom Löwen besiegt: ein Kapitell der Stiftskirche von Hamersleben [22, Abb. 84], eine Konsole in Maulbronn (Foto Marburg 87 259) und die Kanzel der Kathedrale von Cagliari, 1158/62 von Wilh. v. Innsbruck (Porter Bd. 3, Taf. 188). Löwe und D. stehen nur feindselig einander gegenüber an den Schranken des Goslarer Kaiserstuhls [22, Abb. 41], an einem Tympanon der Schloßkirche von Wechselburg [22, Abb. 70] und an einem Kapitell der Stiftskirche von Hamersleben [22, Abb. 81]. Vom Greifen siegreich bekämpft: ein Taufstein im Museum zu Speyer [22, Abb. 112, 113], das Portal von S. Fedele in Como [18, Abb. 9], die Kanzel von S. Giulio im Ortasee [18, Abb. 115], ein Relief im Museum in Nîmes (Abb. 8), ein Kämpfer des Mainzer Doms [22, Abb. 114] und ein Relief in Flonheim, Hessen (F. V. Arens in: Forschgn. z. Kg. u. christl. Archäol. Bd. 2, Baden-Baden 1953, S. 253 u. Abb. 79). Der Kentaur als Bogenschütze bekämpft den D. an einem Tympanon der Stiftskirche in Gernrode [22, Abb. 68], an der Klosterkirche zu Ilbenstadt und auf einem Kapitell in Adel, Yorkshire [22, S. 198f. Anm. 37]: Kampf der bösen Mächte untereinander?

Den D. zu Füßen der unter dem Kreuz stehenden Maria zeigt das Triumphkreuz des Halberstädter Doms, um 1220; zu Füßen der thronenden Muttergottes: die Madonnen aus St. Jean l’Evangéliste in Lüttich und aus Oignies (R. Hamann, Marburger Jb. 3, 1927, Taf. 32 b, d); zwei D. liegen besiegt zu Füßen der Thronenden auf dem Aachener Marienschrein (Ebd. Taf. 31 b). Eine Zusammenstellung weiterer Beispiele bei Ilse Futterer, Got. Plastik d. dt. Schweiz 1220–1440, Augsburg 1930, S. 15f. Auf Löwe und D. steht die Marmor-Madonna des Magdeburger Doms, um 1235/40; die Aufstellung jedoch nicht ursprünglich (RDK I 1150, Abb. 4); ein themengleiches Buchsfigürchen vom E. 16. Jh. in der Slg. Röhrer in Augsburg (Kat. Ad. Feulner, 1926, Nr. 62, Abb. 71).

Den durch den Erzengel Michael besiegten D. siehe im Art. hl. Michael. Den von Daniel mit Küchlein aus Pech, Fett und Haaren getöteten babylonischen D. (Dan. 14, 27) s. RDK III 1041–43.

4. D.-Reiter

Die Initiale S zu Ps. 57 im Albanipsalter zeigt als Illustration zum Vers 5f. („Furor illis [i. e. peccatoribus] secundum similitudinem serpentis; sicut aspidis surdae et obturantis aures suas, quae non exaudiet vocem incantantium et venefici incantantis sapienter“) oben einen mit entsetztem Ausdruck auf einem D. reitenden Mann, unten den Beschwörer, vor dem sich die Aspis das Ohr mit dem Schwanz verstopft (Goldschmidt, Albanipsalter Abb. 3). Dies Bild des von der Sünde davongetragenen Menschen findet sich öfters: die Initiale S eines Würzburger Psalters, nach 1235, wird von einem feuerspeienden D. gebildet, auf dessen Rücken ein sich verzweifelt wehrender Mann sitzt (H. Swarzenski, 13. Jh. Abb. 912); in dem englischen (sog. Ludwigs-)Psalter, Leiden, U. B. ms. 76 A), A. 13. Jh., bei der Initiale zu Ps. 38; im Zwiefaltener Passionale der Stuttgarter L.B., 12. Jh., bei der Initiale zur Vita s. Aurelii; am steinernen Taufbecken von Träkumla im Mus. zu Visby (Goldschmidt, Albanipsalter Abb. 4–6). Ein Kapitell der Krypta von Tavant (Touraine) zeigt den D.-Reiter und einen vor ihm fliehenden Menschen (Bull. mon. 35, 1869, 320). Ein nackter Mann mit einer Kugel (?) reitet auf einem D. in Vézelay (Cahier-Martin, Nouv. Mél. Bd. I, S. 203). Auf zwei Kapitellen in Brauweiler ist je ein nackter D.-Reiter dargestellt, den zwei weitere D. in die Brust beißen (W. Bader, Brauweiler, Bln. 1937, Taf. 44 a). Ein Kreuzgangkapitell der Daurade in Toulouse zeigt einen D.-Reiter, der den einen Spitzhut tragenden D. mit der Linken am Zügel hält und in der Rechten ein Schwert schwingt (Goldschmidt, Albanipsalter S. 55). Zwei Kapitelle in St. Sernin in Toulouse und in der Krypta des hl. Grimoald in Oxford haben D.-Reiter, die dem D. ein Schwert in die Brust stoßen, während sie dieser in den Arm beißt; ein Teufel in Satyrgestalt sieht der Szene mit befehlender Gebärde zu (Ebd. Abb. 7).

5. in der Apokalypse

Der apokalyptische D.: siehe hierfür Apokalypse. Hier nur folgender Hinweis: die Auffassung des D. als „rex superbiae“ (z. B. bei Hugo v. St. Victor, s. Abs. IV) mag zu der Deutung der sieben Häupter des apok. D. auf die „vitia capitalia, quae de matre superbia exorta sunt“ (Bruno von Asti, s. Abs. IV), Anlaß gegeben haben. In dem für Philipp den Kühnen von Frankreich (1270–85) hergestellten „Livre des péchés et des vertus“ in der Mailänder Ambrosiana steht über jedem Tierkopf der Name eines Lasters (Molsdorf Nr. 1072). Im ausgehenden MA erhielten der apok. D. und auch das „Tier der Lästerung“ der Apokalypse in Holzschnittillustrationen Hinweise auf die sieben Todsünden durch Beischriften oder durch die Gestaltung der Köpfe als die Laster symbolisierende Tierköpfe; so auch nach Juraschek [21] der D. in Dürers Apokalypse (B. 74).

6. in der Allegorik, Hieroglyphik, Astrologie und Alchemie

Der D. in der Allegorik, Hieroglyphik, Astrologie u. Alchemie: Zwei D. – in anderen Fällen Schlangen oder Kröten – saugen an den Brüsten von die Luxuria verkörpernden Frauengestalten in Notre-Dame in Semur (van Marle, Iconographie II, Abb. 87), an einem Kapitell der Kirche von Urcel bei Laon (Cahier-Martin, Nouv. Mél. d’arch. Bd. I, S. 208 Abb. B) und an einer (Ebd. Bd. II, S. 261 Abb. A wiedergegebenen) Konsole an unbekanntem Ort (Pamplona?). In der rheinischen Kapitellplastik begegnet das Motiv wiederholt (Brauweiler, Maria Laach; auch in Maastricht, U. L. F.).

Der Haß (Beischrift) hat den D. zum Reittier auf einem Bildteppich mit dem Kampf der Tugenden und Laster vom Ende des 14. Jh. im Regensburger Rathaus (Abb. 10).

Die Inschrift Invidia kennzeichnet auf einem Fresko aus der Johanniterkomturei in Küsnacht, um 1470 (jetzt Zürich, S.L.M.), den D. als Symbol des Neides (P. L. Ganz, Die Malerei des MA und des 16. Jh. i. d. Schweiz, Basel 1950, Abb. 52).

Anstelle der Schlange hat die Personifikation der Prudentia am Grabmal Klemens’ II. im Bamberger Dom, um 1235, einen prächtigen D. neben sich; im Fenster der Nordrose der Kathedrale von Canterbury, um 1178, hält sie einen D. in der Rechten (Bernard Rackham, The Ancient Glass of Canterbury Cathedral, London 1949, Taf. 10 a) und am Nordportal der Kath. von Chartres einen Schild mit einem D. Dürer gibt ihr auf einer Zeichnung im Louvre (W. 141), der italienischen Vorlage (van Marle, Iconographie II, Abb. 54) folgend, einen D. zu Füßen; so auch bei Andrea Alciati, Emblemata (z. B. Lyon 1574, S. 32).

Einen Wappenschild mit einem Pfeil, an dem sich links ein D., rechts ein Löwe aufrichtet, mit der Beischrift „prudentia-fortezza“, gestaltete Leonardo in seinen allegorischen und emblematischen Einfällen der Jahre 1490–1516 (Nr. 692; J. P. Richter, The Literary Works of L. d. V. I, London 19392, S. 390).

Auf der Dürerzeichnung der Slg. Koenigs (W. 132) hält – wie auf dem ihr vorausgehenden Blatt der Tarocchi – die Logik einen von einem Schleier bedeckten D. in der Hand (s. a. Dialektik).

Am Grab Franz’ II. von Michel Colombe in der Kathedrale von Nantes zieht die Personifikation des Mutes einen D. aus einem Turm, den sie wie ein Heiligenattribut in der Hand hält (van Marle, Iconographie II, Abb. 58).

Der Erde zugehörig zeigt den D. ein Brettstein der 2. H. 12. Jh. im K.F.M. Die Worte „Terra Lepus Draco“ umgeben eine sitzende Frau, die an ihren Brüsten einen Hasen und einen D. nährt (Goldschmidt, Elfenbeinskulpturen III, Abb. 173).

Eine bekleidete sitzende Frau, durch Inschrift als Aer gekennzeichnet, reicht einem D. ihre Brust (Glasmalerei in der Fensterrose der Kathedrale von Lausanne: Ellen J. Beer, Die Rose der Kathedrale von Lausanne u. d. kosmologische Bilderkreis des MA, Bern 1952, Abb. 27).

Als Reittiere des Wilden Mannes, des – nach ma. Auffassung – Herrschers im Tierreich, erscheinen zwei D. an einer Miserikordie des Chorgestühls der Kathedrale von Chester (Rich. Bernheimer, Wild Men in the Middle Ages, Cambridge [Mass.] 1952, Abb. 6).

Die Zeit triumphiert in einem von zwei D. gezogenen Wagen auf einem venezianischen Holzschnitt von 1488 (van Marle, Iconographie II, Abb. 129).

Den sich in den Schwanz beißenden D. kannte auch das MA [22, S. 169f., Abb.]. Welche Bedeutung er hier hatte, wäre noch zu untersuchen; Zusammenhänge mit dem Schlangenring der Ewigkeit sind sicher. In der humanistischen Hieroglyphik (nach Horapollon) jedenfalls bedeutet „draco caudam absumens“ das Jahr (Giehlow S. 169 u. 219), und so könnte auch die Dürer-Zeichnung W. 134 mit dem geflügelten Genius, der einen sich in den Schwanz beißenden D. in der Hand hält, auf das Jahr zu deuten sein.

Im islamischen Orient hatte der D. ursprünglich astrologische Bedeutung. Neben den sieben Planeten gab es einen achten, der als D. bezeichnet wurde. „Die beiden Schnittpunkte im Kreislauf des Mondes mit der Ekliptik werden als Kopf und Schwanz des D. aufgefaßt, und da sie fortwährend ihre Stellung zu den Fixsternen ändern, wird ihnen planetarischer Charakter beigelegt“ [23, S. 9f. u. Abb. 18]. „Die alte Vorstellung von einem Monstrum, das Sonne und Mond verschlingt, wird mit dem D.-Bild verbunden, und in Indien haben derartige mythologische Auffassungen“ (vgl. Abs. III) „schon früh dazu geführt, daß in der Sternkunde die Zahl der Planeten auf neun erhöht wurde durch Hinzufügung von Râhu und Ketu (Kopf und Schwanz des D.)“ [23, S. 10]. Aus diesen Vorstellungen heraus wurde der eine Kugel verschlingende D. an der Fassade von St. Jakob in Regensburg (H. Karlinger a.a.O. Taf. 15) auf die Verfinsterung der Gestirne gedeutet (vgl. dazu auch, mit Vorsicht, Richard Wiebel, Das Schottentor, Augsburg o. J., S. 26ff. u. Abb. 15). Die humanistische Astrologie kennt „Planeten-Dämonen in Gestalt von D.“. Als „Dämon“ des Planeten Saturn hält ein D. das Schriftband mit der Aufschrift „Melencolia I“ auf Dürers bekanntem Kupferstich (Robert W. Horst in: Forschgn. z. Kg. u. christl. Archäol. Bd. 2, Baden-Baden 1953, S. 417f. Abb. 142/43). Saturn fährt auf dem D.-Wagen einher in einer Miniatur der alchemistischen Handschrift „Splendor Solis“ im Berliner Kk. Das gleiche Blatt zeigt die Belebung des D., des Symbols für die „prima materia“ der Alchemie (G. F. Hartlaub, Signa Hermetis, Zs. d. Dt. V. f. Kw. 4, 1937, S. 104, 156 u. Abb. 10).

Den D. als den Feind schreckenden Beschützer führten die römischen Kohorten auf ihren Feldzeichen, Helmen und Schilden, und im Anschluß daran auch die germanischen Krieger (z. B. auf dem Teppich von Bayeux).

Für die Rolle, die der D. als Wappentier spielt, s. Heraldik. Hier sei nur auf das redende D.-Wappen des Ulmer Richters Hans Wurm auf der Rückseite seines Porträts im G.N.M. hingewiesen (E. Buchner, Das deutsche Bildnis der Spätgotik u. d. frühen Dürerzeit, Berlin 1953, Textabb. 18).

7. in der Ornamentik

D. in der Ornamentik: Ohne seinen Symbolgehalt wäre der D. sicher nicht in so starkem Maße in die ma. Ornamentik des Kunstgewerbes, der Buchmalerei und der Bauplastik eingedrungen, wie es der Fall ist; jedoch braucht er in diesem Zusammenhang nicht unbedingt symbolisch gedeutet zu werden. Der ornamentalen Umformung seiner Körperformen ist hier naturgemäß ein weites Feld eröffnet.

D.-Friese aus den mit den Köpfen oder Schwänzen verschlungenen Ungeheuern finden sich sehr häufig, z. B. am Schaft des karolingischen Leuchters des Rhein. L. M. in Bonn, an einem fränkischen Elfenbein-Buchdeckel vom E. 11. Jh. in der Münchener St.B., Clm. 23 630, und an einem Elfenbeinkasten um 1100 im K.F.M. (Goldschmidt, Elfenbeinskulpturen II, Abb. 152 und 173 a–e), am Albinusschrein in Köln, St. Pantaleon, 1186 (Falke-Frauberger Taf. 20–22), an der Krümme eines Bischofsstabes im Rhein. L.M., an den Bordüren einiger der Wienhäuser Bildteppiche und in der Plastik: im Kreuzgang von St. Michael in Hildesheim, am Tympanon des Westportals der Kirche in Frankenthal (Pfalz) [22, Abb. 131], an der nördl. Langhauswand der Stiftskirche von Quedlinburg [18, Abb. 114], an der Kathedrale von Bourges (Foto Marburg LA 315/42), an einem Haus in Lannion (Foto Marburg LA 638/2); in der Ausmalung des Chorjochs der Kapelle des Klosters Wienhausen und schließlich sogar noch A. 16. Jh. an der Orgeltribüne des Konstanzer Münsters (Abb. 13). Ein besonders reizvolles Beispiel von verschlungenen D. zeigt ein Schlußstein im Kreuzgang von St. Emmeram in Regensburg (Abb. 11).

Je zwei D. gegeneinander gestellt oder an Hälsen und Schwänzen miteinander verschlungen finden sich in der romanischen Plastik häufig an Taufsteinen: z. B. in der Antoniterkirche in Köln und der Stadtkirche in Freudenstadt [22, Abb. 97 u. 124f.]; an Kapitellen: in St. Jakob in Regensburg [22, Abb. 169], in Maria Laach, Abteikirche, südl. Kirchenportal und Empore (Adalbert Schippers, Das Laacher Münster, Köln 1930, Taf. 7, 20), am ehem. Hzgl. Palais in Nancy, in St. Hilaire in Melle (Foto Marburg 174 799 und 40 171), am Kreuzgang von Moissac (Porter Bd. 4, Abb. 286); an Konsolen: in St. Andreas in Köln, der Pfarrkirche in Schweinfurt, der Kathedrale von Reims (Foto Marburg 11 481, 19 174 u. 72 539); an Basen: des Straßburger Münsters (Foto Marburg 25 393); an einem Relief am Westbau von St. Jakob in Regensburg [22, Abb. 45]. Auch in der Elfenbeinplastik kommt das Motiv vor: Siegburg, sog. Annokamm (F. Witte, 1000 Jahre, Bd. 2, Taf. 12). Gegenständige verdoppelte und verschlungene D. sind ferner in der islamischen Kunst geläufig.

Je zwei D. mit im Munde eines Menschenkopfes endigenden Schwänzen (apotropäisch?; s. Dämonen): an Kapitellen der Stiftskirche in Hamersleben (RDK III 1018, Abb. 4), der Domkapelle von Goslar und der dortigen Neuwerkskirche, der Stiftskirche von Quedlinburg, der Krypta von Riechenberg bei Goslar, der Klosterkirche von Alpirsbach, von St. Fides in Schlettstadt und an den Schranken des Goslarer Kaiserstuhls [22, Abb. 146, 148–51, 155 u. 43]. Je zwei D. mit in den Mund eines menschlichen Kopfes gesteckten und oben wieder aus ihm herauskommenden Köpfen: an zwei Kapitellen des Chorumgangs im Magdeburger Dom.

Der in Ranken verschlungene D. ist eines der häufigsten Motive in der spätromanischen Bauplastik des Niederrheins. Seine Darstellung schmückt zwei Tympana des Halberstädter Domes [22, Abb. 170] und der Kathedrale von Bayeux [18, Abb. 25]. D., von deren Rachen Ranken und Weinreben ausgehen, zeigen das Tympanon des Südportals der Kirche in Hamersleben, eine Archivolte der Klosterkirche in Rüeggisberg, das Apsisfenster von S. Leonardo in Apulien, der Architravbalken von S. Clemente di Casauria in den Abruzzen ([23] Abb. 1, 3, 5, 6 u. weitere Beispiele sowie islamische Parallelen). Andere Beispiele zu allen Gruppen der romanischen Ornamentik s. [16].

In der Initialornamentik der Buchmalerei, besonders bei der Ausschmückung des Q und des S, aber auch anderer Buchstaben und Zierleisten, wurde der Körper des D. zu besonders schönen, schwungvollen Gebilden gestaltet (zahlreiche Beispiele bei H. Swarzenski, 13. Jh.).

An gotischen Chorgestühlen bildet ein D. häufig die Bekrönung der Seitenwangen, so im Dom von Nordhausen (Abb. 12), in der Walpurgiskirche in Alsfeld und am Chorgestühl aus St. Aposteln im Schnütgen-Mus. in Köln (Foto Marburg 5140 u. 21 398; s. a. Xanten, RDK III 517, Abb. 3).

An den sog. Drachenleuchtern hat der D. eine besonders wichtige Funktion. Hier wäre zu erwägen, ob etwa die ma. Auffassung (z. B. bei Hugo von St. Victor, s. Abs. IV), daß die Luft zu leuchten anfängt, wenn der D. aus seiner Höhle fährt, zu dieser bevorzugten Rolle an Leuchtern beigetragen haben könnte.

Endlich dient der D. als Griff für ma. Gefäße, z. B. eines Löwenaquamaniles des 13. Jh. im Kestner-Mus. Hannover und der Goslarer Bergkanne von 1477 im Goslarer Rathaus, sowie auch für Waffen (z. B. RDK I 1423/24, Abb. 1).

Für die D.-Ornamentik der Germanen s. Dämonen.

In der Ornamentik des 18. Jh. ist der D. unter dem Einfluß der Chinamode ein beliebtes Motiv geworden (Abb. 14; s. a. Chinoiserie). Der D. spielt auch eine große Rolle im Dekor des Meißner Porzellans: vgl. das für August den Starken angefertigte Service mit dem „roten D.“, um 1730, u. a. Muster (Ernst Zimmermann, Meißner Porzellan, Lpz. 1926, Taf. 10 u. Abb. 21,24).

VI. D. als Attribut

Außer den unter III genannten haben folgende Heilige den D. als Attribut, sei es als Symbol des Teufels, des Heidentums, der Ketzerei oder eines bösen Geistes, die sie der Legende nach bezwungen haben: der hl. Adelphus, B. von Metz; der hl. Amandus, Apostel der Belgier; der hl. Cassius, Ritter der Thebaischen Legion; der hl. Cyriacus, weil er die von einem bösen Geist besessene Tochter Diokletians heilte; der hl. Gereon, Befehlshaber einer Kohorte der Thebaischen Legion; der hl. Germanus, B. von Amiens; der hl. Godehard, B. von Hildesheim; der hl. Hilarion, weil er einen D. durch das Kreuzeszeichen verjagte; der hl. Honoratus, B. von Arles, der durch sein Gebet die D. von den Lerinischen Inseln vertrieb; der hl. Ignatius von Loyola, als Zeichen seines Kampfes gegen die Ketzerei; der hl. Johann von Reims; der hl. Papst Leo I. als Hinweis auf die erzielte Unterwerfung Attilas; der hl. Longinus, der bekehrte römische Hauptmann von der Kreuzigung Christi; der hl. Lupus von Sens; der hl. Marcellus, B. von Paris, weil er einen D., der die Leiche einer unbußfertigen Frau bedrohte, mit seiner Stola bändigte; die hl. Margarethe, weil sie im Kerker einen sie bedrohenden D. durch das Kreuzeszeichen zum Rückzug zwang; der hl. Olaf, König von Norwegen; der hl. Romanus, B. von Rouen, weil er einen D. mit seinem Skapulier tötete; der hl. Siro, B. von Genua, weil er einen D. aus einem Brunnen vertrieb, und der hl. Theodor von Heraclea.

Zu den Abbildungen

1. Holzschnitt aus Sebastian Münster, Cosmographia universalis, Basel 1554, Buch 6, S. 1069. Fot. Walter Steinkopf, Berlin-Dahlem.

2. Holzschnitt aus Konrad Geßner, Historia animalium, Zürich 1587, Buch 5, S. 55 („De dracone alato“). Fot. Walter Steinkopf, Berlin-Dahlem.

3. Bordeaux, St. Seurin, Miserikordie des Chorgestühls. 1. H. 16. Jh. Fot. Marburg LA 628/10 a.

4. Rouen, Kathedrale, Relief am Portail des Libraires. 4. V. 13. Jh. Fot. Marburg 48 040.

5. München, St. B., Clm. 17 401, Liber matutinalis des Konrad von Scheyern, fol. 14 v. Scheyern, zwischen 1206 u. 1225. Fot. Marburg 101 384.

6. Altena i. W., Slg. Thomée, Relief von einem Hausaltärchen, angebl. aus Kloster Rumbeck b. Arnsberg. Nußbaum. Westfalen (Art des Gerhard Gröninger), 1. H. 17. Jh. Fot. Marburg 5292.

7. Amboise, St. Denis-Hors, Kapitell im Mittelschiff. 2. H. 12. Jh. Fot. Marburg 165 354.

8. Nîmes, Mus. Lapidaire, Relief mit Kampf zwischen Greif und Drachen. 93 cm br. 12. Jh. Fot. Marburg 37 306.

9. Reims, Kathedrale, Eva am nördlichen Querschiff (Fensterrosen-Geschoß). 2. V. 13. Jh. Fot. Marburg 27 541.

10. Regensburg, Rathaus, Bildteppich mit dem Kampf der Tugenden und Laster (Ausschnitt: Haß gegen Lieb). Ende 14. Jh. Fot. Bayer. Landesamt f. Dpfl., München.

11. Regensburg, St. Emmeram, Schlußstein im Kreuzgang-Nordflügel. Vier Drachen (nicht Basilisken, Inv. S. 340) im Kreis. 1220–40. Fot. Marburg 18 662.

12. Nordhausen, Kreuzstiftskirche („Dom“), Chorgestühl, Nordostwange. Anf. 15. Jh. Fot. Bissinger, Erfurt, Nr. 1720.

13. Konstanz, Münster, Detail von der Orgeltribüne. Sandstein. 1518. Fot. Marburg 74 919.

14. Anton Bossi, Deckenstuck im Weißen Saal der Residenz Würzburg, 1744. Fot. Marburg 6117.

Literatur

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Ursula Röhlig. (1955)