Domino

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englisch: Domino; französisch: Domino; italienisch: Domino, bautta, cappa per ballo mascherato.


Hertha Simon (1955)

RDK IV, 154–157


RDK IV, 155, Abb. 1. Antoine Pesne, um 1745, Charlottenburg.
RDK IV, 155, Abb. 2. Modeblatt, Leipzig 1839.

D. (von dominus = Herr), vom Träger auf ein Kleidungsstück übertragen, ist der Name für einen losen Mantel oder Überwurf mit Kapuze. Der D. ist ursprünglich ein geistliches Kleidungsstück, von den Mönchen im Winter zum Schutz gegen die Unbilden der Witterung getragen. Zuerst bedeckte er nur den Oberkörper, später, verlängert, verhüllte er den ganzen Körper. In den Mönchskutten und den Mänteln einzelner Bruderschaften, hauptsächlich in Spanien und Italien, lebt er der Form nach bis auf den heutigen Tag fort. Im 16. Jh. in die weltliche Tracht übernommen, später besonders bei Maskeraden getragen, nahm er im 18. Jh. seine endgültige Form an. Er wurde neben den Charaktermasken der Commedia dell’arte die bei allen Ständen beliebte klassische Maskierung schlechthin. Von Venedig [6], der Stadt des Karnevals, das in seiner „Bauta“ (franz. bahut), dem kurzen schwarzen Mäntelchen mit Kapuze, worüber der Dreispitz getragen wird ([6], S. 20 u. Abb. 47; A. Ravà, Pietro Longhi, Florenz 1923, passim), eine Sonderform prägte, trat der D. seinen Siegeszug durch die übrigen Länder Europas an. Auch in Deutschland war er im 18. Jh. sehr beliebt. Nach Krünitz [1] ist er „ein, seinem Ursprung nach, spanischer Habit, welcher als ein langer Mantel ... mit spitzigen Ärmeln gemacht, vorn herunter gemeiniglich mit Bändern, Spitzen, Blonden oder andern Agrements besetzt, und sowohl von Mannspersonen als Frauenzimmern auf Bällen, Redouten und Maskeraden getragen wird“. Lose fallend bedeckte er den ganzen Körper (Abb. 1). Die Kapuze, auch Bahüte genannt [1], war vielfach getrennt von dem Mantel gearbeitet. Im 19. Jh. paßte der D. sich der Mode der Zeit an, war reicher geziert mit Spitzen, Schleifen und aufgesetzten Teilen und, in der ersten Jahrhunderthälfte, vorn fest geschlossen (Abb. 2). Die Kapuze, dem D. in Stoff und Farbe gleich, war abnehmbar. Als einfacher, vorn geknöpfter Mantel mit angeschnittener Kapuze hat sich der D. vom E. 19. Jh. bis heute als Maskenkostüm erhalten.

Material: „von Taffet und anderem Seidenzeuge“ [1], z.T. wohl auch Samt; als Besatz Spitzen, Bänder und Falbeln vom gleichen Material wie der Domino. Farbe: „von einer selbst beliebigen Farbe“ [1], ursprünglich schwarz [6], doch wurden auch lichtere Tönungen, dem Geschmack des Rokoko entsprechend, getragen. Wir kennen Grün (Bildnis des Herrn v. Chazot von A. Pesne; Paul Seidel, Friedr. d. Gr. u. die franz. Malerei s. Zeit, Berlin 1892, Taf. 7), Blau und Rosarot. Einzelne Farben scheinen im 18. Jh. zu bestimmten Gelegenheiten das Privileg eines Standes gewesen zu sein. So war Rosarot in Berlin dem Adel vorbehalten, wie eine Bekanntmachung des kgl. preuß. Hofmarschallamtes anläßlich der 1. großen Redoute am 10. Oktober 1744 im gerade fertiggestellten kgl. Opernhause besagt [4] und der Kavalier des Pesneschen Wandgemäldes im Schloß Charlottenburg (Abb. 1) zeigt. Für das 19. Jh. ist neben Schwarz auch helles Lila und Rosa bezeugt. Der heute noch getragene D. ist meist schwarz mit farbig abstechenden bunten Aufschlägen an allen Rändern.

Zu den Abbildungen

1. Antoine Pesne, Wandgemälde im Schloß Charlottenburg, um 1745, 1942 zerstört. Rosaroter Domino, Rückenansicht. Fot. Verwaltg. d. ehem. Staatl. Schlösser, Berlin.

2. Neueste und geschmackvolle Masken-Anzüge in 12 kolorierten Blättern, 2. Slg., Leipzig 1839, Taf. VI. Hellvioletter und schwarzer Atlasdomino m. abzunehmender Kapuze. Fot. Steinkopf (Lipperheidesche Kostümbibl. Berlin).

Literatur

1. Joh. G. Krünitz, Oekonomische Encyklopädie, Teil 3, Berlin 17822, S. 439; Teil 9, 1785, S. 372f.; Teil 34, 1785, S. 701, 710f., 737; Teil 121, 1812, S. 404. – 2. Die Carnevals Freuden usw., Nürnberg 1839, S. 9. – 3. Damen-Konversations-Lexikon, Bd. 3, Adorf 1846, S. 199. – 4. Ludw. Schneider, Gesch. der Oper und des Kgl. Opernhauses zu Berlin, Berlin 1852, S. 23. – 5. W. Quincke, Handbuch d. Kostümkunde, Leipzig 19083, S. 167. – 6. Giulio Lorenzetti, Feste e maschere veneziane, Ausst.Kat. Venedig 1937. – 7. Hans Tintelnot, Barocktheater und barocke Kunst, Berlin 1939, S. 193, 321 Anm. 255.