Dolman

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englisch: Dolman, pelisse; französisch: Dolman; italienisch: Dolman, dolma.


Herbert Knötel (1955)

RDK IV, 121–124


RDK II, 577, Abb. 6. Berlin, um 1750.
RDK II, 881, Abb. 4. G. R. Donner, hl. Martin, 1732. Preßburg.
RDK IV, 121, Abb. 1. Ehem. Berlin, 1786.
RDK IV, 123, Abb. 2. Ehem. Münster i. W., 1802.

I. Begriff

In Deutschland, wo das türkische dolmani (= allg. Oberkleid) eine spezielle Bedeutung annahm, wird unter D. eine kurzschößige, verschnürte Jacke verstanden. In den romanischen Ländern umfaßt die Bezeichnung D. nahezu alle verschnürten oder mit Borten besetzten Jacken und Röcke.

II. Verwendung und Arten

Mit dem Auftreten der Husarenwaffe in Deutschland um 1700 erschien gleichzeitig auch der D. Die Husaren, meist angeworbene Ungarn, wurden in die typisch ungarische Husarentracht gekleidet, zu deren charakteristischen Elementen der D. gehörte. Kennzeichnend für diesen sind anfangs der niedrige Stehkragen, die kurzen Schöße, die mehr oder minder reiche Beschnürung, das Fehlen der Knopflöcher und der nach östlicher Art über dem Handrücken spitz auslaufende verlängerte Ärmel. Letztgenannte Partie ergibt zurückgeklappt einen spitzen, durch die Fütterung andersfarbigen Aufschlag, den sog. „ungarischen Aufschlag“. Ungarischem Vorbild entsprach auch der Gebrauch, die Husarenregimenter in sehr auffallende Farben zu kleiden, so daß der D. bei jedem Regiment abweichend in der Grundfarbe und im Schnurbesatz war.

Im Gegensatz zu dem verhältnismäßig schlicht besetzten D. der Mannschaften (Abb. 1) war der Offiziers-D. außerordentlich reich beschnürt und mit breiten Tressen verziert (Abb. 2). Durch diesen üppigen Schmuck wurde es nötig, neben dem Parade-D. für den Alltag einen schlichteren „Interims-D.“ einzuführen.

„Kammerhusaren“, die nur eine barocke Spielart des Leibjägers bzw. Reitknechts darstellen, waren nach dem Geschmack ihres Herrn als Husaren oder Heiducken gekleidet. Der D. der Heiducken, der mit dem Husaren-D. bei gleichartiger Vorentwicklung viel Ähnlichkeit hat, blieb aber fast ganz auf die Hofdienst-Tracht beschränkt; doch wurde diese Spielart gelegentlich auch als phantastisches Kinderkostüm verwendet (RDK II 578, Abb. 6).

Auch bei studentischen Korporationen fand E. 18. Jh. der D. Eingang. Im Schnitt verläuft hier die Entwicklung wie beim Heer. Ebenso häufig kam der Spenzer vor, der sich vom D. nur durch den sparsameren Schnurbesatz unterscheidet.

Vom A. 19. Jh. an nahm der Schnurbesatz auf der Brust des militärischen D. ständig an Breite und Dichte zu, der Kragen wurde mit der Zeit immer höher (am höchsten um 1814). Im großen und ganzen blieb diese Form bis gegen M. 19. Jh., um dann völlig zu verschwinden. Der D. wurde ersetzt durch den Attila, einen normalschößigen Rock mit wenigen Schnurreihen. Zu dieser Zeit bekam der studentische D. bzw. Spenzer ausgesprochene Schöße und wurde zur Pikesche.

Volkstümlich lebt die Bezeichnung D. für den Husarenpelz bis zur Gegenwart fort, obwohl es sich dabei nicht um einen echten D. handelt und die Bekleidungsvorschriften von 1860–1915 dieses Wort nicht mehr gebrauchten.

III. Darstellung in der bild. Kunst

Im ganzen 18. Jh. wurde der D. noch als exotisch empfunden; daher erfreute er sich, dem orientalisierenden Geschmack des Barock und Rokoko entsprechend, großer Beliebtheit. Während es aus dieser Periode zahlreiche Bildnisse jugendlicher Prinzen im Husaren-D. gibt, scheinen aus der Zeit vor 1800 keine Fürstenbildnisse in Husarenuniform zu existieren, z. T. wohl deshalb, weil die Husaren noch nicht voll als reguläre Truppe galten und ihrer Uniform eine gewisse Sonderstellung zukam. So finden wir den D. vor allem bei Darstellungen militärischer Personen, in Bildnissen (Abb. 2), auf Uniformstichen, Schlachtenbildern, auf Denkmälern (Schadows Zietendenkmal in Berlin) wie in der Kleinplastik (z. B. Hofmann, Porzellan, Abb. 87 u. 363); ferner auch als Standestracht bei Studentendarstellungen. Vereinzelt steht das monumentale Reiterbild des hl. Martin in Husarentracht mit dem D. über der linken Schulter, das Gg. Raphael Donner 1732 für den Martinsalter im Preßburger Dom schuf (RDK II 881/82, Abb. 4).

Zu den Abbildungen

1. Ehem. Berlin, Zeughaus, Originaluniform eines Husaren vom preußischen Husaren-Rgt. von Gröling. 1786. Fot. Mus.

2. Joh. Christoph Rincklake (1764–1813), Bildnis des Generals Gebh. Leberecht von Blücher. Ehem. Münster, Loge zu den drei Balken (um 1935 wurden die Freimaurerzeichen entfernt!). Öl auf Lwd., 128 × 98 cm. Um 1802. Fot. unbekannt.

Verweise