Dolch als Attribut

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englisch: Dagger (as attribute); französisch: Poignard (comme attribut); italienisch: Pugnale (come attributo).


Hans Martin von Erffa (1955)

RDK IV, 120–121


Der entblößte D. als Attribut von Heiligen deutet auf Tod durch Meuchelmord, also ohne gerichtliches Verfahren. Aus dem Grund trägt der unter Hadrian ermordete Papst Alexander I. einen Dolch in der Hand; ebenso der um 688 umgebrachte B. Kilian von Würzburg und der 978 auf Anstiften seiner Schwiegermutter Elfrida erdolchte König Eduard von England (Eduard der Märtyrer). Das gleiche gilt für den hl. Kanut, der als dänischer König 1086 in der Kirche St. Alban in Odense von Aufständischen ermordet wurde. Mit dem D. in der Brust werden dargestellt: die römische Märtyrerin Bibiana (4. Jh.); der um 1220 von einem unbußfertigen Sünder seiner Gemeinde ermordete Karmelitenprediger Angelus; ferner der hl. Petrus Martyr, den i. J. 1252 zwei von den Katharern gedungene Mörder auf dem Weg von Como nach Mailand umbrachten. Der h!. Aquilinus, dem von den Arianern die Kehle durchschnitten wurde, wird mit einem D. im Hals dargestellt; ebenso hat die hl. Lucia als individuelles Attribut zuweilen einen D. (häufiger ein Schwert) im Hals.

In der profanen Ikonographie wird vornehmlich die Römerin Lukretia dargestellt, wie sie sich einen D. in die Brust stößt. Sie erdolchte sich selbst, als sie von Sextus Tarquinius, dem Sohn des Königs Tarquinius Superbus, entehrt worden war, und bezeugte damit ihre Unschuld (Livius I, 57,6–59,6). Auch Dido entleibt sich auf manchen Bildern mit einem D. anstelle des sonst üblicherweise dargestellten Schwertes.

Unter den Lastern wird der Zorn, unter den Temperamenten der Choleriker mit dem D. dargestellt. Vereinzelt kommt der entblößte D. auch in der Ikonologie der Renaissance vor. Er gilt als Symbol der Grausamkeit (C. Ripa, Iconologia, Venedig 1645, S. 385), als Attribut der Verleumdung (Detrattione, ebd. S. 145–47 m. Abb.; „percioche il Detrattore è homicidiale“, mit Hinweis auf Ps. 56 [57], 5), des Widerstreits (Contrasto, ebd. S. 115), aber auch der Strenge (Severità, ebd. S. 568 m. Abb.). Von den Musen gibt Ripa der Melpomene einen Dolch in die Rechte (ebd. S. 427).

In der Emblematik gilt der entblößte D. in Verbindung mit dem Pileus als Symbol der Respublica liberata (Andr. Alciati, Emblemata, Lyon 1574, S. 176, mit Hinweisen auf Brutus).

Der D. in der Scheide ist weniger als Attribut aufzufassen, vielmehr als Teil der Tracht und Bewaffnung gewisser Stände (Ritter, Landsknechte u. dgl.; s. Dolch).

Literatur

1. Pfleiderer. – 2. M. Liefmann, Kunst und Heilige, Jena 1912. – 3. Braun, Tracht u. Attribute.

Verweise