Doeg

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englisch: Doeg; französisch: Doeg; italienisch: Doeg.


Hans Martin von Erffa (1955)

RDK IV, 108–111


RDK IV, 107, Abb. 1. Paris, um 1250.
RDK IV, 109, Abb. 2. Holzschnitt aus Albrecht Pfisters Armenbibel, Bamberg 1462.
RDK IV, 111, Abb. 3. München, A. 13. Jh.

D. der Edomiter (Idumäer) war Oberster der Hirten des Königs Saul (1. Sam. 21,8 [7]). Als David auf der Flucht vor Saul in Nobe beim Priester Ahimelech weilte, wurde er von D. entdeckt und später dem König verraten (1. Sam. 22, 9). Daraufhin gab Saul D. den Befehl, Ahimelech und sein Haus, 85 Priester und die Bewohner der Stadt Nobe zu töten (1. Sam. 22, 18f.).

Da der Verrat D. Anlaß zum Psalm 51 (52) gegeben hat, ging die Geschichte D. in die Psalterillustration ein. Bereits im Utrechtpsalter ist zu Ps. 51 (fol. 30 r; E. T. de Wald, The Illustrations of the Utrecht Psalter, Princeton 1933, Taf. 48) geschildert, wie D. vor den thronenden Saul tritt und Ahimelech anklagt. Rechts am Himmel erscheint Christus in der Mandorla inmitten Auserwählter. Zwischen beiden Gruppen steht einsam der Priester, mit der Linken auf Christus, mit der Rechten, die ein Schermesser (novacula, v. 4) hält, auf einen vor ihm stehenden Ölbaum (v. 10) weisend. Eine nahe verwandte Darstellung, ins Hochformat übersetzt, gibt ein Psalter aus M. 9. Jh. in Troyes (Kathedralschatz, fol. 41 v; Ausst. Kat. Les mss. à peintures en France du VIIe au XIIe s., Paris 1954, Nr. 42, Taf. 9); die Beischriften sind hier dem Psalmtext entnommen.

In den englischen und französischen Psalter-Hss. des 12. und 13. Jh. wird die Geschichte D. ebenfalls, und zwar in einzelnen Gruppen regelmäßig, zum Initialschmuck von Ps. 51 herangezogen (die Anfangsverse des Psalms reden D. direkt an: Quid gloriaris in malitia, qui potens es in iniquitate?). In den frühen englischen Psalter-Hss. vom E. 12. Jh. tritt als neue Darstellung der Vollzug der Hinrichtung an den Priestern durch D. hinzu ([1], Taf. 1 u. 3, S. 11 u. 100; Haseloff nennt mehr als zwanzig Hss. des 12. u. 13. Jh., die diese Szene darstellen).

Seltener wird die Erteilung des Befehls durch Saul an den gewappnet vor ihm stehenden D. dargestellt; sie findet sich aber u. a. in deutschen Handschriften. Sie kommt in dem englischen Psalter B. M. Harley 5102, E. 12. Jh., zuerst vor, findet sich dann im Psalter der Margarethe von Burgund, um 1220 [1, S. 11 u. 44f.], sowie in vier fränkischen Psalter-Hss. der M. 13. Jh. (München, St. Bibl. Clm. 3900, Würzburg um 1250–59; Frankfurt a. M., Hist.Mus. C 76–79, mittelfränk. M. 13. Jh.; Melk, Stiftsbibl. Hs. 1833, Bamberg-Eichstätt um 1255; H. Swarzenski, 13. Jh., Abb. 943, 1041, 1073.– München, U. B. [s.u.]).

Seit M. 13. Jh. tritt in französ. Hss. auch der gewappnete D. allein mit Schild und Schwert oder Lanze auf ([1] S. 51, 55, 113f.; Abb. 1). D. ist hier als Antichrist gemeint und wird als solcher auch Christus gegenübergestellt [1, S. 55], wie es schon im Utrechtpsalter geschah. Als Attribut wird ihm dann E. 13. Jh das abgeschlagene Haupt Ahimelechs in die Hand gegeben [1, S. 55f., Taf. 17].

Die Darstellung, wie David von Ahimelech die Schaubrote und das Goliathschwert ausgehändigt bekommt, zeigt D. als versteckten Beobachter auf einem byzant. Elfenbeinbuchdeckel mit latein. Inschriften, M. 12. Jh. (London, B. M. Egerton 1139, Vorderdeckel; Goldschmidt-Weitzmann II Nr. 224, S. 80, Taf. 73).

Die ausführlichste Darstellung hat die D.-Geschichte als Illustration zu Ps. 51 in einem Würzburger (?) Psalter vom A. 13. Jh. in der U. B. München gefunden (Cim. 15, ms. 4° 24, fol. 61 v und 62 r; Abb. 3).

Auf der einen Seite ist die Übergabe der Schaubrote und des Goliathschwertes geschildert, die von D. belauscht wird. Darunter wirft Saul den Priestern und D. Verschwörung vor. Auf fol. 62 r (Fot. Zentralinstitut f. Kg.) wird der Verrat D. und die Tötung der Priester in einem Bilde dargestellt, während darunter David im Rankenwerk der Initiale reitet, ein Spruchband mit dem Psalmanfang in der Hand.

Die ma. Typologie verwendet die Hinrichtung der 85 Priester durch D. – bzw. den Befehl Sauls dazu an D. – als Antitypus zum bethlehemitischen Kindermord (Armenbibel, Molsdorf Nr. 122; Abb. 2) und zu Christus vor Pilatus (Weigelsche Armenbibel, M. 15. Jh., Molsdorf Nr. 356). Schon in Psalterillustrationen der 2. H. 13. Jh. (Lüttich) tritt der Kindermord als Bild zu Ps. 51 an die Stelle der Tötung der Priester.

Zu den Abbildungen

1. Paris, B.N. ms. lat. 1075, Initial zu Ps. 51. Paris um 1250. Nach [1] Taf. 16.

2. Holzschnitt aus der Armenbibel des Albrecht Pfister, Bamberg 1462. Nach Schramm, Frühdrucke I, Taf. 27, Abb. 185–87.

3. München, U. B. ms. 4° 24 (Cim. 15), Psalter, fol. 61 v. Bild vor Ps. 51. Würzburg (?) A. 13. Jh. Fot. Zentralinstitut f. Kg., München.

Literatur

1. Haseloff, Psalterillustrationen.