Diwan

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englisch: Divan; französisch: Divan; italienisch: Divano.


Paul Schoenen (1955)

RDK IV, 99–100


I. Begriff

Das persische Wort divan bedeutet ursprünglich Register, Archiv, Rechnungsbücher, in der Literatur auch Gedichtsammlung (vgl. Goethe, West-östlicher Diwan); dann bezeichnet es die Amtszimmer (Kanzlei) der Hohen Pforte und schließlich die türkische Regierung schlechthin. Seit dem 18. Jh. wird das Wort D. (auch Divan) auf das wichtigste Ausstattungsmöbel der türkischen Repräsentationsräume übertragen, ein Polstermöbel ohne Rücklehne und Armstützen, das mit losen Kissen ausgestattet wird. Der D. zeigt, im Gegensatz zu Chaiselongue, Sofa und Kanapee, keinerlei konstruktive Teile. Eine stilgeschichtliche Einordnung ist deshalb nur von den Bezügen aus möglich. Der D. ist niedrig, nur aus Polsterung gebildet und von unterschiedlicher Länge; er dient als Sitzgelegenheit für mehrere Personen und auch als Liegemöbel. In der Aufreihung an den Wänden zieht sich das Möbel oft rund um den Raum.

II. Geschichte

Als leichtes Ruhe- oder Tagbett waren Möbel dieser Art schon im späten Mittelalter neben dem großen Ehebett in Gebrauch [2, S. 155]; in Deutschland wurden sie „Gautsche“ genannt. Als Übernahme aus dem orientalischen Inventar finden wir den D. vor Mitte 18. Jh. in Frankreich. Durch eine Gesandtschaft schickte Ludwig XV. dem Sultan 1742 unter anderen Geschenken einen D., der mit achtzehn Kissen ausgestattet war [1, Sp. 123]. Im Château Borély in Marseille befindet sich ein D., dessen Bezüge zwischen 1780 und 1785 zu datieren sind. Er nimmt eine ganze Seite des Salons ein und wird durch zwei Säulen, welche eine Art Alkoven bilden, eingefaßt.

Zum Modemöbel wurde der D. erst am Ende der Empirezeit. In den Jahren 1820 bis 1850 wurden modische Gaststätten (cafés) in Paris nach dem D. benannt (z. B. der „Divan Le Peletier“, wo sich Dichter, Schriftsteller und Maler der romantischen Schule trafen). Nach der Jahrhundertmitte verschwand der D. aus den Salons und Gaststätten; nur in wenig differenzierten Wohnungen hielt er sich in seiner Doppelverwendung als Bett und Sitzmöbel. So blieb er für Atelierwohnungen bis E. 19. Jh. ein charakteristisches Möbel.

In Deutschland hat der D. nur unter dem Einfluß der französischen Mode im 19. Jh. Eingang gefunden. Die Benennung unterscheidet hier nicht immer streng genug den D. von ähnlichen Kombinationen von Sitz- und Liegemöbel (Ottomane, Sofa, Chaiselongue etc.).

III. Übergangsformen

Die Übergangsformen zu anderen Liege- und Sitzmöbeln sind zahlreich. Praktische Anforderungen und Mode brachten verschiedenartige Variationen hervor. So wird der D. mit festen Rollen als Armstützen Ottomane genannt. Der D. à accotoir nähert sich dem Sofa oder Kanapee. Mit eingebautem Kasten, der zur Aufnahme des Bettzeugs dienen kann oder sonst als Kastenmöbel Verwendung findet, entstand der D. à coffre, der auch D.-lit genannt wird. Zahlreiche weitere Kombinationen und Variationen werden in französischen Inventaren aufgezählt.

Literatur

1. Havard I, Sp. 123–25. – 2. Feulner, Möbel. – 3. Henri Clouzot, Les meubles du XVIIIe siècle, Paris (1922).

Verweise