Distribution

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englisch: Planning (of houses and parks), distribution; französisch: Distribution; italienisch: Distribuzione.


Luisa Hager (1955)

RDK IV, 87–90


RDK IV, 89, François Cuvilliés d. Ä., 1734.

Die D. (Plangestaltung, Raumeinteilung oder -gruppierung) als Folge der Forderung nach möglichster Commodité und Convenance (Angemessenheit im Bauen) bildet den Kernpunkt der französischen Baulehre des 18. Jh. „Car c’est dans l’art de distribuer et disposer avec goût les différentes pièces d’un appartement que les architectes de notre nation se sont distingués“ heißt es in der „Architecture Moderne“ des Jombert [3]. Der Begriff wird aber bereits M. 17. Jh. von Roland Fréart de Chantelou, Sieur de Chambray, in der „Parallèle de l’architecture antique avec la moderne“ [1] hervorgehoben. Fréart gibt der „distribution générale“ gegenüber dem „détail des parties“ den Vorzug. J. Fr. Blondel lehrt dann in seiner der D. gewidmeten Abhandlung von 1737/38 [4] in praktischen Beispielen die Kunst der D. Dabei wird der Begriff erstmals auch auf das Dekorationsprogramm des Bauwerks angewendet. So heißt es in der Vorrede bei Blondel [4, Bd. I], daß es neben der D. eines Bauwerks „qui consiste à bien arranger toutes les pièces qui le composent“ eine andere Art der D. gäbe, „qui regarde sa décoration, tout intérieure qu’ extérieure“. Die D. der Dekoration bedeutet für Blondel ihre Anwendung im Sinne der „convenance“, wobei der Rang des Bauherrn und die Zweckbestimmung von Bau und Raum „Inhalt“ und „Maß“ seiner Ausgestaltung bestimmen. Die künstlerische Wirkung einer Raumfolge in der Abgewogenheit ihrer Größe, des Grundrisses und der Dekorationsweise und der dadurch ausgelösten Rhythmik für den Durchschreitenden beruhte also weniger auf der Commodité, als vielmehr auf der D.

Auch für den barocken Garten wurde der Begriff der D. verpflichtend. So berichtet Blondel bezüglich der Gartenkunst [4, Bd. I, Vorrede], die in seinem Jahrhundert insbesondere in Frankreich zu großer Vollendung gebracht worden sei, daß es die „distribution de toutes ses pièces“ („bosquets, parterres, salons de verdures, berceaux de treillages“ usw.) ist, die dem Garten Anmut verleiht und die Überraschung und Vergnügen bereitet.

Blondel empfiehlt weiter, in der Nachbarschaft des Schlosses ein kleines Gebäude zu errichten, um sich dort im engeren Kreis von dem Trubel der Gäste zurückziehen zu können. Somit findet die im 18. Jh. verbreitete Mode der Lustschlößchen von der D. aus ihre Erklärung. Anlaß zu besonderer Erörterung ist für Blondel ferner die Frage der Unterbringung der Dienerschaft außerhalb des Corps de logis oder, bei kleineren Bauwerken, zumindest getrennt von den Wohn- und Gesellschaftsräumen des Hausherrn (s. a. Communs).

Beispiele der kleinteiligen und nach den Grundsätzen der D. ausgeklügelten Grundrisse bieten die Schloß- und Hotelbauten des späten 17. und des 18. Jh. (vgl. Commodité). Als Meister der D. erwies sich neben anderen François Cuvilliés d. Ä. in den Grundrissen seiner „maisons de plaisance“ [5], die in kleinem Maßstab in Bau und Ornamentik hervorragend abgewogene Raumkompositionen darstellen, wie die Amalienburg im Nymphenburger Schloßpark, 1734–39 (Abb.), sowie in seinen späteren, ebenfalls im Stichwerk enthaltenen Lösungen des gleichen Themas. Den Gesetzen der D. folgen als Teile der Schloßbaukunst neben vielen anderen streng gegliederten Gartenprojekten der gleichen Epoche die großartigen Gartenanlagen des 18. Jh. zu Schleißheim (Carbonet 1701/04, D. Girard und J. Effner 1715ff.), Veitshöchheim (H. Petrini, 1702/03). Die durchdachten Kompositionen dieser Gärten entsprechen den Forderungen Blondels [4, Bd. I] nach einer „harmonie judicieuse dans les formes générales d’un parc, aussi bien que dans les différentes pièces dont’ il est composé“.

Zur Abbildung

François Cuvilliés d. Ä., Grundriß der Amalienburg im Nymphenburger Park, erb. 1734–39. Nach [5]. Fot. B.N. M. München.

Literatur

A. Quellen: 1. Roland Fréart, Sieur de Chambray, Parallèle de l’architecture antique avec la moderne, Paris 1650. – 2. Charles-Etienne Briseux, L’architecture moderne, ou l’art de bien bâtir pour toutes sortes de personnes, 2 Bde., Paris (Cl. Jombert) 1728. – 3. Neuaufl. d. vorigen: Charles-Antoine Jombert, L’architecture moderne etc., Paris 1764. – 4. Jacques-François Blondel, De la distribution des maisons de plaisance et de la décoration des édifices en général, 2 Bde., Paris 1737/38. – 5. François Cuvilliés d. Ä. und d. J., Ecole de l’architecture bavaroise, vollst. Ausg. Paris 1770ff. (zur Bibliographie s. [8] S. 94ff.). – Siehe auch die Quellen zu Commodité.

B. Schrifttum: 6. A. E. Brinckmann, Hdb. d. Kw. I, S. 210, 269, 275. – 7. Louis Réau, L’art français sur le Rhin au XVIIIe siècle, Paris 1922, S. 87f., 95, 108. – 8. Wolfg. Braunfels, François de Cuvilliés, Würzburg 1938, S. 15ff. – 9. Louis Hautecœur, Histoire de l’architecture classique en France III, Paris 1950, S. 200. – S. a. die Lit. zu Commodité.

Verweise