Diamant

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englisch: Diamond; französisch: Diamant; italienisch: Diamante.


Hellmuth Bethe (1954)

RDK III, 1409–1420


RDK III, 1409, Abb. 1. Köln, um 1530.
RDK III, 1411, Abb. 2. Originalgröße berühmter Diamanten.
RDK III, 1413, Abb. 3. Arnold Lulls, um 1610, London.
RDK III, 1413, Abb. 4. Ehem. preußischer Kronschatz, 18. Jh.
RDK III, 1415, Abb. 5. Ehem. Dresden, um 1730.
RDK III, 1415, Abb. 6. Ehem. Berlin, 3. V. 18. Jh.
RDK III, 1417, Abb. 7. Egidius Sadeler, 1601-03.

I. Der Edelstein D.

D. (vom griech. ἀδάμας = der Unbezwingbare, lat. adamas, mlat. diamas, afrz. demande, mhd. ademant und dîemant, nhd. auch demant), einer der wertvollsten Edelsteine, einzigartig in seiner chemischen Zusammensetzung (reiner kristallisierter Kohlenstoff), durch seine alle anderen Mineralien übertreffende Härte (Härtegrad 10), seinen metallischen Glanz, sein lebhaftes, funkelndes Farbenspiel und seine starke Lichtbrechung. Reiner Diamant ist farblos (wasserhell durchsichtig), daneben kommen aber auch blaue und schwarze D. vor (gelbe, gelbgrünliche, graue und bläuliche werden weniger geschätzt). Der D. ist regulärtetraedrisch in der Form, von unregelmäßigem, muscheligem bis splitterigem Bruch und ausgezeichneter Spaltbarkeit. Infolge seiner Härte wird er von keinem anderen Stoff angegriffen. Zur vollen Schönheitsentfaltung bedarf er des Schliffes (s. Edelsteinschliff), der nur im eignen Pulver möglich und mit erheblichem Verlust an Gewicht (⅓–½) verbunden ist. D. in geschliffenem Zustand heißen Brillanten (= abgestumpfte vierseitige Doppelpyramiden), solche in Rosettenschliff (oben facettiert und unten flach) Rosen. Das Gewicht des D. wird in Karat (0,200 g; Abb. 2) ausgedrückt. Die meisten D. sind leichter als 1 Karat, Steine von mehreren Karat nicht häufig und solche von 20 Karat und mehr selten.

D. werden in Gebirgsschutt und Flußablagerungen als rohe Stücke gefunden. Die Entstehungsstätten sind Urgestein (Granit, Gneis, Glimmerschiefer), plutonische Gesteine (Diabas) und Olivingestein. Bis A. 18. Jh. war Indien fast die einzige D.-Quelle der Welt. Die historischen Diamanten, insbesondere die großen von über 100 Karat in den europäischen Kronschätzen, stammen daher vorwiegend von dort. Seit 1728 wurden die D.-Lager in Brasilien, seit 1867 die in Südafrika entdeckt und ausgebeutet. Von geringerer Bedeutung sind die D.-Vorkommen in Australien, Nordamerika und Europa (Ural und Lappland). D. werden durch Waschen und Auslesen D. führender Gesteine bzw. durch Graben gewonnen. Die Zentren der D.-Schleiferei sind seit dem 17. Jh., in dem der Brillantschliff in Paris zur Vollkommenheit ausgebildet wurde, Amsterdam und Antwerpen, in Deutschland seit E. 19. Jh. Hanau, Idar-Oberstein und Pforzheim.

Für die Schätzung des D. schon in alter Zeit sprechen außer Stellen der Sanskrit-Literatur und der Bibel (2. Mos. 28, 18: D. im Brustschild) antike Schriftsteller wie Plato und Plinius. Plato (Briefe 310 a, Timaios 59 b) hielt den D. wegen seines Vorkommens zusammen mit Gold für einen Bestandteil des Goldes, Plinius (nat. hist. 37, 4, 55) stellt ihn an die Spitze aller von ihm behandelten Mineralien und rühmt bereits seine Härte. Im Physiologus, der das Morgenland als Heimat des D. angibt, ist von ihm als Sinnbild Christi die Rede, weil er in der Finsternis scheint und alle Stoffe bezwingt, ohne daß ihm ein Stoff etwas anhaben kann. Theophilus (Schedula diversarum artium, 11. Jh.) erwähnt ihn nicht. Bei den Mystikern galt der D. als vorteilhaft gegen diabolische Einflüsse, sein Pulver als Heilmittel und sein Staub als giftig (Paracelsus soll von seinen Feinden mit D.-Staub vergiftet worden sein). Als Symbol der Unbezwingbarkeit wurde er von Herrschern und kriegerischen Helden (Karl dem Kühnen und Napoleon I.) getragen. Als Emblem für die Darstellung vollkommener Unzerstörbarkeit und Stärke findet sich zuweilen ein D. auf einem Amboß, gegen den eine aus den Wolken kommende Hand einen Hammerschlag führt (Abb. 7). Im Defensorium inviol. virg. b. M. wird der D. als Symbol und Beweis für die jungfräuliche Geburt Christi gebraucht: „Der D. ist im Feuer unzerstörbar.“ Als Quelle dient Isidor v. Sevilla, Etym. 16, 3, 2. Bei Berthold von Regensburg heißt es: „Nû sich gîtiger, daz den herten adamas bockes bluot erweichet und daz dich gotes lîchnam und sin bluot niht erweichen kan“ (ed. F. Pfeiffer – J. Strobl II, 1880, S. 144).

II. D. als Schmucksteine

a) im MA

Die Geschichte der Verwendung des D. als Schmuckstein beginnt in Europa verhältnismäßig spät. Die Antike kannte in der Goldschmiedekunst nur mugelig (mit erhabener Oberfläche) geschliffene Halbedelsteine (Gerda Bruns, Schatzkammer der Antike, Berlin 1946, S. 27). Das MA, das bei kostbaren Goldschmiedearbeiten gern bunte Steine häufte, bevorzugte bis zum 13. Jh. vor dem D. andere Edelsteine (Saphire, Rubine, Smaragde, Topase) sowie Halbedelsteine. Geschmack am D. fand man erst, seitdem man im 13. Jh. (?) gelernt hatte, seine natürlichen Flächen zu polieren und D. zu Spitzsteinen zu verarbeiten, und zwar am frühesten in Kreisen der englischen und französischen Hofkunst.

1261 legte König Heinrich III. von England in der Kirche eine Fibel (firmaculum) mit 2 D. nieder, 1352 ließ der franz. König seine goldene Krone mit 15 D., Rubinen und Perlen verzieren (Gay I S. 549). In dem 1360–68 aufgestellten Inventar des Herzogs von Anjou werden je ein Reliquienkästchen und Salzfaß mit D. erwähnt [1, S. 83]. 1412 erscheint im Inventar des Herzogs von Berry eine Kußtafel mit 14 D. (Braun, Altargerät S. 572), 1416 ebd. eine Anzahl von D.-Ringen (Gay a. a. O.), 1420 im Nachlaß-Inventar Herzog Johanns von Burgund ein Anhänger mit einem großen, von Perlen und Rubinen umgebenen D., die sog. „drei Brüder“ ([2] S. 93; Norbert Lieb, Die Fugger u. die Kunst I, München 1952, S. 83ff. und Abb. 40). Ein besonderer Liebhaber von D. war Karl der Kühne von Burgund. Er soll den angeblichen Erfinder des Facetten-(Rosetten-)schliffs, den Steinschneider Louis de Berken in Brügge – dort bestand bereits seit 1465 eine Zunft der „Diamantslipers“ –, beschäftigt und 3 große D. besessen haben. Einen „köstlichen Stein und D. von großer wirdigkeit, eine halbe boumnus gros und ingefasset in golde“ trug er nach dem Zeugnis des Berner Chronisten Diebold Schilling in der Schlacht bei Grandson (1476) als Talisman und verlor ihn. Der D. ist vielleicht identisch mit dem in der Wiener Schatzkammer in barocker Fassung als Hutagraffe erhaltenen „Florentiner“ (139½ Kar.; Abb. 2; J. v. Schlosser, Die Schatzkammer in Wien, Wien 1918, Textbd. Abb. 42). Andere D.-Schmuckstücke Karls des Kühnen wurden 1476 durch die Eidgenossen erbeutet und 1504 an Jakob Fugger verkauft (N. Lieb a. a. O. S. 82ff. und Abb. 39–42). Auch in Italien erfreute sich der D. schon im Quattrocento hohen Ansehens. Eine ital. Mezzomajolikaschüssel (E. 15. Jh., Hamburg, Mus. f. K. u. Gew.) zeigt im Spiegel den D. der Este, einen Fingerring mit pyramidenförmig geschnittenem Stein (Kat. K. Hüseler, 1938, S. 58). In Deutschland sind D. - Polierer seit 1373 in Nürnberg nachweisbar [1, S. 82]. Über ihre Leistungen ist jedoch ebensowenig bekannt wie über die Arbeiten der um 1400 in Paris tätigen deutschen D.-Schneider bzw. Polierer (Gay a. a. O.) und über die Herkunft der mit D. besetzten Kleinodien, die die Tochter Kaiser Sigismunds, Elisabeth, 1440 als Witwe des deutschen Königs Albrecht II. verpfändete [2, S. 94f.].

Das D.-Kreuz am Stirnreif der Votivkrone in der Schatzkammer des Aachener Münsters (2. H. 15. Jh.) dürfte wie die ganze Krone burgundischen Ursprungs sein, wenn es nicht erst bei der Restaurierung 1865 hinzugefügt wurde (Inv. Rheinprov. 10, S. 248). Von den D. an der spätgot. Monstranz mit dem hl. Nagel im Bamberger Domschatz wird angenommen, daß sie eine Zutat des 18. Jh. sind (Kat. Bassermann-Jordan/Schmid, 1914, S. 34).

b) im 16. Jh.

Die ältesten deutschen Goldschmiedearbeiten mit D. in ursprünglicher Form und Fassung (Tafelsteine in Kästen) gehören dem 16. Jh. an. Es sind die mit 7 D., Rubinen, Saphiren und Perlen besetzte goldene Kußtafel des Kardinals Albrecht von Brandenburg im Kölner Domschatz, Nürnberg (?) um 1530 (Abb. 1), der Hochzeitsring Herzog Albrechts V. von Bayern (deutsch um 1545, München, Schatzkammer der Residenz), ein goldemaillierter Anhänger (um 1570, Köln, Kunstgewerbe-Mus. aus Slg. Clemens), ein Kruzifix in der Schatzkammer der Reichen Kapelle in München, E. 16. Jh. (Kat. F. Haeberlein, 1939, Nr. 140), zwei Ringe in Pforzheim, 2. H. 16. Jh. (Paul Debo, Alte Ringe, Pforzheim 1923, Taf. Vf.), und einige Schmuckstücke des ehem. Grünen Gewölbes in Dresden: ein goldener Ring mit D.-Raute, M. 16. Jh., mehrere Anhänger aus der 2. H. 16. Jh. sowie zwei Löffel, deutsch 2. H. 16. Jh. und Dresden E. 16. Jh. (Sponsel III, Taf. 1, 2, 4, 10 und 11). Dieser Bestand an maßvoll mit D. dekorierten Originalen wird ergänzt durch bildliche Wiedergaben, wie das an Stelle der Nagelköpfe D. zeigende Standkreuz des Halleschen Heiltums, deutsch um 1520 (Halm-Berliner Taf. 40 b), den D.-Schmuck auf Cranachs Bildnis der Sibylle von Cleve von 1526 (Weimar, Schloßmuseum; Friedländer-Rosenberg, Abb. 244), die Pergamentminiaturen vom Burgunderschatz im Hist. Mus. Basel, um 1506, Hans Mielichs Pergamentminiatur einer D.-Kette des bayer. Herzogshauses im B. N. M., um 1555, Arnold Lulls’ Entwurf eines D.-Anhängers in London (Abb. 3) u. a., sowie durch archivalische Nachrichten, denen zufolge z. B. die Herzogin Anna von Sachsen bei ihrer Vermählung 1548 als Mitgift bzw. Morgengabe Halsbänder, Ringe sowie je ein Kleinod, Armband und Kreuz mit D. erhielt (Sponsel III, S. 7f.). An den übrigen deutschen Fürstenhöfen waren D. ähnlich beliebt (vgl. z. B. Wagner, Der Schatz der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg, Hohenzollern-Jb. 6, 1902, S. 70ff. – Einige weitere Beispiele s. [7]).

In Frankreich erreichte der D.-Luxus im 16. Jh. eine solche Höhe, daß man vielen Reichen nachsagte, sie trügen ihre Mühlen, Wälder und Wiesen auf den Schultern [1, S. 227]. Als hervorragende, mit D. verzierte Goldschmiedearbeiten der franz. Renaissance gelten der dem Erzherzog Ferdinand von Tirol-Ambras von König Karl IX. von Frankreich geschenkte goldene Michaelspokal im Wiener Kh.Mus., um 1530/40 (Kat. E. Kris, 1932, Taf. 21–23, 83) und das große Kollier Karls V. in Paris, Slg. Rothschild. In Italien ließ Papst Julius II. an seiner Tiara eine Inschrift aus D. anbringen (Braun, Lit. Gewandung S. 507) und faßte Cellini, der in seinem Traktat über die Goldschmiedekunst den D.-Schliff beschreibt, D. für hohe Auftraggeber wie Papst Paul III. Sogar Michelangelo zollte dem D. seinen Tribut, indem er der Frau seines Neffen 1553 zu ihrer Verheiratung einen D.-Ring schickte.

c) im 17. Jh.

In Deutschland steigerte sich im 17. Jh. bei den zur absoluten Macht gelangten geistlichen und weltlichen Fürsten die Freude an der Repräsentation durch D. erheblich, zumal seit etwa 1660 in Frankreich und den Niederlanden als Brillanten geschliffene D., also D. in vollendeter, den Stein zu höchster Wirkung bringender Schlifform, greifbar wurden. Man beschränkte sich jetzt nicht mehr auf einzelne D., sondern vereinigte Gruppen von D. – oft Hunderte von Stücken – zu Mustern und kontrastierte diese wie in älterer Zeit mit farbigen Edelsteinen, vor allem Rubinen. Die wichtigsten Beispiele der kirchlichen Goldschmiedekunst des 17. Jh. sind: eine goldene Prunkmonstranz im Kölner Domschatz, Augsburg 1658 (Fr. Witte, Die Schatzkammer des Domes zu Köln, Augsburg 1927, Abb. 28), eine Monstranz mit 1792 D. im Salzburger Domschatz, 1697 (Inv. Österr. IX, Taf. 8), ein goldener Barockkelch mit 201 D. in St. Peter in Salzburg, 1699 (Inv. Österr. XII, Taf. 9f.), eine Monstranz und ein Kelch im Limburger Domschatz, beide E. 17. Jh. (Inv. R. B. Wiesbaden III, Abb. 92f.). – Für die weniger auf Repräsentation bedachte protestantische Kirche scheinen im 17. Jh. in Deutschland keine Geräte mit D.-Schmuck hergestellt worden zu sein.

An profanen Arbeiten des 17. Jh. begegnen D. bei dem Narwalbecher des Prager Hofgoldschmieds Andreas Osenbruck (um 1615, Wien, Kh. Mus.; Städel-Jb. 9, 1935/36, 221), einer Halskette in der Schatzkammer der Münchner Residenz, einem Anhänger des Pfalzgrafen bei Rhein, um 1630, im G. N. M. zu Nürnberg sowie bei zahlreichen teilweise mit Rubinen, Smaragden und Emails ausgestatteten Stücken des ehem. Grünen Gewölbes (Sponsel II, Taf. 28; III, Taf. 4, 12, 31, 38).

Kurfürst Johann Georg IV. von Sachsen, der Bruder Augusts des Starken, ließ um 1693 zwei Reitzeuge für sich mit 40 bzw. 700 D. besetzen (ehem. Dresden, Hist. Mus.).

An den kleineren deutschen Höfen wurde im 17. Jh. ebenfalls mit D. geprunkt. Herzog Philipp II. von Stettin-Pommern sandte Ph. Hainhofer 1611 30 D. für den Pommerschen Kunstschrank, und Graf Ernst zu Schaumburg bezog 1615 nicht nur Kleinodien, Halsbänder, Ohrgehänge, Ringe, Haarnadeln, Hutschnüre und Kleiderknöpfe mit D., sondern ließ 1620 einen Spiegelrahmen mit der für jene Zeit unerhörten Zahl von 1242 D. dekorieren (Rob. Bruck, Ernst zu Schaumburg, Berlin 1917, S. 57).

Außerhalb Deutschlands haben im 17. Jh. in fast allen Ländern Europas D. als Schmucksteine gedient. So z. B. bei einem goldenen Altarkelch der Schwester König Christians IV. von Dänemark (um 1630, Kopenhagen, Schloß Rosenborg), dem Ritterschlagdegen desselben Königs (um 1630, ebd.), einem vom engl. Königshaus nach Dänemark geschenkten Juwelenkästchen (um 1670, ebd.), dem Spazierstock König Joh. Sobieskys von Polen (um 1690, ehem. im Grünen Gew.; Sponsel III, Taf. 12) und einer Sonnenmonstranz (um 1700, Lissabon, Herz-Jesu-Kloster). Kurfürst Max Emanuel von Bayern erwarb E. 17. Jh. als Statthalter der Niederlande in Brüssel eine aus Brillanten und Rubinen bestehende Festgarnitur [2, S. 122].

d) im 18. Jh.

Das 18. Jh., die Blütezeit der Juwelierkunst, brachte den Höhepunkt im D.-Kult. Insbesondere August der Starke konnte sich gleich einem orientalischen Fürsten nicht genug darin tun, die Prunkschalen, -dosen, -uhren, -vasen und figürlichen Kompositionen seiner Hofgoldschmiede durch reichen, meist in Reihen angeordneten D.-(Brillant)-Schmuck und andere Edelsteine noch kostbarer machen zu lassen. Die Fülle der für ihn gefertigten, ehem. im Grünen Gewölbe aufbewahrten Arbeiten ist so groß, daß nur einige von dem Hauptmeister, Dinglinger, genannt werden können:

Hofhalt zu Delhi mit über 3000 D., 1701–08 (Sponsel III, Taf. 40), gold. Kaffeegeschirr mit etwa 5600 D., 1710 (Ebd. II, Taf. 68), Ziergefäß mit Kinderbacchanal, 1711 (Ebd. III, Taf. 49), Herkulesschale, 1713 (Ebd. III, Taf. 50), Dianabad, um 1720 (Ebd. III, Taf. 54), Apisaltar, 1731 (Ebd. III, Taf. 59). Der größte und kostbarste D. des Hauses Wettin ist der von August dem Starken erworbene, als Achselschleife gefaßte Weiße Sächsische Brillant, ehem. im Grünen Gewölbe (48½ Kar.; Abb. 5). Bei dem Schmuckstück tritt wie bei der Wiener Hutagraffe mit dem Florentiner (s. o.) die Goldschmiedearbeit gegenüber der Pracht der Brillanten völlig in den Hintergrund.

Nächst August dem Starken und dem prunkliebenden König Friedrich I. v. Preußen, der den Insignien seiner Würde Hunderte von D. und Brillanten einfügte und bei seiner Krönung 1701 Gewandknöpfe und eine Mantelagraffe mit D. trug (Koser, Die Insignien und Juwelen der preuß. Krone, Hohenzollern-Jb. 17, 1913, S. 1ff.), war Friedrich d. Gr. unter den dt. Fürsten des 18. Jh. der größte Liebhaber von D. (Brillanten).

Er bevorzugte diese, vielfach in rosetten- und blütenförmiger Anordnung, bei der Dekoration von Tabatieren, die er von Berliner Kunsthandwerkern zum persönlichen Gebrauch und zu Geschenkzwecken aus Gold, Achat, Chrysopras (Sp. 767/8, Abb.) und Jaspis (Abb. 6), z. T. mit emaillierten figürlichen Szenen, um 1750 und 1770 herstellen ließ (Martin Klar, Die Tabatieren Friedrichs d. Gr., Leipzig 1929; Pantheon 9, 1932, 60ff.). Allein im Nachlaß Friedrichs d. Gr. fanden sich neben einem Stock mit brillantbesetzter Krücke aus Chrysopras und zwei gold. Taschenuhren mit brillantbesetzten Kapseln aus Blutjaspis 119 solcher Dosen. Die Gemahlin Friedrichs d. Gr. ließ einen Teil der preußischen Kron-D. mit dem aus der oranischen Erbschaft stammenden „Kleinen Sancy“ (34¼ Kar.) zu einem „Bouquet“ und Halsschmuck verarbeiten (Abb. 4).

An sämtlichen deutschen Fürstenhöfen und beim Hofadel waren bis E. 18. Jh. D.-Anhänger, Kolliers, Rock- und Westenknöpfe, Hutagraffen und Achselspangen, Uhren, Dosen, Schuhschnallen, Ringe, Stockgriffe, Degengefäße und -scheiden und dergl. mit D. im Gebrauch, wie außer den in vielen Museen vorhandenen Originalbeispielen Herren- und Damenbildnisse von Silvestre, Mengs, Marées, Ziesenis, Graff u. a. beweisen. Die Zahl der für die kath. Kirche im 18. Jh. in Deutschland geschaffenen Arbeiten mit D.-Schmuck ist demgegenüber gering. Zu nennen sind ein Votivkelch um 1730 und eine Monstranz von 1766 im Prager Domschatz (Inv. Prag, 1903, Abb. 127 und 130), die Strahlenmonstranz der Münchener Asamkirche um 1740 (Ausst. Kat. München B.N.M. 1952, Taf. 5), ein Tafelreliquiar von 1777 in der Schatzkammer der Reichen Kapelle in München (Haeberlein Nr. 112) und ein aus der Abtei Corvey stammendes Brustkreuz mit Brillanten im Kölner Domschatz (Witte S. 68). E. 18. Jh. hört die Verwendung von D. bei kirchlichen Geräten auf.

In den übrigen Ländern Europas herrichte im 18. Jh. an den Höfen die gleiche Vorliebe für D. wie in Deutschland. So trug Ludwig XV., der erste Besitzer des „Pitt“ oder „Regent“ (136 Kar.; Abb. 2) im französischen Kronschatz (jetzt im Louvre), des „schönsten aller existierenden großen Brillanten“, bei seiner Krönung als Hutagraffe den „Großen Sancy“ aus dem Besitz Karls des Kühnen. Peter d. Gr. und Katharina d. Gr. ließen ihre Kronen üppig mit D. ausstatten. Seit der Regierung Katharinas (1775) gehört der „Orlow“ (194,7 Kar.; Abb. 2) zu den russ. Kronjuwelen.

Im 19. Jahrhundert wandelte sich in ganz Europa das Bild. D.-Besitz war jetzt nicht mehr ein Privileg höfischer Kreise, sondern D. und Brillanten konnten von allen Wohlhabenden erworben und getragen werden. Durch Stilgefühl zeichnete sich besonders der nach klarer, ruhiger Wirkung strebende Schmuck der Empirezeit aus. Damals kamen in Anlehnung an die Antike die mit D. besetzten Diademe fürstlicher Frauen auf (s. Sp. 1373ff.). Im Lauf des 19. Jh. fanden D., wie in der Gegenwart, vorwiegend als Schmucksteine bei Ringen, Ohrringen und Broschen sowie als Monatssteine (April) Verwendung. Gefaßt werden D. neuerdings gern frei (à jour) und statt in Gold in Platin.

Eine bedeutende Rolle hat der D. bei den höchsten Orden zahlreicher europäischer Länder gespielt. Die ältesten Orden, deren Kleinodien schon im 16. Jh. mit D. besetzt wurden, sind der englische Hosenband- und der dänische Elefantenorden. Im Barock kamen der Danebrogorden, der russische St. Andreas- und Katharinenorden, der preußische Schwarze Adlerorden, der polnische Weiße Adlerorden, der österreichische St. Stephansorden und das Theresien-Kreuz sowie Brillantschmuck für den Orden vom Goldenen Vlies hinzu (s. auch Max. Gritzner, Hdb. der Ritter- und Verdienstorden, Leipzig 1893, und Klietmann-Neubecker, Ordens-Lexikon, Berlin [im Erscheinen]).

In der deutschen Heraldik kommen D. nicht selten als Wappenbilder vor (Beispiele: Familien Bernegger und Meyer aus Straßburg, Frhr. v. Wurmbrand, Gf. v. Bartenstein).

III. Verwendung als technisches Hilfsmittel

Der D. nimmt ferner wegen seiner Härte als technisches Hilfsmittel einen wichtigen Platz ein. Nach Plinius (nat. hist. 37, 60) wurden schon in der Antike in Eisen gefaßte D.-Splitter von Steinschneidern benutzt (A. Furtwängler, Antike Gemmen III, Leipzig 1910, S. 399). Seit dem 15. Jh. ist in Deutschland die D.-Gravierung in Glas, das Glasreißen, bezeugt (Rob. Schmidt, Das Glas, Berlin 1922- S. 225); im 16. Jh. stand es in Venedig, im 17. Jh. in Deutschland und Holland in hoher künstlerischer Blüte.

Von 1745–74 betätigte sich in Hildesheim der Kanonikus Busch aus Liebhaberei in dieser Technik, und zwar gravierte er nicht nur Gläser mit dem D., sondern dekorierte mit seiner Hilfe Meißner Porzellane mit künstlerisch hochwertigen geschwärzten Darstellungen in der Art von Radierungen.

Seit wann der D. zum Glasschneiden dient, steht nicht fest. Im MA wurde das Tafelglas für die Glasmalereien durch Erhitzen und Anfeuchten gebrochen und der Rand danach mit dem Kröseleisen abgekniffen (Theophilus, Schedula div. artium II, Kap. 18 [11. Jh.]; W. Theobald, Technik des Kunsthandwerks im 10. Jh., Berlin 1933, S. 38 u. 240). Ältere Schriftsteller führen das Glasschneiden mit dem D. auf den schon erwähnten Louis de Berken zurück; Leonardo da Vinci kennt bereits diese Verwendung des D. (F. M. Feldhaus, Die Technik der Vorzeit, Berlin 1914, S. 458). Gegenwärtig findet der D. außer beim Schneiden von Glas beim Abdrehen und Ausbohren von Stahl, im Bergbau und bei Tiefbohrungen ausgedehnte Verwendung.

Die synthetische Herstellung von D., um die sich die moderne Chemie seit Jahrzehnten bemüht, hat bisher zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt, so daß der natürliche D. weiter der unbestrittene König im Mineralreich ist.

Facettierten D. ähnliche Gebilde begegnen zuweilen in der Bauornamentik: s. Diamantierung, Diamantquader; ferner bei Möbeln, Gläsern, Elfenbeingerät, Bernsteinkugeln.

Zu den Abbildungen

1. Köln, Domschatz, Kußtafel des Kardinals Albrecht von Brandenburg. Gold mit Perlen und Diamanten, Emailplatte und -figuren. Nürnberg (?) um 1530. Phot. Bildarchiv Rhein. Museum Köln 45 729.

2. Etwa in Originalgröße: a) ein Karat; b) „Großmogul“, 194¾ Kar.; c) „Florentiner“, 139½ Kar.; d) „Regent“, 136 Kar. Nach Brockhaus 193015, Bd. V, Taf. geg. S. 241.

3. Arnold Lulls, Vorzeichnung für einen Diamantanhänger mit drei hängenden Perlen. London. Vict. u. Alb. Mus. Um 1610. Nach [7] Taf. 102.

4. Ehem. preußischer Kronschatz, Halskette von 23 Brillanten mit dem kleinen Sancy (34¼ Kar.) als Anhänger; dazu großer Brustschmuck (Bouquet) und Ohrringe. 18. Jh. Nach Hohenzollern-Jb. 1913, Taf. 10.

5. Ehem. Dresden, Grünes Gewölbe, Achselschleife mit dem Weißen Sächsischen Brillant, Hutagraffe und Blumenzweig mit Tropfen. Um 1730. Nach [6] Taf. 36.

6. Ehem. Berlin, Hohenzollern-Mus. Schloß Monbijou, Tabatiere Friedrichs d. Gr. Jaspis mit Gold und Brillanten. 3. V. 18. Jh. Nach Martin Klar, Die Tabatieren Friedrichs d. Gr., Leipzig 1929, Abb. 18.

7. Impresa des Antonio Carracciolo aus Jacobus Typotius, Symbola divina et humana etc., Prag 1601–03. Gestochen von Egidius Sadeler. Nach Ludwig Volkmann, Bilderschriften der Renaissance, Leipzig 1923, S. 59 Abb. 52.

Literatur

1. Karl Emil Kluge, Handbuch der Edelsteinkunde, Leipzig 1860. – 2. Ernst Bassermann-Jordan, Der Schmuck, Leipzig 1909. – 3. Alfr. Eppler, Der D. im deutschen Gewerbe und auf dem Weltmarkt, Leipzig 1917. – 4. Ders., Edelsteine und Schmucksteine, Leipzig 19342. – 5. Wilh. Rau, Edelsteinkunde, Leipzig 1921. – 6. Max Bauer-Schloßmacher, Edelsteinkunde, Leipzig 19323. – 7. Joan Evans, A History of Jewellery 1100–1870, London (1953). – 8. Gay I 549f.