Defensorium

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englisch: Defensorium; französisch: Defensorium; italienisch: Defensorium.


Friedrich Zoepfl (1954)

RDK III, 1206–1218


RDK III, 1029, Abb. 1. Joh. Eysenhut, 1471.
RDK III, 1209, Abb. 1. Stams (Tirol), 1426.
RDK III, 1213, Abb. 2. Br. Anton Pelchinger, 1459, München.
RDK III, 1213, Abb. 3. Friedrich Walther, Blockbuch 1470.
RDK III, 1217, Abb. 4. Füssen (ehem. Schleißheim), um 1450.
RDK III, 1217, Abb. 5. Br. Anton Pelchinger, 1459, München.

I. Begriff

Das Defensorium inviolatae virginitatis beatae Mariae ist ein spätmittelalterliches typologisches Werk, das mit Bildern von außergewöhnlichen Vorkommnissen in Geschichte, Sage und Natur und in erläuternden lateinischen (später auch deutschen) Versen beweisen will, daß Maria ohne Verlust der Jungfrauschaft Christus empfangen und geboren habe. Den Zweck des Werkes kennzeichnet der Vers des Wiener Miniaturblattes:

„Aspice naturam praeter cursum generantem. Credere sic debes Mariae virginitatem.“

II. Verfasser; Entstehungszeit; Zweck

Verfasser ist der Dominikaner Franz von Retz, geb. um 1343 zu Retz, N.Ö., Prof. d. Theol. an der Univ. Wien (bis 1424), † 1427 in Wien, der sich schon in mehreren Werken (Erklärungen zum Salve Regina u. zum Ave Maria) mit mariologischen Fragen beschäftigt hatte. Das Auftreten der Adamitensekte in Ober- u. Niederösterreich, die das Dogma von der unversehrten Jungfrauschaft Marias verwarf, vielleicht auch jüdische Polemik, mögen ihn zur Abfassung des D. veranlaßt haben. Ähnlich wie die Concordantia caritatis des Ulrich von Lilienfeld wird das D. zunächst für den Gebrauch des Klerus bestimmt gewesen sein. Entstanden sein dürfte es um 1400; die Urhandschrift ist nicht erhalten.

III. Vorläufer

Nach Zielsetzung u. Anlage schließt sich das D. an andere typologische Werke an, denen wohl auch Einzelheiten entnommen sind, so an die Armenbibel, die Concordantia caritatis und den Heilsspiegel. Auch die marianische Umdeutung von Symbolen, die bisher nur für Christus verwendet wurden, hatte schon vor Franz von Retz eingesetzt, zunächst in der Theologie (Honorius Augustod., 1. H. 12. Jh.) und in der Dichtung („Goldene Schmiede“ des Konrad von Würzburg, † 1287), dann in der bildenden Kunst, so am Westportal der St. Lorenzkirche in Nürnberg (14. Jh.), wo Löwe, Pelikan, Phönix, Strauß auf Maria bezogen sind. Die beiden Symbolreihen: brennender Busch, Rute Aarons, Fell Gideons, Porta clausa EzechielsEinhorn, Löwe, Pelikan, Phönix finden sich seit A. 15. Jh. als Rahmenstücke auf Tafelbildern mit Maria oder der Geburt Christi oder der Vermählung der hl. Katharina als Mittelstück, so auf einer Tafel von 1420 in Bonn (Sp. 247/48, Abb. 7), auf einem Flügel des Hauptaltares der ehem. Zisterzienserinnenkirche Hl. Kreuz in Rostock, 2. H. 15. Jh. (hier wie auf der Bonner Tafel die sinndeutende Beischrift: „Hanc per figuram noscas castam parituram“), auf der Grabtafel des 1464 † Theologieprof. Friedrich Schon in St. Lorenz zu Nürnberg, auf der Gedächtnistafel des 1478 † Ulrich Stark bei St. Sebald in Nürnberg sowie auf einer Altartafel, früher in Großgohlau (Schles.), um 1500. Nur die vier a.t. Vorbilder (Dornbusch, Rute Aarons, Fell Gideons, Pforte Ezechiels) rahmen die Darstellung der Geburt Christi auf einer kleinen Tafel in Neuwerk bei Mönchen-Gladbach von E. 15. Jh. Diese Zusammenstellungen sind kaum als verkürztes D. zu betrachten, sondern haben eher umgekehrt in ihrer frühesten Form Franz von Retz angeregt.

IV. Bedeutungswert und Herkunft der Sinnbilder und Gleichnisse im D.

Franz von Retz ist aber inhaltlich weit über das hinausgegangen, was er vorfand. Er hat den marianischen Symbolschatz bedeutend vermehrt, namentlich aus dem Gebiet der Natursage. Allerdings hat er keinen Anlauf genommen, eine engere, innere Verbindung zwischen dem jeweiligen Gleichnis und dem Wunder der Empfängnis und Geburt Christi herzustellen. Ihm sind die wunderbaren Vorkommnisse in Geschichte, Sage, Natur nicht eigentlich Symbole, sondern lediglich Beweise und Gleichnisse (Analogien) dafür, daß auch die jungfräuliche Geburt Christi möglich sei. Daher der in den Begleitversen ständig wiederkehrende Gedanke: Wenn in der Natur oder in der Geschichte ein solches Wunder möglich ist, wie etwa bei der Vestalin Tuscia, die mit einem Sieb Wasser schöpfte, oder beim Geier, der ohne Begattung seine Jungen hervorbringt, warum sollte es Gott unmöglich sein, seinen Sohn auf wunderbare Weise aus einer Jungfrau entstehen zu lassen?

„Si vultur parit corpore et ad hoc mare caret, Cur mistico spiramine virgo non generaret?“

Die literarischen Quellen, aus denen sich Franz von Retz die Nachrichten über wunderbare Vorkommnisse holte, sind in der Regel in den Beischriften zu den Bildern angegeben, wenn auch nicht immer genau und nicht immer zutreffend. Von antiken Schriftstellern hat er hauptsächlich Aelianus Claudius, Valerius Maximus, von christlichen Albertus Magnus, Augustinus, Bartholomäus, Anglicus, Isidor von Sevilla benutzt (Einzelheiten s. Abs. X).

V. Handschriften

Bekannt sind sechs Handschriften des D., sämtliche dem 15. Jh. angehörig, die Hälfte mit Bildern ausgestattet:

1. Clm. 4163, Bl. 102–104. 15. Jh. Ohne Bilder, nur 42 Bildunterschriften in leoninischen Versen.

2. Cgm. 3974, Bl. 92–113. Zw. 1446 u. 1466 entstanden. 43 farbige Zeichnungen in Kreisen von 14 cm Dm. mit lat. u. dt. Versen. Auf der Rückseite des Blattes mit dem 1. Gleichnis Darstellung der Geburt Christi.

3. Clm. 18077, Bl. 51–56 (Abb. 2 und 5). Die Hs. ist im Kloster Tegernsee 1459 von Bruder Anton Pelchinger aus Hofen († 1464/65) gefertigt. 46 Rundbilder von 9,5 cm Dm., begleitet von je zwei lat. Verszeilen. Auf einem ausgeschnittenen Blatt war wohl die Geburt Christi dargestellt (vgl. auch die Abb. Sp. 780 u. 903).

4. Clm. 706, Bl. 50–56. Geschrieben 1472 vom Br. Maurus in Kloster Ebersberg b. München. Wohl abhängig von Clm. 18077. Der künstlerische Wert der Bilder unter dem des Vorbildes. Den Bildern geht eine Darstellung der Geburt Christi voraus.

5. Ms. 172 der Konventsbibliothek des Dominikanerklosters Wien, Bl. 89 V. 15. Jh. Ohne Bilder, nur 20 lat. Verspaare.

6. Cod. lat. 4973 der Nat. Bibl. Wien, Bl. 248 bis 259. 1460. Ohne Bilder, nur 53 lat. Bildunterschriften u. Erläuterungen.

VI. Blockbücher

1. Blockbuch von 1470 (Abb. 3), hrsg. und wohl auch geschnitten von f. w., worunter der Glasmaler Friedrich Walther aus Dinkelsbühl verstanden wird, der 1460 das Bürgerrecht in Nördlingen erwarb und mit Hans Hurning den Erstdruck der Armenbibel herausbrachte (Jb. d. Hist. Ver. Nördlingen 18, 1934/35, 71, über Walther; Ebd. 22, 1940/41, 94, über Hurning). Das Blockbuch enthält Darstellung der Geburt Christi, 54 Gleichnisbilder und die 4 lat. Kirchenväter. Die Darstellungen sind handwerksmäßig. Vorhanden z. B. St. Bibl. München Xyl. 34; U.B.München Xyl. 7; St. Graph. Slg. München (aus Kloster „Bittrich“, wohl = Pittrichkloster München; s. die Abb. Sp. 336 u. 342). Faksimileausgabe nach St. Bibl. München Xyl. 34 von Kurt Pfister, Leipzig 1925.

2. Blockbuch von 1471. Gefertigt von Johann Eysenhut in Regensburg. Dieses Blockbuch ist wichtig, weil es den Namen des Verfassers überliefert hat. Es enthält außer Vorrede und kurzer Schlußabhandlung über die Parthenogenese im Tierreich Darstellung der Geburt Christi u. 44 Gleichnisbilder mit erläuternden lat. und dt. Versen. Vorhanden z. B. Berlin, Kk.; ehem. Gotha, L. B. (Blockbuch III 8). Vollst. abgebildet bei Schlosser [5] Taf. XVIII–XXIII.

VII. Wiegendrucke

1. Georg Reyser, Würzburg, 1475/80 (Hain 6084/85). Reyser lehnt sich an Blockbuch 1470 an, bringt aber einige neue Gleichnisse (Salamander, Hering, Diamant, zwei Quellen in Sizilien). Vorhanden Wien, Nat. Bibl. Inc. 4. H. 20.

2. Michael Reyser, Eichstätt, 1480. Angeführt bei Copinger Nr. 1949.

3. Johann u. Conrad Hist, Speyer, um 1485. Zwei Quartausgaben. Enthält Darstellung der Geburt Christi, 50 kleinere u. 2 größere Bilder. Abb. (vollst.) bei Schramm, Frühdrucke XVI, 644–96.

4. Leonhard Ysenhut, Basel, um 1490. Nachdruck der Speyrer Ausgabe. Abb. (vollst.) bei Schramm, Frühdrucke XXII, 262–312.

5. Paul u. Hans Hurus, Saragossa, zwischen 1485 u. 1499. Lehnt sich eng an Blockbuch 1470 an. Aus Georg Reyser wohl das Bild vom Salamander. Vorhanden Bibl. Nat. Paris. Veröff. von W. L. Schreiber [10].

Die Blockbücher und Inkunabeln können in drei enger zusammengehörige Gruppen zusammengefaßt werden: 1. Blockbuch 1471; 2. Blockbuch 1470, Reyser Würzburg, Hurus Saragossa; 3. Hist Speyer, Ysenhut Basel.

VIII. Bearbeitungen

1. Sebastian Brant, Contra Judaeos et Haereticos conceptionem virginalem fuisse possibilem argumentatio. Veröffentlicht unter den Varia Sebastiani Brant Carmina; Basel, Johannes Bergmann von Olpe, 1498; Straßburg, Johannes Grüninger, 1498. Neuausgabe von F. Zarncke, Leipzig 1854 (im Anhang zu S. Brants Narrenschiff). Statt der leoninischen Verse der Hss. u. Drucke bietet Brant flüssige lateinische Distichen.

2. M. P. Fabri, Ensuyt un petit traicté dialogue fait en l’honneur de Dieu et sa mère, nommé le defensore de la conception. Rouen, Martin Morin, 1514.

Mit der Reformation verschwindet das D. vom Büchermarkt.

IX. Das D. in Tafel-, Wand-, Miniaturmalerei und Plastik

1. An Tafelgemälden, die sich eng an das D. anlehnen, sind zwei bekannt:

a) Marienaltar in der Zisterzienserkirche Stams in Tirol (Abb. 1). Dreiflügelig, Mitteltafel 260 × 104, Flügel 260 × 53,5 cm. Nach der (ungedruckten) Stamser Klosterchronik des P. Cassian Primisser (Additiones ad Annales Stamsenses 4, Kap. 28, S. 47) wurde das Altarwerk 1426 von der Familie Heuperger aus Hall i. T. gestiftet, deren Sohn Christophorus dem Stamser Konvent angehörte und den Bildvorwurf zusammenstellte („haec hieroglifica excogitavit“). Der Maler ist nicht bekannt. Die Mitteltafel zeigt in rautenförmigem Feld die Anbetung des Jesuskindes durch Maria. In den Ecken a.t. Typen der Jungfräulichkeit Marias; in den Zwickeln Einhorn, Löwe, Pelikan, Phönix; im oberen u. unteren Randfeld u. in den Flügeln weitere 14 Bilder aus dem D. In den Ecken der Flügel Johannes Ev., Ambrosius, Thomas v. Aquin, Augustinus mit Texten aus deren Schriften, die sich auf die Menschwerdung Christi u. die Jungfrauengeburt beziehen. Beschreibung u. Abb. bei Atz [8].

b) In der gleichen Art ist das Tafelbild der Bayer. St. Gem. Slgn. (ehem. in Schleißheim, z. Z. in der Galerie Füssen, Allgäu; urspr. in Ottobeuren) angelegt (Abb. 4). M. 15. Jh. Meister unbekannt. Auf Holz gemalt, einflügelig, 107 × 79 cm. Zahl u. Art der Bilder wie in Stams. Abb. [13] Taf. V.

2. In der Wandmalerei sind Anleihen beim D. gemacht im Kreuzgang des Domes zu Brixen. In den Gewölbezwickeln der 7. Arkade 12 Bilder aus dem D. Die dazu gehörige Darstellung der Geburt Christi befindet sich an der Hauptwand des gleichen Kreuzgangjoches. 2. H. 15. Jh.

3. Ein Pergamentblatt mit Bildern aus dem D. besitzt das Kh. Mus. Wien (Slg. f. Plastik u. K.gew., Inv. Nr. 4927; aus der Ambraser Sammlung). Unfertig; wohl österreichisch, 2. H. 15. Jh. Schlosser [5, S. 293] vermutet, daß es Vorlage für einen Kirchenmaler war. Um die Geburt Christi als Mittelstück sind außer den Evangelistensymbolen und drei Prophetenbildern 36 Gleichnisse gereiht, von denen sich 31 auch sonst im D. finden, 5 dagegen nur hier erscheinen (Sirenen, Strauß Salomons, Ichneumon, Pachomius auf dem Krokodil, musikalischer Brunnen). Schlosser denkt sich die Urform des D. ähnlich wie dieses Miniaturblatt und meint, daß erst nach Franz v. Retz die Urform in Einzelblätter aufgeteilt wurde. – [5, Taf. XVI].

4. Plastisch wurden Einzelheiten des D. gestaltet am Türflügel des Nordportals der Stiftskirche von Altötting (Bärin, Einhorn, Löwe, Pelikan, Phönix, Strauß). Die dazugehörigen Darstellungen der Geburt Christi u. der Anbetung der Könige am Flügel des Südportals. 2. Jahrzehnt des 16. Jh. – Abb. Inv. Bayern I, Taf. 264.

X. Die einzelnen Gleichnisse

Insgesamt werden in Bild und Vers 60 Gleichnisse überliefert. Weitaus die Mehrzahl ist in allen Quellen vertreten; ihre Reihenfolge ist nicht einheitlich. Sie gliedern sich in Gleichnisse aus dem A.T. (1), aus Geschichte, Sage, Legende (2), aus der Natur (3). Eine genaue Scheidung ist allerdings nicht in jedem Fall möglich.

In Klammern sollen die wichtigsten Fundstellen der Gleichnisbilder angegeben werden: a = Stams, b = ehem. Schleißheim, c = Clm. 18077, d = Blockbuch 1470, e = Blockbuch 1471, f = Wiener Miniatur, g = Inkunabel Reyser, Würzburg, h = Inkunabel Hurus.

1. Gleichnisse aus dem A.T.:

Moses am brennenden Busch, 2. Mos. 3, 2 (abdh); Gideons Vlies, Richt. 6, 40 (a b d h); Aarons blühende Rute, 4. Mos. 17, 23 (a b d h); Porta clausa Ezechiels, Hes. 44, 2 (a b d h); Sonnenuhr des Königs Hiskia, 2. Kön. 20, 8–11 (a b d h).

2. Gleichnisse aus Geschichte, Sage, Legende:

Einem neugeborenen männlichen Zwillingspaar in Deutschland öffneten sich verriegelte Türen, wenn es in deren Nähe gebracht wurde. Albertus Magnus, De motibus animalium 1, 3 (c–h)

Als Xerxes den Zug gegen Sparta plante, wurde beim Mahl dreimal nacheinander der Wein in Blut verwandelt. Valerius Maximus, 1, 6, ext. (c d e g h) (Abb. 2)

Aus der Stadt Toulouse floß ein Strom von Blut, was die Goten als Vorzeichen ihres Unterganges deuteten. Sigebert von Gembloux, Chronicon (Migne, P.L. 160, 88 AB) (c d g h) (Abb. 2)

Cyrus wurde als Kind ausgesetzt und von der Hündin eines Hirten gesäugt. Petrus Comestor, Historia scholastica, Lib. Danielis, Kap. 16, 15–35 (c d e f h) (Sp. 903, Abb. 2)

In der Campagna hat es i. J. 722 Weizen, Gerste, Bohnen geregnet. Sigebert v. Gembloux, Chronicon (Migne, P. L. 160, 137 D) (c d e g h)

Ein aus Lärchenholz (larix) gebauter Turm des Alpenkastells Larignanum konnte bei der Belagerung durch Caesar nicht verbrannt werden. Isidorus, Etymologiae 17, 7, 44 (a–e g h)

Während des 2. Punischen Krieges begann ein Rind zu sprechen („hut. dich. rom“). Valerius Max. 1, 6, 5 (c–h)

Die Vestalin Claudia hat ein Schiff der Göttin Cybele, das auf einer Untiefe des Tiber festgefahren war, zum Erweis ihrer Keuschheit mit ihrem Gürtel flottgemacht. Augustinus, De civitate Dei 10, 16 (c–f h)

Die Vestalin Aemilia hat das Feuer ihrer Göttin, das sie hatte erlöschen lassen, mit ihrem Schleier wieder zum Brennen gebracht. Valerius Max. 1, 1, 7 (c–h)

Die Vestalin Tuscia hat, um sich von dem Verdacht, ihre Keuschheit verletzt zu haben, zu reinigen, in einem Sieb Wasser aus dem Tiber zum Tempel der Vesta getragen. Augustinus, De civ. Dei 10, 16 (c–h)

In einem Tempel waren oben und unten unsichtbare Magnete angebracht, mit deren Hilfe ein ehernes Götzenbild (oder Mohammeds Sarg) zur Täuschung des Volks frei schwebend in der Luft gehalten wurde. Augustinus, De civ. Dei 21, 6 (c–e g h)

Der Wind hat einmal einen Bauern (oder Schäfer) vom Felde (von der Herde) weg in die Lüfte getragen. Albertus M., De meteoris (?) (c–h)

Circe hat die Genossen des Odysseus in Tiere verwandelt. Augustinus, De civ. Dei 18, 17f. (e–h) (Sp. 780 Abb. 2; Abb. 3)

Danaë wurde von Zeus in Gestalt eines goldenen Regens übermannt. Augustinus, De civ. Dei 18, 13 (a–e g h) (Sp. 1029 Abb. 1)

Die Genossen des Diomedes wurden in Vögel verwandelt. Augustinus, De civ. Dei 18, 16 (c–e g h)

In einem Venustempel soll es einen Leuchter gegeben haben, dessen Licht im Freien auch bei Sturm und Regen nicht erlosch. Augustinus, De civ. Dei 21, 6 (c–e g h)

Jupiter als Stier von Europa geküßt. Ovid, Metam. 2, 842–875 (e)

Sirenen schläferten die Genossen des Odysseus ein. Ovid, Metam. 5, 551–563 (f h)

Arion, von einem Delphin getragen. Claudius Aelianus, De animalium natura 12,45 (f h)

Eine Frau (Jungfrau) wurde durch Zauber in ein Pferd verwandelt und zum Wüstenvater Makarius gebracht (Vitas patrum, Nürnberg, Anton Koberger, 1483, Bl. XIIr) (c–e g h)

Der Wüstenvater Pachomius wurde von Krokodilen über den Nil getragen (Vitas patrum, Nürnberg, Anton Koberger, 1483, Bl. LXv) (f).

3. Gleichnisse aus der Natur:

Einhorn, von einer Jungfrau gezähmt. Isidorus, Etym. 12, 2, 13 (a–h)

Dünste, die von der Erde aufsteigen, können sich in den Wolken unter dem Einfluß der Gestirne zu (unbelebten) Tieren (Kälbern) formen. Albertus M., De meteoris 3, 3, 20 (ed. Borgnet, Paris 1891) (c–h)

In Kappadokien können die Stuten auch vom Winde trächtig werden. Augustinus, De civ. Dei 21, 5 (a–h)

Die Bärin gebiert ihre Jungen formlos (oder durch die Nase) und gibt ihnen erst nach der Geburt durch Belecken ihre Gestalt. Isidorus, Etym. 12, 2, 22 (a–e g h)

Die Löwin gebiert ihre Jungen tot; nach drei Tagen weckt sie der Löwe durch sein Gebrüll zum Leben. Isidorus, Etym. 12, 2, 5 (a–h) (Abb. 2)

Der Ichneumon beschmiert sich, um sich unkenntlich zu machen, mit Lehm und tötet so den Drachen, der ihn angreift. Physiologus Kap. 26 (Ausg. v. Fr. Lauchert S. 257) (f)

Pelikan. Isidorus, Etym. 12, 7, 26 (a–h)

Der Vogel Charadrius zeigt durch die Stellung seines Kopfes an, ob ein Kranker gesundet oder stirbt. Albertus M., De animal. 23, 37 Der Geier bringt seine Jungen ohne Begattung hervor. Bartholomaeus Anglicus. De proprietatibus rerum 12, 35 (a–h)

Phönix. Isidorus, Etym. 12, 7, 22 (a–h) (Abb. 2)

Das Federkleid des Eisvogels (isida o. ä.) erneuert sich alljährlich, wenn es ihm abgezogen und an eine Wand geheftet wird. Albertus M., De animal. 23, 123 (a–h) (Abb. 3 und 4)

Der Vogel Carista kann, ohne Schaden zu nehmen, durch Feuer fliegen. Albertus M., De animal. 23, 34 (a–h) (Sp. 342, Abb.)

Der Vogel Carabas (Barbas, Barliates) soll auf Bäumen wachsen. Albertus M., De animal. 23, 31 (a–h) (Sp. 336, Abb., RDK II 69/70, Abb. 3)

Der Vogel (oder Vierfüßler) Bonasa (Bonafa, Bonosa) begattet sich in der Weise, daß das Männchen aus seinem Schnabel Schaum in den Schnabel des Weibchens legt. Albertus M., De animal. 23, 30 (a–h)

Die Straußenhenne läßt ihre Eier von der Sonne ausbrüten. Isidorus, Etym. 12, 7, 20 (a–h)

Der Papagei kann ungelernt Ave oder Χαῖρε sprechen. Isidorus, Etym. 12, 7, 24 (c–e g h)

Salomons Strauß hat sein in ein Glas eingeschlossenes Junges mit Hilfe eines Wurmes daraus befreit. Gesta Romanorum Nr. 256, append. 60 (ed. H. Oesterley, Berlin 1872, S. 662) (f)

Gewisse Muscheln begeben sich nachts ans Meeresgestade, öffnen sich dem Tau des Himmels und erzeugen so Perlen. Isidorus, Etym. 12, 6, 49 (a–h)

Der Salamander frißt Feuer. Isidorus, Etym. 12,4, 36 (g h)

Der Hering (alec; wohl = alse = clupea alosa) nährt sich nur vom Wasser. Isidorus, Etym. 12, 6, 39 (g)

Im Lande Alumnia gibt es Eichen, deren Zweige, wenn sie in die Erde gesteckt werden, Reben hervorbringen. Albertus M., De vegetabilibus et plantis 5, 1, 7 (a–h) (RDK II 69/70, Abb. 3)

Auf der indischen Insel Thylos (= Samak im Pers. Meerbusen) verlieren die Bäume niemals ihre Blätter. Augustinus, De civ. Dei 21, 5 (c d e g h)

Gewisse Magnetfelsen ziehen das Fleisch des Menschen an. Albertus M., De mineralibus 2, 2, 11 u. 2, 3, 6 (c–h) (Abb. 3 und 5)

Der Asbeststein in Arkadien verlöscht, einmal angezündet, nicht mehr. Augustinus, De civ. Dei 21, 5 (c–e g h)

Wer von Gorgonen angeblickt wird, verwandelt sich in Stein. Albertus M., De mineral. 1, 2, 8 (c–h)

In Venedig zeigte sich in einem zersägten Marmorblock ein Königskopf. Albertus M., De mineral. 2, 3, 1 (c–h)

Der Glanz des Selenitsteines in Persien nimmt zu und ab mit dem Mond. Augustinus, De civ. Dei 21,5 (c–e g h)

Bei Lübeck wurde im Meer ein versteinerter Baumast mit versteinerten Vögeln im Nest gefunden. Albertus M., De mineral. 1, 1, 7 (c–h)

Aus Dünsten kann sich in Wolken Meteoreisen bilden, das dann tropfenweise zur Erde fällt.

Albertus M., De meteoris 3, 3, 20 (ed. Borgnet) (c d e g h) (Abb. 3)

Diamant ist unzerstörbar im Feuer. Isidorus, Etym. 16, 3, 1 (g)

Eine Quelle in Schweden verwandelt alles, was in sie getaucht wird, in Stein. Albertus M., De mineral. 1, 1, 7 (c–h)

Eine Quelle in Epirus kann erloschene Fackeln entzünden. Augustinus, De civ. Dei 21, 5 (d h)

Durch Musik wurde bei anhaltender Dürre aus einem tiefen Brunnen (Quelle) Wasser hervorgelockt. Gesta Romanorum Kap. 150 (ed. Oesterley S. 507) (f)

In Sizilien gibt es zwei Quellen, von denen die eine Unfruchtbare fruchtbar, die andere Fruchtbare unfruchtbar machen kann. Isidorus, Etym. 13, 13,5 (g).

Zu den Abbildungen

1. Stams in Tirol, Zisterzienserkloster, Marienaltar. 1426. Dreiflügelig, 260 × 104 bzw. 53,5 cm, Holz. Phot. Landeskonservator für Tirol, Innsbruck.

2. München, St.Bibl., Clm. 18 077. Defensorium-Hs. des Bruders Anton Pelchinger von Tegernsee, fol. 54 r. 1459. 38,5 × 26,5 cm. Phot. RDK.

3. Friedrich Walther aus Dinkelsbühl, Blockbuch, Nördlingen 1470, Bl. 9. 25,6 × 17,6 cm. Phot. nach dem altkolorierten Expl. der St.Graph.Slg. München.

4. Bayer.St.Gem.Slgn., Inv.Nr. 1472 (z. Z. Staatsgalerie Füssen i. Allg., ehem. Schleißheim). Marienaltar aus Ottobeuren, Ausschnitt: Eisvögel. Allgäu um 1450. Orig. Gr. d. Ausschnitts ca. 15 × 16 cm, Holz. Phot. St.Gem.Slgn., München.

5. München, St.Bibl., Clm. 18 077 (s. ob. Abb. 2), fol. 54 v. Ausschnitt: Magnetfelsen. Äuß. Dm. des Rundbildes 9,3 cm. 1459. Phot. RDK.

Literatur

1. A. Schultz, Die Legende vom Leben der Jungfrau Maria, E. A. Seemanns Beiträge z. Kg. H. 1, Leipzig 1878, S. 50. – 2. A. Salzer, Die Sinnbilder und Beiworte Mariens, Seitenstetten 1893. – 3. F. Schlie, Altertümer aus Kirche u. Kloster d. hl. Kreuzes zu Rostock, Zs. f. chr. K. 8, 1895, 169–86; 267–82. – 4. B. Riehl, Studien z. Gesch. d. bayer. Malerei d. 15. Jh., Oberbayer. Archiv 49, 1895/96, 98–103. – 5. J. v. Schlosser, Zur Kenntnis d. künstl. Überlieferung im späten MA, Jb. Kaiserh. 23, 1902, 287–313. – 6. St. Beissel, Die kunsthist. Ausstellung in Düsseldorf. Darstellung der jungfräulichen Mutterschaft Mariens aus d. Prov. Mus. Bonn, Zs. f. chr. K. 17, 1904, 353–60. – 7. Ph. M. Halm, Zur marianischen Symbolik des späteren MA. Defensoria inv. virg. b. Mariae, Zs. f. chr. K. 17, 1904, 119–26; 179–88; 207–18. – 8. Karl Atz, Hochgotischer Marienaltar in Stams, Zs. f. chr. K. 18, 1905, 321–28. – 9. St. Beissel, Gesch. d. Verehrung Marias in Deutschland während des MA, Freiburg Br. 1909, S. 477–79. – 10. W. L. Schreiber, Defensorium inv. virg. Mariae aus der Druckerei der Hurus in Saragossa, Faksimile-Reproduktion, Weimar 1910. – 11. Gallus M. Häfele, Franz von Retz. Ein Beitrag z. Gelehrtengesch. des Dominikanerordens u. d. Wiener Universität am Ausgang d. MA, Innsbruck-Wien-München 1918, S. 359–92. – 12. Defensorium immaculatae virginitatis, Faksimiledruck des Blockbuches von 1470, m. Begleitwort v. Kurt Pfister, Leipzig 1925. – 13. Molsdorf Nr. 855–63 und 881–930.

Verweise