David

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englisch: David; französisch: David; italienisch: Davide.


Robert L. Wyss (1954)

RDK III, 1083–1119


RDK I, 315, Abb. 25. Aschaffenburg, Schloßkapelle.
RDK I, 369, Abb. 3. Jakob Cornelis van Oostsanen, Kassel.
RDK I, 823, Abb. 11. Osnabrück, Marienkirche, Altarpredella, um 1430.
RDK II, 1001, Abb. 6. Trebnitz, Klosterkirche, Westportal, 1. H. 13. Jh.
RDK III, 1085, Abb. 1. St. Gallen, 9. Jh.
RDK III, 1085, Abb. 2. Paris, 10. Jh.
RDK III, 1087, Abb. 3. Augsburg, A. 12. Jh.
RDK III, 1089, Abb. 4. London, 11. Jh.
RDK III, 1089, Abb. 5. Donaueschingen, 12. Jh.
RDK III, 1089, Abb. 6. Paris, 13. Jh.
RDK III, 1093, Abb. 7. New York, 12. Jh., Winchester-Bibel.
RDK III, 1095, Abb. 8. Mailand, A. 13. Jh., Trivulzio-Kandelaber.
RDK III, 1097, Abb. 9. Bern, E. 13. Jh.
RDK III, 1099, Abb. 10. Bamberg, 13. Jh.
RDK III, 1099, Abb. 11. St. Gallen, 14. Jh.
RDK III, 1101, Abb. 12. Valeria ob Sitten, E. 14. Jh.
RDK III, 1101, Abb. 13. Blockbuch, 1471, Armenbibel.
RDK III, 1103, Abb. 14. a und b. Konrad Witz, um 1435. Basel.
RDK III, 1105, Abb. 15. Basel, M. 14. Jh.
RDK III, 1105, Abb. 16. Klosterneuburg, um 1440.
RDK III, 1109, Abb. 17. Jakob Ruß, 1523, Bern.
RDK III, 1111, Abb. 18. Ulm, 1572.
RDK III, 1113, Abb. 19. Wilhelm Stettler, 2. H. 17. Jh., Bern.
RDK III, 1117, Abb. 20. Joh. Bapt. Zimmermann, 1744, Berg am Laim.

I. Quellen

D. (hebr. = Freund, Liebling), jüngster Sohn des Bethlehemiten Isai aus dem Stamm Juda, wurde in frühester Jugend auf Befehl des Herrn durch den Propheten Samuel zum König gesalbt und später (nach Saul) zweiter und bedeutendster König von Israel (ca. 1042–973 v. Chr.). In seiner Jugend galt er für besonders wohlgestaltet, war des Saitenspieles kundig und auch im Alter durch Tapferkeit, Klugheit und Weisheit ausgezeichnet. Der Ruhm D. als Dichter und Sänger gründet sich in späterer Zeit vor allem auf die Überschriften im Psalter, die ihm 73 oder 83 Psalmen zuschreiben. Als gottesfürchtiger Herrscher ist D. in die messianische Zukunftshoffnung eingegangen: die Propheten verstehen das Reich D. als Hinweis auf die messianische Herrschaft und erwarten den Messias als Sproß D. (vgl. 1. Mos. 49, 10) [6].

Die wertvollste Quelle für D. Leben ist das A.T.: 1. Sam. 16, 1 bis 1. Könige 2, 11; 1. Chron. 10, 14 – 29, 30. Dazu kommen die Sprüche des Jesus Sirach 47, 1–11 (Luther, Apokr. [Jes. Sir. 47, 1–13]; vgl. a. Emil Kautzsch, Die Apokryphen und Pseudepigraphen des A.T., Tübingen 19212, I S. 459f.).

Von m.a. Quellen sind einige Glossare zur Vulgata des A.T. von Bedeutung. Das wichtigste exegetische Handbuch des MA war die „Glossa ordinaria“ des Walafried Strabo, † 849. Anselm von Laon, † 1117, schuf die „Glossa interlinearia“, die einen Kommentar in Form kurzer Glossen zum Psalter enthält. Etwa um 1140 veröffentlichte auch Petrus Lombardus, B. von Paris, † 1160, seine Kommentare zu Psalmen (genaues Verzeichnis sämtlicher erhaltener Hss. mit Kommentaren zum A.T. bei Hans Rost, Die Bibel im MA, Augsburg 1939). Wichtig ist auch die um 1170, ursprünglich in lateinischer Sprache, verfaßte „Historia scholastica“ des Pariser Kanzlers Petrus Comestor, da sie neben den erwähnten Hss. die Grundlage für zahlreiche spätere Historienbibeln, für die typologischen Schriften, die Weltchroniken u. a. war, und da sie selbst eine Kompilation ist nach der Hl. Schrift, den Werken des Hieronymus, Augustinus, Walafried Strabo, Flavius Josephus und anderen Schriften (erste dt. Übersetzung um 1400, ed. Vollmer, 1927).

Von allen Helden des A.T. wurde in der christlichen Kunst dem König D. die größte Verehrung zuteil. Dabei ist festzustellen, daß D. in der Frühzeit mehr als der Psalmist und Prophet im Bewußtsein der christlichen Welt lebt, während im späteren MA und vor allem in der Renaissance mehr der Kämpfer D. in den Vordergrund tritt.

II. Darstellungen in der frühchristlichen Kunst

Schon in frühchristlicher Zeit wurde er als Typus Christi angesehen. Der siegreiche Kampf mit dem Riesen Goliath (1. Sam. 17), die älteste bildlich dargestellte Szene aus dem Leben D., galt als Vorbild des Triumphes Christi über den Satan: „In figura Christi David, sicut Golias in figura Diaboli: et quod David prostravit Goliam, Christus est qui occidit diabolum“ (Augustini Enarr. 1. in Psalm 33, 4). Daneben wird der Goliathkampf auch allgemein als Kampf der ersten Christen und Märtyrer, die ohne Waffen ihrem Feinde entgegentreten, gedeutet. Volkstümliche Verbreitung erfuhr die symbolische Auffassung D. jedoch erst durch die homiletischen Schriften der Kirchenväter Ambrosius, Augustinus und Gregor. Aus frühchristlicher Zeit sind uns mehrere einzelne Darstellungen des Goliathkampfes bekannt, wobei jedoch die Darstellungen des mit der Steinschleuder kämpfenden D. überwiegen. Die frühesten Beispiele finden sich an einem Deckengemälde des Coemeteriums des hl. Callistus und auf altchristlichen Sarkophagen in Ancona, Reims, Wien und Marseille (Gius. Wilpert, Sarcofagi cristiani antichi II, Rom 1929, S. 264f.) sowie, neben Szenen des A.T. und N.T., auf der Lipsanothek von Brescia, 4. Jh. (W. F. Volbach, Elfenbeinarbeiten der Spätantike und des fr. MA, Kat. Röm.-German. Z.-Mus. 7, Mainz 19522, Nr. 107).

Im 4. Jh. entstanden auch die ersten Zyklen der Geschichte D. Die Reliefdarstellungen an der Holztüre von S. Ambrogio in Mailand (heute z. T. ergänzt) sind die ältesten bis jetzt bekannten Bilder. Das Programm hat der hl. Augustin um 380 vermutlich selbst bestimmt; zu erkennen sind folgende Szenen: D. besiegt den Löwen und Bären; Samuel salbt D.; Isai führt D. zu Saul; D. vertreibt mit seinem Harfenspiel den bösen Geist aus Saul; D. meldet sich zum Kampf gegen Goliath; Saul legt D. Rüstung an; D. Sieg über Goliath (A. Goldschmidt, Die Kirchentüre des hl. Ambrosius zu Mailand, Straßburg 1902).

III. In der byzantinischen Kunst

Eine bedeutende Rolle spielt das D.-Bild in der Bibel- und vor allem in der Psalterillustration des byzantinischen Kunstbereiches, wo ausgedehnte Zyklen entstanden sind. Ihre Einflüsse lassen sich nicht nur in den Wandmalereien und plastischen Werken der Zeit erkennen, sondern auch in der nördlichen Kunst bis ins späte MA hinein weiterverfolgen. Zuerst finden wir eine seltene Darstellung im Codex Rossanensis, 6. Jh., wo unterhalb der ersten zehn Szenenbilder, die Schriftfelder gleichsam als Rednerpulte benutzend, D. und weitere Propheten im Brustbild zu sehen sind; die Propheten, unter denen D. 22mal vertreten ist, weisen mit der erhobenen Rechten auf die Konkordanz der beiden Testamente. D. Attribut ist, außer dem Nimbus, eine breite, mit Edelsteinen besetzte byzantinische Krone (ed. A. Muñoz, Rom 1907). In ähnlicher Funktion steht D., mit offener Schriftrolle in der Hand, neben Moses im Evangelienfragment von Sinope, 6. Jh. (Paris, B. N., Suppl. gr. 1286; ed. A. Muñoz, ebd.). – In der griechischen Hs. der christl. Topographie des Kosmas Indikopleustes (Vatikan, ms. 699) und den damit verwandten Hss. in der Laurentiana in Florenz und vom Berge Sinai, die wohl alle auf ein älteres Vorbild des 6. Jh. zurückgehen, finden wir D. als königlichen Sänger, worin eine Vorstufe zum Titelbild des abendländischen Psalters im MA zu sehen ist.

Größere Zyklen aus der Geschichte D. sind auch im Osten bereits E. 4. Jh. vorhanden. Vierzehn Miniaturen mit der Geschichte Samuels, Sauls, Abners und D. sind in den Quedlinburger Italafragmenten (Königsbücher) aus dem 4./5. Jh. erhalten (Berlin, St.Bibl. theol. lat. fol. 485; ed. H. Degering und A. Boeckler, Berlin 1932). – Mit einem einzigartigen, acht Szenen umfassenden D.-Zyklus zu Beginn des Buches ist der griechische Psalter in Paris (B.N. ms. gr. 139), 10. Jh., illustriert, der als Vorlage eine Hs. des 6. Jh. gehabt haben mag. Allegorische Gestalten (nur in der byzantinischen Psalterillustration anzutreffen) bestärken durch ihre Anwesenheit die Handlungen des tugendhaften D.: „Melodie“ und „Echo“ lauschen mit dem Berggott „Bethlehem“ dem Leierspiel D. Beim Kampfe mit dem Löwen eilt dem jungen D. die „Stärke“ zu Hilfe. Der Salbung D. durch Samuel gibt „Milde“ ihren Segen. Den Kampf gegen Goliath unterstützt die geflügelte „Kraft“, während auf der Seite Goliaths „Übermut“ erschrocken flieht. Bei der Verehrung D. durch die Töchter Israels sind keine allegor. Figuren bezeichnet, doch setzt „Ruhm“ dem König D. bei seiner Schilderhebung ein Diadem aufs Haupt (Abb. 2). „Weisheit“ und „Prophezeiung“ umgeben den mit Nimbus versehenen und als byzantinischen Kaiser gekleideten D. und gestalten das Bild zur Apotheose (vgl. das verwandte Bild im Vatikan, Cod. Pal. gr. 381, fol. 2; J. Ebersolt, La miniature byzantine, Paris-Brüssel 1926, Taf. 25). In Gegenwart der „Reue“ richtet Nathan seine Strafpredigt an den sündigen D. (H. Omont, Facsimiles ... mss. grecs de la B.N., Paris 19292, Taf. 1–8). Ähnliche Darstellungen auch vereinzelt in anderen Hss. dieser Zeit.

Die späteren byzantinischen Hss.-Illustrationen können hier nicht behandelt werden. Unter den sechs Szenen, die das Malerbuch vom Berge Athos angibt, ist die seltene Szene mit D., der die Bundeslade nach Jerusalem bringt. Die Monumentalmalerei zeigt schon früh, in den Fresken des 5. Jh. in Bawit (Ägypten), die Geschichte D. in vielen Einzelbildern; im Vordergrund steht der Streit mit Goliath, in mehrere Kampfphasen aufgeteilt. Ein reichhaltiger Zyklus des 7. Jh. findet sich auf Silberschalen von Caravas, Zypern (M. Rosenberg IV, Berlin 1928 S. 637ff.). Auf einem Elfenbeinkästchen im Kircher-Mus. in Rom, mit 14 Szenen aus dem Leben D., die wohl einem Psalter nachgebildet sind, befinden sich neben den selteneren Szenen aus D. frühester Jugend (Geburt D. und D. bei seinen Eltern) die meist üblichen Bilder mit Goliath und Saul sowie die selteneren Szenen: Michal läßt D. im Korb die Mauer hinunter (1. Sam. 19, 12), und D. mit Abimelech. Eine ähnliche Bilderfolge enthält das jüngere 12seitige Elfenbeinkästchen des 12. Jh. im Domschatz von Sens, an sich eine abendländische Arbeit, die jedoch unter östlichem Einfluß geschaffen ist.

In der Vorhölle begegnen wir D., nach dem apokryphen Evangelium des Nikodemus (Acta Pilati, ed. C. Tischendorf, Evangelia apocrypha, Leipzig 18762, S. 389f.), regelmäßig in einem schon um 700 entstandenen byzantinischen Bildtypus, wo außer den Stammeltern Adam und Eva auch Johannes d. T. und König Salomon zugegen sind (Molsdorf Nr. 489). Die beiden Könige sind jeweils in byzantinischer Kaisertracht und mit einem Nimbus dargestellt. Zu den frühesten Bildwerken gehört ein Petersburger Evangelienfragment (J. Strzygowski, Der Bilderkreis des griechischen Physiologus, Leipzig 1899, S. 88). Zahlreiche Beispiele der Anastasis (Höllenfahrt) finden wir in Elfenbeinen des 10. und 11. Jh. (Goldschmidt-Weitzmann, S. 25, 37, 74, 77), in Hss., wie z. B. Paris, B.N. ms. grec. 74, aus dem 11. Jh. (H. Omont, Evangelis avec peintures byz. du XIe s. I u. II, Paris 1908, Abb. 53, 89, 181), in einer Exultet-Rolle aus 12. Jh. im Vatikan, Cod. Barb. lat. 592 (A. Boeckler, Abendländische Miniaturen, Berlin-Leipzig 1930, S. 123), auf einem venezianischen Diptychon in Bern (Abb. 9), sowie in monumentalen Bildwerken wie den Mosaiken von Daphni, Hosios Lukas und Torcello (M. Hauttmann, Die Kunst des frühen MA, Berlin [1929], S. 245 und 249).

IV. Das historische D.-Bild in der m.a. Kunst

Großer Beliebtheit erfreut sich das D.-Bild in der kirchlichen Kunst des Mittelalters. Theophilus beruft sich im Vorwort zum 3. Buch seiner „Schedula diversarum artium“, wo er die Anwendung aller Künste zum Schmuck der Kirche fordert, auf Psalm 25 (26), 8: „Domine, dilexi decorem domus tuae“ u. a. Psalmverse D. (ed. Wilh. Theobald, Berlin 1933, S. 59).

1. D. als königlicher Sänger

Für die Entwicklung des D.-Bildes in der m.a. Kunst waren von größter Bedeutung die Psalterillustrationen, die zum Hauptträger der Bibelillustrationen überhaupt wurden und für zahlreiche Zyklen mit historischen Bildern in der Plastik, in Wandgemälden, Mosaiken usw. die Vorbilder lieferten. In der Psalterillustration des frühen MA, welche die aus der byzantinischen Überlieferung her bekannte Ausstattung des Psalters mit ganzseitigen Bildern pflegte, entwickelte sich in der nordischen Kunst auch der Bildtypus des „königlichen Sängers“, der in verschiedenen Varianten das ganze MA hindurch immer wieder anzutreffen ist und bis in die Gegenwart hinein zur beliebtesten Darstellung D. wurde.

Das zur Tradition gewordene Titelbild zum m.a. Psalter findet sich bereits im Kosmas Indikopleustes, 6. Jh., (Vat. ms. 699) vorgebildet: D. sitzt auf einem Kissenthron, beidseitig von je drei übereinandergeordneten Chören von Musikern umgeben. Vor ihm tanzen zwei Tänzerinnen mit wehenden Tüchern. Während im einfacheren Bildtyp, im anglo-irischen Psalmenkommentar des Cassiodor um 800 (Durham, Kathedralbibl. B. II, 30), König D. mit Nimbus vorerst allein auf seinem Thron sitzend die Leier spielt, stehen im Canterbury Psalter (B. M. Cotton Vesp. A I), 8. Jh., seitlich des Thrones je ein Schreiber mit Schreibgerät, davor vier Hornbläser und zwei Klatscher. Im Psalterium aureum von St. Gallen (Stiftsbibl. cod. 22) tanzen um den gekrönten D. zwei Musikanten mit Gabelbecken und zwei Tänzer mit wehenden Tüchern (Abb. 1). D. wird auch selbst, wohl in Anknüpfung an seinen Tanz vor der Bundeslade (2. Sam. 6, 14), als Tänzer dargestellt; so im Psalter Karls des Kahlen in Paris (B. N. ms. lat. 1152). In der Viviansbibel (Paris, B. N. ms. lat. 1), 9. Jh., ist der leierspielende D., wiederum als Tänzer, nur mit der Chlamys und hohen Schnürstiefeln bekleidet, seitlich von den Schildwachen, je einem Vertreter von Krethi und Plethi und den sitzenden vier Psalmendichtern umgeben; in den Eckzwickeln, von der eigentlichen Szene isoliert, die vier personifizierten Kardinaltugenden. Ein erweitertes Bild enthält die Bibel von S. Paolo f. l. m., wo noch drei Schreiber hinzugefügt sind. In dem mailändischen Psalter und ambrosianischen Hymnenbuch (Vatikan, cod. lat. 83) sitzt König D., mit Krone, Zepter und Zither, auf dem Thron, umgeben von den namentlich bezeichneten Psalmendichtern Asaph, Aeman, Aethan und Idithun, die an Schreibpulten sitzen; darüber die Hand Gottes. Ein angelsächsischer Psalter (Cambridge, Univ. Lib. Ff I, 23) von A. 9. Jh. stellt diese Dichter, mit den gleichen Namen bezeichnet, als Musikanten dar. Die Taube des hl. Geistes inspiriert D., indem sie ihm ins Ohr flüstert (vgl. hierzu auch die Darstellungen im Lotharpsalter des B.M., Add. 377 768, oder in dem jüngeren Hildesheimer Albanipsalter).

Diese Bildmotive fanden verschiedene Nachahmungen auf elfenbeinernen Buchdeckeln (z. B.: karolingisches Elfenbein im Louvre, 9. Jh.; Elfenbein im Bargello in Florenz, wo eine Darstellung der „Domus Cedrina“ damit verbunden ist; Elfenbein in der fürstl. Hohenzoll. Slg. in Sigmaringen, Goldschmidt I, Nr. 141, Taf. 60; Nr. 113, Taf. 50; Nr. 135, Taf. 58).

Alle diese Bilder sind durch die dargestellten Musikinstrumente auch musikhistorisch wertvoll.

2. D. in der Bibel- und Psalterillustration

Zur frühesten zyklischen Psalterillustration gehört der Utrechtpsalter, 1. Dr. 9. Jh. (ed. E. T. de Wald, Princeton 1933). In diesem und in dem nordfranz. Psalter des 10. Jh. in Stuttgart (Bibl. fol. 23; ed. E. T. de Wald, Princeton 1930) und einigen Nachahmungen (z. B. London, B. M. Harley 603, 11. Jh.; Cambridge, Trinity College R. 17, Eadwinpsalter 11./12. Jh.; Paris, B. N. ms. lat. 8846, 12./13. Jh.) finden wir eine Wortillustration, wobei Textworte eines jeden Psalmes in Bilder übertragen sind, und der Psalmist D. jeweils als die sprechende Person in die Darstellung mit einbezogen ist. Der Utrechtpsalter hat zudem als Illustration zu dem apokryphen Psalm in einem Felde drei Szenen: der König D. vor seinem Hause, inmitten seines Gefolges thronend; D. die Schafe weidend; D. als Sieger mit dem Haupte Goliaths, und dann als Illustration zu Psalm 50 die Strafpredigt Nathans.

Andere Psalterien sind nach dem gleichen Prinzip, aber unabhängig vom Utrechtpsalter illustriert: Amiens, Stadtbibl. cod. 18, 10. Jh.; Vatikan, cod. bibl. Reg. 12 lat., 11. Jh.; Boulogne, cod. 20, um 1000; Paris, B. N. ms. lat. 8824; Berlin, Kk., Hamilton 549, 12. Jh. Ausgewählte Szenen solcher Wortillustrationen finden sich auch in der Elfenbeinschnitzerei des frühen MA. In Anlehnung an den Utrechtpsalter sind die beiden elfenbeinernen Buchdeckel des Psalters Karls des Kahlen, um 860–70 (Paris, B. N. ms. lat. 1152), entstanden: vorn die Bußpredigt des Propheten Nathan im Beisein der Bathseba (RDK I 1514, Abb. 1). Die Leiche des von D. getöteten Urias liegt am Boden; darunter eine Illustration des von Nathan angeführten Gleichnisses von den Schafen des armen und reichen Mannes (2. Sam. 12). Auf der Rückseite schützt ein Engel die Seele des Psalmisten vor einem heranstürmenden Löwen (vgl. Utrechtpsalter, Psalm L und LVI). Zwei weitere elfenbeinerne Buchdeckel um 870 nach dem Vorbild des Utrechtpsalters finden sich im Schweiz. Landesmus. und in Schweiz. Privatbesitz (Goldschmidt I, Nr. 40 Taf. 19; Nr. 42/43 Taf. 21).

Der Egbertpsalter in Cividale, zw. 977 u. 993, enthält nur ein Bild des thronenden königlichen Sängers, während ein belgischer Psalter der 2. H. 11. Jh. (München, Clm. 13 067) u.a. ein Bild des vor der Bundeslade tanzenden D. im geschürzten Mantel aufweist, welchen noch spielende Musikanten begleiten (Kat. d. Ausst. „Ars sacra“, München 1950, Nr. 127).

Im 12. Jh. bildet sich in der englischen Psalterillustration ein Schema heraus, bei dem die Bedeutung des D.-Bildes nicht im selbständigen historischen Illustrationsbild liegt, sondern in der Initialverzierung zu Beginn bestimmter Psalmen, die einer liturgischen 9-Teilung des Psalters folgt. Dabei haben sich Bildtypen entwickelt, deren Motive jeweils auf den Inhalt des Psalmes bzw. auf den Inhalt eines bestimmten Verses Bezug nehmen [8]. Für Psalm 1 „(B)eatus vir qui non abiit in consilio impiorum ...“ stellte man in der Regel D. als königlichen Sänger dar; gelegentlich wird der Kampf D. mit Goliath hinzugefügt. Für Psalm 26 (27) „(D)ominus illuminatio mea, salus mea, quem timebo ...“ wurde meist die Salbung, seltener die Krönung D. verwendet, seit dem beginnenden 13. Jh. aber auch D., dem Antlitz Christi oder der Hand Gottes zugewandt und dabei auf sein eigenes Auge zeigend. Bei Psalm 38 (39) „(D)ixi custodiam vias meas ut non delinquam in lingua mea“ wurde das Initial in den meisten Hss. mit D., angesichts Christi auf seinen Mund zeigend, geziert, seltener auch im Beisein des Teufels. Für Psalm 52 (53) „(D)ixit insipiens in corde suo: non est deus ...“ finden wir in der Regel bis M. 13. Jh. D. mit einem halbnackten Narren (dem Insipiens), der eine Keule in der Hand hält; E. 13. Jh. öfters den Narren allein. Für Psalm 68 (69) „(S)alvum me fac Deus, quoniam intraverunt aquae usque ad animam“ wurde D. meist nackt, bis zur Hüfte im Wasser, oder auch nackt im Boot stehend dargestellt, die Hände jeweils flehend zu Gott erhoben (Abb. 6). Bei Psalm 80 (81) „(E)xultate Deo adjutori nostro, jubilate Deo ...“ schlägt D. in der Regel mit zwei Hämmern an ein Glockenspiel, vereinzelt spielt er seine Harfe. Bei Psalm 97 (98) „(C)antate canticum quia mirabilia ...“ tritt ein D.-Bild nur selten auf; einzig die Gruppe des nordfranz. Blancapsalters von 1230–50 enthält den orgelspielenden D. Bei Psalm 109 (110) wird in der Regel nur die Dreifaltigkeit dargestellt. – Dieses Schema findet im 13. Jh. infolge des reichen Exportes englischer Hss. nach dem Kontinent, vor allem in Frankreich und dann auch in Deutschland allgemeine Verwendung [8]. Als Besonderheit wäre im Psalter cod. 180 in Donaueschingen das Initial für Ps. 1 mit D., der Christus auf seinen Schultern trägt, zu erwähnen (Abb. 5).

Zyklen mit historischen Bildern zur Geschichte D. enthalten zahlreiche Bibeln und auch Psalterien. Zu den ältesten und ikonographisch interessantesten Hss. des Abendlandes aus der späten Karolingerzeit ist das Psalterium aureum in St. Gallen (Stiftsbibl. Cod. 22) zu zählen, das einen 12szenigen D.-Zyklus mit sehr eigenem Bildprogramm aufweist. Bei diesem Psalter handelt es sich um die Wiedergabe der Psalmüberschriften, welche die Gelegenheit angeben, bei der ein Psalm verfaßt wurde. Folgende Bilder sind vorhanden: Errettung D. aus der Hand der Feinde, Salbung D., Erbauung der Stiftshütte und Einholung der Bundeslade, Weihe des Heiligtums, D. gebärdet sich als Wahnsinniger, Saul und D., D. Flucht in eine Höhle vor dem speerwerfenden Saul, D. im Hause der Michal, D. als königlicher Sänger (Abb. 1), Auszug des Heeres, Belagerung und Sturm auf eine Stadt, D. Flucht in die Wüste Juda (J. R. Rahn, Das Psalterium aureum von St. Gallen, St. Gallen 1878). Aus derselben Zeit stammt die Bibel von San Callisto (S. Paolo f. l. m.), welche neben dem psalmierenden D. sowie den üblichen Szenen der Salbung und der Goliathkämpfe auch eine Darstellung mit D. in der „Domus Cedrina“ (2. Sam. 5, 11 und 7, 2) enthält. Einen D.-Zyklus mit höchst origineller Bildgestaltung weist der aus dem angelsächsischen Bereich stammende Psalter des 9. Jh. in St. Johns College in Cambridge auf.

Aus ottonisch-salischer Zeit sind größere D.-Zyklen kaum vorhanden, da weder illustrierte Gesamtbibeln noch Psalterien mit reicherem Bilderschmuck geschaffen wurden.

Einen größeren D.-Zyklus enthält jedoch die Bibel von S. Isidoro in Leon von 960 als Illustration zu den Königsbüchern (Wilh. Neuß, Die katalanische Bibelillustration, Bonn-Leipzig 1922, S. 72ff. und 82). Als weitere Hss. mit reichhaltigen D.-Zyklen sind zu erwähnen: London, B.M. Cotton Tib. C VI (Abb. 4) und der Werdener Psalter in Berlin, St. Bibl. theol. lat. 359, beide aus dem 11. Jh.; die vierbändige Bibel von Cluny von 1109 in Dijon, Bibl. No. 14 (9 bis), wo auf einem Blatt 19 Darstellungen aus d. Geschichte D. vorhanden sind [4]. Ebenfalls aus dem 12. Jh. stammt die reich illustrierte Winchester-Bibel in New York, Pierp. Morgan ms. 619 (Abb. 7). Mehrere Szenen, die jedoch z. T. nicht biblisch sind, weist der in der 1. H. 13. Jh. illustrierte Psalmenkommentar des Petrus Lombardus in Bamberg auf (St. Bibl. 59; Abb. 10). Aus dem 13. Jh. wären von französischen Psalterien zu erwähnen: Paris, B. N. ms. lat. 8846 (B. N. Dép. des mss., Reproduction des 107 miniatures du ms. latin 8846) wie ein anderer Psalter Ludwigs des Heiligen, ebd. (B. N. Dép. des mss., Reproduction des 86 miniatures du ms. latin 10526); beide Hss. enthalten je 8 Einzelbilder zur Geschichte D. Unter den späteren Hss. fallen durch hervorragende Darstellungen auf: die Wenzelbibel in Wien, Nat. Bibl. 2759–64 (J. v. Schlosser, Jb. Kaiserh. 14, 1893, 214) und der Queen Mary Psalter in London (B. M., 2 B VII), der als ausführlichste bildliche Darstellung die Geschichte D. in 54 Szenen erzählt.

3. D.-Zyklen in Wandmalerei und Plastik

Schon in karolingischer Zeit wurden ganze D.-Zyklen auch für Bildwerke monumentalen Charakters, besonders zur malerischen Ausstattung von Kirchen verwendet. Ermoldus Nigellus erwähnt die Wandgemälde in der Pfalzkapelle zu Ingelheim mit einem a.t. Zyklus, in dem auch die Taten D. vertreten waren („Davidis opus“), und der einer n.t. Bilderfolge gegenüberstand (Schlosser, Schriftquellen Nr. 925). An der Nordwand der Klosterkirche zu Münster in Graubünden befanden sich Wandmalereien mit acht Szenen aus einem Davidischen Zyklus mit der Geschichte Absaloms (Originale im Schweiz. Landesmus. Zürich). Man glaubt unter den erhaltenen Fragmenten folgende Szenen zu erkennen: das Weib von Thekoa bittet D. um Absaloms Begnadigung (2. Sam. 14); Versöhnung D. mit Absalom; Absalom schmeichelt sich dem Volk ein; er läßt sich zum König ausrufen; D. Flucht; Auszug des Heeres Absaloms; Absaloms Tod; D. erhält die Nachricht vom Tode Absaloms (2. Sam. 16 bis 19), vielleicht auch das Heimführen der Bundeslade nach Jerusalem (2. Sam. 6). Ursprünglich werden wohl noch mehr Szenen aus dem Leben D. vorhanden gewesen sein; nach den neuen Funden von Wandgemälden an den Schiffswänden und im Altarhaus von Münster können die D.-Szenen als typologische Vorbilder zu einem n.t. Zyklus angesehen werden (Inv. Schweiz, Kt. Graubünden I, 30–33; V, 312–20; VII, 454f.). Die sieben z. T. nur in Fragmenten erhaltenen D.-Bilder in den Fußbodenmosaiken von St. Gereon in Köln, 11. Jh., beruhen auf malerischen Vorlagen, die in der orientalisch-byzantinischen Kunst wurzeln. Besonderes Interesse findet der thronende König D. unter einem zeltartigen Aufbau, der „Domus Cedrina“, mit den Insignien Krone, Reichsapfel und Zepter, umgeben von zwei Mann seiner Leibwache. Die übrigen Szenen sind: D. den Löwen tötend; Kampf D. gegen Goliath (mit der Schleuder wie mit dem Schwert); Salbung D.; Michal verhilft D. zur Flucht; Jonathan schenkt D. seinen Rock (1. Sam. 18, 4; Abb. und Beschreibung [4], Abb. 111–115). Im Dome von Siena schufen Niccolo di Coro, Pietro di Minella u. a. einen Fußbodenbelag mit Darstellungen des Kampfes gegen Goliath und des am Baume hängenden Absalom, die jedoch im Rahmen eines größeren a.t. Bilderzyklus entstanden sind.

Unter den plastischen D.-Zyklen aus romanischer Zeit wäre der am Portal der Abtei von Ripoll zu nennen, wo u. a. D. als königlicher Sänger, von vier Musikanten umgeben, dargestellt ist; das Relief ist wohl unter dem Einfluß der Psalterillustrationen entstanden. Wahrscheinlich gehört auch das Relief eines thronenden Geigers (leider ohne Kopf) im Schnütgen-Mus., zu dem sich zumindest zwei tanzende Musikanten ordnen lassen, zu einer ähnlichen Darstellung (Samsonmeister, um 1210; Wallr. Rich. Jb. 10, 1938, 29). Einen ganzen D.-Zyklus zeigen die Kapitelle von Vézelay, fünf Szenen finden sich an der Nordseite der Kathedrale von Chartres und oberhalb der Rose an der Westfassade der Kathedrale von Reims. Sechs Darstellungen mit D. und Bathseba schmücken das rechte Portal der Westseite der Kathedrale von Autun.

4. Einzeldarstellungen

Das ganze MA hindurch sind, neben ganzen Zyklen, auch einzelne Szenen aus der Geschichte D., gelegentlich aber auch nur D. als Einzelgestalt ohne geschichtlichen Vorgang oder im Rahmen einer Prophetenreihe dargestellt worden, und zwar sowohl in der Wand- oder Glasmalerei, wie als Plastik an Fassaden, und besonders an Kapitellen und Portalen größerer Kirchen und Kathedralen. Der Kampf D. gegen Goliath zählt dabei zu den beliebtesten Szenen.

Unter den früheren Skulpturen ist die Goliathszene am Fuß des Trivulzio-Kandelabers im Mailänder Dom, A. 13. Jh., zu nennen (Abb. 8), dann die an Kapitellen der Kathedralen von Moissac, Vézelay und am Portal von St. Gilles, wo D. dem Goliath mit dem Schwerte das Haupt abschlägt; als monumentale Plastik die Darstellung an der Westfassade der Kathedrale von Reims. D. den Löwen tötend erscheint an der Kirche von Schöngrabern, die Salbung D. an der Porte Saint-Honoré in Amiens und an der Nikolauskapelle des Münsters in Freiburg i. Br. Als Wandgemälde finden wir den Goliathkampf im Domkreuzgang von Brixen, um 1460–70, und an der Fassade des Goliathhauses in Regensburg, um 1500 von J. Bocksberger d. Ä.

Als Einzelfigur erscheint D. neben den Propheten und weiteren Gestalten des A.T. bereits in dem A. 12. Jh. entstandenen Glasfensterzyklus des Augsburger Domes (Abb. 3); hier sind ihm nur die königlichen Insignien und ein Spruchband mit Ps. 83 (84), 5, gegeben. In ähnlichen Zusammenhängen steht D. an den Portalen französischer Kathedralen (Etampes, N.-D.; Le Mans; Bourges; Angers; Saint-Loup-de-Naud; Saint Trond usw.). Mit den Marterwerkzeugen Christi ist er an der Westfassade der Kathedrale von Laon und an der Nordseite der Kathedrale von Chartres dargestellt. Als königlichen Sänger finden wir ihn, die Harfe stimmend, in Toulouse und an den Bogenlaibungen in Provins und in Braisne; eine Viole streichend an der Kathedrale von Santiago de Compostela, am Nordportal des Großmünsters in Zürich und an der Kathedrale von Sens. Mit den königlichen Attributen, die Leier in der Rechten, steht er an der Goldenen Pforte in Freiberg neben der Königin von Saba. Als Prophet stellte Benedetto Antelami D. mit Krone und Schriftrolle in Borgo S. Donnino dar. Mit den gleichen Attributen ist D. unter den Propheten am Mosesbrunnen des Claus Sluter in Dijon ausgestattet.

V. D. in den typologischen Hss. des MA

Typologie. Eine wesentliche Bedeutung der vielseitigen Geschichte Davids liegt in ihren symbolischen und typologischen Beziehungen. Wie oben (II.) gezeigt, wurde D. schon frühzeitig als Vorläufer Christi angesehen, wie er ja auch dessen Vorfahr ist. Dementsprechend suchte die spät-m.a. Typologie nach immer neuen Parallelen zwischen dem Leben D. und dem Christi. Reich an Gegenüberstellungen sind die Erbauungsschriften des 13./14. Jh. In der „Bible moralisé“ aus dem 13. Jh. wechseln folgende Szenen aus der Geschichte D. mit entsprechenden typologischen, allegorischen oder moralisierenden Darstellungen ab:

Ein Amalekiter weist D. das Haupt Sauls vor (nach 2. Sam. 1) = der Antichrist teilt Christus mit, daß die Sünder in der Hölle seien. – Absalom bleibt mit seinen Haaren an einem Baume hängen (2. Sam. 18, 9) = Juden, die nach der Auferstehung Christi schwankend blieben, schweben wie Erhängte zwischen Erde und Himmel. – Joab durchbohrt mit drei Speeren das Herz des am Baume hängenden Absalom = der Teufel führt einem Sünder drei Laster „orgoell, couvoitisé und luxure“ in Gestalt von Mädchen zu. – Joabs Waffenträger werfen Steine auf die Leiche Absaloms = der Teufel wird von drei Männern mit einer brennenden Fackel, einem Keil und einem Eimer voll Wasser beworfen. – D. bringt Gott ein Opfer dar = Christus segnet einen knienden König, dessen Seele zum Himmel schwebt. – Israeliten führen Abisag dem alten D. zu (1. Kön. 1, 1–4) = Christus thront zwischen zwei abgewendeten Israeliten links und einer betenden Frau rechts (H. J. Hermann, Die westeurop. Hss. und Inkunabeln der Gotik und der Renaissance, Engl. und franz. Hss. des 13. Jh. [N. F. 7], Leipzig 1935, Nr. 14. – Eine Zusammenstellung der existierenden Hss. bei A. de Laborde, Paris 1911–21).

Die Armenbibel, E. 13. Jh. entstanden, verwendet folgende Szenen der Geschichte D. als Vorbilder für Christus: Abner geht zu D. über (2. Sam. 3) = Anbetung der hl. Drei Könige (RDK I 1077, Abb. 5). – D. flieht vor Saul (1. Sam. 19) = Flucht nach Ägypten (Abb. 13). – Der Herr fordert D. zur Rückkehr auf (2. Sam. 2, 1) = Rückkehr aus Ägypten. – Die Frauen Israels ziehen D. entgegen (1. Sam. 18, 7) = Einzug in Jerusalem. – Absaloms Aufruhr gegen D. (2. Sam. 15) = Judas erbietet sich zum Verrat. – D. tötet Goliath = Christus in der Vorhölle.

Neue bzw. abgewandelte Bildgruppen in den deutschen erzählenden Armenbibeln (nach Cornell, Tab. IV u. S. 292ff.): Absaloms Tod = Selbstmord des Judas. – Absaloms Tod und Beweinung = Kreuzabnahme. – D. beauftragt Salomo mit dem Urteil über Joab, Urteil Salomos über Joab (1. Kön. 2) = Weltgericht. – In der München-Londoner Hss.-Gruppe (nach Cornell Tab. V u. S. 300ff.): D. und die Knechte des Königs Achis (1. Sam. 21, 11) = Dornenkrönung. – D. umarmt Jonathan (1. Sam. 20, 42) = Christus mit dem Kreuz und die Frauen. – D. tanzt nackt vor der Bundeslade (2. Sam. 6) = Entkleidung Christi. – D. vor der Bundeslade, D. und Abigail (1. Sam. 25) = Marientod, Mariä Aufnahme in den Himmel (so z. B. am Chorgestühl in Maulbronn, Sp. 114 Abb. 2).

Mehreren D.-Szenen begegnen wir auch in der sinnbildlichen Bibelauslegung des Heilsspiegels, der von dem Dominikaner Ludolf von Sachsen in Straßburg gedichtet und 1324 vollendet wurde (J. Lutz und P. Perdrizet, Speculum humanae salvationis, Leipzig-Mülhausen 1907). Er verwendet folgende Typen und Symbole:

Der Turm D., daran 1000 Schilde hangen (Hoh. 4, 4; s. unten VI, 6) = Verlobung Mariens (Kap. 6). – Die drei Helden bringen Wasser vom Brunnen in Bethlehem (Abb. 14; 2. Sam. 23, 14ff. und Petrus Comestor, Hist. schol. II Reg. 22) = hl. Drei Könige (Kap. 9). – D. tötet den Löwen und den Bären (1. Sam. 17, 36) = Versuchung Christi (Kap. 13). – Nathans Bußpredigt (2. Sam. 12) = Magdalena zu Füßen Christi (Kap. 14). – D. mit Goliaths Haupt wird mit Jubel empfangen (1. Sam. 17, 54) = Einzug in Jerusalem (Kap. 15). – D. schlägt die 800 (2. Sam. 23) = die Häscher fallen vor Christus nieder (Kap. 17). – Saul wirft den Speer gegen D. (1. Sam. 18, 11) = Verrat des Judas (Kap. 18). – Simei flucht D. (2. Sam. 16, 5–14); der König von Ammon verunehrt die Gesandten D. (2. Sam. 10, 4) = Dornenkrönung Christi (Kap. 21). – Michal verspottet D. (2. Sam. 6, 20); Tod Absaloms (2. Sam. 18) = Tod Christi (Kap. 25). – D. Klage über Abner (2. Sam. 3, 33) = Grablegung Christi (Kap. 27). – D. holt tanzend die Bundeslade ein (2. Sam. 6, 4ff.) = Himmelfahrt Mariä (Kap. 36). – Abigail besänftigt den Zorn D. (1. Sam. 25, 23ff.); das Weib von Thekoa vor D. (2. Sam. 14) = Maria als Mittlerin zwischen Gott und den Menschen (Kap. 37). – Michal hilft D. zur Flucht (1. Sam. 19. 8ff.) = Schutzmantelmadonna (Kap. 38). – D. bestraft die Bürger von Rabba (2. Sam. 12, 31) = Bestrafung der Verdammten (Kap. 41).

Die Hss. des Heilsspiegels (genaues Verzeichnis bei Edg. Breitenbach, Spec. hum. salv., Stud. z. dt. Kg. 272, Straßburg 1930) wirkten über die Blockbücher und Drucke (darunter der „Spiegel menschl. Behaltnis“, vgl. A. Pfister, Das dt. Spec. hum. salv. und der frühe Basler Inkunabelholzschnitt, Diss. Basel 1937) auch in die Monumentalkunst weiter: Glasfensterzyklen in Mülhausen i. E. (Lutz-Perdrizet a. a. O.) und München (Paul Frankl, Der Meister des Speculum-Fensters von 1480 in der Münchner Frauenkirche, Berlin 1932), Basler Heilsspiegelaltar des Konrad Witz (Abb. 14).

Die zahlreichen, der Geschichte D. entnommenen Beispiele der Concordantia caritatis, M. 14 Jh., können hier nicht eigens aufgeführt werden (s. Sp. 835ff.): Temporale Nr. 3, 5, 10, 14, 31, 37, 45, 51, 56, 63, 68, 70, 74, 76 (s. Sp. 845, Abb. 5), 79, 81, S3, 85, 86, 94, 100, 107, 108, 110, 112, 113, 118, 119, 124, 129, 130, 138, 139, 148, 149, 150, 151, 153, 154. Darunter sind der Armenbibel entlehnt: Temp. Nr. 14, 70, 85 und 100.

VI. D. in den symbolisch-allegorischen Darstellungen des MA

1. Symbol Christi

Das MA gebrauchte Szenen aus D. Geschichte als symbolische Darstellungen Christi und seiner Passion. So sind in der Münchner Hs. der „Laudes s. crucis“ (Clm. 14 159), um 1180, die Geschehnisse des A.T., darunter auch der D.-Geschichte als Typen für die Kreuzigung Christi betrachtet und nach moralischer Seite hin gedeutet. Der Kampf D. mit Goliath bedeutet den Kampf Christi mit dem Teufel. Der Stein, mit dem D. den Goliath an der Stirn traf, weil der Teufel in dem Teil seines Körpers seine Strafe empfing, an dem ihm das Zeichen des Lebens im Glauben fehlte, bedeutet in der Auffassung des mönchischen Verfassers die unüberwindliche Glaubensstandhaftigkeit der Kirche. Der Stab, mit dem D. zu seinem Feind kam, ist ein Zeichen des Gesetzes oder des Kreuzes. In der Darstellung D., der sich vor dem König Achis verstellt (1. Sam. 21, 14), knüpft der Text an das „tympanizabat“ an. In der Kithara oder dem Tympanon, mit denen Saul und Achis besänftigt werden, ist die Tötung des Leibes Christi zu erkennen, denn als Christus am Kreuze starb, wurde das wahnsinnige Volk der Juden, das in den beiden Königen präfiguriert ist, besänftigt. In der Beweinung Absaloms durch D. ist D. ein Typus für Christus, Absalom für das Volk der Juden, von dem es heißt: „Israel ist mein Erstgeborener.“ Als der wahre D. zu diesem Sohne kam, fand er einen Vatermörder statt des Sohnes, daher schreitet er mit verhülltem Haupte einher, d. h. er verhüllt seine Göttlichkeit, wenn er die Wege des sterblichen Lebens beschreitet, und sucht voll Trauer den Sohn, von dem er weiß, daß er durch seine eigene Schlechtigkeit schon vernichtet ist. Den a.t. Szenen ist jeweils ein kleines rotes Kreuz beigegeben (A. Boeckler, Regensburg-Prüfeninger Buchmalerei, S. 33ff., Taf.

Als Symbol der Kreuzigung Christi ist D. als Einzelgestalt auf Grund von Ps. 101 (102), 7: „Similis factus sum pelicano solitudinis“ mit dem Pelikan, der mit seinem Blute die Jungen nährt, in einem Glasgemälde des 13. Jh. in der Kathedrale von Le Mans dargestellt. Als Symbol der Auferstehung Christi findet sich das gleiche Motiv in einem Glasgemälde der Kathedrale von Bourges. Am Sakramentshaus des Ulmer Münsters schmückt das Pelikanmotiv die Konsole der D.-Statue.

Vorbilder für das Brautverhältnis der Kirche zu Christus werden die in Christi Geschlechtsregister genannten a.t. Paare D. – Bathseba, Juda – Thamar und Boas – Ruth. Dieser symbolisch-typologischen Bedeutung entspricht eine D.-Bathseba-Szene im romanischen Tympanonrelief in Trebnitz (RDK II 1001/02, Abb. 6), die an sich keinem bestimmten Ereignis nachgebildet ist. Auf eine Auslegung Augustins und Hieronymus’ zurückgehend, wird Bathseba durch Vertauschung ihres Namens mit dem Ortsnamen Bersabee (= sieben Brunnen) zum Symbol der Ecclesia und D. zum Repräsentanten Christi. Symbolische Bedeutung wird somit auch dem Ehebruch zuteil, wobei Urias zum Vertreter des jüdischen Volkes wird, aus dessen leiblicher Gemeinschaft Bathseba-Ecclesia von Christus befreit wird (Dag. Frey, Ein neu entdecktes roman. Tympanonrelief, Zs. d. Dt. Ver. f. Kw. 2, 1935, 496–518).

2. Vorfahre Christi

In der Wurzel Jesse (= Isai, Jes. 11, 1) wurde auch D. ein gebührender Platz unter den Vorfahren Christi zuerkannt (A. Watson, The Early Iconography of the Tree of Jesse, London 1934). Eine hervorragende Darstellung findet sich im Glasfenster an der Westseite der Kathedrale von Chartres, um 1160. Auf deutschem Boden ist wohl die früheste, vorerst noch vereinfachte Form auf den Zellenschmelzbildern der Kaiserkrone zu erkennen.

Spätere Beispiele: das Deckengemälde in Hildesheim, um 1230; die Glasgemälde von St. Kunibert in Köln, um 1220; im Dom zu Regensburg; das Kramerfenster von 1480 des Peter Hemmel von Andlau in Ulm; der spätgot. Altar der Sieben Schmerzen Mariä von Heinr. Douvermann in St. Nikolaus in Kalkar, 1521; der Renaiss.-Altar des Hans Daucher in Annaberg, Sachsen, 1518–22; Rubens, Vorzeichnung für eine Umrahmung im Missale Romanum, Antwerpen (Plantin) 1614, gest. von Th. Galle (Glück-Haberditzl Nr. 71).

Hinsichtlich der Attribute der Vorfahren Christi ist eine Darstellung des n.t. Bilderzyklus in dem Deckengemälde von Zillis, 1130–40, bemerkenswert: D., Salomon und Rehabeam, als thronende Könige dargestellt, halten zur näheren Bezeichnung als Personen des Alten Bundes und zum Zeichen ihres Judentums Beschneidungsmesser in der Rechten (E. Poeschel,

Die roman. Deckengemälde von Zillis, Erlenbach-Zürich 1941, Taf. 7 und 47).

3. Prophet

In einer Darstellung der Menschwerdung Christi und ihrer Vorhersage durch die Propheten auf dem sog. Mantel der hl. Kunigunde im Bamberger Domschatz, 11. Jh., mit Inschriften, die den Antiphonen der Advents- und Weihnachtszeit entnommen sind, findet sich an bevorzugter Stelle (links von dem aus dem Himmelstor schreitenden Christus, als Gegenstück zur Jungfrau Maria) das Brustbild D. mit Krone und Schlüssel und der Beischrift „O CLAVIS DAVID ET SCEP(TRUM)“ (Wilh. Messerer, Der Bamberger Domschatz, München 1952, S. 57f. u. Taf. 53). – Als Verheißer des Messias gehört D. zu der Reihe der Propheten, die, zusammen mit den Sybillen, als Zeugen des Alten Bundes galten, da ihre Weissagungen auf den Neuen Bund hindeuten. In dieser Eigenschaft tritt D. in dem schon genannten Glasfensterzyklus des Augsburger Doms auf (Abb. 3): fünf Figuren sind erhalten, von denen vier (Moses, Jonas, Daniel [Sp. 1035 Abb. 3] und Hosea) mit spitzem Judenhut gekennzeichnet sind, D. dagegen durch Krone und Zepter (H. Wentzel, Meisterwerke der Glasmalerei, Berlin 1951, Abb. 2–6). In der großen Reihe der Propheten ist D. in der Typologie des Credo (s. Glaubensbekenntnis) vertreten, wo den Aposteln, welche die Worte des Glaubensbekenntnisses auf ihren Spruchbändern verteilt tragen, eine gleiche Anzahl Propheten mit Prophezeiungen auf Spruchbändern gegenübergestellt ist:

Z. B. RDK I 823/24, Abb. 11; ferner am Eilbertus-Tragaltar des Welfenschatzes, kölnisch um 1150–60 (O. von Falke, R. Schmidt, G. Swarzenski, Der Welfenschatz, Frankfurt a. M. 1930, S. 121, Taf. 27–34). Als weitere Beispiele sind zu nennen: Glasgemälde in der Kathedrale zu Bourges, um 1405 (J. Verrier, La cathédrale de Bourges et ses vitraux, Paris 1943. S. 16f.); Darstellung in der Klosterkirche zu Blaubeuren; Wandmalereien in der Martinskirche zu Memmingen, beide aus E. 15. Jh. (Künstle I, S. 182f.); mehrere flämische Teppiche des 15. und 16. Jh. (D. T. B. Wood, „Credo“ Tapestries, Burl. Mag. 24, 1913/14, 247–54, 309–16).

Bisweilen gehört D. auch zu den Propheten, die in Weltgerichtsdarstellungen neben den 12 Aposteln als Beisitzer Christi in das Endgeschehen einbezogen werden, meist etwas abgesondert in Archivolten oder an Portalwänden, z. B. im Freiburger Münster um 1280–1310, in St. Lorenz in Nürnberg um 1355, oder im Berner Münster um 1490. Ebenso steht D. unter den Propheten, die ihren Platz zwischen den Aposteln und den einzelnen Kategorien der Heiligen auf Allerheiligen-Bildern oder verwandten Darstellungen einnehmen; z. B. die Tafelbilder Albrecht Dürers um 1508 und des Cornelisz van Oostsanen in Kassel um 1523 (RDK I 369/370, Abb. 3). Stets vorhanden ist er auch in der Reihe der Propheten, die im Wechsel mit den Aposteln seit A. 15. Jh. die Rückwandfelder zahlreicher dt. und schweiz. Chorgestühle schmücken. Die Epistelseite ist meist den Propheten, die Evangelienseite den Aposteln zugewiesen; z. B. am Chorgestühl im Berner Münster, 1523 von Jakob Ruß von Ravensburg und Heini Seewagen (Abb. 17). Am Chorgestühl des Ulmer Münsters, 1469–74 von Jörg Syrlin d. Ä., steht D. im Mittelpunkt der ganzen Reihe von Propheten und a.t. Zeugen (Dorsalreliefs auf der Männerseite), rechts und links von ihm zwei Helden des A.T., Simson und Josua. D. wird dabei als harfespielender König dargestellt.

4. Allegorie der Tugend

Das MA sieht in D. eine durch zahlreiche Tugenden ausgezeichnete Gestalt, was zu den verschiedenartigsten allegorischen Darstellungen Anlaß gab. Wohl eine der frühesten Gegenüberstellungen von Kämpfen zwischen Tugenden und Lastern mit sinnbildlichen Szenen aus der Geschichte D. wird die der Bamberger Apokalypse, um 1000, sein, wo der reuige D. und der geduldige Hiob von personifizierten Tugenden an der Hand geführt werden (H. Wölfflin, Bamberger Apokalypse, München 1918, Taf. 52). Eine weitere Darstellung enthält das Kreuz des Ragenfried aus dem 12. Jh. im Bargello in Florenz. Neben dem Kampfe mit dem Löwen und der Salbung sind zwei verschiedene Phasen aus dem Kampfe mit Goliath vorhanden. Um einige Szenen reicher ist der D.-Zyklus in typologischer Beziehung zur Psychomachie auf dem elfenbeinernen Buchdeckel des Psalters der Königin Melisenda, der zw. 1131 u. 1144 wohl von einem abendländ. Künstler unter byzant. Einfluß in Jerusalem ausgeführt ist (London, B. M. ms. Egerton 1139; Goldschmidt-Weitzmann II, Nr. 224, Taf. 73). Die vermutlich einem Psalter nachgebildete Bilderfolge enthält als neue Szenen: Abimelech gibt D. die Schaubrote (1. Sam. 21, 4ff.); D. büßt am Altar vor Nathan; ferner ist D. als Sänger der Psalmen mit seinen Psalmisten abgebildet (s. a. Ad. Katzenellenbogen, Allegories of the Virtues and Vices in Medieval Art, Stud. of the Warburg Inst. 10, London 1939). Auf dem anderen Buchdeckel des Melisenda-Psalters finden wir D., von Tugenden umgeben, als Wohltäter in königlicher Tracht, Werke der Barmherzigkeit ausübend; die (lateinischen) Beischriften sind meist wörtlich Matth. 25, 35–36, entnommen.

In einer theologisch-moralischen Hs. des 12. Jh. in München (Clm. 13 002) werden einige Szenen der biblischen und alten Geschichte mit dem schlimmen Ausgang der Gottlosen und Lasterhaften solchen mit dem Lohne der entsprechenden Tugenden gegenübergestellt. „Humilitas“ (s. Demut) setzt D. bei seiner Salbung zum König durch Samuel („Homo videt in facie, Dominus autem intuetor cor“, 1. Sam. 16, 7) eine Krone aufs Haupt. Das von der Tugend gehaltene Spruchband trägt das Wort „Beo“, dasjenige des D. „Excelsus Dominus humilia respicit“ (Ps. 137 [138], 6). Die Szene steht als Gegenstück zum Selbstmord des in Überhebung gefallenen Saul auf dem Berge Gilboa (1. Sam. 31). Gloria im Sinne von Superbia, die meist durch einen Selbstmord dargestellt wird, wohnt der Szene bei und spricht die Worte „Sic colo“ (A. Boeckler, Regensburg-Prüfeninger Buchmalerei, S. 26, Taf. 15 und 16). Zum Sinnbild der Gerechtigkeit, die, mit Frömmigkeit und Tapferkeit, dem Grundthema der Weisheit untergeordnet ist, wird die Darstellung des Königs D. („Honor Regis judicium diligit“, Ps. 98 [99], 4) mit Salomo und Hiskia neben Christus als „Rex Regum“ auf den vier Zellenschmelzbildern der deutschen Kaiserkrone aus ottonischer Zeit (Alb. Bühler, Das Münster 5, 1952, 332ff.). Die Inschriften der Spruchbänder weisen auf die Könige als Bedeutungsträger für bestimmte, dem Kaiser zukommende Herrschereigenschaften hin. Zu den Allegorien der drei Stufen des Hochmutes, die an der Porte Miégeville von Saint Sernin in Toulouse durch Simon Magus, die beiden Frauen Priscilla und Maximilla und die Doppelseele, der von Jakobus der Kopf zurecht gesetzt wird, konkretisiert werden, bilden der musizierende D. neben Christus und der Ancilla Domini die typologischen Gegenbilder (A. M. Getto, Die Porte Miégeville an Saint Sernin zu Toulouse, Kongreßakten des Kunsthistorischen Kongresses Amsterdam 1952). Als Allegorie der Freundschaft umarmt D. im „Somme le roi“, B. M. ms. 28162, um 1300, den Jonathan und als diejenige der Feindschaft wirft Saul seinen Speer gegen D. (H. Karlinger, Die Kunst der Gotik, Berlin 19262, S. 548).

5. verschiedene allegor.-symbol. Darstellungen

Als Vertreter des Weltbildes, der Weltharmonie, ist D., eine Lyra spielend, von Personifikationen der vier Jahreszeiten, der vier Elemente und der vier Temperamente umgeben, in einem Psalter des 12. Jh. in der Bibl. in Metz dargestellt (Mâle I, S. 319; dort auch andere Beispiele). Als Begründer des vierten Zeitalters („quarta aetas D. cum XL Carthago a Didone conditur ...“) wird D. in den Etymologiae des Isidor von Sevilla erwähnt (V, 39, 13), der im Anschluß an Augustin (Migne, P. L. 42, 892) die Weltgeschichte in sechs Zeitalter teilt, die den Schöpfungstagen entsprechen. Diese Vorstellung findet sich auf einem Glasgemälde der Kathedrale von Canterbury, um 1180: die Hochzeit zu Kana mit den sechs Krügen wird auf der einen Seite begleitet von den sechs Repräsentanten der Weltalter (Adam, Noah, Abraham, D., Jeremias und Christus), auf der anderen Seite von den sechs Lebensaltern (Molsdorf Nr. 1141).

In die m.a. Reliquien- bzw. Heiligenverehrung wird D. einbezogen in einem Reliquiar des 14. Jh. im Basler Münsterschatz (jetzt Histor. Mus. Basel; Abb. 15). Als einmaliges Vorkommnis wurde für das Gesicht D. eine antike Kamee mit einem geschnittenen Medusenhaupt verwendet. D. hält in den Händen ein Spruchband: DAVID REX MANUFORTIS ASPECTU DESIDERABILIS ECCE STIRPS MEA ET SAL’ MU(N)DI QUA DIVINIT P(RO)PHETAVI, darüber eine Kamee mit dem Löwen vom Geschlecht Judas, der Wurzel D. (Off. 5, 5) und einem Madonnenfigürchen mit Kind (Inv. Schweiz, Basel Stadt 2, S. 165ff.). Die turmartige Gesamtform des Reliquiars läßt vermuten, daß es eine Darstellung des Turmes D. ist und somit als marianisches Symbol gelten darf.

6. Turm D.

Dem Turm D. (Turris Davidica cum propugnaculis), der mit tausend Schilden versehen ist (Hoh. 4, 4), begegnen wir im späten MA in der Typologie des Heilsspiegels (s. o.) und dann im Hortus Conclusus, dem verschlossenen Garten des Hohenlieds (4, 12), einem marianischen Symbol, das die beschützende Maria versinnbildlichen soll.

Zahlreich sind die Darstellungen in der dt. Graphik des 15. Jh. sowie in dt. und schweiz. Bildteppichen (Kurth, Bildteppiche). Hervorragende Teppiche im Schweiz. Landesmus. und im Kollegium in Sarnen. Als Tafelbild ist ein Gemälde in Braunschweig zu nennen (J. Avalon, Verkündigung Christi mit dem Einhorn, Pro Arte Nr. 56, Dez. 1946). In höchst merkwürdiger Gestalt präsentiert sich das Sinnbild des davidischen Turmes auf einem im 15. Jh. von König Albrecht II. oder seiner Witwe Elisabeth gestifteten Altar im Stiftsmuseum Klosterneuburg bei Wien. Der Turm D. ist mit Waffen und den Bestandteilen einer Rüstung behangen; daneben die in Rüstung gekleidete Maria, beidseitig des Turmes je zwei gepanzerte Engel (Abb. 16).

Eine bedeutende monumentale Darstellung hat der Turm D. in einem Wandgemälde des Fritzlarer Domes von 1330–40 gefunden (H. Heinrichs, Die hessische Malerei in der 1. H. 14. Jh., Kassel 1939, S. 50–56). Noch C. D. Asam verwendete das Symbol im Deckenbild von St. Maria Victoria in Ingolstadt, 1736.

VII. D. in der profanen Kunst des MA und der Neuzeit

Im MA wurden Fürsten und Edelleute gern an der mit Tugenden ausgezeichneten Gestalt König D. gemessen. Schon Karl d. Gr. wurde im Freundeskreise mit „David“ angesprochen: „Domino pacifico David regi Flaccus Albinus salutem gratias agimus clementissime bonitati vestrae, dulcissime David, quod nostrae pravitatis memoriam habere digneris ...“ (Alkuin, 799: M. G. Epist. IV, 288; vgl. a. P. E. Schramm, Vortr. d. Bibl. Warburg 1922/23, 187f.).

1. D. als einer der neun guten Helden

Das späte MA verehrte D. auch als die Idealgestalt des tugendhaften Ritters, dem gleichzukommen das Bestreben eines jeden Edelmannes war, und reihte ihn deshalb unter die allegorischen „neun guten Helden“.

D. vertritt in einer Dreiergruppe neben Judas Makkabäus und Josua das A.T. Jacques de Longuyon nannte die neun Helden 1312 erstmals in seinem Gedicht „Le voeu du paon“, dann Guillaume de Machaut in „La prise d’Alexandrie“ und Eustache Deschamp in mehreren Balladen. 1460 verfaßte Sebastian Mamérot eine „Histoire des neuf preux“, und kurz nach 1467 verherrlichte Jean Molinet die Burgunderherzöge Philipp den Guten und Karl den Kühnen, indem er lie in seiner Dichtung „Le trosne d’honneur“ den neun Helden gleichsetzte. 1487 erschien im Druck bei Pierre Gérard in Abbeville „Le triomphe des neuf preux“. Die deutsche Literatur kannte die neun Helden nicht. Im 14. Jh. gelangten sie jedoch auch in Deutschland zu bildlicher Darstellung.

Um 1330 entstanden die Statuen im Hansesaal des Kölner Rathauses. Am Schönen Brunnen in Nürnberg stehen sie neben den dt. Kurfürsten. Peter Kaltenhoff malte sie 1457 an die Wände der Amtsstube im Augsburger Weberhaus, wo sie in erweiterter Reihe neben Propheten und Kurfürsten erschienen (N. Lieb in: Alt Augsburg I, 1937, S. 17–29). Als weitere Darstellungen wären die Fresken im Schloß von La Manta und in der Burg Valeria in Sitten (Abb. 12) sowie diejenigen in der Kirche von Droninglund und an der geschnitzten Holztür im Lüneburger Rathaus von Albert von Soest zu nennen. Noch erhaltene Bildteppiche befinden sich in New York (Bull. Metropolitan Mus., Mai 1949, 243–60) und im Histor. Mus. in Basel. Beliebt sind die neun Helden ferner in den graphischen Künsten. Zw. 1450 u. 1470 entwarf der Meister mit den Bandrollen eine Folge von drei Kupferstichen; in einer Folge von drei Holzschnitten, 1460–70, wurden sie beritten dargestellt (Originale in Paris, B. N. ms. fr. 4985). Die Burgerbibliothek Bern besitzt im Cod. A 45 neun Holzschnitte eines oberrheinischen Meisters, um 1460–70, mit deutschen, nach einer französ. Vorlage übersetzten Versen (Slg. Heitz Bd. 25, Taf. 1–9). Hans Burgkmair stellte neun Helden und neun Heldinnen in drei Einblattholzschnitten dar. D. wird meist als m.a. Fürst in königlichem Ornat oder in Rüstung, mit Krone und Zepter, gelegentlich auch mit dem Richtschwert wiedergegeben. Sein Wappen enthält eine weiße Harfe im blauen Schild, wie in einer Miniatur des „Livre du chevalier errant“ (Paris, B.N. ms. fr. 12 559, fol. 125; Mémorial d’un voyage d’études de la Soc. nat. des antiquaires de France en Rhénanie, Paris 1953, S. 290 Abb. 1) oder auch im Konstanzer Wappenbuch des Konrad Grünenberg von 1583 (ed. R.Graf Stillfried-Alcantara und Ad. M. Hildebrandt, Görlitz 1875–83).

Im 16. Jh. wurde D. noch einer weiteren Heldengruppe eingeordnet. Der Holzschnitt des Georg Pencz mit der „Ehrenpforte der zwölf sieghaften Helden des A.T.“, bei der D. mit Jonathan, Albia und Assa in einer Vierergruppe steht, bildet ein Gegenstück zum Holzschnitt des Erhard Schön mit der „Schandenpforte der zwölf Tyrannen des A.T.“, worunter Goliath vertreten ist (Geisberg, Einblattholzschnitt 19, 28 und 5, 35–38). Eine weitere Darstellung zu Hans Sachsens Dichtung von 1536 ist die Ehrenpforte der 12 sieghaften Helden im Meistersingersaal in Schwaz i. T. (J. Garber, Münchner Jb. N. F. 6, 1929, S. 299 Abb. 11).

2. D. als Schutzpatron der Meistersinger und als Repräsentant der Musik

Im 16. und 17. Jh. wurde der Psalmist D. zum Schutzpatron der Meistersinger, Sängergruppen und Musikkollegien. In der Schultafel von 1545 der Ulmer Meistersinger-Bruderschaft schwebt der harfespielende D. zwischen der Taube des hl. Geistes und der um einen Brunnen versammelten Schar der Meistersinger. Die Gestalt D. wurde auch als Anhänger für die Ulmer Meistersingerkette von 1572 verwendet (Abb. 18). Auf einer Rubenszeichnung kniet der harfespielende D. inmitten von Musikinstrumenten, den Blick nach oben auf ein himmlisches Konzert zu Ehren des Namens Gottes gerichtet (Glück-Haberditzel Nr. 41). Der Maler Franz Hein läßt im Mittelbild eines Flügelschränkchens der Nürnberger Meistersinger von 1623 (G. N. M.) D. vor der Dreieinigkeit knien. In einem Glasgemälde der löbl. Gesellschaft der Musikanten zu Winterthur, 1658 durch Hans Jakob Nüscheler angefertigt, ist der harfespielende D., von Blas- u. a. Instrumenten umgeben und mit dem Schlußwort des Psalters, dargestellt (Inv. Schweiz, Zürich 6, Abb. 65). Daraus ergibt sich, daß D. allgemein zur Personifizierung der Musik diente. Zahlreich waren deshalb im 18. Jh. die Darstellungen des musizierenden D. auf Orgelprospekten, z. B. in den Klosterkirchen St. Urban, Kt. Luzern, oder St. Katharinenthal, Kt. Thurgau (W. Kaufmann, Der Orgelprospekt in stilgeschichtlicher Entwicklung, Mainz 19392), auf Deckengemälden über den Orgeln, z. B. in der Michaelskirche Berg am Laim (Abb. 20), oder auf dem Titelblatt von Notenbüchern. Gelegentlich wurde D. als Repräsentant der Musik in einer Landschaft, von Tieren umgeben, dargestellt, wie auf einem Winterthurer Fayenceteller des 17. Jh. Hierin ist deutlich eine Übernahme des Orpheus-Motivs zu erkennen (Zürich, Schweiz. Landesmus.).

VIII. D.-Darstellungen in der Neuzeit

Verschiedene Geschichtswerke des späten MA sind teilweise mit mehr oder weniger umfangreichen Bilderzyklen aus der Geschichte D. illustriert. Aus dem ausgehenden 12. Jh. ist eine Hs. der „Antiquitates Judaicae“ des jüd. Schriftstellers Flavius Josephus erhalten (Stuttgart, Landesbibl. Hist. fol. 418). Jean Fouquet versah um 1470 eine spätere Hs. des Werkes mit kostbaren Miniaturen (Paris, B. N. ms. fr. 247; P. Durrieu, Les antiquités judaïques, Paris 1908). Umfangreichere D.-Zyklen enthalten jedoch die Hss. der Weltchronik des Rudolf von Ems aus dem 14. und 15. Jh., deren Urexemplar um 1250 nach der Historia scholastica, dem Pantheon des Gottfried von Viterbo und Solinus Polyhistor verfaßt wurde. Zu den bedeutendsten illustrierten Hss. süddeutscher Herkunft zählen: München, cgm. 6406; St. Gallen, Vadiana cod. 302 (Abb. 11); Zürich, Zentralbibl. cod. Rh. 15; Fulda, Landesbibl. Cod. Aa 88; Donaueschingen, Fürstl. Fürstenberg. Bibl. cod. 79. Die Zahl der darin enthaltenen Miniaturen mit Szenen der Geschichte D. ist groß (vgl. Konr. Escher in Mitt. d. Antiq. Ges. Zürich, 31, 1935, und Heinr. Jerchel in Zs. f. Kg. 2, 1933, 381–98).

Aus der großen Zahl von Historienbibeln, die auf die Historia scholastica zurückgehen, sind als illustrierte Hss. zu erwähnen: München, Cgm. 206, vollendet 1457; Hamburg, Stadtbibl. in scrinio 7, um 1460 geschrieben und von Hans Schilling illustriert; Wien, Staatsbibl. cod. 2774; Vorau, Stmk., Chorherrenstift, ms. 273, fol. 458f.; Berlin, Staatsbibl. ms. germ. fol. 1108, vollendet 1472. Das Liber Regum, ursprünglich „Historia Davidis“ genannt, ein dt. Blockbuch des 15. Jh., dessen Text in ziemlich engem Anschluß an die Vulgata geschrieben ist, enthält mehr als 20 Szenen aus der Geschichte D., jedoch beeinflußt durch die Bilder einer Armenbibel (Schreiber, Manuel 4, Leipzig 1902, S. 146–150; Verzeichnis der vorhandenen Exemplare bei Hans Rost [9]). Mit mehr oder weniger umfangreichen D.-Zyklen sind zahlreiche Frühdrucke des 15. und 16. Jh. geschmückt.

Ein genaues Verzeichnis der in Schramms Frühdrucken vorhandenen D.-Bilder enthält: Walter H. Achtnich, Kat. der biblischen Bilder aus A. Schramms Bilderschmuck der Frühdrucke, Bern 1949, S. 17–19, 24. Die größte Zahl an D.-Bildern enthalten folgende Ausgaben: Der „Ingold“ des Günther Zainer, Augsburg 1472; der „Christus“ des Anton Sorg, Augsburg 1476/81; das niederdt. „Plenarium“ des Steffen Arndes, Lübeck 1493/97; der „Hortulus Animae“ des Wilhelm Schaffner, Straßburg 1498/1500; ferner die dt. Bibeln des Anton Sorg, Augsburg 1477; des Anton Koberger, Nürnberg 1483; des Johann Grüninger, Straßburg 1485; die holländisch-kölnische Bibel des Heinrich Quentell, Köln 1478; die niederdt. Bibel des Steffen Arndes, Lübeck 1494; dazu kommen die Bibeln des Jost Amman von 1564 und 1571. Illustrationen zur Geschichte D. enthalten auch die von Ch. Döring, Lukas Cranach und Melchior Lotther 1524 gedruckten Wittenberger Lutherbibeln. Noch um einige D.-Szenen reicher ist die 1540 bei Hans Lufft gedruckte Ausgabe (A. Schramm, Luther und die Bibel, Leipzig 1923).

IX.

In der Neuzeit verliert die Darstellung der Geschichte D. nach und nach ihren moralisierenden und symbolischen Charakter, sie wird je länger je mehr rein historisch, nur als Illustration zur a.t. Geschichte, gesehen. Umfangreichere Bilderzyklen, abgesehen von illustrierten Bibeln (Illustrationen u. a. von Phil. Gottfr. Harder, 1729, oder Jul. Schnorr von Carolsfeld, 1857) werden seltener, obschon auch solche noch während des 19. Jh. südlich und nördlich der Alpen immer wieder in der Graphik, auf Tafel- und Wandbildern, Teppichen und zahlreichen Glasgemälden, besonders Kabinettscheiben, entstanden: D.-Zyklus als Deckengemälde von Raffael in den Loggien des Vatikan; Zeichnungen von Tobias Stimmer (F. Thöne, Die Handzeichnungen des T. S., Freiburg i. Br. 1936, Nr. 9, 56, 66), von Jean und Salomon de Bray, von Alfred Rethel 1839 und vielen anderen; Teppiche in der österr. Staatssammlung, Wien (Jb. Kaiserh. 2, 1884, 182f., 195f., 201f.); Teppiche des Pieter van Aelst in Sigmaringen (Pantheon 17, 1936, 193–98). Häufiger sind einzelne Darstellungen aus der Geschichte D., wobei, neben den geradezu volkstümlich gewordenen Szenen mit D. und Bathseba, sich D., die Harfe spielend oder im Gebete, sowie der in mehrere nacheinander folgende Phasen aufgeteilte Kampf mit dem Riesen Goliath besonderer Beliebtheit erfreuen. Hervorragende Darstellungen von L. Cranach, Berlin; Jan van Scorel, Dresden; Michelangelo, Sixtina; Tizian, Venedig, S. M. della Salute.

In der italienischen Renaissance entwickelte sich aus dem D.-Kampf ein neuer Bildtypus, dem ebenso geschichtliche wie symbolisch-allegorische Bedeutung zukommt. Nicht eine Kampfhandlung wurde im Bilde festgehalten, sondern nur das siegreiche Ende: D. ist mit triumphierender Gebärde dargestellt, er hält das Haupt Goliaths in der einen Hand oder steht neben dem am Boden liegenden Haupt. D. wird als Heldengestalt idealisiert und somit, besonders in barocker Zeit, zum ausgeprägten Repräsentanten jugendlicher Stärke, des Sieges und Triumphes. So malte ihn Taddeo Gaddi in einem Fresko in S. Croce in Florenz, Antonio Pollaiuolo in einem Tafelgemälde im K. F. M. Berlin, ferner die Maler Giorgione, Dosso Dossi, Caravaggio, Bernardo Strozzi, Guido Reni, Carlo Dolci usw. Unter den Skulpturen seien die Bronze- und Marmorstatuen von Donatello und Verrocchio (Bargello, Florenz), Michelangelo (Accademia und Bargello) und Bart. Bellano (Louvre) erwähnt. D. mit dem Haupt des Goliath wurde dabei in Beziehung gesetzt zu Judith mit dem Haupt des Holofernes, eine Parallele, die sich ins frühe MA zurückverfolgen läßt (Hans Kauffmann, Donatello, Berlin 1936, S. 167ff.). Das Thema der D.-Statue erfreute sich auch nördlich der Alpen besonderer Beliebtheit und regte bis in die Gegenwart (Bronzeplastik des Antonin Mercié im Louvre) immer wieder Maler und Bildhauer zu neuen Lösungen an. Als Besonderheit der Bildauffassung ist ein Relief des 18. Jh. im B.N.M. zu erwähnen, wo D., als kleines Kind dargestellt, das Haupt Goliaths am Boden hinter sich herschleift.

Der Psalmist D. tritt als Einzelfigur, auch mit anderen a.t. Personen, an barocken Altären, als Kanzelträger (RDK I 315, Abb. 25) oder dgl. auf (z. B. zweimal als überlebensgroße Stuckfigur, thronend bzw. harfespielend, am Chorbogen der Pfarrkirche in Sagens Krs. Ilanz, Graubünden, um 1640; Inv. Schweiz 13, S. 98f. u. Abb. 115).

Mit der Wiedergeburt der Triumphidee, die in Italien ihren Ursprung hat und sich im 16. Jh. auch nördlich der Alpen verbreitete, erfuhr auch der Triumph D. und der Empfang durch die Frauen Israels neue Gestaltungen. Neben der im 14. Jh. vereinzelten Miniatur im sog. Psalter Johanns des Guten (ms. 99, fol. 29, London, Slg. Henry Yates Thompson) sind aus dem 15. Jh. einige Cassonebilder (z. B. Pesellino, Lockinge House, England; W. Weisbach, Trionfi, Berlin 1919, S. 77ff., Abb. 27), aus dem 16. Jh. das Gemälde des Bernhard Strigel in München (Ä. Pin. Nr. 1063) oder die Stiche von Saenredam um 1600 und seiner Nachfolger [12] zu erwähnen, sowie die zwei, in der Bildauffassung grundverschiedenen Gemälde von Nic. Poussin in London und Madrid, das Gemälde Jan Steens in Kopenhagen oder das Aquarell des Berner Malers Wilhelm Stettier im Kunstmuseum Bern (Abb. 19). Raffael stellte in den Loggien den Triumph des alten D. dar (Weisbach a. a. O. Abb. 28).

Rubens hat, abgesehen von seinem bekannten Bathsebabild in Dresden, eine vielfigurige Darstellung der Begegnung D. mit Abigail gemalt (Paris, Priv.Bes.), ferner ein Bild des harfespielenden und singenden D. (Frankfurt, Städel) und den Kampf D. mit dem Bären (1930 im Berliner Kunsthandel).

Dem D.-Bild ein neues Gepräge zu geben, nicht den reinen geschichtlichen Vorgang darzustellen, sondern die seelischen Beziehungen zwischen D. und seiner Umwelt zu gestalten, versuchte vor allem Rembrandt; er erreichte in mehreren Ölgemälden und Zeichnungen neue Lösungen, deren Einflüsse auf die späteren Künstler nicht ausblieben. In zwei gegensatzlichen Auffassungen hat er Saul, dem Harfenspiel des D. lauschend, gemalt (Gemälde in Frankfurt a. M. und im Haag). Weitere Themen Rembrandts sind: D. zeigt Saul das Haupt Goliaths (Amsterdam); D. versöhnt sich mit dem Sohne Absalom nach der Ermordung Amnons (Leningrad, Ermitage); zwei Darstellungen D., Bathseba im Bade belauschend; D. als jüngerer Mann und im geläuterten Alter (Gemälde in Mannheim und New York).

Zu den Abbildungen

1. St. Gallen, Stiftsbibl., Cod. 22, Psalterium aureum, fol. 2. D. als königlicher Sänger, umgeben von Musikanten und Tänzern. 9. Jh., vor 883. Phot. Hildeg. Morscher, St. Gallen.

2. Paris, B.N., ms. gr. 139, Psalter, fol. 6 v. Schilderhebung D. und Krönung durch den „Ruhm“. 10. Jh. Phot. B.N.

3. Augsburg, Dom, Glasfenster. D. als Prophet. A. 12. Jh. Phot. Dt. Ver. f. Kw.

4. London, B.M., Tib. Cotton C VI, Psalter, fol. 8. D. entreißt dem Rachen eines Löwen ein Lamm. 11. Jh. Phot. Otto Homburger, Bern.

5. Donaueschingen, Fürstl. Fürstenberg. Bibl., Cod. 180, Psalter. Initial zu Ps. 1, Christus auf den Schultern D. 12. Jh. Phot. Otto Homburger, Bern.

6. Paris, B.N., ms. lat. 10 435, Psalter, fol. 78. Initial zu Ps. 68: Erschaffung der Tiere, Gott offenbart sich dem nackt im Schiff betenden D. 13. Jh. Phot. B.N.

7. New York, Pierpont Morgan Libr., ms. 619, Winchester-Bibel, fol. 1 v. Szenen aus der Geschichte D. Winchester 12. Jh. Phot. Bibl.

8. Mailand, Dom, Trivulzio-Kandelaber, Teil des Fußes. D. schlägt Goliath das Haupt ab. A. 13. Jh. Phot. Martin Hürlimann, Zürich.

9. Bern, Hist. Mus. Diptychon des Königs Andreas III. von Ungarn. Höllenfahrt Christi. Email, Rahmen Goldfiligran, Perlen und Edelsteine. Venedig E. 13. Jh. Phot. Mus.

10. Bamberg, St. Bibl., Cod. 59, Psalmenkommentar des Petrus Lombardus, fol. 2 v. Szenen aus der Geschichte D. und Michals. 13. Jh. Phot. Bibl.

11. St. Gallen, Vadiana, Cod. 302, deutsche Weltchronik, fol. 152 v. D. und Saul. 14. Jh. Phot. S. L. M. Zürich 23 831.

12. Valeria ob Sitten, Kt. Wallis, Wandgemälde im Saal der Kalenden. D. aus der Reihe der neun guten Helden. E. 14. Jh. Phot. Collection photogr. du Musée de Valère-Sion.

13. Blockbuch der Armenbibel, deutsche Ausgabe des Hans Sporer, Nürnberg 1471. Flucht nach Ägypten mit a.t. Typen und Propheten. Phot. Hist. Mus. Bern.

14. a und b. Konrad Witz, Heilsspiegelaltar. Zwei Tafeln mit D. und den Helden Abisai, Sabobay und Benaja. Basel, Öff. K.slg. Um 1435. Phot. Mus.

15. Basel, Hist. Mus., Inv. Nr. 1882.80 a. König-David-Reliquiar aus dem Basler Münsterschatz. Treibarbeit in Gold auf silbervergoldetem Sockel mit Tiefschnittschmelz; Antlitz: Medusenmaske, antike Sardonyxkamee; Muttergottes auf Löwenkamee. Höhe 17,8 cm. Mitte 14. Jh., Astkrone 15. Jh. Phot. Mus.

16. Klosterneuburg, Stiftsmus., Tafelbild vom Altar König Albrechts II. Maria als Königin der Potestates und der Turm D. Wiener Meister des Albrechtaltars, um 1440. Phot. Kh. Mus. Wien.

17. Jakob Ruß von Ravensburg, Samuel und D. aus der Prophetenreihe im Chorgestühl des Berner Münsters (Südseite). 1523. Phot. Martin Hesse, Bern.

18. Ulm, Städt. Mus., Inv. Nr. 5846. D. mit Harfe als Anhänger der Ulmer Meistersingerkette. Silber, vergoldet. Ulmer Meister H. J. Merckle, dat. 1572. Phot. Mus.

19. Wilhelm Stettler (1643–1708), Triumph D. als Besieger Goliaths. Aquarell aus einem Künstleralbum. Bern, Kunstmus. 2. H. 17. Jh. Phot. Martin Hesse, Bern.

20. Joh. Bapt. Zimmermann, D. als königlicher Sänger in Wolken. Deckenfresko über der Orgelbühne der Michaels-Hofkirche in Berg am Laim b. München. 1744. Phot. Kirchengemeinde.

Literatur

1. Anton H. Springer, Die Psalterillustration des frühen MA mit bes. Rücksicht auf den Utrechtpsalter, Leipzig 1880. – 2. J. J. Tikkanen, Die Psalterillustration im MA, Helsingfors 1895. – 3. Cabrol-Leclercq IV, 1, 295–303. – 4. P. Clemen, Romanische Monum. Malerei S. 156–67. – 5. H. Bächtold-Stäubli, Hdwb. d. dt. Aberglaubens II, Berlin 1927, S. 179f. – 6. Buchberger III, 163–65. – 7. Künstle I, 290–97. – 8. Günther Haseloff, Die Psalterillustration im 13. Jh., Stud. z. Gesch. d. Buchmalerei in England, Frankreich u. d. Niederlanden, Kiel 1938. – 9. Hans Rost, Die Bibel im MA, Augsburg 1939. – 10. Vict. Leroquais, Les psautiers mss. latins des bibl. publ. de France, Macon 1940/41. – 11. J. J. M. Timmers, Symboliek en iconographie der christelijke kunst, Roermond-Maaseik 1947. – 12. M. Calberg, David vainqueur de Goliath, Bull. des Musées royaux d’art et d’histoire 1952, 29–34.

Verweise